Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 58

Auch diese Folge enthält wieder die obligate Verbeugung vor den Geldgebern der CV, unter der wenig überzeugenden Überschrift: "Die antikommunistische und antisowjetische Tätigkeit der WTG im Jahre 1973". Trotz dieser Einschränkung, sei doch ein Satz aus jenem Artikel zustimmend zitiert, und zwar der nachfolgende:

"Im WT vom 15. 1. 73 wird die 'Menschenherrschaft im Lichte der Tatsachen' völlig durch die Brille amerikanischer Zeitungen, Publizisten und Politiker und am Beispiel amerikanischer bzw. kapitalistischer Verhältnisse mit Bezug auf Krieg, Verschmutzung, Kriminalität, Drogensucht, Unterernährung. Armut usw. angeprangert."

Da haben wir des Pudels Kern. Amerikanische Weltsicht, amerikanische Hegemonievorstellungen sind auch die Substanz der Publizistik der Wachtturmgesellschaft. Zugeschnitten auf ihre Klientel.

Ich gehöre wahrhaftig nicht zu den "Standardkonsumenten" auch deutscher Fernsehprogramme der Vor-Abend-Zeit. Aber soviel ist auch mir klar. Sie sind bis zum Überdruss von amerikanischen "Seifenopern" dominiert. Das ist das - ich formuliere es mal krass - Verblödungsangebot für die Säkularisierten.

Zeugen Jehovas sind nicht "sakularisiert". Aber auch sie bekommen laufend entsprechende Angebote. Auf ihrem religiösem Level serviert. Damit ist allerdings noch nicht die eingangs genannte weitergehende seinerseitige DDR-Interpretation, meines Erachtens abgedeckt.

 


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 58 Gera April 1974

ÜBER 300000 ZEUGEN JEHOVAS SIND WIEDER VERSCHWUNDEN!
Liebe Leser!
Forderte WTG-Präsident N. H. Knorr in seiner Ansprache "In Jehova frohlocken trotz der Schwierigkeiten von Harmagedon" zu Beginn des Dienstjahres 1974 auf der WTG-Jahreshauptversammlung in Brooklyn zum "Tanz auf dem Vulkan" auf, während wir uns 1975 nähern? Es war eine Ansprache über Habakuk drei, aus dem auch der Jahrestext 1974, "Mag auch der Feigenbaum selbst nicht blühen - dennoch will ich frohlocken in Jehova", entnommen ist. Die Ansprache wurde als "sehr ernst" bezeichnet. Das ist in der Tat nicht übertrieben.

Der Jahrestext 1974 ist dazu eine verblüffende Taktik. Die WTG nimmt damit ihre Fehlvoraussage von 1975 einfach schon selbst vorweg! Merkt sie, wie es wegen 1975 langsam zum Kochen kommt, so daß sie schon jetzt Luft abläßt Vor 1975 wird kaum viel passieren, weil alle dieses Jahr abwarten. Sie sollen dann offene Türen einrennen: Der Jahrestext 1974 hat es doch schon eingestanden! Ein tollkühner Sprung über den eigenen Schatten? Laßt uns sehen, wer im Frühherbst 1975 tanzen und frohlocken wird!

Die WTG nimmt aber auch schon den möglichen Abfall-Schock von 1975 vorweg! Im Jahrbuch 1974 (S. 254) rechnet sie vor, daß sie bis jetzt schon "über 300 000 Brüder und Schwestern nach ihrer Hingabe und Taufe" wieder vermißt. Sie unterstellt ihnen Glaube ohne Werke. Von eigener Schuld durch ihre falschen Endzeitlehren allerdings kein Wort. Sollen wir durch diese 300 000 wieder Verschwunden auf die Größenordnung des Ausbruchs aus der Organisation von 1975 vorbereitet werden? Der Leiter der "Christlichen Mission für Jehovas Zeugen" in den USA. J. W. Schnell, schätzte ein, daß schon etwa 500000 Zeugen Jehovas "auf dem Zaun sitzen", zum Sprung bereit, wenn 1975 ein Fehlschlag wird. (CV 57/1974). Wir erinnern auch an die Auflehnung der über 300 Brüder in Brooklyn selbst gegen den WTG-Kurs mit 1975, wovon Br. K. Franke am 1. November 1972 in Westberlin sprach (CV 48/1973).

Worauf kommt es jetzt angesichts all dessen in der Hauptsache an? Der Jahrestext 1974 zeigt an, daß die Endzeitausrichtung der WTG zusammengebrochen ist. Äußerste Wachsamkeit im Hinblick auf die zu den Kongressen 1973 angekündigten "wesentlichen fortschreitenden Änderungen" der WTG-Verkündigung ist deshalb notwendig! Dazu brauchen wir nunmehr eine von Gott selbst gegebene zuverlässige Grundlage oder Ausgangsbasis, von der aus niemand mehr einer willkürlichen Bibelerklärung ausgeliefert ist, die heute dieses und morgen jenes Datum festlegt, heute einen Bibeltext so deutet und morgen wieder anders. In engstem Zusammenhang damit steht das Heraustreten aus dem durch die WTG-Politik des Antikommunismus und Antisowjetismus erzwungenen Untergrund schriftwidriger "List" und "Hinterhältigkeit" (2, Kor. 4:2 NW) gegenüber der "Obrigkeit von Gott" in unserem Lande, um einen Kurs einzuschlagen, der die "menschliche Ordnung" des Sozialismus ehrlich anerkennt und respektiert, 1. Petr. 2:13, um ein "ruhiges und stilles Leben führen zu können in völliger Gottergebenheit und Ernsthaftigkeit", 1. Tim. 2:2 NW. Wer kann die WTG mit ihrem 1975-Fiasko noch ernstnehmen? Alles in dieser CV-Ausgabe.

Eine bedeutende Hilfe in der fälligen Neuorientierung bietet auch eine Neueinstellung zu den Brüdern und Schwestern, die Abwege der WTG, die jetzt in das "irdische" Fiasko von 1975 führen, schon früher nicht mehr mitgegangen sind und die eine einzige Hoffnung, die die Schrift allein jetzt lehrt, bewahrt haben. Wir lernen sie in dieser CV-Ausgabe weiter näher kennen.

Die WTG ist in ihre entscheidende Krise geraten, die auf Grund ihrer haltlosen Endzeitorientierung eines Tages endgültig kommen mußte. Damit muß jeder seine Entscheidungen treffen, ob er will oder nicht. CV wird weiter hilfreich orientieren.
In christlicher Verbundenheit.
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

Was ist neu in dem WTG-Buch
GOTTES TAUSENDJÄHRIGES KÖNIGREICH HAT SICH GENAHT?
Die weiteren "wesentlichen fortschreitenden Änderungen" in der WTG-Verkündigung vor 1975
Ab 1. Dezember 1973 hat es die WTG zur Pflicht gemacht, sich mit ihrem neuen Buch "Gottes Tausendjähriges Königreich hat sich genaht" (Millennium-Buch), 1973 freigegeben, zu befassen. Im "Königreichsdienst" (Wiesbaden) ergeht sie sich in Unübertrefflichkeiten, wie "Vorschau auf die Tausendjahrherrschaft! Ein so klares Bild! Wunderbare Dinge! Sogar ein Blick über das Millennium hinaus!" Alle sollen dankbar sein dafür, was Jehova hier "verstehen läßt".

Doch wie gehen die meisten Leser an dieses Buch heran, seitdem mehr und mehr bewußt wird, daß auch bei der WTG "des Büchermachens kein Ende" ist, was "Ermüdung des Leibes" bewirkt. Pred. 12:12. Sie suchen in dem vielen, was da nur in immer neuen Varianten wiederholt wird, die wirklich neuen Gedanken und Gesichtspunkte, um deretwillen das Buch schließlich auch veröffentlicht wird, was die WTG wegen ihrer Explosivkraft bis an die Grenze der Ermüdung deshalb wohlüberlegt verpackt, wie gesagt. Unser Gang durch das Buch konzentriert sich allein auf dieses wirklich Neue, und zwar so, wie der Apostel uns verpflichtet: Kritisch. Apg. 17:11.

