Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 99
Die Fälle waren zwar nicht "reichlich"; aber es gab sie auch in der DDR, dass selbst vormalige WTG-Kreisdiener der WTG ade sagten. Selbstredend hielt sich die CV solche Erfolgsmeldungen besonders zugute. Einer von ihnen wird nun in dieser Ausgabe mit einer Episode geschildert. Danach hatte er im Jahre 1974 einen Disput mit einem WTG-Funktionär aus einer Nachbarversammlung. Nach der CV-Darstellung soll sich das folgendermaßen abgespielt haben. Es wurde mit Bezug auf die WTG-Thesen gefragt:

"Was meinst du, wann kann der Sturz, der Hure beginnen, sagte der auswärtige Diener: Nach dem WT zu urteilen, können wir in diesem Jahr damit rechnen, das heißt 1974. Damit war natürlich der ehemalige Kreisdiener nicht einverstanden. Er sagte zu dem Diener: 'Daran glaube ich nicht, dafür gibt es momentan nicht genügend Anzeichen.' Der Diener antwortete darauf: 'Sag mal, liest du denn gar nicht den Wachtturm? Darin wird doch ganz klar gesagt, daß es 'jeden Moment' losgehen kann.'

Der ehemalige Kreisdiener versuchte, ihm seine Argumente zu widerlegen. Aber es war zwecklos, wie er sagte. Diese zwei trennten sich mit gegensätzlichen Meinungen. Der ehemalige Kreisdiener sagte noch abschließend zu ihm: 'Wollen wir abwarten bis Dezember, und dann werde ich dich wieder besuchen. Dann werden wir sehen, wer Recht hatte.' Aus Vernunftgründen besuchte er diesen Diener im Dezember nicht wieder. Es wäre sinnlos gewesen. Er hätte sich wieder etwas Neues einfallen lassen, 'um mich zum Schweigen zu bewegen', meinte abschließend der ehemalige Kreisdiener. Wir haben hier wieder einmal einen Beweis mehr wie hartnäckig und engstirrnig manche Diener, die 1975-These verteidigten."


 

CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 99 Gera Oktober 1977

LANGE VERZÖGERTE HOFFNUNG MACHT DAS HERZ KRANK, ABER EIN ERFÜLLTER WUNSCH IST EIN BAUM DES LEBENS
Liebe Leser,
liebe Brüder und Schwestern!
Im Vertrauen auf die Liebe zur Wahrheit die doch jeden Aufrichtigen bewegt, legen wir auch diese CV-Ausgabe in Eure Hände. Wir sind überzeugt daß der obige Schrifttext aus Sprüche 13:12 etwas enthält was viele heute empfinden, wenn sie die Situation des Werkes betrachten und überdenken.

Unsere Beiträge möchten dazu eine schriftgemäße Hilfe sein. Lest sie. Reicht sie weiter. Sprecht darüber. Der Gang der Entwicklung, christliche Verantwortung vor Gott und den Menschen, gegenüber unseren allerliebsten Angehörigen und Nächsten insbesondere, legen uns unbezwingbar auf, innezuhalten: Der Wachtturm ist ein Weg einer ständig aufs Neue verzögerten und hingezögerten Hoffnung, die sich so oft, wie sie sich erfüllen sollte, nicht erfüllt hat, und darum auch nicht erfüllen kann. 5. Mose 18:20-22. Die Letzten der 1914-Generation, die mitten unter uns unaufhaltsam "vergehen", bestätigen das in erschütternder Weise. Und doch sind wir zuversichtlich für alle. Denn die Schrift sagt: "Das Herz des Gerechten überlegt, um eine Antwort zu geben". Sprüche 15:28. Sollte uns das nicht hoffen lassen. daß eilte Aufrichtigen den Ausweg finden?

Auf den Kongressen 1977 wurde als jetzige Krankheit des Werkes "geistige Verflachung" genannt Wir lesen darüber in dieser CV-Ausgabe. Wir glauben, daß Ehrliche und Aufrichtige gemäß Sprüche 13:12 schon die richtige Antwort darauf geben werden. Mit dieser CV-Ausgabe möchten wir es so sagen: Der Weg in ein Leben "erfüllter Wünsche" gemäß der Schrift erfordert, daß man sich nicht länger durch die "verzögerten Hoffnungen" der WTG hinhalten läßt, sondern sie durch zunehmende Einsicht und Erkenntnis überwindet. Wir wünschen von Herzen, daß auch diese CV-Ausgabe dem dienen möge, gemäß dem Schriftwort
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem, was recht ist
1. Thess. 5:21

EIN WEITERER BERICHT AUS JARMEN, EINER KLEINEN STADT IN MECKLENBURG
In CV berichteten wir bereits, wie sich im Jahre 1976 fast die gesamte WT-Versammlung in Jarmen von der WTG und ihren Aufsehern trennte. In dieser Ausgabe wollen wir einige WT-Versammlungsverkündiger zu Wort kommen lassen, die ihren ehemaligen verantwortlichen Dienern einige Fragen stellen möchten. Diese Versammlungsverkündiger sind jetzt freie Christen und studieren gemeinsam mit anderen freien Christen weiterhin die Bibel. Diese freien Christen möchten mit dieser Fragestellung keine Persönlichkeiten in Verruf bringen. Deshalb wünschen sie es auch nicht, daß die Namen dieser verantwortlichen Diener genannt werden. Ihr Wunsch ist es, diese Diener zur Vernunft zu bewegen, damit sie endlich ihre voreingenommene Haltung, die sie von der WTG aufgezwungen bekamen, aufgeben.

Was einige freie Christen sagten
"Wir waren der Meinung, daß diese Diener wenigstens nach 1975 zur Einsicht kommen würden, denn dieses ereignisreiche Jahr brachte doch eindeutige Beweise dafür, daß die WTG wieder einmal falsche Voraussagen in der ganzen Welt verbreiten ließ. Aber das rührte diese fanatischen Diener nicht. Nach 1975 haben sie ihr gewissenloses Spiel weiterbetrieben und wirklich aufrichtige Wahrheitssucher als abgefallene Satansdiener bezeichnet, nur weil diese Wahrheitssucher es wagten, den Inhalt des WT anzuzweifeln."

Der ehemalige Kreisdiener
Der ehemalige Kreisdiener, jetzt ebenfalls freier Christ, äußerte sich wie folgt über das Verhalten der verantwortlichen Diener in Jarmen und Umgebung:

"Als ich nach 1975 offen gegen die Falschauslegungen der Gesellschaft (WTG, Anm.) auftrat, versuchte man, mich auf die heimtückischste Art und Weise zu verleumden, und dies gerade von solchen Dienern, mit denen ich jahrelang vor 1975 zusammen gearbeitet hatte. Wir sind damals gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Wir haben die Hitze der 'Verfolgung' kennengelernt und ertragen. Wir haben gemeinsam Gedanken ausgetauscht und uns eigentlich nichts verheimlicht. Wenn diese Diener heute glauben, sie könnten mit allen aufrichtigen freien Christen so umgehen, wie es ihnen gerade beliebt, dann muß eben einmal in CV über diese Diener etwas ausführlicher geschrieben werden. Dann muß es eben mal mit dem vollen Namen und den Schandtaten geschehen. Ich möchte gleichzeitig meinen ehemaligen Mitbrüdern den Rat geben, sich in Zukunft etwas gründlicher mit CV zu beschäftigen, um endlich zu begreifen, wie notwendig CV für sie ist. Der Bruder Willy Müller sowie einige andere Brüder hatten es damals, seit 1959, schon frühzeitig richtig erkannt, als sie mit Hilfe einer Zeitschrift die Brüder und, Schwestern vor der WTG warnten. Wir haben die Mühe dieser Brüder damals vollkommen falsch eingeschätzt. Wir glaubten damals, er und seine Mitbrüder wären ein Werkzeug in der Hand eines Staates, der Jehovas Zeugen ausrotten wollte. Heute muß ich jedoch eingestehen, daß diese Brüder sehr viel Mut besaßen und einen gewaltigen Beitrag zur Richtigstellung von Falschauslegungen der WTG leisteten. Weiterhin anerkennenswert ist die jetzige CV-Mitarbeit. Denn gerade nach 1975 ist es dringender denn je, mit Hilfe dieser Zeitschrift vor der WTG zu warnen, weil sie ihr gefährliches Spiel des Falschinformierens weiterbetreibt."
Soweit die Ausführungen des ehemaligen Kreisdieners.

