Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 57

"'Mag der Feigenbaum selbst nicht blühen - dennoch will ich frohlocken in Jehova'." - Hab. 3:17, 18.
Nicht ohne Bedacht würde gerade dieser Text als Jahresmotto der Zeugen Jehovas für 1974 ausgewählt. Darauf nimmt der einleitende Artikel dieser CV-Ausgabe bezug.
"Wann immer sie Friede und Sicherheit ausrufen, wird sie ein plötzliches Verderben ereilen."
Eine kritische Auseinandersetzung auch mit diesem Lieblingsbibelspruch der Zeugen Jehovas, auch in dieser Ausgabe.

Noch ein Zitat aus dieser CV-Ausgabe:
"Zum Deutschland-Bericht im Jahrbuch 1974
Mit einer Höchstzahl von 93 178 Verkündigern im Dienstjahr 1973 in der BRD verwaltet das Zweigbüro in Wiesbaden den zweitgrößten Zweig der WTG-Weltorganisation. Doch nur noch wenige im Zweigbüro berauschen sich an dieser Höchstzahl."

In der Tat, der Grund zum "berauschen" hat sich verflüchtigt. Das mit dem "zweiten Platz" ist schon seit geraumer Zeit "Schnee von gestern". Sowohl in absoluten Zahlen, als auch in der Zahl Verhältnis Zeugen Jehovas zur jeweiligen Gesamtbevölkerung, ist Deutschland zwischenzeitlich weit abgeschlagen, mit zunehmender Tendenz.

In einer ersten Einschätzung des Deutschland-Berichtes im 1974-er Jahrbuch kommt die CV zu dem Resultat, dass er in hohem Maße auch eine indirekte WTG-Reaktion auf die DDR-Veröffentlichung von 1970 (Uraniabuch) über die Zeugen Jehovas darstellt. Selbstredend im apologetischem Sinne. Vermag ich dieses Urteil noch mit zu teilen, so jedoch nicht mehr das nachfolgende. Die CV behauptet auch:

"Die WTG hat sich in der ganzen Periode des Kalten Krieges seit 1947 … von niemandem antikommunistisch übertrumpfen lassen."
Richtig ist, die WTG hat auch ihren Part im Kalten Krieg mit gespielt. Jedoch die Behauptung, sie sei diesbezüglich von "niemand" übertrumpft worden, geht meines Erachtens zu weit. Sie ist tendenziös. Die These die Kommunisten (jener Zeit), seien nur "rotlackierte Faschisten" ist auch andernorts nachweisbar. Im Falle der WTG kam und kommt besonders ihre bewußte Negierung gesellschaftspolitischer Notwendigkeiten (Stichwort Politik"verzicht") als besonders heimtückische Waffe im Kalten Krieg zum tragen. Nur, das war schon im Konfliktfeld Hitlerregime so. Und das ist auch andernorts nachweisbar.


 

CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 57 Gera März 1974

"MAG DER FEIGENBAUM SELBST NICHT BLÜHEN - DENNOCH
WILL ICH FROHLOCKEN IN JEHOVA"
Der Jahrestext für 1974 - Eingeständnis des Bankrotts der Wachtturm-Endzeit
Liebe Leser!
Die Entwicklung eilt einem dramatischen Höhepunkt zu. Erinnern wir uns an den Jahrestext 1973: "Wir aber unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf unabsehbare Zeit, ja, immerdar." Dieser Jahrestext verfolgte den Zweck, von der inzwischen gefährlich gewordenen Orientierung auf 1975 als Datum für das "Ende dieser Welt" wieder abzulenken, hin auf ein "übergeordnetes" Denken, das nicht nur über 1975 hinweglenkt und hinauszielt, sondern vielleicht auch die zeitliche Möglichkeit eröffnen hilft, den Zusammenhalt noch 1975 weiter zu sichern. Aber um solche Festlegungen auf 1975 z. B. wieder vergessen zu machen, ist mehr Zeit erforderlich, als 2-3 Jahre, und dann dürfte 1975 nicht tatsächlich das endgültige Ende für "diese Generation" seit 1914 sein, von der nur noch einzelne in der Organisation leben, fast niemand mehr. Wie die 1975-Diskussion in den Studiengruppen und Versammlungen beweist, ist die WTG mit dem Sinn des Jahrestextes 1973 überhaupt nicht hinreichend durchgedrungen.

So steht sie unter einem ungeheuren Zeitdruck. Sie hat keine Zeit mehr, Rücksicht zu nehmen. Sie muß den nächsten Schritt tun, egal, was übrig bleibt. Sie ist sich der Dramatik, auf die alles zustrebt, völlig bewußt, wie der Jahrestext für 1974 in seiner Bedeutung beweist. Die WTG mag im Kommentar zu diesem 1974-Text erzählen was sie will. Jedermann weiß, daß hinter ihm die Tatsache steht, daß die mit 1975 verbundene Endzeit-Orientierung in Wirklichkeit der "Feigenbaum" ist, der "nicht blüht"!

Betrachten wir die entsprechenden Äußerungen im Kommentar, Jahrbuch 1974, S. 260f, dt.:
"Während dieser so schwierigen Zeit möchten wir uns bestimmt alle eng an Jehova und an seine Organisation halten und die geistige Speise in uns aufnehmen, damit wir unsere gehobene Stimmung bewahren …"

"In dieser schwierigen Zeit . . . . werden wir uns nicht fürchten, wenn auch die Erde eine Veränderung erfährt, und wenn auch die Berge ins Herz des weiten Meeres wanken". "Bestimmt wollen wir nicht niedergeschlagen und verzweifelt oder ungeduldig sein. Wir wissen, daß Jehova sein Werk vollbringen wird, auch wenn Hungersnot über das Land kommt, wie dies durch den Feigenbaum dargestellt wird, der nicht blüht . . ."

"Jetzt ist es nicht an der Zeit, in Panik zu geraten. Jetzt ist es nicht an der Zeit, den angreifenden Feinden nachzugeben und aufzuhören, ein christlicher Zeuge Jehovas zu sein. Nein, jetzt ist es angebracht, wie eine Hindin zu sein und vor Freude zu springen …"

Wenn man diese Äußerungen liest, wird man unwillkürlich an den aufsehenerregenden Untergang der "Titanic" im Jahre 1912 erinnert, des größten damaligen britischen Überseedampfers, an die Tanzmusik der Bordkapelle, die zum Springen und Tanzen aufspielte, während 1500 Menschen in den Fluten ertranken.

Der Vergleich mit dem Untergang der "Titanic" ist treffend. Die Reeder zwangen aus Profitgründen den Kapitän des Dampfers, trotz Eiswarnung, mit Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Hat die WTG nicht auch mit ihrer 1975-Weisung die Organisation gezwungen, mit Höchstkraft zu fahren? Trotz der vielen "Eiswarnungen" von vielen Seiten. Selbst nach jetzt, kurz vor dem Zusammenprall mit dem 1975-Eisberg, zitiert sie im Kommentar Worte Habakuks über "leistungsfähige Kraft", damit sie in der Organisation nicht nachlasse Die WTG spricht nicht umsonst von Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Panik - wie auf der "Titanic". Wie die Bordkapelle zum Hüpfen und Springen aufspielte, so die WTG, um in "gehobener Stimmung" in den 1975-Abgrund zu fahren.

"Mag der Feigenbaum selbst nicht blühen" - diese Worte des Jahrestextes dokumentieren den Abgrund, das gesamte 1975-Fiasko, den Untergang der gesamten gegenwärtigen "irdischen Hoffnung" der WTG. Es ist das Eingeständnis, daß ihre Weitende-Weltanschauung bankrott ist. Was sie darüber gepredigt hat, wird "nicht blühen", wird nicht eintreffen Dennoch sollen alle frohlocken. Das Schiff geht unter, und alle sollen tanzen. Es soll in "gehobener Stimmung" auf Hochtouren weitergehen, egal, wer beim Zusammenprall mit dem 1975-Eisberg den Untergang findet. Willst du auch wie eine Hindin springen, wenn das WTG-Schiff gegen 1975 rast?

Natürlich geht damit das Christentum nicht unter. Das war vor der WTG, ist trotz der jetzigen Ende-Illusionen, und wird nach ihrem Untergang sein. Wird die WTG aus den Trümmern und Übrigbleibenden ein neues Schiff bauen, das vernünftig fährt? Das wäre zu hoffen.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

Ein Blick auf die Lage aus den USA:
ETWA 500 000 ZEUGEN JEHOVAS SITZEN AUF DEM ZAUN,
ZUM ABSPRINGEN BEREIT
Die "Christliche Mission für Jehovas Zeugen" in den USA, geleitet von dem früheren Bethel-Mitarbeiter William J. Schnell, Florida, USA - Sonderdiener der WTG, Jahrbuch 1944 - gibt unter dem Thema: "1975 - Harmagedon oder Flucht?" unter anderem folgende Einschätzung der Lage jetzt kurz vor 1975:

Als 1925 dämmerte und Abraham, Isaak und Jakob nicht kamen, und die Wachtturm-Voraussagen über das Ende der Welt fehlschlugen, war die WTG imstande, durch eine "Säuberung" ca. 40 000 auszuschließen und die Opposition zu teilen und so die Dinge zu überstehen. Sie hatte Erfolg, weil sie die Opposition in den USA im wesentlichen eliminieren konnte.