Die wirklich neuen Gesichtspunkte
1. Gleich zu Beginn (S. 11) wird gesagt, der Höchste lebe auf "unabsehbare Zeit. Was bedeutet für ihn schon Zeit?" Eine Vorbereitung auf die Gesamttendenz des Buches, über 1975 hinwegzuführen und weiter Zeit zu gewinnen.
2. Auf S. 12 wird diese Tendenz vertieft mit der Bemerkung, das 7. Jahrtausend "mag eine ganze Reihe von Jahren vor 2000 u. Z. erreicht werden. Es ist gut, daß dem so ist". Und noch einmal: Der Höchste "lebt auf unabsehbare Zeit".
3. Wann beginnen die tausend Jahre? Nicht 1975, sondern "erst … nachdem ein Kampf stattgefunden hat zwischen dem 'König der Könige' einerseits und den ,Königen der Erde' samt dem 'Tier' und dem 'falschen Propheten' andererseits. . ., was sich sehr bald ereignen muß'. Bis heute hat die Welt nichts dergleichen gesehen." (S. 16) Wenn die WTG selbst sagt, daß hier bis jetzt noch nichts zu erkennen ist, so will sie damit weitere Jahre und Jahrzehnte Zeit gewinnen, ein Jahr bis 1975 wäre nur noch ein Jahr, wann das 7. Jahrtausend beginnen sollte - ist in der Weltgeschichte überhaupt nichts. Die WTG hat ja auch schon 1996 genannt.
4. Der "bevorstehende Kampf" soll "kein dritter Weltkrieg" sein. (S. 18). Auf dem WTG-Kongreß am 26. Juli 1953 in New York verkündigte N. H. Knorr der Welt durch den Rundfunk allerdings, es würde "nicht bloß ein dritter Weltkrieg" sein, sondern ein dritter Weltkrieg, der "universelle Ausmaße" habe, in dem Gott die "Völker ihre Zerstörungswaffen blindlings gegeneinander wenden läßt" (Brosch.: Noch Harmagedon Gottes neue Welt, S. 18f, 1953) Was ist Wahrheit? Wer soll sich da ernsthaft auf irgend etwas orientieren, was die WTG in die Welt setzt?
5. Und wieder nur, wörtlich: "Die Zeit … von Harmagedon … sollte ziemlich nahe bevorstehen, näher, als die mit sich selbst beschäftigten Menschen der Welt glauben!" (S. 23). Sie s o l l t e nur? Solche Formulierungen sollen "wunderbare Klarheit" sein? Nebelhafte Selbstgespräche sind das, aber keine Klarheit der Sicht!
6. Kam die "große Volksmenge" bisher "seit dem Jahre 1931" aus großer Drangsal (WTG-Buch: Auch du kannst Harmagedon überleben . . . S. 181, 1955/58), so "wird" sie jetzt erst n a c h dem immer unbestimmter werdenden Harmagedon also kommen, (S. 26)
7. Auffällig wird betont (S. 29), Christus nachzufolgen, "ungeachtet, wohin er geht". In Wirklichkeit steht die WTG im Hintergrund, ihr zu folgen, wohin sie jetzt geht. Man soll denken, man folge da Christus.
8. Wieder wird in eine unbestimmte Zukunft gewiesen: "Der Ausbruch des siebenten Jahrtausends … wird n o c h zu Lebzeiten der gegenwärtigen Generation beginnen". (S. 43) Was heißt hier n o c h! Wir stehen ein Jahr vor 1975! Aber auch dies: Da sich die Generationen immer überschneiden, läßt sich das immer weiter vor sich herschieben, weil es so immer einige glauben können, die man nur immer halten muß.
9. Auf S. 135f wird dann die fünfte Fürstenauferstehung gebracht! Immer "von Gott". Erst 1914, dann 1925, dann "noch vor Harmagedon", dann waren sie "vom Jahre 1919 an" schon auferstanden. (Schriftst. 4, S. 326, 1916, Millionen jetzt Lebender … S. 104, 1920, Die Wahrheit wird … S. 41, 1943, WT 1. 3. 52, Abs. 20). Nun werden sie erst "am Anfang seiner Tausendjahrherrschaft" noch Harmagedon kommen, und "eine Anzahl" Überlebender werde auch eingesetzt, damit 1919 nicht ganz unsinnig war.
10. Dazwischen immer wieder nur, es hat "sich genaht", S. 163 und es "wird innerhalb unserer Generation beginnen" S. 165. Siehe Punkt 8 zuvor!
11. Siehe da! Es wird zugegeben, daß die 6000 Jahre schon 1872 und 1874 um gewesen sein sollten! (S. 187) Daß also einmal um 100 Jahre in die Zukunft geschoben wurde! Nun wird dabei verschwiegen, daß das damals auch mit allen Konsequenzen als "Licht von Gott" oder "Speise zur rechten Zeit" der Welt gepredigt wurde! Damit sich alle darauf einrichten!
12. Kommt jetzt eine Weichenstellung auf lange Sicht? Die bisher auf 1935 (Hervortreten der "großen Volksmenge") datierte Beendigung der "himmlischen Berufung" wird aufgehoben! Was die WTG alles kann! Die "Tür" wird jetzt erst mit dem "Beginn der großen Drangsal", d. h. mit Beginn von Harmagedon, geschlossen! (S. 202) Eine Neueröffnung der "himmlischen Hoffnung" unter den Zeugen Jehovas! Kalkuliert die WTG 1975 einen Millionen-Abfall ein, so daß sie hofft, vielleicht gerade noch ihre ca. 10500 Überrestglieder halten zu können? Oder wohin zielt das sonst?
13. Auf S. 210 geht die WTG auf ihr Buch "Die Wahrheit wird euch freimachen" ein (1943) und die darin enthaltene Zeitrechnung. Dabei wird mit der Formulierung "erst in den 1970-er Jahren" vertuscht, daß noch jener "zuverlässigen Lesart" die 6000 Jahre schon 1972 um sein sollten! Nun stimmt auch 1975 nicht. Und in dem Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes" S. 28, wurde rechtzeitig schon das Datum 1996/97 erwähnt.
14. Auch der Prophet Sacharja wird wieder vergewaltigt. Wurde damals, als 1925 "vor der Tür stand", die Erfüllung der "zehn Männer, die den Rockzipfel eines Juden ergreifen", im Zionismus gesehen und als göttliche Wahrheit verkündigt (WTG-Sensationsbroschüre "Die große Weltkatastrophe! Der Stein ist im Rollen! Es beginnt die Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden!" S. 34, WTG Zürich 1922), so werden jetzt die Glieder der "großen Volksmenge" zu Sacharjas "zehn Männern" gemacht. (S. 280) Eine Auslegung noch der anderen wird in die Zukunft verschoben.
15. Zwischendurch wird wieder eine Zeitansage gemacht: "Sehr bald!" (S. 307), verbunden mit einer Unwahrheit: "Die ganze bewohnte Erde hat jetzt die gute Botschaft gehört". Auf dem Kongreß 1973 in München erklärte WTG-Präsident N. H. Knorr im Widerspruch dazu allerdings, daß das Zeugnis "noch nicht auf der ganzen bewohnten Erde gegeben worden ist". (CV 55/1974, S. 5) Wie zuverlässig ist da "sehr bald"? Doch weiter versichert: "Es kann jetzt nicht mehr lange dauern". (S. 315)
16. Dann wird eine weitere Lehre liquidiert. Über Matth. 24:29. Als "freimachende Wahrheit" galt bisher "die Kräfte des Himmels wurden" dadurch "erschüttert", daß Christus 1914 "inmitten seiner Feinde zu herrschen begann." (Buch: Die Wahrheit wird euch freimachen, S. 292, 1943) Jetzt jedoch soll diese "Erschütterung" durch die "Astronauten auf dem Mond", durch "interkontinentale Raketen" und durch das Vordringen "des Menschen in den Weltraum" und die Störung "des Gleichgewichts seiner Umwelt" erfolgen! (S. 325) Ist denn das die Möglichkeit?
17. Dann wird ein neues Datum in die Diskussion gebracht Das Jahr 1984! Die Schlagzeile einer Londoner Zeitung, "Vielleicht wird die Erde im Jahre 1984 ein toter Planet sein", wird als "ein guter Weltblick" bezeichnet! (S. 325)
18. Auch das "Zeichen des Sohnes des Menschen im Himmel" (Matth. 24:30) wird verschoben! Bisher war dieses "Zeichen" die "Geburt des Königreiches" 1914 und sein Offenbarwerden 1925. (WT 15. Sept. 1949, S. 280) Jetzt kommt dieses "Zeichen" erst zur Zeit der noch in der unbestimmten Zukunft liegenden "großen Drangsal"! (S. 326)
19. Auch brauchen wir jetzt auf einmal keineswegs mehr "genau das Jahr zu wissen, in dem die große Drangsal kommt, aber mit 1975 alle irregeführt?
20. Dann folgt eine Unwahrheit: "Die Geschichte vermittelt uns kein klares Bild darüber, in welcher Form die 'Klasse des treuen und verständigen Sklaven' in den Jahrhunderten nach dem Tode der Apostel … bestand und Speise austeilte", immer "der nachfolgenden Generation". (S. 344) Es ist demgegenüber genau nachweisbar, wie die Bibel noch den Aposteln zusammengestellt, übersetzt, erhalten und bis heute überliefert wurde. Br. C. T. Russell war ehrlich genug, zuzugeben, wenn auch in etwas anderem Zusammenhang, daß dies vor allem ein Verdienst der christlichen Kirchen war und ist. Er erwähnte u. a. Arius, Waldus, Wicliff und Luther (Schriftst. 7) Auch die Rolle der katholischen Kirche muß ehrlicherweise genannt werden. Was hätte z. B. die WTG selbst ohne die Jesuiten Bover und Merk gemacht, auf deren Bibelübersetzungen sie sich bei der Herstellung der "Neuen Welt Übersetzung" stützte? Für die Überlieferung der Gottesbezeichnung JHVH stützt sich die WTG u. a. auf die Übersetzung von J. B. Jonah, Mitglied der Vatikanischen Kongregation für die Glaubensverbreitung! (Vorwort und Erklärung zur NW-Übersetzung des NT, engl., WTG 1950) In den deutschen NW-Ausgaben wird das alles völlig verschwiegen! Allerdings passen diese Tatsachen jetzt nicht in das antikirchliche Feindbild, das die WTG jetzt zur Ablenkung von 1975 braucht.
21. Schließlich wird auch verschoben und verändert, was bisher als Wahrheit über "Friede und Sicherheit" (l. Thess. 5:3) verkündigt wurde. Das erste Mal sollte die Menschheit das für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg anerkennen (Schriftst 4, S. 146, 160, WTG 1897). Als das vergessen war, wurde es für die 1945-Nachkriegszeit ausgerufen (Die Wahrheit wird euch freimachen, S. 344-47, WTG 1943). Nun erscheint das wieder vergessen und alles wird erneut unbestimmt in die Zukunft geschoben auf einen Zeitpunkt, auf den "die politische Entwicklung in der Welt zusteuert", wann es den Weltpolitikern "scheinbar gelingen" würde, "schließlich Friede und Sicherheit herbeizuführen". Das würde dann das "Zeichen dafür sein, daß sein Tag bald anbrechen wird". (S. 365) Wenn man die Entwicklung in der Welt verfolgt, was man ja soll, dann ist dies für diese Generation der Sanktnimmerleinstag. Weltpolitische Entwicklungen vollziehen sich nur in großen Zeiträumen.

