Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 68
Der "Eiertanz" um das Jahr "1975". Ein Thema dieser Ausgabe; ergänzt mit den seinerzeitigen ihm zugrunde liegenden WTG-Aussagen.
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu
Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der
Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der
Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit
der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 68 Gera März 1975
"ICH WILL ZU JEHOVA SAGEN.-
DU BIST MEINE ZUFLUCHT UND MEINE FESTE" - Ps. 91:2
Zum Jahrestext des WTG-Fehlschlagjahres 1975
Liebe Leser!
Die Jahrestexte widerspiegeln gleichsam das langzeitliche Denken und Planen
der WT-Gesellschaft und lassen uns ihre langfristigen Überlegungen erkennen. Da dies die
Tätigkeit und das Verhalten eines jeden einzelnen bestimmen soll, wollen wir uns
erinnern. 1973 hieß es: " . . . wandeln auf unabsehbare Zeit, ja immerdar."
1974: "Mag der Feigenbaum selbst nicht blühen . . ." 1975 soll nun jeder vor
Augen haben: "Du bist meine Zuflucht und Feste." Was können wir hier erkennen?
Die WTG wußte seit 1966, (siehe Brief aus K.-M.-Stadt in dieser Ausgabe), daß 1975 haltlos sein würde. 1975 war allein eine "Ankurbelungs"-Vorkehrung, wie die Einordnung dieses Themas im Jahrbuch 1975 S. 240 erschreckend bestätigt. Wie ging die WTG vor? Nachdem 1971/72 durch den Ältestenturnus zunächst eine wirkungsvollere Versammlungskontrolle eingeführt war, wurde der Leitgedanke 1973 gesetzt, "auf unabsehbare Zeit". Der nächste Schritt war darin, das unumgängliche Eingeständnis des 1975-Fehlschlags unbedingt vorwegzunehmen, bevor das 1975 selbst akut wird. Das würde wohl einiges Unbehagen bringen. Aber es würde schwerlich handfest gegenargumentiert werden können, weil man immerhin sagen kann, warten wir erst 1975 selbst ab. Inzwischen tritt eine gewisse Gewöhnung an die Lage ein, zwar in Unsicherheit, doch weiter der WTG folgend, wie gewohnt. Die Macht der Gewohnheit ist ein Hauptfaktor in diesem WTG-Kalkül! Sie ist so stark, daß sie gar manches hinnimmt, nicht klar durchdenkt und manches schluckt, was man besser vorher genau ansehen sollte. Dieses Abfangen, diese Vorwegnahme war der Sinn des Jahrestextes 1974 mit "nicht blühen". Der Hauptbegriff des Bibeltextes, "Fehlschlag", wurde übrigens im Jahrestext weggelassen! Nun ist 1975 da! Wer sucht noch diesem Unbehagen, dieser Unsicherheit, dieser Unruhe mit 1975 nicht nur zu gern wieder "Zuflucht und Feste"? Und genau das wird mit dem Jahrestext 1975 ins Blickfeld gerückt! Weiter "auf unabsehbare Zeit" und "immerdar" natürlich. Wenn auch Jehova gesagt wird, so weiß doch jeder, daß die Verbundenheit mit der WTG gemeint ist. In der CSSR hat die WTG sogar verboten, noch, von 1975 zu sprechen!
Und jetzt setzt eine gigantische Flucht noch vorn ein! Fast erschlagen wird man von den Zahlen, Superlativen, Ausrufen und von dem Triumphalismus, mit dem im "Königsreichsdienst" XII/74 die Ältesten und Studienleiter in das Dienstjahr 1975 gestürzt werden! "Großartige Mehrung im Dienstjahr 1974! Wir waren überwältigt! Stellt euch vor! Doch noch mehr! Vielleicht werdet ihr jetzt wie wir den Atem anhalten! Doch jetzt kommt eine größere Überraschung!" So überschlägt sich das WTG-Ostbüro in Wiesbaden förmlich. Dann wird aus dem Jahrbuch 1975 eine Höchstzahl von 2 021 432 Verkündigern und eine Gedächtnismahlanwesenheit von 4 550 457 berichtet. In einem Zahlenrausch ohnegleichen!
Massenzulauf beweist mit Bezug auf Gott überhaupt nichts. Wie kann sich ein Christ nur so überrumpeln lassen? Gottes Wirken ist keine Sache von Massenzahlen, die nämlich auch ganz andere aufweisen können! Sie ist eine Sache der Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit. Es sei hier nur angedeutet: Die jetzigen Massenzuläufe haben ihre Ursache in den gegenwärtigen Massenkrisen der kapitalistischen Gesellschaft mit ihrer wachsenden sozialen Unsicherheit, Arbeitslosigkeit. und Entwurzelung. Die WTG hatte in jeder derartigen Krise einen großen Zulauf verunsicherter Menschen.
Geschickt verbunden mit dieser gigantischen Flucht noch vorn, heraus aus dem 1975-Fehlschlag mit einem alles erschlagenden Triumphalismus ist dann eine Ablenkung auf die "falschen Lehren" im "religiösen Lager der falschen Anbeter". Sie sollen "dir leid tun", weil sie "von falschen Versprechungen hingerafft" würden, weil sie "falschen messianischen Hoffnungen gefolgt sind."
Das ist jedoch schier der Gipfel der WT-Ablenkung von 1975! Wer hat jetzt falsche Versprechungen gemacht, falscher messianische Hoffnungen? Das war doch die WTG selbst mit ihrer weltweit verkündigten 1975-Hoffnung! Es ist fast unglaublich! Die Sache wird einfach herumgedreht und dem "religiösen Lager" der anderen angehängt! In einem eigens erzeugten Zahlenrausch, der alles erschlagen soll, was sich kritisch erhebt! Übrigens, was die jetzigen Massenzahlen betrifft: Es wurde mit einer ziemlichen Erweiterung und Lockerung dessen, was als Verkündiger gilt, nachgeholfen! So ist das auch.
Aber Zuflucht unter der WTG ist nicht identisch oder gleich mit Zuflucht bei Gott. Gott ist von der WTG nicht abhängig. Glauben an Gott gab es vor ihr. gibt es neben ihr, und wird es nach ihr geben, und damit Zuflucht bei Gott. Wäre es nicht interessant, in Brooklyn dabeizusitzen, wenn die Jahrestexte ausgedacht und festgelegt werden?
Möge auch diese CV-Aufgabe in allen Studiengruppen und
Leserkreisen Anregung und Gegenstand der Betrachtung für die jetzt fällige
Neuorientierung sein.
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet an dem fest, was recht ist. 1. Thess. 5:21 NW
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IN DIESER AUSGABE
Feindschaft zur politischen Regierung gleich Freundschaft zu Gott? -
Die WTG verändert die 6000-Jahr-Periode! Endzeit weiter verschoben! -
Die Kerngedanken des WT für Studium und Verkündigung geprüft. WT 1974,
Nr. 21 und 22. -
Menschenpläne scheitern? Gottes Vorsatz gelingt! -
Nicht die Erkenntnis, die Liebe ist der Maßstab. Wohin gehen? Was tun? -
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FEINDSCHAFT ZUR POLITISCHEN REGIERUNG
GLEICH FREUNDSCHAFT ZU GOTT? - Zum Studium
Wenn wir sehen, wie "Freundschaft zur Welt" vom
WT gleich "Feindschaft zu Gott" gepredigt wird, um insbesondere politisch und
sozial negatives, ja antikommunistisches staatsfeindliches Verhalten zu begründen, dann
erkennen wir, wie wichtig diese Frage ist. Dem zur Prüfung stehenden Begriff
"Welt" liegt im griechischen Urtext das Wort "kosmos" zugrunde. Laßt
uns nun sehen.
Was bedeutet das Wort
"Kosmos"?
Das "Griechisch-Deutsche Wörterbuch zu den Schriften
de Neuen Testamentes und den übrigen urchristlichen Schriften" von D. Dr. phil. h.
c. Walter Bauer, Göttingen 1963, sagt über Sinn und Bedeutung des Wortes
"kosmos":
- Weltall, Inbegriff alles Vorhandenen
- Himmelsraum
- Himmel im Gegensatz zur Erde
- ewige Weltordnung
- Weltall (Raum)
- Welt als Summe überanimalischer Lebewesen
- Welt, zerlegt in Engel und Menschen
- Sphäre des Göttlichen und des Irdischen
- Erde, Erdkreis
- die außerisraelitische Menschheit
- die Heiden auf der Erde, die Heidenwelt
- andere Erdteile jenseits des Ozeans
- Erde als Wohnsitz des Menschen
- Erdenwelt (Eintritt vor Geburt)
- Erde im Gegensatz zum Himmel
- Welt draußen im Gegensatz zur Heimat
- Menschenwelt, Menschheit
- Menschen als Gegenstand der Liebe Gottes
- Gläubige als Kern der Menschheit
- Stätte irdischer Freuden, Güter, Sorgen, Leiden
- irdisches Vermögen
- das Gottfeindliche, in Sünden Verdorbene, der
göttlichen Art widersprechend, dem Untergang geweiht
- diese Welt im Gegensatz zu jenseits (unter der
Herrschaft des Teufels)
- im Machtbereich des Bösen
- Gottesferne und Sündhaftigkeit
- Gegenstand von Gottes Verdammnis und des göttlichen
Heilsplanes
- das ans Holz Geschlagene
- als zur Gotterkenntnis unfähig
- darinnen, aber kein Teil davon
Auf Grund dieser Vielfalt der Bedeutung
des Wortes "kosmos" wird in dem Wörterbuch festgestellt, daß eine genetische
Entwicklung dieses Wortes vorliegt. Dem muß man zustimmen.
