Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 45
Nebulös reden Jehovas Zeugen von einer "Leitenden Körperschaft", die da ihre Geschäfte besorgt. Sieht man die sich näher an stellt man eine Personengleichheit mit der Verlagsfirma der WTG fest. Dies ist Hauptthema dieser CV-Ausgabe
Ein Satz aus dieser CV-Ausgabe muß noch kritisch kommentiert werden. Da konnte man auch, übrigens nicht zum "ersten" mal lesen, dass der "Nazikollaborateur Erich Frost, auch 'Überrest'Glied, ... das ganze Werk in der Nazizeit aus Rache an anderen Brüdern 'hochgehen'" ließ.
So einfach ist die Sachlage nicht. Es ist bekannt, das Frost ihn belastende Gestapoprotokolle unterschrieb. Ob diese Sachlage allerdings schon ausreicht, um die Vokabel vom "Kollaborateur" in den Mund zu nehmen, stelle ich in Frage. Mit Sicherheit war Frost kein "Superheld". Er hat unter Druck, wie man so im Jargon sagt "gesungen". Das ist unbestreitbar. Die Geschichte kennt tatsächliche Kollaborateure. Aus dem politischen Bereich sei einmal der Name Quisling genannt. Das war ein norwegischer Politiker, der an der Spitze einer von den Nazis eingesetzten Marionettenregierung stand.
Frost hingegen saß seit seiner Verhaftung ununterbrochen im Naziregime ein. Die tatsächlichen Kriterien eines "Kollaborateurs" sind in seinem Falle nicht erfüllt. Und was die bosartige Unterstellung anbelangt, er habe aus "Rache" andere "hochgehen" laßen, so ist auch dies zurückzuweisen. Der Fall Frost reduziert sich auf menschliches Versagen in einer Drucksituation. Es wäre zu schön um wahr zu sein, hätte Frost diese Prüfung anders gemeistert. Wäre es so, hätte er höchstwahrscheinlich auch zu denen gehört, die das Naziregime nicht überlebt haben
Das Thema Uraniabuch, über das an anderer Stelle dieser Webseite schon einiges gesagt wurde, findet auch in dieser CV-Ausgabe seinen Niederschlag. Diesmal in der Form eines Votums des Dr. Reinhold Pietz (zeitgenössisch kompetenter Beobachter kleinerer Religionsgemeinschaften, aus der Sicht der Evangelischen Kirche in der DDR). Zitat aus der diesbezüglichen Wiedergabe in der CV:
"Ebenfalls (bewertet er) die Darstellung von Schicksalen der Zeugen Jehovas im 'Dritten Reich' als zu einseitig, wobei er aber auch einräumt, daß es verdienstlich sei, wenn auf diese Weise der Mythenbildung entgegengetreten wird, die sich die Sekte in ihrem Schrifttum angelegen sein läßt".
A ha:
Mythenbildung. Jenes Wort müsste noch heute einigen in den Ohren schrillen!
CV Christliche Verantwortung
Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
CV - ihr Zweck
Kommentare und Informationen für Jehovas Zeugen. CV befaßt
sich in freier, christlich und menschlich verantwortungsbewußter Diskussion mit der
Verkündigung der Organisation der Wachtturmgesellschaft. Die Beiträge sind undogmatisch
und vielseitig, ohne immer der Ansicht des Herausgebers zu entsprechen. Es ergeht der Ruf
zu Unterstützung und Mitarbeit
Nr. 45 Gera November 1972
BLICKPUNKT BROOKLYN
"Leitende Körperschaft" plötzlich im Vordergrund!
Verfolge dieses brisante Thema!
Tauchte doch zur WTG-Mitgliederversammlung am 1. Oktober 1971
im Kongreßsaal in Buckingham, Pennsylvania, USA, eine folgenschwere Frage auf: "Es
ging um das Verhältnis zwischen dem Vorstand der als Gesellschaft (WTG) gesetzlich
eingetragenen Körperschaft und der leitenden Körperschaft" der Zeugen Jehovas.
"Sind sie ein und dasselbe, also identisch, oder unterscheiden sie sich?" (WT 1.
April 1972, S. 221 dt.) Die Antwort war nein, die WTG sei nur ausführendes Organ der
"Leitenden Körperschaft".
Viele haben nach wie vor Mühe oder machen sich überhaupt keine Mühe zu erkennen, um was hier eigentlich geht. Es ist ihnen allenfalls eine untergeordnete juristische Frage, die ein Laie sowieso nicht versteht. In Wirklichkeit ist dies aber eine hochbrisante Frage, und es müssen ernsthafte Dinge vor sich gehen, daß sie überhaupt gestellt wurde! Es ist eine Frage, die - wird sie von der WTG nicht geschickt beantwortet - die WTG in ihrer Existenz bedroht. Denn es ist nichts weniger als die Macht- und Autoritätsfrage der WTG: Hat sie ihre reale Macht und Autorität von Gott oder vom USA-Staat? So hart und scharf steht diese Frage!
CV unterbreitet hierzu erste tiefere Untersuchungen Die Anmerkung "WTG" in Klammern in den Zitaten ist hinzugefügt, um besser unterscheiden zu können. Zur Information außerdem: G. G. Reuter, Zweigbüro Wiesbaden, ist Mitglied der Pennsylvanischen Körperschaft der WTG.
Was bedeutet die jetzige "Abwertung" oder Zurücksetzung der WTG? Ist sie irgendwie zu sehr kompromittiert? Hat das mit 1975 zu tun? Mit der neuen Ostpolitik der USA? Mit anderen Veränderungen? Mit dem bisherigen WTG-Antikommunismus Eine neue WTG-Strategie? Verfolge dieses brisante Thema in den anschließenden Beiträgen!
Konflikt WTG - "Leitende
Körperschaft"
Wer bestimmt wen? Wer ist von wem abhängig? Wer hat die
Macht und Autorität und wer ist untergeordnet? Wer hat zu bestimmen, wer nur
auszuführen? Das war die Konfliktsituation auf der WTG-Mitgliederversarnmlung 1971. Oder
war dies nur ein Scheinkonflikt? Das wird sich später zeigen. Hier folgt die
WT-Darstellung:
"Die stimmberechtigten Mitglieder der Gesellschaft (WTG) möchten . . . nicht die Voraussetzungen für einen Konflikt oder Zwiespalt schaffen Sie möchten es nicht soweit kommen lassen, daß die leitende Körperschaft, die die Klasse des 'treuen und verständigen Sklaven' vertritt, von dem 'Verwaltungsorgan' (der WTG), dessen sie sich bedient, beaufsichtigt und geleitet wird. Schließlich wedelt der Schwanz nicht mit dem Hund, sondern der Hund wedelt mit dem Schwanz. Ein den Bestimmungen des Cäsars entsprechendes religiöses Rechtsinstrument (WTG) sollte nicht versuchen, seinen Urheber zu beaufsichtigen und zu leiten". (WT 1. April 1972, S. 216 dt.)
Hat jemand bisher zwischen der "Leitenden Körperschaft" als Vertretung des "Überrests". oder der "Sklavenklasse" und der WTG als ein "den Bestimmungen des Cäsars", d. h. der politischen USA-Regierung entsprechendes Instrument unterschieden? Sollte jetzt in Brooklyn mit den Bestimmungen des "Cäsars" etwas Neues durchgesetzt oder verhindert werden? Was für "Versuche" wurden da angeblich verhindert? Oder ist das alles wirklich nur eine gezielte politische - weil mit Bezug auf den "Cäsar" - Scheinstreitfrage?
Die jetzt gemachte Unterscheidung zwischen WTG und 'Leitender Körperschaft' besagt, daß die WTG nicht kraft göttlicher Autorität beaufsichtigen und leiten kann, sondern dies dem "Cäsar entsprechend" tut, wenn sie es tut, also kraft US-staatlich zuerkannter Vollmacht. Das heißt, die WTG als e. V. oder inkorporierte (inc.) Organisation hat damit einen vom politischen Staat erlangten Autoritäts-Charakter und ist insofern vom USA-Staat abhängig. Sie sollte darum nicht versuchen, die (geistliche) "Leitende Körperschaft" usw. zu "beaufsichtigen und zu leiten". Bisher aber ist genau dies der Fall, wie die Tatsachen zeigen werden!
