Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 73
Es sei in Erinnerung gebracht, dass einscannen der CV-Ausgaben ist kein "Zuckerschlecken". Schlechtes, inzwischen gebräuntes Papier, wo zu allem Überfluss der Text der Rückseiten teilweise mit durchscheint, ein kleines Schriftbild und anderes mehr, behindern die Arbeit. Bei der hier vorliegenden Nr. 73 kommen noch weitere Schwierigkeiten hinzu. Konzipiert als "Sonderausgabe" enthält sie 14, anstatt der sonst üblichen 8 Seiten Text. Diesmal auch gespickt mit diversen Faksimile-Zitaten aus der WTG-Literatur. Letztere verwandte bis weit in die dreißiger Jahre noch die früher vielfach verwandten alten Schrifttypen. Herbert Raab kann auch ein "Lied davon singen". Sein Projekt, elektronische Zugänglichmachung der Russell'schen Schriftstudien, beinhaltete für ihn auch, dass er aus den vorgenannten Gründen den gesamten Text mühsam neu abschreiben musste. Bei der CV 73 erging es mir ähnlich. Was der Scanner "akzeptierte" war diesmal das wenigste. Mühsames abschreiben war angesagt.
Inhaltlich versucht diese Ausgabe eine Tour de Räson der WTG-Geschichte; unter reichlicher Verwendung von WTG-Zitaten. Sicherlich mag sie für den einen oder anderen interessant sein. Indes vielleicht inhaltlich doch nicht genug gestrafft. Jedenfalls ist dies meine Meinung. Obwohl es sich hierbei um eine durchaus herausragende CV-Ausgabe handelt, verzichte ich dennoch sie auch als Sonderdruck zu verwerten. Man sagt : "In der Kürze liegt die Würze". Ich glaube nicht, dass diese Ausgabe diesem Kriterium entspricht.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTGbedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung.- Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu Ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 73 SONDERAUSGABE August 1975
ERFÜLLT SICH HEUTE EINE "ZEIT DES
ENDES"?
Die endzeitlichen Bibeldeutungen der Wachtturmgesellschaft
Liebe Leser
Mit dem "Frühherbst" dieses Jahres 1975 stehen
wir vor einer beispiellosen Tragödie christlichen Glaubens, Hoffens und Liebens,
glaubensvollen Tätigseins und Ausharrens. Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas geht mit
dem "Frühherbst des Jahres 1975" (Tabelle in "Ewiges Leben in der Freiheit
der Söhne Gottes, S. 36, dt .1967) in einen neuen Fehlschlag. und Bankrott ihrer
weltweiten Verkündigungen von Bibeldeutungen oder Erfüllung. einer "Zeit des Endes
der Welt", als Lösung aller sozialen und gesellschaftlichen Fragen, durch ein
diesmal mit 1975 angesetztes "tausendjähriges Königreich Gottes". Über eine
Million Zeugen Jehovas in vielen Ländern müssen nun der Unglaubwürdigkeit ihrer
endzeitlichen Verkündigungen an die Adresse aller "Nationen und Regierungen",
ihrer christlichen und nichtchristlichen Mitmenschen und Nächsten, ja ihrer eigenen
Verwandten, Familien, Kinder und anderen Lieben ins Auge sehen.
Die das verantwortende Leitende
Körperschaft, die Wachtturm-Gesellschaft, ist just dabei, diesen erneuten Fehlschlag
nicht in seiner wahren Bedeutung bewußt werden zu lassen, davon abzulenken, ihn zu
verdrängen und die Sinne mit allem anderen zu erfüllen. Das "Werk" soll wieder
in eine weitere Generation gerettet werden.
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CV-SONDERAUSGABE
DOKUMENTATION ZUM "FRÜHHERBS'T DES JAHRES 1975"
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Alle aufrichtigen Zeugen Jehovas aber, besonders die der
alten Generation,. die schon seit 1914 glauben, hoffen und harren, die nun am Grabe stehen
und doch vergehen, fragen sich: Was ist los? Wofür haben wir uns das ganze Leben lang
treu eingesetzt? Was geschieht hinter unserem Rücken und auf ihm, der nun doch gebeugt
vergehen muß, ohne daß sich erfüllt, was wir uns und aller Welt gepredigt haben? Was
haben wir da überhaupt verkündet?
Diese Dokumentation beweist, was es mit dieser weltweit verkündigten "Zeit des Endes" in Wirklichkeit auf sich hat. Sie bringt den Nachweis über eine. Zeitspanne von fast 200 Jahren, durch die die WTG ihre immer wieder auf"diese Generation" bezogene endzeitliche Bibeldeutung bereits. hinzieht, und jetzt erneut weiter verschiebt. Die Belege sind notwendigerweise eine wohlerwogene Auswahl aus dieser Verkündigung. Sie sind nicht. aus dem Zusammenhang gerissen. Es sind vielmehr Auszüge und Texte, die jeweils das Wesentliche und Entscheidende, den Kern der Sache zum Ausdruck bringen. Die Originalwerke, die zugrunde liegen; sind im Zweigbüro der WTG in Wiesbaden nachprüfbar.
Das Entscheidende, mit dem die WTG-Verkündigung steht oder fällt, ist die endzeitliche Bibeldeutung. Es ist die Frage, erfüllt sich eine "Zeit des Endes" in einer Generation heute zuverlässig, überzeugend und damit glaubwürdig oder nicht.
Nach 5. Mose 18:20-22 muß eine im Namen Gottes gemachte Ankündigung eintreffen, sich erfüllen. Trifft sie nicht ein, erfüllt sie sich nicht, dann ist hier nur sträfliche menschliche Vermessenheit am Werke. Nach 1. Kor. 4:6 darf nicht über das hinausgegangen werden, was in der Bibel geschrieben steht. Wo man dies aber doch tut, ist allein Aufgeblasenheit am Werke. Nach Matth. 24:32-34 muß eine glaubwürdige "Zeit des Endes" durch zuverlässige "Zeichen der Zeit" gekennzeichnet sein, die sich innerhalb " dieser Generation", also einer Generation erfüllen. Wenn das nicht so ist, dann sind da falsche Christusse und falsche Propheten" am Werke, die das Christentum mißbrauchen. Matth. 24:24.
Die Frage noch der endzeitlichen
Glaubwürdigkeit ist deshalb das Entscheidende. Alles andere mag sein wie es will.
Es spielt keine entscheidende Rolle. Es kann nicht zum
Maßstab gemacht werden. Denn alles was sonst gepredigt und verlangt wird, für
Organisation, für ihre Einheit und ihren inneren Zusammenhalt, für ihre Wirksamkeit und
Aktivitat, auch für die persönlichen Beziehungen, dient wiederum nur dem einen Zweck der
Gewährleistung dieser endzeitlichen Verkündigung. Nur dazu ist die WTG angetreten.
Die Zeugen Jehovas sind nicht irgendeine christliche Gemeinschaft, sondern eine Endzeit-Gemeinschaft. Das Hauptkriterium für sie ist deshalb diese endzeitliche Ausrichtung durch die WTG und nichts anderes. Damit steht oder fällt vielmehr alles andere. Diese Endzeitorientierung ist die Fahne, nach der alle marschieren, das Panier, das alles zusammenhält. Oder wärst du vielleicht ein Zeuge Jehovas ohne den WTG-Endzeitglauben? Diese Dokumentation konzentriert sich deshalb auf den Endzeitcharakter der Verkündigung als auf den allein entscheidenden Gesichtspunkt.
Die Zeugen Jehovas unter der WTG sind jedoch nicht die einzige Religionsgemeinschaft die endzeitlich predigt und orientiert. Sicherlich sind sie die Ausgeprägtesten und Aktivsten darin, wenn man Einsatz und Aufwand dafür sieht. An ihrem Beispiel dürfte daher gut zu ermessen sein, welchen Wert oder Unwert, welche Bedeutung solche endzeitliche Bibeldeutung überhaupt hat. Und auch, wie sich Christen in solchen Dingen besser orientieren sollten angesichts der menschlichen sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung, in die wir gleichsam zufolge historischer Gesetzmäßigkeit hier und heute eingetreten sind und leben, auch als Bürger christlichen Glaubens.
Eine solche Übersicht, wie hier
dokumentiert, gab es noch nie. Vierundzwanzig der "tragenden Säulen" des
WTG-Endzeitgebäudes, die entscheidenden endzeitlichen WTG-Bibelauslegungen oder
Erfüllungen werden auf ihre Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit hin geprüft. Es sind
die entscheidenden Lehren schlechthin, mit denen alles andere steht oder fällt. Damit
aber ist für alle Betroffenen eine Zeit grundsätzlicher Neuentscheidung und
Neuorientierung herbeigekommen. Informiere dich nun und ziehe deine Schlußfolgerungen.
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem,. was recht ist
1 Thess. 5:21 NW
1. Der Beginn der "Zeit des
Endes"
Der Beginn der "Zeit des Endes" und ihre Dauer
wurde von der WTG 1890 wie folgt als unbestreitbar festgestellt:
Die "Zeit des Endes", eine Periode von 115
Jahren, 1799 bis 1914, ist in der Schrift besonders gekennzeichnet.
Die letzten 40 Jahre der Zeit des Endes werden "das
Ende" oder "die Ernte" des christlichen Zeitalters genannt, wie wir lesen:
"Die Ernte ist das Ende des Zeitalters." (Matth. 13:39)
(Schriftstudien III von 1890, Magdeburg 1926, S 13 f)
Noch 1926 wurde das millionenfach
verkündigt:
Die große Mehrung von Wissen und Erkenntnis und das
gewaltige Hinundherlaufen der Menschen auf verschiedenen Teilen der Erde ist ohne Frage
eine Erfüllung der Prophezeiung, die über "die Zeit des Endes" Zeugnis gibt.
Diese physischen Tatsachen können nicht bestritten werden und sind genügend, jeden
vernünftig denkenden Menschen davon zu überzeugen, daß wir seit 1799 in der "Zeit
des Endes" leben.
(Die Harfe Gottes, S 235, Magdeburg 1926)
Als die erste Generation des 19.
Jahrhunderts, der das verkündigt wurde, vergangen war, wurde ab 1925 mit derselben
Bestimmtheit proklamiert:
Wir leben jetzt in der "Zeit des Endes " der
Christenheit und aller übrigen Teile dieses Systems der Dinge. (Daniel 11:40; 12:4) Diese
Zeit hat im Jahre 1914 begonnen
(Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 109, Wiesbaden 1958)
Mit "Frühherbst des Jahres 1975" vergeht jedoch schon wieder die 2. Generation von 30 Jahren seit 1914.
2. Wiederkunft und Gegenwart Christi
Der "Endzeit-Eckpfeiler" der Wiederkunft Christi
oder des Beginns seiner zweiten Gegenwart wurde mit der Bibel zuerst auf 1874 festgesetzt:
Durch die Heilige Schrift wird bewiesen, daß die zweite
Gegenwart des Herrn Jesu Christi im Jahre 1874 n. Chr. begann. Das Beweismaterial hierfür
ist eingehend in der Broschüre "Unseres Herrn Wiederkunft" unterbreitet.
(Prophezeiung, S. 70, Magdeburg 1929)
Noch 1929 wurde diese
"Prophezeiung" gedruckt. Der nächsten Generation aber wurde gepredigt:
Seit dem Jahre 1914 ist Jesus Christus, "der
Menschensohn", in seinem Königreich gegenwärtig gewesen. Seit jener Zeit leben wir
in den Tagen der "Gegenwart des Menschensohnes"
(Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 292, Wiesbaden
1958)
Angesichts der Notwendigkeit, mit 1975
wieder weiter verschieben zu müssen, wird diese Termin-, Zeit- und
Generationsverschiebung von 1874 auf 1914 wie folgt eingestanden:
In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts
glaubte man, der Herr sei im Jahre 1874 u. Z. wiedergekommen und seine unsichtbare
Gegenwart im Geiste habe in jenem Jahr begonnen. Aber in den darauffolgenden vier
Jahrzehnten zeigte sich das "Zeichen" seiner Gegenwart und des Abschlusses des
Systems der Dinge nicht. Es zeigte sich erst vom 4./5. Oktober oder von der Mitte des
jüdischen Mondmonats Tischri des Jahres 1914 an.
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
229, Wiesbaden 1973)
Natürlich ist dieses Eingeständnis ablenkend und unehrlich. Denn nicht irgend ein "man" glaubte damals, sondern die WTG trat damals mit dem Anspruch auf, das "durch die Heilige Schrift bewiesen" zu haben!
3. Die große Pyramide von Gizeh in
Ägypten
Ein weiteres "feierliches und irrtumsloses
Zeugnis" oder "Zeichen der Zeit" war, dann die Große Pyramide von Gizeh in
Ägypten, seinerzeit in heute kaum vorstellbarer Aufmachung proklamiert als Erfüllung von
Jesaja 19:19, 20:
Wahrlich, in der Großen Pyramide wird
"das Unsichtbare [Gottes Plan] von der Erschaffung der Welt an in dem Gemachten
wahrgenommen [mit dem Verstande]." - Römer 1:20
siehe, da schreien gerade die Steine dieses großen
Pyramiden-Zeugen in keinen ungewissen Lauten. Jeder Zoll dieses massiven Bauwerkes ist
beredt in der Verkündigung der Weisheit und Macht und Gnade Gottes.
