Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 69
Diese CV-Ausgabe wäre möglicherweise in besonderem Ausmaß geeignet, den WTG-Apologeten "den Kamm anschwellen zu lassen". Wird in ihr doch detailliert darüber berichtet, wie die CV und das Uraniabuch in beachtlichem Umfang auch in Polen Verbreitung gefunden hat.
Eine These aus
dieser CV-Ausgabe sei noch zitiert. Zitiert aus dem Grund, weil sie vielleicht mit am
deutlichsten im diesbezüglichen CV-Wust formuliert ist. Ich füge noch hinzu. In der
zitierten Form mache ich mir diese These n i c h t zu eigen. Das einzigste was ich
diesbezüglich anerkennen würde, wäre. Das sie die Ausgangsbasis für eine Diskussion
den Sachverhalt betreffend sein könnte. Allerdings eine detaillierte und vor allem
glaubwürdige Diskussion dazu, sucht man in der CV vergebens. Sie schrieb, und nun folgt
das angekündigte Zitat:
"Die gegenwärtige WTG Führung
gehört neben einigen anderen Kräften in den USA, wie den Führungskraften der 'John
Birch Society, dem Christlichen Antikommunistischen Kreuzzug, dem Evangelismus von Billy
Graham, der Weltweiten Kirche der Armstrong-Brüder, und der Mormonen-Kirche' in der Tat
zum 'rechten Flügel des amerikanischen Konservatismus'. Die antikommunistische politische
WTG-Propaganda gleicht fast aufs Wort der politischen Propaganda der John Birch Society,
die der amerikanischen Mormonen-Führer Ezra T. Benson 'in unserem Kampf gegen den
schleichenden Sozialismus und den gottlosen Kommunismus' für das wirksamste hält, was es
gebe. Es ist bemerkenswert, daß diese religiös-politischen rechtsextremen
antikommunistischen Kreise in den USA als ein Nachwuchsreservoir für die amerikanischen
Nachrichten bzw. Geheimdienste FBI und CIA dargestellt werden. (Süddeutsche Zeitung 11.
9. 74 München, Wochenpost 13. 12. 74 Berlin). In der Frage des politischen
Antikommunismus steht die Watch Tower Society direkt neben der John Birch Society."
Vorstehendes steht in der Kontinuität der CV-Bemühung, die WTG in die antikommunistische Ecke zu stellen. Ein "Bonbon" ihrer diesbezüglichen Argumentation ist auch ihre nachfolgende Aussage:
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRlFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 69 Gera April 1975
JETZT SICHERE BIBLISCHE GRUNDLAGEN
BETRETEN
Liebe Leser
Ähnlich wie 1914 und 1925 stehen wir mit 1975 in einem
neuen Bankrott der irdischen WT-Naherwartungen. Um aber jeden zu zwingen, bei ihr zu
bleiben und ihr zu folgen, wohin sie auch weiter führt, unterläßt die WTG nichts, um
jeden anderen irdischen, sozialen Halt im Verständnis gründlich und völlig zu
zerstören. Sie tat und tut alles, um alle Brücken und Rückwege hinter jedem
abzubrechen, der ihr folgt. Seit. die Grundsätze der "besonderen irdischen
Verpflichtungen" des Christen, wie sie C. T. Russell in Bd. 6 der Schriftstudien
durchaus allgemeingültig darlegte, unter J. F. Rutherford und unter N. H. Knorr bis heute
verlassen wurden, beherrscht eine rücksichtslose Verdammung und Bekämpfung jeglicher
sozialen Orientierung und Mitverantwortung die Verkündigung. Obwohl niemand ohne soziale
Ordnung leben kann.
Wir können jedoch überzeugt sein, daß die "besonderen irdischen Verpflichtungen", wie sie hinsichtlich Liebe, Ehe, Familie, Kinder, Arbeit, Lebensunterhalt, Vorsorge, soziale Pflichten, Mitmenschlichkeit und gesellschaftliche Umweltbindung schöpfungsbedingt gegeben sind, stärker sind. Kann etwa jemand ernsthaft den Grundsatz bestreiten, daß alle Menschen tatsächlich zuerst essen, trinken, sich bekleiden, wohnen und arbeiten müssen, wenn sie solche geistigen Dinge wie Religion, Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Politik, Ethik usw. betreiben wollen? Ja, auch Religion! Oder kann ein Verhungerter Gott anbeten? Jakobus sagt das mit den Worten: "Was nutzt es meine Brüder, wenn jemand behauptet, Glauben zu haben, aber keine Werke aufzuweisen hat? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester keine Kleidung hat oder an der täglichen Nahrung Mangel leidet, und einer von euch zu ihnen sagt, geht hin in Frieden, wärmt euch und eßt euch satt, ohne ihnen das, was zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse nötig ist zu geben, welchen Nutzen hat das für sie?" (Jak. 2:14-16). Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lukas 10:30-37 sagt auch Jesus, daß in sozialen Fragen der Glaube keine Rolle spielt. Auch hatte Jesus nicht nur seinen kleinen Jüngerkreis angesprochen, als er sagte, "der Mensch lebt nicht vom Brot allein" (Matth. 4:4). Er sagte damit auch, daß alle Menschen zuerst vom Brot leben.
Es gab auch einmal im WT Ansätze zu
vernünftigem Denken in sozialer, irdischer Hinsicht. Wir zitieren:
Persönliche Interessen des Menschen.
Die Neigungen zu gewissen fundamentalen Interessengebieten
sind jedem Mann, und jeder Frau eingepflanzt, gemäß ihrer menschlichen Natur, die von
ihrem Schöpfer entworfen wurde. Solche ihnen von Gott in ihrer Urform eingepflanzten
Interessen tragen den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes und dies als Rechte, die
ihnen von Gott übertragen worden sind. (Ein) Naturgesetz ist das der Liebe zum Ich. Die
Bibel bestätigt das Vorhandensein dieses Grundprinzips in der menschlichen Natur, das
Gott in sie gelegt hat. Dieses starke Recht auf Liebe zu sich selbst drängt jeden
Menschen, an die eigene Bewahrung zu denken, an Schutz vor Schädigungen von Leib und
Leben, an die Vermeidung all dessen, was ihn verletzen könnte und an die Vorsorge für
all das, was zu seiner Weiterexistenz notwendig ist. Diese Interessen für das eigene Ich
umfassen ein weites Gebiet und rufen ihrerseits das menschliche Interesse für viele
weitere Gebiete wach. (Eines) der Naturprinzipien, die dem Menschen innewohnen, ist jenes
der Geselligkeit. 'Das Bedürfnis, das der Mensch hat, in Gesellschaft zu leben, ist eines
der Urgesetze der Natur, von denen sich unsere Pflichten und Rechte herleiten, und die
Existenz einer Gesellschaft-hängt von der Bedingung ab, die Rechte aller Menschen zu
respektierten Wo solche sozialen Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen
sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher, und geistig Unzurechnungsfähige werden von
der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen." (Aus: WT 15. Sept.
1956, dt. S. 559-563).
Der mit 1975 wieder eingetretene Bankrott der irdischen WT-Naherwartungen verlangt zwangsläufig auch eine irdische oder soziale Neuorientierung. Natürlich muß damit gerechnet werden, daß die WTG jedes Denken in dieser Richtung bekämpfen wird. Hochmut, Selbstsucht, Eigennutz, Kompromiß, Untreue, Verrat, Auflehnung, Rebellion, Unglaube und ähnliches wird das mindeste sein, was die WTG denen anhängt, die sich jetzt ihrer sozialen christlichen Verantwortung, beginnend gegenüber ihrer Familie, bewußt werden, während die WTG ihre Endzeitlehren erneut ummodelt und verschiebt. Doch es gibt dazu keine Alternative, wenn man von der WTG nicht weiter hingehalten werden will. In den Fragen des "Glaubens, der Hoffnung und der Liebe", die bleiben, muß man sich unmittelbar der Schrift zuwenden. Dabei müssen wir zu der Einsicht kommen, daß wir da jetzt nirgends etwas Vollkommenes an Erkenntnis zu erwarten haben (1. Kor. 13:9-13). In den Fragen des "Brotes", von dem wir zuerst leben, muß jedoch ein völlig neuer, biblischer Standpunkt eingenommen werden, unerschütterlich gegründet auf die fundamentalen sozialen menschlichen Bedürfnisse und Interessen, die Gott selbst dem Menschen eingepflanzt hat. Sie tragen deshalb den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes. Davon können und müssen wir ausgehen. Was dem widerspricht, ist nicht von Gott. Das allein ist die sichere biblische Grundlage für unser soziales Leben als Christen jetzt und in Zukunft.
Auch hierfür gilt das Wort
Vergewissert euch über alle Dinge haltet an dem fest, was
recht ist
1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
WTG-Lehränderungen im Jahre 1974
Das "rechte" Lied vom
Weltuntergang. Zusammenhänge und Hintergründe -
Informationen aus Polen -
Die Kerngedanken des WT für Studium und Verkündigung
geprüft. WT 1974 Nr. 23, 24, dt. -
Die WTG-Politik des Antikommunismus und Antisowjetismus im
Jahre 1974 -
"Unnötig
lieblos und unmenschlich" behandelt -
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WTG-Lehränderungen 1974
Wie ist es möglich, daß die WTG seit ihrem ersten Datum
für den Beginn der "Zeit des Endes" 1799 (Die Harfe Gottes, S. 215, WTG 1926)
nun schon fast 200 Jahre lang Glauben für ihre Endzeitlehren findet, obwohl diese Zeit
nur eine Generation dauern soll?
