Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 5

wählt als Überschrift. "Keine Irreführung ist ohne positive Mittel möglich", womit dem Einfluss den die WTG auf die Zeugen Jehovas auszuüben vermag, indirekt die entsprechende Reverenz erwiesen wird. Das eigene Anliegen den Zeugen Jehovas
helfen zu wollen, wird aber dadurch desavouiert, dass auf Grund vermeintlicher oder tatsächlicher Leserbriefe "kräftig im Dreck herumgewühlt wird.".

Die "Blauäugigkeit" der diesbezüglichen "Argumentation" kommt beispielsweise in dem Fragesatz eines vorgeblichen offenen Briefes aus Zeugenkreisen zum Ausdruck, indem die WTG-Funktionäre in Wiesbaden gefragt werden:

"Stimmt es, daß Bruder Frost ein Gestapoagent war?

Wenn nicht, warum wurde er seines Dienstamtes enthoben?

Stimmt es, daß Du lieber Bruder Franke, viele Brüder an die Gestapo verraten hast?"

Das eine solche "Argumentation" bestenfalls den Solidarisierungseffekt weiter unterstützt, darüber haben sich die CV-Macher offenbar keine Rechenschaft abgelegt.

 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 5 Gera August 1966

In den nächsten Ausgaben:

ES GEHT UM DAS GELD DER VERKÜNDIGER!

Die "Gute-Hoffnung"-Transaktionen der WTG näher untersucht

DIE WTG-SÄULEN FALLEN

Ein Bericht über erste Nachrichten zum Fall des Gestapo-Handlangers und Zweigdieners Konrad Franke

Keine Irreführung ist ohne positive Mittel möglich

Liebe Brüder und Schwestern!

Dies ist die 5. Ausgabe von CV, die wir mit dem Wunsch, sie möge Hilfe im täglichen Glaubenskampf sein, an die Geschwister in der DDR hinaussenden.

Mit Freude sehen wir, wie es sich Bahn bricht. So erhielten wir kürzlich aus einer Versammlung von 15 Verkündigern eine Zuschrift. Der Bruder bedauert, das sie nur ein Exemplar von CV erhielten, das von Hand zu Hand weitergereicht wird. Dem Wunsche nach vermehrter Zusendung von CV können wir nur entsprechen, wenn wir genaue Adressenangaben erhalten. Wir bitten jedoch nicht um Mitteilung der Adressen von unzugänglichen Brüdern.

Aber auch neue Fragen tauchen auf. So verteidigte sich eine Schwester: Soll denn nun an den Zeugen gar nichts gut sein? Ist denn alles Irrlehre, Illusion und politische Falschheit? Sie wolle doch nur christlich handeln und die Menschen zum Gutestun veranlassen. Sie fühle sich nicht schuldig der politischen Hetze und Verleumdung. Die Zeugen seien doch einfache und gute Menschen, die friedlich ihrer Arbeit nachgehen Wenn sie sehe, wie im WT die christlichen Gebote erklärt werden, so könne sie daran nichts Schlechtes finden. Die Schwester behauptete dann, ihre Ansicht wurde sicher in CV nicht geäußert werden dürfen, weil wir die Zeugen einfach schlecht machen wollten. Hier ist Deine Ansicht, liebe Schwester. Zufrieden?

Wir wissen, daß die einfachen Menschen in jeder Gemeinschaft das Gute wollen. Wir stellen nicht das Wollen und die guten Absichten des einzelnen in Frage. Wir greifen auch nirgends echte christliche Lehren an, wer immer sie verbreitet Doch ist solch Gutestun leider nicht das Entscheidende Es ist nur zweitrangig. Es genügt nicht. Man muß damit nämlich auch der richtigen Sache dienen. Wie wir das meinen, sagt höchst zutreffend der WT selbst, allerdings wieder nur vor der Tür der anderen kehrend: "Aufrichtigkeit ist lobenswert. Was aber, wenn das, was wir aufrichtig glauben oder tun, verkehrt ist … weil es trotz aller unserer Aufrichtigkeit irreführend war? … Auch auf dem Gebiet der Religion, die eine so überaus wichtige Rolle in unserem Leben spielt, bietet unsere Aufrichtigkeit allein keine Gewähr dafür, daß wir Gott auf eine ihm wohlgefällige Weise anbeten. Wir mögen völlig überzeugt sein, das Rechte zu tun, können uns aber dennoch täuschen." (WT 1. März 1964, S. 133/34) Und gerade das gilt nämlich in höchstem Maße für alle Geschwister unter der WTG!

Wie das möglich ist? Das liegt an den leitenden Dienern, erklärt Paulus: "Denn solche Menschen sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt immer wieder die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nachts Großes, wenn auch seine Diener immer wieder die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen. Ihr Ende aber wird gemäß ihren Werken sein." 2. Kor. 11:13-15 NW

Deshalb geht es uns also weniger um persönliche Aufrichtigkeit des einzelnen, die kann mißbraucht werden, Es geht uns um die Sache selbst, um die Organisation, um die leitenden Diener und ihr Handeln. Das allein ist schließlich entscheidend Keine Gemeinschaft, sei sie gut oder schlecht, kann ohne positive Seiten, ohne christliche Tugenden existieren. Wäre es anders, so werde niemand folgen. Also sind Tugenden schlechthin nicht ausschlaggebend.

Paulus sagte, - daß es an den leitenden Dienern liegt, die betrügerische Arbeiter sind, wenn im Glauben Irrwege beschritten werden. Haben wir Beweise dafür hinsichtlich der leitenden WTG-Diener? Genügend! Ständig behauptet die WTG, von Gott geführt zu werden, obwohl sie sich laufend irrt (Obrigkeit u. a.). Ständig behauptet sie, Gott setze die Diener ein, dieweil man sich in Brooklyn gegenseitig selbst ins Dienstamt wählt und sich in Deutschland ein höchster Diener nach dem anderen als Gestapo-Handlanger entpuppt. Ständig behauptet sie, politisch völlig neutral zu sein, während man in Wirklichkeit sogar "den Kommunismus besiegen" will! (WT 15. 9. 1961, S. 563) Sind das nicht alles folgenschwere Unverantwortlichkeiten, "betrügerische Arbeit"?

Unsere Schwester sagte, sie fühle sich nicht der politischen Hetze und Verleumdung schuldig. Das ändert aber nichts daran, darf Du im Rahmen der Vk.-Tätiigkeit oder Deines Dienstamtes für das verantwortlich bist, was Du tust. Wenn Du also mit dem WTG-Buch DEIN WILLE GESCHEHE AUF ERDEN andere Menschen im Studium unterweist, dann bist Du verantwortlich oder schuldig, sie antikommunistisch und politisch zu verhetzen, weil das Buch (z. B. S. 295 und 302) antikommunistische Hetze und Verleumdung enthält. Diese Verantwortlichkeit kann doch nur ein Unaufrichtiger leugnen.

