Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 41

Diese Ausgabe macht erstmals mit einer neuen Präambel auf. Die alte, in der noch von dem "anleiten zum rechten Forschen in der Heiligen Schrift" die Rede war, wurde damit auch formal zu den Akten gelegt. Indes diese Formulierung, die in der Tat den Intentionen von Müller entsprochen haben dürfte, die auch mit einigen "bibelauslegerischen" Artikeln in früheren Ausgaben manifestiert wurde, würde bei konsequenter Weiterentwicklung auf eine neue Sekte, auf einen Ersatz durch vermeintlich besseres hinlaufen. Offensive Auseinandersetzung mit der WTG hätte da in der Tat keinen Platz.

Zu konstatieren ist, dass die Müllerlinie sich keineswegs dauerhaft durchsetzen konnte. Nicht zuletzt seine eigene Absetzung als Herausgeber der CV hatte dies dokumentiert.
Dennoch, auch der neuen Präambel war keine längere Dauer beschieden. Schon nach rund einem Jahr, war auch sie von der Bildfläche wieder verschwunden.

Wie dies? Nun eine kirchliche Intervention ist hierbei beim Namen zu benennen. Der Herausgeber der kirchlichen "Sektenkundlichen Miteilungen", Dr. Reinhold Pietz hatte an der Formalie neue Präambel Anstoß genommen. Und ein Zeichen, wie machtvoll solche Interventionen auch zu DDR-Zeiten sein konnten. Er hatte Erfolg.

In der Folge 15 seiner "Sektenkundlichen Mitteilungen" schrieb er zum Beispiel unter der Überschrift: "Wandlungen der Christlichen Verantwortung"
"Kaum merklich hat 'Christliche Verantwortung' … in diesem Jahr sein Äußeres verändert. … Ohne Vorankündigung oder Hinweis erschien in Nr. 41 plötzlich eine neue Formel … Ein Vergleich macht deutlich, daß die bewusst biblische Fundierung des Blattes ('Anleitung zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift', die seit dem Wechsel in der Schriftleitung 1970 offensichtlich preisgegeben war, nun auch programmatisch fallen gelassen wurde."

Sollte Dr. Pietz, in lebhafter Erinnerung an frühere Atheismuskampagnen in der DDR, befürchtet haben, dass sich nun auch auf diesem speziellen Gebiet ähnliches zutragen könnte, so hat seine Intervention dies mit Sicherheit abgeblockt. Indes ob Pietz, außer dem Sieg über eine Formalie, in der Sache auch einen Sieg errungen hat, erscheint mir mehr als zweifelhaft. Gerade die "nichtbiblische Argumentation" dominierte in der CV, auch nach seiner Intervention, ungebrochen weiter. Im Jahre 1976 verstarb Pietz. Es blieb ihm somit erspart, das erneut kommentieren zu wollen oder zu müssen.

Eine kleine Meldung aus dieser CV-Ausgabe erscheint mir noch der besonderen Notierung wert .Sie behauptet: "Aus einer Teilversammlung in Stuttgart erfuhr CV, daß dort 1967 nicht weniger als 7 Zeugen Jehovas als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz bekannt geworden seien."

Ross und Reiter zu dieser Meldung werden nicht genannt. Nähere Belege auch nicht. Sollte sie je zutreffend gewesen sein, wäre es in der Tat ein Politikum hoch 10. Angesichts fehlender Beweise indes besteht der dingliche Verdacht, dass sie im "Ententeich" der CV und ihrer Hintermänner, selbst fabriziert wurde. Sie wurde im Zusammenhang mit dem authentischen Fall eines Zeugen Jehovas genannt, der im Polizeidienst tätig war und dessen Fall auch durch die juristischen Zeitschriften ging.

Dazu wäre hinzuzufügen, dass es selbst im Naziregime in den Anfangsjahren noch Zeugen Jehovas gab, die auch dort im Polizeidienst tätig waren. In der Regel handelte es sich dabei um solche Fälle, die schon vor ihrer "Zeugenkarriere" dort tätig waren. Jedoch Polizist zu sein oder gar Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, bedeutet sehr wohl einen qualitativen Unterschied, dieweil man bei letzteren in der Regel eine politische Bildung und Bewusstheit voraussetzen kann. Eigenschaften, die gerade von der Zeugenorganisation negiert werden.
 


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-8015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera

Nr. 41 Gera April 1972

CV - ihr Zweck
Kommentare und Informationen für Jehovas Zeugen. CV befaßt sich in freier, christlich und menschlich verantwortungsbewußter Diskussion mit der Verkündigung der Organisation der Wachtturmgesellschaft. Die Beiträge sind undogmatisch und vielseitig, ohne immer der Ansicht des Herausgebers zu entsprechen. Es ergeht der Ruf zu Unterstützung und Mitarbeit.
Verantwortlicher Herausgeber:
Wolfgang Daum,
65 Gera, Böttchergasse 1

Lange Vorschatten des "theokratischen Ältestenamtes"
Grundsätzlich glauben wir, daß das theokratische Ältestenamt schon seit geraumer Zeit im Schoße der WT-Gesellschaft schlummert. Drei Meilensteine markieren den Weg der WTG zu diesem Wendepunkt ihrer äußeren Reorganisation Wird dieser innere Wandel zulassen?

Der Eckstein = der Berichtsweg der WTG. Der Stein des Anstoßes = CV.
Beide zusammengenommen erst signalisieren der WTG zweifelsfrei die Tatsache, daß die WTG an schweren Schäden leidet. Wieso und wodurch CV dazu auch einen, wenn auch nicht gerade erbetenen und willkommenen Dienst leistet, aber immerhin doch einen Dienst leistet, das wird sich zeigen. Er entsteht aus dem besonderen Zwang des WTG-Berichtsweges, nur für begrenzte Informationen durchlässig zu sein. CV ist unerwünscht, auch organisationsfremd, so jedenfalls nach dem Verständnis der WTG. Deshalb besteht für CV auch kein Zwang, sich im Berichtsweg der WTG angepaßt und eingeordnet verhalten zu müssen. Dieses Verhältnis erst macht es möglich, daß die Zentrale in Brooklyn auch solche Berichte verarbeiten kann, die der WTG Grenzen ihrer selbst zeigen, die kein Berichtsweg der WTG aussprechen und analysieren könnte. Jeder Zeuge als Berichterstatter, der an der Stelle von CV ähnlich kritisch wie CV berichten wollte, setzte sich in seinem Bericht der Gefahr aus, als abtrünnig gefährdeter Zeuge verkannt zu werden. Diese Gefahr würde immer dann eintreten, wenn er Geschehnisse oder Erkenntnisse berichtet, die ihn, ob er will oder nicht, in eine kritische Beziehung zur WTG bringen.

Das bedeutet nicht, daß er die WTG wirklich den Worten nach kritisiert. Bei aller demütiger Schreibweise könnte er diesen Eindruck nicht vermeiden, nämlich dann nicht wenn er in seinem Bericht schwerwiegende Einsichten über die WTG ausspricht, Einsicht in Ursache und Wirkung darlegt. Mit dieser besonders kräftigen Speise hätte er die Grenze der ihm zugebilligten Informationsebene erreicht bzw. schon überschritten. Dieser Zeuge würde sich in einer ähnlichen Situation befinden wie jemand, der berichten wollte, die ständige Festsetzung von Zeiten und Zeitpunkten werde mit einem vollkommenen Vertrauensverlust enden.

Ohne kritische Beobachtung wären Erkenntnisse über gefährliche Zustände in der WTG gar nicht möglich, aber.
Ein berichtender Zeuge darf und soll nicht in die Situation des "jemand" geraten, der überdeutliche Einsicht in tödliche Gefahren offenbarte.

Es ist auch völlig klar, daß die WTG diesen Zeugen nicht zu einer Aussprache über seinen Bericht bitten könnte. Das geht gar nicht, denn in einem solchen Gespräch müßte er als Partner im Wissen um die Dinge anerkannt werden Damit geriet er aber in die Rolle eines Mitwissers um die Wahrheitsbürde der WTG.

Aber da ist nun CV, dieser "Mann mit dem Schreibzeug". Aus seiner Feder erfährt die WTG die äußerste Grenze ihrer tödlichen Gefährdung, den Ablauf ihres Schicksals, das sie unweigerlich erwartet. Weder der "jemand" wurde verstanden, noch scheint CV von der WTG in Weisheit verstanden zu werden. Zählt Weisheit hier nicht?

