Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 54

Ein Kommentar zu den 1973-Kongressen der Zeugen Jehovas in dieser CV-Ausgabe:
"
Mit Spannung wurden die Kongreßvorträge von allen verfolgt, die sich dieser Situation bewußt sind, und das sind nicht wenige.
Das auf den Kongressen 1966 (WT 1. 1. 67, S. 22f dt.) verkündigte Endjahr 1975 wurde völlig übergangen und verdrängt. Alle wurden auf eine unbestimmte und unbegrenzte Zeit des Wartens orientiert, die gemäß dem Schlüsselvortrag von WTG-Präsident N. H. Knorr (27. 7. Düsseldorf) mit 'Nacht und Tag arbeiten, um Jünger zu machen' auszufüllen ist.

Mit anderen Worten, es kommt jetzt nichts, stattdessen Dienst und nochmals Dienst,
'Tag und Nacht', damit darob niemand zu Innehalten und Besinnung kommen kann,
und die WTG sich mit möglichst wenig Schwierigkeiten in eine neue Zeitperiode retten kann, ohne viele zu verlieren. Das war der tiefere Sinn und Zweck der Kongresse."


CV Christliche Verantwortung

Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 54 Gera 2. Dezemberausgabe 1973

WIE SIEHT ES IN DER ORGANISATION AUS?
Liebe Leser!
Immer mehr Zuschriften aus den Versammlungen erreichen CV. "Liebe Brüder der CV! Mit meinen bescheidenen Beiträgen möchte ich Euch wissen lassen, daß sich Eure Mühe lohnt". Oder:
"Man kann nicht alles in Worte setzen, wozu der Geist uns anregt, aber eines sollt Ihr wissen, Euer Gedanken- und Erfahrungsgut ist eine Prüfung für unseren Glauben".

Oder:
"Wir wollen nicht sagen, daß alles falsch ist, was uns der WT lehrt, aber einiges ist auf gar keinen Fall anzuerkennen".
Wenn wir die vielen Stimmen überblicken, die sich erheben, so ergeben sich folgende Schwerpunkte der kritischen Diskussion in vielen Studiengruppen:
- Die Obrigkeitsanerkennung sei nicht echt, die Praxis sei anders, als noch außen hin erklärt wird.
- Die Ältestenwahl sei auf keinen Fall in Ordnung, die Versammlungen würden weiter als "Kindergärten" behandelt.
- Es sei ein einziger Skandal mit 1975 als Endzeitjahreszahl, Interessierten darf man das überhaupt nicht sagen, wenn man sie halten will.
- Die Finanzierung des Werkes ist eine beispiellose Gesetzesmißachtung in unserem Lande.
- Die Arbeit in der Illegalität sei offensichtlich von der WTG gewollt, sie will keine Verständigung.
- Die Methoden des Predigens mit der Literatur sind unverantwortlich, weil darin Sachen behauptet werden, die man nicht überprüfen kann.
- Die Behandlung andersdenkender Brüder und Schwestern sei angesichts des Stückwerks aller Erkenntnis unchristlicher Fanatismus.

Die Forderungen. die viele Brüder und Schwestern an CV stellen, beinhalten neuerdings folgende interessanten Fragen und Probleme:
- Wie geht es in den Bethelheimen Wiesbaden und Brooklyn zu, vor allem um die Frage des Verhaltens zur Obrigkeit?
- Was betreibt die "Gesellschaft" in Polen, in der CSSR oder in Ungarn z. B., und wie denken die Brüder dort über die Illegalität?
Was geschieht in anderen sozialistischen Ländern, um sich schriftgemäß zur dortigen Obrigkeit zu verhalten oder einzurichten?
- CV möchte Erfahrungen veröffentlichen, die den Brüdern helfen in ihrem Ringen um die Herbeiführung eines schriftgemäßen Verhaltens in unserem Lande.
- Aus der Vergangenheit der WTG sei viel zu viel bekannt, so daß man ihr nicht bedingungslos folgen kann. CV müsse für jeden unerläßliche Ergänzung werden.

Dramatisch und erbittert sind die Diskussionen, insbesondere um die Geldschmuggelei für das Zweigbüro in Wiesbaden.
"Armselige WTG, was hast du uns für ein Los auf die Schultern gelegt?" klagt ein Bruder. Mit den Kommunisten dürfen wir ja nicht reden, es sind unsere Feinde. Stattdessen verlangst du von uns Hetze gegen ihre Parteien und Regierungen, damit wir nicht aus der Illegalität herauskommen Um das dann zu finanzieren, müssen wir Devisen schmuggeln. Und um das zu können, müssen wir Lügen erfinden, um sie zu täuschen und irrezuführen und eure Schmuggelwünsche zu erfüllen. So müssen wir Lüge als Wahrheit verkündigen, bis sie uns erwischen, denn kein Engel beschützt uns dabei, was vor jedem Staatsanwalt ans Licht kommt." Wo führt das eigentlich hin?

"Vereint euch mit allen aufrichtigen Brüdern und Schwestern zum besseren Verständnis der -Bibel!" fordert der Bruder alle auf.
Immer mehr Brüder gehen dazu über, CV direkt als Mittel zu benutzen, die Versammlungen und Studiengruppen auf die brennenden Fragen aufmerksam zu machen. Obenan steht ihnen überall die Obrigkeitsfrage. So schreibt ein Bruder: "Wir müssen noch einmal die WT-Änderungen über die 'Obrigkeit, die von Gott verordnet ist', durchdenken Dazu müssen wir natürlich die Frage stellen, ob wir das als Zeugen Jehovas dürfen? Die WT-Antwort lautet nein! Das würde jeden in Mißgunst bringen oder sogar mit Gemeinschaftsentzug enden, wenn es die WTG unter den jetzigen Bedingungen erfährt. Aber wir müssen etwas tun! Machen wir es also zunächst ohne ihr Wissen und durch CV, die überall hinreicht."

Der Bruder legt nun allen u. a. folgende Fragen zu diesem Thema vor:
- Wir haben schon mehrere Änderungen in der Obrigkeitsfrage erlebt. Wer bewahrt uns vor einer weiteren neuen Auslegung?
- Wer kann mit Sicherheit sagen, daß der Christ die Regierung, die doch nach Römer 13 für geregelte Zustande sorgen muß, nicht wählen darf? Das ist doch gar nicht mit Römer 13 zu beweisen.
- Wieso ist die WTG dazu berechtigt, den Zeugen Jehovas das Wahlrecht abzusprechen, nicht nur den Zeugen Jehovas, denn allen Menschen müssen wir verkündigen, "wer Politiker in ihr Amt wählt, geht in die Welt zurück" (Königreichsdienst-Fragen, S. 46). Wir genießen doch aber die vielen Selbstverständlichkeiten als Bürger eines Landes und die WTG prangert es sofort an, wenn eine Regierung nicht Jehovas Zeugen schützt. Wer aber die Regierung wählt, die wir brauchen, der wird sofort verstoßen Das paßt doch alles gar nicht zusammen.

- Wenn Christus oder die Apostel keinen ausdrücklichen Hinweis gaben, die Regierung nicht zu wählen oder anzuerkennen, geht die WTG dann nicht über die Schrift hinaus mit ihrem Wahlverbot? Nach 1. Kor. 4:6.
- Die WTG aber spricht mit Regierungsbeamten, schließt Verträge, holt sich Genehmigungen ein, sichert sich gesetzliche Rechte von der Regierung, in den USA, in der BRD, wir aber sollen gegen unsere Regierung hetzten und jedes Vertrauen in sie zerstören. Können wir nicht froh sein, daß unsere Regierung mit den einfachen Verkündigern nachsichtig ist?

Schließlich möchte ein Bruder mit Jesus, wenn er den wieder einmal lesen könnte, der WTG sagen: Wer gibt euch das Recht, die Bibel so unterschiedlich auszulegen, wie ihr das tut? Was wollt ihr denn mit der widersprechenden, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt umgeänderten Deutung der Prophezeiungen, Gleichnisse und Offenbarungen? Wer soll das noch glauben? Mit welchem Recht sagt ihr, wer den Zeilen des WT nicht glaubt, glaubt auch nicht der Bibel? Steht der WT vor der Bibel? Steht ihr damit nicht vor der Bibel? Wenn ihr das auch bestreitet. Geht aus dem Wege! Hört mit den Umänderungen auf, es war sowieso alles umsonst, wo wir nun doch kein Ende erleben nach soviel Jahrzehnten Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer wieder enttäuscht, gehen wir letzten alten Brüder nun ins Grab. Möge für die nach uns kommende Generation nicht das WT-Studium das wichtigste Studium sein, sondern das Bibelstudium. Mag der WT dazu erscheinen mit weniger Seiten, doch ohne die heutigen Lehransprüche, vielleicht richtungweisend oder hilfreich hinweisend, warum nicht. Könnten doch die jungen Brüder erkennen, wohin wir mit den Lehransprüchen der WTG geraten sind, könnten sie die WTG doch auf einen vernünftigen Weg führen.

