Kommentar zu den eingescannten CV Ausgaben
CV 36

In dieser Ausgabe endet der sich über diverse Fortsetzungsfolgen hinziehende Bericht von Gerhard Peters "Zwölf Jahre meines Lebens". Um einen besseren Überblick zu ermöglichen, habe ich ihn auch noch als Separatdatei konzentriert (unter Ausmerzung einiger Wiederholungen). Jedoch den in CV 36 enthaltenen Schlussteil habe ich dabei bewusst nicht mit eingefügt. Warum?
Mir ist bekannt, dass Peters in den Jahren nach dem DDR-Mauerbau versucht hat, selbige zu verlassen. Und zwar wollte er dazu mit einem Taucheranzug ausgerüstet, die Elbe durchschwimmen. Offensichtlich ging sein Vorhaben nicht so auf, wie er das geplant hatte. Man kann es sich schon plastisch vorstellen, dass die DDR-Behörden diesen geschnappten "Republikflüchtling", anschließend entsprechend ausgequetscht haben und dabei auch auf seinen Zeugen Jehovas-Background gestoßen sind. Peters beschreibt in der CV 36, wie er sich auch mit dem örtlichen Funktionär der Zeugen Jehovas überworfen hat. Diese Schilderung erscheint mir durchaus glaubwürdig. Vielleicht war sie auch mit motivbildend für seinen Fluchtversuch. Da letzterer jedoch, als wesentlicher Bestandteil seiner Biographie, in dem veröffentlichten CV-Text in keiner Weise erwähnt wurde, deshalb erscheint es mir durchaus angebracht, die Ausführungen in der CV 36 mit der gebotenen kritischen Distanz zu bewerten.


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 36 Gera September 1971

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Für einen schriftgemäßen christlichen Wandel
In der Wegweisung für Jehovas Zeugen in der sozialistischen Gesellschaft (CV 34) wurde dargelegt, daß die hinderlichen antikommunistischen und anderen negativen politischen Erscheinungen in der Verkündigung beseitigt werden können, unbeschadet anderer Glaubenshoffnungen Es wurde ausgeführt, das dies auf der biblischen Grundlage, sich "aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen" einzufügen (1. Petr. 2:13) sogar erfolgen muß. Wird dies konsequent durchgesetzt, dann entfällt der antikommunistische und staatsfeindliche Charakter der Verkündigung und der Weg ist für Jehovas Zeugen in der sozialistischen Gesellschaft geebnet. Dies war die geistige oder ideologische Seite dieser Sache,

Leider muß eine konsequente Verwirklichung solchen rechten biblischen Verhaltens als christlicher Staatsbürger zur Zeit gegen die WTG-Leitung durchgesetzt werden, weil die Leitung ihre falsche Politik nicht korrigiert und weil sie politisch an bestimmte Kräfte des Imperialismus und Antikommunismus gebunden ist.

Diese politischen Bindungen werden von Vertretern dieser antikommunistischen Kräfte selbst herausgestellt. So schreibt der Mitarbeiter der westdeutschen Zeitschrift "Außenpolitik, Zeitschrift für internationale Fragen", Dr. Alard von Schack, Bonn, in Nr. 11/1962 dieser Schrift unter dem Titel "Der geistige Kampf in der Koexistenz", der politische Kampf gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung müsse auch unter Ausnutzung religiöser Überlieferungen" geführt werden mit dem Ziel, "Abneigung gegen das kommunistische System zu schaffen und die Autorität der dort Regierenden zu untergraben" (S. 773/75). Damit ist bestätigt, daß auch Religionsgemeinschaften eingespannt werden, diesen Antikommunismus zu betreiben. Noch immer gehört die Wachtturmgesellschaft zu denen, die diese Politik am schärfsten mitbetreiben, wie die antikommunistischen Erscheinungen in ihrer Predigttätigkeit beweisen.

In den USA unterhält die WTG-Leitung direkte Beziehungen zur Regierung in Washington. Der Bethelmitarbeiter Anton Koerber, Brooklyn, wurde zum ständigen Vertreter der WTG am Sitz der USA-Regierung in Washington ernannt (Erw. 8. 11. 1964). Alle politischen Aktionen der WTG werden hier mit der USA-Regierung ausgehandelt oder abgestimmt. In Westdeutschland unterhält das Zweigbüro Wiesbaden Verbindung mit dem Kirchenreferat des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung in Bonn, wenn es erforderlich wird, bestimmte Fragen zu behandeln.

An sich ist nichts dagegen zu sagen, wenn Vertreter einer Religionsgemeinschaft mit staatlichen Behörden oder mit der Regierung in bestimmte Verhandlungen oder Verbindungen treten. Denn die Tätigkeit der Religionsgemeinschaft muß sich einschließlich im Rahmen der für alle geltenden Gesetze bewegen, sowohl politisch wie juristisch. Da gibt es hin und wieder Fragen zu klären oder Dinge: zu ändern. Es kommt lediglich darauf an, um was es im einzelnen geht. Se ist es ein bedeutender Unterschied der Beurteilung solcher Verbindungen ob sie sachlichen Verhandlungen dienen, um gesetzliche Regelungen zu berücksichtigen öder Verfassungsfragen zu erörtern, die die Tätigkeit und Organisation berühren, oder ob man sich in antikommunistische imperialistische Machenschaften einspannen läßt und Aktionen unter Mißbrauch der Bibel und des Glaubens für reaktionäre politische Zwecke organisiert. Man muß also Unterscheidungsvermögen besitzen.

Mit Bezug auf die Behörden sozialistischer Länder jedoch setzt die WTG-Leitung diese Dinge völlig außer Kraft. Hier auf einmal kommt sie mit Bibelstellen, die jedem Diener jedes Gespräch angeblich verbieten. Hier erläßt sie das bekannte Maulkorbgesetz in Mißbrauch z. B. von Psalm 39:2, wo es heißt, "ich will meinen Mund mit einem Maulkorb verwahren, solange der Gottlose vor mir ist". Einige Diener haben das von der WTG bereits drastisch zu spüren bekommen. Sind die Regierungen der USA, der Bundesrepublik oder eines anderen westlichen Landes etwa nicht "gottlos" im WT-Sinne oder weltlich? Und doch wird dem Bruder Anton Koerber bei der Regierung in Washington keineswegs solch ein "Maulkorb" vorgebunden! Es liegt hier also ein klarer Bibelmißbrauch seitens der WTG-Leitung in einer ganz bestimmten politischen Richtung vor.

Warum das mit Bezug auf Behörden sozialistischer Länder Sachliches Herangehen würde nämlich schnell den biblisch, verfassungsmäßig bzw. juristisch haltlosen antikommunistischen Kurs der WTG offenbaren und den Dienern klarmachen, was hier für ein Bibelmißbrauch betrieben wird. Kein Diener wurde sich mehr dafür hergeben Damit wäre der politische Mißbrauch der Organisation der Zeugen Jehovas, die "Ausnutzung ihrer religiösen Überlieferungen" für antikommunistische Ziele entlarvt und zu Ende. Und gerade das soll nach WTG-Willen nicht eintreten. Darum der "Maulkorb" für alle Diener allein gegenüber den Behörden sozialistischer Länder. Dabei hat Psalm 39.2 überhaupt nichts mit der heutigen Verkündigung zu tun! König David singt hier lediglich ein Klagelied unter dem Druck göttlicher Züchtigungen wegen seiner eigenen Sündhaftigkeit. David hatte keinerlei Evangeliumsverkündigung in allen Nationen zu tun. Es ist also eine ganz andere Situation. Die WTG reißt die Dinge hier völlig aus dem Zusammenhang und entstellt sie wie so oft. Die Hauptsache ist, es paßt in die antikommunistische WTG-Politik.

Für die Evangeliumsverkündigung gilt dagegen etwas ganz anderes. So erklärt der Apostel Paulus über das Verhalten der Christen unter den Bedingungen der verschiedenen Nationen:

"Wir haben uns von aller schändlichen Heimlichtuerei losgesagt und wir gehen nicht mit Ränken um (wandeln nicht in List, NW) und fälschen das Wort Gottes nicht, sondern bieten uns durch offene Verkündigung der Wahrheit dem Gewissensurteil jedes Menschen dar vor dem Angesichts Gottes". 2. Kor. 4.-.2 Menge.

Und der Apostel Petrus sagt: "Seid allezeit bereit, euch gegen jedermann zu verantworten, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch lebt". 1. Petr. 3:15.