Fest eingefügt in dieses solide Felsengebäude,
haben die äußeren Umrisse des großen Planes Gottes 4
000 Jahre lang gestanden, zubereitet, zur vorausbestimmten Zeit ihr Zeugnis abzulegen, zur
Bestätigung des auf ähnliche Weise geoffenbarten aber zeitalterlang verborgenen
Zeugnisses des festen prophetischen Wortes. Das Zeugnis dieses "Zeugen dem Jehova im
Lande Ägypten" und das des geschriebenen Buches erweisen mit feierlicher und
irrtumsloser Bestimmtheit auf den schließlichen Zusammenbruch der alten Ordnung der Dinge
in den "Abgrund" der Vergessenheit hin, und auf die glorreiche Herstellung der
neuen Ordnung unter Christo Jesu, dem großen Haupt-Eckstein des ewigen Baues Gottes.
(Schriftstudien III von 1890, Magdeburg 1926, S. 363, 366)
Der nächsten Generation wurde dann
verkündigt:
Eine Zeitlang haben Schriftforscher diese Prophezeiung
ernsthaft auf die "große Pyramide" in Ägypten angewandt; aber seitdem der Herr
zu seinem Tempel gekommen ist und die Blitzstrahlen Gottes sein Wort erleuchten, kann die
Tempelklasse wahrnehmen, daß sich diese Prophezeiung in keiner Weise auf einen
Steinhaufen in Ägypten bezieht.
(Prophezeiung, S. 217, Magdeburg 1929)
Auch hier wird geschickt, aber unehrlich, von der WTG auf anonyme Schriftforscher abgelenkt.
4. Der politische Zionismus
Als "überzeugendster" Endzeitbeweis wurde auch
der politische Zionismus proklamiert und unterstützt:
Jesus sagte weiter, daß das Wiedereinsammeln Israels nach
Palästina (Lukas 21:24) einer der überzeugendsten Beweise seiner Gegenwart und des Endes
der Welt sein würde.
(Die Harfe Gottes, S. 234, Magdeburg 1926)
WTG-Präsident J. F. Rutherford ging
hier tatkräftig voran:
Richter Rutherford, der in der ganzen Welt als
uneigennütziger Freund des jüdischen Volkes bekannt ist, unterstützt den Anspruch der
Juden auf das heilige Land in tatkräftiger Weise.
(Trost für die Juden, Vorwort, 1925, dt.)
Als Beweis für eine göttliche
Überwaltung des politischen Zionismus wurde weltweit verkündigt:
Ein menschliches Skelett besteht aus 206 Knochen. Der
Zionismus wurde im Jahre 1897 in Basel, Schweiz, zu einer Körperschaft organisiert; und
an jenem Kongreß, der die Organisation vollendete, waren genau 206 Delegierte anwesend,
genau die Zahl wie die Zahl der Knochen des Menschenskelettes. Das war kein bloßer
Zufall, sondern eine augenscheinlich von dem Herrn angeordnete Tatsache, und zeigt, daß
der Herr auch die kleinsten Dinge in Verbindung mit der Wiederherstellung der Juden und
ihrer Wiederbringung zu Gott überwaltet
(Leben, S. 177f, Magdeburg 1929)
Ab 1932 wurde dann der Welt das
Gegenteil davon als Wahrheit verkündigt:
Durch die Veröffentlichung von Band 2 des Buches Rechtfertigung
in jenem Jahre erkannten Jehovas Zeugen, daß eine solche
"Zurück-nach-Palästina"-Bewegung vom Geiste des Erzfeindes Jehovas in die Wege
geleitet wurde, von Satan, der die ganze bewohnte Erde betrogen hat.
(Der Wachtturm, 15. Juli 1955 dt. S. 424)
5. Das Ende der himmlischen Berufung
Ein kennzeichnendes Ereignis in der proklamierten
"Zeit des Endes" soll auch die Beendigung der himmlischen Berufung für Christen
sein. Zuerst wurde hierfür "in genauer Übereinstimmung mit der Bibel" das Jahr
1881 öffentlich verkündet:
Die Pyramide sagt hiermit zu uns: "Sieben Jahre vor
dem Schlusse des hohen Rufes (vor Oktober 1881) wird der Erhabene vom Himmel
zurückkommen." Und sie deutet ferner an, daß sich von jener Zeit - von Oktober 1874
- an, wie durch das Überlehnen der südlichen Wand angedeutet wird, der Ruf allmählich
sich seinem Schlusse nähern und 1881 völlig enden würde. Dies ist, wie man bemerken
wird, in genauer Übereinstimmung mit dem Zeugnisse der Bibel
(Schriftstudien III von 1890, Magdeburg 1926, S. 354)
Für die nächste Generation wurde
dieser Termin dann auf das Jahr 1931 verschoben:
Bis zum Jahre 1931 war anscheinend der ganze Überrest der
"lebendigen Steine" des geistigen Tempels in Jehovas sichtbare Organisation
eingesammelt worden.
(Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 264, Wiesbaden
1958)
Im Hinblick auf die Verschiebung aller
"Zeichen der Zeit" in die kommende Generation nach 1975 wird nun auch dies mit
unbestimmten Termin in die Zukunft verschoben:
Natürlich werden nicht mehr durch die "Tür"
hinein- und zur Teilnahme am Hochzeitsfest zugelassen als erforderlich ist, um die Zahl
von 144 000 Gliedern der himmlischen "Braut"-klasse vollzumachen. (Offenbarung
7: 4-8; 14: 1-5) Aber wann wird die "Tür" auf höheren Befehl geschlossen? Das
geschieht, wenn die "große Drangsal" zu der von Gott bestimmten Zeit beginnt
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
202, Wiesbaden 1973)
6. Das Ersehnte aller Nationen
Die große Verkündigungsattraktion nach dem ersten
Weltkrieg, als Harmagedon das erstemal verschoben wurde, war das WTG-Buch "Die Harfe
Gottes". Das, worauf sich alle Sehnsucht vergeblich konzentriert hatte, wurde nun der
Welt für die Zukunft wie folgt verkündigt:
Haggai spricht, indem er sagt: "Und ich werde alle
Nationen erschüttern; und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich werde dieses
Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht Jehova der Heerscharen". (Haggai 2:7) Wenn
diese große Erschütterung vorüber ist, dann wird das Ersehne aller Nationen kommen,
nämlich eine aufrichtige, gerechte Regierung, die im Interesse der Menschheit unter der
Aufsicht des großen Messias ausgeübt wird
(Die Harfe Gottes, S. 258, Magdeburg 1926)
Als nach dem zweiten Weltkrieg
Harmagedon zum zweitenmal aus den Köpfen "verscheucht" worden war, ließ die
WTG alle Zeugen sich selbst bei Haggai entdecken:
Jedoch wurde erst im Jahre 1953 auf dem unvergleichlichen
internationalen Kongreß der Zeugen Jehovas im Yankee-Stadion der Stadt New York
enthüllt, daß "das Ersehnte aller Nationen", das herbeikommen sollte, diese
große Volksmenge ist, diese große Menge von Anbetern Jehovas, die Gefährten des
geistlichen Überrests geworden sind.
(Auch du kannst Harmagedon überleben, S. 265, Wiesbaden
1958)
Und das, was allen Nationen zuvor auf der "Harfe Gottes" vorgespielt worden war?
7. Die Joel-Heuschrecken
Als ausschlaggebende Macht zur Vernichtung "der
gegenwärtigen Ordnung" im Harmagedon von 1914 wurde besonders seit 1897 folgende
Erfüllung einer Joel-Prophezeiung verkündet:
Betrachten wir die prophetische Beschreibung dieser
großen Armee (Joel 2: 2-11):
"Ein großes und mächtiges Volk, desgleichen her
nicht gewesen ist und nach ihm nicht mehr sein wird bis in die Jahre der Geschlechter und
Geschlechter. Vor ihm her verzehrt das Feuer, und nach ihm lodert die Flamme; vor ihm ist
das Land wie der Garten Eden, und nach ihm eine öde Wüste
Der Herr wird sich dieser
Unzufriedenen, Unwissenden und Hoffnungslosen, ihrer Träume, Befürchtungen, Torheiten
und ihrer Selbstsucht bedienen, um die gegenwärtige Ordnung zu vernichten
Nur deshalb heißen sie "des Herrn großes
Heer". Die Heiligen, alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen als seine
"lieben Kinder", haben nichts zu schaffen mit diesem Teile des
"Streites".
(Schriftstudien IV von 1897, S. 418, Barmen 1923)
Als von der nächsten Harmagedon-Verkündigung
von 1925 wieder abgelenkt werden mußte, wurde auch Joel 2:1-11 anders ausgelegt. Eine
massive antikommunistische Hetze wurde jetzt zur Ablenkung mit ins Spiel gebracht. Unter
der Schlagzeile "Die gelbe Gefahr in ihrer neuesten Form" schockte die WTG:
"Unwillkürlich wird man da an das Prophetenwort
erinnert (Joel 2: 1-11): "Sie rennen wie die Helden, wie Kriegsleute ersteigen sie
die Mauer (also die chinesische)
daß Moskau hinter den sich bekämpfenden chinesischen
Generälen steht und diese der Sowjetregierung Millionenheere zur Bolschewisierung
Europas, im Falle des Sieges, zugesichert haben, so muß der zerrüttete Westen mit Recht
sorgenvoll seine Blicke nach Osten wenden.
(Das Goldene Zeitalter, Nr. 4, S. 9, 15. Febr. 1925,
Magdeburg)
Der Generation nach dem zweiten
Weltkrieg wird nun gepredigt, die Zeugen Jehovas selbst seien diese
Joel-Heuschreckenheere, rückwirkend bis 1926 schon. Die antikommunistische Hetze wird,
neu aufgeputzt, allerdings nunmehr beibehalten:
Die Einheit der symbolischen Heuschrecken ist in Joel
2:2-11 noch ausführlicher beschrieben. Sie werden dort als ein Volk geschildert, und das
sind sie wirklich in der Erfüllung der Prophezeiung.
In jenem denkwürdigen Jahr (1926) begann die symbolische
Heuschreckenplage, die in der Prophezeiung Joels und in der Offenbarung beschrieben wird.
Und auch die Mauern, die der russische Kommunismus
errichtete, konnten Jehovas symbolisches Heuschreckenheer an seinem Vormarsch nicht
hindern.
(Der Wachtturm, 1. März 1962, dt. S. 144ff)
Diese Joel-Auslegung von 1962 wurde speziell abgestimmt mit der allgemeinen westlichen politischen Mauer-Hetze gegen die Grenzsicherungs-Maßnahmen 1961 seitens der DDR, einer der vielen antikommunistischen politischen Bibelmißbräuche durch die WTG heutzutage.
8. Die Auferstehung der Fürsten
Als einmaliges und entscheidendes "Zeichen des
Endes" wurde auch eine Auferstehung der "alttestamentlichen Überwinder"
als "Fürsten der neuen Welt" herangezogen. Sie wurde der Welt das erstemal für
1914 verkündigt:
Die Einsetzung der irdischen Regenten aber dürfen wir
nicht vor Ablauf der "Zeiten der Heiden", Nationen, im Okt. 1914 erwarten. Darin
liegt keine Abweichung von Gottes unabänderlichem Plan.
(Schriftstudien IV, S. 325, Barmen 1916)
Als die dritte Harmagedon-Voraussage
von 1939/45 verdrängt wurde, wurde einfach proklamiert, diese Auferstehung sei vor dem
nächsten Termin zu erwarten:
Einige Bibelaussagen und prophetische Dramen deuten an,
daß sie noch vor der Schlacht von Harmagedon zum Leben erweckt werden
(Die Wahrheit wird euch freimachen, S. 360, Brooklyn 1946
dt.)
Dann auf einmal brachte "Der
Wachtturm" die erstaunliche Erklärung, diese Fürsten seien seit 1919 schon da:
Sollen wir aus dem Umstand, dass Christus Jesus zur Zeit
der Geburt des Königreiches im Jahre 1914 zu regieren begonnen hat, folgern, dass seine
Fürsten seither in Gerechtigkeit sichtbar auf Erden geherrscht haben? Jawohl, doch vom
Jahre 1919 an.
(Der Wachtturm, 1. März 1952, Wiesbaden)
Daß die Diener oder Aufseher der
WTG-Organisation "in Gerechtigkeit herrschende Fürsten" seien, war ohne Zweifel
der Gipfel der Vermessenheit dieser Bibelauslegung. Immerhin wurde sie mit
"gewaltigem, anhaltendem Applaus und Jubel" von über 100 000 Zeugen Jehovas auf
dem internationalen Kongreß 1950 in New York aufgenommen (Jehovas Zeugen in Gottes
Vorhaben, S. 252, Wiesbaden 1960). Was für ein bedenkensloser Glaubenstaumel! Was für
eine Glaubensmanipulierung! Nun verweist die WTG diese 1919 Auferstehung selbst ins Reich
der Vermessenheit und Aufgeblasenheit:
der ruhmreiche König Jesus Christus wird am Anfang seiner
Tausendjahrherrschaft aus seinen irdischen Kindern 'Fürsten für die ganze Erde'
auswählen. Eine Anzahl dieser "Fürsten" wird aus den "Lebenden"
hervorgehen, die die "große Drangsal" überlebt haben
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
134f, Wiesbaden 1973)
Und diese "große Drangsal" liegt neuerdings auch unbestimmt in der Zukunft.