Wir können diesen Sachverhalt auch mit der "Interlinear-Translation"
(Zwischenzeilen-Übersetzung) und der NW-Übersetzung der WTG überprüfen. In Kor. 4:9 z.
B. werden unter "Welt" (kosmos) "sowohl Engel als auch Menschen" verstanden.
Aber auch in Jak. 4:4 liegt dem Begriff "Welt" das Wort "kosmos" zugrunde. Will damit gesagt sein,
daß Christen Feinde der Engel Gottes und der Menschen sein sollen? Nein. Wir sehen also,
der Begriff "Welt" (kosmos) hat eine unterschiedliche Bedeutung, von der WTG
besonders für den politischen Bereich ihrer Verkündigung sträflich mißachtet. Wenn wir
bedenken, was die politische Bibelauslegung der WTG schon alles für Opfer an Gut,
Freiheit und Leben der einfachen Verkündiger gekostet hat, dann sollten wir in dieser
Frage nun hellwach sein. Wir sollten in dieser Frage sehr verantwortungsbewußt sein.
Feindschaft wo?
Wie bekannt, predigt der WTG als Feindschaft zur "Welt" besondere
Feindschaft zu allen politischen Institutionen und Einrichtungen, des Sozialismus und
Kommunismus insbesondere. Diese "politischen Mächte" sollen speziell als "von Satan,
dem Teufel, gezeugt, genährt und zur Reife gebracht" hingestellt werden (WT 1. 6.
1952), als "Werkzeuge der Gewalt des Teufels, des Bösen". Wenn wir alles
aufzählen, womit der WT seit seiner Obrigkeitsverfälschung von 1929 die politischen bzw.
staatlichen Institutionen oder Regierungen verglichen hat, gäbe es eine lange Liste. "Gangster in
Amt und Würden - Überzeugender Beweis dafür, daß Politiker nicht die von Gott
verordneten obrigkeitlichen Gewalten sind", war die Schlagzeile eines internationalen
WTG-Feldzuges 1949 (Erwachet 8. Nov. 1949, Nr. 21, dt.) Dies war gleichsam ein Höhepunkt
des politischen Bibelmißbrauchs, Hunderttausende gutgläubiger Verkündiger "von
Jehova gelehrt" ins politische Feuer jagend. Viele von damals haben sich bis heute in
ihrer inneren Einstellung nicht geändert, gar nicht zu reden von einem Schuldbekenntnis
vor Gott und den Brüdern. Die WTG fährt denn ja auch fort, den Begriff "Welt" zu
mißbrauchen, besonders wenn sie gegen die politischen Parteien, Staaten und Regierungen
in den sozialistischen Ländern vorzugehen predigt.
Wenn man nun aber konkret fragt, ja was meinst du denn mit der "Welt", gegen die du predigst, wovon du kein Teil sein willst, zu der man in Feindschaft stehen soll, dann zeigt sich, daß hier dringend einiges überprüft werden muß. Fragen wir also konkret. Meinst du die politischen, staatlichen Behörden in Dorf, Stadt und Land? Den Gesetzgeber? Sind es die Hüter, die für Recht, Gesetz, Sicherheit und Ordnung zu sorgen haben? Sind es die staatlichen Institutionen wie Volkswirtschaft, Gesundheitswesen, Volkskammer, Ministerrat? Oder sind gar W. Stoph als Vorsitzender des Staatsrates, G. Götting als Präsident der Volkskammer, H. Sindermann als Vorsitzender des Ministerrates, E. Honecker als Vertreter der SED oder die Vorsitzenden der anderen Parteien in der Regierung die obersten staatlichen bzw. politischen Teufels- oder Satansvertreter der "Welt", gegen die zu predigen ist? Ja was meinst du denn konkret mit der "bösen Welt"? Gegen wen oder was soll sich denn die Feindschaft zur "Welt" richten, wen oder was soll man denn konkret hassen, wozu darf man denn nicht gehören, was darf man denn nicht unterstützen, wo darf man nicht mitmachen in diesen Dingen, um errettet zu werden? Natürlich sind das heikle Fragen. Aber man muß sich doch einmal klar werden, was konkret gemeint ist.
Wenn man so den Dingen auf den Grund geht, wer merkt dann nicht, daß sich die ganze "böse Welt"-Verkündigung der WTG praktisch gegen die "obrigkeitlichen Gewalten von Gott" richtet, gegen die Christen nach der Schrift keinen Haß und keine Feindschaft predigen dürfen, die sie vielmehr anzuerkennen und zu unterstützen, für die sie sogar zu beten haben?
Laßt uns sehen, wie das christliche Verhältnis zur politischen Macht. zu Staat, Regierung und Politiker grundsätzlich sein soll. Lesen wir die christlichen Grundsätze. die wir hier anzuwenden haben, "Im Verkehr mit den Nichtchristen ehrbar zuwandeln" 1. Thess. 4:12 Me. "So spreche ich denn zu allererst die Mahnung aus, Bitten, Gebete , Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen zu verrichten, für die Könige und alle obrigkeitlichen Personen" 1 . Tim. 2:1.2. Bringe ihnen in Erinnerung, daß sie sich den obrigkeitlichen Gewalten unterordnen, ihren Befehlen Gehorsam leisten und zu jedem guten Werk bereit seien, daß sie niemand schmähen. sich friedfertig und nachgiebig zeigen und nichts als Sanftmut gegen alle Menschen beweisen". Titus 3:1.2. "Es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott wäre. Die obrigkeitlichen Personen sind nicht für rechtschaffene Taten ein Schrecken. Tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr ernten. denn sie ist Gottes Dienerin zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist ja Gottes Dienerin. Darum muß man ihr Gehorsam leisten, und zwar nicht nur aus Furcht vor der Strafe. sondern auch um des Gewissens willen" Rö. 13:1-6. "Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan" 1. Petr. 2:13. Schließlich wurde Cornelius als römischer Hauptmann getauft (Apg. 10:1,22.48). Der Äthiopier wurde von Philippus als königlicher Würdenträger und Hofbeamter getauft (Apg. 8:27,36-38). Paulus stellte keine Bedingungen, etwa einen sozialen bzw. politischen Stand zu verlassen. 1. Kor. 7:20-24.
Darum müssen Christen anerkennen, daß
die "obrigkeitlichen Personen" oder Institutionen und ihre Dienste "zu deinem
Besten", unter Umständen mit dem "Schwert" durchgesetzt und gesichert, nichts "Böses" ist, nicht
die "böse Welt" sind, gegen die Christen Feindschaft zu predigen
hätten, die man hassen, der man nicht angehören, von der man kein Teil sein soll.
Andernfalls hätte z. B. Cornelius nicht getauft werden dürfen. Die Apostel haben nicht
so gelehrt wie der WT. Sie lehrten, daß Christen an den "guten Werken" der
"obrigkeitlichen Personen" bereitwillig teilnehmen sollen, anstatt sie zu
schmähen und zu bekämpfen. Wenn der WT also weiter lehrt, "kalten Krieg" mit der "kommunistischen
Welt" und den "roten Regimen" zu führen (WT 1. März 1974, S. 131), darin ist das
schriftwidriger Krieg gegen die "Obrigkeit von Gott", gegen Gottes Anordnung. Rö. 13:2. In rechter Erkenntnis
dürfen also die "obrigkeitlichen Personen", d. h. die staatlichen Regierungs-, Rechts-, Ordnungs-,
Sicherheits-, Gesetzes-, Wirtschafts-, Gesundheits- oder Spezialinstitutionen - um es
konkret zu sagen grundsätzlich nicht als "böse Welt" betrachtet und gepredigt
werden. Sie sind vielmehr jene "die Menschen betreffende Ordnung", der wir
"um des Herrn willen" loyal sein sollen. 1. Petr. 2:13. Der Zusammenbruch der
WT-Endzeitlehren mit 1975 ist dringender Grund, in dieser Frage endlich
verantwortungsbewußt unterscheiden zu lernen, um auch hier "immerdar ein
unverletztes Gewissen vor Gott und Menschen zu haben." Apg. 24:16.
ltg
DIE WTG VERÄNDERT DIE
6000-JAHR-PERIODE!
Endzeit weiter verschoben!