Es gibt keinen Zeitwert der Wahrheit Jehovas, der heute so und morgen anders auszulegen oder zu verstehen wäre, wie z. B. bei Röm. 13:1-7 durch die WTG geschehen. Jehova Gottes Licht in der WTG würde sich zwar stetig fortpflanzen, von Tag zu Tag heller werden, aber in der Übertragung des Lichts auf die WTG immer Wahrheit bleiben und niemals sich nach Jahren als Irrtum oder Zeitwahrheit erweisen.

Die Wahrheitsbürde des Präsidiums der WTG ist das klare Verständnis, daß die WTG nicht das Werk Jehova Gottes ist, sondern menschlicher Zweck in dieser Welt. Die Wahrheitsbürde ist also eine Bürde der Unwahrheit. Die Wahrheitsbürde des Präsidiums der WTG ist zugleich eine Vorkehrung, ein Begrenzungsfall, der immer dann eintritt, wenn im Berichtsweg der WTG ein Zeuge oder Diener Sachverhalte berichtet, die der WTG-Behauptung entgegenstellen, daß die WTG von Jehova Gott überwaltet werde, sie sein direkter Mitteilungs-Kanal sei.

Deshalb ist der Berichtsweg von den Versammlungen zur Zentrale notwendig eingeengt und kanalisiert nur solche Berichte, die auf diesen Anspruch keinen Schatten werfen und den Ansatz zu solchen Einsichten gar nicht freigeben. Genau an dieser Nahtstelle beginnt die Wirkung bzw. der Dienst von CV. Es ist völlig eindeutig, daß sich CV-Berichte überwiegend mit der Wahrheitsbürde der WTG befassen und den Einblick darin freigraben.

CV wird zwar nicht für das Präsidium der WTG geschrieben, sondern für die Versammlungen, dennoch wirkt CV aus besagten Gründen sowohl als auch. Obwohl CV die Wahrheitsbürde der WTG durchschaubar machen will, kann die WTG einen Nutzen aus der sachlichen Substanz der aufklärenden Berichte in CV herausfiltern. Die WTG muß einfach so verfahren, denn der WTG-Berichtsweg signalisiert nicht die Gefahren, die zu kennen für die. WTG überlebenswichtig ist. Hier liegen auch die Ursachen des WTG-Verlangens, daß die Verkündiger CV dagegen ungelesen in den Ofen werfen sollen.

Jeder Zeuge durchlebt und erleidet die tragische Spannung, das selbst aufgezwungene Mißverhältnis von Verkündigung und Illegalität in der DDR. Der WTG-Untergrund hat sein eigenes Wolfsgesetz, Zeugen im Untergrund bleiben nicht Schafe. Zwangsläufig büßen sie an ihrer christlichen Vorbildwirkung ein. Warum das so ist und wie es geschieht, kann man in "Erwachet" Nr. 21/69 auf Seite 8 nachlesen:
"Der Lernvorgang und die Erfahrung bleiben nicht ohne Wirkung, sie hinterlassen Spuren. Das Gehirn wird tatsächlich verändert."

Zeugen im Untergrund bedienen sich unchristlicher Techniken wie der "theokratischen Kriegslist". Unchristlich, weil geschrieben steht, daß ein Christ "nicht mit List" wandeln dürfe. 2. Korinther 4:2, NW-Übers. Je perfekter ein Zeuge darauf bedacht ist, in diesem Untergrund zu arbeiten, desto energischer muß er sich dessen Wolfsgesetzen überantworten und Christus Jesus gegen "List" und allerlei "hinterhältige Dinge" eintauschen. Christus Jesus war kein Instrukteur für Untergrundarbeit. Hätte er uns solche Nachfolge angeraten und vorgelebt, dann wäre er nicht am Pfahl für uns alle gestorben.

Sollte nicht, wer um diese Konsequenzen der Untergrundarbeit weiß, vor diesem Sündenpreis warnen? Dieser Sündenpreis ist die Tatsache, daß der Untergrund sich nicht nur gegen die rechtmäßige "Obrigkeit von Gott" in der DDR richtet. Stärker und ausschließlicher schadet er allen Zeugen, der WTG. Hier nämlich offenbart sich aus dem Lernvorgang im Untergrund, daß nicht Christus Jesus das Heil bleibt, sondern Untergrundlist zum perversen Heil gegen den Staat gemacht wird.

Das alles weiß und sieht natürlich auch Präsident Knorr und sein Präsidium, wie und wo hier die Grenzen verlaufen und sich Heil in Unheil verkehrt und Satan den Friedefürsten verdrängt.

Hier ist CV wieder an seinen Platz gerückt, diese Todeskeime der WTG viel deutlicher als der Berichtsweg der WTG aus dem Dunkel ans Licht kommender Tage zu ziehen. Ein Mann wie Präsident Knorr kann alle Gefühle der Enttäuschung, den anklagenden Aufschrei, wie er mitunter aus CV-Berichten sprechen mag, abstreifen. Was für ihn bleibt und zählt, sind nur noch Tatsachen. Wir meinen hier u. a. den Bekenntnisbericht von Br. Horst Kühn, Zittau. (CV 17-20, 1968). Wie tiefe Wurzeln gräbt sich dieser Bericht in die Verhaltensweisen von Dienern der WTG. Erst wenn ein Zeuge von seinen eigenen Brüdern , so geschunden wurde wie Br. Kühn, dann kann das Tor zu diesen Wahrheiten aufbrechen.

CV ist und gibt die einzige Möglichkeit zu solchen Erkenntnissen über die innere Verfassung der WTG. Kein WTG-Berichtsweg hätte sich jemals gegenüber dieser schrecklichen, vernichtenden Wahrheit geöffnet.
Die nüchterne Erkenntnis daraus heißt: CV lügt und hetzt nicht, CV ist hier das Sprachrohr so geschundener Kreatur Jehova Gottes. Wäre Präsident Knorr unfähig, solche Erkenntnisse zu ziehen, die nach außen natürlich selbst nie eingestanden werden können, dann könnte er die Organisation der Zeugen nicht leiten. Der äußerliche Erfolgseffekt des Wachstums der WTG beweist, daß der Präsident diese Fähigkeit sehr wohl besitzt.

Eigentlich müßte der Präsident dem Br. Kühn die Hand reichen und sagen: Ich danke dir, lieber Bruder, wir alle bitten dich um Vergebung, du hast der Organisation Jehovas einen großen Dienst erwiesen. Ein solches Geständnis kann sich der Präsident nicht leisten, denn damit würde er Dämme einreißen und den Blick in den Abgrund der Wahrheitsbürde freigeben. Es ist seines Amtes, diesen Blick unbedingt zu versperren, wie es der Dienst von CV auch ist, diesen Blick unbedingt freizugeben.

Der Präsident der WTG weiß natürlich auch, in den Versammlungen und stärker noch unter den Dienern eine ausgeprägte Neigung besteht, die "Theokratie" ganz gesetzesstreng aufzufassen und anzuwenden. Er weiß auch, warum das so ist, gar nicht anders sein kann, wenngleich auch Röm. 6:14 sagt: "denn ihr seid nicht unter Gesetz sondern unter Gnade." EB

Schutzbehauptung = Selbstradikalisierung
Diese Form der Anbetung, ihre praktische Handhabung im Leben der Verkündiger entsteht aus einem Radikalismus, der unter vielen Zeugen selbst lebendig ist und wirkt. Es handelt sich um Schutzbehauptungen, ein selbst eingeübtes Verhalten, eine Art Korsettstange, die sie befähigen soll, Mißverhältnisse, Enttäuschungen, innere Zweifel über die Organisation und abweichende Einsichten über die WTG durchzustehen und auszuhalten.

Weil ein sterblicher Mensch hieran angesichts des WTG-Anspruchs "überwaltet" zu sein zerbrechen würde, deshalb müssen sie sich in solche Rüstungen flüchten und ihre Herzen mit Eisen panzern. Eine sich so im Zeugen regulierende Schutzbehauptung, die das innere Gleichgewicht immer wieder auspendelt, kommt der WTG natürlich auf halbem Wege entgegen. Durch entsprechende Radikalisierung von außen sorgt die WTG dann dafür, daß alle ihr "treu" bleiben, indem ihnen der Einblick in die Wahrheitsbürde, die ja eine Bürde der Unwahrheit ist, erspart bleibt.

