Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 52

Wie bei Jehovas Zeugen aus "Dienern" "Aufseher" wurden. Ein Thema dieser CV-Ausgabe.
 


CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14: 20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft (WTG) und WTG-bedingter Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit

Nr. 52 Gera September 1973

WERDET ABER ERWACHSENE AN VERSTÄNDNISVERMÖGEN
1. Kor. 14:20 NW
Liebe Leser!
Es ist Aufgabe und Verantwortung aller Glieder der Christenversammlung, kritisch zu prüfen, was sich als Geist, Lehre und Wahrheit von Gott ausgibt. "Geliebte, schenkt nicht jedem Geist Glauben, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott her sind", sagt der Apostel in 1. Joh. 4:1. Es ist urchristlich, jede Lehre schriftmäßig kritisch zu untersuchen, bevor man sie annimmt. Apg. 17:11. Das bedeutet und verlangt natürlich eine umfassende Information für alle Glieder der Christenversammlung.

Das ist heute umso mehr erforderlich, da die Organisation vor einer sehr ungewissen Zukunft steht. 1975 wird vorübergehen, ohne daß irgend etwas geschieht, daß ein Ende der 6000 Jahre und den Beginn des 1000jährigen Königreiches auf Erden anzeigen würde. Nur wer versteht, zwischen den Zeilen der WTs zu lesen und die Untertöne der großen Kongreßvorträge herauszuhören merkt, wie man in Brooklyn dabei ist, die Weichen völlig neu zu stellen, auf eine vierte Generation - seit 1874. Niemand braucht furchtsam und ängstlich zu sein, CV in die Hand zu nehmen und zu lesen. CV wird angesichts der Lage immer unentbehrlicher. Darüber hinaus ist es doch nur zu notwendig, sich über das zu informieren, was jedermann zugänglich ist, das Werk betreffend, ja, gerade aus diesem Grunde muß man CV kennen.

CV führt die schriftgemäße Auseinandersetzung sehr differenziert und unterschiedlich. Das sollte nicht befremden. Es sollte auch nicht zu falschen Schlußfolgerungen verleiten, als ob sich CV widerspreche. Die Hauptauseinandersetzung wird ohne Zweifel mit den Hauptverantwortlichen geführt, mit der WTG bzw. der Leitenden Körperschaft, den Zonen-, Zweig-, Bezirks- und Kreisdienern z. B. Es besteht kein Grund, das den Versammlungen vorzuenthalten. Wie sollten sonst die Versammlungen "die Geister prüfen" können? Alle müssen Strategie und Taktik der WTG kennen Übrigens, sind es nicht die Versammlungen, die einfachen Verkündiger, die jeweils "ins Feld" oder aufs "Schlachtfeld" geschickt werden?

Wenn in CV unterschiedliche Äußerungen zu finden sind, so deshalb, weil es über die WTG die unterschiedlichsten kritischen Ansichten gibt, die sich auch manchmal widersprechen Was will man von den nachdenklichen Brüdern und Schwestern in den Versammlungen erwarten, wenn die WTG ihnen mit der Entfernung der Sonderdienerlisten aus den Jahrbüchern z. B. selbst die letzten Möglichkeiten einer Übersicht über die Personalentwicklung der WTG genommen hat? Müssen sich nicht viele erst mühsam durch solche Entmündigung hindurchringen? CV macht diese unterschiedlichen Ansichten über die WTG lediglich sichtbar unabhängig davon, ob solche Ansichten geteilt werden können oder nicht.

Das Anliegen von CV selbst ist nicht Kampf gegen Gott, Glauben und Christentum, wie einige sich versteigen zu behaupten. CV könnte und will gar nicht gegen Jehova kämpfen. CV kämpft gegen schriftwidrigen Gebrauch von Glauben und Christentum, für ein schriftgemäßes Verhalten und Handeln als Christ und Bürger. Angesichts der bisherigen Fehlanleitungen durch die WTG gerade in der Obrigkeitsfrage mit den sinnlosen Opfern an Freiheit und Leben, die das die einfachen und gutgläubigen Verkündiger gekostet hat - jeder der hauptverantwortlichen Hirten wie Präsidenten, Direktoren, Zonen- und Zweigdiener hat es bisher stets rechtzeitig verstanden, immer nur die Kleinen aufs Schafott gehen zu lassen - ist es keine Vermessenheit, sondern bitterste Notwendigkeit, der WTG gegenüber das schriftgemäße Verhalten darzulegen. Wer seid ihr schon gegen die Brüder in Brooklyn, wirft man CV vor. Wir antworten, daß Christus selbst den Geringsten unter den Brüdern für groß geachtet hat. Matth. 25:40, Luk. 7:28. So kämpft CV selbst für eine bessere, für eine in allem wirklich schriftgemäße Form der Gottesanbetung.

Damit ergibt sich auch eine Bemerkung zum christlichen Verhalten als Bürger in unserem Lande. Man soll doch nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Wir werfen das nicht der WTG vor, die nämlich genau weiß, daß sie es selbst ist, die die politischen Fragen auf die Tagesordnung setzt, indem sie schon seit dem 3. WT im Jahre 1879 den Kampf gegen den Kommunismus an ihre Fahnen geheftet hat, als es überhaupt noch keine sozialistischen Länder gab. (WT 1. Januar 1962 Abs. 5, dt.) CV beantwortet lediglich diese antikommunistische psychologische Kriegführung des WT und weist in Übereinstimmung mit 1. Petr. 2:13, sich als Christ der menschlichen Ordnung einzufügen, den notwendigen Weg.

All dem gegenüber gibt es auch eine Gruppe von CV-Lesern, "Deine von Dir informierten und Deine Kommentare lesenden Brüder" nennen sie sich u. a., an die Adresse des CV-Herausgebers gerichtet, die zornerfüllt und wutentbrannt auf CV reagieren. Sie verfassen sogar lange Gedichte gegen CV, in denen ein unglaublicher Haß lodert, der schon Gossencharakter hat. Wir empfehlen diesen "Dichtern", ihre Geistesprodukte erst Wiesbaden vorzulegen, bevor sie damit im Namen Jehovas zu operieren beginnen. Denke dir irgend etwas maßlos Gehäßiges gegen CV aus und du hast eine ungefähre Vorstellung von diesen "Dichtern".

Interessant ist aber die Bemerkung in einem Brief zu solcher "Dichtkunst", CV aus Erfurt zugesandt:
"Ich bin fest davon überzeugt, daß der Tag kommt, an weichem die Gesellschaft (WTG) gegen Sie zu Felde zieht und samt Anhängsel der Dummheit und Vermessenheit überführt".

Die Totschweigetaktik der WTG gegen CV scheint ihnen unheimlich und sie drängen förmlich darauf, daß der WT vernichtend gegen CV losschlägt. Wenn diese "Dichter" unter den CV-Lesern nichts weiter beweisen, so doch dies:
CV muß eine ungeheure Wirkung haben, daß man es für höchste Zeit hält, einen vernichtenden WT-Schlag zu führen Tatsache ist, daß es hier keinen Kreis- und Bezirksdiener gibt, der sich nicht mit CV beschäftigt.

Ist es nicht interessant, auch dies zu wissen? Immer mehr erkennen, daß sie durch CV wahrhaftig an einem Glaubenskampf teilnehmen, der bisher nicht seinesgleichen hatte, was Inhalt und Bedeutung betrifft. Den offiziell gegenüber CV schweigenden WT-Verantwortlichen möchten wir sagen, kein Wissen um irgendwelche Dinge bleibt ohne Wirkung. Je informierter die Versammlungen u. a. durch CV werden, desto mündiger werden auch die Geringsten der Brüder Christi gemäß 1. Kor. 14:20. Das ist einfach biblisch gesetzmäßig Gal. 6:7. Darüber freuen wir uns zusammen mit allen die guten Willens und aufrichtigen Herzens sind, was die wirkliche christliche Verantwortung vor Gott und Mitmenschen betrifft.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

An die "Brandmauer"-Bestimmungen erinnert
Eine Brandmauer dient u. a. der Sicherheit und Abschirmung für den Fall eines Brandes im Nachbarhaus. Jeder Schornsteinfeger kann darüber beste Auskunft geben. Die WTG hat den Begriff Brandmauer eingeführt, um besser illegal wirken zu können. Zu den WTG-"Brandmauer"-Bestimmungen gehört u. a. Decknamen benutzen, Code, Chiffre, Verschlüsselungen, Geheimschriften, Geheimkuriere, Geldschmuggelmethoden, tote Briefkästen, geheime Treffs, Spurenverwischung, Polizei belügen, kurzum alle Arten von Trug und List anzuwenden, um die WTG-Tätigkeit nach außen abzuschirmen und derartig abgesichert weiter zu treiben und zu forcieren. Die hiermit befaßten Brüder und Schwestern sind von der Methode her nahezu wie typische Geheimdienstagenten tätig. Gegenwärtig wird wieder besonders auf die Einhaltung der "Brandmauer"-Bestimmungen hingewiesen.

