Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 76
In dieser Ausgabe gelesen:
"Sofort 1967, als das Jahr 1975
in die Welt posaunt wurde, wurde über CV Verbindung aufgenommen mit
"Überrestgliedern" im Sonderdienst des WTG-Zweigbüros Wiesbaden, um ihre
Ansicht zu erfahren und sie zu bewegen, als "Überrest" gegen diese weltweite
1975-Irreführung aufzutreten. Vielleicht wird aus der entsprechenden Korrespondenz in CV
nachgedruckt. Doch alles war vergebens."
Das WTG-Buch "Vergewissert euch
über alle Dinge", wird in dieser Ausgabe kommentiert. Eine Stellungnahme meinerseits
dazu unter: Buch Vergewissert
euch über alle Dinge
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTGbedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 76 Gera November 1975
MIT "FRÜHHERBST 1975" WURDEN
SOGAR DIE AUSERWÄHLTEN
VERFÜHRT
In CV kommt eine ganz ausführliche Berichterstattung
über die Kongresse des Jahres 1975
Liebe Leser
Dies ist die CV--Novemberausgabe des Jahres 1975. Der
"Frühherbst" des Jahres ist vergangen, nichts ist passiert, der Spätherbst hat
begonnen, der Winter steht vor der Tür. Die 6000 Jahre sind zu Ende, aber kein
1000-Jahrreich Christi ist gekommen. Vielmehr hat die WTG wie gehabt ein weiteres
Dienstjahr begonnen. So hatte CV von Anfang an Recht, wenn darin davor gewarnt wurde, auch
nur einen Gedanken daran zu verwenden, an das Jahr 1975 der WTG zu glauben oder gar die
WTG-Schriften zu nehmen, und damit anderen dieses Jahr zu verkündigen. Hatte CV darin
nicht Recht?
Wenn das eine verantwortungslos Schlimm war, daß der ganzen Welt zur Lösung aller Probleme für 1975 im Namen Gottes das 1000-Jahrreich Christi verkündet worden ist, so ist die andere große Veruntreuung mit der "Habe", daß selbst die Auserwählten in den Reihen der Organisation auf diese Weise verführt wurden und andere verführten.
Ja, daß diese gigantische weltweite Irreführung von solchen Ausgang nahm, die sich als Auserwählte bezeichnen! Was ist das für ein "treuer und kluger Knecht"?
Sofort 1967, als das Jahr 1975 in die Welt posaunt wurde, wurde über CV Verbindung aufgenommen mit "Überrestgliedern" im Sonderdienst des WTG-Zweigbüros Wiesbaden, um ihre Ansicht zu erfahren und sie zu bewegen, als "Überrest" gegen diese weltweite 1975-Irreführung aufzutreten. Vielleicht wird aus der entsprechenden Korrespondenz in CV nachgedruckt. Doch alles war vergebens. Der 1975 Taumel hatte sie alle erfaßt. Es erwies sich vielmehr, daß der "Überrest" in der Organisation völlig seiner geistigen biblischen Rechte beraubt ist, daß er überhaupt nichts zu sagen hat, daß allein die jeweilig an die Macht gekommene Gruppe in Brooklyn bestimmt, die sich natürlich auch als "Überrest" bezeichnet. Doch auch ihren Glauben erkennt man in ihren Werken. Oder etwa nicht? Und was haben sie mit "1975" für ein weltweites Werk vollbracht? Sie haben die gesamte Endzeitglaubwürdigkeit der Verkündigung restlos und ein für allemal zerstört. Damit ist das ganze Werk im Grunde genommen erledigt. Denn zu welchem anderen Zweck wurde es durchgeführt, wenn nicht wegen einer angeblichen Endzeit?
Wer von den Auserwählten, wer vom "Überrest" ist seit 1967 gegen diese gigantische 1975-Irreführung der gesamten Weltöffentlichkeit aufgetreten . um dies der WTG aus der Hand zu schlagen, um nicht alles in Verruf zu bringen, wenn 1975 mit Sicherheit nichts passiert? Es ist darum nicht mehr aus der Welt zu schaffen: Mit "1975" wurden sogar buchstäblich auch die Auserwählten verführt. Matth. 24:24. Mit der Irrlehre vom "Frühherbst des Jahres 1975" ist erneut erwiesen, daß der "treue und kluge Knecht" alles andere als treu und klug ist, und schon gar nicht ein Knecht Gottes! Würde Gott ihn andernfalls eine solche gigantische Irrlehre wie mit "1975" in die Welt posaunen lassen? Nun sitzt die WTG förmlich auf einem Pulverfaß! Die Endzeitirrlehre kann das ganze Werk in die Luft sprengen, wenn allen diese Sache richtig zum Bewußtsein kommt. Um das zu verhindern, wird dieses Faß jetzt vorsichtig wieder hinweggerollt. Die Kongresse 1975, deren Vorträge mit großer Spannung im Hinblick auf "1975" verfolgt wurden, waren ein wohlgeplantes Unternehmen, um die Sinne wieder mit allem anderen zu erfüllen, was ablenkt, aber gleichzeitig alle zusammenhält und ihr kritisches Prüfen der wirklichen Lage verhindert. Trotzdem ist natürlich ein riesiger neuer Aderlaß nicht zu verhindern, die WTG weiß das, sie hat das eingeplant. Verantwortung vor Gott und Menschen interessiert sie nur soweit, wie es der immer weiteren Fortsetzung ihres Werkes dient, von einer Generation in eine andere jedesmal die Worte Jesu auf den Lippen, "diese Generation wird nicht vergehen", während eine nach der anderen ins Grab sinkt, seit hundert Jahren schon.
Wer ehrliche christliche Verantwortung empfindet, kann das nicht länger mitmachen. Der muß sich selbst, seine Familie, seine Kinder, seine Mitmenschen vor einer solchen "endzeitlichen" Hinhaltung bewahren. Das ist das Mindeste, was er irgendtun muß. Ein ehrlicher Mensch wird danach trachten, wiedergutzumachen, was er verfehlt hat.
Mit einer ausführlichen Berichterstattung, wie sie hier niemandem sonst in den Versammlungen und Studiengruppen zugänglich wird, wird CV in den jetzigen Ausgaben über die Kongresse 1975 helfen, dies zu tun. Wie immer, wird dies getan, um gleichzeitig den Ausweg aus der falschen WTG-Endzeitorientierung zu finden, die mit "1975" erneut als verantwortungslos und unglaubwürdig erwiesen ist. Sollte es nicht den "Überrest" gar von den Stühlen hochreißen, wehr. sie darüber nachdenken, was sie mit "1975" aller Welt zu verkündigen verführt worden sind?
Wir freuen uns, wenn auch diese
CV-Ausgabe allen in der Erkenntnis ein Stück weiterhilft.
Vergewissert euch über alle Dinge
und haltet fest an dem, was recht ist
1. Thess. 5:21 NW
--------------------------------------------------------------------------------
IN DIESER AUSGABE
"Noch in unserer Generation
" Die politisch
bedeutsamen Kerngedanken des Hauptvortrages der Kongresse 1975
- Ein Ersatzparadies für den 1975-Endzeitbankrott. Das
WTG-Buch des Jahres 1975, 1 -
Der deutsche WTG-Zweig 10 Jahre länger aggressives
"Bollwerk gegen den Kommunismus" -
Die ständige kritische WT-Prüfung. WT Nr. 9, 10, 11/1975
Ein geistiges. Paradies? -
---------------------------------------------------------------------------------
NOCH IN UNSERER GENERATION
"
Die Politisch bedeutsamen Kerngedanken des Hauptvortrags
der Kongresse 1975
"Und man denke nur: Das soll sich noch in unserer
Generation ereignen!", heißt es einleitend im Hauptvortrag der WTG-Kongresse 1975
unter dem Motto "Eine Welt, eine Regierung unter Gottes Souveränität".
Verweilen wir bei diesem Leitgedanken. Noch in unserer Generation? Also n o c h in dieser Generation? Das ist doch eine ganz geschickte Formulierung zur weiteren unbestimmten Verschiebung aller Endzeiterwartungen, hinweg von 1975! N o c h in unserer Generation kann. sogar der letzte Tag dieser Generation sein, die jetzt lebt. Das kann sogar erst das Jahr 2000 sein oder noch später! Was schließt das nicht alles ein, wenn jetzt 1975 gesagt wird, n o c h in unserer Generation!