Warum will die WTG-Leitung hier mit ihrem "Maulkorbgesetz" verhindern, daß sich die Diener offen dem Urteil anderer darbieten? Warum will sie, daß sie verantwortliche Gespräche meiden und jeder "Rechenschaft" über die Verkündigung vor anderen aus dem Wege gehen, daß sie stattdessen heimlich und in List wandeln? Wenn die Verkündigung den Worten Christi und der Apostel entsprechen würde, dann dürfte das unter keinen Umständen der Fall sein.

Aber weil ihr antikommunistischer Bibelmißbrauch nicht zu rechtfertigen ist, bleibt nichts anderes übrig als zu Verheimlichung und List zu greifen. Anderenfalls würde die Organisation in dem "geistigen Kampf zur Untergrabung der Autorität kommunistischer Regierungen" nämlich nicht mehr nützlich sein.

Vor allem die Diener sollten aus diesem Sachverhalt die Schlußfolgerungen ziehen. Die Diener allein tragen die unmittelbare Verantwortung als "Hirten der Herde" vor Gott. Der Geist Gottes macht sie zu Aufsehern, nicht irgendwelche Ernennungen, die nur den Charakter von Bestätigungen haben können, aber nichts zu entscheiden haben Müßt ihr Diener nicht auch schließlich ganz allein für die Versammlung einstehen, wenn es darauf ankommt Die WTG-Leitung übernimmt keinerlei Verantwortung Immer steht oder fallt ihr allein dem Herrn. Und wenn gar etwas falsch war, dann sagt die WTG, "einige glaubten oder dachten" und ändert flugs ihre Bibelauslegungen, damit die sie wieder "rein" dasteht, ihr jedoch müßt es praktisch verantworten. So erklärte z. B. der frühere Zweigdiener Erich Frost 1956, als er glaubte, die Organisation könne im Zuge der damaligen allgemeinen politischen Entspannung wieder legalisiert werden, er wolle die Organisation nun nicht wieder als "Kampfinstrument gegen den Staat" aufbauen. Das Hauptbüro in Brooklyn jedoch ordnete an, weiter wie bisher in Mißachtung von 1. Petrus 2:13 gegen die "menschliche Ordnung" des sozialistischen Staates zu kämpfen. Oder nehmt das Beispiel der WT-Obrigkeitsauslegung. Dreißig Jahre lang bis 1962/63 wurde die Organisation vom WT gegen den Staat gestellt mit der staatsfeindlichen Auslegung, Römer 13 beziehe sich nicht auf politische Regierungen. Als das 1962/63 geändert wurde, erfolgte auch nicht das geringste in Wiedergutmachung gegenüber den Brüdern und Schwestern, die die Opfer dieser staatsfeindlichen Verkündigung geworden waren. Nicht einmal eine Entschuldigung seitens der WTG gab es. Sie änderte ihre Lehren und ließ die Opfer weiter die Folgen ihrer falschen Politik tragen. Niemand kam von Brooklyn oder Wiesbaden und setzte sich ein, nicht der geringste Fehler wurde eingestanden. So ist es auch jetzt.

Die Diener müssen darum jetzt selbst die Initiative ergreifen. Mögen sie keine Furcht haben, diesen Kampf des Glaubens zu kämpfen. Warum nicht diesen schriftgemäßen Kampf kämpfen?
M. S.

Zwölf Jahre meines Lebens
von Gerhard Peters (Schluß)
Zum Schluß des 9. Teiles:
Ein junger Mann kommt 1949 endlich aus französischer Kriegsgefangenschaft heim, entschlossen, sich nicht wieder für eine ungerechte Sache mißbrauchen zu lassen. Die Kriegserlebnisse hatten ihn nahezu zum Einzelgänger werden lassen, fortan alle Politik und Gesellschaft verachtend Doch blieb es eine Suche nach Wahrheit, nach Idealen. Er lernte ein Mädchen kennen, eine Zeugin Jehovas und kommt dadurch mit dieser Organisation in Verbindung. Man kann es sein Unglück oder auch Glück nennen, daß seine Zugehörigkeit zu dieser Organisation für die Dauer von 12 Jahren eine einzige große Tragödie wurde.

Es waren die mit der Bibel im Sinne des WT begründeten Versprechen und Voraussagen einer neuen Welt der Gerechtigkeit und des ewigen Lebens in Glück und Frieden und die Verheißung einer Gemeinschaft unter göttlicher Führung, die schon jetzt in diesem Sinne und zu diesem Zwecke wirkt, was diesen jungen Mann anzog. Was er jedoch in der Praxis kennenlernte, waren nicht die Gerechtigkeit, das Glück und der Frieden, die er täglich anderen zu predigen hatte, von einer erkennbaren göttlichen Führung ganz zu schweigen. Er wurde ein buchstäbliches Opfer dieser Organisation und all ihrer Untugenden, die offenbaren, daß es sich auch hier um ein Menschenwerk handelt.

Schon seine Bekanntschaft mit der Organisation war die mit einer allerdings menschlich verständlichen Heuchelei. Die von der Organisation im Namen Gottes vorgegebene "Reinheit" soll auch darin bestehen, daß ihre Glieder jeden vorehelichen Verkehr als "Hurerei" meiden. In Wirklichkeit gibt es kaum ein junges Liebes- oder Brautpaar unter den Zeugen Jehovas, das diese "göttliche" Regel befolgt. Das ist menschlich und natürlich. Für den, der den angeblichen göttlichen Charakter der Organisation jedoch wirklich in allen Dingen ernst nimmt, bedeutet das die erste Heuchelei.

Er beginnt schon, in der Organisation mit einer Lüge zu leben, in intimster Weise. Das ist keine gute Saat, die die Organisation da sät.
Wenn das auch in den meisten Fällen verdrängt wird, so kann es eines Tages doch zu einem wichtigen Glied in der Beweiskette gegen die Organisation werden.

Er erlebte als nächstes, wie der Wachtturm-Studienleiter der Versammlung unter Ausnutzung des "Gottesdienstes von Haus zu Haus" als Ehemann mit seiner Frau Beziehungen aufnahm, die ihn in der ganzen Siedlung in Verruf brachten. Die Engel Jehovas begleiteten die Verkündiger Sein Widerstreben, bei allem und jedem ständig die "Führung Jehovas" im Munde zu haben, war damals schon Ausdruck eines zwar noch unbewußten, aber gesunden Realismus, der auch später Früchte tragen sollte. Und dann das "theokratische" Gerichtsorgan in der Versammlung, das Brüderkomitee. Für Belastung durch notwendige berufliche Ausbildung oder Weiterbildung hatte es nicht das geringste Verständnis. Felddienststunden, Literaturumsatz, Wettbewerb um höchste Zahlen und Quoten, wehe dem, der hier zum Schlußlicht im Monatsbericht wurde. Das Zugrunderichten solcher Verkündiger, die ihre Sorge um Familie und Berufsausbildung und Berufstätigkeit nicht auf das Mindestmaß beschränken konnten, das die Organisation verlangten nahm solche Ausmaße an, daß Präsident Knorr schließlich gezwungen wurde, diese "Zwangsjacke" der Quotentreiberei zu stoppen. Aber erst, als die Opfer schon bis nach Brooklyn schrien. (Brief des Präsidenten, CV 13/67, S. 2-5).

Bei einem vorhandenen Geist Gottes könnte so etwas gar nicht vorkommen. Wieder das "theokratische" Gerichtsorgan der Versammlung, das den Verkündiger auf den Weg ewigen Lebens oder ewigen Todes stoßen kann, das Brüderkomitee. Es sollen die "Fürsten" sein, die schon jetzt "nach Recht herrschen". Nicht nur verurteilen diese "Fürsten" einen Unschuldigen auf Grund falscher Zeugen, sie machten sich sogar der Unterschlagung von Beweismitteln, eines Haushaltbuches, schuldig, um einen Unschuldigen zu verurteilen Wenn du so etwas selbst erlebst, kannst du da noch an "Fürsten" glauben, die "nach Recht herrschen"? Und kein Gebet änderte das. Wie lange würdest du aussichtslos beten? Wie lange, meinst du, kann man einen Menschen überfordern?

Und dann die politische Grundtorheit der Organisation, ihr Antikommunismus. Weil es für ihn schwierig war, nach der Bergbauarbeit in Westdeutschland wieder einen neuen Beruf zu ergreifen, wollte sich unser junger Mann, nun längst Zeuge Jehovas, Gerhard Peters, in der DDR umschauen, wo seine Mutter wohnte. Jetzt sah die Organisation nur noch "rot". Er will in die "Ostzone"? Nicht zu fassen! Sie waren derartig antikommunistisch verblendet, daß es für sie nur eine umgekehrte Richtung gab. Er aber will zu den "Kommunisten". Das war für die "in Gerechtigkeit herrschenden Fürsten" des Komitees hinreichender Grund, seine Ehe endgültig zu zerstörend einer Scheidung seiner Frau zuzustimmen und ihn durch Gemeinschaftsentzug "vom Leben abzuschneiden" und "in die Finsternis" zu stoßen. Laß du dir einmal auf diese Weise deine Ehe zerstören und alle Glaubenshoffnung vernichten. Und keine Organisation und kein Gebet hilft dir. Was würden da in dir für Fragen aufkommen? Könntest du dir vorstellen, daß dich das überfordert? Wie lange würdest du das aushalten?

