Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 38

1924 erschien unter anderem eine Broschüre von Rudolf Fisch über die "Ernsten Bibelforscher". Schon in ihr wurde zeitgenössisch die Unglaubwürdigkeit ihrer Thesen herausgearbeitet. Einige Kernsätze aus dieser Darstellung werden in dieser Ausgabe referiert.

1972 war das Jahr, wo bei den Zeugen Jehovas eine organisatorische Veränderung in ihren einzelnen Versammlungen wirksam wurde. Ein erster Vorabkommentar zu dieser damals neuen Veränderung, auch in dieser CV-Folge.

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-8015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera

Nr. 38 Gera Januar 1972

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelner Glieder.

Neu: "Älteste" in der WTG-Organisation
Anläßlich der Bezirkskongresse "Göttlicher Name" (1971) wurde mit der Bemerkung, daß man gespannt sei, über die Auswirkungen, auch die Mitteilung gemacht, daß in der Organisation der Zeugen Jehovas wieder das Ältestenamt eingeführt werden soll. Dem Vernehmen nach soll es sich hierbei um eine Art turnusmäßig personell abwechselnd besetztes Amt handeln. Ohne schon heute eine endgültige Beurteilung über die Motivation abgeben zu wollen, erscheint es uns doch ratsam, diesbezüglich einige Hintergrundfakten erneut ins Bewußtsein zu bringen.

Keine Neuentwicklung
Daß dieses Amt eigentlich keine "Neueinführung" ist, wird schon aus dem folgenden Bericht deutlich. ("Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" S. 25):

"Als Folge wurden die ersten Versammlungen der Zeugen Jehovas durch eine presbyterianisch-kongregationalistisch gemischte Methode der Kirchenverwaltung geleitet Diese Versammlungen wurden nach dem griechischen Wort für Versammlung "Ekklesias" genannt. Nach dem Muster der presbyterianischen Kirche hatte jede Versammlung einen Ausschuß von Presbytern, die als "Älteste" bekannt waren. Diese wurden wie in der Kirche der Kongregationalisten auf demokratische Weise gewählt und dienten jeweils für die Zeitspanne von höchstens einem Jahr. Als aufsichtsführende Kommission bestimmten diese die verschiedenen Redner, legten fest, was studiert werden sollte und so fort."

Rutherford und die "Ältesten"
Mit diesem zur Zeit Russells eingeführten Ältestenamt, konnte sich Rutherford als zweiter WTG-Präsident, allerdings so gar nicht "befreunden". Besonders in den Jahren 1928-32 läßt sich in seinen Schriften eine an Schärfe immer mehr zunehmende Polemik gegen die "Ältesten" feststellen. So beklagt er sich zum Beispiel in seinem Buch "Regierung" (1928) S. 206:

"Während der letzten fünfzig Jahre sind manche zur Erkenntnis der 'gegenwärtigen' Wahrheit gekommen, haben sich geweiht, Gottes Willen zu tun, und haben nach ihrer Annahme als Söhne Gottes die Berufung zu einer Stellung im Königreich empfangen. Etliche unter ihnen, die von Natur besser ausgestattet und mehr für eine Lehrtätigkeit befähigt waren als andere, wurden in verschiedenen Versammlungen zu Ältesten gewählt. Sie verfehlten aber häufig, in Sanftmut und Demut zu wandeln, wurden von ihrer eigenen Wichtigkeit eingenommen, unterlagen dem arglistigen Einfluß Satans und gerieten in seine Schlinge … Solche Führer oder Älteste haben dann auch andere Geweihte beeinflußt, ihnen auf ihrem verderblichen Wege nachzufolgen. Indem sie verfehlten, daß große Vorrecht, Gottes gerechte Regierung anzukündigen, zu sehen, und indem sie sich einbilden, daß sie in Gottes Einrichtung von Wichtigkeit wären, wähnten sie, daß Studium, Unterredung, "Charakterentwicklung" und Bereitsein für die Himmelfahrt alles wäre, was Gott von ihnen erwartet."

Streitigkeiten in Ortsgruppen
Einen mehr ins Detail gehenden Bericht liefert auch der "Wachtturm" vom 15. April 1928 (S. 125), wo über Streitigkeiten in den Ortsgruppen berichtet wird:

"Von einigen Ortsgruppen in verschiedenen Teilen des Landes kommen Berichte etwa folgender Art:

Manche Ältesten werden von der Stimmenmehrheit der Ortsgruppe für ihr Amt erwählt, weil die Ortsgruppe unter dem Eindruck ist, daß sie mit der Gesellschaft und mit dem Werke des Zeugnisgebens für das Königreich in Übereinstimmung sind, während dies aber tatsächlich nicht der Fall ist. Einige Ältesten wollen Sachen, die in dem "Wachtturm" erscheinen, nicht annehmen, kritisieren sie und ebenfalls andere Bücher.

In fast allen Fällen wird man finden, daß solche, die der Gesellschaft und dem Werke entgegentreten und daher Spaltungen verursachen, schöne Worte gebrauchen, indem sie sich als große Charakterentwickler hinstellen und das Schwergewicht auf die Entwicklung brüderlicher Liebe legen."

In der darauffolgenden "Wachtturm"-Ausgabe vom 1. Mai 1928 (S. 143) wird diese Situation noch durch die Feststellung präzisiert:

"Einige Ältesten treten dem Haus-zu-Haus-Dienst am Sonntagmorgen entgegen. Sie sagen: 'Der Bücherverkauf bringt euch nicht in das Königreich. Ihr werdet gut tun, wenn ihr eure Berufung und Erwählung festmacht.'"

Tierischer WTG-Präsident
Ganz scharfes Feuer gegen die "Ältesten" startete Rutherford dann im Jahre 1932 in seinem Buch-Pamphlet "Rechtfertigung" (Band II S. 232). Ihnen meinte er zu alledem noch vorwerfen zu müssen:

"Es gibt auch unter der Schar des Volkes Gottes einige Älteste, die immer noch meinen und lehren, die von dem Apostel (Römer 13:1-4) erwähnten "höheren Gewalten" wären die Regierungen oder herrschenden Mächte dieser Welt. Durch diese Ansicht und Lehre tun sie ebenfalls dem Worte Gottes und seinem Volke Gewalt an, versprengen Gottes Volk und machen es den tierischen Regierungen der Organisation Satans zur Speise."

Todesstoß
Lange genug hatte also Rutherford gegen diese, so gar nicht in sein Konzept einer Sklaven-Organisation passenden "Ältesten" gehetzt, um dann endlich im "Wachtturm" vom 1. Oktober 1932 zum tödlichen Schlag auszuholen. Im heutigen Vokabular der WTG liest sich das so. ("Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" S. 127):

"Dann wurde die Prophezeiung gegeben, daß nach 2300 Tagen Jehovas Heiligtum siegreich sein würde. Das sollte die Säuberung der Versammlung von den sogenannten ,Wahlältesten' kennzeichnen, die auf demokratische Weise für ihr Amt gewählt werden waren. "Der Wachtturm" enthielt in seinen Ausgaben vom 15. September und 1. Oktober 1932 den zweiteiligen Artikel "Jehovas Organisation". Dieser stellte das 'Wahlältesten'-System als etwas bloß, das nach der unreinen Verfahrensweise dieser Welt funktioniere und nicht gemäß den Grundsätzen des großen Theokraten."

Damit war das Schicksal der "Ältesten" endgültig besiegelt Nach Schätzungen des Leiters der "Christlichen Mission unter Jehovas Zeugen" in den USA, W. J. Schnell, wurden nach 1931 über 40 000! solcher potentiellen Opponenten von der WTG aus ihrer Organisation ausgeschlossen!

Erste Überlegungen
Dieser Aderlaß hatte als unmittelbare Reaktion zur Folge, daß sich erneut für die WTG das Problem von ihr abgespaltener Bibelforschergruppen in aller Schärfe stellte. Nur durch die Aufgabe ihres schon eingebürgerten Namens "Bibelforscher" durch die Umbenennung in "Jehovas Zeugen", konnte sie wenigstens gegenüber der Öffentlichkeit diese ernsthaften Schwierigkeiten einigermaßen optisch überspielen.