Aber gibt es überhaupt "unsere Generation" so, wie es die WTG jetzt verstanden wissen will? Ist es nicht so, daß zu jeder Zeit zugleich mehrere Generationen leben und sich überschneiden? Leben nicht zugleich immer Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel und Urenkel? Ist die Formulierung, "noch in unserer Generation" da nicht ein idealer "Gummiparagraph", um immer einige anzusprechen, die ihre Generation mehr oder weniger erst "begonnen" haben, und denen daher immer ein weiteres oder neues "Verziehen" zugemutet werden kann? Genau so ist es, und so macht es die WTG eine Generation nach der anderen seit etwa 1874 schon.
Das erste Male kann man den Glauben an solche Versprechungen im Namen Jesu sich selbst und anderen verzeihen,. denn irren ist menschlich. Leider ist C. T. Russell inmitten der Nichterfüllung der ersten Voraussagen 1916 im Alter von 64 Jahren, zu früh, gestorben. Er konnte selbst keine endgültigen Schlußfolgerungen mehr aus dem Zusammenbruch seiner Endzeitverkündigung ziehen. Was aber seither damit eine Generation nach der anderen weiter gemacht wird unter endzeitlichem Hoffen und Harren ist nur noch ein Mißbrauch der Worte Jesu an seine Generation für andere Zwecke.
Prüfen wir nun die politischen Kerngedanken in diesem, Hauptvortrag. Mit ihnen werden Wert oder Unwert dessen sichtbar, was hier wieder aller Welt vorgetragen wurde. Das Kernproblem ist eine behauptete Souveränität Gottes in den heutigen nationalen und internationalen Fragen, die vor den Menschen stehen und gelöst werden müssen bzw. gelöst werden. Es sei vorausgeschickt, daß es wieder keine rein religiöse Verkündigung ist, was hier geschieht, sondern eine eindeutige Einmischung in nationale und internationale politische Angelegenheiten. Nicht nur eine Einmischung, sondern eine eindeutige Bevormundung aller Regierungen, die Jehovas Zeugen auf diese Weise angeleitet werden, vorzunehmen.
"Es wird allgemein anerkannt, daß
gemeinsame internationale Bemühungen notwendig sind . . ." (S. 7).
Wenn das so ist, warum predigt die WTG dann dagegen?
Weswegen sie es auch tut, sie führt die Zeugen in den Kampf gegen notwendige Bemühungen.
Sie mögen sich also nicht wundern, was ihnen widerfahren muß.
"Wenn es so weitergeht, liegt es
offen auf der Hand, daß wir in nicht allzu ferner Zukunft zum Untergang verurteilt sein
werden . . . nicht engstirnig sein und nicht auf kurze Sicht planen". (S. 7)
Warum werden solche Aussprüche zitiert? Es stammt vorn
japanischen Ministerpräsidenten Miki. Sie sollen indirekt wirken, alle Naherwartungen
wieder zu verdrängen und jeden als engstirnig erscheinen lassen, der sich nicht weiter
"endzeitlich" hinhalten läßt, nachdem nun 1975 ebenfalls vergeblich war.
". . . würde jede Nation an ihrer
nationalen Souveränität festhalten . . . Das aber würde der wahren Einheit unter den
Nationen entgegenstehen". (S. 8)
Was für eine politische Besserwisserei und Bevormundung
der Nationen! Dabei haben viele nicht einmal das ABC dessen verstanden, was nationale
Souveränität ist. Verwechselt die WTG hier bewußt nationale Souveränität mit
Unabhängigkeit? Die Souveränität ist doch nichts weiter als die nationale
Selbständigkeit unter Beachtung der internationalen Beziehungen, in denen jede Nation
notwendigerweise oder entwicklungsbedingt steht. Achtung der nationalen Souveränität ist
in Wahrheit die Voraussetzung, für Einheit unter den Nationen. Was für eine politisch
verzerrte Ausrichtung wird hier den Zeugen doch gegeben!
"
Streben der Völker noch
nationaler Souveränität durch die Gründung neuer Staaten epidemische Ausmaße
angenommen." (S. 5)
Hier stimmt die WTG in den Chor derer ein, denen die
Erweiterung der Vereinten Nationen um eine Mehrheit neuer Saaten der "dritten
Welt" nicht paßt, die die westlichen kapitalistischen Staaten durchaus überstimmen
können! Epidemisch? Ist eine Epidemie nicht eine seuchenartige Krankheit? Was legt die
WTG hier den Zeugen Jehovas für politische Verleumdungen und Diffamierungen in den Mund?
Und das willst du verkündigen? Ist das dein christlicher Auftrag? Was für
Staatenverleumder sitzen da auf dem "Wachtturm"?
" daß die Vereinigten Staaten eine christliche Nation seien . . . England . . . alle Nationen der Christenheit . . . erkennen die Amerikaner Gott als Souverän an . . . Ob er wirklich ihr Souverän ist, können sie nur dadurch beweisen. daß sie unterwürfig mit ihm zusammenarbeiten", (S. 9) Wir leben hier nicht in Amerika oder England. Es ist, als ob man jemanden, der nach links blicken muß, partout den Kopf noch rechts drehen will. Der Kern aber ist, wie sollten alle Nationen unterwürfig mit Gott zusammenarbeiten? Hat man das jemals durchdacht? Würde man es tun, dann würde man einen unglaublichen religiös-politischen Bluff erkennen. Denn es muß doch immer politisch regiert werden, um der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Erfordernisse willen, in jedem Lande, in jeder Nation. Sollte man das Gott überlassen? Seit 1914 schon? Müßte bei solcher Forderung nach "unterwürfiger Zusammenarbeit" nicht die WTG als "sichtbarer Vertreter des Herrn auf Erden" (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 149) die Weltregierung in die Hand nehmen? Natürlich! Anders ginge das gar nicht! Man sieht, diese WTG-Souveränitätsverkündigung ist das Unsinnigste, was je in die Welt gesetzt wurde. Das wäre im Ernstfall völlig undurchführbar und daher unannehmbar. Oder soll es gar nicht ernst genommen werden? Und dann verkündigst du das?
Da kommt die WTG auch schon auf diesen Punkt: " da die Staaten der Erde keine Einheit auf Gottes Weise wünschen, und da sie es ablehnen, mit ihm zusammenzuarbeiten . . ." (S. 10). Sie wünschen es nicht? Sie lehnen es ab? Das ist doch Bluff! Sie k ö n n e n es ja gar nicht, selbst wenn sie es ernstlich wollten Sie hätten da die WTG schon seit 1914 zur obersten politischen Weltregierung erklären müssen, als einzige "sichtbare Vertretung" Gottes "auf Erden"! Aber die WTG will das ja wiederum gar nicht! So dreht sich alles laufend im Kreise zu dem einzigen Zweck., die Köpfe politisch zu verwirren und davon abzuhalten, aus christlicher Verantwortung mitzuhelfen in dem, was jetzt sozial notwendig ist. Findet sich kein Ältester, der aufsteht, und von der WTG fordert, mit diesem politischen Schwindel im Namen Gottes Schluß zu machen?
Doch es geht weiter: "Diese
Tatsache hilft uns auch verstehen, weshalb die Nationen keinen Erfolg bei ihren
internationalen Projekten haben
" (S. 11).
Natürlich gibt es viele Mißerfolge. Aber es gibt genauso
viele, wenn nicht mehr, Erfolge! In Europa schon über 30 Jahre einen neuen Krieg
verhindert. Viele Völker konnten sich in diesen Jahren aus dem Kolonialismus befreien.
Die Pläne der sozialistischen Länder verlaufen erfolgreich, sie gewährleisten soziale
Sicherheit, verhindern Arbeitslosigkeit. Das internationale Projekt der Anerkennung der
DDR konnte erfolgreich verwirklicht werden. Das internationale Projekt der Konferenz für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) konnte 1975 in Helsinki erfolgreich
verwirklicht werden. Überall gibt es tausende kleine und große Erfolge, denen es
letztlich. auch die WTG zu verdanken hat, daß sie arbeiten kann! Wo käme ihr Geld her,
wenn keiner Arbeit hätte?
Doch munter geht es weiter:
"
die Nationen der Welt . . . sind ratlos und sinken immer tiefer in den Sumpf
der Verwirrung, weil sie keinen Ausweg aus den zunehmenden Schwierigkeiten wissen".
(S 14).
Die Nationen? Welche denn! Wieder wird die ganze Welt in
einen Topf geworfen. Und das nennt sich "genaue Erkenntnis" Auch in den
kapitalistischen Ländern gibt es Kräfte, die keineswegs in einem Sumpf der Verwirrung
sind, die schon Auswege aus den Schwierigkeiten wissen. Werden wir konkret. Willst du
ernsthaft verkündigen, daß sich z. B. die DDR in einem "Sumpf der Verwirrung"
befindet, und daß die führenden politischen Kräfte "keinen Ausweg" wissen?
