Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 60

Der "Wachtturm" vom 1. 3. 74 wird in dieser CV-Ausgabe mit dem dortigen Satz zitiert:
"Überrascht es dich, daß sich die Religion um Frieden mit dem Kommunismus bemüht? Hast du die Kirchen bis jetzt als Bollwerk gegen den Kommunismus betrachtet?"

Eindeutig, kann man dazu nur sagen. Man muss kein "Freund" des kommunistischen Systems sein. Trotzdem kann man daraus erkennen, dass dies sehr wohl eine politische Aussage ist. Keinen Frieden mit dem Kommunismus. Dies war und ist offizielle USA-Politik. Dies war und ist zugleich auch Programm der Zeugen Jehovas. In der Regel nicht so deutlich formuliert. Hier aber wurde einmal die "Katze aus dem Sack gelassen"!


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 60 Gera Juni 1974

DIE ENDZEIT WIRD SCHON WIEDER VERSCHOBEN
CV UNENTBEHRLICH
Liebe Leser
Das Wichtigste ist jetzt, sich der Lage bewußt zu werden, die mit dem Verfall des 1975-Endes in religiöser und sozialer Hinsicht eingetreten ist. "Vergewissert euch über alle Dinge, haltet an dem fest, was recht ist", 1. Thess. 5:21 -
nie war diese Mahnung dringender als nunmehr, wo "der Feigenbaum nicht blüht" (Jahrestext 1974) und kein Ende kommt.

Denn schon wird die Endzeit wieder verschoben, genau wieder wie 1945, als auch kein Ende gekommen war. Damals wurde auf dem Pfingstkongreß in Zürich proklamiert: " . . . selbst wenn die Schlußabrechnung von Harmagedon noch um zehn oder zwanzig Jahre verziehen sollte - es wurde nicht gesagt, daß es wirklich so sein wird . . ." (Trost, 1. Juni 1945, Bern) Das gleiche wird jetzt zu 1975 wieder gepredigt! Evelyn Köhler, BZ-Korrespondentin, Berlin-West, sprach mit dem WTG-Beauftragten Erich Rachuba, der in einer Ansprache über einen neuen Endzeitpunkt nach 1975 gesagt hatte:' "In fünf bis zehn Jahren, vielleicht auch schon früher. . ." (19. 3. 1974). Das wäre nun vielleicht 1985! So sehen wir sie dahinstolpern, von 1799 über 1844, 1872, 1874, 1881, 1914, 1925, 1939, 1945, 1955, 1965, 1972, 1975, 1985, - schon wird auch 1996 genannt! Wie wir am Beispiel von Erich Rachuba sehen, bestimmen immer noch die in der WTG-Führung, die glauben, mit dem weiteren Verschieben immer noch am besten zu fahren, eine Generation nach der anderen. Es gelang 1972 auch in Brooklyn, ca. 300 Bethelmitarbeiter auszuschalten, die die Organisation zeitlich realistischer umorientieren wollten, etwa auf die biblisch-jüdische Zeitrechnung, wonach wie jetzt erst im Jahre 5734 seit der Schöpfung leben. Danach konnte kein WTG-Endtermin stimmen, wie auch keiner zu halten war, ein 6000-Jahr-Ende käme erst noch ca. 260 Jahren. Die gesamte Endzeitsetzung ist demnach falsch!

Aber es geht ja nicht nur um den Verfall des Endzeittermins 1975. Das steht doch in ganz enger Beziehung zu höchst aktuellen Fragen des täglichen familiären, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Lebens eines jeden. Man muß nämlich auch an die weitere Vorsorge in solchen Fragen denken wie Schulbildung für die Kinder, Berufswahl, Arbeitsverhältnis, soziale Sicherheit wie Rentenversorgung oder Gesundheitswesen u. a. m., nicht nur für die eigene Familie, sondern auch alle betreffend, denen man öffentlich oder anders das bisherige WT-"Ende aller Dinge" verkündigt hat, das nun wieder verfällt! Denken wir hierüber ein wenig nach. Was wäre, wenn alle Menschen in der DDR z. B. auf die WT-Verkündigung hören würden Es käme auch zur Katastrophe für die Zeugen selbst. Die überwiegende Mehrheit der Zeugen ist nämlich z. B. auf die staatliche soziale Vorsorge der Rente angewiesen Das könnte dann nicht mehr geleistet werden, weil nach WT-Lehre keiner den Staat unterstützen, für ihn arbeiten oder ihn erhalten darf. Damit würde auch das gesamte Sozial- bzw. Rentenwesen zusammenbrechen, das der Staat bzw. die Regierung trägt und sichert. In allen Versammlungen würden die vielen Rentnergeschwister verhungen und verelenden müssen, um nur einen Aspekt aufzuzeigen Wie gut also, daß die anderen Menschen bisher die soziale, gesellschaftliche und staatliche Verantwortung nicht vernachlässigt oder gar niedergelegt haben, und stattdessen die entsprechenden WTG-Lehren zurückwiesen! Man muß doch zuerst essen, trinken, arbeiten, wohnen und sich kleiden können, ehe man irgendeine geistige Tätigkeit machen kann! Jehovas Zeugen etwa nicht? Fällt ihr Arbeitsplatz, ihre soziale Sicherheit oder ihre Rente vom Himmel? Auch das alles kommt mit dem Verfall von 1975 auf die Tagesordnung.

"Die Studiengruppe (CV) beobachtet genau alle Vorgänge und Äußerungen der WTG, dokumentiert sie und versucht, ihre Bedeutung zu erfassen. Diese kritische und dokumentarische Funktion übt sonst keine Stelle im deutschen Sprachraum aus", urteilt man bereits öffentlich in der BRD über CV. In der Tat beeinflußt CV auf diese Weise bereits zahllose Überlegungen und Entscheidungen bis hin noch Brooklyn, wenn dort jetzt von Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Panik im Hinblick auf den Verfall mit 1975 gesprochen wird (N. H. Knorr im Kommentar zum Jahrestext 1974). CV ist die einzige Schrift, die das alles in seiner Bedeutung und Tragweite sichtbar macht. Natürlich kritisch, wie denn sonst angesichts des Verfalls von 1975! Aber neuorientierend! Allerdings kann CV nur Anstöße, Wegweisungen, Hinweise, Ratschläge und Erkenntnishilfen geben, zwar wohlbegründet in christlicher Verantwortung Doch vom selbständigen Studium der Dinge und Probleme und Forschen in der Schrift (Apg. 17:11, 2. Tim. 2:7 Menge), um zur Klarheit zu kommen, kann auch CV niemanden entbinden. Erwägt besonders die Gedanken einer Neuorientierung in dieser CV-Ausgabe.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

"VON JEHOVA GELEHRT" aus dem WT entfernt!
Weitere "wesentliche, fortschreitende Änderungen"
Aus dem WT ist mit der (neuen) Ausgabe vom 1. April 1974 (dt.) Nr. 7, auch der bisherige Leittext "Sie werden alle von Jehova gelehrt sein" verschwunden! Was hat das zu bedeuten? In der Ausgabe selbst wird keine Erklärung hierzu gegeben. Es werden einfach vollendete Tatsachen vorgesetzt. Laßt uns das also untersuchen und prüfen.

Der Leittext "Von Jehova gelehrt . . . " wurde 1931 (dt. Ausgabe 15. 12. 1931, Nr. 24) eingeführt, gleichzeitig verschwand die namentliche Nennung des WT-Herausgeberkomitees Das stand auch in Zusammanhang mit der Annahme des alttestamentlichen Namen "Jehovas Zeugen" 1931, seitdem im WT-Titelbild unter Zitierung von Jesaja 43:12. Diese Veränderungen 1931 vollzogen sich vor dem Hintergrund der Vernichtung des Ältestenamtes, der Entmündigung der Versammlungen und ihrer Unterordnung unter die WTG-Führungsgruppe um den WTG-Präsidenten, seither als "theokratische" Ordnung bezeichnet. Wie wir heute sehen, war dies alles auf lange Zeit angelegt, nachdem auch 1925 Harmagedon nicht gekommen war.

Wieder wird nun alles dies verändert. Über die jetzige Streichung des Namens "Jehovas Zeugen" und Jesaja 43:12 aus dem WT-Titelbild sowie der Unfehlbarkeitsbemerkung aus der WT-Zweckerklärung wurde schon in CV 59/74 berichtet Wir wollen versuchen, nun auch etwas Licht in das WT-Schweigen über die Streichung des Leittextes seit 1931 "Von Jehova gelehrt . . . " zu bringen. Es ist äußerst interessant, daß das jetzt vor dem Hintergrund der Wiedereinführung des Ältestenamtes seit 1972 geschieht! Was lassen sich nun für Schlußfolgerungen aus der jetzigen Entfernung des bisherigen WT-Leittextes ziehen?

