Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 49

Diese CV-Ausgabe zitiert und kommentiert auch den "Wachtturm"-Satz:

"Da die Christenheit den Gott der Bibel falsch dargestellt hat und da sie unchristlich gehandelt hat, ist dem Kommunismus ein fruchtbarer Nährboden bereitet worden".

Damit will der "Wachtturm" doch unter anderem auch suggerieren, dass er "den Gott der Bibel" richtig darstelle. Angefangen von der Endzeitdatierung 1799 bis 1975, respektive des unmittelbaren "Demnächst". Es gehört schon eine ganze Menge von intellektueller Unredlichkeit dazu, um solcher Art Thesen noch "ernst" nehmen zu können. Zumal sie bewusst nicht auch mit der geschichtlichen Erkenntnis gekoppelt sind: "Und wenn morgen der 'Jüngste Tag' anbricht, so will ich heute dennoch ein Apfelbäumchen pflanzen."

Dies negiert die Zeugen Jehovas-Religion; und ihre Behauptung, qualitativ über andere Religionen zu stehen, erweist sich als Farce.

Mich wundert es nicht, wenn einige daher dem Christentum generell ade! sagen. Mich wundert es nicht, dass dies auch für solche mit einer Sozialisation aus dem Zeugen Jehovas-Milieu zutreffend ist. Damit ist nicht automatisch eine "Akklamation" für das politische System "Kommunismus" verbunden. In seiner diktatorischen Struktur und seiner Uneffizienz, im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln, nehmen sich Kommunismus und Zeugen Jehovas nichts.

Es trifft sicherlich nicht auf alle zu, sich von diesen Systemen aktiv zu distanzieren. Etliche suchen nach Nischen, wo sie trotz allem in ihnen "überwintern" können. Manche finden sie, manche nicht. Allerdings sind es nicht die "in den Nischen verkrochenen", die das Rad der Geschichte weitergedreht haben. Gerade dort wo der Konservatismus pur gelehrt wird (wiederum zugleich bei Kommunisten und Zeugen Jehovas zu beobachten) formiert sich auch die entschiedenste Opposition zu ihm. Höchstwahrscheinlich, in Prozentzahlen ausgedrückt, wohl auch nur auf eine Minderheit. Aber das sind dann diejenigen, die sich das eigene Denken noch nicht durch den Vorbeter WTG haben austreiben laßen!

In Polen gab es die Bibelforscher-Zeitschrift "Swit". Eine Gruppierung aus der Russellbewegung entstanden, aber dem WTG-Zentralismus nicht gehorsam. Mit Befremden hatte ich es schon zeitgenössisch zur Kenntnis genommen, dass diese Gruppe auch ein eigenes Endzeitdatum publizierte - 1984.

"Eine gewisse Klasse der Menschen kann diese Zeichen lesen. Denn sie hat die Versicherung der Heiligen Schrift, daß noch dieser Zeit der Drangsal noch 1980 die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht …"so lautete ihre These. Eine knappe Info dazu auch in dieser CV-Ausgabe.
 


CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DER ZWECK DIESER ZEITSCHRIFT
ist freie, christlich und menschlich verantwortungsbewußte Information zu Verkündigung und Organisation der Zeugen Jehovas und ihrer Leitenden Körperschaft, der Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, (WTG) und WTG-bedingten Konfliktlage der Zeugen Jehovas in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Vielseitigkeit der Darlegungen in CV widerspiegelt diese Situation und weist Wege zu ihrer Lösung. -
Wir rufen zur Mitverantwortung und Mitarbeit.

Nr. 49 Gera April 1973

TRAUERFEIER IN GERA
zur Urnenbeisetzung von Bruder Willy Müller, Gründer und Leiter von CV
Lieber Leser!
Anteilnahme und Aufmerksamkeit anläßlich des Todes des Gründers und Leiters von CV, Bruder Willy Müller, Gera, sind verständlicherweise sehr groß, auf vielen Seiten. Wir möchten deshalb folgenden Bericht über die Trauerfeierlichkeiten bringen.

Wie in CV 46 mitgeteilt wurde, ist der Gründer und Leiter von "Christliche Verantwortung", Bruder Willy Müller, Gera, am 8. Januar 1973 nach längerer Krankheit kurz vor der Vollendung seines 80. Lebensjahres gestorben. Die Urnenbeisetzung fand am 23. Februar 1973 im Familiengrab auf dem Südfriedhof in Gera statt.

Zur Trauerfeier in der Kapelle des Ostfriedhofes in Gera, die von den Familienangehörigen ausgerichtet wurde, hatten sich Familienangehörige, Arbeitskollegen, Mitverbundene und CV-Mitarbeiter zusammengefunden. Die nicht anwesend sein konnten, sandten Zeichen herzlicher Anteilnahme. Kränze und Blumengebinde von denen, mit denen Bruder Müller persönlich, familiär, beruflich und nicht zuletzt in christlichen Glauben am engsten verbunden war, schmückten die aufgebahrte Urne mit den sterblichen Überresten unseres Bruders Passende Musik begleitete die letzten Worte, die an der Urne zu seinem Gedenken gesprochen wurden.

In würdiger Weise gab Herr Schimpf aus Gera im Namen der Familienangehörigen - Christen wie Nichtchristen - noch einmal einen Überblick über Leben, Wirken, Arbeit, die Verdienste und über das Bild unseres Bruders, das von ihm weiterlebt, verbunden mit entsprechenden Worten des Trostes für die Angehörigen.

Das Glaubensleben, wie es unser Bruder in christlicher Verantwortung bis zur letzten Stunde lebte, wurde im Namen der CV-Leitung mit folgenden Ausführungen gewürdigt. Unser Bruder Willy Müller ist zugleich ein Mensch mit einem tiefen christlichen Gottesglauben gewesen, dessen Denken und Handeln vor allem vom Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit und Frieden unter allen Menschen geprägt war. Die vielfachen Ausweglosigkeiten und Notlagen nach dem 1. Weltkrieg, die viele Familien hart trafen, führten ihn in christlichem Glauben in die Gemeinschaft der damaligen Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas). Deren Flucht aus der allgemeinen menschlichen, gesellschaftlichen Mitverantwortung mit allem, was damit verbunden ist, was sich daraus ergibt, konnte jedoch einen auch sozial verantwortungsbewußten Christen hier und heute in seinem Gewissen vor Gott und Menschen nicht befriedigen. In dieser Erkenntnis hat unser Bruder deshalb mit der Zeitschrift "Christliche Verantwortung" eine Tätigkeit begonnen für alle, denen in diesen Fragen zu rechtem christlichen Verstehen und Verhalten geholfen werden muß. Dies hat große Anerkennung gefunden. Mit seinen Mitarbeitern in diesem Werk aus christlicher Verantwortung, sei es in Dresden, Schmölln, Gera oder anderswo, ist er herzlich und aufrichtig verbunden gewesen. Noch von seinem Krankenbett aus, von dem er nicht mehr aufstehen sollte, hat er letzte Worte christlichen Rates gegeben Diese Tätigkeit ist in ihrer Art einmalig bedeutsam, schwierig und aufopferungsvoll gewesen Sie ist schließlich der geistige Höhepunkt seines Lebens geworden bis ins hohe Alter eines fast vollendeten achtzigsten Lebensjahres.

In Namen der christlichen Angehörigen las Prediger Hummel aus St. Gangloff am Grabe Worte des Glaubens und des Trostes aus 1. Korinther 15:35-49 über das christliche Verständnis von Leben und Tod, angesichts dessen allezeit "das Bild des himmlischen Christus an uns zu tragen". Seine Worte wurden von einem Posaunenblasen über das Grab hinweg begleitet.

