Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 81
Ein kommentierender Pressebericht "nach Tisch"; will sagen nach 1975, mit Bezug auf dieses Datum, in dieser Ausgabe.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 81 April 1976
DIE ENDZEITVERKÜNDIGUNG IST NICHT MEHR
ERNSTZUNEHMEN
Sich weiter damit blamieren?
Liebe Leser
Kein weniger Bevorrechteter als der frühere deutsche
WTG-Zweigdiener und nach wie vor auf den WTG-Kongressen vor der Öffentlichkeit stehende
WTG-Beauftragte, Konrad Franke, Wiesbaden, hat schon kurz nach der Proklamierung des
Endzeittermins 1975 im Jahre 1968 den deutschen WTG-Zweig darauf öffentlich festgelegt,
sich im Falle des Platzens dieses Termins im Jahre 1975 "mit der Organisation zu
blamieren"! Lest das in dieser CV-Ausgabe nach. Wenn auch Franke danach im Jahre 1969
als Zweigdiener abgesetzt wurde, so hat er nur die Wahrheit gesagt: Die WTG schreitet seit
ihrem ersten Endzeitdatum von 1799 (Die Harfe Gottes, S. 214/215, Magdeburg 1926)
Generation um Generation von einer Endzeitblamage zur anderen. Mit Christi Worten über
"diese Generation" (Matth. 24:34) hatte das in Wahrheit also nie etwas zu tun.
Diese CV-Ausgabe möchte wieder
wichtige Anregungen unterbreiten, dies zu erkennen und einen Ausweg in christlicher
Verantwortung zu finden und zu gehen. Inzwischen hat sich die 1975-Blamage der WTG
natürlich überall herumgesprochen.
Besonders die anderen Christen werden verständlicherweise
und auch berechtigterweise darüber vielfach informiert. Wäre es doch wirklich
verhängnisvoll für jedermann, über den Bankrott der WTG-Endzeitlehren ab 1799 schon
nicht informiert zu sein und eine Generation noch der anderen das weiter zu glauben und
anderen zu predigen. nicht wahr?
Es dürfte nun bald keinen anderen Christen irgendeiner Kirche oder Gemeinschaft mehr geben, der darüber nicht informiert wird. Die Verantwortlichen tragen hier eine große Verantwortung. Und Jehovas Zeugen müssen wissen, wer da so über den 1975-Endzeitbankrott der WTG informiert, ist die Endzeitverkündigung doch Wesen, Hauptzweck und Sinn des ganzen Werkes.
In der DDR sind inzwischen alle evangelischen Pfarrer über die Konfessionskundliche Forschungsstelle der Evangelischen Kirchen laufend informiert. In der BRD hat die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart u. a. eine Dokumentation Endtermin 1975 veröffentlicht. Unter den katholischen Christen in der BRD, in Österreich, Italien und darüber hinaus informiert laufend das Katholische Informationsbüro Glaubensgemeinschaften in Haisterkirch, BRD. In Bayern, BRD, speziell arbeitet ein Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns (München). Die Presse und Informationsstelle der ev.-luth. Landeskirche Hannover brachte eine Schrift "1975-Stichwort: Weltuntergang 1975" heraus. Berechtigterweise informierte nahezu die gesamte Kirchenpresse. Aber auch die anderen Zeitungen. "Der jüngste Tag war nur ein Rechenfehler", "im Jahr des Weltuntergangs", "Geschäft mit der Angst", "Ganz kurz vor dem Ende der Endzeit", "Die Zeugen Jehovas müssen wieder umdisponieren", "Endzeiterwartungen der Zeugen Jehovas erfüllten sich nicht" und anders lauten die öffentlichen Schlagzeilen. In Frankreich berichtete "Le Figaro" unter dem Titel "Dieu et dollar" (Gott und Dollar). In den USA berichtete u. a. die "New York Times". In Polen berichteten verschiedene Zeitschriften. In der Sowjetunion brachte die Zeitschrift "Nauka i Religia 4/1975. Moskau, einen ausführlichen Bericht über das WTG-1975 unter dem Titel ."Zusammenbrüche lügnerischer Prophezeiungen. Die Weltendelehren der Zeugen Jehovas". Und nichts davon kann irgendein Zeuge Jehovas ehrlicherweise abstreiten oder gar widerlegen! Wo er vor einem informierten anderen Menschen auftritt, steht er als unglaubwürdig und blamiert da. Das kann doch nur ignorieren, wer sein Gewissen selbst vergewaltigt. Ist er jedoch ehrlich, kann er Nichtinformierten die bankrotten Endzeitlehren erst recht nicht mehr predigen. Die Schuld würde um so größer.
Jeder Aufrichtige empfindet das selbst
Was nützt die ganze Gemeinschaft der Zeugen Jehovas, wenn ihre Endzeitorientierung
unglaubwürdig ist? Darum lest und verbreitet die wichtigen Beiträge hierzu auch in
dieser CV-Ausgabe.
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem was recht ist
1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
Jetzt können auf einmal noch "Jahre vergehen"!
Was ist von "1975" übriggeblieben? - Ist es leichter, eine Lüge zu schlucken,
als sein Lebensziel aufzugeben? - Die antikommunistische politische Propaganda wird auch
nach 1975 in den Wachtturmschriften fortgesetzt. - Ist die Leitende Körperschaft der
Zeugen Jehovas wirklich Gottes Organisation'? - Nach dem 1975-Bankrott: In christlicher
Mündigkeit in den sozialistischen Ländern neuorientieren!
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Jetzt können auf einmal noch "Jahre vergehen"!
Was ist von "1975" übriggeblieben?
Die WTG mußte in ihrer WT-Ausgabe vom 1. Januar 1976 nach Ablauf des
Jahres 1975 auf das Ende der 6000 Jahre
1975 und die dafür angekündigten Endereignisse eingehen. Man kann nicht
für 1975 sozusagen das Weltende proklamieren und, wenn nichts passiert, 1976 einfach
weitermachen, als hätte man da nie etwas verkündigt. So finden wir tatsächlich als
erstes Thema im WT vom 1. Januar 1976 den Titel "Das Ende von 6000 Jahren
Menschenherrschaft steht bevor - Was ist erreicht worden?" Hauptinhalt ist jedoch nur
eine Übersicht über die "ersten tausend Jahre" usw.. bis die "sechsten
tausend Jahre", in die sich die WTG dann selbst seit 1874 einrangiert. Also im Grunde
nichts als bekannte Dinge, was man in anderer Form in jedem WTG-Buch vor sich hat. Was
wirklich "erreicht worden ist", sieht jeder selbst: Nichts! Alles wird weiter
verschoben!
Um davon abzulenken, wird in einem weiteren Hauptartikel gegen alle anderen Christen, ihre Kirchen und Gemeinschaften zufelde gezogen, die "das angebliche Königreich" und "kein Zufluchtsort" seien. Der WT endet dann mit dem Thema "Bei dem wahren Königreich Zuflucht suchen", das, wie nicht anders zu erwarten, durch die WTG vertreten werde.
Darin würden nun die "Altesten" als die auferstandenen "Fürsten" in einem "geistigen Paradies" und "nach Recht herrschen". Es kümmert die WTG dabei nicht, daß sie die "Fürsten" schon ein paarmal anders auferstehen ließ, daß die Schrift jedes Herrschen über die Mitchristen verbietet (Matth. 20:25-28) und daß es bei der körperlichen und geistigen Unvollkommenheit und allem Stückwerk der Erkenntnis nicht nur heute keinerlei "geistiges Paradies" geben kann. (1. Kor. 13:9, Römer 7:18-21), sondern daß die wirkliche Situation der Organisation nie ein "geistiges Paradies" war noch ist! Die in die Hundertausende gehende Gemeinschaftsentzüge beweisen das.
Der WT geht psychologisch geschickt vor. Gleich auf der ersten Seite im ersten Thema wird aufgeräumt, hart, unerbittlich, bedenkenlos. Wer bis Ende 1975 noch geglaubt hat mit 1975 oder wenigstens kurz danach könnte vielleicht doch das "Ende" kommen, wird jetzt rücksichtslos desillusioniert. Danach kommt ein Balsam der Verschiebung und des weiteren Hinhaltens, Versprechens und Ausmalens der natürlich "ganz nahe" bevorstehenden "Tausendjahrherrschaft Christi". Da diese Ausmalungen in fast jedem WTG-Buch nachzulesen sind, können wir darauf verzichten. Was alle bestimmt interessiert, sind jedoch die Ausführungen, die nun endgültig desillusionieren.
Es heißt: "Im September 1975 begann ein neues jüdisches Mondjahr. Damit haben wir einen bedeutsamen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit erreicht. Gemäß der biblischen Zeitrechnung waren 6000 Jahre Menschheitsgeschichte vergangen . . . Heißt das, daß die Menschheit nun bereits 6000 Jahre innerhalb der Zeitspanne von 7000. Jahren gelebt hat. die Gott als seinen großen 'Ruhetag' segnete und heiligte? Bedeutet es, daß Christi Tausendjahrherrschaft die letzten 1000 Jahre dieses 'Ruhetages' - vom September 1975 an zu zählen ist? . . . Nein, das ist nicht der Fall.