Unter solchen Schutzbehauptungen aber verkümmert der "inwendige Mensch". Brooklyn muß diese Kehrseite der Sache bedenken. Die Grenzen der Selbstzerstörung werden erreicht, wenn durch solche Verkümmerung Unbrüderlichkeit wie ein Bazillus alle Beziehungen der Brüder im WT-Untergrund überwuchert. Die Vorgänge in den Versammlungen in Erfurt und Eisenach beweisen das nur einmal mehr. Wenn Christus gegen List und Hinterhältigkeit eingewechselt wird und Radikalisierung zur Methode wird, kann es nicht anders kommen.

Es ist verständlich, daß der innere Zwang zur Schutzbehauptung um einen Kreisdiener keinen Bogen schlägt. Kreisdiener L. hatte den möglichen Grenzwert bereits unterschritten, indem er u. a. erklärte:
"Jehovas Zeugen betrachten die Wahrheit durchaus dialektisch, sie tun das in Übereinstimmung mit ihren Brüdern in Schlüsselstellungen der Gesellschaft."

Da Kreisdiener L. sehr genau bemerkt hatte, daß die "Wahrheit der Gesellschaft" immer wieder durch "neues Licht" verändert und an vorgefundene Umstände angepaßt wurde, ihren Wahrheitsgehalt also verliert, deshalb mußte er zu seiner eigenen Selbstbehauptung als Zeuge einen Ausweg aus diesem Widerspruch finden. Seine persönliche Schutzbehauptung wollte und mußte in diesem Fall diese Widersprüche als "dialektisch Wahrheit" der Zeugen ausgeben.

Der Mißbrauch des Begriffes "dialektisch" sollte ihn retten, um den eigenen Wahrheitsschwund ausgleichen zu können. Er würde erkennen, daß die Widersprüche der WTG wohl von "Übereinstimmung mit den Brüdern in Schlüsselstellungen der Gesellschaft" zeugen, nicht aber von göttlicher Überwaltung.

Nein, Kreisdiener L. ist kein Ausnahmefall, der einsam unter den Dienern der WTG dastünde.
W. D.

Was sind die wichtigsten biblischen Bedingungen und Rechte für Älteste?
Bis 1. Oktober 1972 soll in allen Versammlungen das Ältestenamt eingeführt sein. Wer hätte das gedacht? Wer hätte eine solche organisatorische Umstellung des gesamten weltweiten Werkes im Jahre 1972 für möglich gehalten?

Etwas ganz anderes war für 1972 vorausgesagt worden, und zwar mit den Worten Christi "Die Wahrheit wird euch freimachen": 1972 sollten die 6000 Jahre der Zeit "dieser Welt" zu Ende sein! Studiert in dem Buche "Die Wahrheit wird euch freimachen" die Zeitrechnung! Nichts davon ist mehr! Etwas ganz anderes passiert: Die Organisation wird formell umgestülpt! Eines ist damit klar, die Einführung der Ältestenordnung ist auch gedacht, um für das Jahr 1972 etwas Besonderes zu bieten, was alle Aufregung und Sinne gefangen nimmt. Ist dies wirklich die beste Aufgabenstellung für 1972, um alle Gedanken von dem abzulenken, was ursprünglich für 1972 verkündigt worden war, das Ende der 6000 Jahre? War dann "Die Wahrheit wird euch freimachen" nicht ein großer Bluff gewesen?

Befassen wir uns also mit der Ältestenfrage. Möge der Hinweis auf das Jahr 1972 helfen, daß alle Diener jetzt die Gelegenheit wahrnehmen, ausschließlich der Bibel entsprechend zu handeln und jede Bevormundung zu verhindern und fortan von sich zu weisen, was jetzt die Ältesten und ihre Rechte betrifft, wenn in Zukunft solches Irregehen wie mit 1972, solches Bluffen im Weltmaßstab verhindert werden soll. Und vor allem, wenn nun endlich die Organisationsmethode eingeführt werden soll, die wirklich biblisch ist. Denn die bisherige Dienerordnung war auch nicht biblisch, wie jetzt ihre Abschaffung beweist Doch was wäre mit Dir passiert, hättest Du früher gegen die bisherige Ordnung protestiert? Du wärest als ein "Rebell gegen Gott" zum Teufel gejagt worden! So ist das.

Was sind also die wichtigsten biblischen Bedingungen und Rechte für Älteste? Du mußt sie als verantwortungsbewußter Christ kennen!
1. Die Versammlung ist für alles verantwortlich. Denn es ist Sache der Versammlung, "die Geister (Lehren und Lehrer) zu prüfen, ob sie von Gott sind", wie es in 1. Joh. 4:1 heißt. Niemand weiter oder anders hat, deshalb das letzte Wort über die Verkündigung und die Diener.
2. Die Versammlung ist letzte Instanz für die Einsetzung bzw. Wahl der Ältesten oder Diener. Jeder muß zuvor durch die Versammlung einer Eignungsprüfung unterzogen werden, erst dann "laßt sie als Diener amten", weist der Apostel Paulus die Versammlung an. 1. Tim. 3:10 NW. Auch die amerikanische Standard-Übersetzung der WTG sagt an die Adresse der Versammlung: "Then let them serve as…" (dann laßt sie dienen als … ). Es ist sehr wichtig, ja entscheidend, wer wen dienen lassen soll!
3. Die Ältesten müssen fähig sein, als herangereifte Christen selbständig nach der Schrift zu urteilen, sie müssen also endlich wieder in der Bibel forschen, als wenn es keinen WT gäbe. Denn es werden in der Schrift mündige Christen verlangt und nicht Kinder in der Urteilskraft" (l. Kot. 14:20).
Lehnt also die Kindergartenmethode der Bevormundung ab.
4. Jeder Verkündiger und erst recht jeder Diener oder Älteste hat das biblisch unantastbare Recht, jeden "Vorgesetzten" kritisch zu überprüfen. Was diese betrifft, so haben sie überhaupt keine geistigen Vorrechte, sie haben allenfalls größere organisatorische Aufgaben. Was die Lehrer betrifft, so haben auch sie sich dem kritischen Urteil der Versammlung und ihrer Ältesten zu stellen, wie es in Apg. 17:10,11 gezeigt wird, wo sich selbst Paulus dem Kritikrecht der Versammlung unterwarf.

Wenn also in Zukunft falsche und unbiblische WT-Lehren und WT-Methoden verhindert werden sollen, wie z. B. Endzeitberechnungen (1874, 1914, 1925, 1945, 1972, 1975), Antikommunismus, politische Obrigkeitsirrtümer, Geld- und Devisenschmuggel nach dem Westen, die bisherige Dienerordnung, Schönfärberei, willkürliche Entscheidungen von oben, ungerechte Ausschlüsse u. a. m., dann müsse die Ältesten die Rechte erhalten, die ihnen biblischerweise zustehen. Sonst bleibt alles beim alten, wie auch die äußere Form und der Dienstamtstitel lautet.

Niemand jedoch kann diese biblischen Rechte "verleihen", denn sie sind bereits in der Bibel für jeden Diener unmittelbar und verbindlich niedergelegt. Es kommt darauf an, sich nicht wie ein hilfloses Kind im Kindergarten umzuschauen, sondern als im Urteil gereifter Christ unmittelbar die Verantwortung zu übernehmen. Die Versammlungen sollen sich zusammenfinden und in bewußter und eigener Verantwortung vor Gott Diener oder Älteste aus ihrer Mitte erwählen, um sie nach erfolgter Überprüfung dann dienen zu lassen.

Antikommunismus unter dem Aushängeschild Neutralität
Unter diesem Thema erschien vor einiger Zeit in der Sowjetunion eine Abhandlung über die WTG und die Zeugen Jehovas von E. M. Bartoschewitsch und J. D. Borrissoglebski mit dem Titel "Jehovas Zeugen".
Wir möchten zunächst einige Schwerpunkte dieser Arbeit vorstellen, um zu zeigen, welche Auseinandersetzungen hier geführt werden.

Bekanntlich wird in dem Buch "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft, M. Gebhard, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1970" ausführlich über die Strategie und Taktik der WTG in der Verkündigungstätigkeit in Richtung Sowjetunion geschrieben, was hiermit allen Lesern empfohlen wird, nachzulesen. In der genannten Abhandlung wird auf die Hauptpunkte eingegangen, in denen sich die WTG-Tätigkeit in die allgemeinen gesellschaftspolitischen Fragen einmischt. Es werden die Fragen behandelt, die somit das politische Verhalten der Zeugen Jehovas unter Anleitung durch die WTG betreffen.