Das wären doch himmelschreiende Unwahrheiten, politische Entstellungen und Lügen. Das
wäre doch eine üble, verlogene Schwarzmalerei. Wie könnte also jemand den
Kongreßhauptvortrag mit diesen generellen politischen Unwahrheiten hier als
"zeitgemäßen und praktischen Rat" für alle Menschen verbreiten? Muß das
nicht im Interesse der Wahrheit zurückgewiesen werden?
"Um zeitgemäßen und praktischen
Rat zu erhalten . . . an das geschriebene Wort .- . . wenden." (S. 14)
Niemand täusche sich. An das geschriebene Wort wenden
heißt für die WTG, sich zuerst an sie zu wenden. Erhebt sie nicht den Anspruch allein zu
erklären, wie die Schrift zu verstehen und anzuwenden ist? In der Souveränitätsfrage
würde das nicht mehr und nicht weniger bedeuten, als daß alle Führer und Regierungen
der Nationen von USA-Präsident Ford über Bundeskanzler Schmidt bis SED-Sekretär
Honecker und KPdSU-Generalsekretär Breshnew vor WTG Präsident Knorr in Brooklyn antreten
müßten, um ihre Souveränität an Gott abzutreten.
Was will die WTG aber wirklich?
Folgender Kerngedanke läßt es durchblicken: "Ständigen Krieg
all denen, die
sich der Souveränität dieses verschlagenen Rebellen unterstellten" (S. 18)
Das heißt in der christlichen Praxis, Feindschaft, Kampf
und Krieg gegen jedes soziale, politische Engagement, das im Interesse der sozialen
Bedürfnisse der Menschen notwendig ist. Solches soziales und politisches Handeln ist als
"rebellische Souveränität gegen Gott" bloßzustellen. In den kapitalistischen
Ländern heißt das nichts weiter, als freie Hand allen Arten von Unterdrückern,
Ausbeutern, Profiteuren, keine Unterstützung irgendwelcher Bestrebungen für soziale
Gerechtigkeit, alles laufen lassen, wie es läuft. Die WTG-Souveränitätslehren sind die
bibelmißbräuchliche Theorie dafür. Wie zur Bestätigung heißt es dazu: "Wir
müssen unsere Entscheidung für Gottes Souveränität genauso festhalten wie Jesus".
(S.,20).
Das ist Bibelfalschauslegung! Jesus wandte sich nicht gegen die politische Zuständigkeit oder Souveränität der römischen Regierung! Jesus stellte nicht Gott gegen den politischer Staat! Jesus predigte in keiner Weise, Gottes Souveränität anzuerkennen bedeute, die Souveränität der politischen Regierung abzulehnen, ihr den Krieg zu erklären! Jesus wollte mit seinem Eintritt in Jerusalem keine Entscheidung herbeiführen, Gott oder Cäsar! Das ist eine üble Bibelverdrehung! Jesus. verkündigte ein "Königreich der Himmel", das die politische Regierung im Lande, ohne die es nie und nirgends geht, in keiner Weise infrage stellte. Christus Jesus rief die Christen nicht zum Krieg gegen die politsche Zuständigkeit oder Souveränität ihrer Landesregierungen auf! Wohin hat sich die WTG in ihrer hinhaltenden "Endzeit" - Verkündigung politisch verstiegen? Warum steht hier kein Ältester öffentlich gegen die WTG auf?
Was das schließliche "Ende" betrifft, so wird nur weiter hingehalten: "Die Zeit . . . sollte inzwischen näher gerückt sein (S. 18/19) . . . die große Schlange bald zermalmt . . . Vernichtung unmittelbar bevorsteht . . . (S. 22, 23) in der nun schnell näher rückenden größten Drangsal (S. 25)
Vielleicht werden wir noch einiges zu
leiden haben Es wird nur noch eine kleine Weile dauern" (S. 26)
Es hat immer nur noch "eine kleine Weile"
gedauert, 1874, 1914, 1925, 1945 und nun 1975. "Einiges zu leiden" wird es mit
Sicherheit geben, wenn man sich weiter von der WTG über ihren Endzeit-Bankrott von 1975
hinaus hinhalten läßt, etwa auch mit Hilfe der Souveränitäts-Absurditäten der
Kongresse 1975.
Alles in allem, das 1975-Hauptthema,
das Hauptthema des Endzeit-Bankrottjahres 1975 ist eine Ablenkung in Unmöglichkeiten, in
weltpolitische Absurditäten, in Luftschlösser und Bibelmißbrauch, auf daß sich ja
niemand auf eine nunmehr reale Orientierung zu besinnen vermag.
K. O.
EIN ERSATZPARADIES FÜR DEN
1975-ENDZEITBANKROTT
Das WTG-Buch des Jahres 1975 - !
Das WTG-Buch des historischen Jahres 1975, "Rettung
aus der Weltbedrängnis steht bevor!", liegt vor. Es bestätigt, was in CV von Anfang
an über die Endzeitverkündigung allgemein und über die Festlegung auf 1975 besonders
nachgewiesen wurde. Es gibt keine "Zeit des Endes". Die von der WTG betriebene
und immer wieder verschobene Endzeitbibelauslegung geschieht um ganz anderer Interessen willen.Wir wollen eine erste
kritische Betrachtung des Buchinhaltes vornehmen. Jeder verfolge jedoch die weiteren
Betrachtungen. Denn das Jahr 1975 ist der Wendepunkt, der Scheideweg für alle.
Wir werden uns nicht mit dem aufhalten, was in jedem WTG-Buch wiederholt wird, abgewandelt modifiziert, doch immer wieder die gleiche "Verpackung". Jeder kennt das bis zur Ermüdung. Jeder wird auch verstehen, daß in diesem Jahre 1975, in dem wieder nichts eintrifft, was für dieses Jahr verkündet wurde, sich die Aufmerksamkeit auf das konzentriert, was die WTG nun macht. Wenn wir uns nicht bei den genannten Fragen aufhalten, so geschieht dies eingedenk dessen, daß es altbewährte Taktik der WTG ist, nur schrittweise zu verändern, wohlverpackt in vertraute Dinge. Bis am Ende alles völlig umfunktioniert ist, ohne daß es jemand bemerkt hat. Wird doch jede Kritik schon im Keim erstickt. Es geschieht auch eingedenk dessen, daß die wenigsten eine Gesamtübersicht über die Lehrveränderungen behalten, daß alle meist nur "von der Hand in den Mund" leben und am Ende schließlich auch vergeßlich sind. Es ist leider eine der Stärken der WTG, daß nur wenige in der Lage sind, etwas rückblickend hinreichend zu überprüfen.
Als 1914, dann auf 1925 verschoben, das weltweit verkündete irdische Gottesreich nicht gekommen war, wurde die versprochene "Erfüllung" einfach in einen unkontrollierbaren Bereich verlagert. Das Königreich sei 1914 "im Himmel" geboren worden, wurde 1925 "erkannt". Es fanden sich genügend neue einfältige, unkritische, oberflächliche oder auch verzweifelte Menschen nach dem ersten Weltkrieg hierfür. Die WTG konnte es in Kauf nehmen, die alte "Generation", die es seit 1874 erleben sollte, ",vergehen" zu lassen. Vor einer ähnlichen Umfunktionierung des Werkes stehen wir auch heute mit dem Jahre 1975. Der Hauptinhalt des 1975-Buches ist ein massives Hervortreten der WTG mit einer veränderten Bibelauslegung, die besagt, es sei ein "geistiges Paradies" errichtet worden, das nunmehr im Mittelpunkt steht, wielange und wie alles andere auch gehen mag. Es ist sozusagen ein Ersatz für das mit 1975 nicht gekommene "irdische Paradies" durch eben ein "geistiges Paradies". Es braucht nicht weiter erläutert zu werden, daß darunter die Organisation unter der WTG-Führung zu verstehen ist.
Die weitere Aufrechterhaltung des Kommens eines "irdischen Paradieses" erweist sich nur noch als Mittel zum Zweck des Hinhaltens unter der nun einmal aufgezogenen Endzeitfahne. Das bisherige "irdische Paradies" bleibt am Horizont aufrechterhalten, um immer als Ansporn zu dienen. Es ist ungefähr so, wie mit dem Wanderer in der Wüste, der durstet und am Horizont eine Oase sieht. Hat er aber den angenommenen Horizont erreicht, erscheint sie wieder an den nächsten Horizont verschoben, und er läuft wieder ein Stück weiter, der Oase nach. Aber es ist nur eine Luftspiegelung, eine Fata Morgana. Es ist nichts Wirkliches. Manchmal raubt der Durst solchen Menschen den Verstand. Sie rennen immer weiter hinterher, bis sie verzweifelt zugrunde gehen.