Weshalb nicht? Weil der Bibelbericht zeigt, daß Gottes schöpferische Tätigkeit an dem 'Tag', der dem 'Ruhetag' von 7000 Jahren vorausging, nicht mit der Erschaffung Adams endete.
Der Bericht läßt erkennen, daß zwischen der Erschaffung Adams und der Erschaffung Evas, seiner Frau, Zeit verstrich. Während dieser Zeit ließ Gott Adam den Tieren Namen geben. Ob dabei Wochen, Monate oder Jahre vergingen, wissen wir nicht. Daher wissen wir auch nicht genau, wann Jehovas großer Ruhetag begonnen hat und wann er enden wird. Dasselbe gilt für den Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi". (WT 1. . 1. 76, S. 3).
Es können nunmehr nach 1975 noch "Wochen, Monate oder Jahre vergessen?" Ja, da muß man doch aber fragen, was denn die weltweite Verkündigung des Jahres 1975 für einen Zweck hatte! Das war dann doch eine völlig überflüssige, nutzlose, ja schädliche Proklamation! Die Welt wurde damit dann doch an der Nase herumgeführt, zum Narren gehalten! Wer kann denn Jehovas Zeugen nun noch ernst nehmen!
Aber es ist ja nicht nur das. Wenn die WTG jetzt erklärt, das Ende der 6000 Jahre im Jahre 1975 bedeutete nicht das Ende von 6000 Jahre des "Ruhetages" Gottes und damit des Beginns der Tausendjahrherrschaft Christi, dann beweist das, daß sie mit der 1975-Verkündigung ihn Jahre 1966 eine Lüge in die Welt gesetzt hat! Denn sie ließ verkündigen: "Gemäß dieser zuverlässigen Bibelchronologie werden 6000 Jahre, von der Zeit der Erschaffung des Menschen an, mit dem Jahre 1975 enden" (Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 30). Aber es kommt noch schlimmer: "Das Jahr 1975. Auf der Versammlung in Baltimore (1966) gab Bruder Franz (WTG-Vizepräsident) in seinen Schlußworten einige interessante Kommentare über das Jahr 1975. Er ging ausführlich auf Einzelheiten ein und zeigte, wie begründet das Jahr 4026 v. u. Z. als Datum für den Anfang des Ruhetages Gottes ist." (WT 1. Jan. 1967, S. 22/23). Es wurde also auf den Kongressen 1966 und im WT 1967 weltweit proklamiert, daß der "Ruhetag" Gottes im Jahre 4026 v. u. Z. begonnen hat und damit im Jahre 1975 u. Z. 6000 Jahre dieses "Ruhetages" um sind, und die Tausendjahrherrschaft Christi beginnt! Diese Verkündigung liegt dokumentarisch fest! Das erfolgte mit vielen Millionen Zeitschriften und in 70 Sprachen der Erde! Nach den Darlegungen nunmehr im WT vom 1. Januar 1976 war diese 1975-Verkündigung von 1966 eine weltweite Lüge! Ja. sie war tatsächlich eine Lüge, denn sie erfolgte wider besseres Wissen! Denn daß man den "Ruhetag" Gottes nicht näher bestimmen könne, weil Eva wahrscheinlich sehr viel später als Adam erschaffen worden sei, erklärte der WT schon in seiner Ausgabe vom 1. April 1955 auf "Fragen von Lesern"! (Siehe auch CV 68/1975, S. 3, Dokumententeil). Es war also eine bewußte Unwahrheit, was 10 Jahre später, seit 1966 über das "Ende" und den "Ruhetag" Gottes der Welt vorgesetzt wurde! Jeder kann das nachprüfen.
Nur dir als Zeuge Jehovas soll das nicht zum Bewußtsein kommen, um dich weiter für eine falsche Endzeitverkündigung mit ganz. anderen Hintergründen zu mißbrauchen. Aber niemand kann doch denen, die solche "Ruhetags"-Unwahrheiten im Namen Gottes und Christi bei Strafe des Weltuntergangs der Menschheit vorsetzen, glauben, geschweige denn ihnen folgen! Man kommt nicht umhin, nach dem Gewissen solcher Männer zu fragen, die heute das im Namen Gottes predigen und morgen das Gegenteil und dann noch ernst genommen werden wollen. Das betrifft nicht nur den "geistigen Kopf" der WTG, Vizepräsident F. W. Franz in Brooklyn. Die Leitung des deutschen Zweigbüros in Wiesbaden, BRD, ist mit dem ehemaligen Zweigdiener Konrad Franke um keinen Deut besser. Verlangte er doch am 20. 1. 1968 in einem öffentlichen Vortrag in Hamburg zum Thema "Trachtet zuerst noch dem Königreich Gottes", wenn 1975 nicht stimme und alle sich blamieren müßten, dann blamiere ich mich mit der Organisation"! Was ist denn das für ein "Hirte der Herde Christi"! Wie kann denn ein solcher Mensch eine ernstzunehmende Verkündigung leiten! Wie können sich überhaupt erwachsene Menschen so leiten lassen! Man kann doch nicht allen Ernstes der ganzen Menschheit bei Strafe ihres Untergangs eine Endzeitverkündigung zur Annahme präsentieren, bei der schon von vornherein gesagt wird, daß jeder, der sie annimmt, am Ende als blamiert dastehen kann und jeder sich mit der WTG zu blamieren habe! Das ist doch Scharlatanerie, Gaukelei, Verantwortungslosigkeit, Gewissenlosigkeit und Skrupellosigkeit in höchster Vollendung! Solche "Hirten" sind doch in Wirklichkeit unzurechnungsfähig! Oder wie soll man das sonst bezeichnen? Was kann man denn Jehovas Zeugen nur alles aufschwatzen! Ist denn keiner mehr zu einer kritischen Betrachtung dessen fähig, was die WTG mit ihm macht?
Im Jahrbuch 1975, S. 240, gibt die WTG zu. daß der 1975-Termin nur aufgestellt wurde, um das Absinken der Aktivität und Zahlen ihrer Ergebnisse zu stoppen und "die Zahl der Verkündiger wieder ansteigen" zu lassen in Verbindung mit der "Ankündigung, daß 6000 Jahre 1975 enden würden."
Die Wende sei tatsächlich seit 1968 eingetreten: "Überall wachten die Brüder auf und gingen tatkräftig daran . . .". Das heißt doch nicht mehr und nicht weniger, daß für die WTG alles Recht ist, was ihrer Zunahme nützt, ob das Wahrheit ist oder Lüge, eine Änderung der Bibelauslegung ins
Gegenteil oder ein eigentlich haltloser
Termin, das spielt keine Rolle. Hauptsache Ausdehnung des Werkes. Was das bewirkt, wird
als von Gott gesegnet erklärt, und wenn es morgen wieder verworfen wird.
Wie nichts anderes bestätigt die nun bankrotte
1975-Verkündigung, daß die WTG die Bibel nur so anwendet, wie es ihr nützt. Was ist das
für ein Werk! Macht Schluß damit.
Ist es leichter, eine Lüge zu
schlucken, als sein Lebensziel aufzugeben?
1975 sollte das Dasein der Menschen enden - Die Zeugen
Jehovas müssen wieder umdisponieren - Kein Mitleid mit den Toten. Von Martina Stein.
"Von dem Tag aber und der Stunde weiß niemand, auch
die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater". (Matth. 24, 36). Nur die
Zeugen Jehovas haben es wieder einmal gewußt zwar Tag und Stunde nicht, aber das
betreffende Jahr. Nämlich das betreffende Jahr 1975, das nun hinter uns liegt, ohne daß
- wie vorausgesagt - die Welt mit ihren Menschen in der "Schlacht von
Harmagedon", der Einleitung des Jüngsten Gerichtes, vernichtet worden ist. In der
Schlacht Gottes, in der alle Menschen, die nicht in der gegenbildlichen Arche Noah, der
Neuen-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas, Zuflucht gesucht haben, ausgelöscht, für
ewig vom Leben abgeschnitten werden sollten. Nicht nur vom irdischen, sondern auch vom
ewigen Leben. Gleichgültig, ob schuldig oder unschuldig, ob Mann, Frau, Greis oder Kind.
Diesem Zeitpunkt fieberten die Zeugen Jehovas förmlich entgegen in der Sehnsucht und Erwartung, über diese Welt mit ihren Menschen, die ihnen zwar vereinzelt Achtung, mehr aber noch Spott und Nichtachtung beschert hatten, zu triumphieren, wie es uns einmal eine besonders erfolgreiche Zeugin mit zahlreichen Heimbibelstudien, Predigtdienststunden und hoher Literaturverkaufsquote gesagt hatte.
