Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV56

"Erwachet" vom 8. 9. 1973 ist in dieser CV-Ausgabe das "gefundene Fressen", um in tendenziöser Weise zu polemisieren. Worum ging es dabei. Es ging dabei um die Frage "Wie erfolgreich die Sowjetunion in ihrem Kampfe gegen die Religion gewesen sei". So der Titel des entsprechenden "Erwachet!"-Artikels. War die Sowjetunion diesbezüglich "erfolgreich". Objektiv betrachtet sicherlich nicht und dies klingt auch im entsprechenden "Erwachet!"-Artikel mit an. Nun mag man als "gläubiger Verfechter" des sowjetischen Systems das vielleicht anders sehen. Solche Gläubige belieben auch nicht über den nachweisbaren Terror in der Sowjetunion zu reden. Wenn sie reden, dann ist ihr Ziel nur "schönzureden". Eine Kostprobe der diesbezüglichen CV-Argumentation:

"Ist es Absicht oder Unwissenheit, daß der WTG-Schreiber nicht unterscheidet zwischen dem 'Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion' (S. 5) und dem Verhältnis des Staates, der Regierung, zur Religion? Lenin sagte - zum Nachlesen für jedermann - daß Staat und Regierung 'die Religion nichts angeht', anders jedoch die Arbeiterpartei. Die WTG wirft hier alles durcheinander. Absichtlich? Was sollte man anders annehmen? Wir können hier nicht seitenlang Lenin zitieren, obwohl man es wegen der Entstellung von Lenin-Zitaten seitens der WTG müßte. Wer verantwortungsbewußt ist, wird selbst nachlesen. was die Unterschiede sind (Lenin, Werke Bd. 10 'Sozialismus und Religion', und Bd. 15 'Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion'). Wie könntest du diese WTG-Entstellung von Staatslehren bedenkenlos bejahen und verbreiten? Gott verurteilt jedes falsche Zeugnis.

Eine andere Attacke richtet sich gegen 'Priestervereinigunqen' in der Sowjetunion, 'die nur Moskau treu' waren. (S. 6)"

Es wäre müßig diesen Streit jetzt hier zu vertiefen. Meine Meinung dazu habe ich schon einleitend gesagt. Nur etwas anderes erscheint mir signifikant. An sonstiger (berechtigter) Kritik an der Zeugen Jehovas-Führung spart die CV sicherlich nicht. Wer kritisiert, der muss auch selbst Kritik einstecken können. Das genannte Beispiel wäre ein solcher Fall, wo das zuträfe. Nichts von alledem. Stattdessen nur Verteidigung und billige Polemik. Zu billig, wäre dazu der abschließende Kommentar!
 


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 56 Gera Februar 1974

DER ABFALL IN BROOKLYN - WEITERE INFORMATIONEN
Liebe Leser
"Keine Zeitspanne des Abfalls", hieß es auf den Kongressen 1973. Doch sie kommt nicht nur, sie hat bereits begonnen Für die WTG ist es jedoch ziemlich leicht, alle glauben zu machen, es gäbe keine und es komme keine. Denn in den WTG-Schriften wird darüber nicht berichtet, und wer informiert sonst noch alle über die WIG und was sich in Wahrheit abspielt? Bei uns CV, aber sonst?

Es kann ja gar nicht anders sein. Die Harmagedon-Fehlverkündigung von 1914 kostete die WTG ca. 30 000 Glieder, die heute in freien Christengemeinden verbunden sind. Die WTG selbst lag damals "wie ein Leichnam auf der Straße". Unter den Tausenden, die die WTG wegen der nächsten Harmagedon-Festsetzung - 1925 - verließen, befanden sich höchste WTG-Verantwortliche, wie Conrad C. Binkele, der Leiter des Zentraleuropäischen WTG-Büros in der Schweiz. Es begann ein Entwicklungsprozeß, in dem laufend hauptverantwortliche Brüder, die in höchste Stellungen gelangt waren und die Dinge zu durchschauen begannen, die WTG verließen. Zu ihnen gehörten die Brüder W. F. Salter, engster Berater von WTG-Präsident J. F. Rutherford und Zweigdiener von Kanada, Jesse Hemery, Mitglied des WT-Herausgeberkomitees und Zweigdiener von England, Olyn R. Moyle, Oberster WTG-Rechtsberater in Brooklyn, Hayden C. Covington, der nächste Oberste Rechtsberater der WTG in Brooklyn, Paul Balzereit, Zweigdiener von Deutschland, Hans Dollinger, WTG-Rechtsberater in Deutschland, und viele andere Zweigdiener, Pilgerbrüder, Bezirksdienstleiter in vielen Ländern.

Mit 1975 kann es nicht anders sein. 1972 kam es im Hauptbüro in Brooklyn zum ersten großen Ausbruch. In CV 50/1973 hatten wir folgende Information veröffentlicht: "Noch bisherigen Informationen aus den USA, sind im WTG-Hauptbüro in Brooklyn 312 Mitarbeiter, ca. ein Viertel der Bethelfamilie, in Opposition gegangen und ausgeschlossen worden Sie haben sich gegen den WT-Kurs nach 1975 ins Ungewisse erhoben und verlangten eine Neuorientierung". Sicher ist jedermann interessiert, nähere Einzelheiten hierüber zu erfahren. Unsere Informationen aus den USA besagen dazu folgendes:

Allen in Brooklyn ist klar, daß 1975 haltlos ist. Es hat seinen Zweck erfüllt, die Organisation auf Höchstleistungen zu bringen. Jetzt wird es gefährlich. Man muß so oder anders davon wieder weg. Nun hatten das aber nicht alle als reine Taktik angesehen. Ihr Endzeitglaube war echt. Die Einsicht, 1975 aber dennoch wieder preisgeben zu müssen, die WTG-Führung aber keinen Ersatz bietet, sondern die Perspektive ungewiß und einfach offen läßt, was man den Verkündigern nicht zumuten kann, trieb zur Entscheidung. Offensichtlich wurde aus der Tatsache, daß die WTG - wie ihre falschen Jahreszahlen seit 1799 über 1874, 1914 und 1925 bis heute 1975 beweisen - eine vollkommen haltlose Endzeit und damit falsche Endzeit verkündigt, die Schlußfolgerung gezogen, diese eigene Rechnerei ein für allemal fallen zu lassen. Auch die herangezogenen Ereignisse laufen ja immer wieder davon, aus Napoleon (1799) wurde Hitler gemacht, daraus dann wieder der Kommunismus, oder, erst ging das "Tier" 1870 in den "Abgrund", dann 1914, dann 1939 u. a. m. Vieles ist schon vier bis fünfmal umgedeutet worden! Nein, so geht es nicht, wir leben nicht in einer solchen Endzeit oder kurz vor einem solchen Ende, wie es der WT laufend vor sich herschiebt, seit 1799 nun schon fast 200 Jahre lang!

Was gibt es dagegen für eine bis heute unveränderte Zeitrechnung Das war die Frage. Die einzige aus biblischer Zeit bis heute unveränderte Zeitrechnung ist die jüdische! Darauf wiesen die Brüder in Brooklyn hin. Danach leben wir erst im Jahre 5734 seit der Schöpfung. Bis zum Ende der 6000 Jahre mit entsprechenden Geschehnissen sind es somit noch über 200 Jahre! Kein Wunder also, daß keine einzige WTG-Berechnung bisher gestimmt hat, auch 1975 nicht. Daraus wurde gegen die Brüder jedoch die Anklage konstruiert die jüdische Zeitrechnung sei ihnen "zur Schlinge geworden", die man ihnen dann tatsächlich um den Hals legte. Doch wo hat auch nur eine einzige Zeitberechnung der WTG gestimmt? Nirgends, wenn man es genau prüft! Allerdings würde eine Anerkennung dessen, worauf die Brüder hinwiesen, die WTG zwingen, alles, aber auch alles grundsätzlich zu ändern, was sie bisher gepredigt hat. Würden nicht alle automatisch davonlaufen, wenn der WT jetzt vor 1975 sagen würde, es dauert alles noch über 200 Jahre? So wurde das "kleinere Übel" gewählt, die ca. 300 Brüder wurden ausgeschlossen, wenn sie nicht freiwillig gingen, alles wird verschwiegen, man läßt alles ungewiß, unkonkret, ungenau, unklar. Damit keiner sicher gegen die WT operieren kann. Wenn die Katastrophe so klein wie möglich bleiben soll, bleibt nichts weiter übrig, als buchstäblich "im Trüben zu fischen", muß man alles im konkret Unbestimmten halten. Nur in solchem Halbdunkel kann man in einiger Sicherheit vorsichtig umorientieren.

