Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 63

"Was sagt die Schrift nun zur Verantwortung weltlicher Regierungen für Frieden und Glück ihrer Bürger? Haben Christen hierzu ein 'Niemals!' zu verkündigen?" fragt diese CV-Ausgabe. In der Tat, damit ist ein kardinaler Kritikpunkt an den Zeugen Jehovas angesprochen.
Mit in dieser Ausgabe: Einige Auswahlzitate auch "Wachttürmen" von 1906 - 1916.
Darin auch der "klassische" Satz (die Pythia lässt grüßen). In der Mehrdeutigkeit nicht zu überbieten:

"Wir müssen die Möglichkeit zugeben, daß uns in bezug auf die Chronologie ein Fehler unterlaufen sein kann . . . Wir müssen zugeben, daß die Zeichen der Zeit, wie wir sie lesen, klar andeuten, daß der Meister n a h e ist, ja, daß er vor der Tür steht, und daß sein Königreich bald die Herrschaft übernehmen wird. Das bedeutet, daß die Dinge, die wir erwarten. gewißlich vollendet werden, einerlei, ob darüber noch ein Jahr, zehn oder zwanzig Jahre vergehen werden."


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 63 Gera September 1974

KÄMPFE DEN GUTEN KAMPF DES GLAUBENS
Liebe Leser!
CV ist die einzige Schrift im gesamten deutschen Sprachraum, die sich so mit der WTG und Jehovas Zeugen befaßt. Und CV kann gar nicht "verdorren", wie einige anfangs verkündeten, weil die WTG alles selbst verursacht, was in CV besprochen wird. Natürlich wird auf vielfältige Art versucht, zu verhindern, daß CV gelesen wird. Es wurde jedoch wiederholt bestätigt, daß CV den ersten Platz hat unter den Zeitschriften, die im Zweigbüro in Wiesbaden und im Hauptbüro in Brooklyn unbedingt verfolgt werden. Denn die angesprochenen verantwortlichen Brüder wissen nur zu gut, was jetzt religiös, sozial und politisch auf dem Spiele steht, durch CV in noch nie dagewesener Weise bewußt gemacht. Vielen unter ihnen ist CV schon längst zu einer "stillen Hilfe" geworden. Und die CV am lautesten als "Stimme des Feindes" hinstellen, lesen sie, wo sie sie eingesammelt haben, am gründlichsten, ja, am aufgeregtesten. Das befremdet nicht. Seinerzeit mußte z. B. Paulus feststellen, daß die Versammlungen in Galatien jene als "Feinde" betrachten, die ihnen in Wirklichkeit "die Wahrheit vorgehalten" haben. Gal. 4:16. Unterließ Paulus deswegen sein Werk?

Wie war die Lage? Die Schrift gaukelt uns da nichts vor. Es wurde "hinausgegangen über das, was geschrieben steht". 1. Kor. 4:6. Es wurden "Masken von Aposteln Christi" getragen, 2. Kor. 11 :3. Der "heilige Geist" wurde "gedämpft", 1. Thess. 5:19. "Nach eigenen Lüsten" wurden "Lehrer beschafft". 2. Tim. 4:3. Das Feld wurde von "falschen Lehrern und Propheten" beherrscht, 2. Petr. 2:1. Anstatt "ehrbar mit den Nichtchristen zu wandeln" wurden "Obrigkeiten geschmäht" und so politische Feindschaften gestiftet, 1. Thess. 4:12, Titus 3:1.2. Und "Feinde des Kreuzes Christi" lehrten "irdische" Utopien, Phil. 3:18, 19. Schließlich ist Paulus sogar veranlaßt, den Korinthern vorzuhalten, "ihr ertragt es ja, wenn man euch knechtet, euch ausbeutet, euch listig einfängt". 2. Kor. 11 :20.

Wie sieht es heute aus? Laßt uns die wichtigsten Dinge aufzählen. Auch wir sollten uns kein "geistiges Paradies" vorgaukeln. Wie steht es um die WT-Endzeitmerkmale insbesondere? Mit den Harmagedondaten von 1914, 1925, 1939/45 beherrschten falsche Lehren das Feld. 1929 wurden die Versammlungen dazu verleitet. jahrzehntelang die "Obrigkeiten von Gott" als solche zu schmähen, die gar keine seien, politisch Haß und Feindschaft stiftend. 1930 wurden mit dem Bau der Fürsten Villa "Beth Sarim" die Scherflein dazu mißbraucht, wiederholt haltlose Auferstehungslehren glaubhaft zu machen. 1930/31; gingen die Verantwortlichen auch darin "über das hinaus, was geschrieben steht", indem sie das Ältestenamt beseitigten, eine Entrechtung, die erst 1972 wieder etwas geändert wurde, weil im Grunde nur formell. Erst 1950 wurde der jahrzehntelange Glaubensunsinn wieder aufgegeben, alle Religion sei vom Teufel. Nach dem Endzeitfehlschlag von 1925, sichtbar seit 1931/35 wurde eine folgenschwere Umorientierung vorgenommen, hinweg von der einzig Evangeliumsgemäßen einen Hoffnung hin auf eine haltlose "irdische" Ausrichtung, die biblisch eine Utopie ist. Eph. 4:1-4, Phil. 3:17-20. Die Masse der ca. 3 900 000 mit der WTG Verbundenen ist auf diese Weise dem "Kreuz Christi" völlig entfremdet. Nur noch die ca. 10 500 Überrestglieder, alt, verstreut, weitgehend ohne Position und Einfluß, ausgenommen die WTG-Büros, hegen diese einzige schriftgemäße Hoffnung, wie sie die Apostel Jesu allein predigten und lebten. Das wird alles nur verdrängt durch christliche Grundsätze und Tugenden für alle, weil es eben verschiedene Bereiche des Christentums gibt, hier einer Ausrichtung untergeordnet, über die Paulus sogar ein vernichtendes Urteil fällt. Phil. 3:17-20. Politisch ist das alles schließlich, eingefärbt durch eine Mißachtung der Tatsache, daß Christus den alten Bund mit seinen Praktiken aufgehoben hat (Rö. 10:4) und somit auch die alttestamentliche "theokratische Kriegslist". Es ist einzig im Interesse des evangeliumsfremden antidemokratischen, antirevolutionären und antikommunistischen Vorgehens, das die WTG übernommen und eingebaut hat, daß die Versammlungen in dieser Frage in Mißachtung von 2. Kor. 4:2 NW, "nicht mit List" zu wandeln, "listig eingefangen" wurden.

Die WTG ist mit dieser im Grunde haltlosen Endzeitorientierung, unterschiedlich von 1799 bis 1975 auf die unmöglichsten Jahreszahlen festgelegt, wobei auch schon 1984 und 1996 genannt werden, in eine Zeit des Umbruchs von historischer Tragweite hineingeraten. Durch seine spezielle Ausrichtung als "Bollwerk gegen den Kommunismus" (W. Amann, Wiesbaden) steht der deutsche Zweig dabei in einem Ost-West Brennpunkt. Der dem zugrunde liegende hintergründige Kampf oder Beitrag zur Überwindung bzw. Verhinderung jedes bewußten oder gar revolutionären sozialen Engagements unter den Christen macht die WTG zugleich zu einem der herausforderndsten politischen Werkzeuge unter den kleinen Religionsgemeinschaften. Das ist die objektive Situation, wobei die Umstände der Entstehung und Entwicklung der Vereinigung Ernster Bibelforscher und Umwandlung in Zeugen Jehovas nicht verkannt werden sollen. Denn schriftgemäßes Christentum fällt nicht mit haltlosen Endzeitvorstellungen, schriftwidrigem Antikommunismus oder Mißachtung schöpfungsbedingter sozialer Erfordernisse.

Wenn dies alles zum Bewußtsein kommt, wenn mit dem Fehlschlag von 1975 auch die letzten "dieser Generation" am Rande des Grabes stehen, um hineinzusinken, statt vor dem Beginn von "Gottes tausendjährigem Königreich" und das w i r d s o s e i n - was dann?