Warum ist mit der religiösen Tätigkeit der WTG derartiges verbunden? Weil die WTG die Zeugen Jehovas immer noch dazu anzuleiten versucht, in Verbindung mit ihrer religiösen Tätigkeit eine antidemokratische, antikommunistische Politik im Sinne imperialistischen Mißbrauchs von Kirchen und Religionsgemeinschaften durchzufahren, wie die WTG-Schriften mit ihren antidemokratischen und antikommunistischen Angriffen immer noch unter Beweis stellen. Die WTG steht hierin noch wie vor auf den Positionen des antikommunistischen "kalten Krieges" seit den fünfziger Jahren.

Was ist dazu biblisch zu sagen? Verkündigung wahrhaften biblischen Christentums bedarf keiner solchen Geheimdienstmethoden. Sie werden durch die Schrift sogar direkt verboten: "Nicht mit List wandeln" 2. Kor. 4:2 NW. Eine Verkündigung, die dennoch mit Trug und List arbeitet, stellt daher einen Mißbrauch des Christentums dar, den es zu bekämpfen gilt.

WAS WAR 1914?
EIN SITTENBILD
Wer auch immer "Unsittlichkeit" bilanzieren wollte, wird finden, daß sie eingebettet ist in Leid, Unwissenheit, in Elend und Armut, Siechtum und Verlassenheit. Nur vor diesem Hintergrund kann ein Mensch nachempfinden und mitleidend erkennen, was Unsittlichkeit in Wahrheit eigentlich ist, warum Jesus Christus trotzdem die Fußwaschung der Sünderin angenommen hat.

Auf wackligen Füßen
"Die vor dem 1. Weltkrieg geltenden sittlichen Normen galten nicht mehr.
Eine Menge Kinder wurden unehelich geboren, weil sich ihre Eltern über die vor dem Kriege geltenden sittlichen Schranken hinweggesetzt hatten". (WT Nr. 23/69, Seite 719). Derartige Ecksätze gehören zum ständigem Angebot fast aller WT- und "Erwachet"-Hauptartikel.

14. Jahrhundert Basel:
". . . denn der Rath (Stadt Basel) verschritt zu der Strafandrohung, daß die Aussetzerinnen von Kindern in den Rhein geworfen werden sollten".
Sachsenspiegel II 13

Die "sittliche Normentreue" vor dem 1. Weltkrieg steht also auf ungemein wackligen WT-Füßen, aus der Geschichte der menschlichen Sitten vor 1914 ist sie jedenfalls nicht zu beweisen.
Zu Beginn des 14. Jahhunderts entstanden die ersten Findelhäuser, um ausgesetzte Kinder in die Obhut der Städte nehmen zu können.
Etwa 100 Jahre früher datieren die ersten Lusthäuser. Damit sind nicht etwa zierliche Gartenhäuser gemeint, sondern zum Zwecke des Gebrauchs geeignete Bordelle.

1273 in Augsburg
1278 in Wien
1292 in Hamburg
1309 in Stettin
1410 in Berlin
(hier unter der Aufsicht des Henkers)
Der Henker vermietete das Lusthaus im Auftrage der Stadt an den Ruffian, Frauen- oder Metzenwirt = Kuppler.

250 Jahre später, zwischen 1533 und 1551 schließen die Bordelle, weiche da waren in Regensburg, Ulm, Breslau, Nürnberg und Augsburg, weil die Syphilis wie eine Furie über Deutschland hinwegtobte.
Vielleicht sollten wir auch noch eine ganz allgemeine Zahl aus den Jahren 1250-70 zur Kenntnis nehmen.

Europa war mit einem Netz von etwa 19 000 Lepra-Spitälern überzogen. Seuchen und soziale Zustände müssen von wahrhaft "endzeitlicher" Gewalt gewesen sein.

1501 Hafenstadt Valencia:
= 800 "lichte Fräulein" sind in Bordellen konzentriert
1529 von ca. 4000 Einwohner in Luzern:
= 300 "allgemeine Frauen" sind im Bordell tätig
= 7,5 Prozent Einwohner dieser Stadt sind Prostituierte, 14 Einwohner: 1 Dirne, so liegen hier die Verhältnisse.
Diese Dichte ist zu keiner Zeit wieder erreicht worden. Weder Paris, noch New York, noch Berlin repräsentierte jemals einen solchen Zustand.

Doch, es gab Ausnahmen, die Prostitution in der Hafenstadt Amoy (Japan).
1861 Amoy:
= 8,3 Prozent der Einwohner waren Prostituierte,
= 3650 Bordelle besorgten den Umsatz
12 Einwohner: 1 Prostituierte.

1871 Berlin: 826000 Einwohner
= 2,5 Prozent der Einwohner waren Prostituierte davon 10 Prozent unter Dauerkontrolle der Polizei
es gab ca. 30 000 Homosexuelle
auf 38 Einwohner kam eine Prostituierte.

Ganz nebenbei bemerkt.
Es fällt sicher auf, daß von "Einwohnern" die Rede ist. Hierin sind also Greise, Frauen und Kinder eingeschlossen. Prostitution bezieht sich aber immer auf geschlechtsreife Personen, die als Partner in Betracht kommen.
Wenn man eine durchaus legitime Hochrechnung vornimmt, dann ergeben sich für das Jahr 1971/72 in Westberlin rechnerisch folgende Werte:
1971/72 Westberlin: 2,4 Mio Einwohner
minus 5500 Zeugen Jehovas
= ca. 60 000 Prostituierte
= 2,5 Prozent der Einwohner, wären demnach Prostituierte.
Das ist jedoch nur eine theoretische Zahl.
Wenn jedoch Westberlin tatsächlich 60 000 Prostituierte hätte, dann läge diese Stadt im Verhältnis unter dem, was vor 1914 war, dann war es früher, vor 1914, schlimmer.

Wir möchten keineswegs Anstoß erregen oder gar jemand zu nahetreten.
Wir können auch ganz allgemein formulieren:
Wenn 1972 eine beliebige Stadt von 2,4 Millionen Einwohnern 60 000 Prostituierte in ihren Mauern beherbergt, wenn also 2,5 Prozent der Einwohner Prostituierte sind, dann ist diese Stadt nicht "sittenloser" als die Stadt Berlin von 1871/ 72. in WTG-Schriften hingegen lesen wir:

"Die 'letzten Tage' wovon?
Die letzten Tage des ganzen bösen Systems der Dinge auf der Erde.
Das bedeutet, daß sich die m e n s c h 1 i c h e G e s e 1 1 s c h a f t, die sich von Gott abgewandt hat, im Endstadium befindet, in dem S e x und Gewalttat wahre Orgien feiern, und daß sie sich mit R i e s e n s c h r i t t e n i h r e m E n d e
n ä h e r t".
"Erwachet" Nr. 21/69, Seite 12.

Darum geht es der WTG, das ist der Hauptzweck ihrer sittlichen Greuel- und Falschinformationen - sie will "1914" beweisen, die "Endzeit" markieren.
Hiermit kann die WTG Menschen beeindrucken, die nicht ausreichend über "Sittlichkeit" informiert sind, jeder kann unsere Gegenbeweise nachprüfen.