"Und wenn dann die Leichen, wie es in Hesekiel heißt, berghoch auf den Straßen liegen, mir tut das nicht leid. Jahrelang haben wir an ihren Türen gepredigt und sie gewarnt, aber sie haben uns ausgelacht, hinausgeworfen und waren verstockte Böcke, die nicht hören wollten. Nun geschieht es ihnen ganz recht, wenn Jehova das Gericht an ihnen vollzieht".
Nach den im Jahre 1966 stattgefundenen Bezirkskongressen, gingen die Zeugen Jehovas mit neuem Elan von Haus zu Haus, um den neuen Endtermin für den Untergang der Welt, für die "Vernichtung dieses Systems der Dinge" für das Jahr 1975 bekanntzumachen.
Viele Verkündiger waren in den vorangegangenen Jahren untätig geworden, bei zahlreichen haperte es mit der Erfüllung der Dienststundenquote von zwölf Predigtstunden im Monat; der Nachbesuchsquote und dem Verkauf der Literatur in Gestalt von monatlich zwölf Exemplaren der Zeitschriften "Wachtturm" und "Erwachet" und womöglich von einigen Büchern und Broschüren der Wachtturmgesellschaft. Anhand der auf eigens dazu vorgedruckten Formularen von jedem Zeugen auszufüllenden Rechenschaftsbericht über die Zahl der abgeleisteten Predigtdienststunden, der Nachbesuche, Bibelstunden und der Anzahl der verkauften Literatur an die Heimatversammlung war zu ersehen, daß die Mitarbeit nicht mehr so schwungvoll war, wie in den vergangenen Jahren. Sie bedurfte einer Ankurbelung durch einen neuen Endtermin - den dritten in diesem Jahrhundert - um die lahmgewordenen Mitglieder wieder auf Vordermann zu bringen und die durch die von der Gesellschaft abgefallenen Zeugen entstandenen Lücken wieder durch neue, den christlichen Kirchen abgejagte Schafe, aufzufüllen.
Das 1966 in Englisch veröffentlichte und später auch in Deutsch erschienene Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes" bildete den Auftakt zu dem auf den Bezirkskongressen desselben Jahres verkündeten Endtermin, der eine neue Erfolgswelle an Predigtstunden und verkaufter Literatur einleitete und viele Zeugen, die sich bereits auf dem Sprungbrett in ihre vormals verlassenen Kirchen zurück befanden. bei der Stange hielten. Über Buch und Kongreß schrieb der "Wachtturm": "Es dauerte nicht sehr lange, bis man die Tabelle fand . . . . die zeigt, daß 6000 Jahre des Daseins der Menschen im Jahre 1975 enden. Erörterungen über dieses Jahr überschatteten nahezu alles andere." Die Kongreßbesucher waren überwältigt und tief beeindruckt von der Tatsache, daß Harmagedon schon so nahe sein sollte. Einer von ihnen, daraufhin angesprochen, sagte:
"Wir müssen jetzt alle unsere Kraft daransetzen, um die Chance nicht zu verlieren, miterrettet zu werden. Lange halten wir diesen Streß von fortwährendem Lernen und Studieren, von Beruf und Predigtdienst nicht mehr aus. Nun wird uns Jehova endlich zu einem ruhigeren Leben auf seine neue Erde hinüberretten. Aber wenn man hört, was manche Brüder sagen, daß danach der Predigtdienst erst so richtig anfange, könnte einem direkt vor der Zukunft grauen."
Der Vizepräsident der Gesellschaft versuchte in seiner öffentlichen Ansprache, die Euphorie der Massen etwas zu dämpfen. Obwohl die Wachtturmgesellschaft, wie wiederholt im "Wachtturm" und in den von der Wachtturmgesellschaft herausgegebenen Büchern behauptet wird, angeblich "Gottes Sprachrohr" in der Gegenwart sein soll, waren sich ihre Führer dessen wohl nicht ganz so sicher nach den zwei vorhergegangenen Pleiten von 1914 und 1925, wo die Wachtturmgesellschaft den Weltuntergang und die Aufrichtung von Gottes Neuem Himmel und einer Neuen Erde verkündigt hatte und, als dies ausblieb, 1925 die Aufrichtung von Gottes ewigem Königreich in den Himmel verlegte.
Der Vizepräsident sagte in seiner öffentlichen Ansprache unter anderem: "Ihr werdet die Tabelle in dem Buch gesehen haben. Sie zeigt, daß 6000 Jahre menschlicher Geschichte im Jahre 1975, in ungefähr neun Jahren, enden werden . . . Bedeutet es, daß Harmagedon dann vorüber und Satan bis zum Jahr 1975 gebunden ist? . . . Es könnte das bedeuten. Doch wir sagen das nicht. Alle Dinge sind bei Gott möglich. Doch wir sagen das nicht. Und möge auch niemand von euch sich irgendwie bestimmt äußern" (Wachtturm vom 1. Jan. 1967).
Dazu , ein Zeuge an der Haustür (sie kamen damals alle paar Tage, getrieben von dem Bewußtsein ihres Sendungsauftrages, aber auch ihrer ehrlichen Liebe zu den Menschen, die ihrer Meinung noch unaufhaltsam dem vernichtenden Abgrund zutrieben): "Die Welt vergeht, zwar besteht die Erde nach Prediger 1,4 und nach Sprüche 2, 21 und 22 auf unabsehbare Zeit, doch werden im Jahre 1975 die Bösen vertilgt und nur die Rechtschaffenen auf der Erde übrigbleiben. Jehova Gott wird seine Engel aussenden, um, nach Jesu Gleichnis, das Unkraut von dem Weizen zu trennen. Wenn Sie Ihre Familie, wenn Sie Ihre Kinder lieben, dann ergreifen Sie die rettende Hand Jehovas in der Möglichkeit zum Hinüberleben in die Neue Welt, die Ihnen heute anhand eines kostenlosen Bibelstudiums angeboten wird."
Die Zeugen beobachteten in den letzten Jahren mit einer gewissen Genugtuung jede Naturkatastrophe, jeden Kriegsausbruch, die Mehrung der Verkehrstoten und der Kriminalität. Und sie sagten während ihres Predigtdienstes von Haus zu Haus: "Wie Sie aus den neuesten Nachrichten ersehen haben, hat sich schon wieder ein neues Zeichen des Endes dieses Systems der Dinge ereignet, wie es in Matthäus 24 geschrieben steht: 'Ihr werdet hören von Kriegen, erschrecket nicht, das muß zum ersten alles geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und, es werden sein Pestilenz und teure Zeiten und Erdbeben hin und wieder'." Auch der 2. Timotheusbrief, Kapitel 3, wurde zitiert.
Daß es Naturkatastrophen, Kriege, Seuchen und Ungehorsam der Jugend gegen die Eltern gegeben hat, solange die Welt besteht, bedarf keiner Erklärung. Die Menschen haben sich in ihrem Grundverhalten nicht geändert. Demnach hätte das Ende der Welt schon vor über 2000 Jahren eintreten müssen. Außerdem ist zu bedenken, daß wir erst heute auf Grund der Nachrichtenübermittlung durch Telefon, Rundfunk und Fernsehen binnen weniger Stunden über alle wichtigen Vorkommnisse in der Welt informiert werden. Wenn nun die Zeugen im Verlauf ihrer Predigt hinzufügen, daß "früher alles ganz anders gewesen sei", dann finden sie - namentlich bei älteren Zuhörern - reges Interesse. Denn, bis vor 50 Jahren ein Erdbeben in Südamerika, Afrika oder Zentralasien bei uns bekannt wurde, vergingen Jahre. Die Zeugen haben auf Grund der Erwartung des bevorstehenden Endes vermehrt gepredigt und all ihre freie Zeit dem vermeintlichen Dienst Jehovas gewidmet, nun sind sie wiederum enttäuscht worden. Doch dies wird die meisten, wie alle Fanatiker nicht hindern, den ihnen vorgeschriebenen Weg weiterzugehen. Es ist leichter, eine Lüge zu schlucken, als sein Lebensziel aufzugeben. Und die Wachtturmgesellschaft oder die "Neue-Welt-Gesellschaft", wie sie im internen Kreis genannt wird, die inzwischen im Geschäft des Weltuntergangs einige Erfahrung gesammelt hat, wird 1976 im "Wachtturm", wie sie es bereits nach 1925 getan hat schreiben - und dies, obwohl man bereits damals in Amerika für die Wiederkunft Abrahams, Isaaks,
Jakobs und der Propheten Häuser gebaut
hatte - daß es einige voreilige Brüder nicht erwarten konnten, indem sie Jehovas
Ratschluß vorgriffen und mehr erwarteten, als zu erwarten berechtigt war. Wenn man
Sündenböcke finden will, findet man sie. Auch darin hat die Wachtturmgesellschaft eine
gewisse Übung. Die Weit aber steht trotz aller menschlichen Besserwisserei immer noch.