Daß die WTG dieses schon so Skandal umwitterte Amt gerade jetzt, nur wenige Jahre vor "1975" wieder aus der Versenkung holt, läßt die Feststellung aktuell erscheinen, daß sie sich damit erneut ein Instrumentarium für einen notwendigen Aderlaß schaffen will. "Älteste", die immer wieder durch andere turnusmäßig ersetzt werden, werden es ihr ohne Frage bedeutend erleichtern, auf diese Weise etliche ihrer 1975 enttäuschten "alten Kämpfer" ohne viel skandalhaftes Aufsehen in die Versenkung verschwinden zu lassen. Die Frage ist nur, ob daß auch in der Praxis so funktionieren wird, wie sich die WTG-Strategen das in der Theorie errechnet haben???

D. D.

Nach Harmagedon - Keine neue Welt
Viele Brüder, die seit vielen Jahren, in guten und schlechten Zeiten, in uneigennütziger Weise ihren Dienst für die Wachtturmgesellschaft ausübten, die davon überzeugt waren, "Ihre Generation wird nicht vergehen", beschäftigt immer mehr die Frage: Was wird aus Harmagedon und der Neuen Welt?

Die 1966 von der WTG begonnene Verkündigung bezüglich 1975, erschien ihnen als folgerichtige Konsequenz, der seit langem praktizierten Auslegung der Worte Jesu, daß die damalige Generation nicht vergehen sollte. Was die WTG eben auch auf die gegenwärtige Generation übertragen will.

Indes seit dem Beginn ihrer Verkündigung, in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, ist nun mittlerweile schon ein ganzes Jahrhundert vergangen, und etliche konkret genannte Daten blieben unerfüllt.

Nicht nur das, auch jene 1966 begonnene Verkündigungsaktion, zeigt immer deutlicher eine hervorstechende Eigenschaft: Sie ist lediglich Mittel zum Zweck! Würde die Leitung der Wachtturmgesellschaft selbst daran glauben, sie würde es nicht bei Zweideutigkeiten bewenden lassen, sie würde klar ja oder nein sagen. Doch weil sie selbst nicht daran glaubt, und weil solche vermeintlichen Sensationen auf den ersten Blick dazu angetan sind, das "Geschäft anzukurbeln", so läßt sie eben die Leichtgläubigen in ihrem Glauben an 1975, ungeachtet des Schadens, der ihnen dadurch entsteht!

Vor fünfzig Jahren
Vor nunmehr schon beinahe fünfzig Jahren, also zu Lebzeiten derselben Generation, "die nicht vergehen soll" konnten die gleichen Merkmale festgestellt werden, daß die Leitung an ihre eigenen Behauptungen nicht glaubt! Damals wurde unter großem Reklameaufwand für 1925 die Auferstehung der Patriarchen Abraham, Isaak, Jakob, angekündigt, die dann eine theokratische Weltregierung bilden sollten. Doch was ist daraus geworden?

Wir, als vergeßliche Menschen, können uns vielleicht nicht mehr das volle Ausmaß dieser Verkündigung vorstellen. Aus Berichten von Zeitgenossen, die das alles unmittelbar miterlebten, können wir uns jedoch heute noch ein anschauliches Bild von den damaligen Geschehnissen machen.

Stellvertretend für mehrere solcher Berichte, soll ein Bericht aus dem Jahre 1924 dienen. Nachstehend zitieren wir aus einer Veröffentlichung von Dr. Rudolf Fisch zum Thema "Die Ernsten Bibelforscher", welche 1924 im Verlag "Licht und Leben" Elberfeld erschien: (S. 3, 19, 27).

Wie ein Posaunenstoß
"Wie ein Posaunenstoß geht durch unser Land, ja durch die Welt die Botschaft vom goldenen Zeitalter des Tausendjahrreiches, von den Millionen Menschen, die nicht sterben. Mit immer neuer fanatischer Unermüdlichkeit verbreiten die "Ernsten Bibelforscher" diese Lehre durch Wort, Schrift und Plakat. Viele hören diesen Posaunenton mit Freuden, denn wer sehnte sich nicht nach einem goldenen Zeitalter! Wer möchte nicht zu denen gehören, die der unheimlichen Gewalt des Todes entrinnen!

Wie der Kaufmann mit Hilfe des 'Rechenschiebers' schnell und sicher die kompliziertesten Ausrechnungen macht, so setzen die 'Ernsten Bibelforscher' ihre Zuhörer in Staunen durch Schlüsse und Beweise, die sich 'mit absoluter Sicherheit' aus der Zusammenstellung einer großen Anzahl von Bibelstellen ergeben.

Schon mehrfach erlebten sie mit ihren Ankündigungen schwere Enttäuschungen. Anstatt jetzt kleinlaut zu werden, machen diese unbequemen Tatsachen sie nur noch unentwegter, anmaßender und dreister. Auch in politischen, völkischen, sozialen Fragen nehmen sie herausfordernd das Wort.

Wir meinen, es wäre nun die dringlichste Aufgabe der Ernsten Bibelforscher, dafür zu sorgen, daß diese aus dem 'Seelenschlaf' auf die Erde zurückkehrenden Milliarden von Menschen nicht gleich verhungern und im Freien, ohne Obdach zu finden, bleiben müßten, daß sie Vorräte sammeln und Häuser für sie bauten. Davon sieht man aber gar nichts und man muß doch nun auf den Gedanken kommen: Entweder ist es ihnen nicht ernst mit der Prophezeiung, daß im nächsten Jahre dieser Massenbesuch zu erwarten sei, oder sie sind unglaublich gedankenlos und in geradezu verbrecherischen Maße sorglos, denn die Rückkehr von mindestens 20 Milliarden Menschen, ohne daß für sie Vorsorge getroffen ist, wäre ein unausdenklich schreckliches Unglück, dem wir allesamt zum Opfer fallen würden.

Die ganze jetzige und die zurückkehrende Menschheit würde doch einfach verhungern und die freudevolle Voraussage von 'Millionen jetzt lebender Menschen werden nicht sterben', die die Ernsten Bibelforscher der ganzen Welt immer wieder verkündigen, müßte in Wahrheit lauten: 20 Milliarden von Menschen, im günstigsten Fall, werden grausam im Jahre 1925 verhungern, und glücklich ist, wer noch dieses Jahr in Frieden sterben kann. Was wäre die verheerendste Überschwemmung, der größte Heuschreckenschwarm gegen diese von den Ernsten Bibelforschern mit Wonne erwartete Katastrophe!

Uns wundert, daß es noch einen Menschen gibt, der so leichtgläubig ist, auf den neuesten Betrug hereinzufallen, womit die Anhänger Russells das Jahr 1925 für das Jahr 1914 einschieben. Ist es nicht erschütternd, daß trotz dieses fürchterlichen, vor aller Welt offenbaren Bankrotts ihres Führers, die 'Ernsten Bibelforscher' die Frechheit haben, noch jetzt öffentlich zu behaupten, Russell sei der größte Prediger der neuesten Zeiten.'

Ist zwischen 1874 und 1914 Babel gefallen? Der Antichrist gestürzt worden? Sind die Weltreiche zusammengebrochen? Ist Christus wiedergekommen und hat sein Reich aufgerichtet? Nicht einmal der größte Schwärmer könnte so etwas behaupten. Und 1914 soll die Gerichtszeit zu Ende sein und die Friedenszeit des Tausendjahrreiches beginnen In dem Jahre, da der blutigste aller Kriege begann! Friedenszeit - Weltkrieg! Welch ein schreiender Gegensatz So wahr der entsetzliche Weltkrieg das ersehnte Tausendjahrreich ist: so wahr ist Russell ein echter Prophet, und so wahr sind seine Lehren."

Unglaubwürdig - heute wie damals
Soweit dieser Auszug aus dem Jahre 1924, also ein Jahr bevor die angekündigten Geschehnisse in "Erfüllung" gehen sollten. Schon damals wurde festgestellt, daß es sich bereits um eine Verschiebung der für einen früheren Termin erwarteten Geschehnisse handelte. Wie die Bilder sich doch gleichen! Heute wie damals kennzeichnet der gleiche Geist von Unverfrorenheit diese Organisation. Heute wie damals werden auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht von der WTG große Worte geschwungen z. B., alle Regierungen sollen abtreten und faktisch ihre Macht an die WTG auf Erden übertragen, jene Wachtturmgesellschaft also, die sich selbst schon der größten Verfehlungen und Unbußfertigkeit schuldig gemacht hat!

