Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgabe
CV 33

Er hat sich nicht näher vorgestellt, jener Herr, der sich "Wolfgang Daum" nennt, und der ab dieser CV-Ausgabe in Nachfolge des Willy Müller, nunmehr als formaler Herausgeber jenes Blattes fungierte. Hatte es Müller immerhin geschafft, das Blatt im Zwei bis Drei-Monatsrythmus herauszubringen, so trat nunmehr erstmal eine größere Pause ein. Die letzte noch von Müller redigierte Ausgabe datierte vom Mai 1970. "Daum" hingegen konnte erst im Oktober 1970 seine erste Ausgabe vorlegen. Wenn man selbst von Kindheitstagen im Sinne der Zeugen Jehovas erzogen wurde, dann bildet man sich ja auch so seine Meinung über neue Bekanntschaften in diesem Kontext. Als ich den Herrn "Daum" kennenlernte, blieb bei mir nur ein kopfschüttelndes Staunen übrig, wieso ausgerechnet der, nunmehr Herausgeber der CV wurde.


Mir hat keiner diese Frage in einer für mich verstehbaren Form beantwortet. Weder zu DDR-Zeiten, noch in den ersten Jahren danach. So habe ich denn auch alsbald mit dem Kapitel "Daum" Schluss gemacht, und Ende 1972 meine bis dato partiell gegebene Mitarbeit an der Geraer CV, offiziell für beendet erklärt und auch nie wieder aufgenommen; obwohl es danach noch Versuche gab, mich dazu zu bewegen. Entweder mit Zuckerbrot oder mit der Peitsche.


D. hat vor einiger Zeit, in einer WTG-nahen Publikation ein paar Hinweise veröffentlicht, die es nun auch mir im Nachhinein erklärbar machen, weshalb gerade dieser Herr "Daum" CV-Herausgeber wurde. Danach ist er, der ursprünglich mal Karlheinz Simdorn hieß, zur Infiltration der Zeugen Jehovas, von der Stasi bei Westberliner Zeugen Jehovas eingeschmuggelt worden. Er ließ sich dort taufen und galt nunmehr als Zeuge Jehovas. Die Stasi hatte weitergehende Pläne. Am 20. 12. 1958 erfolgte im Westberliner Büro der Zeugen ein Einbruch, und das dazu benutzte Werkzeug der Stasi, war besagter Herr Simdorn.


Glaubt man D., war die Beute dieses Einbruches nicht sonderlich von Gewicht. Vielleicht sah die Stasi das ähnlich, denn ihren Agenten zog sie nun aus Westberlin zurück und verfrachtete ihn in die DDR nach Gera. Immerhin bekam er für seine "Verdienste" von der Stasi auch mal einen Orden verpasst. Hierbei widerspricht sich D. allerdings. Einmal sagt er, dies sei 1964 und zum anderen behauptet er, für den gleichen Fakt, es sei 1968 gewesen.


Wie auch immer. Sonderlich in Sachen Zeugen Jehovas ist Herr Simdorn in diesen Jahren wohl nicht in Erscheinung getreten. Seine Stunde diesbezüglich schlug erst wieder, als seine Hintermänner ihn zum Herausgeber der CV avancierten. Für diesen Rollenwechsel bekam er dann auch noch gleich einen neuen Namen, als "Wolfgang Daum". Sehe ich mir den Leitartikel in dieser CV-Ausgabe, der mit Wolfgang Daum gezeichnet ist, näher an, dann finde ich darin auch einen Satz wie den:
"Bekanntlich gehört es zur internationalen US-amerikanischen Politik der Globalstrategie, gegen die sozialistische bzw. kommunistische Staats- und Gesellschaftsordnung soweit wie möglich auch Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften einzuspannen, wie der USA-Bankier und Berater der USA-Regierung J. P. Warburg in seinem Buch "Deutschland - Brücke oder Schlachtfeld", S. 159 (Stuttgart 1949) offen darlegt."
Damit steht für mich fest, dass Daum diesen Artikel überhaupt nicht selbst verfasst hat. Genau dass ist doch die primäre Stasithese, die Pape in deren Auftrag formuliert. Hier haben wir wieder einmal ein weiteres Beispiel für das Marionettentheater auch in der CV.

Allerdings füge ich hinzu, der Substanzkern jenes Warburg-Zitates ist real. Nur - er erreicht nicht die "Antennenlänge", auf der die Zeugen Jehovas zu schweben belieben. Man kann etwas sachlich richtiges sagen, und trotzdem kommt es nicht an. Weil es die Befindlichkeit des Ansprechpartners nicht genügend berücksichtigt. Vorgenanntes ist auch ein Beispiel dafür.

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-80015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera


Nr. 33 Gera Oktober 1970


CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.


Was geht im Bethel in Wiesbaden vor?
Ein neuer westdeutscher Zweigdiener
Nach bisher bekanntgewordenen Einzelheiten kann auf die Anfragen über die Vorgänge im Wiesbadener Zweigbüro der WTG weitere Auskunft gegeben werden. Die Mitarbeiter von CV sind bemüht, ständig Näheres zu erfahren, was dann veröffentlicht wird. Gleichzeitig sei Dank ausgesprochen für alle Informationen in dieser Sache.


Wie bereits bekannt ist, hat WTG-Präsident Knorr, USA, den bisherigen westdeutschen Zweigdiener Konrad Franke, Wiesbaden, ab 1. 10. 1969 seines Dienstamtes enthoben. Franke hatte sich geweigert, mit Bezug auf 1975 irgendwelche Kompromisse anzuerkennen, wie sie von Brooklyn ausgehen, etwa 1975 nicht als unumstößlich und unanfechtbar zu verkündigen. Bekanntlich hatte WTG-Vizepräsident W. F. Franz, Brooklyn, USA, die Richtlinie ausgegeben, nur zu sagen, "es könnte 1975 sein", aber "wir sagen das nicht". (WT 1. 1. 1967) Franke hat überall gegen solche Kompromißreden den Grundsatz vertreten, 1975 sei letztgültig und endgültig, es gäbe da kein Wenn und Aber, kein Vielleicht und Könnte. Die Zeit mit Bezug auf "diese Generation" sei dafür zu weit vorangeschritten. Als untergeordnet kommt hinzu, das Franke offensichtlich für das Hauptbüro in Brooklyn den westdeutschen WTG-Zweig auch organisatorisch nicht mehr hinreichend in der Gewalt hat, um umsichgreifende Zersetzungserscheinungen auszumerzen. CV wird demnächst Berichte aus einer westdeutschen Versammlung über die tiefe Verstrickung Frankes in unlösbare innerorganisatorische Probleme und Skandale veröffentlichen, die das Hauptbüro ebenfalls alarmiert haben.


Mit der Einstellung zu 1975 war Franke für das Hauptbüro in den USA jedoch untragbar geworden. Denn eine unwiderrufbare Festlegung auf 1975 würde im Irrtumsfalle für die WTG eine unabsehbare Katastrophe bedeuten. Die WTG will es nicht zulassen, daß ihr Hauptbollwerk in Europa, der westdeutsche Zweig, einem solchen Risiko ausgesetzt wird. Wie mitgeteilt wird, ist nach Frankes Absetzung im Zweigbüro Wiesbaden eine große Spaltung eingetreten, weswegen ein Mantel des Schweigens ausgebreitet wird.


Der neue Zweigdiener in Wiesbaden ist Bruder Richard E. Kelsey. Bruder Kelsey ist Amerikaner und schon seit mehr als 15 Jahren als Sonderdiener des Hauptbüros in Brooklyn, USA, bekannt. Kelsey ist auch durch sein Auftreten auf verschiedenen Kongressen in Westdeutschland bekannt geworden. Auf dem Hamburger Kongreß 1961 sprach er am Mittwoch den 19. 7. 1961, zu dem Thema "Gib uns mehr Glauben". Auf der Bezirksversammlung vom 30. Juli bis 2. August 1964 in Westberlin war er als Kongreßdiener hauptverantwortlich für die gesamte Kongreßorganisation Am Freitag, dem 31. Juli, hielt er die Taufansprache "Die Taufe verrät Glauben".


Ein besonderer Programmpunkt dieser Westberliner Bezirksversammlung unter Regie von Kelsey war die "Theokratische Predigtdienstschule", in der u. a. auch die Methoden der antikommunistischen psychologischen Kriegsführung auf religiösem Gebiet im WTG-Bereich gelehrt wurden. In CV Nr. 6 unter dem Thema "Theokratische Kriegslist oder die WTG-Weisungen, Behörden und Gerichte der DDR zu belügen und zu täuschen", war nachgewiesen worden, daß diese Methoden unchristlich sind und in krassem Widerspruch zu 2. Kor. 4:2 NW stehen, wo den Christen jedes Wandeln in List untersagt ist. Der bisherige Sonderunterweiser in diesen Fragen ist der WTG-Zonendiener für Osteuropa und nun auch Mitarbeiter des neuen Zweigdiener R. E. Kelsey in Wiesbaden, W. Pohl.


Im Jahrbuch 1964 wird Richard E. Kelsey zusammen mit allen anderen Sonderdienern zum letztenmal genannt. Mit dem Jahrbuch 1965 hat die WTG die Sonderdienerlisten aus den Jahrbüchern entfernt, um eine Kontrolle über den WTG-Apparat seitens der Verkündiger und anderer soweit wie möglich auszuschalten. Unter vielen Sonderdienern hatte diese Maßnahme zu Unzufriedenheit geführt, weil sich die WTG nur verdächtig macht, wenn sie sich mehr und mehr jeder Kontrolle entzieht.