Weitere Brüder und Schwestern
Andere Brüder und Schwestern der freien Christengemeinde sagten: "Es ist manchmal interessant gewesen, mit welchem Wortgestammel sich die Diener darum bemühten, unsere Bedenken zu zerstreuen. Auf die Frage: Ob das, was die Gesellschaft für 1975 vorausgesagt hatte, auch alles stimmt, antwortete man uns: "Zweifelst du etwa daran?" Andere Diener waren wiederum fest davon überzeugt, daß nach dem Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte im Jahre 1975 die 1000-Jahrherrschaft Christi beginnen wird. Diese Diener machten es sich sehr leicht und sagten: Die Gesellschaft hat schon mehrmals darauf hingewiesen, daß mit dem Abschluß der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte die 1000-Jahrherrschaft Christi beginnen wird".

Anmerkung: Jawohl, das stimmt. In "Erwachet" vom 22. 4. 1972 ist auf Seite 27 unten ein Bild zu finden, das unmißverständlich darauf hinweist, daß noch 6000 Jahren Menschheitsgeschichte die 1000-Jahrherrschaft Christi beginnen wird.

Die Brüder und Schwestern der freien Christengemeinde erzählen weiter, welche Auseinandersetzungen es oft wegen des "Sturzes der Hure" und der "großen Drangsal" gegeben hat.

Die Schilderung des ehemaligen Kreisdieners
Besonders interessant ist die Schilderung des ehemaligen Kreisdieners. Er schilderte, wie er sich 1974 mit einem Diener einer Nachbarversammlung über die Endzeitprophezeiungen unterhalten hatte. Auf die Frage: Was meinst du, wann kann der Sturz, der Hure beginnen, sagte der auswärtige Diener: Nach dem WT zu urteilen, können wir in diesem Jahr damit rechnen, das heißt 1974. Damit war natürlich der ehemalige Kreisdiener nicht einverstanden. Er sagte zu dem Diener: "Daran glaube ich nicht, dafür gibt es momentan nicht genügend Anzeichen." Der Diener antwortete darauf: "Sag mal, liest du denn gar nicht den Wachtturm? Darin wird doch ganz klar gesagt, daß es 'jeden Moment' losgehen kann."

Der ehemalige Kreisdiener versuchte, ihm seine Argumente zu widerlegen. Aber es war zwecklos, wie er sagte. Diese zwei trennten sich mit gegensätzlichen Meinungen. Der ehemalige Kreisdiener sagte noch abschließend zu ihm: "Wollen wir abwarten bis Dezember, und dann werde ich dich wieder besuchen. Dann werden wir sehen, wer Recht hatte." Aus Vernunftgründen besuchte er diesen Diener im Dezember nicht wieder. Es wäre sinnlos gewesen. Er hätte sich wieder etwas Neues einfallen lassen, "um mich zum Schweigen zu bewegen", meinte abschließend der ehemalige Kreisdiener. Wir haben hier wieder einmal einen Beweis mehr wie hartnäckig und engstirnig manche Diener, die 1975-These verteidigten.

Tausende Zeugen Jehovas fragen sich
Aus den geschilderten Vorfällen erkennen wir aber auch zugleich, was die WTG aus Menschen manchen kann, die gewillt sind, ihr bedingungslos zu gehorchen.

100 Jahre Wachtturmprophetie weisen eindeutig darauf hin und eindeutig nach, wieviele sinnlose Opfer bereits auf das Konto der WTG gehen. Wenn man bedenkt, wie oft die Hoffnungen der Hoffenden durch die WTG in Enttäuschungen verwandelt wurden, so muß man zu dem Schluß kommen, dagegen muß etwas unternommen werden. Aber wie? Diese Frage stellen sich Tausende Zeugen Jehovas weiterhin, obgleich sie wissen, bereits wissen, wieviele aufrichtige Brüder und Schwestern sich in dieser Richtung abmühen und große Opfer bringen. Sie selbst haben noch nicht den Mut sich von der WTG loszusagen. Sie klammern sich weiterhin an jede WT-Ausgabe und lassen sich, dadurch immer mehr in einen Traumzustand hineinzwängen, um so mit weiterhin willige Werkzeuge der WTG zu bleiben, wenn man es genau betrachtet.

Auf diese Art und Weise machen sich wiederum über 1 Million Zeugen Jehovas mitschuldig, während sie weiterhin von Haus zu Haus gehen und der Menschheit falsche Endzeithoffnungen machen.

Das Beispiel der freien Christengemeinde Jarmen
Die freie Christengemeinde in Jarmen ist wieder einmal das beste Beispiel dafür, daß es ohne die WTG auch weitergeht Sie bemühen sich vorerst im kleinen Rahmen, ihr Bibelstudium weiterzuführen, um geistig wachzubleiben. Darüber hinaus haben sie sich ein umfangreiches Programm vorgenommen:

1. Gemeinsam die Bibel zu lesen.
2. Sich mit weiteren ehemaligen Zeugen Jehovas in Verbindung zu setzen, um sich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und Gemeinschaft zu pflegen.
3. Das biblische Verhältnis zu Gott, zu Christus Jesus und zu den obrigkeitlichen Gewalten neu zu überprüfen, um die Voreingenommenheit gegenüber den Regierungen abzubauen. Wir wollen Römer 13 und Titus 3 biblisch erfüllen, ohne die Vormundschaft der WTG.
4. Wir werden uns weiterhin bemühen, ein gottgefälliges Leben zu führen, um auch vor Gott annehmbar dazustehen.
5. Es ist unser besonderes Anliegen. Mit der Regierung unseres, Landes möchten wir auf keinen Fall in dieselbe Konfliktsituation kommen, in die die WTG durch ihre schamlosen Artikel gekommen ist. Wir verurteilen diese Art der Artikelschreiberei als unchristlich und werden dazu beitragen, den Zeugen Jehovas dieses verständlich zu machen.
CV-Anmerkung: Unser Wunsch ist es, daß sich recht viele ehemalige Zeugen sowie freie Christen um diese kleine Christenversammlung in Jarmen bekümmern sollten, damit sie gemeinsam ihr Christenleben festigen können-.
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In dieser Ausgabe
Ein weiterer Bericht aus Jarmen, einer kleinen Stadt in Mecklenburg
Welche Strategie und Taktik verfolgt die WTG noch 1975?
Nun, sie gibt die Antwort selbst
Über Jehovas Zeugen in Chile mit Erstaunen gelesen!
Neuer-Wachtturm-Präsident gewählt
Alle Christen nach der Schrift im "Neuen Bund"
Dienst am Wort als freier Christ - 10
Zu den Problemen des WTG-Werkes zwei Jahre nach der Verkündigung von "1975"
Lagebericht 1977
Erste Berichte von den WTG-Kongressen 1977 Zürich, Hamburg, München, Westberlin
Die 100. CV-Ausgabe, eine einmalige Dokumentation!
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Welche Strategie und Taktik verfolgt die WTG nach 1975?
Nun, Sie gibt die Antwort selbst
Wir lesen im Jahrbuch 1975, Seite 3, für das Dienstjahr 1975: "Auf der ganzen Erde frohlocken Jehovas Zeugen … Der Bericht für das Dienstjahr zeigt, daß sich 295073 Männer, Frauen und Kinder aus allen Nationen Jehovas Gott hingegeben haben, um seinen Willen zu tun". Ja, fast 300 000 Menschen in einem Jahr, eine überwältigende Mehrung. Auch nahmen fast 5 000 000 am Gedächtnismahl zusammenkommen teil. Wie war das möglich?