Wir möchten dies mit diesem alten Bruder wünschen. Vielleicht wird aus diesem Senfkorn einst ein ausgewachsener Baum, in dem viele Vögel einen Nistplatz finden.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

Wie geht es nach den Kongressen von 1973 weiter?
Wie schwelende Glut vor lodernden Flammen
"Göttlicher Sieg - was bedeutet er für die bedrängte Menschheit?" Unter diesem Motto veranstaltete die WTG 1973 auch für ihren deutschen Zweig zwei internationale Kongresse im Juli und August in Düsseldorf und München, BRD. Tausende besuchten diese Kongresse in der verhaltenen Hoffnung, eine klare Antwort auf die Frage zu erhalten, wie bald nun angesichts des proklamierten Endes der 6000 Jahre und 1975 das Endzeitende ist, wie lange alles noch dauert. Ist diese Frage doch völlig legitim, denn das Werk wurde doch 1874 nicht für eine unbestimmte oder unbegrenzte Zeit begonnen, sondern nur für eine Generation. Auch wenn man das Jahr 1914 zugesteht, ist diese Zeit am Ende.

Mit Spannung wurden die Kongreßvorträge von allen verfolgt, die sich dieser Situation bewußt sind, und das sind nicht wenige.
Das auf den Kongressen 1966 (WT 1. 1. 67, S. 22f dt.) verkündigte Endjahr 1975 wurde völlig übergangen und verdrängt Alle wurden auf eine unbestimmte und unbegrenzte Zeit des Wartens orientiert, die gemäß dem Schlüsselvortrag von WTG-Präsident N. H. Knorr (27. 7. Düsseldorf) mit "Nacht und Tag arbeiten, um Jünger zu machen" auszufüllen ist.

Mit anderen Worten, es kommt jetzt nichts, stattdessen Dienst und nochmals Dienst, "
"Tag und Nacht", damit darob niemand zu Innehalten und Besinnung kommen kann,
und die WTG sich mit möglichst wenig Schwierigkeiten in eine neue Zeitperiode retten kann, ohne viele zu verlieren. Das war der tiefere Sinn und Zweck der Kongresse.

Die "bestimmte Zeit ist nahe" war das einzige, was im Hauptvortrag konkret verlautete. Es ist doch aber Tatsache, daß diese Versprechungen schon seit dem ersten Endzeitdatum 1799 gemacht wurden (Buch "Die Harfe Gottes", S. 229f, WTG 1922). Viele sind dabei, die alten Bücher nachzuschlagen! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese schwelende Glut beginnt, aufzuflammen! Nicht alle Wachsamkeit ging in den geschickt hervorgerufenen euphorischen Beifallsstürmen zur Verdrängung aufgelockerter Bedenken wieder unter. Nichts ist gefährlicher als diese Ungewißheit, in der diese Kongresse alle Besucher bezüglich des überfälligen Endzeitendes und 1975 wieder zurückgelassen haben!

Haupvortrag "Göttlicher Sieg …"
Der Vortrag wurde sogleich in großer Auflage in Broschürenform verteilt. Wir wollen gleich auf den Kerngedanken eingehen, weshalb der "göttliche Sieg" kommen müsse und kommen werde, denn damit steht oder fällt der ganze Vortrag Es ist die "seit 1914" erhobene Forderung an alle Regierungsverantwortlichen überall, zu befolgen, was die WTG Jehovas Zeugen predigen läßt, was jetzt so formuliert wird:

"Die 'Könige der ganzen bewohnten Erde' weigern sich, die Existenz dieses aufgerichteten messianischen Königreiches anzuerkennen.
Sie weigern sich, ihre Krone abzunehmen und von ihren irdischen Thronen zu steigen und ihre Macht dem messianischen Königreich Gottes abzutreten. Sie sind nicht bereit, Jesus Christus, den König der Könige, vom Himmel aus über die ganze Erde regieren zu lassen" (Abs. 34, 39).

Man muß sich förmlich an den Kopf fassen ob solcher Verkündigung hier durch den Mund von K. Franke und R. Kelsey aus dem Zweigbüro in Wiesbaden an die Verantwortlichen und Regierenden aller Länder! Das ist doch de facto eine WTG-Aufforderung an alle Regierenden zum sofortigen Rücktritt, ohne daß sich Nachfolger finden dürfen!

Sind die WTG-Beauftragten religiös-politische Scharlatane und Gaukler oder erkennen sie wirklich nicht, daß man überhaupt nicht "vom irdischen Thron steigen" k a n n ,
um die Verantwortung für die irdischen Angelegenheiten in irgendeinem Land an Christus irgendwo "im Himmel" abzutreten! Wer so etwas dennoch öffentlich predigt, steckt mit dem Kopf in den Wolken eines haarsträubenden weitpolitischen Unsinns!

Denkt doch einmal noch! Christus seit 1914 "vom Himmel aus über die ganze Erde regieren zu lassen", in dem alle seit dieser Zeit "von ihren irdischen Thronen steigen", würde doch bedeuten, es Christus "im Himmel" zu überlassen, die Gesetze im Staat zu machen, Innen- und Außenhandel, Finanzwesen, Justiz, Sozialwesen, Gesundheitswesen, Wirtschaftsplanung, Volksbildung, Umweltschutz, Staatshaushaltsführung, Staatsordnung usw. zu organisieren bzw. zu gewährleisten.

Wo sitzt denn Christus "im Himmel", daß alle Regierenden ihm dort ihre Mandate, Vollmachten und Aufgaben abtreten könnten? Daß sie ihm sagen könnten: "Christus, übernimm du die Funktionen des Ministerpräsidenten, des Bundeskanzlers, des Staatspräsidenten, aller Minister und Staatssekretäre, aller Volkskammer- und Bundestagsabgeordneten usw. in unseren Ländern, Staaten und Nationen, wir haben alle Ämter in Befolgung der WTG-Verkündiqung niedergelegt!" Nein? So ist das nicht zu verstehen? Doch genauso und nicht anders wäre das! Merkt niemand, was für ein Unsinn das ist? Da Christus "vom Himmel" nicht herunterkommt nach Berlin, Moskau, Warschau, Paris, Bonn, London, Washington usw., wo dann "die Throne" leergeworden sind, bliebe alles liegen und wir würden in einer internationalen Anarchie enden, weit niemand mehr regiert. Was für ein weltpolitischer Unsinn auch auf den Kongressen 1973 im Namen Gottes und Christi aus dem Munde von Männern, die sich voll göttlicher Weisheit dünken!

Wahre göttliche Weisheit besagt nach Römer 13:1-7, daß die um der menschlichen Ordnung willen auf den "irdischen Thronen" Sitzenden und Regierenden "Obrigkeit von Gott" sind, die als solche in ihren Ämtern anzuerkennen und zu respektieren sind! Merken K. Franke und R. Kelsey nicht, daß sie mit ihren WTG-Vorträgen Handlanger dafür sind, das Wort Gottes über die "Obrigkeiten" außer Kraft zu setzen? Das Stadion in München, in dem Franke sprach, hat allein an Miete ca. 500 000 DM gekostet! Was für einen bibelwidrigen und weltpolitischen Unsinn an die Adresse aller Regierenden hat man da mit dem Scherflein "der Geringsten der Brüder Christi" inszeniert und finanziert? Göttlicher Sieg?