9. Was ist Religion?
Die Vermessenheit und Aufgeblasenheit des
WTG-Endzeitgeistes, wie er sich oftmals im WTG-Hauptbüro in Brooklyn überschlagen. hat,
zeigt sich auch in fundamentalistischen Begriffsverdrehungen. .So wurde als höchste
theokratische Wahrheit verkündet und gelehrt, jeden vernünftigen Menschen vor den Kopf
stoßend:
"Religion" ist jedes Tun, das
Jehovas Willen widerspricht. Für Ohren, die auf die Begriffe der religiösen
"Christenheit" abgestimmt sind, klingt diese Worterklärung zweifellos höchst
seltsam.
(Theokratische Hilfe für Königreichsverkündiger,
Lehrstück 72, S. 303, Wiesbaden 1950)
Als diese fundamentale Falschausrichtung der ganzen internationalen Organisation aufgegeben werden mußte, wurde das geschickt mit einer aggressiven antikommunistischen Ablenkung nach außen verbunden, auffällig mit einer ähnlichen westlichen antikommunistischen Propagandahetze:
Nach der einfachsten Erklärung
bedeutet das Wort "Religion", so wie es gebraucht wird, ein System der
Verehrung, eine Form der Anbetung, sei es nun wahre oder falsche Anbetung.
Müssen wir folgern, dass auch die Kommunisten religiös
sind und sich gemäss dem Glaubensbekenntnis ihrer Partei einem Kult hingeben.
Satan den Teufel, für die Anbetung, die sie ihm
darbringen
(Was hat die Religion der Menschheit gebracht?, S. 10,
343, Wiesbaden 1953)
Offensichtlich kam es der WTG zu dieser Zeit zugleich auch auf eine neue religiös aussehende Motivierung ihrer Politik des Antikommunismus an, nunmehr im Rahmen des allgemeinen westlichen antikommunistischen psychologischen oder kalten Krieges der fünfziger Jahre. Im Jahre 1969 dann wird der Kommunismus unmerklich aus dem Begriff "falsche Religion" wieder herausgenommen (Der Wachtturm, 1. Febr. 1969 Nr. 3 dt.) Niemand machte sich ein Gewissen daraus, Hunderttausende Verkündiger jahrelang unter solchen falschen Fahnen gegen den Kommunismus hetzen zu lassen, die zwischenmenschlichen Beziehungen vergiftend.
10.
Die Elia-Elisa-Erfüllung
Eine andere fundamentale endzeitliche Bibeldeutung bezieht
sich auf die Ablösung des alttestamentlichen Propheten Elia durch seinen Nachfolger
Elisa, um das WTG-Werk heute als endzeitlich glaubwürdig erscheinen zu lassen. Zum
erstenmal wurde das angewendet auf den Wechsel in der WTG-Administration von C. T. Russell
auf J. F. Rutherford, um aus dem organisatorischen und geistigen Zusammenbruch im ersten
Weltkrieg herauszukommen:
Das durch den Propheten Elia vorausgesagte Werk
der Versammlung Gottes hörte 1918 auf, und das Elisa-Werk begann 1919
(Prophezeiung, S. 222, Magdeburg 1929)
Jehova gab seinem Volk im Jahre 1919
zum ersten Male ein Verständnis dieser Prophezeiung. (Siehe "Wachtturm" 1919,
Seite 157/158)
(Rechtfertigung II, S. 295, Magdeburg 1932)
Was 1919 als von Jehova verkündet
wurde, wurde für die nächste Generation vom 3. WTG-Präsidenten N. H. Knorr als
"menschliche Erwartung" verworfen, um biblisch glaubhaft zu bleiben, als auch
1939 kein Harmagedon begonnen hatte:
"In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war das Werk der
Elia-Klasse
viel länger weitergegangen als nach menschlichen
Erwartungen angenommen worden war.
Das Elia-Werk verging 1942, inmitten der Wehen des 2.
Weltkriegs.
Der öffentliche Vortrag des Präsidenten Er verscheuchte
alle Gedanken daran, daß der 2. Weltkrieg dem universellen Krieg von Harmagedon enden
werde.
(Dein Name werde geheiligt, S. 319, 326, 329, Wiesbaden
1963)
Was wird man in dieser Frage konstruieren, wenn die gegenwärtige, nun auch überalterte Leitende Körperschaft mi t N. H. Knorr dahinstirbt?
11. Das Zeichen des Sohnes des Menschen
Als Beweis für eine heutzutage eingetretene "Zeit
des Endes" wurde auch ein "Zeichen des Sohnes des Menschen", Christi, laut
Matth; 24:30 herangezogen, das sich "erfülle". Die erste Anwendung erfolgte auf
die für 1874 proklamierte Wiederkunft Christi, wie u. a. in Schriftstudien II von 1889
verkündet wurde. Logischerweise mußte auch dies auf die nächste Generation verschoben
werden. Beachte, wie diese "Erfüllung" jetzt "ersichtlich" gemacht
wird:
Indem wir Geistliches mit Geistlichem
vergleichen' und Gottes Wort sich selbst auslegen lassen, wird ersichtlich, was das
Zeichen des Sohnes des Menschen ist, nämlich der aus Gottes Wort und seiner Erfüllung
erbrachte Beweis dafür, daß Gottes "Weib" Zion, seine heilige
Universalorganisation, das Königreich Gottes geboren oder hervorgebracht hat.
erst nach 1918, wurde dieses Zeichen gesehen.
(Die Wahrheit wird euch freimachen, S. 299 f, Brooklyn
1946 dt.)
Angesichts der Notwendigkeit, jetzt
nach, 1975 weiter zu verschieben, heißt es nun:
Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen im
Himmel erscheinen, - Matthäus 24:30.
Das bezieht sich nicht auf den Beginn seiner Parusie oder
auf seine Ankunft im Geist, sondern auf sein
"Komme"' (griechisch: erchomenon) zur Zeit der 'großen Drangsal'
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
326, Wiesbaden 1973)
Da diese Drangsal neuerdings noch bevorsteht und auch das 1975-Ende wieder verdrängt wird, wird auch die "Zeichen"-Erfüllung schon durch mehrere Generationen einhergeschoben. Die mit höchstem Wahrheitsanspruch verkündete Selbstauslegungsmethode von 1943 interessiert niemanden mehr. Was für eine Willkür im Namen Gottes!
12. Obrigkeitliche Gewalten
Sehen wir zuerst die verschiedenen endzeitlichen Deutungen
der für Christen lebenswichtigen Worte über die "obrigkeitlichen Gewalten" in
Römer 13:1-7, seitens der WTG jedesmal weltweit proklamiert.
Im "Wachtturm" vom Juli 1929
verkündete die WTG:
Ist es nicht klar, daß die Worte des Apostels Paulus ganz
entschieden verkehrt ausgelegt worden sind, wenn man sie auf die Regierungen dieser Welt
anwandte?
Ist es nicht vernünftiger, anzunehmen, daß Gott seine
Worte ausschließlich an jene obrigkeitlichen Gewalten. richtet, die in der Organisation
Gottes bestehen und funktionieren.
Viele Schrifttexte und weitere Argumente folgten, um diese
Forderung zu stützen.
Dieser neue Gesichtspunkt vom Verhältnis des Christen zu
den Regierungen dieser Welt erfüllte Jehovas Zeugen mit, neuem Eifer
(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 215, Wiesbaden
1960)
Dazu wurde proklamiert:
Der Herr hat seit dem Kommen zum Tempel seinem Volk seine
Wahrheit klargemacht,
Sie sind nun fähig, deutlich zu sehen - und sehen es auch
-, daß sich die "höheren Mächte" oder "obrigkeitlichen Gewalten"
nicht auf irgend jemand in der Organisation Satans beziehen, wie sie früher geglaubt
hatten, sondern daß diese "höheren Gewalten" die Herrschenden in der
Organisation Gottes sind.
(Rechtfertigung II, S. 270, Magdeburg 1932)
Die eigenen Glaubensbrüder wie auch
alle anderen Christen wurden öffentlich verächtlich gemacht:
Solche Religionisten behaupten, daß diese Herrscher die
in der Bibel erwähnten "obrigkeitlichen Gewalten" seien,
(Gott bleibt wahrhaftig, S. 259, Brooklyn 1948 dt.
Dies wurde über 30 "Endzeitjahre" lang gelehrt und verkündigt. Wer das nicht anerkannte, wurde rücksichtslos als "Rebell gegen Gott" ausgeschlossen. Ein internationaler Verkündigungsfeldzug im Jahre 1949 wurde unter der Schlagzeile durchgeführt: "Gangster in Amt und Würden. Überzeugender Beweis dafür, daß Politiker nicht die 'von Gott verordneten obrigkeitlichen Gewalten' sind". (Erwachet, 8. 11. 1949, Nr. 21, Bern, Schweiz)
Plötzlich wurde mit dem
"Wachtturm" vom 1. Jan. 1963 dt:. als ob es nie anders gewesen wäre, wieder das
Gegenteil verkündigt. Die WTG hat die Stirn, das wie folgt zu kommentieren:
Der Ausdruck "obrigkeitliche Gewalten" bedeutet
politische Regierungen oder Gewalten. Gemäß dem, was der Apostel Paulus vor und nach
diesen Versen (Römer 13:1, 2) schreibt, ist es leicht verständlich, daß er nicht
"Gewalten" innerhalb der "Versammlung Gottes" meint, sondern
außerhalb der Versammlung und daher die politischen Regierungsgewalten.
Die Religionssysteme der Christenheit
sind beschämenderweise der Übertretung dessen, was der inspirierte Apostel Paulus hier
zu sagen hatte, schuldig geworden.
(Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 188,
Wiesbaden 1967)
Eigentlich ist hierzu jeder Kommentar überflüssig. Doch: Ist es nicht skrupellos, andere genau dessen zu bezichtigen, was man hier selbst begangen hat? Wieviele Tränen, Opfer, was für Verluste an Freiheit, Gut und Leben hat die WTG gerade mit dieser Bibelverdrehung seit 1929 über 30 Jahre lang heraufbeschworen! Und am Ende diese Skrupellosigkeit. Niemand sollte sich Illusionen darüber machen, wen man in der WTG-Führung vor sich hat.
13. Das Ältestenamt
Die Versammlungen waren zu Anfang als Bibelforschergruppen
unter selbstgewählten Ältesten "mündige" christliche Gemeinden. Diese
Ältesten wurden nach Apostelgeschichte 14:23 schriftgemäß von der Versammlung durch
Handaufheben gewählt (griech. cheirotoneo = handaufheben ). Mit dieser selbständigen
Ältestenschaft war die Weiterführung des Werkes nach dem Fehlschlag der ursprünglichen
Endzeitlehren über den 1. Weltkrieg hinaus entsprechend dem Vorhaben J. F. Rutherfords
nicht möglich. Rutherfords Plan war zwar weiter eine "endzeitliche"
Gemeinschaft, jedoch unter seiner zentralistischen Führung, die religiös und politisch
so arbeitet, wie es von oben bestimmt wird, und zwar bedingungslos. Erst 1938 war dieses
diktatorische Befehlssystem durchgesetzt, als "theokratisch" bezeichnet.
Nach langwierigen geistigen und
organisatorischen Vorbereitungen wurde 1932 zum entscheidenden Schlag gegen die
mißliebigen Ältesten ausgeholt:
Der Wachtturm enthielt in seinen Ausgaben vom 15.
September und 1. Oktober 1932 den zweiteiligen Artikel "Jehovas Organisation".
Dieser stellte das "Wahlältesten"-System als etwas bloß, das nach der unreinen
Verfahrensweise dieser Welt funktioniere und nicht gemäß den Grundsätzen des großen
Theokraten, der sein Heiligtum von oben nach unten regiert. Der Artikel schloß mit der
Darlegung einer Resolution und der Empfehlung an alle Versammlungen, sie anzunehmen.
Daß Gottes Regierung eine reine
Gottesherrschaft ist, daß Christus Jesus sich im Tempel befindet und den vollen Befehl
und die volle Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas wie auch über die
unsichtbare innehat und daß "DIE GESELLSCHAFT" der sichtbare Vertreter des
Herrn auf Erden ist.
(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148f, Wiesbaden
1960)
Mit übelsten öffentlichen
Verunglimpfungen und Schmähungen wurden die Ältesten, die sich diesem
"theokratischen" Befehlssystem nicht beugten, vertrieben:
ein Ältester mag wie ein stößiger, rücksichtsloser
Bock geartet sein
Diese hochnäsigen und riechenden Böcke sind fett
geworden
Diese Egoisten trampeln auf der vom Herrn bereiteten
Speise herum, suchen sie mit ihren schmutzigen Füßen zu besudeln
Während der Eliaperiode der Versammlung Gottes haben
diese Selbtsüchtigen das Beste gegessen
Der treue Überrest hat sich aber nun vom Einfluß der
"Böcke" abgekehrt; sie gehen mit dem Werke voran und verkündigen das Zeugnis,
das nach Gottes Gebot gegeben werden soll.