Es ist bezeichnend, daß selbst der unkritische amerikanische Reporter Marley Cole, in seinem von der WTG vertriebenen Buch über "Die Zeugen Jehovas" feststellte, daß man z. B. in den USA für den Fall, daß dort die Zeugen zu einer bedeutenden Größe heranwachsen würden, selbst dort gegen sie vorgegangen würde, weil es sich eben keine Nation leisten kann, wenn es nicht zum Chaos kommen soll, diese zersetzenden Thesen zu akzeptieren.

Es ist auch bemerkenswert, welchen tatsächlichen Glauben die WTG selbst an ihre Harmagedon-Neue-Welt-Auslegungen hat. Das folgende Wachtturmzitat soll dies veranschaulichen:

Keine "Neue Welt"
"Jemand, der schon seit Jahren in diesem Dienst steht (Bethel, Brooklyn, New York) und sich immer noch daran erfreut, sagte: 'Selbst wenn es nach Harmagedon keine neue Ordnung gäbe, würde ich es nicht bereuen, Gott hier gedient zu haben, denn allein das Hiersein ist für mich eine hinreichende Belohnung.' Diese Worte erwecken bestimmt nicht den Eindruck, als ob das Leben für den Betreffenden ein Opfer wäre.

Diese Schlußfolgerung hört sich nicht wie die Ansichten einiger Geistlicher der Christenheit an, die jahrelang Theologie studiert haben und auch eine Zeitlang in ihrer Kirche im Amt gewesen sind. Viele von diesen Geistlichen machen heute kein Hehl daraus, daß sie nicht an Gott und seine Bibel glauben. Sie haben ihren Kurs gewechselt …

Sie sind zu dem Schluß gekommen, es genüge nicht, die Menschen nur über die Bibel zu belehren. Sie glauben, wenn den benachteiligten Bevölkerungsschichten geholfen werden soll, dann könnten sie nicht auf Gott warten, sondern müßten selbst etwas unternehmen." - WT 20/69 S. 629.

Trotz der Tatsache wie sie z. B. Dr. Fisch formulierte, daß weder zwischen 1874-1914, noch 1925 noch in der Gegenwart, die konkreten Aussagen der WTG in Erfüllung gegangen sind, trotz dieses vor aller Welt sichtbaren Bankrotts, trotz ihres Eingeständnisses, "nach Harmagedon - keine neue Ordnung"!, glaubt sie, andere Christen, die ihr Gewissen noch nicht zu einer Mördergrube gemacht haben, verleumden zu können. Was soll man zu dieser Art von Menschen noch sagen? Jene Menschen, denen die eigene Geschichte eigentlich genug Lehr- und Anschauungsstoff geliefert hat, die dennoch nicht willens und in der Lage sind, ihr verderbliches Hasadeurspiel aufzugeben.

Man kann dazu nur sagen, wovon schon in der Bibel die Rede ist, daß es eben auch Menschen gibt, die ihr Gewissen durch Heuchelei gebrandmarkt haben! 1. Timotheus 4:2, Matthäus 23 usw.

Was aus den "Fürsten" wurde
Eines der besonderen Merkmale der 1925-Verkündigung war es, daß neben den Milliarden, die nicht sterben, und den Milliarden, die auferstehen sollten, es besonders die Patriarchen waren, denen die WTG die Aufgabe zudachte, die neue Weltregierung nach 1925 zu bilden.

Bezeichnend ist, welche neue Deutung, nach dem Fiasko jenes Jahres, fünf Jahre später die von Rutherford geleitete Wachtturmgesellschaft in Szene setzte. Mitnichten wurde der Irrtum zugegeben. Nein! Stattdessen wurde man noch dreister und entschloß sich zu einem neuen spektakulären Schritt. Jahre danach, berichtete gezwungenermaßen die WTG in ihrem Buch "Die neue Welt" (S. 104, 130) darüber:

"In dieser (Fürstenauferstehungs) Erwartung ist im Jahre 1930 in San Diego, Kalifornien, ein Haus gebaut worden, über welches die religiösen Feinde in der breiten Öffentlichkeit böswillig vieles geredet haben. Es trägt den Namen 'Beth-Sarim', was 'Haus der Fürsten' bedeutet. Zur Zeit wird es als Wohnstätte für die zurückkehrenden Fürsten verwaltet.

Diese von Gott eingesetzten 'Fürsten' werden das auf Erden übernehmen, was die nazifaschistischen totalitären Diktatoren in verzweifelten Ringen an sich zu reißen suchten.'

Neue Fürstendeutung
20 Jahre später, nachdem jene Fürstenvilla erbaut wurde, oder fünf Jahre später, nachdem die Nazihorden ihr Ende fanden, ohne daß ein "Reich Gottes" a la WTG aufgerichtet wurde, war es dem WTG-Vizepräsidenten F. W. Franz vorbehalten, eine neue Auslegung den Zeugen plausibel zu machen. Doch lassen wir den Bericht über Fred William Franz's Meisterleistung selbst sprechen.

Veröffentlicht im WTG-Geschichtsbuch "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben." (S. 252):

"Viele Zeugen Jehovas erwarteten zufolge des Verständnisses … das so lange vorherrschte, bei jedem Kongreß, Abraham, Isaak, Jakob, David und die anderen, die aus den Toten zurückkehren sollten, willkommen heißen zu können.

Ihr könnt euch deshalb vorstellen, welch elektrisierende Wirkung folgende Worte des Redners hatten. Würde sich dieser internationale Kongreß freuen zu erfahren, daß sich heute abend hier, in unserer Mitte, eine Anzahl der voraussichtlichen Fürsten der neuen Erde befinden? Die Kongreßbericht beschreibt die Reaktion der Zuhörer wie folgt: Ein gewaltiger anhaltender Applaus und Jubel gaben dem Redner die Gewißheit, daß die Zuhörer im Augenblick nichts anderes mehr interessierte als dieses. Eine atemlose Stille herrschte im Yankee-Stadion. Alles lauschte gespannt um sich ja kein Wort dessen entgehen zu lassen, was Bruder Franz nun sagte.

Als Bruder Franz ausführte, daß nichts in der Bibel dagegen spreche, daß Christus, je nach den Bedürfnissen, viele dieser 'anderen Schafe' zu 'Fürsten' auf der ganzen Erde einsetze, wurde seine denkwürdige Rede wiederum durch donnernden Beifall unterbrochen."

Und damit war fünfundzwanzig Jahre später die gesamte Fürstenlehre zu den Akten gelegt. Die Zeugen Jehovas selbst, genauer ihre Führungselite, bildete jetzt die "Fürsten"! Es ist bezeichnend, daß auf demselben Kongreß auch die neue Sprachregelung "Neue Systeme der Dinge" anstatt bisher "Neue Welt" eingeführt wurde. Angesichts solcher Auslegungskünste, ist es durchaus nicht verwunderlich, daß die WTG es ihren "Schafen" nahelegt, daß es nach einem "Harmagedon" keine neue Ordnung mehr gibt!

D. D.

Interne Schwierigkeiten
Eigentlich sollte oder brauchte man sich darüber nicht zu wundern, daß in einer Organisation, in der die urchristlichen Rechte und Freiheiten der Kritik (Apg. 17:11) abgeschafft sind, immer wieder Schwierigkeiten auftreten. Wir wollen darüber nicht frohlocken. Es gibt überall Probleme Aber den Zeugen Jehovas wird immer wieder gesagt, sie lebten in einer göttlichen Organisation, in der der Geist Gottes walte, in der Frieden und Glück schon jetzt herrschten, sie lebten bereits in einem geistigen Paradies. So schlagen sie sich nach einem bekannten Bild in der Bibel an die Brust und danken Gott, daß sie nicht so sind wie die anderen. - Lukas 18:11.