Es kann bedeuten, daß in Brooklyn eine Gruppe in die Führung drängt, die die WTG-Kanal-Ansprüche aufgeben will, die die Gleichsetzung des "Willens des Sklaven", faktisch der WTG, mit dem "Willen Gottes" (WT 1. 8. 56, S. 474 dt.) wieder liquidieren will, Praktisch kam das nämlich einer Unfehlbarkeitsanmaßung gleich, wie dann auch die rücksichtslose Unterdrückung aller Kritik, wie berechtigt sie auch war, als "Rebellion gegen Gott" beweist. Hunderttausendfaches Unrecht gegen aufrichtige Brüder und Schwestern ohnegleichen, wie wir noch bestätigt sehen werden.

Nicht mehr' "von Jehova gelehrt" kann auch bedeuten, aufzugeben, "allein in der Wahrheit" zu sein. Anzuerkennen, daß alles durch den Grad der Erkenntnis und des Schriftverständnisses bestimmt wird, höchst unvollkommen und "Stückwerk", und damit fehlbar und immer kritikwürdig Das müßte mit der Zeit dahin führen, auch die Überheblichkeit anderen Christen, ihren Gemeinschaften und Kirchen gegenüber aufzugeben und anzuerkennen, was auch dort Gutes und Richtiges im Name Gottes und Jesu geschieht.

Nicht mehr "von Jehova gelehrt" könnte auch dazu führen, die Verdammung der Brüder und Schwestern als "böse Knechte" einzustellen, weil sie damals 1931 am Ältestenamt und anderen Dingen als schriftgemäß festhielten, die die WTG verdammte und ausmerzte. Allerdings ist von einer Bußfertigkeit der WTG diesen Brüdern und Schwestern gegenüber, die seither in freien christlichen Versammlungen leben und wirken, noch nichts zu erkennen.

Wir wollen noch einmal vor Augen führen, was dieser Leittext, durch den WT "von Jehova gelehrt", in seinem Wesen bedeutete: "Es mögen Dinge in der Organisation geschehen, die wir nicht verstehen. Die Diener mögen einer Handlungsweise folgen, die wir als unrichtig erachten. Deswegen Kritik zu üben, würde eine unvernünftige Haltung verraten … Nur wenige von uns verstehen die Tatsachen bezüglich der Kernphysik, nicht wahr? Aber die Wasserstoffbombe beweist sicherlich, daß die Folgerungen ihrer Hersteller auf Tatsachen beruhen und daher richtig sind. Somit wären wir nicht so töricht, die Explosion einer Wasserstoffbombe im eigenen Garten zuzulassen, nur weil wir ihre Wirkung nicht kennen! Nun kann sich aber eine unvernünftige, respektlose Haltung innerhalb der Familie Gottes ebenso unheilvoll auswirken, wie die Auslösung einer Wasserstoffbombe!" (WT 1. 7. 57, dt. S. 408./9, Abs. 5)

Das war und ist das bisherige Wesen dieser "theokratischen" Ordnung der WTG unter "von Jehova gelehrt"! In Wahrheit war und ist es eine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Verständnis und Rechtsempfinden des einzelnen, eine Vergewaltigung von Gewissen, Menschenwürde, christlicher Freiheit und Mündigkeit, eine Anmaßung von Diktatur, Zensur und Unterdrückung, wie sie psychologisch rücksichtsloser nicht sein kann. Die WTG muß nun eingestehen, daß Hunderttausende, allein seit 1947 ca. 300 000 unter diesen Bedingungen der WTG wieder den Rücken gekehrt haben! (Jahrbuch 1974, S. 254). Wo steht in der Schrift, daß "ausgeschlossen" und damit "vom Leben abgeschnitten" werden soll, wer sich weigert, anzuerkennen, was man nicht versteht, und zu bejahen und zu vertreten, was man als unrichtig erachtet?

Haben dich die Opfer dieser WTG-Methoden je gerührt, hast du je darüber nachgedacht? Wie könntest du dich selbst hierin einschätzen?
Wenn man alles durchdenkt, so könnte die Entfernung des Leittextes "Von Jehova gelehrt" ein Jahr vor 1975 aus dem WT eine Änderung von ungeheurer Tragweite anzeigen!
F. F.

FÜR EIN UNVERLETZTES GEWISSEN VOR GOTT
UND DEN MENSCHEN
WTG setzt antikommunistischen Glaubens- und Menschenhaß fort
Der Leitartikel im WT vom 1. 3. 1974 dt. "Warum ist die Religion um Frieden mit dem Kommunismus bemüht?" ist in Fortsetzung der politisch antikommunistischen Ausrichtung der Verkündigung ein weiterer Akt, von der inneren Existenzkrise durch den Fehlschlag von 1975 in Kampf noch außen abzulenken. Hier mittels neuer antikommunistischer Haßpropaganda. Die Verantwortlichen haben offensichtlich die vergeblichen Versuche nicht aufgegeben, durch ständige politische Provokationen doch noch zu erreichen, daß den einfachen Zeugen eine "Märtyrerkrone" aufgesetzt wird, was für die WTG die idealste äußere Ablenkungsverwicklung wäre. Möge W. C. Pohl im WTG-Ostbüro in Wiesbaden nachlesen, wie die Adressaten der von ihm noch Osteuropa gesteuerten antikommunistischen Haßkampagnen über "Ambitionen weithin leuchtender Märtyrerkronen" denken. (ND 14. 2. 1974, S. 5) In welche politische Front sich diejenigen heute jedoch einreihen, die solche Kampagnen inszenieren und durchfuhren, sei zum Schluß festgestellt.

"Überrascht es dich, daß sich die Religion um Frieden mit dem Kommunismus bemüht? Hast du die Kirchen bis jetzt als Bollwerk gegen den Kommunismus betrachtet?", beginnt der WT. Das sei zwar so gewesen, habe aber alles "nur geringe Wirkung" gehabt. Dann wird die katholische Zeitschrift AMERICA vorn 26. 4. 58 zum Besuch des SU-Ministerpräsidenten 1958 in Ungarn zitiert: "Es war peinlich und abstoßend zu sehen, wie ein katholischer Erzbischof dem Obersten der Bolschewiki die Hand drückte". Unter Hinweis u. a. auf Vatikanbesuche seitens der Sowjetregierung und vatikanischen Gegenbesuchen zitiert der WI dann den STAR HERALD, Panama: "Der Vatikan hat den kalten Krieg mit der kommunistischen Welt eingestellt und nähert sich immer mehr der Koexistenz mit roten Regimen". Ein New Yorker politisches Gerichtsurteil wird zitiert, um "die russische Kirche" als ein "Werkzeug der kommunistischen Machthaber" abzustempeln. Der Weltkirchenrat wird angeklagt, "marxistisch-christliche Dialoge" angeregt zu haben, Ministerpräsident Castro, Kuba, weil er "die wachsende Zusammenarbeit zwischen Christen und Marxisten als 'etwas Nützliches"' betrachte u. a. m. Aber man sollte sich "eigentlich nicht wundern", urteilt der WT. Das sei "nicht neu". Immer wieder hätten die Kirchen "unmoralische Beziehungen zu den politischen Mächten" aufgenommen. Pius XI. wird zitiert, der 1943 erklärt habe, sogar "mit dem Teufel verhandeln" zu wollen, wenn das im Interesse der Religion nützlich wäre. Das Schlußurteil des WT lautet dann: "Kein Wunder, daß die Bibel die Weltreligion als die 'große Hure' bezeichnet, mit der die Könige der Erde Hurerei begingen' (Offb. 17:1,2). Die Kirchen sind deutlich von Christus abgerückt, der verkündete: 'Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt', und der von seinen Nachfolgern sagte: Sie sind kein Teil der Welt, so, wie ich kein Teil der Welt bin' (Joh. 18:36, 17:16). Wenn du daher Gott wohlgefallen möchtest, darfst du kein Teil der Religion sein, die mit Gotteshassern 'ins Bett gegangen' ist". -

Schau den Tatsachen ins Auge
Hinter der WT-Meinung, die Kirchen seien kein "Bollwerk gegen den Kommunismus" mehr, steht der WT-Anspruch, den Kirchen hier nicht zu folgen, sondern weiter "Bollwerk" dieser Art zu sein, wie es W. Amann von der WTG-Pressestelle dem "Westdeutschen Tageblatt", Dortmund, am 26. 7. 60 u. a. öffentlich bestätigte. Das Zitat über den Besuch des SU-Ministerpräsidenten 1958 in Ungarn dokumentiert die WTG-Absicht, dafür zu sorgen, daß es für die Zeugen "peinlich und abstoßend" sein soll, einen Kommunisten auch nur die Hand zu reichen, also Feindschaft und Abscheu bis zum Äußersten. Die Anklage, der Vatikan habe den "kalten Krieg mit der kommunistischen Welt eingestellt" und nähere sich immer mehr der "Koexistenz mit roten Regimen" bringt zum Ausdruck, daß die WTG selbst fortfährt, den "kalten Krieg mit der kommunistischen Welt" gegen die "roten Regime" weiterzuführen. Es erinnert an die antikommunistischen Schmähungen wie "rote Marionetten der Ostzone", wie sie von der alten Garde der deutschen WTG-Führung unter E. Frost, E. Wauer, F. Adler, E. Seliger, K. Franke, P. Großmann u. a. 1949 von der Westberliner Waldbühne aus losgelassen wurden. (Titus 3:1,2 Me) Die Übernahme politischer Gerichtsurteile in die Verkündigung, die Kirchen in der SU seien "Werkzeuge der kommunistischen Machthaber" ist nicht nur weitere imperialistische Befleckung christlicher Verkündigung. Es ist zugleich eine Entstellung des wirklichen Sachverhalts, der letztlich auf der Gemeinsamkeit der sozialen, für Christen schöpfungsbedingten und damit alles andere als unmoralischen Lebensinteressen aller Menschen beruht, seien sie Christen oder nicht. Mit der Anprangerung und Verurteilung von Dialogen bzw. Zusammenarbeit zwischen Christen und Marxisten dokumentiert die WTG somit erneut ihre Politik der Stiftung von Feindschaft und Haß zwischen Christen und Nichtchristen, sich der Bekundung von Glaubens- und Menschenhaß schuldig machend.