Um einen Einwand vorwegzunehmen: Jeder Christ, und damit auch der Zeuge Jehovas, ist nicht nur Christ, sondern zugleich auch Staatsbürger mit sozialen und anderen gesellschaftspolitischen Lebensbedürfnissen, ob er das nun so wahrhaben will oder nicht. Jeder Mensch, unabhängig von seinem Glauben, verursacht somit Politik, daran läßt sich nichts ändern. Das ist schon immer so gewesen. Schließlich ist es Gott selbst gewesen, der im Schöpfungsakt den Menschen mit sozialen Bedürfnissen schuf.

Ein erster Schwerpunkt in der genannten Abhandlung ist die Obrigkeitsfrage. Es wird dargelegt, wie die WTG die Verkündiger mehrerer Jahrzehnte unter der falschen Lehre, der Staat sei keine rechtmäßige Obrigkeit, gegen die Sowjetregierung aufbrachte und damit viel politisches Unheil heraufbeschwor.

Dann wird behandelt, wie die WTG allen Ernstes für ihre Verkündiger den Status eines politischen Gesandten oder den "weltlichen" Diplomatenstatus der politischen Exklusivität verlangte, weil sie angeblich "Gesandte des Königs Christus" seien, der seit 1914 "im Himmel" regiere. Ist die angebliche Herrschaft Christi seit 1914 "im Himmel'" von politischer Bedeutung? Das heißt, hat sie Bedeutung für die politischen Regierungen auf der Erde? Wenn ja, dann haben auch die Verkündiger dieser Sache eine politische Bedeutung und spielen eine politische Rolle. Aus ist's mit Neutralität. Mit dem Moment, wo man erklärt, der seit 1914 "im Himmel" zur Macht gekommene Christus sei der "einzige rechtmäßige Herrscher aller Nationen" und die politischen Regierungen hätten seit dieser Zeit kein Recht mehr zu herrschen, spricht man diesem Christus "im Himmel" alle politischen Rechte zu, die die Regierungen haben. Da nun aber die WTG und ihre Verkündiger die Vertreter dieser Christus-Regierung sein wollen, und man sich direkt nicht an den Christus "im Himmel" wenden kann, tritt die WTG in den politischen Kampf gegen die Regierungen, die natürlich ihre Macht nicht "in den Himmel" abtreten können. Wie sollte das vor sich gehen. In Wirklichkeit verzapft die WTG hier einen haarsträubenden politischen Unsinn. Denn da die WTG selbst als Vertreter "des Christus im Himmel" keine politische Macht und Verantwortung übernehmen will, von den Regierungen aber fordert, die Macht an Christus abzutreten, man aber wiederum keine politische Macht "in den Himmel" abtreten kann, läuft alles de facto auf politische Anarchie hinaus, wollte man das akzeptieren.

Sind die Verantwortlichen in den Zweigbüros so unfähig, zu erkennen, was für einen Unsinn die WTG hier mit dem angeblichen Machtantritt Christi 1914 treibt?
Auf den Kongressen 1971 referierte WTG-Zweigdiener R. E. Kelsey in seinem Hauptvortrag "Wenn alle Nationen frontal mit Gott zusammenstoßen" zu dem gleichen politischen Unsinn.

Es wird im Zusammenhang mit den falschen WTG-Obrigkeitslehren sodann der Fall von D. J. Michailow aus der illegalen WTG-Organisation in Ordshonikidse, Kaukasusgebiet, beschrieben. Michailow erklärte vor Gericht u. a.: "Wir Zeugen Jehovas zählen nicht zu dieser Welt, sondern sind schon ein Teil der neuen Welt und das ist die Theokratie. Wir anerkennen nicht die bestehenden Staaten, und dazu gehört auch der sowjetische Staat, wir unterwerfen uns nicht ihren Gesetzen. Für uns sind die Staaten und ihre Gesetze ein Werk des Satans, weil sie alle gegen die Gesetze Gottes gerichtet sind. Ich kann mich nicht Bürger der Sowjetunion nennen, ich bin ein Christ." Dazu heißt es: "Michailow ist tief davon überzeugt, daß er für wahrhaft religiöse Ansichten büßen muß. Doch in welche seelische Depressionen geraten sie durch die Schuld des Brooklyn-Zentrums, wenn sie erkennen, daß die Deutung des Römerbriefes durch die Führer der 'Gesellschaft der Zeugen Jehovas' ein Irrtum war."

Inzwischen ist dieser Irrtum offenbar. Soll man sich darüber wundern, wenn Michailow und andere, denen es ähnlich ging, nicht ein zweites Mal von der WTG politisch irregeführt werden wollen und sich deshalb von ihr abwenden? Wenn sie nun andere aufklären, um sie vor zukünftigen Irrwegen zu bewahren?

Schließlich wird dargestellt, daß die WTG nach ihren eigenen Worten schon seit 1879 gegen den Kommunismus kämpft und WTG-Präsident Rutherford im Zusammenhang damit nach der Gründung der Sowjetunion sofort auf den Kampf gegen diesen "kommunistischen Staat" aufnahm. Keinen Kongreß ließ er vergehen, ohne auf ihn gegen die Sowjetunion zu Felde zu ziehen. Bis heute wird dieser Feldzug mit immer wieder neuen Methoden fortgesetzt. Seit 1950 wurde dieser politische Kampf sogar in ein religiöses Gewand gekleidet, indem behauptet wird, der Kommunismus sei eine "falsche Religion", es handele sich somit ausschließlich um religiöse Fragen und Auseinandersetzungen.

Zum Schluß eine sehr bemerkenswerte Feststellung der genannten Abhandlung:
"Eine Richtungsänderung löst die andere ab, so daß die Zeugen Jehovas kaum Zeit finden, über die Ursache dieser Änderungen nachzudenken. Wer weiß auch, was sich ihre Führer morgen 'Neues' einfallen lassen?' Und: Auf jeden Fall soll die Feindschaft gegen den Sozialismus aufrechterhalten bleiben."

Somit gilt uneingeschränkt: Die WTG. sollte besser das Wort Neutralität völlig aus ihrer Tätigkeit streichen. Ihre ganze religiöse und politische Geschichte beweist, daß sie nie neutral gewesen ist, sondern immer und zu jeder Zeit Stellung bezogen hat, für oder gegen, je nachdem, wie es ihrer Zielstellung diente.
K. 0.

"Jehovas Zeugen", Polizei und Verfassungsschutz
Eine Mitteilung zum Nachdenken
1968 entschied das Bundesverwaltungsgericht in der BRD, daß Bruder Alfred Hegenbart, Wunsiedel, Landespolizeidirektion Bayreuth, als "Polizeivollzugsbeamter" auch Angehöriger und Verkündiger der Zeugen Jehovas sein könne. Bruder Hegenbart hatte seinen Fall im Einvernehmen mit dem Zweigbüro in Wiesbaden bis vor die höchste Instanz gebracht. (B Verw. G II C 101.64).
Aus einer Teilversammlung in Stuttgart erfuhr CV, daß dort 1967 nicht weniger als 7 Zeugen Jehovas als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz bekannt geworden seien.
Wie steht's nun noch mit der politischen Neutralität?

WTG-Begründer C.T. Russell über die Adventisten
Das die geschichtlichen Anfänge von Jehovas Zeugen unverkennbar mit den Adventisten verbunden sind, dürfte wohl als allgemein bekannt angesehen werden. Man denke nur daran, daß C. T. Russell gerade durch den Adventisten N. H. Barbour und andere seine entscheidende Beeinflussung erfuhr,

In seiner Lebensgeschichte berichtet der 1852 geborene Russell, daß er "von Natur aus zum Nachdenken und Nachforschen geneigt" Gefahr lief, "dem Unglauben in die Arme getrieben" zu werden. Was aber zuerst ein völliger Schiffbruch alles Glaubens an Gott und an die Bibel zu werden drohte", wurde durch seine Bekanntschaft mit den Adventisten abgewendet. Wörtlich bekennt Russell: "Somit bekenne ich mich sowohl den Adventisten wie auch anderen Bibelforschern gegenüber zu Dank verpflichtet." Er fügt hinzu, daß die adventistische Bibelauslegung genügte, um "meinen wankenden Glauben an die göttliche Eingebung der Bibel wieder aufzurichten und mir zu zeigen, daß die Schriften der Apostel und der Propheten unzertrennlich miteinander verknüpft sind."

