Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 32
Die wenigsten werden darauf geachtet haben. Ohne Erläuterung weist die CV ab dieser
Ausgabe eine neue Kontonummer auf. Der Leitartikel ist (zum letzten Mal) noch mit Willy
Müller gezeichnet. Am Ende dieser CV-Ausgabe taucht ein neuer Hinweis auf, über ein
Büro der Studiengruppe "Christliche Verantwortung". Das war's dann aber auch
schon. Keine näheren Erläuterungen. Auch in den nachfolgenden Ausgaben nicht. Man
erinnert sich: Über den Personalwechsel bei der WTG von Franke zu Kelsey hatte die CV
halb im Nebel herumstochernd, dennoch mit "großartigen" Schlagzeilen
aufgemacht. Man ist geneigt ihre eigene Schlagzeile auch auf sie selbst anzuwenden. Die
müsste dann (leicht abgewandelt) lauten: "Willy Müller, Begründer der CV, wegen
Differenzen mit DDR-Bürokraten, seines Amtes enthoben!"
In dieser CV-Ausgabe wird auch
kommentiert:
In "Erwachet" Nr. 16 vom 22.
8. 69, werden die jungen Br
uder und Schwestern daran erinnert,
"daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden wird" und daß sie
deshalb in diesem System "nie alt werden". Sie werden also auch nie das Ende
einer beruflichen Laufbahn erreichen, wenn diese viele Jahre erfordert, die ihnen dieses
System in dieser Endzeit bietet.
Dazu vermerkt der Artikelschreiber
ergänzend:
Im Jahre 1924 gab man den Brüdern und
Schwestern den gleichen Rat, weil 1925 dieses System enden sollte. Man gab sogar noch den
Rat, keine Versicherungsbeiträge, wie Altersrente usw. mehr zu zahlen. da dies zwecklos
sei. Diese Brüder hatten dann nach 1925 den Schaden, den sie erlitten, selbst zu tragen.
Trotzdem sie den Rat der WTG-Leitung befolgten, entschädigte man sie nicht und hatten im
Rentenalter dann den Schaden bis an ihr Lebensende zu spüren. Mir persönlich sind solche
geschädigten Brüder bekannt geworden. Weil man ihre Briefe nicht beantwortete, fuhr man
persönlich nach Magdeburg in das Zweigbüro und trug ihnen dort die Notlage, in die sie
geraten waren, vor. Die Antwort war: "Es tut uns leid, lieber Bruder, aber wir
glaubten, euch damit zu helfen, daß es anders kam, ist der Wille des Herrn, das System
sollte eben noch nicht zu Ende sein. Leider können wir dir hier auch nicht helfen.
Übrigens hättest du es ja auch nicht tun brauchen, unseren Rat zu befolgen, es war ja
unser Rat und nicht der Rat des Herrn. Vielleicht kann euch die Gruppe eurer Stadt ab und
zu etwas geben, es darf aber nicht aus der "Guten Hoffnungskasse" genommen
werden, sondern muß gesondert gesammelt werden. Dies ist der Rat, den wir dir erteilen
können. Wir hoffen, daß du dort Erfolg haben wirst.
CV Christliche Verantwortung
Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4562-43-8015 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Gera
Nr. 32 Gera Mai 1970
CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen
Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend
damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist
hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der
WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu
helfen.
Das Sektentum - seine Kennzeichen - sein Nährboden und seine Überwindung.
Eine Studie, geschrieben für die Brüder und Schwestern in der Wachtturm-Organisation
Liebe Brüder und Schwestern!
Vorausschicken möchte ich, daß ich mit dem Begriff "Sekte"
nicht eine so leicht dabei herausgehörte Abwertung ihrer Anhänger verbinde, sondern
ihren armen Opfern die Realität und das Ausmaß ihrer Gebundenheit vor Augen zu führen.
CV ist immer von dem Grundsatz ausgegangen: Irrende und Irregeführte brauchen nicht
Schläge, sondern Hilfe in aller Liebe.