Wir fassen zusammen
Nein, das Millenniums-Buch "Gottes Tausendjähriges Königreich hat sich genaht" bringt weder "wunderbare Dinge" noch ein "klares Bild". Das meiste ist nur eine neue Variante des Alten, was sich bei dem "Büchermachern" bis zur Ermüdung wiederholt und kaum noch gelesen wird. Die "Rosinen im Kuchen" jedoch, das Neue, so gut wie möglich entschärft, verfolgt deutlich den alleinigen Zweck, alles vorsichtig weiter in die Zukunft zu verschieben, mit möglichst vielen Daten, daß sich überhaupt niemand mehr durchfindet. Vielleicht auf ein neues Datum zu, das zunächst genug Spielraum laßt, auf jeden Fall, um zu retten, was zu retten ist, wenn der "Feigenbaum" nun "nicht blühen wird". -
buko

Die antikommunistische und antisowjetische Tätigkeit der WTG im Jahre 1973
Tatsachen und Tendenzen
Es ist von größter Bedeutung, angesichts "1975" auch zu wissen, wie es weiter um die bisherige Politik des Antikommunismus und Antisowjetismus der WTG steht. Laßt uns zuerst die Tatsachen sehen. Wir stützen uns dazu auf die einschlägigen WTG-Veröffentlichungen des Jahres 1973, so daß wir eine gute Übersicht über die Lage erhalten. Eine Übersicht für 1972 wurde in CV 48/1973 veröffentlicht.

Durchs Jahr hindurch
Im WT vom 1. 1. 73 beginnt es schon: "Wegen wiederholter Enttäuschungen wenden sich viele Leute dem Kommunismus und dem Marxismus in der Hoffnung zu, daß sich dadurch ihre Lage bessert". Natürlich sei das alles auch hoffnungslos, allein "Jehova Gott" könnte "die Bedürfnisse der Armen befriedigen". (S. 4) Die WTG enthält sich hier der grobschlächtigen Hetze der fünfziger Jahre. Sie macht das hier "feiner". Durch Hervorheben noch ungelöster Probleme und Verschweigen der Erfolge malt sie ein schwarzes und hoffnungsloses Bild, um auf diese Weise Ablehnung und Feindschaft gegenüber Sozialismus und Kommunismus weiter zu erhalten, soweit ihr Einfluß reicht.

Im WT vom 15. 1. 73 wird die "Menschenherrschaft im Lichte der Tatsachen" völlig durch die Brille amerikanischer Zeitungen, Publizisten und Politiker und am Beispiel amerikanischer bzw. kapitalistischer Verhältnisse mit Bezug auf Krieg, Verschmutzung, Kriminalität, Drogensucht, Unterernährung Armut usw. angeprangert. Als ob dies auch für die sozialistischen Länder gelte. Heraus kommt eine völlige Entstellung der politischen Wirklichkeit in diesen Ländern und weiterer Antikommunismus und Antisowjetismus.

In Erwachet vom 22. 1. 73, S. 8 zeigt sich die WTG "überrascht" über die Wandlung zu realistischerem Verhalten der katholischen Kirche bzw. des Vatikans zu den sozialistischen Ländern, zum Abbau des kalten Krieges und der pauschalen Verdammung und Verurteilung des Kommunismus durch die katholische Kirche, womit die WTG bisher völlig übereinstimmte. "Die 'roten Barbaren', des Kommunismus sind auf einmal gesellschaftlich akzeptabel und geachtet", greift sie die Kirche an. Das will der WTG offensichtlich nicht in den antikommunistischen Sinn. Gerät sie doch auf diese Weise immer mehr in die politische Isolierung mit dem Ergebnis, daß sie eines Tages auch gezwungen sein könnte, ihren Antikommunismus aufzugeben. Offenbar ist man in Brooklyn wegen der Konsequenzen einer solchen Entwicklung für das eigene Weltbild in Bestürzung geraten.

Im WT vom 1. 2. 73, S. 80 geht es der WTG auf einmal gar nicht mehr - scheinbar - um den Kommunismus wie bisher: "Die wichtigste Streitfrage lautet heute nicht: Kommunismus oder kapitalistische Demokratie", sie laute Menschenherrschaft oder Gottesherrschaft. Doch versteckt die WTG hier nur ihre antikommunistische Hetze und ihre prokapitalistische Haltung in politischer Hinsicht, indem sie dem Kommunismus die Demokratie oder Volksherrschaft abspricht und den Kapitalismus als Volksherrschaft bezeichnet Eine bessere Propaganda kann sich kein Kapitalist unter dem Volke wünschen. - Auf Seite 88 werden die Kommunisten indirekt bezichtigt, also, "hinterhältig' und "listig", 2. Kor. 4:2 NW, die Christenheit gewaltsam vernichten zu wollen. Die Bündnispolitik der Kommunistischen Weltbewegung mit den Christen, wie sie u. a. auf der Moskauer Weltkonferenz 1969 dokumentiert wurde, wird von der WTG überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Stattdessen sät sie auf ihre ignorante Art weiter Haß und Feindschaft unter den Christen gegenüber Sozialisten und Kommunisten.

Im WT vom 15. 2. 73, S. 103 wird diese antikommunistische Hetze fortgesetzt, die Kommunisten würden "sich gern daran beteiligen" die Christen "auszumerzen". Auf Wahrheit gegenüber Kommunisten ist es der WTG nie sonderlich angekommen. Kommunisten gleichen in ihren Augen "Wahnsinnigen" und "wilden Tieren" (WT 1. Juni 1952). Diese antikommunistische Hetze ist bisher nicht widerrufen worden.

Im WT vom 15. 3. 73, S. 165 wird die prokapitalistische Propaganda fortgesetzt, der "internationale Kommunismus" sei der "größte Feind" von Freiheit und Demokratie.

Im WT vom 15. 6. 73, S. 358 beklagt die WTG, daß viele Menschen dem "materialistischen Radikalismus und atheistischen Kommunismus zum Opfer gefallen" seien. Nicht nur operiert die WTG hier mit typischen imperialistischen Schlagworten, sie präsentiert sich damit selbst als "zuverlässiges antikommunistisches Bollwerk" wie Br. Amann vom WTG-Zweigbüro in Wiesbaden einmal formulierte.