Darum sagen wir nicht, alles sei Irrlehre, Illusion und Falschheit, weil auch die WTG nicht ohne positive Seiten und Mittel existieren kann. Aber das Wesentliche, daß Gott das WTG-Licht gebe, daß Gott die Diener einsetze und daß man politisch neutral sei, ist Irrlehre, Illusion und politische Falschheit. Reicht das nicht aus?

Es reicht aus. Und darum gehört es zu dem, worauf wir die Aufmerksamkeit ständig gerichtet halten müssen. Aufs Neue sagen wir für diesmal dabei wieder allen Brüdern und Schwestern unseren herzlichen Dank, die mit uns diese christliche Verantwortung erkennen und ihren Beitrag leisten. "Ein Wort zu rechter Zeit - wie wertvoll ist das!" Spr. 15:23 Me.

Bruder Willy Müller, 65 Gera, Lutherstraße 16, und Mitarbeiter

Wieviele Generationen sollen noch vergehen?

Glaubt die WTG an ihre göttliche Leitung?

Wir wollen mit diesem Beitrag die Betrachtung zum Thema "Jehovas voranschreitende Organisation?" im WT vom 15. September 1965 fortsetzen.

Demokratische Theokratie oder theokratische Demokratie?

Das größte Ereignis, das die WTG Anfang dieses Jahrhunderts verkündigte, war, Christi zweite Gegenwart habe nicht 1874 begonnen (wie Russel im Namen Jehovas predigte), sondern er habe 1914 unsichtbar im Geiste seine himmlische Herrschaft begonnen. Diese Verkündigung war der Ersatz für die geplatzte Prophezeiung, 1925 bringe den "neuen Weltbeginn". Aber noch bis 1938 wurde die Zeugen-Organisation demokratisch geführt durch Brüder, die von den Versammlungen gewählt wurden. Erst 1938 begann die sog. theokratische Herrschaft in der Organisation. Das angeblich unsichtbare Kommen Jesu 1914 hatte sich innerhalb der Organisationsführung bis 1938 noch nicht durchgesetzt, und das nach 24 Jahren Herrschaft Christi seit 1914! Dies durfte nun nicht mehr geduldet werden. Rutherford, der Führer und Präsident der nächsten Generation nach WTG-Präsident Russel, der am 16. 10. 1916 gestorben war, beseitigte 22 Jahre nach seinem Antritt die angeblich törichten demokratischen Methoden Russels. Auf Antrag der Londoner Versammlung schaffte er 1938 die demokratische Ordnung unter den Zeugen ab und führte eine sog. Theokratie oder Gottesherrschaft ein. Diese Umgestaltung wurde noch nicht erläutert, es wurde bisher nur behauptet, daß es so sei.

Die sog. theokratische Herrschaft kam jetzt dadurch zum Ausdruck, daß die bisherigen Wahlältesten in den einzelnen Gruppen nicht mehr durch die Versammlung gewählt, sondern Diener nur noch von eben, durch Brooklyn oder die Beauftragten von Brooklyn, eingesetzt wurden. Die Versammlung hatte kein Einspruchsrecht mehr, weil es das in eine Theokratie nicht gebe. Dies bezeichnete man als einen großen Fortschritt, denn dadurch komme die göttliche Führung der Organisation zum Ausdruck. jedoch in der obersten Leitung in Brooklyn blieben die demokratischen Methoden erhalten! Nach wie vor werden die Brüder in der Spitze der Organisation mit Stimmenmehrheit gewählt! Die eigentlichen Mitglieder der WTG, gegenwärtig ungefähr 430, wählen demokratisch das WTG-Direktorium (Board of Directors) von 7 Personen. Diese 7 wählen aus ihrer Mitte wiederum den WTG-Präsidenten. So kommt der Kopf, die WTG-Spitze, zustande! In den Statuten der WTG wurde schon zu Russels Zeiten festgelegt, daß zu diesen Wahlen nur WTG-Mitglieder stimmberechtigt sind, die einen oder mehrere Anteilscheine oder Aktien der WTG gekauft haben, die einen Geschäftsanteil besitzen.

Das WTG-Direktorium ist dann der "treue und kluge Sklave", welcher nun die Gesellschaft "theokratisch" führt, dieweil er selbst demokratisch gewählt wurde. Es ist wohl etwas kompliziert und wahrscheinlich nur der Leitung selbst verständlich, wie aus der Demokratie oben in der Leitung nach unten eine "Theokratie" oder Gottesherrschaft werden kann. Könnt Ihr da folgen, liebe Brüder und Schwestern?

Inspiriert oder Rat von Gott?

Als die WTG 1963 in ihrer Obrigkeitskatastrophe steckte und ihre Verdrehungen von Römer 13 geradebiegen mußte, entschuldigte sie sich mit den Worten, die Männer, die Gottes Organisation heute vorstehen, "seien nicht von Gott inspiriert", sie könnten Fehler machen wie jeder andere Mensch (WT 15. Februar 1963, S. 121). Hat man das wieder vergessen? jetzt heißt es im WT wieder, "Jehova gibt uns durch seine irdische Organisation Rat. Da sein heiliger Geist auf die leitende Körperschaft dieser Organisation einwirkt, stimmt deren Willen mit dem Willen Gottes überein … Ob uns dieser Rat nun durch die Bibel oder durch die Organisation Jehovas gegeben wird, so kommt er jedenfalls von Gott" (WT 15. Sept. 1965, S. 560/61). Was ist denn nun richtig Wenn man erklärt, die leitenden Männer der WTG sind nicht inspiriert, sie studieren lediglich die Bibel, und so "kann es vorkommen, daß ihnen Fehler unterlaufen", ist es dann nicht ein Widerspruch weiter zu erklären, auf diese Männer wirke der heilige Geist ein und darum stimmt ihr Wille mit dem Willen Gottes Überein? Was ist denn da noch für ein Unterschied zwischen Inspiration von Gott und Einwirken des Geistes Gottes auf die WTG-Führung mit dem Ergebnis, daß ihr Wille der Wille Gottes ist? Da ist überhaupt kein Unterschied mehr!

Bleiben wir beim Thema Obrigkeit, einem der wichtigsten Themen, weil es das Verhältnis der Brüder zum Staat betrifft Logisch ergibt sich folgendes. Bis 1963 war die WTG-Leitung vom Geist Gottes belehrt (WT 15. 8. 1957, 15. 1. 1957 u. a.). 1963 gestand man, man habe sich geirrt, wie sich jeder andere irren kann, der die Bibel studiert. Dabei vergaß man aber zu erwähnen, daß man vorher immer erklärt hatte, alles, was verkündet wird kommt von Gott. Jetzt erklärt Knorr, was Rutherford in der Obrigkeitsfrage verkünden ließ, war nicht von Gott, man habe etwas Falsches gepredigt, wenn gesagt wurde; Gott habe es übermittelt, so stimmt es nicht. Natürlich sagt man das nicht so deutlich, wie wir das hier ausdrucken, man verschleiert es.