1975 hat mit einem weiteren WTG-Schritt zur Vertreibung
aller 1975-Erwartungen begonnen. Es ist erschütternd und tragisch zugleich, mit welcher
Leichtgläubigkeit, Einfältigkeit und Kritiklosigkeit die zur Zeit maßgeblichen
WTG-Führer offensichtlich rechnen können. Würden sie es sonst wagen, uns diese neue
6000-Jahr-Verschiebung zuzumuten? Nr. 1/75 des "Königsreichsdienst-Ost"
beginnt:
Liebe Königreichsverkündiger! Nun haben wir schon wieder ein neues Kalenderjahr erreichte Wir wissen, daß in der Mitte der 70er Jahre 6000 Jahre Menschheitsgeschichte ablaufen werden. Doch wissen wir, daß außerdem anscheinend nahezu parallel dazu noch eine andere Zeitperiode abläuft, nämlich die ersten 6000 Jahre vom 7000jährigen Ruhetag Gottes, der .nach der Erschaffung Adams und Evas begann. Das Ende dieser 6000 Jahre würde den Abschluß dieses Systems der Dinge bedeuten, worauf die Herrschaft Jesu Christi folgen wird. Tag und Stunde dieses Zeitpunktes kennen wir natürlich nicht und können wir auch nicht berechnen, wie wir heute die Menschheitsgeschichte berechnen können. Doch wir haben uns nicht für eine Anzahl Jahre oder ein bestimmtes Datum Jehova hingegeben. Wir haben die Ewigkeit im Sinn und dienen ihm mit dieser Einstellung.
Das schlägt dem Faß den Boden aus! Eine andere Zeitperiode "außerdem anscheinend nahezu parallel" zu den 6000 Jahren, die bisher verkündigt wurden? Schon die sonderbare Formulierung "außerdem anscheinend nahezu" ist eine Zumutung! Was haben wir denn da bisher mit 1975 weltweit proklamiert! Der WT vom 1. Januar 1967 hatte uns doch etwas ganz anderes gelehrt, als das, was jetzt "außerdem anscheinend nahezu parallel" herangeschoben wird!
Wir lesen:
1. Januar 1967 DerWACHTTURM
DAS JAHR 1975
Auf der Versammlung in Baltimore gab Bruder Franz in
seinen Schlußworten einige interessante Kommentare über das Jahr 1975.
Auszugsweise wiedergegeben, fuhr Bruder Franz fort zu
sagen: 'Ihr werdet die Tabelle
[auf den Seiten 31-35 in dem Buch Life Everlasting - in
Freedom of the Sons of God gesehen haben. Sie zeigt, daß 6000 Jahre menschlicher Geschichte im
Jahre 1975, in ungefähr neun Jahren, enden werden. Was bedeutet das? Bedeutet es, daß
Gottes Ruhetag 4026 v.u. Z. begann? Es könnte so gewesen sein. Das Buch Life Everlasting
sagt nicht, daß es - nicht so war. Das Buch gibt lediglich die Chronologie an. Ihr könnt
sie annehmen oder ablehnen. Wenn es sich jedoch so verhält, was bedeutet das für uns?
[Er ging ausführlich auf Einzelheiten ein und zeigte, wie begründet das Jahr 4026 v.u.
Z. als Datum für den Anfang des Ruhetages Gottes ist.]
Wir haben damit also uns und der Menschheit seit 1967 das Jahr 4026 v. u. Z. als den berechneten Beginn des Ruhetages Gottes begründet und verkündet! Jetzt aber sollen wir das Gegenteil davon verkünden, nämlich, daß man den Beginn des Ruhetages Gottes und damit den Ruhetag selbst und was daraus folgt nicht berechnen kann! Daß also das Jahr 4026 v. u. Z. überhaupt nichts mit dem Ruhetag Gottes zu tun hat! Also haben wir seit 1967 mit dem WT - neun Jahre lang - schon wieder eine falsche Endzeithoffnung verkündigt!
Wenn WTG-Vizepräsident Franz 1966 in Baltimore 4026 v. u. Z. als Beginn des Ruhetages Gottes begründete - was muß noch geschehen an öffentlicher Täuschung und Falschheit, Endzeitmanipulierung, falschen Hoffnungen und Versprechungen? Denn schon 1955 hatte die WTG zur Frage nach den 6000 Jahren folgendes geantwortet auf "Fragen von Lesern":
1. April 1955 Der WACHTTURM
Fast ganz unabhängig nehmen Chronologen unrichtigerweise
an, daß gleich nach Adams Erschaffung auch Jehovas siebente 7000-Jahr Periode der
Schöpfungswoche begonnen hatte. Solche rechnen dann, daß von Adams Erschaffung an, von
der man jetzt annimmt, sie sei im Herbst des Jahres 4025 v. Chr. erfolgt, 6000 Jahre des
Ruhetages
Gottes im Herbst des Jahres 1976 enden würden. Indes wäre; auf Grund unserer
gegenwärtigen Chronologie (die, wie wir zugestehen, unvollkommen ist), der Herbst des
Jahres 1976 im besten Falle das Ende der 6000 Jahre der Menschheitsgeschichte, der 6000
Jahre des menschlichen Daseins auf Erden, und nicht der 6000 Jahre der siebenten
7000-Jahrperiode Jehovas.
Ja, es muß für Adam ziemlich viel
Zeit erfordert haben, allen Tieren Namen zu geben, wie er dazu beauftragt wurde.
Erst nachdem Adam diese Arbeitszuteilung beendet hatte,
wurde seine Gehilfin Eva erschaffen.
Gerade die Tatsache, daß niemand heute (da es zu Jehovas
Geheimnis, gehört) feststellen kann, wieviel Zeit Adam und später auch Eva während der
Schlußtage der sechsten Schöpfungsperiode lebten, zeigt uns, daß auch jetzt niemand
feststellen kann, wann sechstausend Jahre des heutigen Ruhetages Jehovas zu Ende kommen.
Offensichtlich müßte die unbekannte Zeit, die Adam von seinen 930 Lebensjahren vor dem
Beginn jenes siebenten Ruhetages Jehovas lebte, zu dcm Jahre 1976 hinzugezählt werden.
Der WT lehrte also 1955, daß mindestens die ganze unbekannte Zeit, die Adam brauchte, um allen Tieren Namen zu geben, bevor Eva erschaffen wurde - und das sei "ziemlich viel Zeit" gewesen - zu dem Jahre 1976 hinzugerechnet werden müßte, um auf den Zeitpunkt für das "Ende dieser Welt", und den Beginn der 1000-Jahrherrschaft Christi zu kommen. Da diese Zeit jedoch unbekannt ist, sei es unmöglich, Anfang und Ende des Ruhetages Gottes, und damit das "Ende" jetzt auch nur irgendwie festzustellen. Auf jedes Fall könnte das erst nach "ziemlich viel Zeit" nach 1976 sein! Machen wir uns eine Vorstellung. Wieviel Zeit mag Adam gebraucht haben, um allen Tieren auf der Erde, in der Luft, unter der Erde und in den Ozeanen Namen zu geben?
Es gab weder Schiff, noch Flugzeug, noch Auto, noch U-Boot. Er mußte vom Nordpol bis zum Südpol, kreuz und quer und rund um den Äquator zu Fuß gehen. Das mag Jahrzehnte, ja Jahrhunderte gedauert haben, auf jeden Fall "ziemlich viel Zeit", wie der WT sagt. Wenn wir dazu in Beziehung setzen, daß mit 1975/76 aber "diese Generation" am Ende ist, daß in wenigen Jahren oder Monaten schon auch die letzten Alten, die schon 1914 geglaubt haben, was der WT predigte, tot sind, was ergibt sich dann?
Was sollen wir nun uns und unseren Mitmenschen sagen? Zum Narren gehalten wurden wir! Das ganze Verkündigungswerk ist lächerlich und unglaubwürdig! Wie konnte denn seit 1966/67 verkündigt werden, der Ruhetag Gottes habe begründet 4026 v. u. Z. begonnen und Ende somit 1975/76, wenn schon 1955 erklärt wurde, daß das unmöglich ist? Sitzen in Brooklyn auf dem "Wachtturm" Gaukler oder Taschenspieler, die selbst nicht mehr wissen, was sie alles schon anders verkündigt haben? Und nun wollen sie uns damit niederhalten, daß wir uns nicht für eine Anzahl Jahre hingegeben haben, sondern für die Ewigkeit! Das ist doch ein Freibrief für jede weitere Manipulation mit uns! Soll das heißen. daß wir still zu halten haben, wenn sie immer wieder neue Termine und neue Zeitperioden proklamieren, ob wir darüber hinsterben oder nicht? Ob wir das erleben oder nicht? Jetzt, wo sie wieder verschieben, machen sie auf einmal wieder einen Unterschied zwischen ihren 6000-Jahrberechnungen. Und uns wird ein Gegensatz auferlegt zwischen "einer Anzahl von Jahren" und der "Ewigkeit" als ob eins das andere ausschließt. Die Wahrheit ist doch aber, daß wir uns alle sehr wohl auch für eine "Anzahl von Jahren" hingegeben haben, für die Endzeitjahre, was überhaupt nicht in Gegensatz oder Widerspruch zur Ewigkeit steht. Beides gehört vielmehr zusammen! Und wenn eins nicht stimmt - wenn sich also keine "Anzahl von Jahren" an uns in "dieser Generation" erfüllen - dann ist auch das andere unglaubwürdig, weil beides zusammen gehört. Jawohl, wir haben uns auch für eine Anzahl von Jahren hingegeben, in Verbindung mit der WTG, bezogen auf die Endzeitverkündigung der WTG, die nun wieder nicht stimmt!