Mit der WTG, was auch immer kommen mag!
Wir möchten hier die Brüder nennen, die in Düsseldorf und München öffentlich auftraten und diesen bibelwidrigen und weltpolitischen Unsinn rnitbetrieben: Aigner, Anstadt, Barth, Bandrock, BRUCKMANN, Bucksch, Burger, Borys, Cassola, Dickmann, Diehl, DWENGER, Erdmann, Einschütz, Echtle. FRANKE, Fabian, Förster, Gläser, Goerth, Gangas, Heiner, Hügele. HENSCHEL, Haller, Hartl, KELSEY, Künz, Krolop, Klein, Kabelitz, Knorr, Köhler, Kretschmer, KONSTANTY, Kuhn, Klenk, Kroschewski, Kulschewski, Knöller, Lengtat, Lange, Letonja, Lietzke, POHL, Pötzinger, Peters, Pfitzmann, RACHUBA, Roschkowiki, Rahn, Rudtke, Rundel, RENOLDNER, Schaumburg, Steimann. Suiter. Timmermann, TURNER, Vieker, Wrobel, Wunschmann, Teubner, Weigel, Wallen, Zürcher.

Sie sind alle in hohen und höchsten WTG-Funktionen im Kreis-, Bezirks-, Zweig-, Zonen- oder Betheldienst. Viele von ihnen werden diese CV-Ausgabe lesen, in der sie genannt sind und werden darüber nachdenken. Sollten sie sie nicht alle lesen?

Wir wollen uns dem Vortrag von W. Konstanty (29. 7. Düsseldorf) zuwenden. Thema "Wie wirst du dem Angriff Satans begegnen?" In München sprach dazu R. Wallen. Der Vortrag verfolgte den Zweck, die einfachen Verkündiger, die doch die Basis der WTG abgeben, unbedingt in der jetzigen WTG-Krise mit 1975 und danach durch "Zuckerbrot und Peitsche" bei der Organisation zu halten und den "Geist von 1975". der 1966 gerufen wurde, wieder zu vertreiben Es ist hochinteressant, die Taktik zu verfolgen, mit der das bewerkstelligt wurde. Wir schauen uns dazu die Höhepunkte des Vertrages von W. Konstanty näher an.

Wer die "Köngreichsdienst"- oder "Predigtdienstschule" der WTG kennt, weiß, wie jede Wirkung eines Vortrages berechnet und geplant wird.
Zunächst schmeichelte er vergangenen Märtyrertums, übergehend zu einer Abstempelung aller heutigen religiös und politisch Andersdenkenden gegenüber den Zeugen Jehovas, mittels bekannter WT-Vergleiche als potentielle Zeugenmörder: "Diese heute so freundlichen 'Babylonier, Ägypter und Assyrer' können morgen unser Leben bedrohen!

Rechne mit Verlust deines Ansehens, mit Verlust deiner Stellung, deines ganzen Besitzes, deiner Gesundheit, sogar deines Lebens! Jede andere Vorstellung mag dazu führen, einer List Satans zum Opfer zu fallen!" Tosendes Händeklatschen aller potentiellen Märtyrer brandete im Stadion auf. Es läßt sich leicht, gar zu leicht dazu klatschen in einem Lande, in dem die Organisation nicht sicherer sein kann, nicht zuletzt durch ihren ständigen Antikommunismus.

Noch weiter trieb W. Konstanty diese totale Konfrontation mit allem außerhalb der Organisation, als seien dort nichts als "Feinde" und "Agenten Satans":

"Wir möchten Jehova zum Freund, auch wenn alle anderen Menschen uns dadurch zum Feind werden!" Noch mehr tosendes Handeklatschen. Immer wird Jehova vorgeschoben. Dabei geht es allein um die jeweiligen Erklärungen der WTG über Jehova! Doch das kommt in diesem tosenden Händeklatschen niemandem zum Bewußtsein.

Jetzt war das geplante künstliche "Feindbild" in den Köpfen und Gefühlen der Zuhörer vollkommen und total: Außerhalb der Organisation lauert nur ein todbringender Feind! Wer sollte da die Organisation verlassen, was immer sie auch tue? Was immer sie auch jetzt und in Zukunft tue, draußen gäbe es nur den Tod! So konnte er zum Kern seines Vortrages vorstoßen, an das heiligste Gefühl, die Bruderliebe, appellierend: "Es ist eine weitere List Satans, unruhevolle Zeiten in der Versammlung zu schaffen. Vielleicht werden wir damit noch weitere und nähere Bekanntschaft machen. Unsere älteren Brüder haben sich stets an die Organisation gehalten, was auch immer kam! Wollen wir das auch tun? rief er beschwörend in das Stadion! Ein unbeschreibliches Händeklatschen durchrauschte das weite Rund! Wer denkt schon daran, daß die WTG in den dreißiger Jahren Tausende "hinausgeschüttelt" hat, die am Worte Gottes festhielten und den verderblichen WT-Obrigkeitsirrweg nicht mitgehen wollten? (Buch "Licht' II S. 60, WTG 1930). Wer sind also die, die stets alles mitmachten, "was auch immer kam"? Was für Vorbilder sind sie? Doch wer war in dem unbeschreiblichen Begeisterungstaumel solcher Überlegungen fähig?

Nun konnte er aussprechen, um was es konkret ging: "Wenn irgendeine Streitfrage aufkommt, vielleicht geht wirklich auch mal etwas verkehrt, und uns dazu bringen würde, uns von der Christenversammlung zu trennen, ihr unsere Unterstützung zu versagen, oder wir sogar dazu gebracht würden, nicht mehr den Überrest und die leitende Körperschaft zu unterstützen, dann sollten wir klar erkennen, hier ist eine List Satans am Werk, uns vom Leben abzuschneiden!

Nur wenn wir uns an die Christenversammlung halten und treu zu ihr stehen, was immer auch kommen m a g, werden wir den Angriffen Satans widerstehen und am göttlichen Sieg teilhaben!" Der Begeisterungstaumel brandete auf, noch bevor das letzte Wort ausgesprochen war.

Wir können nur betroffen sein. Weiß W. Konstanty überhaupt, was er da tut? Was heißt hier, was immer auch kommen mag Es kommt 1975! Es kommt wieder kein Ende! Es kommt eine weitere Verschiebung der Endzeit durch die WTG! Es kommt die sechste oder siebente Generation seit 1799! Es kommt auch weiterer Antikommunismus, um die einfachen Verkündiger hier "inmitten der Demokratien und des Kommunismus" (WT 12. 2. 72 dt.) unter Mißbrauch der Schrift weiter zur Verbreitung antikommunistischer Staats- und Gesellschaftsfeindlichkeit unter den Christen zu nutzen. Ein neuer Endtermin wird da zunächst nicht wieder gesetzt! Darum allein die jedes kritische Bedenken abwürgende Formel, "was auch immer kommen mag!"
Wir wissen jedoch, daß nicht alle Wachsamkeit im Taumel der Begeisterung untergegangen ist, und die WTG weiß das auch.

Antikommunistische Linie unverändert weiter
In Düsseldorf hielt der neue deutsche Zweigdiener, der Amerikaner Richard E. Kelsey, den öffentlichen Hauptvortrag In München war es der 1969 abgesetzte deutsche Zweigdiener Konrad Franke, der 1970 in Die Zeugen Jehovas Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschalt", (Leipzig-Jena-Berlin DDR, Schwerte BRD) als Kollaborateur der Nazis bekannt wurde.

Der Hauptvortrag strotzt wieder von zahlreichen feindseligen politischen Ausfällen gegen die "antireligiösen, atheistischen, gottlosen, radikalen, materialistischen Kommunisten", gegen das "kommunistische Rußland", gegen das "kommunistische Rotchina", gegen den "gottfeindlichen kommunistischen Nationenblock"! Daß diese antikommunistische Gesellschaftsfeindlichkeit völlig im Gegensatz steht zu 1. Petr. 2:13, wo es heißt: "Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan" (Menge), die sozialistische Gesellschaftsordnung inbegriffen (WT 1. 1. 63. S. 13, dt.) wird vollkommen mißachtet! K. Franke und R. Kelsey machen als verantwortliche WTG-Sprecher dieser internationalen Kongresse somit klar, daß die WTG noch wie vor die Absicht hat, die Zeugen Jehovas auf dem bisherigen Kurs des antikommunistischen "kalten Krieges" gegen die sozialistischen Länder und ihre Ordnungen und Regierungen zu halten. Die WTG will keine wirkliche Anerkennung der "Obrigkeit von Gott" in diesen Ländern, sondern unveränderte antikommunistische Feindschaft gegen sie. Jeder erntet, was er sät, sagt der Apostel in Galater 6:7. -
- Die Kongreßberichte werden fortgesetzt -

Über das "Gewissen" und seine "graue Zone"
Im WT 1 und 2/73 wird in einem ausführlichen Schlüsselartikel über das gesprochen, "was in uns Zeugnis gibt". Gemeint ist damit, das an Jehova Gott gebundene Gewissen eines Christenmenschen.