Die Wirklichkeit indes sieht anders aus. Die folgenden Eingeständnisse verraten mehr als sie sollen. Sie sind nur die Spitze des Eisberges von Problemen, Schwierigkeiten und Konflikten, die sichtbare Spitze. Hinter jedem Auszug stehen eine Unmenge ungelöster oder für die Zeugen bei ihrer Einstellung unlösbarer Fragen und Probleme, stehen Kämpfe, Auseinandersetzungen, Tragik und Verzweiflung, Haß, Selbstsucht, Furcht und vielfache seelische Not. Aber auch die Unfähigkeit einer Führung, die sich von Gott geleitet dünkt, dabei aber auch nichts weiter ist als eine Gruppe allzu fehlbarer Menschen, deren formale Ansprüche durch ihre eigene widerspruchsvolle Lehre und Handlungsweise widerlegt ist, ein Anspruch, der zu Fanatismus, Unverstand und Überheblichkeit führt. Lies die folgenden Auszüge und denke darüber nach, was für Fragen und Probleme sie enthalten, was für Vorgänge sie verbergen, was sich intern abspielt.

Auszüge
"Wir sollten die Gefahr einer Abweichung, sie mag noch so gering sein, nicht unterschätzen." - WT 10/69 S. 300. "Jemand mag eine Denk- und Handlungsweise annehmen, die anfänglich harmlos erscheint, die aber mit der Zeit zu ernsten Schwierigkeiten führen kann." - WT 10/69 S. 301.

"Einige mögen der Meinung sein, der Sache der Wahrheit wäre mehr gedient, wenn wir als 'fortschrittlich' und 'modern' erscheinen, wenn wir mit der heutigen Welt Schritt halten, ihr sozusagen auf gleicher Ebene begegnen würden." - WT 10/69 S. 301.

"Es gibt Personen, die eine bestimmte Lieblingstheorie haben und die, wenn sie damit nicht gleich durchdringen, beginnen, Jehovas 'treuen und klugen Knecht' zu kritisieren und daran zu zweifeln, daß er von Jehova unterstützt wird. Andere lassen in ihrem Eifer, Gott zu dienen, nach und erliegen dann Zweifeln, weil sie ständig dem Einfluß des Geistes der Unabhängigkeit und der Auflehnung ausgesetzt sind, von dem dieses alte System der Dinge durchdrungen ist. Viele machen sich Sorgen um Nahrung, Kleidung, Wohnung und alle möglichen Bequemlichkeiten. Sie denken nur an das, was sie noch alles haben möchten." - WT 5/69 S. 148.

"Viele sind heute auf der verschlammten Straße des Materialismus festgefahren und sinken immer tiefer ein . . . (so daß selbst) andere Familienangehörige arbeiten gehen müssen, die sonst ihre Zeit dem Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich widmen könnten." - WT 12/ 69 S. 361.

Sie (Jehovas Zeugen) dürfen das Tempo nicht verlangsamen, dürfen nicht irgendwelche Seitenwege einschlagen." - WT 12/69 S. 362.

Was für einen Geist der Intoleranz, der Angst, der Verständnislosigkeit gegenüber menschlichen, allzu menschlichen Anliegen, diese Zitate doch offenbaren. War es nicht die WTG, die sich schon vieler weitaus gefährlicher Abweichungen schuldig gemacht hat, z. B. betreffs der Obrigkeit?

Sagte der Apostel Paulus nicht, er sei allen alles geworden, um auf jeden Fall einige zu gewinnen? (l. Kor. 9: 20-23). Ist das Wachtturmevangelium so anziehungslos, daß die Organisation nur mit drastischen Unduldsamkeitsmaßnahmen zusammengehalten werden kann?

Selbstanklage
In Wahrheit klagt die Wachtturmgesellschaft sich mit diesen Ermahnungen selbst an. Ihr vorweggenommenes Todesurteil - der Gerneinschaftsentzug - kündet nur von ihrer Unfähigkeit, eine Gemeinschaft des Verständnisses und echter Lebenshilfe aufzubauen, denn wer dort etwas findet, was ihm die Welt nicht bieten kann, wird schwerlich auf den Gedanken kommen, sie zu verlassen. Indes die Praxis sieht anders aus, wie das auch die nachfolgenden Zitate verdeutlichen:

"Wir müssen die demoralisierende Wirkung der Gleichgültigkeit erkennen. Gleichgültigkeit kann bewirken, daß jemand von Jehova, seiner Organisation und von dem Weg, der zu ewigem Leben führt, abgetrieben wird." WT 17/69 S. 533.

"Es kommt zuweilen vor, daß Angehörige der Christenversamrnlung ihre ursprüngliche Liebe zur Wahrheit soweit abkühlen lassen, daß sie durch ihre christliche Tätigkeit nicht mehr anregend heiß, aber auch nicht mehr erfrischend kalt wirken sondern lauwarm". - WT 17/ 69 S. 532.

"Es mag Personen geben, die nicht überzeugt sind, das Gott Gebete vernimmt, weil ihre Gebete offenbar nicht erhört worden sind." - WT 16/69 S. 485 "Worauf ist es zurückzuführen, daß bei einigen der Glaube nicht mehr wächst, sondern schwindet und sogar stirbt?" - WT 15/ 69 S. 471.

"In vielen Schulen gibt es jetzt Berater, die die Schüler ermuntern, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, die ihnen eine Zukunft in diesem System der Dinge in Aussicht stellt. Laß dich von ihnen nicht beeinflussen. Hüte dich vor ihrer "Gehirnwäsche" und der Propaganda des Teufels, die dich veranlassen möchte, danach zu streben, etwas in dieser Welt zu werden." - WT 12/69 S. 363.

Als ob nicht WTG-Vizepräsident Fred William Franz selbst auf der Universität von Cincinatty, USA studiert hätte. Gewöhnlich zeichnet die Wachtturmgesellschaft ständig ein rosarotes Bild des Zustandes ihrer Organisation. Du brauchst nur in ein beliebiges Jahrbuch zu schauen. Es gibt nur positive Seiten, als sei unter Jehovas Zeugen alles eitel Freude und geistiger Paradieszustand. Das Ventil der Kritik wird nicht geduldet, so daß nur immer wieder die Auswirkungen des Befehlssystems bekämpft werden.

Ausbrecher und Abwegler müssen zurückgeholt werden, oder es wird ausgeschlossen, wenn sie sieh nicht beugen. Geklärt wird im Grunde nichts, Gehorsam ist die oberste Devise. Das allerdings könnte rechtmäßig nur eine unfehlbare Organisation verlangen. Wann und wo hat es solch eine Organisation schon jemals in der Wirklichkeit gegeben? D. D.

Die gewichtigeren Dinge
Wenn wir einmal auf die schon mehrere Generationen umfassende Geschichte der Wachtturmgesellschaft zurückblicken, so fällt uns immer wieder auf, das bei ihrem Bemühen, möglichst viele "Schafe" für das "wahre" Christentum zu gewinnen, vielfach mit zweifelhaften Methoden gearbeitet wurde. Es offenbart uns, wenn wir nach ihrem Kern forschen, oftmals eine Gesinnung, die alles andere, nur nicht die von Jesus geforderte Nächstenliebe zum Ausdruck bringt.

Sicherlich kann als Beispiel keine Organisation oder Glaubensgemeinschaft ohne materielle Mittel existieren. Doch sei auch einmal die Frage gestellt, was wird mit ihnen getan? Werden sie nur für die Aufrechterhaltung des eigenen Apparates, der Öffentlichkeitsarbeit und der Ausdehnung aufgewendet? Oder ist die Organisation, die erklärt, Gottes "treuer und verständiger Sklave" auf Erden zu sein, auch bereit, Notleidenden in u n e i g e n n ü t z i g e r Weise zu helfen?