Die neuen WTG-Bücher lassen das schon klar erkennen! Mit dem Buch "Die Nationen sollen erkennen, daß ich Jehova bin" wurde z. B. die alte Hesekiel-Auslegung liquidiert und eine neue vorgelegt. (CV 51/1973). Mit dem Buch "Wahre Friede und Sicherheit, woher zu erwarten?" (1973) wurde die Anwendung bekannten Bibelzitats über "Friede und Sicherheit" (l. Thess. 5:3) das dritte Mal in die Zukunft verschoben (Erstmals: Vorkriegszeit, vor 1914, Schriftstud Bd. 4 S. 146. Dann: Nachkriegszeit 1945, D. Wahrheit wird euch freimachen, S. 344-47, 1943, "Nachkriegsneuordnung" Nun: Problemlösung und Entspannung der siebziger Jahre, danach.) Diese neuen Verschiebungen waren wesentlicher Teil der Auseinandersetzungen in Brooklyn.

Aber auch in den Versammlungen geht es los. Noch einer Überprüfung des Jahresberichtes 1972 hat es allein in der BRD in diesem Jahr über 3700 Fälle von Zurückzug bzw. Ausschluß geben! Doch wer erfährt das schon? Wenn man das alles sieht, muß man da nicht aufstehen, um sich über alles gründlich zu informieren?
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

WTG-Antikommunismus
Ein Politisches Ablenkungsmanöver der WTG von 1975
Was soll man machen, wenn die 1975-irregeführte Verkündigerschar. der "getäuschte Simson", 1975 nicht aufstehen soll, um das ganze verfehlte irdische Werk der WTG einzureißen? Das ist eine der Hauptsorgen im WTG-Hauptbüro in Brooklyn. Eine Überprüfung der WTG-Äußerungen hierzu zeigt: Alles ist darauf ausgerichtet, 1975 irgendwie zu verdrängen, darüber hinwegzukommen, mit möglichst wenig Erregung von Aufsehen. Dabei wird auf intensive Beschäftigung eines jeden geachtet, damit er nicht zur Besinnung. kommt. Das wäre das Gefährlichste.

Das genügt aber nicht. Man muß die Aufmerksamkeit auf andere "große" Dinge lenken, die die Sinne völlig beanspruchen. 1975 war schließlich keine Randbemerkung in der Verkündigung, sondern hatte allerwichtigste Bedeutung. Was jetzt gebraucht wird, muß aber nicht nur von 1975 ablenken, denn das kann ja gefährlich werden, es muß gleichzeitig auf Gedeih oder Verderb fest mit der WTG verbinden Nirgends darf "Simson" auftreten! Das ist der Alpdruck des Hauptbüros.

Ablenkung durch politische Offensive
Wie könnten die Sinne gefangen genommen werden? Wie ihr Vorgehen zeigt, kalkuliert die WTG so: Eine neue scharfe Konfrontation mit dem Kommunismus muß unbedingt unternommen werden. Dadurch kann nicht nur vieles verdrängt werden. Dadurch kämen alle auch unter einen Druck von außen, der sie um so fester an die WTG drängt, weil, wie sie annimmt, der Abscheu gegen den Kommunismus nur diese Alternative lasse. So ist jetzt tatsächlich eine neue Welle des Antikommunismus und Antisowjetismus von der WTG ins Rollen gebracht worden, nicht von ungefähr, aber auch eingeordnet in eine gleichzeitige größere imperialistische Kampagne gegen die Sowjetunion.

Das Instrument dazu ist die "besondere Ausgabe" der WTG-Zeitschrift "Erwachet" vom 8. Sept. 1973, unter dem provokatorischen Titel: "Wie erfolgreich ist die Sowjetunion in ihrem Kampf gegen die Religion?". Wie die WTG-Ankündigungen schon im Juli-Königreichsdienst (Wiesbaden) anzeigen, liegt hier eine langfristige Planung vor. Die speziellen Anweisungen des Leiters des WTG-Ostbüros in Wiesbaden, W. C. Pohl, USA, die WTG habe "bestimmt einen wichtigen Grund, wenn sie das jetzt veröffentlicht", weisen auf jene größere politische Einordnung hin.

Man darf sich nicht durch die anscheinende Objektivität in den fraglichen Darstellungen täuschen lassen. Die in "Erwachet" vorgelegte "Untersuchung der Geschichte der Beziehungen zwischen Kirche und Staat in der Sowjetunion" ist durchsetzt mit Halbwahrheiten, Einseitigkeiten, Oberflächlichkeiten, Entstellungen, Verzerrungen und Verleumdungen sowohl der Kommunistischen Partei der Sowjetunion als auch des Sowjetstaates bzw. der Sowjetregierung. Es wird den Verkündigern wieder etwas in die Hand gedrückt, was sie weder selbst begründen noch irgendwie verantworten können. Ist eine solche politische Einmischung zwischen "Staat und Kirche" überhaupt Aufgabe der Evangeliumsverkündigung?

Unbiblische Einmischung aufgedeckt
Wir wollen nun die hauptsächlichsten Entstellungen und Verleumdungen in dieser WTG-Untersuchung bezüglich Staat und Kirche in der Sowjetunion aufzeigen, vor allem zur Warnung, damit jeder die politische Verantwortungslosigkeit aber auch Haltlosigkeit dieses WTG-Ablenkungsmanövers erkennt.

Es geht schon los mit dem bekannten imperialistisch-antikommunistischen Schlagwort des Kalten Krieges von den "Menschen hinter dem Eisernen Vorhang" (S. 3), was die sozialistischen Länder betrifft. Damit ist gleich klar, wo die WTG politisch hin will.

Die weitere Darstellung, der Kommunismus mit "seiner Macht über Rußland unter Leitung Lenins" und, "die kommunistischen Herrscher" hätten "mehr als einhundert nationale Gruppen unter ihre Herrschaft gebracht", (S. 4, 5), ist eine verleumdende Entstellung des politischen Sachverhalts. Denn es wird auf diese Weise eine Art Unterwerfung, Beherrschung oder Knechtung des Volkes suggeriert, wobei die Wahrheit, der demokratische Charakter der sozialistischen Gesellschaftsordnung, mißachtet wird.

Dann werden "die Kommunisten in Rußland" angeprangert, weil sie proklamiert hätten, "das Land in einen atheistischen Staat umzuwandeln". (S. 5) Was soll das? Was will die WTG mit solcher Anprangerei erreichen? Was heißt denn eigentlich "atheistisch"? Das heißt doch nichts weiter als "nichtreligiös". Soll der Staat religiös sein, wie es im Mittelalter etwa der Fall war? Ist der USA-Staat religiös? Oder der französische? Oder der schwedische? In Frankreich wurde die Trennung von Kirche und Staat schon in der nichtkommunistischen bürgerlichen Revolution von 1789/ 95 herbeigeführt! Trennung von Kirche und Staat heißt doch nicht "Auslöschung der Religion"! Das zu behaupten ist entweder mangelhafte Bildung oder religiös-politische Bosheit, die einen Zweck verfolgt. Den Zeugen Jehovas aber wird dadurch die Gesinnung beigebracht, ob Recht oder Unrecht, gegen Kommunisten spielt das keine Rolle. Denkst du auch schon so?

Das nächste ist eine Verzerrung der Staatslehre des Marxismus-Leninismus Mit einem obendrein ungenauen Lenin-Zitat greift die WTG die "Regierung" der "Bolschewiken" an. Ist es Absicht oder Unwissenheit, daß der WTG-Schreiber nicht unterscheidet zwischen dem "Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion" (S. 5) und dem Verhältnis des Staates, der Regierung, zur Religion? Lenin sagte - zum Nachlesen für jedermann - daß Staat und Regierung "die Religion nichts angeht", anders jedoch die Arbeiterpartei. Die WTG wirft hier alles durcheinander. Absichtlich? Was sollte man anders annehmen? Wir können hier nicht seitenlang Lenin zitieren, obwohl man es wegen der Entstellung von Lenin-Zitaten seitens der WTG müßte. Wer verantwortungsbewußt ist, wird selbst nachlesen. was die Unterschiede sind (Lenin, Werke Bd. 10 "Sozialismus und Religion", und Bd. 15 "Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion") Wie könntest du diese WTG-Entstellung von Staatslehren bedenkenlos bejahen und verbreiten? Gott verurteilt jedes falsche Zeugnis.