Hingegen WT 2/73 spezielle Gewissensfragen im Bereich der sogenannten ",grauen Zone" behandelt, wie der WT auf Seite 43 ff erklärt.
Unter 1000 Artikeln im "Wachtturm" und "Erwachet" wirst Du keinen einzigen finden, der so grundsätzlich, auf neue Weise für Jehovas Zeugen, die "Gewissensfragen" eines Christen behandelt.

"14 In Eden zeigte Gott, daß der Tod des Menschen für Übertreter seines Willens bestimmt war". 1. Mos. 2:16/17 WT 1/173, Seite 10.
Wenn einzig Gottes Wort zu uns spricht, dann erfahren wir folgende Normgebung durch IHN:
"22 Und Jehova Gott sprach dann:
Siehe, der Mensch ist im Erkennen von Gut und Böse wie einer von uns geworden, und nun … daß er seine Hand nicht ausstrecke und tatsächlich auch Frucht vom Baum des Lebens nehme und esse und auf unabsehbare Zeit lebe -"
"23 Darauf tat ihn Jehova Gott aus dem Garten Eden hin. aus, damit er den Erdboden bebaue, von dem er genommen war". 1. Mos. 3:22-23. NW

Hat Jehova Gott hiermit eine Übertretung in Eden geahndet, oder eine Entscheidung über die Zukunft des Menschengeschlechtes getroffen?
Den ersten Schritt zu "gottähnlichem Wesen" elohimgleich hatte Adam getan: "Siehe, der Mensch ist im Erkennen von Gut und Böse wie einer von uns …"

Folglich verhindert Jehova den 2.-Schritt zum "Baum des Lebens", der A d a m s menschliches Wesen in ein solches verwandelt hätte, wie es einzig Geistwesen besaßen. Das ist weder Urteil noch Strafe über Adam. Nein, Jehova hatte seine Schöpfung entsprechend seiner Ankündigung vollendet, wie in 1. Mos. 2:17 vorbestimmt: "Was aber den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse betrifft, davon sollst du
nicht essen, denn an dem Tage, da du davon ißt wirst du bestimmt sterben".

im WT 1/73, Seite 10 ist zu lesen:
"Als Adam und seine Frau 'das einzige Verbot', (es ist die Zeit, als Adam noch gar nicht vom 'Baum der Erkenntnis' gegessen hatte, folglich weiß er überhaupt nicht, was ein 'Verbot' eigentlich ist.)
das Gott ihnen gegeben hatte, übertraten, machte ihnen das innerlich zu schaffen. Sie bekamen Gefühle der Schuld, Angst, Schande und Unsicherheit."
. . . "Es war als ob in ihm (Adam) ein eingebauter Lügendetektor' gearbeitet hätte. . ." (WT 1/73, Seite 10).

In 1. Mos. 3:7 lesen wir es so.
"Dann wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr. daß sie nackt waren." Nicht früher, auch keine Minute später begann A d a m und Evas Erkenntnis darüber, was Gut und Böse ist. Mit einem inneren "Lügendetektor", "mit Gefühlen der Schuld", die Bibel spricht eindeutig, "ihnen wurden beiden die Augen aufgetan", hat das überhaupt nichts zu tun.

Jehova Gott ist ein weiser Gott, allmächtig und treu. Von diesem Tag der Erkenntnis in Eden an, wissen alle nachadamischen Menschen, daß "Gut und Böse" als menschliche Verhaltensweise möglich ist.

Dieser Tag machte gewiß, daß die Schöpfung Jehovas, als (erster Adam und nach ihm alle Menschen, in einer Anlage ihres Wesens gottähnlich sind, da sie Erkenntnis über "Gut und Böse" haben.

Denn mit A d a m wurden ihnen alle die Augen aufgetan' Die Neigung Unrecht zu begehen, wurde n u n zu einem BESTANDTEIL der menschlichen Natur." WT 1/73. Seite 10. "Wurde aber dadurch das innere Gefühl für Recht und Unrecht, Gewissen genannt, ausgelöscht oder ersetzt? Dieses blieb ebenfalls Bestandteil der menschlichen Natur." (Seite 10)

Diese WT-Aussage ist, wenn wir ausschließlich der biblischen Logik folgen, unlogisch in sich.

Denn, worin bestünde wohl der Unterschied zu der Sünde, da Adam Frucht vom Baum der Erkenntnis nimmt und ißt, als er sich noch WT-Verständnis noch im Zustand der Vollkommenheit befindet. Bedenke auch, nicht Adam wird verflucht, sondern der Erdboden um seinetwegen.

Nach der Vertreibung aus Eden gebraucht Jehova Gott in 1. Mos. 4:7 zum ersten Mal das Wort "Sünde".

Was der WT hier "Gefühl für Recht und Unrecht" nennt - das Gewissen - ist entscheidend, unabdingbar mit der Tatsache verknüpft, daß A d a m "Frucht vom Baum der Erkenntnis nahm und aß."

Ohne diesen Baum im Garten Eden gäbe es keine Erkenntnis über "Gut und Böse", jedoch entscheidet der Mensch nicht willkürlich darüber, was gut ist und was böse; Erkenntnis ist nicht und bedeutet nicht "Entscheidung".

Das ist das erste.
Wenn E v a s Tat nach WT-Verständnis "S ü n d e" war, so ist biblisch-logisch diese Tat nicht an den sog. "Fall der Eva" gebunden. Bevor diese Tat der Eva bzw. A d a m s überhaupt geschah, war diese "Neigung Unrecht zu begehen", Bestandteil der menschlichen Natur Adams und Evas, wie sonst hätten sie vom Baum der Erkenntnis essen können?

Warum wohl hätte sonst dieser Baum überhaupt im Garten Eden gestanden, wenn er nicht diese Möglichkeit der menschlichen Natur kundmachen wollte. Jehova Gott hatte doch zuvor über diesen Baum Belehrung erteilt, allerdings hatte Jehova nicht gesagt, es ist Unrecht von diesem Baum essen - nein, Gott sprach: "an dem Tage, da du davon ißt, wirst du bestimmt sterben".

Grundsätzlich, die "Neigung" - Möglichkeit "Unrecht zu begehen", eignet sowohl den Engeln, wie auch den Menschen, deshalb stand der "Baum der Erkenntnis" inmitten des Gartens Eden.

Beantworte dir eine Frage: Wer war die Schlange, die Eva zum Essen von "Baum der Erkenntnis" aufforderte? Als aber Eva vom Baume aß, und nach ihr Adam von der Frucht des Baumes der Erkenntnis nahm, wurde ab dieser Tatsache für beide Menschen offenbar, daß "Gut und Böse" die Entscheidungsmöglichkeiten des Menschen sind, denn die Schlange war bereits im Paradies.

Gott sprach:
"Siehe, de Mensch ist im Erkennen von Gut und Böse wie einer von uns geworden,
und nun, daß er seine Hand nicht ausstrecke…" 1. Mos. 3:22 NW,
"und tatsächlich auch Frucht vom Baum des Lebens nehme … und auf unabsehbare Zeit lebe -"

Diese Darlegung war der "weißen Zone", über die Erkenntnis von Gut und Böse gewidmet.
Wenden wir uns jetzt der "grauen Zone" zu, wie sie der WT nennt. Wir werden Erkenntnis über Jehovas Vorhaben mit seiner Schöpfung nicht verfehlen, wenn wir annehmen, daß die Gewissens-Fragen der "grauen Zone", die ureigentliche Absicht das WT berühren, die "graue Frage" beantworten, warum dieser WT-Artikel von 24 Druckseiten geschrieben wurde.

Seite 43 im WT 2/73 liegt genau im Zentrum, im "grauen':
Es gibt vieles im Leben, bei dem es auf den Grad ankommt . . . Auch der Unterschied zwischen gewöhnlichem Respekt - vor einem Herrscher oder Hoheitszeichen - und ehrfurchtsvoller Verehrung ist eine Sache des Grades. Bei eindeutigen Gegensätzen entsteht für gewöhnlich keine Frage.

Wenn es aber um etwas geht, was sozusagen in einer "grauen Zone" liegt, daß heißt, dicht an der eindeutigen Grenze zwischen eindeutigem Recht und eindeutigem Unrecht, dann tauchen Fragen auf.