Das heißt, "diese Generation" erlebt also nichts! Es gibt sie als solche nicht! Denn sie muß auch ins Grab sinken. Mit der "unbekannten Zeit" Adams nach 1976 ist auch sie erledigt. Wir haben tatsächlich uns und die Welt wieder zum Narren gehalten. Die WTG weiß nur zu klar, daß sie mit 1975 auf einem Pulverfaß sitzt, das nicht explodieren darf, das vorsichtig weggerollt werden soll.
Warum stehen die Ältesten jetzt nicht
auf, prüfen alles nach und sagen der WTG: Bis hierher und nicht weiter! Erkennen sie
wirklich nicht, wie die WTG alle immer um ein Stückchen weiter hinhält? Wo ist ihre in
1. Tim. 3:2 geforderte Lehrfähigkeit geblieben?
(Nach einer Zusendung aus Karl-Marx-Stadt)
Der Feigenbaum blüht nicht, das Werk
des Olivenbaumes ist ein Fehlschlag
Die Kerngedanken des WT für Studium und Verkündigung
geprüft
WT Nr. 21 vom 1. November 1974
"Ein größeres Problem als die Drogensucht" -
"Ursache und Behandlung des Alkoholismus -
An erster Stelle im WT Alkoholismus zu stellen, läßt
bedenkliche Fragen noch der Situation in der Organisation selbst aufkommen. Wegen 1975
vielleicht nicht ganz unberechtigt. Auf Befreiung von Alkoholismus ist man jedoch nicht
auf den WT angewiesen. Das ist generell eine Sache des Gesundheits- und Sozialwesens des
Landes, was durch den WT nicht beeinflußt wird, was auch nicht Gegenstand der
Verkündigung ist. So scheint der WT tatsächlich auf die Lage in der Organisation selbst
zu zielen. Daß die sittlichen Lehren der Bibel hierbei hilfreich sind, steht außer
Frage, aber nicht nur in der WT-Organisation. Andere Kirchen und Religionsgemeinschaften
predigen nicht nur, sie helfen auch praktisch durch diakonische und caritative
Einrichtungen, ohne dabei nach dem Glauben zu fragen, was die WTG nicht tut (Luk. 10:29).
Ohne Zweifel spielt "eine feste Grundlage für die Zuversicht, daß die Probleme des
Lebens zufriedenstellend gelöst werden", die entscheidende Rolle. Doch was bietet
die ungewisse WT-Endzeitverschiebung für eine Zuversicht? Ist sie nicht vor Gott und
allen Menschen durch 1975 bloßgestellt? Was die sozialistischen Länder betrifft, so
läßt der WT das hier existierende Sozialwesen und die entsprechend ganz anderen
Verhältnisse und Sozialmaßnahmen sträflich außer acht. Auch darum ist solche
"Verkündigung" hier politisch verantwortungslos.
"Wie falsche Götter das Volk
Israel verlockten" -
Zweck des Artikels ist, jedes Überprüfen der
Verhältnisse zur WTG schon im Keim zu verhindern, als ob alles, was dazu drängt, nur
abscheulichste Verlockung wäre, verursacht durch "schändliche Begierden des
Fleische". Vor allem die doch nur jetzt zu berechtigt auftauchenden
menschlich-sozialen Bedenken gegen die WTG-Lehren sollen als "Begierden des
Fleisches" erstickt werden, noch ehe sich jemand ihrer Berechtigung als
schöpfungsbedingt bewußt wird. Man weiß in Brooklyn, daß nach der Abkehr von der
"einen Hoffnung" und Hinlenkung auf irdische Utopien seit 1935 (Eph. 4:4, Phil.
3:17-20) ein Überprüfen unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen schöpfungsbedingten
sozialen Interessen am meisten zu fürchten ist. Das alte Israel ist hier gar kein
Vergleich mit seinem theokratischen Staatswesen. Christen leben in der Zerstreuung, in
ihren doch gottgegebenen menschlichen Bedürfnissen auf unterschiedlichste soziale
Ordnungen angewiesen, die die WTG global verteufelt, obwohl es ohne sie nicht geht:
"Todbringende Verlockungen!",
"Einen glühenden Haß entwickeln!". Nein, die sich aus den natürlichen sozialen Bedürfnissen gegen die WTG ergebenden Bedenken und Verlangen sind keine verwerflichen "Begierden des Fleisches", gegen Gott gerichtet.
"Gottes Barmherzigkeit weist
Sündern den Weg zurück" -"Ausgeschlossenen gegenüber einen ausgeglichenen
Standpunkt einnehmen" -
Beide Artikel zielen darauf ab, die von der WTG in ihrer
Intoleranz selbst geschaffene Mauer gegen jene wieder zu überwinden, die sie einst
ausschloß oder die sich von ihr abwandten. "Lieblos und unmenschlich . . . solche
Situationen entstanden manchmal", gibt der WT jetzt zu. Unmenschlich gegenüber jenen
Brüdern und Schwestern? Ist das nicht furchtbar? Nur verschweigt der WT, daß die WTG
selbst für die Normen des Verhaltens verantwortlich ist. Vielmehr stellt sie sich
selbstgerecht als der "Vater" des "verlorenen Sohnes" dar. Aber hat
sie nicht selbst Hundertausende durch ihre früheren und gegenwärtigen Bibelmißdeutungen
davongetrieben? Immer wurden die zu Schuldigen gemacht, die daran geglaubt haben. Wenn man
nun die "Ehemaligen" wieder grüßen, sprechen und besuchen darf, so möge es
vor allem dazu benutzt werden, zunächst die wirklichen Gründe ihrer Abkehr von der WTG
unvoreingenommen kennenzulernen.
"An der Mehrung der
Königreichsverkündiger teilhaben" -
Der Lebensbericht eines Vollzeitdieners im WTG-Dienst.
Aber Einsatz und Aufopferung zeichnet auch andere Christen aus. Hilfe in Not andere
Kirchen und Gemeinschaften noch mehr! Wenn man darum weiß, wirkt dieser Bericht auf alle
Andersdenkenden selbstgerecht. Bedauerlich ist, daß sich unser Bruder George Nishet dabei
zur Verherrlichung der WTG-Mehrung hergibt, die doch gar nichts beweist, weil andere noch
größere Mehrungen aufzuweisen haben. Der scheinbar ganz nebenbei einfließende
Hauptgedanke für die WTG ist jedoch der Ausruf unseres Bruders George Nishet: "Und
welche atemberaubenden Ereignisse stehen uns i n d e n k o m m e n d e n J a h r e n noch
bevor!". So ist der Hauptzweck des Artikels eindeutig: Vertreibung aller
1975-Hoffnungen, damit alle der WTG weiter bedenkenlos folgen, wohin sie auch führt.
"Lichter der Welt während 1900
Jahren" -
Eine Neuanwendung des Gleichnisses von den zehn
Jungfrauen. Wen meint der WT konkret mit denen, die "all die Jahrhunderte
hindurch" so "wie wahre Christen" gelebt hätten? Es gab doch da gar keine
WT-Erkenntnisse, und doch waren das keine falschen Religionisten? Was bedeutet das für
heute? WTG-Absicht in der Hauptsache indes ist, zu weiterem Warten hinzuhalten, die als
töricht hinzustellen. "die damit gerechnet haben, daß er früher erscheine"
und nun "in ihren persönlichen Erwartungen enttäuscht" sind. Auch das zielt
deutlich auf die Verdrängung des 1975-Fehlschlags, wobei sich die WTG wieder die Hände
in Unschuld zu waschen versucht. Alle sollen weiter "beständig folgen", wohin
es auch geht.
WT Nr. 22 vom 15. November 1974
"Homosexualität. Ist der biblische Standpunkt
vernünftig?" - "Können sich Homosexuelle ändern?" -
Ringt die WTG wirklich so mit Homosexualität, daß das an
erster Stelle im WT behandelt wird? Ansonsten ist das alles Maßlos aufgebauscht, da
Homosexualität ein absolutes Minderheitsproblem ist. Generell betrifft das als eine
Variante der Sexualität nur 1 bis 4 Prozent. (Für Dich, 2/1975, Berlin). Oder sind sie
im Hauptbüro irgendwie geblendet auf Grund ihrer eigenen Bedingungen des Ledigseins für
Mitarbeiter? Oder auf Grund der eigenen Enthaltsamkeitsforderungen bis zum Standesamt?
