Geschrieben von Drahbeck am 04. Februar 2002 18:25:44:
Rutherford's berühmt-berüchtigte Broschüre "Schau den Tatsachen ins
Auge" aus dem Jahre 1938, "glänzte" auch mit der Forderung mit dem
Heiraten "bis nach Harmagedon" zu warten. Heilige Einfalt, mag man
dazu nur sagen. Immerhin, zeitgenössisch widersprach keiner öffentlich
dieser Einfalt. Im Gegenteil. Sie klatschten noch Beifall, die Claquere
wie N. H. Knorr und Konsorten. Wollten sie ihn doch beerben, was sich
alsbald auch verwirklichte. So wie heute, die WTG-Hauptamtlichen,
wieder besseres Wissen, versuchen die WTG als ihre Erwerbsquelle,
mit mehr oder weniger Geschick, am laufen zu halten. Und das Fußvolk
tut es ihnen vielfach nach. Auch eine Form von "heiliger Einfalt".

Es ist vielleicht nicht uninteressant sich die Detailbegründung näher
anzusehen, die Rutherford damals für seine "heilige Einfalt" zum
besten gab. Nachstehend der diesbezügliche Auszug aus der genannten
Broschüre (S .46 - 51 ):

Wenn diese Schlußfolgerung der Heiligen Schrift entspricht, dürfte
daraus hervorgehen, daß jene Männer und Frauen, die die "große
Volksmenge" bilden, heiraten und Kinder hervorbringen werden in
Gerechtigkeit und zum Leben. Heute gibt es auf Erden Jonadabe, die
dem Herrn ergeben sind und sich ohne Zweifel als treu erweisen
werden. Wäre es schriftgemäß, daß sie jetzt heirateten und Kinder
aufzuziehen begännen? Nein, lautet die Antwort, die von der Heiligen
Schrift gestützt wird. Aber zurück zum prophetischen Bilde: Noahs
Söhne und ihre Frauen hatten weder vor noch während der Sintflut
Kinder, und es wurden ihnen keine solchen geboren, ehe die Wasser
der Flut aufgetrocknet waren. Aus dem Bericht geht hervor, daß zwei
Jahre nach der Sintflut verstrichen, ehe wieder die Geburt von Kindern
erwähnt wird (l. Mose 11: 10, 11). Es gibt auch keinen Schriftbeweis,
daß irgendwelche Kinder in die Arche hineingenommen worden wären.
sondern es wurden nur acht Personen hineingenommen: "Und Jehova
sprach zu Noah: Gehe in die Arche, du und dein ganzes Haus; denn
dich habe ich gerecht vor mir erfunden in diesem Geschlecht" (1. Mose
7: 1). Das beweist uns, daß die Klasse derer, welche von den in die
Arche Genommenen dargestellt ist, auf Grund ihres Glaubens und
Gehorsams als gerecht angesehen werden wird, was daraus hervorgeht,
daß sie durch Harmagedon hindurchgebracht werden. Die Schrift
unterstützt vollauf die Schlußfolgerung, daß das Füllen der Erde nicht
vor, sondern erst nach Harmagedon fällig ist Die folgenden Worte Jesu
stützen diese Folgerung ebenfalls: "Wehe aber den Schwangeren und
den Säugenden in jenen Tagen!" (Matth. 24: 19).

Den Jonadaben wird nun das große Vorrecht zuteil, zu erkennen, daß
das Königreich gekommen ist und daß ihnen, wenn sie leben möchten,
die heilige Pflicht zufällt, es vollauf zu unterstützen und daß zu tun,
was der Herr ihnen geboten hat, nämlich Gerechtigkeit und Demut zu
suchen, mit dem Überrest gemeinsame Sache zu machen und der Welt
vom Reiche Gottes unter Christus Zeugnis abzulegen. Es wird weit
besser sein für sie, ohne Hemmschuh und Bürde zu sein, damit sie des
Herrn Willen tun können, so wie der Herr es befiehlt, und auch während
Harmagedon durch nichts gehindert zu werden.