Je näher etwas (z. B. "theokratische K r i e g s 1 i s t") an dieser Grenze liegt, desto mehr muß das G e w i s s e n des Betreffenden dessen Entscheidung beeinflussen."

"11 Es wäre daher nicht richtig, in solchen Fällen zu versuchen, von einer 'Ältestenschaft' oder Leitenden Körperschaft' der Christenversammlung eine Regel oder Richtlinie zu erfahren, durch die im einzelnen dieser F ä 1 1 e eine ,Grenze' festgelegt würde.' (Gesperrte Schrift von CV).
Du hast völlig richtig verstanden, wenn die kompliziertesten Fragen, Erkenntnisse und Entscheidungen auf Dich zukommen, dann verlangt die "Leitende Körperschaft" Deine absolut einsamen, christlich-individuellen Entscheidungen und Konfliktlösungen.

Nein, auch die gemeinsame, etwa unter Gebet vor Jehova mit treuen Brüdern, auch diese Entscheidung ist nicht gemeint, sondern einzig und allein, Deine einsame Gewissensprüfung vor Gott.
Das ist neu. so brandneu, daß wir nur fragen können wie hat Dich denn Deine "Ältestenschaft" oder gar die "Leitende Körperschaft" zugerüstet, daß Du der Stimme Deines Gewissens überhaupt folgen kannst?

Waren Deine Entscheidungen jemals Deinem Gewissen f r e i g e g e b e n, wenn Dein Leben als Christ im Feuerofen der Konflikte geprüft wurde?
Mein christliches Gewissen gebietet mir, Dir die Antwort darauf nicht in den Mund zu legen.

Frage nur Deine "reifen Brüder", ob sie wissen, ob Du ein "schwaches" oder ein "starkes Gewissen" hast, frage sie nur. Wurde "Gewissen" abverlangt oder G e h o r s a m - Du wirst Dich erinnern können, dieser WT-Artikel wurde ja erst im Januar 1973 gedruckt.
Eigenartig ist nur, daß in allen "Lehrstücken" der "Königreichsdienstschule" bisher niemals gefragt wurde:

1) Nenne die wichtigsten Merkmale dessen, "was in uns Zeugnis gibt", genannt "Gewissen".
2) Erkläre und grenze ab, was Jehovas Zeugen unter Gewissensentscheidung im Bereich der "grauen Zone" verstehen.
3) Wann ist es einem christlichen Diener Jehovas gestattet, der Stimme seines Gewissens zu folgen?
4) Wann muß er unbedingt die "Ratschläge" der "Mutter", entsprechend den Anweisungen der Organisation durchführen?
5) Nenne wichtige Bibelstellen aus den "Hebräischen Schriften", desgleichen aus den "Christl. Griechischen Schriften".
Erkläre, welche Bibelstellen den Begriff der "grauen Zone" biblisch rechtfertigen, beweisen.

Deine Antwort zu Frage 5) hätte u. a. lauten müssen:
Es ist wichtig zu beachten, daß es in den "Hebräisch-Aramäischen Schriften" kein Wort gibt, das wortgetreu mit .,Gewissen übersetzt werden kann usw.!
Die "Lehrstücke" der "Königreichsdienstschule" hingegen waren bestrebt, ganz andere Verhaltensmuster den Schülern aufzuprägen.

Nach allen Regeln der Kasuistik wurde einstudiert, wann und wo ein "Zeuge vor Gericht" f a l s c h e Aussagen machen darf, darin bestand der Zweck der Übungen.

Die "Leitende Körperschaft" ließ soufflieren:
"In englisch sprechenden Ländern ist es üblich, den Angeklagten in eigener Sache zu verteidigen, bei uns gibt es das nicht, (lies in der DDR)
also kann "Kriegslist" angewendet werden.'
"Das beste ist, die Aussage vor Gericht zu verweigern."
Man hat die Freiheit,
(Die Antwort: Man hat "Gewissen", stand nicht im Programm!)
dem Gericht ausweichende Antworten zu geben."

Und dann folgte die "Lossprechungsformel" der "Leitenden Körperschaft in eigener S a c h e" nämlich von ihrer Verantwortung:
"Am besten ist es, die Aussage zu verweigern und alle Folgen auf sich zu nehmen."
Auf diese Weise würde allen Beteiligten "geholfen":
Den Behörden, denn sie können dann nicht die Wahrheit ermitteln; dem Zeugen auch, denn er nimmt seine Strafe auf sich: der "Leitenden Körperschaft" würde noch mehr geholfen, denn sie darf ob solchen Verlaufs der Dinge ihre Hände in Unschuld waschen.

Einem "starken Gewissen" wird es unerläßlich sein zu wissen, was eine "theokratische Kriegslist" ist, sollte das schon bekannt sein, dann schreiben wir für die Brüder mit einem "schwachen Gewissen":
"Eine Kriegslist ist eine falsche Aussage, ein absichtliches lrreführen eines G e g n e r s, (nur des Gegners!)
um theokratische Interessen zu verteidigen. -
Es darf niemand dadurch geschädigt werden."
So angeklebt wie der letzte Satz wirkt, so war er auch gemeint,
"es darf aber niemand dadurch geschädigt werden."

Es ist nur der unkontrollierten Selbstverlogenheit ein Pflaster aufgeklebt, und schon hat sich das "Gewissen" in der "Königreichsdienstschule" durch die Hintertür entlassen.

Wie schrieb doch der WT 2/73 auferbauend:
"Es wäre daher nicht richtig, in solchen "F ä l l e n" zu versuchen, von einer "Ältestenschaft" oder von der Leitenden Körperschaft eine Regel oder Richtlinie zu erfahren, durch die in jedem einzelnen dieser Fälle die "G r e n z e" festgelegt würde." (Seite 43)

Wie sollte sie auch die "Leitende Körperschaft"? Da durch "K r i e g s l i s t" niemand geschädigt werden darf", müßte sie doch, die "Leitende Körperschaft", einen genauen Katalog der "grauen Zone" festlegen und gewissensmäßig entscheiden, das dürfen Zeugen, das "andere" dürfen Zeugen nicht.

So müßte denn die "Leitende Körperschaft" auch verbindlich die "Grenze" umreißen und erklären:
'GH-Schmuggel ist trotz Anrufung einer Gewissensentscheidung unter Gebet vor Jehova erlaubt,
"aber es darf niemand dadurch geschädigt werden."

Ein waches christliches Gewissen würde hier, wenn es gefragt wäre, wenn es im Ermessen eines GH-Schrnugglers stünde, folgendes antworten:
"Da Geld aus der DDR nicht im "Wachtturm" in Brooklyn in den USA aufgestapelt wird, (also kein Zahlungsmittel mehr wäre) sondern bei Bankinstituten in der BRD eingetauscht wird, muß ein finanzieller Schaden zu Lasten der DDR angenommen werden."

"Unter Berücksichtigung dieser "G r e n z e" in einer "grauen Zone" einer Gewissensentscheidung bitte ich darum, GH nicht in die BRD transferieren zu müssen."
Jeder Zeuge wird nun verstehen, warum eine "Leitende Körperschaft" keine "Regel oder Richtlinien", kein Frage und Antwortschema bezüglich der "G r en z e n" eines wachen oder auch schlafenden Gewissens ausgeben will.

"Regeln oder Richtlinien" in Gewissensfragen eines Christenmenschen waren immer Versuche. sündhaftem Tun des Menschen vorzubeugen. Denn erst an einem bestimmten Fall oder einer "Grenze", innerhalb der "grauen Zone" von Gewissensentscheidungen wird Sünde offenbar.

Ohne "Regeln und Richtlinien" aus der Hand Jehova Gottes, wüßten Christen nicht, was das ist, ein Gewissen zu haben.
Ob ein Zeuge Jehova für ein Bordell bzw. für Prostituierte Milch liefern darf, solche "Fälle und G r e n z e n" kann die "Leitende Körperschaft" natürlich den "Regeln" nach und der "Richtlinie" diskutieren, abwägen und breittreten. Hier kann sie sich ja offen moralisch-sittlich entrüsten, Splittergerichte bei anderen veranstalten.

WT 2/73, Seite 45.
Der Fall ist eindeutig, "Gewissensentscheidung" eines Zeugen, sofern die "graue Zone" erreicht ist, "das heißt, dicht an der eindeutigen Grenze zwischen eindeutigem Recht und eindeutigem U n r e c h t", für solche "F ä l l e" fühlt sich die "Leitende Körperschaft" nicht zuständig.