Was man auf diese Weise 1963 im sog. Kanal des Herrn eingestand, ist nun wieder vergessen. Man sagt wieder, die leitende Körperschaft ist vom Geist Gottes belehrt und verkündet im Auftrage Jehovas, als seine Vertreter, ihr Wille stimme mit dem Willen Gottes überein, als ob es nie Gegenbeweise gegeben habe. Also ab 1965 gibt es keine Irrtümer mehr? Verkündet man alles nicht immer so, wie man es gerade braucht?

So ist es eine ganz große Irreführung, zu behaupten, ob uns dieser Rat nun durch die Bibel oder durch die Organisation Jehovas gegeben wird, so kommt er jedenfalls von Gott! Denn die Bibel wurde inspiriert, die Organisation soll es nicht sein! Die Organisation ist nichts als irrendes Menschenwerk was man 1963 im Fall Obrigkeit nur notdürftig verschleiern konnte! Ist das überall schon wieder vergessen, so daß man jetzt wieder obenaufsitzt?

Sollen wir denn nur bedenkenlose Werkzeuge der WTG sein?

Der WT muß zugeben, daß es heute viele Glieder gibt, die sich von der Organisation abwenden, ja "sogar gegen sie kämpfen". Als Ursache gibt der WT an: "Manche werden unzufrieden, weil die Organisation ihren Ansichten nicht zustimmt oder nicht so vorgeht, wie sie es für richtig halten. Andere ärgern sich, wenn die Organisation ihren Standpunkt, ihre Terminologie oder ihre Predigtmethoden ändert. Statt sich entsprechend umzustellen und mit der Organisation Schritt zu halten, grübeln sie über diese Änderungen nach."

Wir gestatten uns einige Fragen. Was bildet sich denn die WTG eigentlich ein, wie sie mit Christen, die zur Freiheit berufen sind, umspringen kann! Mit welchem Recht maßt sie sich denn an, den Brüdern das biblisch verbriefte Recht (Apg. 17:11) auf kritisches Überprüfen und Überdenken ihrer Lehren und ihres Vorgehens streitig zu machen! Wo gibt es denn eine biblische Weisung, bedenkenlos mit einer nachweislich irrenden Organisation Schritt halten zu müssen? Wir fragen weiter. Wie kann man denn als verantwortungsbewußter, zur Freiheit berufener Christ zufrieden bleiben, wenn man Menschen, Staaten und Regierungen einmal im Namen Jehovas predigen soll, 1914 kommt Harmagedon, 1925 kommt Harmagedon, der politische Zionismus ist von Jehova, mit dem 2. Weltkrieg beginnt Harmagedon, 1914 stehen die Fürsten auf. 1925 stehen die Fürsten auf, bis 1965 kommt Harmagedon, Napoleon erfüllte den Nordkönig endgültig, Hitler erfüllte den Nordkönig endgültig, das Elia-Werk war 1919 zu Ende, Jehovas Zeugen haben mit Religion nichts zu tun, und alle irdische Obrigkeit ist vom Teufel und dann im Namen Jehovas, daß das alles nicht die Wahrheit war?

Schlägt denn der WTG nicht im geringsten das Gewissen, wenn sie angesichts dieser Palette von Irrlehren im Namen Jehovas liest, was in 5. Mose 18:18-22 geschrieben steht: "Sollte sich ein Prophet vermessen, in meinem Namen etwas zu verkünden, was ich ihm nicht geboten habe, ein solcher Prophet soll sterben. Wisse, wenn das, was ein Prophet im Namen des Herrn verkündigt, nicht eintrifft und nicht in Erfüllung geht, so ist das ein Wort, das der Herr nicht geredet hat. In Vermessenheit hat der Prophet es ausgesprochen. Du brauchst vor ihm nicht bange zu sein."

Wie könnten wir Jehova lieben, wenn wir mit einem solchen Propheten verbunden bleiben und ihm bedenkenlos weiter folgen?

Die sich von der Organisation abwenden, widersetzen sich dem Rat Jehovas? Nein! Sie widersetzen sich den unbiblischen Darlegungen, der verkehrten, lieblosen Führung, den unbiblischen Aufträgen und ganz besonders den angeblich immer von Gott kommenden, durch die Leitung verkündeten sog. Wahrheiten, die gar keine sind. Sie haben mit Gott nicht das geringste zu tun, ja stellen oft eine Lästerung dar. Dies sind in erster Linie die Gründe ihrer Abkehr. Sie wollen nicht Menschen, sondern allein Gott gehorchen (Apg. 5:29). Richtet sich etwa unsere Abhandlung über Theokratie in diesem Artikel gegen Gott? Das kann nur ein Böswilliger behaupten. Die Ausführungen richten sich gegen unbiblische Anmaßungen, gegen Mißbrauch des Namens und der Autorität Gottes.

Wir rufen alle älteren Brüder.

Warum bringt die WTG jetzt wieder alle diese Dinge, wie Gehorsam, alles erdulden, sich dem Rat der Leitung unbedingt beugen, Schritthalten usw.? Man merkt "oben", daß man auf Grund der vielen Enttäuschungen "unten" nicht mehr alles ohne Nachdenken hinnimmt. Die ältere Generation hat zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und folgt nicht mehr bedingungslos. Deshalb ist man jetzt bemüht, sich eine neue, "junge Generation" heranzubilden, die aus Mangel an Erfahrung alles wieder bedingungslos annimmt, gehorcht und jede Anordnung durchführt. Die ältere Generation wendet sich allmählich von der WTG ab, weil sie deren Gepflogenheiten zur Genüge kennt und sich auch nicht mehr durch die "Warnungen" der WTG abhalten läßt, andere Wege zu gehen, die sie biblisch für richtig hält. Die Drohungen der WTG schrecken sie nicht mehr, da sie kraftlos sind.

Anders bei der jungen Generation. Sie kennt die alten Prophezeiungen nicht, da die WTG alles Kompromittierende beseitigen ließ, weil angeblich veraltet. Die Jungen kennen nicht die Nöte und Konflikte der Vergangenheit. Sie wissen nichts davon, wie die Hirten der Herde flohen, um sich in Sicherheit zu bringen, die Herde ihrem Schicksal überlassend, das die Hirten selbst verursacht hatten. Dies alles ist den Jungen heute unbekannt, und die WTG-Leitung ist bemüht, es unbekannt bleiben zu lassen. Deshalb, all Ihr älteren Brüder und Schwestern, die Ihr die Organisation lange Jahre kennt, helft mit, laßt die Jungen nicht länger in Unwissenheit, zeigt ihnen die Kehrseite von "Jehovas voranschreitender Organisation"!