Ein Hauptgrund ist ohne Zweifel der Umstand, daß die Lehren nur allmählich verändert werden, schrittweise nie völlig auf einmal, nur stückweise, ohne radikale Umbrüche, insgesamt langsam umwälzend, oft eine Zeitlang noch parallel mit dem alten, was eigentlich schon nicht mehr gilt. Dabei wird dafür gesorgt, daß alle immer ausreichend mit Dingen, beschäftigt und ausgefüllt werden, die eigentlich immer gültig sind, die auch unabhängig von einer Endzeit Gegenstand für einen Christen sind. Auch wird dafür gesorgt, daß niemand sich eine wirklichkeitsgetreue Gesamtübersicht über die WTG-Lehrentwicklung machen kann, u. a. durch Einziehung der älteren Literatur. Die unumgänglichen WTG-eigenen Gesamtdarstellungen, ihre eigene "neuzeitliche Geschichte", ist jedesmal so frisiert, verpackt und entschärft, daß jemand, der die ursprünglichen Schriften, Bücher und Dokumente nicht mehr zur Hand nehmen kann, kaum stutzig werden kann. Dazu kommen dann noch einige andere Faktoren wie Leichtgläubigkeit, Schicksalsschläge, Führungsbedürfnis, Dankbarkeit, Einsamkeit, Gemeinschaftsbedürfnis, Selbstbestätigung, Geltungsbedürfnis, Hilflosigkeit, Trostbedürfnis, Leid oder gar Verzweiflungen vielfältiger Art, die dankbar zu jedem Rettungsanker greifen lassen ohne zunächst näher und kritisch zu prüfen.
Die Generation von 1914 war eigentlich schon 1945 überzogen, wenn wir von der biblischen Generationsdauer von 30 Jahren ausgehen. Die Wirren des zweiten Weltkrieges halfen der WTG, diese ihre Krise zu verdrängen. Nun aber, mit 1975, wieder 30 Jahre weiter, ist die 1914-Generation auch physisch am Ende. Nur noch wenige alte 70-80jährige leben verstreut in den Versammlungen. Krampfhaft bauscht die WTG zwar alle jetzigen Krisenerscheinungen zu "endzeitlicher" Bedeutung auf. Aber die gesellschaftspolitische Entwicklung gibt trotz aller WTG-Anstrengungen nichts her, was durch entsprechende Deutung der WTG die Krise ersparen könnte, die nun auf sie zukommt, wenn "diese Generation" wieder vergangen ist.
Wir wollen nun näher betrachten, was die WTG im letzten Jahr vor ihrem Endzeitfehlschlagjahr 1975, im Jahre 1974, für wesentliche Veränderungen ihrer Endzeitlehre vorgenommen hat. Weil ja schließlich, wie immer, nichts weiter übrig bleibt, als weiter zu verschieben.
Die WTG wußte natürlich genau, mit welch gespannter Erwartung alle in das letzte Jahr vor 1975 eintreten, das in Wirklichkeit nichts bringen wird. "Gott handelt zur bestimmten Zeit" - mit dieser Thematik wird ein erster Dämpfer ausgeteilt: "Man kann Jehova auch nicht als launenhaft bezeichnen, nur weil es so scheint, als würde er die Erfüllung bestimmter Teile seines Vorhabens mit den Menschen hinauszögern. Vielmehr erweist sich das, was dem Menschen mit seinem begrenzten Urteilsvermögen als eine 'Verzögerung' erscheint, in gewisser Hinsicht als notwendig, damit sich die Segnungen einstellen können, die darauf folgen sollen." (WT 1. 1. 74, S. 4).
In klarem Deutsch heißt das, es "verzögert sich", es wird weiter verschoben. Wer das in seinem "begrenzten Urteilsvermögen" nicht hinnimmt, stellt sich gegen Gott. Auf diese Weise hat sich die WTG jedesmal die Hände in Unschuld gewaschen, wenn das, was sie "im Namen Jehovas" in die Welt posaunte, sich als falsch erwies, so 1914, 1925, 1945 und nun 1975.
Im WT vom 15. 3. 1974 erfolgte dann die ausführliche Besprechung des Jahrestextes 1974 - Habakuk 3:17, 18 - dessen entscheidende Bibeltextaussagen wohlweislich im Jahrestext selbst weggelassen werden: "Abgetrennt, wirklich keine Speise, kein Ertrag, Fehlschlag!" Dieser Jahrestext verfolgte das Ziel, eine innere Stimmung zu erzeugen, die etwa so aussieht: Und wenn nichts blüht, wenn unsere Hoffnung ohne Ertrag und Erfolg bleibt, und wenn sich die Endverkündigung wieder als Fehlschlag erweist, trotz alledem, dennoch! Mit dem Mut der Verzweiflung vorwärts! Dennoch jubeln! Eine Art Tanz auf dem Vulkan. Wie beim Untergang des Riesenpassagierdampfers "Titanic": Tanzend mit voller Bordmusik in die Tiefe! "Wie eine Hindin vor Freude springen!", heißt es dann auch im Kommentar (Jahrbuch 1974, S. 261). Die das überstehen, würde man dann schon irgendwie weiterführen.
Wohldurchdacht wurde auf diese Weise der Endzeitfehlschlag von 1975 gleichsam vorweggenommen. So vorbereitet gab es dann mit dem WT vom 1. 4. 1974 einen härteren Brocken. Ohne das zu erklären, erschien der WT in neuer Aufmachung: Das Wahrheitsquelle-Bild und der Name Zeugen Jehovas verschwanden von der Titelseite, die Zweckerklärung wurde verändert, indem u. a. der Unfehlbarkeitsbezug darin verschwand. Das wichtigste jedoch, kaum daß es ins Auge fiel: Mit der Streichung des Zitats "Sie werden alle von Jehova gelehrt sein" wurde der bisherige WTG-Anspruch, in göttlicher Autorität zu lehren, liquidiert. Wenn wir nur die Titelbildveränderungen nehmen. Das hat die WTG ja schon ein paarmal gemacht. Das Russell-WT-Bild war bis 1931, das anschließende Rutherford-WT-Bild bis 1951, das anschließende Knorr-WT-Bild ist nun 1974 liquidiert. Es zeichnen sich etwa Zwanzigjahr-Perioden ab. Wir können sicher sein, daß auch das neue Bild von 1974 für eine ähnliche Periode gedacht ist. So dient dies alles der auf der Tagesordnung stehenden weiteren Endzeitverschiebung.
Dann finden wir immer wieder solche Äußerungen in bestimmte WT-Artikel eingearbeitet: "Dieser Wechsel wird innerhalb dieser Generation eintreten, wenn es der Mensch wie das heute - der Fall ist - bis zum äußersten getrieben hat", und "Jehovas Zeugen sind nun seit einem Jahrhundert tätig", und "Gott ließ die vorsintflutliche Welt fünfzig Jahre oder länger . . eindringlich warnen" (WT 15. 7. 74, S. 420). Oder: "Gott beobachtet, wie sie zusammenarbeiten und die Watch Tower Society benutzen, um in jeden Winkel der Erde vorzudringen" (WT 1. 8. 74, S. 470). Solche Äußerungen verfolgen den Zweck, auf unterschwellige Weise jegliche Erwartungen zu zerstören, daß das Werk bald zu Ende sein könnte. Überlege nüchtern, was für eine gewaltige Zeitspanne noch erforderlich wäre, wollte die WTG tatsächlich "in jeden Winkel der Erde" vordringen! Und doch sagt sie es!
Nun erleben wir einen WTG-Schritt, der keinen Zweifel läßt: Auch die jetzige weltweite Endzeitverkündigung ist falsch, auch die jetzige Generation erlebt keine Vernichtung, kein Harmagedon, kein Ende! Bezeichnend ist, daß die WTG das in keinem WT veröffentlichte, sondern, soweit bekannt wurde, zunächst nur über die Aufseherschaft im antikommunistischen "Untergrund" bekannt werden ließ. Die betreffende WTG-Äußerung ist so brisant, daß sie zum Sprengstoff werden kann! Es handelt sich um eine neue Auslegung des Buches Jona. Im "Königreichsdienst" VIII/74 des WTG-Ostbüros in Wiesbaden, BRD, für die antikommunistische "Untergrundtätigkeit" des deutschen WTG-Zweiges heißt es in der Weisung "Aus dem Bericht über das Leben Jonas persönlichen Nutzen ziehen": "Was lernen wir daraus? Denken wir nicht so, wie Jona zuerst dachte, nämlich, daß es Jehova uns schulde, etwas Bestimmtes zu tun! Jehova mußte die Niniviten nicht einfach deswegen vernichten, weil Jona diese Botschaft gepredigt hatte. Wir sollten auf Jehova warten und das Beste für sie hoffen." Das ist das unverhüllte Eingeständnis der WTG, daß es auch diesmal keine Vernichtung, kein Harmagedon und kein Ende gibt! Warum wird dieser Zeitzünder auf diese Weise zuerst in der "Untergrundorganisation" der WTG gelegt?