Eine andere Attacke richtet sich gegen "Priestervereinigungen" in der Sowjetunion, "die nur Moskau treu" waren. (S. 6) Im WTG-Mund das Schlagwort "Moskau treu"! So sprechen alle politischen Feinde des Sozialismus-Kommunismus, von den Hitlerfaschisten angefangen! Klar offenbart die WTG hier wieder ihre "Moskau feindlichen". d. h. antisowjetischen politischen Positionen, ihre antisowjetische Staatsfeindschaft. Was hat denn diese ganze Anti-Moskau-Hetze im Stile der Hitlerfaschisten noch mit dem Evangelium zu tun? Wo geraten denn die Zeugen Jehovas unter WTG-Führung hin?

Die nächste größere Entstellung der Wahrheit betrifft die Entstehung des Kommunismus. Die WTG zitiert hierzu einen anonym gehaltenen "Theologen in einem kommunistischen Land" mit seiner Erklärung, daß die "Christen allein für den Kommunismus verantwortlich" seien (S. 7). Seit wann gelten für die Verkündigung bloße Behauptungen anonymer Theologen, noch dazu in einer solchen hochpolitischen Frage? Zudem stimmt das überhaupt nicht.

Das Christentum ist anerkanntermaßen an keine Gesellschaftsordnung gebunden, und der Kommunismus hat primär sozial-ökonomische Ursachen. Man müßte sich hier schon ein wenig mehr um die Entwicklungsgeschichte kümmern.

Was die WTG hier aber bietet ist sträflicher politischer Leichtsinn, ja Unsinn. Der Schreiber ist ein absoluter Ignorant oder Dilettant, wenn er das nicht in absichtlicher Entstellung der Dinge tut. Die WTG-Verantwortlichen scheinen nur zu schauen, ob etwas irgendwie in ihr Schema eines religiös-motivierten Antikommunismus und Antisowjetismus paßt. Ob das genau stimmt oder nicht, scheint völlig belanglos zu sein. Kannst du das ehrlicherweise mitmachen? Willst du anderen gar auf diese Weise in den "Heimbibelstudien" politisch den Kopf verdrehen? Vielleicht deinen Kindern gar, für die Schule?

Dann bringt die WTG ihr eigenes Werk ins Spiel. Sie sagt, die "Führer der Sowjetunion" hätten zwar Gründe für ihren Widerstand gegen die Religion gehabt, "aber unglücklicherweise machten sie keinen Unterschied zwischen dem wahren Glauben an Gott und heuchlerischer Religion" (S. 7). Mit dem "wahren Glauben" ist das WTG-Werk gemeint. Hier ändert die WTG die Taktik, um die öffentliche Meinung zum Mitleid für die WTG zu veranlassen, vielleicht sogar zu einer Protektion? Das kommt genau dem bekannten Schrei "Haltet den Dieb!" gleich, um vom eigenen Kampf gegen die Sowjetregierung abzulenken, den sie christlich bemäntelt führt. Schon der nächste Absatz beweist das hinreichend. Geistliche, die "den Kommunisten" nicht mehr "widerstanden", diffamiert die WTG als "kompromißbereit" und als "Werkzeuge der kommunistischen Regierung" (S. 7). So habe Patriarch Tichon "im Gegensatz zu Jesus Christus" einen "Kompromiß" gemacht, als "er versprach, nichts zu unternehmen, was den Interessen des Staates schaden könnte", und "andere hohe Würdenträger folgten im allgemeinen seinem Beispiel" (S. 8).

Werde dir klar darüber, was die WTG hiermit sagt! Sie sagt nicht mehr und nicht weniger, daß es in Übereinstimmung sei mit Jesus Christus, den Interessen des Staates zu schaden! Jedenfalls soweit es den sowjetischen bzw. sozialistischen Staat betrifft!
Diese WTG-Politik willst du verbreiten und lehren?

Wir ziehen eine erste Bilanz
Es ist offenkundig, daß diese "Untersuchungen der Geschichte der Beziehungen zwischen Staat und Kirche in der Sowjetunion in "Erwachet" vom 8. Sept. 1973 nicht nur unbiblische politische Einmischungen darstellen, sie sind eine einzige antisowjetische und antikommunistische staatsfeindliche Provokation, eine schein-objektiv aufgemachte Verzerrung und Verleumdung der wirklichen Sachverhalte.

Wenn W. C. Pohl im Ostbüro der WTG in Wiesbaden dazu sagte, diese Veröffentlichungen würden "die Feinde in der DDR auf die Barrikaden bringen", so verletzt die WTG hier nicht nur die biblischen Grundsätze, "sich friedfertig und nachgiebig zu zeigen und nichts als Sanftmut gegen alle Menschen zu beweisen" (Titus 3:2) und "keine Missetaten und Einmischung in fremde Dinge" zu begehen (1. Petr. 4:15). Es wird mit noch einem anderen Feuer gespielt.

Die WTG möchte offensichtlich auch eine "kommunistische Christenverfolgung" auslösen, die ihre Anhänger treffen soll. Wenn so etwas weltweit zum Lodern gebracht werden könnte, so wäre das für die Leitende Körperschaft in Brooklyn die beste Ablenkung von ihrer 1975-Misere.

Da würde alles andere in den Hintergrund treten, das würde für die Masse der Anhänger ein "Martyrium" sein, das alles andere vergessen macht, kalkulieren sie. W. C. Pohl vertritt seinen Äußerungen nach die fanatischste Gruppierung in der WTG-Führung.

Ein Blick in die weitere Runde zeigt, daß diese antisowjetische "Erwachet"-Kampagne vom September 1973 andererseits genau gleichläuft mit anderen antisowjetischen Aktionen und Kampagnen imperialistischer Kräfte zu dieser Zeit. Wer die Zeitung liest, sah, wie in dieser Zeit z. B. bezeichnenderweise kurz vor Beginn der 2. Phase der europäischen Sicherheitskonferenz in Genf - verschiedene Aktionen gestartet wurden, die Sowjetunion der Verletzung der Menschenrechte zu bezichtigen. Der Prozeß in Moskau gegen einige NTS-Agenten im September 1973 machte das sichtbar. (ND 6. Sept. 1973, Internationale Pressekonferenz mit verurteilten Kollaborateuren). Die WTG startete ihre Anti-Moskau-Hetze zur gleichen Zeit. Oder hat sie in ihrem Bereich zu dieser Zeit so etwas tun müssen?, War das der Sinn der Worte von W. C. Pohl, die WTG habe ihre "Gründe", wenn sie das jetzt veröffentliche? -
K. 0.

Die WTG-Kongreß-Resolution 1973: An "Alle, die ihr Vertrauen auf von Menschen geschaffene politische Herrschaftssysteme gesetzt haben"
Die entscheidende These
In der mit tosendem Beifall auf den 1973-Kongressen der WTG in Düsseldorf, München und anderswo beklatschten "Resolution" wie üblich an alle Menschen, Staaten und Regierungen, also auch an die Adresse der politischen Führung der DDR, Parteien und Regierung, war der Kerngedanke: "Die Nationen führen ihre Staatsgeschäfte nicht auf der Seite Gottes, indem sie ihre höchste Staatsgewalt dem Königreich Gottes, das seinen Sitz im himmlischen Jerusalem hat, abtreten. Daher können sie nur auf der anderen Seite stehen, auf der Seite des größten Widersachers Gottes Satans, des Teufels". Was sollen alle, die hier angesprochen sind, mit dieser Verdammung und Verurteilung der "Staatsgeschäfte der Nationen" anfangen?

Vielleicht merken nachdenkliche und aufrichtige Brüder und Schwestern schon selbst, welchem Phantom die WTG huldigt, wenn sie solche Gegensätze oder staatsfeindlichen Thesen konstruiert. Denn schließlich steht klar und deutlich in der Schrift, daß die Staatsgeschäfte der "Obrigkeit" dem Willen und Anordnung Gottes entsprechen. Römer 13:1-7. Was bringt die WTG doch mit ihrer Behauptung, "von Jehova gelehrt", alles fertig und zur kritiklosen Annahme! Unsere Aufgabe soll es jetzt sein, die praktische Bedeutung dieser Verdammung und Verurteilung der Staatsgeschäfte seitens der WTG zu betrachten. Dies kann sehr dazu beitragen, einer realistischen "irdischen" Orientierung den Weg zu bereiten.