Von 1394 zum Reichstag in Frankfurt besagt eine Überlieferung, daß gegen 800 Dirnen nach Frankfurt/Main kamen, um diese Veranstaltung mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Aus dem Jahre 1960 wäre nachzutragen, daß kaum mehr deutsche Troß-Dirnen den amerikanischen Truppen nach Baumholder (Truppenübungsplatz) ins Manöver folgten, um hier in Zelten in angrenzenden Wäldern zu campieren.

Der WT wird nicht erklären wollen, daß die Frankfurter-Dirnen von 1394 sittlicher waren als jene von Baumholder. Wie aus einem Füllhorn könnte CV "Unsittlichkeit" vor 1914, dokumentierte, ausgießen.

1900 Frankreich:
von 700 Städten über 5000 Einwohner heben 250 Städte die Reglementierung der Prostitution auf.
1814 London:
1500 Bordelle sind etabliert und verschleißen Dirnen, Frauen-Menschen, die auch von einer Mutter geboren wurden.
1911 Tokio:
Beim Brand im "Liebesviertel" von Tokio, der "Joshiwara-Straße" gehen fast 500 Bordelle in Flammen auf, 6000 "Mädchen" werden obdachlos.
1905 Wien:
2200 Prostituierte sind ständige "Kontrollfrauen" der Sittenpolizei. 57 Prozent der verhafteten "wilden Dirnen" sind minderjährig.
1660 Frankreich:
Polizeiliche Deportation der Dirnen per Schiff nach Canada.
1841 Paris:
Es bestehen ca. 250 Bordelle.

Der "Wachtturm" Nr. 13/72 schreibt zum Thema:
"… Ferner sind Fachleute auf dem Gebiet der Medizin in vielen Ländern besorgt, weil sich die Geschlechtskrankheiten
s e u c h e n a r t i g ausbreiten . . .

In den Vereinigten Staaten steht die Syphilis jetzt unter den ansteckenden Krankheiten, die die m e i s t e n T o d e s f ä 1 1 e verursachen, noch der Tuberkulose gleich an zweiter Stelle".

"Erwachet" Nr. 12/72, Seite 29 liefert dann den praktischen Seuchenkommentar dazu:
"… Mitte 19'70 und 1971 kamen auf je 100 000 Einwohner in der BRD und West-Berlin 123 Geschlechtskranke.
In West-Berlin allein war die Häufigkeit etwa viermal so hoch wie im Bundesgebiet. Hier entfielen 498 Fälle auf je 100 000 Einwohner".

Es liegt "CV" fern, etwa Seuchen wie die Syphilis zu verharmlosen.
A b e r West-Berlin von 1970/71 liegt mit diesem Krankenstand der Geschlechtskrankheiten (allgemein) Syphilis und Gonorrhoe, weit unter dem Durchseuchungs-Niveau Berlins, von 1846/47.

Die Berliner Charité (Krankenhaus) behandelte 1846/47
1814 Patienten wegen Syphilis. Außerdem wurden 678 Militärpersonen erfaßt.
2492 Fälle von Syphilis.
Das heißt also, fast fünf Prozent der Soldaten der Berliner Garnison (Iststärke ca. 14 000 Mann) waren als Syphilitiker registriert worden.

In einzelnen Truppenteilen waren bis zu 20 Prozent der Mannschaftsstärke syphilitisch erkrankt. Im Durchschnitt wurden die Soldaten 33 Tage im Lazarett behandelt. (Nach Dr. Behrend).
Diese außergewöhnliche Durchseuchung der Berliner Garnison führte zu einer Eingabe General von W r a n g e l s an den Polizeidirektor von Berlin.
Es wurde gebeten, in Berlin wieder Bordelle zu erlauben und diese unter strenge Sanitätskontrolle der Sittenpolizei zu stellen.
1851 wurden die Bordelle in Berlin wieder zugelassen. Vor der Schließung, zum Beispiel im
Jahre 1780, gab es in Berlin etwa 100 Bordelle. 1 Prozent der Einwohner von Berlin, 8M Frauen verdingten sich als kasernierte Bordell-Dirnen, das bedeutet.
= auf 50 Männer eine Dirne.
Eine ausgesprochene Verelendung der Prostituierten müssen wir für das Jahr (die Zeit um) 1871/72 annehmen, denn für 30 männliche Personen stand buchstäblich eine Dirne bereit.

Innerhalb von 90 Jahren wuchs die Bevölkerung Berlins seit dem Jahre 1780 um das Zehnfache, die Anzahl der Dirnen jedoch stieg auf das 25-fache.
1806/07 in Berlin:
pro 100000 Einwohner
= 800 Prostituierte
= auf 60 männliche Personen kam 1 Dirne
1847 in Berlin:
pro 100 000 Einwohner
= 310 Prostituierte
= auf 160 männl. Personen kam 1 Dirne
1871/72 in Berlin:
pro 100 00 Einwohner
= 2500 Prostituierte
= auf 30 männliche Personen kam 1 Dirne

44 Jahre vor "1914" schlägt das Pendel hart aus, auf 30 männliche Personen kommt in Berlin eine Dirne, Buhlin, Hure, Metze - der schmähenden Wörter wegen waren Menschen noch nie verlegen. Das ist die eine Seite.
Fast 1000 Kinder registrierte die Polizei in Berlin als Bettler, jedes zweite neugeborene Kind verstarb noch im Säuglingsalter.

Diese Fakten, wir könnten noch zahlreiche andere nennen, sind auch geschichtlicher Hintergrund zur Sittlichkeit. Günter K ü n z als WT-Redakteur sollte sie nicht vergessen, demnächst, wenn wieder "Endzeitbeweise" geschneidert werden. 52 Jahre noch "1914", unter der Verantwortung von Günter K ü n z , schrieb "Erwachet" Seite 9,

"Sondernummer über Sittenverfall":
…"Im Jahre 1962 wurden in London (England) 8835 uneheliche Kinder geboren,
oder auf je 7 Geburten 1 uneheliches Kind".
… "Aber man darf auch die Tatsache nicht übersehen, daß Gott der Allmächtige, die heutige Familienkrise vorausgesagt hat.
In seinem Wort wird von 'den letzten Tagen' gesagt:"
… "Die Erfüllung biblischer Prophezeiungen, wie z. B. der erwähnten, zeigen deutlich, daß wir 'in den letzten Tagen' dieses verderbten Systems der Dinge leben. Wir leben in einer Übergangszeit . . ."

Der Londoner Sittenverfall" von 1962, siehe Zitat, hatte durchaus Vorläufer in:
Hamburg:
1790 - 1800 9 Geburten: 1 uneheliches Kind
1800 - 1811 7 Geburten: 1 uneheliches Kind
Die Hamburger waren also in der Zeit von 1800 bis 1811 vergleichbar genauso "unsittlich" entsprechend der WT-Schablone, wie die Londoner von 1962.

Leipzig: 1740 nach sechs Jahrgängen waren
5293 Kinder geboren,
davon 761 unehelich

Überprüfen wir diese Zahl mit der Anzahl der registrierten Kindtaufen in
Leipzig: 1752 - 1755
so wurden 2 888 Kinder getauft
davon 449 uneheliche Kinder
Damit war die "Londoner Unsittlichkeit" von 1962 ganz eindeutig schon 1755 in Leipzig "vorgeschattet", traurige Wahrheit, 7:1 - wie jeder leichthändig errechnen kann, harte Wahrheit, Br. WT-Redakteur.

Berlin: 1900
Für diese Stadt wurden lt. statistischer Angaben in "Meyers Lexikon"
51 500 Geburten registriert
davon 7 722 uneheliche Geburten
= 14,9 Prozent gleich 7:1

Selbst kleine Dörfer bei Meiningen, mit insgesamt weniger als 600 Einwohner weisen für die Zeit von
1794 bis 1804 solche Verhältnisse von ehelichen Geburten zu unehelichen Geburten, 7:1 aus.

Die hiermit nachgewiesenen Angaben über uneheliche Geburten zeigen eindeutig, daß über die heutige Zeit nicht gefolgert werden kann, "sie sei deswegen von endzeitlicher Unsittlichkeit". Solche "Beweise" brechen wie Kartenhäuser zusammen.