(Rechtfertigung II, S. 239-41, Magdeburg 1932)
Schließlich wurde für die Periode bis
1938 erklärt:
Am Ende dieser neuzeitlichen Zwanzigjahrperiode wurde
Jehovas Organisation somit weltweit geeint und unter dem König Jesus Christus
vollständig organisiert
(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 149, Wiesbaden
1960)
Die nicht hinwegzudiskutierenden
Ältesten-Bibelaussagen wurden hemmungslos umgedeutet:
"Diese Verse können schriftgemäß nicht so gedeutet
werden, als ob man Männer in den Versammlungen als 'Älteste' titulieren müßte, die ein
'Ältestenamt' innehätten. Der Ausdruck 'Ältestenamt' kommt in der Schrift nicht
vor".
(Der Wachtturm "Zum Schlußwerk organisiert",
Abs. 32 Oktober 1945 dt. Magdeburg)
Inzwischen ist wieder eine neue Generation herangekommen. Auch der 1975.-Termin vergeht. Eine weitere Zeitperiode muß vorbereitet werden, auch organisationsmäßig. Die Organisation mit ihren Druckereien und Fabriken will doch weiterarbeiten. So scheint die WTG die Zeugen Jehovas als Religionsgemeinschaft nunmehr doch auf eine weitere langzeitliche Tätigkeit unter endzeitlichem Vorzeichen unter den Bedingungen der zwei Gesellschaftsordnungen des Kapitalismus und Sozialismus in der Welt unauffällig hinzuorientieren. Noch allerdings unter Beibehaltung des Antikommunismus. Organisatorisch wird versucht, diese Umstellung und Fortführung des Werkes durch eine Wiederhervorholung des einst verfluchten und fertiggemachten biblischen Ältestenamtes abzusichern. Mit den Kongressen des Jahres 1971 begann das
Sicherlich erinnerst du dich noch, daß
in dem Vortrag "Die theokratische Organisation inmitten der Demokratien und des
Kommunismus" gesagt wurde, daß der Versammlungsdiener als Vorsitzender der
Versammlung amtet.
Gemäß der biblischen Darlegung, die wir gehört haben,
ist der Versammlungsdiener sowohl ein "älterer Mann" oder Ältester
(Der Wachtturm, 15. Februar 1972, S. 119)
Damit wurde, allerdings nicht ohne erhebliche Schwierigkeit, ab 1972 das Ältestenamt wieder eingeführt. In Wahrheit aber nur der Titel dieses Amtes. Doch schon das nur ist ein vernichtendes Selbsturteil über die "vollständige" Organisiertheit von 1938 und die entsprechenden Umdeutungen von 1945. Jedoch an dem Befehlssystem "von oben" wurde nichts geändert. Im Gegenteil, ein bestimmtes Ältesten-Turnus-System dazu sichert eine noch bessere "von oben" kontrollierte Überwachung und sofortige Unterbindung jeglicher Selbständigkeit. Auch die Ernennung der Ältesten nimmt die WTG, unabhängig "von unten", selbst vor. Ihre biblische Wahl ist nicht wider zugelassen. Die Versammlungen bleiben weiter entmündigt. - So zeigt auch die Ältestenfrage die unglaubliche Willkür der endzeitlichen WTG-Bibelanwendung.
14. Die "Tier"-Erfüllung
Eines der tragenden Elemente der WTG-"Zeit des
Endes" ist die Deutung des "Tieres aus dem Abgrund" in Offenbarung Der
Generation vor dem 1. Weltkrieg wurde das so verkündigt:
Das Tier, welches du sahest: Der Antichrist.
War: Übte tatsächliche Herrschaft bis 1799 n. Chr. aus.
Und ist nicht: Hat nicht einmal eine Spur weltlicher Macht
seit 1870 gehabt. Seitdem ist es im Zustande der Vergessenheit, dem "Abgrunde",
gewesen.
Wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und
WIEDER da sein wird: Das päpstliche Reich wiederhergestellt.
(Schriftstudien VV von 1917, S. 355 ff, Magdeburg 1925)
Die Generation von damals verging und
die WTG modelte diese "Erfüllung" um:
Das achte "Tier" ist 1899 als das "Haager
Weltgericht" ins Dasein gekommen.
Es ging 1914 in den Abgrund und 'war nicht' und kam nach
dem Kriege wieder hervor
in der Gestalt der Völkerliga aus dem Abgrund
(Licht II S. 103f, Magdeburg 1930)
Durch den 2. Weltkrieg wurde auch diese
"Erfüllung" haltlos und unglaubwürdig. Es wurde erneut umgemodelt:
als damals der katholische Nazi-Diktator Hitler im September 1939
den Zweiten Weltkrieg entfachte.
Damals ging der Völkerbund in den Abgrund. Mit
verblüffender Übereinstimmung damit erkannten Jehovas Zeugen im Jahre 1942, also mitten
im Zweiten Weltkrieg, daß dieses internationale Tier gleichsam im Abgrund war, und sie
wiesen auf Offenbarung 17:8 hin, wo die Voraussage enthalten war, daß das Tier nach dem
Zweiten Weltkrieg aus dem abgrund heraufsteigen werde
die Vereinten Nationen.
Jehovas Zeugen erkannten sogleich, daß das
scharlachfarbene wilde Tier nun aus dem Abgrund heraufgestiegen war.
(Babylon die Große ist gefallen, S. 586f, Wiesbaden 1965)
Es ist kaum zu fassen, mit welcher Unverfrorenheit die WTG auch hier neue endzeitliche "Zeichen" konstruiert, wenn ihre vorhergehenden Deutungen sich als unzutreffend erweisen. Auf dem internationalen Kongreß 1953 in New York beging WTG-Präsident N. H. Knorr dazu die Vermessenheit, die dritte "Tier"-Deutung auch antikommunistisch auszurichten. Er proklamierte:
Als das 'abscheuliche Ding' im Jahre
1945 aus dem Abgrunde heraufkam, gehörten gleich von seinem Anfang an mächtige Glieder
des kommunistischen anti-religiösen Blocks der Nationen dazu."
(Dein Name werde geheiligt, S. 339, Wiesbaden 1963)
Zwanzig Jahre währte dieser antikommunistische politische Mißbrauch der Offenbarung der Bibel, und die entsprechende politische Verleumdungstätigkeit der Zeugen Jehovas. Wer sich dagegenstellte, wurde als "Agent des Ostens" und "Rebell gegen Gott" ausgeschlossen. Plötzlich ist seit 1973 das genaue Gegenteil von dem die Wahrheit, was N. H. Knorr 19053 international proklamierte:
Auf die Ostblockstaaten treffen die
Worte "das wilde Tier, [das] war, aber nicht ist und doch gegenwärtig sein wird" nicht zu -
Offenbarung 17:8
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
309, Wiesbaden 1973)
15. Die endzeitlichen Posaunen
Insgesamt hat die WTG die Offenbarung der Bibel schon
dreimal im Interesse ihrer endzeitlichen Verkündigung anders ausgelegt. Der jeweiligen
Generation als unkritisierbares, zuverlässiges und glaubwürdiges "Licht von
Gott". Dies erfolgte zusammengefaßt in den Standardwerken Schriftstudien VII, "Das
vollendete Geheimnis" von 1917, in den beiden Bänden "Licht" von 1930 und
in den beiden jetzt geltenden Büchern "Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet"
von 1969/1970 und "Babylon die Große ist gefallen" von 1963/1965
Ein weiterer Eckpfeiler des von der WTG
aufgebauten endzeitlichen Gebäudes sind ihre Verkündigungen in "Erfüllung" der
Engelsposaunen in Offenbarung 8. Wir wollen das am Beispiel der zweiten
Engelsposaune überprüfen, typischer Aussagen der WTG hierzu.
Und der zweite (Engel) posaunte: Die anglikanische
Kirchenbewegung nahm ihren Anfang.
Und der dritte Teil: Der englische Teil.
Der Geschöpfe: Die aus der römisch-katholischen Kirche
stammende Geistlichkeit,
Welche im Meere waren: Nicht länger unter dem religiösen
Zwang des Papsttums.
Die Leben hatten: Die Apostolische Nachfolge.
Starb: Wurden vom Papst in den Bann getan,
Und der dritte Teil: der englische Teil.
Der Schiffe: Unabhängige Christengemeinschaften, Lollards
genannt, Nachfolger Wycliff's - Mark. 4:36; 6: 48-51; Johannes 6:21.
(Das vollendete Geheimnis, S. 192, 194, von 1917 Magdeburg
1925)
1930 ist das alles restlos verworfen. J. F. Rutherford verlegte diese "Erfüllung" einfach aus dem 16. Jahrhundert (Anfang der Anglikanischen Kirche) in die WTG-Tätigkeit, auf die 6 WTG-Kongresse von 1922 bis 1927. Das sei die Erfüllung jener 6 Engelsposaunen. Wer das nicht glauben und verkündigen wollte, wurde ebenfalls ausgeschlossen.
Wie "erfüllte" sich die
zweite Posaune jetzt?
Dann folgte das Posaunen des zweiten Engels. Ein Kongreß
des Volkes Gottes tagte am 25. Aug. 1923 in Los Angeles, faßte einen Beschluß, der unter
dem Titel "Eine Warnung" als Resolution ausgesandt wurde.
"Es
starb der dritte Teil der Geschöpfe, welche im Meere waren, die Leben hatten, und der
dritte Teil der Schiffe wurde zerstört." Das "Meer" bedeutet im Sinnbild die Völker der sogenannten Christenheit.
Ein "Schiff" stellt die Machtgruppe des Großgeschäfts dar, und die Leben
hatten, die also genug von der Wahrheit aufgenommen hatten,
(Licht I, S. 114 ff, Magdeburg 1930)
Als dies 1930 als "Erfüllung" neukonstruiert wurde, als "Licht von Gott" hingestellt, erfolgte das in einem Gesamtrahmen, der sich nur auf die Generation nach dem 1. Weltkrieg als "Zeit des Endes" erstreckte. Der nicht einkalkulierte 2. Weltkrieg warf auch das über den Haufen. Zudem ergab sich dann für die WTG der Zwang, ihre endzeitliche Bibelauslegung jetzt möglichst vielseitig neu und angepaßt in den Dienst des allgemeinen westlichen Antikommunismus und Antisowjetismus zu stellen. So präsentierte die WTG im Jahre 1970 für die Generation nach dem 2. Weltkrieg eine "Engelsposaune", eine neue "zweite Posaune", die vorwiegend nur noch antikommunistisch und antisowjetisch "bläst":
"Ein Drittel der Geschöpfe im Meer, welche Seelen haben, starb" (Offenbarung
8: 8,9) Auf diese Weise zeigte Gott, daß durch keine dieser radikalen, revolutionären
politischen Bewegungen Leben in einem materialistischen Paradies auf Erden möglich war.
In Übereinstimmung mit diesem göttlichen Fluch führt
die radikale, revolutionäre, sozialistische, kommunistische Bewegung zum Tode
Dies ist das, was prophetisch geschildert wurde, nachdem
der zweite Engel seine Trompete geblasen hatte: "Und ein Drittel der
Schiffe wurde zerstört." (Offenbarung 8:9) Die radikalen, revolutionären,
sozialistischen, kommunistischen Regierungen werden keinen Erfolg haben,
wie es in dem 1928 veröffentlichten Buch der Watch Tower
Society, betitelt "Regierung", hieß:
Die Sowjetregierung ist kein Erfolg gewesen und wird es
nie sein.
(Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet, S. 259-63,
Wiesbaden 1970)
Wie kann man bei solchen haltlosen "Erfüllungs"-Konstruktionen und ihren der jeweiligen politischen Lage angepaßten Umfunktionierungen auch nur im Entferntesten von einer zuverlässigen und glaubhaften endzeitlichen Erfüllung biblischer Voraussagen sprechen? Das kann man doch angesichts der Tatsachen nur bei völliger Selbstdegradierung oder Degradierung zu einer Unterordnung, der jedes Rückgrat gebrochen ist.
16. Die endzeitlichen Schalen
Auch die Deutung der Engelsschalen aus Offenbarung 16
beleuchtet auf fundamentale Weise den haltlosen Charakter der WTG-Endzeit-Bibelauslegung.
Die zweite Schale sei Beispiel. Zuerst war dies die "Erfüllung":
Und der zweite (Engel) goß seine Schale aus auf das Meer:
Band II der Schriftstudien
Und es wurde zu Blut, wie von einem Toten;
daß ein jeder, der die Lehren von Band II annehme, in
hoffnungslosem Zustande sein müsse.
(Das vollendete Geheimnis, 1917, S. 318f, Magdeburg 1925)
Es war klar, daß die Lehren des II. Bandes von
1889 in der veränderten Situation der Generation nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr als
endzeitliche "Erfüllung" aufrechterhalten werden konnten. Und die WTG
proklamiert:
Der Anfang der Ausgießung der zweiten Schale greift
zurück auf den 25. August 1923, als anläßlich einer Hauptversammlung des Volkes Gottes
in Los Angeles die Resolution "Eine Warnung" angenommen und ausgesendet wurde.
Diese Schale wurde "auf das
Meer" ausgegossen
"Die Gesetzlosen sind wie das aufgewühlte Meer; denn
es kann nicht ruhig sein." (Jesaja 57: 20, 21) "Es wurde zu Blut wie von einem
Toten", womit gemeint ist, daß es keine lebengebende Kraft besitzt. Das Volk fing
an, zu begreifen, was für eine Gesellschaft von Heuchlern diese Geistlichkeit und ihre
Verbündeten eigentlich sind, und daß ihre Lehren gar keine belebende Kraft enthalten.
(Licht II, S. 23, Magdeburg 1930)
Für die Generation nach dem 2.