Sind Glaube, Gehorsam und Treue Gott gegenüber Privileg der WTG-Organisation oder Deine persönliche Angelegenheit Es gibt in der Bibel kein Kollektivheil, alles ist Deine persönliche Angelegenheit, keine Organisation kann Dich davon befreien. Dein persönliches Verhältnis zu Gott ist entscheidend und nicht das Verhältnis zu einer Organisation, auch wenn sie sich göttlich nennt. Der Götze "Organisation", liebe Brüder und Schwestern, hat Euch nicht durch sein Blut erkauft. Dieser schändliche Götze vermag nichts zu vermitteln Unser aller und alleiniger Mittler ist Jesu. Er wird sich für den einzelnen verwenden. Rö. 8:34. Glückselig der Mann, der auf ihn traut! Ps. 34:8.

"Es war mein Vorrecht!"

Gestapo-Handlanger und WTG-Zweigdiener Konrad Franke 1933 loyal zum antisemitischen Hitlerfaschismus

"Jehova ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" sagt Franke einleitend zu seinem WT-Bericht über seine Nazizeit (WT 1. Juni 1963). Immer wieder Jehova!

Mangelte ihm wirklich nichts in der Nazizeit? Es hieß doch im Jahrbuch 1956, S. 191, zu seiner Ernennung zum WTG-Zweigdiener als Nachfolger des Gestapo-Handlangers Erich Frost, Franke habe in der Nazizeit, "dem Beispiel der Apostel Jesu folgend", immer wieder erklärt, "man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen". Wir wissen inzwischen, daß er der Gestapo mehr gehorcht hat. Eines seiner ersten Opfer war der Dienstleiter Valentin Steinbach aus Frankfurt/M. Zu den nächsten gehörte Br. Willy Ruhnau aus Danzig, der von der Gestapo umgebracht wurde. Es sind noch mehr, Frankes Konto ist noch nicht erschöpft!

Inzwischen wollen wir eine kleine Unterschlagung aufdecken, die Franke mit seinem WT-Bericht vom 1. Juni 1963 vorgenommen hat. Er rühmt sich dort des berüchtigten Jahres 1933:

In demselben Jahr war es mein Vorrecht, an dem denkwürdigen Kongreß in Berlin teilzunehmen, wo einstimmig eine Erklärung angenommen und beschlossen wurde, sie an alle höheren Regierungsbeamte zu senden. Wieder nach Hause gekommen, sandte ich über 50 Briefe an die höchsten Beamten unseres Gebietes.

Franke unterschlägt, was der Inhalt der Erklärungen bzw. Briefe war. Dieser ist uns inzwischen bekannt geworden. Es handelt sich um eine Erklärung in Verbindung mit einem Brief der WTG an Hitler, um mit den Nazis einen politischen Kompromiß auszuhandeln und um nazifreundliche, antisemitische Hetze.

Die Erklärung an Hitler persönlich schloß mit den WTG Worten:

Die Partei (NSDAP) als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums … Sie bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns und ist überzeugt, daß eine dauernde Genesung unseres Volkes nur erfolgen kann von innen heraus.

Wir sind fest überzeugt, daß - wenn man uns religiös vorurteilslos erstens nur nach Gottes Wort und zweitens, diesen angeführten Programmpunkten (der NSDAP) nach beurteilt - (Sittlichkeits- oder Moralgefühl der germanischen Rasse) die nationale Regierung Deutschlands keinerlei Ursache finden wird unsere Gottesdienste - oder unsere Missionstätigkeit zu hindern.

In Erwartung einer baldigen gütigen Zusage und mit der Versicherung unserer allergrößten Hochachtung sind wir, sehr verehrter Herr Reichskanzler, ergebenst

Watch Tower Bible and Tract Society Magdeburg."

Dieser nazifreundlichen und antisemitischen Erklärung hat WTG-Zweigdiener Franke nach eigener Darstellung also mit zugestimmt. Das war am 25. Juni 1933 in Berlin. Noch 1963 betrachtet er diese üblen Bekenntnisse als "Vorrecht" und den Berliner Kongreß als "denkwürdig"! Denkwürdig ist das allerdings, aber in dem Sinne, daß man die verderbliche politische Handlungsweise der WTG-Diener endlich aus der Vergessenheit holt.

1961 haben die westdeutsche Presse (Der Spiegel, Hamburg) und der Politisch-Parlamentarische Pressedienst in Bonn die Gestapo-Dienste des WTG-Zweigdieners Erich Frost international aufgedeckt. Wir fragen uns, ob etwas Ähnliches nicht auch mit den Gestapo-Diensten und dem Antisemitismus des heutigen WTG-Zweigdieners Franke geschieht.

Was nimmt den ersten Platz in Deinem Leben ein?

Christliche Besinnung zum WT vom 15. November 1965

Zuvor denke über das hier Unterbreitete gut nach!

Was nützt die gute Botschaft, wenn deine Hörer von Hungerödem zerfressen versiechen?

Jakobus antwortet: Wenn ein oder eine Schwester keine Kleidung hat und an der täglichen Nahrung Mangel leidet und einer von euch sagt, gehet hin in Frieden, wärmt euch und eßt euch satt, ohne ihnen das, was zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse nötig ist, zu geben, welchen Nutzen hat das für sie? Jak. 2:15, 16.

Wer für seine Angehörigen nicht sorgt, hat den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger, sagt Paulus. 1. Tim. 5:8. Wem gilt das nicht? Das gilt Gläubigen wie Ungläubigen. Das ist es ja gerade. Sie alle haben vom Evangelium her vor Gott das Recht und die Pflicht zum materiellen Lebensunterhalt, auch wenn sie das nicht so sehen. Christen wie Nichtchristen.

Wenn wir Lebensunterhalt und Bedeckung haben, sollen wir zufrieden sein, sagt Paulus noch dazu. 1. Tim. 6:8. Und wenn die Menschen das nicht haben? 5000 mit 5 Broten und 2 Fischen speisen geht heute nicht, und es regnet auch kein Manna mehr vom Himmel. Wunder haben aufgehört. 1. Kor. 13:13. Der Lebensunterhalt muß für jeden mit großen persönlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen erarbeitet werden. Jedes Stückchen Brot! Gläubige wie Ungläubige, Christen wie Nichtchristen müssen das in gegenseitiger Abhängigkeit. Es ist selbstverständlich, daß du den größten Teil deiner Zeit und deiner Kraft darauf verwenden mußt, unserer Zeit, unsere Kraft, die aller Menschen.

