Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 34

Es ist offensichtlich, dass auch der SED-Staat (wie übrigens auch andere Staaten), gewisse kirchenpolitische Eckdaten setzte. Der Unterschied besteht meines Erachtens lediglich darin, dass die Substanz dieser "Eckdaten" in anderen Staaten eine andere Gestalt hat. Die SED-Eckdaten in Sachen Kirchenpolitik wurden in dieser CV-Ausgabe mit den Worten angesprochen, dass "besonders von den Diener verlangt werden (muss), das sie sich hierin allseitig informieren, auch darüber, was die andere Seite sagt. Hierzu gehört jetzt unbedingt auch folgendes. 1969 erschien im Union-Verlag Berlin die Broschüre "Unser gemeinsamer Weg zur sozialistischen Menschengemeinschaft" ein Referat von Hermann Matern, Mitglied des Politbüros der SED, zur Frage Christen in der sozialistischen Gesellschaft. Auf Seite 26 dieser Broschüre wird u. a. auch die von der WTG propagierte Fragestellung "Christentum oder Kommunismus/Marxismus" grundsätzlich behandelt und als Mißbrauch des Glaubens für politische Zwecke zurückgewiesen."

Dies ist das Dilemma im Falle der Zeugen Jehovas. Entscheidungsbefugnisse über ihren Kurs haben sie nicht (mit Ausnahme einiger Weniger in Brooklyn). Also verpuffte vorgenannte Forderung im luftleeren Raum. Dennoch hat man zu konstatieren; dass der Zeugen Jehovas-Kurs "Christentum oder Kommunismus" in dieser kategorischen Form nicht notwendig gewesen wäre. Indem Brooklyn ihn (in religiöser Phraseologie) dennoch durchsetzte, erfüllte es einmal mehr seine Stellvertreterfunktion für die Durchsetzung amerikanischer politischer Prämissen. Man muß sich dabei keineswegs der kommunistisch geprägten Vokabel "Globalstrategie" bedienen, um dies erkennen zu können.

Charakteristisch kommt diese Sachlage (auch wenn sie den einfachen Zeugen so nicht bewusst ist; weil sie politischen Fragestellungen durch die WTG bewusst entfremdet werden). Trotz dieser Einschränkung kommt die eigentliche Problemlage durchaus zutreffend in dem Satz zum Ausdruck:

"Die Organisation ist verboten worden, weil sie … zu einem Werkzeug der westlichen antikommunistischen psychologischen Kriegführung unter den Christen geworden ist. Sie ist nicht verboten worden, weil sie eine neue Welt oder ein Reich Gottes usw. verkündigt, sondern weil sie Glauben, und Verkündigung für politische Zwecke mißbraucht."

Der 8. Teil der Fortsetzungsserie "12 Jahre meines Leben" von Gerhard Peters ist in dieser Ausgabe abgedruckt. Der besprochene Zeitabschnitt umfaßt die Jahre 1956-58. Peters, durch seine Ehescheidung aus der Bahn geworfen, hatte eine folgenschwere Entscheidung realisiert. Er hatte Westdeutschland verlassen und war in die DDR übergesiedelt wo seine Eltern wohnten. Sein Versuch, die Wiederaufnahme bei den Zeugen Jehovas zu erreichen, blieb jahrelang ohne Erfolg. Nun im Jahre 1958 bot sich die Möglichkeit seine "Standhaftigkeit" unter Beweis zu stellen.

Als gebürtiger DDR-Bürger registriert man es durchaus, dass Peters, vom DDR-Staat, drastisch formuliert "Zucker in den Allerwertesten geblasen bekommen hat". Es waren zu jener Zeit mit Sicherheit nicht viele, die diesen Weg von West nach Ost beschritten hatten. Das war dem DDR-Staat schon mal was wert. Und so fand sich auch Peters alsbald auf einem Drückerposten, ausgestattet mit eigenem Dienstwagen, wieder. Dieser Glückseligkeitstraum sollte allerdings für Peters nicht allzu lange vorhalten. Da war noch die "Standhaftigkeitsprobe", die seitens der Zeugen Jehovas erwartet wurde und die er auch in ihrem Sinne absolvierte. Fast überflüssig anzumerken - nicht ohne Folgen. Peters dazu: "Wie zu erwarten, kommen am Abend die Wahlhelfer mit der Urne zu mir in die Wohnung, um mir eventuell den Weg zum Wahllokal abzunehmen. 'Jetzt hast, du Gelegenheit, dachte ich, jetzt wirst du beweisen, dar du noch ein Zeuge bist!'. Gefragt nach den Gründen meines Verhaltens sage ich ihnen nun meine Meinung als Zeuge! Politik - Satanswerk! Staat - Werkzeug des Teufels. Sozialismus - Vom Teufel gezeugt, und zur Reife gebracht! Hochempört verlassen die Wahlhelfer meine Wohnung."

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-80015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera

Nr. 34 Gera Dezember 1970

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelner Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Ist die Wachtturmgesellschaft politisch neutral?
Nimmt man "Wachtturm" und "Erwachet" der letzten Jahre zur Hand, so findet man immer wieder aufs neue Ausgaben, in welchen gegen den Kommunismus vorgegangen wird. Sicherlich, die Formen dieser Artikel sind sehr unterschiedlich, doch der politische Akzent des Antikommunismus ist immer wieder - oft brutal und primitiv - enthalten. Im Bestreben, liebe Brüder und Schwestern, euch ständig mit den Hintergründen der WT-Lehren vertraut zu machen, möchten wir in diesem Beitrag einen Auszug aus einem Artikel des WT vom 1. März 1970 betrachten.

Unter dem Titel "Die letzte Wehe für die Feinde des Friedens mit Gott" ergeht sich die WTG in übelster Art gegen den Kommunismus. Zitieren wir auf Seite 139 der genannten Ausgabe:
"Wie würde es dich berühren, wenn du in einem Film sehen würdest, wie eine einem großen Berg gleichende brennende Erdmasse ins Meer geschleudert und ein Drittel des Meeres zu Blut würde, ein Drittel der lebenden Geschöpfe darin getötet und ein Drittel der seetüchtigen Schiffe zerstört würden? … Nun, diese dramatischen Auswirkungen hatte das Blasen der zweiten der sieben trompetenblasenden Engel Gottes. Verstehst du die Bedeutung dieser dramatischen Auswirkungen?"
Soweit das erste Zitat.

Sicherlich "versteht" ihr diese "dramatischen Auswirkungen", denn unmittelbar unter diesem Teil auf Seite 139 erklärt der WT:
"Der internationale Kommunismus, dessen bescheidener Anfang auf das einst zaristische Rußland zurückgeht, hat sich auch anderer Länder bemächtigt und ist mit Gewalt vorgedrungen so daß heute ein Drittel der Weltbevölkerung von ihm beherrscht wird."

Wir glauben, damit hat die WTG ihre politischen Ansichten deutlich genug ausgedruckt. Ist damit nicht ganz deutlich die politische Linie der WTG ersichtlich? Wir müssen uns fragen, was hat Derartiges im "Wachtturm" eigentlich für einen Sinn? Wo bleibt hier die Bibel?

Was die Bibel betrifft, so muß man sagen, die Sache mit dem zweiten trompetenblasenden Engel und dem Drittel vom Meer, Menschen und Schiffen ist die neueste WT-Auslegung von Offenbarung 8:8. Daß es sich hier um einen Mißbrauch der Bibel für politische Zwecke des Antikommunismus handelt, ist aus folgendem Zusammenhang ersichtlich.

Als die WTG 1917 das erste Mal Offenbarung, 8:8 erklärte, war der zweite Engel die anglikanische Kirche, der Berg war England, das Brennen bezog sich auf Zerstörung des Papsttums, der dritte Teil des Meeres war England, die Geschöpfe waren die Geistlichkeit und die Schiffe waren unabhängige Christengemeinden. Nachzulesen in "Das vollendete Geheimnis" S. 193/94, verfaßt "unter Überwaltung durch Gott" (Vorwort S. 9).

Als die WTG Offenbarung 8:8 im Jahre 1930 das zweite Mal erklärte, diesmal als "Licht von Gott", war der zweite Engel mit Posaune der WTG-Kongreß 1923 in Los Angeles, USA, der Berg war die Organisation Gottes, der dritte Teil des Meeres waren die Freigläubigen, der dritte Teil der Geschöpfe waren ehemalige Zeugen Jehovas und die Schiffe waren das Großgeschäft. Nachzulesen in "Licht" Bd. I, S. 114 ff.

Nun im Jahre 1970 soll auf einmal der Kommunismus in Offenbarung 8:8 gemeint sein! "Von Jehova gelehrt", wie es in jedem WT gesagt wird. Es ist klar, daß diese ganze Offenbarungserklärung nicht das geringste mit Gott zu tun hat! Wenn doch, so wäre das ein Gott der Widersprüche, Unwahrhaftigkeit und Unglaubwürdigkeit, wenn man "sein früheres Licht", "sein früheres Überwalten" betrachtet Da das biblischerweise nicht der Fall sein kann, liegt die Willkür und der Bibelmißbrauch bei der WTG. Sie braucht heute Bibelauslegungen, um ihren Auftrag zu erfüllen, zu helfen, Christen zum Kampf gegen den Kommunismus zu mobilisieren. Bedenkenlos wird da umgestoßen, was nötig scheint, und wenn es selbst einst als "Licht von Gott" verkündet wurde.