CV ist die einzige Schrift, die das alles in biblischer, sozialer und politischer Hinsicht vor Augen führt, um hilfreiche Schlußfolgerungen zu ermöglichen. Das mag anfangs sehr mangelhaft gewesen sein. Wir haben es immerhin mit Brüdern zu tun, die auf eine nahezu 200-jährige Tradition darin zurückblicken, Endzeiten mit allem Drum und Dran immer wieder zu verschieben, wenn man das einmal so sagen darf. Doch immer klarer werden die Hintergründe, Umstände und Zusammenhänge dieser Haltlosigkeiten. CV ist so ein unentbehrlicher Begleiter und Informator auf dem Wege in die Zukunft für alle, die betroffen oder angesprochen sind, aber auch für alle, die in rechter Verantwortung vor Gott und Menschen helfen sollten, als tapferer Streiter Christi. 2. Tim. 2:3. Lies CV und überzeuge dich davon.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

ANTIKOMMUNISTISCHE POLITISCHE VERLEUMDUNGEN
AUCH IM NAMEN DES ÜBERRESTS
Benötigen wir eine Priesterschaft?". Würdest du unter diesem WT-Thema (l. 6. 74) antikommunistische politische Verleumdungen vermuten? Es ist aber so. Etwas dilettantisch, aber gezielt eingefügt, diesmal namentlich zu Lasten der Überrestglieder in den Versammlungen. Wollen sich die wenigen alten Überrestglieder auf diese Weise politisch mißbrauchen lassen? Prüft selbst den Sachverhalt.

Da wird über die Rolle der Priester im alten Israel gesprochen. Nun, das war ein theokratisch geführter Staat unter dem Gesetz des alten Bundes. So hatten die Priester allerlei Aufgaben auch z. B. in Fragen der Volksgesundheit. Der WT konstruiert nun dazu selbst folgenden Einwand: "Einige mögen einwenden: Gehören diese Dinge denn nicht zu den Aufgaben der Regierung?" Niemand hat natürlich diesen Einwand" ernstlich gemacht, da jedermann weiß, daß man das damalige theokratische alte Israel nicht mit einem heutigen. modernen weltlichen Staat und seinen sozialen Aufgaben vergleichen kann. Trennung von Kirche und Staat z. B. war damals außerhalb jeder Vorstellung. Diese Unterschiede verwischend, konstruiert der WT selbst die Antwort:

Teilweise ja, doch es gibt Dinge, die eine Regierung von sich aus nicht zu tun in der Lage ist." Was für "eine Regierung "? Die damalige theokratische oder eine heutige weltliche? Nein, so darfst du nicht fragen, denn der WT sagt gleich weiter: "Das ist mit ein Grund dafür, daß die gottlose kommunistische Herrschaftsform niemals für ihre Untertanen Frieden und Glück herbeiführen kann."

Was ist der Grund? Das "teilweise ja"? Oder was .eine Regierung von sich aus nicht" kann? Da findet sich kein Verkündiger durch, soll er auch nicht. Er soll nur eines: Er soll glauben, es gäbe eine Aussage über die Priesterschaft des alten Israel gegen die heutige kommunistische Herrschaft und ihre Friedenspolitik und der Überrest müsse als Teil der gegenbildlichen Priesterschaft die "kommunistische Herrschaft" deswegen "bloßstellen", mittels des WT. Der Verfasser dieses WT-Artikels hatte offenbar die Aufgabe, hier unbedingt eine "Begründung" für Antikommunismus einzubauen, und wenn es mit der Brechstange ist. Die Sache ist in ihren Zusammenhängen nicht nur willkürlich und absurd, eine an den Haaren herbeigezogene Konstruktion, die allein aus sachfremden politischen Gründen erfolgt.

Die Verantwortungslosigkeit dessen wird vollends offenbar, wenn wir gegenüberstellen, was die Schrift klar und deutlich zur Verantwortung einer weltlichen Regierung sagt, für Frieden, und Glück ihrer Bürger zu sorgen und über die Einstellung der Christen dazu.

Allgemein gilt, daß alle heutigen Regierungen weltlich sind, so daß "gottlos" in diesem Zusammenhang allein dazu dienen soll, von vornherein schon einmal grundsätzlich feindlich gegen die "kommunistische Herrschaft aufzureizen und jedes sachliche Herangehen emotionell zu verhindern. Der WT scheint sich heute wieder auf hohem Roß zu fühlen. Vergessen scheint das Eingeständnis zufolge der "Schläge auf den Rücken der Toren" (Spr. 19:29) durch die bittere Erkenntnis von 1962/63, daß die Regierungen doch "Obrigkeiten laut Rö. 13 sind einschließlich revolutionären Ordnungen (WT 1-3/1963 dt).

Was sagt die Schrift nun zur Verantwortung weltlicher Regierungen für Frieden und Glück ihrer Bürger? Haben Christen hierzu ein "Niemals!" zu verkündigen? Mit Bezug auf die weltliche babylonische Regierung oder Herrschaft zur Zeit Jeremias heißt es: "Sucht den Frieden der Stadt . . . und betet für sie zu Jehova, denn in ihrem Frieden wird sich Frieden für euch selbst finden. Jeremia 29:7 NW. Damit ist das WT-"Niemals!" grundsätzlich widerlegt, mit der WTG-eigenen Bibelübersetzung sogar! Die Menge-Übersetzung sagt für Frieden Wohlfahrt. In 1. Tim. 2:1,2 werden Christen aufgefordert, "Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen . . . zu verrichten für . . . alle obrigkeitlichen Personen, damit wir ein stilles und ruhiges Leben in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit führen können.". Wenn das durch die "Obrigkeiten" niemals möglich wäre, dann wäre diese Forderung absurd. So aber ist wieder das WT."Niemals" als unwahrhaftig überführt. Schließlich wollen wir uns den entscheidenden Aussagen in Römer 13 selbst zuwenden. Es heißt bezüglich der weltlichen "0brigkeit" allgemeingültig: "Denn die obrigkeitlichen Personen sind nicht für rechtschaffene Taten ein Schrecken, sondern für böse . . . tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr ernten, denn sie ist Gottes Dienerin zu deinem Besten" (Vers 3,4). Diese fundamentale Schriftaussage bringt zum Ausdruck, daß die weltliche Regierung einschließlich der "kommunistischen Herrschaftsform" in den Fragen des menschlichen gesellschaftlichen Lebens nicht nur Ordnung, Recht, Frieden, Glück und Wohlfahrt herbeiführen kann, sondern daß, sie in ihrem Bereich dazu da ist, dazu vor Gott verpflichtet ist, wie Christen es sehen! Das diesbezügliche "Niemals" des WT ist somit schriftwidrige, obrigkeitsfeindliche Propaganda. Sie stellt den Überrest letztlich an die Spitze der gegenwärtigen politischen Ideologie des Antikommunismus der WTG!

Es ist klar, daß ein derartiger politischer Mißbrauch der Bibel nicht unwidersprochen und der Verkündiger solcher politischen Verleumdungen nicht unbehelligt bleiben kann! Die "obrigkeitlichen Personen" s i n d für Frieden, Glück und Wohlfahrt in Stadt und Land zuständig! Wie kannst du als Christ herumlaufen und das überall bestreiten?

Liebe Brüder, Älteste in den Versammlungen! Macht euch mit folgender Perspektive vertraut. Durchdenkt die Lage, die ganze WT-Endzeitmisere. Beratet euch mit den Brüdern und Schwestern eures Vertrauens. Vergewissert euch gründlich in der Schrift und übernehmt dann in voller christlicher Mündigkeit die Führung in der Schaffung oder Bildung -,schriftgemäß selbständiger christlicher Versammlungen, in denen die Bibel echter Mittelpunkt ist und ohne WT-Brille betrachtet wird. Nicht die WTG oder "die Organisation", i h r s e l b s t seid die Verantwortlichen! Hebr. 13:16, 17. Reicht dessen ungeachtet weiter allen die brüder!iche Hand, doch laßt euch nicht länger religiös und politisch bevormunden. Die Zeit ist herbeigekommen. Es gibt keine Alternative. Der Feigenbaum blüht nicht. -
K. 0.

Ich habe ein Hobby
- Einige Gedanken über die Freizeittätigkeit -
Wohl jeder vernünftige Mensch hat Interessengebiete. die er unabhängig von beruflichen und sonstigen Verpflichtungen betreibt. Nicht jedem Interessengebiet kann man ungeteilte Zustimmung geben. Wir wollen uns im folgenden kurz über einige Hobbys unterhalten, die es wert sind, näher betrachtet zu werden. Es ist wohl unbestritten, daß eine große Zahl der von einigen als "weltlich" bezeichneten Büchern auch für Jehovas Zeugen als zumindest lesenswert gelten müssen. Nehmen wir zum Beispiel Traven, Zola, London, Stendhal oder Goethes Gedichte und Schillers Werke. Mancher mag lieber Bücher von Dumas und wieder andere lesen gern Tolstoi, Puschkin oder vielleicht auch Fontane.