WT-Redakteur G. K ü n z möchten wir bei dieser Gelegenheit fragen, warum er diese Zusammenhänge und Rückbetrachtungen zur sittlichen Vergangenheit nicht herstellt, verpflichtet denn sein Dienstamt nicht dazu - zu prüfen ob alles auf Wahrheit beruhe.

Welchen Dienst leistet er denn den Brüdern und selbst der WTG, wenn er nicht sagt, diese Zahlen und Folgerungen, siehe Zitate aus WT und "Erwachet", kann ich so nicht nachdrucken, denn sie suggerieren ja Fehlurteile und begünstigen Voreingenommenheit.

Vielleicht aber ist sein Dienstamt so abgezweckt, daß er seinem Gewissen gar nicht folgen kann, wenn er auch wollte, da er Kritik in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Redakteur eben nicht artikulieren soll, sondern alles hinnehme und durchlasse.
Wie dem auch sein mag - wer auf Vorurteile im Menschen spekuliert, Halbwahrheiten in Millionen Exemplaren Zeitschriften verbreitet, ist nicht der Herold der Wahrheit Jehovas Bedenke den schlechten Dienst für Jehova.

Q u e 1 1 e n:
Beer, J.
"Die Schließung der öffentlichen Häuser … in Berlin, 1856
Behrend. F. J.
"Die Prostitution in Berlin", 1850
Stieber.
"Die Prostitution in Berlin und Ihre Opfer", II. Auflage, 1846
Lippert, H.
"Die Prostitution in ihren eigenthüml. Verhältnissen Hamburg, 1848
Leonardi, F. S.
"Über die Schädlichkeit der Bordelle", Leipzig, 1792
Conrads
"Jahrbücher für Nationalök. und Statistik", N. F. Bd. 7/8
"Städtisches Jahrbuch Berlin", Berlin, 1870
"Krünitz Encyklopädie", Band 26
Seyfried
"Chronik von Berlin", Bd I-III. Berlin, 1789
Fidicin
"Hist.-dipl. Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin" 1837-42
W. D.

SENSATIONELLE AUSSAGE DES WT 1973:
Verkündigung nach 1918, "Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben" falsch!
Erwartet die WTG jetzt einen millionenfachen Abfall?
"… kündigten die Sirenen das Ende des ersten Weltkrieges an. Was nun? Ich war im April (1918) nicht in den Himmel gekommen", blickt der langjährige WTG-Zweigdiener von Südafrika, George R. Phillips, zurück. (WT 1. 3. 57) Mit einer elektrisierenden neuen Nahbotschaft, zunächst auf 1925 als neues Weltende-Datum ausgerichtet, fing WTG-Präsident Rutherford diese Enttäuschungen von 1914/18, die die Organisation an den Rand der Katastrophe gebracht hatten, auf:

DIE WELT IST AM ENDE -
MILLIONEN JETZT LEBENDER MENSCHEN
WERDEN NIEMALS STERBEN !
In Millionen Büchern und Broschüren wurde diese Neubotschaft unter die Menschen geworfen, aus der englischen Weltsprache in weitere 14 Sprachen übersetzt, 1919 bis 1922 ein "Millionen-Feldzug", wie die WTG rühmte. "Derartige Ausmaße . . ., daß dieses sensationelle Schlagwort fast zum Sprichwort wurde, und viele Menschen, die wir heute treffen, erinnern sich noch an diese Aktion".
(Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 98)

Daß sich viele heute noch daran erinnern - man kann sich auch sehr lange an ganz andere Dinge erinnern. Tatsache ist aber, daß es der neuen WTG-Führung unter J. F. Rutherford in ganz entscheidendem Maße mit diesem "Millionen"-Schlagwort gelang, eine weitere Generation zu gewinnen. Das ist nun bald 60 Jahre her. Die Millionen, die niemals sterben sollten, haben fast alle das uns biblisch zugesagte Höchstalter überschritten und sind längst vergangen. Psalm 90:10. Die jenem Schlagwort also folgten und glaubten, wurden alle bitter enttäuscht. Ein WTG-Zweigdiener mag ausgenommen sein, ist doch solcher Posten an sich schon ein begehrenswertes Amt. Aber die Zeit zieht den Boden unter den Füßen weg. Es laßt sich mit diesem verfehlten Schlagwort nicht mehr gefahrlos operieren. Gefahren ziehen in der Tat wieder herauf, wahrscheinlich furchtbare.

Unscheinbar auf den ersten Blick taucht da im WT 1973 nun auf einmal eine neue Formulierung auf, ein neues Schlagwort:
HUNDERTTAUSENDE HEUTE LEBENDER MENSCHEN WERDEN DIE BEVORSTEHENDE "GROSSE TRÜBSAL" ÜBERLEBEN!
WT 15. 4. 1973 dt. S. 243, Abs. 10

Was heißt das? Erinnert das nicht verdächtig an
das Millionen-Schlagwort von 1918?
Die Millionen von damals sind abgeschrieben! Der "Millionen-Feldzug war nichts leere Worte! Aber die Dahingestorbenen können nicht mehr reden. Die wenigen noch lebenden Alten - sie können ohne Gefahr ausgeschlossen werden, wenn sie deswegen Kritik üben. Die Leitung liegt fast überall in gehorsamen unkritischen jüngeren Händen.

Doch die neue Formulierung, das neue Schlagwort, ist auf seine Art nicht weniger sensationell! Nur "Hunderttausende werden überleben"? Was heißt das? Die gegenwärtige Verkündigerzahl beträgt ja schon über eineinhalb Millionen. Sollen nicht einmal diese Millionen überleben? Oder schaltet die WTG deshalb so weit mit den Überlebenden herunter, weil sie damit rechnet, daß nach 1975, wenn wieder kein Ende gekommen ist - mit Sicherheit - ein Aderlaß einsetzt, der die Millionengrenze überschreiten kann, so daß nur noch einige Hunderttausend Verkündiger übrigbleiben Vielleicht die Jüngeren, die die WTG-Vergangenheit schwer nachprüfen können? Oder die in verantwortliche Dienstämter gebunden wurden, und zwar in bedingungsloser Treue, egal wie und wohin die WTG führt? Oder die, die alles glauben, wenn es nur der WT schreibt. Wir werden es erleben. Der jetzige Ausschluß von schon über 300 Mitarbeitern aus dem Bethel Brooklyn selbst ist ein ganz ernstes Signal.

Hunderttausende nur - das ist unter Umständen nicht einmal mehr der zehnte Teil aller jetzigen aktiven Verkündiger! Das könnte heißen, daß die WTG für die allernächste Zeit nach 1975 einen Abfall einplant, der in die Millionen geht!
CV

Nicht mehr Diener, sondern Aufseher Eingesandt aus einer Versammlung bei Berlin
Mit der Wiedereinführung des Ältestenamtes ist auch eine Ersetzung der bisherigen Organisations-Anweisungen verbunden Die Neufassung dieser Anweisungen liegt nunmehr in dem WT-Buch "Organisation zum Predigen des Königreiches und zum Jüngermachen" seit 1972 vor.

Danach heißt es jetzt nicht mehr Versammlungsdiener, Kreisdiener, Bezirksdiener usw. sondern Versammlungsaufseher, Kreisaufseher, Bezirksaufseher usw. Die bisherigen Verantwortlichen sind angewiesen, darauf zu achten, daß überall die Titel geändert werden.

Ist das von Bedeutung? Vielleicht für die kommende WTG-Krise von 1975? Wenn es nicht ohne Bedeutung wäre, würde diese Änderung nicht vorgenommen worden sein. Aber waren die Diener-Bezeichnungen bisher nicht biblisch? Natürlich waren sie biblisch, auch wenn jetzt etwas anderes als biblisch bezeichnet wird. Es ist bedauerlich, wie die Bibel immer noch Gutdünken und Zweckmäßigkeit umgedeutet wird und wie bedenkenlos das befolgt wird.