Mithin ist das soziale Lebensinteresse, der Lebensunterhalt für Gläubige wie Ungläubige das Primäre, Grundlegende, nach dem unter allen Umständen in der Hauptsache getrachtet werden muß. Das geistliche und ideelle Glaubensleben eines Christen sollte sich nach dem Angeführten einordnen Ein Verhungerter kann weder glauben noch das Evangelium verkündigen.

Wir kommen in einen Widerspruch, weil die Schrift auch sagt, trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes, alles andere wird hinzugefügt? Mt. 6;33. Nein, denn hinzugefügt wird schließlich nur, indem "ihr euch euer Brot mit eurer Hände Arbeit verdient." 1. Thess. 4.11. Und das Sorgen für diese sozialen Interessen hebt das erstrangige Trachten nach dem Reiche Gottes nicht auf. Es ist aber so, darf es die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse zur Voraussetzung hat.

Nur die WT-Auffassung vom Reiche Gottes widerspricht der sozialen, gesellschaftlichen Mitverantwortung des Christen im Leben, die schriftgemäße Auffassung nicht. Bitte: 1914 WT-Harmagedon-Irrtum, 1925 WT-Abraham-Weltregierung-Irrtum, 1929 Obrigkeitsirrtum, 1939/45 WT-Irrtum vom Übergang in Harmagedon - einige der entscheidenden weltpolitischen WT-Irrlehren, die "irdische Phase des Königreiches" kam nicht. 1917 dagegen wurde schon mit der Verwirklichung der sozialistischen Sozialordnung begonnen, zwangsläufig, entwicklungsbedingt. Hätte man besser auf die WT-Irrlehren hören sollen? Die ständige Sorge um den Lebensunterhalt ganzer Nationen läßt das doch einfach nicht zu! Das "Reich der Himmel" ist 1914/18 noch nicht gekommen, denn da wäre ja sogar Christi Mustergebet "Dein Reich k o m m e " ungültig geworden! Biblisch sind die heutigen Perspektiven ganz anders. Man kann die Lösung der sozialen Fragen nicht einfach umgehen. Sie ist auch die Basis jedes christlichen Lebens. Jak. 2:15, 16. Daran scheitert im Grunde genommen hier die WT-Verkündigung.

Mit einer Erfahrung, die leider kein Zeuge Jehovas machte, soll unsere Besinnung ausklingen (aus: Glaube und Gewissen, August 1965).

Das Eingeborenen-Reservat in Südafrika. Hunderttausende Schwarze. Ich kam in einen Kraal. Eine Frau lag nackt auf dem Boden, vom Hunger das Haar ausgefallen, die Haut um die Lippen gezogen wie eine nasse Zeitung. Komme um 3 Uhr wieder, dann kannst du sie einschaufeln, wurde mir gesagt. Vor ein paar Tagen ein Kind. An seinen Füßen nur noch rohes Fleisch. Die Unterernährung, das große Elend, hatte die Haut von den Beinen rosten lassen. Drei kleine ambulante Krankenpflegestationen habe ich gebaut. Habe fast vergessen, die frohe Botschaft zu verkündigen, weil ich Angst hatte, sie würde mit wenig Freude aufgenommen Erst versuchte ich sehr gewandt, von Gott zu sprechen. Sie lauschten tief meiner Botschaft. Dann sagten sie: Wir haben Hunger. Eine Schale Mais. Warum hast Du keinen Mais mitgebracht?

Daraus entsteht die Frage: Wie würde die Leitung der WTG in diesem Falle handeln? Hält sie auch hier ihren Grundsatz aufrecht: "Unsere göttliche Organisation ist kein Unterstützungs- und Hilfswerk, wir sind beauftragt, das Evangelium zu verkündigen. Wie steht die WTG-Leitung dann zu Hebräer 13:16? Wie zu Lukas 6:35 und 1. Joh. 3:17? Sind dies nicht auch Gebote des Evangeliums??

Liebe Brüder und Schwestern, würdet Ihr Euch in dem geschilderten Falle an das WT-Gebot halten oder an die Bibel? Die Entscheidung dürfte nicht schwer sein.

Wende Dich ab!

Ein neuer Bericht über die Versammlung in Jena

"Sie werden wohl noch an den äußeren Formen der Frömmigkeit festhalten, aber ihre innere Kraft vermissen lassen. Von solchen wende dich ab." 2. Tim. 3:1-6.

Diese Apostelworte drängen sich in den Sinn, wenn man die weiteren Einzelheiten über die ungeheuerlichen Vorgänge unter den WTG-Dienern in Jena erfährt, worüber wir in CV schon verschiedentlich berichtet haben. Höchste illegale Diener in der DDR sind hiervon betroffen. Es handelt sich um unglaubliche Affären von Unsittlichkeit und Geldveruntreuung, die von Jena aus in vervielfältigten Briefen bereits unter den Geschwistern der ganzen Umgebung bekanntgemacht wurden.

Die vielen uns vorliegenden Berichte enthalten unter anderem folgende Einzelheiten, die generelle Bedeutung haben, und die wir deswegen auf Bitten veröffentlichen.

Der in Jena stationierte EINE (Versammlungsdiener) und Gebietsdiener wird unter Namens Jehova gehurt" zu haben. Sodann habe er eine Schwester unter Umgehung seines nächstvorgesetzten Dieners in Erfurt an einen der höchsten Diener in Dresden "vermittelt". Um dieses Treiben ungestört fortfahren zu können, sei auf dem Ehemann der Schwester solange herumgetrommelt worden, bis er den Wehrersatzdienst verweigerte und deswegen ins Gefängnis mußte. Man wollte ihn aus dem Wege haben. Von einem neuen Gebietsdiener in Jena wird Rechenschaft über 60 000 Mark Gute Hoffnung verlangt. Man kaufte davon private Pkw (Trabant) und bezahlte sich private Hochzeitsreisen Als die unmoralischen Affären gar vor Gericht zur Sprache kamen, seien falsche Aussagen gemacht worden. "Die Brüder wußten davon, sagten aber falsch aus. Was sagt Jehova dazu? Ihr werdet die Wohnung von Herbert Buschbeck (ist nach Westdeutschland) nicht erhalten, Jehova wird euch das Dach anbrennen", heißt es in einem der verbreiteten Schreiben.

Ein neues Brüderkomitee in Jena erklärt dazu: "Viele Monate haben wir der Dinge geharrt und geduldig Schmach ertragen Wir wollten sehen, wie sich die Gesellschaft entscheidet, wie sie die Veruntreuungen der Guten Hoffnung und die schmutzige Hurerei des Brüderkomitees verurteilt. Aber was geschah?" Sich selbst überlassen greifen die Brüder nun zur Selbsthilfe und fordern alle Brüder und Schwestern in Jena und Umgebung auf, "den Anweisungen des versumpften Brüderkomitees nicht mehr Folge zu leisten".