Die Zuständigkeit des WT z. B. endet quasi bei der "Milch für Bordelle" und beim "Musiklehrer für Politiker". (Seite 45) Ach ja, abgewogen wurde noch der Fall, "ob ein Christ als Chauffeur bei einer Bande von Bankräubern, das Automobil der Räuber lenken dürfe?" (Seite 44)

Vielleicht hat nun der Autor dieses WT-Artikels ganz verhalten, untergründig auf die "verborgene Person unseres Herzens" geschrieben, gezielt.
Denn w e m könnte nicht bei "Bankräuber" die Gedankenverbindung "GH" einfallen, solche Assoziationen sind möglich. muß man doch die Schwierigkeiten eines WT-Autors beim Schreiben der Wahrheit bedenken.

"Wir haben uns von den hinterhältigen Dingen losgesagt, deren man sich zu schämen hat, in dem wir nicht mit List wandeln noch das Wort Gottes verfälschen, sondern uns selbst durch das Kundmachen der Wahrheit jedem m e n s c h 1 i c h e n Gewissen empfehlen."
2. Kor. 4:2 (WT 1/73, Seite 19. Abs. 21)

"Tun wir dies?" Fragt der WT, wir fragen auch?
W. D.

Eine neue internationale und antikommunistische und antisowjetische Kampagne der WTG hat begonnen
Die Mobilisierung des deutschen Zweiges begann schon mit dem Juli-Königreichsdienst 1973 (Wiesbaden). Die Erwachet-Ausgabe für den 8. September 1973 wurde mit dem Thema angekündigt: "Wie erfolgreich ist die Sowjetunion in ihrem Kampf gegen die Religion?" Aufreizende und aufdringliche Vorankündigungen wurden jedem Verkündiger in die Hand gedruckt wie: "… was in der Sowjetunion vor sich geht", oder: "… erschüttert, wenn sie die Tatsachen kennen" und "… Bestimmt werdet ihr diese Ausgabe begeistert verbreiten wollen. Zusätzliche Exemplare sollten bis zum 15. Juli bestellt werden".

Die Begeisterung mag bei der WTG-Führung vollkommen sein, ist Antikommunismus und Antisowjetismus doch eines ihrer politischen Wesenselemente schon seit der dritten Ausgabe des WT im Jahre 1879 (WT 1. 1. 62, S. 21, Abs. 5). Auch sitzen sie in Brooklyn, New York, in politisch sicherem Hort. Niemand von der dortigen Leitenden Körperschaft geht in solchen antikommunistischen und antisowjetischen Kampagnen jemals selbst an die "Front".

Aber schon aus der BRD vernehmen wir besorgte Stimmen von Verkündigern und Aufsehern, denen klar zu sein scheint, was es für diejenigen bedeutet, die diese politische Hetzkampagne in die sozialistischen Länder, besonders in die Sowjetunion hineintragen und dort entfalten sollen. Da ist nicht Begeisterung, sondern ein Erschrecken über die Fortsetzung der WT-Praktiken des antikommunistischen "kalten Krieges" der fünfziger Jahre, als Kommunisten und ihr Werk in Wachtturm und Erwachet als "verseucht, Wahnsinn wilder Tiere hinter dem Eisernen Vorhang" und ähnlich mehr begeifert (WT 1. 6. 52, Erw. 8. 4. 53), und die Mahnung der Schrift, "niemanden zu schmähen" (Titus 3:1,2) offen mit Füßen getreten wurde.

Es erübrigt sich, die Entstellungen, Halbwahrheiten, Verdrehungen, Bibelversvergewaltigungen, Unterstellungen, Trugschlüsse, Scheinargumente, Oberflächlichkeiten und scheinwissenschaftlichen Konstruktionen zur Geschichte und Entwicklung der Religion in der Sowjetunion im einzelnen aufzuzählen, wie sie auf den Seiten 3 bis 19 in Erwachet vom 8. September 1973 in einer Auflage von 7 500 000 in 29 Sprachen aus den Köpfen der Leitenden Körperschaft und aus den Druckpressen der WTG quellen. Sie bringen nicht nur den unbändigen antikommunistischen und antisowjetischen Haß zum Ausdruck, den diese Leitende Körperschaft beseelt. Sie sind auch ein getreues Spiegelbild dar Halbbildung, in der man sich hier über ganze Länder und ihre historischen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge hermacht, was kein Verkündiger je selbst überprüfen und somit verantworten kann.

Es wird deutlich, daß sich die WTG dabei auf zwei "Hauptfeinde" mehr und mehr "einschießt": Auf die "falsche Religion", d. h. auf alle anderen Christen und ihre Kirchen und Gemeinschaften, und auf den Kommunismus und insbesondere die Sowjetunion. So lautet denn auch die bedeutsame Überschrift in dieser Erwachet-Ausgabe so: "Das Ende der falschen Religion und des Kommunismus" (S. 18). Die beiden letzten Absätze dieser antikommunistischen und antisowjetischen Haßkampagne lassen das Wesen dieser Hetze erkennen. Feindselig und höhnisch heißt es: "Ja, das Urteil Gottes wird vollstreckt werden, und sowohl die heuchlerische Religion als auch der atheistische Kommunismus samt all ihren Unterstützern werden von der Erde weggetilgt werden . . . Wie die Bibel zeigt, ist das die Zukunft des Landes, das heute Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken genannt wird" (S. 19). Dabei gibt es kein einziges Wort in der Bibel über die Sowjetunion, die WTG legt sich das völlig willkürlich selbst aus!

Wir wollen nun die Auseinandersetzung etwas näher betrachten, in die die WTG alle Zeugen Jehovas bzw. Verkündiger hier zu stürzen versucht.
Aus den Anprangerungen von "Kompromissen" Geistlicher in der Sowjetunion wird deutlich, wohin die WTG die Verkündiger treiben will, was sie für richtig hält. Wir erinnern daran, daß die WTG den Verkündigern "Kompromisse" als eine Todsünde einprägt.

Man lese, was die WTG der Geistlichkeit in der Sowjetunion für "Kompromisse" vorwirft, die Jehovas Zeugen auf keinen Fall machen dürften:
"Ein Beispiel war der Patriarch Tichon. Im Gegensatz zu Jesus Christus, der lieber sterben wollte als Kompromisse zu schließen . . . unterzeichnete er eine Erklärung, in der er versprach, nichts zu unternehmen, was den Interessen des Staates schaden könnte . . .

Metropolit Sergei rief die Geistlichen auf, ihre Loyalität gegenüber der Sowjetregierung schriftlich zu garantieren . . . Patriarch Pimen hatte gezeigt, daß er mit der offiziellen Regierungspolitik völlig einigging …
… Tatsache, daß die Sowjets nur diejenigen Religionsgemeinschaften 'anerkennen', die sich ihnen völlig unterwerfen". (S. 7 ff)

Es ist für die WTG also ein fluchwürdiger "Komprormiß", nichts zu unternehmen, was den Interessen des Staates schaden könnte, loyal gegenüber der Sowjetregierung zu sein, nicht gegen die offizielle Regierungspolitik zu gehen und sich der Regierung völlig unterzuordnen. Dabei verlangt die Sowjetregierung überhaupt keine völlige Unterordnung, denn Artikel 124 der Verfassung der UdSSR garantiert die Glaubensfreiheit. Doch das wird unterschlagen.

Die "Kompromißlosigkeit", die die WTG hiermit den Verkündigern beibringen will, ist in Wirklichkeit eine raffiniert verhüllte antikommunistische und antisowjetische Opposition, Aggressivität und Feindschaft gegen die Sowjetregierung und gegen die sozialistische Gesellschaft,
übertüncht durch die ungeheuerliche Behauptung, Jesus Christus wäre lieber gestorben, als jemals zu versprechen, den Interessen des Staates nicht zu schaden!

Über die Bezirks-, Kreis- und Versammlungsaufseher ist "Osteuropa-Zonendiener" W. Pohl, Wiesbaden, dabei, jeden Widerstand gegen diese neue antikommunistische und antisowjetische Kampagne niederzuschlagen. Pohl gibt skrupellos zu, daß diese Erwachet-Kompagne die "Feinde" in den sozialistischen Ländern auf die "Barrikaden" bringen werde. Er warnt aber unverhüllt jeden Verkündiger davor sich "in eine neutrale Ecke" treiben zu lassen. Jeder soll sich völlig mit Geist und Buchstaben dieser Kampagne identifizieren, als sei er selbst davon überzeugt, auch wenn im einzelnen keine Beweise vorliegen. Wenn die WTG das jetzt durchführe, dann habe sie ihre Gründe dafür.