Der Kommunismus wird von der WTG gehaßt. Warum eigentlich? Hast du schon jemals gehört, daß in sozialistischen Ländern der Rauschgifthandel blüht, daß die Kriminalität das Extrem erreicht hat, daß sich Frauen bei Dunkelheit nicht allein auf die Straße trauen, daß sexuelle Dinge auf schamloseste Art in Film, Fernsehen und Presse behandelt werden, daß Pornografie Volksplage wird? Sozialistische Sittlichkeit und Moral lassen das nicht zu. Oder denken wir an Vietnam, Kambodscha, den Orient, Brasilien und Dominikanische Republik, wo USA-Imperialisten als "Weltgendarme" wüten. Dort, wo der amerikanische Imperialismus seine Söldner morden, vergewaltigen und plündern läßt, dort gleichen die Bilder eher gewissen Stellen der Offenbarung, wenn man das so will. Doch solche Auslegungen verfaßt die WTG wohlweislich nicht!

Die sozialistischen Länder sind den Kapitalisten ein Dorn im Auge, darum ihre imperialistische antikommunistische Politik. Christen dagegen können auch unter sozialistischen Verhältnissen leben und arbeiten. Antikommunismus müßte ihnen eigentlich fremd sein. Daß die Wachtturmgesellschaft ihn dennoch betreibt, erweist sie als einen der eifrigsten Handlanger imperialistischer Politik unter Ausnutzung und Mißbrauch der Bibel, wie die Vergleiche der WT-Offenbarungsauslegungen deutlich zeigten. So ist die Wachtturmgesellschaft in keiner Weise in Wahrheit politisch neutral.

Selbst unsere zahlreichen Leser in der Bundesrepublik, der Schweiz und anderen Ländern werden dem zustimmen: Wir erhalten oft Zuschriften aus westlichen Ländern, in welchen dieses Problem ausführlich gefragt wird. Einige Gedanken dieser Zuschriften ließen wir in diesem Beitrag mit einfließen.

Die WTG nutzt euren treuen Glauben an die Bibel, euren Glauben an das Wort Jehovas für politische Zwecke auf das gemeinste und niederträchtigste aus, indem sie die politischen Kämpfe im Weltmaßstab unter Bibelmißbrauch - siehe die verschiedenen Offenbarungsauslegungen - im "Wachtturm" darstellt und dabei antikommunistisch verdreht und entstellt. So sollt ihr verblendet werden gegenüber dem wirklichen Sachverhalt.

Eines steht jedoch fest. Immer mehr Brüder kommen zu der Überzeugung, daß der "Wachtturm" nicht der "Kanal Gottes" sein kann. Sonst wäre er nicht auch ein Sprachrohr für bestimmte politische Zwecke und Ziele. Es ist nötig, daß auch du dir hierüber Gedanken machst und deine persönlichen Entscheidungen triffst. Denn als Zeuge Jehovas betrachtet dich die "Wachtturmgesellschaft" als ihren Vertreter So stehst du unweigerlich inmitten dieser Fragen und Probleme. Wie entscheidest du dich? Bedenke was davon abhängt! H. P.

Wegweisung für Jehovas Zeugen in der sozialistischen Gesellschaft
Grundsätzliche Gedanken
Die große Frage, die sich vor allen verantwortungsbewußten Dienern erhebt, vor allen, die als Zeugen Jehovas ehrliche Christen sein wollen, ist die: Wie können wir in ein Verhältnis zur sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung kommen, das den gegenwärtigen Zustand überwindet und sowohl den gesellschaftspolitischen Verhältnissen als auch einer biblisch zu verantwortenden Form des Glaubens und Gottesdienstes gerecht wird. Daß eine Lösung gefunden werden muß, steht außer Frage. Die Frage ist wie.

Es gibt einige Haupthindernisse, die einer Lösung im Wege stehen. Man kann einen Weg erst beschreiten, wenn er frei ist wenn die Hindernisse beseitigt sind. Die Haupthindernisse sind:
1. Die Politik des Antikommunismus, die von der WTG mit der religiösen Verkündung verbunden wird.
2. Eine falsche Auffassung von den Rechten und Pflichten des Christen als Staatsbürger.
3. Falsche Vorstellungen von den Befugnissen der politischen Regierung eines Landes.

Mit diesen Fragen müssen sich alle Verantwortungsbewußten unter den Zeugen Jehovas gründlich befassen. Sie müssen sich darüber klar werden, was in diesen Fragen richtig und falsch ist, und warum das so ist. Wenn diese Klarheit geschaffen ist, dann können sie die nötigen Schritte unternehmen.

Jeder muß sich weiter darüber klar sein, daß diese Fragen zur Zeit nur gegen den Widerstand der WTG-Leitung gelöst werden können, denn die WTG hat den Antikommunismus und das falsche Verhalten des Christen als Staatsbürger und zur politischen Regierung zum Bestandteil ihrer Bibelauslegung gemacht, die angeblich von Jehova kommt, so daß sie jeden Widerstand gegen diese Bibeldeutung als Rebellion gegen Gott zu unterdrücken sucht.

Es gibt natürlich eine Grundlage, auf der dieser Reaktion der WTG Widerstand geleistet werden kann und muß. Dabei muß jedoch beachtet werden, daß es in diesen Fragen nicht um eine grundsätzliche Bekämpfung der WTG-Leitung geht, sondern nur um die Überwindung einer falschen Bibelauslegung und einer falschen Politik der WTG. Die Entwicklungsgeschichte der WTG, wie sie den Zeugen Jehovas auch in dem Buch "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" zugänglich ist, zeigt, daß Änderungen in der Organisation und Lehre der WTG möglich waren und damit auch weiter möglich sind. Heutige Bestrebungen für notwendige Änderungen oder Korrekturen als Rebellion gegen Gott hinstellen zu wollen, ist darum absurd. Da wäre die WTG selbst in der Vergangenheit der größte Rebell gegen Gott gewesen, wenn man bedenkt, was sie im Laufe der Zeit an "göttlichen Wahrheiten" schon geändert hat. Die Grundlage für die Überwindung der genannten Hindernisse ist in erster Linie die Heilige Schrift unter dem Gesichtspunkt: "Nicht hinaus über das, was geschrieben steht!" 1. Kor. 4:6 NW. An diesem Grundsatz muß unerschütterlich festgehalten werden. Man muß sogar den Mut haben, diesen Grundsatz gegen die WTG ins Feld zu fuhren, wo sie auf einem falschen Wege ist. Weiter gehört dazu das unabdingbare Recht der Versammlungsglieder, die Lehren der WTG einer Prüfung oder Kritik zu unterziehen, bevor man sie als verbindlich anerkennt. Selbst der Apostel Paulus war diesem Recht der Versammlungen unterworfen. Apg. 17:10, 11. Wenn die Versammlungs und Gemeinschaftsorganisation der Urchristen auf diesen Rechten und Grundsätzen beruhte, dann ist das auch heute verbindlich.

1. Die Frage des Antikommunismus der WTG
Wir kommen nun zum ersten Haupthindernis, mit dem sich jeder befassen muß. Die WTG predigt wie bekannt nach wie vor Feindschaft des Christen zu Sozialismus und Kommunismus und damit zur sozialistischen Gesellschaftsordnung, denn diese ist gemeint. Dies findet seinen grundsätzlichen Ausdruck in der u. a. 1955 öffentlich verkündeten und für den Felddienst seither verbindlich gemachten Fragestellung: "Kommunismus oder Christentum was wird triumphieren?" (Erwachet 8. Juni 1955, Wiesbaden) Daraus ergibt sich für die Zeugen Jehovas zwangsläufig die Aufgabenstellung, überall für den Triumph des von ihnen verstandenen Christentums und für den Untergang des Kommunismus zu wirken. Viele hundert Beispiele ließen sich aus den WT-Schriften, den sogenannten gedruckten Predigten für Jehovas Zeugen, anführen, in denen das praktiziert wird. Die WTG führt die Zeugen Jehovas auf diese Weise in einen Kampf gegen die menschliche Ordnung des Sozialismus und Kommunismus, gegen diese Gesellschafts- und Staatsordnung. Die Grundsätze der Heiligen Schrift besagen aber genau das Gegenteil. Sie lauten. "Seid aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen untertan". 1. Petrus 2.13. Klarer kann es nicht zum Ausdruck gebracht werden. Der Apostel bezieht hier alle menschliche Ordnung ein. Auf die sich durchsetzende menschliche Ordnung des Sozialismus und Kommunismus angewendet bedeutet das, daß die WTG-Darstellung "Christentum oder Kommunismus" grundfalsch ist. ja, sogar bibelwidrig! Die Aufgabenstellung kann daher richtigerweise nur lauten: "Christentum in der menschlichen Ordnung des Sozialismus". Der Antikommunismus der WTG hat also keinerlei biblische Grundlage Damit ist diese Frage eigentlich schon geklärt! Es muß somit ein entschiedener Kampf des Glaubens gegen die WTG in dieser Frage geführt werden.