In Erwachet vom 8. Sept. 73 startete die WTG dann eine der bisher schärfsten antikommunistischen und antisowjetischen Verleumdungskampagnen unter dem demagogischen Thema "Wie erfolgreich ist die Sowjetunion in ihrem Kampf gegen die Religion?" Der Leiter des Ostbüros der WTG in Wiesbaden, W. Pohl, besaß die Unverschämtheit, intern zu fordern, diese Kampagne würde "die Feinde" im Osten "auf die Barrikaden" treiben, niemand aber solle sich dadurch "in eine neutrale Ecke drängen" lassen, jeder solle sich zu den Ausführungen der WTG bekennen und sie vortragen, auch wenn er keine Beweise dazu habe, die WTG wisse schon, warum sie das jetzt tut. In CV 54 und 56 1973/74 wurde bereits dazu Stellung genommen. Diese Verleumdungskampagne gipfelte u. a. in der ungeheuerlichen Behauptung, Christus wäre lieber gestorben, als - wie Patriarch Tichon - eine Erklärung zu unterschreiben, "in der er versprach, nichts zu unternehmen, was den Interessen des Staates schaden könnte" (S. 7,8). Ein WTG-Freibrief zur Schädigung der Interessen speziell des sozialistischen Staates!

Im WT vom 15. Okt. 73 wurde der Hauptvortrag der Kongresse 1973, "Göttlicher Sieg . . ." verbreitet. Zu den antikommunistischen WTG-Schlagworten darin wie "atheistischer kommunistischen Nationenblock" u. a. jetzt soviel: Auch dies sind politische Entstellungen und Irreführungen. Denn die sozialistischen Länder sind bei weitem keine "atheistischen Nationen". Das wäre eine öffentliche Falschdarstellung Es gibt in den sozialistischen Ländern verschiedene christliche, jüdische, mohammedanische und andere religiöse Bevölkerungsgruppen, ja Staatsgebiete, wie das Autonome Jüdische Gebiet Birobidschan in der Sowjetunion. Lenin sprach sogar von den "mohammedanischen kommunistischen Organisationen" der Völker des Ostens (Werke Bd. 30, S. 136). Die Wirklichkeit findet bei der WTG die geringste Beachtung, wenn es ihr um Antikommunismus und Antisowjetismus geht. Mit ihrer Verleumdung ganzer Völkergruppen verbreitet sie daher Glaubens- und Völkerhaß. Dazu wird die Kriegsspekulation fortgesetzt, es käme zu einer "militärischen Konfrontation der religiösen Christenheit und des antireligiösen Kommunismus", der natürlich "verwerflich sei". (S. 623, 624) So tut die WTG immer und immer wieder alles, um in ihrem Einflußbereich unter den Christen und öffentlich die Bündnispolitik der kommunistischen Parteien und sozialistischen Regierungen mit den Gläubigen zu bekämpfen und antikommunistische Feindschaft zu stiften. Ihre Bibelbegründungen sind reine Willkür. Es handelt sich hier speziell um Offenbarung 17:16. Eine Überprüfung ergibt nämlich, daß die jetzige Auslegung schon die vierte ist, wie die früheren WTG-Bücher Schriftst. VII/1917, Licht II/1930 und Die Wahrheit wird …/1943 beweisen. 5. Mose 18:20-22.

Wir können also feststellen, daß die WTG auch 1973 ihre Politik des Antikommunismus und Antisowjetismus fortgesetzt hat, bis hin zu solchen Ungeheuerlichkeiten, Christus dazu zu mißbrauchen, die Schädigung des sozialistischen Staates zu decken. Für die Zeugen Jehovas bedeutet das, daß die WTG sie weiter im Untergrund halten und als antikommunistischen Störfaktor unter den Christen gebrauchen will. Was tun?

Die antikommunistische und antisowjetische Staatsfeindschaft der WTG endlich durchbrechen und überwinden
1975 besteht das Verbot der WTG-Tätigkeit 25 Jahre. Wie höhnte Bezirksdiener-Ost, Fritz Adler, damals vor dem Obersten Gericht? "Meine Herren, Sie meinen wohl ein Jahr!" Die WTG hatte damals auf die "Befreiung der Ostzone" durch die Amerikaner gesetzt.

Für jetzt muß ins Gedächtnis gerufen werden, daß die Orientierung auf eine spezielle Beseitigung der DDR für die WTG-Politik immer noch eine Rolle spielt. Erklärte die WTG doch noch wie vor verbindlich und bisher unwiderrufen: "Die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus hat sich nicht geändert" (Babylon-Buch. S. 537/1965, und: "Die Zeugen Jehovas in Ostdeutschland müssen das Ende der neuen totalitären Regierung abwarten, das Ende der kommunistischen Regierung, die von dem zur Zeit von Breshnew beherrschten Sowjetrußland abhängig ist" (WT 15. 2. 1965, S 110, Abs. 10). Natürlich ist das nicht die reale Haltung der "Zeugen Jehovas in Ostdeutschland", die die WTG eher wie einen Kindergarten zu bevormunden sucht. Darum muß die Sachlage geklärt und das Problem schriftgemäß gelöst werden, was schließlich auch im Hinblick auf 1975 unausweichlich ist.

Die schriftgemäße Grundlage ist 2. Kor. 4:1.2. Es heißt dort: "Aus diesem Grunde lassen wir nicht nach, da wir diesen Dienst entsprechend der uns erwiesenen Barmherzigkeit haben, sondern wir haben uns von den hinterhältigen Dingen losgesagt, deren man sich zu schämen hat, indem wir nicht mit List wandeln noch das Wort Gottes verfälschen, sondern uns selbst durch das Kundmachen der Wahrheit jedem menschlichen Gewissen vor Gott empfehlen". NW. Damit ist die noch den Gesetzen des alten Bundes, denen Christus selbst ein Ende gemacht hat (Römer 10:4), praktizierte "theokratische Kriegslist" der WTG gegen die "Obrigkeit von Gott" und alle entsprechende Untergrundtätigkeit schriftwidrig. Das ganze Werk muß in Lehre und Organisation so umgestaltet und verändert werden, daß es der Forderung in 2. Kor. 4:1,2 entspricht. Anders kann es zu keiner Lösung der Probleme kommen. Alles andere kann nur ein Weiterstolpern sein, das nicht den geringsten Schutz und Segen Gottes hat, wie dann immer wieder vor einem Gericht offenbar wird. Der Kern der Probleme ist der Antikommunismus, Antisozialismus und Antisowjetismus der WTG und die entsprechende Staats- bzw. "Obrigkeits"-Feindschaft in der Verkündigung, eine Verletzung der sozialistischen Verfassung der DDR, über die sich keiner hinwegsetzen kann und darf. 1. Petr. 2:13,14.

Es heißt im Artikel 39 Absatz 2 entsprechend: "Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften ordnen ihre Angelegenheiten und üben ihre Tätigkeit aus in Übereinstimmung mit der Verfassung und den gesetzlichen Bestimmungen der Deutschen Demokratischen Republik. Näheres kann durch Vereinbarung geregelt werden".

Wie wir zuvor gesehen haben, versucht die WTG die Gemeinschaft der Zeugen, ihre Versammlungen, nicht nur nicht in Übereinstimmung mit den Gesetzen zu bringen, sondern sie offen auf Gegnerschaft, Feindschaft und Warten auf die Vernichtung der DDR zu orientieren und in dieser Orientierung zu halten, d. h. gegen und außerhalb von Gesetz und Verfassungsordnung. Es gibt jedoch keine Regelung, wenn die Zeugen Jehovas selbst nicht zuvor "ihre Angelegenheiten ordnen" und mit Gesetz und Verfassung in grundsätzliche Übereinstimmung bringen. Das ist allein ihre Angelegenheit, die Angelegenheit der Aufseher und Ältesten hier, als Bürger der DDR, niemand anders kann da für Vereinbarung oder Regelung zuständig sein.

Folgende Schriftstellen müssen dazu in erster Linie studiert werden:
2. Kor. 4:1,2 - 1. Petr, 2:13 - Markus 12:17 - Römer 13:1-7 - Apg. 22:25-29 - Apg. 23:27 - Lukas 10:25-27 - 1. Tim. 3:7 - Titus 3:1,2 und Galater 1:6-9.

"Christliche Verantwortung" ist u. a. auch deswegen gegründet, eine Plattform oder ein Forum zu bilden, die schriftgemäßen Lösungen für die Zeugen hier herbeiführen zu helfen. In CV wird deshalb jede nötige Auseinandersetzung geführt, um die "Angelegenheiten" der Zeugen hier zu "ordnen". CV sollte deshalb allen Aufsehern und Ältesten weitergereicht werden, die es noch nicht lesen, unabhängig von anderen Kritiken in CV, die man nicht akzeptieren möchte. Wenn sie die schriftwidrige Politik der WTG über Bord geworfen haben, wobei die WTG selbstkritisch entgegenkommen sollte, können sie den nächsten Schritt tun. Vergeßt dabei "1975" nicht. -
W.W.

"… Und als ich an die Grenze kam"
Es ist durchaus etwas Angenehmes, wenn man kurz vor einer Reise zu lieben Geschwistern steht. Wenn man weiß, "morgen um diese Zeit bist du schon dort." Unsere Schwester L. hatte die Fahrkarte noch Mainz bereits in der Tasche. Sie überlegte, ob auch nichts vergessen wurde.