Um das zu konkretisieren. Wieviel Dollar oder Mark stellte die WTG zum Beispiel den Erdbebenopfern von Banja Luka in Jugoslawien zur Verfügung? Wenn du einmal darüber nachdenkst, wieviel Geld auch du im Laufe der Zeit der Organisation zur Verfügung gestellt hast, wirst du erstaunt sein, was für eine beachtenswerte Summe da zusammengekommen ist, die von der WTG einzig und allein für den weiteren Ausbau ihrer Organisation verwendet wurde. Unwillkürlich bietet sich da das Gleichnis Jesu, vom barmherzigen Samariter und dem unter die Räuber gefallenen, an dem die vorgeblichen Diener Gottes achtlos vorbeigehen, weil er nicht ihres Glaubens ist, als Vergleich an. - Lukas 10:30-37.

Die rund 400 Personen, die nach den Jahrbuchberichten alleinige Mitglieder und Besitzer der "Wachtower Bible and Tract Society" sind, haben es verstanden, im Jahre 1968 z. B. die "Schafe" zu dem Opfer von mehr als 200 Millionen Predigtdienststunden zu bewegen. Genau sind es 208 666 768 Stunden, 24 671 582 mehr als im Vorjahr. Das ist nicht zuletzt auch auf die 1975-Verkündigung mit zurückzuführen.

82 842 Taufen konnten durch diesen Zeitaufwand erreicht werden. Von den 997 503 Heim-"Bibelstunden" ließ sich somit ca. jeder 12. taufen, nicht berücksichtigt, daß daran oftmals mehrere "Interessierte" teilnehmen. Also rund 2 500 Stunden wurden benötigt, um einen neuen "Zeugen" zur Taufe zu bringen. Kritisch muß hierzu noch bemerkt werden, daß dabei recht zweifelhafte Methoden mit zur Anwendung gebracht wurden. Die folgenden Zitate veranschaulichen dies:

Zeitfristen
"Im Hinblick auf die Kürze der Zeit, die den Zeugen Jehovas für ihr Werk verbleibt, setzen sie das Bibelstudium mit jemandem, bei dem nach sechs Monaten noch keine Reaktion zu beobachten ist nicht fort … Sie fühlen sich verpflichtet, ihre Zeit zu benutzen, um jemand anders zu besuchen, der der Botschaft gehorcht, indem er die Zusammenkünfte im Königreichssaal besucht und mit anderen über die biblischen Wahrheiten, die er gelernt hat, spricht." - WT 16/69 S. 504.

"Solltest du zu denen gehören, die die Bibel schon etwa sechs Monate studieren, dann solltest du nun entscheiden können, ob du das Gelernte in die Tat umsetzen möchtest." - WT 16/69 S. 501.

"Sechs Monate! Was aber, wenn das Ende des gegenwärtigen Systems in drei Monaten kommt? fragte ein Vater … als Zeugen Jehovas mit ihm über ihren … Heimbibelstudienkurs sprachen." - WT 17/69 S. 539.

Kann man wirklich glauben, daß denkende Menschen mit "Harmagedon" schon in drei Monaten rechnen? Diese Frage "eines Vaters" ist zu durchsichtig, als daß sie ernst zu nehmen wäre. Was bezweckt "Der Wachtturm" da?

Wer die Wachtturmgesellschaft als neutraler Beobachter kennt, weiß, daß sie zu allen Zeiten bestrebt war, für ihre Verkündiger die Sorgen und Nöte der Menschen, die vielfach die Schattenseiten des Lebens kennenlernten, anzusprechen Menschen, die keine für sie erreichbaren Auswege aus ihren sozialen und sonstigen Nöten sehen, wußte sie schon immer, ein apokalyptisches "Demnächst" oder "Bald" als Ausweg anzubieten. Arbeitslosigkeit, Kriegswirren, Inflation, soziale Unsicherheit und dergleichen mehr, boten für die auf 1914, 1925, 1945 usw. orientierten Verkündigungsphasen der WTG einen guten Boden.

Selbst das in der Neuzeit auch unter Gläubigen immer stärker werdende Unbehagen, über eine ausschließlich "jenseitige" Verkündigung, wußte sie geschickt zu berücksichtigen, durch die in den dreißiger Jahren vorgenommene Umstellung auf eine "irdische Hoffnung", für alle, die noch hinzukommen würden. (Siehe auch Philipper 3:19,20). Doch die Zeit der Massengewinnung, wie nach den Kriegen scheint für die WTG vorbei zu sein. Nun wird zum vermeintlichen "Endspurt" u. a. durch das Ultimatum angespornt, sich nach 6 Monaten für den vorgezeichneten Wachtturmweg zu entscheiden. Wieviel Ungerechtigkeit, Erbarmungslosigkeit, Verständnislosigkeit, Kurzsichtigkeit, Antreiberei und Richtgeist werden die Folge davon sein?

Die Wirklichkeit des Lebens spricht allerdings eine andere Sprache, wie auch die zuvor genannten Zahlen dies veranschaulichen. Der Aufwand ist im Verhältnis zum Ergebnis außerordentlich hoch und die Befürchtung der WTG hat einen nicht zu unterschätzenden Hintergrund: "Werden sie (die Neugetauften) auf dem eingeschlagenen Weg bleiben? Oder werden einige von ihnen davon abweichen, wie es manche in der Vergangenheit getan haben?" - WT 11/69 S. 338.

Ursache und Wirkung
Diese Gefahr wird noch dadurch vergrößert, daß die WTG nicht davor Halt macht, die berufliche Weiterentwicklung negativ zu beeinflussen, wie es u. a. folgendes Beispiel veranschaulicht:

"Eine Lehrerin in Südkalifornien studierte, um den Doktortitel zu erwerben. Als sie mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren begann … beschloß sie auch, auf die Doktorwürde zu verzichten." - WT 17/69 S. 539.

Da dies in der älteren und gegenwärtigen Geschichte der WTG kein Einzelfall ist, (siehe CV 13, S. 7) sondern zur Methodik der WTG gehört, kann man die Regierung des jungen afrikanischen Staates Malawi, der sich aus sozialem Elend, Unwisssenheit und Rückständigkeit herausarbeiten muß, durchaus verstehen, wenn sie in ihrer Einschätzung der Zeugen Jehovas sagte:

"Wir empfehlen dringend, die Glaubensgemeinschaft Jehovas Zeugen in unserem Land zu verbieten, da die Einstellung ihrer Anhänger den Fortschritt des Landes hemmt." - WT 9/68 S. 267-70.

Natürlich sind Gewalttätigkeiten gegen die "Zeugen" in jedem Fall zu verurteilen. Allerdings muß man auch sehen, welche Unmenschlichkeit, ja mittelalterliche Barbarei in einer Verkündigung liegt, die besagt, jeder Andersglaubende verdiene schließlich nicht anderes als die erbarmungslose Ausrottung in Harmagedon, vom Säugling bis zum Greis. Das kann sehr aufreizend wirken, darüber sollten sich auch Jehovas Zeugen klar sein. Sie brauchen sich dann nicht zu wundern, wenn ihnen widerfährt, was sie anderen predigen. Die Mentalitäten der Menschen sind verschieden. Nicht jeder nimmt Provokation gelassen hin. Sie können auch nicht sagen, die Verantwortung für die Verkündigung hätten sie nicht, sondern allenfalls das Hauptbüro in Brooklyn. Das stimmt nur bedingt, denn jeder ist auch selbst für sein Tun und Lassen verantwortlich.

Die gegenwärtigen Methoden der Wachtturmgesellschaft, auf die Verkündiger und Interessierten ultimativen Druck auszuüben, läßt den Betrachter an Saison-Schlußverkäufe unreeller Fabrikanten denken. Soll es nicht der Geist Gottes sein, der in den Herzen von Menschen guten Willens wirkt? Wie kann man solche Menschen zwingen, sich in Fristen zu entscheiden, die allein im menschlich, nur allzuoft unzulänglichen Ermessen einzelner liegen? Die Wachtturmgesellschaft wäre gut beraten, hier einmal über Jesu Worte nachzudenken, der auch sagte:

"Ihr reist über das Meer und das trockene Land, um einen einzigen Proselyten zu machen. Aber ihr habt die gewichtigeren Dinge des Gesetzes außer acht gelassen, nämlich das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue." - Matthäus 23:15,23.

Zwei Ebenen - oder die Maus im "Rockland"
Es mag in bestimmten Fällen durchaus von Interesse sein, zu wissen, welche Gedanken Brüder in Schlüsselstellungen der WTG über Diener und Geschwister überhaupt haben.