Systematisch vorbereitet
Diese erreichte Mehrung wurde Jahre vor 1975 systematisch vorbereitet: Immer mit dem Hinweis auf das Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte und: "Es kann 1975 alles zu Ende sein", was ja mehrfach in Wort und Schrift auf den Kongressen dargelegt wurde. Alles wurde darauf abgestimmt, jedem wurde Hoffnung gemacht. Etwa so: Es hat keinen Sinn, sich auf ein weiteres Leben vorzubereiten und vor allem, es sei sinnlos, sich auf länger einzurichten. Gebt eure Ganztagsbeschäftigung auf und verkündigt lieber. Wer nicht verkündigt und keine Jünger macht, gehört auch zu den Böcken. Es ist die letzte Möglichkeit, sich Jehova hinzugeben Deshalb müßt ihr euch von allen weltlichen Dingen freimachen. Pflegt keine Kontakte mit Weltmenschen, wenn ihr nicht teilhaben wollt an ihren Plagen. Und so weiter, und so weiter. Es ist später als ihr denkt, jetzt sollte alles geschehen, hieß es.

Dann langsam aber stetig: Zeit und Stunde kennt keiner. Die 6000jährige Menschheitsgeschichte ist zwar zu Ende, aber wann Harmagedon kommt, weiß keiner. Wir wissen ja nicht, wie lange es dauert, bis Adam den Tieren Namen gab, und wielange er noch im Paradiese war. Vor allem wollte und durfte keiner vorher etwas im Hinblick darauf gesagt haben, Harmagedon kann 1975 vorbei sein.

Glaubte nun die Wachtturmgesellschaft selbst an diese Endzeitverkündigung? Sie nutzte geschickt ihre Zeitrechnung aus, noch der - wieder einmal - die 6000 Jahre zu Ende sein sollten. (1874 sollte es schon einmal sein.)

War es aber nicht ein Risiko?
War es jedoch nicht ein Risiko, was die WT-Leitung einging, indem sie eine solche Verheißung bekanntgab? Könnten nicht zuviele abfallen? Hat man hier genau überlegt Oder haben einige Diener auf eigene Verantwortung diese Dinge öffentlich auf den Kongressen verkündigt? Nun, daß diese Annahme absurd ist, weiß jeder selbst. Wer kann schon bei den Kongressen mit eigenen Lehren auftreten. Nein. Im Gegenteil. Alles war genau einkalkuliert.

Immer wenn eine Endzeit verkündigt wurde, gingen die Zuwachsraten sprunghaft in die Höhe. Der Abfall ist auf Grund der Stellung des einzelnen Zeugen, hinter dem alle Brücken abgebrochen wurden, seiner Bindung zur Familie und Organisation, nicht so groß. Wirklich?

Also war der nächste Schachzug nach 1975, nachdem die Mehrung erreicht war, abzuschwächen. Nicht die WTG übernahm die Verantwortung für 1975. Den Brüdern, die daran geglaubt hatten, wurde die Verantwortung zugeschoben. Sie wurden geopfert. Beruhen diese Darlegungen auf Spekulationen Nein. Durch den Wachtturm entlarvt sich die WT-Leitung selbst.

Betrachten wir nur die Themengestaltung des WT um diese Zeit von 1975.
Der Blick auf die WT-Themen zeigt es schon
Alle WTs des Jahres 1975 haben nur ein zentrales Thema: 1975 Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte und Harmagedon Noch nach dem 1. Oktober, dem Beginn des neuen Dienstjahres, also nach dem Ablauf, geht es mit diesem Thema weiter.

WT vom 1. Dez. 1975: "Was wird Harmagedon für die Menschheit bedeuten?"
WT vom 15. Dez. 1975: "Hast du aufgehört, dir Schätze auf der Erde anzuhäufen?"
WT vom 8. Dez. 1975: "Wird die Erde eines Tages vernichtet werden?"
Nun beachten wir folgenden Wechsel in der Thematik! War doch 1975 falsch und ein Irrtum!
WT vom 15. Jan. 1976: "Falsche Hirten aus dem Dienst entlassen !"
WT vom 15. März 1976: "Harre aus!"
WT vom 1. März 1976: "Wie weise Zurechtweiser Irrenden helfen!"
WT vom 1. Juni 1976: "Eigenschaften, die nötig sind, zu richten!"
Und so geht es weiter mit den Lehrstücken aus dem Monat Juli: "Glaube hilft ausharren" usw.

Man versucht also mit allen Mitteln, die, die zu denken beginnen und nicht länger schweigen und betrogen sein wollen, entweder in Grund und Boden zu reden, oder wenn das nicht hilft, aus der Gemeinschaft zu entfernen.

Hunderttausende ziehen sich zurück
Wäre die Mehrung 1975 nicht ohne die falsche Endzeitverkündigung auch so hoch gewesen? Hatte diese "Verheißung" der WTG überhaupt einen so großen Einfluß? Wir entnehmen dem WT vom 1. April 1977, Seite 215 (statistischer Jahresbericht).

Getauft wurde im Dienstjahr 1976 nur noch 182 587, und beim Gedächtnismahl waren nur noch annähernd 4 790 000 anwesend. Das sind Hunderttausende weniger als ein Jahr zuvor, als im Jahre 1975. Wer will noch behaupten, daß die falsche Lehre über 1975 mit ihren unheilschweren Folgen keinen Einfluß auf die Mehrung hatte? Einen wirkungsvolleren Beweis konnte die WTG gar nicht mehr liefern.

Nun, welche Taktik wird weiter verfolgt?
Jetzt kommt es der WTG darauf an, jedes Aufbegehren strengstens zu unterbinden. Und wir wissen, wie fest die Brüder mit dem Werk verbunden sind. Wieviele haben denn den Mut, aufzubegehren! Kommt doch der Ausschluß aus der Organisation mit den psychischen Belastungen des Alleingelassenwerdens, mit dem Isoliertwerden und mit den durch die WTG zuvor abgebrochenen Kontakten mit den Mitmenschen teilweise dem Wunsch nach Beendigung des Lebens gleich. Das ist vor allem bei älteren Brüdern und Schwestern nicht von der Hand zu weisen. Aber gerade damit kalkuliert die WTG jetzt!

Sie läßt alles in der Schwebe und beginnt einen weiteren Feldzug, weniger im Moment auf Mehrung bedacht, sondern mehr auf die Möglichkeiten der Verstärkung des Druckes auf den einzelnen. Es gilt ihr, soviele Menschen wie möglich von denen zu halten, die sie mit 1975 gewonnen hat. Durch den Druck auf einzelne unbequem fragende Brüder und Schwestern soll ein abschreckendes Beispiel geschaffen werden.

Zur Zeit läuft wieder ein Feldzug gegen die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft und gegen den Abschluß von Versicherungen Um herauszubekommen, wer entgegen den Weisungen der WT-Leitung sich versichert hat, wird in den Versammlungen sogar darauf verwiesen, daß man versuchen sollte, die Beauftragten der Versicherung geschickt anzusprechen, um so erfahren zu können, wer etwas verschwiegen hat. Auf der einen Seite wird kundgetan, jeder müsse selbst wissen, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann und er zeige damit seine Glaubenseinstellung, auf der anderen Seite sollen die Brüder und Schwestern auf solch erbärmliche Weise überwacht werden.

Mit welchen Problemen jetzt beschäftigt wird
Es soll Ruhe in der Organisation herrschen, damit die WTG über 1975 hinwegkommt. Deshalb werden nun ganz allgemeine Probleme in den Vordergrund gerückt. Solche Probleme, die sich aus der allgemeinen Lage und Situation ergeben und natürlich auch jeden beschäftigen. Es muß ja echt wirken. Probleme der Familie, der Ehe, der Jugend, Unterwürfigkeit der Frau (besteht doch der Hauptteil der Verkündiger, auf die sich die WTG stützt, aus Frauen), auch das Blutthema! Alles Themen, die vom Endzeittermin ablenken!

Hieß es 1975 z. B. "Hast du aufgehört, dir Schätze auf der Erde anzuhäufen", so wird 1977 ein Buch veröffentlicht mit dem Thema: "Das Leben hat doch einen Sinn!" Wie muß das auf die wirken, die den falschen Lehren geglaubt haben Es waren nicht wenige! Wie berichtete der WT vor 1975 doch als "Ansporn" darüber, daß viele mit wahrem Glauben ihre Berufstätigkeit aufgaben, von ihren Ersparnissen lebten, keinen Beruf mehr aufnahmen oder erlernten, als Familie sich die Kinder versagten, wirklich alles aufgaben, was sie besaßen!