Und dann der "oberste Vertreter Gottes" in der Organisation, der sich herabläßt, ihn vorzulassen, der damalige Zweigdiener Konrad Franke aus Wiesbaden. Er hat sich vorher "genauestens informiert" und läßt ihn überhaupt nicht mehr zu Worte kommen, sondern wirft ihn nach einer Wiederholung des Verdammungsurteils einfach hinaus Stelle dir vor, du erhieltest solchen Keulenschlag. Selbst weltliche Gerichte lassen einen Angeklagten aussprechen. Aber nicht dieses mindeste Recht gibt es vor diesem "obersten Vertreter Gottes".

Und das ist die letzte Instanz. Wäre das nicht unmöglich in einer von Gott geleiteten Organisation?

So wurde die Decke immer dünner. Was allein noch hielt war der Umstand, daß er die Dinge verdrängte, vornehmlich aus Furcht, es könnte doch noch etwas wahr sein, es kann doch nicht alles falsch sein. So demütigte er sich ein letztes Mal unter diese "Fürsten", denn es ist unendlich schwer, einen aufrichtig geübten Glauben aufzugeben Da muß erst viel, sehr viel zusammenkommen oder passieren.

In ihrer antikommunistischen Verblendung bot ihm die Organisation eine letzte Chance. Wenn er bei den Wahlen ih der DDR politisch so auftreten würde, wie es die Organisation lehrt und erwartet, würde sie ihm die Gemeinschaft wiedergeben. Noch einmal lebten alle Hoffnungen auf, versanken alle Bedenken. Er schleuderte den Wahlhelfern den WT-Antikommunismus förmlich ins Gesicht Nur allzu schnell machte man in Wiesbaden den Gemeinschaftsentzug rückgängig. Nun stürzte er sich in den gefährlichsten Dienst für die Organisation, Kurierdienst, Polizeibetrug, Grenzschmuggel. Warum? Neue Glaubensbereitschaft bis zur Selbstaufopferung. Warum?

Es ist endgültig Schluß
Wieder war ich auf der Rückfahrt als Kurier vom Ostbüro der Organisation in Westberlin mit einer Tasche voll illegalen Materials in die DDR. Diesmal klappte meine letzte Methode nicht. Ich hatte die Tasche über einen anderen Sitzplatz ins Gepäcknetz gelegt und mich in einiger Entfernung davon hingesetzt. So konnte ich jederzeit die Zugehörigkeit der Tasche zu mir verleugnen. Bei der Menge der Fahrgäste war das kein Problem. Es würden andere in Verdacht kommen. Man hatte uns diese Methode im Ostbüro empfohlen. Aber kurz vor dem Kontrollpunkt stiegen diesmal alle aus, ich blieb mit der Tasche allein. Da kommt die Kontrolle.

In gewisser Hinsicht klappte diese Methode aber auch jetzt noch, soweit es meine Sicherheit betraf. Der Wagen hielt an. Da nun draußen einige vorbeiliefen, ich aber abseits von der Tasche saß, dachte der Volkspolizeioffizier, jemand habe die Tasche vergessen. Er hielt sie aus dem Fenster und rief den Vorbeieilenden zu. Aber niemand reagierte. Was macht er nun, dachte ich innerlich aufs höchste gespannt. Er stellt die Tasche hin und öffnet sie. Natürlich erkennt er sofort das illegale Material Er ruft sofort noch drei andere herbei. jetzt suchten sie den Wagen ab. Und kamen zu mir. Ich dachte, wenn die jetzt Verdacht schöpfen, mich überprüfen, Fingerabdrücke und so, dann ist es aus, Sie kontrollierten meinen Ausweis, fanden ihn in Ordnung und verabschiedeten sich höflich mit der Tasche. Ich holte tief Luft.

Ich kam nun natürlich ohne Material bei meinem vorgesetzten "Diener" in der Untergrundorganisation an. Herbert, diesmal hat es nicht geklappt. Ich schilderte ihm den Sachverhalt. Sei froh, sagte er, da kannst du mal sehen, wie Jehova seinen Segen auf dich ausgestreut hat, wie er seine schätzende Hand über dich hält! Dir kann gar nichts passieren! Nein, dir kann nichts passieren! Es ist Jehovas Organisation. Er ist es, der die Polizei mit Blindheit schlägt. Ja, Jehova hält seine schützende Hand über dich. Da kann nichts passieren. Da aber kam mir plötzlich die Frage in den Sinn: Herbert, was ist aber mit denen, denen doch etwas passiert, die geschnappt werden? Wo ist da Jehovas Hand? Na ja, antwortete er, na ja. Er konnte mir keine Antwort geben.

Mir aber ging diese Frage nie mehr aus dem Sinn. Ich fuhr wieder und wieder. Und mir passierte tatsächlich nichts. ich kam immer irgendwie durch. Aber ich erlebte, wie andere Kuriere einer nach dem anderen "hochgingen" Mit jedem Fall bohrte sich diese Frage tiefer. ja, sie wurde entscheidend für mich, weil es dabei um Freiheit und Existenz ging.

Auf jeder Kurierfahrt zwang mich die Situation, sie aufs neue zu durchdenken. Ich prüfte mein eigenes Verhalten. Offensichtlich war ich umsichtig genug und lernte auf jeder Fahrt, die Sache geschickter zu machen. Durchdachte man die Fälle, die Kuriere, die "hochgingen", so waren wir uns im vertrauten Brüderkreise klar, daß sie meistens dieses oder jenes nicht beachtet hatten, was ich oder ein anderer bemerkt hätte. Da wurde mir klar, es hängt allein von der eigenen Kenntnis der Verhältnisse und von der eigenen Geschicklichkeit ab. Wenn Jehova es wäre, der den einen schützt, und den anderen "hochgehen" läßt, so würde er mit zweierlei Maß messen, was ihm gemäß der Schrift selbst ein Greuel sein soll, wie der Prediger Salomo sagt.

Also hat Jehova hier nichts mit zu tun. Das ginge ja ins Übernatürliche. Und Wunder gibt es ja bis Harmagedon nicht mehr. Nach und nach wurde mir die Bedeutung dieses Sachverhalts klar. Wir rennen als Kuriere, völlig auf unsere eigene Kunst angewiesen, bis in unser Unglück. Niemand ist da schützend bei uns. Die, die "hochgingen", sind der Beweis dafür. Eine erschütternde Erkenntnis. Da kam mir nach und nach auch so manche ungeklärte Frage der zurückliegenden Erfahrungen wieder in den Sinn. Dann kam das letzte große Glaubensproblem. Nach und nach hatten wir auch die WT von 1963 bekommen, in denen die neue Bibelerklärung über Römer 13, Obrigkeiten, gebracht wurde. Ich setzte mich eines Abends hin und lese. Ich denke, ich habe einen falschen WT in der Hand. Was ist denn das hier! Was? Wir sollen jetzt die staatliche Regierung als Obrigkeit von Gott anerkennen? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu! Und wer sich gegen die staatlichen Gesetze auflehnt, wird zu recht bestraft? Und dem wird sogar die Gemeinschaft entzogen! Da ist ja auch der ganze Geldschmuggel über die Grenze nach dem Westen, den wir für die Organisation betreiben, zu recht strafbar! Was denn nun! Ich schaue noch mal hin, ja, es ist ein richtiger WT-Text. Aber haben wir nicht bisher in dem Glauben handeln müssen, die Obrigkeiten sind allein Jehova und Christus und seine Organisation?

Jetzt sind es auf einmal die politischen und staatlichen Regierungen! Was denn nun! Da sind wir ja kriminell mit dem Geldschmuggel Das schlug dem Faß den Boden aus!