Auf Anfragen zur Absetzung von Konrad Franke hat zum Teil direkt auch der Zweigbüro-Mitarbeiter und WT-Redakteur Günter Künz geantwortet. Allerdings bestehen seine Antworten meist darin, zu erklären, das er jeden Kommentar verweigert. Es ist die bekannte Methode der WTG, am besten alles zu verschweigen. Das habe nach Äußerungen anderer leitender Brüder den Vorteil, daß niemand endgültige und zutreffende Schlußfolgerungen ziehen könne, da nichts Genaues bekannt sei. Es könnten so keine sicheren Entscheidungen für oder gegen die WTG getroffen werden. Es muß zugegeben werden, daß das immerhin doch die beste Methode ist, Entscheidungen gegen die WTG zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Es ist die bekannte Methode, über alles Gras wachsen zu lassen und auf die Vergeßlichkeit der Menschen zu hoffen.


Über den gegenwärtigen Zweigdienerwechsel sind nur ganz geringe Kreise höherer Diener informiert. Aber schon wenn nur drei Personen von einer Sache wissen, ist nicht mehr festzustellen wer derjenige ist, der die Verschwörung des Schweigens nicht mehr mitmacht.


Die WTG verfolgt mit der Einsetzung des Amerikaners Richard E. Kelsey eine ganz bestimmte Absicht oder Strategie Es läßt aufmerken, daß erstmalig kein deutscher Bruder den deutschen bzw. westdeutschen WTG-Zweig mehr leitet. Offensichtlich hat die zur Zeit im Hauptbüro vorherrschende Gruppe das Vertrauen in deutsche Brüder diesbezüglich völlig verloren. Es ist z. B. eine Tatsache, daß Zweigdiener Erich Frost (bis 1955) auf Grund seiner "unelastischen", antikommunistischen Haltung, weit über die vom Brooklyner Hauptbüro angewandten Methoden der Verbreitung des Antikommunismus hinausging. Zweigdiener Konrad Franke schießt nun fanatisch mit Bezug auf 1975 über das Brooklyner Hauptbüro hinaus. Er erkennt allerdings sehr richtig, daß Brooklyn mit Bezug auf 1975 wankelmütig ist und Kompromisse in der Hinterhand hat, damit 1975 nicht alles wie ein Kartenhaus zusammenfällt, wenn nichts passiert.


Für das Hauptbüro scheint daher offensichtlich zu sein, daß "die Deutschen" nicht zuverlässig sind, sowohl was die politische als auch was die religiöse Linie betrifft, die in der Verkündigung, Organisation und Arbeit einzuhalten sei. Vor allem haben sich "die Deutschen" als völlig unverständig für amerikanische "Taktik" und "Elastizität" erwiesen. Diese Erkenntnis scheint in Brooklyn nun endgültig zu sein, was zu dem Entschluß führte, keinen Deutschen, sondern nun einen Amerikaner als westdeutschen Zweigdiener einzusetzen.


Bekanntlich gehört es zur internationalen US-amerikanischen Politik der Globalstrategie, gegen die sozialistische bzw. kommunistische Staats- und Gesellschaftsordnung soweit wie möglich auch Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften einzuspannen, wie der USA-Bankier und Berater der USA-Regierung J. P. Warburg in seinem Buch "Deutschland - Brücke oder Schlachtfeld", S. 159 (Stuttgart 1949) offen darlegt.


Es ist jedoch nicht bekannt, daß irgendeine Religionsgemeinschaft einen derart primitiven und fanatischen antikommunistischen Kurs gefahren ist, wie die WTG besonders seit 1947 in Deutschland, und zwar in der Tat unter "deutscher Führung". Zu allem Überfluß mußte der "deutsche" Zweigdiener E. Frost sich dann im "sicheren" Westberlin hinstellen, und die "Kommunisten" als "Marionetten, Ungeziefer und Seuche" verhöhnen, die bald ausgerottet würden. Das läßt sieh alles dokumentarisch belegen. Nun treibt Konrad Franke die Sache mit 1975 auf die Spitze.


Wie lange will die WTG noch ihre Bibelverfälschungen zur Durchsetzung ihrer Politik des Antikommunismus beibehalten?
Weil sie ihre Bibelverfälschungen weiterhin aufrechthalten wollen, mußte jetzt ein grundlegender Wechsel in der Wiesbadener WTG-Führung vollzogen werden.



Mit der Übernahme des Wiesbadener Zweigbüros durch einen Amerikaner, Richard E. Kelsey, verbindet die WTG das Vorhaben, den westdeutschen Zweig fest in die Hand zu bekommen und sein religiöses und politisch-antikommunistisches Vorgehen zu sichern.
Wolfgang Daum


Der Brief des Apostels Paulus an die Römer
Eine biblische Studie
Wir brachten in "Christliche Verantwortung" des öfteren Erklärungen zum Römerbrief. Hiermit legen wir eine Studie vor, die bezeugt, wie Brüder und Schwestern in Beachtung der Worte in 2. Tim. 2:7, "suche dir den Sinn meiner Worte klar zu machen, der Herr wird dir schon Verständnis für alles geben, sich selbst über die Bibel Gedanken machen, um aus der "Unmündigkeit" herauszukommen, die ihnen der bedenkenlose WT-Gehorsam bedeutet, -
Eine ungewöhnliche Vorbemerkung:


"Dieser Brief ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das lauterste Evangelium, welches wohl würdig und wert ist, daß ein Christ nicht allein Wort für Wort auswendig wisse, sondern sich täglich damit befasse als geistiges Brot. Der Brief kann nie zuviel zum Wohle und zur Aufbauung gelesen werden. Je mehr er behandelt wird, je köstlicher wird er und je besser schmeckt er."


Mit diesen Worten hat Martin Luther in seiner ersten Ausgabe des von ihm neu übersetzten Neuen Testaments im Jahre 1552 seine Einleitung zum Römerbrief begonnen.
Darin muß man Luther recht geben: Der Römerbrief ist ein Schicksalsstück der Christen. Am Verständnis und an der Wertschätzung des Römerbriefes hat sich immer wieder das Schicksal der Christen entschieden, vor allem, was ihr irdisches Leben betrifft. In diesem Brief wird etwas ganz Besonderes und Entscheidendes am christlichen Glauben herausgearbeitet und in konzentrierter und lebhafter Form dargeboten.

Über die römische Christengemeinde, an die Paulus seinen Brief richtet, wissen wir nicht mehr, als was wir aus dem Römerbrief von Paulus herauslesen können. Die Christengemeinde ist nicht von Paulus, auch nicht von einem seiner Mitarbeiter, Timotheus, Silas usw. gegründet worden. Sie bestand bereits seit längerer Zeit und ist vermutlich dadurch entstanden, daß sich Christen aus verschiedenen Weltteilen in Rom, der damaligen "Welthauptstadt", zusammenfanden Die Christengemeinde bestand aus Juden und Nichtjuden. Sie hat durch die Kräftigkeit des Glaubenslebens weiterhin einen guten Namen, ohne deswegen eine führende Rolle gespielt zu haben. Wie aber kommt Paulus dazu, an sie einen Brief zu schreiben?
Der Apostel fühlt, daß seine Aufgabe im Osten größtenteils erfüllt ist. Der Ruf des Herrn weist ihn nach dem Westen. Über Rom will er nach Spanien reisen, und der Vorbereitung dieses seines ersten Besuches in Rom soll der Brief dienen. Die römische Gemeinde soll ihm bei seiner Spanienmission Hilfe leisten. Darum muß er ihr Vertrauen gewinnen und ihr klar machen, um was es bei der Verkündigung des Evangeliums geht. Daraus erklärt sich wahrscheinlich der lebhafte Charakter des Briefes. Wie in allen bekannten Paulusbriefen wird auch in diesem leidenschaftlich gerungen.

Er ist unter allen Paulusbriefen der am wenigsten zeitbedingte, der uns am meisten angeht, am unmittelbarsten, vor allem in irdischen Fragen. Ort und Zeit der Abfassung können wir zwar innerhalb der Geschichte des Paulus ganz, aber hinsichtlich der Jahreszahl nur annähernd genau bestimmen. Paulus steht vor seiner letzten Reise nach Jerusalem, wohin er den Spendenertrag, den er in Griechenland für die Armen der Urgemeinde gesammelt hatte, bringen will. Seine dritte Missionsreise liegt hinter ihm, sein Werk im Osten ist abgeschlossen. Das Datum schwankt darum zwischen den Jahren 54 und 58. Die WTG gibt das Datum mit "um 56" an. Der Ort der Abfassung ist sehr wahrscheinlich Korinth in Griechenland.

Der Aufbau des Briefes ist klar und einfach. Nach einer Einleitung, in der sich der Apostel vorstellt und mit der Gemeinde Fühlung sucht, geht er sofort zum ersten Hauptthema über: Die Erlösung durch Christus. Es folgt das zweite Hauptthema: Die Entfaltung der Erlösungsbotschaft von Jesus Christus. Dann folgen noch andere Teile: Fragen des damaligen Judenvolkes und Folgerungen für das praktische Leben. Das ist das Gerippe dieses Briefes. Aber was für ein Leben trägt es! Man erlebt eine ganz andere Welt als die einer sog. theokratischen Organisation mit ihrem Anspruch, Errettung nur mit ihr zu erlangen!