Weil es im Hinblick auf 1975 keinen Sinn mehr habe! Jetzt auf einmal hat das Leben doch einen Sinn! Es heißt sogar in dem Buch: "Wir können das Leben genießen und ein besseres Verhältnis zu unserer Familie und unseren Mitmenschen haben!" (S. 162)

Natürlich wird dabei das "völlige Genießen" nach dem ständig weiter als "herannahend" erklärten "Ende" nach wie vor vor Augen gehalten, wie ein Glas Wasser, das man jedoch nicht zu trinken bekommt, wie eine Fata Morgana, die, glaubt man sie erreicht, ständig weiter entweicht, wieder an den Horizont.

Wie kann geholfen werden?
Kann man angesichts dieser Tatsachen schweigen? Kann man verantworten, daß man selbst weiter schuldig bleibt dadurch? Welche Alternative verbleibt für jeden denkenden, an Jehova glaubenden Menschen? Nun, sich ganz hinzugeben, um den Brüdern und Schwestern zu helfen aufzuwachen und sich von den Fesseln der WTG freizumachen. Um echt freizuwerden, müssen alle den Schritt der Befreiung selbst tun. Aber ohne Hilfe wird das kaum geschafft. Deshalb müssen alle helfen, die irgend helfen können.

Man muß die Taktik der WTG studieren, verfolgen, was für Schachzüge sie vorbereitet. Man muß ihre Themen hinterfragen, warum dieses oder jenes jetzt erscheint! Aufgedeckte Widersprüche sind Argumente in der Hand eines jeden, um freizuwerden. Nur wenn man selbst die Echtheit der Widersprüche in der Lehre des WT erkennt und die Beweise für die Falschheit der Lehre hat, ist man in der Lage, sich zu befreien. Man muß die Hintergründe der Thematik der WTG erkennen. Man muß sich so viel Übersicht wie möglich verschaffen, anstatt in der WT-Thematik unterzugehen.

Schließlich verpflichtet uns die Schrift selbst mit den Worten: "Wer nun weiß, daß er Gutes tun soll, und es doch nicht tut…" Jak. 4:17. -
U. B.

WTG vom Verrat der eigenen Grundsätze der "Verteidigung der Freiheit für alle" abgesunken zum Handlanger des Faschismus
Über Jehovas Zeugen in Chile mit Erstaunen gelesen
Ja, mit Erstaunen las ich in CV 93, wie das faschistische Militär 1973 beim Umsturz in Chile Kommunisten aus verantwortlichen Stellungen verhaftete und für sie Zeugen Jehovas als ihre Vertrauenspersonen einsetzte. Ich möchte noch einmal den Originaltext aus dem Wachtturm vom 1. Januar 1977, S. 15, dazu zitieren:

"Wenn durch die Verhaftung kommunistischer Aktivisten in Fabriken und anderen Betrieben Lücken entstanden, wurden oft Jehovas Zeugen in führende Stellungen eingesetzt. An dem Morgen, an dem der Staatsstreich ausgeführt wurde, kamen zum Beispiel Soldaten zu einem Zeugen Jehovas nach Hause und baten ihn, die Ölraffinerie am Ort in Gang zu bringen. Es war kein anderer Mann da, der geeignet gewesen wäre und dem man hätte vertrauen können."

Ich bin völlig überzeugt, daß dies nur möglich ist auf Grund des Antikommunismus, den die WTG in politischen Dingen vertritt und lehrt. Müssen sich Jehovas Zeugen nicht an den Kopf fassen, wenn sie lesen, für welche Zwecke sie durch die antikommunistische politische Ausrichtung der WTG verwendungsfähig werden? Sie werden "kriegsverwendungsfähig" nicht nur im kalten Propagandakrieg gegen den "Osten", sondern sie werden durch die WTG-Ausrichtung sogar zu Vertrauenspersonen bei der Gewährleistung und Sicherung faschistischer Staatsstreiche, wie der zitierte WT-Bericht veranschaulicht. Es ist wahrlich höchst erstaunlich, wie die faschistischen Militärs, "noch während ihr Staatsstreich rollte" und der demokratisch gewählte chilenische Staatspräsident Allende im Präsidentenpalast ermordet wurde, in Jehovas Zeugen Helfer finden, denen sie "vertrauen können". Offensichtlich ist dies aber nur die "Spitze des Eisberges", was der WT konkret nennt, "wie oft" es wirklich geschah, wird nicht genannt.

Es zeigt sich also ein Zusammenspiel zwischen den faschistischen chilenischen Politikern und der WTG, als Arbeitsmaterial den Zeugen im WT obendrein noch in die Hände gelegt.
Diese erstaunlichen Dinge haben mich nun veranlaßt, aufmerksamer zu verfolgen, wie sich z. B. die Christen in Chile verhalten. Ich habe mir das Büchlein gekauft "Kreuzweg Chile. Christen, Kirchen und Klassenkampf vor und nach dem Militärputsch". Union Verlag Berlin 1976. Ich lese auch aufmerksamer als bisher die Zeitungen in diesem Punkt.

In einem Artikel der "Neuen Zeit" vom 28. 5. 1977 mit der Überschrift "Katholische Bischöfe Chiles zur Lage der Nation" fand ich eine bemerkenswerte Bestätigung der Zusammenarbeit, des Zusammenspiels, die in puncto WTG vorliegt. Es heißt dort: "Während sich gegenwärtig in Chile die katholische Hierarchie als Widerpart der Diktatur bewährt, reicht die Haltung der nichtkatholischen Kirchen und Gemeinschaften von abwartender Zurückhaltung bis zu offener Anpassung an die Ideologie der Junta. Das liegt noch Ansicht von Beobachtern unter anderem an der politischen Strategie der Militärs, deren Regierung ein betontes Interesse an 'religiösen Minderheiten' zur Schau trägt." Die Anpassung der WTG an die faschistische Militär-Junta und das entsprechende Zusammenspiel mit der "religiösen Minderheit" der Zeugen Jehovas ist mit dem WT vom 1. 1. 1977 einwandfrei bestätigt. Daß die WTG nicht nur keine "abwartende Zurückhaltung" an den Tag legt, sondern ihre Zeugen an die faschistischen Militärs für "führende Stellungen" anstelle verhafteter Kommunisten "verkauft", deckt schlagartig die politische Rolle und Bedeutung auf, die die antikommunistische Ausrichtung der Zeugen Jehovas praktisch hat.

"Die Freiheit für alle zu verteidigen"
Ich erinnere an eine WT-Erklärung, die die WTG jahrzehntelang von den Zeugen von Haus zu Haus tragen ließ: "Die Zeitschrift 'Erwachet' gelobt, sich an gerechte Grundsätze zu halten, verborgene Feinde bloßzustellen, verhüllte Gefahren aufzudecken, die Freiheit für alle zu verteidigen". (8. 1. 1965 u. a.). Nie ist diese weltweite Proklamierung etwas anderes als ein Köder gewesen! Hat die WTG auch nur ein einziges Mal für die in Chile seit dem faschistischen Staatsstreich Terrorisierten, Verfolgten, Verhafteten, Gefolterten und Ermordeten die Stimme erhoben? Im Gegenteil Sie läßt ihre Zeugen eilfertig einspringen, wo die Faschisten mit ihren Kommunisten-Verhaftungen am Ende sind, weil sie keinen vertrauenswürdigen Ersatz haben. Das ist die Wirklichkeit! Die politischen Verwicklungen, in die die Zeugen Jehovas durch die antikommunistische WT-Ausrichtung geraten, sind ungeheuerlich!

Nehmen wir ein praktisches Beispiel. In dieser Ausgabe vom 12. 9. 1976 setzte sich die von einem evangelischen Bischof in der BRD herausgegebene "Deutsche Allgemeine Sonntagszeitung" u. a, für eine chilenische Frau ein: "Gladys Diaz Armijo, 35, Journalistin, bis zum Umsturz am 11. September 1973 Direktorin von Radio Nacional und Präsidentin der Gewerkschaft der Rundfunkjournalisten, Mitglied des MIR, Bewegung der Revolutionären Linken, ist heute eine unter den mindestens 3800 politischen Gefangenen. Etwa 19 Tage im Verhör-Zentrum der DINA (Geheimpolizei), der Villa Grimaldi, Prügel, Vergewaltigungen, schwerste Folterungen." Für niemanden von all denen, die faschistischen Diktatoren in Chile die Freiheit raubten, hat sich die WTG eingesetzt! Sie ist allenfalls an ihrer eigenen Freiheit interessiert. Oftmals die einzigen Vertrauenspersonen hat sie durch ihre Organisation geliefert, damit die Faschisten in Chile ihre Freiheitsberaubungen überhaupt aufrechterhalten konnten!