Die gegenwärtige Opposition kommt von jüngeren Personen, besonders in Pennsylvanien, vielfach sind es einfache Verkündiger, die aber von anderen Gruppen außerhalb Pennsylvaniens unterstützt und gestärkt werden. Ein anderer Höhepunkt entwickelt sich in Europa und Afrika.

Ein Blick hinter die Szene der Aktivität der Zeugen Jehovas, während wir uns 1975 nähern. Auf den internationalen Kongressen 1966 erschien das Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes", in dem wir das erste Mal auf die Verkündigung stießen, 1975 komme das Ende der Welt Satans und der Beginn der 1000-Jahrherrschaft Christi. Von diesem Zeitpunkt an sind die Zeugen Jehovas möglicherweise in die letzten zehn Jahre ihrer Existenz eingetreten. Noch sieht es so aus, als ob die große Zahl der Zeugen Jehovas wirklich an 1975 als Ende glaubt, ähnlich wie 1912 bis 1914 und 1922 bis 1925. Die WTG ist sehr interessiert daran, was die Brüder über 1975 denken. und sie führt deshalb ständige Untersuchungen durch, um irgendwelche Anzeichen mit Bezug auf 1975 erkennen zu können. Besonders will sie wissen, wieviele Haus und Besitz verkaufen, um vor 1975 letzte Anstrengungen machen zu können. Sind solche Personen aufrichtig darin? Offensichtlich. Nun sehen wir aber eine bemerkenswerte Herunterspielung der Erwartung mit 1975 und ein gleichzeitiges Anwachsen des Besitzes und Eigentums der WTG. Die WTG hat das z. B. auch 1925 so gemacht. Es gibt darüber eine Menge WT-Literatur aus der Vergangenheit. Allein politische Absichten der WTG können das erklären.

So wächst die Spannung in der Organisation, und ungefähr ein Drittel aller sitzt auf dem Zaun oder wandelt auf einem gespannten Seil. Die WTG muß förmlich sperrbeinig gehen.

In Wiesbaden, Deutschland, saß der Zweigdiener Konrad Franke, ein wichtiger Leiter der WTG. Die WTG hielt so viel von ihm, obwohl er ein Verräter seiner Brüder in der Nazizeit war, daß sie diesen Mangel übersahen und ihn zum Nachfolger von Erich Frost bestimmten, den man deswegen gehen ließ. Franke bestand jedoch darauf, daß 1975 unwiderruflich das Ende kommt. Er war nicht bereit, davon abzurücken. Im Oktober 1969 mußte er gehen, und seitdem hängt über seinen Fall eine Nachrichtensperre seitens der WTG.

Der WTG fällt es nicht leicht, solche Personen abzusetzen, da sie andererseits sehr wichtig sind. Aber sie wünscht deswegen nicht, alle Fanatiker mit Bezug auf 1975 zu verleugnen, weil solch ein Datum andererseits anspornt. So gibt es um 1975 keine Ruhe und ganz natürlich steigt die Spannung Während das Jahrbuch von glühender Wahrheit spricht, wird die ganze Organisation mehr und mehr von tiefverwurzelten und ärgervollen Zweifeln durchfurcht. Es gibt schon eine Menge Rebellion, was viel berechtigten Widerspruch zum Ausdruck bringt.

Um mit dem täglich zunehmenden Druck von unten besser fertig zu werden, sah sich die WTG gezwungen, das Ältestensystem wieder zu erlauben. Während sie die Aufgabe haben, die Reihen zu festigen, hofft die WTG, in ihnen die Stützen zu haben, um über 1975 hinwegzukommen. Den Ältesten wurde deswegen eine große Macht über die unteren Versammlungsglieder eingeräumt. Durch ihre Ausschlußvollmochten halten sie faktisch Leben oder Tod in der Hand, was sie der WTG noch ergebener machen soll. Was die unbedingten Gehorsamsforderungen gegenüber der WTG betrifft, sind sie "Hirten ohne Erbarmen", wie die Zeugin Jehovas, Josy Doyon aus der Schweiz, ihr Buch über die WTG nannte.

Während wir uns nun dem WTG-Harmagedon-Datum von 1975 nähern und anschließend in den Harmagedon-Nebel kommen sollen, den u. a. WTG-Vizepräsident F. W. Franz für eine Zeit von 17 Jahren von 1975 bis 1992 erwartet, sehen wir den Wachtturm-Auszug herannahen. Wir vermuten wohlbegründet, daß ungefähr 500 000 Zeugen Jehovas auf dem Zaun sitzen, um - wenn Harmagedon 1975 nicht kommt - hinüberzuspringen. Wir sind bereit, ihnen zu helfen.
(Nach: The Converted Jehovah's Witness Expositor, Dunedin, Flo. 33528 USA)

Zum neuen WTG-Buch:
WAHRER FRIEDE UND SICHERHEIT - WOHER ZU ERWARTEN?
Das allein Neue in diesem Buch
Eines der neuen WTG-Studienbücher des Jahres 1973 ist das Taschenbuch (!) "Wahrer Friede und Sicherheit - woher zu erwarten?". Die erste Auflage allein in Englisch betrug 2 000 000. Die neuen Kerngedanken dieses Buches wurden allerdings schon etwas früher publiziert, in Erwachet vom 22. 1. 1973 dt. unter dem Titel "Weltfrieden in Aussicht - wird er von Dauer sein?". Diese Erwachet-Auflage wurde mit 7 500 000 in 29 Sprachen angegeben. Man muß das Ausmaß dieser Veröffentlichungen sehen, um den Grad der öffentlichen Bedeutung und Wirksamkeit einschätzen zu können.

Das eigentlich Neue in diesem Buch ist eine neue Erklärung der bekannten Schriftstelle in 1. Thess. 5:3 über den Ausruf "Friede und Sicherheit". Alles andere ist bekannte WT-Lehre, wieder aktualisiert und diesmal besonders darauf ausgerichtet, die WTG-Organisation als die einzig rettende und sittlich einwandfreie Institution in einer vernichtungsreifen Welt oder Gesellschaft erscheinen zu lassen. Wir wollen uns jetzt jedoch weniger mit dieser Schwarz-Weiß-Malerei, als vielmehr mit dem Neuen in diesem Buche befassen, mit der neuen Deutung von "Friede und Sicherheit".

Steine statt Brot
Es läßt sich nicht umgehen, etwas vorauszuschicken. Unsere Rede wird hart sein, wer kann sie ertragen? Wir haben es hier nicht nur mit der bereits dritten WTG-Deutung dieser Schriftstelle zu tun, deswegen von 5. Mose 18:20-22 als "prophetische Vermessenheit vor Jehova" verurteilt. Allein aber das ist schon empörend, weil dabei die früheren falschen Deutungen verschwiegen werden! Wir werden sie also aufdecken, um der Wahrheit, der ganzen Wahrheit willen. Zudem spielt die WTG hier mit einem zutiefst menschlichen Anliegen. Sie nutzt wohldurchdacht das elementare menschliche Verlangen noch Friede und Sicherheit schon zum dritten Male! Dabei werden diejenigen, die sich allein wirklich und praktisch dafür einsetzen, daß es herbeigeführt wird oder gesichert bleibt, in hinterhältigster Weise moralisch und politisch verleumdet. Die WTG kann darum in dieser Frage nur noch mit einer Mutter verglichen werden, die ihrem hungrigen Kind statt eines Stückes Brot einen Stein gibt! Genau so ist das, wenn man die Probe aufs Exempel macht. Und wir machen sie!

Es wurde sehr darüber nachgedacht, ob es ratsam ist, dieses Thema in solcher Schärfe zu behandeln. Doch es ist nicht anzunehmen, daß die WTG ihre Erklärungen von 1899 und 1943 zu 1. Thess. 5:3 vergessen hat. Sie verschweigt sie in dem neuen Buch absichtlich und bewußt! Und die Versammlungen? Sie haben nicht nur ein Recht auf die ganze Wahrheit, selbst wenn sie erbarmungslos hart ist. Schreckte Jesus vor Schärfe und Hörte zurück, wenn die Tatsachen auf der Hand lagen? Matth. 23.

