Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 65
"
Jeder Monat kann sich als der letzte für uns erweisen" so tönte die WTG Ende 1974 Anfang 1975. In dieser Ausgabe dokumentiert.CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem
Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR
DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich
verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas
und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG)
und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und
weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.
Nr. 65 Gera Dezember 1974
Wer blickt nicht in gespannter
Erwartung auf 1975?
WAS IST ZU TUN?
Liebe Leser
"Dienstjahr
1975, das besagt etwas!", heißt es im "Königreichsdienst" VIII/74 des WTG-Ostbüros Wiesbaden. Notgedrungen auf die "gespannte
Erwartung" eingehend, die der seit 1966 von der WTG weltweit proklamierte neue
Termin 1975, als "Ende der 6000 Jahre dieser Welt" und Beginn des "Tausendjährigen
Königreiches Gottes" auf Erden, nun auf den Höhepunkt treibt. In dieser CV-Ausgabe
besprechen wir die auch hier, unter allen "üblichen Vorsichtsmaßnahmen" angelaufenen "großen
Planungen" der WTG für 1975. Mit dem wirklichen Ziel, erstens die Katastrophe
abzufangen, die dieser neue vergebliche Termin in den Versammlungen herbeiführen muß,
und zweitens, um aus dieser Niederlage einen Sieg zu machen, der sichert, daß auch 1975
eine hinreichende Grundlage für unbestimmte Weiterarbeit bleibt. "Zehn oder zwanzig
Jahre" werden zunächst, scheinbar ganz nebenbei, ins Spiel gebracht (WT 17/74,
Seite 537).
Gebietet das nicht ernsteste Aufmerksamkeit?
Gleichzeitig müssen wir beachten, was die wichtigsten Konsequenzen aus diesem erneuten WTG-Endzeitfehlschlag sind, kurzfristig und auf lange Sicht. Denn stellt sich nicht jeder hier sofort auch die Frage, wohin sollen wir denn gehen, wenn das so ist? Was sollen wir machen? Was ist also nun das Wichtigste zur Orientierung, was sich da für die Zukunft in unserem Land insbesondere ergibt? Laßt uns vier Schwerpunkte sehen.
1. - Die weltanschauliche WT-Endzeitorientierung ist wieder falsch, und damit haltlos. Nichts, was da als "Gottes Vorsatz" proklamiert wird, "gelingt". Die "Menschenpläne" müssen also zwangsläufig weiter verwirklicht werden. Konkret würde diese WT-Verkündigung doch bedeuten, keine Volkswirtschaftspläne mehr für die medizinische, soziale, gesundheitliche, wissenschaftliche und ökonomische Entwicklung des Landes mehr, keine Pläne mehr für die Arbeit, soziale Sicherheit, Bildung, Ein- und Ausfuhr, Hilfe für andere Länder und tausend andere Dinge, ohne die keiner existieren kann, ob Christ oder nicht. Macht diese unmögliche Verkündigung unter den Menschen allenthalben den Glauben an Gott und Christus nicht in Wirklichkeit unseriös und lächerlich, und sozial wie politisch verantwortungslos?
2. - Der neue WTG-Endzeitfehlschlag verlangt eine grundsätzliche soziale Besinnung, ausgehend davon, daß alle Menschen zuerst "vom Brot leben", wie es Christus auch meinte. Wie hätten sie ihm zuhören können, wenn er sie nicht einmal 5 000fach physisch gespeist hätte? Was zeigt denn das? Es muß also zugrunde gelegt werden, daß alle Menschen vor allem essen, trinken, wohnen und sich kleiden, also arbeiten müssen, "vom Brot leben" müssen, ehe sie Religion und andere geistige Dinge betreiben können. Die notwendige "irdische" Neuorientierung nach 1975 fordert diese Besinnung. Wie vor allen anderen Christen steht damit auch vor den Zeugen die Suche nach dem Weg in der sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande, verbunden mit der Überwindung des WT-Antikommunismus und der Erörterung aller mit dieser gesellschaftlichen und geistigen Neuorientierung zusammenhängenden religiösen Fragen. Es wird unvermeidlich, hier neue Standpunkte zu erarbeiten. Auf den Ältesten ruht hier eine Hauptverantwortung Gott und Menschen
3. - Die WTG hat begonnen, Schritt für Schritt unauffälligen eine neue Haut zu schlüpfen. Die Veränderungen, CV zeigt sie laufend auf, zeichnen sich immer mehr ab.
Wird die WTG das Endzeitverschieben (1799, 1874, 1914, 1945, 1972, 1975!) weitermachen und ein neues Datum festsetzen? Könnte sie das überhaupt unterlassen? Oder wird sie auf lange Sicht eine dauernde Religionsgemeinschaft werden? In Verbindung damit sollte mit all den Brüdern, und Schwestern, den Opfern des bisherigen haltlosen WTG-Endzeitkurses, in den verschiedenen freien christlichen Versammlungen bzw. Gemeinden wieder Kontakt aufgenommen werden. Ausgehend davon, daß die Nachfolge Jesu auch heute in den unterschiedlichsten Formen bestehen kann (Mark. 9:38-40), und letztlich die Erkenntnis überall "unvollkommenes Stückwerk" sein muß, bis ."das Vollkommene" einmal erschienen sein wird. (l. Kor. 13:9-10)
Von diesem biblischen Standpunkt aus
müssen dann auch generell alle anderen Christen gesehen werden, um in der WTG den ihnen
gegenüber erzeugten Glaubenshaß zu überwinden. So können die Voraussetzungen und
Möglichkeiten geschaffen werden, den "Untergrund" abzuschütteln, den die WTG
allein zu halten sucht, um evangeliumsfremde, antikommunistische Interessen anonymer
Auftraggeber mit zu verwirklichen. Nur so eröffnet sich der Weg, als wahrhaftige Christen
wieder frei zu leben und zu wirken. Wir wissen natürlich, daß damit für alle
Aufrichtigen erst einmal ein Lernprozeß beginnt. Und wir hoffen und tun daß sich CV
dabei immer besser als ein unentbehrliches Hilfsmittel in christlicher Verantwortung
erweist.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter
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IN DIESER AUSGABE
Was Treue von uns fordert.-
Die Botschaft vom Ende wieder vergeblich gepredigt.
Die "besonderen Zusammenkünfte" des Dienstjahres 1975
-
Gelingt der Sprung über den eigenen Schatten?
Die "großen Planungen" des Dienstjahres 1975. -
Die Kernfragen des WT für Studium und Verkündigung
geprüft.
WT 1974 dt. Nr. 16 und 17.-
Unsere Brüder und Schwestern in den freien Versammlungen
und Gemeinden. -
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Was Treue von uns fordert
Wenn Du der Meinung bist, daß man Lügen nicht
widerspruchslos hinnehmen sollte, was gedenkst Du also zu tun? Du wirst Dir klar werden
müssen, wie Du Dich verhalten willst, wenn Unwahrheiten über Gott verbreitet werden, Um
der rechten Unterscheidung willen, wegen der wahrhaftigen Herzenseinstellung dazu wirst Du
fragen müssen, wurde wirklich gelogen und Lüge verbreitet, oder wurde aus
Irrtumsbefangenheit die Unwahrheit über Gott verbreitet. Du wirst also im Sinn behalten
müssen, daß " L ü g e n " die Absicht nach wissentlicher Täuschung
voraussetzt. Eine Lüge geschieht wider besseres Wissen, in dem bewußten Vorsatz jemand
falsch zu informieren bzw. eine falsche Aussage über Gott zu treffen.
Wenn eine Unwahrheit über Gott verbreitet wurde, werden wir als ehrliche Christen nicht ohne weiteres den Stab brechen können und behaupten, es wurde gelogen - Unwahrheit über Gott verbreitet, Reife Christen müssen unterscheiden können, wo wurde gelogen, L ü g e über Gott verbreitet, wo beginnt der Irrtum über Gottes Vorhaben und sein Wort. Wir müssen erkennen können, daß Christus Jesus niemals in Vorurteilen befangen, versteinerten Herzens geurteilt und gehandelt hat. Denn darin lag die Unwiderstehlichkeit, die große Gewalt und Überzeugungskraft seines Wortes und seiner Tat. Es sollte uns eigentlich sehr am Herzen liegen, vollkommen zu werden und Reife zu erlangen in diesen Dingen, dem Christus ganz ähnlich zu werden.
Im WT Nr. 8/74, Seite 220, wird den Christen mitgeteilt: "Wie verhielt es sich dann, wenn Unwahrheiten über Gott verbreitet werden und Gottes Vorhaben falsch dargestellt wird? Gewiß handelt es sich dabei nicht um weniger bedeutsame, sondern eher um schwerwiegende Lügen."
Daß dieser Satz gegen "andere Christen" geschrieben wurde, dürfte wohl außer Frage sein. Wodurch aber ganz sicher nicht gesagt werden kann, daß er deshalb wahr und richtig sei, sein muß. Dieser Satz im "Wachtturm" berücksichtigt nicht den Unterschied zwischen L ü g e und Irrtum, wer Irrtümer über Gott aussagt ist kein Lügner. Wenn ein Christ Irrtum über Gott redet und verbreitet, so ist er sich dessen nicht bewußt, sondern er redet im guten Glauben in der Hoffnung, Gottes Billigung zu erhalten.