Zu "mit dem Teufel verhandeln". Dies ist eine plumpe wie raffinierte antikatholische, antikommunistische Hetze, zugeschnitten auf solche, die keine genügende Übersicht haben. Denn: Was macht denn der ständige WTG-Beauftragte A. Koerber bzw. sein Nachfolger am Sitz der USA-Regierung in Washington? Wie konnte N. H. Knorr da 1946/ 47 mit der amerikanischen Militärregierung verhandeln? Was waren da 1933/34 die Zusammenarbeit der WTG mit dem amerikanischen Außenministerium und die Verhandlungen mit dem Innenministerium der Hitlerregierung? Was waren dann gar die von N. H. Knorr 1943 angeordneten Kompromisse mit der Schweizer Regierung, der Kriegsdienst werde von Jehovas Zeugen bejaht, um ein Verbot anzuwenden? Und was ist schließlich die gemeinsame Sache der WTG mit den Antikommunisten aller Schattierungen im Kampf gegen "rote Regime"? Verurteilt sich die WTG damit am Ende nicht selbst zum "Teufelspartner"? Wer sich also auf die politischen Positionen der WTG begibt, verstrickt sich in unheilvolle Widersprüche. Hast du dich zu diesem Zweck "hingegeben"?

Bleibt noch, die Bibel bezeichne "die Weltreligion als die große Hure' . . .". Zunächst nur soviel: Die Bibel bezeichnet da überhaupt nichts, es liegt allein ein ungedeutetes Bild vor. Der WT ist unehrlich, denn die WTG selbst ist es, die bezeichnet und deutet. Wie haltlos das aber ist, zeigt sich darin, daß nun schon die dritte Deutung gepredigt wird: Erst nur das Papsttum (1917), dann die Christenheit (1930), nun alle Weltreligion. Und noch 1975? Da es sich im Bild zudem um das damalige Babylon als heidnische Stadt handelt, ist jede Deutung auf Christenheit oder Christentum sehr fragwürdig, wie die WT-Umdeutungen bestätigen. Auch ist das WTG-Greuelbild von den Kirchen dazu haltlos, weil dabei alles an guten Werken, die die Kirchen im Laufe ihrer Geschichte vollbracht haben, unterschlagen wird. Und diese guten Werke karitativer, diakonischer und sozialer Art sind insgesamt bedeutsamer als alle Schandtaten, die sie andererseits belasten. Warum ist die WTG in ihren Darstellungen so unsachlich und unehrlich?

Mit dem Endzeitzusammenbruch von 1975 ist diese widersprüchliche Babylon-Deuterei sowieso wieder hinfällig. Umso gefährlicher ist es, sich auf den politischen Antikommunismus und Antisowjetismus einzulassen, den die WTG damit gegen Christen und Nichtchristen verbindet. Nach dem heutigen Stand der Dinge stellt sich die WTG mit dieser Art Antikommunismus in eine Front mit den neofaschistischen Kräften in der BRD etwa mit ihrer "Deutschen National-Zeitung" und ihrem Kampf gegen alle Christen, die "zur Zusammenarbeit mit den Kommunisten bereit" sind, gegen "rote Bischöfe" geifernd und solche Zusammenarbeit um der sozialen Lebensinteressen willen als "Wahn" diffamierend und schmähend. (12. 4. 1974). Die WT-Redakteure Günter Künz, Wiesbaden, und Franz Zürcher, Thun, Schweiz, können diesbezüglich diesen Neofaschisten die Hand reichen. Der von ihnen redigierte Kampf gegen "rote Regime" liegt auf gleicher politischer Linie. Sie sollten etwas mehr über die Auswirkungen ihres Tuns und ihres Lassens nachdenken.

Erwarte nicht, ob solcher "Verkündigung" unbehelligt zu bleiben. Das WTG-Ostbüro in Wiesbaden indes sei auf die Resolution der CFK-Regionalkonferenz der BRD vom Sept. 1973 in Mainz gelenkt: "Wir verlangen von den Christen, daß sie die antisowjetische Propaganda religiöser Gruppen zurückweisen. Die Christen haben die Aufgabe, den Antikommunismus, der sich christlich darstellt und falscher Informationen bedient, zu bekämpfen. (NZ 20. 9. 73). Die WTG ist hier deutlich als eine derartige religiöse Gruppe angesprochen. Ihre falschen Informationen über Sachverhalte und soziale Zusammenhänge speziell antikommunistischer und antisowjetischer Art sind unübersehbar.

Die Wahrheit wird euch freimachen,
sagte Jesus
Die WIG stiftet politisch Haß und Feindschaft, wenn sie in ihrer haltlosen Babylondeuterei (5. Mose 18:20-22) Christen, die in den natürlichen schöpfungsbedingten sozialen Dingen des Lebens mit ihren nichtchristlichen Mitmenschen zusammenwirken, also solche hinstellt, die "mit Gotteshassern 'ins Bett' gehen". Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, solche WT-Schreiber können sich nicht genug darin tun, sexuell aufzureizen, Zur Sache muß indessen gesagt werden, daß Atheismus mit Gotteshaß überhaupt nichts zu tun hat, denn es bedeutet einfach nichtreligiös. Die Schrift lehrt dazu, daß sogar Nichtchristen das Gesetz Gottes "ins Herz geschrieben ist" (Rö. 2:14,15) und Christen "m i t den Nichtchristen ehrbar zu wandeln" haben (l. Thess. 4:12 Me).

Der kalte Krieg der WTG gegen "rote Regime" dagegen ist Kampf gegen "menschliche Ordnung". gegen "Obrigkeit von Gott", in völlig verzerrtem "Welt"-Verständnis "gegen Fleisch und Blut", was Jesus mit "kein Teil dieser Welt" nicht gemeint hat, wie die Apostel hier bestätigen (l. Petr. 2:13, Rö. 13:1-7, Eph. 6:12). Die WTG mißbraucht hier Jesu Worte für antikommunistische Zwecke. Studiert diese Frage gründlich, um die freimachende Wahrheit zu erkennen und in christliche Freiheit und Mündigkeit zurückzukehren. Es kommt darauf an, in einem "unverletzten Gewissen vor Gott u n d d e n M e n s c h e n " zu leben und zu wirken. Apg. 24:16.
K. 0.

SCHMACH und SCHANDE noch über die Toten - II
Jahrbuch 1974
Unerläßliche Ergänzungen zum "Deutschlandbericht"
Als unerläßlich zum WTG-Jahrbuch 1974, "Deutschlandbericht', müssen wir nachtragen, was 1940/43 in der militärisch neutralen Schweiz, in und mit der WT-Organisation geschah. Als Person steht auch hier wiederum stellvertretend für andere Brüder Präsident A. Gammenthaler, der Leiter des Werkes in der Schweiz, vor uns, und fordert Gerechtigkeit für sein Leben als Zeuge Jehovas. Aus einem Bericht von Franz Zürcher, heute 83 Jahre alt, erfahren wir im "Wachttturm" Nr. 5/1966: "Br. N. H. Knorr, der neue Präsident der Gesellschaft, hat mit schon vorher geschrieben, ich solle mein möglichstes tun, um das Werk in unserem Land (der Schweiz) aufrechtzuerhalten, damit noch Kriegsschluß die Verbindung mit unseren Brüdern auf dem Festland rasch wieder aufgenommen werden könne" (Seite 152).