Doch man muß das im Geiste von 2. Tim. 2:7 selbst lesen, um es zu empfinden. Was für eine Macht des Geistes muß in diesem Paulus lebendig gewesen sein, daß er ein solches Werk in ein paar Nächten zu diskutieren imstande war. Der ganzen christlichen Lehre, allen christlichen Denken hat Paulus in diesen 16 Kapiteln den Stoff gegeben und den Weg gewiesen. Von des Menschen Elend und der göttlichen Hilfe, von des Menschen Laufen nach dem Ziel und von Gottes Weisheit und Erbarmen, von der Gabe Gottes an alle, die sie empfangen wollen, und von der Aufgabe, die aus dieser Gabe entsteht, ist hier das Grundlegende gesagt, so wie es vor und nach Paulus kein Apostel mehr gesagt hat. Und es ist merkwürdig, wenn man das liest, wie weit ist das doch alles entfernt von den Anforderungen und Leistungen, die die sog. theokratische Organisation als Erlösungsbedingungen verlangt. Warum nennt Paulus nicht einmal den Begriff "theokratische Organisation" Sollten wir über Paulus hinausgehen?
Lies dazu seine eigenen Worte in 1. Kor. 4:6.

Wenn man Paulus persönlich würdigen will, so könnte man sagen: Es gibt wohl kein Dokument religiösen Geistes, wo Leidenschaftlichkeit des Gefühls, Gewalt des Gedankens und Unerbittlichkeit des Willens so voneinander durchdrungen sind wie in diesem Brief. Beinahe eine vulkanische Urproduktion, wo alles glühend aus der Tiefe der Erkenntnis Gottes herausbricht. Man kann ihm nicht folgen, ohne daß das ganze Leben in Bewegung gerät. Paulus ist Evangelist. Auch dieser urchristliche Begriff ist typisch für die Abweichung des Geistes der sog. theokratischen Organisation. Sie hat selbst diese Benennung für ihre Diener ausgemerzt. Man empfindet, wie Paulus Bekehrer und auch Fürsorgender für viele ist. Er nimmt sich die Zeit in ein paar Nächten für eine Gemeinde, die er als Stützpunkt von Missionsausdehnungen gebrauchen will, die Summe der christlichen Lehre so zusammenzufassen, daß seitdem aus diesem nächtlichen Diktat ein unerschöpfliches Reservoir geworden ist. Aber mit allem ist die Hauptsache noch nicht gesagt. In diesem Briefe an die Römer liegt das Wort Gottes vor. Nun kommt es darauf an, ob der Leser, Bruder oder Schwester, darauf hört, direkt, unmittelbar. Und das muß wohl so und nicht anders sein.

Einleitend stellten wir fest, daß der Brief des Paulus zum Schicksalstück für Christen geworden ist. Für die sog. theokratische Organisation tun sich da zwei große Fragen auf, die schicksalhaft sind.
Wir wissen um die Falschauslegung dessen, was Paulus in seinem Brief im 13. Kapitel für das praktische Leben, für das irdische gesellschaftliche Existieren des Christen in Verbindung mit der "Obrigkeit von Gott" sagte. Tausenden wurden die falschen Auslegungen zum Schicksal. Und wir wissen auch, daß der Apostel Paulus selbst für das gesamte Zeitalter der Evangeliumsverkündigung die "irdische Hoffnung" schärfstens verurteilte. Philipper 3:17-19. Diese Worte sind zum Schicksal der gesamten sog. theokratischen Organisation geworden, die die Mehrheit der ihr Folgenden auf das Irdische richtet, was Paulus hier verurteilt. Die Furchtbarkeit besteht darin, daß sie das nicht erkennen. Sie hören nicht auf Paulus selbst. Seine Worte sind nicht wirklich für sie verbindlich und bestimmend, nur scheinbar. Die von Paulus gepredigte Hoffnung wäre ihnen persönlich ein Ärgernis.

Ist die Kluft zwischen der e i n e n Hoffnung, der himmlischen, die die Apostel einschließ1ich Paulus als Evangelium oder gute Botschaft lehrten (Epheser 4:1-6), und der abwegigen irdischen, die Paulus verdammt, die aber die Mehrheit der sog. theokratischen Organisation hegt, unüberwindbar geworden? Was für ein Schicksal würde das sein!

Indem Paulus überschaut, wie Gott das Christentum gegründet, seine Gnade zu allen Nationen ausbreitet, offenbart er uns Gottes Vorhaben. Wir müssen uns da an die Heilige Schrift halten, an die Hoffnung, die sie enthält, koste es, was es wolle, denn wir dürfen nicht über das geschriebene Wort Gottes hinausgehen, wie Paulus den Korinthern schrieb. 1. Kor. 4:6.
Sucht man sich tatsächlich den Sinn der Worte des Apostels klar zu machen, wie er es selbst fordert, dann muß sich sehr viel ändern. Die Gott in der Tat wahrhaftig sein lassen, werden diese Änderung vollziehen müssen.
Wir wünschen Euch, liebe Brüder und Schwestern, ein aufbauendes Studium des Römerbriefes und erwarten Eure Fragen oder auch Hinweise.
E. B. und B. M. und CV-Redaktion

Zwölf Jahre meines Lebens
von Gerhard Peters (7. Teil)
Zum Schluß des 6. Teiles:
Nachdem Gerhard Peters um des Dienstes willen und veranlaßt durch die vielen Schwierigkeiten in der Familie und in der Organisation seine berufliche Bergbaulaufbahn aufgegeben hatte, faßte er die Möglichkeit ins Auge, Westdeutschland zu verlassen, um sich mit seiner Frau in der DDR eine neue Existenz aufzubauen. Er beschloß dies im Einvernehmen mit seiner Frau. Seinen Urlaub wollte er benutzen, um zu seinen Eltern in die DDR zu fahren. Dieser Urlaub sollte aber hauptsächlich Klarheit für ihn bringen, wie für ihn die beruflichen Aussichten in der DDR sind. Ein fester Beschluß war also noch nicht gefaßt.

Am Abend vor seiner Abreise kommt aber ein Bruder vom Komitee der Versammlung Hamborn zu ihm und erklärt:
"Ich habe gehört, Du willst in die Ostzone reisen? Ist denn das die Möglichkeit? Andere Brüder verlassen die Ostzone und kommen zu uns in den Westen und Du willst dahin? Das kann doch nicht Dein Ernst sein! Das kannst Du doch Deiner Frau nicht zumuten! Das geht auf keinen Fall, und das kannst Du von Deiner Frau nicht verlangen. Ich werde zu jeder Zeit befürworten, daß Deine Frau unter diesen Umständen das nicht mitzumachen braucht!"
Ja, und dann wandte er sich an meine Frau und sagte: "Hannelore, unter diesen Umständen stimmen wir jeder Zeit zu, wenn Du Deinen Mann für immer verläßt."

Ich war sprachlos. Der Bruder ging dann, und meine Frau ging gleich mit ihm. Gegen den Osten ist jedes Mittel recht - eine der folgenschwersten politischen Verblendungen der Organisation …

Scheidung
Ohne sich zu äußern, war meine Frau an jenem Abend mit dem Bruder gegangen, und so nahm ich an, daß sie gewiß bald zurückkommen würde, denn sie wußte doch, daß ich bereits am anderen Morgen fahren wollte und sie wußte ja auch, daß dieser Urlaub nur informatorischen Zwecken dienen sollte. Was ich aber nicht wußte, war, das ich bereits fest im Netz saß, das man für mich gesponnen hatte.

Meine Frau kam aber weder am selben Abend noch am anderen Morgen wieder zurück. Trotzdem nahm ich das nicht weiter tragisch und dachte mir: "Jetzt fährst du erst mal für 10 Tage in Urlaub und wenn du dann zurück kommst, werden sich die Wogen gewiß wieder geglättet haben. Bernhard Josefowski redet oft viel, wenn der Tag lang ist, und auch er wird einsehen, daß er das, was er mir gesagt hat, gar nicht verantworten kann.

Noch nie hatte ich mich so auf einen Urlaub gefreut wie diesmal, denn nach all den Ereignissen in der letzten Zeit glaubte ich, daß mir ein paar Tage der Entspannung wirklich gut tun würden.
Zu Hause angekommen in der DDR bei meinen Eltern empfing mich auch gleich diese wohltuende Atmosphäre, nach der ich mich so sehr gesehnt hatte. Mutterliebe ist nun mal etwas, was durch nichts in der Welt ersetzt werden kann, und so sagte ich dann eines Tages zu meiner Mutter: "Mama, weißt Du, am liebsten würde ich für immer hierbleiben und ganz von vorn beginnen."

Selbstverständlich stimmte mir meine Mutter erfreut zu. Aber im Leben spielen nun mal andere Dinge oftmals eine größere Rolle als alle persönlichen Wünsche. Auf keinen Fall wollte ich meine Familie im Stich lassen, und ich wollte auch nichts ohne die Einwilligung meiner Frau tun. Also schrieb ich noch am selben Tage an meine Frau und teilte ihr auch gleich mit, das man mir in der der DDR sehr gute berufliche Angebote gemacht hätte. Ich schrieb ihr aber auch, daß ich diese Angebote jedoch nur mit ihrem Einverständnis annehmen würde. Wenn nicht, käme ich nach Ablauf meines Urlaubs wieder zurück.

Nach einigen Tagen antwortete mir dann auch meine Frau, und diese Antwort bestand aus einem winzigen Zettel, auf dem nur ein Satz geschrieben stand: "Mache was Du willst, ich habe die Scheidung eingereicht."
Wie vom Donner gerührt konnte ich im ersten Moment nur denken: "Ist sie denn noch klar bei Verstand? Dieser Schritt kostet sie doch die Gemeinschaft. Ist sie denn ganz und gar von Gott verlassen, daß sie so etwas macht?"