Die WTG-Deutungen von 1899
Die erste Erklärung von 1. Thess. 5:3 als "Speise zur rechten Zeit" finden wir in dem WTG-Buch "Der Krieg von Harmagedon", Schriftstudien Bd. 4 von 1899. Die "Erfüllung" ist das internationale Religionsparlament von 1893 in Chicago, USA. Die WTG erklärte:

"Es (das Parlament) sagte zu der gedankenlosen Namenchristenheit: Friede, Friede, da doch kein Friede ist . . . Es war sichtlich eine Maßregel der Selbsthilfe seitens der führenden Geister in der Namenchristenheit, die die Trübsal dieses Tages des Herrn mit Angst herannahen fühlen … Dieser Ruf: Friede, Friede, unmittelbar vor dem Ausbruch des Sturmes erinnert an die Weissagung (1. Thess. 5:3): Wenn sie sagen, Friede und Sicherheit, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie . . . Diese Krisen sind die Wehen, die nach 1. Thess. 5:3 vor der Trübsal über die Welt kommen wie über eine Schwangere . . . Wir leben in einer Zeit, in der die . . . Bewegung jeden Monat ihren Anfang nehmen könnte, wäre das Ende nicht nach Gottes Plan erst auf 1914 bestimmt . . . 14 Jahre reichen vollauf hin zu ihrer Abwicklung." (Bd. 4, Ausg. Barmen 1916, S. 124, 145f, 160, 275f)

Mit diesen WTG-Erklärungen von 1899 war die "Erfüllung" von 1. Thess. 5:3 als "Speise zur rechten Zeit" unzweideutig auf die Friedensrufe seit jenem Religionsparlament 1893 in Chicago bis 1914 als Ende (Harmagedon) ausgelegt. Der WT verkündete dazu bis Oktober 1928 (Titelseite), dt., daß die 6000 Jahre schon im Jahre 1872 vollendet waren!

Die WTG-Deutungen von 1943
Als ob es diese Deutungen von 1899 als "Speise zur rechten Zeit" nicht gegeben habe, verkündete die WTG in dem Buch "Die Wahrheit wird euch freimachen" 1943 eine völlig andere Deutung von 1. Thess. 5:3 und "Friede und Sicherheit". Mehr als eine Generation war seit 1899 vergangen. Wieder millionenfach und weltweit wurde proklamiert als freimachende Wahrheit.

"Die 'Christenheit' wird ihre Nachkriegs-,Neuordnung' und ihre ringsum stehenden Heere (jesuitischer wie auch militärischer Art) also zur Unterdrückung der Königreichsbotschaft benutzen, von der sie behaupten wird, sie sei ein Verrat an der Nachkriegsherrschaft, störe sie und mache sie unsicher. Doch wird Jehova sein 'befremdendes Werk', das er durch seine Zeugen ausführt, nicht eher aufhören lassen, als bis es beendigt ist … Danach wird er das 'Weib' und das Tier scheinbar triumphieren lassen, als ob sie das Werk stillgelegt hätten. (Joh. 19:11) Erst in jenem Entwicklungsstadium wird die 'Christenheit', auf ihrem tierischen Greuel reitend, ausrufen, daß sie endlich im vollständigen Sinne Friede und Sicherheit habe. Was dann? Jehovas treue Zeugen wissen, was hierauf zu antworten ist: " . . . Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie . . ." (l. Thess. 5:1-4). Der Dauerfrieden-Religionsmechanisinus der 'Christenheit' wird unheilvoll versagen". (S. 346 dt.)

Diese Deutung von 1. Thess. 5:3 von 1943 erfolgte unter der im gleichen Buche als Wahrheit verkündeten Zeitrechnung, wonach die 6000 Jahre erst im Jahre 1972 um sind, also 100 Jahre später! Gibt es jetzt wieder eine Verschiebung um 100 Jahre? (S. 152)

Die 1943 unter Berufung auf den Wahrheits-Ausspruch Jesu (Buchtitel) verkündete Nachkriegsneuordnung und ihr Versagen unter Führung der Christenheit hat es nie gegeben. Die Welt wurde vielmehr geteilt und es entstand das selbstständige sozialistische Weltsystem von Europa bis nach Asien, wo Buddhismus und Konfuzianismus in religiöser Hinsicht bestimmend sind. Jesuitische und militärische Heere sind in keinem westlichen oder christlichen Land je gegen die Zeugen Jehovas marschiert, damit endlich Friede und Sicherheit ausgerufen werden könnte. Im Gegenteil, keine einzige Regierung der Welt nimmt die WTG ernst, wenn sie dazu aufruft, die Macht "in den Himmel" abzutreten. Wozu hat die WTG sich vielmehr in politischer Hinsicht in die westliche antikommunistische Allianz der 'Christenheit' eingereiht Ihre antikommunistischen Verdammungsurteile von 1949 z. B. sprechen faktisch die gleiche Sprache wie etwa das päpstliche Antikommunismus-Dekret von 1949. Was also 1943 im Blick auf 1972 als freimachende Wahrheit über 1. Thess. 5:3 weltweit verkündet wurde, war wieder eine Vermessenheit Wieder ist ungefähr eine Generation vergangen!

Die WTG-Deutungen von 1973
Als ob es weder die falschen Auslegungen von 1899 noch von 1943 gegeben habe, verkündete die WTG mit dem auf den Kongressen 1973 freigegebenen Buch "Wahrer Friede …" nun die dritte Auslegung von 1. Thess. 5:3. Für wie einfältig und vergeßlich hält sie die Versammlungen und die ganze Welt eigentlich? Wir lesen:

"Es gibt noch ein weiteres bestimmtes Ereignis, das kommen muß, und das als unverkennbares Signal dient, daß die Weltvernichtung bevorsteht. Auf dieses Signal wies der Apostel Paulus hin, als er schrieb: ". . . Wann immer sie sagen: Friede und Sicherheit! dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen . . ." - 1. Thess. 5:2,3 . . . Die politischen Führer der Welt wissen, daß niemand gewinnen könnte, wenn sie in einen nuklearen Krieg verwickelt werden sollten . . . Überdies verlangen die ernsten Probleme der Umweltverschmutzung, der 'Bevölkerungsexplosion' und andere innenpolitische Probleme Aufmerksamkeit und Geld. So haben die Herrscher angestrengt auf eine Entspannung in den internationalen Beziehungen hingearbeitet. Natürlich werden ihre Verhandlungen keine wirklichen Änderungen in den Menschen bewirken, so daß sie einander lieben würden. Sie machen weder dem Verbrechertum ein Ende, noch beseitigen sie Krankheit und Tod. Dennoch zeigt die Prophezeiung, daß die Zeit kommen wird, da sie erklären werden, daß endlich "Friede und Sicherheit" herrschen werden. Wenn dies eintritt, dann wird . . . "plötzliche Vernichtung" über diejenigen kommen, die die Menschen irreführen, wie auch über alle, die ihr Vertrauen in sie setzen". (S. 88f)

An die Ältesten aller Versammlungen!
Nachweislich auf drei Generationen schon hat die WTG die Schriftstelle in 1. Thess. 5:3 über "Friede und Sicherheit" angewendet, verbunden mit dem Skandal, die verschiedensten haltlosen 6000:Jahrtermine anzugeben: 1872, 1972 und nun 1975. In dem WTG-Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes" von 1966/67, in dem 1975 verkündet wurde, wurde zugleich auch das Jahr 1996 zur Diskussion gestellt (S. 28 dt.) Denkt niemand an 5. Mose 18:20-22, wo vergebliche Voraussagerei als "prophetische Vermessenheit vor Jehova" verurteilt wird? Was ist das für eine Aufseher- und Ältestenschaft, die die "Herde Gottes" bedenkenlos von einer solchen Vermessenheit in die andere führt? Warum überprüfen sie die WTG-Lehren nicht auf Zuverlässigkeit, obwohl das in Apg. 17:11 deutlich von ihnen verlangt wird?
Wir wollen die Bedeutung der jetzigen, der dritten WTG-Deutung von 1. Thess. 5:3 durchdenken. Sie ist empörender denn je zuvor.

Die WTG nennt es Vernichtung und Verderben herbeiführende Irreführung, wenn ihre anderen Mitmenschen einen, nuklearen Krieg verhindern, wenn sie die Umweltverschmutzung bekämpfen, wenn sie eine Bevölkerungsexplosion verhindern, wenn sie ihre innenpolitischen Probleme lösen, wenn sie Verhandlungen führen. Die WTG ruft dazu auf, nicht auf diese Dinge zu vertrauen, es sei Irreführung. Der wahre Weg nach der WTG wäre also, alle diese Dinge zu unterlassen.

Begreift denn keiner in den Versammlungen abgesehen von 5. Mose 18:20-22, was diese WTG-Predigt absoluter sozialpolitischer Passivität, Abstinenz und Tatenlosigkeit für Folgen hätte, wollte man sie annehmen? Alle Völker, denen die WTG das predigt, würden in Krieg, Umweltschmutz, Anarchie und sozialen Katastrophen versinken, und mit ihnen die Zeugen Jehovas einschließlich der WTG selbst!