Man muß sich hierbei vergegenwärtigen, daß es sich bei diesen Kreisen, mit denen Russell in Verbindung kam, um jene handelte, die ursprünglich für, 1844 und danach für 1874 Christi Wiederkunft erwartet hatten.
Ihre zweimalige Enttäuschung konnte den jungen, davon unbelasteten Russell nicht in seiner Vitalität beeinträchtigen, was sich auch in seiner nachfolgenden Bemerkung niederschlägt: "Es scheint, daß ein Leser des 'Herald of the Morning' (eine adventistische Zeitschrift), nicht lange nach der Enttäuschung von 1874, im Emphatic Diaglott (griechischer Text) etwas fand, das ihm sofort auffiel - daß nämlich in Matthäus 24:27,37,39 das griechische Wort parousia, das mit 'Ankunft' übersetzt ist, im Diaglott durch das Wort 'Gegenwart' wiedergegeben ist - und dies ist offenbar die richtige Übersetzung."

Diese Überlegung war es, die Russel faszinierte. So berichtet er darüber:
"Ich bezahle nun Herrn Barbours Auslagen für eine Reise nach Philadelphia, (wo ich im Sommer 1876 geschäftlich Sachen zu erledigen hatte), um mich dort aufzusuchen und mir, wenn er dazu imstande sei, einen vollständigen und durch die Schrift erhärteten Beweis zu erbringen, daß die biblischen Prophezeiungen auf das Jahr 1874 als den Zeitpunkt, an welchem des Herrn Gegenwart und die Erntezeit begann hinzuweisen. Er kam, und die von ihm vorgelegten Beweise befriedigen mich. Als ein Mann von entschiedener Überzeugung und völlig dem Herrn geweiht, sah ich sofort, daß die besonderen Zeiten, in denen wir leben, in sehr enger Beziehung zu unseren Pflichten und zu unserem Werk als Christi Jünger stehen; daß, da wir in der Zeit der Ernte leben, die Erntearbeit getan werden sollte, und daß die gegenwärtige Wahrheit die Sichel ist mit der wir, wie es der Wunsch des Herrn ist, ein Werk des Einerntens überall unter seinen Kindern tun sollten. Ich fragte Herrn Barbour, was in dieser Richtung durch ihn und den 'Herald of the Morning' geschehe. Er erwiderte, daß nichts getan würde."

Barbours verneinende Reaktion ist in gewisser Hinsicht durchaus verständlich, da seine Glaubensbrüder schon seit 1844 "gebrannte Kinder" waren, die bekanntlich das Feuer scheuen. Unabhängig davon war sein Endzeitglaube nach wie vor wach, ohne jedoch jene aktivistischen Formen anzunehmen, wie sie Russell im Hinweis auf eine 1874 begonnene "Erntezeit" zu entwickeln begann.
(Vorstehende Zitate wurden sämtlichst den "Schriftstudien" Band VII entnommen, S. 65-68).

Aus dem Leben der Adventgemeinschaft
Der vorangegangene geschichtliche Überblick verdeutlichte, daß die ursprünglichen adventistischen Wiederkunftslehren durch die Wachtturmgesellschaft weiter entwickelt wurden, bis hin zu solchen Datenspekulationen, wie sie gerade in der Gegenwart wieder "aktuell" sind.

Demgegenüber hat die Entwicklung der Adventsgemeinschaft eine andere Tendenz eingeschlagen, wobei ihre führenden Vertreter ihr gegenwärtiges Selbstverständnis in die Worte einkleideten:
"Eine auf der Grundlage des Evangeliums und der Reformation stehende christliche Gemeinschaft" die ihre Aufgabe "in der Verkündigung und persönlichen Vorbereitung auf die baldige Wiederkunft Jesu Christi" und im Halten der Gebote Gottes, als den Ausdruck des Liebes und Glaubensgehorsams in der Nachfolge Jesu" sieht.

Wenn festgestellt wurde, das die Entwicklung dieser beiden Gemeinschaften unterschiedliche Wege einschlug, so bestehen nichtsdestoweniger auch einige relative Gemeinsamkeiten, beispielsweise beim Bibelgebrauch in den jeweiligen Zusammenkünften. Gerade Jehovas Zeugen, die durch die WTG in eine künstliche Konfrontation zum Staat speziell sozialistischer Prägung hineingetrieben wurden und demzufolge über das anderweitige Leben äußerst mangelhaft informiert sind, mögen die nachfolgenden Notizen überraschend empfinden.

Adventistische Bibelwerbung in der DDR
Zwei Nachrichten aus der Tageszeitung "Neue Zeit" (13. 3. 1970; 15. 10. 1971) zur Veranschaulichung:
"Bibel-Ausstellung
Eine Bibel-Ausstellung hat die Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten in der Adventskapelle. .. zusammengetragen In zehn Abteilungen werden Exemplare aus der Zeit des Beginns der Buchdruckerkunst, fremdsprachige und bekannte illustrierte Bibelausgrabungen gezeigt."
"Aus der Geschichte der Bibel
Eine Bibel-Austellung mit 30 Hinweistafeln über die Geschichte und Verbreitung des 'Buches der Bücher' steht allen Interessierten vom … bis … in den Räumen der Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten … offen. Der Besucher wird bekannt gemacht mit fotografischen Anschauungsmaterial, alten Bibelhandschriften, fremdsprachigen Bibelausgaben, modernen Übersetzungen, Statistiken und der Nachbildung von Handschriftenfunden am Toten Meer (1947)."

Dazu einige Titel, der damit verbundenen öffentlichen Vorträge:
"Die Bibel für mich - Museumsstück oder Hilfe"
"Die Bibel - nur ein frommes Buch?"
"Was mit der Bibel anfangen?" usw.

Man sieht also, die von der WTG aufgestellte, ziemlich gewagte Behauptung, "nur ihre Gemeinschaft sei die Religion der Bibel", steht auf ziemlich wackligen Füßen und das nicht nur äußerlich.

Gemeinschaftseigenes Predigerseminar
Auch noch andere beeindruckende Fakten wären zu nennen, nicht zuletzt auch das "Predigerseminar Friedensau".
Friedensau ist ein Ort im Bezirk Magdeburg, wo nur Adventisten leben und wirken, was äußerlich schon dadurch sichtbar wird, daß die dortige Konsumverkaufsstelle keinerlei Tabakwaren oder Spirituosen führt. Das Predigerseminar konnte 1969 bereits sein 70jähriges Jubiläum feiern.

Seit 1947 haben mehr als 189 Seminaristen den Predigerlehrgang besucht. Weitere 950 Schüler erhielten eine Ausbildung in Gemeinde-, Kranken- und Musikpflege. Insgesamt konnte diese Ausbildungsstätte in ihrem 22. ununterbrochenen Ausbildungsjahr am 1. 9. 1969, schon ihren 4000. Schüler begrüßen.

Adventistisches Schrifttum
Über das adventistische Schrifttum in der DDR berichtet der Sekretär dieser Gemeinschaft, Prediger Egon Hennig, in einer Presseverlautbarung:
"Alle Verlagsobjekte der Gemeinschaft der STA in der DDR werden vom Union-Verlag, dem Verlag der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, gefertigt. Die gediegene Gestaltung und Verarbeitung der ausgestellten Bücher und Broschüren lösten allerseits Anerkennung aus … Als die politische Entwicklung in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zur Bildung zweier deutscher Staaten führte, war es nur folgerichtig, daß die Gläubigen unserer Religionsgemeinschaft nicht mehr auf die Erzeugnisse des bis dahin für das gesamte deutsche Sprachgebiet arbeitenden Adventverlages in Hamburg angewiesen sein konnten. Bereitwillig stellte sich der Verlag der CDU zur Verfügung, um nun für die Gemeinschaft der STA in der DDR das benötigte Schrifttum herzustellen. So wurde es möglich, seit 1953 ein eigenes Verlagswerk aufzubauen. Diese Arbeit begann zunächst im kleinen Rahmen. Seit 1963 konnten bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr als 45 Titel herausgegeben werden. Darin ist nicht das für gottesdienstliche Zwecke periodisch erscheinende Schrifttum enthalten." (Neue Zeit, 30. 9. 1971).