Es ist die von der WTG geschmähte und verteufelte Katholische Kirche, die sich in Chile auf christlicher Seite wirklich um die "Freiheit für alle" sorgt, ungeachtet der faschistischen Verfolgung, die sie damit zu erwarten hat. Sollen das Jehovas Zeugen einmal zur Kenntnis nehmen: "Es gibt viele ermordete, gefolterte oder verhaftete katholische Priester. Die Katholische Kirche als Institution ist die Zielschreibe der faschistischen Brutalität … Der große Beitrag, den die Christen in Chile zum antifaschistischen Kampf leisten, zeigt sich vor allem in der Haltung der Katholischen Kirche, der die übergroße Mehrheit im Lande angehört. Es geht um den Kampf für die Achtung der Menschenrechte, darum, den Gefangenen zu helfen, denen zu essen zu geben, die hungern und denen zu trinken zu geben, die dürsten Und die Katholische Kirche hat auch verstanden, daß es das chilenische Volk nach Gerechtigkeit dürstet. Daher ihre Beteiligung an der Front derer, die gegen Pinochet, seine Junto und sein CNI kämpfen" (NC 13. September 1977). Die WTG dagegen hilft durch ihre Organisation der faschistischen Militärregierung bei ihren Verhaftungen im Lande mit vertrauenswürdigen Ersatzpersonen bis in "führende Stellungen".

Auch den Zeugen Jehovas kann ein schmerzhafter Wandlungsprozeß nicht erspart bleiben
In einer bemerkenswerten Analyse "Zur Lage der Kirche unter der Junta" in Chile (Der Neue Weg, Halle/S., 13. 8. 1977) wird gesagt: "Der Militärputsch vom 11. September 1973 stellte die katholische Kirche Chiles vor die Alternative, zu sprechen oder zu schweigen, den von der faschistischen Junta gegen das Volk entfesselten Krieg zu unterstützen oder abzulehnen. Die Kirche entschloß sich zu sprechen, ihre Stimme zur Verteidigung der Menschenrechte im Namen der unzähligen Gefangenen, der Verschleppten und Verschwundenen, der Gefolterten und Ermordeten zu erheben." Es sei in diesem Zusammenhang "ein schmerzhafter, doch unübersehbarer Wandlungsprozeß in der katholischen Kirche" vor sich gegangen.

Die WTG hat sich entschlossen, "den von der faschistischen Junta gegen das Volk entfesselten Krieg" mit vertrauenswürdigen Ersatzpersonen für verhaftete Kommunisten zu unterstützen, wie es der WT selbst dokumentiert. Die Folgen dieser WTG-Entscheidung für die Zukunft der Organisation der Zeugen in Chile und Lateinamerika sind noch nicht abzusehen, während die "Endzeit" ständig verlängert und weiter verschoben werden muß. Ein Christ aber, der sein Christsein ernst nimmt, kann ein solches Werk nicht unterstützen und vertreten. Der Wandlungsprozeß, der sich für die Zeugen Jehovas daraus ergibt, wird sehr schmerzhaft, wiewohl unvermeidlich sein, da sie sich wohl oder übel gegen die WTG-Organisation entscheiden müssen, die über jeden, der sich letztlich nicht bedingungslos beugt oder wiedereinfügt, gnadenlos hinwegschreitet. Für jeden Ehrlichen und Aufrichtigen jedoch ist dieser Konflikt unvermeidlich Denn mit förmlichem Erschrecken liest man, wohin die WT-Politik führt. -
F. K.

NEUER WACHTTURM-PRÄSIDENT GEWÄHLT
F. W. Franz, 84 Jahre alt
Sogleich nach dem Tode von Nathan Homer Knorr, 3. WTG-Präsident seit 1942, am 8. Juni 1977, hatte CV in der Juni-Ausgabe 1977 dies schon mitgeteilt. Erst Monate später, brachte die WTG selbst die Todesmitteilung und zwar im "The Watch Tower" vom 1. August 1977, USA-Ausgabe des "Wachtturm", S. 463. Es ist schon bezeichnend, daß die WTG monatelang den Tod ihres und aller Zeugen Jehovas Präsidenten im WT verschweigt. Im deutschen Sprachbereich schweigt die WTG auch noch im WT vom 15. August 1977. Vielmehr berichtet sie da vom Tod des über die WTG-Leitung in den USA hinaus kaum bekannten ehemaligen Aufsehers der WTG-Setzerei in Brooklyn, Charles J. Fekel, während WTG-Präsident Knorr schon Monate tot ist. Mit Sicherheit werden die Hintergründe dieser Verschweigetaktik noch deutlich werden.

In "The Watch Tower" vom 1. August heißt es nachträglich:
"Mit dem Ableben unseres geliebten Bruders Nathan H. Knorr am 8. Juni 1977 wurde es nötig, einen neuen Präsidenten für die Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft von Pennsylvanien, der Körperschaft, die die Aktivitäten von Jehovas Zeugen weltweit handhabt, zu wählen, und auch für die Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft von New York inc., die legale Agentur für die Administrierung der Angelegenheiten der Zeugen Jehovas in den Vereinigten Staaten. Auf vereinte Empfehlung aller fünfzehn Mitglieder der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas hielten die Direktoren der beiden Körperschaften ein gemeinsames Treffen ab am 22. Juni 1977, auf welchem Frederick W. Franz mit einmütiger Stimme zum Präsidenten beider Körperschaften gewählt wurde. Es ist von Interesse, daß Bruder Franz die Ansprache hielt bei der Taufe von Bruder Knorr am 4. Juli 1923, und daß vom folgenden Jahr an Bruder Franz in enger Gemeinschaft mit Bruder Knarr im Welthauptquartier der Zeugen Jehovas, in Brooklyn, New York, diente. Bruder Franz diente als Vizepräsident der Pennsylvanischen Körperschaft seit 1945. Am 12. September 1977 wird er vierundachtzig Jahre alt.'

J. F. Rutherford wurde 1917 mit 48 Jahren WTG-Präsident. N. H. Knorr wurde 1942 mit 37 Jahren WTG-Präsident. Jetzt wird ein 4. Präsident gewählt, der 84 Jahre alt ist, also in ganz kurzer Zeit ebenfalls gestorben sein wird! Die relativ jungen WTG-Präsidenten von 1917 und 1942 verkörperten zugleich auch persönlich die Jahrzehnte, in die man damals die Endzeit weiterschob, als die auf den ersten bzw. zweiten Weltkrieg datierten "Enden" wieder "verscheucht" werden mußten. Doch jetzt, zur Zeit des Todes von N. H. Knorr, ist nicht nur schon die zweite Generation seit 1914 am Ende, jetzt geht ein Menschenalter zu Ende! Die Falschanwendung der Worte Jesu: "Diese Generation . . ." auf die von der WTG konstruierte Endzeit wird unaufhaltsam offenbar! Damit verliert das gesamte WTG-Werk seinen vorgegebenen Sinn! Und doch muß wieder alles in eine weitere Generation verschoben werden! Wer den WT genau verfolgt, liest das ganz klar, nicht mehr nur zwischen den Zeilen! Jetzt einen relativ jungen Präsidenten zu wählen wäre wie ein Signal zum Aufstand für alle, die an die bisherige WT-Endzeitverkündigung geglaubt haben und nun "vergehen" müssen! Es würde jedem sichtbar vor Augen führen, daß tatsächlich alles wieder um Jahrzehnte verschoben wird! Daß alle bisherige Endzeitverkündigungen eine falsche Prophetie war!