Ein Lügner ist ein Feind Gottes. Es wäre völlig widersinnig, wenn er auf die Billigung Gottes hoffen wollte, n e i n sein Sinn steht gar nicht danach, denn ein Lügner ist nicht aus Gott und Christus. Im WT Nr. 11/74, Seite 344, erfahren wir nach einem Zitat aus der "SINDELFINGER ZEITUNG" vom 31. 8. 1968, unter der Überschrift "Die ehrlichsten Menschen . . . sind die Zeugen Jehovas": "Erkennbar, so sagt das Bundesfinanzministerium, seien die Zeugen Jehovas die ehrlichsten Menschen in der Bundesrepublik."
Sicher werden Christen, Zeugen Jehovas die Absicht pflegen, daß dieses "Prädikat" e h r l i c h " nicht nur für die Steuererklärung in der BRD gültig sei. Ein Christ wird, um in den Augen Gottes dieses Prädikat " e h r 1 i c h " zu verdienen, noch weitaus ehrlicher als nur in seinen Steuergebahren sein müssen - das dürfte außer Zweifel sein. Ehrlichkeit in den Augen Gottes gebietet, auch anderen Christen als nur und ausschließlich Jehovas Zeugen, e h r l i c h und g e r e c h t zu begegnen. Und sei es in unserem Verständnis darüber, ob andere Christen " l ü g e n ", wenn sie "Unwahrheiten über Gott verbreiten" oder irrtumsbefangen sind, also nicht - lügen.
Es ist lebenswichtig für christliche Zeugen Jehovas. diese Wahrheit in stets lebendiger Aufmerksamkeit zu fördern, ja wir sollten sie uns ständig einüben, um auch darin Christus zu gefallen. Denn wir werden noch oft Gelegenheit haben, von Christus im Anwenden dieser Wahrheit erprobt zu werden, Christus erforscht unsere Herzen - auch unsere Einstellung zu uns selbst, ob wir e h r l i c h gegen uns selbst sind oder "Fluchtpläne" aus der Ehrlichkeit hegen. Denn wer wüßte es nicht, wer hätte es nicht schon an sich selbst erfahren: Unsere Ehrlichkeit meint oft und gern die anderen, und viel weniger uns selbst. Darin sind wir Menschen, aber in dieser Schwäche gegen uns selbst liebt uns Christus nicht. In der Bergpredigt ist uns eigentlich vorgehalten, welchem Verhalten ein Christ genügen sollte, um Christus immer näher zu kommen, und vollkommen zu werden.
Jesus, der Herr unseres Lebens spricht:
"Doch ich sage euch: Liebt eure Feinde unablässig
und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist,
der in den Himmeln ist, da er seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und über Gerechte
und Ungerechte regnen läßt, Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt
ihr? Tun nicht auch die Steuereinnehmer dasselbe? 47 . . . Ihr sollt demnach vollkommen
sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." (Matth. 5:44-48)
Im WT Nr. 11/74, Seite 342 wird das Wort "vollkommen" in folgender Weise kommentiert und für heutige Christen dargeboten: "Es mag Dich überraschen, zu erfahren, in welchem Maße wir nach den Worten Jesu Christi wie Gott sein sollten. Er sagt in der Bergpredigt: "Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." (Matth. 5:48) Können wir unvollkommenen Geschöpfe aber vollkommen sein? Ja, denn das Wort vollkommen wird in der Bibel wie im heutigen Sprachgebrauch in relativem Sinne angewandt." Ehrliche Zeugen Jehovas werden nun gehalten sein zu prüfen, ob es statthaft ist, den Kontext um Matth. 5:48 so wie im WT, Seite 342 geschehen, zu verkürzen, und die Forderung noch Vollkommenheit gleichermaßen zu relativieren. Die Frage ist, darf ein Christ d i e s e Aufforderungssituation in der Bergpredigt überhören und aus eigener Vollmacht als " r e l a t i v " für sich auslegen. Da Christus das Ideal aus Matth. 5:44-48 verwirklicht hat, konnte er zum Überwinder werden; was wird aus uns, wenn wir seinem Vorbild nur " r e l a t i v" nachfolgen sollen - wollen? Überdenken wir also noch einmal, was es einschließen und bedeuten würde, wenn diese WT-Auslegung, "das Wort 'vollkomnen' wird in der Bibel wie im heutigen Sprachgebrauch in relativem Sinne angewandt", WT 11/74, Seite 342, wirklich und wahrhaft durch Gott bestätigt sein sollte.
Eine Grundwahrheit unseres Glaubens
wurde im Jahre 1928 durch Josef Rutherford in seinem Buch "Regierung"
ausgesprochen, deren Wahrheit zeitlos ist, und jede menschliche Erkenntnis überdauert. Es
heißt dort:
"Jesus war heilig, unschuldig und sündlos, und das
mußte er notwendigerweise auch sein, um den Loskaufpreis beschaffen zu können;..... Der Wert des
Lebens, das der vollkommene Mensch Jesus gleichsam als ein Sünder in den Tod dahingegeben
hatte." Seite 108, Magdeburger Ausgabe
Indem wir diese Wahrheit über Christus unbedingt festhalten müssen, erkennen wir auch, daß es völlig unmöglich, weil nämlich u n w a h r wäre, daß "der vollkommene Mensch Jesus" nur " r e l a t i v " vollkommen" ist. Wenn wir nun dem Verständnis des WT Nr. 8/74 folgen wollten, dann würde gemessen an diesem, folgender Fall eintreten:
"Wie verhält es sich dann, wenn Unwahrheiten über Gott verbreitet werden und Gottes Vorhaben f a 1 s c h dargestellt wird? Gewiß handelt es sich dabei nicht um weniger bedeutsame, sondern eher um schwerwiegende L ü g e n." (Seite 229)
Diese Feststellung wollte der WT auf "andere Christen" angewendet wissen. Was geschieht aber, wenn der "Wachtturm" selbst "Unwahrheiten über Gott verbreitet", welcher Maßstab soll dann gelten? Es ist ganz sicher, daß diese, den "anderen Christen" angepaßte Elle auf den WT nicht angewendet werden soll. Denn das würde ja heißen, den WT der "schwerwiegenden Lüge" zu bezichtigen.
N e i n , eine Lüge hat der WT nicht geschrieben, sondern wahrscheinlich aus Irrtumsbefangenheit: "das Wort 'vollkommen' wird in der Bibel wie im heutigen Sprachgebrauch in relativem Sinne angewandt."
WT Nr. 11/74, Seite 342.
Denn, diese " r e l a t i v e " Anwendung des
Wortes "vollkommen" kann der WT aus der Bibel nicht beweisen. Dieser
"Beweis" würde Gottes Wort vergewaltigen und in der Konsequenz bedeuten, daß
Christus Jesus nur "r e l a t i v v o l l k o m m e n" war, obgleich er, wie wir alle wissen,
"heilig, unschuldig und sündlos" war. Unabhängig davon, stellt ja der WT
11/74, Seite 347, fest:
"Um vollkommen zu sein, wie Gott
vollkommen ist.
Mit dieser Aussage über G o t t e s V o l l k o m m e n h e i
t hat sich der WT bezüglich seiner Behauptung von Seite 342 selbst widerlegt. Da es
absolut undenkbar und für Christen nicht nachvollziehbar ist, "das Wort 'vollkommen'
in der Bibel wie im heutigen Sprachgebrauch in relativem Sinne anzuwenden", denn
danach wäre Gott im WT-Sinne "relativ vollkommen"; diese Aussage des WT ist
absolut falsch. Seite 342 im WT 11/74 darf von den Geschwistern nicht unwidersprochen
hingenommen werden. Wir sollten allerdings auch nicht in den Fehler verfallen und denken,
daß es dem "Wachtturm" Nr. 11/74 wirklich darum gehe, Gott oder Christus als
"relativ vollkommen" hinzustellen. Nein, das kann nicht das Anliegen dieses WT
sein. Eine solche Auslegung bzw. Absicht würde sich ja massiv gegen die WTG selbst
wenden. Wir müssen uns fragen, was wollte uns dieser WT wirklich mitteilen, worum ging es
dem Schreiber dieses Artikels im WT? Ganz sicher ist folgende Wahrheit:
Daß zwischen der Vollkommenheit des
Christus Jesus und menschlicher Vollkommenheit, die wir als Christen zu erlangen
vermögen, eine R e l a t i o n besteht, da Christen weder "heilig" noch
"sündlos" sind.
Diesen Unterschied hingegen hätte der WT völlig
unmißverständlich darlegen können, ohne jegliches Risiko, "eine Unwahrheit über
Gott zu verbreiten".
Seite 343 des WT-Artikels belehrt
darüber, worauf es dem Artikel wirklich ankam, was vermittelt werden sollte:
"Menschen wie Noah und Hiob waren selbstverständlich
nicht in dem Sinne "vollkommen", daß sie sündenlos gewesen wären, aber im
großen und ganzen taten sie das, was Gott zu ihrer Zeit und ihren Umständen entsprechend
von ihnen verlangte."