Am 16. April 1943, vor 31 Jahren, fällte ein Schweizer Berufungsgericht in einem Prozeß gegen Franz Zürcher ein Urteil, wonach F. Zürcher zu einem Jahr Zuchthaus bedingt und 5 Jahre Aberkennung gewisser bürgerlicher Ehrenrechte verurteilt wurde. Im WT 5/66 gibt F. Zürcher diesem Geschehen folgende Wendung und Tendenz:

"Der Ausgang dieses Prozesses wirkt sich günstig aus, und uns gelingt es zu vermeiden, daß das Werk (in der Schweiz) verboten wird."
Franz Zürcher schrieb sehr richtig: "Es gelingt u n s", an w e n mag er da wohl gedacht haben? Mit Sicherheit an Bruder Präsident A. Gammenthaler, denn dieser war gehalten, tunlichst am 15. 9. 1943, f ü n f M o n a t e n a c h d e m P r o z e ß     g e g e n F. Z ü r c h e r, in der WTG-Zeitschrift TROST Nr. 505 vom 1. 10. 1943, eine flankierende, positive "Erklärung zum Wehrdienst der Zeugen Jehovas", ohne Furcht und Tadel abzudrucken. Br. Präsident Gammenthaler stand mit seinem Namen und bevollmächtigt für diese "Erklärung", so der Titel in TROST Nr. 505, zum aktiven Wehrdienst der Zeugen in der Schweiz ein. In dieser "Erklärung" hieß es u. a.:

"Wir erblicken unsere Aufgabe darin, für Jehova Gott Zeugnis abzulegen … Hunderte unserer Mitglieder und Glaubensfreunde haben ihre militärischen Pflichten erfüllt und erfüllen sie weiterhin. Wir haben uns nie angemaßt und werden uns nie anmaßen, in dieser militärischen Pflichterfüllung eine Zuwiderhandlung gegen die Grundsätze und Bestrebungen der Vereinigung "Jehovas Zeugen", wie sie in ihren Statuten niedergelegt sind, zu erblicken . . ."

Diese "Erklärung" erst war das "m ö g 1 i c h s t e", welches ja Br. Zürcher tun sollte, um das drohende Verbot von der Organisation in der Schweiz abzuwenden. Um die Konfliktlage des Werkes in der Schweiz richtig beurteilen zu können, müssen wir uns folgende Lage der Brüder in der Schweiz vor Augen führen:

Im Juli 1940:
Militärische Hausdurchsuchung im Zweigbüro in Bern
Im August 1940:
Verhängung der militärischen Zensur über alle Schriften der WTG, Schweizer Zweig
Im August 1940:
Die Zeitschrift der "Wachtturm" soll ab sofort von einer Militär-Zensurstelle geprüft werden.
Hausdurchsuchungen:
Beschlagnahme von Literatur bei zahlreichen VD.
Polizeiliche Kontrolle:
Über die Versammlungstätigkeit der Zeugen, selbst beim Gedächtnismahl.
Postkontrolle:
Über das Zweigbüro in Bern
Vorbereitung und Durchführung von Anklagen vor Gericht, gegen leitende Brüder in der Schweiz, z. B. gegen F. Zürcher.

Das war die Skala der Sicherheitsmaßnahmen der Schweiz (unter Kriegsbedingungen als Nachbarstaat zu Nazideutschland), die gegen das Werk in der Schweiz unmittelbar wirksam wurden. Unter dieser Last und Verantwortung stand Br. A. Gammenthaler als regionaler Präsident des Schweizer Zweiges der WTG. Das war die rauhe Wirklichkeit Aus diesen Bedingungen für das Werk reifte der Entschluß zu einer positiven "Erklärung" über den Wehrdienst der Zeugen in der Schweiz.

Br. Gammenthaler und natürlich auch Franz Zürcher wußten ganz genau, welche Erwartungen die Schweizer militärischen Sicherheitsbehörden von Jehovas Zeugen in der Schweiz eingelöst sehen wollten. Da waren die Weichen ganz eindeutig gestellt, es gab keine Ausflüchte, kein Hinhalten mehr. Jehovas Zeugen in der Schweiz sollten faktisch eine militärische Sicherheitsgarantie leisten, den aktiven Wehrdienst zur Verteidigung der Schweiz nicht durch Wort und Schrift zu beeinträchtigen. Das war die Forderung des Jahres 1943. Der Prozeßausgang gegen F. Zürcher konnte diese Garantie niemals geben, wohl aber die "Erklärung", wie sie in TROST Nr. 505 unter der Verantwortung von Br. Gammenthaler verabschiedet wurde. Damit war die äußerst kritische Situation für das Werk in der Schweiz bereinigt, und die Organisation wurde nicht verboten Das "m ö g l i c h s t e", wie Präsident Knorr es "erwartet" und erhofft hatte, war getan worden.

Weder Br. Gammenthaler, noch der Organisation in der Schweiz, noch den Geschwistern kann die bewußte "Erklärung" als faules Kompromiß, als Mißbrauch eindeutiger Grundsätze der Bibel vorgehalten und angelastet werden. Diese "Chance" wüßte indessen nur ein perfekter Heuchler und Verräter wahrzunehmen, denn folgende Tatsachen sprechen gegen eine solche "Chance":

1) Nachdem die "Erklärung" zum Wehrdienst der Zeugen Jehovas in der Schweiz in TROST Nr. 505 abgedruckt erschien, hätte das Präsidium der WTG sofort in TROST 506 den Widerruf dieser "Erklärung" verlangen und auch durchsetzen können. Wenn dieser Widerruf geschehen wäre von Brooklyn aus, dann wäre die Organisation in der Schweiz verboten worden.

2) Als Präsident Knorr den Brief an F. Zürcher schrieb, er solle sein "möglichstes" tun, um ein Verbot abzuwenden,
gab es nicht nur diesen Brief von K n o r r an Z ü r c h e r. Es gab seit dem 1. 12. 1933 den
WT-Grundsatzartikel "Fürchtet euch nicht!", mit seiner Aufforderung zur Untergrundtätigkeit für Jehovas Zeugen, als angebliche Gegenerklärung zum Brief von Martin C. Harbeck an die Zeugen in Nazideutschland
(Siehe CV Nr. 59!)

Es ist vollkommen eindeutig, daß Präsident Knorr mit seinem Brief an F. Zürcher die Schweizer Zeugen n i c h t auf Untergrundtätigkeit im Sinne des WT-Artikels "Fürchtet euch nicht!" ausrichten wollte. Denn, die Anwendung von "Fürchtet euch nicht!" hätte von vornherein ausgeschlossen, daß F. Zürcher das "möglichste", die Abwendung des Verbots in der Schweiz, tun könnte.

3) Die Situation in Nazideutschland im Vergleich zur Lage der Zeugen in der Schweiz war grundsätzlich eine ganz andere, überhaupt nicht vergleichbare Lage. Bis zum Frühjahr 1940, praktisch von 1933 an, hatte Martin C. Harbeck von der Schweiz aus, begünstigt durch Schweizer staatliche Behörden, die Untergrundtätigkeit der Zeugen in Nazideutschland angeleitet und maßgeblich ausgerichtet. Erst der II. Weltkrieg ab September 1939 änderte einschneidend die Sicherheitslage des Schweizer Staates. Aus dieser veränderten Situation ergaben sich die Zwänge und Kontrollen über den Schweizer Zweig der WTG. Das sah und wußte natürlich auch ein Mann wie Präsident Knorr, bzw. das Präsidium der WTG. Wenn das Präsidium der WTG hieraus seine besonderen Schlußfolgerungen zog, die der Lage in der Schweiz gerecht wurden, so muß man diese Haltung mit Verständnis würdigen.

Wir haben also festzustellen, daß Präsident Knorr in seinem Brief an F. Zürcher keine Einschränkungen geltend gemacht hatte, etwa diese, daß kein Kompromiß hinsichtlich des aktiven Wehrdienstes der Schweizer Zeugen gemacht werden könne, denn diese Fessel der Handlungsfreiheit für die Brüder Gammenthaler-Zürcher hätte den Verbotsfall provoziert. Einschränkungen, Forderungen auf Widerruf der "Erklärung" in TROST Nr. 505 von 1943, meldete Präsident Knorr 4 Jahre später, im Jahre 1947, an.

Die Frage ist nun, warum damit bis zum Jahre 1947 gewartet wurde. Diese Forderung auf Widerruf stand doch, wenn überhaupt, angeblich biblisch gerechtfertigt, bereits 1945 auf der Tagesordnung, wenn wir einmal alle anderen Gesichtspunkte ausschließen wollen. 1945 wäre doch die beste Gelegenheit gewesen, als Präsident Knorr in Begleitung von Milton Henschel die Brüder im Bethel in Bern besuchte, den bewußten Widerruf von der Schweizer Organisation zu verlangen. Nichts dergleichen geschah, auch zum großen Pfingst-Kongreß 1945 in Zürich n o c h nicht!