Daß sie diese angebotene Hilfe annehmen, setzt voraus, daß sie ihre
Hilfsbedürftigkeit erkennen. Darum ist es nötig, die folgenschweren Tatsachen
aufzuzeigen. Nun ist es mein Gebet und meine Hoffnung, daß das Wort sich erfüllen
möchte: "Der Kluge sieht die Gefahr und birgt sich" (Sprüche 27:12, Menge).
Ich will hier nicht über die Gemeinde X sprechen, ob sie als eine Sekte zu gelten hat
oder nicht, sondern nur die Brüder und Schwestern in der WTG anregen, darüber
nachzudenken, ob ihre Organisation als eine Sekte zu gelten hat oder nicht. Ich will dein
Leser einen Maßstab in die Hand geben, der ihn befähigen soll, von Fall zu Fall zwischen
Sekte und wahrer Christengemeinde zu unterscheiden.
Was ist überhaupt eine Sekte? Viele redliche Christen wurden schon als
Ketzer und Sektierer angesehen und behandelt. Andererseits konnten zu allen Zeiten des
Christentums und durchaus auch in unseren Tagen christliche Leute unbiblische Lehren
verbreiten, ohne daß auch nur der Schatten eines leichten Verdachtes auf sie fiel, sie
könnten Sektierer sein. Diese Tatsache verrät allzu deutlich die allgemeine Unklarheit
in dieser Frage.
Die wichtigsten Definitionsversuche (Begriffsbestimmung)
1. Man hat gefragt, ob die Bibel uns nicht einen klaren Hinweis darüber
gibt, was eine Sekte ist. - Im alten Testament ist weder über den Begriff noch über die
Sache etwas ausgesagt. Im neuen Testament wird der Begriff "Sekte" auf drei ganz
verschiedene Menschengruppen angewandt:
a) auf die Richtungen der Pharisäer (Apg. 15:5; 26:5; 5:17)
b) auf verderbliche Strömungen, die falsche Lehrer im Raum der
christlichen Gemeinden einfuhren würden. (2. Petr. 2:1)
c) von seiten der Nichtchristen auf die Jünger Jesu (Apg. 24:5; 28:22).
Diese sehr begrenzte und zugleich uneinheitliche Verwendung des Begriffes
"Sekte" im NT einerseits und das überaus vielgestaltige Bild des heutigen
Sektentums auf der anderen Seite, scheint mir eine Klärung vom Gebrauch des Wortes im NT
unmöglich zu machen.
2. Manche haben die sehr naheliegende Erklärung für richtig gehalten:
Eine Sekte sei ganz einfach die kleine Religionsgemeinschaft im Gegensatz zu großen
Christengemeinden Aber hängt denn die Wahrheit von der Masse ihrer Bekenner ab? Darf man
etwa von der Größe einer Menschengruppe auf den geistlichen Wert des von ihr vertretenen
Glaubens schließen? Sicherlich nicht. Die Wahrheit ist unumschränkt. Sie büßt nichts
ein, wenn ihr nur wenige zustimmen, und sie wird nicht wahrer durch den Applaus der
vielen. Eine Sekte wird nicht dadurch zur wahren Kirche, daß sie groß wird.
3. Andere sahen das Charakteristische einer Sekte darin, daß sie im
Gegensatz zu anderen nicht behördlich anerkannt ist. Aber dieser Maßstab ist nicht
richtig, der reicht nicht aus.
4. Es ist versucht worden, das Wesen einer Sekte damit zu erklären, daß
sie eine auf freiwilligen Beitritt und freiwillige Opfer begründete Gemeinschaft sei,
während man einer Kirche von Haus aus angehört und ihr lebenslänglich eine Steuer
zahlt. Jedoch diese Versuche, damit eine Glaubensgemeinschaft in die Reihe der Sekten
einzureihen, bleibt ein Versuch, es reicht nicht aus.
Auch von der Wortbedeutung her hat man das Wesen der Sekte zu erklären
versucht. Dabei gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder wäre das Wort "Sekte"
herzuleiten von dem lateinischen "secare", was abschneiden heißt oder vom
lateinischen "sequi", das heißt folgen, nachfolgen, jemanden Partei ergreifen.