Zugleich wird auch eine weitere Verschiebung der "Fürsten"-Erfüllung vorgenommen. Erst sollten die "Fürsten" 1914 auferstehen, dann 1925. Zuletzt hatte "Jehova gelehrt", daß sie schon längst auferstanden waren, seit 1919 in Gestalt der "Diener" in der WTG-Organisation! (WT 1. 3. 52, S.70f). Nun heißt es auf die Frage "Wer sind die Fürsten'?' so scheinbar ganz nebenbei: "Einige aus den Vorfahren Jesu . . . auch aus den treuen Männern der alten Zeit. .." und, "weitere 'Fürsten' werden aus denen hervorgehen, die die Vernichtung dieses Systems überleben . . ." (WT 15. 8. 74, S. 484).
Damit ist die 1919-"Erfüllung" liquidiert und auch dies alles weiter unbestimmt in die Zukunft verschoben. Wie erzitterten einst die Kongreßveranstaltungen in Jubel und Händeklatschen, als die WTG verkündete, daß die "Fürsten" seit 1919 schon "mitten unter uns" seien.
Der WT vom 15. 9. 74 setzt das Bemühen fort, alle wieder von dem 1975-Endzeittermin abzubringen. Wir lesen folgende gezielten Äußerungen: "Die Ewigkeit als Mittelpunkt unseres Gottesdienstes..... Nicht nur bis zu einem bestimmten Datum dienen..... Gott für immer dienen, ob die Drangsal nun in zwei oder drei Jahren oder noch später hereinbräche . . . Statt also Mutmaßungen über ein bestimmtes Datum anzustellen, als ob wir nur bis zu diesem Datum Gott dienen würden, konzentrieren wir uns auf die wichtige Predigttätigkeit . .. Und wir werden, wenn wir in die Zukunft blicken, nicht an ein bestimmtes Datum denken. sondern werden Gott dienen in der Hoffnung auf die Ewigkeit . . . (5. 568 ff). So wird auch das 1975-Ende wieder "verscheucht", wie WTG-Präsident N. H. Knorr das nennt (Dein Name werde geheiligt, S. 329, Abs. 14).
Und wer in Erkenntnis dieser Endzeitverschiebungen nicht mehr "weiter in dieser Richtung gehen" kann? Dem antwortet der WT drohend: "Vergessen wir nicht, daß sich Jehovas Organisation nicht ändern kann, um sich einzelnen Personen anzupassen." Ob solche Personen Recht haben könnten, wird überhaupt nicht diskutiert. Für "kritisieren oder zu bemängeln" gibt es für den WT nur eine Ursache: "Stolz ist die Wurzel des Problems . . . sogar eine gewisse Auflehnung gegen den heiligen Geist!" (WT 1. 10. 1974, S. 605). Dahinter verbirgt sich ein unnachsichtiges und gnadenloses Regiment. Man hat den Eindruck, als sei der anmaßende Leitsatz "Von Jehova gelehrt" nur zum Schein aus dem WT entfernt.
Fassen wir zusammen. Die unterschwellige Haupttendenz inmitten pausenloser Beschäftigung war 1974, alle Orientierung auf ein nahes Ende zu "verscheuchen" und wohldosiert einzuschleifen, daß auch "diese Generation" vergeht, daß es wieder keine Vernichtung, kein Harmagedon und kein nahes Ende gibt, sondern wieder auf unbestimmte Zeit weitergeht.
ZUSAMMENHÄNGE/Hintergründe
DAS "RECHTE" LIED VOM WELTUNTERGANG
Horst Stuckmann, Mainz
Wohin man blickt: die westlichen Demokratiesysteme stecken
in einer Krise. In Italien, Frankreich, Großbritannien, Dänemark und auch in der
Bundesrepublik. Die westliche "Führungsmacht", die USA, ist zerrüttet und
verfällt vom Weißen Haus her auf das moralische Niveau einer Chicagoer Gang.
Krisenbewußtsein breitet sich aus. Die Menschen sind weithin desorientiert. Sie verstehen
die Zusammenhänge nicht mehr. Sie spüren nur sehr hart und plastisch, wie ihr sozialer
Lebensstandard sinkt oder doch sehr bedroht ist. Inflation, Galopp der Preise,
zerbröckelnde Währungen, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit, die Hilflosigkeit der
Regierungen vor den internationalen. Konzernen, das alles beunruhigt und schafft Zustände
der Angst. Von den Regierenden kommen keine Antworten. Dies ist die Stunde der Ideologen
und Demagogen. In der Bundesrepublik suchen sie ihre Chance zu nutzen. Ihr Ziel ist es,
den eingetretenen Rechtsdruck zu verstärken.
Für ideologische Munition sorgt CDU-Generalsekretar Biedenkopf. Er bläst die Fanfare zu einem neuen Kreuzzug gegen äußere und innere Feinde. Die Auseinandersetzung zwischen der Bundesrepublik und der DDR ist für ihn ein "Religionskrieg" ebenso wie der Kampf gegen Demokratie und sozialen Fortschritt in der bundesdeutschen Gesellschaft. Biedenkopf will die Menschen zum Jenseits dirigieren, damit das Diesseits nicht menschlich, nicht humanistisch geordnet wird, sondern Herrschaftsgebiet der Konzerne, aus deren Diensten er selbst kommt, bleiben kann. Er macht Angst vor der Wirklichkeit, damit nur niemand den Gedanken faßt, sie menschenfreundlich zu gestalten. Wer auf gesellschaftliche Veränderungen drängt. verdirbt ihm das konzernfreundliche Konzept. Damit das aber nicht erkannt wird, bemüht Biedenkopf die Apokalypse: Eine andere als die herrschende Ordnung soll nicht lebensfähig sein..
Diese Behauptung ist gegenwärtig ein Leitmotiv aller rechten Ideologen. Sie schrecken mit großformatigen Weituntergangsvisionen. Claus Jacobi hat eine besondere grausige in seiner "Wirtschaftswoche" (Nr. 12 vom 1. 3. 1974) ausgemalt. Auch für ihn gilt: "Die Welt wird unregierbar". Er läßt als Zeugen dafür "vier Rennreiter der Apokalypse" heranstürmen: den Überfluß an Menschen, den Mangel an Rohstoffen, die Fortschritte einer revolutionären Technologie, den Abbau der bestehenden Moralgesetze. - Um den Verfall der Sittengesetze beklagen zu können, steigt er tief in die Geschichte hinab, wo er sich mit dem Kulturpessimisten Platon trifft. Besonders schlimm sind ihm die Zustände in der Bundesrepublik.
Hier steht eine Machtübernahme bevor: durch putschende Generale?, durch die Hilfstruppen der-internationalen Konzerne? durch F. J. Strauß? Nein - die Rechte sinnt für Jacobi nicht auf solch schändliches Spiel. Es sind die "außerparlamentarischen Kräfte", doch nicht allein die alte APO. Von anderer Seite droht dem alten Rom die Hauptgefahr. "Während in der Bundesrepublik etwa CDU und SPD noch zierlich im Salon um die Mehrheit streiten, lagern im Hof und auf den Wällen des Schlosses längst die Prätorioner gewerkschaftlicher Macht."
Der "Feind" ist ins Visier genommen: die Arbeiterbewegung. Die herrschende Konzernklasse fühlt sich durch sie bedroht. Das ist nicht neu. Neu ist nur die offene Erklärung des Klassenkampfes von oben. Vorbei ist es mit der idyllischen Ideologie der Sozialpartnerschaft. Es geht wieder unverhüllt auf Hauen und Stechen. Weil die Herrschenden nicht mehr ungestört herrschen können und die Beherrschten nicht mehr stumm im Gehorsam sich beherrschen lassen, wird der Beginn des Weltunterganges prophezeit. Nur, es ist die alte Welt, die zum Untergang reif ist, die Welt des Profits und der Ausbeutung.
Das soll vertuscht werden. Darum erheben Ideologen wie Jacobi ihre Sorgen zu metaphysischen Sorgen. Ihr eigener Niedergang soll die Welt in den Abgrund nachziehen. Schon ein anderer ideologischer Lautsprecher, Goebbels, wollte mit seinem Abgang die Tür der Weltgeschichte zuschlagen. . Jacobi läßt seiner Menschenverachtung freien Lauf: "Der Überschuß an Menschen hat den Wert des einzelnen Menschen dezimiert. Der Wert menschlichen Lebens, bisher Kern jeder menschlichen Moral, ist durch die Inflation menschlichen Lebens ins Bodenlose abgesackt." Der Klartext ist durch Umkehrung zu erschließen: Soll der einzelne Mensch wieder gewertet werden, muß die Menschheit dezimiert werden, soll die Inflation an Menschen gestoppt werden, müssen Menschen aus dem Verkehr gezogen werden.