Sie würden alle nur von Haus zu Haus rennen und sich gegenseitig diese sozialpolitische Passivität und Untätigkeit predigen, vom einfachen Bürger bis zum höchsten "Herrscher" Jede soziale Ordnung würde zusammenbrechen. Was die WTG also auch jetzt wieder unter "Friede und Sicherheit" in Auslegung von 1. Thess. 5:3 verkündet, ist um der von Gott selbst stammenden sozialen Bedürfnisse aller Menschen willen praktisch unannehmbar. S t e i n e s t a t t B r o t ! Sind die Versammlungen voller sozialer Analphabeten, daß sie das nicht begreifen? Und damit geht ihr ernstlich unter die Mitmenschen?

Aber, magst du einwenden, die Menschen können doch tatsächlich nicht bewirken, daß sie einander lieben, wie die WTG sagt. Infamie und Demagogie, muß man antworten! Milliardenfach wurde und wird trotz allem zu allen Zeiten geliebt, auch heute! Mütter ihre Kinder, Verliebte, Verlobte und Verheiratete einander, Verwandte einander usw., ganz natürlich, ohne nach dem Glauben zu fragen. Oder auch: Diakonie- oder Caritas- und Ordensschwestern pflegen zeitlebens im Glauben an Jesus Christus aufopferungsvoll Blinde, Lahme, Krüppel, Sieche, Irre und Geisteskranke, ohne nach dem Glauben zu fragen. Christen wie Nichtchristen helfen verhungernden Menschen und unterentwickelten Völkern ebenfalls ohne nach dem Glauben zu fragen. Trotz allem. Ist das alles keine Liebe unter den Menschen? Entspricht das nicht ernsthaft Jak. 2:14-16? Laut Rö. 2:14,15 ist sogar den Nichtchristen das Gesetz Gottes ins Herz geschrieben!

Aber, magst du noch sagen, sie können doch weder Krankheit, noch Tod und Verbrechertum verhindern, wie die WTG weiter in den Mund legt.

Könnten denn WTG und Zeugen Jehovas Krankheit, Tod und Verbrechertum verhindern? Werdet ihr nicht selbst in gleicher Weise von Krankheit, Tod und Verbrechertum heimgesucht wie andere Menschen? Noch schlimmer: Versucht ihr nicht gar, eure Verbrecher rechtzeitig schnell aus euren Reihen auszuschließen, euren Mitmenschen zuzuschieben und zu überantworten, um euch dann an die Brust zu schlagen, daß ihr nicht so seid, wie die "Welt"? Den Doppelmord in der Versammlung Wuppertal, BRD, 1971 z. B., wo Schwester Elisabeth Hecker ihren Mann und ihren Vater, beide auch Zeugen Jehovas, in ihren Betten erdrosselte, hat die WTG euch verschwiegen. Könnt ihr soetwas verhindern? Verhindert Gott das in euren Reihen? Wie könnt ihr das also als Argument gegen eure Mitmenschen ins Feld führen, die sich um Frieden und Sicherheit bemühen, um der sozialen Bedürfnisse willen bemühen müssen? Ihr schlagt doch Löcher in die Luft und redet vollkommen abwegig daher, an der Wirklichkeit vorbei! Merkt ihr das nicht?

Die WTG sollte aufhören, weltpolitisch den Mund zu voll zu nehmen und sich moralisch aufzublasen. Sie sollte aufhören, unsachlich, oberflächlich, dilettantisch und verleumderisch voller Infamie und Demagogie über andere Menschen herzuziehen. Sie sollte stattdessen demütig anerkennen, was unter ihnen alles in Glaube, Hoffnung und Liebe geschieht. Eingedenk dessen, daß die Menschen jetzt schon mit der dritten "Friede und Sicherheit"-Deutung vergeblich hingehalten werden. Könnt ihr das alles nicht begreifen? Ihr habt als Älteste und "Hirten der Herde" die Verantwortung vor Gott, Christus und den Menschen, direkt, und vor niemandem sonst!

Schlußfolgerung für das Studium des Buches
Das neue WTG-Buch "Wahrer Friede …" ist auf Grund der dargelegten Tatsachen ungeachtet des sonst unerheblichen Inhaltes wegen seines Hauptgesichtspunktes gemäß Titel, der neuen und dritten Auslegung von 1. Thess. 5:3, nach 5. Mose 18:20-22 eine "prophetische Vermessenheit vor Jehova". Es ist in diesem Zusammenhang gegen alle berechtigten und notwendigen menschlichen Bestrebungen und Sorgen um Frieden und Sicherheit gerichtet, indem es die Menschen, Christen wie Nichtchristen, die sich darum bemühen, verleumdet. Es zerstört und vernichtet jede sozialpolitische Bereitschaft, jedes derartige Engagement und jedes diesbezügliche Vertrauen, obwohl es ohne das alles nicht geht und nichts aufrechterhalten oder gesichert werden kann. Welchen Kräften dient dieses Buch also in politischer Hinsicht? Wer es verbreitet, läuft als Verleumder aller sozialpolitisch verantwortungsbewußten Mitmenschen umher. Psalm 15:1.3.
buko

VOR "WESENTLICHEN FORTSCHREITENDEN ÄNDERUNGEN"
Im letzten Jahr vor 1975
Wahrscheinlich stehen wir vor Änderungen von größter Tragweite Auf den Kongressen 1973 in Düsseldorf und München (A. Letonja und R. Lengtat, "ihr sollt heilig sein . . .") gab die WTG eine äußerst bedeutsam Neuorientierung aus: Es wird "wesentliche fortschreitende Änderungen geben". "Wesentliche fortschreitende Änderungen" besagt, daß die WTG in einem fortschreitenden Prozeß eine Änderung ihres W e s e n s vornimmt, also etwas Grundsätzliches. Die Brüder Letonja und Lengtat machten dazu noch keine weiteren Ausführungen, sie hatten das lediglich anzukündigen. Wer eine Übersicht über die nun schon mehrere Generationen umfassende WTG-Geschichte hat, konnte sich schon 1966 ausrechnen, als 1975 proklamiert wurde, daß die WTG sich hiermit einen Mühlenstein an den Hals hängt. Will sie nun nicht untergehen, muß sie in der Tat "wesentliche Änderungen" vornehmen. Hoffentlich ist das erst jetzt nicht schon zu spät. Die Änderungen müssen fundamental sein. Die 300 Oppositionsbrüder im Bethel Brooklyn (1972) forderten z. B. eine Anpassung an die jüdische Zeitrechnung, (1974 = 5735) wonach 6000 Jahre erst in ca. 200 Jahren um sind. Das würde die gesamte jetzige WTG-Endzeitvorstellung über den Haufen werfen!

Wir wollen einige wichtige Punkte betrachten, die mit 1975 zur Hauptfrage werden.
Zur Bedeutung des deutschen Bereichs
Vorgänge im deutschen Zweig der WTG haben die zentralen Entscheidungen, die Lehren und die Veränderungen immer in bedeutendem oder entscheidendem Maße bestimmt. Die "theokratische" Organisationsform wurde vor 1933 erst im deutschen Zweig getestet. Das Verbot von 1933 bestimmte die Orientierung auf den zweiten Weltkrieg als Harmagedon (Dein Name werde geheiligt, S. 319 dt.) Die Rolle des deutschen Zweiges als antikommunistisches Bollwerk unter Erich Frost, Konrad Franke, Paul Großmann, Ernst Wauer, Ernst Seliger, Fritz Adler u. a. bestimmte das gesamte politische Klima. Und die religiös-politische Kritik, die sich jetzt mit CV und immer mehr Büchern über die WTG in der DDR und in der BRD erhebt, ist die folgenschwerste Kritik, die die WTG je erfahren hat. Die WTG wagte nicht im Jahrbuch 1974, CV auch nur zu erwähnen, geschweige denn zu verurteilen, wie es einige erwarten und verlangen. Werden die verantwortlichen Ältesten und Aufseher hier die Dinge jetzt ebenfalls in die Hand nehmen, oder sind sie gebrochenen Rückgrats inmitten der jetzt einsetzenden Änderungen? Mit 1975 gibt es keine sichere "irdische Orientierung" mehr. Situation und Entwicklung sind damit nach vorn vollkommen offen. Der Schein trügt, denn wie es unter der Oberfläche wegen 1975 aussieht, vermag kein Zweigbüro sicher einzuschätzen.

Wirklich christlich sein
Eine Hauptfrage des 1975-Zusammenbruchs ist die sich er gebende Aufgabe, sich zu "Obrigkeit von Gott" und "die Menschen betreffende Ordnung" (Römer 13:1-7 und 1. Petrus 2:13) neu zu stellen. Eine wirklich wesentliche Änderung Es kommt darauf an, aus dem jetzigen Zustand herauszutreten und wieder ein normales Verhalten als christliche Bürger und Gemeinschaft zu praktizieren, nicht als Zeugen Jehovas, belastet mit den Torheiten des Antikommunismus, der WTG-Staatsfeindschaft und Gesetzesverletzung in unchristlicher "Kriegslist" (2. Kor. 4:2 NW).