Unausgesprochen wird aus diesem WT-Satz deutlich, denn das ist die konsequente Weiterführung seiner Gedanken, all seiner Bedingungen, daß die "Wachtturmgesellschaft" und ihre "leitende Körperschaft" zwar "vollkommen" ist, aber darin auch zugleich sündhaft. Der WT-Artikel hat es jedem Zeugen absichtlich selbst überlassen, diese Gedankenarbeit zu vollziehen. Eine ausdrückliche Formulierung durch den WT müßte ja schockartig Erkenntnisse auslösen, deren erschütternde Wirkung die WTG nicht wünschen kann. Zumal die oben genannte Auslegung über "Hiob und Noah" mit dieser Feststellung über die WTG nach keineswegs konsequent abgeschlossen ist.
Wir haben als gehört, "Noah und
Hiob waren nicht sündenlos", "im großen und ganzen taten sie aber das . . . was Gott von
ihnen verlangte." Um diesen Satz einzuprägen, erklärt der "Wachtturm" Nr.
11/74 dann weiter: "Das hier mit ,vollkommen' wiedergegebene hebräische oder
griechische Wort bedeutet 'vollständig', 'vollentwickelt' . . . und entspricht dem deutschen Wort
'vollkommen', das ebenfalls mit 'vollständig', ,'g a n z ' oder 'tadellos' erklärt
wird.' (Seite 342). Noch "Wasserzieher", einem etymologischen Wörterbuch, der
deutschen Sprache ="vollkommen" ein Partizip (Mittelwort) des
mittelhochdeutschen "volkomen und bedeutet "ans Ziel kommen". Fragen wir
uns also, wer außerhalb der WTG ist noch " g a n z " , "vollständig",
"v o l l e n t w i c k e l t, ", um "ans Ziel (zu) kommen"? Von der WTG
wissen wir schon, daß sie in diesem Sinne "vollkommen" ist, und "ans
Ziel kommen" wird - das ist unbestritten. Aber, unbestreitbar ist auch, daß andere
Christen, etwa evangelische oder katholische, auch " g a n z " und
"vollständig", in diesem Sinne also "vollkommen" sind, da laut WT
"das Wort 'vollkommen' in der Bibel wie im heutigen Sprachgebrauch in relativem Sinne
angewandt wird".
Grundsätzlich hat der WT damit
ausgedrückt, daß die "Wachtturmgesellschaft" der "Zeugen Jehovas"
keine andere, unterschiedlich, reifere Wahrheitsqualität und erhöhte Gnadenstellung vor
Gott besitzt, also nicht "vollkommener" ist, als andere christliche
Gemeinschaften auch. Da allen Christen ein Zustand vor Gott gemeinsam ist, nicht "s ü n d e n
l o s " und nicht
"u n s c h u l d i g" vor Gott zu sein.
Wenn der WT in den Versammlungen wirklich studiert würde,
dann müßte diese konsequente Wahrheit für alle Geschwister ans Licht des Tages treten.
Diese Wahrheit wird im WT zwar angesprochen, zwischen den Zeilen, aber nicht
unverschlüsselt ausgesprochen.
So ergibt sich und ist unweigerlich
angeschnitten mit der Tatsache, wie das Wort "vollkommen" durch den WT ausgelegt
wird. Nicht etwa dadurch, daß der WT das Wort "relativ" verwendet,
sondern einzig deshalb, w i e der WT es verstanden wissen will. Wiederum fällt CV eine
Vermittlerrolle zu, weil der WT seine Zweckbestimmung des Wortes "relativ" -
"vollkommen" nicht unverschlüsselt aussprechen kann. Denn aus seinem Munde
käme das einer Demontage aller bisherigen Werte gleich. Aus Rücksicht auf die
Organisation, denn es wäre eine zu "fettige Speise", weil die Geschwister
darauf innerlich, geistig-mündig nicht vorbereiten sind, soll diese Erkenntnis langsam
durchsickern: Die WTG ist "relativ vollkommen", vor Gott ist sie nicht im Besitz
einer erhöhten Gnadenstellung. Langsam, über Umwege des Herantastens, soll diese
Tatsache von Jehovas Zeugen geistig vereinnahmt werden. Gewiß, CV wird ob dieser Rolle,
stellvertretend für die WTG, diese schockierenden Erkenntnisse auszusprechen, beschimpft
und abgetan werden - das ist vom WT berücksichtigt. Weil das so ist, deshalb kann CV
diese Rolle einnehmen. Der Anstoß durch CV bleibt, die geistige Weiterarbeit der
EHRLICHEN ZEUGEN JEHOVAS muß einsetzen, weil sie ein Gewissen haben, auch das ist vom
"Wachtturm" berücksichtigt und erwogen. Denkt daran, was schon einmal im WT vom
15. 3. 1925 geschrieben, aber dann wieder verschüttet wurde:
(Und seid dessen gewiß, es entstammt nicht der Feder von
W. D.) "Es scheint eine Schwäche vieler Bibelforscher zu sein, daß, wenn sie einen
zukünftigen Zeitpunkt in der Bibel entdecken, sie sofort so viele Prophezeiungen wie
möglich darauf konzentrieren.
Das ist die Ursache vieler Sichtungen in der Vergangenheit
gewesen . . . Die Schwierigkeit war die, daß die Geschwister ihrer Einbildungskraft über
jede vernünftige Grenze hinaus freien Spiel Raum gaben, und daß, als ihre phantastischen
Gebilde zerplatzten, sie geneigt waren, alles
fortzuwerfen."
Über diesen Satz des WT von 1925
sollten ehrliche Zeugen besonders intensiv nachdenken, dann wird auch Erkenntnis über uns
selbst und die Organisation reifen.
W. D.
Die Botschaft vom "Ende"
wieder vergeblich gepredigt
Die "besonderen Zusammenkünfte" zum Dienstjahr
1975
In VIII/74 und IX/74 wurde es angekündigt und mit den
"Beilagen" 1) "Ein Brief von Menschen, die
um Dich besorgt sind" vom 1. Sept. 1974, und 2) "An alle getauften Diener
Jehovas" vom 8. Sept. 1974 angeordnet: Zwei "besondere Zusammenkünfte" als
Auftakt des Dienstjahres 1975, das nun mit Hochspannung erwartet wird. "Nun laufen
große Planungen. Dienstjahr 1975, das besagt etwas" (VIII/74). Ja, das
besagt wirklich etwas! Werden die seit 1966 verkündigten 1975 Ende Erwartungen erfüllt? In aller Welt wird
gleich zu Beginn des Dienstjahres ein besonderes Programm geplant werden. A l l e , die
das Gedächtnismahl im April besucht haben, sollen eingeladen werden, auch diejenigen, die
in der Zwischenzeit neu gefunden wurden, mit uns zusammenzukommen. Es müssen wieder mehr
als 4 446 300 Anwesende sein! Es ist etwas Besonderes für das Zusammenkommen vorgesehen,
ein wichtiges Programm", (VIII/74). Mehr wird nicht verraten! In einem anderen
Zusammenhang fällt lediglich etwas auf: "Nehmt Dienstaufträge willig an. Murrt und
nörgelt nicht, und geht ihnen nicht aus dem Wege". Als ob einige widerspenstige,
ungezogene Buben zurechtgewiesen werden. U n d: "Jehova schulde uns nicht, etwas
Bestimmtes zu tun"! Au c h "die Niniviten mußte Jehova nicht einfach deswegen
vernichten, weil Jona diese Botschaft gepredigt hatte"! (VIII/74). Was heißt denn
das? Die
WTG will also als Auftakt für 1975 mehr als 4,5 Millionen Anwesende zusammengebracht
haben. Ja, das besagt etwas für 1975! Doch w a s ? Was ist da "Besonderes"? Was
für "große Planungen"? Etwa, wie alle im Frühherbst 1975 das Ende der
"6000 Jahre Satans", und den Beginn der 1000-Jahrherrschaft Christi"
bewältigen sollen? Unsere Informationen aus der CSSR besagen, daß dort unter den Zeugen
eine Spannung aufgebrochen ist, der die WTG nur noch mit "Kahlschlag" Herr
werden kann, indem kürzlich rigoros verboten wurde, 1975 auch nur zu erwähnen! Hier soll jeder in
euphorischer Hochstimmung das Dienstjahr 1975 beginnen: "Wir haben alle Ursache zu
frohlocken! Und nun haben wir das neue Dienstjahr begonnen. Es ist das Dienstjahr 1975,
Was wird es uns bringen? Bestimmt eine außergewöhnliche Mehrung! In aller Welt zwei
besondere Zusammenkünfte. Wir werden zusammensein, um uns über unsere Möglichkeiten
ganzherzigen Dienstes zu unterhalten! Jeder Monat kann sich als der letzte für uns
erweisen!" (Aus IX/74)
Jeder M o n a t ? Nur noch in Monaten denken? Da müssen ja alle aus dem Häuschen geraten!