Jede Bezeichnung hat ihren Sinn, hat ihre besondere Bedeutung Diener z. B. lenkt den Sinn auf Demut, Hilfe, Achtung anderer, der Versammlung dienen, ihr dienstbereit zu sein. Aufseher dagegen betont etwas ganz anderes. Es kennzeichnet etwas Übergeordnetes, das Anweisung-Geben an Untergebene, den Kontrolleur, den Aufsichtsführenden, den Inspektor, den Zurechtweiser, den Prüfer, den Zuchtmeister, die Autorität, den Vorgesetzten, die zu respektierende Aufsicht und Sanktionsbefugnis.

Warum diese neue Bezeichnung, dieser neue Titel? Nur so? Das muß doch seinen Sinn haben, daß man andere Gesichtspunkte in den Vordergrund bringt. Das biblisch begründen zu wollen ist müßig, denn die bisherigen Diener-Bezeichnungen waren hinreichend biblisch begründet. Es muß also etwas anderes der Hauptgrund sein.

So ist es! Diese Titeländerung steht im Zusammenhang mit der kommenden WTG-Krise von 1975. Es soll nicht nur eine "keimfreie" Ältestenschaft, sondern auch eine ergebene derartige Führungs-Elite in den Dienstämtern sein, wenn 1975 hereinbricht. Der Aufseher-Titel hat daher weniger einen biblischen Grund - war Diener etwa nicht biblisch? - er hat einen emotionellen und psychologischen Hauptgrund.

Die Aufseher-Titulierung ist im Unterschied zu den Diener-Bezeichnungen psychologisch genau auf die Neigung abgestellt, andere beaufsichtigen, belehren, führen, bevormunden und beherrschen zu können und zu möchten. Es schmeichelt der vorhandenen Neigung, Autoritätsperson zu sein, wie der Apostel Paulus es in 1. Kor. 4:8 erwähnt. Ja, mit diesem Aufseher-Titel wird den Dienern psychologisch mehr Autorität und Ansehen verliehen, soll es jedenfalls.

Wer aber verleiht ihnen dies? Der Herr? Das ist fraglich, denn die Diener-Bezeichnungen waren wirklich hinreichend biblisch begründet. Es ist die Organisation, die WTG, die es ihnen verleiht. Sie gewährt ihnen das "Vorrecht", ihr verdanken sie diese neue Form von Autorität in den Versammlungen.

Sollten sie also Gott danken für dieses neue "Vorrecht", etwas zu sein, so werden sie dabei praktisch immer der WTG-Führung verbunden sein, die ihnen allein das ermöglicht So wird still und leise gesichert, die künftige Ältestenschaft durch die Aufseher-Titel fest an die WTG-Führung gebunden zu haben, wenn die Krise von 1975 über die Organisation hereinbricht. Denn die Diener- oder Ältestenschaft, sozusagen die zusammenhaltenden Kader der Organisation, war und ist die entscheidende Klammer. Wenn sie gebunden sind und folgen, bleibt den Versammlungen kaum etwas anderes übrig, wird gefolgert. Auch über 1975 hinweg, in eine ungewisse WTG-Zukunft.
(leicht redigiert)

Biblischer Rat für alle Lebenslagen:
SEI ERHABEN ÜBER GEHÄSSIGKEIT
Eine Redensart besagt: "Man kann einen Menschen danach beurteilen, wieviel nötig ist, ihn aus der Fassung zu bringen" Wie steht es in dieser Hinsicht mit dir?
Ein Mensch, der sich wegen geringfügiger Ärgernisse oder Beleidigungen nicht gleich aus der Fassung bringen läßt, ist, ungeachtet seiner Körpergröße, wahrhaft ein großer Mensch. Ob Mann oder Frau, ist eine solche Person nicht kleinlich, sondern weitherzig und großzügig. Jemand aber, der sich über jede geringfügige Sache aufregt, ist kleinlich, was sich dann oft in gehässigen Handlungen zeigt.

Was ist Gehässigkeit? Unter Gehässigkeit versteht man eine boshafte Gesinnung, die sich in der Neigung zeigt, andere durch kleine Dinge zu kränken oder zu ärgern. Sie mag aus Neid oder Groll oder einfach aus einer schlechten Gesinnung heraus entstehen.

Ist es nicht so, daß ein Kind, wenn es denkt, es sei ihm Unrecht geschehen, dieses Unrecht sogleich auf eine kleinliche Art vergelten möchte? Warum? Nicht nur, weil ein Kind noch klein ist, sondern auch weil es ihm an geistiger und seelischer Reife mangelt. Wenn also Erwachsene auf ähnliche kindische Weise handeln, zeigen sie, wie "klein" sie in emotioneller Hinsicht noch sind. Sie sind noch nicht im wahrsten Sinne des Wortes "erwachsen", sie sind noch nicht wirklich "groß" geworden.

Nicht selten entsteht eine gewisse Gehässigkeit zwischen Ehepartnern, Psychiater sagen, daß sich Ehefrauen bisweilen in unbedeutenden Dingen (manchmal auch in bedeutenden) kleinlich und gehässig zeigen, weil ihr Mann in irgendeinem Punkt nicht mit ihnen einiggeht. Ehemänner ihrerseits können gehässig werden, wenn ihr Stolz wegen einer taktlosen Bemerkung oder wegen der Vergeßlichkeit ihrer Frau verletzt worden ist. Gehässigkeit zeigt sich bei Eheleuten gewöhnlich darin, daß sie entweder gar nicht mehr oder nur noch in kaltem oder eisigem Ton miteinander reden, und sie ist ein Beweis dafür, daß solche Personen noch "klein", das heißt hinsichtlich der Beherrschung ihrer Gefühle, noch unreif sind.

Gehässigkeit kann sehr ernste Folgen haben. Nicht nur andere Personen mögen einer gehässigen Person Schaden zufügen, sondern sie kann sich auch selbst schaden. Groll oder verhaltender Zorn erzeugt Gehässigkeit und ist treffend als "Selbstvergiftung" bezeichnet worden. Gehässigkeit ist einer der schlimmsten Feinde des Menschen. In der Tat, wer gehässig ist, schneidet sich ins eigene Fleisch, denn eine gehässige Person schadet sich am meisten. Es lohnt sich wirklich nicht!

Gehässig sein bedeutet bestimmt nicht, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, wie die Bibel dies anweist. (Mark. 12:31) Gehässigkeit übt keine Nachsicht. Sie zahlt Gleiches mit Gleichem zurück, ja oft mit Zinsen. Jesus gebietet uns aber, unsere Feinde zu lieben.

Wir sollten den Wunsch haben, den Menschen zu helfen, besser zu handeln und sie nicht noch zu schlechten Taten anzustacheln. So hüte dich vor Gehässigkeit, denn du schadest dir dadurch selbst und auch anderen. - Matth. 5:44, 45; Luk 6:31.

Und was am wichtigsten ist, du solltest dich vor Gehässigkeit hüten wollen, weil sie deinem Schöpfer mißfällt. Fast immer sucht der Gehässige mit jemandem abzurechnen, indem er Böses mit Bösem vergilt. Zweifellos mißfällt dies dem Schöpfer denn sein Wort gebietet: "Vergeltet niemandem Böses mit Bösem . . Rächt euch nicht selbst". Ferner: "Laß dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem Guten". Gott hat kein Gefallen an uns, wenn wir uns auf die Stufe derer herablassen, die uns Unrecht getan haben. Römer 12:17-21.

Wie kannst du aber der schlechten Neigung zu gehässigen Äußerungen oder zu einem gehässigen Benehmen entgegenwirken?

Schon allein der Gedanke an die schlechten Früchte der Gehäßigkeit sollte dir eine Hilfe sein. Dem Wunsch nachzugeben, mit einem anderen "abzurechnen" und dabei deinen besten Freund und größten Wohltäter Jehova Gott, zu verlieren, lohnt sich bestimmt nicht. Auch die Demut wird dir helfen, dieser Neigung entgegenzuwirken, denn ein gehäßiger Mensch handelt vermessen und stolz und spielt sich nicht nur als Richter, sondern auch als Urteilsvollstrecker auf. Er schaut auf den herab, der ihn beleidigt hat und maßt sich an, ihn zu richten und zu strafen. Eine demütige Person ist in der Tat groß. Jesus Christus, der größte Mensch, der je gelebt hat, war gleichzeitig auch der demütigste Mensch. Phil. 2:5-8.

Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen zu versetzen, wird dir ebenfalls helfen, dich vor Gehässigkeit zu hüten. Versuche einmal, die Dinge vom Standpunkt des anderen aus zu sehen. Dies mag dir helfen, die Beleidigungen, die er gegen dich erhoben hat, nicht so ernst zu nehmen, sondern ihm gegenüber Nachsicht zu üben. Auch das Einfühlungsvermögen ist eine Eigenschaft von Personen, die seelisch und geistig reif sind. Dann kann dir auch ein gewisser Sinn für Humor helfen, dich vor Gehässigkeit zu hüten. Über Kleinigkeiten, die andere einem antun mögen, mit einem gewissen Sinn für Humor hinwegzugehen ist oft das beste und verrät ebenfalls Reife.

Am meisten aber wird dir die Liebe helfen, nicht gehässig zu werden, wenn du unter der Kleinlichkeit anderer zu leiden hast. Die Liebe "trägt das Böse nicht nach". Die Liebe "erträgt alles . . . hofft alles, erduldet alles". Ja die Liebe ist ein Maßstab für die großmütige Gesinnung eines Menschen - 1. Kor. 13:4-7.

Sei deshalb erhaben über Gehässigkeit. Jesus sagte: "Erweist euch als Söhne eures Vaters . . . der in den Himmeln ist". Ja, sei dem großen Gott gleich, der "in großem Maße vergibt. Wenn du, statt gehässig zu sein, eher zum Vergeben bereit bist, befolgst du diesen Rat Jesus - Jes. 55:7 NW; Math. 5:45-48. - (Aus WT 1. 1. 72)

Das Bild, das die WTG von unseren Mitmenschen zeichnet
Wir lesen im WT Nr. 20/72 auf Seite 630:
"29 war der 1. Weltkrieg christlich, weil er zwischen zwei europäischen Staaten begann, die angeblich christlich waren?" Durch Einfügung des Wörtchens "a n g e b 1 i c h", sollen unsere Zweifel angereizt werden.
Mit vollem Recht, möchte man eigentlich sagen, denn die Fragestellung noch dem "christlichen Staat" ist schlechtweg absurd. Selbst dann, wenn sich etwa das deutsche Kaiserreich und Frankreich im 1. Weltkrieg nach eigenem Verständnis als christliche Staaten verstanden hätten.

Auch der Christenheit sollte man zugute halten, daß sie im Verständnis über ihr eigenes Wesen irrtumsfähig ist und bleibt. Bona fide, im guten Glauben ist das möglich und eigentlich sollte die WTG dessen eingedenk sein, siehe die Frage der "Obrigkeit". Das wird allen Zeugen noch geläufig sein. Daß Zweifel manchmal wohlbegründet sind, mag ein weiteres Zitat hinlänglich belegen:

"30 Betrachten wir die heutigen Verhältnisse in der Christenheit, die nun schon sechzehnhundert (1600) Jahre bestehen.
Sind der Sittenverfall in ihr,
die Zunahme der Verbrechen,
die sozialen Ungerechtigkeiten,
die wirtschaftliche Not . . .
. . . die übertriebene Vergnügungssucht,
der Mangel an Nächstenliebe,
der gleichbedeutend ist mit einem Mangel an Liebe zu Gott …
Sie sind das Ergebnis der Entstehung der Christenheit im 4. Jahrhundert u. Z."

Was soll man dazu sagen? Geschichte wird hier und so laufend auf den Kopf gestellt, absurd vereinfacht und zum Dünger für eine haltlose WT-Theorie über die "WTG in der Geschichte" verwertet. Bedenke doch einmal.

"Die im 4. Jahrhundert entstandene Christenheit soll angeblich 'Sittenverfall und Zunahme der Verbrechen', 'übertriebene Vergnügungssucht' usw. als Christenheit verursacht haben."
Der Gedanke ist doch unerträglich, daß eigenes Heil immer nur aus dem Unheil der anderen erwachsen soll.

"Die Christenheit", abgestempelt, erledigt - glaubt die WTG denn wirklich, mit solchen pauschalen Verdammungen irgend etwas verbindlich über die Christenheit in der Geschichte" aussagen zu können. Noch ruft sie zwar "haltet den Dieb", aber wie lange kann sie noch mit nacktem Finger von sich auf andere zeigen, 1975 rückt näher, unausweichlich.

Wenn der WT-Autor wirklich vergleichbare Tatsachen schuldig bleibt, sind seine Schlußfolgerungen über "die Christenheit" unseriös und wertlos.

Zweitens aber, das weiß sicher jeder Zeuge, ist Geschichte vor dem "4. Jahrhundert" auch einerseits geprägt von "Sittenverfall" und "übertriebener Vergnügungssucht".
Er behält nämlich im Gedächtnis, was er in "Erwachet" dazu lesen konnte:
"Es ist tatsächlich so, daß die Geschichte "fast nur von Kämpfen und Schlachten zu berichten weiß".
"Aber es ist auch eine Tatsache, daß die Religion 'eine der stärksten Triebkräfte in der Geschichte' war und daß sie größtenteils für das furchtbare Blutvergießen verantwortlich war." (Seite 14, Nr. 19/72)

Folglich gilt, aber wozu sage ich das eigentlich noch, was ohnehin jeder weiß, daß Kriege und Sittenverfall Hand in Hand gehen, vor dem 4. Jahrhundert war das nicht anders.
Wie sehr die WTG betroffen ist, wie unbewältigt die Geschichte durch ihre Publikationen geistert, lesen wir in derselben Ausgabe auf Seite 5:
"Wäre in Rußland der Kommunismus zur Macht gekommen, wenn die Kirche dort nicht die reichen Großgrundbesitzer und andere Gruppen, die das Volk bedrückten, in einem Maße unterstützt hätte, daß es zu einer Reaktion kommen mußte?"

Gewiß, es ist die Wahrheit, daß die Kirche im alten Rußland vor der Revolution die Großgrundbesitzer unterstützt hat. Das besagt aber noch lange nicht, daß diese "Unterstützung" dem Kommunismus die Macht in Rußland ermöglicht hätte. Wer so folgert, stellt die Geschichte auf den Kopf, ebensogut könnte man aus fünf eine gerade Zahl machen.

Auch wenn die Kirche im alten Rußland die Großgrundbesitzer nicht unterstützt hätte, wäre der Kommunismus zur zur Macht gelangt. Weil eben in Rußland etwas ganz anderes geschehen ist. Das alte, rückständige Rußland war das erste Land in der Geschichte, in dem eine neue Eigentumsform, das Gemeineigentum, das private Eigentum am Besitz von Produktionseinrichtungen ablöste.

Die "Kommunisten-Definition" der WTG läßt das auch erkennen:
"Eine Theorie oder ein System sozialer Organisation, das sich auf den Gedanken stützt, daß aller Besitz Gemeinbesitz sei, indem das tatsächliche Eigentumsrecht dem Gemeinwesen oder dem Staate zugeschrieben wird …"
(WTG-Buch: "Vergewissert euch über alle Dinge", S. 228).
Anmerkung: Die WTG übernimmt hier die bekannte Entstellung, wonach nicht nur der Besitz an Produktionsmitteln gemeint sei.

Das ist die erste, nackte Wahrheit des Kommunismus, deshalb wurde er mit so infernalischer Wut verfolgt.
Die Geschichte - auch der Kommunismus gehört ja dazu - behandelt die WTG immer so, als wäre sie in einem Tiefkühlverfahren zur Unbeweglichkeit eingefroren und diene der WTG letztlich nur dazu, auf diese Weise leichter verfügbar zu werden.

Das Vorzugsthema der WTG "Sittenverfall durch Christenheit" wird jedenfalls auch so wie ein lebloser Eiswürfel behandelt. Wenn man einen Eiswürfel betrachtet, kann man schon aus dem Sinn verlieren, daß die WTG erst seit 100 Jahren einen Platz in der Geschichte beansprucht.

Entsprechend WT-Zitaten, bringt die sogenannte "Christenheit" aber 1500 Jahre mehr an Geschichte zur Waage der historischen Gerechtigkeit.