Daß etwas an dieser Sache dran ist, gibt die WTG selbst zu. Sie erklärt nämlich jetzt, "daß die Gesellschaft (WTG) nicht die verwaltende Körperschaft ist sondern das sie lediglich das ausführende Organ ist" (WT 1. April 1972, S. 217 dt.) Ab sofort werden in diesem Zusammenhang z. B. Briefe der WTG an die Versammlungen nicht mehr gestempelt oder unterzeichnet mit "Watch Tower Bible and Tract Society" (WTG) sondern mit Governing Body of Jehova's witnesses" (Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas) Natürlich kann das auch nur äußerliche Form sein, die nichts sonst besagt. Doch sollen alle in der Tat glauben, der Hund (die "Leitende Körperschaft") wedele mit dem Schwanz (der WTG), wie der WT sagte.
Ernst genommen ist das alles natürlich kein nur verbaler Streit ohne reale Bedeutung. Es ist die Frage, in welcher Vollmacht und Autorität das Werk beaufsichtigt und geleitet wird, in echter geistlicher Autorität vom "Überrest" her, oder durch die WTG mit ihrer vom USA-Staat sanktionierten Macht und Autorität. Das ist die Frage. Darum das Stichwort "Cäsar", darum reagierte man in Brooklyn offensichtlich auch.
Der WT vermittelt jedoch den Gesamteindruck, als sei die WTG immer nur ausführendes Organ und nie bestimmend gewesen. Natürlich, die Sache geht an den Nerv, an die staatlichen bzw. politischen Beziehungen der WTG und ihre Bedeutung. Soll das in Zukunft keine Bedeutung mehr haben. Aber welche Rolle spielte der "Cäsar" dann bisher für die WTG?
WTG nach wie vor letzte reale Instanz
Wer beaufsichtigt und leitet nun tatsächlich wen? Wer ist
tatsächlich "Hund" und wer "Schwanz"? Der Hund-Schwanz-Vergleich ist
nicht nur ein witziger WT-Einfall. Er ist offensichtlich als etwas
"Idiotensicheres" gedacht, um diese an sich etwas komplizierte Materie auch dem
Einfältigsten plausibel zu machen. So ein Vergleich prägt sich recht leicht ein oder
wird gar zu einem geflügelten Wort. Das erscheint eher frappierend, denn als simpler
Bluff erkannt zu werden.
Wie ist nun das wirkliche Verhältnis zwischen "Leitender Körperschaft", und "Cäsar" oder politischem Staat in den USA? Schauen wir uns die grundlegenden Dokumente und typischen Entscheidungen näher an.
Aus der WTG Gründungsurkunde
Die "Gründungsurkunde der Wachtturm-, Bibel- und
Traktat-Gesellschaft" von 1884 nach der beglaubigten deutschen Übersetzung von
Charles H. Winkler, vereidigter Dolmetscher, besagt über die Autorität und Vollmacht
dieser Körperschaft oder Gesellschaft (WTG):
"l. Der Name der Körperschaft soll lauten: Zions Wachtturm Traktatgesellschaft (ab 1896 Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft) . . .
VII. Die genannte Körperschaft . . . soll alles und jedes Erforderliche ausführen können, was zur guten Leitung und zur Unterstützung der Angelegenheiten der genannten Körperschaft dienlich ist, sofern (dies) nicht . . . der Verfassung und den Gesetzen des Staates Pennsylvanien und der Verfassung der Vereinigten Staaten wider(spricht) . . .
VIII. Wenn durch Tod, Verzicht oder Entfernung im Vorstand ein Platz frei wird, soll . . . für den Fall, daß . . . freigewordene Stellen nicht (durch die Vorstandsmitglieder) innerhalb dreißig Tage . . . besetzt werden können, dann sollen die freigewordenen Posten durch Ernennung seitens des Präsidenten besetzt werden . . .
IX. Die genannte Körperschaft soll unter dem vorstehenden Namen, Benennung u. Titel (WTG) volles Recht und Befugnis haben, sich ein allgemeines Siegel anzuschaffen, es zu besitzen und zu gebrauchen.
Sie soll . . . fähig sein . . . zu verklagen und verklagt zu werden . . . in allen Arten von Prozessen, Klagen, Rechtshändeln, Streitigkeiten und Rechtssachen und irgendwelchen Forderungen, und sie soll alle hiermit zusammenhängenden Dinge in ebenso rechtsgültiger und wirksamer Weise tun können, wie es irgendeine andere Person oder Personen, Körperschaften mit juristischer oder staatsbürgerlicher Befugnis im Staate Pennsylvanien tun können oder mögen.
. . . da es gesetzmäßig und dem
Gemeinwesen nicht abträglich zu sein scheint, ordne ich hiermit an und bestimme . . . das
. . . die betreffenden Unterzeichneten . . . eine Körperschaft unter dem Namen Zions
Wachtturm Traktat-Gesellschaft für die hierin genannten Zwecke und zu den hierin
genannten Bedingungen bilden sollen.
P. H. Collier, Hilfsrichter
Gerichtshof für Zivilsachen Nr. 1
Grafschaft Alleghany, Staat Pennsylvanien
15. Dezember 1884 - Amtssiegel."
Was besagt diese Gründungsurkunde
bezüglich der Autorität und Vollmacht der WTG, gebildet nach den Gesetzen des
USA-Staates Pennsylvanien? Sie besagt: Die WTG ist eine Körperschaft mit der staatlich
erteilten Vollmacht, "alles und jedes Erforderliche zur guten Leitung" ihrer
Angelegenheiten ausführen zu können! Das ist keine andere "Leitende
Körperschaft" über ihr, deren "wedelnder Schwanz" sie wäre! Die WTG
selbst ist die "Leitende Körperschaft", ist der amtliche Sachverhalt.
"Leitende Körperschaft" und WTG sind in Wirklichkeit völlig und gesetzlich
identisch!
Der WT bestätigt diesen Sachverhalt
Der WT vom 1. Jan. 1956, S. 26 dt.
bestätigt das vollauf, wenn er sagt:
"Was zählt ist die einfache Ernennung durch die
bevollmächtigte leitende Körperschaft
Die Tatsache, daß die Unterzeichnung von Hand oder durch
Stempel (Siegel) erfolgt, ändert an der Sache nichts
Wenn der Stempel derjenige der leitenden Körperschaft ist
und von jemandem aufgedrückt wird, der die Vollmacht zur Benutzung dieses Stempels
besitzt, so ist die Ernennung maßgebend und bindend
So möge denn niemand die Kraft eines richtig gestempelten
Briefes unterschätzen. Der Stempel verleiht ihm Gewicht und Autorität
Daher werden gestempelte Ernennungsbriefe, in vielen Fällen
Formularbriefe von der Watch Tower Bible and Tract Society (WTG) und ihren vielen
Zweigstellen heute als dienliches Mittel verwendet . . ."
Das heißt ebenfalls klar und unzweideutig: Die WTG i s t s e l b s t die "Leitende Körperschaft". Es gibt keine andere, die "beaufsichtigt und leitet" und selbst ernennt!
Letztlich kraft ihres Stempels oder Siegels, das ihr staatsgerichtlich genehmigt ist: Das entspricht auch völlig der Gründungsurkunde von 1884, die auch 1971 nicht geändert wurde. Oder doch? Heimlich?
Wie muß man das also einschätzen, was die WTG jetzt über sich selbst mit dem Hund-Schwanz-Vergleich sagt? Ist da nicht die jetzt behauptete Unterordnung der WTG unter eine "Leitende Körperschaft" eine Fiktion, Sand in die Augen, Vernebelung einer Sache, von der man nicht wissen soll, wo sie letztlich hinzielt?
WTG und "Leitende Körperschaft"
auch personell identisch
Wer bildet eigentlich die jetzt plötzlich in den Vordergrund
gestellte "Leitende Körperschaft"? Bisher ist das nur eine anonyme Gruppe, die
als solche nirgends namentlich genannt ist. Niemand denke gar, sie sei mit dem
"Überrest" oder der "Sklavenklasse" identisch. Dafür ist sie viel zu
klein. Selbst der WT versteckt sie förmlich. In einer kleinen Fußnote im WT vom 1. April
1972, S. 218 dt. heißt es in winziger Schrift: "Zur Zeit besteht die leitende
Körperschaft aus elf gesalbten Zeugen Jehovas". Das ist in der Tat erstaunlich!