(11. 1. 1976, München).
Ist es wirklich leichter. eine Lüge zu schlucken, als ein
Lebensziel aufzugeben, das doch mit 1975 wieder als falsch erwiesen ist?
DIE ANTIKOMMUNISTISCHE POLITISCHE
PROPAGANDA WIRD
AUCH NACH 1975 IN DEN WACHTTURMSCHRIFTEN FORTGESETZT
Heraus aus dieser politischen Verstrickung!
Der politische Mißbrauch des christlichen Glaubens aller
Zeugen Jehovas seitens der Wachtturmgesellschaft (WTG) gegen "marxistische
Regierungen" und gegen die von den sozialistischen Ländern ausgehende Friedens- und
Entspannungspolitik wird vornehmlich unter der christlichen Bevölkerung der Länder, in
denen sie arbeiten, unverändert fortgesetzt. Zwei neue Beispiele dafür sind die
Wachtturmpropaganda gegen die "marxistische Regierung" in Mocambique, Afrika und
gegen die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1975 in Helsinki.
(The Watchtower, March, 1,1976 Brooklyn. Erwachet 8. März 1976 Wiesbaden).
Was wir gegen "marxistische Regierungen" jetzt wieder finden, ist schon nicht mehr bloße antikommunistische Propaganda, ihr gehässiger und diffamierender Charakter hat die Form übelster religiös-politischer antikommunistischer Hetze. Die WTG läßt sich aus über den Ökumenischen Rat (Weltrat) der Kirchen, Genf, und die Weltkirchenkonferenz im Sommer 1975 in Nairobi, Kenia, Afrika. Soll das auch eine Ablenkung von ihrem eigenen 1975 sein, wann die Welt wieder einmal nicht zu Ende ging? Die WTG kommentiert zu diesem Zweck einige Äußerungen der amerikanischen Zeitung "Christianity Today". Die "marxistische Regierung" in Mocambique sei mit Hilfe des Weltkirchenrates zur Macht gebracht worden. "Kirchenfonds" seien "zur jetzt regierenden FRELIMO kanalisiert worden." Damit sei Jesus "schamlos verraten" worden. Der Weltkirchenrat sei nun in Mocambique "wie eine verworfene Hure". Die Unterstützung einer marxistischen Regierung sei also schamlos, ehebrecherisch und verwerflich für Christen.
Warum wühlt der Wachtturm wieder so im tiefsten sexuellen Schmutz herum, um damit Christen und Kommunisten. die sich für Freiheit und soziale Gerechtigkeit einsetzen zu bewerfen? Warum verschweigt der WT, daß z. B. die Katholiken in Mocambique lediglich deswegen "in arger Bedrängnis sind", weil sie "mit eurer völligen Identifizierung mit der portugiesischen Kolonialmacht auf die falsche Karte gesetzt haben"? Daß "Regierung und Frelimo nicht grundsätzlich gegen die Kirche sind", sondern ihre "Mitarbeit am Aufbau des Landes akzeptieren", jedoch "ohne irgendwelche Privilegien"? (Ev. Kirchenbote, Pfalz, 17. 8. 1975). Ihre Endzeitgeschichte dürfte nach 1975 die WTG selbst nicht mehr glauben. Sie gehört in Mocambique zu den "Sekten", die vom Volkssicherheitsdienst verboten wurden, weil sie mit ihrer sozial-negativen religiös-politischen Massenpropaganda die Behebung der gegenwärtig außerordentlich schwierigen sozialen Lage des Landes infolge des kolonialistischen Erbes beeinträchtigt. Bekanntlich rührt kein Mensch auch nur den kleinsten Finger gegen soziales Elend, der der WTG folgt Auch ist ihre antikommunistische politische Propaganda eine Zunichtemachung aller Verständigung mit den Christen, die in der Vergangenheit "auf die falsche Karte gesetzt" hatten. Aber das ist ja gerade der verdeckte Hintergedanke dieser politischen WTG-Wirksamkeit: Mithilfe an der Verhinderung der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen Christen und Kommunisten bzw. Marxisten allenthalben. Über Mocambique werden dafür wieder antimarxistische, antikommunistische, religiös-politisch-sexuelle Schmutzkübel ausgegossen.
Es war zu erwarten, daß die WTG auch zu der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vom Sommer 1975 in Helsinki, Finnland, Stellung nimmt. Mit Erwachet vom 8. März 1976 (dt) tut sie das. Es war auch zu erwarten, daß sie das angesichts der Niederlage der Gegner dieser Friedenskonferenz und zur weiteren Stützung ihrer haltlosen Endzeitverkündigung in antikommunistischer und antisowjetischer Weise tut. Auch das ist in höchst verleumderischer und schmähender Weise geschehen. Vor allem wird die Rolle der Sowjetunion verleumdet. Die von der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten angestrebte Sicherung der Nachkriegsgrenzen wird gröblichst politisch entstellt. Die Sowjetunion wird der "Annektion" und der "Einverleibung" bezichtigt. Die mit ihr verbündeten sozialistischen Staaten werden als "Satellitenstaaten" diffamiert. Die Raub- und Vernichtungspolitik des deutschen Faschismus, seine Auslöschung ganzer Bevölkerungsgruppen und Staaten sowie die historischen und politischen Gründe für die Grenzveränderungen im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges werden verschwiegen. Was ist das für eine religiöse Verkündigung? Die Westmächte hatten zu der Konferenz nur "eingewilligt", weil sie durch ihre eigenen "schweren Probleme" dazu gezwungen seien. Keine von ihnen möchte "den politischen Seiltanz zwischen Frieden und Bedrohung durch einen Krieg mit Atomwaffen, wie zur Zeit des kalten Krieges" noch einmal mitmachen. Deswegen jetzt ihre "Einwilligung" auf "Entspannung". Wie im Wachtturm vom 1. März 1974, "Warum ist die Religion um Frieden mit dem Kommunismus bemüht?" ausgeführt wurde, gibt es für die WTG die von ihr geführten Zeugen Jehovas jedoch keine "Koexistenz mit roten Regimen". Für sie geht "der kalte Krieg mit der kommunistischen Welt" weiter.
Es war auch zu erwarten, daß die WTG die Schlußakte der KSZE über Religionsfreiheit zitiert. "Bedeutet dies, daß im kommunistischen Teil Europas von jetzt an wirkliche Religionsfreiheit herrschen wird?". fragte sie! Und ob es nun für "eine Minderheit wie Jehovas Zeugen dies in Rußland" auch geben wird! Was ist die Politik des Kampfes der WTG gegen jede "Koexistenz mit roten Regimen", gegen "Frieden mit dem Kommunismus" und für eine Fortsetzung des "kalten Krieges" für eine Religion?
Die WTG sagt schließlich: "Der Schweizer Delegierte bezeichnete die Konferenz als einen Kadaver, der begraben werden muß, sonst fängt er an zu stinken" (S. 6/7). Das dürfte der WTG aus dem Herzen gesprochen sein. Nur ist das auch keine Religion, sondern politische Hetzpropaganda. Daß dies der WTG aus dem Herzen gesprochen ist, bezeugt sie schließlich selbst. Sie zitiert den Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breshnew, über das Ziel der KSZE: "Die Ergebnisse . . . sind ein Gewinn für alle, denen Frieden und Sicherheit auf unserem Planeten am Herzen liegen" (S. 7) und legt dar, wie das zum Kadaver würde. "Die wichtigste Bedeutung dieser Konferenz liegt darin, daß sie einmal mehr die Wahrhaftigkeit des prophetischen Wortes Gottes, der Bibel beweist Die biblische Prophetie antwortet: Wann immer sie sagen: Friede und Sicherheit, dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen,. . . und ' sie werden keinesfalls entrinnen." Gott selbst würde "einen Krieg führen, der dies bewirkt" (S. 7).. Mit anderen Worten, Breshnew und alte mit ihm würden für ihre Bemühungen für Friede und Sicherheit auf unserem Planeten vernichtet.