Der gepackte Koffer wurde zum vierten Mal wieder geöffnet Schwester L. kontrollierte erneut den Inhalt. Die Zeit wollte nicht vergehen. Sie schaute auf die Uhr, erst 17.30 Uhr. Sie wollte an diesem Abend zeitig zu Bett, obwohl sie wußte, daß der Schlaf in dieser Nacht von der Vorfreude verdrängt werden wird. Am nächsten Tag um 9.10 Uhr würde sie den Zug besteigen, der sie zum Ziel bringt. Als Schwester L. diesen Gedanken nachging, klingelte es an der Tür. Sie öffnete. Vor ihr stand der vorsitzführende Aufseher ihrer Versammlung. Schwester L. war erfreut darüber, daß sich Bruder P. noch einmal sehen ließ. Bruder P. sprach nun darüber, daß in dem Land, in welches sie reisen wird, das Werk offen und frei verkündet werden darf. Mit schwülstigen Wachtturmworten redete er nun auf Schwester L. ein. Sie wußte, wenn er "von dieser Seite" kam, dann wollte er mehr. Noch einiger Zeit der wohl als auferbauend gedachten Worte kam nun Bruder P. zum Sinn und Zweck seines Besuches. Er wurde plötzlich offiziell, öffnete mit wichtigtuerischer Miene seine Aktentasche und entnahm ihr ein kleines Päckchen. Dieses wickelte er vorsichtig aus dem Packpapier. Nun lag vor Schwester L. eine Schachtel mit zwei Seifestücken und einer kleinen Flasche Parfüm. Auf dem Deckel der Packung stand "Florena Luxusseife". Die Seifestücken lagen rechts und links' in der Schachtel und in der Mitte war die kleine Flasche Parfüm. "Dieses Päckchen nimmst Du morgen mit nach Mainz, es ist völlig harmlos. Du brauchst Dir keine Sorgen um Deine Sicherheit zu machen. Wenn an der Grenze trotzdem gefragt werden sollte, dann kannst Du ja sagen, Du hast ein kleines Geschenk für Deine Verwandten. Wir packen jetzt alles wieder ein und Du läßt dann alles so wie es ist." Schwester L. war überrascht und erschüttert zugleich. Was sollte das nur bedeuten? "Sag mal, hier stimmt doch irgendwie etwas nicht?"

"Was sollte nicht stimmen. Du nimmst diese Päckchen wie Dein Eigentum mit nach drüben. In Mainz kommt ein Bruder auf Dich zu, dem übergibst Du dieses Päckchen und die Sache ist für Dich erledigt." "Und was ist denn nun daran so wichtig?" fragte Schwester L. "Weißt Du, das kann ich Dir auch nicht sagen, ich weiß es auch nicht, ich habe dieses Päckchen bekommen, um es Dir zur Weiterleitung zu übergeben. Mein Anteil ist getan." Weiter sagte er: "Meine Liebe, überleg doch einmal, was soll denn schon passieren. Der Zoll wird doch nicht jedes Stück Seife, jede Verpackung oder jede Flasche Parfüm untersuchen." "Mir geht es weniger um die Angst vor dem Zoll als vielmehr um mein Gewissen. denn ich verstoße gegen Gottes Gesetz. Ich will vortrefflich sein in meinem Wandel, Jehova dienen mit allen meinen Kräften und nur Gutes tun. Was tue ich, wenn ich das Paket befördere? Ich setze mich gegen Gottes Willen über irdische Gesetze hinweg. Denn die irdischen Gesetze, die ich morgen verletzen würde, waren nicht gegen Gottes Ordnung gerichtet."

Die Unterhaltung zwischen P. und Schwester L. wagte auf und ab. Bruder P. stellte abschließend die entscheidende Frage: "Nimmst Du nun für die Organisation Gefahren in Kauf oder kuschelst Du vor irdischen Herrschern, die ja sowieso in wenigen Monaten zerschmettert werden?"

Schwester L. gab noch. P. legte seine Hand auf ihre Schulter und sagte lächelnd: "Jehova überwaltet doch alles, auch den Ablauf dieser Dinge, vertraue ihm und es wird alles gut. Du dienst doch Jehova." P. reichte ihr zum Abschied die Hand und ging. Schwester L. nahm sofort das Paket zur Hand und öffnete es.

Sie holte sich ein frisches Wischtuch, legte es auf den Tisch und bereitete darauf den Inhalt der Schachtel aus. Sie beschaute die Seife, das Parfüm und die Verpackung. Nichts! Das muß ein Könner verpackt haben, wer mag das gewesen sein? "Ich nehme doch nicht einfach zwei Stück Seife und ein Fläschchen Parfüm mit, wo die drüben doch 'Nivea', 'Palmoliv' und '8x4' haben." Nein, irgend etwas stimmt nicht. Sie nahm die Seife nochmals zur Hand und konnte nichts finden. Sie tastete mit ihren Fingern über den Stoff, mit welchem die Schachtel ausgelegt war - nichts! Mit jenem unbeschreiblichen Gefühl, benutzt und belogen zu werden, legte sie alles zurück. Ihre Gedanken retteten sich zu Gott. Er wird sie erhören, er wird sie, die sich stets an ihn gewendet hat, erhören. Sie wird ihn um Beistand und Hilfe bitten. "Wieviele", ging es ihr durch den Kopf, "werden in meiner Situation ebenso gedacht haben wie ich. Wieviele wurden trotzdem einer ernsten Prüfung unterzogen. Vielleicht war es gar keine Prüfung, sondern eine Sache, die ich nicht verstehe." Mit diesen Gedanken verbrachte sie die Nacht, sie fand keine Ruhe. Quälende Gedanken wechselten mit Scheinversuchen des Aufrichtens. Sie wußte, daß sie an der Grenze allein sein wird.

Es wird eine Frage des Glückes. Das Glück ist ein gern gesehener Begleiter, aber sehr launisch.
W. D.

SCHLUSS MIT DEM POLITISCHEN UNSINN IN DER VERKÜNDIGUNG
Bezirksaufseher-Beratung
Was würdest du von jemandem halten, der dir einen ungangbaren Weg weist? Würdest du jemanden einen Weg weisen, den er gar nicht gehen kann? Würdest du gar die Öffentlichkeit auffordern zu etwas, was man gar nicht machen kann, was gar nicht geht? Ein WT wird hierauf zum Schluß selbst die Antwort geben.

Die WTG hat per Datum vom 1. 12. 73 angewiesen, das neue Buch "Gottes Tausendjähriges Königreich" zu verwenden Die Bezirksaufseher (BA) haben die Aufgabe, das zu sichern. Es ist deshalb erforderlich, ihnen klar zu machen, was für eine grobe politische Irreführung der Versammlungen und anderer Menschen, ja, der angesprochenen Öffentlichkeit, sie damit organisieren und zu verantworten haben.

Mehr als ein Dutzendmal wird in dem Buch wieder die schon bekannte Forderung an alle politisch Verantwortungsbewußten im Lande verbreitet, abzutreten, diesmal nach folgendem Muster: "Die Politiker aller Länder meinen immer noch, sie seien für das 'Königreich der Menschheit' zuständig, und es sei ihr eigentlicher Tätigkeitsbereich" (Seite 10 dt.). Das stimme nicht, niemand dürfe sich weiter an Politik beteiligen oder politische Verantwortung übernehmen, alle politische Befugnis, Macht und Gewalt sei an Christus im Himmel unverzüglich abzutreten, seit 1914 schon.

Ist es klar, was es bedeutet, mit solcher politischen Verkündigung unter den Menschen herumzulaufen? Nein, das ist selbst den Bezirksaufsehern nicht klar. Oder doch? Dann würde das Schlußwort dieser Bezirksaufseher-Beratung aus dem WT eine erschreckende Anwendung finden!

Die Wahrheit ist immer konkret, sie braucht jedoch nicht indiskret sein. Das Niederreißen soll gleichzeitig auch ein Aufbauen sein, denn es gibt kein ideologisches Vakuum. Stellen wir uns deshalb einen Bezirksaufseher vor. Nehmen wir einen erfundenen Name, vielleicht Br. Homa. Soll er in Berlin wohnen, in einem Häuschen mit Garten in einem Außenbezirk. Soll er vielleicht verheiratet sein und auch zwei Mädchen haben. Er könnte Dreher von Beruf sein, also der Arbeiterklasse angehören. Er könnte für einen großen Bereich des Nordens unseres Landes untergrundzustündig sein. Natürlich verfolgt er genau CV. Was geht in seinem Kopfe vor? Auch in ihm will es aufbrechen. Wird ihm seine Frau dabei helfen? Sie haben oft einen bedeutenden Einfluß.