Und wer sind diese elf (11) Personen? Der WT nennt sie nicht. Warum nicht? Wir können sie aber etwa identifizieren, weil der WT wenigstens sagt: " . haben die stimmberechtigten Mitglieder der Gesellschaft (WTG) Personen in den Vorstand (der WTG) gewählt, von denen sie wissen, daß sie zur leitenden Körperschaft gehören". (S. 216). Die WTG-Vorstandsmitglieder sind also gleichzeitig Glieder der "Leitenden Körperschaft" oder umgekehrt.
Nennen wir also elf (11) WTG-Vorstandsmitglieder, dann haben wir die "Leitende Körperschaft"!
Laut Jahrbuch 1972 handelt es sich um
folgende Personen oder WTG-Vorstandsmitglieder:
N. H. Knorr, WTG-Präsident, Hauptgeschäftsführer, USA.
F. W. Franz, WTG-Vizepräsident, Haupttheoretiker, spricht 8
Sprachen (englisch, französisch, deutsch, spanisch, portugiesisch, lettisch, hebräisch),
Studium an der Universität Cincinatty, USA.
G. Suiter, WTG-Finanzverwalter und WTG-Sekretär, USA.
J. A. Groh, WTG-Hilfsfinanzverwalter und -Sekretär, USA.
M. H. Larson, WTG-Fabrikdirektor, USA.
M. G. Henschel, WTG-Direktor, USA.
T. J. Sullivan, WTG-Direktor, USA.
L. A. Swingle, WTG-Direktor, USA.
G. M. Couch, WTG-Direktor, USA.
L. K. Greenless, WTG-Direktor, USA.
A. P. Hughes, Vizepräsident der IBV (WTG) England (?)
Nun könnte man sich ewig streiten, ob hier die WTG die Hauptrolle spielt oder die "Leitende Körperschaft", da es sich bei beiden um die gleichen Personen handelt. Wie kann man da entscheiden, wer "Hund" und wer "Schwanz" ist, und wer mit wem "wedelt"?
Wenn tatsächlich die "Leitende
Körperschaft" und nicht die WTG den Ton angeben soll, dann müßten die geistlichen
Dinge oder Interessen entscheidend und bestimmend sein.
Ein anderes Kriterium bliebe bei der Personengleichheit
schwerlich für die "Leitende Körperschaft" übrig.
Das Entscheidende oder Bestimmende ist jedoch nicht, was man die Lehren oder geistlichen Interessen des Werkes nennen könnte. Das Entscheidende und Bestimmende ist die reale Macht, Gewalt und Autorität, die aus dem WTG-Geschäftsbetrieb, aus dem WTG-Kapital und aus dem WTG-Besitz an Fabriken und Grundeigentum erwächst, das ständig in Betrieb gehalten werden will und muß. Eine Autorität, die so aus der WTG erwächst und nur mit staatlicher Sanktionierung wahrgenommen werden kann. Wozu der USA-Staat Brief und Siegel gab. Das Kapital muß arbeiten können, sonst gibt es eine Katastrophe. Das heißt, die Anlagen, Maschinen, Kapitalien, Einrichtungen und Fabriken müssen in Betrieb gehalten werden, mit allem drum und dran. So etwas hat nämlich seine Eigengesetzlichkeit, die dann ausschlaggebend wird.
Die geistlichen Interessen sind dem
untergeordnet. Sie sind dementsprechend nicht nur laufend angepaßt worden.
Ihre entsprechende lehrmäßige Geschichte bewegt sich zudem
in zahlreichen Widersprüchen, Widerrufungen, Erneuerungen, Umstülpungen und
Veränderungen, abhängig von den institutionellen Existenzinteressen der WTG, die nach
ihren geistlichen Interessen oder Lehren geurteilt, schon mehrere Male am Ende gewesen
wäre. Zum Beispiel mit den festgesetzten Weltendedaten 1914 und 1925. Aber die Lehren
sind eben nicht entscheidend.
Was machte z. B. WTG-Präsident Rutherford 1925? Während der "Überrest" und "treue und verständige Sklave" auf das Weltende wartete, kam Rutherford mit einer Tasche voll nordamerikanischer Dollars nach Magdeburg, ließ dort neue Büros und Fabriken schaffen und startete so die WTG in eine weitere Zeitperiode. Die überlebten Lehren oder geistlichen Dinge wurden aus den Köpfen vertrieben und durch neue ersetzt. Das ist die Wirklichkeit.
Der wirkliche "Hund", der da mit dem "Schwanze" wedelt, war, ist und bleibt also die WTG. Das umgekehrt anzunehmen, wie der WT jetzt einredet, entbehrt jeden Beweises Bis heute zumindest.
Soll die WTG beseitigt werden?
Natürlich ist nicht ausgeschlossen, daß sich jetzt
tatsächlich eine Änderung dieses Sachverhaltes vollzieht oder anbahnt. Immerhin steht
1975 vor der Tür! Das würde aber auch eine Änderung des US-staatlich sanktionierten
Charakters der WTG bedeuten, letztlich eine Änderung der Gründungsurkunde selbst. Das
wäre allerdings die Entmachtung der WTG. Das wiederum würde die Liquidierung aller
WTG-Institutionen, Einrichtungen, Kapitalien und Fabriken bedeuten, die doch aber allein
immer wieder den Fortgang des Werkes verlangen.
Tatsächlich stellt der WT allen
Verkündigern jetzt eine solche WTG-Existenzfrage! Sie wird ihnen sogar im WT
unbeantwortet überlassen:
"Vor 1900 Jahren wirkte die Klasse des 'treuen und
verständigen Sklaven' in Verbindung mit ihrer leitenden Körperschaft ohne eine vom
Cäsar genehmigte, gesetzlich eingetragene Körperschaft (WTG), und sie hatte Erfolg und
leistete Hervorragendes. Wie verhält es sich mit der leitenden Körperschaft der Klasse
des 'treuen und verständigen Sklaven' in der heutigen Zeit? Kann sie ebenfalls ohne die
gesetzlich eingetragene, nichtgewinnbringende Körperschaft, bekannt als die s Watch Tower
Bible and Tract Society of Pennsylvania, wirken und dabei Erfolg haben? Im Lichte des
Beispiels, das uns die Apostel und ihre Mitältesten der Versammlung in Jerusalem im
ersten Jahrhundert u. Z. gegeben haben, überlassen wir dir die Beantwortung dieser
Frage". (WT 1. April 1972, S. 218 dt.)
Was aber wollen Knorr, Franz, Suiter, Groh, Larson, Henschel, Sullivan, Swingle, Couch, Greenless und Hughes als "Leitende Körperschaft" ohne die WTG in dieser modernen Zeit anfangen? Wären sie ohne WTG nicht völlig ohnmächtig Was soll also jene unbeantwortete Frage?
Der Streit um die Einsetzung der
"Leitenden Körperschaft"
Wer den Stein ins Rollen brachte, sagt der WT nicht. Aber es
wurde die erstaunliche Feststellung getroffen, daß die gegenwärtige Mehrheit der 450
wahlberechtigten Mitglieder der WTG überhaupt nicht zum "Überrest" gehört:
"Nicht einmal ganz die Hälfte (200) gehören zu dem gesalbten Überrest der
'Sklaven'-Klasse. Die meisten sind also Jünger Christi, die keine himmlische Hoffnung
haben". (WT 1. April 1972, S. 214) Dazu sollte man allerdings Philipper 3:17-19 und
Epheser 4:4,5 aufmerksam lesen!
"Es erhebt sich daher die Frage", sagt der WT kann diese Mehrheit von stimmberechtigten Mitgliedern, die sich aus 'anderen Schafen' zusammensetzt, bei der Wahl der Mitglieder des Vorstandes der Watch Tower Bible and Tract Society gleichzeitig die Glieder der gesalbten leitenden Körperschaft der Klasse des 'treuen und verständigen Sklaven' wählen? (CV: Es ist bisher so!) Nach der Bibel ist dies nicht möglich. Es ist nicht nur deshalb nicht möglich, weil sie keine gesalbten Erben Gottes und keine Miterben Jesu Christi sind, sondern weil die leitende Körperschaft der 'Sklaven'-Klasse nicht von einem Menschen eingesetzt wird.' (WT 1. April 1972 S. 214)
Sie schlagen Löcher in die Luft
Warum kommt man erst im Jahre 1971 auf diese Sache? Was für
eine Herumdokterei an der "theokratischen Autorität"!