Ich kam dann zum WT-Studium. Natürlich brachte ich diese Frage sofort vor. Ich sage, Herbert, wie ist denn das nun mit Römer 13 und den Obrigkeiten. Na, es steht doch drin. Hast du das nicht gelesen. Doch, sage ich. Also muß es dir doch klar sein. Das ist mir schon klar, sage ich. Aber bisher war es doch ganz anders. Das widerspricht sich doch. Herbert schien sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber zu machen. Oder verbarg er es bloß vor mir? Ich sagte, denke doch an den Schmuggel und die Auseinandersetzungen deswegen. Wenn das jetzt mit der Regierung und den Gesetzen so ist, daß sie schon immer Obrigkeiten waren, dann hat uns ja die Organisation durch den Schmuggel zu Kriminellen gemacht! Wie kannst du so etwas sagen, rief er. Das hier in der "Ostzone" ist doch gar keine wirkliche Demokratie, das ist eine Diktatur, und das kann Gott nicht anerkennen, argumentierte er. Ich sagte, Herbert, du redest doch Unsinn. Obrigkeit gilt doch auch für die "Ostregierung". Aber er stritt weiter. Jedenfalls kann ich das nicht mehr so weiter verantworten wie bisher, sagte ich.

Vielleicht war er gleichgültig, vielleicht auch skrupellos, vielleicht war er blindgläubig. Für mich hatte die Obrigkeitssache jedoch entscheidende Konsequenzen. Wenn die Organisation mit den "geringsten der Brüder Christi" gar so umspringt, als seien sie bloße Schachfiguren, heute gegen die Gesetze, morgen so gegen den Staat, am Ende kriminell, dann hat das mit Gott nichts mehr zu tun. Ich weiß nicht genau, wie lange die Organisation alle Brüder in der Welt mit der falschen Obrigkeitswahrheit irreführte. Ich jedenfalls kannte die ganzen zwölf Jahre keine andere göttliche "Wahrheit" als die, die Staatsmacht sei keine rechtmäßige Obrigkeit. Da kein Gott diese politische Irreführung der gesamten Organisation verhindert hat, kann dies kein Werk Gottes sein. Alles andere erschien mir als Selbsttäuschung, als Selbstbetrug.

Als mich zu dieser Erkenntnis durchgerungen hatte, verstand ich auch, wie es möglich sein könnte, was mir im Laufe der Jahre durch die Organisation an Unrecht und Leid zugefügt worden war. Es leitet da weder ein Gott, noch irgendwelche Engel lagern sich um die Zeugen her. So war ich innerlich mit der Organisation fertig.

Es gab dann noch einen äußeren Anlaß, der mich dann trennte. Es war ja eine Art Erkenntnisprozeß, den ich durchmachte, man erkennt ja nicht alles auf einmal. Mir gefiel schon lange nicht, wie der verantwortliche Diener für das illegale WT-Studium mit seiner Frau in unserer Anwesenheit umsprang. Er duldete keinerlei Widerspruch, übrigens typisch für viele Diener. Seiner Frau fuhr er über den Mund, wie man sagt, das man es nicht mit ansehen konnte. Schlief die Frau, nachdem sie den ganzen Tag auf dem Felde gearbeitet hatte, abends beim WT-Studium ein, fuhr er sie an, sie solle sich hinausscheren. Ihm wäre es heilig, am Tische Jehovas zu sitzen. Dabei zu schlafen, gibt es nicht. Wenn man noch so müde ist da ist man wach, wenn man von Jehova hört, dann ist man immer hell wach!

Das war mir zu viel. Ich hielt ihm das vor, es sei unmöglich, wie er seine Frau behandele. Neben meiner WT-Kritik nun auch noch Kritik an einem Diener Jehovas! Was ich mir einbilde, ich hätte überhaupt nichts zu sagen, er sei ein dienender Bruder, was mir einfiele, ihn zu kritisieren Ich hätte keine Demut und keine theokratische Wertschätzung und anderes mehr.

Wenn es so um dich steht, dann traue ich dir noch etwas ganz anderes zu, du bringst es fertig, und läßt uns alle hochgehen, schrie er mich an. Ich erwiderte Herbert, wenn du so denkst, dann habe ich mit euch nichts mehr zu tun, und wir beide miteinander auch nichts mehr. Du bist, weit genug heruntergekommen, du, nicht ich sagte ich. Schlimmere Verdächtigungen konnte er gegen mich vor anderen nicht aussprechen. Damit war auch äußerlich das Band zerschnitten. Ich verabschiedete mich noch und verließ auf der Stelle das Zimmer.

Wie war sein Verhalten zu erklären? Er kannte mein ganzes Schicksal bei den Zeugen. Wie oft waren wir gemeinsam nach Westberlin gefahren. Mit mir ist ihm nie etwas passiert. Aber auch er konnte mir meine Fragen nicht beantworten, die Fragen nach dem Beweis für den Schutz durch Jehovas Engel, für eine göttliche Leitung und Überwältigung der Entscheidungen der Organisation. Auch er wußte keine befriedigenden Antworten, wenn wir offensichtlich miteinander redeten. Und wie könnte er schließlich nun auch noch die Obrigkeitsirrlehre des WT entschuldigen, wenn das Licht von Gott gekommen war? Aber er war der verantwortliche Diener. Er mußte sowieso alles verantworten, was die Organisation lehrte und anordnete. War er innerlich völlig zerrissen? Seine alle Bande zerschneidenden Verdächtigungen gegen mich, waren sie nichts anderes als Ausbruch innerer Verzweiflung Einer Flucht nach vorn? Aggression oder Angriff nach außen ist oft die Folge innerer Ausweglosigkeit. Mir aber war nun, endgültig klar, das hier kein Geist Gottes vorhanden sein konnte, daß dies kein Werk Gottes war. Ich fand neues persönliches und gemeinsames Glück, ähnlich wie einst Hiob, wenn ich einen Vergleich ziehen darf. Die zwölf Jahre in der Organisation dagegen waren nur Leid und Unglück für mich. Mögen meine Schilderungen dieses Unglücks für andere eine Hilfe zum Glück sein, noch rechtzeitig zu Einsicht und Umkehr zu kommen, bevor 1975 endgültig offenbart wird, daß die Form der Gottesanbetung, die die Organisation lehrt und betreibt, nur Illusion und Mißbrauch des christlichen Glaubens und des Christentums ist.
Gerhard Peters

Nachwort
Liebe Brüder!
Ich habe lange darüber nachgedacht, bis ich mich nun endgültig dazu entschlossen habe, zu meinem Bericht "Zwölf Jahre meines Lebens" noch einige passende Worte zu schreiben. Mir genügte es einfach nicht, nur über Dinge zu schreiben, die nur einige wenige Mißstände innerhalb der WT-Gesellschaft aufdecken. Fehler werden überall einmal gemacht, wo Menschen zusammenleben müssen, und früher oder später werden diese Irrtümer dann auch aufgedeckt und ausgebügelt.

Anders aber bei der WT-Gesellschaft, denn sie kann sich keine Bekenntnisse zu ihrer eigenen Unzulänglichkeit erlauben, weil sie all das, was sie Euch einzutrichtern versucht, als direkt von Gott kommend bezeichnet. Ist das aber nicht zugleich eine Verhöhnung Gottes, dem man doch andererseits immer wieder Allmacht und Vollkommenheit nachsagt?

Ich bin sehr gut darüber informiert, daß die WT-Gesellschaft neuerdings einen neuen Zeitpunkt für Harmagedon errechnet hat, nämlich das Jahr 1975, und Ihr könnt gewiß sein, daß die leitende Clique der WT-Gesellschaft schon jetzt noch einige weitere Termine für die große Endschlacht auf Lager hat, um möglichst alle Schäfchen auch für die nächsten 20 Jahre bei der Stange zu halten. An sich wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, meine an sich kostbare Zeit damit zu verplempern, nur um zu beweisen, daß all das, was man Euch von seiten der WT-Gesellschaft vorsetzt, nur Märchen sind. Was mich dazu bewogen hat, mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln gegen die WT-Gesellschaft vorzugehen, ist die Tatsache, daß die Demagogien dieser Gesellschaft verbrecherischer Natur sind.

Die verantwortlichen Männer in Brooklyn wissen nämlich schon seit geraumer Zeit, daß sie nur durch die Verbreitung von Furcht und Schrecken dazu in der Lage sind, ihre Schäfchen beisammen zu halten. Das Schlimmste von allem aber ist, daß man Euch durch Vorgaukelung falscher Tatsachen um kostbare Jahre Eures Lebens betrügt - von der seelischen Zersetzung ganz zu schweigen.