Weltkrieg wird auch diese endzeitliche Auslegung antikommunistisch umgemodelt, um
entsprechenden politischen Aufgabenstellungen gerecht zu werden:
Rußland und seine Satellitenländer sind gleich jenen,
die in Jesaja 57:20 und 21 beschrieben werden: "Aber die Gesetzlosen sind wie das
aufgewühlte Meer; denn es kann nicht ruhig sein, und seine Wasser wühlen Schlamm und Kot
auf. Kein Friede den Gesetzlosen! Spricht mein Gott."
In der Tat wurde das symbolische Meer
wie das "Blut
von einem Toten"; als der zweite Engel seine Schale des
Grimmes Gottes auf das "Meer" ausgoß.
Jede Seele starb, vom Standpunkt Gottes aus betrachtet.
Alle Radikalen und Revolutionäre und alle jene, die den gottlosen Kommunismus an die
Weltherrschaft zu bringen suchten, waren von Gottes richterlichem Standpunkt und vom
Standpunkt seiner Zeugen aus betrachtet wie tot.
(Babylon die Große ist gefallen, S. 535 ff, Wiesbaden
1965)
Erst war diese "zweite Schale" der zweite Band Schriftstudien, beides etwas zweites, das erwies sich in der Tat als gängig. Dann war es der zweite WTG-Kongreß (1923), ähnlich gängig. Wie aber ähnlich psychologisch geschickt den Kommunismus da hineinbringen? Da ist die Rede von Blut! Blut ist rot! Der Kommunismus hat rot als Symbol! Die Sache ist perfekt. Genau diese psychologische Methodik liegt hier zugrunde! Die WTG berechnet jeden Effekt. Dutzende von "Erfüllungen" schon sind auf Grund solcher blickfängerischen Merkmale zusammengestellt worden. Man muß nur hinsehen.
17. Gogs Horden
Das erste Ende der "Zeit des Endes" ließ die
WTG der Menschheit u. a. so verkündigen: Ein gewisser ."Gog mit seinen Horden"
werde in Palästina einfallen und so Harmagedon auslösen:
Und du wirst von deinem Orte kommen, vom äußersten
Norden her, du und viele Völker mit dir, auf Rossen reitend allesamt, eine große Schar
und ein zahlreiches Heer: Europas Heerscharen werden von den Ländern, die nördlich von
Palästina liegen, anstürmen (D 282), mit vielem Kriegsvolk, auf Rossen reitend, mit
Automobilen und Eisenbahn, ein ungeheures und gewaltiges Heer.
(Das vollendete Geheimnis, S. 750f, (1917) Magdeburg 1925)
Diese Deutung der Gog-Horden aus Hesekiel 38: 14-17 stand in Zusammenhang mit Israel bzw. dem Zionismus als "Zeichen der Zeit". Nachdem der Zionismus von Gotteswerk zum Teufelsbetrug befördert worden war, mußte man auch diese Gog-"Erfüllung" fallen lassen. Der Blickfang "Norden" bestimmte die zweite Deutung von 1932 für die nächste Generation:
Dieses bunte Gemisch, das Gog gegen
Jehovas Organisation heraufführt, was die irdische Organisation dieser Menge betrifft, an
die verschiedenartig zusammengesetzte Gesellschaft, die jetzt den Völkerbund bildet, und
zwar zusammen mit dem Britischen Weltreich, das buchstäblich seinen Sitz im Norden hat
(Rechtfertigung II, S. 317, Magdeburg 1932)
Natürlich "erfüllte" sich auch das nicht, traf auch das nicht ein. Keine Völkerbundscharen unter britischer Führung gingen vom Norden her gegen die Zeugen Jehovas vor, um Harmagedon auszulösen, abgesehen von der völligen Absurdität solcher Endzeit-Konstruktionen, wie sie dann ja auch wieder in der Versenkung verschwinden.
Was könnte mit dem Stichwort "Norden" nun gemacht werden? Wie könnte man Gogs Horden aus Hesekiel 38 für die nächste Generation deuten, nachdem sich mit dem Völkerbund für jeden Zeugen Jehovas erkennbar nichts ereignet hatte? 1958 lag es auf dem Tisch. Eine andere "Erfüllungs"Verschiebung, der "König des Nordens" aus Daniel 11 vom Hitlerfaschismus auf den Kommunismus, bot sich an:
Wenn der Teufel in seiner Rolle als Gog
von Magog "vom äußersten Norden her" zu seinem letzten Angriff übergeht,
wobei er alle seine Kräfte aufbietet, wird bestimmt der kommunistische König des Nordens
zu seinen Angriffsstreitkräften gehören.
(Dein Wille geschehe auf Erden, S. 286, Wiesbaden 1960)
Ein anderes neugedeutetes Endzeit-Zeichen, der "Friede-und-Sicherheits" Ruf mit Entspannung und Verhandlungen, steht jedoch wieder in Widerspruch zu dieser dritten Gog-"Erfüllung", ein kommunistischer Angriff würde Harmagedon auslösen. Wann und wie sollte das überhaupt möglich sein. Das WTG-Hauptwerk befindet sich doch in den kapitalistischen Hauptländern. So ist das doch wieder nichts weiter, als in die Bibelauslegung eingearbeitete antikommunistische Hetze. Damit erweist sich auch die dritte Gog-"Erfüllung" schon wieder als widerspruchsvoll, folglich unglaubwürdig und unhaltbar.
18. Der Ruf "Friede und
Sicherheit"
Die heutige "Zeit des Endes" abschließend, soll
sich laut WTG auch 1. Thess. 5:3 "erfüllen", wo es heißt. ."Wann
immer sie
sagen, Friede und Sicherheit! dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen".
Der Generation vor dem 1. Weltkrieg
verkündete die WTG, das habe sich mit den Friedensrufen des Religionsparlaments von 1893
in Chicago, USA, erfüllt (Schriftstudien IV. S. 124 ff (1899) Barmen 1916). Zwei
Generationen später, ab 1942, mitten im 2. Weltkrieg, wurde proklamiert, daß "vor
dem endgültigen Ende" die beiden Kämpfenden, die Demokratien des "König des
Südens" und der Faschismus als "König des Nordens", ihr Ziel erreichen
und eins werden und damit "alle Nationen totalitär". Dann komme folgendes:
Wenn sie verschmolzen sind und dadurch beide
"Könige" ihr Ziel erreicht haben, werden sie, um als nächstes j e d e Gefahr
einer Störung ihres Planes zur Weltbeherrschung auszuschließen, nur e i n e s tun: zum
Schlage gegen das Reich Gottes, die Theokratie, ausholen. Wie denn? Indem sie dessen
Vertreter und Verkündiger, die Zeugen Jehovas, angreifen. Ist das geschehen, werden die
religiösen und politischen Propheten und Vorhersager "Friede und Sicherheit!"
ausrufen (Die Neue Welt, S. 344, Brooklyn 1942 dt.)
Wer es 1942 nicht gleich erkannte, konnte es am Ausgang des zweiten Weltkrieges sehen: Was die WTG hier proklamiert hat war eine politische Fehlleistung und Irreführung größten Stils. Es kam alles völlig anders. Sie selbst veränderte dann später ihre "Königs-Erfüllungen"!
Im Hinblick auf die nun fälligen
Verschiebungen der Endzeit-"Erfüllungen" in die Generation nach 1975 werden die Daniel-Könige
hier nunmehr aus dem Spiel gelassen. Jetzt, ab 1973, 30 Jahre später, eine weitere
Generation später, heißt es:
Die politischen Führer der Welt wissen, daß niemand
gewinnen könnte, wenn sie in einen nuklearen Krieg verwickelt werden sollten. Überdies
verlangen die ernsten Probleme der Umweltverschmutzung, der
"Bevölkerungsexplosion" und andere innenpolitische Probleme Aufmerksamkeit und
Geld. So haben die Herrscher angestrengt auf eine Entspannung in den gespannten
internationalen Beziehungen hingearbeitet. Natürlich werden ihre Verhandlungen keine
wirklichen Änderungen in den Menschen bewirken, so daß sie einander lieben würden. Sie
machen weder dein Verbrechertum ein Ende, noch beseitigen sie Krankheit und Tod. Dennoch
zeigt die Prophezeiung, daß die Zeit kommen wird, da sie erklären werden, daß endlich
"Friede und Sicherheit" herrschen. Wenn dies eintritt, dann wird "in einem
Augenblick" "plötzliche Vernichtung" über diejenigen kommen, die die
Menschheit irreführen, wie auch über alle, die ihr Vertrauen in sie setzen.
(Wahrer Friede und Sicherheit - woher zu erwarten? S. 89,
Wiesbaden 1973)
Das weist nun alles in eine Zeit, die noch lange dauern kann. Und bei genauer Betrachtung der Formulierungen erkennt man schon fundamentale Weichenstellungen für künftige völlige Lehrveränderungen, z. B. mit Bezug auf die, die dann einmal noch vernichtet werden sollen.
19. Der König des Nordens
Zu den "Erfüllungen", mit denen die WTG-Endzeit
steht oder fällt, gehören in hervorragendes Weise die Deutungen die die WTG mit dem
"König des Nordens" aus Daniel 11:40 vorgenommen hat..
Die erste, keinen Widerspruch duldende
Erfüllungsverkündigung in vielen Millionen WTG-Büchern:
Der Feldzug des großen Napoleon Bonaparte ist eine klare
Erfüllung dieser Prophezeiung, wie aus den historischen Ereignissen dieses Feldzuges
deutlich hervorgeht. Der "König des Südens", von welchem in dieser
Prophezeiung die Rede ist, bezeichnet Ägypten; der König des Nordens bedeutet
Großbritannien.
Der Feldzug ist kurz aber anschaulich in dieser
Prophezeiung Vers 40 - 44 beschrieben, und da dieser Feldzug 1799 zu Ende ging, so
bezeichnet er, nach den eigenen Worten des Propheten, den Beginn der "Zeit des
Endes".
(Die Harfe Gottes, S. 215f, Magdeburg 1926)
Schon mit dem 1. Weltkrieg als nach den
115 Jahren Endzeit im Jahre 1914 kein Harmagedon kam, wankte diese endzeitliche
Nordkönig-Deutung. Als wieder eine Generation später der 2. Weltkrieg auch kein
Harmagedon versprach, geriet die endzeitliche Glaubwürdigkeit der WTG ernstlich in
Gefahr. Eine neue Nordkönigdeutung gehörte zu den Stabilisierungspfeilern, die in das
"Endzeit-Gebäude" eingezogen wurden:
Können wir bestimmt wissen, daß die Welt ihrem
endgültigen Ende nahe ist, wie es Jehovas Zeugen so zuversichtlich erklären? Man beachte (Daniel
11: 40)
September 1939
Ein Blitzkrieg durch den "König des Nordens"
Die erstaunliche Prophezeiung, die vor langem über den
"König des Nordens" und den "König des Südens" ausgesprochen worden
ist, erfüllt sich jetzt, ja steht vor ihm Enderfüllung, was beweist, daß wir dem
endgültigen Ende dieser alten Welt der Bosheit nahe sind.
Gezielt und drohend fügte die WTG
hinzu:
Der große Urheber aller wahren Prophezeiung erleuchtet
jetzt den forschenden Sinn, Seine Taten und sein Verfahren sind erhaben über alle Zensur,
die Geschöpfe ausüben mögen, und verdienen nicht, daß man sich darüber beschwere,
selbst wenn man sie nicht verstünde.
(Die Neue Welt, S. 339 f, 347 ff, Brooklyn 1942 dt.)
Zu dieser Nordkönig-Verschiebung auf
den Hitlerfaschismus ließ die WTG 1942 folgenden Kommentar verbreiten:
Hocherfreut waren wir alle am Samstagabend, als über die
Prophezeiung Daniels gesprochen und ihre gegenwärtige
Erfüllung gezeigt wurde. Man konnte wahrnehmen, wie Jehova die Schleusen des Himmels
öffnete, um seinem Volke ein Verständnis über diese wunderbare Prophezeiung zu geben.
Jetzt sehen wir ganz klar und dürfen voller Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft blicken.
(Trost, 15. Mai 1942, Nr. 472, Bern, Schweiz)
Was für eine religiöse
Gefühlsduselei wurde hier erzeugt! Schon eine halbe Generation später proklamiert die
WTG im Rahmen ihres nun auf Hochtouren laufenden antikommunistischen Mißbrauchs der
Bibel:
Indem Rußland auf der Seite der westlichen Demokratien
kämpfte trug es dazu bei, Nazi-Deutschland zu schlagen und die Stellung des totalitären,
diktatorischen Königs des Nordens zu übernehmen.
(Daniel 11.40) Bis hinab zur "Zeit des Endes" in
Harmagedon wird eine rivalisierende Koexistenz zwischen den "beiden Königen"
bestehen.
(Dein Wille geschehe auf Erden, S. 277, 297, Wiesbaden
1960)
Nichts war da also von "Jehova" und "ganz klar". Und die letzte Deutung ist nun so unklar, gehalten, so ausgedehnt formuliert, daß man eine beliebige Zeitdauer und beliebige Ereignisse hineinlegen kann.
20. Die Endzeit-Pferde
Eine gute Veranschaulichung des künstlichen Charakters,
der Nichterfüllung, der Unzuverlässigkeit und Unglaubwürdigkeit und deswegen
fortwährenden Verschiebung der "Zeit des Endes" ist auch, was die WTG bisher
mit den vier Pferden aus Offenbarung 6 gemacht hat., Das "rote Pferd" genügt
uns.