Sicherlich haben einige die Möglichkeit, sich an den WTG-Rechtsberater Hayden C.
Covington zu wenden, der mit Frau und Tochter das Hauptbüro in Brooklyn verlassen hat.
"Was verraten die Kirchenbauten
der Christenheit?" -
Wenn in dieser Sache Einwirkungen durch nichtchristliche
Kulte vorliegen, was historisch bezeugt wird, dann betrifft das lediglich die Formen des
Gottesdienstes, nicht den Glauben an Gott und Christus selbst, der dadurch nicht infrage
gestellt werden kann. Schließlich hat die WTG selbst zunächst lange Zeit viele
kirchliche Formen übernommen und gepflegt, so das Symbol "Kreuz und Krone", das
bis zur WT-Ausgabe vom 15. Oktober 1931 auf jedem WT erscheint. War das bis dahin trotz
dieser Form des jetzt als falsch bezeichneten Kreuzesglaubens kein Glaube an Gott und
Christus? Der WT mißt hier also mit zweierlei Maß (Spr. 20:10). Da die WTG jedoch als
Endzeitgemeinschaft überhaupt nicht ernstzunehmen ist, wie die neuerliche 1975
Weltirreführung wieder beweist, wie sollte man da die Königreichssäle der Zeugen
Jehovas vorziehen?
"Deckt Gottes Barmherzigkeit alle
deine Sünden zu?" -
Mit dem Minderheitsproblem der Homosexualität steht oder
fällt keine andere Kirche, selbst wenn sie das als Schwäche belastet. Die WTG betreibt
hier pauschale Diffamierung. Doch Gott ist kein faschistischer Diktator, der alle, die
seinen Namen anrufen, unter Sippenhaft hält wegen einiger von ihnen. Zum anderen. Das
ganze Problem von Sünde und Barmherzigkeit wird hier mit sträflichem Leichtsinn
behandelt, offensichtlich von WT-Schreibern, die dem Christus überhaupt nicht angehören.
Da lautet die Überschrift zu einer Kernfrage: "Keine Straffreiheit für solche, die
Sünde treiben." Diese Überschrift ist eine ganz grobe Entstellung! Es wird völlig
mißachtet, daß Christen nicht unter dem Gesetz, sondern unter Gnade leben! Lies, was
Paulus selbst sagt: "Der gute Wille ist bei mir wohl vorhanden, aber das Vollbringen
des Guten gelingt mir nicht, denn ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern
vollbringe das Böse, das ich nicht tun will. Oh ich unglückseliger Mensch, wer wird mich
von diesem Todesleibe erlösen? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn. So gibt
es also jetzt kein Verdammungsurteil mehr für die, welche Christus Jesus angehören"
(Rö. 7:14-25, 8:1)
Niemand steht mehr unter dem Gesetz, alle vielmehr unter Gnade (Rö. 6:14). Die zitierte und proklamierte WT-Überschrift steht in krassem Gegensatz zu diesen Ausführungen des Paulus. Wie ist das möglich? Erstens weil die WTG alles unter ihre haltlos irdische Vernichtungstheorie beugt, die nun mit 1975 wieder bloßgestellt ist. Zweitens wird zwischen dem Gesetz des alten Bundes und den Grundsätzen des neuen Bundes für alle Menschen nicht genau unterschieden. Und endlich liegt insgesamt eine Vergewaltigung zugrunde, weil die Lehren des neuen Bundes (Testamentes) ausschließlich für die "Kirche", für die "Glieder des Christus" aus den Juden und Nationen sind, und für keine "irdische Klasse", die die WTG seit 1935 entwickelt hat (Phil. 3:17-20, Eph. 4:4-6, Gal. 1-6-9). Darum ist dieser ganze WT-Artikel in seinem Wesen unseriös, oberflächlich, entstellend.
"Keine geistige Energiekrise für
die Verständigen" -
Dreister geht es nicht! Leider zeigt die Erfahrung, daß
einem unverfrorenen, selbstsicheren, festen und dreisten Auftreten umso leichter von
vielen geglaubt wird! In anderer Beziehung haben wir das schon bis 5 Minuten nach 12
erlebt. Was für eine dreiste Umkehrung der Tatsachen! Der Jahrestext 1974 mit seinem
Eingeständnis von "nicht blühen" und "Fehlschlag" und die Streichung
"von Jehova gelehrt" aus dem WT sowie die jetzt zu beobachtende geschickte
Ablenkung von einem "gewissen Datum", nämlich 1975, beweisen, daß die WTG
selbst es ist, die in die größte Krise ihrer Existenz geraten ist! Das Gleichnis von den
Jungfrauen wird mißbraucht, um die als Toren zu verleumden, die das erkennen! Es ist
erstaunlich, wie leicht es die WTG wieder zu haben scheint, von ihrer eigenen Misere und
Krise abzulenken und mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Wird sie das retten?
W-Ko.
MENSCHENPLANE SCHEITERN - GOTTES
VORSATZ GELINGT!
Eigentlich fehlt in der Überschrift des Hauptartikels im
WT 20/74 ein entscheidender Satz, der sofort richtigstellen und die tatsächliche
Situation vermitteln würde. Folgenden Satz müssen wir uns eingeschaltet denken:
Menschenplane scheitern? - in der Interpretation der WTG - Gottes Vorsatz gelingt!
Wenn von "Menschenplänen" die Rede ist, dann ist zu fragen, aus welcher Vollmacht glaubt der Schreiber dieses WT-Artikels zu schreiben? Aus göttlicher Vollmacht doch wohl kaum. Denn wer diese beanspruchen wollte, müßte erklären, daß er (der WT) unter Inspiration, mit ausdrücklicher Billigung Gottes diesen Artikel geschrieben habe. Ein solches Verfügungsgedenken über Gott, meinen wir, wird der WT doch nicht beanspruchen wollen. Außerdem würde der WT in Widerspruch zu sich selbst geraten, da er ganz eindeutig erklärt hat, daß auch kein Überrestglied unter Inspiration stehe, und also auch nicht aus dieser Vollmacht handele oder schreibe.
Dieser ausdrücklichen Feststellung kann nur ganzherzig und konsequent zugestimmt werden. Da wir, wenn schon von "Menschenplänen" die Rede ist, folgende Tatsache sicher als Wahrheit anerkennen: Kein Christ der Erde, kein Zeuge der "großen Volksmenge" noch je ein Überrestglied, ganz allgemein, kein Mensch ist "heilig, noch ist er sündenlos wie Christus Jesus". Wer also den Mut nicht hat noch den Wahn, von sich zu behaupten, er sei "sündenlos und heilig" ist ein nachadamischer, unvollkommener Mensch. Folglich können nur "Menschenpläne" und ebensolche Taten das Werk seiner Erkenntnis und Hände sein. Aus diesem, seinem gebrochenen Sünderverhältnis zu Gott und Christus, kann dieser Mensch seit Adam nur "Menschenpläne" machen, keine anderen. Etwa solche von "gottähnlicher Qualität" kann er sich nur anmaßen. denn Gott versichert ihn dessen nicht.
Ganz anders zu der Zeit, als Menschen zur Zeit des Alten und Neuen Bundes unter Inspiration standen. Die Nähe Gottes wirkte unmittelbar. "Menschenplane" standen unter seiner Vorsehung und seiner Korrektur, er machte "gerade Bahn ,für, ihre Füße". Aber dieses Vorrecht göttlicher Leitung menschlicher Pläne wurde uns entzogen.
Wir vernehmen Gottes Warnungen nicht mehr unmittelbar, wenn Gott mit "Menschenplänen" nicht einverstanden ist. Hier sind wir unserem christlichen Gewissen überlassen und unserer Fähigkeit zu straucheln oder Gott zu gefallen. Aber, Gott sagt keinem Christen, du bist mir wohlgefällig oder du strauchelst. Nein, keine Mahnung unseres Vaters erreicht uns direkt. Daran sollten wir immer denken, bevor wir etwas sagen oder schreiben, und uns darin auf Gott berufen.
Wenn Gott uns per dato 1914 von "Menschenplänen" befreit hätte, dann wäre vernehmlich und eindeutig sein Wort an den Erdkreis ergangen. Gottes Auftrag für den Überrest unter den "Zeugen Jehovas" der Neuzeit hätte dann etwa wie folgt ergehen müssen: "Der Überrest und die große Volksmenge, diese ab 1935, organisieren und verwalten theokratisch das Leben der Menschen auf Erden. Christus Jesus ist ihr oberster Regent und Fürst. Jehovas Zeugen und ihre sichtbare Organisation, die WTG und ihre leitende Körperschaft tun dies anstelle, als von Gott befohlene Nachfolger, der weltlichen politischen Regierungen und Obrigkeiten, denen diese Aufgabe bis zum Jahre 1914 oblag".