Das Stichwort ist im WT selbst schon gegeben. Die "neutestamentliche Gruppe" im Bethel setzt sich gegen die "Alttestamentler" immer mehr durch. Der bloße Name "Jehovas Zeugen" wird abgeschafft. Noch sind sie nicht vollends durchgedrungen mit ihrer Neuorientierung, auf "christliche Zeugen Jehovas" nämlich, gelegentlich erst, im Text hin und wieder. (WT 1. 11. 73 S. 651, Abs. 13 dt. z. B.) Doch sie sind im Kommen! Wer geht ihnen entgegen?

Alle sollten sich dagegen wenden, den Namen christliche Zeugen Jehovas mit den bisherigen politischen Torheiten weiter zu belasten. Es könnte manifestieren, nichts mehr damit zu tun zu haben. Es könnte ein Teil der "wesentlichen Änderungen" sein! Wer weiß, wie weit sich die Dinge im Sinn vieler schon entwickelt haben? Daß sie vielleicht nur noch einen Anstoß brauchen? So daß Älteste, die die Dinge in die Hand nehmen, nicht lange alleinstehen! Mögen sich die Ältesten und Aufseher auf allen Ebenen beraten, um die ersten erforderlichen Schritte als christliche Zeugen Jehovas gegenüber den zuständigen "obrigkeitlichen Gewalten von Gott" zu tun. Beispiele zu schaffen, den Weg zu öffnen und die Entwicklung angesichts 1975 voranzutreiben. Ist der Durchbruch erfolgt, ist der Stein einmal im Rollen, wer will ihn dann noch aufhalten angesichts 1975?

Im Grunde hat die WTG keinen Ausweg
Was die WTG jetzt laufend bietet, soll hauptsächlich die Organisation zusammenhalten, verbunden mit vorsichtigen, aber noch keinen Änderungen, die der Lage gerecht werden. Die WTG weiß, daß alles ein Ende mit Schrecken nehmen muß. Nur tut ihr niemand den Gefallen, die Zeugen Jehovas überall zu vernichten. So muß sie alles mit bald, bald, sehr bald usw. laufend vor sich herschieben, von Termin zu Termin Ihr erster Endzeittermin war 1799! Jetzt war 1975 angesagt Was geht in den Köpfen derer vor, die imstande sind, die Dinge zu überblicken?

Vielleicht findet die WTG einen Ausweg aus ihrem Dilemma. Vielleicht ändert sie tatsächlich ihr Wesen und gibt das schon von Anfang an haltlose Endzeitspiel mit einer Generation auf. Wir erinnern an die "Mutter-Organisation" der WTG, die adventistischen Christen und ihr Datum 1844. Kann die WTG sich auch endgültig von ihrem Termin-Unwesen freimachen? Das wird nicht ohne gefährliche Erschütterung abgehen. Aber was hat diese Endzeitorientierung seit 1799 eingebracht? Schon mehrere Endzeitbeginne mußten angesetzt werden, drei verschiedene Nordkönigdeutungen, mehrere Wiederkünfte Christi, vier verschiedene Fürstenauferstehungen, mehrere Tier-, Elia-, Obrigkeits- und Friede-und-Sicherheitsdeutungen und schon die fünfte Harmagedonvoraussage! Das ist nur eine kleine Auswahl! Man muß sich ängstlich als Verkündiger hüten, jemandem, den man gewinnen will, mit der ganzen und vollständigen Geschichte der WTG vertraut zu machen! Hat man alles vor Augen, so ist ihre Endzeitschau eine einzige Unglaubwürdigkeit! Mit 1975 bricht das alles auf! Wie noch nie!

Aber damit müssen ja nicht Gott, Christus und die Bibel aufgegeben werden, sondern nur eine bestimmte Bibelauslegung Damit muß auch nicht die Gemeinschaft aufgegeben werden, sie muß sich vielmehr umorientieren. Nur eine bestimmte religiös-politische Orientierung der Gemeinschaft muß aufgegeben werden.

Aufstehen und handeln
Auf den Ältesten und Aufsehern aller Bereiche ruht jetzt eine Verantwortung vor Gott, vor den Versammlungen und vor der Öffentlichkeit wie nie zuvor! Es ist wahr, es kommen auf jeden Fall wesentliche und fortschreitende Änderungen.

Wir scheinen bezüglich der WTG vor einer historischen Wende zu stehen, denn nach 1975 kann nichts mehr mit dem Ende so weitergehen wie vorher. Ergreift deshalb die Chance und alle Gelegenheiten, als loyale christliche Zeugen Jehovas die Versammlungen aus dem politischen Untergrund herauszuführen, die politischen Torheiten der Vergangenheit hinter euch lassend, fest auf das Wort Gottes und seine unveränderlichen Werte gegründet, in einer Nachfolge Jesu, urchristlich in Glaube, Hoffnung und Liebe. Das Christentum verliert nicht, wenn die von der WTG damit verbundene Endzeitanschauung 1975 wieder haltlos wird. Das wirkliche Leben geht weiter! Im Kleinen mit der Familie, im Großen mit den Mitmenschen um der gemeinsamen sozialen menschlichen Bedürfnisse willen, von Gott gegeben. Die Versammlungen müssen im Studium lernen, zu unterscheiden, was von bleibender Bedeutung ist, und was von der WTG verworfen worden muß, weil es haltloses Endzeitwerk und politischer Bibelmißbrauch ist. Jeder muß angesichts 1975 dieses Unterscheidungsvermögen erwerben.

Die Rolle und Funktion von CV
Die WTG, die höheren Ältesten- und Aufseherkreise, die alles noch in der Hand halten, haben eine Stärke. Das kann gut oder schlecht sein. Wo sie die Dinge nicht begreifen, um die es jetzt geht, ist das schlecht. Es gibt in Verbindung mit den WTG-Informations- und Kommunikationsmitteln wie WT, Erwachet. Königreichsdienst usw. keine Möglichkeit, sich ernsthaft kritisch, wie es die Lage erfordert, an alle Zeugen Jehovas wenden zu können. Nicht umsonst besteht die WTG auf der alleinigen Beherrschung aller Schriften und Materialien unter den Zeugen Jehovas, um niemanden an sie heranzulassen, soweit es in ihrer Macht steht. Das ist auch eine der entscheidenden Ursachen dafür, daß die WTG bisher über alle Kritik triumphieren konnte, wie berechtigt, notwendig und schriftgemäß sie auch war. Aber das ist nicht mehr so. Mit CV entwickelt sich etwas, wogegen die WTG machtlos ist. Ihre Maßnahmen werden immer wirkungsloser. CV kursiert inzwischen völlig unkontrollierbar und unüberschaubar! Es gibt keinen zuständigen Ältesten oder Aufseher, der CV nicht liest, wenn er es auch nicht zugibt, schließlich muß er informiert sein, was sich in seinem Bereich vollzieht!

Darum ist CV immer mehr das idealste Mittel hier und heute, auch für die Ältesten und Aufseher, sich an alle wenden zu können, ja an die WTG selbst! Und das kann ganz unabhängig davon geschehen, was in CV sonst oder anders kritisch gebracht wird, was man nicht anerkennen möchte oder dem man nicht zustimmen kann. Jeder muß aber verstehen, daß CV in dieser WTG-Krise fundamentalster Art vielen kritischen Stimmen Raum geben muß. Und ist das andererseits nicht auch wertvoll? Warum sollte man den verschiedenen Fragen und Problemen nicht ins Auge sehen sollen?

Durchdenkt alle diese Fragen in diesem letzten Jahr vor 1975 mutig und konsequent. Wer sich nicht entscheidet, über den wird entschieden werden, ob er will oder nicht. Denn es stehen tatsächlich "wesentliche fortschreitende Änderungen" auf der Tagesordnung. Das war ein wahres Wort der Kongresse 1973. -
F. F

Ein zeitgemäßer Blick zu den anderen Brüdern und Schwestern
Wohl eine der berechtigsten Auflehnungen gegen WTG-Lehren war die internationale Auflehnung von Ältesten und anderen Brüdern und Schwestern seit Anfang der dreißiger Jahre. Das richtete sich gegen Lehren wie, die politischen Regierungen seien keine biblischen Obrigkeiten (1929), verbunden mit der Vernichtung des damaligen Ältestenamtes in der Organisation (1930), gegen die Entmündigung der Herauswahl unter das WTG-Direktorium, gegen die irdischen Jonadab-Klassen-Ausrichtung, die mit 1975 wieder hinfällig wird, um das wesentlichste zu nennen. Es gab keine Versammlung, in der die WTG durch dieses "neue Licht" nicht dramatische Konflikte hervorrief. Wer nicht folgte, wurde als "Russelit" verächtlich gemacht, als solche, "die dem Worte Gottes Gewalt antun, das Volk Gottes versprengen und es den tierischen Regierungen der Organisation Satans zur Speise machen", voll "eigennütziger Beweggründe", so daß ihnen "die Krone weggenommen" werden mußte. (Siehe: Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 124 und die Dokumentation: Die Zeugen Jehovas, S. 29ff, Urania-Verlag 1970)

Die auf diese Weise ausgestoßenen Brüder und Schwestern sind verständlicherweise in freien christlichen Versammlungen weiter zusammengeblieben, äußerlich hier so und dort so, in der DDR in der Vereinigung bzw. im Bund freistehender Christen, bzw. anderen freien Versammlungen.