Diesen Leckerbissen sparte sich Präsident Knorr bis' zum Jahre 1947 auf. Warum? War etwa das "neue Licht" des Widerrufs 1945 noch nicht aufgegangen? Die Antwort ist einfach. Im Jahre 1945 gab die psychologische Stimmung der Schweizer Organisation "das" nicht her. Der reife Augenblick war noch nicht gekommen. Der reife Augenblick war gekommen, als 1947 in der Schweiz ein Kongreß der Vereinigung "Jehovas Zeugen" durchgeführt wurde, 2 Jahre nach Beendigung des II. Weltkrieges, vor einem großen, nicht eingeweihten Zuhörerkreis. Der Kongreßbericht (1947 Schweiz) wußte diesem Verrat, der Preisgabe von Br. A. Gammenthaler, folgende blumige Krone aufzusetzen:

"Unter herzlichem Beifall legte nun Bruder Knorr als Präsident m u t i g dar, (ja, sicher, nach 4 Jahren, 2 Jahre nach Kriegsende!), daß diese Worte der "Erklärung" (zum aktiven Wehrdienst) abgelehnt werden, weil sie nicht die Stellung der Gesellschaft dartun und nicht in Harmonie sind mit den Grundsätzen, wie sie in der Bibel deutlich enthalten sind. Jetzt war die Zeit für die Schweizer Geschwister gekommen, vor Gott und seinem Christus ein Bekenntnis abzulegen…"

1947, eben in diesem Jahr, beruft sich Präsident Knorr auf "Grundsätze der B i b e l" vor "Gott und seinem Christus", als ob diese "Grundsätze" nicht bereits 1943 bestanden hätten. Sie waren bekannt und wurden praktiziert, eindeutig, bis zum Tode am Marterpfahl - in Nazideutschland seit dem Jahre 1933, "vor Gott und seinem Christus'. Mit dem Beispiel dieses Sterbens hunderter Zeugen Jehovas vor Augen, hätte Präsident Knorr den Widerruf der Wehrdienst-"Erklärung" von Präsident A. Gammenthaler telegrafisch anordnen müssen, wenn das Sterben der Zeugen in Nazideutschland die biblische Harmonie mit den Grundsätzen der Schrift, "vor Gott und seinem Christus", ebenbildlich darstellte. Kein Widerruf-Telegramm ging an Bruder Gammenthaler, auch kein Brief, und keine Gegen-"Erklärung" in der Zeitschrift TROST, nichts, absolut nichts geschah in dieser Richtung, um die angebliche biblische Harmonie wiederherzustellen, bis zum Jahre 1947!

Und wieviel Zeugen wurden in der Nazizeit in Deutschland hingerichtet wegen Wehrdienstverweigerung. Um diesen Tod der Zeugen nachträglich biblisch zu rechtfertigen, deshalb sollte 1947 widerrufen werden. Aber darin kann sich Präsident Knorr nicht auf "Gott und seinen Christus" berufen, denn diesen Gott gab es schon vorher, seit der Wehrdienst-"Erklärung", akut seit dem Jahre 1943, und gar nichts geschah. Aus irgendeinem Grund, nur keinem biblischen, den uns das WTG-Präsidium nicht offenbaren will, sollte 1943 kein Widerruf der "Gammenthaler-Erklärung" zum Wehrdienst der Zeugen in der Schweiz erfolgen, weil dann das Verbot der Organisation in der Schweiz unwiderruflich eingetreten wäre.

Mutig soll Präsident Knorr gewesen sein, als er 1947 den Schweizer Geschwistern das Bekenntnis zum Widerruf der "Erklärung" abverlangte. Mutig, wozu dieses Wort nicht alles herhalten muß, wenn es schutzlos ins perverse Gegenteil verdreht werden kann. Denn Präsident Knorr hatte die Vergebung von Christus Jesus und seinen christlichen Zeugen erflehen müssen, damals 1947 in der Schweiz, darin hätte er Mut wie Christus bewiesen. Er besaß jedoch nur den traurigen Mut, die heuchlerische Art davon, als er die Geschwister in der Schweiz zu einem Bekenntnis ihrer Schuld "vor Gott und seinem Christus" nötigte, einer Schuld, die sie gar nicht zu verantworten hatten. Denn Verantwortung und Schuld vor Gott trägt in diesem Fall das Präsidium der WTG, niemand sonst. Alle anderen, die Toten und die noch Lebenden, sind verratene, preisgegebene Opfer.
W. D.

CV unterbreitet zum Prüfen
HERR, ZU WEM SOLLEN WIR GEHEN? DU HAST WORTE EWIGEN LEBENS
"Der Feigenbaum blüht nicht, das Werk des Olivenbaumes ist ein Fehlschlag" -
Konsequenzen des 1975-Fehlschlages der WTG
Für die zeitgemäße brüderliche Eintracht mit allen, die mit der WTG und Jehovas Zeugen verbunden waren oder sind in christlicher Gemeinschaft
- Eine Studie -
Ein Wort zu rechter Zeit, wie wertvoll
Spr. 15:23
Mit der offensichtlichen Haltlosigkeit der Hoffnung aller Zeugen Jehovas durch die WTG auf 1975 als Ende der 6000 Jahre und als Beginn von Gottes tausendjährigem Königreich auf Erden hat sich das gesamte Endzeitwerk der WTG endgültig als Fehlschlag erwiesen. Diese Endzeitorientierung war das Wesen dieses Werkes. Der alleinige Wahrheitsanspruch der WTG bricht damit sichtbar zusammen. Mit dem bewußt aus dem biblischen Zusammenhang gerissenen Jahrestext für 1974 "Mag der Feigenbaum selbst nicht blühen . . ." (Habakuk 3:17,18) - u. a. fehlen die wichtigen Worte, "mag das Werk des Olivenbaumes sich tatsächlich als Fehlschlag erweisen", NW - bestätigt die WTG selbst diesen Fehlschlag und Zusammenbruch, ein Akt der Vorwegnahme ihrer eigenen Katastrophe nächstes Jahr, der Versuch eines Rettungssprunges über den eigenen Schatten.

Wenn es keine Endzeit im WT-Sinne gibt, steht die WTG möglicherweise vor ihrem eigenen Zusammenbruch. Für alle Betroffenen stehen somit "wesentliche Änderungen" an. Unter anderem Neuorientierung in Glaube, Hoffnung und Liebe, fehlschlagbedingt speziell in "irdischer" Hinsicht. Das betrifft sowohl den eigenen Glauben, das Verhältnis zu allen anderen Christen und Mitmenschen, wie sie bisher endzeitlich verteufelt worden sind. Das sind die mindesten Konsequenzen. Dabei muß selbstverständlich unterschieden werden zwischen dem, was von bleibender christlicher Bedeutung ist und dem, was als haltlos verworfen werden muß.

Diese Darlegungen können nicht endgültig sein. Sie sind vielmehr erste Hilfe für den Weg in die Zukunft. Ansätze, die weiterentwickelt werden müssen. Sie sprechen alle an, die mit der WTG verbunden waren und sind, die Sachlage jetzt erkennen und damit berufen sind zu handeln. oder die sonst mit WTG und Zeugen Jehovas befaßt sind. Die bisherigen Konsequenzen sind sehr weit und umfassend gezogen. Das mag noch umstritten sein, könnte letztlich aber folgerichtig sein. Möge alles geprüft werden.

Denn unser Erkennen ist Stückwerk, und unsere Gabe erwecklicher Rede ist Stückwerk. Wenn aber das Vollkommene erschienen ist, wird das Stückwerk ein Ende haben - 1. Kor. 13:9

Die ersten Konsequenzen
Mit den internationalen Kongressen 1966 hat die WTG ohne aus ihren Fehlschlägen von 1914, 1925 u. a. zu lernen und im Widerspruch zu Apg. 1:7, "Zeit und Stunde gebührt euch nicht zu wissen", einen neuen Endzeittermin weltweit proklamiert: Das Jahr 1975. Es heißt in dem dazu freigegebenen Buch: "Gemäß dieser zuverlässigen Bibelchronologie werden 6000 Jahre … mit dem Jahre 1975 enden, und die siebente Periode von eintausend Jahren Menschheitsgeschichte beginnt im Herbst des Jahres 1975 u. Z." (Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 30). Im WT vom 1. 1. 1967, Kongreßberichte, in gleicher Weise. Aus dem durch den Jahrestext 1974 bestätigten Fehlschlag auch dieses Termins und der realen Sachlage ergibt sich in christlicher und gesellschaftlicher Sicht als erste Konsequenzen:

1. Zum WTG-Führungsanspruch
Die WTG hat mit ihrer verfehlten Endzeit jeden Anspruch auf ausschließliche Führung geistig und organisatorisch endgültig verloren. Sie kann in Zukunft nur noch mit bestimmten bleibenden Erkenntnissen dienen, wirklich nur dienen, das Stückwerk aller Erkenntnis ehrlich anerkennend, ohne sich "allein in der Wahrheit" über andere Christen aufzuschwingen. Alle Zeugen selbst haben sich dem einzufügen, denn Christus sagte bezüglich aller, die ihm auf andere Weise nachfolgen: "Wer nicht wider uns ist, ist für uns". Mark. 9:40. Die Zeit der Exklusivitäten (alleinige Wahrheitsansprüche) ist vorbei. Bezüglich WTG ist dies mit dem 1975-Endzeitfehlschlag endgültig offenbar. Wirklich christliche Zeugen müssen sich diesbezüglich für alle Zukunft ihrer Unvollkommenheiten und Grenzen bewußt bleiben. Als Alternative ergibt sich nur die Orientierung auf den einmal überlieferten Glauben, wohl in grundsätzlicher Einheit, aber mannigfacher konfessioneller Vielfalt, bis einmal alle Unvollkommenheit ein Ende haben wird. "Ein Leib aber viele Glieder" (Rö. 12:3-5) kann das verstehen helfen.