Da dies keine ausschließlich internen religiösen Fragen sind, sondern hochpolitische Öffentlichkeitsfragen, Staat und Gesellschaftsordnung betreffend, muß besonders von den Diener verlangt werden, das sie sich hierin allseitig informieren, auch darüber, was die andere Seite sagt. Hierzu gehört jetzt unbedingt auch folgendes. 1969 erschien im Union-Verlag Berlin die Broschüre "Unser gemeinsamer Weg zur sozialistischen Menschengemeinschaft" ein Referat von Hermann Matern, Mitglied des Politbüros der SED, zur Frage Christen in der sozialistischen Gesellschaft Auf Seite 26 dieser Broschüre wird u. a. auch die von der WTG propagierte Fragestellung "Christentum oder Kommunismus/Marxismus" grundsätzlich behandelt und als Mißbrauch des Glaubens für politische Zwecke zurückgewiesen Diener der Versammlungen, die als "Hirten der Herde" zugleich aber auch Staatsbürger mit bestimmten Rechten und Pflichten sind, die es unterlassen, sich auch in diesen Fragen "über alle Dinge zu vergewissern", müssen sich nicht wundern, wenn sie dann als verantwortungsund gewissenlos behandelt werden.

2. Jehovas Zeugen als Christen und Staatsbürger
Wir kommen nun zu dem nächsten Haupthindernis. Diese Frage ist etwas komplizierter. Es geht in dieser Frage nicht um eine Bekämpfung der Glaubenshoffnung der Zeugen Jehovas auf eine neue Welt nach ihrer Vorstellung oder auf das Tausendjahrreich oder Paradies. Es geht auch nicht darum, unbedingt zu bestreiten, daß 1975 oder zu irgendeinem anderen Zeitpunkt diese Hoffnung Wirklichkeit werden soll. Das schließt jedoch nicht aus, diese Lehren durch entsprechende Beweise in Frage zu stellen oder abzulehnen. Denn das ist andererseits christliches Recht. 1. Thess. 5:21,22. Aber diese für die Zeugen Jehovas charakteristischen Glaubenshoffnungen an sich sind kein Hindernis für grundsätzlich richtiges staatsbürgerliches Verhalten als Christ.

Die besonderen religiösen Lehren der Zeugen Jehovas werden aber zu einer ernsten politischen Frage, wenn sie sie gegen die notwendige Staats- und Gesellschaftsordnung richten. Und das ist bis jetzt bei den Lehren, wie sie von der WTG aufgestellt werden, der Fall. Die Lehren von einer neuen Welt, vom Paradies und vom Reich Gottes sind von der WTG so entwickelt worden, daß sie als Waffe im Kampf gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung dienen. Die WTG-Fragestellung "Christentum oder Kommunismus" macht das hinreichend deutlich. Die Frage ist also: Wie kann man weiter an das Reich Gottes usw. glauben, ohne mit der sozialistischen Ordnung in Konflikt zu geraten,- ohne den Grundsatz der Bibel, "aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen untertan" zu sein, zu verletzen? Wie läßt sich die Glaubenshoffnung der Zeugen Jehovas mit den Rechten und Pflichten als Bürger einer sozialistischen Gesellschaft in Einklang bringen? Das ist nicht unmöglich, wenn dies auch durch die lange Praxis des Kampfes der WTG gegen Sozialismus und Kommunismus nicht sogleich einzusehen sein sollte.

Der Ausgangspunkt muß sein, "nicht über das hinaus, was geschrieben steht". 1. Kor. 4:6. Wie sieht das biblisch aus? Überlege folgende Bibelberichte. Der Schatzmeister, heute würde man sagen Finanzminister, der Königin von Äthiopien war getaufter Christ. Apg. 8:27-39. Christen waren auch der römische Militär Cornelius und der politische Statthalter Sergius. Apg. 10:1-48, 13:12. Und die Apostel verlangten nicht, den Stand, in dem man berufen wurde zu Glaube und Hoffnung, zu verlassen. 1. Kor. 7:20. Diese Urchristen erfüllten also auf finanzpolitischem militärischem und staatspolitischem Gebiet hohe staatsbürgerliche Stellungen. Und sie waren gleichzeitig berufen zum "Bürgertum im Reiche Gottes"! Phil. 3:20. Besonders ins Gewicht fällt, daß sie gleichzeitig auch "Glieder des Leibes Christi" waren!

Die Tatsachen zeigen also, daß der von Christus und den Aposteln geforderte Glaube an das "Reich Gottes" nicht im Widerspruch dazu stand, als Bürger auch Rechte und Pflichten wahrzunehmen, die der Aufrechterhaltung einer notwendigen irdischen menschlichen Ordnung dienten. Christus und die Apostel haben niemals die Verkündigungs-Losung ausgegeben "Christentum oder Cäsarismus". Paulus konnte darum guten Gewissens vor dem römischen Gericht in Cäsarea erklären: "Ich habe mich weder gegen das jüdische Gesetz noch gegen den Tempel noch gegen den Cäsar irgendwie vergangen." Apg. 25:8. (Im WTG Auftrag müssen die Diener sogar die Finanzgesetze des Staates zweck organisierten GH-Geldschmuggels nach dem Westen mißachten!) Das Reich Gottes, das Paulus und die Apostel predigten, sollte von den Christen nicht an die Stelle der römischen Gesellschaftsordnung gesetzt werden. In Paulus' Brief an die Römer (13;1-7) kommt das später klar zum Ausdruck. Das ist allgemein bekannt. Aber nicht nur das. Auch die Urchristen lebten in der Hoffnung, zu Lebzeiten ihrer Generation das "Ende" zu erleben. (Matth. 24:34, Mark. 9:1, 1. Thess. 4:15, Hebr. 1:2, 9:26)

Wenn man nun Gott wahrhaftig sein läßt, indem man nicht über sein geschriebene Wort hinausgeht und sich etwas anderes ausdenkt oder konstruiert, dann ergibt sich:
Durch Glaube und Berufung sind Christen Bürger des Reiches Gottes und durch Geburt und sozialpolitische natürlich Bedürfnisse gleichzeitig auch Bürger der irdischen menschlichen Ordnung. Die biblische Glaubenshoffnung auf das Reich Gottes bedeutet daher in keiner Weise Stellung oder Kampf gegen die notwendige irdische politische Ordnung, ohne die es schließlich zu keiner Zeit ging und gehen wird. Sind und waren nicht auch die Christen menschlich allzeit auf sie angewiesen?

Was folgt daraus? Die Glaubenshoffnung auf das Reich Gottes kann biblischerweise nicht in Gegensatz oder gar Feindschaft führen zur gegenwärtigen sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaftsordnung der Menschen. Ist das dennoch der Fall, dann liegt eine Abweichung vom Urchristentum, eine Entstellung des Christentums vor. Wenn Christus und die Apostel keine Losung ausgaben etwa wie "Christentum oder Cäsarismus", mit welchem Recht nimmt sich die WTG heraus, die Losung auszugeben "Christentum oder Kommunismus"? Muß nicht heute wie damals auch im irdischen Lebensinteresse der Christen eine menschliche Gesellschaftsordnung aufrechterhalten bzw. gestaltet werden?

3. Die Befugnisse politischer Regierungen
Nun zu der anderen Hauptfrage. Allen Ernstes bekämpft die WTG auch das Recht heutiger politischer Regierungen, zu amtieren oder zu regieren. Auch daraus ergibt sich der Konflikt mit den Zeugen Jehovas. In seinem öffentlichen Vortrag 1969 auf dem Nürnberger Kongreß zum Thema "Tausend Jahre Frieden nahen" erklärte WTG-Präsident N. H. Knorr wieder allen Ernstes, die Regierungen hätten schon seit 1914 kein Recht mehr zu regieren. Sie hätten schon seit dieser Zeit ihre irdischen politischen Machtbefugnisse an Christus im Himmel abtreten müssen. Da sie das seitdem nicht getan haben, gäbe es nur noch die Vernichtung für sie. Ja, das wird allen Ernstes gepredigt! Und mit aller politischen Konsequenz!

Man muß zunächst fragen: Ging der Apostel Paulus zum römischen Statthalter oder Cäsar und verkündete ihm, er habe seine Macht; und Befugnisse an den in den Himmel erhöhten Christus abzutreten? Der Cäsar hätten bestimmt verwundert nach oben geschaut wie das wohl zu verwirklichen sei. Oder hat Paulus den Cornelius aufgefordert, vor oder nach der Taufe, er solle seine Stellung als römischer Offizier aufgeben? Hat Philippus vom Schatzmeister der Königin von Athiopien verlangt, er solle erst seine Regierungsfunktion niederlegen, bevor er Christ werden könne? Nichts dergleichen ist der Fall. Wie kommt dann die WTG dazu, heute von den Regierungsverantwortlichen zu verlangen, ihre politischen Befugnisse an Christus im Himmel abzutreten?