Mit der verbalen Rückkehr der WTG 1962/63 zur Obrigkeitslehre, wie sie Br. Russell gelehrt hatte (auch mit den anderen Christen besteht darin Übereinstimmung), mit der prinzipiellen Wiedereinführung des Ältestenamtes 1971/72 und mit der wieder erklärten Unterordnung des WTG-Direktoriums unter den Überrest (WT 1. 4. 72 dt., CV 45/72) ist z. B. erwiesen, daß jene Auflehnungen von damals keine Rebellionen gegen Gott waren, sondern berechtigter Widerstand und Glaubenskampf gegen Abwege und Irrlehren, die im Namen Jehovas durchgesetzt wurden.

Natürlich hatte die WTG jenen Brüdern und Schwestern nur in der Sicht derer, die ihr folgten, "die Krone wegnehmen" können. Schließlich ist nicht sie es, die "die Krone des Lebens" verleiht. 2. Tim. 4:8. So finden wir denn, daß diese Brüder und Schwestern auch hier in unserem Lande den Weg der Nachfolge Jesu weitergehen. Das Offenbarwerden der furchtbaren Schuld der WTG ihnen gegenüber - bis heute hat sie nicht einmal um Verzeihung gebeten - und die mit 1975 klargewordene Aussichtslosigkeit sollten veranlassen, einen Blick hinüber zu tun zu diesen anderen Brüdern und Schwestern. Wirklich christliche Zeugen Jehovas sollten die aus den WTG-Verdammungsurteilen resultierenden Vorurteile dagegen überwinden, wie Jesus in Markus 9:38-40 u. a. deutlich zu verstehen gibt.

Laßt uns darum einige Auszüge aus dem Vortrag "Ausharren im Wandel mit dem Herrn" von Br. J. B. zur Kenntnis nehmen, einer der Ältesten jener Brüder und Schwestern in unserem Lande, um selbst zu sehen, in welchem Geist sie leben und weiter wirken.

Wir lesen:
"Sein Wort ist Wahrheit, und er ändert sich nicht. Durch Gottes Gnade stehen wir noch immer in demselben Licht, das uns einst leuchtete, als wir in die Wahrheit kamen und von ihr ergriffen wurden . . . Durch Gottes Wort kam uns zum Bewußtsein, daß wir einen gnädigen Gott haben und seine Botschaft durch Christum erfüllte unser Herz. Wir dürfen die kostbaren Verheißungen auf uns anwenden. Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Dieses Wissen sollte uns mit unbegrenztem Vertrauen erfüllen.

Wir haben erkannt, daß alle, die unserem geliebten Erlöser geweiht sind, unsere Geschwister in Christo sind. Unsere Herzen sind durch das Erfülltsein im Geiste des Herrn so, daß wir in Wahrheit sagen können: Wir lieben unsere Geschwister mit einer Liebe, welche aufrichtig und ungeheuchelt ist. Sie sind ja gleich uns neue Schöpfungen. Der himmlische Vater liebte uns auch, als wir noch Sünder waren. Wir haben unseren Wandel mit den Grundsätzen der Liebe in Übereinstimmung zu bringen . . . Wenn wir Prüfungen und Versuchungen haben, die wir überwinden vermögen, und die unserem Charakter vermehrte Geduld, Erfahrung, brüderliche Liebe und Mitgefühl bewirken, so wollen wir uns freuen und Danksagung darbringen . . . Die Liebe, wonach wir streben, ist diejenige, welche rücksichtsvoll persönliche Gegensätze vermeidet, über rachsüchtige Gefühle erhaben ist, und nur die Möglichkeiten, Mittel und Wege beherzigt. die Frieden bezwecken …

Ein jeder soll zum vollen Manneswuchse gelangen. Auch Paulus hat erfahren, daß Schwierigkeiten und Trübsale notwendig sind für den Glaubenden. Er sagt in Römer 5:3, "Wir rühmen uns auch in den Drangsalen, da wir wissen, daß Drangsale Ausharren bewirken". Da alles zu unserer Vollendung in der Heiligung notwendig ist, so wird der himmlische Vater uns die Prüfungen nicht ersparen können. Ohne die Gnade wäre es nicht möglich, Überwinder zu sein. Diese Gnade hält uns aufrecht, und läßt uns nicht über unser Vermögen versucht werden. Immer ist ein Ausweg vorhanden. 1. Kor. 10:13. Unsere Standhaftigkeit und unser Ausharren sind auf die Probe gestellt. Der Preis dafür ist immerwährendes Leben im Angesichte des Herrn".
Soweit der betreffende Älteste.

Im Blick auf die Fehlurteile der WTG über jene, deren "Krone wegzunehmen" sie sich anmaßte, können wir an Hand dieser Auszüge umso deutlicher sehen, wie ungerecht die Vorurteile sind, diese Brüder und Schwestern wären nur voll "eigennütziger Beweggründe" und dienten der "Organisation Satans". Lies noch einmal nach, wie Jesus über andere urteilte, die in seinem Namen handelten und auch an ihn glaubten, wie es in Markus 9:38-40 aufgezeichnet ist. Vielleicht ist dir das eine Hilfe. Denke darüber noch und sprich mit anderen über den tiefen Sinn dessen.

Im Blick auf die 1975 wieder gescheiterte "irdische" WT-Hoffnung möchten wir dazu die Frage stellen, ob jetzt überhaupt eine solche "irdische" Ausrichtung gepredigt werden darf. Lies ernstlich nach, was in Epheser 4:1-6 und Philipper 3:17-19 über die richtige christliche Hoffnung für die Zeit der Evangeliumsverkündigung gesagt ist!

Sollten nicht die Ältesten wirklich christlicher Zeugen Jehovas den Dialog, das Gespräch und den Gedankenaustausch mit jenen von der WTG ungerecht in der Vergangenheit Verdammten und "der Krone" beraubten aufnehmen? Ware das nicht eine christliche Selbstverständlichkeit? Wenn auch die Standpunkte erst im Laufe der Weiterentwicklung die nötige Änderung erfahren können. Was haben trotz allem alle gemeinsam? Was verbindet alle dennoch? Das allein wäre folgerichtig nach Markus 9:38-40. Die Zeit ist gekommen, nach diesem Toleranzprinzip Christi ernstlich zu leben. Für jeden wirklich christlichen Zeugen Jehovas sollte das WTG-Fiasko mit 1975 der letzte Anstoß sein, die Rechthaberei, allein "in der Wahrheit" zu sein, besonders den anderen Brüdern und Schwestern gegenüber und auch sonst ein für allemal aufzugeben, und sich demütig unter die Worte Jesu zu beugen.
P.

IN EIGENER SACHE
In eigener Sache zu sprechen - da läuft man leicht Gefahr, gründlich mißverstanden zu werden, ja, man setzt sich dieser Gefahr geradezu aus. Trotzdem meinen wir, einen legitimen Anspruch der Brüder und Schwestern zu erfüllen, wenn sie Auskunft über CV verlangen und wir die Antwort nicht schuldig bleiben.

Brüder fragen z. B., warum der Abdruck bestimmter Artikel zugelassen wird, die - nach Meinung dieser Brüder - CV "zu einseitig politisch festlegen".
Hier gibt es zwei Fragetypen: Besorgte Anfragen und andere, die den Herausgeber deshalb beschimpfen und verleumden.

Darauf ist zu antworten:
CV will ihrem Motto treu sein, und unterschiedlichen Stimmen und Auffassungen die Aussprache ermöglichen, da sie diese im WT und Erwachet nicht finden. Der Herausgeber von CV und das Herausgeberkomitee haben kein Recht, für CV schreibende Brüder und Schwestern so zu beeinflussen, daß sie anders schreiben, als es ihrer Überzeugung entspricht Das ist die Basis für die Mitarbeit, mit einer Einschränkung: Andersdenkende werden nicht verteufelt. Schreiben in CV bringt weder Geld noch Ansehen, sondern es bringt Freiheit für alle Brüder und Schwestern, da der WT zur Meinungsäußerung nicht zur Verfügung steht. Da ihre Meinungen ihre Begründung haben, schreiben sie folglich in CV.

Ehemals waren auch sie in "völliger Übereinstimmung mit dem Werk" der WTG, gehorsam nur dieser verpflichtet, als sei es für Gott. Ihr christlicher Glaube aber war durchsetzt WTG-Antikommunismus. Schwerwiegende Widersprüche und Erfahrungen mit der WTG haben dazu geführt, daß sie diesen Mißbrauch ihres christlichen Glaubens überwinden konnten. Als Christen schreiben sie heute so wie sie schreiben, weil nach ihrer Auffassung Gott Antikommunismus eines Christen nicht deckt und heiligt.