Die Literatur bietet für jeden eine breite Auswahl. Jedes gute Buch eröffnet dem Leser eine Fülle von Bildungsmöglichkeiten und nützlichen nachdenkenswerten Zusammenhängen. Geistige Monokultur hat hingegen etwas Abgeschmacktes, Einengendes an sich, die derjenige vielleicht selbst nicht an sich bemerkt, seine Umwelt spürt dies jedoch um so deutlicher. Gerade für Christen gilt es, sich zu bilden und wesentliche Faktoren aus verschiedener Sicht zu kennen. Wenn dir deine Bildung jedoch ausschließlich aus "Wachtturm" und "Erwachet" ermöglicht wird, dann zählst du zu jenen, die über eine geistige Monokultur verfügen. Aber welcher Bruder und welche Schwester lassen dies außer acht? Kaum ein Zeuge meidet "weltliche" Zeitungen. Zeitschriften oder gar das Fernsehen. Für den Genuß von literarischen Kunstwerken fehlt aber vielerorts noch der letzte Anstoß, versuche es doch. Dem Autor dieses Beitrages ist nicht ein Beispiel dafür bekannt, daß jemand Schaden dadurch erlitten hat.

Die geistige Isolation der Zeugen Jehovas ist zu einem nicht geringen Teil auf ihre eigene mangelnde Bildung zurückzuführen. Wer will denn schon als "Außenseiter" dastehen. Überlege einmal, wie du selbst dazu stehst? Solltest du wider Erwarten generelle Einwände gegen das Bücherlesen vorbringen, dann versuche bitte in die Bereiche der Musik einzudringen. Du könntest auch hier Entspannung finden und eine wunderbare Welt entdecken. Vielleicht entspringt es der persönlichen Neigung des Autors, wenn er Beethoven zuerst nennt oder denken wir an Smetanas musikalische Beschreibung der Moldau und . . . !

Hier müßten wir nun wie im Bereich der Literatur Seiten mit Hinweisen füllen, doch das ist leider nicht möglich. Auch Sammlerinteressen sind nicht in jedem Fall von Sinnlosigkeit geprägt. Es ist jedoch ein Unterschied zwischen dem Sammeln von Bierdeckeln oder dem Sammeln von Briefmarken. Neben dem für manche als erstrangig wesentlichen Faktor des finanziellen Wertes der Briefmarkensammlung, erscheint es uns als wichtiger. Briefmarken nach Motiven, Formen oder ihrer Herkunft zu sammeln. Doch jeder sollte das selbst überlegen, und nach seinen eigenen Neigungen vorgehen. Ein weiteres Hobby ist ganz allgemein bezeichnet der Modellbau. Hier kann sich ein Talent voll entfalten. Der Interessierte kann sich dabei Fähigkeiten aneignen, die andere staunen lassen. So manche von einem Hobbyeisenbahner gebaute Anlage wird bestaunt und bewundert, auch wenn sie nur vom Familienvater bedient werden darf, hat doch die Familie ihre Freude und ist stolz auf den Erbauer. Ein sehr verbreitetes Hobby ist das Basteln an Kraftfahrzeugen. Anfänglich wird zwar der technische Zustand des Fahrzeuges hier und da nachteilig beeinträchtigt, doch mit der Hilfe von Freunden und Arbeitskollegen oder der Verwendung von Fachliteratur, ist dabei schnell Abhilfe zu schaffen.

Neben der Befriedigung der technischen Interessen. hat dieses Hobby noch den Vorteil, gegebenenfalls erhebliche Reparaturen zu sparen. Dafür könnte man vielleicht eine. Wochenendreise in eine schöne Gegend unternehmen und der Familie, vor allem der Ehefrau Entspannung von der täglichen Arbeit gönnen. Viele Beispiele und Anregungen könnten noch genannt werden. Wir wollen es hierbei belassen.

Zu bedenken sei noch, daß jeder Mensch Entspannung und Abwechslung benötigt. Die berufliche Arbeit erfordert geistige und physische Anstrengungen. Jeder Körper muß sich jedoch regenerieren können. Physische und psychische Belastungen des Körpers und des Geistes machen Erholung und Entspannung notwendig. Allein deshalb sollte niemand leichtsinnig und ohne Bedenken auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung verzichten Unternimm mit deiner Familie Spaziergänge in die Natur und genieße deren Vorzüge, sooft du es ermöglichen kannst. Dein Ehepartner und deine Kinder danken es dir.
W. D.

WIE GLAUBTE UND LEHRTE C. T: RUSSEL, DER BEGRÜNDER DES "WACHTTURMS"?
Die Grundlage der Schrift für Gemeinschaft oder Nichtgemeinschaft (von Gläubigen) ist sowohl viel breiter als auch viel einfacher. Sie besteht lediglich aus 2 Teilen: 1) eine Annahme Christi als des Erlösers, und 2) eine völlige Weihung an ihn. Jeder, der diesen Anforderungen der Schrift entspricht, hat ein Anrecht auf die Liebe, die Achtung Nur solche machen die Kirche Gottes aus - die Herauswahl - deren Namen im Himmel geschrieben sind" -. Alle Christen sollten erkennen, daß dieser Grundsatz breit genug ist, um alle Kinder Gottes zu vereinen, und eng genug, um alle anderen auszuschließen. WT 1906, S. 150 - Das wahre Evangelium, der einfache Glaube, auch von den Kindern in Christo leicht zu verstehen und zu bekennen, das muß auch stets der Glaube der höchst entwickelten Söhne Gottes sein und bleiben . . . Diesen einen Glauben, und nicht die endlosen Auseinandersetzungen, die Einzelheiten, die von demselben abzweigen, stellt Paulus als die Norm und den Prüfstein auf, an dem alle wahren Christen zu erkennen sein sollten. -

Dieser wahre Glaube ist nämlich die Erkenntnis, daß wir alle Sünder waren und durch den Fall unter die gerechte Todesstrafe Gottes gekommen sind, daß Christus für unsere Sünden gestorben und vom Vater aus den Toten auferweckt worden ist, wodurch er uns die Versicherung gegeben hat, daß Christi Opfer ein vollständiges und zufriedenstellendes war, auf Grund dessen alle diejenigen des sündigen adamitischen Geschlechts, die sich danach sehnen, wieder vor Gott gerechtfertigt zu ihm zurückzukehren und in Harmonie mit ihm kommen. Wer immer diesen einfachen Glauben festhält, ist ein Gläubiger und ein Glied vom Haushalt des Glaubens, und, wenn damit dem Herrn und seinem Dienst geweiht, ein getaufter Gläubiger, ein auf der Probe stehendes Mitglied der einen wahren Kirche, deren Namen in den Himmeln geschrieben sind. WT 1908, S. 102, 108 -

Die Frage, von wo an wir den wirklichen Anfang der 1000-Jahr-Periode rechnen sollen, und wann sie endigt, wird scheinbar bis zum Schluß des Milleniums eine offene bleiben. WT 1909, S. 108 -

Während unser Glaube und unsere Hoffnungen ebenso klar und logisch sein würden, ob nun dieses Zeitalter im Oktober 1914 endet, oder ein Jahrhundert später, so hat doch unzweifelhaft unsere Erwartung. daß die Zeiten der Heiden im Oktober 1914 enden, eine stimulierende Wirkung auf unsere Herzen und beeinflußt alle Interessen unseres Lebens. WT 1910, S. 27 -

Erkenntnis bedeutet nicht notwendig ein großes Maß geistigen Wachstums. - Es ist daher sehr vorteilhaft, daß wir uns nach dem Wachstum der Liebe messen, anstatt nur noch dem Wachstum in der Erkenntnis, obwohl es natürlich der ideale Zustand wäre, groß zu sein in beidem. "Wenn ich alle Erkenntnis habe und habe nicht Liebe, so bin ich nichts." WT 1912, S. 43 -

Unsere Vereinigung findet Boden für alle wahren Christen. Wir haben weder Zaun noch Zwang. Nur folgende Grundsätze: Glauben an Gott, an den Herrn Jesus Christus als den Erlöser der Welt, Glauben an die Bibel, reines ehrenhaftes Leben. - Laßt uns daran denken, daß die Liebe, nicht die Erkenntnis, der entscheidende Prüfstein für unsere Jüngerschaft ist. Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet." WT 1913, S. 41, 54 -

Endlich laßt uns erinnern, daß wir uns weder bis Oktober 1914, noch bis Oktober 1915 oder bis zu irgendeinem anderen Datum geweiht haben, sondern bis in den Tod. WT 1913, S. 31 -

Wir legen es den Wachtturmlesern dringend ans Herz, hinsichtlich ihres Glaubens und Verhaltens stets Bescheidenheit in allem zu wahren einschließlich der chronologischen Voraussagen bezüglich der Zukunft. Unseres Erachtens ist es sehr unklug, wertvolle Zeit damit zu vergeuden, daß wir zu raten versuchen, was dieses oder das nächste Jahr usw. eintreten wird.