Die WTG erwidert, Christus sei jetzt im Himmel zur Macht gekommen, im Jahre 1914, wie die bekannte WT-Lehre besagt. Und wenn schon! Christus war laut Bibel auch schon vorher im Himmel. Man konnte ihm vorher da oben keine irdischen Regierungsfunktionen und Machtbefugnisse übertragen und kann das auch seit 1914 nicht. Wie sollte denn das vor sich gehen? Wo sitzt denn Christus da im Himmel? Die Sache ist doch wohl reichlich absurd! Ein Regierungschef muß sich ja da an der Nase herumgeführt vorkommen.

Hinzu kommt noch: Die WTG lehrte bis 1925, daß Christus schon 1874 wiedergekommen sein sollte, und erst 1925 sei der WTG "offenbar" geworden, was 1914 im Himmel passiert ein soll, wie es jetzt gelehrt wird (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S.109). Wie kann man angesichts dieser Tatsache allen Ernstes predigen, wie es N. H. Knorr 1969 in Nürnberg wieder tat, die Regierungen hätten schon 1914 ihre Macht in den Himmel an Christus abgeben müssen? Die WTG hat ja bis 1925 selbst nicht gewußt, was da 1914 im Himmel passierte! Sie hat ja selbst erst 1925 diese sogenannte Machtergreifung Christi im Himmel "erkannt"! Die WTG ist auch auf Grund dieser Widersprüche gänzlich unglaubwürdig. Es ist erstaunlich, daß die sonst so klugen WTG-Führer diese Absurditäten in ihren politischen Verkündigungen nicht sehen. Oder ist dieser Unsinn Absicht?

Die WT-Forderung, alle politische Macht und Gewalt seit 1914 an Christus im Himmel abzutreten, widerspricht schließlich direkt der biblischen Weisung an alle Christen, der politischen "Obrigkeit untertan" zu sein. Römer 13:1-7. Es bleibt also dabei, bis die erhoffte neue Welt kommen würde, brauchen selbst die Zeugen Jehovas eine menschliche Ordnung. In urchristlicher Zeit war es der Cäsarismus, wenn man es so nennen will. Dann erwiesen sich feudalistische Ordnungen als entwicklungsbedingt dann kapitalistische und jetzt sozialistische bzw. kommunistische Es ist doch das gute Recht aller Menschen, jeweils die Veränderungen vorzunehmen, die den wirtschaftlichen und sozialen Notwendigkeiten am besten entsprechen Schließlich ist das Gebot, sich die "Erde untertan" zu machen, auch nach dem Sündenfall nicht aufgehoben worden.

Oder anders: Dieses Recht ergibt sich aus den natürlichen sozialen Lebensbedürfnissen, die allen Menschen durch die Schöpfung einst von Gott eingepflanzt worden sind. Seit Jahrtausenden müssen die Menschen demzufolge unter allen Umständen diese sozialen Lebensinteressen in bestimmten Formen menschlicher Gesellschaftsordnung wahrnehmen Das kann doch nicht einfach seit 1914 unterlassen werden! Politik machen ist doch im Grunde nichts anderes als Regelung des natürlichen wirtschaftlichen und sozialen Geschehens.

Also, selbst bis die von den Zeugen Jehovas erhoffte neue Welt einmal käme, sei es 1975 oder 1996, wie die WTG schon ins Spiel bringt, muß das gesellschaftspolitische Leben weitergehen, muß auf Erden weiterregiert werden. Bis dahin mindestens müßten alle Menschen, Christen oder Nichtchristen - von einem Standpunkt der Zeugen Jehovas aus, den man. tolerieren könnte - an der Aufrechterhaltung und Gestaltung der menschlichen Gesellschaftsordnung interessiert sein, ja sie müssen die Verantwortung dafür übernehmen. Man kann sich doch nicht hinstellen und alle sozialen Leistungen der Gesellschaft fordern und in Anspruch nehmen, im gleichen Atemzuge allen Menschen aber predigen, es sei gegen Gottes Willen, die Pflichten und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, damit diese Sozialordnung funktioniert und solche Leistungen vollbringen kann. Die WTG predigt das aber! Das führt nur aus dem Grunde nicht zu einer anarchistischen gesellschaftspolitischen Katastrophe, weil die überwiegende Mehrheit aller Menschen und aller anderen Christen in dieser oder jener Form die notwendige sozialpolitische Verantwortung erkennt und die WT-Predigten zurückweist, zum Glück auch für alle Zeugen Jehovas in irdischer Hinsicht.

Mit Bezug auf die sozialistischen Länder ergibt sich nun: Es kann nicht aufgehört werden, die jetzt entsprechend der Entwicklung notwendige sozialistische bzw. kommunistische Sozial- oder Gesellschaftsordnung zu gestalten oder aufrechtzuerhalten, ob 1914 im Himmel etwas passierte, ob ein 1975 oder 1996 kommt oder nicht. Auch in diesem Zusammenhang kann sich kein verantwortungsbewußter Mensch zu der WTG-Forderung "Christentum oder Kommunismus" bekennen. Annahme dieser Forderung würde nämlich auch den Zusammenbruch der sozialistischen Sozialordnung bedeuten, weil dann niemand mehr die sich aus den allgemeinen sozialen Lebensbedürfnissen ergebende staatliche oder politische Verantwortung übernehmen durfte. Hat die WTG mit dieser Forderung den biblischen Grundsatz, "aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen untertan" zu sein, nicht völlig ins Gegenteil umgedreht?

Christen wie Nichtchristen sind aus all diesen biblischen und vernünftigen Gründen nicht nur berechtigt, sondern um ihrer sozialen Lebensinteressen sogar verpflichtet, auf geeignete Weise für Ordnung, Gesetz und Regierung zu sorgen und alles zurückzuweisen, was dem widerspricht, jetzt im Hinblick auf die Notwendigkeit einer sozialistischen und kommunistischen menschlichen Ordnung.

Was ist zu tun?
Auf Grund eines biblischen Glaubens an das Reich Gottes brauchte es also keinen Kampf der WTG und der Zeugen Jehovas gegen die sozialistische oder kommunistische Ordnung zu geben. Denn menschliche Ordnung ist notwendig. Römer 13. Es gibt also keinen biblischen Grund für den WT-Antikommunismus. Es sei denn, er wird aus einem Grunde betrieben, der nicht christlich und biblisch ist. Und das scheint der Fall zu sein.

Vom Christentum und von ihren Glaubenshoffnungen her können sich Jehovas Zeugen deshalb positiv zu Sozialismus und Kommunismus verhalten, sie können diese Gesellschaftsordnung bejahen, sie können in ihr sogar Mitverantwortung übernehmen, wie das die Urchristen in ihrer Zeit auch getan haben, wie die Beispiele des Schatzmeisters, des Cornelius, des Sergius usw. zeigten. Was die sozialistische Ordnung betrifft, so entsprechen ihre humanistischen und sozialen Ideale sogar völlig den entsprechenden christlichen Idealen. Es sei an eine öffentliche Erklärung des DDR-Staatsratsvorsitzenden W. Ulbricht erinnert: "Christentum und die humanistischen Ziele des Sozialismus. sind keine Gegensätze. Ein Christ, der seine humanistischen und sozialen Ideale ernst nimmt, der seinen Kopf frei macht von Vorurteilen und dem Ballast einer toten Vergangenheit, sollte eigentlich gar nicht anders können, als sich mit dem Sozialismus zu vereinen." (Marxisten und Christen wirken gemeinsam für Frieden und Humanismus. Schriftenreihe des Staatsrates der DDR 5, 1964). Die Zeugen Jehovas sollten dies alles in ihrem Interesse gut und allseitig durchdenken! Besonders die verantwortlichen Diener!

Der Antikommunismus und die staatsfeindlichen Tendenzen in der Verkündigung können also ausgeschaltet werden Erforderlich ist lediglich die konsequente Rückkehr zu den biblischen und urchristlichen Verhaltensmustern für Christen als Staatsbürger. Wenn das richtig erkannt, gefordert und durchgesetzt wird, verliert die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas unbeschadet ihrer Glaubenshoffnung ihren staatsfeindlichen und antikommunistischen Charakter Damit wären die Wege für Jehovas Zeugen in einer sozialistischen Gesellschaft geebnet und von den entscheidenden Hindernissen befreit. Die WTG wird dann allerdings Farbe bekennen müssen, was die eigentlichen Hintergründe ihres Antikommunimus sind.
Brüder, durchdenkt diese Überlegungen. Besprecht sie. Überprüft sie an Hand der Bibel.

Ob Harmagedon um 1975 kommt oder nicht ist nicht die entscheidende Frage, um die politischen Probleme zu lösen, um, die es im Grunde allein geht. Es kommt also darauf an, die Dinge voneinander zu trennen. Es sei in diesem Zusammenhang auf die Prozesse 1966 gegen die leitenden Brüder Liebig und andere hingewiesen. Es geht allein um die antikommunistisch staatsfeindliche Rolle des WTG-Werkes.