Wenn Gott, wie es die WTG tut, antikommunistisch beansprucht wird, so sehen sie darin heute einen mißbräuchlichen Anspruch an Gott, und sie widersetzen sich. Das ist eine christliche Grundüberzeugung, der deshalb nicht widersprochen werden kann. Mit einzelnen Formulierungen mag der Herausgeber unter Umständen nicht einverstanden sein. Aber er hat es
g e l e r n t , unterschiedliche Auffassungen zu ertragen und zu dulden.

Genauso deutlich will ich auch sagen, daß mich Atheismus nicht aufregt. Er geschieht unter der Zulassung Gottes, deshalb ist Atheismus für mich auch eine Antwort auf mißbrauchte christliche Religion. Ich sage es so - auch wenn ich deshalb verketzert werden sollte: Weil ich mich um eine brüderliche Einstellung bemühe, glaube ich, daß es Menschen gibt, für die Gott nichts bedeutet, nichts bedeuten kann. Diese Menschen sind deshalb nicht hochmütig oder hoffärtig, nein, sie können nicht an Gott glauben, trotz größter Anstrengung nicht. Sie sind in dieser Beziehung arm, weil ohne Bedürfnis nach Gott. Aber ich wage deshalb nicht zu behaupten, daß sie in diesem Mangel von Christus verlassen sind. Seine Liebe reicht auch für diese Menschen, gerade für sie. Mit dieser Tatsache ist allen Christen die schwerste Verantwortung aufgebürdet, sich der Gnade Gottes bewußt zu werden. Diese Last hat uns Gott aufgebürdet, so werden Christen und ihre Liebe gewogen.

Der Herausgeber hat kein Recht, seine Brüder und Mitarbeiter zu einem Denken gegen ihre Überzeugung zu veranlassen Es gibt keine Ausübung von Druck auf andere Brüder. Es wird beraten und um Verständnis gerungen, damit die Erkenntnis wächst. Einige etwa jemandem nicht passende Ideen und Vorstellungen lassen uns nicht straucheln. Christus wird richten, keiner sonst. Und für mich selbst bekenne ich ganz offen: Der WT-Schrecken mit Harmagedon kann mich nicht mehr verführen, denn es ist auch Götzendienst, wenn Christen in göttliches Geheimnis eingreifen wollen. Kein Christ, kein Mensch - auch keine WTG kann Gott ausdeuten, wie und wann er zu richten haben wird. Ich glaube an Gott, deshalb weiß ich, daß ich ihn nicht berechnen kann, so daß er schließlich menschlichen Vorstellungen gefügig werde.

Andere Briefe fragen den Herausgeber, "warum er zuläßt, daß in CV über sittliche Verfehlungen von Brüdern geschrieben wird". CV leite damit "der Welt" Wasser "auf ihre Mühlen". CV bereite auf diese Weise "auch dem Unglauben den Boden".

CV bzw. der Herausgeber würden, wenn wir diese Mitteilungen aus den Versammlungen nicht bekanntgeben, die Brüder ins Unrecht setzen, die CV informieren. Die betreffenden Brüder wünschen, daß CV solche Verfehlungen publik macht. Da diese Informationen mehrfach von Brüdern und Schwestern bestätigt werden, haben wir die Überzeugung, daß diese Geschwister über echte, unverfälschte Probleme berichten. Alles andere weisen wir entschieden als Unterstellung zurück. Wenn CV diese Stimmen nicht zu Worte kommen lassen würde, dann stünde es schlecht um CV, weil dann offensichtlich wäre, daß CV weder Herz noch Ohr für die Sorgen der Geschwister hätte. Der Herausgeber will sich lieber beschimpfen und verdächtigen lassen, als hier zu versagen und kleinlaut aus falscher Rücksichtnahme alles unter den Tisch zu kehren, anstatt die Organisation so zu sehen, wie sie ist.

CV stützt sich in der beklagten Berichterstattung auf biblische Vorbilder. Hurerei, Sodomie und ähnliche Verfehlungen wurden ohne Scheu ausgesprochen und uns durch den biblischen Bericht zur Mahnung vorgehalten und überliefert. Und noch ein wesentlicher Punkt. CV kann Zuschriften nicht einfach unterdrücken, nur weil wir möglichst risikolos auf Ansehen bedacht sind. Das geht nicht, denn wir würden systematisch an Vertrauen einbüßen und schließlich ganz verlieren.

Es ist eigenartig, bestimmte Anfragen befassen sich auf ihre Weise immer mit dem Herausgeber, sie sagen ja oder verdammen ihn. Wegen der Verdammungen ist mir nicht gram, hier teile ich das Schicksal von Br. Willy Müller. Im wahren Sinne fühle ich mich letztlich in solchen Fallen in einer "Stellvertreter-Rolle", denn einem Schreiber von WT-Artikeln ist man stumm ausgeliefert, niemand kennt seinen Namen, CV kann nicht mit GE drohen, und die Vernichtung versprechen wir auch nicht. Was liegt also näher, daß sich bestimmte Schreiber an CV wenden, um sich etwas von der Seele zu reden, oftmals Haß oder Enttäuschung, wie immer sich solche Gefühle auch verkleiden mögen. Es ist auch Nächstenliebe, wenn der Herausgeber der Blitzableiter für bestimmte "Anfrager" an CV sein kann, wenn er diese Rolle annimmt, was er auch weiterhin zu tun verspricht. Dank Christus bleibt dem Herausgeber eine kleine Genugtuung, er wird weder schimpfen noch beleidigen, in dieser Herzenseinfalt hofft er immer zu verbleiben. -

Zur Neuorientierung
Welche Lehrveränderungen hat die WTG im Hinblick auf 1975 schon vorgenommen?
Die "wesentlichen fortschreitenden Änderungen" der WTG-Lehren haben bereits begonnen. Die Verschiebetaktik ist bereits im Gange. Das Ende wird wieder unbestimmt in die Zukunft verschoben. Was aber wurde bisher schon geändert? Nur die wenigsten haben darüber eine Übersicht. Die WTG möchte ja auch, daß sich das alles so unmerklich wie möglich vollzieht, wie ein gleitender Übergang, den man beinahe gar nicht bemerkt.

Hier sind die jüngsten "wesentlichen Änderungen", die bis jetzt erkennbar sind.
1. Mit der Festlegung des Endes der 6000 Jahre auf 1975 wurde die Festlegung der 6000 Jahre auf 1972 stillschweigend liquidiert (Buch: Die Wahrheit wird euch freimachen S. 146 ff, Die Zeitrechnung)
2. Das Jahr 1984 wird als "guter Weitblick" ins Spiel gebracht. (Buch: Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht. S. 325)
3. Große Volksmenge kommt nicht seit 1918 aus großer Drangsal, sondern erst nach Harmagedon, also irgendwann nach 1975. (Buch: Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, S. 26,135)
4. Friede-und-Sicherheits-Ausrufung aus der 1945-Nachkriegszeit in unbestimmte Zukunft verlegt. (Bücher: Die Wahrheit wird euch freimachen, 1943 und Wahrer Friede und Sicherheit - woher zu erwarten? 1973)
5. "Millionen jetzt Lebender werden nie sterben" ist liquidiert, nur noch "Hunderttausende"! WT 15. 4. 73, S. 243, Abs. 10 dt.)
6. Hesekiel-Erfüllung um Jahrzehnte verschoben (Bücher: Rechtfertigung I/1931, und Die Nationen sollen erkennen … 1972, siehe CV 51/73, S. 3)
7. 1971/72 wurde das einst als falsche Religion verteufelte Ältestenamt wieder eingeführt, um die Organisation in der 1975-Krise besser intakt zu halten.
8. Die Diener-Funktionen wurden in Aufseher-Funktionen umgeändert, um mit zu erwartender Unzufriedenheit und Rebellion wegen 1975 besser fertig werden zu können.
9. Auch das Jahr 1996 als Ende der 6000 Jahre wurde zu 1975 bemerkenswert unkritisch ins Spiel gebracht. (Buch: Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, S. 28)
10. Auffällig werden die Daten 1931 bzw. 1935 vor 1914 ins Blickfeld geschoben als wesentlicher Beginn der Verkündigung von heute. Auch so wird Zeit gewonnen. (Buch. Die Nationen sollen erkennen . . . . S. 66, 172, 178, 181, 210, 307, 319, 320, 347)
11. Die Isolierung der Zeugen Jehovas von allen anderen Christen und von der natürlichen sozialen Umwelt wurde verschärft durch maßlose antikirchliche und antikommunistische bzw. antisowjetische Verteufelungskampagnen. (Buch: Die Nationen sollen erkennen . . . (Huren-Polemik), Erwachet 8. Sept. 73, Hetzkampagne gegen die Sowjetunion)
12. Es wird eine Änderung des Namen "Jehovas Zeugen" in "Christliche Zeugen Jehovas" langsam unterschoben. (z. B. WT 1. 11. 73, S. 651)
13. Mit den Jahrestexten 1973 und 1974 wurde die Orientierung auf 1975 grundsätzlich aufgegeben.