Man kann nur erschrecken, was für eine reaktionäre und antisowjetische religiös verbrämte Hetzpropaganda die WTG den Zeugen Jehovas zur Verkündigung angesichts ihres eigenen Endzeitbankrotts mit 1975 weiter zumutet Daß dies nur religiös verbrämt ist, also mit aufrichtigem Glauben an die Schrift nichts mehr zu tun hat, lehrt ein einziger Rückblick auf den bisherigen politischen Mißbrauch der besagten Schriftstelle über Friede und Sicherheit in 1. Thess. 5.3. Wie es in der Sonderausgabe von CV Nr. 73 vom August 1975, der CV-Dokumentation zum "Frühherbst des Jahres 1975" also zum WTG-Endzeitbankrott von 1975, für jeden nachprüfbar ist, mißbraucht die WTG diese Schriftstelle Schon fast 100 Jahre über mehrere Generationen hin! Zuerst war der "Beweis" ein Friedensruf des Religonsparlaments 1893 in Chicago, USA. Zwei Generationen später war der "Beweis" eine "biblisch" zu erwartende Verschmelzung der im Zweiten Weltkrieg kämpfenden Seiten der Faschisten und Demokraten. Nachdem dieses Hirngespinst mit der Vernichtung des Faschismus offenbar geworden war, wurde eine Weile geschwiegen. Wieder eine Generation weiter, im Jahre 1975, "erfülle" nun die KSZE und die Äußerung Breshnews diese "biblische Prophetie"! Dabei war das erstens nur eine europäische Friedenskonferenz, könnte also im Weltmaßstab gar nichts "erfüllen". Was aber das Entscheidende ist: Wir sehen, wie die WTG Generation um Generation antritt, um den Kampf für den doch so bitter benötigten Frieden "blozustellen". Im Auftrag Gottes und Christi? An ihre eine Endzeitgeneration glaubt sie doch selber nicht, wie ihre Verschiebungen von einer Generation zur anderen beweisen. So bleibt tatsächlich nur ein politischer Hintergrund hierfür übrig.
Was sind Jehovas Zeugen unter
WTG-Führung doch für eine Religionsgemeinschaft! Wenn man die vielen gutwilligen
Verkündiger. betrachtet, sagt man sich: Sie sind doch nie imstande, diese
antikommunistische und antisowjetische Propaganda der WTG zu- begründen, zu
rechtfertigen, zu vertreten oder zu verantworten. Wollen sie doch sogar unpolitisch sein.
Warum schlucken sie diese haltlose Endzeitverkündigung? Warum weisen sie diese
"Erfüllungen" nicht zurück? Warum lassen sie sich für diese WTG-Politik als
Schafe zur Schlachtbank führen? Sind sie so einfältig? Oder unfähig? Haben sie so wenig
Unterscheidungsvermögen, daß erst wieder eine Generation völlig vergehen muß, ehe sie
die WTG durchschauen? Genügt nicht ein Blick auf ihre Kinder und ihre Bedürfnisse, um
den antikommunistischen, antisowjetischen und asozialen WT-Endzeitschwindel eine
Generation noch der anderen auf den Müllhaufen zu werfen? Hat die WTG sich mit ihrer nun
schon 100jährigen Endzeitverkündigung, die immer nur eine Generation, inzwischen aber
schon die vierte Generation dauert, nicht restlos selbst ad absurdum geführt? Was muß
man für ein Mensch sein, trotzdem weiter damit predigend herumzulaufen?
W. W.
Ist die Leitende Körperschaft der
Zeugen Jehovas wirklich "Gottes Organisation"?
Vorbemerkung: Ein Bruder, der fast 40 Jahre der
Gemeinschaft der Zeugen Jehovas angehört, sandte eine Ausarbeitung von 26 Seiten ein
über die Erkenntnis, zu der er nunmehr anläßlich des 1975-Bankrotts der
Endzeitverkündigung gekommen ist. Wer fast 40 Jahre seines Lebens so getäuscht wurde,
wie es jetzt mit 1975 offenbar geworden ist, faßt die WTG nicht mehr mit Samthandschuhen
an. Dafür muß man volles Verständnis haben. Der Bruder hat sich über verschiedene
andere, die "an den Quellen" sind, Unterlagen und Literatur- besorgt, um sich
selbst zu vergewissern, da man in der Regel . keineswegs alles noch zur Verfügung hat,
was die WTG früher veröffentlicht hat. In mehreren Folgen wird diese Ausarbeitung nun
vorgestellt.
Der Bruder schreibt:
Ich wende mich in erster Linie an meine
Glaubensgeschwister. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe die ich mir damit vorgenommen
habe. Aber um der Wahrheit willen muß man dazu bereit sein. Es wird nachgewiesen, daß
unsere Leitende Körperschaft ein falscher Prophet ist, der es meisterhaft verstanden hat,
uns ein Jahrhundert lang etwas aufzuschwatzen, was in Wirklichkeit immer unglaubhaft war.
Diese Leitende Körperschaft erstellte Vorstellungen über das Ende der Welt, über
Zeichen der Zeit und eine Organisation Gottes, dessen Verwalter sie hier auf Erden sei.
Immer erwies es sich später, daß alles nicht zu halten war. Selbst die angeblich sehr
gewissenhaft aufgestellten Zeitberechnungen erwiesen sich später als totaler Fehlschlag.
Meine Ausführungen sollen ein Beitrag zur Rechtfertigung des Namens und Wortes Jehovas sein. Niemand sollte den Eindruck haben, es wäre ein Beitrag, der Menschen von Gott und Christus abziehen wollte. Es soll bewirken, Gottes Wort wieder im richtigen Licht erscheinen zu lassen. Gott wird mehr respektiert als menschliche Einrichtungen einschließlich der Leitenden Körperschaft. Es liegt die Erkenntnis zugrunde. daß es nicht so weitergehen kann. Man kann den Nachweis, daß die Leitende Körperschaft schon fast 100 Jahre lang ein immer wieder falsches Ende prophezeit, doch nicht für sich behalten. Es werden Tatsachen ans Licht kommen, worüber mancher hoffentlich noch sehr lange nachdenken wird. Es wird nicht mit Schmutz beworfen, sondern mit Wahrheit und Tatsachen gearbeitet, die aller Prüfung standhalten.
Wenn du einmal als Beobachter die allgemeine Weltlage einschätzen solltest, dann müßtest du ein erfahrener Mensch sein. Du müßtest über ein umfangreiches Wissen verfügen oder einen großen Mitarbeiterstab um dich haben, der gewissenhaft arbeitet. Das Einschätzen der Weltlage ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, oft hängen Leben oder Tod davon ab. Wir sehen also wie wichtig eine zuverlässige Auskunft ist. Es gibt natürlich auch Religionsorganisationen, die etwas einschätzen und voraussagen. Da habe ich nun speziell die Organisation der Zeugen Jehovas im Auge, der wir angehören. Deshalb, weil sie weltweit bekannt ist und vorgibt, die einzige wahre Gottesorganisation zu sein, muß sie sich eine Prüfung ihrer Lehren und Berechnungen gefallen lassen. Wir sind der Meinung: Wenn jemand von sich behauptet, die einzige Organisation zu sein, die Jehova und Jesus Christus auf dieser Erde vertritt und den Geist Gottes besitzt, der ja bekanntlich nicht lügen kann, der muß zuverlässig sein. In einer solchen Organisation kann es keine Fehlentscheidungen geben, da sonst Jehova Gott und Christus Jesus als Lügner und in schlechtes Licht gestellt würden.
Die Hauptfrage. die geprüft werden soll, muß darum lauten: Ist die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas wirklich "Gottes Organisation"? Denn nach ihren Berechnungen und Voraussagen hätte die Welt schon gar nicht mehr existieren können dürfen. So folgenschwer wurden sie immer verkündigt.
In den Büchern und Zeitschriften der Gesellschaft wird es jedenfalls behauptet und allen ständig versichert. Hier sind die Beweise: In "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben", Seite 148/49 heißt es: "Wir . . . anerkennen, daß Gottes Regierung eine reine Gottesherrschaft ist daß Jesus Christus sich im Tempel befindet und den vollen Befehl und die volle Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas . innehat, und daß die 'Gesellschaft' der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist." Mit dieser Resolution, der sich alle Versammlungen der Zeugen Jehovas anschließen mußten, erzwang sich die Leitende Körperschaft ihre Machtbefugnisse. Wehe denen, die nicht zustimmten. Ihnen wurde sofort Mißtrauen entgegengebracht als solchen, die die Anweisungen nicht respektieren. Den Beweis dazu finden wir im Wachtturm vom 1. Nov. 1948, wo es heißt: "So wisse, daß jene, die sich wider Jehovas theokratische Anordnungen und Anweisungen für sein organisiertes Volk auflehnen, dem Beispiel Korahs, des Rebellen folgen, und ebenso bestimmt umkommen werden wie er und seine Schar. Wehe ihnen"! Ergänzend lesen wir im Wachtturm vom 1. August 1956 und 15. Sept. 1965: "Laßt uns mit dem richtigen geistigen Wahrnehmungsvermögen die Sache so ansehen, daß, was immer der treue Sklave tut, zu unserem Guten gereicht. Der Sklave erfüllt dadurch seine eigene Pflicht vor Jehova, indem er das Werk Jehovas tut. Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott. Da der heilige Geist auf die Leitende Körperschaft einwirkt, stimmt deren Rat mit seinem Willen überein." .
Was ist nun an all dem wahr, was die Leitende
Körperschaft behauptet? Um all das zu prüfen, müssen wir die wirklichen
geistigen Qualitäten dieser Körperschaft beleuchten. Sie
spiegeln sich folgerichtig in ihren Voraussagen und Endzeitberechnungen wieder.