Einen Einblick in das Niveau dieser Veröffentlichungen kann man vielleicht andeutungsweise mittels einer Buchbesprechung des Beauftragten der Evangelischen Kirche für die kleineren Religionsgemeinschaften, Superintendent Dr. R. Pietz, erahnen, der in einer Veröffentlichung des "Evangelischen Bundes in der DDR" unter anderem sagte: "Der Verfasser dieses ansprechend aufgemachten und flüssig geschriebenen Buches (Walter Eberhardt, Wege und Irrwege der Christenheit, Eine adventistische Kirchengeschichte) … besitzt eine beachtliche Kenntnis protestantischer und katholischer Quellensammlungen … Seinen konfessionellen Standpunkt vertritt der Verfasser aufs ganze gesehen maßvoll zurückhaltend … Der auffallendste und auch bedenklichste Zug seiner Darstellung ist die durchgängig vorgenommene Hineinversetzung in die Offenbarung des Johannes … Gegenüber derartigen exegetischen Künsteleien sind Irrtümer bei historischen Fakten relativ selten."

Verhältnis zum Staat
Dies alles verdeutlicht, daß die Adventgemeinschaft in der DDR ein vielseitiges Leben auf einer den politischen Realitäten Rechnung tragenden Basis führt. Ihr Endzeitglaube hindert sie nicht daran, gute und bewußte Staatsbürger zu sein.
Dies kam unlängst auch in solchen Begegnungen sichtbar zum Ausdruck, wie der Empfang des Präsidenten der adventistischen Weltvereinigung, Robert H. Pierson, beim Staatssekretär für Kirchenfragen. Oder auch dem Besuch, den der Volkskammerpräsident und Vorsitzende der CDU, Gerald Götting mit seiner Begleitung den adventistischen Anstalten in Friedensau abstattete, auf deren Einladung. Es macht sichtbar, welche Chancen und Möglichkeiten durch den von uns schon vielfach kommentierten Antikommunismus der WTG, für Jehovas Zeugen in der DDR bislang verlustig gegangen sind, und daß es auch anders gehen kann.

Statistische Angaben
Abschließend noch einige statistische Angaben. (Im wesentlichen auf dem Stand von 1969 beruhend).
343 Gemeinden in der DDR.
Gottesdienste in der Regel jeweils sonnabends 9.30 Uhr. Mehr als zwei Millionen Mitglieder in 193 Ländern. 1966 - 1969 600 500 Glaubenstaufen.
138 von der Gemeinschaft unterhaltene Krankenhäuser und Sanatorien.
143 Ambulatorien.
Von 1966 - 1970, Raucherentwöhnungskurse für zehn Millionen Menschen veranstaltet.
Im gleichen Zeitraum wurden 10,25 Millionen Dollar für notleitende Menschen aufgebracht.
D. D.

Im geistigen Paradiese - Der Fall Offenburg - 1. Teil
"Herr, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie die anderen Menschen . . ." Lukas 18:11.
Vorbemerkungen
Die Berichte zum Fall Offenburg stützen sich auf Dokumente über fürchterliche Auseinandersetzungen im BRD-Zweig der WTG, zwischen der Versammlung Offenburg und dem Zweigbüro in Wiesbaden mit seinen ehemaligen Zweigdienern Erich Frost und Konrad Franke. Der Fall wurde auch dem Hauptbüro in, Brooklyn, USA, unterbreitet Es handelt sich um einen der Hintergründe der Dienstamtsenthebung von Zweigdiener Franke im Jahre 1969 im Zusammenhang mit 1975.

Warum veröffentlicht CV den Fall Offenburg? Es geht darum, die Augen für die Realitäten der Organisation aufzutun, sie so zu sehen, wie sie wirklich ist. Es geht darum, zu sehen, ob diese Organisation ein Werk Gottes ist, von ihm überwaltet und geleitet, oder ob sie nur ein Werk von Menschen ist, nicht besser als manches in der verächtlich gemachten "Welt". Würde die WTG nicht mit allen Mitteln jede Kritik an ihrer Leitung und Organisation unterbinden und unterdrücken mit der Behauptung, Kritik an der Organisation sei Rebellion gegen Gott, weil die Organisation Gottes Werk sei, dann gäbe es keine besonderen Gründe, solche Dinge wie den Fall Offenburg darzustellen. Laufend sehen wir, wie Brüder und Schwestern an den Ungerechtigkeiten der WTG zerbrechen, die diese im Namen Gottes begeht. Solange sich die WTG das Recht anmaßt, im Namen Jehovas jede Kritik zu unterdrücken und zu verfolgen, obwohl sie selbst unvollkommen, fehlerhaft und sündig ist, müssen Fälle wie Offenburg ohne Ansehen der Person, wie die Schrift sagt, mehr als die normale Aufmerksamkeit aller finden.

Obwohl uns die Schrift das Recht gibt, selbst in Fällen von Diebstahl, Hurerei, Lüge und Verleumdung offen die Namen zu nennen, wie der Fall Ananias und Sapphira in Apg. 5:1-11 veranschaulicht, möchten wir aus persönlicher Rücksicht Diskretion wahren. Einige Namen sind deshalb durch andere Buchstaben ersetzt.

In dem Fall Offenburg sind mehrere Rechtsanwälte der Stadt Offenburg engagiert worden. Auch das Landgericht in Offenburg spielt eine Rolle. Schließlich wurde auch eine Tageszeitung, das "Offenburger Tageblatt" angesprochen und um Hilfe gebeten. Der Fall schreit buchstäblich zum Himmel.

Erste Verfeindungen
In den Jahren 1959 - 1961 wurde in der Versammlung Offenburg, Kesselstraße 17, ein Königreichssaal gebaut, verbunden mit Gastzimmer für reisende Brüder (Bethel Wiesbaden, Kreisdiener, Bezirksdiener), mit Wohnung und Büroräumen, ein ganzes Haus. Über diesen Bau später noch mehr, denn deswegen ging es bis vor "weltliche" Rechtsanwälte. Das Gastzimmer war auch für Ferienaufenthalte reisender Brüder. Oft quartierte sich auch der ehemalige Zweigdiener Erich Frost dort ein.

Durch Frosts Vermittlung kam auch Bruder A aus dem Bethel Wiesbaden gelegentlich nach Offenburg. Dort lernte er nun aber die Tochter von Bruder B kennen. Bruder B hatte den Königreichssaalbau mit einem Betrag von 45 000,- M, teils Spende und teils Darlehn von 26 000,- M entschieden unterstützt.

Das Ergebnis war, daß zwischen Bruder A und der Tochter von Bruder B ein Verhältnis entstand, beide sich verlobten und heirateten. Natürlich verließ Bruder A damit das Bethel in Wiesbaden. Damit war jedoch der erste Konflikt perfekt, denn Zweigdiener Franke paßte es gar nicht, daß Bruder A nach Offenburg heiratete. Die Intrigen begannen Ein kleines Feuer zündete den ganzen Wald an. "Du wirst bald Schwierigkeiten in der Versammlung Offenburg haben. Du wirst bald auf den Knien wieder um Aufnahme ins Bethel bitten", drohte Franke. Er solle sich lieber wieder entloben, anstatt in einen "goldenen Käfig" zu gehen. Er werde in Offenburg auch kein Dienstamt bekommen Und wenn er sich wieder entlobe, dann dürfte er nach Gilead in die USA. (WTG-Schule für Auslandsmissionare) Als Bruder A dann nach Offenburg ging und nicht auf Frankes Zuckerbrot und Peitsche reagierte, ging es in Offenburg los. Allen Brüdern, die nach Offenburg kamen, verbot Franke, bei Bruder A auch nur eine Einladung zum Essen anzunehmen, "bis eine gewisse Unstimmigkeit beendet wäre."

Dieses Verbot wurde von Franke telefonisch über den Kreisdiener Krüger vermittelt. Aber jemand hörte das ab und machte es Bruder A bekannt. Es kam hinzu, daß die Frau von Zweigdiener Franke da nicht recht mitmachte und Bruder A in Offenburg besuchen wollte. "Was, meine Feinde willst du besuchen?" Diesen Ausspruch ihres Mannes hat sie nun auch nicht für sich behalten. Nun begannen die Flammen des Feuers zu züngeln. Wem gefällt solches Intrigieren hinter dem Rücken schon.