Die Ideologie der Rechten erweist sich als Anleitung für Schlächter. Das Gerede vom Weltuntergang muß als Aufruf zur Massenvernichtung entlarvt werden.
Viele Christen wollen es immer noch nicht wahrhaben, daß diese Gefahren drohen, daß der Klassenkampf von oben mit allen Mitteln und bis zum bitteren Ende geführt wird. Sie gehen darum auch den Angstmachern und Weltuntergangspropheten willfährig auf den Leim. Sie vergessen darüber, daß Jesus Christus kein Würgeengel ist, sondern ganz im Gegenteil der Befreier auch aus der Klassenideologie des Weltuntergangs. Nötig ist jetzt die Organisation der Gegenmacht. Christen sollen sich daran beteiligen. Die Hauptkraft kann dabei nur die Arbeiterschaft sein, gegen die die Herrschenden die Apokalypse organisieren, wollen.
H. Stuckmann, Studentenpfarrer, Mainz,
BRD, zeigt hier (Neue Stimme, Mainz, Mai 1974), daß ein ganz konkreter Zusammenhang
besteht zwischen den gegenwärtigen Krisen der westlichen Welt und den damit hochkommenden
Weltende-Verkündigungen. Er zeigt auch, welchem politischen Zweck das dient, auch wenn
die betreffenden Christen das nicht erkennen: Verhinderung revolutionärer Entwicklungen.
Wenn wir die WT-Geschichte mit ihrem Antikommunismus verfolgen, so erkennen wir, wie mit
jeder großen Krisenzeit auch die WTG mit neuen Endzeitdaten und neuen
Endzeitbibeldeutungen aufwartete. Die apokalyptischen Reiter wurden schon dreimal
verschieden ausgelegt; 1917, 1930 und jetzt für 1975 (Schriftstd. Bd. 7/1917, Licht
I/1930, WT 15. 9 74, CV 66/1975, S. 4). Aber auch 1975 wird schon wieder verscheucht.
Was zeigt das?
Hohe Anerkennung der
"Dokumentation" und "CV"
Informationen aus Polen
In allen Konfessions- und religionswissenschaftlichen
Kreisen Polens haben das Buch "Die Zeugen Jehovas - eine Dokumentation über die
Wachtturmgesellschaft", Urania Verlag DDR 1970, und die Monatsschrift
"Christliche Verantwortung" (CV) sehr hohe Anerkennung gefunden. Beide
Publikationen sind in allen Universitäts- und Konfessionsbibliotheken Polens allgemein
zugänglich, und sie werden gern und oft gelesen. Um z. B. die ."Dokumentation"
zu leihen, muß man oft bis zu einer Woche warten. Das bedeutet, daß die
"Dokumentation" nicht wie ein Roman gelesen wird, sondern gründlich
durchforscht wird. Kein Zweifel, eine so gründliche Dokumentation ist das erste Mal in
der Geschichte der Bibelforscher erschienen!
Eine sehr positive Beurteilung des Werkes haben z. B. die Jesuiten in Lublin ausgedruckt. "Das ist ein fundamentales Werk, eine knappe und objektive Darstellung der Geschichte und Entwicklung der Bibelforschergruppen mit besonderer Berücksichtigung der Zeugen Jehovas. Es freut uns, daß eine so wissenschaftlich-populäre Arbeit wie die Dokumentation herausgegeben wurde", sagte der Jesuiten-Ober im Gespräch. In der Bibliothek der Jesuiten hat dieses "Blaubuch" einen guten Platz gefunden, und es ist ihnen in der seelsorgerischen und wissenschaftlichen Arbeit sehr behilflich.
Eine sehr hohe Anerkennung hat die "Dokumentation" auch von der Direktion der Staatsbibliothek von Hieronim Lopacinski in Lublin in einer Dankschrift vom 8. Nov. 1974 gefunden. "Dieses Buch hat bei uns besonders viel Leser gefunden", teilt die Direktion der Bibliothek mit. In der Staatshauptbibliothek der Universität Maria Sklodowska Curie in Lublin steht die Dokumentation' unter Nr. 220685. Der Hauptdirektor der Bibliothek, Dozent Dr. Jan Gurba, unterstrich in seinem Schreiben vom 28. Nov. 1974 "den wissenschaftlichen und dokumentarischen Wert und die Wichtigkeit der Publikation für Wissenschaftler".
Der Direktor der Hauptbibliothek der
Theologischen Katholischen Akademie A. T. K. in Warschau, Priester Czeslaw Baran, OFM
Conv. hob in seinem Schreiben vom 16. 7. 74 "den informatorisch-wissenschaftlichen
Wert der CV" ausdrücklich hervor.
Die Bibliothek sammelt CV und macht sie allen Lesern
zugänglich. CV steht in dieser Bibliothek unter der Nummer C-2170. Sehr große
Wertschätzung finden "Dokumentation" und "CV" bei den
Wissenschaftlern der Katholischen Universität in Lublin (KUL). In der Allreligions- und
Allkonfessionsbibliothek in Lublin (Universität) trägt die "Dokumentation" die
Nr. 181255-II und CV hat die Nr. V-17870. Der Hauptdirektor der Bibliothek, Dozent Dr.
habil. Romuald Gustaw, OFM, schätzt beide Publikationen sehr.
Bei allen Gruppen der Bibelforscher in Polen sind die Meinungen über die "Dokumentation". und "CV" verschieden. Das ist verständlich, denn die Darlegungen sind oft unbequem, die Probleme sind nicht bewältigt. Aber die Sehnsucht nach Wahrheit über den "Wachtturm" hat auch schon in Polen vielen geholfen. In den Bibelforschergruppen entwickeln sich die Dinge, um als freie Christen verbunden zu sein!
So machen sich auch in Polen Christen frei von falschen Wachtturm-Dogmen. Es wächst und verstärkt sich der Kreis der Christen, die sich auf diese Weise freimachen, aus vielen Gruppen. Es ist nur biblisch, wenn sich die Brüder und Schwestern im Namen Jesu sammeln und alle falschen Dogmen beseitigen. Solche befreiten Christen sammeln sich in Polen in folgenden Gemeinden:
1. Jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr,
jeden Sonntag von 10 bis 14 Uhr in der Kapelle der Evangel. Christen, Aleje Jerozolimskie
99, 02-001 Warschau.
2. Jeden Sonntag von 14 bis 16.30 Uhr bei Br. Edword Rycak
in Alojzow, 22-122 Majdan Lesniowski..
3. Jeden Sonntag von 12 bis 15 Uhr bei Br. Bronislow
Nieklorz in Chiewiska, 37-610 Narol.
4. Jeden Sonntag von 14 bis 16.30 Uhr bei Br. Lichowid,
ul. Kostronia 16, 37-630 Oleszyce.
5. Jeden Dienstag und Donnerstag von 18 bis 20 Uhr, jeden
Sonntag von 12 bis 15 Uhr bei Schw. Helen Cwiek, Rynek 5/11a, 20-111 Lublin.
6. Jeden Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr, jeden Sonntag von 10
bis. 14 Uhr in Epiphanie-Kapelle, ul. M. Buezka 20/31, 20-105 Lublin, Ltg. Br. Jan
Lagowski, Lublin.
7. Jeden Donnerstag von 17 bis 19.30 Uhr und jeden Sonntag
von 10 bis 14 Uhr in Epiphania-Kapelle ul. Ignacego Krasiekiego 24, 20-358 Lublin, Ltg.
Br. Jan Bialkowski, Lublin.
Diese Christen öffnen die Augen, sie
haben keine Lust mehr, im Gefängnis falscher Wachtturm-Dogmen zu stecken, sie greifen zur
Bibel und machen sich davon frei. "Der Herr macht die Gefangenen frei, der Herr macht
die Blinden sehend."
Psalm 146:7-8.
J. W.
Der Feigenbaum blüht nicht, das Werk
des Olivenbaumes ist ein Fehlschlag
Die Kerngedanke des WT für Studium und Verkündigung
geprüft
WT Nr. 23 vom 1. Dezember 1974
"Wird man je ohne Schlösser sicher leben
können?" -
Einerseits eine WT Schwarzmalerei, die in maßloser
weltlicher Übertreibung gipfelt.- Der Sheriff von Roundup (Montana, USA, ungefähr 2800
Einwohner) erklärte, es bestehe keinerlei Achtung vor dem Gesetz." Jedem Normalen
ist jedoch klar, daß der ganze Ort nicht nur aus Gesetzlosen bestehen kann. Auch in den
USA nicht. Doch wer prüft schon kritisch WT-Zitate? Vor dem Hintergrund dieser
"Gesetzlosigkeit" werden dann zitiert ein New Yorker Stadtverordneter, ein
Geschäftsmann, eine US-Zeitschrift: Die Zeugen dagegen seien "für ihre Ehrlichkeit
bekannt", es gäbe "keine ehrlicheren Menschen in der Welt", es sei
"ein Vergnügen, mit solch ehrlichen. friedliebenden Menschen zusammen zu sein."