Sind sie das entscheidende Zeugnis der Qualität.
Wenn man bedenkt, wie oft das Ende schon verschoben wurde und was für Ausreden dafür gebraucht wurden, so muß man ruhigen Gewissens sagen: Die angebliche Wahrheit wurde zur Lüge! Die göttliche Berufung und der heilige Geist wurden mit Füßen getreten und Jehova Gott und Christus Jesus als in "vollem Befehl" über die Organisation wurden nur verächtlich gemacht indem alles in ihrem Namen gemacht wurde! Wie war es denn z. B. mit den entscheidenden Endzeitdaten! Das erste Jahr, das vorausgesagt wurde als Weltendejahr war 1914, danach 1925, als das nicht klappte 1945, dann 1952/53, danach 1972 und kürzlich 1975. Aber nichts von alledem ist wirklich eingetroffen. Was wirklich eingetroffen ist, hat sich vor aller Welt bestätigt: Die Zeugen, Jehovas haben sich jedesmal unvorstellbar blamiert! Und darauf sollen sie sogar noch stolz sein! Sich mit der Organisation zu blamieren, sei. keine Schande, so sagte es jedenfalls unser Zweigdiener (bis 1969) Bruder Konrad Franke aus Wiesbaden in Hamburg 1968 von leitenden Dienern. Jeder lese einmal den genauen Wortlaut seiner Ausführungen über das Blamieren. Das sind unsere obersten Diener. Er sagte:
"Im Laufe der Zeit hat uns Jehova
immer mehr verstehen lassen über diese Zeitabschnitte, und vor zwei Jahren schon wurde
das erste Mal unsere Aufmerksamkeit auf das Jahr 1975 gelenkt. Mancher war zweifelnd. und
sagte. Da muß man vorsichtig sein, ihr habt euch schon einmal blamiert, und wenn ich an
1925 denke, wer weiß, was da wieder rauskommt. Ich werde mich einmal zurückhalten. Ja,
die Gesellschaft oder der treue und verständige Sklave, der ja dazu da ist, uns die
Speise zur rechten Zeit zu geben, so sagen wir es doch wohl, ja, der war jetzt und hat uns
davon befreit. Es kam nicht von uns, oder ist jemand von euch auf diesen Gedanken
gekommen? Es kam doch von dieser Stelle! Auf einmal beginnen einige doch zu zweifeln! Als
ich einmal mit einigen jungen Brüdern darüber sprach, sagte der eine zu mir: Ach, weißt
du, Bruder Franke, ich weiß nicht, ob man das so deutlich sagen kann. Denn stell dir mal
vor, die alte Schwester sowieso, die geht jetzt von Haus zu Haus, und die wird das nie so
ausdrucken, wie du das sagst, und die wird nun sagen 75, 75 75 und 75! Und was das unter
Umständen für die Organisation für Schmach bringen könnte! Du glaubst, du würdest das
viel intelligenter machen? Du sagst, ich warte mal., die haben sich schon einmal blamiert.
Da habe ich zu ihm gesagt: Weißt du, wenn es ums Blamieren geht dann blamiere ich mich
mit der Organisation! Ich will nicht allein, abseits stehen!.. - -
Fortsetzung folgt
Was nach dem 1975-Bankrott tun?
IN CHRISTLICHER MÜNDIGKEIT IN DEN SOZIALISTISCHEN
LÄNDERN NEUORIENTIEREN!
An alle Ältestenschaften der Untergrundorganisation
allenthalben
"Wir haben e i n e n Glauben, eine Taufe, einen
Vater, einen Sohn. Wir alle arbeiten eng mit der Leitenden Körperschaft zusammen, wir
unterstützen die Ältestenschaft, wir haben die Belehrung des treuen und verständigen,
Sklaven, wie wir sie auch in den gedruckten Predigten dargelegt finden.
Ausschlaggebend ist, daß wir uns an diesen Sklaven halten und uns nicht durch
Souveränitätsansprüche von Machtblöcken auseinanderreißen lassen und nationale
Versammlungen bilden, denn Christus ist das eine Haupt der Versammlung." (X/75)
Diese Anweisungen des WTG-Ostbüros in Wiesbaden in X/75 für alle Ältestenschaften im antikommunistischen Untergrund sind eine Reaktion auf das Innewerden der Unglaubwürdigkeit und Haltlosigkeit der Endzeitorientierung und auf das Nachdenken über einen Ausweg daraus, das nunmehr alle Aufrichtigen erfaßt. Diese Anweisungen bringen auch die unveränderte Absicht zum Ausdruck, in den sozialistischen Ländern unter allen Umständen weiter antikommunistisch, also pro-imperialistisch Untergrund unter den Christen arbeiten zu lassen, in politischer Hinsicht somit im Interesse des westlichen imperialistischen "Machtblocks".
Diese Anweisungen sind schließlich eine "biblische" Irreführung ohnegleichen! Jehovas Zeugen haben keinen "einen Glauben" sondern zweierlei Glauben! Die einen werden mit "himmlischer Hoffnung" gespeist, die breite Masse der Verkündiger jedoch mit einer schriftwidrigen "irdischen" Ausrichtung (Philipper 3:17-19), die nun 1975 wieder als haltlos erwiesen ist. Sie haben auch keine "eine Taufe", denn die eine schriftgemäße Taufe ist eine Taufe als Nachfolger Christi und Glieder des Leibes Christi, eine andere Taufe gibt es schriftgemäß nicht! Sie bedeutet, "auf den Tod" Christi und zum "Leib" Christi getauft worden zu sein! Römer 6:3, 1, Kor. 12:13. Diese "eine Taufe" wird an den "irdisch" Ausgerichteten nicht vollzogen!
Ausschlaggebend sei, daß wir uns an
den "Sklaven" halten? Das ist gleichsam der Offenbarungseid der Anmaßung! Denn
damit ist das Wort Gottes, die Schrift, entkräftet, die da sagt, daß allein
ausschlaggebend ist, sich an die Schrift zu halten. Apg. 17:11, 2. Tim. 3:16, 17, 4:3-5, 1. Kor. 4:6.
Doch nicht einmal erwähnt wird das in diesen Anweisungen!
Kennzeichnet die Schrift überhaupt jenen
"Knecht" oder "Sklaven", der doch in Wirklichkeit nur eine
Gleichnisfigur zur Veranschaulichung ist? Nein, er wird in der Schrift nicht
gekennzeichnet, eben weil es nur eine Gleichnisfigur ist. Jesus will mit diesem Gleichnis
etwas lehren. Er hat damit niemanden ermächtigt, sich zu einem
"gegenbildlichen" oder neuzeitlichen "Sklaven" zu ernennen (Matth.
24:45-51). Auch besagt das Gleichnis nur, daß der "Sklave" Speise a u s t e i l
t e! Von "ausschlagebenden Belehrungen" des "Sklaven" ist überhaupt
keine Rede! Der "Sklave" hatte überhaupt niemanden zu belehren, denn damit
würde Christus als alleiniger Lehrer beiseitegesetzt! Matth. 23:10. Wird das nicht alles
durch die nun inzwischen 100jährige Lehrgeschichte der WTG voller Widersprüche,
Veränderungen, Umdeutungen, Vertuschungen, Liquidierungen, Wiederhervorholungen,
Fehlschläge und falscher Endzeittermine bis auf 1975 bestätigt? Christus kann kein Haupt
von Versammlungen sein, die schriftwidrig auf eine verderbliche "irdische
Hoffnung" ausgerichtet sind und den einen Glauben und die eine Taufe in ihrer
Mehrheit für sich nicht anerkennen. (Philipper 3:17-19).
Damit sind alle Ansprüche der WTG, jener "Knecht" oder "Sklave" zu sein, haltlos. Niemand ist als Christ verpflichtet, irgendwelche Anweisungen dieses "Sklaven" zu befolgen. Kommen wir nun zu dem, was das WTG-Ostbüro in Wiesbaden mit den aus X/75 zitierten Anweisungen in Mißbrauch der Schrift konkret will.