Dieser erste Überblick zeigt, daß die WTG begonnen hat zu verändern. In erster Linie wird zunächst mehr oder weniger der Rahmen des Ganzen verschoben. Der Inhalt bleibt im Großen und Ganzen noch weiter erhalten, wie er allgemein zu jeder Zeit gepredigt werden kann. Was daran jetzt schon geändert werden muß, geschieht vorsichtig, scheibchenweise. Hinten ein bißchen weg und vorne ein bißchen Neues angesetzt, keine zu großen Brocken, um so wenig wie möglich stutzig zu machen.
C. W.

Das Zweigbüro in Wiesbaden befürchtet für sich die größte Katastrophe wegen 1975
Zum Deutschland-Bericht im Jahrbuch 1974
Mit einer Höchstzahl von 93 178 Verkündigern im Dienstjahr 1973 in der BRD verwaltet das Zweigbüro in Wiesbaden den zweitgrößten Zweig der WTG-Weltorganisation. Doch nur noch wenige im Zweigbüro berauschen sich an dieser Höchstzahl. Der Vergleich der Berichte seit 1971 zeigt ihnen. daß der Schein trügt. Die Zunahme wird immer geringer: 1971 nach 4%, 1972 nur 2% und 1973 nur noch 1%. In Westberlin hat ein absoluter Rückgang eingesetzt: 1971 noch 1%, 1972 nichts mehr, 1973 schon 2% absoluter Rückgang. Wie wird es 1975 aussehen?

Ist das jetzt die Ruhe vor dem Sturm? Daß sich die WTG auf eine ernste Katastrophe vorbereitet, zeigt das Jahrbuch 1974 mit seinen Märtyrer- bzw. Heidenbericht über die Verfolgung in der Nazizeit. Zwei Haupthintergründe zeigen sich. Die WTG weiß, wenn der BRD-Zweig mit 1975 zusammenbricht, ist das für ihr Werk in Europa der Anfang vom Ende. Der 1974-Jahrbuchbericht ist eine "psychologische Injektion" größten Ausmaßes zur inneren Festigung, indem er eine innere Stabilisierung am Märtyrer- bzw. Heldentum in der Nazizeit vornehmen soll, in aller erster Linie. Ein Zweites hat die WTG zu diesem Jahrbuchbericht von 188 Seiten silbern eingebunden gezwungen: Die Veröffentlichung der Dokumentation "Die Zeugen Jehovas" (Über die Wachtturmgesellschaft) 1970 vom Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin in der DDR und in der BRD, mit einer kritischen Untersuchung der Rolle der WTG in der Nazizeit, davor und danach, in bisher nie dagewesenem Maße. Die WTG konnte auch dazu nicht mehr schweigen, sie mußte entscheidende Dinge in ihrem Sinne klären und hinstellen. Waren doch Personen angegriffen worden, die die "Säulen" des Werkes sind. Sie stellte dem Blaubuch (der Dokumentation) ihr Silberbuch entgegen. Über die Farbensymbolik läßt sich nachdenken. Der Jahrbuchbericht ist zum Teil direkt durch das Blaubuch diktiert. Es werden in auffälliger Weise gerade diejenigen Verantwortlichen "gerechtfertigt", die im Blaubuch am schwersten belastet werden, und diejenigen Vorgänge geschickt behandelt, die die WTG politisch am schwersten in der Nazizeit kompromittieren. Wer sich von der Fassadenreinigung im Silberbuch nicht blenden lassen will, muß dazu das Blaubuch lesen, anders geht das jetzt nicht mehr. Die WTG hat mit ihrem Silberbuch den Fehdehandschuh des Blaubuches aufgenommen. Die Auseinandersetzung wird dramatisch werden. Sicherlich wird auch in CV darüber informiert werden können.

Ein erstes Wort noch zur Darstellung der WTG-Untergrundtätigkeit in der DDR. Der Bericht verschleiert total den seit ca. 1947 einsetzenden antidemokratischen, antikommunistischen und antisowjetischen WTG-Kampf in der Verkündigung, speziell gegen die DDR gerichtet. Das kurze Zitat aus der Antibolschewismus- und Anti-SED-Hetze von Zweigdiener Erich Frost 1949 in der Westberliner Waldbühne und über den amerikanischen Sender RIAS (S. 224) deutet an, was hier wirklich zugrunde lag. Die WTG hat sich in der ganzen Periode des Kalten Krieges seit 1947 etwa von niemandem antikommunistisch übertrumpfen lassen. Das alles wird total verschleiert und stellt deshalb jetzt eine gefährliche politische Desinformation dar. Im Blaubuch sind hierzu die Dokumente veröffentlicht.

Die WTG-Jahresversammlung stand völlig im Banne des Jahrestextes 1974. WTG-Präsident N. H. Knorr sprach "sehr ernst und zum Nachdenken anregend" über das ganze Kapitel Habakuk drei. Danach muß sie in Brooklyn "Erbeben, Zittern, Todesangst und Erschauern" erfaßt haben vor dem, was da kommt, wenn alles ein "Fehlschlag" gewesen ist. Es ist wie ein "Totenklagelied", zu dem gehüpft und gesprungen werden soll wie "Hindinnen" bis alles vorbei ist. Die ernste Stimmung im Zweigbüro in Wiesbaden ist völlig verständlich. buko

Die Erörterungen über 1975 überschatten nahezu alle andere
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Als 1966 das Jahr 1975 als "Ende dieser Welt" verkündet wurde, hieß es im WT: "Erörterungen über dieses Jahr 1975 überschatteten nahezu alles andere . . . Das war bestimmt eine der hervorragenden Segnungen, die wir mit nach Hause nehmen konnten". (WT 1. 1, 67. S. 20 dt.) Kann es jetzt in den Versammlungen anders sein, wenn wir im letzten Jahr vor 1975 sind?

So sicher, wie alle Menschen - schöpfungsbedingt - weiter essen, trinken, wohnen, arbeiten, ihre Kinder in die Schule schicken, das Wirtschafts-. Gesundheits-, Sozial- und Volksbildungswesen z. B. erhalten müssen und in diesem Zusammenhang für "Obrigkeit von Gott" und Gesetz und Ordnung sorgen müssen, wird das 1975-Weltende fehlschlagen. Die WTG gibt in ihren "Königreichsnachrichten" und anderen Artikeln in WT und Erwachet falsche Weltlage-Berichte. Die kapitalistischen Krisen, die sie da beschwört, machen an den Grenzen der sozialistischen Länder Halt. Es gibt keine weltweite Harmagedon-Krisenlage. Im Frühherbst nächsten Jahres, 1975, wenn nach der WTG die 6000 Jahre vorbei sein und die 1000-Jahrherrschaft Christi begonnen haben soll, wird das selbst Analphabeten offenbar sein. Die irdische Perspektive der WTG wird völlig haltlos und ungewiß sein, sie wird sich wieder in Illusion aufgelöst haben.

Du mußt Deine Entscheidungen jetzt vorbereiten. Die Beiträge in dieser CV-Ausgabe geben die verschiedensten Anstöße Was ist zu tun? Eine Hauptaufgabe ist, entschieden alles von der WTG zurückzuweisen, was zur Untergrundtätigkeit führt und so aus "List" und "Hinterhältigkeit" (2. Kor. 4.2 NW) herauszutreten.

Das erfordert, die Ältestenfunktion nicht nur formell, sondern völlig wahrzunehmen, so wie sie Br. C. T. Russell tatsächlich biblisch einst eingeführt hatte. Es wird andererseits echte christliche Toleranz erfordern, nach Markus 9:38-40 etwa, und aufzuhören mit der Verteufelung derer, die nicht in der gleichen Gemeinschaft Christus nachfolgen. Eine große Hilfe wird sein, die schöpfungsbedingten und somit gottgewollten sozialen Bedürfnisse aller zu ihren bestimmenden Einfluß in irdischen Fragen in rechter Weise zu erkennen Wenn doch die WTG selbst dies alles könnte, in Demut die Schlußfolgerungen aus ihrem 1975-Zusammenbruch ziehend. Sie gibt zwar zu, daß ihr seit 1947 allein, abgesehen von vorher, ca. 300 000 Brüder und Schwestern wieder den Rücken gekehrt haben (Jahrbuch 1974, S. 254f), doch überheblich nennt sie ihren Glauben "tot', der nur bei Wiederaufnahme und Annahme der WT-Speise wieder "ein lebendiger Glaube" werde. Sie bleibt also rechthaberisch und unbußfertig, obwohl sie mit 1975 alle schon seit 1799 das 6. oder 7. Mal mit Endterminen irreführt, mit allem, was damit zusammenhängt.

Doch das Leben geht schöpfungsbedingt ganz natürlich weiter Wer sich nicht entscheidet, über den wird entschieden werden. Das ist ein wahres Wort in dieser CV-Ausgabe. Laß auch andere Brüder und Schwestern diese Ausführungen lesen. Die Zeit drängt
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.

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