Habt ihr Euch denn schon einmal überlegt, was wird, wenn sich die Prophezeiungen der WT-Gesellschaft nicht erfüllen? Ja, es ist gar nicht auszudenken, was das für einen Sturz in die Tiefe für viele von Euch gibt. Mir hat die WT-Gesellschaft "nur" 12 Jahre meines Lebens geraubt, aber wieviele sind unter Euch, die bereits fast ihr ganzes Leben geopfert haben. Seht Ihr Brüder, und das wissen die Herren in Brooklyn auch ganz genau, und darin offenbart sich das Verbrecherische ihres Tuns. Eines Tages, wenn sie erkannt haben, daß sie an Euch nichts mehr verdienen können, werden sie mit all den Millionen, die sie mit Eurer Hilfe verdient haben, spurlos verschwunden sein. Vorgesorgt haben sie ja schon für diesen Tag, indem sie immer wieder sagen, daß es mal eine Zeit geben wird, wo es keine geschlossene Organisation im herkömmlichen Sinne mehr geben wird, sondern es wird eine Zeit kommen, wo jeder ohne weitere geistige Speise auskommen muß und von dem zehren muß, was er gelernt hat. Meint Ihr nicht auch, daß das ein ganz raffiniert ausgeklügelter Abgang ist? Noch verdient man aber und verschiebt darum "das Ende des jetzigen Systems" von einem Jahr auf das andere, denn wer schlachtet schon eine Henne, solange sie noch immer regelmäßig goldene Eier legt. -

Selbstverständlich wird es ein Ende geben, aber nur für solche Menschen, die es unbedingt haben wollen. Eines Tages werden nämlich auch die letzten, Unbelehrbaren unter Euch erkennen, daß sie betrogen worden sind, und dann stürzt für sie wirklich die Welt ein. Es ist an der Zeit, um unser persönliches Leben auf diesem Erdball so angenehm wie möglich zu gestalten.

Zugegeben, es wäre wirklich unsagbar schön, wenn es einen Gott gäbe, der uns in absehbarer Zeit alle Arbeiten abnimmt und mit lautem Knall eine neue Welt schafft, in der nur gute Menschen leben werden und in der vor allen Dingen niemand mehr sterben braucht. Seht ihr Brüder, und damit wäre ich bereits beim Kern aller Dinge angekommen.

Es gibt innerhalb der Zeugen Jehovas zwei große Gruppen, die sich klar voneinander unterscheiden. und das sind einmal diejenigen, denen es auf dieser Welt eigentlich gar nicht mal so schlecht gefällt, weil es ihnen materiell und gesundheitlich ganz gut geht. Was diese Gruppe nun im eigentlichen Sinne dazu bewogen hat, Mitglied der WT-Gesellschaft zu werden, ist an sich hauptsächlich nur die Angst, das der Tod allem eines Tages ein Ende macht, und sie sagen sich darum, daß es doch ganz angenehm wäre, wenn man ewig herrlich und in Freuden leben könnte. (Übrigens zu dieser großen Gruppe gehört auch meine Frau, deren Eltern und Helfershelfer, von denen ich in meinem Bericht geschrieben habe.) Dieser Gruppe, die ich eben beschrieben habe, gelten darum auch nicht so sehr meine Bemühungen betr. Aufklärung.

Worum es mir in erster Linie geht, das ist die zweite große Gruppe unter den Zeugen Jehovas, denn diese setzt sich aus all denjenigen zusammen, die in der WTGesellschaft in erster Linie Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe suchen, und sie sind es auch, die von der Zeugenleitung am meisten betrogen werden, denn ihnen wird es eines Tages am schwersten fallen, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Liebe Brüder, Ihr könnt mir glauben, denn ich spreche hier aus eigener Erfahrung Immerhin sind bereits einige Jahre vergangen, seitdem ich mich geistig endgültig von dieser Demagogie der WT-Gesellschaft gelöst habe, und doch bemerke ich heute noch häufig, daß es sehr schwer ist, auch seelisch wieder zu den Realitäten zurückzufinden. Während Ihr Euch nämlich von der Welt absondert, bleibt diese nicht stehen, sondern sie geht unaufhaltsam weiter in ihrer Entwicklung. Nur wir Menschen selbst sind darum auch in der Lage - und die technischen Errungenschaften beweisen das ganz deutlich - uns hier auf dieser Erde ein Paradies oder eine Hölle zu schaffen. Würden nun alle Menschen guten Willens auf dieser Erde den Betrügern in Brooklyn auf den Leim gehen, was glaubt Ihr wohl, was dann geschähe? Ja, nun geht einmal ehrlich in Euch und stellt Euch vor, wo wir dann in einigen Jahren wären Niemand wäre dann mehr da, der unter anderem auch Eure menschlichen Rechte verteidigt. Die bösen Kräfte würden also siegen, und am Ende stünde das Chaos.

Die WT-Gesellschaft prahlt oft damit, daß während der Nazizeit viele Zeugen Jehovas in den Konzentrationslägern für ihren Glauben gelitten haben, und daß nur Jehova ihnen die Kraft zum Durchhalten gegeben hat.
Wißt Ihr aber auch, wieviel aufrechte und gute Menschen für ihre gerechte Sache gestorben sind, ohne einen Gott zu besitzen der ihnen als Belohnung für ihr tapferes Aushalten ein ewiges Leben nach dem 'Tode auf Erden versprach? Seht Ihr, das waren die wahren Helden denn sie sind nicht gestorben, um nach dem Tode wieder aufzuerstehen, sondern sie haben ihr Leben geopfert, weil sie die Menschen geliebt haben. Ihr eigenes Leben hatte da nur eine zweitrangige Bedeutung. Meint Ihr darum nicht auch, daß es besser wäre, dieser menschlichen Größe nachzueifern? Haben uns diese Menschen durch ihr tapferes Verhalten nicht gelehrt daß der Tod nicht das Schrecklichste ist? Um auch den Sinn des Todes zu verstehen, muß man sich natürlich erst einmal mit dem Leben befassen.: Erst wenn wir Menschen lernen, den wahren Sinn des Lebens zu begreifen, werden wir auch die Furcht vor dem Tode verlieren. -

Liebe Brüder, ich möchte nun zum Schluß kommen. Ich möchte Euch darum nur noch einen guten Rat mit auf den Weg geben: Denkt in kommenden schweren Stunden immer daran, daß einem Menschen nichts Schlimmeres passieren kann, als daß man ihm zum Untertan macht, denn in der untertänigen Haltung eines Menschen liegt die Wurzel allen Übels.

Jeder von uns besitzt nur ein Leben, und der ganze Sinn unseres Sein liegt einzig und allein darin, was wir mit diesem Leben machen. Denkt in Zukunft daran, daß jede Stunde, die Ihr unnütz vergeudet, unwiederbringlich dahin ist. Schaut Euch einmal offenen Auges um, und dann werdet Ihr auch gewiß erkennen, wie schön doch unsere Welt ist. Was nicht schön ist auf dieser Welt, das haben wir Menschen uns einzig und allein selbst zuzuschreiben. Es kann also von uns selbst wieder zum Guten verändert werden. Brüder, wenn Ihr das erkennt, dann habt Ihr das Schlimmste geschafft!

Ich wünsche Euch jedenfalls alles erdenklich Gute auf Eurem weiteren Weg.
Gerhard P e t e r s

Das wirkliche Leben sieht bei Jehovas Zeugen anders aus!
"In Nordeuropa gab eine Christin, die als Vollzeitprediger tätig war, diesen unschätzbaren Dienst auf und wurde berufstätig, um sich das Geld für ein hochelegantes Hochzeitskleid zu verdienen. Was wäre deiner Meinung nach für sie eher von bleibendem Wert gewesen? Wie dachten wohl die Brautjungfern darüber, sofern sie welche hatte? Fühlten sie sich verpflichtet, ebenfalls ein teures Kleid zu kaufen, weil die Braut so hochelegant gekleidet war?" WT 8/69, S. 248

Diese Christin, eine Zeugin Jehovas natürlich, nahm ihre bevorstehende Eheschließung zum Anlaß, den Vollzeitdienst aufzugeben, so sieht es aus. Vielleicht war es nur vorübergehend, das wird nicht gesagt. Sie wollte also den bevorstehenden Höhepunkt ihres Lebens höchst festlich begehen. Kein normaler Mensch nimmt daran Anstoß. In sachlicher Auseinandersetzung würde das die WTG sicher auch nicht bestreiten.

Denn es ist doch wohl in erster Linie eine rein persönliche Angelegenheit, wie jemand seine Hochzeit begehen möchte. Dennoch scheint der WTG die Entscheidung dieser Verkündigerin nicht zu passen, sonst hätte sie das nicht mißbilligend veröffentlicht.

Meint man in Brooklyn wirklich, Jehova könnte ernstlich zürnen, weil eines seiner Menschenkinder auf Erden zu seiner Hochzeit so hübsch und schön wie möglich sein möchte? Jesus hat zur Hochzeit von Kana sogar Wunder vollbracht! Sie sollen doch in Brooklyn nicht päpstlicher als der Papst sein, wie man so sagt! Aber durch ihre Intoleranz treiben sie die Menschen erst recht von sich weg! Nur weiter so! Würde es nicht der ganzen Sache der Zeugen mehr dienen, wenn ihr in Brooklyn vernünftig wäret, der Schwester großzügig freigebt für ihre Hochzeit, ohne sie stattdessen an den öffentlichen WT-Pranger zu stellen, weil sie sich nahm, was ihr nicht gewährt?