Jeder Zeuge sollte sich der Tatsache bewußt werden, daß er angesichts dieser 1500 Jahre Vorlauf an Geschichte, die ihn von der Christenheit trennen, ein ganz besonderer Christ mit Ghetto-Status ist. Diesen besonderen Zustand der Zeugen außerhalb des "Systems der Dinge" gestattet die "böse Welt".

Es ist dieser sehr einfach. Wenn sich ein Zeuge mit Sittenverfall verunreinigt und ihm die "Gemeinschaft entzogen wird", dann fällt er an die "böse Welt" zurück.
Grundsätzlich ist die WTG dann von "diesem Zeugen" entlastet, eben nur deshalb, weil ein derart künstliches Verfahren mit der Weit möglich ist.

Wohin könnte z. B. die Welt ihre Missetäter, Hurer und Mörder abtreten und sich von ihnen reinigen? Moralische Asylhäuser stehen einfach nicht zur Verfügung, höchstens zeitlich begrenzt Zuchthäuser.
Also, die WTG ist eine künstliche "Insel der Reinheit", unter anderem auch deshalb, weil ihr 1500 Jahre an vergleichbarer Geschichte mit der Christenheit fehlen.

Es ist wirklich immer wieder beschämend zu erfahren, wie die WTG die Geschichte ausweidet, z. B. "Erwachet" Nr. 19/72 etwa den 30jährigen Krieg oder die Reformation gegen den Katholizismus.
Geschichte dient nur als Kontrastbrei, mit dem Finger zu zeigen: - Seht mal, so grausam waren andere Christen, wie makellos sind wir -. Ein derart eitler Standort würde dem WT oder "Erwachet" einfach unter den Füßen wegrutschen, wenn der WT einmal wirklich untersuchen würde, warum im 30jährigen Krieg Menschen mit Jauche getränkt wurden - und das womöglich im Namen der christlichen Religion.

Als Christen sollten wir eigentlich schon begriffen haben, daß Geschichte einem Wandel unterliegt.
Sittlichkeit ist auch kein Stein. Ohne Gestalt und Wandel ist gar nichts, nicht einmal die WTG.

Im 14. Jahrhundert z. B. war es durchaus möglich und sittlich, Frauen oder Mägde, die Kinder ausgesetzt hatten, zu binden und in den Rhein zu werfen.
Im "Sachsenspiegel", einem deutschen Rechtsbuch, kann man solche Rechtsauffassung nachlesen.
Heute empfinden wir es als gerecht, daß eine Kindesaussetzerin nicht mehr im Wasser eines Flusses ertränkt wird. Ebenso haben wir die Blutrache mit ihrer Sippenhaftung für Mord überwunden und durch zeitbedingte Strafen für Mord abgelöst.
2. Sam. 14:7-11
Lies dazu besonders 2. Mose 21:16-29

Es ist unbestreitbar, daß solcher Wandel des Rechts und das Bewußtein darüber, nicht etwa Ausdruck einer schlechten Moral oder gar des "Sittenverfalls" waren, sondern von einer veränderten Umwelt des Menschen erzwungen wurden.
Die veränderte Umwelt war z. B. die Tatsache, daß die Menschen gelernt hatten, immer bessere, wirkungsvollere Arbeitstechnik anzuwenden, und damit der Reichtum aus Arbeit ständig größer wurde.

Heute, oder auch schon vor 200 Jahren konnte ein Brandstifter Werte vernichten, die er durch seiner Hände Arbeit niemals ersetzen könnte. Ein Schadenfeuer durch Brandstiftung könnte wertmäßig 150.000 Mark und mehr vernichten. Eine Summe, die ein Brandstifter Zeit seines Lebens nicht ersetzen kann.

Der Gesamtlebensverdienst eines Landarbeiters z. B. betrug in 40 Arbeitsjahren ja nur etwa 60 000 Mark. (Zeit: 1910 bis 1950 = Deputat und Geld).
Der Kopf der Menschen dachte sich Gesetze und Strafen aus, aber nicht aus der Luft, sondern eine veränderte Umwelt erzwang dieses Umdenken in seinem Kopf.

Selbst wenn "Erwachet" z. B. Theologieprofessoren zitiert, wird der eigene Kopfstand in der Geschichtsauffassung dadurch nicht richtiger:
"Ich bin kein Kommunist, sondern ein Christ. Aber ich weiß, daß wir Christen, und zwar wir ganz allein, für das Aufkommen des Kommunismus verantwortlich sind . . ."

Professor Hromadka bekannte sich zu seiner Tat zwar mutig. aber falsch!
Wenn "Erwachet" Nr. 19/72 dieses Bekenntnis benutzt, wird die Aussage dadurch nicht richtiger. Es ist völlig ausgeschlossen, daß Geschichte so verläuft. wie Prof. Hromadka es in seinem Bekenntnis ausgedrückt hat.

Es gab ja auch die soziale Ordnung der Sklaverei und auch die feudale Ordnung mit ihrer veränderten Sklaverei, der Leibeigenschaft, die erst noch 1807 endgültig abgeschafft wurde. Diese "sozialen Organisationen" hat doch die Christenheit auch nicht verhindert.

Soziale Ordnungen der Menschen stehen oder fallen mit der Tatsache, wie die Menschen arbeiten, um sich am Leben zu erhalten. "Tatsächliche Eigentumsrechte" spielen dabei eine große Rolle.
Der Kommunismus hat eine "tatsächliche Eigentumsform" durch ein anderes "tatsächliches Eigentumsrecht" ersetzt, deshalb hat "die Christenheit" nicht den Kommunismus erzeugen können.

Kleine Denkaufgabe:
Warum wurde in der neuen Ausgabe von "Vergewissert euch . . .". engl. 1969 die "Kommunismus-Definition" weggelassen?
W. D.

Brief der "Leitenden Körperschaft" in Brooklyn
Immer noch die Ältesten-Frage
(Eingesandt aus einer Versammlung in Berlin)
Bekanntlich hat es mit der Einführung der neuen Ältesten schon zeitlich nicht so geklappt, wie es vom Hauptbüro in Brooklyn vorgesehen war. Besonders hier ist es zu großen Verzögerungen gekommen. Wir wollen heute wichtige Aspekte jenes Briefes behandeln, der am 1. 12. 1971 an alle Komitees gerichtet wurde, die überall die Empfehlung der Ältesten und ihre erste Überprüfung in der Hand haben, die gleichermaßen den Hauptfilter darstellen, um "unerwünschte Elemente" fernzuhalten. Es handelt sich um einen wichtigen Brief der jetzt hervorgetretenen "Leitenden Körperschaft", (siehe auch "CV" Nr. 44 und 45, 1972), der eigentlich den Versammlungsgliedern insgesamt nicht zur Kenntnis gebracht werden soll. Aber eine ganze Reihe Diener haben sich daran nicht gehalten und ihn u. a. auch "CV" übermittelt.

Wer kann Ältester werden und wer nicht?
Im Brief der "Leitenden Körperschaft" werden die Ältesten-Vorschlag-Komitees in den Versammlungen angewiesen, Personenlisten aufzustellen, in denen "notiert werden soll" was über die Fähigkeiten der verschiedenen Brüder zu sagen ist, Eignung oder Nichteignung als Älteste betreffend. Es ist sehr bemerkenswert, daß hier zwar angewiesen wird, zuvor "ein Gebet zu sprechen, um die Leitung Jehovas zu erbitten, damit das, was geschieht, völlig mit seinem Willen übereinstimmt", daß aber dennoch gemahnt wird "demütig und ehrlich" zu sein und keine "persönliche Freundschaft" gelten zu lassen. Kann nach Gebet und dem damit kundwerdenden Willen Jehovas noch unehrlich und nach persönlicher Gunst "empfohlen" werden? Dann wird gesagt, in einigen Versammlungen "mag es sich herausstellen, daß es niemand gibt, der sich dafür eignet, als Ältester empfohlen zu werden", Es wird also hart und streng gesiebt.