So hätte der Souverän des Erdkreises sprechen können, um eine theokratische Verwaltung der Erde durch die WTG seit 1914 zu begründen. Nirgendwo wurde es so verbindlich und unzweifelhaft von Gott für Christen hinterlassen, durch Christus Jesus den Menschen der Erde erklärt. Kein "Zeuge Jehovas" der Neuzeit hat unter Inspiration vom Schöpfer erfahren, daß Gott mit "Jehovas Zeugen" und den Menschen einen solchen Vorsatz über seine Geschöpfe kundmachen wolle. Also machen wir, alle Menschen der Erde, Gerechte und Ungerechte, sofern wir nicht "heilig und sündenlos" sind, weiterhin "Menschenpläne" und folgen darin als sündige Menschen vor Gott seiner Weisung aus 1. Mose 1:28, " - . . füllet die Erde und unterwerfe sie euch".
Menschenpläne können scheitern, das ist ganz außer Frage. Es wird überhaupt nicht bestritten. Es gehört zum Menschen schlechthin, da er u. a. auch der Irrtumsfähigkeit unterworfen ist. Folglich können Menschenpläne sich als falsch, ungenau oder gar spekulativ erweisen. Lediglich Gott blieb es vorbehalten, Vorsätze und Pläne aus göttlicher Vollkommenheit absolut komplex bezüglich einer Sache oder eines Geschehens zu durchdenken und dementsprechend zu handeln. Das heißt, nur Gott der Schöpfer und Souverän kann universal und komplex, sowohl die Bewegung als auch den Zustand der Ruhe eines Geschehens, in allen Formen und Beziehungen zu anderen Geschehen, auch zeitlich koordiniert zugleich erfassen und bewältigen.
Gott schaut in die Herzen der Menschen. Er allein kann jegliches Tun und Geschehen bereits dann beurteilen, wenn es noch nicht vollendet ist, für Menschen demnach noch gar nicht als Wirklichkeit sichtbar geworden ist. Das ist der Grund, der wesenhafte Unterschied, der "Menschenplane" von "göttlichen Plänen und Vorsätzen" verschieden, und darin nicht vergleichbar macht.
Überrestglieder stehen nicht unter Inspiration. Aus diesem Grunde können sie auch kein Übertragungsglied bzw. Kanal dieser göttlichen, vollkommenen Informationen und Fähigkeiten sein. Die Inspiration war Gottes Hilfe für den Menschen, um diesen wesenhaften Unterschied zu überbrücken.
Menschenpläne können scheitern, angesichts der Universalität Gottes, keine Frage. Aber diese Tatsache des Lebens schlägt um den WT und die WTG keinen Bogen. Auch hier stehen "Menschenpläne" zur Disposition vor Gott und werden geprüft. Diese Pläne können erfolgreich sein oder auch scheitern. Zum Beispiel dann, wenn der WT der Versuchung nicht widerstehen kann und in Gottes Geheimnis eingreifen will. So geschehen 1914, 1925, 1945 und die Menschenpläne des WT, das Jahr 1975 betreffend. Da auch der Überrest, die leitende Körperschaft und die "große Volksmenge" nicht im Besitz menschlicher Vollkommenheit sind, wie sie Adam und Eva bei ihrer Erschaffung besaßen, leiden sie alle an einem Mangel hinsichtlich Gott, den keine Erkenntnis aufwiegen kann. WT 20/74, Seite 636 sagt dazu: "Deshalb müssen alle Gehorsamen zu menschlicher Vollkommenheit emporgehoben werden, wie sie Adam und Eva bei ihrer Erschaffung im Garten Eden besaßen."
Es ist unzweifelhaft ebenfalls ein Menschenplan, wenn der WT eine solche Erkenntnis niederschreibt. Unwillkürlich ist man versucht zu fragen, ja und, was dann? Angenommen, es verhielte sich wirklich so, wie die WT hier schreibt, dann würden die "Gehorsamen" die Stufe "adamischer Vollkommenheit" erreichen, und dann? Dann stünden die "Gehorsamen" entsprechend dem WT "menschlich vollkommen" vor Gott, wie sie es vor dem Sündenfall in Eden waren. Um Gottes Vorsatz mit den Menschen gelingen zu lassen, ist diese Stufe menschlicher Vollkommenheit nicht erforderlich. Gott hat diese Stufe in der. Bibel nicht zur Voraussetzung des Gelingens seiner Pläne und Vorsätze mit den Menschen gemacht. Es ist nur menschlich planende Schlußfolgerung über Gottes Vorsatz mit den Menschen. Es ist nur ein geistiges Hilfsmittel, sich wie der WT vorzustellen, daß Gott diese menschliche Vollkommenheit des früheren Adam aus Eden gebrauchen müsse, um seine Vorsätze gelingen zu lassen. Gott ist dem System dieser Erde, unserer Daseinsweise, nicht unterworfen, denn nicht er ist uns untertan, sondern wir dem Schöpfer. Damit ist aus den Grenzen des Menschen der Zustand seiner Gotteskindschaft festgelegt. Adamische Vollkommenheit wie sie Adam vor dem Fall besaß, ist nicht der Schlüssel zum Paradies.
"Alle Ungehorsamen, die diesem Vereinigungswerk Widerstand leisten, ja auch Satan und seine Dämonen, werden für immer vernichtet werden, so daß sie den Frieden nie mehr stören können (Offb. 20:7-15, Apg. 24:15)" WT 20/74, Seite 636.
Menschliche Vollkommenheit im Bilde Adams ist ungeeignet, dieser Friedenshoffnung des WT-Weltbildes über Gottes Vorsatz mit seiner Schöpfung zu genügen. Denn trotz menschlicher Vollkommenheit Adams vor dem Fall hat diese menschliche Vollkommenheit nicht ausgereicht, möglichen Ungehorsam gegen Gottes Vorsätze zu beseitigen, wie dieser ab 1. Mose 2:17 erkennbar wird. Ein Rückfall in Sünde kann also keinesfalls ausgeschlossen werden. Außerdem wissen wir, daß sogar ein Geistwesen, nämlich Satan, als es noch Luzifer hieß, gegen Gott rebelliert hat, und so zum Vater der Sünde wurde. Jes. 14:13, 1. Mose 3:4-5. Daß Menschen einen sogenannten freien Willen haben, wie er durch den WT immer wieder festgestellt wird, unterstreicht nur einmal deutlicher die Willkürlichkeit und Anfälligkeit des Menschen, und in welchem Maße ein Rückfall in Rebellion gegen Gott möglich wäre.
Die "Philosophie" der WTG, ihr Weltverständnis, ist eben doch nicht in sich geschlossen, wie sie sich von Prof. David Ehrenfeld, USA, nachsagen ließ: "Unter den . . . jüdisch-christlichen Religionsgemeinschaften gibt es außer Jehovas Zeugen kaum eine, die eine ausgeglichene Philosophie über den Menschen in Verbindung mit seiner Umwelt formuliert hätte." Auch Jehovas Zeugen haben eine Philosophie"? Bisher wurde dem immer widersprochen im WT, wurde Philosophie als zur "Welt" gehörig abgelehnt. Im Falle von Erwachet (hier Nr. 17/74, Seite 11) mag die Toleranzschwelle diesbezüglich etwas höher liegen, da WT und "Erwachet' für verschiedene Leser mit verteilten Rollen arbeiten.
"Über den Menschen in Verbindung mit seiner Umwelt" sagt WT 20/74, Seite 629: "Selbst durch den Zusammenschluß der Völker in der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) wirken die politischen und militärischen Führer dem Vorsatz Gottes entgegen. Es handelt sich dabei in Wirklichkeit um eine Verschwörung gegen Gott." Ob man diese Aussage des WT, daß die UNO eine Verschwörung gegen Gott sei, die Philosophie der WTG nennen sollte, mag Prof. David Ehrenfeld entscheiden. Wir gehen davon .aus, daß die UNO sehr wohl weiß, daß sie auch nur "mit Wasser kochen" kann, also Menschenpläne macht. Aber deshalb müssen diese Pläne nicht gegen Gott gerichtet sein. Es könnte ja durchaus sein, daß die UNO nicht verstehen kann, weshalb ihre Tätigkeit "in Wirklichkeit eine Verschwörung gegen Gott" sei, wie der WT erklärt.
Die UNO wird ganz allgemein davon ausgehen, ihr eigenes Tun als menschenfreundlich anzusehen. Darin wird sie keine Verschwörung gegen Gott erkennen können. Anders der WT, da er WTG und Gott praktisch gleichsetzt, liegt die Interpretation einer Verschwörung gegen Gott nicht mehr so fern. Wenn der WT nun demütig wäre, dann würde er auf solche interpretierte "Verschwörung gegen Gott" verzichten, Da er nicht wissen kann, ob Gott mit dem WT einverstanden ist. Aber das wäre wohl zu viel verlangt oder nicht?