Würde die Schwester hernach nicht mit umso größerem Eifer in den Felddienst gehen? Aber Fanatismus hat schon immer blind gemacht! Und Ihr seid wieder einen Vollzeitdiener los! Was meint Ihr in Brooklyn, wenn es der Schwester möglich wäre, Jehova direkt zu bitten, ihr zu gestatten, auszusetzen, um das Fest ihres Lebens ausgestalten zu können, den Höhepunkt, den Jehova selbst in der Menschen Leben gesetzt hat? Meint Ihr, Jehova würde der Schwester einen Stein statt Brot reichen? Aber es ist ja so eingerichtet, daß Ihr in Brooklyn dazwischen steht, wenn die Schwester ihre Bitte erfüllt haben wollte!

Einmal im Leben Hochzeit! Und Ihr stellt sie an den Pranger dafür, daß sie ein schönes Hochzeitskleid haben möchte! Ihr tut nicht Gottes Willen in Brooklyn, Ihr sabotiert Gottes Willen! Ihr treibt die Menschen hinweg! Aber weil Ihr das in Eurem Fanatismus tut, kann Gott nicht mit Euch sein! Er würde Euch barmherzig machen, aber Ihr seid Hirten ohne Erbarmen, nicht einmal ein Herz voller Liebe am Hochzeitstag respektiert Ihr!

Ihr prangert die Schwester an, weil sie ein hochelegantes Hochzeitskleid haben wollte, nicht einmal von Euch! Selbst arbeiten wollte sie dafür! Wieviel hunderttausend Dollar oder Mark gebt Ihr denn aus, allein für den Schmuck und Dekoration auf Euren Kongressen? Ihr meint, das sei ja zur Ehre Jehovas. Und wenn eine Schwester so hübsch und schön wie möglich aussieht zu ihrer Hochzeit, ist das nicht auch zur Ehre Jehovas? Ist der Mensch nicht seine Schöpfung in allererster Linie? Aber zu solchen Überlegungen seid ihr unfähig. Ihr seid blind geworden gegenüber Euren schlichten und einfachen Verkündigern die die Last des Dienstes tragen müssen. Es ist doch lächerlich, was Ihr da sagt, ob die Brautjungfern sich auch ein solches Kleid kaufen müßten. Das sind doch billige Aufputschereien.

Erstens sind sie nicht die Braut und zweitens hat sich die Braut das Kleid selbst erarbeitet

Aber macht nur weiter so in Eurem 1975-Fanatismus. Stellt sie nur an den Pranger! Treibt sie nur hinweg! Wir registrieren das mit einem weinenden und einem lachenden Auge, weil es beweist, daß Ihr keinen Geist Gottes habt. Ihr wäret duldsam, verständnisvoll und hilfsbereit. Ihr verschanzt Euch immer hinter Jehova! Aber der wäre nie so intolerant wie Ihr! Ihr macht Jehova mit Euren Anprangereien zum unbarmherzigen Tyrannen! Eine Schwester will für ihr Hochzeitskleid selbst arbeiten, sicher wird sie bei Euch im Zweigbüro in Kopenhagen oder Stockholm oder Oslo angefragt haben, ob sie freihaben kann dafür. Sie muß Euch ja fragen, wenn sie etwas mit Bezug auf den Vollzeitdienst will. Ihr aber habt sie zurückgewiesen in Eurer Intoleranz. Da hat sie eben selbst gehandelt. Aber Eigenmächtigkeit paßt Euch schon gar nicht. Wer weiß, ob sie überhaupt den Vollzeitdienst ganz aufheben wollte, wie Ihr es darstellt. Sicher habt Ihr erklärt, wenn sie eigenmächtig handelt, wäre sie nicht mehr für den Vollzeitdienst tauglich, denn bekanntlich könnt Ihr nichts als schlimmer vermerken, als wenn sich jemand Eurem "Rat" nicht fügt! Das ist wie Rebellion, und wenn ihr selbst im Unrecht seid!

Denkt an die Hunderttausende Dollar, die Ihr für Schmuck, Dekoration, Blumen, Theaterausstaffierung, Filmkulissen, Reisekomfort und Schau ausgebt, Jahr für Jahr! Kongreß auf Kongreß! Wo kommt das Geld dafür her? Nicht zu einem großen Teil von den Spenden, die Euch wiederum aus dem berufsmäßig verdienten Geld der Verkündiger zufließen? Und da stellt Ihr eine Schwester im WT an den Pranger zur Abschreckung für andere, weil sie sich auf Kosten von vielleicht einigen Wochen Felddienst ein Hochzeitskleid erarbeiten wollte? Der Erfolg: Ihr seid sie los! Nun, Jehova wird ihr wegen dieser Tat nicht zürnen!

Aber Ihr seid sie los? Es kann natürlich sein, daß Ihr in diesem Fall bewußt hart und unerbittlich seid und der Schwester ihre Eigenmächtigkeit als Rebellion auslegt und ihr nicht verzeihen wollt. So kann sie nicht in den Vollzeitdienst zurück. Ihr entscheidet kaum etwas ohne Vorbedacht. Ihr braucht ein abschreckendes Beispiel. Da wird die Schwester eben geopfert als Vollzeitdiener. Vielleicht würde sie ein zweites Mal Euren "Rat" mißachten?
Aber Ihr werft einen Bumerang! Ihr sägt die Äste ab, auf denen Ihr sitzt!

"Einige haben sich entschlossen, in den letzten stürmischen Jahren dieses alten Systems der Dinge, mit anderen Worten bis nach Harmagedon, ledig zu bleiben. Andere haben sich entschlossen, eine bestimmte Anzahl Jahre ledig zu bleiben, um im Pionierdienst zu stehen, im Bethel zu dienen oder als Missionare tätig zu sein." WT 12/69, S. 370.

Kurz und klar zusammengefaßt heißt das, die Wachtturmgesellschaft will, daß alle Ledigen ledig bleiben, so lange das irgend geht, für das Werk, das sie treibt und leitet. Nur für wenige Jahre, wie es dargestellt wird, für höchstens vier Jahre, denn dann kommt 1975, warum das verschweigen?

Solche WT-Kampagne für Ehelosigkeit hat es schon einmal gegeben und es ist nützlich, daraus Lehren zu ziehen. Es wäre zu wünschen, unser zuvor behandeltes Hochzeitskind könnte das auch. Sie würde ihre Hochzeit nicht bereuen. Und sie hätte schon gar nicht den Makel der "Rebellion" wie es jetzt scheint.

Präsident Rutherford machte solche Kampagne im Jahre 1941, also vor ca. einer Generation mit dem Buch "Kinder" Rutherford glaubte sein bevorstehendes Ende - er war schon 72 Jahre alt - und der zweite Weltkrieg wären untrügliche Anzeichen für das "unmittelbare Bevorstehen von Harmagedon".

Deshalb verpflichtete er auf seinem letzten Kongreß in Missouri 1941 die anwesenden 15 000 Kinder feierlich, mit dem Heiraten bis nach Harmagedon zu warten.

Der "Wachtturm" 10/69 berichtet darüber:
"Ein Anblick, der nicht mit Worten zu beschreiben ist, sagte ein Reporter darüber. Kinder .... die strahlenden Gesichts und fröhlichen Herzens … dasaßen.
Anlaß zu diesem Bericht gab ein besonderes Programm, das 1941 auf dem internationalen Kongreß der Zeugen Jehovas in St. Louis Missouri durchgeführt wurde und in dessen Verlauf sich 15 000 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren von ihren Plätzen in den vordersten Reihen der großen Zuhörerschaft erhoben und sich bereit erklärten, an der Ausbreitung der Königreichsbotschaft teilzunehmen. Sie erhielten alle je ein Buch 'Kinder' kostenlos." (S. 315) Und dann fragt der WT dazu:

"Kannst du dir vorstellen, daß die zu jener Gruppe Gehörenden heute zwischen zweiunddreißig und fünfundvierzig Jahre alt sind und viele von ihnen bereits Kinder haben und Familienpflichten erfüllen müssen." (WT 10/69, S. 331)

Fällt dir auf, daß der WT nichts davon schreibt, daß Rutherford die Kinder damals zur Ehelosigkeit verpflichtete?
Haben wir somit die Unwahrheit behauptet?
Nein, der WT ist es, der nicht die ganze Wahrheit über damals sagt! Er stellt fest, daß die Kinder von damals heute selbst Kinder haben! Allerdings wäre es schlimm für die Organisation, wenn es anders wäre, da hätte sie heute keine Jugendlichen in der Organisation. Aber das ist es ja nicht! Alle die, die jetzt erwähnt werden, daß sie selbst nun Kinder haben, haben diese Kinder nur, weil sie n i c h t befolgt haben, wozu sie auf dem Kongreß 1941 verpflichtet worden sind: Nicht zu heiraten, weil "in einigen wenigen Jahren" Harmagedon käme!