Da die WTG ihre Endzeitverkündigung nun schon mehrere Generationen praktiziert hat und es nun zu einem Endzeitkollaps der Organisation kommen kann, muß etwas her, was greifbar ist, was nicht nur fern oder nah vor Augen gehalten wird, aber niemals kommt. So wird die Organisation, mit der alle verbunden sind, zu einem Ersatzparadies umfunktioniert und alle "Erfüllung" entsprechend umgedeutet. In dem zur Diskussion stehenden 1975-Buch wird das in den zentralen Kapiteln 6 bis 11 unter folgenden Themen gemacht: "Die Verheißung eines geistigen Paradieses. Was man tun muß, um in das geistige Paradies zu gelangen. Ein geistiges Paradies auf einer verschmutzten Erde. Der 'Weg der Heiligkeit' zum geistigen Paradies. Der gottesfürchtige König des geistigen Paradieses. Niemand richtet Schaden nach Verderben an im geistigen Paradies". Die absolute Haltlosigkeit und Schriftwidrigkeit einer solchen Behauptung eines jetzigen geistigen Paradieses liegt jedoch auf der Hand. Christen, voran, sind nicht nur körperlich unvollkommen und sündhaft, sondern auch geistig. Es kann also in keiner christlichen Gemeinschaft einen paradiesischen Zustand geben, weder körperlich noch geistig. Wer das trotzdem proklamiert, versteigt sich zur Mißachtung elementarster Bibelaussagen. Man lese nur, was der Apostel Paulus über das Böse sagt, das jedem Christen wirkt! (Römer 7:18-25). Ein heutiges geistiges Paradies, also ein heutiger vollkommener geistiger Zustand, das ist nichts als Trug und Illusion.
Der Höhepunkt der vorgenommenen "Erfüllungs"-Umdeutungen kommt mit einer Umfunktionierung des bekannten Friedensbildes aus Jesaja 11:6-8 zum Ausdruck, wo es heißt: "Und der Wolf wird bei dem Lamme weilen, der Panther wird neben dem Böcklein lagern, das Kalb und der junge Löwe und der Mastochs werden beisammen sein, und ein kleiner Knabe wird sie treiben." Sollte das bisher nach Harmagedon in der "neuen Welt", im "Königreich" erfüllen, so wird es jetzt dort weggeholt, umfunktioniert und auf die Zeit seit 1919 zur "Charakterisierung" der Organisation als "geistiges Paradies" verwendet: " . . . ist im geistigen Paradies der zurückgeführten Anbeter Jehovas eine solche Veränderung, wie sie in der Prophezeiung in bezug auf die Tierwelt geschildert wird, tatsächlich vor sich gegangen. Begonnen hat diese Veränderung im Jahre 1919 nach ihrer Befreiung aus dem blutbefleckten Babylon . . . In bildlichem Sinn lagert also der zahm gewordene Wolf bei dem Lamm und der Leopard bei dem Böcklein . . . Die Bewohner des geistigen Paradieses . . . es ist so, wie wenn wilde Tiere zahm werden, so daß ein kleiner Knabe sie weiden kann." (Seite 179-183)
Zu Tausenden hatten einst die Familien der Bibelforscher oder Zeugen Jehovas das berühmte Paradiesbild aus Jesaja 11 :6-8 als farbiges Gemälde in ihren Wohnungen hängen, von der WTG selbst verbreitet, als Bekenntnis der Hoffnung einer buchstäblichen Erfüllung. Vergebens, vorbei.
Ganz aus heiterem Himmel kommt dieser Blitz allerdings nicht. Es wurde schon eine bestimmte psychologische, Vorarbeit geleistet. Die WTG hat diese Umfunktionierung schon lange in der Hinterhand. Die Vorstellung, der Zustand der Organisation gleiche einem "geistigen Paradies", wurde u. a. mit dem WT vom 1. 4. 1971 (Fragen von Lesern) hochgespielt und ins Blickfeld geschoben. Ein weiterer wesentlicher Schritt wurde dann mit dem Buch "Das Paradies für die Menschheit durch die Theokratie wiederhergestellt" gemacht, in englisch 1972 und in deutsch 1973 veröffentlicht. Darin wurde die ebenfalls einst für die Zeit nach Harmagedon zu erwartende "Erfüllung" des "Begehrenswerten aller Nationen" oder "Ersehnten aller Nationen" (Haggai 2:7) umfunktioniert auf die Zeit seit 1935. Die seit dieser Zeit hervortretende, in unchristliche Hoffnung (Phil. 3:17-19) gehaltene "große Volksmenge" sei dieses "Begehrenswerte" (74 ff). Mit der Umfunktionierung der "Erfüllung" gar des Paradiesbildes aus Jesaja 11 zurück auf die Zeit seit 1919 an der Organisation erreicht das ohne Zweifel einen Höhepunkt. Damit sind zentrale Nach-Harmagedon-Erfüllungen vorverlegt und umfunktioniert in "Erfüllungen" durch die Organisation der WTG, die keinen Zweifel mehr lassen, wohin die Reise geht.
Die WTG richtet sich "in der Welt" ein. Selbstverständlich hat sie mit allen Zeugen Jehovas nie außerhalb der gesellschaftlichen Zusammenhänge gestanden, wie man das auch leugnen mag. Die bisherigen Nach-Harmagedon-Erfüllungen werden nur noch theoretisch aufrechterhalten, am Horizont, als ständiger Anreiz, Ansporn. Kommt es aber zu nahe, wie jetzt wieder 1975, dann wird es wieder weitergeschoben. Unterdessen wird alles an wesentlichen "Erfüllungen" auf die Organisation selbst umfunktioniert. Es gibt jedoch auch die Überlegung, daß die WTG über kurz oder lang einen neuen Endzeittermin nach 1975 verkündigen muß, wie sie das bisher immer wieder gemacht hat. Wer einmal mit solchen Terminangaben angefangen hat, könne damit nicht wieder aufhören, soll nicht die ganze Endzeitausrichtung zusammenbrechen. Stimmt das?
Erbarmungslos wird dabei mit den Alten
verfahren, die nun buchstäblich seit 1914 hoffen, der Rest "dieser Generation",
der seit 1914 gepredigt wurde. Die paar Alten sollen auf keinen Fall zu Rebellen werden,
weil sie doch "vergehen". Sie werden deshalb noch wie vor damit gespeist, sie
würden "auf keinen Fall vergehen"! (S. 24) Mit einem Bild - ein alter Zeuge
zeigt auf die Jahreszahl 1914 - werden sie zuerst angesprochen (S. 8). So sollen sie bis
zu ihrem letzten Atemzug der Lüge glauben, sie würden "nicht vergehen", um zu
verhindern, daß sie noch in allerletzter Stunde als Kronzeugen gegen den WTG-Endzeittrug
aufstehen.
buko
DER DEUTSCHE WTG-ZWEIG 10 JAHRE LÄNGER
AGGRESSIVES "BOLLWERK GEGEN DEN KOMMUNISMUS"
Zum politischen Mißbrauch der Gemeinschaft der Zeugen
Jehovas
Wir erinnern uns an ein Interview, das der
"Beauftragte der Wachtturm-Gesellschaft" W. Amann zum Kongreß in Dortmund, BRD,
am 26. Juli 1960 dem Dortmunder "Westdeutschen Tageblatt" für die
Öffentlichkeit gab. Darin stellte er u. a. dar, daß "die Kongresse der Zeugen
Jehovas Bollwerke gegen den Kommunismus" seien. Damit war einmal mehr die Rolle
aufgezeigt, die die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas unter der WTG in der bewegten
"Landschaft" der christlichen Kirchen, Gemeinschaften und Bewegung in
politischer Hinsicht zu spielen haben. In der Tat, seit Beginn des neuzeitlichen kalten
Krieges 1947 bemühte sich die WTG vollauf, in nichts hinter den Hieben und Seitenhieben
gegen Sozialismus und Kommunismus zurückzubleiben, wie sie von den tonangebenden
kapitalistisch-imperialistischen Kräften ausgeteilt wurden.