So war die Trauer- und Beisetzungsfeier für alle, die sich mit unserem Bruder verbunden fühlten, eine rechte Würdigung eines geistig reichen und vielseitigen Lebens in Familie, Beruf und Gesellschaft, getragen von einer tiefen christlichen Verantwortung, "immerdar ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen". Apg. 24:16. In diesem Sinne wird sein Werk fortgesetzt.
In christlicher Verbundenheit
Der Herausgeber und alle Mitarbeiter

Biblischer Rat
Gott achtet die Famileneinrichtung
Wenn ein Kind geboren worden ist, finden sich Freunde und Verwandte ein, und man hört Äußerungen wie:
"Ganz der Vater!" oder: "Es sieht genauso aus wie seine Mutter!" Manchmal ist die Ähnlichkeit mit diesem oder jenem Elternteil nicht so deutlich, sondern zeigt sich später in den Wesenszügen des Kindes. Ja, es ist mit uns heute ebenso wie mit dem ersten Menschen, Adam, über den die Bibel berichtet: "(Er) wurde . . . der Vater eines Sohnes in seinem Gleichnis, in seinem Bilde, und gab ihm den Namen Seth." - 1. Mose 5:3.

Jehova gab den Eltern das Vorrecht und die Fähigkeit Kinder in ihrem eigenen Bild und Gleichnis hervorzubringen. Ja, und darüber hinaus läßt er sie ihre Kinder so aufziehen, wie sie es wünschen. Dies ist bestimmt gerecht. Obwohl alle Kinder der Menschen einige wünschenswerte Merkmale von ihren Eltern haben, erben sie auch einige unerwünschte Merkmale. Die Bibel sagt uns: "Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt hineingekommen . . ." - Röm. 5:12. "Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes". - Röm. 3:23. Dank der unverdienten Güte Gottes kann das Loskaufopfer Christi die Sünde, in der jemand geboren ist, entfernen.

Jehova legt Wert auf die Familieneinrichtung, und er hat d i e Fa m i 1 i e z u r G r u n d e i n h e i t d e r i r d i s c h e n G e s e l l s c h a f t gemacht. Die Ehe ist eine Einrichtung Gottes, und das Eheverhältnis ist für die Menschen eine geeignete Einrichtung. Daher wird j e d e  o r d n u n g s g e m ä ß e E h e v o n G o t t g e b i 1 1 i g t. Er betrachtet die Ehepartner als
" e i n F 1 e i s c h ". (Matth. 19:5). Und wenn beide Eheleute ungläubig sind. ist die Ehe n i c h t v e r u r t e i l t. -
(Aus: w 1. 10. 1972 dt.)

Anmerkung der CV-Leitung:
Wir können am Beispiel dieser Auszüge lernen zu unterscheiden zwischen dem, was nützliche Ansätze sind, und dem, was als bedenklich beiseite gelassen werden muß, zwischen dem, was von bleibendem Wert ist, was für christlich allgemeingültig erachtet werden kann, und dem, was mit 1975 bezüglich Ausrichtung auf Organisation und Endzeitbibelerklärung begraben werden muß. Mutig sollten Brüder aufstehen, hier die Verantwortung zu übernehmen und "auf die Lehre acht geben". 1. Tim. 4:16. Was von bleibender Bedeutung ist, soll nicht mißachtet werden. Es muß Anstoß und Anregung sein, in christlicher Verantwortung weiterzudenken. So daß es beiträgt zur Neugestaltung der irdischen Zukunftshoffnung "im Verkehr mit dran Nichtchristen" (1. Thess. 4:12 Menge) für die Zeit noch 1975 in der sich weiter entwickelnden irdischen Gesellschaft.

Wir sind überzeugt, daß viele ihr Unterscheidungsvermögen in diesen Dingen hier und heute unbedingt schärfen und erweitern möchten. Möchtest du das nicht auch?

Wie die WTG ihre hintergründige Aufgabe fortsetzt Antikommunismus zu verbreiten
"Die Christenheit kämpft gegen Gott", so lautet der Titel des letzten Artikels des WT im Jahre 1972. (WT 15. 12. 72 dt.) Auf den ersten Blick scheint es sich um ein rein religiöses Thema zu handeln, etwa um einen Streit zwischen falschem und richtigem Christen. So wird denn auch der Christenheit, womit alle anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften mit Ausnahme der WTG bzw. Zeugen Jehovas gemeint sind, eine harte Rechnung vieler Sünden aufgemacht. In der Tat haben daran viele Christen bis auf den heutigen Tag selbst Anstoß genommen. Allerdings liegen auch Schuldbekenntnisse von den Kirchen selbst vor, die der WT natürlich verschweigt.

Vieles, was der WT der Christenheit hier vorwirft, ist jedoch gar zu simpel, oberflächlich, schwarz-weiß gemalt und dilettantisch dargelegt. In völliger Verkennung oder Mißachtung der sozialen Zusammenhänge, in denen natürlicherweise auch Christen stehen - sind sie doch noch Apg. 22:26 auch Staatsbürger - geschieht dies. Doch das Für und Wider in dieser Frage ist jetzt nicht das Hauptthema.

Noch eines möchte gesagt sein. Bei aller berechtigten Kritik an den anderen Christen - und hiermit arbeitet der WT ausgiebig um Boden zu gewinnen - darf man eines ehrlicherweise nicht übersehen, und wer sich mit anderen Christen wirklich unterhält, findet das zur Beschämung des WT bestätigt. Auch andere Christen beten aufrichtig den Gott an, den die Bibel durch Christus anzubeten gebietet. Wir können wohl über die Formen dieser Gottesanbetung verschiedener Ansicht sein, an sich ist sie jedoch nicht zu leugnen. Daß sie gar Kampf gegen Gott sei, kann nur aus Unwissenheit, Bibelmißverständnis, Oberflächigkeit,

Verantwortungslosigkeit oder Böswilligkeit behauptet werden.
Wir sollten nämlich auch folgendes aus der Schrift lesen:
"Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben jemand, der nicht mit uns dir nachzieht, in deinem Namen böse Geister austreiben sehen, und es ihm untersagt. Jesus aber erwiderte: Untersagt es ihm nicht, denn so leicht wird niemand, der ein Wunder unter Benutzung meines Namens vollbringt, schlecht von mir reden. Wer nicht wider uns ist, ist für uns." (Markus 9:38-40) Und der Apostel Paulus erklärte zu diesem Problem, sogar den Nichtchristen sei das Gesetz Gottes von Natur aus ins Herz geschrieben. (Römer 2:14, 15)

Plötzlich aber Antikommunismus! Warum?
Mitten dabei, das Sündenregister der anderen Christen zu ziehen, ohne dabei den Balken im eigenen Auge zu sehen, kommt der WT plötzlich zu folgender politischen Bemerkung: "Da die Christenheit den Gott der Bibel falsch dargestellt hat und da sie unchristlich gehandelt hat, ist dem Kommunismus ein fruchtbarer Nährboden bereitet worden". (S. 760, 2. Abs.)

Diese Bemerkung ist doch nicht zufällig oder aus Versehen in diesen WT-Artikel geraten. Und wenn der verantwortliche deutsche WT-Redakteur Günter Künz in Wiesbaden seine Aufgabe ernst nimmt, dann hat auch er entschieden, daß diese antikommunistische Bemerkung genau in der richtigen Form im richtigen Sinn an der richtigen Stelle angebracht sei. Wir möchten nicht annehmen, daß Günter Künz nur ein formelles juristisches Aushängeschild für den WT ist.

Man hat also mitten in die zum Teil berechtigte Kritik an den anderen Christen einen kleinen antikommunistischen politischen Brocken gestreut, um ihn mitschlucken zu lassen. Möglicherweise rutscht er zusammen mit der zum Teil berechtigten Kritik religiöser Art bei den meisten völlig glatt hinunter. Das soll er ja auch. Er soll doch nicht etwa ausgespuckt werden. Dazu wird er nicht in den WT, in die geistige Speise, gestreut.