2. Besseres Bibelverständnis
Ein besseres Bibelverständnis ist erforderlich, wieder ein echtes Forschen. Apg. 17:11. Angesichts allen Fehlverstehens gar vieler Dinge, wovon niemand ausgenommen werden kann, muß nicht nur Toleranz gegenüber anderen Formen der Nachfolge Christi geübt werden, auch vor der Verteufelung anderer, die etwas anders verstehen, muß man sich hüten, um nicht ungerechtem Richtgeist zu verfallen. Es muß in voller Konsequenz anerkannt werden, daß auf Grund des Stückwerks und der Unvollkommenheiten Verschiedenheiten unvermeidlich und damit eine Prüfung des Geistes der Liebe in Langmütigkeit, Freundlichkeit, Neidlosigkeit, Rücksicht, Glauben und Ertragen sind. 1. Kor. 13:4-7. Der Geist ist entscheidend, nicht der Buchstabe, der zu intolerantem Verhalten führt und den Geist tötet. Damit muß auch die Annahme von Verbalinspiration der Schrift aufgegeben werden. 2. Kor. 3:6. Es ist allein der Geist gewesen, in dem geredet wurde, 2. Petr. 1:21, was uns heute in unvollkommener Übersetzung vorliegt. Muß in diesem Sinne jegliches weitere Forschen in der Schrift toleriert und gefördert, so darf andererseits kein Forscher in der Schrift intolerant werden. Göttliche "Kanal"-Ansprüche gar sind der Gipfel der Verstiegenheit und Vermessenheit. Der 1975-Fehlschlag beweist das erneut.

3. Im Hinschauen auf Christus
Der 1975-WTG-Endzeitfehlschlag macht auch endgültig klar, daß es keine Vernichtung aller anderen gibt. Gottes Wille, "daß alle Menschen gerettet werden", 1. Tim. 2:4, wurde von der WTG völlig mißachtet. Daraus ergeben sich nicht nur für die "irdische" Neuorientierung Konsequenzen, sondern vor allem in Hinblick auf die Bedeutung Christi und seines Kreuzestodes, dem die Masse der Zeugen Jehovas durch die "irdische" Fehlorientierung der WTG völlig entfremdet ist. Phil. 3:17-21. Man muß sogar dem Umstand ins Auge schauen, daß vor allem die jüngere Generation der Zeugen Jehovas einem religiösen Jenseitsglauben durch die WTG gänzlich entfremdet ist und durch die WTG nur noch irdisch glauben kann. Alles andere sei für sie völlig belanglos, ein Kapitel, das in ihrem Leben endgültig abgeschlossen sei, wie festgestellt wurde. Was, wenn sich diese des WTG-Endzeitfehlschlags völlig bewußt geworden sind?

4. Die anderen Christen
Im Verhältnis zu den anderen Christen steht mit dem 1975 Endzeitfehlschlag an, unvoreingenommen zu werden und anzuerkennen, daß sie "nicht wider" Christus sind, wenn sie "anders nachfolgen", auf andere Weise, etwa katholisch, evangelisch, freikirchlich, freichristlich u. a. m., wenn sie es aufrichtig tun, daß sie darin "für uns" sind, wie Christus seinerzeit die Jünger belehrte. Markus 9:38-40. Natürlich schließt diese Anerkennung nicht die Kritik noch exklusiver und intoleranter Ansprüche aus, begründet durch das verschiedenste Fehlverhalten, sind doch gar viele die "Schuldscheine" der anderen. Es hat niemand Anlaß, "höher von sich zu denken als recht ist". Rö. 12:3. Jehovas Zeugen sollten dazu zur Kenntnis nehmen, daß u. a. auf katholischer und evangelischer Seite diese Schuld heute anerkannt wird und die Zeugen als "getrennte christliche Brüder" nicht mehr verdammt werden, ganz im Gegensatz zur Überheblichkeit und Unbußfertigkeit der WTG, die sich immer noch den "anderen" gegenüber eher an die Brust schlägt! Wo ist da größere Demut? Dazu ein praktischer Anhaltspunkt. Solange Br. C. T. Russell eine Rolle spielte, bis ca. 1926 als das letztemal die Bände Schriftstudien gedruckt wurden, wurden sehr wohl andere Christen wie die Reformatoren Arius, Waldus, Wicliff und Luther als Werkzeuge Gottes anerkannt. Und wenn auch die WTG die Verdienste der katholischen Kirche für die Zusammenstellung und Überlieferung des Wortes Gottes z. B. nicht gelten lassen will, so stützt sich selbst die WTG-eigene NW-Bibelübersetzung auf dieses Werk der katholischen Kirche. Das wird zwar in den deutschen NW-Ausgaben verschwiegen, aber ist in gleicher Weise ein Anhaltspunkt, tun die Dinge zu überdenken. Es könnten noch viele fremde Federn aufgezeigt werden, mit denen sich die WTG geschmückt hat.

5. Die mit der WTG verbunden waren
Zu den anderen Christen gehören auch die vielen Brüder und Schwestern und ihre Versammlungen, die früher mit der WTG bzw. Jehovas Zeugen verbunden waren. Sie verließen diese Gemeinsamkeit oder wurden ausgestoßen, weil sie solche WT-Irrwege fundamentalster Art nicht anerkannten, wie u. a. Harmagedon 1925, Vernichtung des Ältestenamtes in der Organisation in den dreißiger Jahren, Regierungen seien keine Obrigkeiten von Gott, seit 1929, mit furchtbaren politischen Folgen, oder die Unterdrückung christlicher Charakter- bzw. Persönlichkeitsentwicklung. Die rechthaberische Intoleranz der WTG zwang sie aus der Organisation, und wieviele Zeugen wirkten dabei in bedenkenlosem WTG-Gehorsam mit. Aber die so Verstoßenen hoben niemals die Nachfolge Jesu aufgegeben, wenn dies fortan auch "getrennt" und in anderer Form erfolgen mußte, die WTG bis heute unbußfertig ist, und die meisten Zeugen ihr darin immer noch folgen und ihre ehemaligen Brüder und Schwestern weiter verteufeln, obwohl die WTG längst vieles wieder geändert hat! Auch hieraus müssen die Konsequenzen gezogen werden. Dies wird umso leichter sein, da sich der 1975-Fehlschlag mit dem 1925-Fehlschlag vergleichen läßt, und die WTG es jetzt nicht mehr wagen kann wie 1925, alle um weitere 50 Jahre hinzuhalten.

6. Es könnte dennoch Endzeit sein
Die Tatsache, daß es keine Endzeit im WT-Sinne gibt, erfordert auch bezüglich der "Wiederherstellungs-Verheißung" ein anderes und neues Verständnis. Dies muß jedoch absolut undogmatisch bleiben. Ausgehend von den Realitäten läßt sich zunächst folgendes sagen. "Wiederherstellung" bedeutet, "sich die Erde untertan zu machen", wie es ursprünglich gesagt wurde, geboten war. 1. Mose 1:28. Dieses Gebot wurde trotz Sündenfall nicht aufgehoben. Es wurde - allerdings in Unvollkommenheit - weiter verwirklicht. 1. Mose 3:17-19. "Wiederherstellung" bedeutet folgerichtig soziale Gerechtigkeit weltweit. Nun hat Gott immer Menschen gebraucht für sein Vorhaben, selbst wenn diese das nicht so erkannten. Die Bibel gibt viele Beispiele dafür. Wer in der Vergangenheit für Gerechtigkeit wirkte, handelte im Einklang mit Gottes Willen, wenn auch unvollkommen, und war ein Werkzeug Gottes. Wer hingegen für Ungerechtigkeit wirkte, handelte als Widersacher Gottes, war ein Werkzeug des Widersachers. Angesichts der zusammenbrechenden WTG-Endzeitlehren ergibt sich für Gegenwart und Zukunft folgende Sicht der Dinge: Alle, die jetzt für Gerechtigkeit darin wirken, "sich die Erde untertan zu machen", können wiederum Gottes Werkzeuge sein und seinem Vorhaben dienen, mögen sie das auch nicht so sehen und verstehen. Der Apostel Paulus belehrt uns, daß selbst den Nichtchristen "das vom Gesetz (Gottes) gebotene Tun ins Herz geschrieben ist". Rö. 2:15. Wir erinnern an die Erkenntnis, wonach für das Reich der Gerechtigkeit Gottes auf Erden "der Kommunismus" als "wohl die beste Gesellschaftsform" in Betracht gezogen wurde, die "der König der Könige zu seiner Methode machen" könnte (Schriftstudien Bd. 4, S. 244, WTG 1916). Auf jeden Fall kämen demnach jetzt alle Bestrebungen für soziale Gerechtigkeit hierfür in Betracht, wer und wo es auch sei. Endzeit kann somit heute in Wirklichkeit bedeuten, daß die Zeit angebrochen ist, in der weltweit Kräfte auf den Plan treten, um soziale Gerechtigkeit darin zu schaffen, sich "die Erde untertan zu machen". Wir erinnern auch an die frühere Erkenntnis, daß der "Schlußkampf" in weltweiter Revolution "der Massen" bestehen könnte, sich "aus der Herrschaft das Kapitals zu befreien" (Schriftstudien Bd. 1, S. 319, WTG 1926). Auf jeden Fall sind wir tatsächlich seit dem 1. Weltkrieg (1914) in einen weltweiten Prozeß solcher Vorgänge eingetreten, beginnend mit der Oktoberevolution 1917 in Rußland. Unter allen Christen erfolgt heute eine zunehmende Orientierung auf diese inzwischen überall wirkenden Vorgänge. Eine "Wiederherstellung" des Ursprünglichen in schließlicher sozialer Gerechtigkeit ist tatsächlich in unserer Zeit begonnen worden, während sich die WTG-Endzeit als Fehlschlag erweist.