Unsere gemeinsame Grundlage
Es gibt einen WT-Artikel "Persönliche Interessen des Menschen" (WT 15. Sept. 1956 dt.), in dem einige menschliche Existenzfragen behandelt werden, gestützt auf die "Kommentare der Gesetze von England" von Wm. Blockstone, verbindlich definiert durch "Bouvier's Low Dictionary". Wir können uns hiermit einverstanden erklären, sodaß wir eine gute und gemeinsame Plattform oder Grundlage des Verstehens bei beiderseitigem guten Willen haben.

Es handelt sich um folgende Definition des Naturgesetzes, "das Gott, der Souverän des Universums, a l l e n Menschen vorgeschrieben hat, nicht durch irgendeine formelle öffentl. Bekanntmachung, sondern allein durch das innere Diktat Vernunft": "Relativer Scharfsinn oder relative Vernunft, 2. Liebe zum Ich, 3. gegenseitige Anziehung der Geschlechter. 4. Zärtlichkeit der Eltern gegenüber ihren Kindern, 5. religiöses Empfinden, 6. Geselligkeitstrieb …" Und der WTG-Kommentar sagt dazu: "Solche ihnen von Gott in ihrer Urform eingepflanzten Interessen tragen den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes, und dies als Rechte, die ihnen (allen Menschen) von Gott übertragen worden sind".

Wir können hier die Bemerkung des Apostels Paulus anfügen, wonach selbst "die Heiden … von Natur aus die Forderungen des Gesetzes erfüllen", weil es "ihnen ins Herz geschrieben ist." Römer 2:14.

Wir wollen die zwei wichtigsten Prinzipien dieser Definition, die zu Mensch und Gesellschaft als Kriterium nehmen.
Über die fundamentale Bedeutung der "Liebe zum Ich" sagt der WT: "Die Bibel bestätigt das Vorhandensein dieses Grundprinzips der menschlichen Natur, das Gott in sie gelegt hat". Und zur Bedeutung: "Dieses starke Recht auf Liebe zu sich selbst drängt jeden Menschen, an die eigene Bewahrung zu denken, an Schutz vor Schädigungen von Leib und Leben, an die Vermeidung all dessen, was ihn verletzen könnte, und an die Vorsorge für all das, was zu seiner Weiterexistenz notwendig ist. Diese Interessen für das eigene Ich umfassen ein weites Gebiet und rufen ihrerseits das menschliche Interesse für viele weitere Gebiete wach … Naturstudien, die vielen Wissenschaften, Künst…" (Abs. 8, 17) Ist da die Überlegung nicht richtig, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft Kunst, Religion usw. treiben können?

Über die fundamentale Bedeutung des Naturprinzips der "Geselligkeit" sagt der WT: "Das Bedürfnis, das der Mensch hat, in Gesellschaft zu leben, ist eines der Urgesetze der Natur, von denen sich unsere Pflichten und Rechte herleiten, und die Existenz einer Gesellschaft hängt von der Bedingung ab, die Rechte aller Menschen zu respektieren'.

Kein normaler Mensch wünscht das Leben eines Einsiedlers zu führen . . . Wo solche sozialen Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen". (Abs. 15)

Wir geben ernstlich zu bedenken
Es geht uns hier um die im WT einerseits ausgesprochene Anerkennung der "Förderung" der "sozialen Interessen" aller Menschen, und um die "Pflichten und Rechte" hieraus, sowie um die Bedeutung all dessen für die Existenz einer menschlichen Gesellschaft, natürlich auch in unserem Lande. Auch, daß Ausnahmen nur für Verbrecher und Unzurechnungsfähige gemacht werden können. Und schließlich, daß diese sozialen Interessen von Gott eingepflanzt sind und den "Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes" tragen. Damit in Übereinstimmung ergibt sich doch als "Pflicht und Recht" die Bildung von Staat und Regierung als "Obrigkeit von Gott", um diese allgemeinen sozialen Interessen aller Menschen "zur Zufriedenheit aller zu fördern" oder zu gewährleisten Somit tragen doch solche Staatsgeschäfte noch Römer 13:1-7 den "Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes"!

Mit welchem Recht hetzt nun die WTG gegen diese göttlich anerkannten Staatsgeschäfte, sie seien "Teufelswerk"? Gar von der Tribüne internationaler Kongresse herab? Und alle klatschen Beifall? Wo haben sie denn ihren Verstand? In welchen absurden Widersprüchen bewegt sich die WTG selbst? Wurde nicht selbst gesagt, daß die menschliche Vorsorge für die gesamte Weiterexistenz des einzelnen und der Gesellschaft ein Grundprinzip der menschlichen Natur ist, "das Gott in sie gelegt hat"? Also müssen die Menschen auf diese sich in ihnen selbst befindlichen "Grundprinzipien" bauen und vertrauen, wenn es um ihre sozialen Interessen geht, und sie nicht als Verbrecher oder Unzurechnungsfähige erfunden werden wollen. Römer 13:1-7 sagt klar, daß das "Staatsgeschäft" der Obrigkeit" nicht vom Teufel sondern "von Gott" ist! Wo ist die WTG hingeraten? Was für ein politischer Unsinn wird da auf den Kongressen 1973 wieder ausposaunt?

Haben die evangelischen Christen z. B. demgegenüber nicht ein völlig biblisches Verständnis der Dinge, wenn sie sagen, daß die "staatliche Tätigkeit im Bereich der Daseinsvorsorge, Wohlfahrtspflege und allgemeinen Sozialpolitik" anerkannt werden muß? (Rat der EKD - ev. Kirche - Sitzung 1./2. Juli 1973, Bonn) Könnte die WTG hier nicht bei der evangelischen Kirche oder der katholischen Kirche eher in die Lehre gehen, wenn sie heute im Widerspruch zu ihren eigenen Äußerungen von 1956 jedes Staatsgeschäft bibelwidrig als Teufelswerk verdammt?

Die Probe aufs Exempel
Die Bedeutung eines Glaubens erkennt man an den entsprechenden Werken, belehrt uns Jakobus. Man muß deshalb in der Praxis überprüfen. Wenden wir uns deshalb einem Beispiel unseres Landes zu, das ja auch angesprochen ist. Sicher sind wir uns darin einig, daß zu den sozialen Hauptaufgaben der Vorsorge, Daseinsvorsorge oder Existenzsicherung durch das "Staatsgeschäft" oder die staatliche Verantwortung auch gehört, die Rechte aller Menschen oder Bürger auf angemessenen Wohnraurn zu respektieren Allen Bürgern der DDR, und somit auch allen Christen einschließlich den Zeugen Jehovas, liegt dazu das auf einer Tagung des Zentralkomitees der Regierungspartei der SED im Okt. 1973 beschlossene "Wohnungsbauprogramm der Deutschen Demokratischen Republik für die Jahre 1976 bis 1990" vor. Das Programm stellt die Aufgabe, "die Wohnungsstrategie, die wohl bedeutendste sozialpolitische Aufgabe der Gegenwart und Zukunft", bis l990 in der DDR zu lösen.

Angesichts der Orientierung auf ihr 1975-Weltende, das ein solches Programm bis 1990 als vergebliche Planung und die Oktobertagung des ZK der SED als überflüssig erscheinen lassen muß, dürften Jehovas Zeugen mit der WTG, wie sie es schon immer bei solchem "Menschenwerk" in Mißbrauch von Psalm 2:4 gemacht haben, nur "lachen" und "spotten". Oder nicht? Denn nun vertreibt die WTG das 1975-Denken wieder aus allen Köpfen! Was wäre also, wenn sich das ZK der SED noch den "Resolutionen" der WTG richten würde, und keine Programme mehr für die notwendigen Staatsgeschäfte zur Vorsorge und sozialen Interessen aller Menschen aufstellen wurde, weil das "Teufelswerk" sei? Das wäre doch die Konsequenz aus der WTG-Verkündigung für die Sozialpolitik der DDR z. B.

Aber das wäre doch wiederum eine lebensgefährliche Mißachtung der gottgewollten "gesunden Förderung der sozialen Interessen aller Menschen"! Würden die Regierenden in unserem Lande dann nicht als Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen werden müssen, weil sie sich weigerten, die Existenzbedingungen aller Menschen zu respektieren, indem sie es unterlassen, die nötigen Sozialprogramme zu entwickeln und zu verwirklichen? Und die "Staatsgeschäfte" daraufzurichten?