Jedes ehrliche Mitglied eines Versammlungs-Rechtskomitees weiß indes, daß jährlich
Tausende Fälle von Ehebruch, Unsittlichkeit, Verleumdung, Diebstahl, Lüge und
Unehrlichkeitnmit allem drum und dran verhandelt werden. Keine Versammlung ist
ausgenommen. So wird der Öffentlichkeit durch den WT, ein unehrliches Bild von Jehovas
Zeugen gegeben.
"Das Leben inmitten der Unruhen in
Irland" -
Mit dem geschilderten Heraushalten aus dem
religiös-politischen Streit in Nordirland will der WT die politische Neutralität der
Zeugen beweisen. Abgesehen davon, daß es tatsächlich so ist, daß die betroffenen Zeugen
ihre Sicherheit dank der Verteidigungskomitees haben, die sie ablehnen - es gibt keine
Wunder mehr - würden die-Zeugen sich sofort anders verhalten. wenn es nur um sie selbst
ginge. Das Zweigbüro Magdeburg hatte z. B. eine Wache, die mit Gummiknüppeln
ausgerüstet war. Auf den Zeugenkongressen arbeitet der Ordnungsdienst gegebenenfalls mit
den staatlichen Polizei- und Sicherungskräften zusammen. Das WTG-Ostbüro in Westberlin
arbeitete mit der Politischen Polizei gegen sog. "Ostagenten" zusammen. Die
Fortsetzung des" kalten Krieges mit der kommunistischen Welt und roten
Regimen" (WT 1. 3. 74) seitens der WTG beweist schließlich, daß die WTG und die ihr
bedenkenlos folgenden Zeugen zu den politisch extremsten Rechtskräften unter den
Religionsgemeinschaften gehören, daß die WTG nur "neutral" ist, wo es ihr
zweckmäßig erscheint.
Die WT-Neutralitätserklärungen sind also unehrlich.
"Wahre Christen dürfen keine
Feiglinge sein". -
Kerngedanken: "
bereit sein (für die WTG)
Gefahren, Schwierigkeiten, Gegnerschaft, ja selbst dem Tod ins Auge zu sehen
falsch, nur
dem Eigennutz zu leben . . . nicht wie Feiglinge aus Furcht oder Scheu nicht mehr Gottes
Willen tun ausharren
Dienst treu fortsetzen
Treue bewahren davon
zurückhalten, dem Druck nachzugeben und sich die Sache durch Kompromisse zu erleichtern .
. Feiglinge keine Zuversicht, Gott gegenüber illoyal
nicht unter Druck feige der
Furcht nachgeben . . .". So wird jeder moralisch diskriminiert und fertiggemacht als
eigennützig, furchtsam, Kompromißler, untreu und feige, wenn er auch nur die geringsten
Bedenken, wie sie jetzt mit dem 1975 Endzeitfehlschlag kommen müssen, gegen die WTG
erhebt. Wie ein ehrloser Lump soll sich jeder fühlen, wenn er der WTG nicht mehr
bedenkenlos folgt. Ja, er wird gegen Gott ausgespielt als Feigling, der nicht mehr Gottes
Willen tun will. Aber erhebt sich gegen Gott, wer den WT kritisiert? Ist der WT
gottgleich? Niemand wird durch den WT "von Jehova gelehrt". Das hat der WT
selbst streichen müssen! Auch der WT ist nur menschliches "Stückwerk". Treue?
Man muß doch immer fragen, wofür, wem. Das hat mit Feigheit überhaupt nichts zu tun. Es
erfordert eher großen Mut, so zu fragen. Niemand lasse sich durch den moralischen
Knüppel der WTG einschüchtern.
"Treue - ein Lebensweg" -
"Durch Treue am Leben bleiben" -
Es wird hier aus der Bibel alles zusammengetragen, was
dort entscheidend über Treue gesagt wird. Das wird dann so dargestellt, als gelte es
allein dem WT-Werk. Wer dem nicht mehr rückhaltlos, uneingeschränkt und bis in den
Tod" treu bleibt, soll sich nur noch als ehr- und treulos vorkommen. Todesdrohungen
werden ausgesprochen: Er werde nicht mehr "am Leben bleiben", weil er von dem
"von Gott bestimmten Lebensweg abgewichen" sei. Doch Gott hat den sich schon
über Jahrzehnte erstreckenden WTG-Endzeitirrweg nicht bestimmt. Es ist höchste Zeit, das
zu erkennen. Kein ehrlicher-Christ kann einem unglaubwürdigen Werk Treue halten. Sollen
wir aufzählen, wer alles schon an die Treue appelliert hat? Nein, Treue im Glauben an
Gott und in der Nachfolge Jesu sind nicht unbedingt gleich Treue zur WTG. Das wäre
furchtbar. Eine einzige WT-Bemerkung verrät, worum es auch jetzt wieder geht: ."Die
Zeit vergeht . . .
Später, vielleicht noch Jahren magst du auf einem Kongreß dieser Person vorgestellt werden .-. ." (S. 725 Abs. 29). Die das 1975-Ende mit dem WT in die Welt posaunten, haben nie selbst daran geglaubt, sie planen längst um viele Jahre weiter. Selbst spätere Kongresse werden schon ins Auge gefaßt. Es geht der WTG um die Treue zu ihrem Werk, um nichts anderes. Sie hat zu jeder Zeit aus der Bibel zusammengetragen, was da nützlich war, von 1799 bis 1975, und nun weiter darüber hinaus.
"Gibt es eine geeinte Gruppe
wahrer Christen?" -
Wieder werden alle emotionell gepackt: "Feststehen in
einem Geist . . . wie ein Mann an der reinen Lehre festhalten
nichtgegeneinander
arbeiten . . . entfernt euch nicht
nicht voneinander unabhängig handeln
nicht aufspalten
nach einer geeinten Gruppe Ausschau halten."
Ein Spiegelbild dessen, womit die WTG zunehmend ringt. Die "reine Lehre" der Bibel steht gar nicht in Frage. In Frage steht allein die WT-Endzeitbibelauslegung. Und die Organisation eine .."geeinte Gruppe"? Wir erinnern nur an die Spaltung 1971/72 in Brooklyn (Konrad Franke, Wiesbaden), wo sich über 300 Mitarbeiter gegen den 1975-Kurs der WTG erhoben. Oder an die 300 000, die sich allein seit 1947 wieder abgespalten haben (Jahrbuch 1974, S. 254). Was verbirgt sich dahinter für eine "Einheit"? Von der wahren christlichen Einheit im Geiste, wie sie in Epheser 4:1-6 und Phil. 3:17-19 von allen Christen gefordert wird, ohne Ausnahme bis heute, spaltet der WT mit seiner haltlosen "irdischen Ausrichtung" seit-1935 insbesondere in Wirklichkeit alle ab, die sich seit dieser Zeit mit ihr verbinden und ihr folgen. Andererseits - auch jede andere Gemeinschaft kann in ihrem Sinne Einheit aufweisen. Die WTG genießt keinen Vorzug. Auch der WT-Appell an die Einheit ist jetzt ein vordergründiges Erregen von Emotionen, um das Bewußtsein des 1975-Endzeitfehlschlages zu verdrängen und vergessen zu machen.
WT Nr. 24 vom 15. Dezember 1974
"Welche Macht üben die Vereinten Nationen in der
Welt aus?" - "Was bringt die Zukunft den Vereinten Nationen?"
Zwei Kernfragen nur, und. beide Artikel sind erledigt Die
WTG verschweigt, daß sie hier schon die dritte Tier-Auslegung aus Offenbarung 17 bringt.
Ist das ehrlich? Die erste wurde als "vollendetes Geheimnis", als "Deutung
und Auslegung, die nicht mehr bestritten und widerlegt werden könne", in
Schriftstudien Bd. 7 ab 1917 weltweit proklamiert: Das Papsttum. (Bd. 7, S. 355, Magdeburg
1925). Diezweite wurde als "Licht von Gott" aller Welt 1930 gepredigt. Haager
Schiedsgericht und Völkerbund (Licht II, S. 101, Magdeburg 1930). Die dritte
wurde der Welt im Babylon-Buch von 1963/65 verkündet: Die Vereinten Nationen (UNO). (S.
585f). Überlassen wir das Urteil über solche Verkündigung der Schrift: "Wisse:
Wenn das, was ein Prophet im Namen des Herrn verkündigt, nicht eintrifft und nicht in
Erfüllung geht . . . . in Vermessenheit hat der Prophet es ausgesprochen, du brauchst vor
ihm nicht bange zu sein." 5. Mose 18:22.
Die andere Kernfrage. Weder Papsttum noch Völkerbund noch UNO konnten und können jemals die "religiösen Systeme vernichten", was im WT-Endzeitsinn der Harmagedonauftakt ist. Religionsfreiheit und Mitarbeit der Christen am Frieden unter den Nationen im Rahmen der Menschenrechte gehört vielmehr zu den unaufgebbaren Fundamenten der UNO selbst. So erweist sich auch die UNO nicht als jenes "Tier" und wird sich nie als solches erweisen können. Das im WT trotzdem zu verkündigen, offenbart einen religiös-politischen Endzeittrug, wie es ihn in der gesamten Geschichte der Religionsgemeinschaften noch nicht gegeben hat. Angenommen, es würde trotzdem so kommen, so würde das nach dem jetzigen Stand der Dinge eine unabsehbare Zeit und eine unabsehbare Entwicklung erfordern, was jetzt dazu beitragen kann, daß die Zeugen unter der WTG weiter auf unbestimmte Zeit ausharren. Allein darum geht es der WTG.