Ein weiterer Beweis, wie fragwürdig doch alles ist. Was wird
man denn noch alles "feststellen"?
Nun aber zu dem entscheidenden Gesichtspunkt dieser Streitfrage: Die "Leitende Körperschaft" werde "nicht von einem Menschen eingesetzt". Wir hatten mit der WTGGründungsurkunde, bestimmter WT-Aussagen und an Hand des realen Sachverhalts bereits festgestellt, daß die WTG nach wie vor s e 1 b s t - der WTG-Vorstand - die "Leitende Körperschaft" ist. Das ist im Auge zu behalten! jetzt wollen wir prüfen, wie denn die, die nach dem WT die "Leitende Körperschaft" sind, seit dem sog. Kommen Christi zu seinem Tempel 1914 tatsächlich zu ihrer Macht und Autorität gekommen sind bzw. kommen.
Es war das entscheidende Jahr 1917. "Harmagedon" war 1914 nicht gekommen. Die Organisation lag "wie ein Leichnam auf der Straße". Doch die WTG existierte natürlich noch. Es mußte also weitergehen. WTG-Präsident Russell war inmitten dieser Wirren 1916 gestorben. Seine "rechte Hand", USA-Staatsanwalt J. F. Rutherford, hatte die Aufgabe, das gesamte Werk jedoch irgendwie passend fortzusetzen Von der Sache her war das kein Problem, der WTG-Apparat konnte schnell wieder in Gang gesetzt werden Sie hatten eigentlich nie aufgehört zu drucken.
Es war aber doch ein Problem, nämlich ein geistliches. Die Mehrheit der "Überrest"-Glieder der WTG-Leitung, der Direktoren, wollte Rutherfords neue Leitungsmethoden und vor allem seine neuen religiös-politischen Lehren für das Werk nicht akzeptieren. Sie waren gegen Rutherfords Liquidierung von Russells geistigem Erbe (zu dem die WTG heute vielfach wieder zurückkehrt: Persönlichkeitsbildung, bei Russell Charakterentwicklung, Obrigkeit, Älteste usw.) Rutherford dagegen wollte als künftiger Präsident unabsetzbar sein. In der Verkündigung sollte damals durch einen verschärften Kampf gegen die deutsch-feindliche amerikanische Geistlichkeit eine Unterstützung der damaligen prodeutschen amerikanischen Innenpolitik sowie Außenpolitik durchgeführt werden. Hauptmittel dafür war der in Rutherfords Auftrag geschriebene Band VII der "Schriftstudien", genannt eine "Bombe". Die Mehrheit der verantwortlichen "Überrest"-Glieder war jedoch gegen diese "Bomben"-Lehren.
Die Streitfrage war also primär eine geistliche. Es ging um die neuen "göttlichen Wahrheiten" der WTG, die Rutherford verbreiten wollte (oder sollte?) Um sie durchzusetzen, mußte er die Träger der geistlichen Gegenseite beseitigen, die wie gesagt allerdings die Mehrheit der verantwortlichen "Überrest"-Glieder bildeten.
Was geschah? Wie wurden neue "Überrest"-Glieder der "Sklavenklasse" eingesetzt, die Rutherfords neuen Geist garantierten? Nicht durch Menschen oder Menschenwerk? Durch Jehova?
Rutherford wandte Artikel VIII der staatlich sanktionierten WTG-Gründungsurkunde an. Eigenartigerweise war die Frist einer Neuwahl ausgerechnet jener Mehrheit des "Überrests" überschritten. Offensichtlich war das Rutherfords Absicht gewesen. So konnte er sie statutenmässig stürzen, d. h. davonjagen und Hörige einsetzen. Die Gestürzten "Überrest"-Glieder waren völlig machtlos, weil Rutherfords Vorgehen durch die WTG-Gründungsurkunde formell gesichert war, was er notfalls mit Gericht und Staatspolizeigewalt durchsetzen konnte, wenn sie nicht gehen wollten, entsprechend den Bestimmungen des Cäsars.
Wie also wird über die geistliche Leitung des Werkes entschieden "Von oben"? Das wird nur so gesagt. Bis heute wird die tatsächliche Macht und Autorität in organisatorischer wie in geistlicher oder geistiger Hinsicht über Jehovas Zeugen auf keine andere als jene USA-staatsrechtlich sanktionierte Weise aufrechterhalten und durchgesetzt, wo sie gefährdet scheint, wie es Rutherford 1917 praktizierte, und deren Träger allein die WTG ist, keine andere "Leitende Körperschaft" über ihr.
Macht und Autorität bei einer "Leitenden Körperschaft" über der WTG zu suchen oder zu fordern, heißt Löcher in die Luft schlagen. Wie sich die elf da oben selbst verstehen oder als was sie sich auch ausgeben, reale Macht und Autorität in organisatorischer und lehrmäßiger Hinsicht haben sie nur in ihrer Eigenschaft als WTG-Präsidenten und WTG-Direktoren. Nur in dieser Eigenschaft können sie Ernennungen und Lehren durchsetzen und tun dies auch. In letzter Konsequenz mit Hilfe der Staatsgewalt.
Weitere Beispiele
Ein typischer Fall ist auch die Vertreibung des deutschen
WTG-Zweigdieners und "Überrest"-Glieds Paul Balzereit 1945/46 aus der WTG,
angeblich als Nazikollaborateur. Dabei hatte Balzereit religiös und politisch nichts
anderes getan, als was die "Überrest"-Glieder J. F. Rutherford, N. H. Knorr und
M. C. Harbeck von Brooklyn bzw. Washington aus anordneten. Auch Balzereit wurde unter
WTG-Drohung, gerichtliche und staatliche Mittel einzusetzen, vertrieben. Um den
Nazikollaborateur Erich Frost, auch "Überrest"Glied, der das ganze Werk in der
Nazizeit aus Rache an anderen Brüdern "hochgehen" ließ, als anderen
Zweigdiener einzusetzen.
Und schließlich konnte "Überrest"-Glied Erich Frost die geistliche und organisatorische Verantwortung in Deutschland erst übernehmen, nachdem er die amtliche Sanktionierung durch das USA-State Department (Aussenministerium) in Washington erhalten hatte. Diese "Cäsar"-Sache geht sogar soweit, daß das Zweigbüro der WTG in Westberlin drohen konnte, sie würden Brüder, die biblische Kritik an der antikommunistischen Verkündigung der WTG vorbringen, als "Agenten des Ostens" der amerikanischen Militärpolizei ausliefern!
Zur Nachprüfung all dessen siehe:
"Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben", WTG 1960.
Kapitel: Ein Samenkorn der Rebellion gepflanzt. Die Freigabe des Buches 'Das vollendete
Geheimnis' wirkt wie eine Bombe. Eine letzte verzweifelte Anstrengung, die Leitung an sich
zu reißen.
"Jehovas Zeugen", Marley Cole, Pyramiden-Verlag
Frankf./M 1956, WTG-Vertrieb. Abschnitte: Innerer Aufruhr Neue Mitglieder des Vorstandes.
"Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die
Wachtturmgesellschaft", M. Gebhard, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1970.
Abschnitt: Ein USA-Staatsanwalt reißt die Macht an sich.
Wer also wen?
Die leitende und führende Rolle hat eine besondere
"Leitende Körperschaft" über die WTG? In Wirklichkeit werden
"Überrest" und "Sklaven"-Klasse mit Polizei- und Staatsgewalt im
Hintergrund von der WTG, besser von denen, die in der WTG die realen Machtmittel, in der
Hand haben, dirigiert, und wenn nötig bezwungen. So wurde die Macht und Autorität in der
Organisation geschaffen und gesichert. So wurden die "theokratischen" Kämpfe um
Lehre und Dienstämter ausgefochten. In allen entscheidenden Konflikten wurde also immer
wieder bestätigt: Ein den Bestimmungen des Cäsars entsprechendes religiöses
Rechtsinstrument (die WTG) beaufsichtigt und leitet in Wirklichkeit.
Politische Hintergründe?