Genau das kommt dabei heraus, wenn irgendjemand auf die Verdammung der "Staatsgeschäfte" als Teufelswerk hören würde, wie es die WTG-Resolution 1973 wieder fordert. Sollen das ZK der SED und die Regierung der DDR in ein Raumschiff steigen. um "droben" im "himmlischen Jerusalem" die Staatsgeschäfte und Staatsgewalt an C h r i s t u s "abzutreten"?

Sollte er mit den Engeln dort die Wohnungsfragen in der DDR lösen, denn es kommt ja auch kein 1975. Ja. was sollte denn sonst geschehen, wenn man die WTG beim Wort nehmen wollte?

Wer hat seine Hand in der WTG-Bibelauslegung?
Wenn wir an die richtige Feststellung denken, daß die sozialen Lebensbedürfnisse fundamentale Interessen aller Menschen sind, ob Christen oder nicht, und daß ihre Respektierung zu den Existenzbedingungen der menschlichen Gesellschaft gehört, auch in der DDR, dann kann man über die WTG günstigenfalls nur den Kopf schütteln. Sie scheinen in Brooklyn selbst nicht mehr zu wissen, was im WT hinten oder vorn ist. Sie scheinen einige soziale Analphabeten in ihrer Mitte zu haben, die besser als geistig Unzurechnungsfähige, wenn nicht als mehr, ausgeschlossen werden sollten. Wer reitet denn dieses "Steckenpferd" vom politischen Machtabtritt in den Himmel nur immer wieder auf's neue? Schickt ihm doch diesen CV-Beitrag einmal zu.

Wir sehen die Dinge aber auch noch so. Die WTG verfolgt mit Hartnäckigkeit von Lehrbuch zu Lehrbuch und Kongreß zu Kongreß diesen sozialen Machtabtritts-Unsinn, verbunden mit feindseligsten Angriffen und religiös-politischen Verleumdungen gegen die "Obrigkeit" oder Regierung, weil sie die Macht nicht in den Himmel abtritt. Hinter dieser Sache steckt also System.

Wer die leitenden Brüder wie Präsident Knorr oder Vizepräsident Franz oder Zonenaufseher Pohl persönlich etwa bei Kongressen kennengelernt hat, fragt sich, ob diese wirklich so einfältig sind, nicht zu begreifen, daß man eine Regierung nicht ernsthaft auffordern kann, ihre Staatsgewalt in den Himmel abzutreten, ob da nun ein 1975-Ende kommt, oder noch nicht, oder überhaupt nicht. Sie sind mit Sicherheit keine solchen Analphabeten, die das nicht begreifen.

Wir kommen daher zu dem Schluß, daß dieser sozialpolitische Unsinn absichtlich aufrechterhalten wird, um alle erreichbaren Menschen damit in sozialpolitischer Untätigkeit, Interessenlosigkeit oder Gleichgültigkeit zu halten, was allein praktisch dabei herauskommt. Jawohl, nur aus diesem Grunde wird dieser Unsinn gepredigt!

Um aber die Hintergründe hierfür zu finden, gibt es nur eine Möglichkeit. nämlich zu fragen: W e m d i e n t d a s ? Ja. wem dient es, wenn die Armen und Einfachen, die sozial Bedürftigen - ihnen wendet sich die WTG überall doch in erster Linie zu - dazu angehalten werden sozialpolitisch untätig und interessenlos zu bleiben? Wer hat de die Hand in der WTG-Bibelauslegung?

Laßt uns eine Lehre aus all diesem ziehen. Was die WTG 1956 zitierte - sicher ohne alle Konsequenzen daraus beachtet zu haben - sind realistische Grundlagen, von denen man ausgehen kann und muß. Eine richtige Einschatzung der Bedeutung der sozialen menschlichen Interessen ist eines der Grundelemente für die neue "irdische Orientierung", die jetzt mit 1975 unumgänglich ist. Laßt uns daran weiterarbeiten.
W.W.

Zum "turnusmäßigen Wechsel" der Ältesten
NOTIZEN ZUR LAGE
Im August 1973 wurde von der WTG wieder der "turnusmäßige Wechsel" der Ältesten angewiesen. Zum Schwerpunkt erklärt wurde darin u. a. die Entfernung aller Personen, die nicht mehr als "würdig" und "fähig" entsprechend WTG-Schriftdeutungen seien. Die WTG will wissen: "Gibt es Älteste oder Dienstamtgehilfen, die den schriftgemäßen Anforderungen nicht mehr entsprechen und daher zur Entbindung empfohlen werden sollten?" Man macht sich keine Vorstellung, was das bedeutet! Da die Versammlungen selbst keine echte Kontrolle ausüben können und die Verantwortlichen ihnen weitgehend überhaupt nicht bekantgemacht werden, genügen schon anonyme Hinweise.

Der Ältestenwechsel macht der WTG die denkbar größten Schwierigkeiten. Nicht nur wird das ständige Neueinarbeiten als unbiblische Belastung und irgendwie willkürliche Beschäftigungstheorie empfunden, voller Unbehagen. Man kann nämlich aus den gelegentlichen Änderungen im Dienstamt in der Urkirche überhaupt nicht beweisen, daß hier ein solches Turnus-Wechsel-System zugrunde lag, wie die WTG es jetzt als "urchristlich" eingeführt hat. Die WTG sei in ein neues Extrem verfallen.

Hinter der Anweisung, "eine reibungslose Übertragung der Aufsicht" zu sichern, verbergen sich die zunehmenden Reibereien um die Aufsichtsfunktionen. Viele argumentieren, unter den Bedingungen der Illegalität seinen diese laufenden Übertragungen das Gefährlichste, was man manchen könnte, denn dadurch würden viel zu viele vertraut mit allem. Andererseits bringe die WTG damit immer mehr und neue Brüder mit ihren Familien in Gefahr. Schließlich nimmt die Zahl der Ältesten zu, die erkennen, daß es auf Grund des biblischen Verbots, "List" anzuwenden (2. Kor. 4:2 NW), unzumutbar für einen Christen ist, der nicht über das hinausgehen darf, was geschrieben steht (l. Kor. 4:6), eine heutige WTG-Aufsichtsfunktion anzunehmen. Die WTG-Kriegslist werde von 2. Kor. 4:2 NW verurteilt.

Damit Gott "die Übertragung der Aufsicht für das nächste Jahr segne", für 1974, sollen alle dabei "zu Jehova aufblicken" Es ist das letzte Jahr vor 1975. Niemand lasse sich indes ablenken. Die WTG wartet 1974 absolut nicht auf Gott, sie handelt selbst. Nur du sollst die Entbindung von der Aufsicht, die sie vornimmt, als "von Gott" hinnehmen. Aber diese Entbindungen kommen nicht von Gott, sondern sind das Ergebnis der Anzeigen und Denunzierungen, die von ihren absolut Vertrauten von unten aus der Organisation heraufkommen. Sind die Anzeigen falsch, dann trifft es Unschuldige! "Aufblick auf Gott", ist hier deshalb nur Sand in die Augen.

Dann geht es um die "Versammlungsberichte". Der "vorsitzführende Aufseher" darf sie der Versammlung nicht bekanntgeben, er darf sie nur den Ältesten vorlesen. Da die ganze Versammlung nach 1. Joh. 4:1 jedoch Recht und Pflicht hat zur "Prüfung der Geister", gibt es Widerspruch, weil mehr und mehr erkennen, wie die WTG die Versammlungen übergeht und so entmündigt. Hierauf könne kein Segen Gottes ruhen, noch dazu ein Jahr vor 1975. Deshalb wird der Versammlungsbericht von so manchem heimlich weitergegeben und von Brüdern eingesehen, die es laut WTG nicht sollten. Aber schon in der Ältestenschaft von nur drei Personen läßt sich nicht mehr nachweisen, wer sein Wissen weitergegeben hat.

Die Kritik am heutigen WTG-Ältestenamt führt auch zunehmend zur Untersuchung jener Vorgänge Ende der zwanziger Jahre, als die WTG dieses Amt schon einmal aus der Organisation ausmerzte. Alte Brüder berichten, wie die WTG um 1930 nicht zögerte, Tausenden "die Krone wegzunehmen" und sie in den "zweiten Tod" zu schicken, weil sie damals das Ältestenamt nicht aufgeben wollten.

Wir sollen hier auf die geistigen Massengräber hinweisen, voller vor Gott völlig unschuldiger Brüder und Schwestern, geistig abgeschlachtet. weil sie Gott mehr gehorchten als der WTG unter Führung von J. F. Rutherford und seinen Gehilfen N. H. Knorr, F. W. Franz und anderen.