7. Soziale Besinnung
Der WIG-Endzeitfehlschlag von 1975 erfordert auch die soziale Besinnung. Wir müssen daran denken, daß sich die Schaffung, Sicherung und Erhaltung menschlicher Ordnung (und "Obrigkeit") letztlich aus dein nicht aufgehobenen ursprünglichen "irdischen" Auftrag (l. Mose 1:28) herleiten. Gott selbst hat die menschliche Natur als soziales Wesen erschaffen. Soziale Verantwortung ist daher zu allen Zeiten Gottes Willen gewesen. Römer 13:1-7. Das sind Gottes eigene Lebensgesetze für den Menschen. Der Fehlschlag des WTG-Werkes macht erforderlich, die schöpfungsbedingten sozialen Bedürfnisse und die sich daraus ergebenden sozialen Verantwortlichkeiten, Aufgaben, Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem persönlichen und gesellschaftlichen Leben allseitig herauszuarbeiten und schriftgemäß darzustellen. Das ist ein Schwerpunkt, um das schriftgemäße Verständnis der "irdischen Verpflichtungen der neuen Schöpfung" bzw. das richtige Verhalten der Zeugen als Christen zu Gesellschaft, Staat, Regierung oder "Obrigkeit" wiederherzustellen und der Torheit des WTG-Antikommunismus und jeglicher sonstigen negativen sozialen Verhaltensweise den Boden zu entziehen. (In einer CV-Beratung wies eine Schwester auf den Grundsatz in Offb. 3:16 hin: Auch Kommunisten mögen "kalt" gegenüber Gott sein. der Herr wird nur "Laue ausspeien", man solle sich da nicht fehlverhalten. CV-Anmerkung). Ohne Zweifel wird dies ein längerer sozialer Erkenntnisprozeß sein. Er ist jedoch unvermeidlich.

Die WTG selbst mußte in anderem Zusammenhang zugeben, daß die "von Gott in ihrer Urform eingepflanzten" sozialen Interessen allenthalben "den Stengel der rechtlichen Anerkennung Gottes tragen", und "wo solche sozialen Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen". (WT 15. Sept. 1956, dt., Persönliche Interessen des Menschen)

8. Die WTG-Torheit des Antikommunismus
Das politisch Verwerflichste in allem ist die politische Färbung der Verkündigung durch die Torheit des Antikommunismus Doch niemand kann eine Entwicklung verhindern, deren Zeit gekommen ist, letztlich getrieben durch die von Gott selbst in ihrer Urform eingepflanzten sozialen Interessen Der WTG-Antikommunismus ist offensichtlich ein vorsätzlicher Mißbrauch des christlichen Glaubens im Interesse der Widersacher oder des Widersachers der sozialen Entwicklung, deren Zeit nun gekommen ist. Es ist ein vorsätzliches Zerstören bzw. Verhindern aller sozialen Initiativen, vor allem unter den Christen, die am meisten von den Krisen und Ausweglosigkeiten der kapitalistischen Ordnung betroffen sind und deswegen "seufzen und jammern" über diese Greuel. Sind die Zeugen Jehovas soziologisch doch gerade aus diesem kapitalistischen Elendsmilieu seit Ende des vorigen Jahrhunderts von den USA aus neuzeitlich entstanden. Natürlich gibt es von daher immer wieder Grund zu "seufzen und zu jammern" über Greuel und Elend. Man schaue nur auf die unglaubliche Verunsicherung das Lebens durch Kriminalität z. B. in den USA, abgesehen von allem anderen. Andererseits gibt es keine Lösungen in diesem System selbst, wie die ständig neuen sozialen und revolutionären Aufbrüche und Ausbrüche in diesen Ländern veranschaulichen. Im Verein mit ihrer antikommunistischen Abschreckung kann die WTG unter den Entwurzelten dieses Systems möglicherweise durchaus neue Gutgläubige weil Verzweifelte für eine neue Endzeitillusion finden, nachdem der 1975-Fehlschlag verdrängt wäre. So könnte sie ihre Endzeitillusion immer weiter betreiben, allein ermöglicht durch die Unwissenheit oder Vergeßlichkeit und Verzweiflung, von Generation zu Generation. In den kapitalistischen Ländern und Einflußgebieten ist das in der Tat der Fall! Seit dem ersten WTG-Endzeitdatum von 1799 schon! Über 1844, 1878, 1914, 1925, 1972 und nun auch über 1975 hinaus! Antikommunismus zur Abschreckung als ständiger Begleiter, "bereits in der dritten Ausgabe der Zeitschrift Der Wachtturm" von 1879! (WT 1. Jan. 1962, dt. S. 21, Abs. 5). Da es in Wirklichkeit keine Endzeit im WT-Sinne gibt, bleibt als einzige reale Neuorientierung der Blick auf die Kräfte, die vielleicht auch dort als Werkzeug Gottes in christlicher Verantwortung oder mit dem Gesetz Gottes für ihr Tun im Herzen auf den Plan treten, getrieben von den in ihrer Urform von Gott eingepflanzten sozialen Interessen und dem Ziel einer gerechten "Wiederherstellung" oder Verwirklichung dessen, "sich die Erde untertan zu machen". Wo diese Kräfte zum Durchbruch gelangt sind und dominieren, wird die WTG mit einer neuen Endzeitillusion allerdings keinen Fortsetzungserfolg mehr haben. Hier wird man mehr und mehr erkennen müssen, daß die wirkliche Endzeit mit dem weltweiten Aufbruch für soziale Gerechtigkeit verbunden ist, wie widersprüchlich, unterschiedlich und kompliziert diese Prozesse und Vorgänge auch noch sind. Das scheint allein letztlich real zu sein.

9. Zur Einsicht kommen
Wo es unter Christen nicht zur Einsicht kommt gegenüber diesen weltweiten sozialen Prozessen und Vorgängen, deren Ur- und Elementargewalt unbezwingbar ist, wird es zu wahrhaft endzeitlichen Zusammenstößen und Umbrüchen kommen. Das ist letztlich auch das Schicksal der WTG selbst, auch wenn sie mit einer neuen Endzeitillusion aufwartet, für eine neue Generation, mit neuen Terminen, wie etwa 1996 schon, "falls wir das Datum annehmen" (Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, dt. S. 28, WTG 1967). Die gebotene "gesunde Förderung der sozialen Interessen" zwingt jedoch zum Handeln und zum Überwinden und Ausschließen aller, die sich in diesem Zusammenhang als "Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige" erweisen. Hoffentlich hat die WTG hiermit nicht ihr eigenes Urteil ausgesprochen! Die Fortsetzung ihres Kurses, antikommunistisch und anders antisozial, als "unpolitisch" frisiert, läßt das im Zuge der weltweiten sozialen Prozesse, deren Zeit jetzt herbeigekommen ist, befürchten. Das muß für alle anderen Christen, Kirchen und christlichen Gemeinschaften in ähnlicher Weise befürchtet werden, wenn sie den ihnen gemäßen Zugang zu den unbezwingbar gewordenen sozialen Veränderungen nicht finden oder sich ihnen gar als Widersacher erweisen. Die "ausgestreckte Hand" derer, denen "das vom Gesetz (Gottes) gebotene Tun" letztlich "ins Herz geschrieben ist" und ihre Bündnispolitik mit allen Christen guten Willens, andererseits das wachsende Verständnis unter den Christen, ihren verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften, für die sozialen Fragen, die jetzt mit Ur- und Elementargewalt zur gerechten Lösung drängen, ist Warnung und Wegweisung zugleich Wer sich der "gesunden Förderung der sozialen Interessen" verschließt oder widersetzt, verschließt und widersetzt sich dem, was "den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes" trägt. Er hat die "irdischen Pflichten der neuen Schöpfung", des Christen, nicht erkannt und befindet sich in der Gefahr der Verführung durch den Widersacher Gottes. Der Antikommunismus der WTG ist eine solche antisoziale Verführung. In dem jetzigen elementaren sozialen Geschehen zur Einsicht zu kommen ist darum ein Hauptschwerpunkt der Aufgaben.