Die Anweisungen für die Ältesten
besagen jedoch in den entscheidenden Punkten:
1). "Besonderes Zusammenkommen mit allen
Neuinteressierten. Heiße alle Anwesenden herzlich willkommen. Beginne direkt die
Besprechung des Stoffes aus der Beilage unter 'Ein Brief von Menschen', die um Dich
besorgt sind". Sprich über den Wert des Heimbibelstudiums, erkläre, daß es
kostenlos ist. Ermuntere, es regelmäßig zu tun. Ermuntere Neue, sich nicht von dem
Gedanken, daß sie sich nicht ändern könnten, zurückhalten zu lassen. Hebe den Wert des
regelmäßigen Zusammenkommens hervor. Nie Kollekten. Keine Pflichtbeiträge. Besprecht,
warum wir uns am Predigtdienst beteiligen, wie Neuen geholfen wird, daran teilzunehmen.
Seid ihnen behilflich zu erkennen, daß sie niemand drängt, daß wir jedoch bereit sind,
ihnen zu helfen. Besprecht an Hand der Bibel Hingabe und Taufe. Hebt den Ernst der Zeit,
in der wir leben, hervor, die Notwendigkeit, zu handeln. Schließt mit einer herzlichen
Aufforderung, den Wert eines Verhältnisses zu Gott sowie Gottes Anerkennung zu schätzen.
Legt ein Exemplar des "Briefes . . " am Ort der Zusammenkunft aus. Kündige das besondere
Zusammenkommen in der nächsten Woche an. Weise die Neuinteressierten darauf hin, daß sie
willkommen sind". (IX/74)
2) Besondere Zusammenkunft für alle gotthingegebenen getauften Verkündiger. Heiße alle Anwesenden herzlich willkommen. Behandele dann unmittelbar die Gedanken aus der Beilage 'An alle getauften Diener Jehovas'. Zwei führen ein ernstes Gespräch. Den Gedanken der Dringlichkeit vermitteln. Persönlich mit den Neuen sprechen. Führe ihnen den Ernst der Angelegenheit vor Augen, doch so, daß sie sich angespannt fühlen, voranzudrängen. Predigtdienst. Einen vollen Anteil daran nehmen. Lege zum Schluß ein Exemplar des Briefes An alle getauften Diener Gottes' am Zusammenkunftsort zur Einsicht aus." (IX/74).
Selbst diejenigen, die diese "besonderen Zusammenkünfte" durchführen sollten, waren nach dem Lesen dieser WTG-Anweisungen teilweise völlig enttäuscht und ernüchtert. Das war doch nichts weiter als das übliche Anspornen zur Tätigkeit, vielleicht etwas schärfer und dringlicher! Dienst, Dienst, Dienst - gibt es kein 1975-Ende? Vielleicht in den beiden" Beilagen", die in den Besonderen Zusammenkünften' besprochen und behandelt werden sollen? J a ! Dort wird. es erwähnt! Doch w i e ? Es folgen die Kerngedanken der beiden "Beilagen".
1) "Ein Brief von Menschen, die um
dich besorgt sind.
1. Sept. 1974 - Lieber Freund!
. . . Weshalb findet diese besondere Zusammenkunft statt?
Weil die Zeit, in der wir leben, es dringend erforderlich macht. Wahrscheinlich ist dir
bereits bekannt, daß für die gegenwärtige gottlose Welt im Jahre 1914 u. Z. die "letzten Tage" angebrochen
sind, die nun bald mit der Vernichtung dieser Welt enden werden. Alle, die von Gott nichts
wissen wollen und die nicht bereit sind, ihm zu dienen, ja, die sich hartnäckig weigern,
werden dann in den ewigen Tod gehen. Wir kennen die genaue Zeit - "Tag und
Stunde" - nicht, zu der die "große Drangsal" beginnt. Doch w i s s e n
wir, daß Gottes Urteil zu Lebzeiten der Generation vollstreckt werden soll, die den
Beginn der "letzten Tage" beobachtet hat. Jesus Christus sagte, "diese
Generation (wird) auf keinen Fall vergehen, bis alle diese Dinge geschehen". Nahezu
60 Jahre sind bereits vergangen. Die Zahl, derer - die das Jahr 1914 bewußt erlebt haben,
nimmt ab. Es ist somit klar, daß die Zeit nahe herbeigekommen ist. Einige mögen
schlußfolgern, es vergehe noch viel Zeit. Laß dich nicht verleiten. Da die "große
Drangsal" offensichtlich nahe ist, möchten wir dich eindringlich auffordern, jetzt
nicht mehr zu zögern.
Wie denkst du persönlich darüber? Bist du Jehova dafür dankbar, daß er mit der sündigen Menschheit (zu der auch du gehörst) Geduld hat? Beweist du deine Dankbarkeit, indem du entsprechend handelst, und es nicht länger aufschiebst? Es ist Gottes Wille, daß du zu einer "genauen Erkenntnis der Wahrheit" kommst. Wende dich bitte an irgendeinen Zeugen Jehovas oder sprich mit einem der Ältesten. Du wirst auch feststellen, daß der regelmäßige Besuch der Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas dir eine große Hilfe sein wird. Du wirst den Wunsch verspüren, deine Freude mit anderen zu teilen. Vielleicht hast du aber auch Angst, von Haus zu Haus zu predigen. Dann darfst du gern einen erfahrenen Zeugen begleiten. Du wirst dich bald veranlaßt sehen, Gott als ein getaufter Jünger Christi rückhaltlos zu dienen. Laß dich nicht durch selbstsüchtige Überlegungen daran hindern. Wir spornen dich an, ehe es zu spät ist, gerettet zu werden, wenn die "große Drangsal" hereinbricht. Deine um dich. besorgten Freunde Jehovas Zeugen "
2) "An alle getauften Diener
Gottes. 8. September 1974
Liebe Brüder!
Hatten wir letzte Woche nicht eine sehr anregende
Zusammenkunft mit den Neuinteressierten? Die Zeit drängt. Es ist nicht damit getan, daß
wir in gespannter Erwartung der "großen Drangsal" entgegensehen. Wir müssen
uns fortgesetzt bemühen, uns als ergebene Diener zu erweisen. Als Gesamtheit beachten wir
den inspirierten Rat. Das trifft jedoch nicht unbedingt auf jeden einzelnen zu. Wie
würden wir vor Jehova dastehen, wenn morgen die "große Drangsal"
beginnen würde? Von dem Wunsch beseelt, dich als loyaler "Mitarbeiter Jehova" zu erweisen,
dich völlig von ihm gebrauchen zu lassen. In dieser Endphase einen größeren Anteil
nehmen. Die Einkünfte zusammenlegen und alle zusammenarbeiten.- Einer aus der Familie
Pionier. Besonders anstrengen. Nicht gleichgültig Blutschuld auf uns laden. Als
Gesamtheit werden wir das gewiß nicht tun. Nicht mit einem Mindestmaß an Dienst
zufrieden geben. Der weltlichen Beschäftigung einen untergeordneten Platz. Das wird für
uns in den schwierigen Zeiten, die zweifellos demnächst auf uns zukommen werden, ein
Schutz sein. Wegen unseres übertriebenen Interesses an irdischen Gütern nicht unsere
Wertschätzung verlieren. Verantwortung zu predigen nachkommen. Feindschaft, Hader,
Zwietracht und Neid so schlecht wie Hurerei, Trunkenheit und Götzendienst. Einige wenige
haben indes in ihren Herzen Haß aufkommen lassen. Beleidigungen. Gegen gewisse Brüder
und Schwestern einen Groll und deshalb nicht mehr mit ihnen sprechen. Glaubensbrüdern,
schlechte Beweggründe unterschieben. Richten und verurteilen, sogar Verleumden.
Versuchen, den Lebensstil der Welt soweit wie möglich nachzuahmen. Was läßt eine
nähere Prüfung eures Handelns erkennen? Es mag euch schwerfallen, mit anderen
auszukommen. Ändern, damit euer Zustand nicht noch schlimmer wird, und ihr, wenn die
"große Drangsal" hereinbricht, nicht befleckt und schuldbeladen und mit Jehova
und seinem Volk uneins seid. Unter dem Druck der Welt Kompromisse? Dem Predigtwerk
gegenüber gleichgültig? Festhalten, und uns so die Aussicht auf ewiges Leben in der sich
eilends nähernden neuen Ordnung erhalten. Fest entschlossen euer Äußerstes zu tun,
solange es noch Zeit ist. Lebt jeden Tag so, als ob es der letzte wäre . . . Eure
Mitdiener, Wachtturm B. & T. Gesellschaft Deutscher Zweig".
Worauf lief die erste "Beilage" für die Neuinteressierten hinaus? Wenn man alles Beiwerk wegläßt, dann allein darauf: Die Naherwartung so dringlich machen, als könnte es jeden Tag zu spät sein, in den errettenden WTG-Dienst zu treten, um sich der WTG dann rückhaltlos unterzuordnen.
Rückhaltlos! Weißt Du, was das heißt? Das heißt, daß sie keinen anderen Rückhalt mehr haben! Daß sie von der WTG nicht mehr zurückkönnen! Daß sie restlos ausgeliefert sind, was die WTG auch tut, und wohin sie auch führt!