Manche von den Jonadaben, die dem Herrn und seinem Reiche völlig
ergeben sind, haben Kinder und können wohl noch mehr bekommen.
Was muß von ihnen erwartet werden? Den Eltern obliegt die Pflicht,
ihre Kinder die Wahrheit vom Königreiche zu lehren und sie so auf
rechten Wegen zu führen, damit auch sie Gerechtigkeit und Demut
suchen möchten. Wenn die Kinder das tun, soll auch ihnen Gottes
verheißener Schutz zuteil werden. Kinder, die jetzt zur Welt kommen,
sind dem bösen Einfluß Satans und seiner Organisation ausgesetzt und
haben nur den einen Schutz, daß sie belehrt werden und sich Gott und
seiner Königreichsorganisation weihen. Sie müssen Gerechtigkeit und
Demut suchen, indem sie den Willen Gottes verstehenlernen und tun.
Darum haben die Jonadab-Eltern heute die große Verantwortung, ihre
Kinder richtig zu unterweisen und sie auf dem rechten Wege zu führen,
bis sie das Alter persönlicher Verantwortung erreichen, zu welcher Zeit
solche Kinder, was den Dienst Gottes betrifft, selbst handeln müssen.

Wenn es auch nicht die Pflicht der Gesalbten ist, Kinder anderer Leute,
Nicht-Geweihter, herauszusuchen und sie zu unterweisen, so sollten
sie es doch als ein großes Vorrecht betrachten, solche Kinder anderer,
die zu ihnen kommen und wirklich die Wahrheit suchen, entsprechend
zu unterrichten. Dies wird durch die Tatsache bewiesen, daß am
Wochen- und am Laubhüttenfest die Israeliten sich versammelten,
wobei die Fremdlinge und ihre Kinder unter ihnen aufgenommen und
unterwiesen wurden, was den Geweihten der Gegenwart als Wegleitung
dient (5. Mose 16: 9-15).

Nach Harmagedon
Infolge der Sünde verfehlten Adam und Eva, den göttlichen Auftrag
auszuführen. Nach Harmagedon werden die willentlichen Übertreter des
göttlichen Gesetzes von der Erde verschwunden sein. Die entartete
Nachkommenschaft Adams ist dann tot und wird daher die Lebenden
nicht mehr beeinflussen können. Satan wird gebunden und darum all
sein unheilvoller Einfluß beseitigt sein. Religionisten oder
Religionsorganisationen auf Erden, die die Kinder unrichtig
beeinflussen, wird es keine geben. Christus Jesus, dem das
Menschengeschlecht unumschränkt unterstellt ist, wird das ausführen,
was Luzifer zu tun verfehlte. Damit wird klar vor Augen geführt werden,
daß der göttliche Auftrag, die Erde mit einem gerechten Volke zu füllen
ausgeführt werden kann und ausgeführt wird. Das bedeutet eine
Rechtfertigung des Namens Jehovas und wird beweisen, daß Satan ein Lügner ist.

Für den vollkommenen Adam und die Eva war es passend und recht,
sich zu mehren und Kinder zur Welt zu bringen, und es wird bestimmt
in Harmonie mit dem Willen Gottes sein, daß die Glieder der großen
Volksmenge, als Gerechte, nach Harmagedon heiraten und Kinder
hervorbringen. Der Rat bezüglich Heirat, wie er im siebenten Kapitel
von 1. Korinther erscheint, bezog sich nicht auf den vollkommenen
Adam und sein Weib und bezieht sich nicht auf die große Volksmenge nach Harmagedon.

Es scheint keinen Schriftgrund zu geben, weshalb Harmagedon das
Band einer schon vor Harmagedon bestehenden Ehe von Jonadaben, die
Harmagedon überleben, lösen sollte. Wenn es daher jetzt Jonadabe
gibt, die verheiratet sind, mögen sie mit tiefer Freude der Fortsetzung
ihrer ehelichen Beziehungen nach dem Ende von Harmagedon
entgegenschauen, zu welcher Zeit sie die ihnen von Gott verliehenen
Fähigkeiten betätigen dürfen. Sie können jetzt das große Vorrecht
erkennen und verstehen, welcher Segen es sein wird, dann in
Glückseligkeit und Gerechtigkeit zusammenzuwohnen und zum Ruhme
Gottes in Gerechtigkeit Kinder zu zeugen und hervorzubringen.

Jonadabe, die jetzt ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will,
besser tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm
Harmagedons vorüber ist, und dann die ehelichen Beziehungen
aufzunehmen und die Segnungen zu genießen, die mit einer
Anteilnahme am Füllen der Erde mit gerechten und vollkommenen
Kindern verbunden sind.
Mögen die Jonadabe nun ruhig, nüchtern und mit tiefer Freude die vor
ihnen liegende wunderbare Aussicht betrachten! Jehovas
unveränderliche Verfügung geht dahin, daß die Erde mit einem
gerechten Volke gefüllt werde, das, in Gerechtigkeit verharrend, ewiges
Leben durch Jesus Christus empfangen soll; ferner, daß die
Harmagedon Überlebenden, die die große Volksmenge bilden, in Gottes
Augen gerecht sein werden und das wunderbare Vorrecht erhalten, den
zuerst dem Adam erteilten Auftrag auszuführen, was unter der Aufsicht
des gerechten Herrschers, Christi Jesu, geschieht, der allen, die Leben
empfangen Leben spenden wird; daß die große Volksmenge und ihre
Kinder immerdar in Frieden und Freude leben sollen und sich nie mehr
vor dem Tode zu fürchten brauchen, sondern daß diese Treuen mit den
Fürsten der Erde zusammen die gerechte Regierung auf der Erde, auf
welcher Gottes Wille geschehen soll wie im Himmel völlig erleben
werden. Das alles ist durch den unbedingten Gehorsam Christi Jesu bis
zum Tode, durch seine Auferstehung und sein Königreich möglich
gemacht worden.