Schauen wir noch einmal genau hin. Wie wurde in Brooklyn auch
entschieden? So: "Ein den Bestimmungen des Cäsars entsprechendes religiöses
Rechtsinstrument (WTG) sollte nicht versuchen, einen Urheber (die "Leitende
Körperschaft") zu beaufsichtigen und zu leiten". Die 'WTG-Beziehungen zum
"Cäsar", zu Staat und Regierung in den USA, spielen also eine bestimmte Rolle.
Warum wird dieser "Cäsar"-Gesichtspunkt hervorgehoben? Wir erinnern daran, daß
mit der Frage gespielt wird, daß es auch ohne die WTG gehen könnte. Sind in Brooklyn
ernsthafte Kräfte wirksam, die den USA-"Cäsar" abschütteln wollen? Wenn alles
nicht nur ein Scheingefecht sein soll, müßte man das annehmen.' Im WT ist allerdings
immer nur die Spitze des Eisberges zu sehen. Was der WT durchblicken und erkennen läßt,
muß schon hohe Wogen und Wellen schlagen.
Also der USA-"Cäsar". Fühlen einige, daß die WTG, und das Werk hierdurch irgendwie kompromittiert wäre? Das wäre eine politische Frage. Was könnte das sein? Was Könnte zugrunde liegen?
Es können die politischen Vorgänge sein, die jetzt im deutschen Zweig der internationalen WTG ihre Zuspitzung gefunden haben. Denn noch immer ist der deutsche Zweig mit seinen ca. 89 000 Verkündigern (Jahrbuch 1972) mit Abstand das bestimmende WTG-Hauptbollwerk außerhalb der USA.
Im Bereich des deutschen WTG-Zweiges hat sich eine Verwicklung der WTG mit dem Konflikt zwischen Kapitalismus und Sozialismus/Kommunismus vollzogen und zugespitzt wie nirgends sonst in der Welt. Dabei ist offenbar geworden, daß die WTG hieran von Anfang an auf der antikommunistischen Seite stand und steht, in Abhängigkeit von entsprechenden Kräften des USA-"Cäsar" und ihrer Ostpolitik in Ausnutzung der Religion.
Tausende einfacher Verkündiger und Diener, die hiermit eigentlich überhaupt nichts zu tun haben wollen, haben das bisher bitter bezahlen müssen, während sich die verantwortlichen WTG-Führer in westlicher Sicherheit halten. Was für Hirten!
Wie ist das publik geworden? Ohne Übertreibung kann man sagen: 1970 erschien in der DDR und in der BRD eine Dokumentation über die Zeugen Jehovas und die Wachtturmgesellschaft (WTG) worin die gesamte bisherige WTG-Entwicklung in religiös-politischer Hinsicht in den wesentlichsten Fragen aufgedeckt wurde. Das bereits erwähnte Werk "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft", Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin Auch Blaubuch genannt. Es ist inzwischen zur "heißesten Ware" in der Organisation geworden. Bis in die USA selbst.
In diesem Blaubuch wird dokumentiert, wie die WTG als "religiöses Rechtsinstrument den Bestimmungen des Cäsars entsprechend" bisher politisch antikommunistisch gearbeitet hat. Diese Aufdeckung ist einmalig und hochbrisant Sie kann nicht ohne direkte oder indirekte Folgen bleiben. Es kommt aber noch mehr zusammen.
Auch die Weltlage ändert sich, so daß die WTG über kurz oder lang ihre entsprechenden Bibel-"Wahrheiten" wieder ändern müßte. Die jetzigen Verträge zwischen der UdSSR, Polen und der BRD und der Besuch von USA-Präsident Nixon in Moskau versprechen eine Wende in der auf Europa konzentrierten Weltpolitik zugunsten einer friedlichen Koexistenz zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Ländern. Da müssen auch die antikommunistisch kläffenden Hunde etwas zurückgepfiffen werden. Dazu gehört leider auch die WTG mit ihren Kläffereien wie "rote Religion!", "rote Faschisten!", "kommunistenverseucht!", "Wahnsinnige, ungezügelte wilde Tiere hinter dem Eisernen Vorhang!", "rotes" Ungeziefer, "den Kommunismus besiegen!" u. a. m. (Blaubuch). Die letzten WTs zeigen, daß sie bereits merklich zurückgepfiffen wurde.
Das ist natürlich ein Anlaß, auch in Brooklyn, über den "Cäsar" und die Beziehungen zu ihm etwas tiefer nachzudenken.
Und noch etwas kommt dazu. 1975, das proklamierte Weltende rückt näher! Das macht nicht nur einige kopflos in Brooklyn, die nun jammern, man hätte sich nicht so weit festlegen sollen. Das ist auch das endgültige Ende, daß man irgendeinem seit 1914 noch zumuten kann. Und doch muß es nach 1975 irgendwie weitergehen. Die Eigengesetzlichkeit der WTG zwingt dazu. Es müssen eben neue Lehren aufgestellt werden. Die das vorbereiten, müssen also eine Umwertung aller Werte vornehmen. Doch wie soll es weitergehen? So kommen heftige interne Kämpfe hinzu.
Noch sind insgesamt keine neuen
prinzipiellen Entscheidungen in Brooklyn gefallen. Was jetzt im WT als eine Art
"Entmachtung" der WTG zugunsten einer "Leitenden Körperschaft"
bekanntgegeben wird, dem Anschein nach, ohne fortan "den Bestimmungen des
Cäsars" entsprechen zu müssen, ist widersprüchlich. Möglicherweise haben sich die
200 "Überrest"-Glieder tatsächlich empört über die Mehrheit von 250
"anderen Schafen", denen sie den "Cäsar" zum Vorwurf machen,
verbunden mit dem antikommunistischen Kurs der WTG. Vielleicht ist das aber nur ein
Scheingefecht, dessen Getöse eine ganz andere Weichenstellung übertönen soll. Wir
können jedoch sicher sein, daß sich bis 1975 noch mehr ereignen und ändern wird. Denn
der innere Druck in der WTG nimmt immer mehr zu, und 1975 wird einiges in die Luft
sprengen.
K. 0.
Machtkämpfe in der hiesigen
Organisation
Einige Hauptprobleme
Die Entwicklung des Werkes selbst wie auch der
Umweltverhältnisse sind auf niemanden ohne Einflug oder Wirkung Viele Dinge kommen hier
mittelbar oder unmittelbar zusammen und finden dann in den Verhaltensweisen auch der
verantwortlichen Diener ihren Ausdruck.
Mancher mag sich dieser Zusammenhänge nicht bewußt sein.
Aber es ist so. Welches sind nun die wichtigsten Dinge hier und heute?
"Meine Herren, Sie meinen wohl ein Jahr!", schleuderte der Bezirksdiener-Ost, Friedrich Adler, 1950 dem Obersten Gericht der DDR ins Gesicht. Inzwischen sind mehr als 20 Jahre ins Land gegangen. Die jenen Dienern und ihren Reden von 1950 glaubten, sind die skeptische Generation geworden, die nun erleben muß, wie sie doch "vergeht". Erst jetzt scheinen sich Kräfte in der WTG zu regen, die jene Verkündigung einer "Besiegung des Kommunismus" (WT 15. Sept. 1961) möglicherweise durch eine Verkündigung neuer Art "inmitten des Kommunismus" ersetzen wollen. (WT 15. Febr. 1972). Hier kann eingefügt werden, daß CV einen nicht geringen Anteil an solcher Änderung haben dürfte. CV hat von Anfang an darauf hingewiesen, daß Christen nicht die "menschliche Ordnung" des Sozialismus/Kommunismus zu bekämpfen, sondern sich ihr "um des Herrn Willen" einzuordnen haben. (l. Pet. 2:13)
Noch ist dieser neue Kurs "inmitten des Kommunismus" jedoch nicht völlig klar und eindeutig. Noch gilt das Babylon-Buch: "Die Haltung der Zeugen Jehovas gegenüber dem Weltkommunismus hat sich nicht geändert". (S. 537 dt.) Die fanatische antikommunistische Hetze seit den fünfziger Jahren wie "Kommunisten - wilde Tiere" u. a. m. (WT 1. Juni 1952) ist nicht widerrufen. Sie wird jedoch zur Zeit nicht in dieser Form fortgesetzt. Die jetzige Weisung aus Wiesbaden, nur neue Literatur zu verwenden, läßt hier nachdenken. Es leuchtet da ein, daß die unmittelbar Verantwortlichen am Ort vor ziemlichen Problemen stehen, wie es auf längere Sicht weitergehen soll. Müssen sie doch fähig und bereit sein zur Rechenschaft vor jedem, der sie fordern kann. (l. Petr. 3-15)
Dazu kommen weitere wichtige Dinge. Die in jener "Kampfzeit gegen den Kommunismus" geltenden "göttlichen Wahrheiten" über die Obrigkeit wurden bekanntlich um 1962/63 wieder verworfen. Man hatte also obendrein auch hier unter einer falschen Flagge gekämpft! Dann war nach dem zweiten Weltkrieg ganz groß verkündet worden: 1972 sind die 6000 Jahre endgültig um! (Die Wahrheit wird euch freimachen, Zeitrechnung). Aber 1972 kommt etwas ganz anderes. Die einst um 1930 liquidierten Ältesten werden wieder hervorgeholt!