Wir sollten im Gegenteil die Erkenntnis, die wir besitzen. dazu benützen, mit unserer ganzen Kraft das zu tun, was unsere Hände zu tun finden. Wir legen es dem Volke des Herrn dringend ans Herz, der Neugierde Zügel anzulegen und davon abzustehen, neugierige Blicke in Dinge hineintun zu wollen. die uns das Wort Gottes nicht k l a r bezeugt und die nicht nur uns, auch der Sache, die wir alle liebhaben. Schaden bringt . . . Wir betonen überdies, daß eine Kenntnis der Zeit und Zeiten in Verbindung mit dem göttlichen Plan hilfreich, ermutigend und anregend ist. Nichtsdestoweniger ist eine solche Erkenntnis in sich nicht das Evangelium. Wenn jedes Datum der Chronologie und jede Prophezeiung ausgelöscht wären, so sollten wir uns noch mit dem Herrn freuen und noch frohlocken ob seines herrlichen Evangeliums, dessen Mittelpunkt Jesus Christus und sein Opfer bildet, sowie der uns verheißenen Teilnahme mit Jesus an der Segnung aller Geschlechter der Erde, als dem Endzweck dieses Evangeliums. Dies ist die gute Botschaft der Gnade Gottes in Christo, einerlei, ob nun die Vollendung der Kirche vor dem Jahre 1914 stattfindet oder nicht . . . und möchte die Tatsache, daß wir nur stückweise erkennen und nur stückweise verstehen, uns demütig und bescheiden halten in Worten, Taten und Gedanken. WT 1913, S. 101f -

Wir müssen die Möglichkeit zugeben, daß uns, in bezug auf die Chronologie ein Fehler unterlaufen sein kann . . . Wir müssen zugeben, daß die Zeichen der Zeit, wie wir sie lesen, klar andeuten, daß der Meister n a h e ist, ja, daß er vor der Tür steht, und daß sein Königreich bald die Herrschaft übernehmen wird. Das bedeutet, daß die Dinge, die wir erwarten. gewißlich vollendet werden, einerlei, ob darüber noch ein Jahr, zehn oder zwanzig Jahre vergehen werden. Die Kirche wird gesammelt, die messianische Herrschaft der Gerechtigkeit wird anfangen, und die vorher verkündigte große Zeit der Drangsal wird diesen Ereignissen vorausgehen. Die allgemeinen Tatsachen sind viel wertvoller und wichtiger, als lediglich der Tag oder das Jahr des Eintreffens derselben. Lassen wir es nicht zu, daß irgendein Wortstreit bezüglich eines Jahres oder einzelner Tage die kostbaren Bande der Liebe zerreißen, die uns mit dem Herrn und allen denen verbinden, die in Wahrheit Sein sind. Seien wir besonders sorgfältig in bezug auf diesen Punkt, wo es sich um die Erörterung von Gegenständen handelt, hinsichtlich derer wir kein positives Wissen als Grundlage haben. Es mag vorkommen. daß der Bruch der Gemeinschaft notwendig wird, wenn a) wir für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen, für den Glauben an den göttlichen Plan, den Erlöser, die Wirksamkeit seines Todes. Über diese Dinge haben wir in der Bibel positive Aussagen. welche andere Folgerungen nicht zulassen, wie es bei der Chronologie und alles, was damit zusammenhängt. der Fall sein könnte. WT 1914, S. 5

Gott lenkt die Angelegenheiten der Nationen jetzt nur insoweit, als sie die Erfüllung seines eigenen Vorsatzes begünstigen. WT 1914, S. 141 -

Wie man mit einem Mitglied der Versammlung verfahren müsse, das darauf besteht, der Chronologie zu widersprechen.
Antwort:. . . so sollten wir einen solchen nicht tadeln, und wir sollten auch darüber wachen, daß unsere Gefühle ihm gegenüber nicht verändert werden. Wir sollten die persönlichen Rechte eines jeden anerkennen. WT 1914, S. 5 -

Das Gewissen muß stets berücksichtigt werden und darf niemals unterdrückt oder vergewaltigt werden. Ebensowenig sollte jemand, der seinem Gewissen folgend, einen anderen Standpunkt vertritt, aus diesem Grunde von seinen Brüdern geringgeschätzt werden, selbst wenn deren Gewissen die Sache anders beurteilen. Im Gegenteil, sein Mut, für seine Überzeugung einzutreten, sollte aller Hochachtung wertgehalten werden. - Der Apostel weist darauf hin, daß die Liebe in den-Augen Gottes der wertvollste Bestandteil unseres Charakters ist. - Laßt uns daran denken, daß nicht die Erkenntnis uns heiligt. - Es ist dem Menschen nicht möglich, alle Teile, alle Einzelheiten des göttlichen Planes zu erfassen. Selbst nach der Zeugung durch den heiligen Geist sehen wir die Dinge jetzt "durch einen Spiegel undeutlich" und nicht von Angesicht zu Angesicht. WT 1914, S. 160, 46. WT 1915. S. 30, 125 -

Wielange die Reise noch währen wird, können wir nicht wissen. Wir glauben aber, daß sie nicht mehr lange dauern wird. WT 1916, S. 72 -
J. B.

DIE JUNGEN MENSCHEN UNTER DEN ZEUGEN
Ältesten-Beratung
Ungefähr 300 000 haben den Zeugen seit 1947 wieder den Rücken gekehrt. (Jahrbuch 1974, S. 254). Ein großer Teil davon sind junge Menschen, bis hin zu den Söhnen und Töchtern von Kreis- und Bezirksaufsehern, bis hin zu Bethelmitarbeitern, die von Kind an im Sinne des WT erzogen wurden. Was steht hinter dieser Abkehr?

Wenn man mit ihnen spricht, ergeben sich eine Menge praktischer Lebensfragen, die sie unter den Bedingungen der Bevormundung durch die WTG nicht bewältigen konnten. Zum Teil führte das zu furchtbarsten familiären und organisatorischen Auseinandersetzungen. Betroffene Eltern und Aufseher erweisen sich dabei als kurzsichtig und engstirnig, ja fanatisch, daß es kaum zu glauben ist. Sie wollen die WT-Erziehung unbedingt durchsetzen, weil davon oft auch ihre Aufseher-Funktion abhängt, und stehen fassungslos vor ihren herangewachsenen Kindern. Unfähig, die doch nur natürlichen und individuellen und gesellschaftlichen sozialen Entwicklungen und Vorgänge zu begreifen, in denen alle Menschen elementar stehen, qualifizieren sie alles als Satanseinflüsse ab, was ihnen unverständlich ist. Die Folgen sind anwachsende Mißverständnisse und Verfeindungen, bis eines Tages "das Maß voll ist und "der Krug läuft über. Das geht oft soweit, daß solche jungen Menschen, die das Christentum nur in WT-Form kennengelernt haben, alles diesbezüglich hinter sich werfen, um endlich ein freies und menschenwürdiges Leben ohne "sektiererische Bevormundung" führen zu können. Allerdings. geht das zunächst oft nicht ohne neue Probleme, die sie durch die bisherige unnatürliche Unterdrückung durch die WTG, wie wir sehen werden, noch zu untüchtig sind. die realen zwischenmenschlichen Beziehungen richtig einschätzen. Glücklicherweise läßt die sozialistische "die Menschen betreffende Ordnung um des Herrn willen" da niemanden ohne Rat und Hilfe, ohne noch dem Glauben zu fragen. 1. Petr. 2:13, Lukas 10:3.3-35.