"Sich nicht davon zurückhalten,
noch der Wahrheit zu. handeln" -
Der Artikel widerspiegelt, wie sich immer mehr mit dem
1975-Fehlschlag nach einer Neuorientierung umschauen. Wir brauchen nur zu beachten, was
der WT aufs Korn nimmt: Zweifel, eigene Neigungen, frühere Lebensweise, andere ethische
Grundsätze, andere Kirchen und Gemeinschaften, die Welt der Kunst, andere Gesellschaft,
Unterhaltung andere Bücher und Zeitschriften CV inbegriffen, Filme, Fernsehstücke u. a.
m. WT-Absicht ist nun, alles dies durch negative Beispiele und Vorkommnisse generell
abzuwerten, schlechtzumachen, zu verteufeln, als ob da nichts als "Finsternis"
sei, wogegen die WTG allein die "Wahrheit" predige. Doch wer kann weiter
ehrlicherweise bereit und bestrebt sein, nach wie vor nur "über die Segnungen zu
sprechen, die der Menschheit durch die WT-Bibelauslegungen Generation um Generation
vergehend versprochen werden? Aufs neue jedoch mit 1975 unglaubwürdig! Gott spricht nicht
durch den WT.
"Fortfahren, seine Gebote zu
halten" -
Seine Gebote? Niemand wendet sich gegen Gottes Gebote, zur
Diskussion steht einzig ihre Auslegung durch die WTG. Zum Beispiel: Jede Woche fünfmal
zusammenkommen. Der WT rügt nun, was alles dagegen vorgebracht wird. Dafür gebe es kein
Gebot, Entschuldigungen wie schlechtes Wetter, leichte Erkrankungen, Verwandtenbesuch.
Gegen die sich steigernden Predigtforderungen werden Reparaturen in der Wohnung geltend
gemacht, den Wagen nachsehen, Ältestenherrschaft u. a. m. Folgende Bemerkung verrät, was
die WTG will. Wenn jemand etwas fortgesetzt tut, wird es ihm mit der Zeit zur Gewohnheit,
er tut es immer wieder. Wir können sagen, er tut es, was immer es auch sei,
gewohnheitsmäßig. Es wird zu einem Bestandteil seines Lebens, zu etwas, was er nicht
mehr aufgeben möchte." (S. 751). Im Klartext heißt das: Es soll zu einer
unaufgebbaren Gewohnheit werden, zu tun, was die WTG sagt, "was immer es auch
sei", ohne also am Ende noch darüber nachzudenken! Die Gewohnheit soll bestimmen,
nichts anderes mehr, "jederzeit das zu tun, was verlangt wird" in der Annahme,
von Gott, während es in Wirklichkeit die WTG lediglich im Namen Gottes ist, um zunächst
wegen 1975 nicht zusammenzubrechen.
"An den Wegen Jehovas Gefallen
finden" -
Zwei entscheidende Kerngedanken. 1.: "Wie das sich
allmählich fortpflanzende Morgenlicht die Formen und Farben der Dinge, die es beleuchtet,
immer besser erkennen läßt, so ist auch die Erfüllung der göttlichen Verheißungen
jedes Jahr deutlicher als eine Realität zu erkennen" (S. 757). Das ist ein
täuschender Mißbrauch der Schrift, um als "Hellerwerden" erscheinen zu lassen,
was in Wirklichkeit seit 1799 Nichterfüllung, Fehlvoraussage, Verwerfung, Umänderung ins
Gegenteil (z. B. Obrigkeit), Widerspruch, Verschweigen, Vertuschen, Hinausschiebung, ja
Verfälschen und Unterschlagen früherer "Wahrheiten" ist. - 2.: "Jehova
hat seine Verheißungen auf wunderbare Weise erfüllt, und wir sind noch nicht am Ende.
Wer wollte daher an ihm, durch dessen Geduld so viele Menschen gerettet wurden, keinen
Gefallen haben?" (S. 757). Nichts hat sich erfüllt!
Alle entscheidenden "Zeichen"
sind Nichterfüllungen, Umdeutungen und Verschiebungen, z. B. das "Tier". Und
wir sind damit tatsächlich nicht um Ende! Die Endzeit wird wieder verschoben. Wer hier
die Geduld verliert, hat an Gott kein Gefallen mehr? Das ist doch Täuschung und Bluff!
Das ist ein skrupelloses Ausspielen gegen Gott, als ob man gegen Gott sei! Niemand ist
deswegen gegen Gott. Die Ungeduld richtet sich allein gegen das, was die WTG im Namen
Gottes treibt!
W. Ko.
Die WTG-Politik des Antikommunismus und
Antisowjetismus im Jahre 1974
Wir wollen zuerst die Tatsachen sehen. Das Jahrbuch 1975
mit dem Jahresbericht über die internationale Tätigkeit 1974 dokumentiert es erneut:
" . . . bewiesen die Veröffentlichungen der Watch Tower Society seit 1879 eindeutig,
daß Jehovas Diener gegen den Kommunismus sind . . . eine Resolution gegen den Kommunismus
wurde begeistert angenommen" (S. 234). Es ist tatsächlich nach wie vor so, wie es im
Babylon-Buch gesagt wird: "Die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem
Weltkommunismus hat sich nicht geändert" (S. 537).
Wie sah das nun im Jahre 1974 im einzelnen aus? Ehe wir die Bedeutung dessen prüfen und untersuchen, wollen wir uns vor Augen führen, wie diese antikommunistische und antisowjetische Politik wieder in die Verkündigung eingeflochten wurde. Es geht wieder das ganze Jahr hindurch, von Januar bis Dezember.
Es beginnt mit folgender Feststellung: "Jehovas Zeugen sind in politischen und militärischen Fragen neutral. Die Watch Tower Society hat es immer wieder abgelehnt, politische Propaganda in ihre Schriften aufzunehmen, obwohl ihr schon materielle Vorteile angeboten wurden, wenn sie dies täte" (WT 1. 1. 74, S. 31). Man bleibe ruhig bei dieser Behauptung, wir wollen erst weiter sehen.
Indem die WTG die italienische Bewegung Christen für den Sozialismus (Christiani per il socialismo) durch Apostrophierung als Scheinchristen hinstellt, dokumentiert sie erneut ihren eigenen Krieg gegen "das System von Marx und der katholischen Kirche" (Erw. 8. 2. 74, S. 30).
Unter der Schlagzeile "Warum ist die Religion um Frieden mit dem Kommunismus bemüht?" dokumentiert die WTG sodann ihre eigene Fortsetzung des "kalten Krieges mit der kommunistischen Welt" und ihre eigene Feindschaft zu jeglicher "Koexistenz mit roten Regimen". Wer ."um Frieden mit dem Kommunismus bemüht ist", nehme "unmoralische Beziehungen" auf. Es sei das gleiche, als ob er "mit Gotteshassern ins Bett" gehe, es sei "Hurerei" (WT 1. 3. 74, S. 131 f).
Unter der Schlagzeile "Wohin führt die Einmischung der Kirchen in Politik?" prangert die WTG jegliche Unterstützung "sozialistischer oder kommunistischer Organisationen" an. Es wird hervorgehoben" "daß es für einen Christen unmöglich sei, Kommunist zu sein oder für einen Kommunisten, Christ zu sein". In diesem Zusammenhang wird der "Castro-Kommunismus" angeprangert, der "kolumbianische Guerilla-Priester Camilo Torres" wie auch der Generalsekretär des Weltrates der Kirchen, Philip Potter. Wer sich wie diese mit "Politik und Revolution" befasse, sei nicht "Gott wohlgefällig" und müsse als "ehebrecherisch" und "verunreinigt" bezeichnet werden. (Erw. 8. 3. 74, S. 16 ff).
Unter der Schlagzeile "Die schicksalsschwere Hypothek für die russische Kirche" wird zitiert, die "russische Kirche" sei "stets die Stütze für die Herrschaft der Knute und die Helfershelferin der Despotie gewesen". In antisowjetischer Weise zitiert die WTG dazu einen neueren amerikanischen Literaten, daß dies auch jetzt der Fall sei, "wenn der Kreml die Kirche ruft" (Erw. 22. 3. 74, S. 3).
Unter dem Stichwort "Katholiken und Kommunisten" prangert die WTG den Vatikan an, weil er sich mit seinem "alten atheistischen Feind" im "kommunistischen Osten" versöhne. Die katholische Kirche lasse sich hier wie eine "Prostituierte" mit einem "wilden Tier" ein. (WT 1. 5. 74, S. 263).
Unter der Schlagzeile "Warum die
zunehmende Gesetzlosigkeit?" prangert die WTG "Geistliche aus Chile" an,
die von der faschistischen chilenischen Militärjunta verfolgt werden unter der
Beschuldigung, "den Marxismus und den Klassenkampf ins Land gebracht zu. haben".