Wir erinnern auch an die Bedeutung, die der deutsche Zweig im internationalen WTG-Werk hat. In der WTG-Geschichtsschreibung wurde herausgestellt, wie noch dem ersten Weltkrieg "Deutschland schließlich das fruchtbarste Feld für die Ausbreitung des Werkes wurde" (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben. S. 221). In dem 1970 in der DDR und der BRD veröffentlichten "Blaubuch" des Urania-Verlages Leipzig-Jena-Berlin, "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", wird nachgewiesen, welche außergewöhnliche Förderung dieser deutsche Zweig von Anfang an im Rahmen der USA-Europapolitik zur "Eindämmung des Kommunismus" in christlichen Bevölkerungskreisen erhielt, organisatorisch, finanziell und politisch-diplomatisch. Die Aufdeckung dessen im Bereich der Religionsgemeinschaften ist einmalig. Dabei kann man natürlich nicht übersehen, daß die WTG selbst erklärt, schon seit ihrer ersten "Wachtturm"-Ausgabe im Jahre 1879 gegen den Kommunismus zu kämpfen (Babylon die Große ist gefallen, S. 536).
Eines der Lehrbücher zur entsprechenden antikommunistischen Ausrichtung der Verkündigung war das Buch "Vergewissert euch über alle Dinge", in den USA in der hysterischsten Zeit des kalten Krieges 1953 veröffentlicht. Im deutschen Sprachgebiet wurde es 1957 als religiös-politischer Beitrag ins Schlachtfeld des kalten Krieges geworfen. Unter dem Stichwort "Kommunismus" wurde auf 7 Seiten in Stil und Jargon gegen den Kommunismus zu Felde gezogen, wie es die anderen antikommunistischen Kräfte nicht besser taten. Die Grundlage bildete eine "Definition" des Kommunismus im Sinne der bekannten imperialistischen Nachkriegs-Totalitarismus-Doktrin mit besonderer Charakterisierung des Kommunismus als "falsche Religion", eine auch von anderen praktizierte Methode, um zu übertölpeln. Die Pressekonferenz mit W. Amann 1960 in Dortmund demonstriert, wie die WTG auf dieser politischen Linie öffentlich wirkte.
Doch 1964/65 wurde das WTG-Hauptbüro in Brooklyn zurückgepfiffen, um den bisherigen antikommunistischen Kurs etwas abzuschwächen. Im Ergebnis wurde 1965 eine Neuauflage und Neufassung des Lehrbuches "Vergewissert euch über alle Dinge" herausgebracht. Mit einigen anderen Veränderungen gab es jetzt, eingeschränkt auf nur noch 4 Seiten, eine radikale Abschwächung der bisherigen aggressiven antikommunistischen Ausrichtung der Verkündigung. Die Kommunismus-"Definition" im Sinne der imperialistischen Totalitarismus-Doktrin wurde gänzlich entfernt. Auch die Untertitel wurden stark entschärft und ihres offenen hetzerischen antikommunistischen Charakters entkleidet, eine radikale Dämpfung der bisherigen antikommunistischen Aggressivität in der Verkündigung. Was ging vor? Gott können wir hier völlig ausschalten, es geht um rein politische Erwägungen.
Wir müssen den politischen Hintergrund sehen, die mit Beginn der sechziger Jahre heraufziehende Veränderung der politischen "Großwetterlage". Der kalte Krieg gegen die sozialistischen Länder hatte sich als verfehlt erwiesen. Durch die Konsolidierung der sozialistischen Länder wurde klar, daß auf die Politik der friedlichen Koexistenz zwischen Ost und West eingegangen werden muß, und zwar in historischen Dimensionen. Auch die Kirchenpolitik mußte letztlich entsprechend umgeschaltet werden. Wer das Zusammenwirken der WTG in Brooklyn, New York, mit dem USA-Außenministerium in Washington kennt (siehe "Blaubuch"), wundert sich nicht, daß die WTG in dieser Situation auf einmal begann, ihre Lehrbücher politisch zu verändern.
Allerdings blieben die vorgenommenen Abschwächungen des Antikommunismus auf den englischen Sprachraum des Werkes beschränkt. Andererseits gibt es fast kein WTG-Buch von Bedeutung, das nicht sofort nach seiner Veröffentlichung in den USA auch in die deutsche Sprache übersetzt und im deutschen Zweig verbreitet wurde. Die Neufassung des "Vergewissert"-Buches von 1965 als wichtigste umfassende Lehrzusammenfassung für die unmittelbare Verkündigung wurde jedoch nicht ins Deutsche übersetzt. Wie in der WTG-Politik nichts ein Versehen ist, so hatte auch dies seinen Grund. Der deutsche Zweig sollte aus mehreren Gründen weiter in unverminderter Aggressivität seine antikommunistische "Bollwerk"-Rolle spielen. Die "Deutschen" sollten einstweilen noch weiter wie bisher politisch "verheizt" werden. Man muß sich völlig davon frei machen, zu glauben, die Verantwortlichen in Brooklyn seien "liebende Brüder", christliche "Hirten" auch für die "geringsten der Brüder Christi". Die WTG-Politik beweist, daß in Brooklyn Taktiker und Strategen sitzen, die um ihres politischen Kurses willen, ist er entschieden, bedenkenlos über Unglück, Verzweiflung, ja über Tod der Verkündiger hinweggehen, um ihren Kurs "im Namen Jehovas" durchzusetzen. Und wenn sie ihn später wieder ändern müssen. "Vergessen wir auch nicht, daß sich Jehovas. Organisation nicht ändern kann, um sich einzelnen Personen anzupassen", hieß es, deutlich genug im WT vom 1. Oktober 1974, S. 605, Abs. 26. (Siehe CV 67/1975, S. 3) Wir erinnern nur an die Opfer der Ältestenvernichtung der dreißiger Jahre, an die Opfer der Obrigkeitsirrlehren von 1929 bis 1963 oder an die WTG-Blutschuld durch die 1945 erfundene Verweigerung von Bluttransfusion (Babylon-Buch S. 544). Ganz zu schweigen von den Opfern des antikommunistischen Kurses, den man nun etwas dämpft.
Hauptgründe für die Nichtübersetzung des "Vergewissert"Buches zur Verwendung durch den deutschen Zweig waren u. a. "Bedenken" im Hinblick auf die antikommunistische Untergrundtätigkeit des deutschen "Bollwerkes" in der DDR und anderen sozialistischen Ländern, für die das Zweigbüro in Wiesbaden "zuständig" ist. Könnten die dort zur Illegalität Verpflichteten nicht aufhorchen? Könnten sie nicht am Ende gegen die Untergrundtätigkeit "rebellieren"? Hatte nicht der damalige Leiter der Untergrundtätigkeit in der DDR, Werner Liebig aus Dresden, "gefährliche" Gedanken einer Weglassung der antikommunistischen politischen Hetze aus Literatur und Verkündigung in den sozialistischen Ländern? Noch hatte der deutsche Zweig dem auch in den sechziger Jahren weiter fortgesetzten kalten Krieg gegen den Kommunismus in christlichen Kreisen noch wie vor zu dienen. Erst Anfang der siebziger Jahre kam es bekanntlich zu den grundsätzlichen Vereinbarungen zwischen der DDR und der BRD im Hinblick auf eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR und einen entsprechenden Abbau des kalten Krieges gegen die DDR. Nun wurde auch der deutsche Zweig aus seinen extremsten antikommunistischen Positionen zurückgepfiffen. Die "Vergewissert"-Neufassung von 1965 wird auch für den deutschen Verkündigungszweig freigegeben, noch fast zehnjähriger Zurückhaltung.
Fassen wir zusammen. Wie mit kaum einem
anderen WTG-Buch läßt sich Schicksal des "Vergewissert"-Buches mit seiner
Ausrichtung für antikommunistischen Bibelmißbrauch die vorsätzliche politische Rolle
aufzeigen, die die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas unter der WTG zu spielen hat.
Selbstverständlich birgt jede Kursänderung der WTG das Risiko, die Gefahr in sich, daß
man die WTG durchschaut. Und der deutsche Zweig ist in der "religiösen
Landschaft" wichtig. Da 1975 ohnehin der Endzeitkurs geändert werden muß, mit allen
Risiken und Gefahren, kommt es auf ein Risiko mehr auch nicht sonderlich an. Es
"fügt" sich, um mit über die Bühne zu gehen. Man wird sehen, was übrig
bleibt, und wer übrig
bleibt.