Reuelos schreite die WTG über diese "Leichenfelder" ihrer Anmaßungen hinweg, bereit, jederzeit aufs neue durch Ausschluß den geistigen Todesstoß denen zu versetzen, die ihr Knie vor ihr nicht beugen wollen, was immer sie im Namen Gottes auch tue.

Weil den meisten die alte Literatur, die jene Vorgänge bezeugen, nicht mehr zugänglich ist, sei auf den Dokumententeil in dem Buch hingewiesen "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", Urania-Verlag 1970, auch über Leihbüchereien zu haben. Die Probleme sind zu schwerwiegend, um eine Überprüfung zu unterlassen.

Empörung greift um sich über die Anweisung aus dem Ostbüro der WTG in Wiesbaden, daß jeder - die Ältesten vorangehend - sich mit den Veröffentlichungen in "Erwachet" vom 8. September 1973 gegen die Sowjetunion identifizieren oder in Übereinstimmung erklären soll, wenn er vor diese Frage gestellt werde. Niemand dürfe sich noch diesen Anweisungen davor "in eine neutrale Ecke" drücken, auch wenn er im einzelnen keine Beweise habe, da die WTG schon "ihre Gründe" habe. Wer solche Anweisungen ausgibt, sei kein besorgter Hirte der Herde Gottes und Christi, sondern ein erbarmungsloser politischer Einpeitscher, der andere ins politische Feuer jagt, während er sich selbst in sicherem Hort hält. Die WTG solle nicht denken, es habe sich innerlich nichts geändert. Mit der Wiedereinführung des Ältestenamtes, wachse auch die frühere Eigenverantwortlichkeit der Ältesten vor Gott wieder heran!

Einige wollen erfahren haben, daß im kommenden Jahrbuch der deutsche WTG-Zweig behandelt werde. Aus Privatkorrespondenz mit Bethelbrüdern in Brooklyn sei bekannt geworden. daß dort eine Auseinandersetzung darüber vor sich gehe, ob mit dem Jahrbuch-Bericht nicht ein vernichtender Schlag gegen CV geführt werden sollte. CV sei das gefährlichste Organ, dem die WTG je gegenübergestanden habe. Die Berichte aus dem Zweigbüro in Wiesbaden hierzu seien alarmierend. Dagegen werde gestellt, daß mit jedem Eingehen auf CV in der WTG-Literatur nur das ganze Gegenteil erreicht werde, CV werde dadurch nicht nur als ernst zu nehmen aufgewertet, es werde auch noch denen bekannt, die davon glücklicherweise noch nicht erreicht werden. Das wollten die CV-Leute ja gerade. Weiter totschweigen, das sei noch immer das kleinere Übel gewesen Es ist verständlich, daß die Ältestenschaft hier solche Information aus Brooklyn mit großer Spannung liest. Die Gedanken dabei sind jedoch noch anders. Einen vernichtenden Schlag könne die WTG gegen CV nicht führen, weil sie CV nicht vernichten könne. Würde sie gegen CV zu Felde ziehen, dann würde man die nächste CV-Ausgabe gar nicht abwarten können, um zu sehen, ob CV nach lebt und wie CV reagiert! Man könne die Sache herumdrehen wie man wollte, es stimmt eben zu viel in CV angesichts 1975. Vielleicht sollte man 1975 abwarten, sehen, wohin die WTG danach weiterführt, vielleicht wird CV dann sehr nützlich sein können. Bis dahin müsse man mit CV eben leben. Das sei angesichts des CV-Inhaltes doch auch sehr interessant, manchmal sogar aufregend. - Wir sagen, wartet auf das Jahrbuch 1974, ein Jahr vor 1975! CV wird darüber informieren.

Einige Älteste bestätigen, daß die WTG die "Zeit des Endes" überzogen hat. Sie fühlen damit eine Revolution ihres Gewissens auf sich zukommen, das bisher nur über die WTG Gott gehorchte und damit eigentlich nur der WTG, die keinen um sich herum zu Gott ließ.

Jetzt stehe tatsächlich die Frage, Gott mehr zu gehorchen als der WTG, ohne den WT-Kanals als Hilfsmittler, allein auf Jesus als Mittler angewiesen. Vor vielen, die durch die nun fehlgeschlagene irdische Endzeitorientierung durch die WTG keinen Zugang zur Nachfolge Jesu in der einen und einzigen christlichen Hoffnung haben, steht die innere Katastrophe, der Abgrund. Nur das halte sie noch bei der WTG, solange höchstens jedoch, bis ihr Bankrott vor aller Weit sichtbar ist. Dann aber wollen sie den Sprung wagen, und sich ein wirklichkeitsgetreues Bild von der Entwicklung und Umwelt machen, und von der Verantwortung eines Christen darin.

Wenn wir diese Notizen zur Lage durchgehen, dann sehen wir, vor welchen ernsten Problemen die WTG steht, absolut in ihrem Sinn zuverlässige Älteste zu finden. Es ächzt und kracht überall im Gebälk der Organisation. Die "glückliche Organisation" ist nur Fassade. Sie wird nur noch von denen geglaubt, die keinen tieferen Einblick haben. Die Schwierigkeit ist, daß das zunächst für die WTG nicht recht erkennbar ist, weil es sich meist "im stillen Kämmerlein" entwickelt So ist der "turnusmäßige Wechsel" der Ältesten unter der Oberfläche verbunden mit einer unnachsichtigen Jagd auf die "1975-Füchse" im "Weinberg". wenn sie auch noch so klein sind. Doch das sind nicht die Füchse, von denen die Bibel spricht, das sind 1975-Füchse, deren Zeit gekommen ist!
CV-Beobachter. Raum Berlin

Ist die große Volksmenge eine irdische Klasse?
Eine durch das WTG-1975-Fiasko sehr aktuelle Frage
Uns liegt eine Schrift vor zum Thema: "Große Volksmenge, eine irdische Klasse?", eine Kritik an dem von der WTG seit 1935 verbreiteten "neuen Licht" in dieser Frage. Die jetzt mit 1975 eintretende Situation, daß die "irdische Klasse" der WTG "krank" wird, macht diese Kritik höchst aktuell Sie stammt von einem der vielen Brüder und Schwestern, die diesen Abweg der WTG seinerzeit nicht mitgegangen sind, ja, die vor diesem Abweg gewarnt haben. Die Schrift sagt: "Lange verzögerte Hoffnung (hinausgeschobene Erwartung, NW) macht das Herz krank", Spr. 13:12. Mit der jetzt wieder entschwindenden "irdischen Hoffnung" auf 1975, ohne jede konkrete weitere Aussicht und Perspektive, werden die Versammlungen der WTG tatsächlich mehr und mehr "herzkrank". Ganze Versammlungen werden von verantwortlichen WTG-Aufsehern schon offen so eingeschätzt. Die meisten sind auch völlig in der Hand von "nicht geistgezeugten" Dienern, die somit die Situation gar nicht überblicken können.

Wir möchten eine Reihe wichtiger Auszüge aus der Kritik unterbreiten, damit erst einmal das Problem näher bekannt wird, um das es geht. Es heißt in der Schrift:
"Diese biblische Lehre (von der Geistzeugung aller Christen, CV) wurde im Jahre 1935 . . . verworfen und durch die entgegengesetzte Lehre, daß die große Volksmenge eine irdische Klasse sei, ersetzt. Beide sich widersprechende Lehren wurden jeweils als 'vom Herrn kommend' bezeichnet. Das kann selbstverständlich nicht der Fall sein, da die Schrift von unserem Herrn bezeugt, daß er der 'treue und wahrhaftige Zeuge' ist. Es kann nichts Falsches von ihm kommen . . . Jene Geschwister, die an der biblisch begründeten Lehre, daß die große Volksmenge eine geistgezeugte Klasse ist, noch weiter festhielten . . . verurteilt (die WTG), nicht etwa der Herr, zum ewigen Tode! . . . Auf Grund der 'neuen' Lehre, daß die große Volksmenge eine irdische Klasse sei, ließen sich viele als 'Jonadabe' taufen - für das ewige Leben auf irdischer Stufe . . ."

Dazu wird festgestellt: "Die Gesellschaft verleitet berufene Heilige zum Bundesbruch, indem sie lehrte, daß die große Schar eine irdische Klasse sei und den Auftrag von Gott habe, die Erde mit einem vollkommenen Geschlecht zu füllen, und indem sie in dem WT-Artikel 'Seine Herde', eine unbiblische Erklärung darüber veröffentlichte, wie man erkennen kann, ob man zur geistigen oder irdischen Klasse gehöre.