Kommen wir nun zur Sache. Stimmt unser Bezirksaufseher der zuvor genannten politischen Forderung in dem Buche, dessen Verbreitung er verantworten soll, zu? Macht er sich überhaupt Gedanken über die Politik, die er damit auf sich nimmt? Hoffentlich kann er in dieser Beratung folgen.

Was ist der politische Tätigkeitsbereich, indem die Politiker dem neuen WTG-Buch noch nichts zu suchen haben? Dieser Bereich umfaßt z. B. Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsplanung, Forschung, Jugendpolitik, Handelspolitik, Wissenschaftspolitik. Ordnung, Sicherheit und Rechtspflege, Volksbildung, Gesundheitspolitik, Umweltschutz, Sicherheit des Arbeitsplatzes, Wohnungsbaupolitik, Altersfürsorge, Finanzpolitik u. a. m.

Du hättest keinen gesicherten Arbeitsplatz, deine Kinder könnten nicht in die Schule oder in die Lehre gehen, deine Frau könnte nichts einkaufen, Millionen Menschen lebten noch in den Berliner Trümmern von 1945 usw. usw. usw., wenn es die Regierung oder die politisch Verantwortlichen unterlassen würden oder unterlassen hätten, jene politischen Tätigkeitsbereiche zu übernehmen, die die WTG mit ihrem neuen Buch den "Politikern" wieder und wieder streitig macht, bei Strafe ihres Untergangs in Harmagedon! Aber es ist biblisch und christlich vollkommen richtig und in völliger Ordnung, wenn die Politiker dies alles als ihren rechtmäßigen Tätigkeitsbereich betrachten! Wenn sie das nicht an Christus im Himmel abtreten! Gilt etwa Römer 13:1-7 nicht mehr seit 1914? Wohin ist die WTG geraten mit ihrer Verkündigung in diesem Buche wieder? Die "Obrigkeit", also unsere Politiker, sind völlig rechtmäßig "von Gott" in Amt und Tätigkeitsbereich! Was setzt denn die WTG da wieder in die Welt!

Kannst du das nicht begreifen? Hast du schon einmal über die sozialen Bedürfnisse der Menschen nachgedacht?
Oder gehört ihr beide auch zu jenen, die über nichts selbständig nachdenken, die folgen, wohin die WTG auch führen mag. die gar an 1975 glauben und begonnen haben, Lebensmittel zu horten, damit sie überleben können! Wir wollen das nicht annehmen, denn die das machen, sind die ersten, die die WTG noch 1975 verfluchen werden, vor ihren gehorteten Lebensmitteln sitzend.

Lieber Br. Homo, es ist dringend erforderlich, daß du mit deiner lieben Frau beginnst, bei euch selbst angefangen, die sozialen Zusammenhänge des Lebens zu durchdenken, sie in Beziehung zu setzen zu den diesbezüglichen Verkündigungen der WTG, die du verantworten sollst. Daraus mußt du dann die Schlußfolgerungen ziehen. 1975 wird auch dich ohnehin dazu zwingen, wenn du jetzt nicht weiter denkst. Die sozialen Zusammenhänge und Gelegenheiten des Lebens durchdenken, bei der eigenen Familie, den eigenen Kindern, bei eurer eigenen Liebe und Ehe angefangen, ist die einzige zuverlässige Grundlage und Ausgangsbasis für eine künftig richtige Lebens- und Glaubensauffassung Gott selbst hat mit der Schöpfung die sozialen Bedürfnisse aller Menschen begründet. 1. Mose 1:28, Hohelied 8:6. Und ihnen geboten sie wahrzunehmen, durch die Jahrtausende hindurch, von Generation zu Generation, sie tragen so den "Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes", bis heute. Römer 13:1-7.

Und der WT sagt weiter: "Wo solche sozialen Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen" (WT 15. Sept. 1956, Abs. 15, CV 56/1974). Die Verkündigung in dem neuen Buch an die Adresse der Politiker mißachtet das alles und weist deshalb völlig ungangbare Wege! Eine solche Verkündigung muß scheitern! Siehe 1975! Der oben zitierte WT richtet dich selbst, wenn du in deinem Verantwortungsbereich nicht Schluß machst mit diesem neuerlichen politischen Unsinn der WTG. Schon ein nachdenklicher Blick auf eure Kinder könnte euch das lehren. -
F. F.

DIE GETRENNTEN BRÜDER UND SCHWESTERN
Böse Knechte
Tagesversammlung in Karl-Marx-Stadt
Am 18. August 1973 fand in Karl-Marx-Stadt unter dem Leitwort "Laß fröhlich sein und sich freuen in dir alle, die dich suchen, die deine Rettung lieben, laß stets sagen: Erhaben sei Jehova" (Psalm 40:16) eine Tagesversammlung statt. Es sind Versammlungen mit ihren Ältesten, die die Abwege, in welche die WTG seit Jahren Jehovas Zeugen führt, nicht mitgegangen sind. Sie sind hier in der Vereinigung freistehender Christen verbunden. In der Versammlungsstätte in der Schloßstraße fanden sich etwa 100 Brüder und Schwester aus vielen Versammlungen der DDR zusammen. Die Gastgeber waren, wenn man so sagen kann, die Versammlungen am Ort und in Burkhardtsdorf mit ihren Altesten Herbert M. und Max M. Wir möchten ein wenig die allgemeinen Eindrücke der Versammlung wiedergeben, um den Versammlungen der Zeugen zu zeigen, wie die Geschwister, die ihnen von der WTG immer und immer wieder als "böse Knechte" verteufelt werden, in Wirklichkeit in der Nachfolge Jesu weiter wirken.

Die Versammlung begann mit Lied und Gebet. Es wurde u. a. das WTG-Zions-Liederbuch (1923) benutzt. Es gab dann ein allgemeines freimütiges Grüßen. Es erhob sich spontan vom Platz, wer einen Gruß nichtanwesender Versammlungen oder Brüder und Schwestern ausrichten wollte. Manchmal ist so etwas der letzte Gruß, wie von dem Ältesten Br. Karl Labuszewski, Berlin, zugleich CV-Berater, der im 91. Lebensjahr stehend, nicht mehr kommen konnte und kurz danach starb.

Bemerkenswert war das Auftreten der Ältesten, die am Wort dienten. Es gab keine Sonderstellung für sie. Sie hatten ihren Platz mitten unter den Versammelten, unter die sie auch zurückkehrten, wenn sie ihren Dienst getan hatten. Die Versammlung diente der Auferbauung, im Glauben, in der Liebe und in der schriftgemäßen einzigen Hoffnung festzubleiben, die Probleme des Lebens im Glauben zu meistern bzw. im Hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens zu durchstehen, und als Christen den Nächsten in Wort und Tat zu dienen. Die Ältesten Kurt T., Rolf H., Paul N., Hans S., Joachim B. und Martin D. redeten wirklich in voller schriftgemäßer Mündigkeit und Freimütigkeit, unmittelbar auf die Schrift gestützt, ohne eine WT-ähnliche Reglementierung. Das wäre für die Versammlungen der Zeugen eine überraschende Erfahrung. Für einen den älteren Zeugen noch vertrauten christlichen Geist auf der Versammlung in Karl-Marx-Stadt sprach es schließlich, als zum Abschied das wunderbare Lied "Gott mit dir, bis wir uns wiedersehen" gesungen wurde, mit den Taschentüchern winkend. Es erinnert an die gemeinsamen WTG-Kongresse der zwanziger Jahre in Magdeburg etwa. Einst sangen auch die Versammlungen der Zeugen dieses Lied (Lieder zum Preise Jehovas, Nr. 67, WTG Magdeburg 1928). Danach wurde es jedoch von der WTG auf ihren Abwegen aus den Liederbüchern der Zeugen entfernt. Waren die Brüder und Schwestern in Karl-Marx-Stadt "böse Knechte" Nein, so singen und verabschieden sich keine "bösen Knechte". Wie könnt ihr nur so etwas glauben, liebe Zeugen Auch ihr könntet wieder so beisammensein!

Eine andere Versammlung in Leipzig
Sonntäglich kommen u. a. auch in Leipzig Brüder und Schwestern zusammen, die eine schriftgemäß mündige Haltung gegenüber der WTG eingenommen haben. Auch sie sind keine "bösen Knechte". Allenfalls mögen sie berechtigterweise böse sein über die Intoleranz und Rechthaberei der WTG, deren Haltlosigkeit jetzt mit 1975 wieder offenbar wird. Ihre Ältesten sind z. T. frühere Bethelmitarbeiter. Einige Auszüge aus einem Vortrag von Br. H. Bolze, einem Ältesten, über "Das Gericht Gottes" mag den Geist veranschaulichen, der sie beseelt:

"Wieviel davon abhängt, daß wir dem Worte den rechten Wert beimessen, können wir aus dem Hebräerbrief entnehmen, worin es im Kapitel 4 Vers 12 heißt: 'Denn lebendig (voller Leben) ist das Wort Gottes und wirkungskräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es dringt hindurch, bis es Seele und Geist, Gelenke und Mark scheidet, und es ist ein Richter über die Regungen und Gedanken des Herzens'. Nun, die beste Form, sich mit dem Worte auseinanderzusetzen, ist, daß man selbst noch dem Worte (der Bibel) greift und darin liest. Heute ist das jedem möglich, weil wir über die Zeit des Analphabetentums hinaus sind und die Bibel nicht verboten und überall zu erwerben ist."