So kann sein, daß die WTG aus taktischen Gründen gegenwärtig zum Übergang in die nächste Generation kurzfristig alte WTG-Direktoren als Präsidenten wählen und ins Blickfeld treten läßt. Wird dadurch doch immer weiter der Eindruck erweckt, auch die WTG glaube, daß es nur noch "ganz kurze Zeit" dauert. Ein relativ junger Präsident wäre in der Tat in dieser Situation am Ende der Generation, die wieder nicht vergehen sollte, zugleich das Ende eines Menschenalters, des Menschenalters der 1914-Generation, es wäre Sprengstoff! Über kurz oder lang wird auch der neue WTG-Präsident F. W. Franz sterben. Er ist bereits 84 Jahre alt.
CVN

ALLE CHRISTEN NACH DER SCHRIFT IM "NEUEN BUND"
Dienst am Wort als freier Christ - 10.
"Wisset wohl: es kommt die Zeit - so lautet der Ausspruch des Herrn - da will ich mit dem Hause Israel und mit dem ich will mein Hause Judo einen neuen Bund schließen … ich will mein Gesetz in ihr Inneres hineinlegen und es ihnen ins Herz schreiben und ich will ihr Gott sein … denn sie werden mich allesamt erkennen, die Kleinsten wie die Größten so lautet der Ausspruch des Herrn - denn ich will ihnen ihre Schuld vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken." (Jer. 31, 31-34 Menge)

Bedeutung zuwenig erkannt
Die Bedeutung dieses Ausspruches Gottes wurde und wird noch immer zu wenig erkannt und beachtet. Fragen wir uns nach dem Mittel, dessen sich Gott bedient und sein Gesetz in die Herzen schreibt, so sei eindeutig festgestellt: durch das Evangelium nach der Weise, wie es uns der Sohn, Jesus Christus, ganz noch dem Willen und im Auftrage des Vaters eröffnet hat. Bei eingehender Betrachtung des geistigen Inhalts der Bergpredigt und des darauf bezogenen Kommentars noch den Worten des Herrn wird es nicht schwerfallen, Parallelen mit den Wesensmerkmalen des neuen Bundes (Leittext) herauszufinden.

Auf welche Zeit deutet die Prophezeiung Jeremias? In der etwa 100jährigen Vergangenheit der Bibelforscherbewegung wurde diese Frage weitestgehend so beantwortet, daß sie auf Israel in der Wiederherstellung (also im kommenden Zeitalter) anzuwenden sei. Stimmt das? Die vorgenannte Erklärung ist viel zu oberflächlich und entbehrt der gesunden Logik, Schließlich ist der neue Bund das Mittel der Vor- und Zubereitung auf das kommende Gottesreich, das in unserem Zeitalter (Evangeliumszeitalter) wirksam sein muß und auch ist.

Die neue Gesinnung ist es doch, die dem neuen Bund die zweckmäßige Bedeutung und den gottgewollten Inhalt gibt. Welche Voraussetzungen dazu nötig sind, darüber belehrte Jesus eindeutig in seiner Bergpredigt. Er lebte in unserer zeit, denn er leitete sie ein, und er ladet uns und alle in dieser Zeit ein, ihm nachzufolgen in der Gleichheit des Geistes, der Gesinnung. Damit steht fest, daß der neue Bund in unserer Zeit für alle eröffnet wurde und weiterhin wirksam bleibt. Die frohe Botschaft des Evangeliums von Christus ist es doch, die allen den Frieden mit Gott anbietet und allen Rechtfertigung aus Glauben verspricht. Und diese Botschaft muß jetzt in unserer Zeit die Hörer und Täter finden.

Die frohe Botschaft, das Friedensangebot Gottes, basiert auf dem Wesensmerkmal des neuen Bundes. Somit ist auch das Mittel der Bundeserfüllung nicht mehr "Gehorsam", der doch nicht gehalten wird, sondern "Liebe", die die Erfüllung gewährleistet. Nicht die Liebe des Selbstzweckes, sondern die barmherzige Liebe.

Wer wird im neuen Bund sein?
Nun, jeder, der die Botschaft, das Friedensangebot Gottes hört, aufnimmt und vollinhaltlich daran glaubt. Paulus schrieb diesbezüglich:
"Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr ehedem in der Ferne standet (Heiden waret), durch das Blut Christi zu Nahestehenden geworden. Denn er ist unser Friede, er, der die beiden Teile (Juden und Heiden) zu einer Einheit gemacht und die trennende Scheidewand, die Feindschaft, weggeräumt hat, nachdem er durch die Hingabe seines Leibes das Gesetz mit seinen Satzungen und Geboten beseitigt hatte, um so die beiden in einer Person zu einem einigen neuen Menschen als Friedensstifter umzugestalten und die beiden in einem Leibe mit Gott durch das Kreuz zu versöhnen, nachdem er durch dieses die Feindschaft getötet hatte. So ist er denn gekommen und hat Frieden euch, den Fernstehenden, und ebenso Frieden den Nahestehenden als frohe Botschaft verkündigt, denn durch ihn haben wir beide nunmehr freien Zugang zum Vater in einem Geist. Demnach seid ihr jetzt nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern seid Vollbürger mit den Heiligen, Gottes Hausgenossen, aufgebaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, bei welchem Christus Jesus selbst Eckstein ist." Eph 2, 13-20.

Angesichts dieses Zitats aus der Feder des Apostels Paulus wird einmal mehr an den Ausspruch des Herrn erinnert: "I c h bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich." Wer sich dieser Worte erinnert, wird weniger Gefahr laufen, sich falsch zu orientieren. Die Gewichtigkeit des Inhaltes dieses Schriftwortes aus Epheser läßt die Frage zu, worin liegt die Voraussetzung für soviel Gnadenerweisung Gottes? Sie ist eine bedingte Folge für den Glauben und das Vertrauen eines jeden. So ist es.

Jeder auf Grund des Glaubens
Die Verheißung, die Abraham empfing, und in die wir alle eingeschlossen sind, bekam er nicht auf Grund von Werken, sondern auf Grund seines Glaubens. In Römer 4,3 lesen wir: "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet". Und weiter: "Dem aber, der Werke verrichtet, wird der Lohn nicht als Gnade, sondern als Schuldigkeit angerechnet, dem dagegen, der keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerechtspricht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet." (Vers 4 ff). "Somit werden die, welche aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet." Gal. 3,9.

An dieser Glaubensverheißung hat sich bis heute nichts geändert Inhalt, Sinn und Zweck des Evangeliums sind noch die gleichen. Es erübrigt sich, auf die Lehre der "Jonadabe" oder "anderen Schafe" einzugehen, die Christen sein sollen, ohne im neuen Bund zu sein. Das ist völlig unbiblisch Denn Christ sein heißt "Gesalbter" sein. Wer recht glauben will und von Gott aus Gnade gesegnet, muß sich mit dem Worte Gottes selbst vertraut machen und auseinandersetzen. Anders wird er nicht zu dem Glauben kommen, der gesucht wird und diese Belohnung findet.

Welcher Glaube ist es?
Welcher Glaube ist es, der dem Willen Gottes entspricht? Das festzustellen,. ist ohne eigene Worte möglich. Eine kleine Auswahl von den Aussprüchen des Herrn verleiht völlige Gewißheit. Wir lesen:
"Ich bin dazu in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört (auf) meine Stimme" - Joh. 18,37
" . . . glaubt an Gott und glaubt an mich" - Joh. 14,1
"I c h bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zu Vater außer durch m i c h-". Joh. 14,6
"Denn das ist der Wille meines Vaters, daß j e d e r, der den Sohn sieht (hört) und an ihn glaubt, ewiges Leben habe" - Joh. 6, 40
"Da r i n besteht das Werk Gottes, daß ihr an den glaubt, den jener gesandt hat" - Joh. 6,29 "Denn sosehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit j e d e r, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde." - Joh. 3,16-17.