Wir sind sicher, daß noch viel mehr Dinge ans Licht kommen, die uns zeigen, daß die WTG auch in sittlich-moralischer Hinsicht gewöhnlicher ist als manches andere und kein vom Herrn geleitetes Werk.

Warum schweigt die WTG-Leitung in Wiesbaden?

In diesen Tagen erreichte uns bereits ein weiterer Bericht aus Jena, den wir hiermit auf Wunsch veröffentlichen.

Dieser Brief, der an das Bibelhaus gerichtet wurde, enthält wiederum ernste Probleme, die Brüder in der DDR betreffen. Aber die Gesellschaft schweigt zu den an sie gerichteten Fragen, Kann sie aber damit die zunehmende Unzufriedenheit der Brüder unterdrücken? Eines kann die WTG-Leitung nicht vermeiden: Gerade ihr Schweigen legt ein deutliches Zeugnis darüber ab, das sie nunmehr keine Mittel und Wege besitzt, ihr Vergehen an den Brüdern zu rechtfertigen. Sie kann ihre Schuld an den Brüdern in der DDR nicht unterschlagen! Sie wird sich verantworten müssen!!

Nachstehend folgt die wortgetreue Wiedergabe des Briefes:

Ostdeutschland, Mai 1966

Liebe Brüder im Bibelhaus!

Als wir noch mit den leitenden Brüdern in Westdeutschland zusammenkommen konnten, haben wir des öfteren die Bitte ausgesprochen, laßt doch die politischen Artikel aus dem Wachtturm und Erwachet. Wir machten Euch darauf aufmerksam, daß Ihr die Brüder und Schwestern in der Zone ständig in Gefahr bringt. Ihr habt damals solch ehrlichen Rat in den Wind geschlagen, habt mit Ausschluß gedroht und in einigen Fällen auch Gemeinschaftsentzug gegeben. Immer wieder müssen wir feststellen, daß im Wachtturrn und Erwachet eine wüste Hetze gegen das sozialistische Lager betrieben wird, und zwar in ganz gemeiner Art und Weise. Jeder von uns weiß, daß die Kommunisten von den Nazis, genau wie wir Zeugen, verfolgt wurden und viele im KZ umgekommen sind. Im Erwachet vom 8. Mai 1959 wird ein Artikel veröffentlicht "Eine paradiesische Erde durch Gottes Königreich". In diesem Artikel werden Zitate von Hitler veröffentlicht und der Faschismus in seiner grausamen Form geschildert. Gleichzeitig wird über den Kommunismus eine wüste Hetze betrieben. Am Schluß des Artikels wird der Kommunismus als eine grausame Herrschaft bezeichnet. In diesem Artikel werden, die Kommunisten immer als die Nazis, sogar noch schlimmer, dargestellt. In einem weiteren Wachtturm werden die Kommunisten als rücksichtslose Mörder bezeichnet, und so könnten, diese Beispiele fortgesetzt werden. Wo bleibt hier Eure gepriesene Neutralität?

Heute schreiben Euch verantwortliche Diener und sprechen nochmals die Bitte aus, laßt die politischen Artikel im WT und Erwachet verschwinden und nehmt endlich einmal Stellung im Wachtturm zu den Briefen von Müller.

Vor Jahren waren es einzelne, die mit Müller gingen, heute sind es ganze Gruppen.

Nun möchten wir Euch einige Wahrheiten mitteilen. In allen Versammlungen ist Unruhe hereingebrochen. Die erstellten monatlichen Berichte der Versammlungsdiener werden in den meisten, Fällen gefälscht, denn kein Verkündiger führt Hausbesuche durch. Auch fallen viele Bibelstudiums aus, weil in dieser Zeit Fernsehprogramme angesehen werden. So sieht die Wirklichkeit aus. Wenn sich die Kreisdiener die Mühe machen würden und würden Kontrollen durchführen, so könnten sie dies alles feststellen. Allen Zeugen ist bekannt, daß die verantwortlichen Diener Autos besitzen und sich ein schönes Leben machen. In vielen Gruppen hat die Hurerei überhand genommen. In unserer Versammlung hurte das gesamte Brüderkomitee. Wer trägt die Schuld, daß solche Zustände herrschen? Ihr im Bibelhaus tragt diese Schuld, denn von Euch wurden die Brüder eingesetzt.

Wenn nicht in aller Kürze von Euch richtige anleitende Hilfe kommt, so werden viele Versammlungen aufhören zu bestehen, und der Müller wird viele Helfer erhalten.

Wir bitten Euch, folgende Fragen im Wachtturm zu behandeln und zu beantworten:

Stimmt es, daß Bruder Frost ein Gestapoagent war?

Wenn nicht, warum wurde er seines Dienstamtes enthoben?

Stimmt es, daß Du, lieber Bruder Franke, viele Brüder an die Gestapo verraten hast?

Stimmt es, dar die Wachtturmleitung mit amerikanischen Militärbehörden verhandelt und Spionage betrieben wird?

Stimmt es, daß bis 1951 jährlich aus der Zone 700 000,- Mark an Euch überbracht wurden?

Stimmt es, daß dieses Geld in Wechselstuben eingetauscht wurde?

Es muß doch wahr sein, denn wenn es nicht wahr wäre, hättet ihr doch im Wachtturm schon längst Stellung genommen.

Als letzte Frage:

Warum wird im Wachtturm und Erwachet nur immer gegen die sozialistischen Länder gehetzt und die kapitalistischen Länder verherrlicht. Wenn nicht in den nächsten Wachttürmen und Erwachet diese Fragen behandelt werden, werden viele Zeugen nicht nur enttäuscht sein, sondern werden Eure Handlungsweise verurteilen. In diesem Falle sind wir gezwungen, weiter Fragen an Euch zu richten. Wir geben Euch den Rat, beantwortet unsere Fragen getreu der Wahrheit, denn im Psalm 115:1 heißt es: Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern dein Name gib Ehre … Im Psalm 125:5 wird gesagt: Die aber abweichen auf ihre krummen Wege, wird der Herr wegtreiben mit den Übeltätern. Und in Rö. 1:18: Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten.

Sollten wir bis zum 30. 5. 1966 keine Antwort erhalten, so schicken wir diesen Brief an Müller und lassen durch ihn diesen Brief veröffentlichen.