Zwischen uns war doch weder Ehebruch noch sonst etwas vorgefallen, was eine Scheidung rechtfertigen könnte.
Es gab für mich damals nur eine Erklärung, und die war, daß meine Frau vom Glauben abgefalllen war. Etwas anderes konnte ich mir einfach nicht vorstellen, denn eine Scheidung zwischen gläubigen Partnern war mir einfach unvorstellbar. Wohl spricht die Bibel von einer Trennung, die im beiderseitigen Einvernehmen vollzogen werden kann. Sie warnt aber gleichzeitig vor so einer Trennung, weil sie nicht Gottes Willen entspricht und dadurch beide Partner in große Gefahr bringt (siehe 1, Kor. 7:10-16, Matth. 5:31, 32, Mark. 10:11, 12, Eph. 5:22-33, 1. Petr. 3:1-7 usw.)

Nach den theokratischen Grundsätzen trieb meine Frau hier Rebellion im wahrsten Sinne des Wortes, und hier hätte es von seiten der WT-Organisation nur eines geben können: "Gemeinschaftsentzug."
Aber gerade das wollte ich auf alle Fälle verhindern, denn ich liebte meine Frau trotz allem noch unsagbar. Ja, sie war mir wirklich Fleisch von meinem Fleisch, und ich glaubte einfach, nicht mehr ohne sie leben zu können. In unserer Ehe hatte es ja nicht dauernd Meinungsverschiedenheiten und Streit gegeben, sondern wir hatten doch auch viele glückliche Stunden gemeinsam verlebt. Kurz und gut gesagt: Ich konnte das alles damals gar nicht fassen.
Ich habe damals sofort meinen Urlaub abgebrochen und bin zurückgefahren, um noch zu retten, was zu retten ist.

Gemeinschaftsentzug
In Hamborn angekommen, ging ich zunächst zu meiner Schwester, um mit ihr den ganzen Sachverhalt zu besprechen Auch sie war völlig schockiert und sagte: "Ja, ist denn Deine Frau völlig verrückt geworden? Sie kann doch so etwas nicht machen! Da entziehen sie ihr doch in der Versammlung glatt die Gemeinschaft!"

Ich blieb dann noch bei meiner Schwester zum Abendbrot. Auf einmal klingelt es, und als meine Schwester die Tür öffnet, stehen da Bruder und Schwester Bretzke und bitten meine Schwester um Einlaß. (Diese beiden Geschwister kamen zu jener Zeit oft zu meiner Schwester und führten mit ihr ein Studium durch). Sie kamen also herein, gaben meinem Schwager die Hand und mir nickten sie nur zu.

Ich dachte mir natürlich gleich: "Nanu, was ist denn hier los?" Früher waren wir ein Herz und eine Seele - hatten zusammen musiziert, und waren auch sonst freundschaftlich miteinander verbunden, und nun gaben sie mir nicht einmal die Hand?
Verwundert frug ich sie darum: "Sagt mal meine Lieben, geschah das mit Absicht, das Ihr mir nicht die Hand gebt, oder war das nur ein Versehen?" Ich merkte ihnen richtig an, wie peinlich ihnen diese Frage war und nach einigem belanglosen hin und her sagte dann plötzlich Bruder Bretzke: "Einmal wirst Du es ja doch erfahren: Man hat Dir am letzten Sonntag die Gemeinschaft entzogen!"

Ich habe in diesem Moment ganz entgeistert dreingeschaut, denn was da plötzlich gesagt wurde, war so unfaßbar, daß es mir die Stimme verschlug. Man muß sich das einmal vorstellen, denn was mir da plötzlich gesagt wurde, war doch vergleichbar mit einem Todesurteil. Genau das, wovor ich meine Frau bewahren wollte, war nun mir zuteil geworden. Das Schlimmste von allem war aber, daß mir Bruder Bretzke nicht einmal sagen konnte, warum man mir die Gemeinschaft entzogen hatte, denn eine Begründung war in der Versammlung gar nicht angegeben worden.

Den einzigen Rat, den mir Bruder Bretzke an jenem Abend geben konnte, war: "Wir wissen, wer in Deiner Ehe der wirkliche schuldige Teil ist, und wir wissen darum auch, daß Dir sehr grobes Unrecht zugefügt worden ist. Verliere nun nicht den Kopf, sondern trage alles mit Demut und setze Dein ganzes Vertrauen auf Jehova, denn nur er allein kann Dir jetzt noch helfen und Gerechtigkeit widerfahren lassen." Weiterhin gab mir der Bruder Bretzke noch den Rat, trotz allem, was geschehen war, die Versammlungen weiterhin zu besuchen.

Um der Gerechtigkeit und der Liebe willen hatte ich mich den Zeugen Jehovas angeschlossen, und nun traf mich gerade zu dem Zeitpunkt, wo ich am tiefsten von dieser Lehre durchdrungen und überzeugt war, dieser vernichtende Schlag.
Es folgten nun für mich sehr schwere Stunden und Tage - wohl die schwersten in meinem bisherigen Leben, denn ich glaubte ja damals noch fest daran, daß jede Handlung der WT-Gesellschaft von Jehova inspiriert und gutgeheißen wurde. Direkte Zweifel kamen mir erst viel später, nachdem ich bereits wieder in die Organisation aufgenommen worden war. Aber davon später …

Ich befolgte also den Rat des Bruders Bretzke und besuchte bereits am folgenden Sonntag das Wachtturmstudium, und noch heute - während ich dies schreibe - erfaßt mich Zorn und Abscheu, wenn ich an meine damalige Situation zurückdenke, denn fast jeder Blick von über 100 Augenpaaren traf mich wie ein Peitschenhieb, als ich den Versammlungsraum betrat, und obwohl niemand etwas sagte, konnte man doch aus allen Blicken das gleiche lesen: "Ja, schämst Du Dich denn nicht, hier noch herzukommen … ?" Am liebsten wäre ich sofort wieder umgekehrt, aber der Wille, durch Demut zu beweisen, daß ich nicht derjenige bin, für den man mich allgemein hielt, war doch stärker, und so drückte ich mich dann wie ein geprügelter Hund auf die hinterste leerstehende Bank.

Nach der Versammlung bin ich dann aufgestanden und bin zu Bruder Kolpatzek, dem Versammlungsdiener, gegangen Ich frug ihn: "Entschuldige bitte, aber kann ich Dich vielleicht mal sprechen?"
Zuerst tat er so, als habe er nichts gehört und erst als ich meine Frage noch einmal stellte, sah er auf und sprach: "Ich glaube kaum, daß Sie und wir noch etwas miteinander zu besprechen haben!" Ja, und dann drehte er sich einfach um und ging weg. Ich empfand in diesem Moment weder Zorn noch gekränkten Stolz, sondern, was mich dazu bewog, einfach stehen zu bleiben, um ihn noch einmal anzusprechen, war weiter nichts als nackte Verzweiflung.

Als er dann wenig später wieder an mir vorbei ging, sprach ich ihn einfach noch einmal an: "Wenn Ihr mir schon die Gemeinschaft entzogen habt, dann könnt Ihr mir doch wenigstens die Gründe nennen, die Euch dazu bewogen haben. Und außerdem ist es doch nicht in Ordnung, daß Ihr mir die Gemeinschaft während meiner Abwesenheit entzogen habt. Ihr hättet mich doch wenigstens erst einmal anhören müssen."

Er überging meine Einwände einfach und erklärte mir mit eiskaltblickenden Augen: "Wir haben es gar nicht nötig, Ihnen noch irgendwelche Auskünfte und Erklärungen zu geben! Sie können herkommen und die Versammlungen besuchen, wie das auch jeder andere Weltmensch kann, denn dieses Recht wollen und können wir Ihnen nicht verwehren, aber ansonsten haben Sie überhaupt keine Rechte mehr hier." Damit war ich in Gottes Organisation abgefertigt. Ich konnte es nicht fassen.
Erst der Bruder Bretzke hat dann später Erkundigungen für mich eingezogen, und von ihm erfuhr ich dann auch die Gründe meines Gemeinschaftsentzuges: "Grobe Vernachlässigung und böswilliges Verlassen der Familie."

Meine Frau hatte meine Abwesenheit ausgenutzt - und der Bruder Josefowski hatte sie dabei noch kräftig unterstützt - und hatte den Brüdern erklärt, ich sei einfach in die "Ostzone" gefahren und hätte sie und das Kind sitzen lassen.
Der Bruder Bretzke und auch seine Frau waren damals die einzigen, mit denen ich mich richtig aussprechen konnte, und denen erzählte ich auch den wahren Sachverhalt mit meiner Reise in die DDR, und diese Brüder sahen auch ein, daß mir hier sehr großes Unrecht - von Leid gar nicht zu sprechen - zugefügt worden war.

Die Tatsache, daß ich ja - ohne von meinem Gemeinschaftsentzug zu wissen - wieder zurückgekommen war, war für sie bereits schon Beweis genug, daß meine Frau und auch ihre Eltern mal wieder in gröbster Weise gelogen hatten. "Außerdem", so sagte ich ihnen noch, bin ich nicht von meiner Frau weggegangen, sondern sie hat mich böswillig verlassen."
Für den Bruder Bretzke bekam nun die Sache natürlich ein ganz anderes Bild, und jetzt war es so, das er mir riet, nun nicht eher locker zu lassen, bis die volle Wahrheit an den Tag gekommen ist. An einem der folgenden Sonntage erreichte ich es dann auch, noch einmal mit dem Bruder Kolpatzek zu sprechen.