Jetzt passierte folgendes. Die Brüder, die Bruder A das Verbot Frankes mitteilten und sich weigerten, als Bethelbrüder eine Einladung zum Essen bei ihm anzunehmen, spielten eine üble Rolle. Bruder A ging sofort zu Bruder Mehl, Zonendiener, Wiesbaden und beschwerte sich bei diesem über Franke. Daraufhin zitierte Franke diese beiden Bethelbrüder in sein Büro in Wiesbaden und drohte ihnen mit sofortiger Entlassung aus dem Bethel, wenn sie ihm nicht die Wahrheit sagen. Aus Furcht vor Zweigdiener Franke erklärten sie diesem, sie hätten Bruder A nichts über das Verbot hinter seinem Rücken gesagt. Bruder A sei ein Lügner. Es kam wie es kommen mußte: Bruder A wurde in einem Verfahren sofort die Gemeinschaft entzogen. Mehr als 30 Verkündiger der Versammlung hielten jedoch zu Bruder A und verließen die Versammlung und zogen sich zurück.

Am 14. August 1967 ging ein ausführliches Schreiben der unschuldig getroffenen Brüder aus der Versammlung Offenburg mit entsprechenden Unterlagen an das Hauptbüro der WTG nach Brooklyn, USA. Das Hauptbüro hat nie darauf geantwortet.

Was steckte nun hinter der ganzen Geschichte?
Auf den Kongressen des Jahres 1966 wurde mit dem Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes" und dann mit dem deutschen WT vom 1. Januar 1967 das Jahr 1975 als Ende der 6000 Jahre "dieser Welt" und damit als Ende der Schlacht von Harmagedon und Beginn des Tausendjahrreiches oder Paradieses auf Erden verkündigt Der Fanatismus von Zweigdiener Franke entsprechend dieser Jahreszahl 1975 als endgültiges und unanzweifelbares Weltende" ist bekannt. (Lies den Bericht über einen Vortrag von Franke 1968 vor Hamburger Dienern in CV 35 unter dem Titel "Warum mußte Konrad Franke als Zweigdiener abgelöst werden?") Seit dem Buch "Die Wahrheit wird euch freimachen' (dt. 1946) wird auch das Jahr 1972 als Ende der 6000 Jahre verkündigt (Tabelle und Zeitrechnung S. 146 ff). So kurz vor Harmagedon noch heiraten und deswegen das Bethel verlassen Dies war die Situation von Bruder A.

Genau wie 1914, 1925, 1938 und 1945, einst auch als "zuverlässige" Enddaten und "göttliche Wahrheit" verkündigt, so beherrschte auch jetzt wieder die unbiblische These die Szene, angesichts 1972 und 1975 noch heiraten? Das kann doch nur machen, wer nicht die rechte Wertschätzung hat. Lehren aus den früheren falschen Daten hat in der WTG-Leitung offenbar keiner gezogen, man geht mit 1975 wieder wie der Esel, dem zu wohl wurde, aufs Eis, bevormundet mündige Christen selbst in Liebes- und Ehefragen und wirft ihnen Knüppel zwischen die Beine. Mit welchem Recht wird da Entlobung gefordert und damit die Liebe zerstört? Hat man Hohelied 8:6 vergessen, wonach die Liebe stark wie der Tod und ihre Leidenschaft unbezwinglich ist wie das Totenreich, ihre Gluten eine Flamme Jehovas?"

Der Geist des Dreibrüder-Komitees in Offenburg
So ließ man Bruder A über etwas stolpern und aus der Organisation hinausfegen, was von der WTG jetzt selbst systematisch aus den Köpfen wieder verdrängt wird: Die angebliche Nähe des Endes im Jahre 1975. Kein WT spricht mehr darüber, kein internationaler Kongreß erwähnt es mehr. Keine WT-Schrift spricht dieses Datum mehr aus! Alle Tendenzen weisen unbestimmt in die Zukunft Geschweige denn das Jahr 1972. Fragt doch einmal an, was damit ist. Es wurde doch einst als "Wahrheit, die euch freimachen wird" weltweit nach dem zweiten Weltkrieg verkündigt!

Der Außschluß von Bruder A wurde durch das Offenburger Dreibrüder-Komitee, Hilfsversammlungsdiener, Bibelstudiendiener und Versammlungsdiener, vollzogen. Die Anleitung gab Kreisdiener Krüger.

Über Kreisdiener Krüger schrieb Erich Frost an Konrad Franke: "Ich habe aus verschiedenen Versammlungen und in der Bodenseegegend wie im Schwarzwald gehört, daß man den Kreisdiener nicht gern kommen sieht, aber umso lieber gehen sieht. In ihm muß wahrscheinlich ein Zuchtmeister durch die Lande gehen."

Das Komitee in Offenburg, das nach den Weisungen von Krüger handelte, charakterisierte Erich Frost vertraulich wie folgt: "Ganz vertraulich zu dir, lieber Konrad, Bruder C, ein lieber gutherziger Bruder, leider für das Aufseheramt zu weich, steht ganz unter der Jurisdiktion von Bruder Johannes J. B... (Bibelstudiendiener). Er tut, was dieser sagt. Bruder D. der Hilfsversammlungsdiener, wird von Bruder B des Diebstahls beschuldigt. Er soll wertvolle Bretter, Schwedenriemen, aus dem Hause von Bruder B ohne dessen Wissen entnommen und sie in den Bau des Hauses für den Königreichssaal gebracht haben. Mein Eindruck, bitte entschuldige, lieber Konrad, ein unmögliches Komitee. Du kennst ja Bruder B... aus der Zeit seiner Bethelmitgliedschaft, anmaßend, eingebildet, man könnte sagen arrogant. Lieber Konrad, ganz dringend vertraulich zu dir. Bruder B... ist der 'böse Geist' in der Versammlung."

Die Anklage auf Diebstahl wurde später nicht aufrechterhalten Aber Frost sagte zu Franke über den Hilfsversanimlungsdiener: "Er war zu mir sehr kleinlaut bei unserer Begegnung, bei der wir selbstverständlich nichts davon geredet haben, wir haben kaum mehr als den Gruß miteinander gewechselt. Doch er schien mir kein gutes Gewissen zu haben. Vielleicht hat er gedacht, daß Bruder B mich darin eingeweiht habe, was jedoch erst später geschah."

Frost und Franke haben ein "dickes Fell"
Frost weiter über den Zuchtmeister Krüger: "Mir wurde hier von Brüdern aus Schwarzwaldversammlungen gesagt, wenn jemand im Bethel ein Fernsehgerät hat, müsse er das Bethel verlassen. Ich habe zuerst natürlich darüber gelacht, doch dann den Dienern der Versammlung gesagt, daß dies eine Unwahrheit ist. Ein Bruder, der das in einer Versammlung oder sogar in einem Kreis sagt, sagt nicht die Wahrheit! Dieser Bruder ist Bruder Krüger Es kann sich in diesem Fall nur um mich allein handeln, weil ich der erste war, der je im Bethel Wiesbaden ein Fernsehgerät besaß, und du weißt wie und wieso!"

Aber der liebe Konrad solle dies nicht so tragisch nehmen, Frost sei dadurch nicht sehr bedruckt. Und vielsagend: "Du weißt, so wie du habe ich auch gewissen Anwürfen gegenüber ein dickes Fell." Seit 1965 ist öffentlich bekannt, daß Frost und Franke in der Nazizeit zu Helfershelfern der Gestapo gegen ihre eigenen Brüder geworden waren, über Frost schon seit 1961. (Lies auch die entsprechenden Ausführungen in: "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft" Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin 1970). Ja, Ja, wie zwei Kumpane, der liebe Konrad und der liebe Erich. Franke wurde dazu ausersehen auf den Kongressen 1971 "gefällige Worte der Wahrheit" zu reden und die "theokratische Organisation inmitten der Demokratien und des Kommunismus zu predigen. Warum wurde dazu ausgerechnet Franke bestimmt?

Offenburger Vorschau
Was passierte weiter n der Versammlung Offenburg?
Was erfahren wir weiter?
Lies in den weiteren Berichten:
- Bruder B mit Herzinfarkt ins Krankenhaus.
- Ein "SS- und Gestapo-Götze" (so Erich Frost) spielt auch mit.
- Anklagen, das Ehebett schon vor der Ehe "befleckt" zu haben. Wer hat das nicht getan?
- Betrunkene Nachtwächter mit Revolvern, Weibern und anderem Gesindel im Hause des Königreichssaales.
- Kreisdiener Kruschewski: "Eine noch größere Schweinerei in München, dort 15 Personen ausgeschlossen."
- Das "theokratische" Ausschlußverfahren des Offenburger Versammlungskomitees vor "weltlichen" Rechtsanwälten Das hat es noch nicht gegeben!

Die große Frage:
Worin besteht angesichts solcher Vorkommnisse noch der Vorzug der WTG-Organisation?
Wir müssen den Tatsachen ins Auge schauen! Es sind nur noch 3 Jahre bis 1975!
K. 0.