Mitkämpfer für die Theokratie und im Auftrag vieler Mitverbundenen

Aus eingegangenen Briefen

Aus Westdeutschland:

Nr. 2 CV habe ich gelesen. Großartig, ich bin auch ein Opfer der WTG. Auch ich war durch die falsche Auslegung von Römer 13 um alles gekommen. Arbeit und Haus, alles verloren Bereits 1935 vom Sondergericht Köln verurteilt. Wegen Wiedergutmachung stellte ich keine Ansprüche, weil ich immer im Glauben war, was die WTG von der Obrigkeit dieser Welt hielt. Ich glaubte damals, der Fürst dieser Erde kann mich doch nicht belohnen, weil ich Jehova treu war. Ich war genau aufrichtig, aber verblendet. Jedoch nach dem Kriege lernte ich die WTG in all ihrer Heuchelei kennen Ich hatte zeitweise Pioniere der WTG mit im Haushält bei mir. Wir wurden auf Grund unserer Naivität durch Schaden klug gemacht. Nach und nach kam ich immer mehr hinter die Gotteslästerung. Mit 5 anderen wurden wir vor das WT-Komitee bestellt, wo Konrad Franke persönlich den Vorsitz hatte. Es ging um Geldspenden, wir forderten darüber Rechenschaft. Ich und eine andere Schwester wurden ausgeschlossen die 3 anderen unter Bewährung. Damals sagte ich vor dem ganzen Gerichtsforum zu Franke: "Wird Jehova den rechtfertigen, dem Unrecht passiert?" Franke erwiderte: "Ja!" Meine Antwort darauf: "Dann ist es gut."

Heute bin ich gewissermaßen in Genugtuung versetzt, was alle diese falschen Brüder im Namen Jehovas taten. Gottes Gericht wartet auf die Stunde, wo dieser antichristliche Geschäftsrummel durch Christi Reich hinweggeschlagen wird. Auch in Westdeutschland gibt es welche, die die WTG bloßstellen Es wird eines Tages wieder ein Deutschland werden. Dies würde die WTG-Zentrale in Wiesbaden in Schrecken versetzen aus Angst vor den Akten im Archiv Berlin, falls bis dahin noch nicht alles offenbart ist. Der Herr wird zu seiner Zeit alles offenbaren.

Aus dem Bezirk Leipzig:

Durch Zufall bekam ich eine Nummer der Zeitschrift "Christliche Verantwortung". Über den Inhalt habe ich mich sehr gefreut, denn er war mir so richtig aus der Seele geschrieben. Bitte sende mir doch von allen Nummern, die Du vorrätig hast, je 1 Exemplar und dann alle folgenden.

Brief aus Amerika: (Auszug)

Sende mir bitte alle erschienenen und noch erscheinenden CV zu. Bin sehr interessiert daran. Hier macht die Gesellschaft eine große Aufmachung davon, wie sie in Konzentrationslagern litten und ihnen die Gesellschaft die einzige Hilfe brachte. Ich glaube, mit Euren Darstellungen, die den Tatsachen entsprechen, können wir vielen armen Menschen helfen. Bin sehr interessiert an dem Artikel "Mietlinge für 30 000 Westmark" und möchte mehr dazu hören. Die Gesellschaft gebraucht Frost, um mit diesem im westlichen Erdteil zu prahlen, wie sie als unschuldige Märtyrer in Deutschland während der Nazizeit litten.

In der Zeitschrift "Consulation", jetzt "Awake", berichtete die Gesellschaft 1930, daß die britische Kolonialregierung die Brüder in Nyassaland und im nördlichen Rhodesia verfolgte und viele Brüder verhaftete. Es wurde ja schon stolz darauf hingewiesen, daß 52 Prozent aller Führer in den Kraalen Zeugen Jehovas wären.

Nun stellt es sich heraus, seit Nyassaland und Rhodesia unabhängig geworden sind, daß die farbigen Bewohner ihr Interesse an der Wachtturm-Religion verloren haben. Es zeigt sich jetzt, daß die farbigen Bewohner, welche die WT-Religion annahmen, es aus Protest gegen andere christliche Religionen taten. Streiks, Unruhen usw. in den 1930er Jahren waren politisch, und die WTG nutzte diesen Umstand, um ihre Anhängerschaft zu vergrößern. Nun hat die WTG Zehntausende von ihren Sklaven dort verloren, und die damaligen Anhänger sind wieder in Heidenreligionen zurückgekehrt Dies geschah in 12 afrikanischen Staaten.

Nachdem der Kaiser von Ethopia aufklärende Bücher über Jehovas Zeugen zugesandt erhielt, verbot er die Arbeit der Wachtturmgesellschaft und schickte alle ihre Missionsarbeiter heim. Viele Dinge, lieber Bruder, passieren in der Welt der Höhepunkt der Wachtturm-Religion ist erreicht und liegt hinter uns.

Aus diesem Brief wird ersichtlich, daß auch in Amerika die Brüder die Arbeit der Wachtturmgesellschaft kritisch beobachten und ihre Veröffentlichungen und Lehren gut überprüfen.

Aus dem Bezirk Gera:

Als ich CV 3 gelesen habe, war es mir eigenartig zumute. Ich erinnerte mich an ein Gespräch, was jedoch einige Jahre zurückliegt. Vor einigen Jahren, es muß 1959 oder 1960 gewesen sein, wurde von unserer Versammlung der verantwortliche Diener Z. G. festgenommen. Genannter wurde jedoch nach einigen Wochen wieder entlassen. Damals erzählte dieser Bruder, daß er nicht verurteilt wurde, weil er alles zugegeben habe. Des weiteren erzählte Bruder Z. G., daß er festgestellt habe, das die vom Bibelhaus herausgegebenen Schriften Hetze gegen das sozialistische Lager betreiben, und er schätzte es so ein, daß das Bibelhaus mit dazu beiträgt, den kalten Krieg zu schüren. Er sagte sinngemäß, daß er erkannt habe, daß dies alles im direkten Widerspruch zur Bibel steht. Er warnte alle Brüder und Schwestern und forderte sie auf, sich vom Bibelhaus zu trennen. Seine Worte waren damals: Lehnt die Sammlung von Adressen und Ermittlungen von Bürgern der DDR ab, bringt kein Geld mehr zum Bibelhaus. Er sagte wörtlich: "Den Brüdern im Bibelhaus muß das Handwerk gelegt werden, denn sie mißbrauchen uns für Spionagezwecke", das sagte damals Bruder Z. G. Aber was müssen wir heute feststellen? Bruder Z. G. wurde, trotzdem er gegen das Bibelhaus auftrat, nicht ausgeschlossen Das gibt vielen Brüdern und Schwestern zu denken.

Z.G., welcher drei Kinder hat und als Schlosser nicht viel verdient, kaufte sich seit dieser Zeit ein Auto, ein größeres Grundstück, worauf er sich ein Haus baute. Viele Brüder und Schwestern fragen sich woher stammt das Geld? Wurde es von der "Guten Hoffnung" genommen??