Etliche ließen sich verleiten, ihren Bund mit Gott zu brechen und sich für die irdische Klasse zu entscheiden . . ."
"Trotzdem das vorbildliche Bundesvolk (Israel) wiederholt von Gott abfiel, so nahm er sich des Volkes doch immer wieder an, wenn es vom Abfall umkehrte und Buße tat (so könnte es auch im Falle der betrogenen "ZJ" sein, wenn sie den Betrug erkennen und umkehren würden von ihren falschen Wegen. (d. Abschr.) . . . Hierin offenbaren sich Langmut, Barmherzigkeit und die Liebe Gottes in vollem Maße, und zwar ganz im Gegensatz zu der Neuen-Welt-Gesellschaft, welche unerleuchtete Menschen zum ewigen Tode verurteilt, wenn sie deren Literatur abweisen. (Siehe WT 15. 6. 39. Abs. 12, und 1. 7. 39, Abs. 45) Immer noch gilt Joh. 6:44: "Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe' . . .'"
"Durch die falsche Lehre, daß die große Volksmenge eine treue irdische Klasse sei, verleitete die Gesellschaft berufene Heilige, die sich Gott anvertraut hatten, dazu, das 'Brot und den Kelch' zu verwerfen . . .
so verwarfen Berufene Heilige die Symbole der Gemeinschaft des Christus (Brot und Wein zum Gedächtnismahl) und brachen ihren Bund mit Gott . . . Nur ein Überrest hat die falsche Lehre der Gesellschaft nicht angenommen … Offenbar ist sich der größte Teil des Abfalls noch gar nicht bewußt, weil ihr Widersacher es verstanden hat, die Heilige Schrift als alleinige Richtschnur wegzunehmen und ihnen die Organisation, die Gesellschaft, als Richtschnur anzupreisen Sie sind verleitet worden, daß sie nicht abfallen können, wenn sie sich von der Organisation führen lassen. Das Gegenteil ist nun der Fall . . ."

"Das Volk des Herrn möge beachten, daß die Einrichtung der WT-Gesellschaft von der Schrift weder gefordert noch geboten war, noch auch nur im geringsten unterstützt wird. Es wird daher niemand imstande sein, ohne Hinzufügung zum Worte Gottes, diese täuschenderweise theokratisch genannte Einrichtung der Gesellschaft schriftgemäß zu begründen. (Die lange vor der Gründung der Organisation 'ZJ' gegründete Wachtturrn-Bibel- und Traktat-Gesellschaft wurde noch pennsylvanischem Recht als eine Geschäftsfirma ins Leben gerufen zwecks Herstellung von wichtigen religiösen Büchern und Schriften. Diese Schriften wurden damals ausschließlich zum Selbstkostenpreis und zum größten Teil kostenlos abgegeben. Es war die Aufgabe dieser Geschäftsfirma, den Herstellungspreis so niedrig wie möglich zu halten, also keine eigenen Gewinne zu erzielen, damit jeder die Möglichkeit zum Erwerb dieser Schriften hatte. /D. Abschr.) Weder noch der Gründungsurkunde, noch - und vor allem aber - nach der Heiligen Schrift, durfte diese Geschäftsfirma sich in die Angelegenheiten der Versammlungen einmischen, (denn es handelte sich um zwei getrennte Institutionen / d. Abschr.). Die WTG von heute herrscht aber über ihre Anhänger. Wer von diesen nicht restlos mit ihr einig geht, wird aus der Versammlung ausgewiesen . . . Der Herr sagt dagegen etwas anderes in Luk. 22:26: "Ihr aber nicht so, sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste, und der Leiter wie der Dienende…"

"Ein jeder, der den Abfall, die Verwirrung, sieht, warne seine Brüder, wie in Hesekiel 3:18-19 gefordert wird. Die Warnung muß erfolgen ungeachtet dessen, ob sie beachtet wird oder nicht . . . Bis 1918 wurden die Grundlehren der Heiligen Schrift nicht verdreht, dies geschah erst ganz allmählich in den späteren Jahren.

Die ursprünglich als G e s c h ä f t s f i r m a gegründete WTG hat sich zuerst die Autorität über die Versammlungen angeeignet. Die in Harmonie mit der Schrift bestehende Ordnung in den Versammlungen wurde beseitigt . . . Diejenigen, welche dem Abfall vom Worte Gottes nicht folgten, wurden aus den Versammlungen ausgeschlossen Noch dem Jahre 1931 besonders wurden langsam und sicher die Grundlehren der Heiligen Schrift verdreht und indirekt geleugnet, und gegenwärtig scheint der Abfall perfekt zu sein.

Die Gesellschaft wurde seit langem gewarnt, darum lautet der Auftrag des Herrn jetzt, die Versammlungen zu warnen Und diese Warnung geschieht aus Liebe zu denen, die in gleicher Weise ihr Leben wie wir durch den Bund über Opfer dem Herrn übergeben haben, und aus Liebe zu den Menschen guten Willens, die durch die Gesellschaft ebenfalls verführt worden sind . . . Die Warnung erfolgt, damit die geweihten Nachfolger Christi umkehren mögen, bevor sie Tränen vergießen, weil sie verfehlten, ihre Berufung und Erwählung festzumachen . . . Das Bundesvolk Gottes hat jetzt noch Zeit . . . Denken wir darin, daß ein jeder seinem eigenen Herrn steht oder fällt. Ein jeder wähle also für sich selbst! - W. M."

Soweit zunächst wichtige Auszüge aus der eingangs erwähnten Schrift. Es wird angesichts der jetzt mit 1975 wieder entschwindenden Perspektive für die "irdische Klasse" der WTG deutlich, daß jene Brüder und Schwestern offensichtlich biblisch recht hatten, sich zu weigern, dem Wege der WTG-Abkehr vom Apostelwort "folgt meinem Beispiel a l l e s a m t nach" hin zur Ausrichtung der "Gedanken auf das Irdische" (Phil. 3:17-20 Menge) zu folgen.

Es gibt jedoch eine so einfache wie herausfordernde Erklärung dafür, warum die WTG ab 1935 diese Umorientierung vornahm. Da man die Zahl 144 000 für die Geistgezeugten buchstäblich nahm, blieb bei der vorauszusehenden und tatsächlichen Zunahme weit über

144 000 hinaus - 1973 sind es Co. 1 650 000 - gar nichts anderes übrig, als einen Ausweg zu suchen. Was wäre die schriftgemäße Lösung dieses Problems in Übereinstimmung mit Phil. 3:17-20, wo alle angesprochen sind, die Christen sein wollen? Kann man da die 144 000 als buchstäblich aufrechterhalten? Das ist ein echtes Problem. -

Ist der Titel "Zeugen Jehovas" biblisch begründet?
Nach einer Beratung von K. Labuszewski, Berlin
"Suche dir den Sinn meiner Worte klar zu machen, der Herr wird dir schon Verständnis für alles geben". (2. Tim. 2:7 Me) Mit diesen Worten sind alle aufgefordert, das ihrige zu tun, um in der Erkenntnis fortzuschreiten. Der jetzige große WTG-Irrtum mit 1975, der wieder "im Namen Jehovas" begangen wird, wirft automatisch die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Namens derer auf, die diese Irrtürner begehen. Die Frage wird vielseitig behandelt.

Unser Mitarbeiter Br. Labuszewski gab folgende, wesentlichen Hinweise zur Klarheit in dieser Frage:
"Liebe Geschwister! Laßt uns, ein jeder s e l b s t, diese Angelegenheit biblisch überprüfen. Die unter diesem Namen fortgesetzte Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, namentlich seit der Gründung d i e s e s Namens durch Richter Rutherford im Jahre 1925, bedient sich dieses Titels (Zeugen Jehovas) gestützt auf die Jesaja-Stelle Jes. 43:10 "Ihr seid meine Zeugen und mein Knecht, den ich erwählt habe . .." Die willkürliche Auslegung durch Rutherford und die "Neue Gesellschaft", von Jesaja 43:10, hat Tausende zu falschem Tun verleitet. Nicht - wie Rutherford sich und anderen einredet, 'wir sind Zeugen Jehovas, weil wir so von Gott reden' -
niemand kann sich selbst zu einem solchen Zeugen Jehovas machen, weder durch irgendwelches Reden, Schreiben, Kolportieren oder sonstiges Tun."