F. F.
DER FEIGENBAUM BLÜHT NICHT, DIE
WT-ENDZEIT
IST EIN FEHLSCHLAG
Die ständige kritische WT-Prüfung
Der Wachtturm, 1. Mai 1975, Nr. 9
"Wachsende Armut ein Schrecken für viele" -
Nebenartikel
Auch die Zeugen kommen natürlich mit den Problemen der
Armut und ihrer Überwindung in vielen Ländern in Berührung. Sie sollen jedoch bei
solchen Bestrebungen nicht mitmachen. Deshalb solche "Argumente" im WT wie,
"daß es Faktoren gibt, auf die der einzelne keinen Einfluß hat", oder
"religiöse und soziale Ansichten haben wenig dazu beigetragen", die Lage zu
ändern. Die sozialen Ansichten des Sozialismus/Kommunismus haben sehr wohl schon in
vielen Ländern Armut, Elendsviertel und Arbeitslosigkeit beseitigt. Aber gerade von
solchem Engagement soll abgelenkt werden. Zum Schluß wird Jesu Wort, "Die Armen habt
ihr allezeit bei euch", dazu mißbraucht, sich mehr oder weniger mit der Armut
anderer abzufinden, bis sie durch das von der WTG verkündete und laufend verschobene
"Weltende" beseitigt werde. Wem allein dient das politisch?
"Ist es vernünftig, einen nahen
Verwandten zu heiraten?" Nebenartikel
Muß schon auf diese Weise "leichtfertigen
Geschlechtsbeziehungen im engeren Familienkreis" unter den Zeugen entgegengewirkt
werden? Ein geistiges Paradies? Der Trost, daß verunstaltete Kinder aus solchen
Beziehungen "während der Tausendjahrherrschaft" geheilt würden - wer soll das
bei der laufenden Endzeitverschiebung glauben?
"Eine vortreffliche Belohnung für
Treue" - Nebenartikel
Der Hintergrund dieser Zusammenstellung von
Treue-Bibelversen ist die Furcht vor dem großen 1975-Abfall. Im Mittelpunkt steht die
"Treue" des "treuen und verständigen Sklaven", dem unbedingt zuerst
Treue zu halten sei. Von einem nahen Ende ist keine Rede mehr. Man will vielmehr "in
Zukunft auf noch erstaunlichere Weise gesegnet werden". Diese Inanspruchnahme von
Treue-Bibelversen angesichts der offensichtlichen WTG-Untreue gegen die Wahrheit durch den
Skandal der schon mehrere Generationen einhergeschobenen Endzeitverkündigung ist ein
einziger Mißbrauch von Treue und Glauben anderer, die keine Übersicht über die WTG
haben.
"Die Hoffnung, gestützt auf die
Verwirklichung des Vorsatzes Gottes" - Hauptartikel
Die Erfüllung von Voraussagen in Israel oder in
urchristlicher Zeit soll beweisen, daß sich auch die heutige WT-Verkündigung erfüllt.
Was für ein Bluff. Das beweist mit bezug auf die WTG überhaupt nichts! Die WTG muß sich
selbst mit ihrer Erfüllungsverkündigung als wahrhaftig erweisen! Formulierungen, die ins
Auge springen: " . . . verscheucht jeden möglichen Zweifel . . . heute fest davon
überzeugt sein . . . volles Vertrauen schenken . . . Gott warnte, sich abzuwenden, da
sonst bestraft . . . reumütig sein . . . ergebene Untertanen . . . unerschütterliche
Ergebenheit
das sichere Kommen . . . mit Bestimmtheit verwirklicht
bald gegen
seine Feinde vorgehen . . . nun bald
neue Ordnung vor der Tür , . . heute als sehr
dringend
die große Drangsal mit Riesenschritten auf uns zu
eine echte
Hoffnung
vertrauensvoll der Zukunft entgegensehen
Gewißheit
glorreich
verwirklicht . . .". Nichts als weitere Versprechungen, Hinhaltungen,
Ergebenheitsforderungen auch Drohungen mit Strafe, Bald-Beteuerungen und Gloria, während
in Wirklichkeit alles Weitere verschoben wird! Der Antikommunismus dabei diesmal etwas
"verdeckt"
(Abs. 25).
"Blicke mit Jehova in die Zukunft,
und geht mit ihm voran!" Hauptartikel
Mit der WTG trotz ihrer 1975-Irrlehre, müßte es besser
heißen. Gleich zu Beginn wird eingeschoben, es sei "noch ein großes Werk zu
tun" (Abs. 2). Dazu Drohungen dagegen, empfindlich, mürrisch zu werden oder zu
seufzen Im Widerspruch dazu, das Urteil über "Babylon" stehe
"unmittelbar" bevor, womit die "große Drangsal" beginne. Die Zeugen
würden das überleben. Danach würde erst der "Gog" gegen sie vorrücken. Damit
erst beginne Harmagedon. Nichts als dreiste Hinhalterei. Das WT-"Babylon"-Urteil
ist illusorischer denn je. Selbst im Sozialismus haben die Christen ihren Platz. "Mag
geschehen was will", sagt die WTG dann auch, und "wir können gewiss sein".
Jedoch soll jeder bereit bleiben, sich für die WTG "den Leib zerschlagen" zu
lassen. Nur hat Paulus das nicht auf die haltlose WT-Endzeitverkündigung bezogen. Für
das "große Werk", das "noch zu tun sei", wird dann Hebräer 6:10, 11
aus dem Zusammenhang gerissen. Aber hier wird vom Festhalten an der himmlischen Hoffnung,
gesprochen und nicht an den WTG-Endzeitverschiebungen.
"Gibt es eine Zeit zu
richten?" - Nebenartikel
Es soll den WT-Getreuen den Rücken stärken, gegen alle
vorzugehen, die sich jetzt Bibelauslegung und Führungsanspruch der WTG nicht mehr beugen
wollen. Von einer Übereinstimmung mit einem Urteil, das bereits in Gottes Wort festgelegt
ist", kann überhaupt keine Rede sein. Die WTG bestimmt bekanntlich, wann, wo und wie
irgend etwas aus der Bibel anzuwenden sei, für wen und gegen wen. Es ist ein Mißbrauch
der Bibel zur Anleitung, alle unter dem WTG-Regiment weiter in Schach zu halten.
Der Wachtturm, 15. Mai 1975, Nr. 10
"Wird die Wissenschaft wirklich deine Probleme
lösen?" Nebenartikel
Anerkennung der Wissenschaften, aber nur, soweit sie der WTG nicht in die Quere kommen. Wie gehabt. Vor allem, was die "Lösung der Probleme der Menschen" betrifft, die soziale Frage, Nur die "in der Bibel aufgezeichneten Verheißungen, dem Hunger, der Verschmutzung und anderen Mißständen ein Ende zu machen", seien "daher vertrauenswürdig". Da die WTG andererseits aber jedem im Namen Gottes das Recht abspricht, selbst Hand anzulegen, dieweil eine Generation nach der anderen "vergeht" und diese "Verheißungen" immer, wieder unbestimmt in die Zukunft geschoben werden, ist alles nur eine leere Hülse. Wollte man sie beachten, würden Hunger, Verschmutzung und Mißstände aller Art immer katastrophalere Ausmaße annehmen.
"Die Samariter der alten
Zeit" - Nebenartikel
Ein bißchen Altertumskunde mit der Schlußbemerkung, die
"wahre Anbetung" der Zeugen "vereinigt auch heute Menschen aller Rassen und
Nationalitäten", Züchtung von Selbstgerechtigkeit, muß man sagen. Ehrlicherweise
müßte man doch zugeben, daß das auch für andere Kirchen, und Gemeinschaften zutrifft.
"Der Lohn für Untreue" -
Nebenartikel
Es sind letzte Register, die gezogen werden gegen den
Abfall, der mit 1975 erwartet wird. Ein schon im voraus vollzogener Rufmord an jedem, der
die WTG nun verläßt: "Judas, Verräter, Sohn der Vernichtung, religiöse
Heuchler", lauten die Bezichtigungen. Ein Spießrutenlaufen durch solches Gezisch der
Versammlung wird jedem vorgeführt, der über das Verlassen der WTG nachdenkt. Er fände
nur ein Ende "in Kummer, Sorgen, Schande und Tod". Wer keine Furcht vor Menschen
hat, auch wenn sie eine solche Organisation wie die WTG zur Verfügung haben, sieht, daß
dies reinster psychologischer Terror ist, bar jeder überzeugenden Beweisführung. Darauf
kommt es auch gar nicht an. Es wird eher völlig unsachlich emotionalisiert. Dabei weiß
die WTG ebenso, daß immer erst gefragt werden muß, Untreue warum und Treue wem! Muß man
einer Sache die Treue halten, wenn man sie als unglaubwürdig erkennt? Ist die WTG etwa
unfehlbar? Hat sie die Menschheit mit ihrem 1975 Ende nicht wieder zum Narren gehalten?