Viele Menschen veranstalten Splittergerichte über andere Menschen, grob gesprochen ziehen sie übereinander her.

Es tut gut, zu wissen, daß in der WTG dieser Stil allgemein nicht gepflogen wird.

Hier soll die Rede sein, wie Brüder in Dienstämtern andere Geschwister beurteilen. Das mag in gewissen Grenzen unumgänglich, Ausdruck ihrer Verantwortung sein.

1960 in Westberlin-Neukölln, war folgende Auslassung eines Dieners über einen anderen Bruder zu hören.

"Bruder R. ist abstoßend, fanatisch und engstirnig, daß er sich zum Überrest rechnet, ist ein Hohn. Bruder R. ist unmenschlich verschroben und exaltiert, daß man ihn nach Möglichkeit meiden möchte."

Kreisdiener L. äußerte folgendes:

"Wir müssen einfach begreifen, daß über die Wahrheit von zwei verschiedenen Ebenen aus gesprochen werden kann und muß. Zahllose Geschwister unter uns sind so primitiv, daß sie die Wahrheit im Lichte Jehovas gar nicht verstehen können.

Es ist so, daß wir die Wahrheit durchaus dialektisch betrachten Wir befinden uns hiermit in Übereinstimmung zu unseren Brüdern, die im Vorrecht einer Schlüsselstellung der Gesellschaft stehen."

Was hier unter dialektisch verstanden sein wollte, war damals nicht ohne weiteres einsichtig, Inzwischen haben wir sicher alle dazugelernt und wissen diese Worte zu würdigen. Das darf umsomehr angenommen werden, so wir uns sicher nicht unbedingt zu den Primitiven rechnen. Um bei der Sache zu bleiben, ist es vielleicht an der Zeit, darüber zu berichten, womit sich 1958 Zonendiener unter dem Vorsitz des Präsidenten in New York, im "New Rockland Palace" beschäftigten.

Um es als Bruder der 2. Ebene wissen zu können, hättest du dich wahrlich in eine Maus verwandeln müssen, es sei denn, du wärest Z-Diener.

Berichten könnte also nach menschlichem Ermessen nur eine Maus oder ein Z-Diener, ausgestattet mit einem ganz bestimmten Zeichen, das Einlaß ins "Rockland" gewährte. Im "Rockland" tagte bildlich gesprochen eine Nudistenversammlung, weil wir dort nämlich entkleidet wurden. Man machte Bestandsaufnahme über uns, wie wir sind und was man mit uns machen muß, das unsere Schafsnatur nicht verloren gehe.

Wie wir sind, hörte sich so an:

"Uns dürste nach der Wahrheit.

Die NWG habe diesen Durst zu stillen und Verschmachtenden das Wasser des Lebens zu reichen.

Die NWG kann alle Hoffnungen und Sehnsucht von Menschen erfüllen.

Lebensangst und Todesfurcht des einzelnen verwandeln wir in irdische Hoffnung auf ewiges Leben.

Wir zeigen Auswege für Naive und sich selbst im Glauben an Jehova Gott fanatisierende Menschen, die ohne Glaubensekstasen nicht leben und glauben können."

Was man mit uns tun muß - konnte nach allem nicht wesentlich anders gedacht sein, so höre denn:

"Nach gründlicher Prüfung aller Versammlungen schätzt die Gesellschaft den Anteil dieser Geschwister (siehe, wie wir sind) auf ca. 65 Prozent.

Einer anderen Gruppe von Menschen müssen wir entsprechend ihren geistigen Bedürfnissen Dienstämter anbieten, wenn sie sich bewähren und Jehova Gott sie segnet zu diesem Dienst. Diese Gruppe stellt gleichzeitig den Anteil, den die Gesellschaft in Schlüsselstellungen bzw. zu Missionaren aussondern kann.

Also, nur etwa 25 Prozent aller Glieder der NWG sind nominell in der Lage, die Administration der NWG zu bilden.

Wasser des Lebens, die Wahrheit der NWG, das müssen wir ganz klar erkennen, ist eine Wahrheit, die wir für 65 Prozent unserer Geschwister dauernd lebendig erhalten und eigens für sie, als durch Jehova Gott überwaltet, austeilen müssen.

In diesem Werk ist uns die ganze Last der Verantwortung aufgebürdet zu wissen,

daß Jehova Gott mit seinem Licht der Erkenntnis, die NWG nicht wie ein Scheinwerferstrahl verfolgt, sondern daß wir im Schatten des Lichts stehen, nicht wissen, wo ist Licht und wo beginnt Finsternis.

Die Qual dieser Unvollkommenheit verwandeln wir aus Liebe zu schafsähnlichen Menschen in Licht und Wahrheit, gerade so, wie sie diese in ihrer eigenen Unvollkommenheit bedürfen."

Man möchte nun meinen, bigotte Heuchler und "Weltmenschen" unterscheiden sich nicht in ihrem Tun, wenn sie in dieser Weise über Menschen befinden.

Was meinst du, ob das Parkett von the "Rockland Palace" zu solchen Einsichten inspiriert hat?

Sicher, Kreisdiener L. hat wohl damals auch nur Tröpfenwahrheiten produziert, denn mehr und besser wußte er es halt nicht.

Hier war er nur Schraube, Rädchen im System, zwar notwendig, aber nicht im Vorrecht einer Schlüsselstellung der Gesellschaft.

Jehova Gott will angeblich, daß alles von oben nach unten geschehe in der NWG.

Fehlt bloß noch der WT schriebe, Christus Jesus war der größte Hierarch. Lesen konnte man allerdings schon, er sei der größte Theokrat gewesen, versteht sich, durch den Kanal natürlich, immer von oben nach unten.

Damit wären eigentlich die zwei Ebenen des Kreisdieners bestätigt und die Verwandlung in eine Maus sinnvoll.

W. D.

Entweder - Oder?
Angesichts der von der Wachtturmgesellschaft nach wie vor aufrecht erhaltenen Formel eines Entweder - Oder, fragt man sich immer wieder: Was für Gedanken mögen wohl jene Leute bewegen, die als Hirten der Zeugen Jehovas in der DDR für ihre "Schafe" verantwortlich zeichnen Was mögen sie wohl denken - oder auch nicht denken - wenn sie in der Presse und in der einschlägigen Fachliteratur von der gemeinsamen humanistischen Verantwortung hören, die trotz der nicht zu verwischenden, weltanschaulichen Unterschiede die Basis bildet, auf der Marxisten und Christen zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit gelangen.

Vielleicht ist aber diese Fragestellung schon wieder zu hoch(?), denn es soll ja auch Leute geben, die das "Nichtwissen" zu ihrer erklärten Standardformel gemacht haben und die deshalb die einschlägige Literatur keinesfalls lesen Sie gleichen in der Tat einem Blinden, der von einem Blinden geleitet wird, und die beide in die Grube fallen, um mit einem Gleichnis Jesu zu sprechen. - Matthäus 15:14.

Es mag in der Tat schwer sein, aus diesem durch die WTG inszenierten Teufelskreis der Isolation herauszukommen. Wähnt man sich doch im Besitz der "alleinseligmachenden Lehre". Eine Lehre, deren Emaille immer mehr abblättert, deren Grundpfeiler 1972, 1975 immer haltloser werden, an die immer weniger glauben, im blind vertrauenden Sinne. Man kann es auch keinem übelnehmen, denn wer möchte sich schon selber gerne durch nicht erfüllte Illusionen seelisch oder materiell schädigen?