Br. Labuszewski weist dann an Hand der Schrift nach - Zusammenhang von Jes. 43:10, Jes. 42:9, 41:4, 2. Mose 3:13 ff - daß Werke, Menschengeschlechter und Gottes eigenes Tun sowie Menschen vieler Art wohl von der Existenz und dem Wirken Gottes zeugen: "Durch diese Zeugen ergibt sich ganz von selbst der erlebte Beweis von der Existenz und der beseligenden, gerechten Wirksamkeit des Allmächtigen . . ." Aber daraus Namen und Titel für Menschen und Organisation zu machen, das entstelle völlig den Sinn der Sache. Was ist unter dem gesprochenen Zeugnis für Gott zu verstehen? Die deutlichste Erklärung gibt zu dieser Frage die Fußnote der Elberfelder Bibel zu Apg. 23:11 (Von Paulus ist die Rede): "In der folgenden Nacht aber stand der Herr (Jesus) bei ihm und sprach: Sei guten Mutes! Denn wie du v o n m i r in Jerusalem gezeugt hast, so mußt du auch in Rom z e u g e n ". Die Fußnote vermerkt: Eigentlich müßte übersetzt sein, "das mich Betreffende bezeugen". Br. Labuszewski weist dann schließlich auch auf Paulus hin, auf dessen Worte in 2. Tim. 2:1, 2, 15, daß es nie um einen Titel oder Namen geht, wenn z. B. Paulus von dem sprach. "was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast" oder "befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen" Wenn also die Frage gestellt würde. ob wir Zeugen Jehovas sein wollen, dann, müsse man die Frage mit ja beantworten, aber die Frage, ob wir uns Zeugen Jehovas nennen wollen, müsse man mit nein beantworten.

In diesem Zusammenhang ist der Titel eines Buches bemerkenswert, veröffentlicht 1961 von dem ehemaligen Versammlungsdiener von Itzehoe/Schleswig-Holstein: H. J. Twisselmann, "Vom Zeugen Jehovas zum Zeugen Jesu Christi"! (Brunnenverlag GmbH Gießen/Basel).

Auch der WTG selbst scheint zu dämmern, daß es mit dem Titel "Zeugen Jehovas" nicht in Ordnung ist. So ist seit einiger Zeit zu beobachten, wie der WT die Bezeichnung "Jehovas Zeugen" vermeidet und immer mehr die Bezeichnung "Jehovas christliche Zeugen" oder "die christlichen Zeugen Jehovas" in den Vordergrund schiebt, unmerklich für viele, aber wohlbedacht! Noch der jeder Brüderlichkeit hohnsprechenden Methode, die Kritiker auszuschließen, ihre Kritik aber unmerklich anzunehmen.

Am folgenschwersten ist aber das Eingeständnis der WTG im Vorwort der englischen Neue-Welt-Bibelübersetzung, daß der Name "Jehova" eigentlich falsch ist, und nur aus Gründen unbiblischer Tradition beibehalten wird: Obwohl die Aussprache 'Ya weh' als korrekter anzusehen ist, haben wir die Form 'Jehova' wegen ihrer Volkstümlichkeit seit dem 14. Jahrhundert beibehalten". Den deutschen Lesern wird das in den deutschen NW-Übersetzungen nicht gesagt! Was aber ergeben sich daraus für Schlußfolgerungen?

In Übereinstimmung mit den Ratschlägen von Br. Labuszewski gibt unser Mitarbeiter J. B. den wichtigen Hinweis auf Apg. 1:8, wo Jesus sagte: "Ihr werdet m e i n e Zeugen sein . . . bis an das Ende der Erde". So rundet sich das Bild ab, um den Sinn klarzumachen, wie Paulus zu Timotheus sagte.

Wir sollten uns jedoch über all diesem nicht zerstreiten. Es ist jedoch leider noch so, daß zu viele überhaupt nicht begriffen haben, was es heißt, daß alle Erkenntnis "unvollkommenes Stückwerk" ist. 1. Kor. 13:9 f. Fanatisch streiten sie wie die Jünger in Markus 9:38-40 und verstehen Jesus nicht, wenn er jagte: "Wer nicht wider uns ist, ist für uns". Sie würden am liebsten noch dem abgewandelten Sprichwort handeln: "Stimmst du nicht mit überein, dann schlag ich dir den Schädel ein!" und sie warten darauf, daß Christus das tue. Unser Mitarbeiter sagt in sehr netter Form, was stattdessen im Geiste Christi zu tun ist:

Vorwärts!
Geschwister, laßt den Streit beiseite,
welchen Weg man gehen kann.
Zeit ist nicht, drum folget heute
Jesus Christus, Mann für Mann.
Satan will die Front erschüttern,
die gebildet wider ihn,
sucht Geschwister zu verbittern,
daß sie gegen einander zieh'n.
Vorwärts, heißt die Losung heute!
Wer steht für Jesus Christus ein?
Nie fallen Satan wir zur Beute,
wenn wir schließen fest die Reih'n.
Nur nicht zaudern, nur nicht zagen,
nicht zurück den Blick gewandt!
Wenn wir jetzt nicht alles wagen,
haben wir die Wahrheit nicht erkannt!

Wie CV verstanden werden sollte
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Wir haben wieder Verschiedenes dargelegt. War es interessant? Vielleicht brisant? Manches ärgerlich?
CV widerspiegelt zunehmend die durch die WTG bedingte Konfliktsituation, in erster Linie an die Zeugen Jehovas selbst gerichtet. Es wird aber keine "neue" Bibelauslegung betrieben. Eher wird auf ein unmittelbares Verstehen der Bibel zurückgeführt Wobei keineswegs alles verworfen wird, was auch die WTG genau weiß.

Aber wir leben in keiner kurzfristigen Endzeit, das wird bald allen vollends klar sein. Wir leben allerdings in einer Zeit gewaltiger Umwälzungen gesellschaftlicher und geistiger Art, und für vieles ist darin allerdings Endzeit. Aber nicht wie der WT es meint, wie 1975 wieder beweist. Je eher das klar wird, desto besser ist es für alle Beteiligten.

Jeder muß sich deshalb ein neues Verständnis unserer Zeit und der Aufgaben der Christen darin erarbeiten. CV leistet eine spezielle Hilfestellung, um den Sinn dabei für die Realitäten freizumachen.

CV spricht dabei alle an, die hier eine Verantwortung haben. Keiner sollte sich zurückziehen, wenn er erkannt hat, wie abwegig der unbedingte WTG-Weg ist. Ist er nicht vielmehr schuldig vor Gott und den Brüdern, wieder gut zu machen und den Ausweg weisen zu helfen?

Das erkennen immer mehr, auch wenn sie schon vor vielen Jahren ihre Entscheidungen getroffen haben. Gar mancher hat Gott gedankt, als er von den Möglichkeiten erfuhr, die CV aufzeigt.

Niemand sollte Anstoß nehmen, wenn auch scheinbar Unannehmbares in CV gesagt wird. Die Dinge stellen sich von einem gewissen Standpunkt aus so dar. Auch ist kein Mensch, wie begnadet er auch war oder ist, fehlerfrei und endgültig in seiner Erkenntnis. 1. Kor. 13:9. Auch kann inmitten dieser Aufbruchs- und Umbruchszeit nicht erwartet werden, daß alle sofort das richtige Maß der Dinge gefunden haben. Wir sollten da helfen. Was uns in 1. Kor. 13:4-7 über Liebe gelehrt wird, läßt das ertragen und überwinden Wir können nicht genug gerade über den tiefen Sinn dieser Verse nachdenken. Niemand hat das genug getan.

Ein Wort auch über die anderen Christen. Nicht nur die WTG erfährt Veränderungen, wenn sie auch ganz anderer Art sind. Es sind Katholiken selbst, die gegen das Unfehlbarkeitsdogma vorgehen Die Ökumene verändert ebenfalls alle. Man sieht mehr und mehr die echten Probleme bei sich und den anderen. Und wir? Nur die Splitter im Auge der anderen? Die Bilanz ihrer tatsächlichen "Samariter"-Werke ohne nach dem Glauben zu fragen, dürfte da sehr lehrreich sein. Durch alles, was wir zur Kenntnis nehmen, wächst unsere Erkenntnis, die Verantwortung ist zwingend, besonders gegenüber denen, die mit uns verbunden waren oder sind. Auch diese CV-Ausgabe veranschaulicht das.

Betrachte CV darum in dieser Zeit gewaltiger gesellschaftlicher und geistiger Veränderungen in der WTG-Frage als eine Hilfe zur rechten Zeit

Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos. A 1009-74 V 7 1 79

ZurIndexseite