Ich sagte: "Werner das stimmt doch alles nicht, was gegen mich vorgebracht wird. Selbstverständlich war unser Eheverhältnis nicht in Ordnung, aber das wurde doch schon vor einem halben Jahr offensichtlich, woran das liegt. Du kennst doch die Sache mit dem Wirtschaftsbuch meiner Frau, wodurch ihre ganzen Lügen gegen mich vor dem Komitee zusammengebrochen sind. Ich habe nie unordentlich gelebt, sondern ich habe schwer gearbeitet und mich immer beschieden und auf alles verzichtet. Auch habe ich mich nie herumgetrieben, und meine Familie hat immer ihren Unterhalt gehabt. Übrigens habt Ihr ja noch das Wirtschaftsbuch von meiner Frau und könnt Euch zu jeder Zeit erneut davon informieren, daß in bezug auf die Versorgung meiner Familie von mir keinerlei Vernachlässigungen begangen wurden."

Bis hierhin ließ mich der Bruder Kolpatzek ruhig sprechen, doch als ich von dem Wirtschaftsbuch anfing, unterbrach er mich plötzlich und sagte: "Von einem Wirtschaftsbuch ist mir aber nichts bekannt. Wenn wir solch ein Buch gehabt hätten von Ihnen, dann wüßten wir das, und dann müßten wir das ja auch haben."
Ich erwiderte: "Das Buch muß doch aber da sein! Frage doch mal den Bruder Josefowski, der damals mit im Komitee war, als die Aussprache geführt wurde."

Er holte den Bruder Josefowski heran und sagte zu ihm: "Sag mal, Bernhard, weist Du etwas von einem Wirtschaftsbuch, das damals angeblich von uns einbehalten wurde?" "Nein", antwortete er, davon ist mir nichts bekannt."
Ich fand keine Worte mehr. Es ging in diesem "theokratischen" Komitee wirklich zu wie nach dem weltlichen Sprichwort: "Eine Krähe hackt der anderen nicht die Augen aus." Hemmungslos verleugneten sie, was sie genau wußten. Doch damit hatte ich aber jeglichen Beweis verloren, daß ihre Anklage wegen Vernachlässigung meiner Familie nicht stimmte. Bitter bereute ich nun, damals dieses Buch nicht wieder zurückgefordert zu haben, und was sollte ich nun gegen die falschen Zeugen vorbringen. Es war wie eine bösartige Abmachung gegen mich, mir die Gemeinschaft zu entziehen und meiner Frau eine Rechtfertigung dafür zu verschaffen, mich zu verlassen und eine Scheidung herbeizuführen.

Es stand alles in krassem Gegensatz zu dem, was uns immer wieder gepredigt und eingetrichtert wurde, nämlich, daß sich eine Schwester nicht einmal von einem weltlichen Ehemann scheiden lassen soll, wenn kein Ehebruch vorliegt Nur wenn dieser Mann es wünscht, dann kann sie ruhig gehen. Ansonsten soll sie das ungleiche Joch als Prüfung tragen. Bei mir war es aber genau umgekehrt . Ich gab mir doch die größte Mühe, nicht nur ein guter Christ, sondern auch ein guter Ehemann und Familienvater zu sein. Meine Frau hatte also keinerlei "theokratisches" Recht auf ihrer Seite. Sie und ihre Helfershelfer konnten es also nur mit Lügen größten Kalibers schaffen.

Ich stellte mir natürlich damals immer wieder die Frage, wie das alles möglich ist, und ich unterdrückte sofort jeden Gedanken, daß diese Zustände in der Hamborner Versammlung ein Maßstab für die ganze Organisation sein könnten, denn ich kannte ja nur die Praxis des Teiles der Organisation, mit dem ich verbunden war.

Politische Verblendung Hauptursache
In Wahrheit war es ihnen aber ein Dorn im Auge, daß ich den Wunsch geäußert hatte, in die DDR zu gehen. Das war der ganze Hintergrund dafür, daß das Komitee und die verantwortlichen Brüder diesen ganzen Lug und Trug gegen mich mitmachten. Sicher war ihnen ein Mensch - noch dazu ein Bruder - der aus dem Westen in den Osten will, das Schlimmste, was ihnen passieren konnte. In solchem Fall hielten sie selbst Lügen, Verdrehungen und Verleumdungen für tragbar, was sie offenbar als das kleinere übel in solchem Falle sahen. Zu den Kommunisten gehen - in die DDR - wo die Organisation verboten ist! Ist das nicht irgendwie verdächtig? Kam er nicht aus der DDR? Und nun wieder zurück? Der ganze Haß gegen den "Osten", wie er in der Organisation herrschte, fand hier einen Gegenstand zwar unklar, unausgesprochen, nur hintergründig, doch undurchdringlich und unüberwindlich, so daß kein Weg zu einer Verständigung führte. Ich hatte gesagt, ich wollte in die DDR - wann und wie war völlig zweitrangig. Ich hatte den Wunsch geäußert, und das genügte, mich mit jeder brauchbaren Lüge fertig zu machen und aus der Organisation auszuschließen.

Ich bin überzeugt, daß es nur ihr dumpfes, antikommunistisches Gefühl war, das hier vorherrschte, denn es gab keine Beweise für solch hintergründiges Verhalten. Aber in Fragen des "Ostens" sahen sie alle buchstäblich erst einmal "rot", was jede Sachlichkeit unmöglich machte. Nicht einmal mein Argument hatte die geringste Wirkung, daß dort auch Brüder sind - daß dort sogar die "Front" ist, wohingegen es in Westdeutschland ein Leichtes ist, ein Zeuge zu sein. Ihr Antikommunismus lies sie selbst das nicht begreifen. Lieber sanktionieren sie "theokratisch" jede Lüge und Verleumdung gegen mich. Es war die Frucht der Grundtorheit des Antikommunismus, wie er durch die politischen Äußerungen in der Literatur der Organisation und durch die Leitung der Wachtturmgesellschaft in jener Zeit besonders hervorgebracht wurde.

Ich wollte in die DDR, und da war jedes Mittel gegen mich recht. Ob man da einem Menschen Unrecht tut, spielt keine Rolle. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, was für ein Unrecht begangen wurde, den Verantwortlichen, die dieses Unrecht praktizierten, passierte nichts. Was tut's wenn dabei Unschuldige zugrundegerichtet werden, wie ich zum Beispiel. Das schlägt Wunden, die zwar vernarben können. Aber im Vertrauen darauf, daß dies eine Organisation ist, die von Gott geleitet ist, nagt das in gefährlicher Weise. Es blinkt durch solche Geschehnisse immer wieder ein Licht auf, das es im Grunde genommen ist, wie in anderen menschlichen Organisationen - ein Menschenwerk - nichts weiter. Wenn sich solche Beweise häufen, dann fehlt eines Tages nur noch der besondere Anstoß, und ein Kartenhaus bricht zusammen Aber das ist ein längerer Prozeß.
Noch war das jedoch außerhalb jeder Möglichkeit für mich. Dann kam ein Tag der Entscheidung: DDR oder nein?
Fortsetzung folgt.

Es kann sich niemand der Verantwortung entziehen
Ein ernstes Wort an alle Diener
Die Entwicklung geht auch an Jehovas Zeugen nicht vorbei Sie leben in einer sozialistischen Gesellschaft, sie sind auf ihre sozialen Dienste angewiesen. Die WT-Verkündigung mit ihrer Forderung, jede gesellschaftspolitische Mitverantwortung abzulehnen, kann deshalb weder persönlich noch öffentlich hingenommen oder gar angenommen werden.

Dieses Problem kommt in erster Linie auf die Diener zu, auf die Bruder und Schwestern, die in der Organisation die verschiedenen Dienstämter innehaben. Sie sind die Hauptverantwortlichen für das Verhalten der Verkündiger Dabei spielt es keine Rolle, daß sie auf den WT oder die WTG verweisen, wenn es um die Verantwortung dafür geht, wie und was gepredigt wird. Die Schrift kennt keinen "Wachtturm" und keine Wachtturmgesellschaft. Sie kennt nur die unmittelbare Verantwortung eines jeden Tun und Lassen vor Gott. "Wer bist du, daß du ein einen anderen richtest? Er steht und fällt seinem seinem eigenen Herrn." Römer 14:4 NW. Jeder steht oder fällt somit - letztlich in eigener Verantwortung. Es sei hier eingefügt, daß Jehovas Zeugen, obwohl sie vielfach beruflich mitten im sozialistischen Aufbau stehen und ihn praktisch mitverwirklichen, wohl am wenigsten diese Wirklichkeit durchdrungen oder verstanden haben. In der Hauptsache deswegen, weil die Leitung der Zeugen Jehovas in Wiesbaden bzw. Brooklyn, USA, durch die dort entwickelte Verkündigung und Bibelauslegung bewußter sozialer Mitverantwortung ständig antikommunistisch entgegenwirkt.

Widersprüche erkennen
Auch Jehovas Zeugen brauchen die Gesellschaft, den Staat, in diesem Fall den sozialistischen Staat, die sozialistische Ordnung. Sie bauen diese Ordnung beruflich sogar mit auf. Es ergibt sich die Schlußfolgerung, daß sie sich einfach nur der Bedeutung, Auswirkung, Folgen, Erfordernisse und Notwendigkeiten ihres sozialen Lebens inmitten der Wirtschafts- und Staatsordnung, ohne die auch sie nicht existieren können, bewußt werden müssen. Wird ein Zeuge Jehovas krank, geht er zum Arzt oder ins Krankenhaus und läßt sich behandeln. Er nimmt also die Vorkehrungen, die der Staat getroffen hat, in Anspruch. Warum wendet er sich nicht um Hilfe an die Wachtturmgesellschaft Braucht er eine Wohnung, geht er zur Wohnraumbehörde, wird er alt und pflegebedürftig nimmt er staatliche Rente, Kuraufenthalt oder andere Dienste in Anspruch und er tut gut daran, denn von Hilfe der WTG für Alte und Gebrechliche hat man noch nie etwas gehört. Wenn es in deinem Haus brennt, rufst du die Feuerwehr. Bemerkst du, daß ein Dieb nach deinem Eigentum trachtet, wendest du dich um Hilfe an die Polizei.