Damit wird eine Umgruppierung verbunden, die wieder mit dem 1966 in die Welt gesetzten Datum 1975 als Ende der 6000 Jahre in Zusammenhang steht. Was sich jetzt als ein gefährliches Festnageln auf eine kurze Frist erweist Für die Alten, die 1975 tatsächlich als die letzte Grenze betrachten müssen, gibt es keine Chance mehr.
Es müssen junge in die Dienstämter, mit denen man nach 1975 weitermachen kann. Dabei kommen alle, die sich auch über die bedenkliche antikommunistische Entwicklung der WTG nunmehr Gedanken zu machen beginnen, gleich mit unter die Räder dieser Umgruppierung oder Säuberung.
Es ist doch nicht so, daß sich niemand Gedanken macht über mögliche Hintergründe der Veränderungen in Lehre und Organisation! Was kommt noch? Wo soll das hingehen?
Wer bleibt? Wer muß gehen? Wer setzt sich gegen wen oder über wen hinweg durch? Andererseits können die Verantwortlichen doch nicht unschlüssig herumstehen.
Sie begreifen wieder nicht, wie schriftswidrig das ist angesichts der Worte des Apostels Paulus, "im Verkehr mit den Nichtchristen ehrbar zu wandeln", (l. Thess. 4:12), "von den hinterhältigen Dingen losgesagt" und "nicht mit List" (2. Kor. 4.2 NW). Da sie das selbständige Forschen in der Schrift kaum gelernt haben, sind sie schwerlich imstande zu erkennen, wie sich "die Dinge" in Wirklichkeit "verhalten" (Apg. 17:11).
Wie Feuer und Wasser wurde die Situation, von der Leitung bedauerlich unterstützt. Das kam alles anders als beabsichtigt.
Zur Auseinandersetzung vor dem Komitee
Vor dem höchsten Komitee kam es zum Prozess (1972). Die
Anklagen waren grotesk. Nicht das Wesen der Situation wurde behandelt. Nicht die Lage.
Nicht die Frage des wohin angesichts der doch sichtbaren Entwicklungen und Veränderungen
Mit persönlichen Diffamierungen und Verleumdungen sollte Besonnenheit und Vernunft
ausgeschaltet und fanatischer religiös-politischer Rigorismus wieder zur Geltung gebracht
werden. "Ausschluss", wer diesen "Fortschritt" hemmt.
Um diesen Strick zu drehen, werden jahrelang zurückliegende sittliche Verfehlungen lediglich Angehöriger ausgegraben Werden leichtfertige Zeugen gestellt bis hin zu den unglaublichsten politischen Verdächtigungen und Denunzierungen. Bis aufs Messer, wie man so sagt. Das Ende von Fanatismus ist immer tödlicher Haß.
Doch aus dem Zweigbüro wurde dieser ganze Prozeß des hiesigen höchsten Komitees umgestoßen. Was ist bei euch los? Wer kommt auf solche Ideen? Ein unverständliches Spiel. Alles oberflächlich. Nur subjektive Urteile, nicht ordnungsgemäß, nicht objektiv, keine Beweise. Nur persönliche Motive. Der Prozeß ist Verleumdung. Ankläger unfähig für weitere Dienstämter. Kein Ausschluß. Allerdings Umbesetzungen. Eine Art Kompromiß.
Das zum allgemeinen Hintergrund, vor dem sich in der hiesigen Leitung ein erbittertes Ringen um die realen Machtpositionen in Führung und Anleitung vollzog bzw. vollzieht.
Zu den Gegensätzen
Es stehen sich vornehmlich zwei Haupttendenzen gegenüber.
Langjährig erfahrene Diener, die die Entwicklung seit 1950 erlebt haben und durch die vielen Fehlentscheidungen und Irrtümer in Organisation und Lehre zu Besonnenheit neigen, was den Fortgang der Dinge betrifft. Andererseits jugendliche Eiferer, die in Unkenntnis oder Mißachtung dessen die Alten stürzen wollen (oder sollen?), weil sie angeblich "den Fortschritt des Werkes hemmen".
Die Eiferer sind etwa denen vergleichbar, die in den Jahren 1945/1950 in ihrer Unerfahrenheit, in ihrer lediglichen Ungebundenheit und familiären und anderen Entwurzelung, aber auch in ihrem Ehrgeiz, leicht dazu benutzt werden konnten, das Werk in eine neue Zeitperiode zu führen. Bekanntlich war der zweite Weltkrieg als Harmagedon-Beginn verkündigt worden (Dein Name werde geheiligt, S. 329). Das mußte verscheucht werden.
Dann galt es, jenen religiös-politischen Kampf gegen Sozialismus und Kommunismus aufzunehmen, in den damals von USA-imperialistischer Seite möglichst alle Kirchen und Religionsgemeinschaften eingespannt werden sollten, verblendet davon, den "Kommunismus" vor allem in Europa binnen kurzem "zurückrollen" zu können.
Diese Eiferer gebärden sich dazu äußerst arrogant gegenüber den Alten, fahren ihnen über den Mund, wissen alles besser und "kennen keine (staatlichen) Gesetze" außer "was die Mutter (Organisationsleitung) sagt". Genau die Haltung, wie sie unter der falschen Obrigkeitsflagge eingenommen wurde. Unter der die Organisation damals in die politischen Auseinandersetzungen geführt wurde. "Keine Angst", "theokratische Kriegslist anwenden", "damit der Feind keine Löcher schlägt", sind wieder die Losungen.
Was lehren diese Vorgänge?
Junge, unerfahrene religiös-politische Eiferer drängen
wieder nach vorn oder werden gedrängt. Stehen dahinter jene, die 1975 eine Katastrophe
kommen sehen, wenn nicht junge, von der bedenklichen Vergangenheit unbelastete Eiferer das
Werk übernehmen? Für die 1975 noch nicht unbedingt das "endgültige Ende" sein
muß? Mit denen man weitermachen kann? Soll der religiös-politische Antikommunismus jetzt
als Verkündigung "inmitten des Kommunismus" dabei wieder zum Vihikel
werden, u m d u r c h K a m p f n a c h a u ß e n v o n d e r G e
f a h r i n n e n - Z u s a m m e n b r u c h 1975 - a b z u l e n k e n? Wollen bestimmte
Kräfte in Wiesbaden und Brooklyn aber auch keine Konflikte in der Organisation, um die
Ältesten-Reorganisation in Ruhe, ohne Aufsehen, durchfuhren zu können? Wie weit spielt
die Zurückstellung der Ältesten-Einführung hier bis 1973 - 1972 soll das erst in der
BRD geschehen - eine Rolle?
Was wird jetzt konkret darunter verstanden, "inmitten des Kommunismus" verkündigen zu wollen? Bedeutet das eine Anpassung an die gegenwärtige westliche antikommunistische Strategie und Taktik? Oder sind das Anzeichen einer echten Orientierung auf das biblische Verhalten des Christen, "um des Herrn willen aller menschlichen Ordnung untertan" zu sein, sich also einzuordnen?
(l. Petr. 2:13) Das wäre hoffnungsvoll. Aber der WT vom 1. Juni 1972 dt. mit seinem erneuten Aufruf zur antikommunistischen "Kriegslist" im Widerspruch zu 2. Kor. 4:2 NW knüppelt diese Tendenzen erneut nieder. Aber was denken sie über den Weitergang nach 1975? Die einfachen Verkündiger werden über nichts gründlich informiert.
Sind die gegenwärtigen
Auseinandersetzungen hier die "Vorboten" der unheilvollen Festlegung auf 1975?