CV 59/74 veröffentlichte einen Brief Was wird, wenn 1975 nichts wird?" Einer der 300 000 Fälle seit 1947. Der Fall eines Versammlungsaufsehers, der mit Frau und Tochter umsprang, bis er sie innerlich für die WTG völlig zerbrochen halte, nicht weil er das wollte, sondern weil er die WTG-Forderungen durchsetzen wollte. Wer genau hinschaut, entdeckt in der Wirklichkeit der Zeugen alles andere als ein geistiges Paradies". Er entdeckt eine Bevormundung und Vergewaltigung des Gewissens und des natürlichen und sozialen schöpfungsbedingten Empfindens - nunmehr 330 000 fach bestätigt. Wir wollen einige Hauptproblemkreise betrachten.

Es wurde mit vielen betroffenen jungen Menschen gesprochen, um zu helfen und darüber zu berichten. Möge die WTG das beachten, mögen die Verantwortlichen daraus die richtigen Konsequenzen ziehen.

In CV 46/1973 erschien ein Tatsachenbericht "Nachts erwürgte eine Zeugin Jehovas ihren Vater und ihren Mann. Hier wurde gezeigt, wie die Atmosphäre der Angst vor dem unbarmherzigen Gesetzeswerk und Moralismus der WTG-"Gerichtsbarkeit" eine Schwester in der schlimmsten Stunde ihres Lebens, in der sie vor allem zuerst einer Hand bedurft hätte, die ihr wiederaufhalf, in die Verzweiflung trieb. Selbst eine eifrige Zeugin, beging sie einen ohne Zweifel ernsten Fehltritt. Dann erdrosselte sie die, die über sie Möglicherweise im Auftrag der WTG zu Gericht zu sitzen hätten, um sie "in die Finsternis der Welt" zurückzustoßen, sie so der "Vernichtung mit der Welt" überliefernd, nachts in ihren Betten. Es gab keinen Gott und keine Engel, die das verhinderten. Es ist nicht zu vermeiden, daß so etwas für gar manchen zum Testfall dafür wird, wie es im Ernstfall überhaupt um Gott und Engel mit den Zeugen und ihrer Tätigkeit steht. Und sie prüfen andere Vorkommnisse .und Vorfälle daraufhin. Jugendliche merken dann sehr schnell, wie das Wort "Gott" in Verbindung mit allem möglichen Tun und Lassen in Familie und Versammlung nur zu oft bloße fromme Redewendung, Phrase und damit Selbstbetrug und Unglaubhaftigkeit ist, die keiner näheren Prüfung standhält. Und es sammelt sich an.

Bei vielen ist eine ungeheure Hektik, Spannung, Empfindlichkeit, Gereiztheit und Aggressivität festzustellen. Jedes auch nur vorsichtige fragende und kritische Aufwerfen von Problemen, wie berechtigt sie auch sein mögen, führt sofort zu Mißtrauen, Nervosität und Schärfe. So ist vielfach überhaupt keine kritische Anfrage möglich, von Eingehen auf die Probleme gar nicht zu reden. Sie kennen nichts anderes als den unbedingten und kritiklosen Gehorsam der WTG gegenüber und verlangen und fordern das in gleicher Weise von ihren Kindern. Wo das nicht dargebracht wird, sind sie unfähig, genügend Unterscheidungsvermögen aufzubringen, um zu erkennen, daß die aufgeworfenen Fragen doch zumindest einen Grund haben, mit dem man sich vertraut machen muß. Stattdessen reden, schimpfen, backpfeifen und prügeln sie an dem wirklichen Sachverhalt vorbei, und zerstören alles Vertrauen der Jugendlichen. Sie schaffen Spannungen und Abgründe, die am Ende nicht mehr zu überbrücken sind. Auf die Dauer wird das unerträglich. Die Kinder bleiben ja nicht immer schwach, hilflos, abhängig, unselbständig und unmündig. Sie brechen dann zwangsläufig aus.

Die von der WTG immer weiter erzwungene Untergrundarbeit tut ein Übriges, die Spannungssituation, Nervosität und Gereiztheit vielfach bis ins Extrem zu verschärfen. Erscheint es schon unmöglich, daß jemand am WT berechtigterweise kritisieren könnte, so läßt dieser WT-Untergrundzwang jede kritische Äußerung gar als "Wirksamkeit des Feindes" erscheinen. Der jahrelange WTG-Zwang dieser Art hat bewirkt, daß viele mit den Nerven völlig fertig sind, unfähig, mit gar Andersdenkenden zu sprechen, ohne in solche Extreme zu verfallen. wie hilfloses furchtsames Schweigen oder völlig unsachliche Gereiztheit und Aggressivität, oft unqualifiziert umsichschlagend. Ihre Abhängigkeit, ja ihre Abrichtung auf die WTG-Bibelauslegung läßt sie das christliche Verbot jeglicher "Heimlichtuerei und List" (2. Kor. 4:2 NW) nicht mehr erkennen. Die Bibel mag aussagen, was sie will, sie folgen dem WT, wie widersprüchlich der auch lehrt. Doch junge Menschen beobachten ihre Eltern gut und vor allem kritisch, wenn sie heranwachsen, auch das Tun und Lassen in der Verkündigung. Auch das sammelt sich an, reift heran, um eines Tages das Urteil zu bestimmen.

Dann ist da die politische Heuchelei, die der WT erzwingt. Die Jugendlichen erkennen sehr bald, daß es nicht nur grobschlächtig und unsachlich, sondern ungerecht und unwahr ist, alles außerhalb der Organisation nur als "böse", "verwerflich" und "schlecht" hinzustellen, allzu löchrige WT-Schablonen. Der Umgang in Spiel, Unterhaltung, Freizeit, Schule, Lernen, Lesen, Fernsehen, Kunst und Kultur, Arbeit, Genossenschaft, Betrieb, mit den Menschen in sozialer, erziehungsmäßiger und politischer Verantwortung lehrt sie das erkennen. Sie lernen, daß das alles gut und notwendig ist, ja daß es ohne dies alles gar nicht geht, daß ein Teil des natürlichen Lebens ist, ob Christ oder nicht, was die Eltern da in WT-Gehorsam alles in Bausch und Bogen als "bös" verdammen.

Auch entgeht den Kindern nicht die politische Heuchelei und Doppelzüngigkeit ihrer Eltern als Aufseher und Verkündiger, wenn sie nach außenhin predigen, politisch neutral zu sein, im "Heimstudium" aber immer wieder äußerste antikommunistische politische Feindschaft durch den WT eingeübt wird. Früher oder später kommt es zur Verwerfung dieser politischen Heuchelei, weil sich die sozialen Bedürfnisse nicht ignorieren lassen und ihre politische Regelung und Ordnung verlangen. Junge Menschen gehen mit einem noch zunächst unverborgenen Gefühl an die Dinge heran. Es sei an das Sprichwort erinnert "Kindermund tut Wahrheit kund". Die gesamtgesellschaftliche Orientierung in Form von Vermittlung sozialer Erkenntnisse und Einsichten, sozialer Verantwortung und Mitverantwortung, wie sie unabhängig von jedem Glauben in unserer Gesellschaftsordnung allgegenwärtig ist, und damit überall wirksam, sollte nicht unterschätzt werden. Jugendliche merken da sehr bald, daß ihre Eltern mit dem WT und ihrer Feindschaft gegen alles dies irgendwie "hinter dem Mond" sind, weil man ohne soziale Ordnung nicht leben kann. Auch das zwingt eines Tages zur Entscheidung. Weil ihnen aber Christentum und Glauben durch die WTG nur in dieser unhaltbaren asozialen Form anerzogen sind, gehen sie oft gleich mit über Bord.