Da der WT zu keinem "Menschenwerk" wie in der WHO oder UNESCO anreizt, muß sich eben die UNO dieser "Menschenpläne" annehmen. Irgendjemand muß schließlich etwas tun, u. a. auch für den WT, die WTG und ihre Beamten, und die Zeugen Jehovas muß es mitgetan werden.
Stückwerk sind diese UNO-Pläne allemal, aber nicht deshalb, weil sie die UNO tut oder zu tun verspricht. Auf der Erde kann nur Unvollkommenes geschehen, da das göttlich Vollkommene noch nicht seinen Platz auf Erden hat. Selbst die WTG kann nur unvollkommenes Stückwerk vollbringen, auch hier sind nur unvollkommene Menschen am Werk. Siehe WT 20/74, Seite 636, Abs. 53!
Die "böse Feindschaft" zwischen UNO und Gott kann der WT nur deshalb setzen, weil er absichtlich "göttliche Pläne" und "Menschenplane", künstlich in einen Konkurrenzkampf treiben will. Obwohl der Erdkreis, die Welt, den Menschen ganz allgemein als Lebensraum und Daseinsort von Gott übergeben ist. Eine andere Lebensbasis und Umwelt wurde von Gott für Menschen nicht bestimmt, da 1. Mose 3:22-23 nicht aufgehoben ist. Flucht aus der Welt ist nur dem WT auf dem Papier möglich. Kein Mensch kann der Last und Mühe dieser Erde wirklich entfliehen. Kein Überrestglied kann sich zur Zeit seines Lebens, und als unvollkommener Mensch aus der Dimension Erde entfernen. Gottes Vorsätze sehen es unter diesen Bedingungen nicht vor. Alle Menschen sind dem Staub der Erde verhaftet, denn von diesem wurden sie genommen. Wer das begriffen und eingestanden hat, wird weniger selbstgerecht Urteile fällen, und sich darin auf Gott berufen. Zu dieser Selbstgerechtigkeit, die sich auch noch auf Gottes Wohlwollen beruft, besteht überhaupt keine Veranlassung. "Sacktuch und Asche" wären viel angemessener. Demut wäre vonnöten.
Wenn der WT seine eigenen Aussagen ernster nehmen würde, vor allem seine Brüder und Schwestern, dann könnte z. B. folgender Satz gar nicht in die Druckpresse gelangen: "18 Der Zwiespalt zwischen der Menschheit und Gott spiegelt lediglich den Zwiespalt wider, der im unsichtbaren Bereich des Himmels zwischen Satan samt seinen Dämonen und Jehova Gott besteht." WT 20/74, Seite 629. Wenn dieser Satz Wahrheit sein soll, dann kann die UNO z. B. gar keine einseitige "Verschwörung gegen Gott" sein. Denn der Zwiespalt, den der WT hier aussagt, widerspiegelt auch, daß sowohl das Gute wie das Böse in der UNO vertreten sind im Ringen um den Menschen, um die Menschenrechte, deren Gutes nicht bestritten werden kann. Aus dieser Tatsache spreche nur die "alte Situation", wie sie im Garten Eden seit dem Sündenfall das Leben der nachadamischen Menschen bestimmte. Von da an widerstreiten das Gute und das Böse. Diese Situation kennzeichnet das Leben der unvollkommenen Menschen. Sie macht vor der Tür der UNO nicht halt, noch verschont sie den Turm der WTG.
Da wir allemal sündige Menschen vor
Gott sind, können wir seinen göttlichen Vorsatz nur so begreifen, daß unsere Errettung
nur in gnadenvoller Verbindung mit Christus Jesus geschehen kann. Denn Christus war der
einzige Mensch und Gottessohn, der der Versuchung des Widerstreits bzw. Dualismus von
Gehorsam und Rebellion widerstanden hat.
W. D.
NICHT DIE ERKENNTNIS, DIE LIEBE IST DER
MASSTAB
WOHIN GEHEN? WAS TUN?
"Das Gewissen
muß stets berücksichtigt und darf niemals unterdrückt oder vergewaltigt werden.
Ebensowenig sollte jemand, der seinem Gewissen folgend einen anderen Standpunkt vertritt,
aus diesem Grunde von seinen Brüdern geringgeschätzt werden, selbst wenn deren Gewissen
die Sache anders beurteilen. Laßt uns daran denken, daß nicht die Erkenntnis uns
heiligt. Der Apostel weist darauf hin, daß die Liebe in den Augen Gottes der wertvollste
Bestandteil unseres Charakters ist." (Zit. J. B.) Dies sagte C. T. Russell als
sichtbar wurde, daß es mit 1914 kein Harmagedon-Ende geben würde. C. T. Russell ist 1916
viel zu früh gestorben, wie auch der von ihm persönlich unerledigte 7. Band
Schriftstudien beweist. Die Organisation hätte heute einen ganz anderen Charakter.
Das nun nach 1914, 1925, 1939, 1955, 1965 und 1972 lauthals in die Welt posaunte Datum 1975 und auch sein Fehlschlag sollte alle äußerst bescheiden und lernbereit machen, neue Wege zu gehen. Ja, es ist unabwendbar, in christlicher Verantwortung neue, selbständige Entscheidungen zu treffen. Vor allem für das praktische Leben. Dabei kann es eine wertvolle Hilfe sein, undogmatisch auf Band 6 Schriftstudien von C. T. Russell über Berufung, Organisation. Ordnung, Disziplin, Gesetz, Rechte und Pflichten des Christen zurückzugreifen, bleibende christliche Wahrheiten. Man kann hierzu auch an die Brüder und Schwestern der freien christlichen Gemeinden wenden, die einstmals mit uns verbunden waren. Besonders die Älteren werden sich kennen und darum helfend wirken können.
In der DDR haben wir u. a. den Bund freier Christengemeinden (BfC), Vertreter Br. Peter Förster, 825 Meißen, Roter Weg 10, die Vereinigung freistehender Christen (VfC), Vertreter Br. Martin Domschke, 8023 Dresden. Großenhainer Straße 51, und die Freie Christenvereinigung (FC), Vertreter Br. Martin Pützmann, 703 Leipzig, Bürgerstraße 1. Gemeinden finden wir u. a. in Dresden, Meißen, Karl-Marx-Stadt, Freiberg, Altenburg, Naumburg, Leipzig, Bernburg, Potsdam, Magdeburg, Wilthen, Lützschena und anderen Orten.
In Polen haben wir u. a. die Vereinigung der Bibelforscher (Stowarzyszenie Badazy Pisma Swietego) mit Br. Waclaw Stachowicz, Skr. 94, 00-975 Warszawa 12, die Gemeinschaft der freien Bibelforscher (Zrzeszenie Wolnych Badazy Pisma Swietego) mit Br. Leon Molle, ul. sw. Filipa 13/18a, 31-150 Krakow, und die Missionsgemeinschaft Epifani (Swiecki Ruch Misyjny Epifania) mit Br. Wiktor Stachowiak, ul. Niedzionska 4, 60-406 Poznan 15.
In der BRD haben wir die Tagesanbruch-Bibelstudienvereinigung, die Freie Bibelgemeinde, den Bruderdienst oder den Augustinuskreis. Auch das kath. Informationsbüro für Glaubensgemeinschaften Haisterkirch und die ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen geben Hinweise und Auskunft. Unterschiede in Überzeugung und Erkenntnis dürfen und können bei aufrichtigen Christen kein Hindernis sein, denn "wenn ich alle Erkenntnis hätte, aber keine Liebe, so nützte es mir nichts". 1. Kor. 13:2,3. Christliche Liebe erträgt Erkenntnisunterschiede. Erst "wenn das Vollkommene erschienen ist, wird das Stückwerk ein Ende haben". 1. Kor. 13:10. Mehr ist uns nicht zugesagt. Ein Prediger der ev. freikirchl. Gemeinden, Peter Müller, sagte 1972 auf einer Konferenz in Leipzig: Ausschließlichkeitsansprüche unter Christen seien unhaltbar, unterschiedliche Gemeindeordnungen seien zu berücksichtigen, und zu anderen Christen müsse Brüderlichkeit vorherrschen, weil uns keine Einheit der Erkenntnis und des Lobes Gottes hier auf Erden zugesagt ist, wohl aber der Dienst gegenseitiger Zurüstung zum Zeugnis (Wort und Werk 8/72). Wenn Christus selbst jene nicht verurteilte, die anders in seinem Namen wirkten, indem er sagte, "wer nicht wider uns ist, ist für uns" (Mark 9:40), wer sind wir, denen nur "Stückwerk" zugesagt ist, daß wir uns in unduldsamer Rechthaberei mißachten und trennen? Und dadurch uns selbst und das ganze Christentum unglaubwürdig machen? Alle "Allein wir"-Ansprüche müssen fallen!