Die meisten bisherigen Kreisdiener z. B. müssen gehen, wie sich einige äußerten.
Es werden Vorkommnisse herangezogen, die bis zu zehn Jahre zurückliegen, um Unfähigkeit zu begründen. Oft sind es familiäre, eheliche oder persönliche Dinge oder Nachlässigkeiten. Wer aber ist ohne Fehler? Hiermit könnte man jeden "zur Strecke bringen", wenn man es darauf anlegt. Die bisherigen Bezirksdiener werden wahrscheinlich alle bleiben und als Bezirksaufseher auftreten.

Sie bilden hier ohnehin die höchste Vorentscheidungsgruppe und werden sich natürlich immer hinreichend selbst empfehlen Je weiter die Organisation aber noch unten geht, desto mehr Diener werden abgelöst. Nach unten nimmt die Säuberung immer größere Ausmaße an. In den Versammlungen "rollen" daher die meisten "Köpfe". Es ist traurig, wenn man das sieht.

"Die Loyalität gegenüber Jehova allem anderen voranstellen"
Dies ist der Hauptgesichtspunkt im Brief der "Leitenden Körperschaft". Was bedeutet das? Jeder weiß, daß die geforderte Loyalität oder Treue allein über die WTG geht, ehe sie sich auf Gott und Christus richten kann. Sie muß über den "Kanal" der WTG. Loyalität gegenüber Gott, die die WTG nicht einschließt und berücksichtigt, ist für die WTG keine Loyalität gegenüber Gott. Sie sitzt im "Vorzimmer" Sie läßt sich nicht umgehen oder übergehen. Und wenn niemand hinter ihr wäre, wir wüßten es unter diesen Bedingungen nicht.

Bewußt oder unbewußt ist also diese geforderte Loyalität auf die WTG selbst konzentriert. Konkret bedeutet das aber - und das wird in dem Brief nicht gesagt - daß der Gehorsam gegenüber der WTG das Hauptkriterium ist. Vordergründig stolpern werden die meisten "Unfähigen" somit über zweitrangige Dinge und Nachlässigkeiten. Mit aller Schärfe wird jedoch durchleuchtet, erfragt und gehorcht, wer sich wann irgendwelcher Kritik gegenüber den Methoden und Lehren der WTG schuldig gemacht hat. Solche kritischen Äußerungen zu irgendeiner Zeit sind das Hauptdelikt Für die kommende Krise mit 1975, die die WTG ernster nimmt, als sich das jemand denken mag, werden nur absolut gehorsame und bedenkenlos folgsame Aufseher gebraucht, und damit nur Personen, die das bisher absolut unter Beweis gestellt haben. Wer je eine kritische Äußerung gemacht hat, wird als "unsicherer Kantonist" oder Unsicherheitsfaktor ab sofort unter dem Vorrang zweitrangiger Dinge ausgesiebt und entfernt. 1975 kann die WTG keine "wankende Säule" gebrauchen. Es werden ohnehin genug davonlaufen.

Die Spannung in den Versammlungen nimmt zu
Es ist ohne Zweifel eine große Säuberung, die jetzt durchgeführt wird. Biblisch wäre - wie gesagt - diese Umstrukturierung nicht notwendig. Die bisherige Dienerschaft war durchaus hinreichend "theokratisch" begründet in ihrem Status Ihre Ersetzung durch Älteste und Aufseher kam deshalb wie aus heiterem Himmel. Niemand hatte an den Dienern gezweifelt.

Die Sache wurde "oben" ausgedacht, wo das Flammenzeichen von 1975 keineswegs aus dem Auge gelassen wird!
Nun weiß aber "unten" keiner, was hinsichtlich Fähigkeit oder Unfähigkeit in die "Listen" geschrieben wird und wer es hineinschreibt. Gunst und persönliche Interessen können also nicht überprüft werden.

Die Schwestern sind, wie bekannt, ganz und gar entrechtet und zur Unwissenheit verdammt. Viele Vorschläge von "unten" werden unter dein Vorwand zurückgesandt, sie seien nicht "sorgfältig" genug.
Die WTG will vor allem junge Brüder in Aufseherpositionen haben. Sie müssen zwar fähig sein. Sie müssen aber kritiklosen Gehorsam unter Beweis gestellt haben. Es wird hier ausgesetzt, daß junge Menschen schnell vorwärts kommen möchten. Aber auch dies spielt eine Rolle: Gehorsam ist bequemer. Die ältere Generation dagegen ist durch die Erfahrungen der WT-Lehrveränderungen, Wahrheitswiderrufungen, Fehlentscheidungen und sinnlosen Opfer der Vergangenheit kritisch geworden, wenn diese Brüder das auch nicht noch außen zeigen. Sie müssen herausgefunden werden und weg, ehe 1975 hereinbricht und ihnen den letzten Anstoß gibt. Sie dürfen in der WTG keinen Simson spielen.
(leicht redigiert)

DIE AUSGESTRECKTE HAND ERKENNEN
ZUM INHALT DIESER AUSGABE
ERWARTUNGSVOLL wird auch diese CV-Ausgabe wieder in aller Hände gelegt. Mögen alle das rechte Unterscheidungsvermögen haben, denn wir leben in einer Zeit größter gesellschaftlicher Veränderungen und Entwicklungen und damit folgenschwerer Umorientierung für Organisation und Verkündigung.

In den Worten an alle Leser möchten wir die CV-Stellung noch einmal profilieren. CV bringt in erster Linie Informationen in den verschiedensten Formen über die Situationen, verbunden mit Hinweisen für Schlußfolgerungen, Konsequenzen und Nutzanwendung. Die Probleme sollen sichtbar gemacht werden. Selbst völlig neue und fremde Gesichtspunkte müssen wir zur Kenntnis nehmen, wenn sie zu Organisation und Verkündigung vorgebracht werden. Alles ist zu prüfen, wobei das Gute festzuhalten ist. 1. Thess. 5:21. Nichts ist gefährlicher, als "Kinder in der Urteilskraft" zu sein. 1. Kor. 14:20.

CV bringt keine einheitlichen "neuen Lehren", denn niemand kann aufrichtigerweise über das hinausgehen, was geschrieben steht. 1. Kor. 4:6. CV gibt vielmehr eine hier und heute unentbehrliche Hilfe in diesem Glaubenskampf, die immer mehr Beachtung findet. Das kann in dieser Situation auch nicht anders sein.

Zur "Brandmauer". Vergleicht das ganze Problem bitte sorgfältig und umfassend mit 2. Kor. 4:2, wie zitiert. Das ist dazu die Schlüssel-Schriftstelle. Bei Strafe gefährlicher Konsequenzen darf die Schrift hier nicht länger mißachtet werden.

Das "Sittenbild" behandelt ein wichtiges WT-"Zeichen der Zeit". Aber:
Vor 1914 war es in diesen Fragen nicht besser, eher schlimmer. Jede Zeit kann so zur "Endzeit" erklärt werden, wenn man die Vergleichsmöglichkeiten ausschaltet, wie es die WTG in diesem Zusammenhang für die Zeit vor 1914 tut. Darum hier eine Aufstellung von Tatsachen und Zahlen, die zeigen, daß auch dieses WT-"Zeichen der Zeit" nach 1914 gar nicht echt ist, weil es vor 1914 schlimmer war. Die alten Brüder sollten wissen, daß auf diese Weise die WTG einst auch 1874 "glaubhaft" machte. Da 1975 auch nichts zu Ende ist. bestätigt sich das nur erneut.

Sicher wird der "biblische Rat für alle Lebenslagen" dieser Art in CV aufmerken lassen! Sagt es auch anderen!
Was das WT-Bild von unseren Mitmenschen betrifft, zwei Schrifthinweise: Jesus selbst verurteilt andere Christen nicht, Mark. 9:38-40, und auch Nichtchristen ist das Gesetz Gottes ins Herz geschrieben, Rö. 2:13-16, warum wird das heute mißachtet?

Was die Ältestenfrage angeht, es gibt nur diesen Ausweg: Frei werden und zurückkehren zur vollen christlichen "Mündigkeit" der Versammlungen, die selbst ein Apostel Paulus achtete. Apg 17:11.

CV wird immer besser wegweisend informieren. Jeder kann die "ausgestreckte Hand" darin erkennen. Wir danken herzlich für alle bisherigen Stellungnahmen und Zuschriften und freuen uns über jede weitere Meinungsäußerung.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.

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