"Durch unseren Gesang
Wertschätzung zum Ausdruck bringen " - Nebenartikel
Im Singen nicht "nachlassig" zu werden, mit
"Anstrengung, kraftvoll" die WTG-Lieder singen, mit "Begeisterung",
"nicht lustlos und oberflächlich" - da "Musik auf Geist, Körper und
Gemüt erfrischend" wirke, werden alle aufgefordert. Dabei solle mehr auf den Text
geachtet werden. Dies jetzt 1975 heißt doch nichts anderes, als "Geist, Körper und
Gemüt" fest mit der WTG zu verbinden. Ein weiteres Hilfsmittel, kein kritisches
Denken über 1975 aufkommen zu lassen. Mit "singendem und klingendem Spiel" sind
schon ganz andere Heere als das "Heuschreckenheer" der Zeugen am kritischen
Nachdenken über ihre Marschrichtung gehindert worden!
"Pilatus - der Statthatter, der
den Herrn richtete" - Nebenartikel
Alle WTG-Geführten sollen darin bestärkt werden, sie
seien in jedem Fall so unschuldig wie Jesus vor Pilatus. Ein großer WTG-Betrug. Jesus
sprach Pilatus nicht das Recht ab, zu regieren. Er belehrte die Menschen nicht, keine
Regierung zu unterstützen. Er verlangte von den Regierungen nicht, sie sollten ihre Macht
und Souveränität an ihn abtreten. Die WTG hat alle Zeugen Jehovas weit von der Nachfolge
Jesu in diesen Dingen entfernt und sie stattdessen zu grundsätzlichen Staats- und
Regierungsfeinden gemacht.
"Gott kennenlernen" -
Hauptartikel
Es ist nur ein Anschein, jeder würde bei der WTG nur
durch die Bibel Gott kennenlernen Diese Zeilen verraten das: " . . . genügt es
nicht, lediglich die in der Bibel niedergelegten Tatsachen zu kennen. Es gibt Personen,
die biblische Fragen beantworten können
" Schon hat sich damit die WTG selbst
als verbindlich dazwischen geschoben. Wie die Gotterkenntnis durch die WTG aussieht, zeigt
die weltweite Irreführung mit dem 1975-Ende.
"Der Nutzen eines gottergebenen
Lebens" - Hauptartikel
Der vermeintliche gegenwärtige "Gewinn" durch
die Organisation wird ins Blickfeld gerückt. Das soll so im Vordergrund stehen, daß die
Bedeutung des Zusammenbruchs der 1975-Erwartungen möglichst verdrängt wird. Aber im
guten Glauben einer Sündenvergebung leben auch andere Christen. Um nicht geschlechtskrank
zu werden, nicht dem Rauchen, Suchtmitteln oder dem Alkoholismus zu frönen, muß man
nicht der WTG folgen. Auch die Adventisten oder die neuapostolischen Christen sind hier
vorbildlich. Und echte Freundschaft gibt es auch unter anderen Menschen. Tugenden,
Gesundheit und Freundschaften sind nicht von der WTG abhängig. Im Gegenteil, alles, von
Klatsch, übler Nachrede, Ohrenbläserei, über Verlogenheit, Diebstahl, Ehebruch bis
Haß, Verfeindung und Mord, alles dies kommt auch in der Organisation vor! Was die WTG
dagegen hier ins Blickfeld rückt, soll nur von ihrer jetzt wieder erwiesenen
Endzeit-Unglaubwürdigkeit ablenken. Folgende Bemerkung verrät das: "Wie töricht
wäre es, dies alles aufzugeben, nur weil vielleicht etwas nicht nach unserem Kopf
geht!" (Abs. 20)
"Nimmst du an anderen
Anstoß?" - Nebenartikel
Eine Vorbeugung gegen die wegen 1975 erwarteten inneren
Zerrüttungen. Natürlich ist Anstoßnehmen an menschlichen Schwächen kleinlich und
ungerechtfertigt. Dahinter verbirgt sich aber etwas ganz anderes. Man soll jetzt an der
WTG keinen Anstoß nehmen! Das wird deutlich mit der Bemerkung, daß Jesus "in einer
Zeit der Gefahr" von allen Jüngern verlassen wurde. Die WTG fürchtet jetzt für
sich durch 1975 ein ähnliches Schicksal. Nicht ganz unbegründet. Hat sie doch, mal
wieder die ganze Menschheit mit 1975 irregeführt. Nun will sie sich hinter Jesus
verschanzen.
Der Wachtturm, 1. Juni 1975, Nr. 11
"Ein Buch für die ganze Menschheit"
"Ist die Bibel lediglich das Produkt menschlicher
Weisheit?"
"Die Bibel von Menschen geschrieben und. doch Gottes
Botschaft" -
"Als Familie nach der Bibel leben - ein bleibender
Gewinn"-
Die gesamte Wachtturm-Ausgabe mit dieser Thematik während alle in Hochspannung sind, was. 1975 betrifft, ist eine massive Ablenkung von der 1975-Weltendeverkündigung. Es wird in der Hauptsache ein Allgemeinwissen über die Bibel zusammengetragen, verbunden mit praktischer Nutzanwendung, daß die Gedanken an das für 1975 weltweit proklamierte Ende völlig verdrängt. Die alle in Hochspannung haltende Endzeitauslegung wird an nur wenigen Stellen kaum mehr als gestreift, und das höchst vage und unbestimmt. So "sollen sich zahlreiche Prophezeiungen noch erfüllen" oder "daß die Befreiung sehr nahe sein muß" (S. 331, 332). Das ist buchstäblich alles, was dazu noch gesagt wird. Um täglich nach der Bibel-zu leben, braucht man nicht die WTG. So ist sie deswegen auch nicht auf den Plan getreten, sondern allein aus "endzeitlichen" Gründen. Dieses aber sind im Verlaufe der nun über 100 Jahre und mehrere Generationen andauernden Hinhalterei mit 1975 völlig unglaubwürdig geworden. Diese Wachtturm-Ausgabe wurde zusammengestellt, um mit aller Gewalt hiervon abzulenken. Von dieser Ablenkungsmethodik scheint sich die WTG das meiste zu versprechen, um an ihrer 1975-Irrlehre nicht zu scheitern.
Ein geistiges Paradies?
ZEUGIN JEHOVAS SPRANG MIT STURZHELM VOM BIERPINSEL
Unter dieser Überschrift veröffentlicht
"Bild-Berlin" vom 27. 8. 1975 (Westberlin) folgenden Tatsachenbericht:
Kajo. Berlin, 27. August. - Mit einem roten Sturzhelm auf
den blonden Locken, einer Bibel der Zeugen Jehovas unter dem Arm und einer Beuteltasche in
der Hand stieg die AEG-Stenotypistin Anneliese K. (54) aus Steglitz gestern früh bis zur
Spitze des 50 Meter hohen "Bierpinsels" in Steglitz. An dem Turmrestaurant an
der Stadtautobahn wird noch gebaut. Und so kletterte die Frau noch eine Leiter des
Baugerüstes hinauf. Sie legte Bibel und Beutel auf ein Laufbrett und sprang in die Tiefe.
Offensichtlich hoffte sie, daß der
Sturzhelm ihr Gesicht vor Entstellungen bewahren würde. Sie wollte im Tod noch schön
sein.
Sie fühlte sich schrecklich einsam, Sie hatte Angst vor
der Kündigung. Sie schrieb die Adressen für ihre Traueranzeigen auf. Testament vorm
Todessprung.
Passanten fanden die Frau im blauen Hosenanzug mit zerschmetterten Gliedern vor C & A in der Schildhornstraße tot auf. Sie war vom Bierpinsel gesprungen, weil sie sich vereinsamt fühlte. Außerdem fürchtete Anneliese K. - zu Unrecht - daß sie bei der angespannten wirtschaftlichen Situation gekündigt werden könnte. Ihr Chef, der Leiter der Abteilung Industriegroßanlagen: "Frau K. war 17 Jahre bei der AEG. Sie war eine nette, sympatische und aufgeschlossene Kollegin."
Vor ihrem Sprung hatte sie in ihrer Ein-Zimmer-Wohnung alles geordnet. Sie setzte eine Schwägerin als Erbin ein. Sie hatte ein handgeschriebenes Telegrammformular bereitgelegt mit dem Text: "Anneliese schwer verunglückt. Bitte sofort kommen." Das Telegramm sollte an ihre Schwester noch Ostberlin gehen.
Dann hatte sie noch 23 Namen aufgeschrieben, an die Traueranzeigen abgeschickt werden sollten. Aus mehreren Abschiedsbriefen an Verwandte und Schulfreundinnen geht hervor, daß sie mit dem Leben nicht mehr fertigwerden konnte. Sie hatte Minderwertigkeitskomplexe. Die Frau, die nicht verheiratet war, hatte sich schon 1972 und 1974 die Pulsadern geöffnet, konnte aber jedesmal. gerettet werden.