Wie können die Zeugen Jehovas angesichts dieses Angewiesenseins auf solche Ordnungen sich und anderen laufend predigen, jedes bewußte Eintreten hierfür und jede Übernahme von Verantwortung hierfür, was notwendigerweise Politik ist, abzulehnen?
Wo dieser Widersinn bisher tatsächlich nicht erkannt wurde, sollen diese Zeilen dazu beitragen, daß sich die Diener und alle Verkündiger ihrer Verantwortung bewußt werden. Wer sich aber dessen bewußt ist, daß er und alle anderen Bürger die Staats- und Gesellschaftsordnung brauchen, daß es notwendig ist, deshalb Menschen mit der Schaffung und Aufrechterhaltung solcher Ordnung zu betrauen, aber dennoch öffentlich predigt, es sei falsch, solche Verantwortung zu übernehmen, wie es Jehovas Zeugen bei den DDR-Kommunalwahlen am 22. März 1970 wieder demonstriert haben, spielt ein moralisches und politsches Doppelspiel.

Es muß aber gesagt werden, daß die einfachen Zeugen Jehovas und die Diener in den Versammlungen die Wirklichkeit falsch einschätzen. Sie sind sich deshalb ihrer eigentlichen staatsbürgerlichen Mitverantwortung, herrührend aus ihren sozialen Rechten und Ansprüchen, nicht recht bewußt. Es ist eine Art Zurückbleiben hinter der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sie längst praktisch mitgestalten.

Schöpfungsbedingte Rechte und Interessen
Im Prinzip ist die Sache sehr einfach zu bewältigen. Der WT selbst ist einmal den Dingen sehr nahe gekommen, als er sich gezwungen sah, die Frage "Persönliche Interessen des Menschen" zu behandeln. (WT 15. 9. 1956, Nr. 18, Wiesbaden). Gewisse Ausführungen dieses WT können' der Ausgangspunkt sein, die Situation ehrlich und unvoreingenommen einzuschätzen. Der "Wachtturm" führte mit Bezug auf alle Menschen, unabhängig von ihrem jetzigen Glauben, aus:

"Die Neigungen zu gewissen fundamentalen Interessengebieten sind jedem Mann und jeder Frau eingepflanzt, gemäß ihrer menschlichen Natur, die von ihrem Schöpfer entworfen wurde. Es zeigt sich, daß er (der Mensch), wo er sich auf Erden befinden mag, von Natur aus die gleichen grundlegenden Interessen hat, weil nämlich alle Menschen von dem gemeinsamen Ahnen Adam abstammen. Solche ihnen von Gott in ihrer Urform eingepflanzten Interessen tragen den Stempel der rechtlichen Anerkennung Gottes, und dies als Rechte, die ihnen von Gott übertragen worden sind." (S. 559, Abs. 2). Dann führt der WT aus, daß aus diesen grundlegenden Interessen, die Gott einpflanzte, Naturgesetz genannt, die gesellschaftspolitische Ordnung hervorgeht, die der Mensch schafft. Der WT zeigt das, indem er sich auf die gesellschaftspolitische Ordnung Englands als Beispiel bezieht und dazu die "Commentaries on the Laws of England" (Kommentare zu den Gesetzen Englands) von Wm. Blackstone, Band I, S. 26, und "Bouviers Law Dictionary" (Bouviers Gesetzwörterbuch) von 1934, S. 671, zitiert. \Der WT zitiert: "Rechte, die der Mensch auf Grund des Naturgesetzes besitzt".

"Da der Mensch in allem unbedingt von seinem Schöpfer abhängig ist, ist es notwendig, daß er sich in allen Punkten dem Willen seines Schöpfers anpasse. Dieser Wille seines Schöpfers wird Naturgesetz genannt. Denn als Gott den Menschen erschuf, und ihm für sein Verhalten auf allen Gebieten des Lebens den freien Willen ließ, legte er gewisse unwandelbare Gesetze für die menschliche Natur fest." (S. 560, Abs. 3)

Weiter zitiert der WT: "Dieses Gesetz, daß Gott allen Menschen vorgeschrieben hat, nicht durch irgendeine formelle öffentliche Bekanntmachung, sondern allein durch das innere Diktat der Vernunft… (Diese) Gesetze der Natur mögen auf sechs reduziert werden, nämlich: 1. relativer Scharfsinn oder relative Vernunft, 2. Liebe zum Ich, 3. gegenseitige Anziehung der Geschlechter, 4. Zärtlichkeit der Eltern gegenüber ihren Kindern, 5. religiöses Empfinden und 6. Geselligkeitstriebe." (S. 560, Abs. 4)

Gründliches durchdenken
Mögen besonders die Diener durchdenken, was der WT selbst zum 2. und 6. dieser erwähnten Naturgesetze ausführt, die den Kern oder Sinn der hier erörterten Probleme berühren.
Das zweite Naturgesetz ist das der Liebe zum Ich. Die Bibel bestätigt das Vorhandensein dieses Grundprinzips in der menschlichen Natur, das Gott in sie gelegt hat. Es steht geschrieben: Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst. (3. Mose 19:18, NW). Dieses starke Recht auf Liebe zu sich selbst drängt jeden Menschen, an die eigene Bewahrung zu denken, an Schutz vor Schädigung von Leib und Leben, an die Vermeidung all dessen, was ihn verletzen könnte, und an die Vorsorge für all das, was zu seiner Weiterexistenz notwendig ist. Diese Interessen für das eigene Ich umfassen ein weites Gebiet und rufen ihrerseits das menschliche Interesse für viele weitere Gebiete wach.

Eine gesunde Liebe zum Ich oder ein mäßig entwickeltes Interesse an sich selbst ist gut und richtig.
Wo aber die Liebe zu sich selbst oder die eigenen Interessen dermaßen gepflegt werden, daß der Nächste oder Mitmensch ausgeschaltet wird, hat man sich auf einen schlechten Weg begeben. Dies führt zu Schwierigkeiten und Fehlern, für die man sich zu verantworten hat. Man muß dies in Form von Gegnerschaften bezahlen, in Form von Strafen, die zu einem unglücklichen Zustand führen. (S. 560 f, Abs. 8, 9)

"Das letzte der sechs Naturprinzipien, die dem Menschen innewohnen und seine persönlichen menschlichen Interessen berühren, ist jenes der "Geselligkeit". Das Bedürfnis, das der Mensch hat, in Geselligkeit zu leben, ist eines der Urgesetze der Natur, von denen sich unsere Pflichten und Rechte herleiten, und die Existenz einer Gesellschaft hängt von der Bedingung ab, die Rechte aller Menschen zu respektieren. Kein normaler Mensch wünscht das Leben eines Einsiedlers zu führen und für sich allein in einer Klause zu leben. Wo solch soziale Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen." (S. 562 f, Abs. 15).

Was ergibt sich, wenn man diese WT-Ausführungen etwas gründlicher durchdenkt? Es ergeben sich für Jehovas Zeugen erstaunliche Schlußfolgerungen! Nämlich: Die Zugrundelegung der sozialen Interessen aller Menschen ist Naturgesetz und für einen Christen Gottes Wille. Das nicht zu beachten, muß ins Unglück führen. Diese Interessen wiederum erfordern gesetzliche menschliche Ordnung in Form von Gesetzgebung, Staat und Verwaltung. Das gilt für Christen wie für Nichtchristen gleichermaßen.

Die Dinge vom Kopf auf die Füße stellen
Die WT-Verkündigung verneint das Recht aller Menschen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, um die Existenz von Gesellschaft oder Staatsordnung zu sichern, wie die Wahlverweigerungslehren und der Antikommunismus der WTG sichtbar machen.

Jehovas Zeugen werden damit angeleitet, die Fundamente der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung anzugreifen, auf die sie selbst in Gemeinschaft mit ihren nichtchristlichen oder andersgläubigen Mitmenschen angewiesen sind. Denn, und der WT gibt das zu, "die Existenz der Gesellschaft hängt von der Bedingung ab, die (sozialen) Rechte aller Menschen zu respektieren."
Es muß allen Dienern endlich klar werden: Die sozialen Lebensinteressen und ihre Sicherung sind die Voraussetzung für alles, weil sie der Menschen - Christen wie Nichtchristen - physische Existenz bedeuten.

Die Diener vor allem müssen sich weiter unerbittlich vor Augen halten: Die Menschen, auch Jehovas Zeugen, müssen erst essen, trinken, sich kleiden, wohnen, arbeiten, sich bilden, d. h. sich zuerst eine soziale Lebensgrundlage schaffen, ja eine materielle Grundlage, bevor sie Philosophie, Wissenschaften, Religion, Gottesanbetung und damit Verkündigung und ähnliches betrieben können. Ist denn das nicht zu begreifen?

Keine verantwortliche Gesellschaft kann tatenlos zusehen, wenn ihren Bürgern gepredigt wird, die Dinge auf den Kopf zu stellen, nämlich: Religion und Gottesanbetung zu betreiben, dabei so wenig wie möglich zu arbeiten und jede soziale d. h. politische Verantwortung für die Sicherung der physischen Lebensinteressen durch Staat und Ordnung abzulehnen bzw. zu verneinen.