Auch der 1975-Termin tut seinen Teil. Etliche berichten, wie ihre Mutter Lebensmittel hortet, um zu überleben. Andere Eltern denken an keine Berufsausbildung mehr. Das muß die betroffenen Jugendlichen ja schockieren. Da gerät ja ihre ganze praktische Zukunftslage ins Wanken. Kredite werden nicht mehr aufgenommen. Einige geben die geregelte Arbeit auf und kaufen sich nicht einmal mehr einen neuen Anzug, weil nächstes Jahr schon 1975 ist. Einige schlossen Wetten ab, daß 1975 "diese Welt" verschwunden sei. Wenn das nicht der Fall sei, wollen sie mit einer Flasche Wein anstoßen und den "ganzen WT-Kram" für immer "zum Teufel" schicken, denn dann stimme überhaupt nichts mehr. Schlimm sind die Tragödien durch den Mangel an geeigneten Lebens- bzw. Ehepartnern unter den Zeugen, hervorgerufen durch die Abschnürung der Zeugen, ihre gesellschaftliche Isolierung, Sektierung und Intoleranz, wie sie die WTG betreibt. Drohend und verständnislos steht mancher Aufseher vor seiner herangewachsenen Tochter, die nicht an 1975 glauben kann, keinen Partner in der Versammlung findet, und sich nun anziehend kleidet und gibt, und sich anders umzuschauen beginnt. "Theokratische Gewitter" donnern auf sie herab, mit Beschwörungen der "Verwerflichkeit dieser Welt" abwechselnd. Alte, die ihre eigene Jugendleidenschaft nicht mehr wahrhaben wollen, zischen von "Leidenschaft", "Schamlosigkeit", "Sündhaftigkeit" und Hurerei". Oft ist alles nur verklemmter Klatsch, der die Atmosphäre schon von vornherein vergiftet. Haben sie das junge Ding gar bei einer vorehelichen Zärtlichkeit ertappt. schleppen sie es vor das "Rechtskomitee" der Versammlung, für das es keine zu respektierende Intimsphäre gibt, wenn es gilt, WTG-Richtlinien durchzusetzen. Unbeschreibbar verletzende und entwürdigende Methoden. Verheerend wirkt hier die WTG-Doktrin des unnachsichtigen Verbots jedes vorehelichen Geschlechtsverkehrs unter Verliebten bzw. Verlobten. was als Hurerei bezeichnet wird. Aber es gibt keine Aussage in der Schrift, die dies verbietet oder so bezeichnet, nur weil es schon vor den standesamtlichen Formalitäten geschieht. Die WTG geht also auch hier eindeutig über das hinaus, was geschrieben steht" (l. Kor. 4:6). Zweitens hat sich von denen, die diese Verbotsdoktrinen heute predigen. und ihre Jugendlichen damit drangsalieren, mit wenigen Ausnahmen niemand selbst an solche Doktrinen gehalten, als sie verliebt bzw. verlobt waren. Viele rechnen zurück, wann ihre Eltern heirateten und wann sie geboren wurden und sehen so, wie "die Alten" heute moralisch heucheln. Da diese widernatürliche Heuchelei jedoch WTG-Doktrin bleibt, brechen sie aus, um endlich ehrlich leben zu können.

Warum muß das alles letztlich zu so tragischen oder rigorosen Ausbrüchen aus dem "Haus" der WTG trotz "alles Gutes", das es bietet, führen? Es gibt ein schöpfungsbedingtes Lebensgesetz für alle Menschen, das sich mit elementarer Gewalt und Macht durchsetzt, wo es gehemmt wird, unabhängig davon, ob man jetzt glaubt oder nicht. Das ist wie folgt niedergelegt: "Stark wie der Tod ist die Liebe, und ihre Leidenschaft unbezwinglich wie das Totenreich. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Gottes. Die mächtigsten Fluten vermögen die Liebe nicht zu löschen und Ströme sie nicht zu ertränken. Böte einer auch alles Gut seines Hauses für die Liebe: Man würde sein nur spotten". Hohelied 8: 6,7.

Die biologischen und sozialen Gesetze, die der Natur und dem Menschen in ihr gegeben sind, sind "seine Satzung, nie gebrochen", die "er zu ihrer Richtschnur schuf" (Lied 43, Königreichsdienstliederbuch). Wer sie und ihre menschlichen und sozialen Konsequenzen einschnürt oder verletzt, muß scheitern, und wenn es die WTG selbst ist. 300 000 fach hat sie das seit 1947 allein bestätigt bekommen. Wird es 1975 eine millionenfache Bestätigung dessen geben? Die WTG ist weder "allein in der Wahrheit", noch ist allein bei ihr "alle Wahrheit" des Lebens. Sie ist unvollkommen und irrtumsfähig wie alle anderen. Sie sollte sich demütig neben alle anderen stellen, die Christus auch aufrichtig nachfolgen, was für ein "Stückwerk" das jetzt auch sei. Es kann nicht anders sein. 1. Kor. 13:9, 10, 13. "Alles" andere Gut der WTG wiegt das nicht auf. Es wird hinweggefegt, wenn die "Satzung" in menschlicher oder sozialer Hinsicht verletzt wird. Mit 1975 wird der nächste Sturm dieser Art über die WTG hinwegfegen und sie demütigen. Wird sie einen annehmbaren Weg einschlagen?
F. F.

DER FEIGENBAUM BLÜHT NICHT
DAS WERK DES OLIVENBAUMES IST EIN FEHLSCHLAG
Vorbemerkung
Fortan werden unter dem jeweiligen Jahrestext alle wesentlichen Artikel einer WT-Ausgabe in ihren Hauptaussagen oder Kernfragen kritisch für Studium und Verkündigung überprüft. Es wird also gezeigt, worin bei jedem dieser Artikel die jeweilige Strategie und Taktik der WTG besteht, offen oder verdeckt. welches Ziel damit verfolgt wird, und wie das in christlicher Verantwortung beurteilt werden muß. Diese Überprüfungen konzentrieren sich auf das Wesentliche und legen den Finger sofort auf den springenden Punkt. Sie bieten somit eine unschätzbare Hilfe der kritischen Überprüfung, wie sie in Apg. 17:11 selbst gegenüber Lehrern im Range von Aposteln geboten ist. Alle Studiendiener sollten auf diese Überprüfungen aufmerksam gemacht werden. Das wird ihnen helfen, ihr Tun und Lassen rechtzeitig zu überprüfen, denn die Lage ist ernst.

WT Nr. 12 vom 15. Juni 1974
Zeitangaben der Bibel, die auf unsere Tage hinweisen -
Es wird nur 1914 "nachgewiesen". Ab da laufe das "Ende dieses Systems innerhalb einer Generation". Aber 1974 sind schon 60 Jahre seit 1914, also schon zwei biblische Generationen von 30 Jahren vergangen. Dann gibt es keine biblische Berechtigung, Hesekiels Worte "ein Tag für ein Jahr" auf irgend etwas anderes anzuwenden. 1. Kor. 4:6. Das falsche Datum 1799 war auch so berechnet worden. So wird das "nahe Ende" wieder vor allen einhergeschoben. Eine Zumutung. Wer etwas Konkretes über 1975 erhoffte, da jetzt wieder eine Generation am Ende ist, wird enttäuscht.

"Ist es Schlemmerei?" -
Was die gesundheitliche Seite betrifft, so findet man da natürlich viel besser in den einschlägigen seriösen Zeitschriften, z. B. in "Deine Gesundheit" (VEB Verlag Volk und Gesundheit. Berlin). Die biblische Seite: Andere Christen predigen nicht nur gleiches. sondern helfen in opferreichen karitativen oder diakonischen Diensten praktisch! Die WTG hat da wirklich kein Privileg. Es ist unredlich, wenn das nicht gesagt wird.

"Welchen Schutz bietet Gott seinem Volk?" -
Nichts gegen die Taten Gottes in der Vergangenheit. Doch es ist etwas völlig anderes, wie der WT das bezüglich heutigen Gottesschutz auslegt. So ist es widerspruchsvoll und haltlos, einerseits Sintflut, Sodom und Feuerofen als "Errettung aus der Drangsal" zu predigen, andererseits aber jedem beizubringen, daß es für den einzelnen praktisch keine Sicherheitsgarantie seitens Gott in den von ihm dann selbst entfesselten Natur- und anderen Gewalten der "Drangsal" gibt. besonders wenn man körperlich schwach ist. Das widerspricht der gesamten christlichen Errettungslehre, die sich ja gerade in jeder Hinsicht an den Schwachen erweisen soll! Es ist anmaßend, wie hier über Gott verfügt wird. Bei genauem Prüfen ergibt sich in Verbindung mit der WTG überhaupt kein Gottesschutz. Wenn jemand trotz der religiös und politisch provozierenden WT- Schmähungen unbehelligt bleibt, dann ist das nur eine Frage der "List", die jemand anzuwenden versteht, oder der Nachsicht der "Überlisteten", die sehr wohl wissen, daß die Hauptverantwortlichen in erster Linie auf den Schutz vertrauen, den sie hinter sicheren Staatsgrenzen haben.

"Als ein irdischen Tempel den Mittelpunkt der Anbetung bildete" -
Die Betrachtungen um den "geistigen Tempel" dienen einerseits der Aufwertung des "Überrests", der in den Versammlungen arg verdrängt ist. Andererseits soll die Konzentrierung auf den "Überrest" als "Mittelpunkt" ein stabilisierender Faktor sein inmitten des jetzigen Endzeitfehlschlages für die Zukunft.