Doch was für politische Brocken werden da in die Speise gestreut, um das Denken und Handeln auch politisch zu durchdringen? Das müssen wir unterscheiden. Denn wie ein Mensch ernährt wird, so entwickelt er sich, so wird er. Die genannte politische WT-Bemerkung hat folgende Bedeutung: Falsche Gottesdarstellung oder Gottesanbetung habe Kommunismus zur Folge. Das heißt, richtige Gottesdarstellung verhindere somit den Kommunismus. Da die WTG und mit ihr die Zeugen Jehovas die allein richtige Gottesdarstellung und Gottesanbetung verbreiten, verhinderten sie allein wahrhaft den Kommunismus.

Jedem, der diese politische WT-Bemerkung aufmerksam liest, ist somit klar: Verbreitung der WT-Lehren bedeutet auch Bekämpfung und Verhinderung des Kommunismus. Der WT sagt das lediglich etwas versteckt.

Man kann den Zeugen Jehovas jedoch nicht mit Gewalt den Stempel von Verhinderern oder Bekämpfern des Kommunismus aufdrücken. Darüber sind sich die hier Zuständigen in Brooklyn durchaus klar. Das muß man untergründig oder hintergründig machen. Man muß die nötigen Brocken, die dazu zu schlucken sind, geschickt in die Speise einstreuen. Man kann die Zeugen nur langsam, so ganz nebenbei nur, auch zu Antikommunisten aufbauen. Andernfalls würden sie sofort rebellieren, da sie in erster Linie Christen sein wollen und keine irgendwie gearteten Antikommunisten. So bringt der WT sie nach und nach dazu, den politischen Antikommunismus als etwa ganz selbstverständlich zur richtigen Form der Gottesanbetung Gehörendes zu betrachten und zu behandeln. Wenn das erreicht ist, hat der WT gewonnen, soweit es die politischen Ambitionen sind, die verfolgt werden.

Der WT hat dann gewonnen? Zunächst auch, denn Bruder Amann von der WTG-Pressestelle erklärte offen vor Journalisten in der BRD, daß die WTG-Tätigkeit noch wie vor auch ein "Bollwerk gegen den Kommunismus" sei. (Westdeutsches Tageblatt, 26. 7. 1960, Dortmund, BRD)

Aber noch ganz andere Hintermänner haben dann gewonnen Es ist nämlich das erklärte Ziel der amerikanischen und mit ihr sonst noch verbundenen westlichen imperialistischen Strategie und Taktik, jede Kirche und Religionsgemeinschaft dahin zu bringen, "unter Ausnutzung religiöser Überlieferungen die Indifferenz zu den Zielen der kommunistischen Staatsführung zu fördern", das heißt, Christen aller Art staatsfeindlich gegen Sozialismus und Kommunismus auszunutzen, wie Dr. Alard von Schack, Bonn, BRD, einer dieser Taktiker und Strategen derartiger Politik, offen erklärte. ("Der geistige Kampf in der Koexistenz", Außenpolitik 11/1962, S. 773 f, Stuttgart, BRD, und Einheit 9/1968, S. 1096, Berlin, DDR) Die WTG und die Zeugen Jehovas sind von diesen Strategen nicht ausgeklammert. Die politischen Brocken, die der WT den Zeugen Jehovas zum Schlucken gibt, bestätigen das nur zu deutlich.

Was ist Wahrheit?
Wie wir sehen, ist es immer wieder der WT selbst, der solche politischen Dinge ins Spiel bringt, womit die Zeugen belastet werden. Angesichts dessen - 1. Thess. 5:21 gebietet, "sich aller Dinge zu vergewissern" - kommen wir nicht umhin, in diesen Dingen wieder und wieder Klarheit zu schaffen.

Was der WT hier wieder im Namen des Christentums gegen Mitmenschen anderer politischer Anschauung, gegen Sozialismus und Kommunismus vollbringt, ist nicht nur verfassungswidriger Antisowjetismus, Glaubens- und Völkerhaß (Artikel 6, Abs. 2, 5, der Verfassung).

Es ist auch eine Verfälschung der Entwicklungsgeschichte zu predigen, "unchristliches Handeln" sei der "Nährboden des Kommunismus". Jeder wirkliche Sachkenner weiß, daß Sozialismus bzw. Kommunismus in erster Linie sozialökonomische Formationen oder Epochen der gesellschaftlichen Entwicklung sind, die in anderen, vorhergehenden sozialökonomischen Formationen (Kapitalismus z. B.) ihren "Nahrboden" haben. Nicht aber in der christlichen Religion, sei sie "richtig" oder "falsch". Sozialismus und Kommunismus sind schließlich auch in China, Indien oder Japan entstanden, wo nicht Christentum oder Christenheit, sondern zum Beispiel Konfuzianismus, Hinduismus und Buddhismus vorherrschen.

Und nicht zuletzt sind Sozialismus/Kommunismus und Christentum sozial humanistisch überhaupt keine Gegensätze oder Unvereinbarkeiten, sondern in diesen Bereichen eher Bündnispartner. Die WT-Verfälschungen dieses Sachverhalts laufen allein darauf hinaus, die Christen zu höherem imperialistischen Zweck wie dargelegt, zu Feinden des Kommunismus zu machen. Das muß hierzu unbedingt festgestellt werden. Und was sagt das Wort Gottes selbst? Es gebietet nicht. "Bollwerke" gegen die sozialistische menschliche Ordnung zu errichten, sondern "sich um des Herrn willen aller menschlichen Ordnung" einzufügen! (l. Petr. 2:13) Appelliert an alle Aufseher, "um des Herrn willen" keinerlei Antikommunismus mehr in der Verkündigung zu dulden Niemand ist davon ausgenommen, "auf die Lehre acht zu geben". 1. Tim. 4:16.
W. W.

Die große CV-Serie für 1975:
Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan
Zur politischen Mission der Wachtturmgesellschaft - II
1. Völlige irdische Neuorientierung nötig
Wir waren im ersten Teil davon ausgegangen, daß in allen Ländern, in denen es sozialpolitische Entwicklungen, Umwälzungen, Reformen oder Revolutionen gibt, die WTG und mit ihr die Zeugen Jehovas in Konfliktsituationen geraten Wir hatten daran erkannt, daß das Problem also die soziale Position der WTG ist nichts anderes. Allein von dem aus, was wirklich geschrieben steht, können wir das überprüfen, 1. Kor. 4:6, waren wir uns einig.

Wir hatten dann die politische Grundlehre des WT zitiert: Weder für "Demokratie, Sozialismus, Kommunismus noch irgendeine andere menschliche Regierungsform". (WT 1. 1 1957 dt.) Mit der öffentlichen Verkündigung dieser antidemokratischen, antisozialistischen und antikommunistischen irdischen Orientierung werden die Zeugen Jehovas, ob sie es wollen oder nicht, von der WTG mitten in die politischen Auseinandersetzungen um Demokratie Sozialismus und Kommunismus geworfen oder gestürzt.

Warum verbindet die WTG mit Christentum und Gottesglauben solche politische Lehren? Das ist unsere große Frage! Die WTG-Begründung, daß der Eintritt in die eine "Zeit des Endes" solche Politik in der Verkündigung verlange, ist einfach nicht wahr. Die WTG hat damit in Verletzung von 1. Kor. 4:6 das urchristliche Verhaltensmuster außer Kraft gesetzt, das uns gute Vorbilder für richtiges staatsbürgerliches Handeln aus christlicher Verantwortung gibt. Siehe Römer 13:1-7, Matth. 22:21, Apg. 8:27-39, Apg. 10:1-48. Apg. 13:12. Apg. 22:26-28, 1. Petr. 2:13, Apg. 25:8, Titus 3:1. Würden die hier genannten Muster beachtet, so könnte es keinen Kampf der WTG gegen demokratische, sozialistische und kommunistische menschliche Ordnung oder "Obrigkeit von Gott" geben. Da die WTG diese Muster bisher aber mißachtet, hat sie sich in dieser Frage genau das Urteil des Apostels Paulus zugezogen, der sagt: "Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr von mir empfangen habt, der sei verflucht!" Gal. 1:8, 9.

