Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 41

Diese Ausgabe macht erstmals mit einer neuen Präambel auf. Die alte, in der noch von dem "anleiten zum rechten Forschen in der Heiligen Schrift" die Rede war, wurde damit auch formal zu den Akten gelegt. Indes diese Formulierung, die in der Tat den Intentionen von Müller entsprochen haben dürfte, die auch mit einigen "bibelauslegerischen" Artikeln in früheren Ausgaben manifestiert wurde, würde bei konsequenter Weiterentwicklung auf eine neue Sekte, auf einen Ersatz durch vermeintlich besseres hinlaufen. Offensive Auseinandersetzung mit der WTG hätte da in der Tat keinen Platz.

Zu konstatieren ist, dass die Müllerlinie sich keineswegs dauerhaft durchsetzen konnte. Nicht zuletzt seine eigene Absetzung als Herausgeber der CV hatte dies dokumentiert.
Dennoch, auch der neuen Präambel war keine längere Dauer beschieden. Schon nach rund einem Jahr, war auch sie von der Bildfläche wieder verschwunden.

Wie dies? Nun eine kirchliche Intervention ist hierbei beim Namen zu benennen. Der Herausgeber der kirchlichen "Sektenkundlichen Miteilungen", Dr. Reinhold Pietz hatte an der Formalie neue Präambel Anstoß genommen. Und ein Zeichen, wie machtvoll solche Interventionen auch zu DDR-Zeiten sein konnten. Er hatte Erfolg.

In der Folge 15 seiner "Sektenkundlichen Mitteilungen" schrieb er zum Beispiel unter der Überschrift: "Wandlungen der Christlichen Verantwortung"
"Kaum merklich hat 'Christliche Verantwortung' … in diesem Jahr sein Äußeres verändert. … Ohne Vorankündigung oder Hinweis erschien in Nr. 41 plötzlich eine neue Formel … Ein Vergleich macht deutlich, daß die bewusst biblische Fundierung des Blattes ('Anleitung zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift', die seit dem Wechsel in der Schriftleitung 1970 offensichtlich preisgegeben war, nun auch programmatisch fallen gelassen wurde."

Sollte Dr. Pietz, in lebhafter Erinnerung an frühere Atheismuskampagnen in der DDR, befürchtet haben, dass sich nun auch auf diesem speziellen Gebiet ähnliches zutragen könnte, so hat seine Intervention dies mit Sicherheit abgeblockt. Indes ob Pietz, außer dem Sieg über eine Formalie, in der Sache auch einen Sieg errungen hat, erscheint mir mehr als zweifelhaft. Gerade die "nichtbiblische Argumentation" dominierte in der CV, auch nach seiner Intervention, ungebrochen weiter. Im Jahre 1976 verstarb Pietz. Es blieb ihm somit erspart, das erneut kommentieren zu wollen oder zu müssen.

Eine kleine Meldung aus dieser CV-Ausgabe erscheint mir noch der besonderen Notierung wert .Sie behauptet: "Aus einer Teilversammlung in Stuttgart erfuhr CV, daß dort 1967 nicht weniger als 7 Zeugen Jehovas als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz bekannt geworden seien."

Ross und Reiter zu dieser Meldung werden nicht genannt. Nähere Belege auch nicht. Sollte sie je zutreffend gewesen sein, wäre es in der Tat ein Politikum hoch 10. Angesichts fehlender Beweise indes besteht der dingliche Verdacht, dass sie im "Ententeich" der CV und ihrer Hintermänner, selbst fabriziert wurde. Sie wurde im Zusammenhang mit dem authentischen Fall eines Zeugen Jehovas genannt, der im Polizeidienst tätig war und dessen Fall auch durch die juristischen Zeitschriften ging.

Dazu wäre hinzuzufügen, dass es selbst im Naziregime in den Anfangsjahren noch Zeugen Jehovas gab, die auch dort im Polizeidienst tätig waren. In der Regel handelte es sich dabei um solche Fälle, die schon vor ihrer "Zeugenkarriere" dort tätig waren. Jedoch Polizist zu sein oder gar Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, bedeutet sehr wohl einen qualitativen Unterschied, dieweil man bei letzteren in der Regel eine politische Bildung und Bewusstheit voraussetzen kann. Eigenschaften, die gerade von der Zeugenorganisation negiert werden.

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-8015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera

Nr. 41 Gera April 1972

Christliche Verantwortung Jahrgangsmäßig zusammengefasst 1972

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