"Eine persönliche Gabe von Jehova"
Der Artikel enthält einen ungewöhnlichen Widerspruch! Wenn (Abs. 13) erklärt wird, Erkenntnis sei zwar eine Gabe Gottes, doch mit dem "Erlangen und Bewahren" dieser Gabe verhalte es sich "genauso" wie mit einem Musiker, seiner natürlichen Veranlagung und seinen Übungen, dann ist das praktischer Atheismus. Die Hauptabsicht ist indes, jeglichem kritischen Beurteilen des WT-Werkes einen Riegel vorzuschieben, wenn jemand das wirkliche Leben an Hand von Fernsehen. Radio, Bücher und anderen Zeitschriften mit der WT-Verkündigung vergleicht. Das Verbot, sich "regelmäßig" kritische Literatur ins Haus schicken zu lassen, soll auch CV betreffen. WT-Kritik ist kein "Widerspruch zu Gottes Wort", da der WT nicht Gottes Wort ist. Was das "Erlangen und Bewahren" von Erkenntnis durch die "Organisation und ihre vielen Hilfsmittel" betrifft, so sei auch daran erinnert, daß seit WT Nr. 7/1974 der Grundsatz "von Jehova gelehrt" gestrichen ist!

"Was du auch sonst tust - predige!" -
"Dauert es jemand zu lange, dann sei daran erinnert, daß Zeit niemals lang wird, wenn man alle Hände voll zu tun hat." (Trost 1. 6. 45). Dieser schon mehrmals für Harmagedonverschiebungen bewährte WTG-Grundsatz spiegelt sich auch hier wider. Im Vordergrund steht jedoch, die Verkündiger "an der Wurzel" zu packen, an ihrem Schuld- und Pflichtgefühl, anderen zu "helfen", weil auch ihnen einmal "geholfen" wurde. Aber das ist doch Ablenkung. Die entscheidende Frage ist doch, wofür, zu welchem Zweck, wenn 1975 nichts ist! Auch ist es eine Täuschung, alle würden "von dem gleichen Glauben angetrieben, der auch den Apostel Paulus antrieb" (Abs. 8). Die Masse der Zeugen hat eben nicht den Glauben, der den Apostel antrieb, das war nämlich der "himmlische"! Und die "Gedanken" der Masse der Zeugen "sind auf das Irdische gerichtet"!
Phil. 3:17-19.

"Bedenke, was Jehova für dich getan hat" -
Es ist wahr, daß Gott "die Sonne scheinen läßt auf böse wie gute Menschen . . .", auch daß "Gott so sehr die Welt geliebt hat, daß er seinen einziggezeugten Sohn für sie gab . . . ". Dadurch wird jedoch nicht wahr, daß es "heute mehr als eine Million achthunderttausend glückliche Menschen gibt, die sich eines geistigen Paradieses erfreuen", weil sie der WTG folgen. Die 300 000, die der WTG allein seit 1947 nicht mehr folgen, sind nur "die Spitze eines Eisberges". Sie verkörpern hunderttausendfach Konflikt, Rebellion, Auseinandersetzung, Tragik und Unglück in der Organisation. Die Auflehnung von über 300 Mitarbeitern in Brooklyn, die K. Franke, Zweigbüro Wiesbaden. bei der Einweihung der WTG-Kongreßhalle in Westberlin am 1. Nov. 1972 erwähnte, signalisieren das bis in die höchste WTG-Führung. (CV 48, 50, 56). Der Fehlschlag von 1975 beweist, daß es eben keine "festgegründete Hoffnung für die Zukunft" gibt, festgegründet ist allein biblisch die "himmlische Hoffnung", alles andere des WT-Werkes "blüht nicht".

WT Nr. 13 vom 1. Juli 1974
"Ist die, heutige Nahrungsmittelknappheit eine Erfüllung biblischer Prophezeiungen?" -
Dieser Artikel ist im Hinblick auf seinen Zweck vollkommen haltlos. Natürlich stimmt es, was an Fakten zusammengetragen ist. Doch hat die WTG leichtes Spiel, weil immer weniger Nachrichten überliefert sind, je weiter man zurückgeht, was frühere Hungerkatastrophen der Menschheit betrifft. Der springende Punkt ist jedoch der, daß die Zustände der kapitalistischen und ehemals kolonialen Länder benutzt werden, um die Zustände auf der ganzen Erde zu charakterisieren. Daß es in den sozialistischen Ländern der We!t keine derartigen Zustände gibt, wird einfach rnißachtet. Es wird so mit Halbwahrheiten und Desinformation gearbeitet, um "Erfüllungen" zu konstruieren, die es global überhaupt nicht gibt und durch die fortschreitende soziale Entwicklung immer weniger gibt.

"Läßt du dich von Menschenfurcht beeinflussen?" -
Der zunehmende Strom, der sich von der WTG jetzt Zurückziehender soll gestoppt werden. Taktik ist, sie mit "Menschenfurcht" zu moralisieren. Doch das ist generell eine Unterstellung. Denn Menschenfurcht ist in gewisser Hinsicht christlich, z. B. vor den "obrigkeitlichen Personen", sie zu mißachten und anderen Menschen Unrecht zu tun. Davor muß man sich hüten. Und das liegt zugrunde! Die WTG muß hier moralisiert werden, denn sie verlangt im Gegensatz zu Römer 13:4, "daß du eine andere Regierung für die Erde unterstützt … und dir deshalb "zwangsläufig die Feindschaft dieser Welt zuziehen" sollst! Wenn Christen jetzt eine "andere Regierung für die Erde" unterstützen, dann geraten sie politisch in Opposition zur "Obrigkeit von Gott", die nicht nur nach wie vor allen Anspruch darauf hat, daß Christen "zu jedem guten Werk der obrigkeitlichen Gewalten bereit sind" (Titus 3:1), sondern sogar auch darauf, daß Christen für sie bitten und beten! 1. Tim. 2:1. Menschenfurcht? Nein und ja!. Doch die WTG führt in eine politische Konfrontation, die biblisch völlig rechtmäßige Sanktionen der "obrigkeitlichen Personen" zur Folge haben muß. Wohl denen, die sich davor fürchten und hüten! Römer 13:4!
Wird fortgesetzt in CV 64

WOHIN SIND DIE 300000 GEGANGEN, DIE DIE WTGSEIT 1947 WIEDER VERLASSEN HABEN?
"…daß sich vom Jahre 1947 an über 300 000 Brüder und Schwestern nach ihrer Hingabe und Taufe zu irgendeiner Zeit am Predigtdienst beteiligt haben und nun versuchen, Jehova und anderen ihren Glauben ohne Werke zu beweisen". (Jahrbuch 1974), S. 254, dt.) Das ist das Eingeständnis der WTG ein Jahr vor 1975, daß Hunderttausende allein seit 1947 ihr wieder den Rücken gekehrt haben und nun in anderer Form, die geschickt diffamiert wird, ihrem Glauben leben. Kann man im Glauben nur WT-Werke vollbringen?

Wer einmal innehält und die Geschichte der Lehren und Methoden der WTG überblickt, wird mühelos erkennen, wie vielfältig die Gründe waren und sind, die berechtigt veranlassen können, der WTG nicht mehr bedingungslos zu folgen. Das reicht von drastischen Irrlehren wie über die Obrigkeit von 1929 bis 1962, Ausrottung des Ältestenamtes in den .dreißiger Jahren über falsche Harmagedon-Verkündigungen 1939/45 bis zu organisatorischer Gängelei und penetrante Bevormundung bis zu empörenden Eingriffen in das Intimleben. Wir brauchen das jetzt nicht alles aufzuzählen. Jede Versammlung hat ihre lebendigen Beispiele dafür.

Über 300 000 sind es also seit 1947, die diesen Abwegen und Unrechtsmethbden widerstanden, hinweggetrieben wurden und so gezwungen, Gott auf andere Art und Weise weiter zu dienen, Christus in getrennter Gemeinschaft weiter zu folgen. Die WTG räumt ein, wenn wir genau lesen, daß diese Brüder und Schwestern keineswegs den Glauben verleugnet haben, wenn sie sie auch hinsichtlich ihrer Werke diffamiert. Schließlich ist ja nicht Gott anzuklagen, wenn die WTG Irrlehren aufstellt und sie vertreibt, die das nicht mitmachen. Aufrichtigen Gottesdienst gab es vor der WTG in anderen Kirchen und Gemeinschaften, zwangsläufig, gibt es neben und außerhalb der WTG, sie zwingt durch ihre Irrlehre und Abwege ja förmlich selbst dazu, und wird es noch der WTG geben. Die WTG hat ja bisher nicht einmal alle Aufrichtigen erreichen können, nein, das Ansehen vor Gott ist von ihr nicht abhängig, sie ist allenfalls auch nur fehlerhaftes Stückwerk. Die 300 000 beweisen das.