Die erste "vollendete"
Erfüllung wurde in der Tat nur mit der "roten Farbe" gemacht:
Und es zog aus ein anderes, feuerrotes Pferd: Ein Pferd
als Sinnbild kirchlicher Glaubensbekenntnisse, ganz verschieden von der Schrift, die es in
falschem Lichte darstellte. Die rote Farbe ist die Farbe der Sünde - Unvollkommenheit.
"Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden." -
Jes.1:18
(Das vollendete Geheimnis, S. 135 (1917) Magdeburg 1925)
Zur Absicherung der Verschiebung der
"Zeit des Endes" unter J. F, Rutherford in die Generation nach dem 1. Weltkrieg
wurde 1930 als "Erfüllung" des "roten Pferdes" verkündigt:
Die Johannesklasse schaut und sieht, daß von 1914 bis
1918 ein großes, blutiges Menschenopfer dargebracht wurde
Das rote Pferd erscheint
Das geschah von 1914 bis 1918
(Licht I, S. 74, Magdeburg 1930)
Auch hier wird nicht ganz auf die "rote Farbe" (Blut) verzichtet. um auch gefühlsmäßig zu wirken. Das liegt aber nun auch schon zwei Generationen zurück, für die jetzige Generation überhaupt nicht mehr brauchbar, weil es für sie nicht "geschieht". Also werden diese Pferd-Erfüllungen so umgemodelt, daß man sie immer präsentieren kann, daß man sie jeder Generation vorführen kann:
Wußtest du jedoch, daß das, was in der Bibel
über diese "Reiter" steht, eigentlich eine Beschreibung der heutigen Probleme
und ihrer Lösung ist?
Doch das "feuerfarbene Pferd" hielt dem Ersten
Weltkrieg, der im Jahre 1918 zu Ende ging, nicht inne.
Ja, aufrichtige Beobachter können feststellen, daß die
Apokalyptischen Reiter im Jahre 1914 ihren Ritt begonnen haben. Doch wie lange wird er
noch dauern?
(Der Wachtturm, 15. September 1974, S. 547 ff)
21. Die Verkürzung der Drangsal
1877 wurde verkündigt, die Drangsal, in der alles zu Ende
gehe, dauere von 1874 bis 1914, um dann um der Errettung der Auserwählten willen
verkürzt zu werden: vierzig Jahre nach 1874, und diese Zeit von vierzig Jahren, in die wir
nun eingetreten sind, ist 'eine Zeit der Drangsal, wie es dergleichen nie zuvor gegeben
hat, seitdem eine Nation besteht'."
(Dein Name werde geheiligt, S. 293 f, Wiesbaden 1963)
Als 1914 statt Harmagedon der 1.
Weltkrieg kam und auf die Nachkriegsgeneration verschoben werden mußte, wurde folgende
Umdeutung, Zerteilung und Teilverschiebung vorgenommen:
Im Jahre 1925 wurde im Wacht-Turm vom 1. Juni in dem
Artikel "Um der Auserwählten willen" gesagt, daß "jene Tage" der
"großen Drangsal" in der Mitte verkürzt würden. Es hieß in diesem Artikel,
die "große Drangsal" habe 1914 u. Z. begonnen, Gott habe aber nicht zugelassen,
daß sie ihren Höhepunkt erreiche, sondern habe den Ersten Weltkrieg im November 1918 zum
Stillstand gebracht. Auf diese Weise habe er seinem gesalbten Überrest der auserwählten
Christen Zeit eingeräumt, damit sie ihr Werk durchführen könnten, bevor in der Schlacht
von Harmagedon der letzte Teil der "großen Drangsal" hereinbrechen und diese
zum Abschluß gebracht werde.
(Der Wachtturm, 15. Juli 1970, S. 432)
Als alle Menschen freimachende Wahrheit
wurde dies auch noch der Generation nach dem 2. Weltkrieg verkündigt (Die Wahrheit wird
euch freimachen, S. 352, Brooklyn 1943 dt.) Die letzte Millionenaufiage erlebte diese
Drangsals-"Erfüllung" noch 1967 in dem Buche "Ewiges Leben in der Freiheit
der Söhne Gottes" (dt. S. 356f). Plötzlich wurde 1970 auch diese
"Erfüllung" als unhaltbar fallengelassen:
begann die gegenbildliche "große Drangsal"
nicht im Jahre 1914 u. Z
Die "große Drangsal", wie es nie mehr eine
geben wird, steht noch bevor,
Die Tage dieser bevorstehenden "großen
Drangsal" müssen "verkürzt" (griechisch
kolobo'o, am Ende [nicht in der Mitte] abkürzen oder beschneiden) werden.
Gott hat den "Tag" und die "Stunde"
für den Beginn dieser "großen Drangsal" genau festgelegt, und es wird keine
Verzögerung geben.
(Der Wachtturm, 15. Juli 1970, S. 432, 433)
Damit ist alles weiter auf die Generation noch 1975, die seit 1874 die vierte ist, unbestimmt verschoben. Die wievielte "Verzögerung" ist das in Wahrheit seit 1874 schon?
22. Die 6000 Jahre
Daß eine "Zeit des Endes" in der heutigen Zeit
herbeigekommen sei, wurde schließlich auch in großem Maßstab berechnet. Allen,
"die Ohren haben zu hören" wurde verkündet, daß 6000 Jahre nach Erschaffung
des ersten Menschen Adam diese Zeit da sei. 1877 geschah dies mit dem Buch "Drei
Welten und die Ernte dieser Welt".
Man errechnete, daß im Jahre 1874 die 6 000 Jahre geendet
hätten, in denen die Sünde über die Menschheit herrschte.
(Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S.
187 Wiesbaden 1973)
Dazu sagt die WTG nunmehr:
Die alte Zeitrechnung,. nach der die in der Bibel
berichteten Ereignisse und die Erfüllung von Prophezeiungen festlegte, beeinflußte
selbstverständlich das Verständnis, das die Internationalen Bibelforscher in bezug auf
diese Dinge damals hatten.
(Der Wachtturm, S. 432, 15. Juli 1970)
Das heißt doch auf gut deutsch, was bis 1928 - denn solange wurde in Wahrheit auf jeder Wachtturm-Ausgabe verkündet, 6000 Jahre seien 1874 zu Ende - in Millionen Büchern, Broschüren, Zeitschriften und auf vielen Kongressen der Weit verkündigt wurde, war zeitlich und damit inhaltlich völlig falsch. Alle Erfüllungen waren somit in Wahrheit gar keine. Die vielen Ummodelungen, Verschwindungen und Verschiebungen beweisen das ja dann auch. Ist es also nicht gut gewesen, wenn die verantwortungsbewußten Menschen des religiösen, gesellschaftlichen, sozialen und politischen Lebens damals die Verkündigung nicht ernstgenommen haben? Was für ein Unheil hätten sie nicht andernfalls heraufbeschwört?
Erst 1943 wurde eine neue
6000-Jahrberechnung vorgenommen und weltweit als freimachende Wahrheit proklamiert:
Von der Erschaffung Adams
bis zum Ende des Jahres
1943 n.Chr. sind es 5971 Jahre
Wir sind daher nahe am Ende einer sechstausendjährigen
Menschheitsgeschichte
(Die Wahrheit-wird euch freimachen, S. 152, Brooklyn 1946
dt.)
Danach waren nun erst 1972 die 6000 Jahre zu Ende. Aber auch diese "Wahrheit" war keine. Noch bevor 1972 herankam und gefährlich werden konnte, wurde es mit einer neuen Berechnung überspielt. 1966 wurde eine neue Chronologie verkündet, die die 6000 weiter verschob:
Gemäß dieser zuverlässigen
Bibelchronologie werden 6000 Jahre
mit dem Jahre 1975 enden, und die siebente Periode von
eintausend Jahren Menschheitsgeschichte beginnt im Herbst des Jahres 1975 u. Z.
es würde gemäß dem liebenden Vorhaben Jehovas Gottes sein, daß
die Herrschaft Jesu Christi, des 'Herrn über den Sabbat', parallel mit dem siebenten
Millennium der Existenz des Menschen läuft.
(Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 30f,
Wiesbaden 1967)
Das hieß, im Herbst des Jahres 1975 beginnt
gemäß dem "Vorhaben Jehovas" das Tausendjährige Königreich Gottes"!
Zwar ist dieser Zeitpunkt seit 1874 nun um drei Generationen verschoben. dennoch - das hat
jetzt Sprengkraft! Denn es stimmt auch jetzt wieder nicht und wird weiter verschoben! Und
da lesen wir auch schon im Januar 1975:
"Wir wissen, daß in der Mitte der 70er Jahre 6000
Jahre Menschheitsgeschichte ablaufen werden. Doch wissen wir, daß außerdem anscheinend
parallel dazu noch eine andere Zeitperiode abläuft, nämlich die ersten 6000 Jahre vom
7000jährigen Ruhetag Gottes, der noch der Erschaffung Adams und Evas begann. Das Ende
dieser 6000 Jahre würde den Abschluß dieses Systems der Dinge bedeuten, worauf die
Herrschaft Jesu Christi folgen wird. Tag und Stunde dieses Zeitpunktes kennen wir
natürlich nicht
" . (Königreichsdienst 1/75, Wiesbaden)
In verständlicherem deutsch: Was der Öffentlichkeit mit der 1966 Chronologie verkündet wurde, war falsch, die Herrschaft Jesu Christi läuft nicht parallel mit dem siebenten Millenium der Menschheitsgeschichte und beginnt im Herbst 1975 nicht!
23. Der Krieg von Harmagedon
Als Ende ihrer "Zeit des Endes" verkündete und
verkündet die WTG nun einen globalen, ja universellen Krieg, die Schlacht oder den Krieg
von Harmagedon in Auslegung von Offenbarung 16.:16. Wie sehen diese "Wahrheiten"
aus? Es begann so:
Man verwundere sich daher nicht, wenn wir in den
nachfolgenden Kapiteln Beweise beibringen, daß das Aufrichten des Königreiches Gottes
schon begonnen habe, daß in der Prophezeiung aufgezeichnet stehe, daß das Jahr 1878 die
Zeit sei, da die Ausübung seiner Macht beginnen sollte, und daß der "Krieg des
großen Tages Gottes des Allmächtigen" (Offb. 16:14), der im Jahre 1914 zu Ende
gehen soll, bereits angefangen ist.
(Schriftstudien II, S. 97 (1889), Magdeburg 1926)
Es wurde also der Öffentlichkeit hier biblisch "bewiesen" daß Christi 1000-Jahrherrschaft schon 1874 angefangen hat, daß 1889 auch der Krieg von Harmagedon schon im Gange war, der 1914 enden sollte.
Die WTG verkündet jetzt hierzu:
Inmitten der Verfolgungen während des Ersten Weltkrieges
von 1914 bis 1918 gab es gesalbte Christen, die glaubten, der Weltkrieg werde unmittelbar
zu einer Weltrevolution und zu einem Harmagedon der Anarchie führen.
(Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet, S. 75, Wiesbaden
1970)
Diese Darstellung unterschlägt nicht nur die genauen Lehren bis 1914, sie ist auch unehrlich, den es waren nicht irgendwelche gesalbten Christen es war die WTG selbst mit öffentlich verkündeten "Beweisen" !
Der nächste Harmagedon-Termin war dann
1925, genau 50 Jahre vor 1975:
Wir haben, wie zuvor dargelegt, überzeugende Beweise
dafür, daß die alte Ordnung der Dinge, die alte Welt zu Ende geht und deshalb gänzlich
vergehen wird; daß die neue Ordnung hereinbricht, und daß das Jahr 1925 Zeuge der
Auferstehung der alttestamentlichen Ueberwinder und des Beginns eines Wiederaufbaus der
zertrümmerten Weltordnung sein wird
(Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben,
S. 103 f, Barmen 1920)
Ein riesiger Abfall war nach dieser Millionen-Täuschung von 1925 die Folge. Auch der Leiter des Zentraleuropäischen Büros der WTG in der Schweiz, Conrad C. Binkele, wandte sich ab. Im "Bulletin" des WTG-Zweigbüros Magdeburg vom 1. 7. 1928 wurde unter dem Thema "Eine ernste Gefahr" später erklärt.- Wie notwendig war es, daß 1925 vorüberging, damit es offenbar werde, wer nicht "von nun an bis in Ewigkeit", sondern nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, also unter Vorbehalt, sein Leben und Herz dem Höchsten geweiht hatte". Wir entdecken jetzt genau dieselbe Argumentation zu 1975!
Als die zweite Generation am Vorabend
des 2. Weltkrieges im Vergehen war, wurde ein dritter Harmagedon-Zeitpunkt verkündet. J.
F. Rutherford sagte den jungen Leuten sogar:
Jonadabe, die jetzt ans Heiraten denken. würden, wie es
scheinen will, besser tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm
Harmagedons vorüber ist,
(Schau den Tatsachen ins Auge, S. 50, Bern 1938)
J. F. Rutherford starb am 8. Januar
1942. Der neue WTG-Präsident, N. H. Knorr, räumte mit dieser Endzeitverkündigung
unverzüglich auf: Der Bericht über seinen ersten großen Kongreß 1942 in Cleveland,
USA, sagt:
Der öffentliche Vortrag des
Präsidenten verscheuchte alle Gedanken daran, daß der 2.