Ohne Zweifel wird der Ausweg für viele ein längerer Erkenntnisprozeß sein. Aber der Weg ist real. Sammelt euch darum, alle die ihr diese Zusammenhänge zu begreifen beginnt! Sprecht alle an, die Verantwortung tragen! Denn sie haben es weitgehend als erste in der Hand, ob die Verkündiger weiter im Sinne des WTG-Antikommunismus handeln oder nicht. Ermuntert einander. Und vor allen Dingen seid unerschrocken und kühn. Tragt diese Dinge in jede Studiengruppe. Tretet in jeder Weise zur Durchsetzung dieses realen Ausweges auf. Habt den Mut, einfach selbst die Verantwortung vor Gott zu übernehmen. Niemand kann euch als Diener und Aufseher diese Verantwortung abnehmen. Niemand hat ein Recht dazu. Seid ihr es auch nicht immer gewesen, die andernfalls zur Rechenschaft gezogen wurden und die Folgen tragen mußtet? Greift daher selbst unmittelbar zur Bibel und handelt! Sie ist der Maßstab und nichts anderes. Verwerft kühn alles, was darüber hinausgeht! 1. Kor. 4:6. Streitet in diesem Sinne für die, die eurer Sorge anvertraut sind.
0. L.

Zwölf Jahre meines Lebens
von Gerhard Peters (8. Teil)
Zum Schluß des 7. Teiles:
Gerhard Peters war auf Urlaub in die DDR gefahren, wo seine Eltern wohnten, um zu erkunden, wie es mit dem Aufbau einer neuen sozialen Existenz steht, nachdem er seine Bergarbeiterlaufbahn in Westdeutschland zwar etwas dramatisch, aber im Interesse der Zeugen-Tätigkeit aufgegeben hatte. Kaum war er angekommen, erreichte ihn ein Telegramm von einem Rechtsanwalt. Seine Frau hatte die Scheidung eingereicht. Er packte sofort seine Sachen und fuhr zurück nach Hamborn.. Hier erfuhr er zu seiner Bestürzung, daß ihm in Abwesenheit und gestützt auf falsche Zeugen vom Versammlungskomitee die Gemeinschaft entzogen worden war. Der Hauptgrund war, daß er "in die Ostzone" gereist war, was in böswilliges Verlassen seiner Frau umgefälscht worden war. Die verantwortlichen Brüder waren derartig antikommunistisch verblendet, daß ihnen genügte, wenn jemand ohne ihre Billigung "in die Ostzone" reiste, ihn ohne Anhörung zum Teufel zu jagen.

Der 7. Teil endete mit den Worten:
Ich wollte in die "Ostzone", und da war jedes Mittel gegen mich recht. Ob man da einem Menschen Unrecht tut, spielt keine Rolle. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, was für ein Unrecht begangen wurde, den Verantwortlichen, die dieses Unrecht praktizierten, passierte nichts. Was tuts, wenn dabei Unschuldige zugrunde gerichtet werden, wie ich zum Beispiel. Das schlägt Wunden, die zwar vernarben können. Aber am Vertrauen darauf, daß dies eine Organisation ist, die von Gott geleitet ist, nagt das in gefährlicher Weise. Es blinkt durch solche Geschehnisse immer wieder ein Licht auf, daß es im Grunde genommen so ist, wie in anderen menschlichen Organisationen, ein Menschenwerk, weiter nichts.

Wenn sich solche Beweise häufen, dann fehlt, eines Tages nur noch der besondere Anstoß und ein Kartenhaus bricht nur zusammen. Aber das ist ein längerer Prozeß. Noch war das jedoch außerhalb jeder Möglichkeit für mich. Dann kam eines Tages die Entscheidung: "Ostzone" bzw. DDR, ja oder nein?

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben
Trotz meiner Verwahrungen gegen die Argumente und Methoden gegen mich wurde mein Gemeinschaftsentzug nicht wieder rückgängig gemacht. Ich kam gegen den Wall der Lügen meiner Frau und gegen den antikommunistischen Fanatismus des Brüderkomitees nicht an. Ich blieb ein Verfemter. Ich habe wohl weiter gearbeitet, noch ein halbes Jahr, allein, ohne daß jemand meinen Haushalt gemacht hat. Ich machte es nach der Arbeit. Ich kam in dieser Zeit so herunter, daß ich damals nur noch knapp einen Zentner gewogen habe. So hat mich das alles mitgenommen.

Dann war einmal meine Mutter aus der DDR bei mir, für acht Wochen ungefähr. Sie hat mir den Haushalt gemacht und alles wieder in Ordnung gebracht Gestopft, gebügelt, geflickt. Junge, Junge, wie siehst du bloß aus, sagte sie. Willst du wirklich hier bleiben, bis du ganz verrückt wirst?

Diese Frau kommt nie wieder zu dir zurück. Ich antwortete ihr, Mama, nach theokratischem Gesetz muß sie eines Tages einsehen, daß sie Unrecht gehabt hat und bei uns ist das anders als bei den anderen Menschen in der Welt, uns hält und schweißt doch der Glaube zusammen. Und bei uns magst auch jeder mal eine Dummheit. Sie wird eines Tages einsehen, daß sie Unrecht hat.

Ich reise ab
Es ging aber eines Tages nicht mehr. Mein Zustand wurde so, daß ich zum Arzt mußte. Der Arzt sagte: Aufhören mit der Arbeit im Bergbau.
Ich gab nun auch die Arbeit als Bergarbeiter auf. Noch einmal versuchte ich mit meiner Frau zu sprechen. Erst schrieb ich ihr einen Brief. Dann sprach ich mit ihr persönlich Siehe Hannelore, sagte ich zu ihr, wie die Lage aussieht, ich bin mit meiner Gesundheit am Ende. Willst Du wieder zu mir zurückkommen? Allein geht es nicht weiter. Es bliebe mir nichts weiter übrig, als dann zunächst zu meiner Mutter zu fahren. Bitte schön, reise doch, ich komme nicht wieder zurück zu Dir, war ihre schnippische Antwort. So trennten wir uns.

Ich bin dann in die DDR gefahren, das war 1956. Die ersten Wochen war das natürlich alles ein bißchen schwierig. Ich nahm erst einmal als Hilfsarbeiter Beschäftigung, um meinen Eltern nicht auf der Tasche zu liegen. Dann ging ich zum Rat des Kreises, um eine Arbeit aufzunehmen, die meinen Fähigkeiten entspricht. Ich wurde schließlich Angestellter des Konsum-Kreisverbandes Klötze.

Meine neue Arbeit
Ich wurde Vertreter für Lebensmittel. Ich hatte die Verkaufsstellen aufzusuchen, Bestellungen aufzunehmen, nach dem Rechten zu sehen; Instruktionen zu vermitteln, wenn etwas nicht in Ordnung war, eben, mich um gute Versorgung zu-kümmern. Diese Arbeit gefiel mir sehr. Ich verdiente auch, ganz gut. Dazu war ich viel an der frischen Luft und im Freien, nicht wie unter Tage im Staub: Ich empfand die Arbeit sogar als leicht im Vergleich zur Hölle des Bergbaus, aus der ich kam, mit den Zuständen dort. Das Besondere hier war das Betriebsklima. Das kannte ich drüben gar nicht, dort herrschte nur der bekannte Barraston der Vorgesetzten. Hier dagegen alles kameradschaftlich und kollegial, manchmal sogar nett. Ich fühlte mich jedenfalls arbeitsmäßig sehr wohl.

Aber, wie man so sagt, wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis, so muß ich es heute rückblickend nennen. Ich war ja noch selbst Zeuge Jehovas. Ich war ja zu Unrecht aus der Organisation ausgeschlossen.

Ich versuche gegen das Unrecht anzukämpfen
Eines Tages treffe ich Bruder D. Er war verantwortlich für das ganze hiesige Gebiet. Ich treffe den Bruder auf der Straße. Ich hatte ihn kennengelernt, als ich damals meine Frau in Öbisfelde kennenlernte. Ich halte ihn nun auf der Straße an, spreche ihn an und sage dann: Bist du nicht Bruder D.? Kennst du mich noch? Er schaut mich an und sagt, bekannt kommst du mir vor aber ich weiß nicht gleich wo ich dich hinbringen soll. Ich antworte, "ich bin der Ehemann von Hannelore Beich." Er erinnerte sich, aber er blieb noch reserviert. Aber ich hatte den Eindruck, er wußte irgendwie schon Bescheid.