Es kommt also darauf an, daß sich vor allem die verantwortlichen Diener der Zeugen Jehovas auf die allgemeine soziale Verantwortung besinnen, die schöpfungsbedingt auf allen Menschen ruht, unabhängig von ihrem heutigen Glauben. Natürlich steht das im Widerspruch zur WT-Verkündigung, wonach jede gesellschaftspolitische Mitverantwortung abzulehnen sei. Aber diese WT-Verkündigung ihrerseits steht im Wiederspruch zu den allen Menschen von Gott ursprünglich verliehenen natürlichen und sozialen Rechten und Pflichten!

Wundere sich niemand über die Schärfe des Widerspruchs, den Jehovas Zeugen, ob ihrer Mißachtung dieser ursprünglich von Gott verliehenen Interessen, erfahren. Von der Allesbegründeten dieser Gegebenheiten heißt es in der Schrift sie sei "stark wie der Tod" und ihre Leidenschaft "sei unbezwinglich wie das Totenreich", ihre Gluten sind Feuersgluten, eine Flamme Jehovas"! (Hohelied 8:6).

Liebe Brüder und Schwestern! Vergleicht bitte die in diesem Artikel enthaltenen Argumente mit Euren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Diese Zeilen sollen Euch helfen, Eure Verantwortung gegenüber Euren Mitmenschen zu erkennen!
D. J.

Spendenkasten und bescheidene Spende
Die Leitung der Wachtturmgesellschaft bemüht sich immer hervorzuheben, daß in ihren Versammlungen keine Kollekten eingesammelt werden. Aber ohne Geld kann auch sie nicht leben. Trotz ihres kolossalen Reichtums ist sie bemüht, diesen Reichtum weiter zu vermehren, auch trotz der angeblichen Nähe von Harmagedon. Sie kommt deshalb doch nicht ohne Appell an den Geldbeutel der Brüder und Schwestern aus.

Wie das geschieht, wird im Wachtturm Nr. 15, 1. 8. 1969 beschrieben. Dort heißt es: "Wenn du mit einer Versammlung der Zeugen Jehovas verbunden bist, die einen Königreichssaal hat, möchtest du bestimmt irgend etwas zum Unterhalt dieses vortrefflichen Zentrums der biblischen Belehrung beitragen. Du brauchst nicht dazu aufgefordert zu werden, denn du siehst, daß dies nötig ist. Außerdem hast du sicher schon bemerkt, daß in der wahren Christenversammlung kein Klingelbeutel herumgereicht wird."

Eine Zwischenfrage: Ist das, was der Wachtturm hier schreibt, etwa keine Aufforderung, Geld zu geben? Wenn ja, ist es dann nicht Unaufrichtigkeit, das zu verneinen?
Der Wachtturm fährt fort: "Es wird nie um Geld gebettelt. Im Königreichssaal ist ein Spendenkasten aufgestellt, in den alle, die sich Gott dankbar erweisen möchten, weil er so liebevoll für ihr geistiges Wohl sorgt, ihre bescheidenen Spenden einlegen können. Die Versammlung mag auch, nachdem sie ihre Unkosten bestritten hat, dem nächstgelegenen Zweigbüro der Watch Tower Bible and Tract Society eine Spende überweisen. Dadurch würde sie die Tätigkeit dieser Gesellschaft im ganzen Lande unterstützen Wenn du möchtest, kannst du deine bescheidene Spende aber auch dem Büro der Watch Tower Bible and Tract Society in dem Land, in dem du wohnst, zukommen lassen."

Hier an dieser Stelle spricht der Wachtturm so betont und bescheiden von "bescheidenen Spenden".
An anderer Stelle mahnt er die Glieder der Organisation mit kräftiger Stimme: Davon, daß der Verkündiger das Werk der theokratischen Organisation "großzügig und freigebig" unterstützt, hängt es ab, ob auch seine Kinder, (die Neugetauften) eine solche Einstellung entwickeln."

Hier ist nichts mehr von bescheidener Spende zu hören, sondern von "großzügiger", je mehr er gibt, um so angesehener ist er. Bei den Kongressen sind die Spendenkästen mit Waschkörben geleert worden, so viel Geld hatte sich angesammelt. Die WTG versteht es trotz ihres Reichtums, sich als bedürftig hinzustellen. Wann werden es die Brüder und Schwestern erkennen? CV gab viele Hinweise und Aufklärungen darüber.

Folgender Kurzbericht sollte genau geprüft werden:
Durch riesige Geldeingänge, riesiges Anwachsen der Zentrale in Brooklyn
Die Zentrale der Wachtturmgesellschaft mit ihren angeschlossenen Betrieben in Brooklyn und in vielen Ländern der Erde, ist in 50 Jahren ihres Bestehens zu einem Werk von riesigem Ausmaß herangewachsen. Dies zeigt ein Rückblick, den Präsident Nathan H. Knorr anläßlich der Einweihung eines neuen Gebäudes am 2. Mai 1969 gab. (WT Nr. 18, 15. 9. 1969).

Es fing im Jahre 1908 an, als die "Ernsten Bibelforscher" ein altes vierstöckiges Gebäude - ausgerechnet ein Pfarrhaus - und ein Nachbargebäude in Brooklyn kauften und als Zentrale für die 30 Mitarbeiter umbauten. 1911 wurde dahinter ein neues großes Wohngebäude errichtet. 1927 wurden die beiden 1908 erworbenen Altbauten abgerissen und durch ein neunstöckiges Gebäude mit 120 Zimmern ersetzt. 1949 folgte ein zwölfstöckiges Haus. Der Mitarbeiterstab war inzwischen auf 450 Personen angewachsen. Durch einen gewaltigen Großbau, der 1960 vollendet wurde, konnten insgesamt 950 Mitarbeiter untergebracht werden. 1969 kam ein weiteres Gebäude mit sieben Stockwerken für 107 Personen hinzu. Es umfaßt zugleich eine Bibliothek, zwei Klassenräume und ein 1,20 m tiefes und 5 m mal 8,50 m großes Taufbecken. Alle diese Wohn- und Bürogebäude sind durch unterirdische Tunnel miteinander verbunden.

Mit dem Druck des "Wachtturms" und anderer Schriften auf eigenen Rotationsmaschinen begann die Gesellschaft 1920, nachdem sie Fabrikräumlichkeiten mit 280 qm nahe der Zentrale gekauft hatte. Die Druckerei wurde dann in rascher Folge vergrößert. 1922 Verlegung in ein sechsstöckiges Gebäude. 1927 Errichtung eines zusätzlichen achtstöckigen Druckereigebäudes, so daß nun 6 500 qm Arbeitsplatz zur Verfügung standen. 1937 Zuwachs eines vierstöckigen Baues. 1949 Anbau eines neunstöckigen Druckhauses. 1956 Fertigstellung eines dreizehnstöckigen Gebäudes von der Größe eines ganzen Häuserblocks. 1958 Erwerbung eines neunstöckigen Gebäudes als Papierlager. Damit hatte die Druckerei eine Grundfläche von insgesamt 40 500 qm erreicht. Aber schon bald herrschte wieder Platzmangel. Darum wurde 1966 mit dem Bau des größten Druckhauses mit elf Stockwerken und 21 000 qm begonnen, das 98 neue Maschinen enthält, darunter vier Rotationsmaschinen. Resultat: "Auch dieses ist schon bald wieder zu klein."

Der ganze Betrieb ist sebstverständlich mit modernen technischen Einrichtungen für Druck, Buchbinderei, Verpackung und Versand ausgerüstet. Druckfarben, Reinigungsmittel, Klebstoff und Möbel werden selbst hergestellt. In den ersten acht Monaten des laufenden Produktionsjahres wurden nur in Brooklyn 17 718 518 Bücher und Bibeln und 132 Millionen Zeitschriften gedruckt. Aber daneben besitzt die WTG noch weitere Druckereien in der ganzen Welt, die im Vorjahr 96 Millionen Zeitschriften in 40 Sprachen druckten. Die für die Mitarbeit in Brooklyn benötigten Lebensmittel werden auf eigenen Farmen der WTG mit insgesamt 850 ha Land erzeugt. Alle Mitarbeiter sind Zeugen Jehovas, andere werden nicht eingestellt. Sie bekommen keinen Lohn, sondern nur 14 Dollar Taschengeld im Monat. Es ist alles wohlbedacht, um die WT Literatur möglichst billig zu produzieren. Angesichts dieses investierten Kapitals taucht die Frage auf: "Woher kam das Kapital, um dieses zu erwerben oder zu erstellen?" Dazu kommt noch das flüssige Kapital, worüber die Wachtturmgesellschaft alleiniges freies Verfügungsrecht hat.

Kein Glied in der Organisation der Zeugen Jehovas hat Anspruch auf das Vermögen der Gesellschaft. (Siehe ergänzend hierzu CV Nr. 17, 18, 19 und 26).
Liebe Brüder und Schwestern, schon aus diesem kurzen Bericht ist ersichtlich, wie die bescheidenen, freiwilligen Spenden sich zu einem riesigen Kapital verwandeln. Der Gewinn kommt aber nicht den Spendern zugute, sondern nur dem Direktorium der WTG. Sind Brüder in Not, hat die Leitung keinen Pfennig für sie übrig, da sie kein Unterstützungsverein sei, sondern alles Kapital benötige für die Verkündigung. Wenn dies der Fall ist, weshalb gibt man keinen Bericht über Einnahmen und Ausgaben? Man hüllt sich in Schweigen, dies Schweigen spricht aber Bände.
Wie ist eure Meinung dazu?
Brd. H. u. M

Der Fall Zweigdiener Konrad Franke, Bethel, Wiesbaden
Antwort aus Bamberg/Bayern an CV
Mit Datum vom 19. 2. 1970 erhielt CV Antwort aus der Versammlung Bamberg in Bayern auf die Zusendung von CV 29, wo an hervorragender Stelle die Frage gestellt worden war "Was geht im Bethel in Wiesbaden vor?"
Ungeachtet der Art dieser Antwort sei dem Bruder Dank ausgesprochen. Wir tun dies im Geiste Christi, wie er uns in Markus 9..39-41 empfohlen ist, was in CV 29 in einem Beitrag über Duldsamkeit auch zitiert wurde.
Wir wollen anerkennen, daß es dieser Bruder aufrichtig mit seinem Glauben meint, wie er es zum Schluß sagt. Wir wollen deshalb im Geiste von Markus 9:39-41 zu der Antwort aus Bamberg Stellung nehmen.