10. Schuld und Demut
Die Frage, wohin sollen wir in dieser Zeit des sozialen Umbruchs, der Überwindung und des Fehlanschlags aller konfessionellen Exklusivitäten (Alleinansprüche), Intoleranzen oder "theokratischen" Rechthaberei denn nun konkret gehen, läßt sich noch der dargelegten Lage der Dinge wie folgt beantworten. Es muß schließlich ein Hinwenden aller aufrichtigen Christen auf den einmal überlieferten Glauben gemäß den Worten Christi in brüderlicher Eintracht und entsprechender (untergeordneter) Vielfalt stattfinden. Angesichts der alle Christen, Kirchen und Gemeinschaften fordernden weltweiten zeitbedingten sozialen Entwicklung wird alles andere zweitrangig. Wer die Ur- und Elementargewalt der von Gott selbst eingepflanzten sozialen Interessen und Bedürfnisse mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit nicht begreift, schließt sich aus und scheitert. Der 1975-Endzeitfehlschlag der WTG ist ein jüngstes Beispiel unter den kleinen Religionsgemeinschaften. Im Zuge der fortschreitenden Erkenntnis der Sachlage sollten die "Schuldscheine" untereinander eingelöst werden. Jegliche Unbußfertigkeit muß ein Ende haben. Jeder sollte bereit sein, Irrwege zu erkennen, zu verlassen, Verirrten zu helfen und "eine Menge Sünden zuzudecken", Jak. 5:20.

Zum Beispiel hat die WTG gar viele "Schuldscheine" gegenüber den Brüdern und Schwestern einzulösen, die sie in Verfolg ihrer früheren Irrlehren unschuldig ausgeschlossen oder ausgestoßen hat oder als "Böse Knechte" schlug und verdammte.

Sie hat auch viele "Schuldscheine" durch ihre z. T. maßlose Verleumdung und Diffamierung anderer, Christen wie Nichtchristen. Ganze "Schuldbücher" könnten da vollgeschrieben werden. Jehovas Zeugen haben dabei die "Schuld", das alles leider mehr oder weniger unkritisch, bedenkenlos, bestenfalls gutgläubig mitgemacht zu haben. Der jetzige "Hauptschuldschein" ergibt sich indessen aus der weltweiten Irreführung mit dem 1975-Ende, das sich nun als Fehlschlag erweist. Klarheit schaffen in den Köpfen über alle diese Dinge allein im Hinschauen auf Jesus als Anfänger und Vollender des Glaubens in brüderlicher Eintracht im Grundsätzlichen muß die ersten Schritte bestimmen Andererseits sollten alle Betroffenen bereit sein, Schuld und Sünde aller zuzudecken, die die Irrwege der WTG erkennen und verlassen, die WTG selbst inbegriffen, wo sie bußfertig brüderliche Eintracht sucht bzw. wiederherstellen möchte. Niemand sollte da auf den anderen warten. Mit jedem vermehrten Verständnis sollte beharrlich voran- und vorausgegangen werden, die Tore aufzustoßen und die Wege zu zeigen, die aus der WTG-Endzeitmisere herausführen in eine Art und Weise der Nachfolge Jesu in Glaube, Hoffnung und Liebe auch denen gegenüber, die ihm "anders aufrichtig nachfolgen", bis einmal "das Vollkommene erschienen ist und das Stückwerk ein Ende haben" wird.

11. Gott läßt es zu
Ohne Zweifel wird dieses Hinwenden zu brüderlicher christlicher Eintracht im Grundsätzlichen im Zusammenhang mit den vorsichgehenden sozialen Umbrüchen, deren Zeit jetzt gekommen ist, ein komplizierter Prozeß sein. Aber es gibt keine Alternative, wie die Geschichte der WTG-Endzeitirrtümer und -illusionen veranschaulicht, die nun im Endzeitfehlschlag von 1975 gipfelt. Die "Schuldscheine" müssen eingelöst werden. Die am Wort dienenden Brüder, die Ältesten, Aufseher oder Diener, die Führungskräfte aller Betroffenen tragen die Hauptverantwortung. Jeder in seinem Bereich, in seiner Studiengruppe, Versammlung, Gemeinde, Gemeinschaft oder Kirche. Ja, "seid allezeit bereit. euch gegen jedermann zu verantworten, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch lebt"! 1. Petr. 3:15. Muß diese Hoffnung doch auch in Übereinstimmung sein mit den "irdischen Pflichten", die sich aus den "von Gott in ihrer Urform eingepflanzten" sozialen Interessen und Bedürfnissen und ihrer gerechten Befriedigung und Förderung ergeben. Gott läßt es zu, daß Christen jetzt auf diese Weise sozial gefordert werden, ihre Haltung zu überprüfen und alle Irrtümer und Illusionen über Bord zu werfen, wenn sie Kollisionen und Fehlschläge vermeiden wollen. Die Zeit ist herbeigekommen.

12. Der "Buchstabe" tötet, der "Geist" macht lebendig
Die von Gott in ihrer Ur- und Elementarform eingepflanzten und fortwirkenden sozialen Interessen bestimmen die "irdische" Entwicklung und zwingen schließlich, ob man sich das eingestellt oder nicht. Eine Art objektive Gesetzmäßigkeit, der auf Erden alle unterworfen sind, ob Christen oder nicht. Die Orientierung in Glaube, Hoffnung und Liebe auf die entsprechenden sozialen Umbrüche der Jetztzeit muß zwangsläufig aus den bisherigen exklusiven, intoleranten, alleinseligmachenden, rechthaberischen und unbußfertigen Positionen heraus erfolgen, soweit sie noch vorherrschend sind. Für die WTG und damit für Jehovas Zeugen trifft das infolge der immer noch in schärfster Form aufrechterhaltenen Ansicht, "allein in der Wahrheit" zu sein, mit allen Folgen zu. Selbst der Fehlschlag mit der 1975-Endzeitorientierung hat sie bisher nicht ernsthaft bußfertig gemacht. Wieviel "Schläge für den Rücken der Toren" muß sie noch erhalten? Spr. 19:29. Für alle indessen sollte es selbstverständlich sein, die eigenen Positionen immer kritisch im Blick zu haben. Niemand muß deswegen jedoch die gegenwärtige zeitliche Form der Gemeinschaft, wie sie entwicklungsbedingt entstanden ist, aufgeben.

Christus zwang laut Markus 9:38-40 solche, die ihm anders nachfolgten, nicht in seine eigene Gruppe. Nicht der "Buchstabe" entscheidet, mag er IBV geheißen haben, jetzt WTG oder ZJ lauten, andererseits CV, VfC,

BfC, SWIT, DAWN, noch andererseits Rom, EKD, ÖRK, CFK oder ROK. Der "Geist" ist entscheidend, der sich überall entwickelt in dieser Zeit, vor dem Hintergrund der sozialen Herausforderung, die sich jetzt zwingend für alle erhebt. Nichts ist von jenen "Buchstaben" abhängig, wenn Verbundenheit im "Geist" erforderlich ist. Darum kann und muß jeder von seiner zeitlichen Warte aus beginnen, den "anderen" brüderlich anzunehmen und zu ertragen.

Es wäre dabei verfehlt, nicht über das hinwegschauen zu wollen, was bisher trennt und spaltet, weil auf solche Weise Eintracht und Liebe nirgends entstehen können. Wir machten uns damit weiterhin unfähig, "von Irrwegen zurückzuführen und Sünden zuzudecken". Jak. 5:20.

Wir würden uns "Schuldscheine" , einhandeln, die uns teuer zu stehen kommen würden angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Wir sollten dabei nicht ungeduldig sein, wenn wir sehen, wie sich gar manches erst keimhaft entwickelt und nur in Ansätzen zeigt. Überall ist das Erkennen "Stückwerk". Doch unsere brüderliche Liebe soll "langmütig" sein, "nicht rücksichtslos", auch "läßt sie sich nicht erbittern und trägt das Böse nicht noch", und sie hat "Geduld mit allen", 1. Kor. 13:4-7.

13. Beginnen wir also
Womit? Damit: Positionen und Sachlage zu prüfen, aufeinander zuzugehen guten Willens zu brüderlicher Beratung und Hllfe, Standpunkte zu Einzelheiten zu erarbeiten und darzulegen. Mittel und Wege zu suchen, um die Betroffenen anzusprechen und jede aufrichtig "ausgestreckte Hand" zu ergreifen. Aus Rinnsalen werden Bäche, Flüsse und Ströme. Aus kleinen Senfkörnern große Bäume, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten" sagte Jesus. Matth. 13:32. Überall ist - herausgefordert durch die sich mit schöpfungsbedingter Ur- und Elementargewalt weltweit vollziehenden sozialen Umbrüche - geistige Aufbruchstimmung und geistiger Aufbruch. Für Jehovas Zeugen ist der WTG-Endzeitfehlschlag von 1975 ein weltweites Signal, ihrerseits aufzubrechen zu neuen christlichen und sozialen Horizonten.

Prüft alles, das Gute haltet fest.
Wir möchten diesmal CV mit einem Wort zu der vorgelegten Studie empfehlen. Die vorgelegten Gedanken sind in der Tat sehr weitgehend. Wie man sie auch nachvollzieht, wir glauben, sie gibt ganz wichtige Anstöße und Anregungen für alle, die angesprochen werden, denn neue Entscheidungen müssen angesichts des WTG-Endzeitfehlschlags von 1975 getroffen werden, so oder so. Wir möchten darum zu dieser Studie mit dem Apostel Paulus sagen, "prüfet alles, das Gute haltet fest"
1. Thess. 5:21.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos.
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