Ich frage ihn nun, "kann ich dich einmal so ganz unter vier Augen sprechen?" "Gut", sagte er, komm übermorgen Nachmittag zu mir. Ich fuhr zu ihm hin-und habe mich ausführlich mit ihm ausgesprochen. Als ich ihm alles erklärt hatte, war er ganz empört. "Wo gibt es denn sowas, einen Gemeinschaftsentzug ohne daß du dabei bist und ohne Angabe der Gründe! und als du dahinterkommst, gab man keine richtige Auskunft und wimmelte dich einfach ab." Auch über die Sache mit dem Haushaltsbuch meiner Frau hatte ich gesprochen. "Das kommt ja gar nicht infrage, sagte er. Ich komme sowieso demnächst mit den entsprechenden Leuten zusammen und da werde ich deine Sache vorbringen."
Er ist dann nach Westberlin gefahren und hat meine Sache vorgebracht. Mir sagte er, "deine Sache ist eingereicht, das wird in Ordnung kommen."

Der Esel geht aufs Eis
Es geht ein Jahr hin, es gehen zwei Jahre hin, es gehen drei Jahre hin. Ich hatte meine Gemeinschaft mit der Organisation immer noch nicht wieder. Langsam wurde mir das Warten zuviel. Vielleicht mußte ich auch etwas tun, um mich erneut würdig zu erweisen, dachte ich schon. Oder bin ich endgültig aus der Gnade Gottes gefallen? Ich wurde unruhig. Was könnte ich tun, um meine Treue zur Sache trotz allem unter Beweis zu stellen? Ich wollte mich tief demütigen, indem ich trotz des mir widerfahrenen Unrechts für das Werk einstehe. Sollte das die Brüder nicht überzeugen? Das Jahr 1958, für mich das erste Wahljahr in der DDR, sollte mir Gelegenheit bieten!

Ich kam nun öfter zu Bruder D. Er fühlte sich verpflichtet, mich zu belehren und sich um mich zu kümmern. Ich war doch immerhin im Sinne der Zeugen sehr gefährdet, als einer, dem die Gemeinschaft entzogen war. Da sagt Bruder D. eines Tages zu mir, "hör mal zu, du bist ja an sich kein Zeuge Jehovas mehr. Aber wie ich sehe, gibst du dir ja alle Mühe und zeigst auch Demut, wie ich dich kenne. Wenn es nach mir gegangen wäre, hättest du schon längst deine Gemeinschaft wiederbekommen. Aber es liegt nicht an mir. Aber ich möchte dir einen Hinweis geben. Du weißt, was das hier bedeutet für Jehovas Zeugen mit der Wahl, die jetzt vor der Tür steht Nun zeige einmal, ob du wirklich noch Mensch guten Willens bist." Mit anderen Worten, er forderte mich auf, demonstrativ die Wahl zu verweigern und zu boykottieren. Ich wußte, daß das bedeutet, eine politische Kampfstellung gegen Staat und Regierung in der DDR zu beziehen.

Da habe ich nun anschließend zu hause gesessen und gedacht: Du meine Güte! jetzt hast du eine schöne Arbeitsstelle, hast einen Dienstwagen dazu, hast eine Vertrauensstelle gar im Grenzgebiet, wo man mir sogar ohne Kontrolle vertraute. Und jetzt soll ich die "Obrigkeit" herausfordern, der ich das doch alles verdanke. Du meine Güte, das wird was werden!

Um diese Sache richtig zu verstehen, muß man daran denken, daß wir Zeugen damals noch obendrein in der staatsfeindlichen Vorstellung handelten, die Regierung, der Staat, die Behörden seien keine "Obrigkeit", die wir als solche zu respektieren haben. So stand ein gewaltiger Konflikt vor mir. "Das ist ganz egal", beschließe ich. "Der Glaube geht über alles. Denen werde ich es schon zeigen!"

Der Wahlsonntag kommt. Ich gehe nicht zur Wahl. Wenn ich es dabei hätte bewenden lassen, konnte gar nichts passieren. Es besteht ja kein Wahlzwang. Aber ich muß ja "Zeugnis geben"!

Wie zu erwarten, kommen am Abend die Wahlhelfer mit der Urne zu mir in die Wohnung, um mir eventuell den Weg zum Wahllokal abzunehmen. "Jetzt hast, du Gelegenheit, dachte ich, jetzt wirst du beweisen, dar du noch ein Zeuge bist!". Gefragt nach den Gründen meines Verhaltens sage ich ihnen nun meine Meinung als Zeuge! Politik - Satanswerk! Staat - Werkzeug des Teufels. Sozialismus - Vom Teufel gezeugt und zur Reife gebracht! Hochempört verlassen die Wahlhelfer meine Wohnung.

Wenn ich es heute überlege, sie müßten sich verhöhnt und höchst beleidigt fühlen, während sie sich alle Mühe gaben, mich zu überzeugen, daß es doch ohne Schaffung einer staatlichen Ordnung und Verwaltung nicht geht, das sei rein menschlich und habe mit keinem Teufel etwas zu tun. Aber, ich habe sie nur verhöhnt mit meinem Satansargumenten Das muß auf auf einen anderen so wirken. Ich dachte mir, "was wollen die überhaupt von dir, die sind sowieso bald erledigt mit ihrem Sozialismus und ihrer Diktatur. Jehova wird es ihnen schon zeigen!"

Am anderen Tage bestellte man mich gleich zur Betriebsleitung. BGL, Betriebsleitung, alles was Rang und Namen hatte bei uns, war versammelt als ich hereintrat. So etwas hatten sie noch nicht erlebt. Ich sollte ihnen nun erklären, was die Gründe für mein Verhalten sind. Jetzt habe ich mich aber gefühlt! Meine Gedanken waren nur, "jetzt kriegst du deine Gemeinschaft wieder, was wollen die denn von dir! Bald kommt die Neue Welt, da sind sie alle erledigt die hier sitzen." Als sie meine feindlichen Argumente zur Kenntnis genommen hatten, sagten sie, "wir können ihnen bei dieser staatsfeindlichen Einstellung keinen Grenzausweis mehr geben. Wir müssen ihnen eine andere Arbeit geben." "Macht doch was ihr wollt" hielt ich ihnen entgegen!

Ich ging danach zu Bruder D. Er fragte, "na, wie war es gestern?" Ich erzählte nun die ganze Geschichte. Da sagte er, "das hast du Prima gemacht"

Es dauerte keine vier Wochen, da kam von Westdeutschland der Bescheid, daß ich wieder voll zu den Zeugen gehörte! Keine jahrelange stille Demütigung konnte das bewirken! Ein einziger politischer Akt genügte indessen. Ich aber glaubte damals es sei die Gnade Gottes. Nun ging es erst richtig los! "Nun ran an das Werk", sagte ich mir. "Jetzt sollen sie sehen, was ich noch für ein Zeuge bin." Über alles wollte ich hinwegsehen, was ich Bitteres erlebt hatte. Ich bin dann los, aufs Motorrad. Hin nach Westberlin, Literatur holen, Kurierdienste ausfahren, alles was nötig ist.

Mein Wahlspruch war: Hier bin ich, Gott, sende mich! Ich scheue mich in keiner Weise, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wenn sich keiner mehr aus der Organisation nach Westberlin traute zu Kurierdiensten, ich setzte mich aufs Motorrad und fuhr hin. Gott ist mit mir! Was soll mir passieren?

Ich sollte bald begreifen; daß da kein Gott dabei ist, daß auch die Zeugen in Wirklichkeit als Menschen völlig auf sich selbst, auf eigene Umsicht, Vorsicht und Klugheit oder Unzulänglichkeit angewiesen sind. Die vielen gutgläubig Gefahrenen und dennoch Eingebrochenen sollten das später bitter zum Bewußtsein bringen. Warum sonst beschloß die Organisation, für die gefährlichsten Unternehmen niemals mehr die Hauptverantwortlichen Diener einzusetzen, sondern immer nur unbedeutende, unbekannte, deren Ausfall die Organisation nicht gefährlich trifft?
Fortsetzung folgt

Zonendiener Rees, Wiesbaden, über Verkündigung und Kommunismus
Nach einem Bericht aus dem Zweigbüro für CV
Am 18. Februar 1970 hielt Zonendiener Br. Rees in Wiesbaden vor einer Zuhörerschaft von 1 297 Personen einen Vortrag über das Thema. "Daß das Ausharren sein Werk vollständig habe". Die Schlußworte zu diesem Vortrag sprach der neue westdeutsche WTG-Zweigdiener Br. Richard E. Kelsey, ein Amerikaner. Die Versammlung endete mit dem Singen des Liedes Nr. 88 des neuen Liederbuches "Singt und spielt dabei Jehova in euren Herzen". Das Lied hat den Titel "In Lauterkeit wandeln".

Die Ausführungen von Zonendiener Rees gipfelten schließlich wieder im Aufbau des Geredes von der "kommunistischen Gefahr", ein neues Beispiel dafür, auf welche Weise jetzt von den inneren Schwierigkeiten durch die 1975-Festlegung abgelenkt wird.