Es stehen also keine echten christlichen, sondern andere Gründe hinter den heutigen politischen Positionen der WTG. Es ist nur zu hoffen, daß die Erörterung dieser Fragen jetzt eine Hilfe sein möge in den Konflikten, die gegenwärtig im Hauptbüro der WTG in Brooklyn, New York, um die Neuorientierung des ganzen Werkes für die Zeit nach 1975 in religiöser und politischer Hinsicht ausgetragen werden. "Ja, die Enthüllung deiner Worte gibt Licht, läßt die Unerfahrenen Verständnis haben", sagt die Schrift in Psalm 119:130 NW. Wir möchten auf die Aufrichtigen im Hauptbüro eine Hoffnung setzen.

2. Der deutsche WTG-Zweig nach 1945 als politischer Musterfall

In Deutschland sind die geistigen Auseinandersetzungen von je her von größter Härte und Konsequenz gewesen. Gingen doch von diesem Europazentrum nicht weniger als drei große europäische bzw. weltweite Kriege aus: 1870/71, 1914/18, 1939/45, verbunden mit sozialpolitischen Entwicklungen von gewaltiger Tragweite. Dies waren die Pariser Kommune von 1871, die Oktoberrevolution von 1917 und das sozialistische Weltsystem noch 1945. Da Millionen der Menschen, die das berührte, auch Christen dieser oder jener Form der Gottesanbetung sind, spielten religiöse Fragen und Kräfte immer ihre Rolle dabei. Was uns jetzt berührt, ist die Rolle der WTG seit 1945.

Ungefähr ab 1946/47 wurde Deutschland ein Hauptschlachtfeld in der Strategie unter USA-Führung, den "Kommunismus" in Osteuropa wieder "zurückzurollen" (roll back), wie bekannt ist. Es ist geschichtsnotorisch, daß auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften dabei eingeplant waren. Ein Blick in die Jahrgänge von "Der Wachtturm" und "Erwachet" zeigt, wie auch in der WTG Verkündigung speziell seit 1947 ein entsprechender Antikommunismus auflebte. Zum ausführlichen Nachweis siehe: "Jehovas Zeugen. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", M. Gebhard, Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1970, in allen einschlägigen Leihbüchereien erhältlich.

Zur Mobilisierung auch der Christen dafür, den "Kommunismus" wieder "zurückzurollen", wurde in Zusammenspiel mit der USA-Kirchenpolitik nach 1945 von den reaktionären Kräften in der CDU die falsche Alternative "Christentum oder Kommunismus" zur Generallinie erklärt, zu dem Zweck, der SED in Deutschland einen "Kirchenkampf" aufzuzwingen und alle Christen gegen sie zu treiben. Siehe: "Unser gemeinsamer Weg . . .", Hermann Matern, Union Verlag Berlin 1969, S. 26. Die Sache scheiterte natürlich. Die WTG übernahm diese reaktionäre antikommunistische Alternative wortwörtlich, eingebaut in ihre Verkündigung, wie der Leitartikel in "Erwachet" vom 8. Juni 1955, "Kommunismus oder Christentum - was wird triumphieren?" beweist.

So wurde der deutsche WTG-Zweig auf dem Gebiet des ideologischen Kampfes seit 1945 im religiös-politischen Bereich zu einem Test- und Musterfall des Zusammenstoßes und Kampfes der Zeugen Jehovas unter Führung der WTG gegen Sozialismus und Kommunismus. Kein geringerer als der damalige deutsche Zweigdiener Erich Frost bezeichnete den deutschen WTG- Zweig als "Kampfinstrument gegen den Staat" im Osten. Zu den Hauptverantwortlichen hierfür gehörten speziell die Brüder Erich Frost, Ernst Seliger, Konrad Franke, Paul Großmann, Friedrich Adler, Ernst Wauer, Willy Heinicke und Erwin Schwafert als die entscheidenden Brüder im Bethel oder Bibelhaus Magdeburg Wiesbaden.

3. Geheimgespräche mit einem deutschen Bibelhaus-Mitarbeiter
So ungern man das sagt und so bedauerlich es ist, man darf nicht voraussetzen, die Hauptverantwortlichen selbst im Range von Zweigdienern, Bezirksdienern oder anderen höheren Aufsehern und Bibelhausmitarbeitern hätten auch nur eine hinreichende Einsicht in die realen subjektiven und objektiven Bedingungen der gesellschaftlichen Entwicklung, inmitten derer sie das WTG-Werk und damit Tausende gutgläubiger Brüder und Schwestern, Verkündiger, leiten und lenken. Den Aufrichtigen unter diesen Hauptverantwortlichen wird es deshalb sicherlich nicht erspart bleiben, erst in härtesten Konflikten zu dieser Einsicht zu kommen.

Auf dem Höhepunkt dieser Konflikte um 1950 äußerte sich der ohne Zweifel fähigste Kopf unter diesen Hauptverantwortlichen Brüdern Paul Großmann, im Bibelhaus "lebender RTO" (Rat über Theokratische Organisation, Brosch.) genannt, in streng vertraulichem Kreis einmal sehr kritisch über die politische und antikommunistische Rolle der WTG speziell in Deutschland noch 1945.

Objektiv beurteilt waren das Ansätze von Einsichten, vor deren Konsequenz er jedoch aus Selbstunterschätzung, unangebrachter Demut, absolutem WT-Gehorsam und WT-bedingter politischer Unzulänglichkeit zurückschreckte. Dabei hätte er in der Spitze des deutschen WTG-Zweiges eine ungeahnte Rolle spielen können, die er offensichtlich sah, wie seine Worte erkennen lassen. Vielleicht wäre dann vieles anders gekommen.

In Erörterung der Situation von 1949/50 in jenem vertraulichen Brüderkreis erklärte Paul Großmann u. a., daß man im Ernstfall schwerlich umhin komme zuzugeben, daß die Anklage, die seit einigen Jahren von staatlicher Seite immer schärfer gegen die Organisation erhoben werde, doch "relativ wahr" ist. Sie sei von ihrem Standpunkt aus durchaus im Recht. Wie das gemeint sei? Die Hauptaufgabe sei natürlich, das Königreich Gottes zu verkündigen, was auch geschehe. Aber wenn man über die Anforderungen nachdenkt, die damit dem Staat und der Regierung gegenüber verbunden sind, könne man nicht abstreiten, daß dabei das politische Vertrauen zum Staat und zur Regierung bei den Menschen, denen verkündigt wird, zerstört wird. So müsse der Staat zwangsläufig zu der Feststellung kommen, daß hier "antidemokratische und antikommunistische Zersetzungsarbeit" betrieben wird, verbunden mit der Verkündigung. Es sei doch so, wenn Jehovas Zeugen einen Menschen belehren, dann wird er aus jeder Partei austreten, wird nicht mehr wählen, wird kein demokratisches Amt mehr übernehmen, wird auf keine Regierung mehr vertrauen Sein Vertrauen in die Regierung ist zerstört oder zersetzt. Jehovas Zeugen sagen ja auch offen, daß die Regierung vertrauensunwürdig ist und die kommunistische an erster Stelle. Ja, Jehovas Zeugen säen auch Haß gegen die Kommunisten. Hat Bruder Frost 1949 in der Waldbühne (Westberlin) die Kommunisten nicht mit den Faschisten verglichen? Das ist die Seite, die den Staat berührt. Das kann man nicht übersehen. Man müsse sich da klar werden.