Jetzt, als sie mit der Bibel in der Hand und dem roten Sturzhelm auf dem Kopf den Bierpinsel hochkletterte - da gab es keine Rettung Soweit "Bild Berlin".
Ein Nachwort:
Was waren die geistigen Probleme von Anneliese K.?
Einsamkeit, Angst, Minderwertigkeitskomplexe, mit dem Leben nicht mehr fertig werden.
Gäbe es unter der WTG, unter Jehovas Zeugen ein geistiges Paradies, dann hätte sie dies
alles, was sie jetzt in den Selbstmord getrieben hat, in dieser Gemeinschaft überwinden
können. Wir denken auch an den Doppelmord 1971 in der Versammlung Wuppertal, BRD, wo eine
Schwester ihren Mann und ihren Vater, beides Brüder, erwürgte. (CV 46/1973) Das fängt
doch schon bei den Kindern an, für die die WTG noch wie vor die Prügelstrafe predigt.
Ein geistiges Paradies? Vielleicht erfahren wir auch, ob nicht auch der Zusammenbruch der
für 1975 von der WTG verkündigten Paradieserwartung eine Rolle gespielt hat, die die
letzte Hoffnung war. Werden wir gar eine Selbstmordwelle wegen "1975" unter den
Zeugen Jehovas erleben? -
ZUSCHRIFTEN/BERICHTE/ INFORMATIONEN
"christen" - eine neue Zeitschrift für die
Zeugen in der BRD
Herausgegeben von Br. Werner Vetter, D 7081 Lauchheim,
BRD, erscheint im WTG-Endzeitbankrottjahr 1975 für Jehovas Zeugen eine neue Zeitschrift.
Ihr Titel ist "christen". Das erste Thema in der ersten Ausgabe befaßt sich mit
dem Namen "Jehovas Zeugen". Es wird nachgewiesen, daß dieser Name völlig
unchristlich ist. Zum Beweis dafür wird hingewiesen auf Apg. 11:26, Apg. 4:12, Apg.
26:28, 1, Per. 4:14-16, Markus 13:13, Markus 13:9 und Apg. 1:8. - Zu "1975" wird
in einem anderen Beitrag gesagt: "Jehovas Zeugen haben immer noch keine positiven
Schlüsse aus ihrer hektischen "Es ist später als du denkst-Verkündigung"
gezogen. Fast zwei Millionen ihrer Glieder wurden mit spektakulären Nahzeiterwartungen
aufgeheizt. Alle ihre bisher .weltweit verbreiteten Angaben, was in den Jahren 1799, 1874,
1878, 1914, 1915, 1918, 1925, 1975 und 2975 geschehen sei oder noch geschehen werde,
erwiesen sich in der Tat und Wahrheit als reine Hinhalteparolen einer geschickt um die
Existenz kämpfenden Religionsorganisation."
Dissertation über die Zeugen Jehovas
an der Universität Hamburg, BRD
Unter dem Titel "Geschichte der Zeugen Jehovas in der
Zeit von, 1870 bis 1920. Mit einem Anhang: Geschichte der Zeugen Jehovas in Deutschland
bis 1970" hat Dietrich Hellmund an der Universität Hamburg eine Doktor-Arbeit
vorgelegt. So geht der unaufhaltsame Prozeß der kritischen Durchdringung der gesamten
WTG-Organisation und von ihr geführten Gemeinschaft Schritt für Schritt voran.
Bemerkenswerte Zurückhaltung in der
BRD-Presse zu den Kongressen 1975
Wie die für CV tätigen Beobachter der WTG-Kongresse 1975
in der BRD mitteilen, rauscht dieses Jahr der BRD-Blätterwald nicht mehr so wie im Jahre
l974 zu den Kongressen.
Auch im WTG-Zweigbüro in Wiesbaden wurde sehr unzufrieden
im Vergleich zum Vorjahr festgestellt, daß 1975 kaum eine positive Schlagzeile in den
angesehenen Tageszeitungen zu finden war. Ein Journalist bemerkte dazu, daß man doch wohl
keiner seriösen Zeitung zumuten könne, länger eine Gemeinschaft publizistisch
hochzuspielen und gleichsam der Öffentlichkeit zu empfehlen, die doch wohl eher nach
ihren skandalösen Weltendeversprechungen beurteilt werden muß als noch den
Schaustellungen, die sie für die Öffentlichkeit auf Kongressen bietet. Man sehe jetzt
auch die negative soziale Bedeutung dieser Gemeinschaft kritischer.
Zusammenkünfte freier
Christengemeinden, denen sich die Zeugen in der DDR zuwenden können
Gemeinde Dresden, Robert-Blum-Straße 6 (Raum Adv.-Gem.)
sonntags, Oktober/April 14.30-16 Uhr -
Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Giesserstraße 36 (Jugendzimmer
St. Joseph) sonnabends 13.30-15.30 Uhr -
Gemeinde Leipzig, Witzgallstraße 10 (Jugendzimmer St.
Laurentius) sonnabends 14-16 Uhr -
Gemeinde Leipzig, Blumenstraße 74 (Meth. Gem.)sonntags
14-15.30 Uhr -
Gemeinde Magdeburg, Bärstraße 9 (Raumgem.) sonntags 13.30-15 Uhr -
Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Schloßstraße 4-6 (Raumgem.)
sonntags 14-16 Uhr -
Gemeinde Leipzig, Maurice-Thorez-Straße 22 (Raumgem.)
sonnabends 16-17.30 Uhr -
Umschauen sollen sich die Zeugen u. a. weiter in Meißen, Freiberg, Altenburg, Naumburg, Bernburg, Potsdam, Falkensee, Berlin, Wilthen, Lützschena, Rostock, Blankenburg/Harz, Jena, Erfurt, Thale/Harz, Halle, Zittau, Schwarzenberg, Brandenburg, Cottbus, Döbeln, Kamenz und Plauen i. V. In vielen Studiengruppen tragen sich Verantwortliche mit den Gedanken, Schritte zu einer Neuorientierung zu unternehmen. Sie müssen unterstützt werden.
Dank für Zusendungen und
Unterstützung
Angesichts der Intoleranz Andersdenkenden gegenüber, wie
sie von der WTG praktiziert wird, sei auf diese Weise wieder allen gedankt, die im In- und
Ausland im Informationsdienst für CV tätig sind. Als Beispiel und stellvertretend für
viele einem Bruder aus einer Versammlung in Bremen, BRD, für die Zusendung des Artikels
"Irrwege der Zeugen Jehovas" aus der Bremer Kirchenzeitung vom 15. 4. 1973 von
Dr. phil. E. Jacob aus Huchting. Informiert sein sollte auch für jeden Zeugen A und 0
sein. Wie sollte man sich sonst richtig verhalten können?
AUCH BEIM LACHEN KANN DAS HERZE TRAUERN
Liebe Leser
Auch diese CV-Ausgabe legt den Finger auf das allein
entscheidende Kriterium beim Prüfen des WTG-geführten Weges in diesem Jahre 1975, auf
die Endzeit-Verkündigung. Durch nichts lasse man sich von diesem Gesichtspunkt abbringen!
Sonst wird man unweigerlich mitschuldig, das nun von der WTG begonnene zweite Jahrhundert
endzeitlichen Bibelmißbrauchs - immer die gerade gegenwärtige "Generation"
irreführend - mitzumachen. Man lasse sich hier nicht durch den in westlichen oder anderen
Ländern krisenbedingten Zulauf verzweifelter Menschen, die noch jedem Strohhalm greifen,
zur WTG täuschen. Folgender kleiner eingesandter "Bänkelgesang auf 1975" unter
der obigen Überschrift faßt Stimmung, Lage und Aufgaben gut zusammen:
Bald, bald, bald
heißt nun endlich halt.
Keiner kann mehr glauben,
muß sich sonst berauben
mit der eigenen Hand
am menschlichen Verstand,
macht sich durch Weiterharren
vor Gott und Mensch zum Narren.
Eile, eile, eile
nur noch eine Weile
predigen wir zu lange schon.
Schluß mit unserer Sklavenfron.
Eine "neue Welt"
ist wieder falsch, verfehlt.
Glaube, Christus, Gott
wurden Hohn und Spott.
Wende, wende, wende
Blick und Herz und Hände
weg von Trug und Dichtung
in ganz neue Richtung.
Wahres Licht
auf Christenpflicht.
Das "Ende" ist nun weggeschwommen,
die Wende ist herbeigekommen.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.
-------------------------------------------------------
"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera. Otto-Dix-Straße 6.
Preis: M 0.20. Jahresabonnement M 2.00. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr.- 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
A 2271.75 V 7 1 2081