Und die 2. Beilage? Im Prinzip das gleiche, nur ist das schwierige. Hier gibt es schon bedenkliche Erscheinungen! Hier muß schon hart gesichtet werden. Bevor sie kritischer werden, muß ihnen, wenn nichts anderes sie mehr zurückhält, selbst Blutschuld angehängt werden!
Jeden WT-kritischen Gedanken müssen sie schon, ehe er sich überhaupt regt, als etwas empfinden, das sie befleckt und schuldbeladen vor Gott macht! Dabei ständig die Vorstellung wach halten, es könnte der letzte Tag sein. So soll das Äußerste aus allen herausgeholt werden. Eine Politik des "Zuckerbrot und Peitsche", die die WTG angesichts der schwierigen Zeiten, die sie selbst ankündigt, bestimmt noch steigern wird!
Ob die "große Drangsal" so "eindringlich nahe" ist oder nicht, ob es richtig ist, jeden Tag so zu leben, als ob es der letzte wäre" oder nicht, sollte eigentlich klar werden, wenn wir die Bemerkung in VIll/74 prüfen, die da zum Schluß einer Jona-Betrachtung fällt:
"Denken wir nicht, so wie Jona zuerst dachte, nämlich, daß es Jehova uns
schulde, etwas Bestimmtes zu tun! Jehova mußte die Niniviten nicht einfach deswegen
vernichten, weil Jona diese Botschaft gepredigt hatte!"
Im Klartext heißt das an alle: Wenn jemand denkt, nun
kommt das E n d e, weil die WTG es mit Bezug auf 1975, seit 1966 gepredigt hat, dann hat
er sich geirrt! Doch lies erst der nächsten Artikel
F. F.
Gelingt der Sprung Über den eigenen
Schatten?
- Die "großen Planungen" des Dienstjahres 1975
-
Die "schwierigen Zeiten" sind schon da.
Gibt die WTG sich gegenüber den Neuinteressierten, die
sie mehr als 4,5 Millionen zusammenbringen will, a l s .,besorgter Freund", so werden
die getauften hergenommen wie von einem Zuchtmeister. Nichts ist da mehr mit einem
geistigen Paradies. Die " Rute der Zucht" wird geschwungen, um alle
zusammenzuhalten. In der zunehmenden 1975-Spannung sieht die WTG ein Nachlassen der
Ergebenheit, Mißachtung ihres Rates, Illoyalität, Gleichgültigkeit, nachlassenden
Dienst, Hader, Zwietracht, Neid, Beleidigungen, Haß, Richten, Verurteilen, ja Verleumden,
Befleckung - Schuldenlast und Kompromisse, ja selbst Blutschuld um sich greifen und
wachsen. Wahrlich, nichts ist hier von der WTG ohne Grund erwähnt und vorgehalten.
Vor dem Hintergrund der langsam dämmernden Erkenntnis, daß die WTG-Endzeitverkündigung mit 1975 wieder haltlos ist, sind das jedoch ganz normale Erscheinungen, Auflösungserscheinungen, kann man sagen, die nur aus der Sicht der WTG absolut negativ sind, verständlicherweise, und die dann natürlich nur "so" artikuliert ausgesprochen werden. Aber das hat doch seine Ursachen! Und oft sind das fruchtbarste Ansätze zur Neuorientierung. Laßt uns deshalb die "Beilage" vom 8. September 1974 etwas eingehender hinterfragen.
An erster Stelle steht die "gespannte Erwartung". Wenn schon 1966, als das Jahr 1975 verkündigt wurde, die Diskussion hierüber alles andere überschattete (WT 1. 1. 67, Seite 20 dt.), was erwartet die WTG dann jetzt?
Wenn die Ergebenheit nachläßt, dann sicherlich nicht Gott, sondern der WTG gegenüber. Alles andere muß Empörung auslösen, weil es verleumderisch ist, denn die WTG ist nicht gleich Gott. In gleicher Weise, wenn von "Gesamtheit" die Rede ist, da müssen es schon viele sein - die den WTG-Rat nicht mehr beachten. Denn letztlich ist es die WTG, die alles auslegt. ."Wie vor Jehova dastehen?", das sollte sich die WTG selbst fragen, angesichts ihrer haltlosen Termine weltweit. Loyalität gegenüber Gott? Daran liegt es sicher nicht. Auch hier ist nur die WTG-Auslegung immer der Stein des Anstoßes, als "von Gott" ausgegeben. Natürlich wird dadurch Gott diskreditieren aber durch die WTG. Wenn jetzt gar aus dem WT "von Jehova gelehrt" entfernt ist, kann die Forderung: "sich von ihm völlig gebrauchen lassen", nur noch bedeuten - sich von der WTG völlig gebrauchen zu lassen. "Im Namen Jehovas" kann man alles machen, das muß mit Gott nicht das geringste zu tun haben.
Auf den Kongressen 1974 hatte die WTG die Stirn, zu erklären, es sei "sehr gefährlich", sich schlecht vorstellen zu können, daß 1975 nicht überschritten wird (G. Zettel, Frankfurt/M.). Ist es "Blutschuld" wenn man sich weigert, weiter zu predigen, was "überschritten" wird, und damit hinfällig ist? Jeder soll auf Gedeih und Verderb mit der WTG verbunden bleiben, das allein ist der Hintergrund dieser "Blutschuld"-Androhungen. Objektiv beurteilt ist das fast der Höhepunkt der möglichen inneren psychologischen Terrorisierung. Einige empfinden das bereits so.
"Übertriebenes Interesse an irdischen Gütern?" Das ist nichts anderes als ein Aufbrechen sozialen Denkens. Was bleibt denn übrig, wenn das 1975-Weltende wieder entschwindet oder verscheucht wird, als sich selbst um die künftig notwendigen "irdischen Güter" zu sorgen? Und meint die WTG, ihr jetzt unverfroren zugegebener 1975-Fehlschlag erhöht die Wertschätzung für sie? Feindschaft, Hader und Zwietracht sind unvermeidlich mit jemandem, der Fehlschläge verkündigt, und mit denen, die sie bemänteln. Kann die WTG von denen, die begreifen, wie lächerlich und unglaubwürdig sie nun vor sich selbst, ihren Verwandten und Bekannten und vor der Öffentlichkeit dastehen, weil sie 1975 verkündigt haben, erwarten -.daß sie ihr Liebe entgegenbringen - i h r , die das wider besseres Wissen bewirkt? Alles Grollen, Beleidigen, Unterschieben, Richten, Verurteilen und Verleumden hat hier seine Ursache. Denn die Empörung kann übermächtig werden, wenn man erkennen muß, wie man hier als erwachsener Mensch bis zur Unglaubwürdigkeit und Lächerlichkeit mißbraucht wurde.
Zum "Lebensstil der Welt" sei den jungen Brüdern und Schwestern gesagt, daß sinnlicher Tanz nicht unbiblisch ist, wie der Tanz der Sulamithin in "Hohelied" 7:1-11 zeigt. Auch hier boxt die WTG also sinnlos, den Samen berechtigten Widerstandes gegen sich selbst säend. Wenn aber "übermäßiges Trinken" schon nicht mehr zu verschweigen ist, so zeigt das, wie für viele jetzt durch den 1975-Fehlschlag der Sinn des Lebens verlorengeht und sie keinen Ausweg mehr sehen, weil die WTG andererseits alle anderen Dinge verteufelt hat. Es ist zu befürchten, daß einige 1975 Verführte den Strick nehmen, da sie altersmäßig oder sonst am Ende sind.
Da wagt die WTG zu fragen: "Was läßt eine nähere Prüfung E u r e s Handelns erkennen? Wer ist denn für alles und jedes verantwortlich, was je verkündigt wurde?. Regiert die WTG nicht sogar bis in die intimsten Beziehungen der Versammlungsglieder hinein? Das WTG-Handeln muß angesichts des 1975-Fehlschlages einer näheren Prüfung unterzogen werden! Davon will die WTG ablenken. Möge sich da niemand zu einem Sündenbock machen lassen. Immer hat es die WTG so hingedreht, z. B. 1914, 1925, 1945 - daß am Ende die "befleckt und schuldbeladen" waren, die der WTG geglaubt hatten. Die Gesellschaft sich aber ihre Hände erfolgreich in Unschuld waschen konnte. Die "Warnung" von "Kompromissen" ist ein verdeckter politischer Pfeil, der besondere Aufmerksamkeit verdient.
Die ganze Züchtigung gipfelt dann in dem, was immer schon der ganze Sinn der Sache war: Dienst - Dienst Dienst, ohne noch dem "wie lange noch" fragen zu dürfen, wie oft die WTG auch neue Termine setzt. Doch auch jetzt: kommt nichts "eilends näher", auch 1975 wird wieder "überschritten". Im Tun des "Äußerste" soll niemand darüber zur Besinnung kommen, da "jeden Tag" so leben, als ob es "der letzte wäre". W ä r e ? Auch das ist nur ein Kunstgriff, der jeden Widerstand verunsichern und brechen soll. Aber, " w ä r e " bedeutet in Wirklichkeit, "es ist nicht so!" Objektiv kann man also sagen, angetrieben von einer Endzeit-Illusion soll jeder laufend das Letzte für die WTG aus sich herauspumpen, und auf Gedeih und Verderb der WTG verbunden bleiben. Hat die WTG jemals weniger gefordert?