Sind Brüder, die solche Orientierung geben, "böse Knechte", liebe Zeugen? Natürlich gibt es dazu Fragen und Probleme Aber die können durchaus geklärt werden.

Bemerkenswert war der Hinweis eines anderen Ältesten dieser Versammlung, Br. Martin P., wie sich andere Versammlungen in der BRD etwa u. a. mit Fragen der Oekumene befassen. Das mag den Ältesten der Zeugen schwer verständlich sein angesichts der Intoleranz der WTG-Erziehung Aber die Rechthaberei der WTG dürfte, wie gesagt, mit 1975 offenbar sein. Da sollte man sich durchaus im Sinne von Markus 9:36-40 um zumindest ein Verstehen aller bemühen, die Christus ernstlich nachfolgen.

Und eine Versammlung in Dresden
Sie gehört zum Bund freier Christengemeinden. Einer ihrer bekannten Ältesten war Br. Alfred Diener, Dresden, der am 18. Mai 1973 gestorben ist. Auch auf diese Weise haben sich viele Brüder und Schwestern verbunden, die die Abwege der WTG aus christlichen Gewissengründen nicht mitgehen konnten, wenn sie nicht vor Gott und Menschen schuldig werden wollten. Sie sind wie andere keineswegs voller Selbstgerechtigkeit, "allein in der Wahrheit" sein zu wollen. Ihre Versammlungen sind auch insofern bemerkenswert, indem sie unter Anleitung ihrer Ältesten zusammenkommen zu gemeinsamen Bibelbetrachtungen, in denen sich alle Teilnehmer gemeinsam und direkt das Verständnis der Bibel erarbeiten, jeder mit seiner eigenen Bibel beteiligt, wie einer der Ältesten, Br. Peter F.. Meißen, berichtet. Wenn man als Ausgang die Worte des Apostels nimmt, "suche dir den Sinn meiner Worte klar zu machen, der Herr wird dir schon" Verständnis für alles geben" (2. Tim. 2:7 Me.) und dazu die Worte Jesu, "wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Matth. 18:20), so kann dies sehr segensreich sein.

Sind Brüder und Schwestern, die sich so um das Wort der Bibel scharen, um es zu verstehen, "böse Knechte", liebe Zeugen? Lehrt der WTG-Zusammenbruch mit 1975 nicht endlich, nach Jesu eigenen Worten in Markus 9:36-40 tolerant zu werden?

Einige Fragen und Probleme
Was sind die genannten WTG-Abwege in diesem Zusammenhang Die diese Brüder und Schwestern nicht mitgegangen sind? Die hauptsächlichsten, die die Trennung herbeiführten, sind die damalige Vernichtung des Ältestenamtes durch die WIG, die Unterordnung des Überrestes unter die WTG-Direktoren und Präsidenten, das Jonadab-Klasse-Denken, die Obrigkeitsverwerfung und ihre Konsequenzen bezüglich Verhältnis zu Staat und Regierung, falsche Harmagedon-Festlegungen, Entmündigung der Versammlungen, Quoten und Tabellentreiberei und die Verhöhnung christlicher Charakterentwicklung und einiges andere mehr.

Wenn man die WTG genauer verfolgt, so ist sie zwar dabei, einiges wieder fallen zu lassen und zu verändern und insofern' "zu Bruder Russell" zurückzukehren. Mindestens formell tat sich schon einiges, z. B. betreffs Obrigkeit, auch die WTG soll wieder untergeordnet sein, es gibt keine Quoten mehr, Älteste wurden wieder zugelassen und neuerdings ist die himmlische Hoffnung auch wieder eröffnet! Allerdings geschieht das noch in völliger Unbußfertigkeit und Reuelosigkeit gegenüber denen, die wegen jener Abwege einst zu "bösen Knechten" erklärt wurden, weil sie die WTG davor bewahren wollten und sich widersetzten. Aber die WTG hatte zwar nicht biblisch recht, aber sie hatte die größere Macht. Das mußte bitter verfeinden und trennen, bis heute. Wird die WTG wenigstens durch 1975 versöhnungsbereit werden?

Ob es aber zutreffend ist, daß Jehova es war, der der WTG jene "kräftigen Irrtümer" ihrer Abwege sandte, damit Jehovas Zeugen "der Lüge glauben", und es jetzt bedeuten würde, "gegen das Werk Gottes zu arbeiten", wenn versucht wird, diese Abwege zu überwinden und Toleranz und Versöhnung zu stiften, das muß doch sehr in Frage gestellt werden. Ging nicht auch Petrus seinerzeit fehl? Gal. 2-11-13.

Die Zeit scheint mit dem Zusammenbruch der 1975-Lehre der WTG gekommen zu sein, die Dinge in die Richtung des Wachstums einer schriftgemäßen Annäherung und Versöhnung zu lenken. Nicht, indem wir sagen, "kornmt zu uns zurück" oder "kommt zu uns zurück". Es gibt offenbar überhaupt kein solches Zurück, sondern nur ein Vorwärtsgehen in jener Toleranz zunächst, die Christus selbst in Markus 9:36-40 gelehrt hat, was seine Nachfolger betrifft. Wer das noch nicht so sehen kann, könnte von dem Schriftwort ausgehen: "Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abgeirrt ist, und ein anderer ihn wieder zurückbringt, so soll er wissen: Wer einen Sünder von seinem Irrwege zurückführt, der wird dessen Seele vom Tode erretten und eine Menge Sünden zudecken". (Jak. 5:19, 20).

Die Ältesten der Zeugen sollten ihrerseits Pioniere der Neuorientierung sein, 1975 vor Augen. Das wäre wirklich zeitgemäßer Pionierdienst. Schließlich sind auch alle äußeren Formen der Verbundenheit zweitrangig. Da zudem niemand im Besitz aller Erkenntnis ist, ist der Weg noch vorn aufeinander zu frei und offen.
P.

BLUTÜBERTRAGUNG
Eine Reiseunterhaltung
. . .Wenn sie aber einmal den Irrtum einsehen müßten und widerrufen, daß die Blutübertragung ein biblisches Verbot sei, sondern die WTG nur etwas hineinlegt, was sie sich zurechtgedacht hat, dann hätte sie damit viele auf dem Gewissen. Denn viele Brüder und Schwestern könnten heute noch leben und auch manches Kind und sie mußten alle sterben, weil die WTG eine Blutübertragung nicht billigte.

Ich erzählte dem Mann, daß ich kürzlich im Fernsehen einen Film gesehen habe, der eine Gerichtsverhandlung darüber zeigte. Ein 8-jähriges Kind sollte operiert werden. Dazu machte sich eine Blutübertragung notwendig. Der Vater gab aus seiner "Glaubenserkenntnis" heraus keine Einwilligung. Der Arzt strebte dann gegen den Vater eine Gerichtsverhandlung an, um die Öffentlichkeit (in der BRD) auf diesen Fall aufmerksam zu machen.

Während der Verhandlung fragte der Richter den Vater, ob sein Kind gerne bei seinen Eltern gewesen sei, ob es gerne gespielt habe, auch mit anderen Kindern fröhlich gewesen sei, ob es sich an Blumen und Vögeln erfreut habe. Der Vater mußte alle diese Fragen bejahen, und er wußte nicht, was diese Fragerei mit der Blutübertragung zu tun haben sollte. Da sagte der Richter zu ihm: "Und sie haben ihrem eigenen Kind dieses fröhliche Leben genommen, wo es noch viele Jahre fröhlich bei seinen Eltern, Geschwistern und Freunden hätte leben können".

Das Gericht zog sich daraufhin zum Urteilsspruch zurück, der dann lautete: "Nicht schuldig". Darauf brach der Vater zusammen und sagte. "Und ich bin doch schuldig, ich habe das Leben meines Kindes zerstört".

Mein Gegenüber sagte, man wüßte doch nicht, ob es krankes Blut sei, was man da bekommt, es könnte doch völlig verkrebst sein und was nicht alles in eines Menschen Blut enthalten sei. Ich wies darauf hin, daß die ärztliche Wissenschaft doch heute sehr weit sei, und durch Untersuchungen und Analysen ließe sich leicht feststellen, ob es gesundes oder krankes Blut sei, und daß darin Ärzte sehr genau sind. Lebt denn der Mann auf dem Mond?