Was bleibt nun doch wesentliches übrig vom besonderen Glauben der Zeugen Jehovas, angesichts solcher Schocktherapien, wie der laufend umfrisierten Endzeitlehren? Nun, das ist eine Frage, mit der jeder selbst mit sich ins reine kommen muß. Sicherlich wird man einräumen müssen, daß es viele gibt, die dem Sinne nach sagen: "Daß unsere Endzeiterwartungen unrealistisch und überspitzt sind, mag zutreffend sein, doch traf das in früheren Zeiten nicht auch schon für andere Glaubensgemeinschaften zu, und die existieren trotz allem heute noch, auch in der DDR." So ist es, niemand wird das ernsthaft bestreiten wollen, wobei es gleichzeitig jedoch zu beachten gilt, daß keine dieser Gemeinschaften, sich wie die WTG auf den Standpunkt eines "Entweder - Oder" stellen. Sie alle sind bereit, einzuräumen, daß der Christ sich auch für gegenwärtige Gerechtigkeit einsetzen muß - wenn er glaubwürdig sein will - und sie beweisen dies auch, indem sie mit anderen daran interessierten gesellschaftlichen Kräften, wo es notwendig ist, auch zusammenarbeiten. Und damit hätten wir des "Pudels Kern".

Für ihre unrealistischen Exklusivansprüche wird die Wachtturmgesellschaft in keiner Weise Verständnis oder gar Anerkennung für sich wieder zurückgewinnen können, und das weiß sie auch ganz genau. Es gehört schon eine ganze Menge von Optimismus dazu, noch daran zu glauben, daß die WTG diesbezüglich ernsthafte Korrekturen vornimmt. Ein Optimismus, der sich allzuleicht wiederum als eine Illusion erweisen wird.

Angesichts dieser Sachlage muß man doch noch mal fragen, was für Gedanken wohl die verantwortlichen Hirten der Zeugen Jehovas in der DDR bewegen mögen. Ob sie ihre Situation schon wohl als völlig zufriedenstellend betrachten? Ob sie wohl meinen, wenn 1975 nichts passiert', dann werfen wir von uns aus die Organisation hin, dann gibt es eben keine Zeugen Jehovas in der DDR mehr? Was werden sie dann wohl machen wollen, die sich jetzt noch "Hirten" der Zeugen Jehovas nennen? Ob sie dann wohl ihre "Herde" verlassen oder sich anderen Glaubensgemeinschaften anschließen, die ihnen im weitesten Sinne irgendwie "nahestehend" sind? Oder ob sie weiter im politischen Trott der WTG marschieren wollen, mit allen sich daraus ergebenden negativen Konsequenzen?

Es wäre in der Tat wissenswert, nicht zuletzt auch für die einfachen "Schafe", welchen Weg ihre Führer diesbezüglich einzuschlagen gedenken. Christliche Verantwortung möchte hiermit alle Leser bitten, ihre Meinung dazu darzutun!

Zwei Fragen sind es, die hierbei von besonderem Interesse sind:

1. Was denkst und erwartest du von 1975?

2. Wie stellst du dir die Zukunft der Zeugen Jehovas in der DDR vor?

Wir meinen, daß die Beantwortung dieser Fragen im allgemeinen Interesse liegt und bitten herzlichst um vielseitige Teilnahme, gegebenenfalls auch anonym und auch aus den Reihen anderer Religionsgemeinschaften!

Schreibt uns, wir freuen uns auf Eure Antworten.

Wissen Sie was Hunger ist?
Gott sei's gedankt; Du und ich wir wissen es nicht - oder - nicht mehr. Doch auch Dich und mich geht diese Frage noch heute an, wenn beispielsweise jeden Tag 20 000 Menschen verhungern auf einem Planeten, der die natürlichen Voraussetzungen besitzt, zehnmal mehr Bewohner zu sättigen, als auf ihm wohnen.

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz kraftlos wird, womit soll man's salzen? Es ist nichts hinfort nütze, denn daß man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. (Matthäus 5:13).

Wenn 600 Millionen Kinder nie eine Schule besuchen, wenn 500 Millionen Kinder nie ihren 15. Geburtstag erleben, wenn von 12 Millionen Aussätziger nur jeder 30. sich in ärztlicher Behandlung befindet, wenn 250 Millionen Bauern oder Landarbeiter noch nicht einmal den Eisenpflug kennen, was unternimmt dann der angeblich alleinige "treue und verständige Sklave Gottes auf Erden"?

Wieviel Zeit, Geld und Energie läßt er aufwenden, um seine modernisiert-umfunktionierte "Jenseits" oder "Demnächst"-Verkündigung zu verbreiten. Wieviel guter Wille wird dabei vergeudet, der den 40 Millionen Menschen, die jährlich aus Mangel an ausreichender Nahrung sterben, herzlich wenig nützt!

Wieviele Menschen starben, denen für 1914 die "Erlösung" verkündet wurde, wieviele sahen sich 1925 getäuscht?! Wievielen erging es 1945 ähnlich. Wieviele werden es 1975 und 1997 oder 2240 sein?l Wievielen Menschen hilft diese "göttliche Organisation" sich selbst zu helfen? Wo wären wir heute, wenn es nicht die Erkenntnis gäbe: "Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern."?!

Was für einen Eindruck soll der Außenstehende von jener Organisation gewinnen, die auf diesen Gebieten kläglich versagt?! Wo ist dort jene Gerechtigkeit zu finden, die die der "Schriftgelehrten und Pharisäer" bei weitem übertreffen soll? (Matthäus 5:20).

Wachtturmgesellschaft und christliche Mündigkeit
Am 30. Oktober 1969 fand in der Gruga-Halle in Essen, wo die WTG im Juli 1968 eine Bezirksversammlung abhielt und Zweigdiener Konrad Franke über das Thema sprach "Des Menschen Herrschaft weicht bald der Gottesherrschaft" (CV 21, Dez. 1968), eine evangelische Reformationsfeier statt. Der Hauptreferent, Pastor D. Eberhard Bethge D. D., Evangelische Kirche im Rheinland, machte sehr interessante Ausführungen über christliche Mündigkeit Er sagte unter anderem:

Die Mündigkeit sei im Evangelium verankert. Gebote seien nicht Selbstzweck, sondern Ziele zu neuem, freiem Leben, das sie sichtbar zu machen hätten. Das Ziel ist die Mündigkeit, nicht das Gebot. Das Neue Testament gipfele in der Befreiung der Christen in mündige Sohnschaft, Niemand dürfe dem Menschen seine Selbstverantwortung nehmen. Wer mündig wird, der wisse genau, wie die Last an diesem Tag, da er die Freiheit gewinnt, zusammenfalle mit der Eigenverantwortlichkeit, mit der Selbständigkeit. Jedoch die Verantwortlichkeit charakterisiere den Menschen. Das Ziel für diese Mündigkeit ist für den Christen Christus, der die Freiheit des Menschen erstrebt habe. Gefahren für die innere Freiheit des Menschen aber seien die "Informationsmonopole" wie "Funk und Zeitungskartelle". Durch sie werde der Mensch raffiniert psychologisch gelenkt, indem sie nur ausgesuchte Informationen bringen, wodurch der Mensch über vieles in Unwissenheit bleibe. Unwissende aber können nicht mündig sein.

Der Vergleich mit der WTG ist offensichtlich. Auch sie ist ein Informationsmonopol, das die Zeugen nur mit ausgesiebten Informationen versorgt. Nimm nur wieder das Jahrbuch 1969 mit dem Bericht über "Ostdeutschland", über die DDR auf Seite 273.

Über die wirklichen Fragen und Probleme, vor denen die Zeugen in dieser sozialistischen Gesellschaft angesichts der antikommunistischen WT-Politik stehen kein Wort, keine Silbe. Über CV schon gar nichts. Selbst Bezirksdiener werden abgesetzt, weil sie mit der WT-Politik nicht mehr einverstanden sind, "Rebellion" also in höchsten Dienstämtern. Das Jahrbuch schweigt, es verschweigt alles. Wie unmündige Kinder werden die Zeugen gehalten. Konrad Franke hätte sich das Referat von Pastor Eberhard Bethge in Essen anhören sollen.
Zeugen Jehovas aus Madagaskar ausgewiesen
Wie die französische Nachrichten-Agentur afp vom 30. 6. 1970 aus Tananarive, der Hauptstadt Madagaskars, eines Inselstaates östlich Afrika, meldet, hat die madagassische Regierung die 18 ausländischen Missionare der Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas im Juni 1970 des Landes verwiesen. Nur 11 Missionare waren der Aufforderung gefolgt, die restlichen 7 wurden zum Verlassen des Landes gezwungen.