Ja, das Buch "Kinder" habt ihr in den Versammlungen nicht mehr. Die Wachtturmgesellschaft kann euch also sonst was von damals im WT erzählen, ihr könnt es nicht überprüfen! Ihr könnt nicht feststellen, ob es vollständig ist oder nicht!

Was der "Wachtturm" verschweigt, lautet:
"Sollten Männer und Frauen, die beide Jonadabe oder andere Schafe des Herrn sind, nun vor Harmagedon heiraten und Kinder zur Welt bringen? Das zu tun mögen sie sich erwählen, doch scheint die Ermahnung oder der Rat der Heiligen Schrift dagegen zu sein!
Von der Zeit an, da die anderen Schafe zum Herrn hin versammelt werden (ab 1935) bis Harmagedon verfließen nur einige wenige Jahre!" (Kinder, S. 312/313)

Und heute sollt ihr wieder ledig bleiben, weil Harmagedon angeblich nur noch wenige Jahre weit ist!
Unser Hochzeitskind aus Nordeuropa hat instinktiv richtig gehandelt. Das wirkliche Leben sieht anders aus.
D. D.

Jahrbuchbericht 1971 - "Ostdeutschland"
Was nicht besprochen wird
Es kann auch ein beliebiges Jahrbuch sein. Es muß nicht das von 1971 sein. Es ist immer wieder dasselbe. Es gibt keine informationsärmere Berichterstattung als die Jahrbuchberichte. Es werden durchweg nur immer Dinge berichtet, die die Organisation und Tätigkeit in einem rosigen Licht erscheinen lassen, als ob alles glücklich wäre.

Die Fragen und Probleme, vor denen die Verkündiger in Wirklichkeit stehen; werden nicht behandelt. Viele wichtige Fragen werden einfach nicht beantwortet. Somit bekommt auch die Öffentlichkeit durch die Jahrbücher ein der Wirklichkeit nicht entsprechendes Bild über die Organisation.

Nimm folgende wichtigen Ereignisse und Vorgänge. Jüngst wurde der deutsche Zweigdiener Franke, Wiesbaden, seines Postens enthoben. Der Jahresbericht schweigt. Tausende Verkündiger erhalten laufend CV. Der Jahresbericht schweigt. Das Näherkommen von 1975 läßt die Spannung in der Organisation immer mehr ansteigen. Der Jahresbericht schweigt. Von 1969 zu 1970 ist ein Rückgang um rund 7 500 Heimstudien zu verzeichnen. Der Jahresbericht schweigt. In den Versammlungen entwickelt sich der Glaubenskampf gegen den WT-Antikommunismus Der Jahresbericht schweigt. Verantwortungsbewußte Diener suchen nach einer Lösung der Verbotsfragen Der Jahresbericht schweigt. Die Spaltung wegen 1975 als endgültiges oder mögliches Datum für Harmagedon greift immer weiter um sich. Der Jahresbericht schweigt. Stattdessen Schönfärberei, Glücklichkeitstaumelei, Einseitigkeit, Manipulation. Nie konnte man sich wirklich durch das Jahrbuch "über alle Dinge vergewissern". 1975 wird diese Taumelei jäh ein Ende finden.

Politisch bedeutsam ist auch am Jahresbericht 1971 wieder dieses. Es gibt für die WTG keine Deutsche Demokratische Republik. Es gibt in ihrer Berichterstattung nur die Bundesrepublik "Deutschland" und dazu noch "Deutschland (Ost)", also einen östlichen Teil dieses "Deutschland" (Länderverzeichnis). Was bedeuten diese Begriffe? Sie bedeuten eine Ignorierung der DDR durch die WTG und eine Unterstützung der auf die Beseitigung der DDR zielenden Alleinvertretungsansprüche der BRD für ganz Deutschland. Eine Durchsicht der Jahrbücher der WTG zeigt, das sie die DDR in dieser Hinsicht nie anerkannt hat und nicht anerkennt. Für sie ist die DDR nach wie vor der "Ost"-Teil der Bundesrepublik "Deutschland". So ist die WTG auch in dieser Frage prowestlich oder proimperialistisch und nie und nimmer politisch neutral oder gar sachlich und korrekt.

Im Jahresbericht 1971 wird auch wieder dem WT-Blutkult gehuldigt. Fast hätte es wieder ein Blutkult-Opfer gegeben. Eine Verkündigerin, Krankenschwester, habe einem Patienten "Zeugnis" und auch eine Bibel gegeben. Wenn er etwas nicht verstand, "ging er zur Krankenschwester und fragte sie" Vor der Operation dann: "Ganz von sich aus sagte er dem Arzt, daß er eine Bluttransfusion ablehne." Wer ehrlich ist, gibt natürlich zu, daß das nicht stimmt. "Von sich aus" kommt niemand darauf, Transfusion zu verweigern und sich so dem Tode auszuliefern Die Schwester hat ihn durch die WT-Verkündigung dazu gebracht oder verleitet. Schließlich kommt kein Glaubensstandpunkt "ganz von sich aus", sondern der Glaube kommt auch aus der Predigt, hier aus der WT-Predigt. (Rö. 10:17).

Die Tatsache, daß die WTG auffallend betont, der Patient sei "ganz von sich aus" auf seine Opferung auf Grund der WT-Lehren, also auf Grund einer Art Ritualselbstmord-Blutkultes, gekommen, zeigt, daß die WTG in dieser Frage ein schlechtes Gewissen hat. Sie ist nämlich mit dem Blutkultdogma die Urheberin dieser Art Selbstmorde, dieser Verendungsakte unter den Zeugen Jehovas. Sachlich wäre zu diesem WTG-Blutkult zu sagen, daß er erst 1945 von der WTG eingeführt wurde. (Babylon-Buch, S. 544). Warum hat die WTG das erst zu dieser Zeit "erkannt" Das hätte sie doch schon vorher aus der Bibel herauslesen müssen. Mit Gott kann das also nichts zu tun haben. Er hätte die WTG- doch in solch "wichtiger" Sache nicht in Unwissenheit gehalten! Oder brauchte man nach 1945, als der Krieg zu Ende war, eine neue Märtyrer-Methode Biblisch sieht das nämlich ganz anders aus!

Die Schrift verbot nur für eine gewisse Zeit, lediglich kein Tierblut zu essen (Apg. 15:20). In 1. Kor. 10:23-27 schreibt der Apostel dann aber, man könne als Christ alles essen oder zu sich nehmen, was auf dem Fleischmarkt oder von einem nichtchristlichen Gastgeber angeboten wird, selbst Götzenopferfleisch. Das verschweigt die WTG einfach! Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Weisung Jesu, seine Nachfolger sollten sein Blut trinken (Joh. 6:53, 54), wenn dies auch symbolisch gemeint ist. Man könnte auch über 4. Mose 23:24 nachdenken, wo gesagt wird, Gottes Volk soll das Blut der Erschlagenen trinken. Mit vielem Wenn und Aber muß die WTG "Erwachet" vom 8. Oktober 1950 jedoch zugeben ("Dein Wort ist Wahrheit", S. 12), daß die Schrift kein Verbot einer Bluttransfusion enthält. Und es ist in 1. Kor. 4:6 dem Christen verboten, über das geschriebene Wort irgendwie hinauszugehen. Auch diese Tatsachen werden in keinem Jahrbuchbericht erörtert, geschweige denn, die furchtbaren Konflikte in vielen Zeugen-Familien über Leben und Tod auf Grund des WT-Blutkultes.

Zum Schluß spricht der Jahresbericht noch über einen "jungen Blinden", der mit dem Argument gewonnen worden sei, in der "neuen Welt" werde alles geheilt, was die Ärzte jetzt nicht heilen können, auch seine Blindheit. Besser eine solche Hoffnung als gar keine? Eine ziemlich makabere "Bekehrung". Dabei verschweigt der Jahresbericht natürlich, daß Zweigdiener Franke 1969 gerade deswegen seines Postens enthoben wurde, weil er für unabänderlich hält, daß 1975 diese "neue Welt" komme, das Hauptbüro in Brooklyn, New York, sich aber auf 1975 nicht festnageln lassen will, um zur gegebenen Zeit ein Hintertürchen für 1975 zu haben. So streiten sich die Sehenden über das Kommen dieser "neuen Welt". Der arme Blinde, kann man da nur sagen, was kann er schon selbst überprüfen.