Wir sind alle aus einem Blute gemacht. Wir können sogar das Blut eines Negers in uns aufnehmen und umgekehrt auch. Hier handeln die ZJ unverantwortlich. Blut ist ein Heilmittel wie jede andere Medizin auch. Dann müßten die ZJ jede andere Medizin auch ausschlagen. Ein leitender Bruder unserer Versammlung hat einmal gesagt, "der Mensch hat nicht das Recht, sein Leben mit dem Blut eines anderen zu verlängern". Wo aber steht denn das in der Bibel geschrieben? Dann hat er auch kein Recht, sein Leben mit irgendeiner anderen Arzenei und mit Spritzen zu verlängern oder sich auskurieren zu lassen!

Ich erzählte meinem Gegenüber, daß ich 1957 selbst vor dem Problem gestanden habe, als ich mich einer Lungenoperation unterziehen mußte. Ich sagte dem Arzt damals, daß ich einer Glaubensgemeinschaft angehöre, die nach biblischer Überzeugung eine Bluttransfusion ablehne, und daß ich auch keine Übertragung haben wolle.

Der Arzt sagte zu mir, er würde meinen Glauben respektieren, er wolle es auch dem Chefarzt sagen, und wenn eine Blutübertragung zu vermeiden sei, würden sie es ganz bestimmt tun. Sollte sich dies aber während der Operation als notwendig erweisen, dann könnten sie mich nicht aus der Narkose wecken und mich danach fragen. Ich brauchte mich auch nicht operieren zu lassen. Dann müßte ich aber auf 3 bis 4 Jahre in ein Kurheim, denn der alte Befund sei wieder aufgebrochen und er würde sich nicht mehr schließen So bliebe ich ständig Bazillenträger und könnte dadurch auch nicht nach Hause. Als ich das hörte, gab es für mich nur eine Wahl, nämlich die Operation. Dies schrieb ich auch einer Glaubensschwester und bot sie darum, sie möge doch mal die leitenden Brüder fragen, ob ihre Frauen, die auch ZJ sind, bereit seien, auf 4 Jahre meine Familie zu unterstützen, Wäsche waschen, die Wohnung säubern, Wäsche ausbessern usw. Da bekam ich zur Antwort: "Das muß jeder selber wissen und sich entscheiden".

Sobald es gilt, Pflichten zu übernehmen, wollen sie nichts davon wissen und drücken sich, aber hinterher wird derjenige verurteilt, der sich aus Vernunftsgründen ihren Lehren nicht unterworfen hat. Dazu schwieg auch mein Gegenüber.

Ich sagte ihm aber noch, wenn 1975 sich nichts täte, worauf die ZJ fest ihre Hoffnung setzten, dann müßte die WTG mit einem großen Abfall aus ihrem Reich rechnen. 1954 habe der große Rechtsanwalt der ZJ in New York (es handelte sich um Br. Hayden C. Covington, Brooklyn) am letzten Abend ehe alles auseinanderging gesagt: "In zwei Jahren werden wir wahrscheinlich den nächsten Kongreß auf der Neuen Erde feiern". Da sagte mir mein Gegenüber, er habe aber gesagt, "So Gott will". Ich kann mich dessen nicht mehr erinnern. Es ist sehr gut möglich. Selbst wenn er diesen Satz hinzugefügt hat, dann ändert das nichts an der Tatsache, daß man noch 2 Jahren damit gerechnet hat. Also war mein Gegenüber auch in Nürnberg und weiß von diesem Ausspruch des WTG-Rechtsanwalts, der neben Präsident Knorr stand.

Ich stieg dann in Steinbach aus, der Mann fuhr nach Sonneberg weiter. Zuvor sagte er mir aber noch: "Ich hasse nicht, Sie aber hassen". Daraufhin sagte ich, ich würde die ZJ nicht hassen. Aber wenn einem einmal die Augen aufgegangen sind, und man hat ein bißchen hinter die Kulissen geschaut, und man hat viel Persönliches miterleben dürfen, dann sollte man auch einmal den anderen die Augen öffnen und sie auf Verschiedenes hinweisen, und nicht immer alles blindlings glauben und mittun, was einem so befohlen wird. Ein jeder hat seinen eigenen freien Willen.

Wir verabschiedeten uns aber ganz freundlich voneinander. Vielleicht kommt ihm durch Zufall dieser Bericht einmal unter die Augen. Sicherlich hat er sich aber doch einige Gedanken gemacht.
L. S.

Abendmahlsfeier am 7. April 1974 ohne Überrest
1973 gab es 31 850 Versammlungen mit 1 656 225 Verkündigern Mehr als 20 000 Versammlungen mußten das Abendmahl am 7. April 1973 jedoch unschriftgemäß feiern, d. h. eigentlich nicht feiern, weil es nur noch 10 523 Personen gab, die sich zum Überrest bekennen. Brot und Wein mußten dort wieder weggegossen bzw. weggetan werden, wenn sie überhaupt hingestellt wurden. Einige tranken den Wein hinterher aus, weil er Geld gekostet hatte oder guter Selbstgemachter war. Diese unechten Feiern werfen Fragen auf. Viele untersuchen den Widerspruch zu dem, was Christus eigentlich einsetzte. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß die Schrift "irdisch" ausgerichtete Alteste verurteilt. Titus 1:5, 9; Phil. 3:17-19. Sie stellen auch fest, daß die "irdische" Verkündigung jetzt ein Abweichen vom Evangelismus ist. Eph. 4:1-6. Der Fluch in Galater 1:6-9 gelte immer noch. Daß die WTG 1975 als "irdische" Erfüllung wieder verschwinden läßt und die Tür für den Überrest wieder öffnet, wird mit gespitzten Ohren weiter verfolgt!

CV wird in Polen bekannt
In der polnischen Zeitschrift "Swit" 4/1973, Warschau, macht J, W. Grabina die Leser mit CV näher bekannt in dem Beitrag "Ch. T. Russell, J. F. Rutherford und die Zeugen Jehovas" "Swit" ist das Organ der Brüder in Polen, die mit der WTG seit Rutherford etwa nicht mehr mitgehen, und denen sich immer mehr Zeugen Jehovas zuwenden. Es finden große Kongresse statt, so kürzlich in Krakow mit Tausenden Teilnehmern. J. W. Grabina schreibt besonders über die CV-Beiträge über die WTG seit Rutherford. CV gebe den Irrtümern der WTG viel Platz, weise auf die Nichtübereinstimmung mit der Bibel hin und fordere auf, die Fehler zu verwerfen und das Wort Gottes wahrheitsgemäß zu untersuchen.

J. W. Grabina berichtet auch über das 1970 in der DDR veröffentlichte Blaubuch "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", M. Gebhard, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin. -

HAT ES DIESE CV-AUSGABE WIEDER IN SICH?
Liebe Leser!
Dies war es wieder. Wir hoffen sehr, daß es CV immer in sich haben möge. Was mit CV geschieht, ist von großer Tragweite, wer genau hinsieht, erkennt das. Wir stehen in diesem Jahr 1974 vor einem dramatischen Höhepunkt der WTG-Geschichte, auf den Frühherbst 1975 von der WTG selbst datiert. Wir werden uns intensiv mit dem Sinn des Jahrestextes 1974 befassen müssen "Mag der Feigenbaum selbst nicht blühen . . ." Hab. 3:17, 18 und dem Hinwenden der WTG zu diesem Kapitel. Es verbirgt 1974 die Taktik der WTG, über 1975 so ungeschoren wie möglich hinwegzukommen Sicher wird mancher diese CV-Ausgabe schnell durchgelesen haben, mancher auch heimlich. Man muß sich die Zeit und die Gelegenheit nehmen, alles in Ruhe gründlich durchzulesen. Wenn jemand dazukommt, der dagegen ist, dann sagt furchtlos, daß man wissen muß, was CV verbreitet, ob man zustimmt oder nicht. Gebt es ihm selbst zu lesen, damit er selbst sehen kann, was da alles vorgebracht wird. Wer verkündigen soll, wer eine Studiengruppe überwachen soll, kann CV nicht ignorieren, die inzwischen unübersehbar und unkontrollierbar kursiert und die Argumente liefert. Ja, wer CV nicht liest und kennt, wird als verantwortlicher Ältester oder Verkündiger immer hilfloser gegenüber dem, was ringsumher gedacht, überlegt, angestoßen und gefragt wird. Es spricht sich inzwischen auch herum, daß der Deutschland-Bericht im Jahrbuch 1974 durch das in der DDR 1970 veröffentlichte Blaubuch "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", Urania-Verlag, erzwungen wurde. Im deutschen Zweig rechnet die WTG mit dem größten 1975-Krach. Deshalb. Sammelt CV sorgfältig. Das wird sich in Kürze als sehr zweckmäßig erweisen.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos. A 1181-74 V 7 1 806
Kto.-Nr: 4562-43-8015 bei Kreis- und Stadtsparkasse Gera

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