Weltkrieg in dem universellen Krieg von Harmagedon enden würde. (Dein Name werde
geheiligt S. 329, Wiesbaden 1963)
Zur "Verscheuchung" in Europa
wurde auf dem "Theokratischen Kongreß" Pfingsten 1945 in Zürich, Schweiz,
verkündet:
Selbst wenn die Schlußabrechnung von Harmagedon
noch um zehn oder zwanzig Jahre verziehen sollte - es
wurde nicht gesagt, daß es wirklich so sein wird - so muß doch das Evangelium mit aller
Kraft allen Nationen verkündigt werden,
Dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, daß
Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat. Haben wir etwa nichts mehr
zu tun ?
(Trost, 1. Juni 1945, Nr. 545, "Harmagedon ist
nahe", Bern)
Es vergingen nach 1945 nicht nur 10
oder 20, es vergingen 30 Jahre, eine ganze neue Generation, bis zum nächsten Termin: Das
Jahr 1975.
Die "Erörterungen" des Datums 1975 auf den
Kongressen 1966, wo er verkündet wurde, "überschatteten nahezu alles andere".
WTG-Vizepräsident F. W. Franz: -
daß 6000 Jahre menschlicher Geschichte im Jahre 1975, in
ungefähr neun Jahren, enden werden.
Er ging ausführlich auf Einzelheiten ein und zeigte, wie
begründet das Jahr 4026 v. u. Z. als Datum für den Anfang des Ruhetages Gottes ist.]
Was ist nun mit dem Jahr 1975? Was wird es bedeuten,
'Bedeutet es, daß Harmagedon dann vorüber und Satan bis
zum Jahre 1975 gebunden ist? Es könnte das bedeuten! Es könnte das bedeuten! Alle Dinge
sind bei Gott möglich.
(Der Wachtturm, 1. Januar 1967, S. 20, 22, 23)
Mit der Berechnung des Jahres 4026 v. u. Z. als Beginn des Ruhetages Gottes war in der Tat das Ende von Harmagedon, die Bindung Satans und der Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi 1975 berechnet, wie ein genaues Hinsehen zeigt.
Noch bevor 1975 anbrach, wurde jedoch schon
begonnen, auch dieses Datum wieder zu "verscheuchen":
Statt also Mutmaßungen über ein bestimmtes Datum anzustellen,
als ob
wir nur bis zu diesem Datum Gott dienen würden, konzentrieren wir uns auf die wichtige
Predigttätigkeit, sollten wir daran denken, daß nicht ein bestimmtes Datum, sondern die
Ewigkeit unser Ziel ist.
(Der Wachtturm, 15. September 1974, S. 568 ff)
Ist das nicht letztlich wieder dieselbe Argumentation Wie zu 1925 und 1945? Damit ist auch an Hand der Harmagedon-Deutungen die Haltlosigkeit und Unglaubwürdigkeit einer "Zeit des Endes" bewiesen.
24. Der treue und kluge Knecht
Mit welchem Autoritätsanspruch betreibt die Leitende
Körperschaft der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas, die mit der WTG identisch ist, diese
ganz endzeitliche Verkündigung? Sie - seit November 1974 aus 18 amerikanischen
Staatsbürgern bestehend - erhebt keinen geringeren Anspruch, als der "treue und
kluge Knecht" zu sein, eine Gleichnisfigur aus Matth. 24:45-47, den Jesus angeblich
vom Himmel her seit 1919 eingesetzt habe, um die "Erfüllung" einer solchen
"Zeit des Endes" für "diese Generation" zu verkündigen. Aber auch
dieser "Knecht" oder "Sklave" ist schon mehrmals umgedeutet worden. C.
T. Russell lehrte, "jedes Glied des Leibes Christi" gehöre dazu. J. F.
Rutherford sanktionierte 1917 als "vollendetes Geheimnis", C. T. Russell selbst
sei dieser "Knecht", ein Kompromiss um die Gunst derer, die bisher Russell
folgten, die er brauchte. 1927 "verscheuchte" Rutherford dann seine Deutung von
1917. Nun war es wieder "eine Klasse, eine dienende Körperschaft", aber
eingeschränkt auf die "ganze Versammlung der gerade lebenden treuen geistigen
Nachfolger Christi" (Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet, S. 131, dt. 1970). In
Wirklichkeit aber waren es nur Rutherford und seine engsten Berater in der WTG-Führung.
Jetzt soll es die 18köpfige Leitende Körperschaft im WTG-Hauptbüro in Brooklyn, New
York, USA, sein.
Ihren Autoritätsanspruch formulierte
diese Leitende Körperschaft unwiderrufen so:
Da dem "treuen und verständigen Sklaven" alle
Güter des Meisters anvertraut worden sind, laßt uns mit dem richtigen geistigen
Wahrnehmungsvermögen die Sache so ansehen, daß, was immer der 'treue Sklave' tut, zu
unserem Guten gereicht. Der Sklave erfüllt dadurch seine eigene Pflicht vor Jehova, daß
er das Werk Jehovas tut. Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion
gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott.
(Der Wachtturm, 1. August 1956, S 474).
Da sein heiliger Geist auf die leitende
Körperschaft dieser Organisation einwirkt, stimmt deren Rat mit seinem Willen überein.
(Der Wachtturm, 15. September 1965, S. 560)
Wie kann eine Gruppe unvollkommener und fehlbarer Menschen, deren Erkenntnis biblisch nicht "Stückwerk" und "undeutliche Bilder" sein kann (1. Kor. 13:9, 12) so über die Schrift hinausgehen und solche gottgleichen Ansprüche erheben? Ist das nicht Aufgeblasenheit und Vermessenheit in höchstem und gefährlichstem Maße? Die verkündeten "Erfüllungen" dokumentieren es.
Überblicken wir noch einmal, was diese leitende Körperschaft da bisher als "Zeit des Endes" weltweit verkündet hat. Ja, man muß es insgesamt vor Augen haben, um nicht getauscht zu werden. Denn jede "Erfüllung" für sich genommen, stimmt scheinbar immer, wenn man die vorhergehenden Falschanwendungen nicht sieht. Insgesamt sehen wir jedoch nichts als eine einzige Kontinuität oder Aufeinanderfolge lese von Haltlosigkeit und Unglaubwürdigkeit. Wir sehen Ablenkungen, Unehrlichkeit, Irrtum, Aberglaube (206 Knochen), Versschiebungen "Verscheuchungen", falsch Auferstehungen (Fürsten), Glaubenstaumel, Manipulierungen, Aufgeblasenheit, Vermessenheit (Obrigkeit), Begriffsfälschungen (Religion), Konstruktionen, Brüderverleumdungen. (Älteste), weltpolitische Falschproklamationen (Zionismus, Tier, Gog, Nordkönig), dazu antikommunistische und antisowjetische Hetze, Vergewaltigungen ganzer Zeitperioden (6000 Jahre), falsche Harmagedon-Termine. und immer wieder Ummodelung und Verschiebung, von einer Generation zur anderen, von 1799 an, schon fast 200 Jahre lang.
Diesen hier an 24 ausschlaggebenden Beispielen bewiesenen Sachverhalt kann man nicht zur Kenntnis nehmen, aber man kann ihn nicht mehr aus der Welt - schaffen. Hier leuchtet kein "hellerwerdendes Licht", wie der Überblick zeigt. Nach jeder "Erfüllung" kann man vielmehr immer nur froh sein, wenn man nicht daran geglaubt hat. Die Leitende Körperschaft der WTG oder Zeugen Jehovas ist darum auch in keiner Weise die "Erfüllung" eines "treuen und klugen Knechtes". Auch dieser Anspruch ist Anmaßung, wenn man sieht, was hier endzeitlich" zusammenkonstruiert wurde und weiter wird.
DIE "ERFOLGE" UND IHRE FOLGEN
Zahlen, Statistiken, "Endzeit"-Daten,
beanspruchen im Wirken der WTG einen nicht eben geringen Stellenwert. Auch deshalb, weil
aus den statistischen Werten und absoluten Zahlen die tatsächliche Felddiensttätigkeit
aller Zeugen ersichtlich wird. In diesem Zusammenhang nehmen wir Gelegenheit, allen
Brüdern auf diesem Wege nochmals zu danken für die Unterstützung bei der Beschaffung
und Bearbeitung der Daten. Ohne ihre mühevolle, aufwendige Arbeit hätte dieser wichtige
Beitrag in seinen wesentlichen Aussagen nicht zugänglich gemacht werden können. Dank
dieser Hilfe ist es möglich, zu der vorgelegten "Endzeit"-Prüfung einmalige
und neueste statistische Feststellungen zu vermitteln. Bevor wir uns aber diesem Thema
zuwenden, wollen wir nochmals darlegen, wohin es führt, wenn man sich so über die Bibel
hermacht, wie es die WTG endzeitlich tut. Bezüglich "1975" hatte der WT Nr.
7/1955 erklärt
1. April 1955 Der Wachtturm
Gerade die Tatsache, daß niemand heute (da es zu Jehovas
Geheimnis gehört) feststellen kann, wieviel Zeit Adam und später auch Eva während der
Schlußtage der sechsten Schöpfungsperiode lebten, zeigt uns, daß auch jetzt niemand
feststellen kann, wann sechstausend Jahre des heutigen Ruhetages Jehovas zu Ende kommen.
Offensichtlich müßte die unbekannte Zeit, die Adam von seinen 930 Lebensjahren vor dem
Beginn jenes siebenten Ruhetages Jehovas lebte, zu dem Jahre 1976 hinzugezählt werden.
Aber was geschah im WT Nr. 1/1967?
1. Januar 1967 Der Wachtturm
DAS JAHR 1975
Auf der Versammlung in Baltimore gab Bruder Franz in
seinen Schlußworten einige interessante Kommentare über das Jahr 1975.
[Er ging ausführlich auf Einzelheiten ein und zeigte, wie
begründet das Jahr 4026 v. u. Z. als Datum für den Anfang des Ruhetages Gottes
ist.]
Dieser WT hatte sich also entschlossen, das 1955 bewahrte "Geheimnis Gottes" zu verletzen. Im Besitz welcher Schlüsselgewalt wähnte sich die WTG, wenn sie nun doch daran ging, sich Macht über das von ihr einst beschworene "Geheimnis Gottes" anzueignen? Gewachsene Erkenntnis kann es nicht gewesen sein. Denn diese wurde ja gerade 1955 ausgesprochen, als der WT 7/1955 dieses "heilige Geheimnis Gottes" bewahren und nicht frevelhaft sündigen wollte.
Der Grund, warum die Preisgabe dieses
"Geheimnisses Gottes" nun doch geschah, im Jahre 1967, war ein höchst simpler,
von statistischem Erfolgsdenken diktierter. Seit dem Jahre 1965 zeigte sich eine
rückläufige Tendenz der Mehrung an Taufen:
1964: 68 236, 1965: 64 393, 1966: 58 904,
Mit und durch die Preisgabe des 1955 unaufdeckbar genannten "Geheimnisses Gottes" wurde dieser "Übelstand" statistisch "erfolgreich" bereinigt - mittels des, nun "doch" erkannten "1975"-Datums als Ende der 6000 Jahre des Ruhetages Gottes.
Prompt stiegen 1967 die Taufen. auf 74
981, da der bewußte WT Nr. 1/1967 im Januar dieses Jahres erscheint, zuvor auf den
Kongressen 1966 "freigegeben". Somit war also genügend Zeit, um, die
"Talsohle" überwinden zu können. Die Preisgabe dieses "göttlichen
Geheimnisses", der willkürliche Zugriff danach, zahlte sich statistisch voll aus.
Von nun an gab es wieder nur noch "Erfolgszahlen", wie folgende Taufentwicklung
beweist:
1968: 82 842, 1969: 120 905, 1970: 164 193
1971: 149 808, 1972:.163 123, 1973: 193 990
Jawohl, so erfolgreich verlief diese Entwicklung. -
Aber kennst du auch die "Endzeitliche" Kehrseite, die Zahlen der "Gemeinschaftsentzug" (GE) vergleichsweise zu den Zahlen der Taufen? Es sei hier mitgeteilt daß für den Zeitraum 1972-1973, der Einführung des Ältestenamtes, 177 000 GE ausgesprochen wurden, bzw. 177 000 Zeugen die Organisation wieder verlassen haben! Das zwei Jahren!
Im Jahrbuch 1974 der WTG können wir
folgende aufschlußreiche Angaben nachlesen:
JAHRBUCH DER ZEUGEN JEHOVAS 1974
Die Aufzeichnungen der Gesellschaft zeigen, daß in den
vergangenen 26 Jahren 2 084 398 Personen getauft worden sind. Wenn ihr die Zahl der
Verkündiger, die in dem Jahr vor dieser Zeitperiode, dem Jahre 1947, im Predigtwerk
tätig waren, hinzuzählt, nämlich 207 552, so erhaltet Ihr eine Gesamtzahl von 2 991 950
Personen.
Sollen wir, wenn wir 225 000
Todesfälle bei der üblichen Rate von einem Prozent pro Jahr einräumen, sagen, daß sich
vom Jahre 1947 an über 300 000 Brüder und Schwestern nach ihrer Hingabe und Taufe zu
irgendeiner Zeit am Predigtdienst beteiligt haben und nun versuchen, Jehova und anderen
ihren Glauben ohne Werke zu beweisen?