Damit dürfte der Führungsanspruch und Gehorsamszwang, der von den Spitzen der Zeugen Jehovas, der WTG, geltend gemacht wird, gegenstandslos geworden sein. Nicht sie haben Inhalt und Maß des Glaubens zu bestimmen, wie sie es tun, sondern der Herr selbst. Sein Wort ist uns allen zugänglich, er interpretiert und erklärt es auch selbst. Dazu bedarf es keiner Einschaltung einer sich als "Vertreter des Herrn auf der Erde" ausgebenden fragwürdigen Organisation Es gibt nur ein Mittel, um sich vor verhängnisvollen Irrtümern zu bewahren: Kenntnis und Verständnis über das Wort Gottes. Das zu erlangen sollte man nicht sorglos oder gutgläubig anderen überlassen und sich diesen Meinungen anschließen, sondern sich selbst orientieren. Wenn Gott durch den Sohn geredet hat, so müssen wir uns am Worte des Sohnes orientieren. Und die Worte des Sohnes sind auf den Charakter des neuen Bundes gerichtet. Die Erfindung der "Jonadab" - und "andere Schafe"-Klasse aber ist die Abkehr und Verleugnung des neuen Bundes, in dem man allein Christ sein kann. -
Fortsetzung demnächst in CV.

CV-Bericht zu den Problemen des WTG-Werkes zwei Jahre nach der Verkündigung von "1975"
Lagebericht 1977
Der große Hintergrund hinter allem
Die WTG befindet sich 1977, nunmehr schon zwei Jahre nach 1975, in der größten Krise ihres gesamten Werkes. Der allgemeine eigene Hintergrund ist die weltweite Verkündigung eines erneuten falschen Weltendes, 1975. Wie das auch bestritten oder verdeckt wird, wie auch davon abgelenkt, wie das auch überspielt wird, man kann nicht ohne Schaden an der eigenen Glaubwürdigkeit gar falsche Weltenden verkündigen. Alles, was die WTG jetzt unternimmt, die gesamte Thematik für das Werk, wird unter dem Hauptgesichtspunkt bestimmt, wie es der großen 1975 "Verscheuchung" dient.

Es hat ein genereller Rückgang eingesetzt. Es geht generell abwärts. Das drückt sich vorerst weniger in Zahlen aus, obwohl auch schon hier einige Angaben gemacht werden könnten. Die Interessenlosigkeit wächst, Gleichgültigkeit breitet sich aus, Schritt für Schritt kommt die große Enttäuschung zum Bewußtsein, daß alle Weltendeverkündigung für "Mitte der siebziger Jahre" eine großangelegte Falschverkündigung war. Denn die "Mitte der siebziger Jahre" ist nun durchschnitten und alles wird erneut "an den Horizont" geschoben. Das ist zuviel.

Jeder, der über alles nachdenkt, fragt sich, was soll ich noch glauben und anderen verkündigen? Mehr als allgemeines Endzeitgerede kann man doch gar nicht mehr machen. Mit jeder genaueren Auskunft wird man unglaubhaft. Nicht wenige haben vor 1975 ihre Häuser nicht repariert, sich nicht mehr um die Berufsausbildung gekümmert, Ehe und Familie hintenangestellt, ja die Arbeit aufgegeben und nur noch von ihren Ersparnissen gelebt, die bis 1975 hinreichen würden. Während sie vor 1975 von der WTG dafür gelobt und als Glaubensbeispiel hingestellt wurden, werden sie nun wenn sie nach 1975 als betrogen aufbegehren, als Unruhestifter mit Ausschluß bedroht.

Die Räder des Werkes beginnen im Sand zu mahlen
Viele wenden sich nun verständlicherweise ihren vor 1975 vernachlässigten eigenen Problemen zu. Damit es die Nachbarn möglichst nicht sehen, wurde verschämt Baumaterial angeschafft, zur Reparatur, zur Ausbesserung. Hatte man den Nachbarn doch vor 1975 auf ihre Hinweise, das Doch fällt ein, im Brustton der Überzeugung geantwortet, bis 1975 halte. es schon noch. Heute müssen sie sich berechtigterweise sagen lassen, ob es wohl nicht ganz gestimmt hat bei ihnen im Kopfe vor 1975.

Auch werden die Studien vernachlässigt, der Felddienst desgleichen. Niemand will sich - auch verständlich - mit falschen Endzeitverkündigern näher einlassen. Man hört mal hin, merkt, daß es Zeugen sind, und weist sie dann mehr oder weniger freundlich ab. Durch Nachbesuche und Heimstudien bindet sich nur noch der, der noch nicht weiß, was da alles schon den Menschen verkündigt wurde. Viele Stunden, wenig Erfolg. Dieses Mißverhältnis wird immer größer und deutlicher, und nach und nach beginnt man sich zu fragen, woran das wirklich liegt. Aus Furcht, der Organisation einmal seine Meinung zu sagen, verfallen viele in Resignation.

Viele junge Brüder und Schwestern haben das Werk verlassen Sie sind oft im Elternhaus so aufgezogen worden. Reifer werdend wurde ihnen jedoch der einfältige Kindergarten bewußt, in dem die WTG allein alles zusammenhalten an kann unter falschen Weltenden, in Hintenanstellung von Familie, Ehe, Arbeit und anderen sozialen Selbstverständlichkeiten Christliche Einfachheit heißt doch nicht Unmündigkeit Der WT aber ist das reinste Vormundschaftswesen, er schreibt sogar die Fragen vor, die einer in der Zusammenkunft nur stellen darf.

Wird die Ältestenregelung wieder verändert?
Es gibt Anzeichen dafür, daß die WTG auch die im Hinblick auf bessere Überwachung des Werkes für 1975 seit 1972 eingeführte Ältestenregelung wieder ändert. Man spricht von Überarbeitungen. Man spricht davon, daß es dem toten WTG-Präsidenten N. H. Knorr zugeschrieben werden könnte. Der Ältestenturnus hat bis auf wenige Ausnahmen bisher nur Schwierigkeiten gebracht. Niemand kann sich mehr genügend einarbeiten. Niemand kann sich auch nur genügend hineinfinden, und schon wird er wieder abgelöst. Jeder kann auf den Vorgänger abwälzen, was er nicht bewältigt. Jeder kann dem Nachfolger aufhalsen, was er nicht gerne tun und verantworten möchte. Der Turnus ist eher als eine große Durcheinanderwirbelung und Zerrüttung zu bewerten. Die Streitigkeiten nehmen zu. Niemand kann hinreichend Erfahrungen sammeln. Die willkürlichen und persönlichen Entscheidungen mehren sich, die der nächste dann auszubaden hat. Niemand mehr kann in einem Dienstamt heranreifen, schon wird er wieder aus der Bahn geworfen.

Die Fragen mehren sich, warum so etwas überhaupt eingeführt wurde. Die Stimmen mehren sich, die erkennen, daß es geschah, um durch alsbaldiges Auswechseln die Entwicklung von Kritik und Opposition in Verbindung mit dem dann wieder zu "verscheuchenden" Weltende von 1975 schon im Keim zu ersticken oder zu verhindern. Im Grunde war es natürlich ein gewaltiger neuer Bibelmißbrauch. Denn ein solcher Turnus ist aus der Bibel gar nicht eindeutig zu erkennen. Sicher wird man das dann auch wieder zugeben. Es kann nicht jeder der Reihe um jedes Dienstamt ausfüllen Nicht jeder hat jede Gabe. Die Gaben sind verschieden So ist es biblisch. Der Turnus ist in der Tat ein gewaltiges Fehlunternehmen. Vielleicht werden bald neue Bücher der WTG erscheinen, um alles erneut zu ändern.

Interne "Notstandsgebiete des Werkes"
Teilweise ist die Nach-1975-Krise der WTG schon so schlimm, so daß gewisse Bereiche des Werkes intern als "Notstandsgebiete" erklärt wurden, wo nun bald gar nichts mehr klappt. Der Zusammenhalt ist nur noch auf dem Papier, die Verantwortlichen erkennen sich nicht an. Die "geistige Speise" wird nicht mehr ernst genommen. Die Berichte sind Schönfärberei, hinter den Zahlen stehen keine ehrlichen Leistungen mehr, es wird gemogelt wo es geht Wenn je das WTG-Wort-Geltung hatte, "Es ist später als du denkst", dann jetzt für die WTG selbst. -
F. F.

ERSTE BERICHTE VON DEN WTG-KONGRESSEN 1977
Zürich/Schweiz, Hamburg/BRD, München/BRD, West-Berlin
Inzwischen sind erste Berichte von den verschiedenen WTG-Kongressen des Jahres 1977 eingetroffen. Sie standen in diesem zweiten Jahr noch 1975 wie bekannt unter dem Motto "Freudige Arbeiter". Es wurde keine Ansprache über 1975 mehr zugelassen. Allgemein wird gesagt, daß alles Denkbare zu dem Motto "Freudige Arbeiter" ausgeführt wurde, nur der wirkliche Grund hierfür nicht: Mit Arbeit und Dienst jeden so zu beschäftigen, daß er zu keinem kritischen Nachdenken mehr kommt oder Zeit hat.