Was sollten die Jonadabe jetzt tun? Sie sollten sich gänzlich den
Königreichsinteressen Christi widmen und dazu sehen, daß ihre Mittel
nun zum Ruhme Gottes und seines Reiches gebraucht werden. Die
Jonadabe sollten sich als Gefährten den Überrestgliedern des Leibes
Christi, die jetzt auf Erden sind, anschließen Und tatkräftig Zeugnis
ablegen vor den Menschen, sollten diesen die Warnung übermitteln und
ihnen von den Königreichssegnungen erzählen, die den Gehorsamen
zufließen werden. Die Treuen, die von Abel an bis auf Johannes lebten,
schauten, nach dem Kommen der gerechten Regierung Gottes aus und
opferten alles, damit sie unter dieser Regierung einen Platz empfangen
möchten. Nun ist das glorreiche Königreich voll in Sicht und wird bald
unumschränkt wirksam sein, und die di Gott lieben, werden jetzt
freudevoll alles, was in ihrer Kraft steht, tun, um andern von den
Segnungen dieses Reiches zu erzählen. Es ist das Reich Gottes unter
Christus, das jetzt allem, was zu Satans Organisation gehört, feindlich
gegenübersteht, und die Jonadabe müssen sich kompromißlos auf die
Seite des Herrn stellen und ihm und seinem Reiche allezeit treu dienen.

Geschrieben von Gerd am 05. Februar 2002 08:05:59:
Als Antwort auf: ... nach Harmagedon geschrieben von Drahbeck am 04.
Februar 2002 18:25:44:
„Jonadabe die jetzt ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will,
besser tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm
Harmagedons vorüber ist, und dann die ehelichen Beziehungen
aufzunehmen und die Segnungen zu genießen, die mit einer
Anteilnahme am Füllen der Erde mit gerechten und vollkommenen
Kindern verbunden sind".

Seit bestehen der WTG, wurde und wird immer wieder der Krieg Gottes
„Harmagedon", als unmittelbar bevorstehend proklamiert. Deshalb
wurde ab der Zeit von „Richter" Rutherford, Heiraten und Kinderwunsch
als Hemmnis für den lebensrettenden Predigtdienst angesehen. Obwohl
später etwas abgeschwächt, besteht dieses Prinzip weiterhin. Als Egon
der erste "Kreisdiener" in Österreich in „Gilead" war, wurde der WTG?
Präsident Knorr von anderen Zeugen in der Zentrale sanft aufmerksam
gemacht: „Einige nehmen Anstoß, daß du schon so lange mit einer
Glaubensschwester „gehst", aber die Verbindung nicht ehelich
legalisierst." Daher sprang Knorr eines Morgens über seinen eigenen
Schatten. Im Anschluß an die Betrachtung des „Tagestextes" gab er
bekannt, bald Schwester „..." zu heiraten. Das schlug wie eine Bombe
ein. Egon glaubte zuerst, diese Ankündigung in der amerikanischen
Sprache, mißverstanden zu haben.

Zweierlei Maß ist auch ein Merkmal dieser Organisation. Beispielsweise
äußert sie sich abfällig über die katholische Kirche, wegen deren
Zölibatszwangs für Geistliche. Auch die ZJ haben ihren Mitläufern das
Heiraten untersagt, genauso wie Paulus es vorhersagte: „sie verbieten
zu heiraten" (1.Tim.4,3).

Der ehemalige Leiter des WT-Zweigbüros von Belgien/Luxemburg,
Fleury, befand sich um 1950 in der USA-Zentrale. Er erzählte mir, daß
man ihm dort wegen „Unreife" Vorhaltungen machte, als er plötzlich
beschloß seine Nelly zu heiraten. Damals war noch ein Mönchsleben
angesagt, mit der Heirat Knorrs, war aber der Bann gebrochen. Ein
regelrechter Heiratsboom setzte unter den Zeugen ein.