Ein weiterer Brief aus Jena:

Wir haben CV 2 erhalten und uns über diese Schrift gefreut. In unserer Versammlung entstehen drei Gruppen. Die Bibelhaustreuen, verführt von dem Hurenkomitee. Unsere Gruppe und dann noch eine Gruppe, die sich anmaßt, im Namen des neuen Brüderkomitees zu handeln. Diese Gruppe versandte an alle Mitglieder von Jena Schriften, und das schlug ein wie ein Blitz, und wer nun annahm, daß diese Schrift verurteilt wird, der irrt sich. Verurteilt wird nur ihre Anmaßung, wie neues Brüderkomitee. Die Aufdeckung, mag sie noch so kraß erscheinen, ist ja die reine Wahrheit.

Nun zu Deiner Schrift CV 2. Der Artikel über Bruder Buschbeck ist gut. Nur die Vorkommnisse des Brüderkomitees sind nach unserer Meinung zu kurz gekommen. Da hättest Du alles schreiben müssen, so wie es die Gruppe Jena gemacht hat.

Nun einiges zur Situation in Jena: Das Brüderkomitee ist wütend und ratlos, umgeben von Feinden … Das Brüderkomitee versucht mit allen Mitteln eine organisierte Tätigkeit durchzufahren … Sie geben Anweisungen heraus, und es ist dadurch zu ersehen, daß sie trotz ihrer Hurerei enge Verbindung mit dem Bibelhaus haben … Nun, lieber Bruder Willy, bitten wir Dich, uns weiterhin zu unterstützen …

Enthalten unsere Berichte Übertreibungen?

Im Gegenteil. Die unmoralischen Zustände unter Brüdern sind in Wirklichkeit viel schlimmer, als wir in der Lage waren zu veröffentlichen. In einem von Jena aus veröffentlichten Brief zeigten die Brüder deshalb ihre Unzufriedenheit mit den Worten: "Müller in Gera hat nur angedeutet, er bringt nur die halbe Wahrheit". Er ist befangen. Ihm fehlt der Mut! Wir aber bringen die volle Wahrheit, weil wir uns an die Worte Jehovas halten, weil wir für die Reinheit der Organisation sind." Liebe Jenaer Brüder, versteht bitte: Eine Preisgabe der intimsten Beziehungen in der von Euch dargestellten Weise ist für unsere Schrift nicht tragbar. Wir bezweifeln nicht die unvorstellbaren moralischen Entgleisungen, jedoch wollen wir etwaige daraus entstehende Konflikte für den einzelnen vermeiden. Es entspricht dem Charakter unserer Zeitschrift, die Probleme der Brüder in taktvoller, ethischer Weise zu veröffentlichen. (Original des Schreibens kann bei mir eingesehen werden.)

Weil wir keine Ursache haben selbst die negative Seite der Briefeingänge zu verbergen, unterbreiten wir folgendes:

Aus dem Bezirk Cottbus.

Ich möchte es mir entschieden verbitten, mir Ihre Zeitschrift zuzusenden. Glauben Sie, daß Sie mich mit Ihren Anschuldigungen, die Sie in ihrer Zeitschrift verbringen, überzeugen können? Sie bringen wie ich aus Ihrer Zeitung vom Februar 1966 ersehen konnte, nur Anschuldigungen gegen Zeugen Jehovas vor. Erhoffen Sie sich damit Erfolg? Ich wurde sagen: Nein. Eigentlich könnten Sie von Zeugen Jehovas lernen . . .

Wir nehmen es niemandem übel, wenn er auf diese Weise seinem Herzen Luft macht. Sicher hätten wir früher ebenso geurteilt, als uns die Tatsachen über das Wachtturmwerk noch unbekannt waren.

Wie tiefgreifend der von der WTG geschürte Haß von einigen Besitz ergriffen hat, spricht deutlich aus folgenden Zeilen:

Bitte belästigen Sie mich nicht dauernd mit Ihren Hetzschriften Menschen, die jegliche Art Hetzschriften verbreiten, müßten die Finger abfaulen.

Es liegt nicht in unserer Absicht, jemanden überzeugen zu wollen, dem die Leitung der WTG noch als unantastbare Autorität gilt. Doch helfen wollen wir gern denen, die durch die unchristliche Handlungsweise der Organisationsleitung in Gewissensnöte geraten. Derer sind leider nicht wenige.

Es gibt auch solche Brüder, die mit gut gemeinten Ratschlägen an uns herantreten. Oft aber äußern sie auch Zweifel, ob unsere Angaben der Wahrheit entsprechen. Dies wird aus nachfolgendem Brief aus dem Bezirk Magdeburg ersichtlich:

Im Besitze Eurer Informationsschrift danke ich für Deine Mühe. … Woher habt Ihr die Information bezüglich der Namengebung der Straße am früheren Bibelhaus? Diese entspricht nicht dem tatsächlichen Sachverhalt, der mir sehr gut bekannt ist. Dies ist natürlich kein schwerwiegender Irrtum, aber kann man davon nicht ableiten, daß vielleicht auch andere Informationen, die viel schwerer wiegen, nicht einwandfrei sind? …

Ein Auszug aus dem Jahrbuch 1947 der WTG bestätigt jedoch unsere wahrheitsgetreuen Darlegungen in CV. Dieser Bericht ist gleichzeitig ein deutlicher Beweis über das gute Einvernehmen zwischen Staat und WTG aus der damaligen Zeit. Bericht über Deutschland, Jahrbuch 1947, Seite 120:

"Nicht nur auf die militärischen Behörden hat die Hauptversammlung in Magdeburg großen Eindruck gemacht, sondern auch auf deutsche Verwaltungsstellen. So besuchte uns der neue Magdeburger Oberbürgermeister in der großen Halle (Markthalle). Er war, als er die singende Menschenmenge von dem Podium aus überblickte, sichtlich ergriffen. Als er in meinem Zimmer (bei Frost) Platz nahm, war sein erstes Wort an uns: "Ihr habt aber ein Herz!" (Damit wollte er sagen: Mut!) Und daß diese Veranstaltung dazu diente, die Achtung dieser Herren (0berbürgermeister und sowjetische Offiziere) vor unserem Werke und unserer Organisation zu erhöhen, geht daraus hervor, daß wir etwa 14 Tage nach der Hauptversammlung einen Brief von der Stadtverwaltung Magdeburg erhielten, worin uns mitgeteilt wurde, daß die Straße, an welcher unser großes Grundstück liegt, laut Beschluß der Dezernenten wieder wie früher "Wachtturmstraße" heißen soll. . ..

Auf Seite 119 schreibt man: … Wir können in keiner Weise Klage führen über die russischen Militärbehörden und ihr Verhältnis zu uns und unserer Arbeit …"

Wir fragen: Warum hat die Leitung in Brooklyn durch ihre politischen Artikel dieses gute Verhältnis von damals zerstört Standen politische Ziele und Interessen doch im Vordergrund? Oder brauchte man Märtyrer für Propagandazwecke?

A 2153 V 18 6

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