Der Konflikt werde ohne Zweifel immer ernster. Die Organisation stehe offensichtlich allein aus diesen politischen Gründen auf dem Spiel. Aber zu wem könne er mit solchen Bedenken gehen? Sie gar öffentlich erleben? Nein, auf keinen Fall! Wer sei er denn schon, daß er den Brüdern in Brooklyn "Rat erteilen" könnte. Oder sollte er ihnen in dem offensichtlich auch für die Organisation beschlossenen Kampf gegen den Weltkommunismus in den Rücken fallen? Nein, er würde ihnen die Treue halten, wie dem auch sei. Wie es in ihm aussieht, sieht nur Jehova, der bestimmt zu seiner Zeit die Änderungen treffe, die nötig sind. Könne er denn wissen, warum der Herr zuläßt, was jetzt hier zu kommen scheint? Den Kommunisten dürfe man auf keinen Fall Zugeständnisse machen oder Recht geben. Eher müsse alles ertragen werden. Hat der Herr nicht verheilen, daß niemand über sein Vermögen versucht wird?

So flüchtete er in Nichtverantwortung. Möglicherweise hatte er Zweigdiener Erich Frost und dessen zeitweiligen Vertreter Ernst Seliger seine inneren Bedenken mitgeteilt. Denn Mitte der fünfziger Jahre machte auch Zweigdiener Frost gelegentlich die Bemerkung, den "Kampf gegen den Staat" doch besser einzustellen und völlig neu und legal zu beginnen Hat das dazu beigetragen, daß er 1955 als Zweigdiener abgesetzt wurde? Denn im gleichen Jahr nahm das Hauptbüro den Kampf gegen den Kommunismus unter der reaktionären Devise "Christentum oder Kommunismus" in verschärfter Form auf.

Bis heute hat sich hierzu grundsätzlich nichts geändert. Noch wie vor wird der deutsche WTG-Zweig politisch als ein "Bollwerk" antikommunistisch ausgenutzt. Er steht unter den Religionsgemeinschaften mit seinem unverhohlenen Antikommunismus tatsächlich einmalig da.

4. Notwendige Erkenntnisse
Was sollten hieraus für erste Lehren gezogen werden? Es muß vor allem mit der Mißachtung dessen Schluß gemacht werden, daß der Christ nicht nur "Bürger des Königreiches der Himmel" ist, sondern z u g 1 e i c h a u c h "irdischer Bürger" mit seinen natürlichen sozialen Bedürfnissen, aus denen politische Mitverantwortlichkeiten resultieren! Die wahrzunehmen sind! Die Beispiele aus urchristlicher Zeit veranschaulichen dies. Das stand damals nicht im Widerspruch zum "Bürgertum im Himmel" und kann es darum auch heute nicht sein. Es stand auch nicht im Widerspruch zum Glauben an eine Endzeit, den die Urchristen auch in ihrer Generation hatten! 1. Thess. 4:13-18. Keinerlei Endzeitlehre heute darf darüber hinausgehen! 1. Kor. 4:6. Beachten wir das, dann finden wir auch den rechten Weg als christliche Bürger in unserer Gesellschaft heute, worauf es letztlich jetzt ankommt. 1. Petr. 2:13.
E. F.

In der nächsten Folge:
Die WTG und die Revolution in Lateinamerika. Die WTG: "Hammer und Sichel über Brasilien! Aufruf zur Ernte in Südamerika!" - Lazarus bleibt am Straßenrand liegen.

"Neues Licht" oder die Strategie und Taktik der WTG für 1975 und die Zeit danach
Informationen über die neuen Hauptgesichtspunkte in Lehre und Organisation der WTG, wie sie auf den Kongressen 1972 als "neues Licht von Gott" proklamiert wurden, um die bereits begonnene Krise wegen 1975 zu überwinden und die Organisation für eine weitere unbestimmte Zeit zu retten und in Gang zu halten,

"Wie weit berührt 1975 unsere Anbetung? Wir dienen mit der Aussicht auf ewiges Leben und nicht mit der Aussicht auf ein Datum. Neues Licht. Nicht das Jahr 1975 sondern die Ewigkeit im Sinn haben".

CV: Wer 1975 im Sinn hat, hat nicht das ewige Leben im Sinn? Das ist das schwerste Geschütz, das die WTG jetzt auffährt! Es sieht wegen 1975 in der Tat sehr schlimm aus. Hatte der WT 1966, als er das Jahr 1975 selbst in die Welt setzte, etwa nicht die Ewigkeit im Sinn?
"Es besteht keine Notwendigkeit, es mit der Ehe eilig zu haben. Mehr freie Zeit für den Dienst".

CV: Das widerspricht natürlich der Ablenkung von 1975. Die Folgen dieser Einmischung in das Privatleben der jungen Brüder und Schwestern trotz der Hinwegorientierung von 1975 in eine neue unbestimmte Zeit interessieren die beauftragten Kongreßredner offenbar kaum. So reißen sie neue Konflikte auf, denn die Liebe ist eine unüberwindliche Leidenschaft, eine Flamme Jehovas. Hohelied 8:6

"Helleres Licht der Wahrheit. Das Gericht wird durch die Vernichtung Babylons durch die UNO eingeleitet. Die Christenheit ist das Herzstück, das zu treffen ist".

CV: Nie und nimmer könnte die UNO bis 1975 - in zwei Jahren also - die christlichen Kirchen vernichtet haben. Die UNO kann und wird das übrigens nie tun, weil sie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (10. 12. 1948) verpflichtet ist, die in Artikel 2 auch die Religionsfreiheit garantiert. Mit wieviel Unwissenheit und Leichtgläubigkeit rechnet die WTG eigentlich?

"Die Streitfrage ist nicht: Demokratie oder Kommunismus, sondern Menschenherrschaft oder Gottesherrschaft".
CV: Das ist keine Abkehr vom bisherigen Antikommunismus, wie einige annehmen. Es ist nur eine Art Verdeckung dessen, denn es bleibt alles inbegriffen. Aber allein, daß die WTG anfängt, ihren Antikommunismus so zu verdecken, ist höchst bedeutsam. Jeder weiß, wie ernst und folgenschwer diese Lage ist. Aber auch dies bedeutet bei genauerem Hinsehen ein Einrichten auf eine unbestimmte Zeit noch 1975.

Für bloße zwei Jahre brauchte man solche Änderungen nicht mehr zu vollziehen, geben selbst einige Kreisaufseher zu.
Wir werden weiter über jedes "neue Licht" informieren.
Die CV-Leitung

Die Leitende Körperschaft in Brooklyn
Wer ist wer?
Zur neuen Strategie und Taktik
Im Jahre 1971 vollzog sich im Hauptbüro der WTG in Brooklyn, New York, USA, eine Änderung von großer Tragweite. Galt bis dahin die WTG mit ihren sieben (7) Direktoren, WTG-Präsident N. H. Knorr an der Spitze, als leitendes Gremium der Weltorganisation der Zeugen Jehovas, so trat jetzt ein offizieller Wandel ein. Es bildete sich eine "Leitende Körperschaft" (LK) aus elf (11) Personen, die die WTG gleichsam entmachtete, sich an die Spitze setzte, und die WTG fortan nur, noch als ihr staatlich oder gesetzlich eingetragenes Ausführungsorgan betrachtet. Die WTG wurde gezwungen anzuerkennen, daß sie "nicht die verwaltende Körperschaft ist, sondern daß sie lediglich das ausführend Organ ist." (WT 1. 4. 72, S. 216 dt.)