Wir sind der Ansicht, allen Brüdern und Schwestern auch auf diese Weise zu helfen, mehr über die Vorgänge in Wiesbaden um Zweigdiener Franke zu erfahren.
Bamberg, den 19. 2. 1970
An die
Christliche Verantwortung
"Durch einen Zufall erhielt ich heute Ihr Blatt vom Januar 1970 Nr. 29. Aber beim Lesen gingen mir die Augen auf. Bloß eine Hetze gegen Jehovas Zeugen. Aber Matthäus 24:9 sagt, um des Namens willen werdet Ihr der Gegenstand des Hasses sein.
Diese Brüder, die sie mal waren, die Ihnen Artikel vom Westen senden, haben nicht bekannt, warum sie zurückgegangen sind. Wenn der Verlag bloß von diesen Schwätzern die Artikel veröffentlicht, ist es schlecht bestellt. Wohl stimmt es, daß in diesen Jahren sehr viele in die Reihen der Zeugen Jehovas gekommen sind. Aber wie sah der Lebenswandel aus. Galater 5:19-21 sagt uns das Richtige. Jehova Gott will eine saubere Organisation. Deshalb die vielen Gemeinschaftsentzüge. So begann das Auswechseln der Steine.

Ich weiß nicht, was Sie meinen mit dem Artikel "Was geht im Bethel in Wiesbaden vor". Sollte nicht jeder vor seiner Tür sauber machen? Sehen wir mal die Christenheit an, im Voraus gesagt, daß sie die Menschen bewußt in das Chaos geführt haben, nicht wie Hirten ihre Herde führen sollten. Aber Hesekiel 34:2-10 besonders der Vers 3 ist zutreffend: Ihr eßt das Fett und Ihr bekleidet Euch mit der Wolle, das fette Vieh schlachtet Ihr, aber die Herde weidet ihr nicht. Oder wie Jesaja 1:15, wenn Ihr des Betens viel macht, höre ich nicht, Eure Hände sind voll Blutes, deshalb reinigt Euch. Aber vergeblich. Das Buch, Rom und die Kirchengeschichte bringt es ans Tageslicht, wie diese Kirchenfürsten gehaust haben, neuzeitlich, der letzte Krieg, das Segnen der Vernichtungswaffen. Das ist der Grund, daß so viele die Kirchen verlassen haben und in anderen Organisationen ihr Heil gesucht haben, ohne vorher das Schlechte abzulegen.

So mußten sie wieder entfernt werden. Das alles hat man erfahren und mit eigenen Augen gesehen. Die alten Jahrgänge müssen den jungen, geschulten Platz machen, so wird es auch im Bethel Wiesbaden sein.
Das war mein Bedürfnis, auf diese Schwätzer nicht zu hören, denn sie sind wie das Rohr im Wind, ohne Halt und voller Ränke und Haß, was sie in die Welt schreiben können, einmal wird es ein Ende für sie haben.
Es grüßt einer, der es aufrichtig mit seinem Glauben meint."
Soweit die Antwort aus Bamberg, den 19. 2. 1970.

Diese Antwort ist ein Beweis dafür, in was für einer grotesken Unwissenheit die WTG die Brüder in den Versammlungen hält.
Zweigdiener Franke ist schon seit dem 1. 10. 1969 abgesetzt, und ein viertel Jahr später wissen die Brüder in der Versammlung Bamberg immer noch nicht, was in der Leitung in Wiesbaden vor sich gegangen ist und stellen deshalb allerlei abwegige Betrachtungen an. Soll es eine Ablenkung sein, daß dabei sogleich erst einmal die Kirche angegriffen wird? Bamberg ist der Sitz des katholischen Erzbischofs Joseph Schneider. Die Brüder in Bamberg machen da mit ihrer Unwissenheit gerade keine gute Figur.

Wir möchten dem Bruder in Bamberg und allen, die ähnlich urteilen, antworten. CV sucht keine Ränke, vielmehr ist es die WTG, die die Dinge zu vertuschen sucht. CV versucht dagegen, so weit und wie es irgend geht aufzuklären Auch diese Antwort in CV ist ein Beweis dafür.
Zweigdiener Franke ist seit dem 1. Oktober 1969 im Bethel abgesetzt, weil er im Widerspruch zum Hauptbüro in Brooklyn unnachgiebig auf 1975 beharrt. Das Hauptbüro dagegen möchte sich nicht endgültig auf Daten festlegen Bekanntlich hatte schon WTG-Präsident Rutherford erklärt, nach den Fehlschlägen von 1914 und 1925 hätten es die "Getreuen gelernt, keine Daten mehr festzulegen". (Rechtfertigung I, S. 332, Magdeburg 1931). Wissen die Brüder in Bamberg wirklich nichts Näheres über die Absetzung von Franke, ihres obersten Dieners? Das wäre ein vollendetes Ränkespiel des Bethel, die Dinge so zu verheimlichen Die Antwort aus Bamberg macht nicht den Eindruck der Heuchelei.

Andererseits macht es sich der Bruder zu einfach, die Absetzung Frankes mit Gemeinschaftsentzug wegen Unsauberkeit zu vergleichen und eventuell zu rechtfertigen, denn es geht doch um 1975. Dem Bruder mag einesteils Unkenntnis zugute gehalten werden. Denn in der Organisation werden Unsauberkeit keineswegs prinzipiell beseitigt.

Nehmen wir die Verunreingung der Verkündigung durch Antikommunismus. CV hat z. B. ausführlich über den Leiter der Journalistischen Abteilung des Bethel Magdeburg, Willy Heinicke, berichtet (CV 23, 25, 27), der mit der Leitung des antikommunistischen Kampfes gegen die staatliche "Obrigkeit" in der DDR beauftragt worden war, dem die bekannte Falschdeutung von Römer 13 zugrunde lag. Die 1962/63 vollzogene Änderung der WT-Obrigkeitsauffassung ist nur formell geblieben, denn der antikommunistisch-staatsfeindliche Kampf der WTG speziell gegen die DDR - Orientierung auf militärische Vernichtung der DDR verbunden mit antisowjetischer Hetze - geht seither weiter. Siehe WT vom 15. Februar 1965, Seite 110, Absatz 10, Wiesbaden. Die Tätigkeit und Verkündigung erfolgt immer noch von dem WT-Standpunkt aus, man könne den Gesetzen von Staat und Regierung insonderheit der sozialistischen Länder beliebig untreu sein und sie verletzen, was CV in Übereinstimmung mit Römer 13:1-7, 1. Petrus 2:13 und 1. Petrus 4:15-17 als eine der übelsten politischen Verunreinigungen der Verkündigung nachgewiesen hat. Die mit diesem WT-Kampf zusammenhängende sog. theokratische Kriegslist steht offen in Widerspruch zu 2. Kor. 4:2 NW.

Die WTG denkt gar nicht daran, die hier genannten Grundsätze der Apostel Paulus und Petrus konsequent anzuwenden und sich nach Jakobus 1:27 von ihren antikommunistischen politischen Befleckungen zu reinigen.
Schließlich urteilt der Bruder aus Bamberg auch oberflächlich über die anderen Kirchen und Christen. Natürlich wurde und wird da viel gesündigt. Doch sollten Jehovas Zeugen endlich von der primitiven Methode abkommen, alle unterschiedlos in einen Topf zu werfen, denn die Dinge entwickeln sich. Dies aber als Denkanstoß. Auch in der Kriegsfrage muß man mehr sehen. Als Denkanstoß wiederum folgendes: Im Ersten Weltkrieg sind auch die damaligen Zeugen Jehovas ins Feld gezogen. So wurden z. B. im WT von 1915 Feldpostbriefe von Brüdern an der Front abgedruckt. Im Zweiten Weltkrieg veröffentlichte das Zentralbüro der WTG in Europa, Bern/Schweiz, 1943 eine Erklärung, die dazu aufforderte, Kriegsdienst zu leisten! (Abgedruckt in dem Buche "Ich war Zeuge Jehovas" von G. Pape, Berlin/Augsburg 1961). Schließlich waren auch die Jünger Jesu eine bewaffnete Truppe, Lukas 22:35-38, und von Cornelius wurde nicht verlangt, seine Funktion als römischer Offizier aufzugeben, als er vom Apostel Petrus getauft wurde. Apg. 10:24-48, 1. Kor. 7:20. Wir möchten hiermit zunächst nur andeuten, daß die Dinge doch etwas komplizierter sind als allgemein angenommen wird.

Was Zweigdiener Konrad Franke betrifft, so ist es am Ende nicht so, wie der Bruder in Bamberg sich tröstet, die alten Jahrgänge müßten den jungen, geschulten Platz machen. Die Absetzung Frankes wegen 1975 ist vielmehr ein Zeichen dafür, das die WTG ihrer folgenschwersten Daten-Festsetzungskrise entgegengeht, die sie je erlebt hat. Es wäre besser gewesen, WTG-Präsident Rutherfords Warnung von 1914/25 zu beachten, keine Daten wieder festzusetzen. Könnte das die WTG?
D. J.
A 6145-70 V 7 1 1789

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