In gemeinsamer Verantwortung
(Auszüge aus auch für Jehovas Zeugen wichtigen Referaten von Paul Verner und Gerald Götting. Veröffentlicht im Union-Verlag Berlin)

In den nachfolgenden Ausführungen werden grundsätzliche Gedanken über das Verhältnis der christlichen zu den nichtchristlichen Bürgern vorgelegt, die prinzipiell für alle christlichen Bürger von Bedeutung sind, unabhängig davon, welcher Kirche und Religionsgemeinschaft sie angehören CV ist überzeugt davon, daß dies im Zweigbüro Wiesbaden bereits gründlich zur Kenntnis genommen worden ist. Wir empfehlen deshalb, diese Ausführungen gut zu studieren, da vieles davon im Prinzip auch für die Zeugen Jehovas gilt. Schließlich haben sie als Bürger die gleichen menschlichen (humanistischen) und sozialen Lebensbedürfnisse wie alle anderen Menschen auch. Marxisten und Christen wie alle friedliebenden Menschen sind zutiefst daran interessiert, ungeachtet weltanschaulicher Unterschiede, ja Gegensätze und der Verschiedenheit sozialer Herkunft, im Interesse des Menschen und ihrer Zukunft für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt zusammenzustehen. Das haben uns die bitteren Erfahrungen aus der Geschichte gelehrt, das lernten wir aus dem gemeinsamen Kampf von Kommunisten, Sozialdemokraten, bürgerlichen Demokraten und christlichen Antifaschisten gegen Faschismus und imperialistischen Krieg.

Die Einsicht in diese Notwendigkeit bestimmte unser Tun, verpflichtete zur Zusammenarbeit von Marxisten und Christen. Es war ein Prozeß des gleichzeitigen Veränderns der Verhältnisse und der eigenen Veränderung. Besonders die aus dem Bürgertum stammenden Menschen mußten viele neue Einsichten gewinnen, aber auch wir Marxisten lernten in dieser Zusammenarbeit manches hinzu. Im Blick auf den zurückgelegten Weg können wir mit Fug und Recht sagen: Indem wir die gesellschaftlichen Verhältnisse änderten, änderten wir uns selbst.

Es ist hinreichend bekannt, daß das Engagement, das christliche Bürger, darunter, kirchliche Amtsträger, in jener Begegnung vor zehn Jahren eingegangen sind und in dessen Geist sie, aus humanistischer Verantwortung für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt wirken, von Gegnern des Sozialismus als billige Akklamation und purer Opportunismus diffamiert worden ist. Die so sprechen, sind Vertreter und Apologeten einer Welt in - der alles, selbst das Gewissen, käuflich ist. Sie können und wollen nicht wahrhaben, daß die Mitwirkung von Christen an der Gestaltung des sozialistischen Gesellschaftssystems keine Frage der Opportunität ist. Dieses Engagement erwächst aus der einfachen Tatsache, daß der Christ folgt er den ursprünglichen christlichen Idealen und sittlich-religiösen Motiven, seine materiellen wie ideellen Lebensinteressen nicht in der auf Ausbeutung, Egoismus, Individualismus und sittlich-moralischen Verfall beruhenden spätkapitalistischen Gesellschaft gewahrt findet, sondern vielmehr in der von kapitalistischer Ausbeutung befreiten sozialistischen Gesellschaft.

Und zu Recht ist während dieser Begegnung vom Februar 1961 betont worden, daß Sozialismus und Kommunismus in der historisch kurzen Zeit ihrer staatlichen Existenz unendlich viel mehr für die Verwirklichung der humanistischen und sozialen Ideale und Gebote des Christentums getan haben als alle früheren Gesellschaftsordnungen zusammengenommen. Das ist ebenso unwiderlegbar wie die Tatsache, daß Imperialismus und das ursprüngliche Christentum unversöhnliche Gegensätze darstellen.

Gerade im Hinblick auf gewisse bösartige Interpretationen unserer gemeinsamen Gegner hinsichtlich des Verhältnisses von Staat und Kirche sowie des eigenen Weges der Kirchen der DDR möchte ich, ausgehend von unserer prinzipiellen Stellung zu Religion und Kirche, mit aller Deutlichkeit erklären: Es hat zwar eine Verpreußung der evangelischen Kirchen und nationalistische, ja sogar faschistische Verfälschungen der christlichen Botschaft gegeben - eine "Sozialisierung" der christlichen Lehre hat es bisher, nicht gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben.

Die Geschichte des gemeinsamen Kampfes von Marxisten und Christen gegen Imperialismus, Faschismus und Krieg, für Frieden, Demokratie und Sozialismus hat jedoch bewiesen, daß die existierenden Gegensätze in weltanschaulichen Fragen keinen Hinderungsgrund im Kampf für die gemeinsamen Lebensinteressen darstellen. Unsere Entwicklung hat doch augenfällig bestätigt, daß gegenseitiges Vertrauen und Achtung sowie gemeinsames Handeln zu großen Erfolgen geführt haben. Das Hochspielen sowie Verwischen der nicht zu überbrückenden weltanschaulichen Gegensätze zwischen Marxisten und Christen hat - dafür kennt die Geschichte genügend Beispiele - immer den Feinden des Friedens und des gesellschaftlichen Fortschritts genützt.

Eine Kirche, die aus dem Zwielicht des "Zwischen-den Fronten-Stehens" endgültig heraustritt und ihre Tätigkeit in Übereinstimmung mit den Grundlinien der sozialistischen Gesellschaft ausübt, erweist sich damit selbst den größten Dienst. Frieden und Sicherheit werden nur vom sozialistischen Weltsystem konsequent verteidigt. Frieden und Sicherheit sind nicht nur die Existenzbedingungen der sozialistischen Gesellschaft, sondern sie sind auch die Existenzbedingungen für die Tätigkeit der Kirchen und Religionsgemeinschaften Das ja der Kirche zum sozialistischen Staat ist die Option für ein Gesellschaftssystem, dessen politische, soziale, geistige und moralische Prinzipien zutiefst humanistisch sind. Das imperialistische System dagegen, mit seinen antihumanistischen, antidemokretischen Zügen, dem zunehmenden geistigen und moralischen Verfall, seinen Aggressionskriegen und seinem Wolfsgesetz in den menschlichen Beziehungen, tritt immer deutlicher in Widerspruch zu den humanistischen christlichen Idealen und ethischen Zielen des ursprünglichen Christentums.

Die Kirche wird auch in dem Maße, in dem sie ihr Verhältnis zum Sozialismus immer eindeutiger und positiver gestaltet, nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sein, in Widerspruch zu vielen ihrer Anhänger zu geraten, die als Bürger ihres Staates sich dem Sozialismus verbunden fühlen und alles zu seiner Stärkung tun.

Eine Kirche, die die humanistischen Ziele und die Friedenspolitik des sozialistischen Staates bewußt unterstützt, zu seiner Stärkung und der Mehrung seines Ansehens beiträgt, wird den sozialistischen Staat ermuntern, ihr größeres Vertrauen entgegenzubringen. Dies wiederum kann sich noch fruchtbarer auf die Beziehungen zwischen Staat und Kirche, auf die Regelung von Sachfragen auswirken und würde sicherlich den ökumenischen Interessen der Kirchen in der DDR dienlich sein.

Die Postulate der christlichen Nächstenliebe können in einer Gesellschaft deren ökonomische und politische Ordnung auf Produktionsverhältnissen der kameradschaftlichen Zusammenarbeit und gegenseitigem Hilfe beruht, viel weitreichender mit Leben erfüllt werden als unter den Bedingungen eines Systems, das die Spaltung der Gesellschaft in feindlich einander gegenüberstehende Klassen verkörpert. Dort bleiben sie zumeist auf den individuellen Raum begrenzt oder können nur im Protest gegen das bestehende Gesellschaftssystem zur Geltung gebracht werden. Hier, im Sozialismus, können sie auf die ganze Gesellschaft erstreckt werden und sich in der Verantwortung für das Ganze fruchtbar auswirken. Im Sozialismus ist ein menschliches Zusammenleben im Sinne der Gleichheit und Brüderlichkeit möglich, und im Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung kann diese Möglichkeit immer mehr zur Wirklichkeit werden.
D. D.

Studiengruppe
"Christliche Verantwortung"
W. Daum
65 Gera
Bötchergasse 1

A 8058-72 V 7 1 582

ZurIndexseite