So erweisen sich die "begeisternden Erfahrungen" der Jahrbuchberichte als Halbwahrheit, Verschweigetaktik, Ablenkung und Schönfärberei. Die Wirklichkeit spiegeln sie nicht wider. Sie halten die Verkündiger in Unwissenheit über die Wirklichkeit. Du sollst dich der wirklichen Lage der Organisation nicht bewußt werden. In einem Taumel der Begeisterung sollst du weiterstolpern, wohin die WTG dich treibt. Wie lange noch?

Lies CV. Diese Schrift informiert dich besser über alle Fragen und Probleme, die heute vor dir als Zeuge Jehova stehen.
K. 0.

Wenn die Argumente schwach werden
Der WT Nr. 23/70 (S. 730) beklagt sich wieder einmal: "Bekanntlich haben in den letzten Jahren Tausende die Wahrheit erkannt und sind Zeugen Jehovas geworden, sind dann aber wieder von der Wahrheit abgekommen und haben sich nie mehr sehen lassen."

Um dafür eine Erklärung zu geben, glaubt die WTG als Erläuterung dazu, den "Satan" strapazieren zu müssen, was immer die billigste Lösung ist, wenn sie sich in unangenehmen Situationen befindet:
"Satan hat seine Taktik und seine Methode seither nicht geändert. Durch schlaue und trügerische Mittel versucht er, andere so weit zu bringen, daß sie die Dinge mit seinen Augen sehen." (S. 716)

Nun weiß man es ganz genau. Wenn denkende Menschen über die Fehlprophezeiungen und Irrtümer der WTG zum Nachdenken gebracht werden, dann ist nicht etwa die WTG, sondern "nur" der Satan schuld.

Da jedoch solcherlei Argumentation in der Praxis nur noch wenig nutzt, sieht sich die WTG gezwungen, zu handgreiflicheren "Vorbeugungsmaßnahmen" überzugehen. Mit warnendem Zeigefinger verkündet sie: "Die Anpassung an die Welt stellt für den Diener Jehovas eine große Gefahr dar." (WT 22/70 S. 682)

Insbesondere ihrer Jugend bescheinigt sie:
"Wegen ihrer Unreife schrecken sie vor dem Gedanken, anders zu sein als ihre Schulkameraden zurück, ja manchmal lehnen sie sich sogar gegen diesen Gedanken auf. Sie fürchten sich davor, als 'komischer Kauz' bezeichnet zu werden." (S. 688)

Damit nun jedem klar wird, daß es darum geht, sein Leben in einem ghettoähnlichen Zustand zu fristen, im Dienst für die WTG und ihre Ziele, empfiehlt sie. weiter:
"Macht euch also nichts daraus, ihr jugendlichen Christen wenn eure Mitschüler euch verhöhnen und verspotten oder euch ignorieren, weil ihr keine Zeit und auch keine Lust habt, in eurer Freizeit, mit ihnen Sport zu treiben oder mit ihnen an Partys und Ausflügen teilzunehmen!" (S. 692)

Es ist in diesem Zusammenhang interessant, zu welchen Vergleichen die WTG selbst gelangt. Im WT 21/70 (S. 621) fragt sie:
"Sollte es schwierig sein, diesen Gehorsam zu beweisen? Ist es so, als ob jemand, der sich entschließt, Gott zu dienen, eine Gefängnisstrafe antreten würde?"

Ja, ja, der Gehorsam. Das ist das vorletzte "Rezept" der WTG, wenn sie mit ihren Argumenten nicht mehr weiter kommt. "Freudigen Gehorsam" empfiehlt sie. Indes zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht oftmals ein Unterschied.

Das weiß natürlich auch die WTG, und so schreckt sie auch vor massiven Drohungen nicht zurück, wie ein Beispiel aus dem WT 19/70 (S. 599) dies veranschaulicht:
"Wird man unverzüglich bestraft, wenn man nicht predigt? Nein. Dennoch kann jemandem, der sich weigert, die gute Botschaft vom Königreich zu predigen, genauso der Eingang in Gottes Königreich verwehrt werden wie einem Ehebrecher, einem Homosexuellen oder einem Mörder."

Nun deutlicher gehts wohl kaum. Bliebe nur noch zu fragen, was für ein Unterschied besteht zwischen dieser Art von geistigem Terror und mittelalterlicher Fegefeuerlehre?
D. D.

Im Dienste des Kapitals
In Verbindung mit entsprechenden Bibelauslegungen kann man vieles sagen, was sonst abstoßen würde. Diese interessante Feststellung aus der Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft ("Die Zeugen Jehovas", Urania-Verlag 1970), kann man immer wieder aufs neue bestätigt finden. Ein markantes Beispiel liefert auch die "Wachtturm"-Ausgabe Nr. 18/70 (S. 558-568), worin die WTG verkündigt:

"Sie (Jehovas Zeugen) verstricken sich nicht in Schwierigkeiten, indem sie sich in die Auseinandersetzungen und Streitigkeiten der Welt einmischen … Nicht, weil sie nicht eine bessere Welt wünschten. Sie leiden unter den Mühsälen, die die schlimmen Weltverhältnisse mit sich bringen, genauso wie alle anderen Menschen."

Da jedoch nicht alle Menschen, beispielsweise im Südamerika, so gewissenlos wie die WTG sind, und sich auch für ausgebeutete und unterdrückte Menschen einsetzen, ungeachtet der daraus entstehenden persönlichen Gefahren, ist es wiederum bezeichnend, welchen Kommentar die WTG solchen Christen angedeihen läßt:

Friede mit den Ausbeutern
"Fördert deine Kirche den Frieden?… Wenn ja, was sagst du zu den Berichten aus Brasilien… über die Verhaftung von Priestern, Mönchen und Theologiestudenten wegen angeblicher subversiver Tätigkeit?"

Nach WTG-Auslegung ist der Friede mit den Ausbeutern des einfachen Volkes also wichtiger, und wer es wagt dagegen aktiv Stellung zu nehmen, der wird von ihr diffamiert!

Mosaische Gesetzesauslegungen
Auf welchem Tiefstand geistiger Pervertierung sie angelangt ist, wird auch aus solchen Auslegungen über das mosaische Gesetz für die Gegenwart (!) deutlich, wie die den nachfolgenden:

"Unter diesem Gesetz wurde weder den Armen wegen seiner Armut noch dem Reichen wegen seines Reichtums Unrecht getan, man handelte nicht nach dem Grundsatz: Man nehme von den Reichen und gebe den Armen'. Der Wohlfahrtsstaat war unter dem mosaischen Gesetz ein Ding der Unmöglichkeit.

Heute hat das Wort Sklaverei einen unangenehmen Klang. Wenn wir aber die Gesetze über die Sklaverei in Israel untersuchen, stellen wir fest, daß die Sklaverei unter den Israeliten ein Segen war.
Die Sklaverei war für den Armen insofern ein Segen, als er und seine Familie dadurch mit Nahrung, Kleidung und Obdach versorgt wurden, während sie gleichzeitig ihren Unterhalt durch ehrliche Arbeit verdienten.

Die sechs Arbeitstage waren insofern ein Segen, als dadurch der Arbeitseifer und der nationale Wohlstand gefördert wurden. Die Fünftagewoche ist mit schuld am heutigen Sittenverfall, denn die Menschen neigen im allgemeinen dazu die Freizeit falsch auszunutzen."

Gar selten hat man solch Verteidigung kapitalistischer Wolfsmoral, eingekleidet in religiöse Phrasen, gelesen. Die WTG hat in der Tat einen geistigen Tiefstand erreicht wie er wohl in der Gegenwart kaum noch zu unterbieten ist.
D. D.

Liebe Brüder und Schwestern!
Eine Vielzahl von Zuschriften erreicht uns aus den verschiedensten Gegenden der DDR, sowie aus dem Ausland.
Wir werden über unmögliche Dinge in der WT-Gesellschaft informiert, wir erhalten Anregungen und an uns werden Fragen gestellt.
Wir haben uns entschlossen, einen umfangreichen Teil dieser Probleme in unserer Sonderausgabe "Christliche Verantwortung" Nr. 37 zu besprechen.

Wir möchten uns auf diesem Wege nochmals für die Zuschriften, besonders für die aus Leipzig, Erfurt, Zeitz, Jena, Magdeburg, Sömmerda und Plauen bedanken.
Weiterhin bedanken wir uns für die Geldspenden.

Unsere Anschrift:
Studiengruppe "Christliche Verantwortung"
Leiter Wolfgang Daum
65 Gera, Böttchergasse 1

A 7142-71 V 7 1 1594

ZurIndexseite

Gerhard Peters: 12 Jahre meines Lebens