Alle unsere Teilnehmer und Beobachter berichten auffallend, daß ein wichtiges Thema aller Kongresse der WTG Blutkult war, die bekannte Blutfrage. Es liegt inzwischen auch die neue Blutkultbroschüre dazu vor, die auf den Kongressen freigegeben wurde. Es wird gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß dieser gesamte WTG-Blutkult mit einer einzigen Schriftstelle aus den Angeln gehoben wird, mit 1. Kor. 10:25-27, eine Schriftstelle, die in der neuen WTG-Blutkultbroschüre völlig unterschlagen werde. Es wird gefordert, in CV unbedingt ausführlich auf dieses Thema einzugehen.

Aus Westberlin erreichte uns eine öffentliche Presse-Äußerung des WTG-Beauftragten Dietrich Förster, wonach die WTG noch in diesem Jahr eine große Aktion zugunsten der Blutkultfrage in der Öffentlichkeit durchfuhren wolle. Förster habe erklärt, "wir wollen nicht andere Überzeugen, sondern erreichen, daß sie unseren Standpunkt akzeptieren." Hierüber hat es erregte Gespräche gegeben, weil, diese öffentliche Erklärung unwahr und eine Falschorientierung der Öffentlichkeit sei. Wahr sei, daß die WTG in jedem Fall andere überzeugen will, sonst müßte sie ja schweigen. Man wisse auch, daß andere den WTG-Standpunkt gar nicht akzeptieren oder anerkennen können, denn da blieben sie keine anderen mehr. Das Anderssein besteht ja gerade darin, daß sie den WTG-Standpunkt nicht akzeptieren. Etliche bezeichnen deshalb diese öffentliche Erklärung als Demagogie, als unehrlich.

Aus der Leitung des WTG-Kongresses in der Deutschlandhalle, Westberlin, wurde eine gewisse Zufriedenheit mit dem Presse-Echo geäußert, das der Kongreß gehabt habe. So habe die Presse besonders hervorgehoben, daß Jehovas Zeugen "sich nicht politisch engagieren", sondern "politische Neutralität vertreten", darum auch "keiner politischen Partei angehören" dürfen. Sie übten deshalb "auch ihr Wahlrecht nicht aus". Demgegenüber wird festgestellt, daß entweder die Presse mit der WTG im Bunde steht oder einfach die Tatsachen nicht kennt. Jehovas Zeugen würden von der WTG selbst zur Wahl veranlaßt, nämlich für eine theokratische Regierung gegen die bestehende Regierung, was keine unpolitische Entscheidung sei. Auch politische Neutralität treffe nicht zu. Ein Blick in den Wachtturm vom 15. August 1977 würde jeden ehrlichen Presseberichterstatter davon überzeugen. Mit solchen politischen Äußerungen wie, "der gefürchtete kommunistische Nationenblock" und "die kommunistischen Nationen sind nationalistisch, beten den Staat an" (Seite 500) veranlaßt die Wachtturmgesellschaft die Zeugen Jehovas doch ganz klar, antikommunistisch aufzutreten, mit in das Horn von der "kommunistischen Gefahr" zu tuten und sogar politische Lügen zu verbreiten. Die Kommunisten seien nämlich internationalistisch. Auch beten sie nicht den Staat an, sondern sie trennen Religion und Staat. Mithin lehrt der Wachtturm Jehovas Zeugen, antikommunistische Verleumdungen zu vertreten. Wenn Jehovas Zeugen und die Wachtturmgesellschaft auch nicht Mitglied einer politischen Partei sind oder sein dürfen, so gehörten sie gemäß den Tatsachen dennoch aber der "großen politischen Partei der Antikommunisten" an. Angehörigkeit oder Zugehörigkeit werde auch durch Mitgliedschaft bewiesen, aber entscheidender noch durch Gesinnung.

Vom Hamburger Kongreß wird eine öffentliche Erklärung des Mitgliedes der Kongreßleitung Reinhard Schulz übermittelt, was er der Presse über den Zweck der Kongresse übergab. Auch Jehovas Zeugen sind Anfechtungen am Arbeitsplatz oder in der Schule ausgesetzt. Hinzu kommt die ständige Infiltration durch Fernsehen und Massenmedien. Dies alles führt irgendwann einmal zu einem Zustand geistiger Verflachung. Durch den jährlichen Kongreß erhalten unsere Glaubensbrüder neue Impulse."

Die Wahrheit aber ist anders, wird dazu gesagt. Die 1977-Kongresse unter dem Motto "Freudige Arbeiter" würden nicht aus den genannten Gründen veranstaltet. Arbeitsplatz, Schule, Fernsehen und Massenmedien wird die unter den Zeugen Jehovas eingetretene "geistige Verflachung" in die Schuhe geschoben. Die wirkliche Ursache der tatsächlich umgehenden "geistigen Verflachung" sei die langsam dämmernde Unglaubwürdigkeit der Wachtturmgesellschaft, was ihr Weltendepredigen betrifft. Nämlich die falsche Weitendeproklamierung um 1975. Aber das sei in Wahrheit gar keine geistige Verflachung. Damit wolle die Wachtturmgesellschaft nur Schuldkomplexe einpflanzen, deprimieren. Was als "geistige Verflachung" diffamiert wird, sei in Wahrheit ein geistiges Erwachen, nämlich das allmähliche Erkennen der Unglaubwürdigkeit der Wachtturmgesellschaft Die Kongreßleitung wüßte nur zu gut um diese Hintergründe.

Auf der anderen Seite müßten u. a. dem Korrespondenten des Hamburger Abendblattes Hans-Jürgen Buchhorn einige Fragen gestellt werden, die seine öffentliche Verantwortung betreffen, die Mitmenschen richtig zu informieren. Er habe sich zum Sprachrohr der Wachtturmgesellschaft gemacht. Müßte er seinen Lesern nicht auch sagen, warum das Kongreßprogramm "vollgepfropft mit Themen über den Alltag" war? Weil von einer unglaubwürdigen Weltendeverkündigung abgelenkt werden soll. So aber hilft er nur, den Zweck der Kongresse zu erfüllen. Wie kann er völlig unkritisch die, Äußerung des Kongreß-Redners Franz Gudlikies übernehmen, "durch erdenweite Predigttätigkeit möchten wir die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Lösung der Weltprobleme durch Gottes Reich aufmerksam machen" -? Ist das Predigen gerade dieser "Lösung" doch schon ein halbes Dutzend mal als falsche Prophetie erwiesen! Aber gerade das will die Wachtturmgesellschaft verschwiegen haben Hat ein Korrespondent nicht die Pflicht, objektiv zu berichten, also beide Seiten der Sache?
Weitere Berichte über wichtige Kongreß-Reden und ihre Hintergründe sowie über die neuen Veröffentlichungen folgen.
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WER NUN WEISS, DASS ER GUTES TUN SOLL, UND ES DOCH NICHT TUT, DEM IST ES SÜNDE
Unter diesem Wort aus Jakobus 4:17 hat im September 1977 in Berlin eine zweite Beratung von Mitarbeitern, Mitverbundenen und Freunden von "Christliche Verantwortung" stattgefunden. Wir werden darüber berichten. Möge dies Wort aus Jakobus eine Anregung für alle sein, die ebenfalls die Unglaubwürdigkeit der WT-Endzeit und Verantwortungslosigkeit der WT-Politik erkannt haben und deshalb "Gutes tun" sollten, indem sie auf irgendeine zweckmäßige Weise der Wegweisung hinaus aus jener zu lange schon "verzögerten Hoffnung" Unterstützung und Hilfe zuteil werden lassen. Das Beispiel der freigewordenen Christen in Jarmen und anderen Orten unseres Landes sollte alle ermutigen. Und "gut steht's, wenn Ratgeber in großer Zahl da sind". Sprüche 11 :14. Dies soll heute unser Schlußwort sein.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern und alle
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,-. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr.: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera

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