Wie die Weltgeschichte zeigt, haben immer wieder religiöse Menschen
über ihre Anvertrauten geherrscht. Es wurde diesen genau erklärt, was
richtig und falsch ist. Auffallend: das „falsche Prophetentum" führt
dabei meistens Regie. Fleury schimpfte einmal in meiner Gegenwart:
„diese Wachtturmleute sind schuld, daß wir keine Kinder haben, dabei
habe ich mir immer welche gewünscht". Die erfolgte „Freigabe", doch
Kinder zeugen zu dürfen, kam zu spät, das Ehepaar Fleury war bereits
zu alt. Sie starben vor wenigen Jahren kinderlos...

Geschrieben von Karl M... am 05. Februar 2002 12:42:16:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von Gerd am 05.
Februar 2002 08:05:59:
War der Fleury denn Zweigdiener in Lux, als man in den 70-ern den
Gileadmissionar S., auf unchristliche, unsaubere und gewohnt
beschämende Weise hinauskomplimentierte ?? Dann hätte er noch
einiges abzubüßen

Geschrieben von Gerd am 05. Februar 2002 15:50:40:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von Karl M...
am 05. Februar 2002 12:42:16:
>War der Fleury denn Zweigdiener in Lux, als man in den 70-ern den
Gileadmissionar S., auf unchristliche, unsaubere und gewohnt
beschämende Weise hinauskomplimentierte ??

Maurice Fleury ging 1968 mit seiner Frau vom Bethel weg und wurde
mit 54 Jahren ein Kollege in meiner Firma. Gerd

Geschrieben von Karl M... am 05. Februar 2002 18:34:37:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von Gerd am 05.
Februar 2002 15:50:40:
>Maurice Fleury ging 1968 mit seiner Frau vom Bethel weg
Schön, damit ist er natürlich über jeden solchen Verdacht erhaben.
Wie der Missionar heute denkt, weiß ich nicht, vielleicht würde er sich
aus heutiger Sicht sogar bei jenen bedanken, die ihm weitere Jahre der
Verblendung ersparten ?

Geschrieben von Gerd am 05. Februar 2002 20:07:19:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von Karl M...
am 05. Februar 2002 18:34:37:
Wie schon im ursprünglichen posting geschrieben:
beide verstorben - kinderlos, weil gehorsam dem Sklaven gehorchend.
Wie meine Tochter noch klein war, wie haben die Fleurys sich um sie
bemüht, die Sehnsucht war da, aber alle elterlichen Gefühle wurden
von echten "falschen Propheten" zunichte gemacht.
Eine echte anklagenswürdige Schande!!

Geschrieben von prometeus am 05. Februar 2002 12:11:41:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von Gerd am 05.
Februar 2002 08:05:59:
Zitat:"mit der Heirat Knorrs, war aber der Bann gebrochen. Ein
regelrechter Heiratsboom setzte unter den Zeugen ein"

Da meine Eltern nach meiner Geburt auch aus dem "Kreisdienst"
aussteigen mussten, melde ich mich als Betroffener. Die nunmehr in
den fünfziger Jahren akzeptierte Möglichkeit zur Heirat war nicht
gleichzeitig ein Freibrief um Kinder in die Welt setzen zu dürfen. Kinder
zu kriegen ist doch so verpönt, daß ausscheidende Bethelmitglieder
(infolge von Nachwuchs) als "unreif" betrachtet werden, und sie,so sie
nicht über eine gute Lobby verfügen, ihrer "Dienstvorrechte" beraubt
werden. Beispiele dafür kenne ich persönlich zur Genüge. Oftmals ist
aber eine Schwangerschaft für die leidenden Ehefrauen von "reisenden
Aufsehern" und "Bethelmitarbeitern" aber der einzig halbwegs
vernünftige Ausweg aus ihrer ansonsten aussichtslosen Lage.

Geschrieben von Karl M... am 05. Februar 2002 12:39:18:
Als Antwort auf: Re: ... nach Harmagedon geschrieben von prometeus
am 05. Februar 2002 12:11:41:
Prometheus als Betroffener : Da meine Eltern nach meiner Geburt auch
aus dem "Kreisdienst" aussteigen mussten, melde ich mich als
Betroffener.
Interessant. Ja, das war so. Aber : hatte denn nicht sogar Erich Frost
eine Tocher, die noch lange in Wiesbaden im Bethel lebte? Aus welcher
Zeit stammte denn die ?
Und wie war das mit den Kälberers - hatten denn die nicht auch
Nachwuchs (ich kannte eine Tochter) und waren noch im reisenden
Dienst ?
 
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