"Planungen" hier auf der Grundlage des Antikommunismus?
Das Stichwort "Kompromisse" fällt gegenüber
den Neuinteressierten wohlweislich nicht! Denn damit wird, alles vor Augen gestellt, was
die WTG je über angebliche Verwerflichkeit, Schlechtigkeit, Verderbtheit und damit
Unterlassung und Bekämpfung jeder sozialen Mitverantwortung bzw. jedes
verantwortungsbewußten sozialen und politischen Handelns geäußert hat, hier vor allem
in antikommunistischer Hinsicht.
In IX/74 wurde angewiesen: Die "üblichen Vorsichtsmaßnahmen" einzuhalten, jeden also vorher unbemerkt zu "überprüfen", ob er vor allem politisch-antikommunistisch "zuverlässig" ist. Damit wird klar, daß die WTG beabsichtigt,. ihre "Planungen", hier gegründet auf die bekannte unchristliche, antikommunistisch umfunktionierte "theokratische Kriegslist", des von Christus außer Kraft gesetzten "Alten Bundes", zu realisieren. Laßt uns sehen, wie in den "Christlichen griechischen Schriften" solche "Kriegslist" jeder Art verurteilt wird: Schändliche. Heimlichtuerei (Menge) ,versteckte Schändlichkeiten (Jerusalemer Bibel), verborgene Dinge (griech./Interlin.). S c h l i c h e (Zink), Verschlagenheit (Amer. St. Vers.), g e h e i m e Dinge (Elbfd.). L i s t (NW). Davon haben Christen sich loszusagen! (2. Kor. 4.2). Was ist der richtige christliche Standpunkt in sozialen Fragen? Nicht, sich listig politisch mißbrauchen lassen. Vielmehr muß alle Verkündigung, damit in Übereinstimmung sein - auch "bereit zu sein für jedes gute Werk" d e r Regierungen' (Tit. 3:1 NW).
Eben, weit alle sozialen Bedürfnisse und Interessen schöpfungsbedingt sind. Nur die WTG mißachtet das.
Die Ältesten müssen auch dies
erkennen: Es heißt in IX/74: " W i r m ü s s e n b e i u n s Vorsichtsmaßnahmen
"
Die Worte "wir bei u n s " erwecken den
Eindruck, als wären die Verfasser und Herausgeber von IX/74 usw. hiesige
Untergrundkräfte, die ihren Kopf hinhalten. Verfasser und Herausgeber sind die
Verantwortlichen im WTG-Ostbüro in Wiesbaden, BRD, unter der Leitung von W. C. Pohl aus
den USA. Sie wollen verdeckt bleiben - darum. Nicht eine einzige Silbe der IX/74 usw. darf
" h i e r " verfaßt werden! Alle hiesige Selbständigkeit ist nur Schein - wer
will da den Kopf hinhalten.
Die "großen Planungen" für
1975
Was würde es bedeuten, wenn die WTG nach dem 1975
Fehlschlag verkünden kann: Eine "außergewöhnliche Mehrung." auf 4,5
Millionen? Damit wäre die WTG zwar nicht als zuverlässig und wahrhaftig erwiesen, was
ihre Endzeitverkündigung betrifft, denn noch größeren Irrtümern sind schon noch mehr
Millionen gefolgt. Aber sie hätte eine Massenbasis, größer als vorher, um
weiterzumachen. In diesem Zahlenrausch könnte jede weitere Kritik erstickt werden. G u t,
das ist das Maximalziel. Aber sollte weniger angesteuert werden? Weniger wird alleine
dabei herauskommen. Es gilt also, durch :einen gigantischen sensationellen Versuch einer
"Flucht nach vorn", alle durch äußerliche Begeisterung und Hochstimmung
fortzureißen, hinweg über den 1975-Abgrund, hinein in eine neue Zeitperiode. Dann wird
man schon weitergehen.
Oder soll man in Brooklyn den ganzen internationalen Apparat 1975 anhalten und den Endzeit-Bankrott erklärend Konnten nicht auch die früheren Endzeitfehlschläge der "Generationen" von 1874, 1914, 1925, oder 1945 erfolgreich verdrängt werden, in dem sie überspielt und übersprungen wurden? Wurde nicht genügend Erfahrung darin gesammelt, mit solchen, die das durchschauen, psychologisch fertigzuwerden? Konnten solche bisher nicht immer "blutschuldig" zur Abschreckung für andere an den Pranger gestellt werden? Warum nicht auch für 1975 so vorgehen?
Niemand in der letztverantwortlichen WTG-Führung hat je an ein 1975-Ende geglaubt. in IX/74 wird berichtet, was z. B. für die Tätigkeit in Europa nach 1975 seit Jahren in der Schublade lag: In Wiesbaden wurde ein neues Fabrikgebäude gekauft. Dort wird eine neue Buchbinderei eingerichtet, so daß die Buchproduktion dann täglich auf 75000 Bücher in einer normalen Arbeitsschicht gebracht werden kann. In der jetzigen Druckerei werden nochmals zwei MAN-Buchdruckrotationsmaschinen aufgestellt, um den steigenden Bedarf an Literatur drucken zu können. Gleichzeitig werden die Brüder dort ein neues Bethelheim bauen, das 90 weitere Mitarbeiter aufnehmen kann. Die Brüder meinten, daß selbst, wenn die Maschinen noch eine einzige Woche arbeiten, sie bereits ihren Zweck erfüllt haben."
Die letzten Worte sollen denen den Mund stopfen, die im Blick auf das "Ende" im Frühherbst 1975, also in "einigen Monaten", diese Erweiterungen in Wiesbaden an Kapital, Einrichtungen und Fabriken für Verschleuderung halten. Die WTG verfolgt die gleiche Taktik wie beim 1975 End-Termin, als in Magdeburg sehr ähnliches geschah, um dann in einem gigantischen Zahlen- und Umsatzrausch alle Kritiker mundtot zu machen und zu verdrängen.
Wir können also mit der WTG , "Flucht nach vorn" heraus aus ihren erneuten Endzeit-Bankrott von 1975, zugleich eine gigantische Flut von WTG-Literatur erwarten, die sich aus Wiesbaden über Europa ergießen soll. Nicht nur vermehrt die anderen Christen, ihre Kirchen und Gemeinschaften herausfordernd. Im BRD-Königreichsdienst vom Juni 1974 gab die WTG bekannt, daß ab sofort Der Wachtturm" in der rumänischen Sprache gedruckt, wird. Damit sollen sozusagen auch in Osteuropa "die letzten Lücken" geschlossen werden. Die Literaturflut der "großen Planungen" soll sich also auch in die antikommunistische Untergrundtätigkeit ergießen.
"Stellt euch vor, 4 446 344
besuchten das Gedächtnismahl! Nun laufen große Planungen. Dienstjahr 1975, das besagt
etwas. Alle, die das Gedächtnismahl besucht haben, sollten eingeladen werden. - Es
müssen wieder mehr als 4 446 300 Anwesende sein!" So hieß es in VIII/74, als
Auftakt für 1975. Wer jetzt angesichts des Fehlschlages von 1975 dennoch kommt, ist
gutgläubig, wenn nicht gar einfältig wie zuvor. Die Sache ist für die WTG zugleich auch
ein Test ihrer bedenkenlos Getreuen. Wenn jetzt mehr als 4,5 Millionen gekommen sind,
könnte dann nicht der mögliche 1975-Abfall doppelt und dreifach ersetzt werden? Was
wäre da irgendwelche Kritik, wenn dann soviele "lebendige Briefe" vorzuweisen
sind? Könnte nicht so die 1975-Niederlage in einen glänzenden Sieg verwandelt werden,
der keine Rücksichtnahme mehr verlangt? Die Jona-Auslegung nimmt jeden Zweifel daran,
daß die WTG auf diese Weise über ihren Schatten springen will. Wird ihr das gelingen? -
F. F.
Der Feigenbaum blüht nicht, das Werk
des Olivenbaumes ist ein Fehlschlag
Die Kernfragen des WT für Studium und Verkündigung
geprüft
WT Nr. 16 vom 1.5. August 1974
"Würdest
du gern dort, leben?"
Das Ausgangsweltbild, ist, wieder nur die kapitalistische
Krisenwelt wirtschaftlicher Kämpfe, steigender Preise und zunehmender Arbeitslosigkeit.
Wie kann man für sozialistische Verhältnisse eine solche kapitalistische Brille
akzeptieren? Also ein politisch irreführender Artikel. W e i t e r : "Das
Ende" wird für die "allernächste Zukunft" versprochen. Inzwischen rüstet
sich sie WTG für eine weitere Generation.