Der WT urteilt, "sie haben es sich -selbst zuzuschreiben, daß gerade auf Grund dieser
Betätigung eine solche Anklage gegen sie erhoben wird".
(WT 15. 5. 74, S. 293).
Unter der Überschrift "Erdöl ein Schlüssel zur Weltmacht" werden die "kommunistischen Nationen" als Anführer "in dem Block der totalitären Nationen in der heutigen Zeit" angegriffen. Der "kommunistische König des Nordens" habe "auch die Kontrolle über einen beträchtlichen Teil der Reichtümer der Erde an sich gerissen". (Erw. 22. 5. 74, S. 23).
Unter der Fragestellung
"Benötigen wir eine Priesterschaft?" wird propagiert, "daß die gottlose
kommunistische Herrschaftsform niemals für ihre Untertanen Frieden und Glück
herbeiführen kann" (WT 1. 6. 74, S. 349).
Zu den "Hintergründen der Haltung des Papstes - der
kürzlich auch den sowjetischen Außenminister Gromyko zu einer eineinhalbstündigen
Privataudienz empfing - dem Kommunismus gegenüber" zitiert die WTG u. a.
den BRD-Schriftsteller R. Raffalt und Sein Buch "Wohin steuert der
Vatikan?". Danach wende sich Papst Paul VI. von der westlichen, liberalen, "kapitalistischen"
Lebensform ab in der Überzeugung, "die Welt der Zukunft könne nur sozialistisch
sein". Unter Verwendung eines Ausspruches im Markus-Evangelium wird dem Vatikan
deswegen das "Nichtbestehen" prophezeit. (Erw. 8. 6. 74, S. 31).
In einem Bericht über die WTG-Kongresse des Jahres 1973 in den Entwicklungsländern bzw. Ländern der "dritten Welt" hebt die WTG hervor, wie "Regierungen und Beamte" mit den "offiziellen Vertretern der Zeugen Jehovas zusammenarbeiteten", weil diese sich "völlig davon zurückhalten, irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen oder revolutionäre Bewegungen zu unterstützen". (WT 1. 7. 74, S. 407).
Unter der Schlagzeile, "Die Kirche und die Gesetzlosigkeit" erklärt die WTG, "die Kirchen begünstigen Revolutionen und Gewalttaten und stellen menschliche Ansichten über Gottes Wort". Dadurch würden sie "viele irreführen" und seien "für die zunehmende Gesetzlosigkeit verantwortlich". Es wird aufgefordert, darum "der Kirche" jegliche "Unterstützung" zu entziehen. (WT 15. 7. 74, S. 441).
Unter dem Thema "Eine gute Botschaft für die ganze Menschheit" wird die erst auf das Papsttum, dann auf den Nazismus und nun auf den Kommunismus verschobene "Nordkönig"-Hetze fortgesetzt. Es wird "prophezeit", der kommunistische "diktatorische, totalitäre Nationenblock" werde durch die Zeugen Jehovas "in Bestürzung versetzt" und werde dann ausziehen, um diese Zeugen "zu vertilgen und der Vernichtung zu weihen". Dann und darum werde der Kommunismus jedoch "selbst vernichtet werden" (WT 1. 9. 74, S. 526).
Unter der Thematik "Nicht mehr für sich selbst leben" übernimmt die WTG das Lob eines antikommunistischen und antisowjetischen tschechoslowakischen Reporters für den antikommunistischen und antisowjetischen kalten Krieg der Zeugen unter WTG Führung in den fünfziger Jahren. In "kommunistischen Arbeitslagern" hätten die Zeugen "grausame Behandlung" erfahren, weil sie "eher sterben wollten, als durch ihre Arbeit zur atomaren Bedrohung durch die Sowjets beizutragen" (WT 15. 9. 74, S. 565).
Unter der politischen Schlagzeile "Welche Macht üben die Vereinten Nationen in der Welt aus? "propagiert die WTG, die Zunahme und das Übergewicht der "kommunistischen und neutralen Länder" aus "Asien und Afrika" sei der "wesentliche Grund, weshalb die UNO an Bedeutung in der Welt einbüßte".
Dagegen sei die UNO unter dem
"Einfluß des Westens" von Bedeutung gewesen. Die UNO sei "ein nutzloser und
rebellischer Versuch". (WT 15. 12. 74, S. 740 ff).
Was können wir auf Grund dieser antikommunistischen
WTG-Propaganda sagen?
Wir wollen auf keinen Fall alle Zeugen Jehovas
bezichtigen, diesen WTG-Antikommunismus und Antisowjetismus gutzuheißen. Es sind Fälle
bekannt, wo sich Brüder demonstrativ gegen diese WT-Politik wenden. Aber noch lassen sich
zu viele mißbrauchen, diese Politik in Verbindung mit der Verkündigung gleichfalls zu
verbreiten. Auch die von der WTG angeleitete Organisation beweist durch ihre Rolle im
"Untergrund", daß sie politisch ein Kind gleichen Geistes ist.
Auf jeden Fall erweist sich auf Grund der angeführten politischen WTG-Äußerungen die eingangs zitierte WT-Behauptung, die WTG lehne es ab, "politische Propaganda in ihre Schriften aufzunehmen", als eine dreiste und freche Lüge. Warum begreifen das so wenig? Wie dick-und schreien muß die politische antikommunistische Propaganda in den Studien- und Verkündigungsmaterialien sein, bis sie es erkennen? Oder wollen sie es nicht erkennen? Das würde schlimme Folgen haben, weil sie dann als religiös-politische Heuchler behandelt werden müßten. Aber es gibt noch eine andere Erklärung.
Offensichtlich geht die WTG davon aus, daß gerade durch das Ausmaß der Unwahrheit ihrer Neutralitätsbehauptungen diese als glaubwürdig erscheinen, weil derart phantastische Lügen niemand für möglich hält. Offensichtlich erscheint die Wahrheit über den politischen Charakter der WTG-Tätigkeit vielen so unfaßbar, daß sich die WTG mit dem Gedanken beruhigt, sie werde von den Zeugen niemals geglaubt, sondern als böswillige Verleumdung der WTG abgetan. Je dicker und unwahrscheinlicher die WTG die Lüge aufträgt, ihre antikommunistische und antisowjetische politische Propaganda in der Verkündigung sei keine politische Propaganda, desto mehr wird das offensichtlich geglaubt. Ja, wir haben die Erfahrung gemacht, je dreister, unverfrorener, frecher und unwahrscheinlicher im Namen Gottes, Jehovas, gelogen wird, desto bereitwilliger wird es geglaubt, weil man es einfach für unmöglich hält, daß im Namen Gottes so dreist gelogen werden kann. Andererseits haben Brüder mitgeteilt, daß sie durch die massive Konfrontation oder Gegenüberstellung mit dem WTG-Antikommunismus, wie sie in CV u. a. mit den Jahresüberblicken über die vergangene WTG-Politik erfolgt, den politischen Mißbrauch erkannt haben, den die WTG in revolutionsfeindlicher, antikommunistischer und antisowjetischer Hinsicht mit den Zeugen Jehovas betreibt.
Wenn wir uns unter den Religionsgemeinschaften umschauen, so können wir folgendes erkennen. Die gegenwärtige WTG Führung gehört neben einigen anderen Kräften in den USA, wie den Führungskraften der "John Birch Society, dem Christlichen Antikommunistischen Kreuzzug, dem Evangelismus von Billy Graham, der Weltweiten Kirche der Armstrong-Brüder, und der Mormonen-Kirche" in der Tat zum "rechten Flügel des amerikanischen Konservatismms". Die antikommunistische politische WTG-Propaganda gleicht fast aufs Wort der politischen Propaganda der John Birch Society, die der amerikanischen Mormonen-Führer Ezra T. Benson "in unserem Kampf gegen den schleichenden Sozialismus und den gottlosen Kommunismus" für das wirksamste hält, was es gebe. Es ist bemerkenswert, daß diese religiös-politischen rechtsextremen antikommunistischen Kreise in den USA als ein Nachwuchsreservoir für die amerikanischen Nachrichten bzw. Geheimdienste FBI und CIA dargestellt werden. (Süddeutsche Zeitung 11. 9. 74 München, Wochenpost 13. 12. 74 Berlin). In der Frage des politischen Antikommunismus steht die Watch Tower Society direkt neben der John Birch Society.
Wie wirkt sich der WTG-Antikommunismus nun aus? Wie setzen die Verkündiger. praktisch um, was sie an antikommunistischer Politik in den WTG-Schriften vorfinden. Es gibt Orts-, Kreis- und Bezirksaufseher der WTG in der BRD z. B., die schreiben ihre "Felddienststunden" als Verkündiger zusammen, indem sie eine Flut von Briefen an andere schreiben. Das enthebt sie vom undankbaren Haus-zu-Haus-Dienst, und doch haben sie einen "großen Felddienstbericht".