Bekanntlich war Madagaskar bis 1958/60 ein französisches Kolonialgebiet. Der letzte Aufstand gegen die französische Kolonialherrschaft, der noch einmal blutig niedergeschlagen wurde, kostete ca. 70 000 Madagassen das Leben. Doch nationale Befreiungsbewegung blieb dennoch siegreich. 1960 konnte eine eigene Republik gegründet werden.

Welche Position beziehen die Zeugen Jehovas unter Leitung ihrer Wachtturm-Gesellschaft?
Sie beziehen die Position, "wer Politik treibt, ist ein Feind Gottes". WT 1. 1. 1957.
Solche Propaganda muß für ein Volk, das sich aus kolonialer Knechtschaft und Bevormundung befreit hat und ein eigenes Staatswesen entwickeln muß, damit ein menschenwürdiges Leben gesichert wird, untragbar sein.

Eine Annahme der politischen Standpunkte der Zeugen Jehovas würde jede nationale und politische Entwicklung eines Landes sabotieren und unmöglich machen. Es kann nicht geduldet werden, daß ein ganzes Volk in diesem "unpolitischen" Sinne erzogen wird, wie es alle Zeugen Jehovas tun. Es kann nicht geduldet werden, systematisch das politische Verantwortungsbewußtsein des Volkes zu zerstören, noch dazu, wenn es notwendig ist, das Kolonialelend zu überwinden und ein eigenes Staatswesen zu stabilisieren.
Dies sind die politischen Hintergründe der Ausweisung der WTG-Missionare auch aus Madagaskar.
Evangelische Stimmen über Jehovas Zeugen
Konfessionskundliche Forschungsstelle des Evangelischen Bundes in der DDR befaßt sich auch mit Jehovas Zeugen. Seit Februar 1968 veröffentlicht die Konfessionskundliche Forschungsstelle des Evangelischen Bundes der Evangelischen Kirche in der DDR "Sektenkundliche Mitteilungen" für den innerkirchlichen Dienstgebrauch.

In diesen Mitteilungen werden laufend auch Beiträge veröffentlicht, die die Zeugen Jehovas betreffen. Diese Beiträge stützen sich weitgehend auf die Veröffentlichung in "Christlicher Verantwortung" (CV). Bemerkenswert ist der Charakter der CV-Auszüge in diesen Mitteilungen, die sich an alle Pfarrer, Ältesten, Katecheten, Jugendwarte und sonstige Aktiven in der Evangelischen Kirche wenden. Die Mitteilungen konzentrieren sich auf CV-Veröffentlichungen, in denen die gegenwärtig entscheidenden religiösen und politischen Fragen in Sachen Zeugen Jehovas behandelt werden. Entsprechende Schwerpunkte in diesen Mitteilungen waren bisher der Brief von WTG-Präsident N. H. Knorr in CV 13, der Offene Brief an WT-Redakteur Günter Künz in Wiesbaden in CV 13, die neue WTG-Weltendefestlegung auf 1975 und u. a. der WT-Antikommunismus in Verbindung mit der WTG-"Kriegslist" oder psychologische Kriegsführung unter der falschen Devise "Christentum oder Kommunismus" in CV 24. Diese Mitteilungen des Evangelischen Bundes dürften zur Folge haben, daß sich die Evangelische Kirche sachkundiger als bisher mit den Zeugen Jehovas befassen kann, wo dies erforderlich wird.

Kritisch muß vermerkt werden, daß die Kirche die kleineren Religionsgerneinschaften immer noch pauschal als "Sekten" ansieht, obwohl alle Gemeinschaften verfassungsrechtlich gleich sind. Hoffnungsvoll jedoch ist die Bemerkung und Einsicht, daß heute niemand mehr unbesehen jede nicht volkskirchliche christliche Gruppe einfach zur "Sekte" erklären kann. Für Jehovas Zeugen indes ist bedeutsam, daß sie nunmehr immer sachkundigeren evangelischen Christen gegenüberstehen.

"Kritik an den Zeugen Jehovas"
Unter dieser Überschrift informierte die in Halle an der Saale erscheinende Protestantische Monatsschrift "Glaube und Gewissen" (Nr. 7/70 S. 130) ihre Leser über die CVAufklärungstätigkeit Unter anderem führte "Glaube und Gewissen" aus:

"Auf den rollenden Bezirksversammlungen der Zeugen Jehovas in den USA, Kanada, Großbritannien und auf dem europäischen Festland" wird zur Zeit laufend das angeblich bevorstehende 'Weltende' für das Jahr 1975 propagandiert, allerdings in höchst widersprüchlichen Aussagen …

,Christliche Verantwortung' distanziert sich ferner eindeutig von der den Zeugen Jehovas eigenen sektiererischen Behauptung, in Glaubensdingen allein 'das Richtige' zu lehren: 'Man muß zu der Einsicht kommen, daß auch andere Christen eine bestimmte Form der Gottesanbetung und Nachfolger Jesu vertreten, die zwar anders ist als die der Zeugen Jehovas, aber die auch eine Form der Anbetung des einen und einzigen Gottes und des Dienstes für seinen Christus ist. Man muß anderen einräumen, daß auch sie an die Bibel glauben und auf ihre Art Nachfolger Jesu sind oder sein wollen und daß sie in diesem Sinne aufrichtige Christen sind."
Ein Wort von Bischof Krummacher, Greifswald, für Jehovas Zeugen
In einem Interview mit der Tageszeitung "Der Demokrat", Schwerin, vom 8. 5. 1970 äußerte sich Bischof D. Dr. Krummacher, Evangelische Kirche, Greifswald, zur Frage der Gemeinsamkeit von Christen und Marxisten in der DDR. Der Bischof gehört zu den Mitbegründern dieser Gemeinsamkeit 1943/44 im "Nationalkomitee Freies Deutschland". Der Bischof führte unter anderem aus:

"Ich bin seit dieser Zeit davon überzeugt, daß es nicht
nur bei uns, sondern in weiten Teilen der Welt geradezu entscheidend ist, daß Marxisten und Christen keine Fronten aufrichten, sondern miteinander sprechen, um dann gemeinsam handeln zu können. Das ist in diesen 25 Jahren nicht immer reibungslos vor sich gegangen. Aber es ist heute wie damals unaufgebbar. Je charaktervoller dabei jeder an seinen weltanschaulichen bzw. glaubensmäßigen Wurzeln festhält, umso mehr kann man sich gegenseitig respektieren und daraus die praktischen Folgerungen für gemeinsames verantwortungsvolles Schaffen ziehen."

Charakteristisch für Jehovas Zeugen ist, daß sie von der WTG an die falsche Front des Antikommunismus getrieben werden, wie die WTG-Losung "Christentum oder Kommunismus" (Erw. 8. Juni 1955, Wiesbaden) nach wie vor veranschaulicht. Sie werden im Namen des Christentums zum Kampf gegen die Gesellschaftsordnung des Sozialismus getrieben, obwohl die Bibel deutlich sagt: "alle menschliche Ordnung um des Herrn willen" anzuerkennen und mit den Nichtchristen ehrbar zu wandeln (l. Petr. 2:13, 1. Thess. 4:12 Me).

Eine Preisgabe dieser falschen Frontstellung auch auf seiten der Zeugen Jehovas ist unausweichlich, wobei auch bei ihnen die glaubensmäßigen Wurzeln erhalten bleiben können und sollen. Es ist an der Zeit, daß sich vor allem die verantwortlichen Diener in den Versammlungen hierüber Gedanken machen.

Amerikanischer Adventistenpräsident in der DDR
Robert H. Pierson, Präsident der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten, wurde anläßlich eines DDR-Besuches im August 1971, auch vom stellv. Vorsitzenden der CDU, Wolfgang Heyl sowie vom Staatssekretär für Kirchenfragen, Hans Seigewasser und seinem Stellvertreter Fritz Flint empfangen, meldete die "Neue Zeit" vom 12. 8. 1971.
Präsident Pierson zeigte sich besonders beeindruckt, daß es in der DDR keinen Rassismus gibt. Auch die Tatsache, daß im Gegensatz zu anderen Staaten die Kriminalität gering ist, habe ihn mit tiefer Befriedigung erfüllt.
A 7214-71 V 7 1 2190

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