Soweit die Lage Überschaubar wird - Jehovas Zeugen werden durch die WT-Endzeitunglaubwürdigkeit gezwungen bleibt nur der Weg der Unterschiedlichkeit und Vielfalt in grundsätzlicher Einheit. Dieser Entwicklungsprozeß hat überall eingesetzt und wird sich unaufhaltsam entfalten. Kein Ausschließlichkeitsanspruch bleibt unbehelligt. Die reale Entwicklung verschont niemanden, keine Kirche oder Gemeinschaft, bei Strafe ihres Untergangs. Weil überall aufrichtige Christen sind, und Aufrichtigen Gelingen verheißen ist. Spr. 2:7. Niemand aber kann mehr als "Stückwerk" erlangen. Es bleibt nur dieser Weg der Demut. Diese Samenkörner werden aufgehen!
Wir haben u. a. folgende freien
Versammlungsmöglichkeiten:
Gemeinde 806 Dresden, Robert-Blum-Straße 6 (Raum
Adv.Gem.), sonntags, Okt./Apr. 14.30-16.00 Uhr (BfC)
Gemeinde 705 Leipzig, Witzgallstraße 10 Jgd.-Zimmer
Laurentiuskirch) sonnabends, 14.-00-16.00 Uhr (BfC) -
Gemeinde Karl-Marx-Stadt, Gießerstraße 36 (Jgd.-Zimmer
Josephskirche) sonnabends, 13.30-15.30 Uhr (WO
Gemeinde 7022 Leipzig, Blumenstraße 74
(Raumgemeinschaft), sonntags 14.00-15.30 Uhr (FC) -
Gemeinde Magdeburg, Bärstraße 9 (Raumgemeinschaft)
sonntags, 13.30-15.Uhr (VfC) -
Gemeinde Karl-Marx-Stadt. Schloßstraße 4-6
(Raumgemeinschaft), sonntags, 14.00-16.00 Uhr (VfC)
Gemeinde Leipzig, Maurice-Thorez-Straße 22
(Raumgemeinschaft), sonnabends, 16.00-17.30 Uhr (VfC)
"Die Liebe hört niemals auf.
Unser Erkennen ist Stückwerk, und unsere Gabe erwecklicher Rede ist Stückwerk. Wenn aber
das Vollkommene erschienen ist, wird das Stückwerk ein Ende haben. Jetzt sehen wir wie in
einem Spiegel nur undeutliche Bilder. Jetzt ist unser Erkennen nur Stückwerk. Nun aber
bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die größte aber unter ihnen ist die
Liebe." (Paulus an die Korinther)
P.
INFORMATIONEN / BERICHTE
Wandel der katholischen Tradition
Über lange Zeit hinweg hatte die Tradition die Schrift zu
beherrschen gedroht und es schien, als müßte man der manchmal nicht ganz eindeutigen und
von den historischen Zeitläufen mitgeprägten Überlieferung der Kirche mehr glauben als
dem Worte Gottes in der Schrift. Erst das II. Vatikanum brachte beide Quellen der
Offenbarung wieder in eine vernünftige Relation. Zugleich betonte das Konzil den
dynamischen Charakter der kirchlichen Überlieferung: Sie ist nichts Starres und
Unabänderliches, vielmehr ist anzuerkennen, daß überlieferte Worte und Werte immer
besser verstanden werden und so einem historischen Wandel der Interpretation unterliegen.
(Hubertus Guske, Neue Zeit, 11. 1.,75 Bln.)
Schicksale der Zeugen Jehovas in der
Sowjetunion
In einigen Gebieten wirkt eine geringe Anzahl der
nichtregistrierten Gruppen der Zeugen Jehovas, in überwiegender Mehrheit Werktätige in
der Produktion. Jedoch bedeutet ihre Zugehörigkeit eine innere Spaltung, sie entläßt
aus den praktischen Dingen, hemmt die Initiative und stört die Teilnahme am
gesellschaftlichen Leben, und bringt vor allem ihnen selbst Schaden ein. Sachkundig
liegende Arbeit, feinfühliges Verhalten sind gebührende Hilfe, sie zu veranlassen, die
umgebende Wirklichkeit vernünftig zu bewerten und in ihr ihren Platz zu finden. Dieser
Prozeß der Einsicht ist abhängig von unserem Leben und seinem alltäglichen Einfluß. In
der Arbeit mit den Zeugen Jehovas ist es wichtig, den einfachen Gläubigen die
Verletzungen der sowjetischen Gesetzgebung zu zeigen. In einem Betrieb in Angarsk wurde
1973 die ungesetzliche Handlungsweise einiger erörtert. Die Arbeiter brachten offen ihre
Verurteilung zum Ausdruck. Viele einfache Gläubige überzeugten sich von der
antigesellschaftlichen Tätigkeit der Führer. In ihrer Mehrheit sind sie leichtgläubig
und kurzsichtig, und nur, wenn sie sich überzeugen, daß jene sie täuschen, beginnen
sie, sie zu mißbilligen. Vieles hängt hier ab von der individuellen Arbeit mit den
Gläubigen unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieser Glaubenslehre. Nur
Ausdauer-und Beharrlichkeit und inhaltsreiche erzieherische Arbeit ermöglicht Hilfe.
(Aus. W. Fedorow, Nauka i Religia 11/74 Moskau).
Die Wahrheit liebt das Licht
Von oben noch unten geht von Ohr zu Ohr das Geflüster,
Jehova habe befohlen, alle früheren Publikationen zu vernichten. Man erklärt dabei, daß
das sehr wichtig ist, daß das Pflicht jedes Bruders ist. Natürlich findet man
Leichtsinnige überall. Und so plündern sie ohne Nachdenken in den Katalogen der
Bibliotheken und stehlen die Verzeichnisse der ungünstigen Publikationen aus den
Schubladen. Das Buch steht dann irgendwo auf dem Regal, im Katalog findet man keine
Nummer, die Karte ist gestohlen, und das Buch liegt jahrelang ruhig zwischen Millionen
verschiedener Bücher, niemand kann es lesen, niemand kann es finden! In der letzten Zeit
wurden in einer weltbekannten Bibliothek in Polen unbemerkt aus dem Katalog alle früheren
Publikationen von C. T. Russell, J. F. Rutherford, Paul S. L. Johnson und die
Publikationen der WTG, die heute für sie nicht mehr an der Zeit sind, auf diese Art zum
Verschwinden gebracht! Auch "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die
Wachtturmgesellschaft" aus der DDR, Urania-Verlag 1970, hatte dieses Schicksal. Die
Leitung der Bibliothek macht sich jetzt die Sorge, das Gestohlene zu ersetzen. Doch die
Tatsache des Diebstahls bleibt unvergessen. (Aus: Information aus Polen von J. T.)
Was CV will und was CV nicht kann
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Wir leben in einer gesellschaftlichen Entwicklung, die
alle Christen herausfordert, hierzu ihren Platz einzunehmen, was ihre schöpfungsbedingten
sozialen Lebensbedürfnisse betrifft. Für Jehovas Zeugen trifft diese Herausforderung
zusammen mit dem Bankrott aller ihrer irdischen Hoffnungen durch die WTG, die nun mit 1975
als falsche Versprechungen und falsche messianische Hoffnungen dastehen, vor aller Welt.
CV hat die Aufgabe, diese Situation allen bewußt zu machen und zu helfen, in christlicher
Verantwortung das Denken und Handeln zu fördern, was sich aus dieser Situation ergibt,
was jetzt unumgänglich wird. CV ist darum kein neues unantastbares Lehrmittel, wie man es
etwa durch den WT gewöhnt ist, CV ist im Gegenteil ungewöhnlich, weil es zum
selbständigen Denken und Handeln auffordert. CV kann sich nicht über die Schrift
"hermachen", so daß die Diener am Wort oder Ältesten am Ende nur noch
wiederzugeben haben, was ihnen vorgesetzt wird, anstatt selbst schriftgemäße Lehrer zu
sein, wie es die WT-Praxis ist. Was hinsichtlich "Glaube, Hoffnung und Liebe, dieser
drei" bleibt, in unserer Zeit und Entwicklung, ist unmittelbar in Dienst und Wort in
Gemeinde und Versammlung Aufgabe der Ältesten und ihrer Gehilfen. Haben sie diese
schriftgemäße Selbständigkeit nicht, dann müssen sie es lernen. CV kann solche
Lehrtätigkeit nicht ersetzen. CV ist ein zeitliches Hilfsmittel inmitten einer
allgemeinen und speziellen Herausforderung zu christlicher Neuorientierung und
Standortfindung, das lediglich in der gegenwärtigen Situation unentbehrlich ist. Die
Versammlung muß selbst "mündig" sein. Auch diese CV-Ausgabe möchte dazu
Anregungen und Anstöße, hilfreiche Hinweise und brüderlichen Rat geben. CV hat jedoch
nur informatorischen Charakter. Legt CV in jeder Studiengruppe mutig auf den Tisch. Die
Zeit ist herbeigekommen.
In christlicher Verbundenheit
Eure Brüder, CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung"; Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera,
Otto-Dix-Straße 6. Preis.- M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
A 2125-75 V 7 1 660