Der Bericht im Jahrbuch zeigt, daß im Jahre 1973
eine Höchstzahl von 1 758 429 Verkündigern im Predigtwerk tätig war. (Seite 254)
Die Zahl von 300000 soll also für 27
Jahre, von 1947 bis 1973, die Summe derer statistisch belegen, die die WTG mit oder ohne
GE wieder verlassen haben.
300 000 GE ereigneten sich aber nicht in 27 Jahren,
sondern in nur 9 Jahren, von 1973 zurück bis 1965.
Und in nur 13 Jahren, von 1961 bis 1973, gab es schon ca.
390 000 GE. Allein die Abgänge von 1961 bis 1964 betragen ca. 91 000. Außerdem fehlen,
wie festgestellt, für die Zeit von 1960 bis zurück zu 1947 ca. 198 000 GE.
von 1973 - 1965 = 300 000 GE ( 9 Jahre)
von 1964 - 1961 = 90 000, GE ( 4 Jahre)
von 1960 - 1947 = 198 000 GE (14 Jahre)
588 000 in 27 Jahren
Sodann wurden für die Zeit von 1949
bis 1968 schon ca. 200 000 angegeben (WT 1. 12. 1969. S. 725).
Von 1969 bis 1973 sind es aber schon wieder über 210 000,
die die WTG wieder verlassen haben.
Die Ermittlung der Differenzen zwischen den jährlichen
Taufzahlen und der realen Mehrung zeigt das. Zahlen in Größenordnungen von
Hunderttausenden werden von der WTG unterschlagen bzw. durch oberflächliche Angaben
verschleiert. Der WTG kommt es offensichtlich darauf an ihre negative Bilanz möglichst gering
erscheinen zu lassen.
In Wirklichkeit wälzt sich das Werk wohl mit einem Riesenaufwand, jedoch unter einem ungeheuren "Menschenverschleiß", der in die Hunderttausende geht, nur mühsam dahin. Du siehst also, weder "Gottes Geheimnis" ist der WTG heilig noch Taufzahlen noch Zahlen der GE. Alles wird verbogen, wie wenn der Zweck die Mittel heiligt.
Die wirkliche Entwicklung der Abkehr von der WTG von 1961 bis 1973 in der Größenordnung von ca. 390 000 sieht mit zunehmender Steigerung auf "1975" etwa so aus:
1961 = 36 200
1962 = 24 300
1963 = 18 100
1964 = 13 000
1965 = 21 900
1966 = 24 400
1967 = 27 000
1968 = 9 200
1969 = 6 900
1970 = 21 300
1971 = 9 300
1972 = 60 400
1973 = 117 000
Wir sehen nach der Verkündigung von "1975" im Jahre 1967 einen vorübergehenden deutlichen Rückgang der Abkehr Dann aber gegen 1975 schwillt die Zahl gewaltig an! Wie werden die Zahlen aussehen, wenn die Unglaubwürdigkeit der WTG-Endzeitverkündigung vollends offenbar geworden sein wird?
DIE WAHRHEIT WIRD UNS FREIMACHEN
Wir ziehen die Schlußfolgerungen
Die nun vor uns liegende schon fast 200 Jahre - seit 1799
- umfassende endzeitliche WTG-Bibelauslegung dokumentiert unabweisbar, daß es keine
derartige "Zeit des Endes" heute gibt. Es gibt keine zuverlässigen und
glaubhaften Erfüllungen. Was sehen wir stattdessen vor uns? Eine fortgesetzte
Neukonstruktion von "Zeichen der Zeit" und "Erfüllungen" durch
Verwerfung alter, Umdeutung, Veränderung, Anpassung oder Verschiebung, möglichst noch
bevor vollends als unglaubwürdig dasteht, was zuvor proklamiert wurde. Dabei wurde und
wird jedesmal kräftig durch Aggressionen nach außen abgelenkt, sei es auf andere
Christen, Kirchen und Gemeinschaften. Sei es politisch, im Rahmen des kalten Krieges seit
1947 speziell durch Wiederaufnahme des Antikommunismus und Antisowjetismus in die
Verkündigung. Nicht zu vergessen die kräftigste Schwarzmalerei und Verteufelung aller
anderen Umwelt, auf daß sich alle furchtsam um die WTG zusammendrängen, als ob es
außerhalb ihres Bereiches nichts Gutes mehr gäbe. Wir können diese Taktik nun schon,
wie dokumentiert, über mehrere Generationen verfolgen, immer wieder aufs neue als
"diese Generation" erfüllend ausgegeben.
Die ganze WTG-Endzeitorientierung hätte besser schon nach ihrem ersten Fehlschlag zur Zeit des ersten Weltkrieges aufgegeben werden sollen, seit sie einst von C. T. Russell für seine Generation in unvollkommener Erkenntnis und in Verkennung der Realitäten, der sozialen Triebkräfte und der wirklichen gesellschaftspolitischen Entwicklung aufgestellt wurde, 1914 endgültig abschließend. Wir müssen stattdessen erkennen, daß sich Christentum und gesellschaftliche Entwicklung jedoch nicht in solche Endzeitvorstellungen zwingen lassen. Wer das dennoch versucht, welche Gemeinschaft auch immer, muß und wird damit scheitern, sich der Gefahr aussetzend, am Ende zu einer Gruppe abzusinken, die biblisch bzw. christlich schließlich in keiner Weise mehr ernst genommen und sozial oder gesellschaftspolitisch nur noch als verantwortungslos und unzurechnunsfähig betrachtet werden kann.
Wie wahr ist das! Ist diese WTG-"Zeit des Endes" doch nicht nur in sich haltlos und unglaubwürdig. Passen die konstruierten "Zeichen" für bestimmte soziale Verhältnisse ohnehin nur scheinbar, nämlich bis zu ihrer nächsten Veränderung oder Verschiebung - oder Verwerfung, so paßten und passen sie für den sozialistischen Teil der Welt überhaupt nicht. Die Weltkriege, Hungersnöte, Seuchen, sozialen Elendszustände, überhandnehmenden Verbrechen usw. waren bzw. sind Ergebnisse der kapitalistischen Profit-, Ausbeutungs- und Kolonialpolitik. Es sind Erscheinungen, von denen sich die sozialistischen Länder erfolgreich befreien und befreit haben. Die WTG begeht die politische Verantwortungslosigkeit, ihre aus den Elendszuständen der kapitalistischen Welt konstruierten "Zeichen der Zeit" einfach auf die sozialistische Welt auszudehnen. Doch von der DDR in Mitteleuropa bis noch Korea im fernen Asien und vielfach darüber hinaus, wenn wir noch Kuba blicken oder nach Algerien oder in so manches Entwicklungsland schon, sieht alles ganz anders aus. Von der DDR über die Sowjetunion bis noch China existiert z. B. weder soziales Massenelend noch Hungersnot noch Arbeitslosigkeit. Das, was die WTG da bisher schon alles aus dem "dritten, dem schwarzen apokalyptischen Pferd" konstruiert hat, für volkreichste Länder der Erde trifft es nicht einmal scheinbar zu. Die Beispiele könnten zahlreich vermehrt werden. Die wirkliche gesellschaftliche und soziale Entwicklung in der Welt erweist die WTG-Endzeitbibelauslegung wahrhaftig als haltlos.
Die "endzeitliche" irdische Fehlorientierung durch die WTG verlangt nun zunächst von allen eine Berichtigung in diesen Fragen. Möge als Ausgangspunkt dienen, was die WTG in diesen Fragen selbst einmal zugestehen mußte, offensichtlich ohne die Tragweite dessen zu beachten. Es hieß zur sozialen Frage:
"Die Neigungen zu gewissen fundamentalen Interessengebieten sind jedem Mann und jeder Frau eingepflanzt, gemäß ihrer menschlichen Natur, die von ihrem Schöpfer entworfen wurde. Solche ihnen von Gott in ihrer Urforrn eingepflanzten Interessen tragen den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes und dies als Rechte, die ihnen von Gott übertragen worden sind. Ein Naturgesetz ist das der Liebe zum Ich. Die Bibel bestätigt das Vorhandensein dieses Grundprinzips in der menschlichen Natur, das Gott in sie gelegt hat. Dieses starke Recht auf Liebe zu sich selbst drängt jeden Menschen, an die eigene Bewahrung zu denken, an Schutz vor Schädigungen von Leib und Leben an die Vermeidung all dessen, was ihn verletzen könnte. und an die Vorsorge für all das, was zu seiner Weiterexistenz notwendig ist. Diese Intersessen für das eigene Ich umfassen ein weiteres Gebiet und rufen Ihrerseits das menschliche Interesse für viele weitere Gebiete wach. Eines der Naturprinzipien, die dem Menschen innewohnen, ist jenes der Geselligkeit. 'Das Bedürfnis, das der Mensch hat, in Gesellschaft zu leben, ist eines der Urgesetze der Natur, von denen sich unsere Pflichten und Rechte herleiten, und die Existenz einer Gesellschaft hängt von der Bedingung ab, die Rechte aller Menschen zu respektieren'. Wo solche sozialen Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen". (Aus: Der Wachtturm, 15. September 1956, S. 559-563 dt.)
Es ist also nötig, die haltlose und soziale Mitverantwortung verneinende Endzeitorientierung der WTG verlassend, echte christliche Mitverantwortung in diesen Lebensfragen zu entwickeln. Denn das Leben geht weiter, auch nach "1975". Möge sich das "Erforschen der Schrift" (Joh. 5:39) nach dem Offenbarwerden der Unglaubwürdigkeit der WTG-Endzeit unbedingt diesen Lebensfragen zuwenden.
Die hier erforderliche Klärung des Verhaltens in der Frage der sozialen Bedürfnisse auch des Christen kann nicht an den zu "Zeichen der Zeit" umgemünzten kapitalistischen Krisenerscheinungen vorgenommen werden, ohnehin auf bestimmte Länder nur konzentriert. Denn diese Krisen sind Ausdruck der Mißachtung der wirklichen allgemeinen sozialen Bedürfnisse, in denen wir stehen. Man muß vielmehr von den "fundamentalen sozialen Interessen" und ihrer "gesunden Förderung" ausgehen; für Christen mit dem "Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes" versehen. Dabei tritt in den Blickpunkt. daß mit der Entstehung und Weiterentwicklung der sozialistischen Länder, des sozialistischen Teiles der Welt eine neue "die Menschen betreffende Ordnung" für diese sozialen Bedürfnisse herbeigekommen ist, die für Christen "um des Herrn Wille"' verbindlich ist bzw. wird. (1. Petr. 2:13). Natürlich geht es um noch mehr.
Mit der haltlosen WTG-Endzeit fällt auch der Anspruch dahin, allein "in der Wahrheit" zu sein. Wie ist das nun als erkenntnismäßige Überheblichkeit und Rechthaberei erwiesen! Es muß zu der schriftgemäßen Bescheidenheit zurückgekehrt werden, daß niemand mehr beanspruchen kann als seinen Teil an "Stückwerk" der Erkenntnis, "wie in einem Spiegel nur undeutliche Bilder", keinerlei Endgültiges, oder gar "geistig Paradiesisches", d. h. "Vollkommenes". Das wäre Vermessenheit in höchstem Maße. (l. Kor. 13:9-12). Damit müssen Jehovas Zeugen bescheiden und demütig zurücktreten neben ihre Mitchristen in anderen Gemeinschaften und Kirchen, wie anders und unvollkommen deren Art und Weise der Nachfolge Jesu auch noch sei. Können deren Aufrichtigkeit und Glaubenswerke ehrlicherweise doch nicht infrage gestellt werden. (Markus 9-38-40, Jak. 2:14-20). Ja, sie müssen demütig zurücktreten neben jene, die vor ihnen die Haltlosigkeit des WTG-Kurses erkannten und seither als davon freie Christen in der Nachfolge Jesu in der "einen Hoffnung" weitergehen, neben der es keine andere christliche gibt (Eph. 4-.l-6, Phil. 3:17-20). Dabei müssen sie lernen, organisatorische Formen und in der Unvollkommenheit verursachte Erkenntnisunterschiede im Geist christlicher Liebe zu ertragen. Dieses einende Band der Liebe darf nicht länger durch intolerante Erkenntnisrechthaberei anderen Christen gegenüber zerrissen bleiben. Andernfalls hatte das Hohelied der Liebe in 1. Kor. 13 nicht geschrieben zu werden brauchen. Die uns nun vor Augen stehende, völlig als unglaubwürdig und haltlos erwiesene "Zeit dies Endes" der WTG läßt auch hier keinen anderen Weg.
Dies ist die Zukunft und dies sind die
Schlußfolgerungen, die Aufgaben, die sich aus dem haltlosen WTG-Endzeitglauben ergeben. Es gibt
keinen Grund zum Verzweifeln. Das Leben, mit dem "Stempel der rechtlichen Anerkennung
Gottes" versehen, geht auch nach "1975" weiter, unbeeinflußt durch die
Endzeit-Konstruktionen, in die die WTG alles zwingen will, mit neuen
"Erfüllungen" sicherlich auch weiterhin. Die erwiesene Haltlosigkeit dessen und
die Zeit, die nun herbeigekommen ist, fordern jedoch, sich davon frei zu machen. Möge
diese Dokumentation eine entscheidende Hilfe dazu sein.
Studiengruppe Christliche Verantwortung
Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung"; Monatsschrift der
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