Es war zum vom WT zwar bestrittenen Konflikt über die Frage gekommen, "daß die leitende Körperschaft, die die Klasse des 'treuen und verständigen Sklaven' vertritt, von dem Verwaltungsorgan, dessen sie sich bedient, beaufsichtigt und geleitet wird. Schließlich wedelt der Schwanz nicht mit dem Hund, sondern der Hund wedelt mit dem Schwanz. Ein den Bestimmungen des Cäsars entsprechendes Rechtsinstrument sollte nicht versuchen, seinen Urheber zu beaufsichtigen". (WT 1. 4. 72, S. 216 dt.)

Um was geht es wirklich?
In CV 45 vom Nov. 72 war eine erste Einschätzung dieser Vorgänge im Hauptbüro gegeben worden. Wir wollen nun weitere wichtige Betrachtungen dazu anstellen.

Was im WT als Ursache angegeben wird, nämlich, wer wen zu beaufsichtigen hat, ist offensichtlich nicht der tiefere Grund der Dinge. Es wird eher eine Verwaltungsstreitfrage in den Vordergrund geschoben, um die wirklichen Gründe zu verdecken. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Existenz der gesamten weltweiten Organisation, die von der WTG mit der Proklamierung des Jahres 1975 aufs Spiel gesetzt wurde.

Es geht um den möglichen Zusammenbruch der gesamten bisherigen Endzeitschau, wenn 1975 nichts passiert. Es geht um eine offenbar werdende falsche Deutung der ganzen gesellschaftspolitischen Entwicklung als sog. Endzeitgeschehen, besonders im Hinblick auf den völlig unterschätzten Vormarsch von Sozialismus und Kommunismus in der Welt. Soll nicht 1975 alles zusammenbrechen, dann müssen völlig neue endzeitliche Bibelerklärungen verkündet werden. Das ist die wirkliche Konfliktlage des Hauptbüros.

Wie der ehemalige deutsche Zweigdiener Konrad Franke am 1. Nov. 1972 bei der Einweihung der WT-eigenen Kongreßhalle in Westberlin äußerte, hat es in den USA wegen 1975 einen Abfall gegeben, der selbst im Bethel (Hauptbüro) Brooklyn zu einer großen Spaltung geführt hat mit dem Erfolg, daß eine ganze Reihe Brüder das Bethel verlassen hat. Sie protestierten gegen die Manipulierung, die jetzt über 1975 hinweg einsetzt.

Ein Beispiel. Wie Konrad Franke in Westberlin sagte. spielte bezüglich 6000 und 1975 in Brooklyn besonders die Berechnung amerikanischer Juden eine Rolle, wonach "große Geschehnisse erst in ungefähr 200 Jahren stattfinden würden" Damit wäre die gesamte Endzeitvorstellung hinfällig! Schon finden wir den von der LK für 1973 bestimmten Jahrestext angepaßt. Er lautet: "Wir aber unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf unabsehbare Zeit. ja immerdar". (Micha 4:5) Von einem nahen Ende ist keine Rede mehr, nicht einmal eine Andeutung.

Auch in politischer Hinsicht erscheinen bemerkenswerte Aufforderungen im WT, die das Dilemma offenbaren.
Es heißt ausgerechnet im WT vom 1. 4. 72 über die LK-Problematik scheinbar so ganz nebenbei: "Der Kommunismus beherrscht bereits ein Drittel der Weltbevölkerung und sein Einfluß nimmt zu. Was bedeutet dies? . . . Zweifellos ist eine große Veränderung in der Gesellschaftsordnung nahe. Es würde sich für dich lohnen, dies zu untersuchen".

(S. 196) Was werden hier für Gedanken in den WT gestreut Welche widersprechenden Kräfte in Brooklyn sind das und wohin wollen sie? Läßt man Versuchsballons für Neuausrichtung des Werkes noch 1975 steigen? Oder wird hier bewußt vorgeprellt?
Es wird immer klarer: Die jetzige Leitung in Brooklyn hat keinerlei Konzeption, keinerlei klare Orientierung für den Weitergang der Dinge nach 1975. Es ist alles ein heilloses Durcheinander. Sie tappen noch in völliger Aussichtslosigkeit umher, die Sicht ist völlig durcheinandergeraten.

Personelle Zusammensetzung der LK
Sicher ist jeder interessiert zu erfahren, aus welchen Personen sich die neue "Leitende Körperschaft" (LK) zusammensetzt In CV 45 war eine ungefähre Aufstellung gebracht worden. Dies ist nun die offizielle Zusammensetzung:

1. Frederick William F r a n z
Vizepräsident der WTG von New York und Pennsylvania 80 Jahre alt, USA

2. Raymond Victor F r a n z
Direktor der WTG von Pennsylvania, Sonderdiener (1946),
u. a. Zweigdiener von Puerto Rico ca. 60 Jahre alt. USA

3. George D. G a n g a s
Sonderdiener (1928)
ca. 70 Jahre alt, USA

4. Leo Kincaid G r e e n 1 e s s
Direktor der WTG von Pennsylvania, Sonderdiener (1946) ca. 65 Jahre alt, USA

5. John Otto G r o h
Finanzdirektor der WTG, Hilfssekretär und -kassierer der WTG von New York, Sonderdiener (1946)
ca. 60 Jahre alt, USA

6. Milton George H e n s c h e 1
Direktor der WTG von Pennsylvania
ca. 60 Jahre alt, USA

7. William Kirk J a c k s o n
Sonderdiener
ca. 60 Jahre alt, USA

8. Nathan Homer K n o r r
Präsident der WTG von New York, von Pennsylvania, der IBV (London), der Gilead-Schule
68 Jahre alt, USA

9. Grant S u i t e r
Finanzdirektor der WTG, Sekretär und Kassierer der WTG von New York und Pennsylvania, Hilfssekretär und -kassier der IBV (London), Sonderdiener (1928)
ca. 70 Jahre alt, USA

10. Thomas James S u 1 1 i v a n
Direktor der WTG von Pennsylvania
ca. 82 Jahre alt, USA

11. Lymann A. S w i n g 1 e
Direktor der WTG von Pennsylvania, Sonderdiener (1931)
ca. 70 Jahre alt, USA

Von welcher realen Bedeutung ist es, wer wen beaufsichtigt, wenn die Mitglieder der WTG und der LK identisch sind, wie wir sehen? Wer wedelt wirklich mit wem? Die LK als bloße geistige Instanz, oder die WTG mit ihrer realen Macht aus WTG-Kapital, aus Druckereien, Fabriken und Großgrundbesitz (Farmen)? Zwingt nicht in Wirklichkeit dies in erster Linie, irgendwie nach 1975 weiterzumachen? Man kann doch die Fabriken, Druckereien usw. mit 1975 nicht einfach anhalten Einfach alles verkaufen? Dann ist offenbar, daß alles aus, umsonst und vorbei ist. Also müssen neue Lehren aufgestellt werden, um weiter drucken zu können. Die Anlagen in Brooklyn sind inzwischen zu einem kapitalkräftigen Großkonzern geworden, der sich 1975 nicht einfach abwürgen läßt, der nun seine Eigengesetzlichkeit hat und immer wieder weiterbetrieben werden muß. Doch was für Lehren soll man aufstellen für die Zeit noch 1975? Darum geht es. Da entstehen die Konflikte. Wer könnte in Brooklyn für die Zeit noch 1975 noch glaubwürdig sein? Das ist das Problem.

Wohin wird die neue LK führen?
Ein Blick auf die Zusammensetzung der LK zeigt auch, wie alt dieses Gremium schon ist. Es ist völlig überaltert. Die Sonderdienerangaben beziehen sich auf eine Mindestzeit, sie können auch länger in diesem WTG-Dienst sein. Kann man überhaupt erwarten, daß diese alten Brüder, mit ihrer "großen Prophezeiung" von 1975 völlig aus dem Geleise geraten, noch in der Lage sind, das ganze Werk in eine neue Zeitperiode noch 1975 hinüberzuretten? Wer sich einmal auf Endzeitjahrestermine eingelassen hat, kann damit nicht mehr aufhören, wenn nicht alles auseinanderlaufen soll.