Gäbe es biblische Gründe dafür, die Verkündiger jetzt in neue antikommunistische und antisowjetische Konflikte zu treiben, so würde die WTG sie ohne Zweifel nennen. Die gibt es aber nicht. Die Gründe sind ganz anderer Art!

Die WTG muß jetzt das Äußerste tun, um zu verhindern, daß sich die Verkündiger in Massen der inneren Krise zuwenden, die jetzt mit dem erneuten Zusammenbruch der Endzeitvoraussagen um 1975 heraufzieht. Sie wäre das Ende der Organisation. Die Verkündiger müssen in Situationen gestürzt oder getrieben werden, die die Aufmerksamkeit völlig von der eigenen Situation, von der heraufziehenden inneren Bedrohung ablenkt, sonst bricht das Werk in sich selbst zusammen, denn die verkündigte Generation wird überschritten. Da hilft nur eine radikale Ablenkung in äußere Konflikte, in schärfste Auseinandersetzungen noch außen. Äußere Feinde müssen her.

Drei solcher Ablenkungsmanöver zeichnen sich mehr oder weniger immer deutlicher ab. In den westlichen Ländern mit dein Kapitalismus legt man sich definitiv nicht an - wird alles unternommen,
um die Verkündiger in eine Außenschlacht gegen alle anderen Kirchen und Christen zu führen, die die Sinne gänzlich gefangen nimmt.

Mit maßlosen Besudelungen werden Geistliche und Kirchen provoziert, in dem neuen WTG-Buch "Die Nationen sollen erkennen . . ." (1971/72) z. B., wo es über sie heißt:
"M i s t i g e G ö t z e n , Verbrecher, v e r 1 i e b t i n P r o s t i t u i e r t e , deren Glieder gleich denen von Eseln, und deren Same in Strömen kam wie der von Pferden, s c h a m l o s e S t r a ß e n d i r n e
Gimpelfänger, berufsmüßige Hure voll anstößigen Geruchs, verbrauchte alte Hure" u. a. m. (S. 243f, 247, 251, 254, 260f, 264, siehe auch CV 47/1973).

Dazu wird als ein weiteres Ablenkungsmanöver Hunger, Verbrechen, Krankheit, Umweltverschmutzung und anderes Elend in einer Art als Bedrohung beschworen, daß man nur noch gebannt und entsetzt darauf starren könnte.
Mit den Kongressen 1973 wurden hierzu Traktat-Aktionen begonnen, die bis Jahresende in die Milliarden gehen sollen.

Und das dritte Ablenkungsmanöver nach außen ist schließlich der hier aufgezeigte Versuch, durch eine neue internationale antikommunistische und antisowjetische religiös-politische Hetzkampagne alle Kommunisten und anderen fortschrittlichen politischen Kräften,
die sozialistischen Staaten und in der Hauptsache die Sowjetunion zu einem Vorgehen gegen die Zeugen Jehovas bzw. WTG-Verkündiger zu provozieren, das ihnen vielleicht eine blutige Märtyrerkrone aufsetzt, der WTG wäre das egal. Die Hauptsache ist, sie werden derartig in äußere Konflikte gestürzt, daß für hinreichende Aufmerksamkeit und Besinnung auf die eigene innere Situation weder Zeit noch Kraft bleibt.

Unternimmt die WTG solche Ablenkungsmanöver nicht die Sache wird sich sicherlich steigern - dann bricht die Organisation mit 1975 zusammen. Darum geht es jetzt.

Die Sache ist natürlich ein zweischneidiges Schwert und kann tödlich ins eigene Auge gehen. Wer will sich hier von den Verkündigern antikommunistisch und antisowjetisch "begeistern" - sprich aufpeitschen - lassen? Das überlegen sich selbst die zuständigen Aufseher, die das organisieren sollen. Auch ihnen dämmert schließlich, daß das proklamierte endgültige Ende überschritten wird und sie den Dingen auf den Grund gehen müßten, daß sie sich entscheiden müssen. Je schärfer die WTG alle in die ihr nötig erscheinenden religiösen und politischen Ablenkungsmanöver treibt, desto mehr fördert sie diesen Entscheidungsprozeß. Diese neue internationale antikommunistische und antisowjetische Hetzkampagne öffnet nur noch mehr Aufrichtigen in der Organisation die Augen.
CV-Erwachetkommentator

Zur Strategie der WTG in ihrer gegenwärtigen Existenzkrise
Generallinie: Hinweg von 1975!
Mit Riesenschritten gehen wir dem brisanten Jahr 1975 entgegen, für das die WTG das Ende der 6000 Jahre "dieser Welt" und den Beginn der Tausendjahrherrschaft Christi verkündigt hat (WT 1. 1. 67). Langsam wird jedoch klar, wie man auch am Kampf der WTG gegen eine aufkommende "innere Opposition" ablesen kann, daß sich die WTG wieder gefährlich übernommen hat, wie mit 1799, 1874, 1914 oder 1925, daß "diese Generation" wieder vergangen ist.

Mit dem Jahrestext für 1973 war die Generallinie angegeben worden, um 1975 wieder zu verdrängen: "Wir aber unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf
u n n a b s e h b a r e Zeit, ja i m m e r d a r". Das heißt, keine Orientierung auf Jahr und Tag mehr!

Doch das Wandeln mit der WTG wurde doch nicht "auf unabsehbare Zeit" begonnen! Es ist doch auf "diese Generation" seit 1914 festgelegt worden! Das läßt sich doch nicht aus der Welt schaffen, auch mit Jahrestexten nicht! Man kann das auch nicht seit 1799 schon, Generation um Generation verschieben ("Die Harfe Gottes", S. 215, WTG 1926). Und doch zeichnet sich dies wieder eindeutig ab!

Es wird deshalb mit aller Macht dafür gesorgt, daß jeder "bis über beide Ohren" beschäftigt ist. Das soll es schwermachen, zugleich immer eine hinreichende Gesamtübersicht zu haben, wohin die Reise geht. Keiner soll den Kopf von der Arbeit hochnehmen und innehalten, um die Sachlage kritisch zu überschauen. Aber bei jeder Tätigkeit ist doch unbedingt ständig zu fragen, welchem Zweck sie dient, welches Ziel sie verfolgt und wohin man damit gerät! Nichts ist gefährlicher, als sich bedenkenlos "auf unabsehbare Zeit" beschäftigen zu lassen, ohne fragen zu dürfen! Um so mehr jetzt, wo wir "diese Generation" seit 1914 ohne ein "Ende" zu erleben, ins Grob sinken sehen! Schaut euch nur die alten Brüder und Schwestern daraufhin näher an!

Eine Generation umfaßt ca. 30 bis 35 Jahre, eine Geschlechterfolge (Meyers Neues Lexikon). Aber billigen wir der WTG mehr zu. Gehen wir hoch auf ein Menschenalter, obwohl dies mit "Generation" nicht gemeint ist. Das sind höchstens 70 bis 80 Jahre (Psalm 90:10). Aber wo lebt noch jemand, der 1914 die WT-Botschaft annahm? Sie sind fast alle tot! Wo ist also "diese Generation" von 1914 geblieben?

Die WTG muß also das Nachdenken über die wirkliche Lage verhindern, wenn sie überleben will! Sie muß "auf unabsehbare Zeit" Zeit gewinnen. Der Jahrestext 1973 ist angesichts dieser Lage wohlüberlegt ausgewählt!

Man kann gespannt sein auf die Jahrestexte 1974 und 1975!
Antikommunismus, etwas Trost für die Alten,
Verbot jeder Kritik
(WT 1. 1. 73 dt.) - Um die Organisation jetzt zusammenzuhalten, wird u. a. eine Abschreckung von der gesellschaftlichen (kulturellen, religiösen, politischen, sozialen) Umwelt und eine psychologische Unterdrückung aller "inneren Opposition" auf die Tagesordnung gesetzt. Front gegen Kommunismus und Marxismus ist der politische Hauptgesichtspunkt, den man predigt: "Wegen wiederholter Enttäuschungen wenden sich viele Leute dem Kommunismus und dem Marxismus in der Hoffnung zu, daß sich dadurch ihre Lage bessert", was jedoch "keine völlige Erleichterung" schafft (S. 4) Also: Hände weg davon! Die Sache ist unnütz! - So beginnt es schon 1973! Die Wahrheit, daß sich durch die Kraft der Kommunisten und Marxisten - das kann niemand leugnen - die Lage vieler Millionen Menschen gebessert hat und vielfach "völlig erleichtert wurde, wird einfach unterschlagen. Für die Zeugen Jehovas soll alles andere nur schlecht, böse, verderbt und schrecklich sein, das will der WT jetzt mehr denn je.