Man kann solchen Termin nicht ohne Folgen in die Welt posaunen Eingestanden oder nicht,
schwelt das überall im Hintergrund der Dinge und Erscheinungen. Auch wer jetzt durch die
kompromißhafte Umbesetzung an die Schalthebel der Macht des Dienstamtes gekommen ist,
kann all diesen Fragen nicht mehr ausweichen, wenn er nicht ein bedenkloser Eiferer sein
will. Wir werden weitersehen.
F. F.
Der Ausweg aus Sinnlosigkeit,
Halbheit und Abenteurertum
Soll es so weitergehen?
Muß es erst immer Tausende sinnlosen Opfer, berechtigte
Rebellion und tragisch in den "zweiten Tod" Gestoßene geben, andererseits
Gerichtsurteile und Verbote, bis begriffen wird, daß bestimmte religiös-politische
Praktiken, Methoden und Lehren falsch, haltlos, verantwortungslos und unbiblisch sind?
Geändert wird dann natürlich oft. Siehe der Fall Obrigkeitliche Gewalten! Aber die
sinnlosen Opfer Nicht anrühren, sie könnten nämlich zu Anklägern werden!
Zweigdiener Kelsey wird daran erinnert, dar weiter in der englischen Ausgabe von "Vergewissert euch über alle Dinge" von 1965 u. a. die antikommunistische WT-Kommunismus-Definition weggelassen ist, wie sie 1953 und 1957 galt. Wo ist aber die deutsche Übersetzung der 1965-Ausgabe Soll der deutsche Zweig das antikommunistische Hauptbollwerk der WTG bleiben? "Die Deutschen" weiter ins Feuer und auf den antikommunistischen Altar? Weiter als sinnlose Opfer?
Eindringlich sei daher allen zugerufen: Vergewissert euch endlich der politischen Tendenzen und Grundlagen, die gegenwärtig mit der Verkündigung verbunden sind! Wer da redet, die 2 oder 3 Jahre bis 1975 kommen wir schon noch so hin, dann sind Gesellschaft, Regierung, Staat, Sozialismus und Kommunismus sowieso hinweggefegt, dann ist sowieso alles vorbei, ist ein religiös-politischer Abenteurer Der WT selbst erwähnt 1975 längst nicht mehr. Leider werden solche antikommunistischen Abenteurer immer wieder durch den WT gestärkt: "Wer der Feind ist oder wie er angreift, darüber besteht kein Zweifel. Wir sehen, wie weltliche Obrigkeiten, Regierungen und andere Einrichtungen dem Willen Satans gehorchen".
Natürlich speziell "hinter dem
Eisernen Vorhang". Wie gehabt.
Und dieser WT-Schreiber im Jargon des imperialistischen
kalten Krieges weist an: "Verkleiden, vermeiden, daß man erkannt wird. Kriegslist
anwenden" (WT 1. Juni 1972 dt. Abs. 20, 17, 15)
Was für eine grobe Entstellung des Sachverhalts! Die Regierungen sind doch grundsätzlich "Obrigkeit von Gott" und als solche anzuerkennen und zu unterstützen. (Römer 13:1-7) Was aber macht der WT? Jede sozialpolitische Mitverantwortung wird öffentlich bekämpft. Wer eine Regierung wählt, weil sie schließlich nach Römer 13 ins Amt kommen muß, wird als Satansdiener gebrandmarkt. Und obwohl Sozialismus und Kommunismus zu den "menschlichen Ordnungen" gehören, denen Christen sich nach 1. Petr. 2:13 einzufügen haben, werden sie schon seit der 3. WT-Ausgabe von 1879 bekämpft (WT 1. Jan. 1962, Abs. 5) Wer also greift wen an?
Wer schürt ununterbrochen Feindschaften?
Denen ihr seit bald hundert Jahren schon laufend geopfert werdet?
Jetzt mutig hervortreten
Die Entscheidungen, die jetzt fallen müssen und werden, in Sachen richtiges biblisches Verhalten inmitten der sozialistischen Gesellschaft nach 1. Petr. 2:13, - nicht "verkleidet" und nicht mit List" (2. Kor. 4:2 NW), sind von großer Tragweite.
Es sind bedauerlich Gutgläubige, die ehrlich auf 1975 hoffen, da selbst der WT dieses Datum nicht mehr nennt. Es wird also weitergehen. Das bedeutet aber auch, es muß eine völlig neue Orientierung geben. Denn "diese Generation wird nicht vergehen" hat sich bis 1975 nicht erfüllt. Nichts aber kann nach 1975 so weitergehen wie zuvor. Die mögliche Endzeit seit 1914 ist abgelaufen. Es beginnt eine neue Periode, eventuell sogar ohne die WTG, wie in Zusammenhang mit der "Leitenden Körperschaft" zur Diskussion gestellt ist.
Es gibt aber auch Diener, die
"vorsichtig" sein wollen und behaupten, es sei noch nie ein Datum festgesetzt
worden:
Lebt danach, aber wartet nicht auf 1975. Sie sollten im
Blaubuch nachlesen, was es schon für Daten gegeben hat!
Was geht in den Köpfen dieser Diener vor? Ihre Rede ist doch Halbheit und Inkonsequenz, weder heiß noch kalt, sondern lau. Sie machen nichts als einen Eiertanz. Allerdings wagen es einige überhaupt nicht, auch nur darüber nachzudenken, was wird, wenn 1975 nichts passiert! Solchem Schwebezustand kann nur ein dramatischer Sturz folgen.
Es gibt also zwingende Gründe, jetzt überall die Initiative zu ergreifen. Es muß eine völlige Neuorientierung kommen. Beginnt zunächst in den Kreisen eures Vertrauens Worauf kommt es nun in den Existenzfragen der Organisation hier und heute an?
Schluß mit dein schriftwidrigen Antikommunismus. Schluß mit allem politischen Mißbrauch des Glaubens. Schluß mit aller sozialpolitischen Verantwortungslosigkeit. Schluß mit allen kriminellen Machenschaften des Geldschmuggels, des Betruges und der Irreführung von Polizei und Behörden. Anerkennung von Recht und Verfassung in unserem Lande.
Seid überzeugt, viele erwarten das. Initiative findet hier großen Widerhall und eine gespannte Aufmerksamkeit. Die Zeit ist reif. Die Dinge entwickeln sich bereits. Schon werden von Brüdern in verschiedenen sozialistischen Ländern Pläne und Konzentration entworfen und auf die Tagesordnung gesetzt, so daß sich Zweig- bzw. Hauptbüro damit befassen müssen. Natürlich ist aller Anfang schwer. Jede Lawine beginnt mit einem Schneeball. Also werft die Schneebälle. Es sollte eine große Schneeballschlacht werden.
Ab 1975 kann es sowieso nur anders
weitergehen.
Ein Wort hinter die Ohren zu schreiben
Die anderen Christen, die anderen Menschen, die anderen
Gläubigen, die Nichtchristen, die Kommunisten, die Regierung, der Staat - alles nur
"der Feind"? Den Vertretern solcher Feindbilder sei rechtzeitig folgendes
gesagt: Kommt schnellstens zur Besinnung. Die Verfassung läßt weder Glaubenshaß noch
Aufbringung gegen andere Gemeinschaften und Bevölkerungsgruppen (Nationalismus) zu. Sie
duldet keine solchen Feindbilder und Gehäßigkeiten im eigenen Volk. Sie ist auf
Humanismus gegründet und verlangt von jedem Bürger ein entsprechendes humanistisches
Verhalten, gegen Verfeindungen und gegenseitiges Hassen gerichtet. Alle Gemeinschaften
müssen diesen Humanisums respektieren.
Wir erleben täglich, wie die religiös-politischen Verfeindungen und Gehässigkeiten mittelbar oder unmittelbar, direkt oder indirekt zu blutigen Kriegen beitragen. Die WT-Feindbilder verschärfen vor allem den antikommunistischen Haß, ein Same, der dann unabhängig von euch aufgeht, den ihr aber als Sämann zu verantworten habt! Die Bibel dagegen verlangt, "mit den Nichtchristen ehrbar zu wandeln", "niemanden zu schmähen, sondern friedfertig und sanftmütig gegen alle Menschen" zu sein. (l. Thess. 4:12, Titus 3:2) Nicht oft genug können diese Schriftstellen vor Augen geführt werden!