Zonendiener Rees zitierte wieder die beiden WTG-Chinamissionare Jones und King, die in China wegen der antikommunistischen Tätigkeit der WTG verhaftet worden waren Im WT vom 1. Februar 1966 war darüber berichtet worden. Zonendiener Rees schilderte, daß King angeblich eine angriffslustige Person sei, Jones dagegen eine "stille, ruhige und milde Person". Jedesmal wenn die Aufseher des Gefängnisses ihn in ihr Büro geholt hätten und vom Kommunismus angefangen hätten zu sprechen, habe Jones erklärt. "Wenn sie von diesem reden wollen, dann gehe ich in meine Zelle zurück." So habe er sein Ausharren bewahrt. Dies wird als Beispiel für rechtes Verhalten der Brüder und Verkündiger bezeichnet.

In Wirklichkeit ist das, was Zonendiener Rees mit der Billigung von Zweigdiener Kelsey hier als beispielhaft bezeichnet, eine empörende Erziehung zur politischen Heuchelei! Denn die WTG ihrerseits denkt gar nicht daran, nicht über den Kommunismus zu sprechen. Im Gegenteil.

Sie erzieht die Verkündiger in aller Welt systematisch zu schärfstem antikommunistischen Vorgehen in der Verkündigung! Das wußte auch Br. Jones, denn er verbreitete ja selbst die WT-Bücher. Hierfür nur ein Beispiel aus der Fülle der Tatsachen. Im WTG-Studienbuch "Was hat die Religion der Menschheit gebracht" werden die Kommunisten auf Seite 10 als "rote Faschisten" angegriffen und geschmäht, und das ganze 25. Kapitel dieses WTG-Lehrbuches steht unter der Überschrift: "Rote Religion und der Mensch der Gesetzlosigkeit". Die WTG also leitet die Verkündiger und Missionare an, nicht nur über Kommunismus zu reden, sondern schärfstens gegen ihn vorzugehen. Wenn die derartig Angegriffenen und Geschmähten dann mit den Verkündigern über dieses Vorgehen reden oder sprechen wollen, sollen sie so tun, als hätten sie nichts mit Politik geschweige denn mit Kommunismus zu tun, nicht einmal reden wollten sie darüber. Ist das nicht ein heuchlerisches Doppelspiel?

Wer diese Dinge sieht, kann nur zu der Schlußfolgerung kommen daß die WTG die Verkündiger zu Unaufrichtigkeit, Unwahrhaftigkeit und Heuchelei erzieht, speziell in politischen Fragen, mit denen sie sich sehr wohl zu befassen haben, wie die Tatsachen zeigen!

Es wäre noch auf das Lied Nr. 88 einzugehen, was Zonendiener Rees und Zweigdiener Kelsey zusammen mit den Versammelten zum Abschluß sangen. Es ist einfach erstaunlich! Die zweite Strophe des Liedes, das da gesungen wurde, beginnt mit dem Text: "Ein böser Mensch sitzt nicht an meinem Tisch, alle solche hasse ich". Die Lieder zu bestimmten Versammlungen werden nicht willkürlich ausgewählt, sondern man schaut sie sich sehr genau vorher an, ob sie auch zu dem Anlaß passen. Denn, es gibt ja verschiedene Lieder. Wenn man den Inhalt des Vortrages von Zonendiener Rees mit Bezug auf den Kommunismus bedenkt und sich den Text des Liedes dazu anschaut, so ist zu erkennen, daß hier wieder zu schärfstem antikommunistischen Haß erzogen wurde.

Was aber lehrt Jesus? Was lehrt die Schrift? Wenn die WTG in verantwortungsloser Mißachtung der humanistischen Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Kommunisten die Kommunisten dennoch als Feinde betrachtet, sollte da nicht wenigstens die Weisung Jesu in Bergpredigt gelten, der da sagte: Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich dagegen sage euch liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger, damit ihr euch als Kinder eures himmlischen Vaters erweiset!" Matth. 5:4345. Hier handelt es sich nicht einmal um eine derartige Verfolgung, da die Verkündigung mit ihrer Schmähung und Verleumdung Gesetze der Sittlichkeit verletzt, die der Staat selbst nach der Bibel berechtigt und verpflichtet ist aufrechtzuerhalten. (Römer 13:1-7 in Verbindung mit WT vom 15. Februar 1963, S. 49, Abs. 9)

Es ist also deutlich zu erkennen, daß die WTG selbst mit Liedern die Zeugen Jehovas eindeutig im Gegensatz und im offenen Widerspruch zur Bergpredigt zu Haß erzieht, obendrein zu politischem Haß. Hat noch niemand in Wiesbaden das Lied Nr. 88 mit der Bergpredigt Jesu verglichen? Das zeugt von einer erstaunlichen Oberflächlichkeit, Gleichgültigkeit und Verantwortungslosigkeit der leitenden Diener. Hier sind insbesondere die Brüder Kelsey und Rees vom Zweigbüro Wiesbaden angesprochen! Sie sind hiermit öffentlich aufgefordert, gegen diese antichristliche Haß-Erziehung mit ihrer ganzen Autorität vorzugehen. Es ist nicht zu verantworten; wenn vom Bethel in Wiesbaden; eine solche schriftwidrige Haß-Erziehung auf die ganze Organisation ausgeht.

Die Folge dieser gesamten antikommunistischen Haßpredigt in der Verkündigung, die eindeutig im Widerspruch zur Bibel steht, wird sein, daß die Schwierigkeiten immer größer werden müssen und daß immer mehr Verkündiger in schriftgemäßen Widerspruch zur WTG geraten. Die WTG wird das genaue Gegenteil von dem erreichen, was sie mit solchen Versammlungen, wie im Februar 1970 mit den Brüdern Kelsey und Rees in Wiesbaden, bezweckte: Immer mehr werden die Ehrlichen und Verantwortungsbewußten in der Organisation, die die Worte Jesu auch wirklich ernst nehmen, den wirklichen Sachverhalt erkennen ihre Konsequenzen ziehen. Denn es ist nun endgültig vorbei, daß die WTG tun und lassen kann was sie will, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. -

Ein ehemaliger Bethelangehöriger schreibt uns seine Eindrücke, die er im Laufe von 30 Jahren machte
Die drei Wachtturmkönige sind: Russel, der Entdecker von Neuigkeiten in der Schrift (1874-1916), Rutherford, der Warenlieferant in Literatur (1917-1942) und Knorr, der Verwalter und Mehrer des Vermögens in der WTG (1942-?). Die Geschichte der WTG mit den drei Königen begann mit einem neuen Evangelium, was sie sich selbst erdachten. (Gal. 1:6,7). Es war aber ein papiernes Evangelium, es mußte des öfteren korrigiert werden, weil es den Stürmen nicht standhielt. Man gebrauchte nicht die Schlüssel, die Petrus vom Herrn erhalten hatte. (Matth. 16:19). Man produzierte "besseres und helleres Licht". (2. Kor. 11: 13-15).

Ausgerüstet mit solchem Wissen ging man in den Felddienst, besuchte die Leute in den Wohnungen und versuchte Fuß zu fassen, indem man eine Harmagedonfurcht verkündete. Furchtsame Menschen werden die dargebotene Rettung, die durch die WTG ermöglicht wird, gern annehmen Nach Monaten wird sein eigenes Denken lahmgelegt sein und er wird bereit sein, all das zu tun, was von ihm gefordert wird, denn er will ja leben. So taten wir es und so ist es noch heute, zuletzt ist er nur noch ein Literaturverkäufer und Diener der WTG. Er findet keine Zeit mehr zum Prüfen mit der Schrift, meint auch es sei nicht nötig, denn die Leitung habe ja alles genau überprüft. So gedeiht der Irrtum und setzt sich in dem einzelnen so fest, daß es schwer ist, es wieder zu lösen. Dies ist altbewährte Taktik der WTG Leitung.

Ich möchte Euch nun die Geschichte der zwei Wachttürme vor Augen führen. Im 1. Mose Kapitel 11 finden wir die Schilderung, wie der erste Wachtturm entstand. Die Erbauer dieses Wachtturmes wollten sich damit einen Namen machen, um dadurch jede Furcht zu überwinden, die sich den Erbauern unterordneten. Das ist die Geschichte in kurzen Worten des ersten Wachtturms.

Der zweite Wachtturm wurde angefangen zu bauen 1874 und wird wahrscheinlich beendet sein 1992 ? ? Das Baumaterial dieses Wachtturmes ist: Sensation, Chronologie, ein anderes Evangelium, neue Lehren und Harmagedontheorie Die fortschreitende Entwicklung der WTG in den länger als 90 Jahren macht es erforderlich, daß man nun beginnt oder beginnen muß, eine theokratische Weltstadt zu errichten. Über dieser Stadt des Wachtturmes wird dann der Name Jehovas ganz besonders hervorleuchten. (Der Zweck ist derselbe, wie wir ihn im 1. Mose 11:4 finden.
Lest auch 1. Könige: 11,12).

Die Brüder und Schwestern glauben heute wieder an den verkündeten Endtermin "Herbst 1975". Die WTG-Leitung fährt weiter fort dieses zu verkünden. Aber es ist wirklich so, die Leitung glaubt dies selbst nicht, so war es schon die ganzen 90 Jahre.