Was wird das Werk noch 1975 überhaupt noch zusammenhalten Sie müssen sich in Brooklyn durchaus sehr beeilen, wenn 1975 die Balken des Lehrgebäudes nicht krachen sollen, weil keiner weiß, was nun mit der "Zeit des Endes" werden soll, die da abgelaufen sein sollte. Aber wem wird man glauben? Auch das Weltreich des griechischen Feldherrn Alexander der Große zerfiel noch seinem Tod (323 v. Chr.) in den Diadochenkämpfen um das Erbe. Wer hätte das je geglaubt? Wird sich das ganze Werk in den Jahren nach 1975, wenn die nun alt und unglaubwürdig gewordenen Zukunftsstrategen der LK in wenigen Jahren ins Grab gesunken sind, auch in Richtungskämpfen auflösen? Wer weiß das? Wer wollte neue Endzeitjahrestermine proklamieren?
0. B.

"Der neue Mathematikunterricht in den USA"
Führungsmethoden der WTG geprüft
In "Erwachet" Nr. 10/71 bespricht die WTG u. a. Bildungsfragen, die Eltern und Schüler gleichermaßen betreffen: "Nicht wenige Eltern sind beunruhigt darüber, daß ihre Kinder mathematische Systeme benutzen, die ihnen völlig fremd sind". "Erwachet" will mit diesem Artikel eine Hilfe für Eltern nicht nur in den USA vorlegen. Mit feinem Verständnis erklärt der Artikel einerseits, warum die Kinder mit mathematischem Systemdenken vertraut gemacht werden sollen: "Der neue Mathematikunterricht vermittelt dem Kind auch schon früh schwierige Begriffe der Mathematik … Man hofft, wenn man den Schülern hilft, den Grund für die Regeln zu erkennen, daß sie besser ausgerüstet sind, Aufgaben zu lösen und dem Unterricht in höherer Mathematik leichter zu folgen". (S. 10)

Auf Seite 13 werden dann die Schlußgedanken des Artikels ausgeführt, deren einer wie folgt lautet: "Vielleicht hat man sich durch das Bedürfnis, auf dem Gebiet der Raumfahrt mit den Russen Schritt zu halten, verleiten lassen, die Mathematikprogramme auf leistungsstarke Schüler abzustimmen". Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß auch eine solche Absicht die Bemühungen um ein neues mathematisches Verständnis bei den Kindern wesentlich beeinflußt haben könnte. Für alle Staaten hoher technischer Kultur ergibt sich ein Zwang, mögliche "technologische Lücken", die technische Fortschritte verlangsamen könnten, geistig zu überwinden. Soweit es diese Gesichtspunkte oder Feststellungen betrifft, können wir "Erwachet" sehr wohl folgen:

Für "Christliche Verantwortung" ist die Problemstellung dieses Artikels aber mit noch einigen anderen Fragen verknüpft.
Jehovas Zeugen in der DDR stehen vor einem entscheidenden Durchbruch zu ganz neuen Erkenntnissen, nämlich: Dieser "Erwachet"-Artikel ist mit keinem Wort und Gedanken an den sonst gepredigten endzeitlichen Zusammenbruch "dieses Systems der Dinge" verkoppelt. Ist das ein Zugeständnis an den "Erwachet"-Leser, um ihn nicht gleich durch solche Endzeiterwartungen abzuschrecken? Der Gedanke, "Erwachet" mache Zugeständnisse für die "noch geistig fernen" Leser, ist doch wohl abwegig. In der Endkonsequenz würde das bedeuten, Jehova Gottes Organisation schreibt oder redet mit gespaltener Zunge. Dieser Gedanke ist schon deshalb abzulehnen, weil ja ein Leser immerhin die Möglichkeit hätte, sowohl "Erwachet" als auch den "Wachtturm" zu lesen. Diesem Leser würde dann so ganz beiläufig eingehen, daß die WTG eigens für ihn sagen wir so - Leimruten ausgestellt hat, um ihn leichter zu überzeugen und in die Organisation zu ziehen. Es bleibt dabei, eine Organisation Jehova Gottes könnte um ihrer Glaubwürdigkeit willen solche Methoden schwerlich anwenden.

Wo liegt also die Wahrheit? Wie wird sie für uns verständlich?
Es sind andererseits folgende Anweisungen der "Gesellschaft" (WTG) bekannt, die speziell für Bildungs- und Wissensbestrebungen der Zeugen in der DDR besagen:
- Dein Kind bedarf keiner höheren Bildung .
- Jehovas Zeugen sollen Handwerkerberufe erlernen.
- Angesichts der Wiederherstellungsarbeit nach Harmagedon reicht die für ein Handwerk notwendige Bildung (also ohne "neue höhere Mathematik") vollkommen aus.

Wie nun? Offensichtlich wird den Zeugen in den USA nicht geraten, Bildung nur entsprechend den geistigen Anforderungen der Handwerksarbeit zu erwerben. Es könnte natürlich so sein, daß die WTG von der Arbeitsteilung ausgeht. wonach Zeugen in den USA nach Harmagedon die mathematisch höher gebildeten Zeugen sein werden. Die Zeugen aus der DDR hingegen die Männer mit Handwerkerbildung, ohne moderne, höhere Mathematik. Ob es tatsächlich so sein könnte, möchte man natürlich nicht fest behaupten.

Worin haben wir also die Ursache für die zweiseitige Anleitung möchte man sagen, einmal höhere Bildung, einmal mindere Bildung, zu sehen? Wobei mindere Bildung der WTG für die breite Masse der Verkündiger offensichtlich das Wesentliche zu sein scheint.

Mathematik schärft die logische und Kombinationsfähigkeit des Menschen, ob Zeugen Jehovas oder nicht. Wenn die WTG für Jehovas Zeugen de facto den Verzicht auf derartige höhere Bildung nahelegt, dann hat das seine Gründe, Die WTG weiß sehr wohl um die Bedeutung höherer Bildung, wie in "Erwachet" 12/70 in einer Einschätzung der Hippie-Bewegung in den USA zum Ausdruck kommt:

"Da die Kinder bürgerlicher Eltern gewöhnlich höhere Schulen besuchen können, wissen viele von ihnen besser Bescheid über die Weltverhältnisse als Kinder armer Eltern . . . Bei den Kindern bürgerlicher Eltern stehen Nahrung, Obdach und Kleidung nicht so sehr im Mittelpunkt, wie bei den Kindern armer Eltern. Sie können sich daher mit anderen Problemen befassen".

S. 6). Die WTG ist aber selbst keineswegs an "anderen Problemen" für die Verkündiger interessiert, außer denen, die sie bestimmt. Die Faustregel ist bestechend einfach, die sich ergibt: Höhere Bildung gleich besseres Verständnis der Weltverhältnisse gleich andere Probleme - geringe Bildung gleich weniger Bescheidwissen gleich weniger Probleme. Da die WTG unter den Verkündigern keine Probleme gebrauchen kann, ergibt sich die WTG-Weisung wie von selbst. Keine höhere einschließlich mathematische Bildung, Handwerkerwissen reicht aus, die Zeugen sollen keine Probleme wälzen sondern verkündigen, was die WTG ihnen sagt.