Ehrlich vor Gott und Menschen, müßte man in Brooklyn den Endzeitbankrott erklären und die gesamte Endzeitorientierung aufgeben. Denn 100 Jahre ihrer Verkündigung, inzwischen mit mehreren falschen Terminen über schon drei Generationen hinweg haben ihre Haltlosigkeit und Unglaubwürdigkeit endgültig erwiesen. Da die WTG das jedoch nicht tut sondern wie ein verausgabter Spieler oder Hasardeur weiterspielt in der Hoffnung wieder zu gewinnen, muß man das selber tun, wenn man aufrichtig bleiben will. Die WTG sieht es genau kommen. Wie ihre "Machtblock-Argumentation erkennen laßt, fürchtet sie, daß angesichts ihres 1975Endzeitbankrotts ihr Antikommunismus zur Scheidelinie, zur Veranlassung für alle Zeugen Jehovas in den sozialistischen Ländern wird, sich von dem antikommunistisch durchsetzten und damit auf die Interessen des kapitalistischen "Machtblocks" orientierten WTG-Werk abzuwenden, um sich als Christen bzw. Gemeinschaft neu zu orientieren. Wenn hier ein politischer "Machtblock" über Jehovas Zeugen "Souveränitätsansprüche" stellt, so ist das längst erfolgt, indem die ganze Gemeinschaft den antikommunistischen Ansprüchen des kapitalistischen "Machtblocks" untergeordnet wurde. Dafür wird hier Christus als das "eine Haupt der Versammlung" zitiert, einer Versammlung von doch in der Hauptsache in Glaube, Hoffnung und Taufe falsch Ausgerichteten. (Philipper 3:17-19) von der Endzeitunglaubwürdigkeit des WTG-Werkes ganz zu schweigen. Wenn diese Abkehr als "auseinanderreißen" hingestellt wird, so soll das nur abschrecken. Doch die Bindung an einen falschen "Sklaven", der über die Schrift hinausgeht und falsche Hoffnungen lehrt, der eine haltlose Endzeitorientierung predigt und das Werk den antikommunistischen imperialistischen Ansprüchen unterordnet,. muß zerrissen werden! Wenn das als Bildung "nationaler Versammlungen" hingestellt wird, so ist auch das nur Schreckpropaganda, als wäre der internationale Charakter des Christentums in Gefahr. Dabei ist es für einen Christen nur selbstverständlich und schriftgemäß, die nationalen Gegebenheiten zu respektieren, die verfassungsmäßige Ordnung des Landes, die Zuständigkeit der "obrigkeitlichen Gewalten", die nationale Regierung eines Landes, die für die "die Menschen betreffende Ordnung" auch im Interesse der christlichen Bürger eines Landes verantwortlich ist. (Römer 13:1-6, 1. Petr. 2.13, Titus 3:1,2, 1. Tim. 2:1,2). Eine solche nationale Orientierung ist doch schriftgemäß. Nicht das Christentum soll also zerrissen werden, wie es die WTG hinstellt. Nichts richtet sich gegen Christus, als das "eine Haupt der Versammlung", worauf die Mehrheit der Zeugen Jehovas auf Grund ihrer falschen Taufe und falschen "irdischen" Ausrichtung überhaupt keinen Anspruch erheben kann. Die internationale Unterordnung unter die antikommunistischen Ansprüche des kapitalistischen "Machtblocks" muß zerrissen worden. Schriftgemäße christliche Gemeinschaft über die nationalen Landesgrenzen hinaus ist damit in keiner Weise angetastet. Die WTG hat offensichtlich die Auflage, ihr Werk unvermindert weiter als antikornmunistische Untergrundorganisation unter den Christen in den sozialistischen Ländern wirken zu lassen, um zur Aufrechterhaltung eines antikommunistischen Untergrundes in diesen einzelnen Nationen beizutragen. Im Grunde genommen ist die Sache ganz einfach. Die Endzeit ist mit 1975 endgültig bankrott, mit ihrem Antikommunismus steht die WTG im Dienste der Ansprüche des kapitalistischen "Machtblocks", und die irdische WT-Ausrichtung ist unchristlich (Philipper 3:17-19). Ein Ende also allem weiteren Hinhaltenlassen durch die WTG, heraus aus dem Untergrund der antikommunistischen psychologischen Kriegsführung schriftwidriger "theokratischer Kriegslist" (2. Kor. 4:2 NW) Umgestaltung in eine Gemeinschaft freier christlicher Gemeinden, ausgerichtet auf die jetzt herbeigekommene sozialistische, "die Menschen betreffende Ordnung" (l. Petr. 2:13)1 Wie anläßlich des Besuches von KPdSU-Generalsekretar L. I. Breshnew 1973 in den USA zum Ausdruck gebracht wurde, ist ein "historischer Wendepunkt" eingetreten. Objektive Faktoren, Wandlungen im Bereich der Wirtschaft und des Kräfteverhältnisses haben eine "völlig neue welthistorische Situation" herbeigeführt. Es wird von der "Konfrontation" zu "Verhandlungen und zur Zusammenarbeit" übergegangen. Entsprechend wurden zwischen der Sowjetunion und den USA Abkommen u. a. über die Verhütung eines Nuklearkrieges, wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit, Nutzung der Atomenergie, Begrenzung der strategischen Offensivwaffen, Landwirtschaft, Meeresforschung, Verkehrswesen und Austausch und Kontakte abgeschlossen, (Neue Zeit, Moskau 26/1973), die weit über die 80er Jahre hinaus, ja bis ins nächste Jahrtausend reichen. Oder sollte man besser auf die WTG-Weitendeankündigung von 1975 gesetzt haben?
So hat sich die ganze
Endzeitverkündigung endgültig überlebt. Da sich die WTG mit ihrem unverminderten
Antikommunismus jedoch unter die extremsten religiös-politischen Rechtskräfte der USA
eingereiht hat, ist die Abkehr von der Unterordnung unter sie und die Neuorientierung auf
die sozialistische "die Menschen betreffende Ordnung" um so zwingender. Es
besagt gar nichts, wenn es der WTG gelingt, trotz ihres 1975-Bankrotts aus dem Heer der
Arbeitslosen, Verunsicherten und Verzweifelten der gegenwärtigen kapitalistischen
Krisensituation Neue zu finden, die ihr folgen. Selbst Massenzulauf beweist noch lange
nicht Glaubwürdigkeit Richtigkeit und Wahrheit. Darum nehmt die Dinge in die Hand und
werft das Steuer herum! Der Weg als Christen in der sozialistischen "die Menschen
betreffenden Ordnung" in der sozialistischen Gesellschaft muß gefunden und
beschritten werden. Die Verantwortung dafür vor Gott und Menschen ruht in erster Linie
auf der Ältestenschaft. Die Ältesten und ihre Gehilfen müssen sich hinsetzen, um in
schriftgemäßer Mündigkeit (l. Kor. 13:11, 14:20) alle WTG-Bevormundung zurückzuweisen,
schriftgemäße Lehrtätigkeit mit der Bibel selbst zu übernehmen, wie es in 1. Tim.
4-13-16 geboten ist, und die Versammlungen in freie christliche Gemeinden einer freien
christlichen Gemeinschaft umzuwandeln. Mit dieser Perspektive müssen sich alle vertraut
machen. Eine andere Perspektive gibt es angesichts des Endzeitbankrotts, der Haltlosigkeit
der "irdischen" Ausrichtung (Philipp 3:17-19) und des Eingeschworenseins der WTG
fast als "Rechts-Außen", auf die antikommunistische Ausrichtung ihrer
Verkündigung unter den Christen, im Interesse des kapitalistisch-Imperialistischen
"Machtblocks", für Jehovas Zeugen als künftige christliche Gemeinschaft in der
"die Menschen betreffenden Ordnung" des Sozialismus nicht.
P.
ZUSCHRIFTEN/INFORMATIONEN/BERICHTE
Der nächste Endzeittermin das Jahr 2000?
Aus Düsseldorf. - Ein Bericht von Manfred Meier über den
Bibelstudienaufseher Br. Ernst Riemann einer der 12 Teilversammlungen in Düsseldorf,
(Königreichssaal, Parkstraße). Winfried Göllner machte dazu Aufnahmen. 7. 2. 76.
1975 werde Gott alle Menschen ausrotten, bis auf die
Zeugen Jehovas. Doch das Jahr verstrich und es passierte nichts. "Sie haben die Bibel
falsch gelesen", glaubt jetzt der Düsseldorfer Bibelstudienaufseher zu wissen.
Zwischen ihm und der Versammlung gäbe es keine Rangunterschiede. Doch zu Hause sei er
Patriarch. "Frau und Kinder sind mir untertan." Zu 1975: "1975 war die
Menschheit genau 6000 Jahre alt." Wenn das Weltende zu dieser Zeit nicht klappte:
Jehovas Zeugen ficht es nicht an. Es sei noch eine andere Rechnung. Die Generation, die
das Jahr 1914 bewußt miterlebt hat, werde auch das Ende miterleben. Spätestens um die
Jahrhundertwende mit dem Jahr 2000, müßte es soweit sein. -
Harmagedon in diesem Jahr oder im
nächsten oder im übernächsten Jahr
Aus Bern Schweiz, dem ehemaligen Sitz des WTG-Zweigbüros,
ging eine Zuschrift ein über eine Ansprache von WTG-Präsident Knorr am 7. 6. 1975.
"Versuche, ihm gleich zu sein." WT-Redakteur Günter Künz aus Wiesbaden war der
Übersetzer. Zwei Äußerungen von Präsident Knorr werden hervorgehoben. "In fünf
Jahren seit 1970 sind in der ganzen Welt über 1 Million Menschen getauft worden."