Die "Fürsten"? Sie sollten nachweislich erst 1914 aufstehen, dann 1925 dann . "n o c h" kurz vor Harmagedon und dann überhaupt nicht mehr, weil sie auf einmal seit 1919 in Gestalt der Diener in der WTG-Organisation schon auferstanden seien. Den WT vom 1. 3. 1952 Nr. 5 sollte man unbedingt nachlesen! Dort sieht man auch, wie Jesaja 32:1,2 hin- und hergeschoben wird. Auch geht es nicht ohne verdeckten Antikommunismus: " . . . ohne Störungen durch irgendwelche falsche, Ideologien". Irgendwelche? Sie können die " L i s t " nicht unterlassen. 2. Kor. 4:2 NW. U n d "nach dem Ende der Tausendjahrherrschaft . . . noch größere Dinge"? Stellt die Gegenwart nicht viel wichtigere Fragen?-
"Ein gutes Verhältnis fördert
den Gedankenaustausch" -
Soweit eine christliche Ehe dargestellt wird, Zustimmung.
Bedenklich wird es, wo es auf die Organisation zielt. Denn ihr "Loyalität" und
"Ergebenheit" (Abs. 14) - "prompten Gehorsam" (Abs. 16) -
"Bescheidenheit, Demut, Bereitschaft zum Dienen" (Abs. 17) - und "schnell
bereit zu dienen, großen Respekt" darzubringen (Abs. 17), sie nicht wie Mirjam und
Aaron zu kritisieren (Abs. 18) - oder, in. ihr gar "die Erscheinung Jehovas zu
erblicken" (Abs. 18) - vergißt einfältig die Tatsache, daß sie nicht m e h r
"von Jehova gelehrt" ist, siehe WT seit April 1974! Die Bemerkungen "sehr
schwieriges Volk, halsstarrig und zum Üblen geneigt", sollen vorbeugend
einschüchtern und demütigen, um dem Einfluß der WTG mit l975 nicht entweichen zu
können, weshalb Mose hier zitiert wird (Abs. 19). Das alles ist geschickt in diesen E h e
- Artikel eingewoben.
"Biblische Grundsätze im
Familienleben anwenden" -
Der Artikel widerspiegelt die offensichtlich zunehmenden
Familienzerrüttungen in der Organisation, die Ursache eines großen Teils der inneren
Schwierigkeiten. Der Artikel soll hier Abhilfe schaffen und die Organisation so von. innen
her festigen. Sicherlich wird hier manche echte christliche Hilfe geboten. Aber das bieten
andere Kirchen und Gemeinschaften auch, ohne diese mit Untergrundtätigkeit und
Endzeitpleiten zu koppeln. U. a. lehrt die "Neuapostolische Gemeinschaft" ein
vorbildliches christliches Familienleben. Folgendes entwertet den Artikel. Die
"angeführten Bibeltexte" beziehen sich nicht "hauptsächlich' auf die
Christen " "himmlische Hoffnung", sondern ausschließlich! (Abs. 6). Auch
die "irdische Auslegung von Off. 7:9 steht im Widerspruch zu Phil. 3,17-19. Es gibt
auch keine "großartige Hoffnung für die Zukunft", die glaubwürdig wäre. Der
1975-Fehlschlag beweist das erneut. Und es gibt schon gar keine "unfehlbaren
Vorkehrungen" durch die "Organisation"! (Abs. 13) Ihre Vorkehrungen" a
l s "unfehlbar"' zu bezeichnen ist der Gipfel von Arroganz und Hochmut. Sie sind
bestenfalls unvollkommenes und fehlerhaftes Stückwerk! 1. Kor. 13:9. Du sollst
"deine Fehler und Mißerfolge zugeben"? (Abs. 13) Auch was dann zum Schluß
anderen an Demut gepredigt wird, sollte die WTG zuerst auf sich selbst. anwenden. So ist
der Artikel keine unverfälschte christliche Hilfe. Die Bibel drückt sich allein deutlich
genug aus über die Grundsätze christlichen Familienlebens.
"Die Musik deiner Wahl" -
Der Kern ist das Eingeständnis der WTG: Es gibt keine Art
von Musik, die als absolut gut oder absolut schlecht bezeichnet werden kann." Und zum
Schluß räumt sie ein,. daß sie "nicht verlangt, nur solche Lieder zu singen oder
nur solche Musik zu hören", die in ihren Liederbüchern enthalten sind. (Seite 503,
505). Der Artikel zeugt von einem Sieg des "Liberalismus" über den
"Konservatismus" in den Versammlungen, zugunsten aller Art anderer, bisher als
"verwerflich weltlich" diffamierter Lieder und Musik. Die WTG war gezwungen sich
anzupassen, um nicht noch mehr, vor allem Jugendliche zu verlieren. Die Versammlungen sind
ohnehin überaltert. Es ist also doch nicht alles . "b ö s e" draußen! Wir
wollen nicht danach fragen, wieviel sinnlose Schwierigkeiten und Konflikte und auch
nunmehr als ungerecht erwiesene Ausschlüsse besonders Jugendlicher das gekostet hat.
"Der Zweck der Umgestaltung"-
Der Artikel soll die wankende Endzeitvorstellung festigen
helfen, wonach Christus 1914 wiedergekommen sei. Wer die WTG-Geschichte kennt, weiß, daß
Christus auch schon 1874 wiedergekommen sein sollte. Nimmt man aber trotzdem 1914 an, so
stimmt das auch nicht, Weil die 1914-Generation vergeht und die WTG begonnen hat, auf eine
weitere Generation nach 1975 zu setzen.
"Stolz ist gefährlich" -
Der Artikel spiegelt die Schwierigkeiten bei der
Wiedereinführung des Ältestenamtes. "Achtung für den Ältesten
beeinträchtigt", oder Widerstand gegen "andere Glaubensbrüder" auf
"bestimmten Gebieten", die noch WTG-Urteil: "größere Fähigkeiten haben
mögen", sticht hervor. Den Betroffenen wird unterstellt, "alle in ein und
dasselbe Muster pressen zu wollen oder anmaßende Entscheidungen zu treffen oder
Anregungen zurückzuweisen". Alles verrät den Widerstand gegen die WTG-Anordnungen.
"Besonders gefährlich" sei es, wo ein "Geist vorherrscht, berechtigte
Kritik, Zurechtweisung oder Zucht übelzunehmen". Offensichtlich wird die WTG-Zucht
nicht mehr einfach hingenommen. Doch nur falscher Stolz ist gefährlich, die WTG arbeitet
mit Halbwahrheiten! Bezeichnend ist schließlich, daß die konkreten Anlässe und Ursachen
des Widerstandes gegen die WTG hinter allgemeinen Angaben verborgen gehalten werden. Auch
sie sind oft nur ein verdrängter Ausdruck der 1975 Misere.
WT Nr. 17 vom 1. September 1974
"Warum wirkt der 0kkultismus so anziehend?"
"Die Macht, die hinter dem Okkultismus steht"
Beide Artikel veranschaulichen die Anfälligkeit für
Okkultismus, Spiritismus, Hexenwesen und die damit verbundenen Fakten von: Betrug,
Selbstbetrug, Sinnestäuschung - Leichtgläubigkeit - Oberflächlichkeit - Gefühlsduselei
und Aberglauben -. In Liberia und den USA Übertritte ehemaliger Okkultisten und
Spiritisten zu den Zeugen (Seite 520). Ein, "überraschendes Wiederaufleben des
Okkultismus ganz besonders in den sogenannten zivilisierten Teilen der Welt"? Das ist
denn doch ein zu durchsichtiger "Endzeitbeweis", wo 1975 wieder kein Ende
bringt. Der sozialistische Teil der Weit wird wieder einfach mit vereinnahmt. Beweise hat
eben keiner zu verlangen! So wird gezielt weltanschaulich irregeführt. Die WTG scheint
angesichts 1975 verstärkt mit Okkultismus zu ringen zu haben. Auch ihre Halbwahrheiten
verraten ein großes Maß von Halbbildung in ihren Kreisen. Nur der Gegenstand der
Leichtgläubigkeit, Oberflächlichkeit und Wundersucht ist ein anderer, eben ihre absurden
Lehren von "unfehlbaren Vorkehrungen", haltlosen Terminen, halbwahren
Weltbildern und Verteufelung alles dessen, was der WTG nicht paßt.
B e i d e , Okkultisten wie WTG, lehren den Glauben an "Geister", nur will man dort mit ihnen in Verbindung stehen, hier ihnen widerstehen. Wenn es heute keine "Wundergaben" mehr gibt (S. 519) andererseits aber "echte (okkulte) Phänomene" (Seite 516), war dann nicht z. 8. der deutsche WTG-Zweidiener E. F r o s t übelstem Okkultismus verfallen, wenn er über den Kongreß in Kassel 1948 berichtete: "der Herr tat Wunder, statt Dauerregen trat pünktlich Sonnenschein ein"? (Jahrbuch 1949, S. 13,0) Liegt die Unfähigkeit, die, WTG-Haltlosigkeiten zu begreifen, etwa auf solcher Ebene? Daß die WTG mit dem Okkultismus ihre Probleme hat - die Wundersucht eines Zweigdieners konnte sogar im "Jahrbuch" erscheinen. Wer glaubt an ähnliche Phänomen?