Auch in Deutschland gibt es seit 1947 und dann in der BRD bzw. DDR viele Brüder und Schwestern, die zu diesen 300 000 gehören. Etliche sind infolge der Irr- und Abwege der WTG und ihrer Intoleranz verständlicherweise wieder in katholische, evangelische oder freikirchliche christliche Kreise zurückgekehrt. Ein großer Teil begann zwangsläufig getrennte Versammlungen oder Gemeinden zu bilden, die sich dann unterschiedlich in größerem Rahmen verbanden. Natürlich wurden vor allem ihre leitenden Brüder oder Ältesten von WT-Seite heftig angegriffen und verleumdet, nicht einmal auf der Straße grüßen sollte sie jemand. Nicht das mindeste eigene Schuldbewußtsein bei der WTG, nur "theokratische" Rechthaberei und Unduldsamkeit, was die Szene bis heute vergiftete und verbitterte. Doch die Zeit ist nun herbeigekommen, daß sich das ändert.

In der DDR haben sich so vor allem die beiden Gruppen christlicher freier Gemeinden entwickelt, die in der "Vereinigung freistehender Christen" (VfC) und im "Bund freier Christengemeinden" (BfC) vereint sind. Wir finden in ihnen viele bekannte Brüder und Schwestern aus der gemeinsamen Zeit, bevor sie durch die WT-Abwege zerstört wurde. Es ist nun durchaus möglich, daß sich viele weitere Brüder und Schwestern diesen freien christlichen Gemeinden anschließen, wenn mit 1975 der WT-Feigenbaum nicht blüht und sich das Werk des WT-Olivenbaumes als Fehlschlag erweist. Sie mögen wieder herzliche persönliche Beziehungen herstellen, wo sie einander kennen und vielleicht bisher grußlos vorübergingen.

Niemand sollte angesichts 1975 mehr rechthaberisch "allein in der Wahrheit" sein wollen. Niemandem ist mehr als erkenntnismäßiges Stückwerk verheißen. 1. Kor. 13:9, 10. Mögen die Altesten vor allen in diesem christlichen Versöhnungswerk vorangehen und die Wege ebnen.

Viele junge Brüder und Schwestern haben aber - als sie merkten, wie haltlos und abwegig die WTG in entscheidenden Lehren und Verhaltensweisen ist, wie verständnislos jungen Menschen und ihren natürlichen, menschlichen Problemen gegenüber - jede weitere religiöse Gemeinschaftsbindung aufgegeben. Die Widersprüche in den Lehren und Weisungen, die Rechthaberei trotz auf der Hand liegender Unmöglichkeiten, die verständnislose Gängelei und Bevormundung und die sinnlose Verteufelung und Dämonisierung völlig natürlicher menschlicher Bedürfnisse und Bestrebungen ließen sie zu der Ansicht kommen, daß da kein Gott am Werke ist, sondern allein Menschen, die den Blick für die wirklichen Zusammenhänge tragischerweise völlig verloren haben, und wenn sie deswegen ihre eigenen Kinder verstoßen. Wenn wir jetzt sehen, wie aus dem WT endlich der Anspruch gestrichen ist, "von Jehova gelehrt" zu sein, dann kann man diese Brüder und Schwestern in ihren Schlußfolgerungen verstehen, wenngleich man nicht alles nachvollziehen kann. Wir haben jedoch die Worte des Apostels Paulus, daß auch anderen Menschen "das vom Gesetz Gottes gebotene Tun ins Herz geschrieben" sein kann (Rö. 2:15), so daß wir die gleiche Einstellung zu ihnen bewahren sollten, wie der Apostel. Ihre Erfahrungen können ebenfalls eine große Erkenntnishilfe sein, wie der Apostel hier zeigt, wenn er das erwähnt. Wir sollten unsererseits mit ihnen herzlich verbunden bleiben. Wer wollte wohl alle Wege im voraus wissen? Lies das Hohelied der Liebe in 1. Kor. 13 wiederholt nachdenklich durch.

Der WTG-Fehlschlag mit 1975 und seinen Konsequenzen zwingt zur Anerkennung der Tatsache, daß auch andere Christen in anderen Formen der Gemeinschaft aufrichtig in der Nachfolge Jesu sind. Gott schaut auch bei anderen nicht auf Form und Äußeres, sondern auf die Beweggründe. Noch ist überall jenes Bauen, von dem Paulus in Eph. 4:12 spricht: " . . . bis wir alle hinkommen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur Reife des Mannesalters, zum vollen Maß der Fülle Christi". -
P.

MITTEILUNGEN
Papst Paul VI.:
Festigung des sozialen Gewissens
Während die WTG mit 1975 vor der größten Misere ihrer Geschichte steht und dieses Jahr am liebsten niemals genannt hatte, verkündigte Papst Paul Vl. aus Anlaß der Eröffnung des Heiligen Jahres 1975 die Aufgabe, für die "Festigung des sozialen Gewissens" aller Menschen zu wirken. Die Katholiken wurden aufgerufen, sich für konkrete soziale Aktionen einzusetzen. Jehovas Zeugen sollten angesichts der WTG-Misere mit 1975 hierüber nicht länger spotten

Griechischer Urtext gegen WT-Vernichtungslehre
Gemäß NW-Übersetzung lautet 1. Tim 2:4, "…daß alle Arten von Menschen gerettet werden". Der Urtext laut "The Kingdom Interlinear Translation" lautet dagegen, "…daß alle Menschen gerettet werden". Laut 1. Kor. 4:6, "nicht über das hinaus, was geschrieben steht', ist es eine folgenschwere Entstellung, "alle" mit "alle Arten von" zu übersetzen. Diese Übersetzung ermöglicht, genau das Gegenteil von dem hineinzulegen, was der Urtext aussagt. Der WT-Fehlschlag mit 1975 bestätigt den Urtext.

Freie Christengemeinden laden ein
Jehovas Zeugen sind bei ihren Brüdern und Schwestern im Bund freier Christengemeinden herzlich willkommen.
Freie Christengemeinde 806 Dresden, Robert-Blum-Strasse 6, (Adventgemeinde), sonntags, Mai-Sept. 9.00-10.30 Uhr, Okt.-April 14.30-16.00 Uhr.
Freie Christengemeinde 705 Leipzig, Witzgallstrasse 10, (Jugendzimmer St. Laurentiuskirche), sonnabends, 14.00-16.00 Uhr.
Freie Christengemeinde Karl-Marx-Stadt, Giesserstrasse 36, (Jugendzimmer St. Josephskirche), sonnabends, 13.30-15.30 Uhr.

FRAGEN AN DIE WTG
Zum Inhalt dieser Ausgabe
1. Warum wurde der Grundsatz, .Sie werden alle von Jehova gelehrt sein", aus dem WT entfernt?
2. Warum wurde der Name "Jehovas Zeugen" mit Jesaja 43.12 von der WT-Titelseite gestrichen?
3. Warum wurde das Titelbild des WT geändert?
4. Warum wurde der Unfehlbarkeitsbezug in der WT-Zweckerklärung gestrichen?
5. Warum wurde ein Jahr vor 1975 ein Jahrestext gewählt, der von "nicht blühen" und "Fehlschlag" spricht?
Diese CV-Ausgabe hilft weiter, diese aktuellen Fragen zu beantworten.

Sendet eure Fragen an die WTG auf beliebige Weise an CV. Durch CV werden sie mit Sicherheit im Hauptbüro in Brooklyn zur Kenntnis genommen. Jeder kann auf diese Weise dazu beitragen, das auf die Tagesordnung zu setzen, was geprüft und geklärt werden sollte. Sagt es auch anderen Brüdern und Schwestern weiter, daß man über CV alle Arten der WTG zu Gehör bringen kann. Dies ist gleichzeitig eine gute Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der anderen Versammlungen und Ältesten auf brennende Fragen zu lenken.
Eure Brüder
CV-Leitung, Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum,
DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos.
Kto. 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera
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