Die wenigen Alten von 1914, die noch leben mögen, werden mit den Worten getröstet, Jesus habe darauf hingewiesen, "daß sich diese letzten Tage nicht über die Lebensdauer der Generation hinauserstrecken würde, die ihren Anfang sehen würde", ja, "einige Zeugen" des 1. Weltkrieges (1914/18) würden "das vollständige Ende sehen" (S. 6/7). "Einige Zeugen"? Wurde damals nicht weltweit verkündigt, "Millionen werden niemals sterben, die jetzt leben!" -? Was ist Wahrheit? Der Hauptartikel über das Gewissen verfolgt das Ziel, alle in ihrem Gewissen fest an die Organisation zu binden, durch die "sich Jehova täglich mit seinen Dienern" beschäftigt. (S. 23). Darum dürfe die Zunge nicht dazu gebraucht werden, "andere kritisch zu beurteilen' (S. 25). Hiermit wird auf eine kritiklose Unterwürfigkeit unter die WTG hingearbeitet. Jehova beschäftigt alle durch die Organisation? Dafür gibt es nicht den geringsten Beweis! Die Fehler, Bibelfalschauslegungen. Änderungen, Widersprüche, Terminverschiebungen und politischen Winkelzüge der WTG sind sogar der Gegenbeweis! Etwas "im Namen Jehovas" zu tun, wie die WTG ständig erklärt, heißt noch lange nicht, daß es Jehova tut! Das muß endlich unterschieden werden! "IM NAMEN" Jehovas oder Gottes kann man a l l es machen!

Politische Schwarzmalerei, bedingungsloser Gehorsam
(WT 15. 1. 73 dt.) - Unter dem Hauptthema "Menschenherrschaft im Lichte der Tatsachen" werden wieder alle gesellschaftlichen Zustände und Verhältnisse schwarz gemalt und so entstellt. Als gäbe es in der Welt nur Krieg. Verschmutzung, Armut, Übervölkerung und Übel über Übel ohne Ausweg. Selbst "Wissenschaftler" (!!) würden "die gegenwärtige Lage für aussichtslos" halten (S. 40). Daraus wird dann das Gebot abgeleitet, "weder an Politik beteiligen noch die königreichsfeindlichen Bestrebungen der Welt unterstützen" (S. 42). Der WT laßt nichts gesellschaftlich Positives gelten.

Durch solche vollständige Verteufelung allen gesellschaftlichen Lebens und Strebens soll erreicht werden, daß jeder schon aus Furcht bei der WTG bleibt.

Aber ist diese Schwarzmalerei nicht politische Verhetzung? Hat Gott die Menschen nicht mit sozialen Bedürfnissen geschaffen Wieso ist es dann "königreichsfeindlich", wenn man sich zwangsläufig durch Staat, Regierung und Sozialordnung darum kümmert? Das ist doch WTG-Erfindung! "Obrigkeit" um der menschlichen Ordnung willen ist "von Gott"! Und darum nicht königreichsfeindlich! (Römer 13:1-7, 1. Petr. 2:13, 14, Titus 3:1, 2).

"Für die göttliche Herrschaft" zu sein, erläutert der WT in den Hauptpunkten dann so: "Sich nicht an der Politik beteiligen" (S. 54), "Die Ewigkeit im Sinn behalten" (S. 55), "mit Demut gürten" (S. 55), "treu sein", um sich "von Gott für jeden beliebigen Zweck gebrauchen" lassen zu können (S. 55), "Rat annehmen ohne unwillig zu werden" (S. 56),
a u f m e r k s a m s e i n u n d s c h n e l 1 g e h o r c h e n" (S. 57) und "keine Zweifel aufkommen lassen über die eingesetzten Altesten und über die Organisation' (S. 58).

Die "göttliche Herrschaft" ist de facto das Regiment der WTG. Mit "treu sein", um sich "von Gott für jeden beliebigen Zweck gebrauchen zu lassen", kommt das Hauptziel der WTG zum Ausdruck.

"Von Gott" heißt doch nichts weiter als "durch die Organisation, durch die WTG"!
In der Tat, nur mit einer Anhängerschaft, die so bedingungslos glaubt, wenn es nur "im Namen Jehovas" verkündigt wird, kommt die WTG über 1975 hinweg! Die Erläuterungen im WT zeigen, daß die WTG einer immer stärker werdenden "inneren Opposition" gegenübersteht, je näher das proklamierte "Ende" kommt, das wieder nicht kommt.
(wird fortgesetzt. C. W.)

"Wir sind ja kein Wohltätigkeitsverein"
Lieber Br. Daum!
Für all Deine Post, die ich in letzter Zeit erhielt, habe recht vielen Dank. Die Doppelnummer von CV habe ich weitergeleitet.
Es stehen ja wieder ein paar ganz interessante Artikel darin. Vor allem hat mich der Artikel vom WT-Blutkultopfer interessiert Dazu werde ich ein paar Zeilen besonders schreiben und wann Du es für richtig hältst, kannst Du sie in CV mit veröffentlichen lassen.

Betreffs der Einstellung vom WT "Wir sind ja kein Wohltätigkeitsverein" Das habe ich auch einmal in unserer Gruppe hier erlebt. daß der GD Schmid und sein Komitee dieselbe Einstellung hatten.

Im August 1948 fand ein Kongreß der ZJ in Westberlin statt, an dem ich teilnahm.
Eine Glaubensschwester, die sehr unbemittelt war und im Besitz eines Schwerbeschädigtenausweises war, wollte an dem Kongreß gern teilnehmen, hatte aber nicht das Fahrgeld, welches nur 25 Prozent des vollen Fahrpreises auf Grund ihres Schwerbeschädigtenausweises betrug. Sie fragte den Gruppendiener, ob man es ihr nicht aus der Kasse geben könne.

Dies wurde vom Gruppendiener und dem Komitee abgelehnt Das war "christliche Nächstenliebe".
Ich glaube, daß jede andere Glaubensgemeinschaft hierin anders gehandelt hätte. L. S.

WOHIN SOLLEN WIR GEHEN?
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
Situation und Entwicklung drängen zur Entscheidung Wer will hier "Tag und Nacht" nur arbeiten, egal wohin es geht und wie lange es noch dauert? Wer will den weltpolitischen Unsinn, alle sollten sofort "von ihren Thronen steigen", ernsthaft vor irgend jemandem vertreten? Wer wollte gar den WT-Antikommunismus verbreiten? Was wäre denn, wenn sich niemand um die soziale und menschliche Ordnung kümmern würde? Noch dazu, wo wieder kein "Ende" kommt und die WTG nicht einmal selbst sagen kann, wie es konkret weitergehen soll.

Diese CV-Ausgabe zeigt wieder, wie dringlich es ist, den WT-Weg kritisch zu überprüfen. 1. Thess. 5:21. Da die WTG sich in ihren fragwürdigen Dingen nicht ändert, müssen neue Entscheidungen getroffen werden, um den Weg als Christ und Bürger schriftgemäß fortsetzen zu können. Der Name Jehovas ist ein starker Turm, wenn er nicht mißbraucht wird. Die Zeit ist da, wo die Aufrichtigen ihren Studiengruppen und Versammlungen vorangehen müssen, allein in der Verantwortung vor Gott und Menschen in der einzigen Hoffnung der Schrift für heute. Eph. 4:175. Sie können sich auch den schon bestehenden freien Gemeinden, Studiengruppen und Versammlungen anschließen, die sie herzlich willkommen heißen Die gegenwärtige WT-Führung ist mit ihrer irdischen Hoffnung vollkommen verfehlt, Philipper 3:17-19, daher vollkommen aussichtslos, wie mit 1975 wieder sichtbar wird. Es gibt nur den einen untrüglichen Weg in Glaube, Liebe und Hoffnung, das Evangelium ist in keinem Punkt heute außer Kraft gesetzt. Hier müssen sich alle Aufrichtigen finden.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.

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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Böttchergasse 1. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,00. Versand auch kostenlos. A 1030-74 V 7 1 48

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