"Eine gute Botschaft für die
ganze Menschheit" -
Die gegenwärtige WT-Verkündigung erfüllt Matth. 24:14
nicht. Christus meinte damit nur eine Generation. Die WTG verkündet aber seit 1874 schon
drei Generationen, nach 1975 dann einer 4. Generation. In den Bibelkommentaren von C. T.
Russell 1908/1912 Barmen/Brooklyn (n e u - 1964 von der "Stowarzyszenie Badaczy Pisma
Swietego w Polsce", Vereinigung der Bibelforscher in Polen) wird deshalb Matth. 24:14
nicht zu Unrecht grundsätzlich damit erklärt, daß im "Jahre 1861 die Berichte der
Bibelgesellschaften nachwiesen,. daß das Evangelium in jeder Sprache der Erde
herausgegeben sei". Die Bemerkung -jetzt noch - "es erfordert natürlich Zeit,
die Nationen zu erreiche" (Abs. 16) u n d die WT-Verkündigung werde "noch zu
einer weit größeren Streitfrage werden" bestätigt, daß 1975 nichts passiert, daß
alles wieder weit in die Zukunft geschoben wird. So wurde "die ganze Menschheit"
mit 1975 eher zum Narren gehalten. Zum Schluß dann wieder die politische Ideologie des
Antikommunismus, die Nordkönig-Hetze, wie sie in ihrer 3.. Verschiebung (von Napoleon
1799 zu Hitler 1933), auf den Kommunismus 1958, in "Dein Wille geschehe auf
Erden", von der WTG fabriziert wurde. Deuten die "Berichte" an den
"Nordkönig" (Abs. 27) seitens der WTG eine neue politische Provokation an? Eine
Neuauflage ihrer antikommunistischen Aggressivität der fünfziger Jahre? Will sie zur
Ablenkung von ihrer 1975-Misere, so viele wie möglich ins "Märtyrertum"
stürzen? Auch diese Taktik wäre nicht neu.
"Hast du den Geist eines
Evangeliumsverkündigers?" -
Die WT-Verkündigung der "Prüfstein" für die
ganze Welt? Was für eine Vermessenheit. Wurde doch erst kürzlich: "Von Jehova
gelehrt" aus dem WT entfernt. Das sollte erst einmal erklärt werden. Von den vielen
haltlosen Endzeitdaten von 1799 bis 1975 gar nicht zu reden!
Vorsichtig wird eingestreut, daß es wieder kein "Ende" geben wird. Von "vielen Jahren" und "unbegrenzten Gelegenheiten" wird gesprochen (Abs. 12, 14), u n d - daß "Gott sich noch zurückhält" (Abs. 19) Zum Schluß wird wieder auf Verfolgung vorbereitet.,
Hauptzweck des Artikels ist, jetzt jede kritische Besinnung über die Lage dadurch zu verhindern, daß sich alle im unermüdlichen, geschäftigen Verkündigen "völlig verausgaben" (Abs. 16).
"Jehova mit ganzem Herzen
dienen" -
Eine 87jährige berichtet. Offensichtlich kommt es der
darauf an. zu "beweisen", daß die 1914-Generation noch lebt. Doch eine
Generation dauert bibl. nur ca. 30 Jahre! Oder soll das Beispiel eines Menschenalters im
Dienst der WTG - auf eine ähnliche Zeitperiode nach 1975 orientieren?
"Eine Frage wird für immer
geklärt" -
Im Hintergrund steht der mit dem 1975 Fehlschlag drohende
Verfall aller Loyalität gegenüber der WTG. Wer dann nicht mehr mitmacht, wird schon
jetzt, sozusagen vorbeugend, als "Verräter gegenüber Gott" hingestellt. Ist
die WTG gleich Gott? Dabei werden gleich weitere 10 oder 20 Jahre ins Spiel gebracht,
genau wie auf dem Kongreß Pfingsten 1945 in Zürich, da Präsident K n o r r "alle
Gedanken daran. daß der 2. Weltkrieg in Harmagedon enden würde, verscheucht hatte"
(Dein Name werde geheiligt, Seite 329) (CV Nr. 9/67) Der Höhepunkt des
"Vorbeugens" ist die Drohung, Jehova werde alle töten, die die WTG jetzt
verlassen, um nichts anderes geht es. Dann folgt ein schneller Themawechsel, hin in die
ferne Zukunft - zum Ende der 1000 Jahre! Was dann sein könnte. Was jetzt passiert, 1 9 7
5 - das ist das Hauptinteresse!
W.-Ko.
Unsere Brüder und Schwestern in den
freien Versammlungen und Gemeinden
Der WTG-Endzeitfehlschlag mit 1975, wann "der
Feigenbaum nicht blühen" u n d "das Werk des Olivenbaumes sich tatsächlich als
Fehlschlag erweisen" wird (Jahrestext 1974), läßt uns die anderen Christen und ihre
verschiedenen Formen der Anbetung des einen Gottes und Christus, und die verschiedenen
Wege der Nachfolge Christ!, die damit verbunden sind, in einem ganz -anderen Lichte
erscheinen. Fanatischer Eifer, unbedingt allein "in der Wahrheit" zu sein,
findet da ein Ende. Wir erkennen, daß niemand heute "vollendete Geheimnisse"
Gottes hat, alle Erkenntnis besitzt. j a - daß selbst dadurch nichts bewiesen ist"
wenn "ich meinen Leib dem Feuertod preisgäbe". Alle Erkenntnis ist
unvollkommenes Stückwerk, und das wird überall so bleiben, bis einmal das Vollkommene
gekommen sein wird. Niemand kann sich also dem anderen Christen und seinen
Verschiedenheiten gegenüber in die Brust werfen. Wir müssen die Verschiedenheiten
ertragen lernen, die Verschiedenheiten aller, die so oder anders Christus nachfolgen, wenn
sie es in ihrer Art aufrichtig tun, denn "Gott läßt es den Aufrichtigen
gelingen". Spr. 2:7 Lu. Der Endzeitfehlschlag mit 1975 sollte auf der WTG-Seite
endlich alle mit gebührender Demut erfüllen, auch den Brüdern und Schwestern und ihren
Gemeinden gegenüber, die der fanatische WT-Eifer getrennt hat. Ihr Weg mag vielmehr einer
der unvollkommenen Wege sein, die in der einen Hoffnung noch 1975 weiter gegangen werden
können. 1. Kor. 13-1-13
Die anderen Brüder und Schwestern im Bund freier Christengemeinden heißen die Brüder und Schwestern aus den WT-Versammlungen im Geiste dieser Worte des Korintherbriefes herzlich willkommen. Sie versammeln sich u. a regelmäßig wie folgt:
Freie Christengemeinde 806 Dresden,
Robert-Blum-Straße 6 (Adventgemeinde) Sonntags - Mai bis September von 9.00 bis 10.30
Uhr, Oktober-April von 14.00 bis 16.00 Uhr.
Freie Christengemeinde 705 Leipzig, Witzgallstraße 10
(Jugendzimmer St. Laurentiuskirche)
sonnabends 14.00 bis 16.00 Uhr
Freie Christengemeinde 90 Karl-Marx-Stadt, Gießerstraße
36
(Jugendzimmer St. Josefskirche) Sonnabends 13,30 bis 15.30
Uhr
Bund freier Christengemeinden, 825 Meißen, Roter Weg 10
Geschäftsstelle: Leitung Peter Förster, Telefon Meißen 3627
Teilt diese freien christlichen
Versammlungsmöglichkeiten anderen mit, die sich ebenfalls Gedanken über den weiteren Weg
in der Zukunft machen. Denn die Zeit der Neuorientierung ist mit dem WTG-Endzeitfehlschlag
von 1975 endgültig gekommen. Niemand warte auf den anderen, Du bist mit Deiner Bibel in
den freien christlichen Versammlungen gern gesehen. Doch bleibe im Geiste des
unvergleichlichen Weges, den Paulus zeigt, in herzlicher Verbundenheit, um immer helfen zu
können. Denn, "goldene Äpfel in silbernen Schalen ist ein Wort, gesprochen zur
rechten Zeit". Spr. 25:11
CVN
Das entscheidende Jahr 1975 binnen
kurzem vor der Tür!
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
1975 wird bestimmt jeden zwingen, seinen Weg mit , der WTG
zu überprüfen. Unsere Darlegungen zu den "besonderen Zusammenkünften" u n d
"Großen Planungen" der WTG für 1975 sind eine ganz wichtige Hilfe für die zu
treffenden Entscheidungen. Sie möchten Hauptgegenstand in allen CV-Studienkreisen, für
alle Leser, sein. Daß dies aufgedeckt wird, hat zugleich weittragende Bedeutung. Wir
rufen besonders alle Altesten. Legt die CV-Argumente freimütig auf den Tisch! Warum
nicht? CV wird sowieso gelesen, nicht nur heimlich, sondern unheimlich! Wir hoffen, 1975
einen ganz entscheidenden Beitrag zur Überprüfung des Weges und zur Neuorientierung zu
leisten. Schreibt uns beliebig.
Eure Brüder
CV-Leitung G e r a Thür
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der
Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera,
Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos.
Kto.-Nr: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
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