In solchen "Missionsbriefen" hat man das dann u. a. vor sich. Wenn es zum Thema paßt, wimmelt es dann von solchen Ausdrücken wie, "schandliche Kommunisten, Satans Mistwelt, Mistherrschaft, Vollidioten des Teufels, die gottlose rote Religion voll schlechter Früchte, die Teufelsreligionisten Marx, Engels und Lenin, Schwachköpfe, die uns religiös-politischen Propaganda-Käse vorkauen" u. a. m. Es ist unglaublich, von was für einem primitiv-ordinären antikommunistischen Geist solche Personen beherrscht sind, die dann auf Einladungszetteln öffentlich als, "Beauftragter der Wachtturm-Gesellschaft" angekündigt werden.
Auf Grund des Sachverhalts der
antikommunistischen politischen Propaganda in den WTG-Schriften müssen wir feststellen,
daß die WTG es eben nicht "immer wieder abgelehnt" hat, "politische
Propaganda in ihre Schriften aufzunehmen". Somit unterhält sie entsprechende politische Beziehungen. Es
bleibt uns nur noch, die Kreise bzw. politischen Hintermänner namentlich aufzudecken, die
mit entsprechenden Angeboten an die WTG herangetreten sind, welche die WTG mit ihrer
antikommunistischen und antisowjetischen politischen Propaganda auch 1974 in ihren Schriften umsetzt.
W. W.
"UNNÖTIG LIEBLOS UND
UNMENSCHLICH" BEHANDELT
Unsere Brüder und Schwestern in den freien Gemeinden
"Unnötig lieblos und unmenschlich", so
charakterisiert der WT jetzt die Verhaltensweise, die nur zu oft die Situation mit denen
bestimmte, die einst mit dem heutigen WT-Werk verbunden waren. (WT 1. 11. 74, S. 659). Wir
erinnern, daß allein seit 1947 "über 300 000 Brüder und Schwestern" (Jahrbuch
1974, S. 254) nicht Gott und Christus, aber die WTG wieder verlassen haben! In der DDR
sind viele von ihnen nunmehr in dem "Bund freier Christengemeinden" (BfC), in
der "Freien:Christenvereinigung" (FC) oder in der "Vereinigung freistehender Christen" (VfC)
verbunden, ausgehend davon, daß die äußere Form nur untergeordnete Bedeutung hat.
Markus 9:38-40.
Wie die nun mit dem 1975-Endzeitfehlschlag wieder einsetzende erneute Endzeitverschiebung und die Fortsetzung des antikommunistischen politischen Kollisions- und Provokationskurses der WTG zeigen, geht das haltlose Endzeitspiel weiter.
Objektiv gesehen bleibt die WTG weiter eine Religionsgemeinschaft, in ihrer Bibeldeutung auf die kapitalistische Krisenwelt orientiert, um das hier anfallende "Strandgut" zu jagen und zu fischen" und durch ständig neu angepaßte Endzeittheorien vermischt mit Antikommunismus vor allem von jedem revolutionären Aufbegehren abzuhalten.
Eine aufrichtige Respektierung und Anerkennung der sozialistischen "die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen" (1. Petr. 2:13) kommt für die WTG nicht in Betracht. In trauter politischer Gemeinschaft mit den extremsten Rechtskräften der kapitalistischen Welt verfolgt sie weiter ihre falsche Alternative "Christentum oder. Kommunismus", die reale sozialistische Entwicklung mißachtend. Diese ist jedoch auch für Jehovas Zeugen der Scheideweg in ihrer irdischen Orientierung und als Religionsgemeinschaft. Die WTG-1975-Misere wirft diese Grundfragen endgültig auf. Jede Betrachtungsweise, Anschauung, Hoffnung oder Konzeption und damit auch Bibelauslegung, die die schöpfungsbedingten sozialen Realitäten nicht gebührend beachtet, ist zum Scheitern verurteilt. Sie verlangt eine Veränderung der "Form der Anbetung", der "Nachfolge Jesu" vor allem im Verständnis der "irdischen Verpflichtungen" (Russell). Dabei muß man jedoch zu der jetzt unabänderlichen Einsicht kommen, daß Christen hier und heute keine Einheit und Klarheit in allen Glaubensfragen verheißen und daher möglich ist. Es ist nur Einheit und Klarheit in grundsätzlichen Fragen möglich. Davor muß jede intolerante Erkenntnisrechthaberei verstummen. "Jetzt sehen wir nur undeutliche Bilder, jetzt ist unser Erkennen nur Stückwerk", sagt Paulus. Jeder "Nur-wir"-Anspruch muß darum aufgegeben werden. Wer das nicht kann , hat das Wesen christlicher Liebe, die als Größtes über allem Erkenntnisstückwerk stehen muß, noch nicht in rechter Weise erkannt. 1. Kor. 13:1-13. Das WT-Eingeständnis der Lieblosigkeit und Unmenschlichkeit gegenüber früheren Mitverbundenen kann zu einem ersten realistischen Schritt führen. Zur Verständigung gehört jedoch, daß man den anderen überhaupt erst einmal verstehen lernt, ja erst einmal kennenlernt, wie es gekommen ist. Heutige WT-Eingeständnisse zielen ja von WT-Seite keineswegs auf solche Verständigung. Um einer echten christlichen Verständigung willen müssen wir daher die Hauptfragen aufdecken. Hierzu wird-jetzt ein fundamentales Werk wieder in das Blickfeld gerückt, das bedeutendste Werk der zwanziger Jahre über die Abwege der WTG nach dem Tode von C. T. Russell, das von den damals schon führenden deutschen Bibelforschern Emil und Otto Sadlack herausgegebene Werk "Die Verwüstungen des Heiligtums", Angerburg/Ostpr. 1928 Die Kenntnis der Hauptfragen dieses Werkes ist unerläßlich, wenn wir an die "vielen Hunderttausende - seit 1947 über 300 000 - auch nur denken, die eine WT-freie "Form der Anbetung" gewählt. haben. Verfolgt dieses einmalige 'Werk "Die Verwüstungen des Heiligtums" in den nächsten CV-Ausgaben! Die Gebrüder Emil und Otto Sadlack sind heute noch leitende Brüder der WT-freien Bibelgemeinden in der BRD.
In der DDR haben wir u. a. folgende
WT-freien Versammlungsmöglichkeiten:
- Gemeinde 806 Dresden, Robert-Blum-Straße 6 (Raum
Adv.-Gem.) BfC sonntags, Mai/Sept. 9-10.30 Uhr, Okt. 1 April 14.30-16 Uhr.
- Gemeinde 705 Leipzig, Witzgallstraße 10 (Jgd.-Zi.
Laurentiuskirche) sonnabends 14-16 Uhr BfC.
- Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Gießerstraße 36 (Jgd.-Zi.
Josephskirche), sonnabends 13.30-15.30 Uhr. BfC
- Gemeinde 7022 Leipzig, Blumenstraße 74
(Raumgemeinschaft) sonntags 14-15.30 Uhr. FC
- Gemeinde Magdeburg, Bärstraße 9 (Raumgemeinschaft)
sonntags 13.30-15 Uhr. VfC
- Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Schloßstraße 4-6
(Raumgemeinschaft) sonntags 14-16 Uhr. VfC
- Gemeinde Leipzig, Maurice-Thorez-Straße 22
(Raumgemeinschaft) sonnabends 16-17.30 Uhr. VfC
Jehovas Zeugen stehen infolge der
WTG-1975-Misere endgültig am Scheidewege. Die Zeit ist herbeigekommen, sich in
"Glauben, Hoffnung und Liebe" neu zu orientieren. -
P.
CV sollte in allen Studiengruppen,
Versammlungen und Gemeinden zur Sprache kommen
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Zuerst möchten wir allen unseren Mitverbundenen im In-
und Ausland für die auch im Jahre 1974 erwiesene Mitarbeit, Hilfe und Unterstützung in
geistiger, informatorischer wie auch in materieller, finanzieller Hinsicht den Dank aller
übermitteln, die wiederum CV als zeitgemäße Hilfe erfahren haben. Ob als "stille
Hilfe" oder anders, CV ist in der Tat einzig in Aufgabenstellung und Wirksamkeit. Die
WTG-Totschweigetaktik einerseits, aber genaueste CV-Verfolgung andererseits bestätigen,
wie brisant CV ist. In den Mittelpunkt der Betrachtungen sollte diesmal vielleicht der
CV-Artikel "WTG-Lehränderungen im Jahre 1974" stehen. Wer demütig vor Gott
ist, könnte der jemals auf den Gedanken kommen, "daß Jehova launenhaft ist",
wie es der WT 1/74 S. 4 von sich ablenkend unterstellt? Wir staunen so manchmal, was die
WT-Formulierungen an eigener Gesinnung alles verraten! Wir hoffen und wünschen, daß auch
diese CV-Ausgabe allen Aufrichtigen helfen möge, immer deutlicher zu erkennen, was jetzt
voneinander getrennt werden muß, um den Weg als Christ und Bürger zu gehen, der allein
vor Gott und Menschen jetzt und in Zukunft zu verantworten ist.
In christlicher Verbundenheit
CV-Leitung Gera/Thür. und alle Mitarbeiter
----------------------------------------------------------------------------------
"Christliche
Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber
Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0.20. Jahresabonnement M 2,00.
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