Bei ca. 2 Millionen Gesamtverkündiger in allen Ländern bedeute das eine massenweise
Abkehr von der Organisation, denn 1970 seien es schon ca. 1,5 Millionen gewesen. Ungefähr
eine halbe Million hätten danach seit 1970 die Organisation wieder verlassen!
Dann sagte Präsident Knorr zu 1975: "Wenn Harmagedon in diesem Jahr oder im nächsten oder im übernächsten Jahr herbeikommt so sind wir bereit." Hier bestätigte WTG-Präsident Knorr selbst, daß für 1975 Harmagedon, als das "Ende der Welt" und der Beginn des "Königreiches", proklamiert wurde.
Ältestenbrief der Leitenden
Körperschaft
Dient das auch der Verdrängung von 1975?
Eingesandt. - Im Brief der Leitenden Körperschaft
"An alle Ältestenschaften" vom 1. August 1975 heißt es:
"Für einen Bruder Anfang 20 wäre , es sehr
ungewöhnlich, die Erfahrung zu haben die von einem Ältesten gefordert wird. Solltet Ihr
solche Brüder empfehlen, so nennt uns bitte den Grund, weshalb sie die Voraussetzungen
erfüllen. Sollte die Ältestenschaft ernste Zweifel hegen. wäre es ratsam. noch ein oder
m e h r e r e J a h r e zu warten." - Am Ende des Dienstjahres. 1975 "noch
mehrere Jahre warten?"
Bluff, der helfen soll, 1975 weiter zu
"verscheuchen"
"Um einen Nuklearkrieg innerhalb 25 Jahren zu
vermeiden, fanden amerikanische Experten nur eine Lösung: Jene der Zeugen Jehovas",
zitiert der englische WT vom 1. März 1976 die Zeitung La Nouvelle Gazette, Belgien.
"Die amerikanischen Experten" würden "auf diese Weise exakt mit dem Urteil
der Zeugen Jehovas übereinstimmen", daß nur ein "radikaler Wechsel zu Gunsten
einer Weltregierung" die Lösung wäre. In 25 Jahren würde man nicht mehr fähig
sein, die Atomwaffen zu regulieren. Nun, die zitierten Experten für Waffenkontrolle von
der Harvard-Universitat in den USA sind bestimmt nicht in Übereinstimmung mit dem Urteil
der WTG. Andernfalls wären sie in den Reihen der Zeugen Jehovas und nicht Experten der
Harvard-Universitat. Überdies verkündet die WTG, daß eine menschliche Weltregierung ein
feindseliger Akt gegen Gott wäre. Daß der WT trotzdem solche Ungereimtheiten anbietet,
erfolgt nur, weil hier weitere 25 Jahre als "vernünftige Einschätzung" in
Verbindung mit Jehovas Zeugen erwähnt werden. Das soll ebenfalls helfen, 1975 weiter aus
dem Sinn zu verdrängen.
DENNOCH ALS CHRISTEN GERUFEN
Liebe Leser
Blättern wir diese CV-Ausgabe noch einmal durch. Eine
Frage, die nur zu gut das Problem trifft, vor das jeder mit der wieder religiös und
politisch als haltlos erwiesenen Endzeitverkündigung gestellt ist, war das Thema:
"Ist es leichter, eine Lüge zu schlucken, als sein Lebensziel aufzugeben?"
Ehrliche Konsequenz aus dem Endzeitbankrott, wie wir ihn nun vor Augen haben, verlangt
tatsächlich, ein Lebensziel aufzugeben, hat die WTG doch alle veranlaßt, ihrem
"Endzeitwerk" das ganze Leben zu weihen, wie früher die verlangte Hingabe
genannt wurde. Die Älteren werden sich erinnern, Aber was ist das für ein Lebensziel?
Doch ein verkehrtes, das sich Generation um Generation nicht erfüllt und darum längst
als unglaubhaft erwiesen ist! Je eher man also dieses aufgibt, desto besser. Doch die WTG
weiß, wie schwer es, ist, ein Lebensziel aufzugeben. Ehe man das tut, schluckt man schon
eine Menge kleiner Fragwürdigkeiten, Vorkommnisse und auch Lügen, in der
Selbsttäuschung, daß sie doch nicht das Wesen der Sache berühren, verzeihlich wären.
So besteht die Verschiebe- und Hinhaltetaktik der WTG eine Generation nach der anderen
wohlweislich darin, nur schrittweise vorzugehen, nicht zu große Brocken zu schlucken zu
geben, nur noch und nach zu verändern, aus dem Blick zu rücken oder wieder zu
verdrängen und umzudeuten. Nie alles auf einmal. Nur wenn man innehält und über einen
gewissen Zeitraum zurückschaut, erkennt man das Ausmaß dessen, was gemacht wird.
Wie schmerzlich es auch sein mag, je eher man ein als haltlos und unerfüllbar erwiesenes Lebensziel aufgibt, desto leichter ist es. Denn einmal wird doch alles offenbar. Spätestens auf dem Sterbebett, auf dem nun auch die Generation seit 1914, die alles erleben sollte, liegt, um zu vergehen, während die WTG schon das Jahr 2000 ins Spiel bringt.
Die haltlose WTG-Endzeitverkündigung ist deshalb alles andere als wahre, schriftgemäße Nächstenliebe. Sie ist ein religiös-politischer Mißbrauch von Glauben und Christentum, wie diese CV-Ausgabe wieder nachweist. Man muß sein Leben darum in der Tat neu ausrichten. Für die USA klagt die WTG bereits im letzten WT ihres Bankrottjahres 1975, daß sich viele nun einer "Spezialausbildung in einem bestimmten Beruf" zuwenden oder "einen verantwortungsvolleren Posten" übernehmen (WT 15. Dez. 1975, dt.. CV 79/1976, S. 7), also ihrem Leben nun einen anderen Sinn geben. Mithin muß ein Aufgeben des haltlosen WTG-Lebenszieles keineswegs ein tragisches Ende sein.
Was kann man als Christ in unserer sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung" tun? Muß man nach dem Verlassen des haltlosen WTG-Endzeitziels geistig haltlos, einsam und "heimatlos" umherirren? Natürlich müssen einige Anstrengungen gemacht werden, was ein neues und schriftgemäßes Verständnis über christliche Gemeinschaft betrifft, frei von der WT-Gewohnheit der Erkenntnisrechthaberei angesichts des Stückwerks aller Erkenntnis, das heute nur erreichbar ist. 1. Kor. 13:9, 10, 12, 13. In den bereits freien christlichen Gemeinden ehemaliger WTG-Angehöriger in der DDR z. B. kann dieser Weg beschritten werden. Aber auch in den anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen sind aufrichtiger Glaube und aufrichtige Nachfolge Jesu ungeachtet aller Verschiedenheit und Unvollkommenheit, was Form und Vorstellung betrifft. Sind es doch der eine Gott und der eine Christus. Noch kann das Ziel der Einheit des Glaubens nicht erreicht sein. Eph. 4:13. Da Glaube aber ohne Werke tot ist (Jak. 2:14-18), ist die praktische Tat ein entscheidender Ausdruck christlichen Glaubens.
Betrachten wir ein christliches Beispiel. Auf der Jahreshauptversammlung der CDU-Ortsgruppe Berlin-Pankow-Kirche wurde darüber berichtet. "Unionsfreundin Anneliese Strauch zum Beispiel verzichtete auf so manchen Fernsehabend, auf so manchen Wochenendspaziergang, um sich hilfsbedürftiger Nachbarn anzunehmen. Für sie ist das Selbstverständlichkeit denn als Christin ist man dazu gerufen'. Sie sagt es ohne Pathos und verpflichtet sich zu weiteren 100 Stunden Nachbarschaftshilfe. Bestimmt werden es wieder mehr bei ihr, erzählt uns hinterher Unionsfreund Dr. Herbert Landmann. 'Und solch innere Einstellung gilt nicht nur für sie'." (NZ 31. 3. 76 Berlin). Ist das nicht eine innere Einstellung. wie sie Christus mit dem Gleichnis vom Barmherzigen Samariter nach Lukas 10 verlangt? Oder wie sie aus den Forderungen des Apostels Jakobus bezüglich christlicher Werke spricht? Was ist das doch im Vergleich zur WTG-"Nächstenliebe" der Verkündigung einer völlig haltlosen, Generation um Generation einhergeschobenen Endzeit, die sich damit längst als "Dreschen leeren Strohs" erwiesen hat!
So bleiben auch Jehovas Zeugen, wegen
sie den WTG-Endzeitillusionen den Rücken kehren, als Christen in unserem Lande gerufen.
Möge diese CV-Ausgabe den Weg dazu weiter ebnen helfen.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder und Schwestern
CV-Leitung Gera/Thüringen
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera,
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