Nach 1975 ist alles offen!
Wir wissen, daß der Kampf um einen solchen realistischen
Kurs nicht einfach ist. Das wäre jedoch echter Pionierdienst Aber seid sicher, fast alle
haben den ständigen antikommunistischen politischen Kollisionskurs der WTG satt. Sie sind
nur ängstlich. Es ist an der Zeit, daß nun auch hier Pioniere unter den Dienern
hervortreten, die die Last dieser Verantwortung zu tragen bereit sind. Sie lassen euch in
eigener Verantwortung ihren Antikommunismus auslöffeln. Ihr sollt "die Tasche
tragen"! Sie halsen sie euch einfach auf! Verantworten müßt ihr also, so oder so!
Warum also nicht mit der Schrift gegen den Antikommunismus, wenn ihr um diese Frage
sowieso nicht herumkommt?
Mit 1975 muß sowieso alles geändert
werden. Die mögliche Endzeit seit 1914 ist vorbei. Alle warten auf umfassende
Änderungen, die einen voll Spannung, andere still. Nehmt den Kampf auf, mit ihnen, für
sie, wenn ihr "rechte Hirten" seid.
A. Z.
Interessante Mitteilungen
Präsident der Kirchenkanzlei der EKU über die Dokumentation
"Die Zeugen Jehovas"
Ab 1. 9. 1972 wurde der verantwortliche Bearbeiter der
"Sektenkundlichen Mitteilungen" (Siehe CV 38, S. 8), Dr. theol. Reinhold Pietz
zum Präsidenten der Kirchenkanzlei in der "Evangelischen Kirche der Union"
gewählt. Dr. Pietz leitete zuvor 12 Jahre eine Predigerschule zur Ausbildung kirchlichen
Nachwuchses, und zwar zuletzt als Superintendent eines Berliner Kirchenkreises tätig.
In seiner Besprechung des im Urania-Verlag
Leipzig-Jena -Berlin 1970 erschienenen Buches "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation
über die Wachtturmgesellschaft" gelangt er zu der Feststellung:
"Das so . . . entstandene Buch ist zur
aufschlußreichsten vorliegenden Veröffentlichung über die gesellschaftliche und
politische Komponente in der Propaganda der Sekte und über die daraus folgende öffentliche Bedeutung ihrer Tätigkeit geworden.
Da es zum größten Teil nicht aus kommentierendem Text, sondern aus (auszugsweisen)
photomechanischen Reproduktionen von Schriftstücken, Büchern, Bildern, Zeit- und
Flugschriften besteht, besitzt es ohne Zweifel für jeden konfessionskundlich oder
religionspolitisch Interessierten als Quellensammlung einen hohen Wert".
Kritisch wird von ihm die Darstellung des WTG-Antikommunismus in dem Buch bewertet in der Richtung, daß nach seiner Meinung die Verneinung a l l e r politischen Mächte durch die WTG nicht genügend zum Ausdruck kommt. Ebenfalls die Darstellung von Schicksalen der Zeugen Jehovas im "Dritten Reich" als zu einseitig, wobei er aber auch einräumt, daß es verdienstlich sei, wenn auf diese Weise der Mythenbildung entgegengetreten wird, die sich die Sekte in ihrem Schrifttum angelegen sein läßt".
Als "überraschendes Dokument" bewertet er den Brief, "den die Magdeburger Zentrale von Jehovas Zeugen unmittelbar nach dem am 24. 6. 33 ausgesprochenen staatlichen Verbot der Sekte an Adolf Hitler richtete, es läßt erkennen, in welchem Maße man damals noch bereit war, mit den Nationalsozialisten zu paktieren!"
Seltsamer "Wachtturm"
Die im Bezirk Dresden und Karl-Marx-Stadt erscheinende
Tageszeitung "Die Union" vom 10. 6. 1971 bewertet Jehovas Zeugen und das
vorstehend genannte Buch wie folgt:
"In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
entstand in den USA aus einer Splittergruppe der Adventisten eine neue religiöse
Gemeinschaft, die sich den Namen "Ernste Bibelforscher" gab. In Europa wurde sie
zuerst unter dem Namen "Internationale Bibelforscher-Vereinigung" bekannt. 1931
nannte sie sich "Zeugen Jehovas".
Im Laufe eines Jahrhunderts wurde aus der
Bibelforschergruppe in den USA eine internationale Gemeinschaft mit etwa eineinhalb
Millionen Anhängern. Allein für Herstellung und Vertrieb der Literatur dieser
Gemeinschaft wurde eine Geschäftsfirma unter der Bezeichnung Zions
Wachtturm-Traktat-Gesellschaft (später Wachtturm-Bibel und Traktat-Gesellschaft - WTG)
gegründet. Diese Gesellschaft hat eine außerordentliche Macht entwickelt, wobei das
entscheidende Mittel, mit dem ein autoritäres Regime über die "Zeugen Jehovas"
aufrechterhalten wird, das Glaubensdogma ist, die Wachtturmgesellschaft sei als
Körperschaft "der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden".
Sie nimmt für sich in Anspruch, keine andere Obrigkeit
anzuerkennen als die Führer der WTG.
Im Urania-Verlag Leipzig erschien unlängst eine Dokumentation über die WTG, die Aufklärung gibt über das unglaubwürdige und haltlose Werk, das die Geschichte der "Zeugen Jehovas" charakterisiert. Diese interessante Arbeit ermöglicht einen Einblick in die Tätigkeit der Wachtturm-Gesellschaft, die sich auf Gott und Christus beruft und sich dabei doch ausschließt ans der menschlichen Gesellschaft. Schließlich aber ist auch der Christ ein Teil der Gesellschaft und nimmt aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teil.
Gerade am Beispiel des Urchristentums zeigt die Bibel selbst, daß es durchaus nicht im Widerspruch zum Christentum steht, politisch mitverantwortlich zu sein und entsprechend zu handeln. Christlicher Auftrag macht vielmehr frei, nicht zuletzt auch für eine verantwortliche Mitarbeit beim Aufbau des Sozialismus.
Das aufklärende Buch über die Tätigkeit der "Zeugen Jehovas" dürfte dazu beitragen, die Hintergründe des politisch reaktionären Wirkens der Wachtturmgesellschaft und ihrer Führer zu enthüllen".
Geschätzte Informationsquelle
Die in Berlin erscheinende Monatsschrift progressiver
Katholiken "begegnung" (Nr. 10/71, S. 33) teilt ihren Lesern zu diesem Buch mit:
"Die 'Wachtturm-Bibel- und Traktat-Gesellschaft' von
Pennsylvania, USA (abgekürzt WTG), Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, ist die leitende
Körperschaft der international als 'Zeugen Jehovas' (früher 'Bibelforscher')
auftretenden Gemeinschaft. 1950 wurde sie in der DDR verboten, weil sich die 'Zeugen
Jehovas' erwiesenermaßen staatsfeindlich betätigten und unter Mißbrauch religiöser
Anschauungen eine umfassende Untergrundtätigkeit organisierten.
Das jetzt erschienene Buch über die WTG und die 'Zeugen Jehovas' liefert dafür überzeugende dokumentarische Beweise. Darüber hinaus bietet es eine fundierte, mit vielen Dokumenten belegte Darstellung der gesamten Geschichte der WTG unter religiösen und politischen Aspekten Als vorherrschende Leitlinien der 'Zeugen Jehovas' werden dabei deutlich: Liebedienerei dem Kapitalismus gegenüber, offensive Bekämpfung des Kommunismus und Ablenken in sozialpolitisches tatenloses Hoffen' (S. 133f). Wer sich für die WTG-Bibeldeutungen und ihre gesellschaftspolitischen Hintergründe interessiert, wird dieses Buch als Informationsquelle schätzen".
Über weitere Urteile und Informationen zur Dokumentation "Die Zeugen Jehovas" siehe auch die vorangegangenen CV-Ausgaben.
"Christliche Veranwortung": Herausgeber Wolfgang Daum, 65 Gera, Böttchergasse 1 - DDR. Erscheint monatlich! Preis: M 0,20, Jahresabonnement M 2,00. CV kann auch kostenlos bezogen werden. Konto-Nr. 4562-43-8015 Kreis- und Stadtsparkasse Gera.
A 8254-72 V 7 1 2238