Weil diese Bildungsrichtlinien nun aber nicht unter Verschluß in seiner Schublade liegen, sondern in der Öffentlichkeit umgesetzt werden - sie bestimmen die Initiative der Kinder der Zeugen in der Schule, Lehre und Beruf z. B. - wird das zwangsläufig für den Staat und die Volksbildung interessant, da es in der Auswirkung die notwendigerweise immer höheren Volksbildungsziele boykottiert. Die WTG ist über diese Seite der Sache nicht in Unwissenheit. Sie weiß, daß das so ist, und daß sich das kein Staat, keine Gesellschaft und Regierung bieten lassen kann, wenn sie als "Obrigkeit von Gott" das Beste für das Land und seine Menschen tun will. Wenn wir überall vor einem entscheidenden Durchbruch zu ganz neuen Erkenntnissen stehen, das Endzeitliche (1975!) betreffend, dann gehört dazu, auch die negative Bildungspolitik der WTG zu ändern.
W. D.

Die Jahre 1980/84 im Gespräch
Von K. L., Berlin, CV-Mitarbeiter für VR Polen

Zufällig schlug ich das Heft Nr. 6 der Zweimonatszeitschrift SWIT, S. 28 vom November-Dezember 1972 der Bibelforscher in Warschau auf und las: "An die Redaktion von SWIT". Es handelte sich um eine Kritik von Bruder Schulz aus der BRD. Interessiert las ich u. a.:

"Was die Angelegenheit des Reiches Gottes auf Erden betrifft, bin ich äußerst vorsichtig geworden, noch den schmerzlichen Erfahrungen, die wir Bibelforscher (Zeugen Jehovas, CV) mit den Jahren 1925 und 1932 gemacht haben. Als sich im SWIT die Jahre 1980/84 zeigten, habe ich sofort meine Bedenken mitgeteilt und angemerkt: Ihr kritisiert den Bruder Johnson, wegen seiner 'Prophezeiung' über die Revolution, und in derselben Nr. 'prophezeit' Ihr selbst die Jahre 1980/84. Ich opponiere nicht gegen 1980, aber ich schreibe offen, daß ich mich an diese Daten nicht halte." Dadurch neugierig geworden, habe ich die Nr. 6 von Anfang an gelesen und festgestellt, daß auch in dieser Nr. die Jahre 1980/84 mehrmals vorkommen. Und zwar:

"Direkt aus dem Munde Jesu Christi und auf das Ende der Welt ab 1914 hinweisend, und vorbereitend auf das neue Zeitalter nach 1914 der Gerechtigkeit und der Herrschaft des neuen Königs noch 1980 . . ."

"Die Worte: Dein Reich komme - werden Wirklichkeit um das Jahr 1980 herum, denn von 1914/17 an wird die alte Welt zerstört . . . In dieser Zeit nach der großen Bedrückung, ungefähr noch 1980, gebe ich den Völkern reine Lippen'…'

"Wenn das Reich Gottes eingeführt sein wird nach dem Jahre 1980 . . . Die Erdbeben sollen, wenn wir die Augen offenhalten, hinweisen, daß alles Böse und die Ungerechtigkeit in dieser Zeit 1914/1980 ausgerottet werden…" "Das große Erdbeben (in der Offenbarung) war nie vordem, vor 1914, und wird niemals in der Zukunft noch 1984 sein. Dieses symbolische Erdbeben bedeutet Revolution und soll so in der Offenbarung verstanden werden. Sie brach 1917 aus …"

"Damals Sintflut. Jetzt Feuer, Erdbeben. Diese Prophezeiungen in Bezug auf die Zeit des Endes 1914/16. Die Zerstörungen 1914/1980 bereiten die Erde zum Wohnplatz des Menschen vor . . . Eine gewisse Klasse der Menschen kann diese Zeichen lesen. Denn sie hat die Versicherung der Heiligen Schrift, daß noch dieser Zeit der Drangsal noch 1980 die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht …"

Anmerkung der CV-Leitung:
SWIT, Warschau, ist das Organ einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern in der VR Polen, die der WTG seit langem kritisch gegenübergetreten sind, ausgehend von den ersten "Tagesanbruchs"-Lehren der WTG. Angesichts der großen Auseinandersetzungen um das WT-Ende-Datum 1975 und was danach kommen soll, sind alle Jahreszahldiskussionen hoch interessant. Worauf wird sich die WTG nach 1975 orientieren?

Warum läßt der Herr CV zu?
Zum Inhalt dieser Ausgabe
Wir wissen aus vertraulichen Berichten aus dem Bethel, daß CV dort als ein äußerst ernst zu nehmendes Organ betrachtet wird. Bestimmte Bethelbrüder schätzen sehr genau ein, daß sich CV gezielt und wegtragender Bedeutung und Auswirkung den wirklichen Fragen stellt, die vor der Organisation stehen. Sowohl was "diese Generation" betrifft, die nicht zuende geht, wie es gepredigt wurde, aber auch, was das bisherige gesellschaftliche bzw. politische Verhalten betrifft, das der WT vordergründig daraus ableitete.

Die nachdenkenden Bethelbrüder wissen, daß die WTG mit 1975 vor einer grundlegenden Revision ihrer gesamten "Endzeit"-Vorstellungen steht. Denn die äußerste Grenze "dieser Generation" ist erreicht, und das Ende ist nicht gekommen. Die Brüder erkennen, daß deshalb eine vollkommene Neuorientierung kommen muß, wenn nach 1975 nicht alle davonlaufen sollen, wenn nicht Schlimmeres passiert. Eine Neuorientierung im WTG-Selbstverständnis, im Verhalten zu Staat und Gesellschaft, und in den zukünftigen Hoffnungen Nach 1975 geht nichts mehr so weiter wie bisher! Hier ist die weltweite Harmagedon-Verkündigung durch den ersten Europa-Nachkriegskongreß der WTG 1945 in Zürich, Schweiz. mit seiner "theokratischen" Aussage:

Das Thema lautete: "Ist Harmgedon nahe?" Der Kongreßbericht sagt: "Es wurde ausgeführt, daß wir weder Tag noch Stunde kennen, daß aber die Bibel uns versichert: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles geschehen ist (Matth. 24:34). Selbst wenn die Schlußabrechnung von Harmagedon n o c h u m z e h n o d e r z w a n z i g J a h r e verziehen sollte - es wurde         n i c h t g e s a g t, d a ß e s w i r k l i c h s o s e i n w i r d - so muß doch das Evangelium mit aller Kraft verkündigt werden…"
(Trost/Erwachet vom 1. Juni 1945, Nr. 545, "Berichte vom theokratischen Kongreß in Zürich")

Das wurde 1945 der ganzen Weit verkündigt! Die Zeit ist um! Die Wechsel müssen jetzt eingelöst werden! Wenn nicht alle Opfer, alle Verkündigung, "alle Kraft" umsonst gewesen sein sollen! Das weiß man auch im Bethel! Aber die WTG kann diese Wechsel nicht einlösen! Weil "diese Generation" (NW) seit 1914 in Kürze restlos "vergangen" und das Ende "nicht geschehen" ist! Und die völlige Neuorientierung deshalb unvermeidlich geworden ist!

CV tritt den Dingen immer näher. Die WTG kommt auf die Dauer um CV nicht herum, Situation und Entwicklung werden sie dazu zwingen. Auch diese CV-Ausgabe ist ein Stück brüderliche Hilfe auf dem Weg für alle Aufrichtigen. Denn es ist ein Gebot des Herrn, "sich aller Dinge zu vergewissern". 1. Thess. 5:21 NW. Wie sollte das hier noch ohne CV möglich sein? Wir laden herzlich zur Mitarbeit ein.
Eure Brüder
CV-Leitung Gera/Thür.
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"Christliche Veranwortung": Herausgeber Wolfgang Daum, 65 Gera, Böttchergasse 1- DDR. Erscheint monatlich!
Preis: M 0,20, Jahresabonnement M 2,00. CV kann auch kostenlos bezogen werden. Konto-Nr. 4562-43-8015 Kreis- und Stadtsparkasse Gera.
A 9186-73 V 7 1 945

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