Wie immer hat man bereits ein neues Datum errechnet. 1992. In den 17 Jahren von 1975-1992 ist die Leitung dar auf aus, sich einen Namen zu machen, der Klang hat in der ganzen Welt. Deshalb beobachte genau, was ich jetzt kund mache:

Das heutige Hauptquartier der WTG ist stationiert inmitten der Weltstadt New York, im Ortsteil Brooklyn Heights. Dies ist der höchste Punkt von New York. Man kann von Brooklyn Heights über den großen Welthafen New York sehen. Die Freiheitstatue, die großen Wolkenkratzer, Wall Street mit dem Sitz der Mächtigen, ja an einem schönen Tage kann man bis Connecticut und New Jersey sehen. Auf dieser Höhe ist heute mehr und mehr der Gebäudekomplex der WTG gewachsen.

Im Frühjahr erwarb man eine ganze Straße von Gebäuden. Diese alten Gebäude wurden abgerissen und neue entstanden für die WTG. Am 10. Oktober l969 berichtete die "The Brooklyn Heights News", daß die WTG die großen Gebäude der "Squib & Co" gekauft habe. Eine andere Firma machte ein Angebot mit einem höheren Betrag, berichtete dieselbe Zeitung, jedoch wollte diese erst in sechs Jahren den Preis zahlen. Die Firma lehnte dies ab und verkaufte ihren Besitz an die WTG gegen sofortige Kasse. (Geld regiert dort die Welt.)

Allmählich erwirbt die Gesellschaft Grundstück auf Grundstück in Brooklyn Heights und es zeigt sich jetzt schon sehr deutlich, daß man dabei ist, eine Weltstadt auf einer Höhe für Jehova zu errichten. So demonstriert man in der Welt seine Macht.
Brüder und Schwestern erwachet. Ich habe die Könige der WTG kennengelernt und mich nach vielen Jahren von ihnen abgewandt. Ich weiß, es ist schwer, etwas aufzugeben, was man lange als gut befunden hat. Jedoch ist es nicht schwer, wenn man die Irrungen erkannt hat und bereit ist, nicht Menschen, sondern dem Herrn zu dienen! "Klopfet an, so wird euch aufgetan." (Matth. 7:7,8).
Bill

CV-Anmerkung zu diesem Beitrag des ehemaligen Bethelangehörigen:
CV veröffentlich diesen Beitrag im Rahmen der angestrebten freien Diskussion.
Kritisch müssen wir vermerken, daß der Bruder die Ziele der WTG mit Bezug auf eine Weltstadt offensichtlich etwas überschätzt. Aber er enthüllt treffend den Ausbau des Grund- und Kapitalbesitzes der WTG und damit eine Anhäufung von ökonomischer und damit realer gesellschaftlicher Macht.

Aus eingegangenen Briefen
Aus Amerika
Uns wird berichtet, daß sich ca. 200 000 Zeugen Jehova von der WTG abwandten. Der WT vom 1. 9. 1969 gibt zu, daß 199 000 abgefallen seien. (Seite 533 Abs. 13, amerikanische Ausgabe.) Weiter wird im Absatz 16 zugegeben, daß rund 300 000, die ein Heimbuchstudium als Vorbereitung für die Taufe mit Dienern der Zeugen hatten, die Studien nicht bis zum Ende durchführten und sich nicht taufen ließen, weil sie den Irrtum bei Studieren erkannten Von ca. 20 000 sind die Adressen bekannt, die nun von Ehemaligen besucht werden. Das Buch von Schnell: "30 Jahre Sklave des Wachtturms" wirkte sehr aufklärend.

Aus Amerika:
Besten Dank für "CV" Nr. 28. Sehr treffend und wertvoll finde ich den Artikel. "Was die echte Liebe tut". Man hat das Gefühl, nachdem man es gelesen hat, daß man sich noch in vielem umstellen muß. Ich freue mich über Eure Arbeit dort und wünsche weiter gutes Gelingen …

Aus Polen:
Es ist mir gelungen, in unserem Lande eine christliche Gemeinde zu finden, die sich öffentlich mit den Irrlehren der Zeugen Jehovas befaßt. Es ist vielleicht möglich, daß wir mit Euch gemeinsam die irregeführten Brüder aufklären, damit sie von den Fesseln der WTG befreit werden. Sende bitte CV an die angegebene Adresse. Ich hoffe, daß wir gute Erfolge haben werden …

Aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt:
Erhielt durch Bekannte "Christliche Verantwortung". Ich fand darin, was ich schon lange suchte, eine Aufklärung über die WTG. Ich hatte schon lange Zweifel an den Lehren und Machenschaften der Führung in Brooklyn.
Ich habe natürlich sehr viele Fragen, die ich nach und nach aufrollen werde. Vorerst bestelle ich "CV" und bitte diese mir laufend zuzusenden, damit ich immer im laufenden bin. Es ist am Anfang alles etwas schwer, denn man muß vieles Gewohnte aufgeben. Vielleicht ist es möglich, das wir uns auch mal persönlich sprechen können, das ist besser als brieflich. Alles Gute …

Aus Magdeburg:
Rutherford kam zu uns im Mai 1925. Im Januar 1925 sollten Abraham, Isaak, Jakob und andere in Beth Sarim erscheinen. Sie kamen aber nicht. Wir hatten eine große Hauptversammlung in Magdeburg. Rutherford schaute sich um und - kaufte, trotzdem das Weltende vor der Tür stand - einen ganz Teil Gebäude in Magdeburg, um Bethel Magdeburg aufzubauen. Wir begannen zu bauen und vergaßen, das wir mit 1925 betrogen worden waren. So ist es mit 1975.
Brooklyn baut trotz des Weltendes. Wann werden die Brüder in der WTG erwachen?

CV-Anmerkung: Beth Sarim, "Haus der Fürsten", Villa der WTG in Kalifornien, USA, wurde von der WTG erst in den dreißiger Jahren gebaut für die "Fürsten" Abraham usw., die 1925 nicht gekommen waren, die aber dennoch "vor Harmagedon" kommen wurden. Siehe das -WTG-Buch "Die Neue Welt", S. 104, 1942.

Antwort auf Leserfragen
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir erhalten zur Zeit eine große Anzahl von Leserzuschriften Einen Teil davon haben wir beantwortet Es ist jedoch unmöglich, diese Zuschriften in den nächsten "CV" zu veröffentlichen. Auf diesem Wege möchten wir allen Absendern unseren Dank für ihre Mitarbeit aussprechen. Wir werden uns bemühen, Eure Wünsche zu erfüllen und sobald es uns möglich ist, werden wir Eure Zuschriften in "Christlicher Verantwortung" veröffentlichen.
Besonders freuen wir uns über die Post aus Berlin, Erfurt, Weimar und Suhl. Diese Zuschriften sind besonders wertvoll, weil sie uns zeigen, daß immer wieder ungeheuerliche Dinge in dieser Organisation geschehen.
Wir bitten, besonders die Absender aus den genannten Orten, um noch konkretere Angaben zu den betreffenden Ereignissen und Personen.

Interessante Mitteilung
Blutkult fordert wieder Todesopfer
Aus Krefeld wird berichtet:
11. Dezember 1969. Eine Frau starb, obwohl ein ein einziges Wort von ihr genügt hätte, um ihr Leben zu retten. Aber die Frau lehnte ab.
Drei Tage lang kämpfte die 50-jährige Frau im Krefelder Joseph-Hospital mit dem Tode. Der behandelnde Arzt, Dr. Wagner, berichtet: "Mehrere Bluttransfusionen hätten genügt, um die Frau zu retten. Die Patientin weigerte sich jedoch. Trotz aller Versuche konnten wir nichts dagegen tun. Aus religiöser Überzeugung lehnte die Patientin ab. Sie war Zeugin Jehovas."

Auch der Ehemann der Patientin verweigerte den Ärzten die Zustimmung für eine Bluttransfusion.
Dr. Wagner: "Zeugen Jehovas ist es streng untersagt, Blut in irgendeiner Form zu sich zu nehmen." Der Arzt weiter: "Für uns Mediziner ist es erschütternd, wenn ein Mensch auf diese Weise stirbt."

Kommentar:
In der Bibel gibt es kein Verbot einer Bluttransfusion. Das mußte selbst die WTG zugeben in Erwachet vom 8. Oktober 1950 in "Dein Wort ist Wahrheit". Und es ist verboten, über das geschriebene Wort hinauszugehen, 1. Kor. 4-6. Mit dem Verbot von Bluttransfusionen macht sich die Organisation deshalb bibelwidriger Menschenopfer für einen erst seit 1945 erfundenen Blutkult schuldig. Babylon-Buch, S. 544.

In 4. Mose 23:24 fordert Jehova das "Volk Gottes" sogar durch seinen Propheten dazu auf, Blut zu trinken!
Die sich und ihre Kinder lieber sterben lassen, indem sie Blutübertragung verweigern, gehen sinnlos in den Tod, eine Art religiös motivierten Mordes oder Selbstrnordes, eine Art Ritualmord.

Unsere Anschrift:
Studiengruppe Christliche Verantwortung'
Leiter: Wolfgang Daum
65 Gera
Böttchergasse 1

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