Dabei kommen wir wohl zu einer formalen, nicht aber zu einer vollen inhaltlichen
Erklärung.
Da uns die genannten Definitionsversuche nicht weiterhelfen, werden wir
versuchen müssen, einen anderen Weg einzuschlagen, die Frage nach dem Wesen einer Sekte
zu lösen. Gibt es etwas, was für Sekten kennzeichnend ist? Ja, es sind vor allem vier
typische Erscheinungen, an denen eine Sekte als solche erkannt werden kann.
Vier Kennzeichen einer Sekte
1. Eine zusätzliche Autorität neben der Bibel
Zwar rühmt sich das Sektentum im allgemeinen, besonders bibeltreu zu sein.
Jede Bewegung behauptet von sich, die einzige schriftgemäße Lehre zu verkündigen Aber
bei genauem Hinsehen wird sofort offenbar, daß ihre Treue nicht der Heiligen Schrift
selbst gilt, sondern einer "bestimmten Bibelauslegung". Sie wird in der Regel in
ihrer Literatur verbreitet, und ist für alle Glieder verbindlich. Zwar heißt es gern,
diese Literatur sei nur als eine Hilfe zum Bibelstudium gedacht. Aber in Wirklichkeit
tritt mit ihr doch eine zweite Autorität neben die Bibel. Sie ist nun nicht mehr, das
allen genügen müßte, Gottes Wort, die Nebenbibel tritt an ihre Seite.
So ist und gilt für die Glieder der Wachtturm-Organisation die
Schriftauslegung der Wachtturm- Literatur als der alleinige Maßstab. Eine
Schriftauslegung, die der Wachtturm nicht vertritt, ist von vornherein dem Verdacht
ausgesetzt, "eigene Ansicht", Irrlehre oder der eigenen Ehre dienenden Ketzerei
zu sein. Sie trägt den Stempel der "Abtrünnigkeit" und bringt den Vertreter
dieser nicht linientreuen Schriftdeutung in Gefahr, aus der theokratischen Organisation
hinausgeworfen zu werden, was nach Wachtturmdeutung "ewige Vernichtung" in den
Flammen des Weltgerichts von Harmagedon zur Folge hat.
Für die Glieder der Wachtturm-Organisation dagegen sind alle christlichen
Kreise "Sekten". Nur die Neue-Welt-Gesellschaft ist "Jehovas Volk" und
theokratische Organisation. Der Beweis für diese simple Erklärung: Alle christlichen
Kreise führen Mitgliederlisten, nur die NWG nicht. Daß sie aber Verkündigerkarteien
führen, in denen nicht nur die Personalien, sondern auch die Leistungen im
"Felddienst" und Schriftenumsatz erfaßt wird, ist "natürlich eine ganz
andere Sache"!
2. Eine Vereinseitigung der Schriftauslegung
Die Wachtturm-Leitung bringt es fertig, unter mißbräuchlicher Verwendung
alttestamentlicher, aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen oder biblische Berichte
ganze neutestamentliche Grundwahrheiten niederzureißen Ein Beispiel: Der Wachtturm
verweist auf Sprüche 19:17 "Wer sich des Armen erbarmt, gibt dem Herrn ein
Darlehen." Der WT-Schreiber baut darauf Gedankengänge, die ein bibelgläubiger
Christ nur als einen Schlag gegen die Gnadenbotschaft des Neuen Bundes empfinden kann. Der
WT sagt unter Berufung auf die genannte Bibelstelle: "Wenn Jehovas Knechte dem Armen
geben, leihen sie in Wirklichkeit ihm . . . und so betrachtet sich Jehova selbst als
solchen großherzigen Gebern verschuldet. Und wie zahlt er seine Schuld jenen zurück?
Indem er seine Verheißungen an ihnen erfüllt und eine dieser Verheißungen besagt, daß
ihre Gerechtigkeit ewiglich währen wird" (WT, 1. 2. 56) Auf nicht weniger
leichtfertiger Weise kann der Wachtturm mit ein paar Zahlen des Buches Daniel und einer
widerrechtlich damit kombinierten Stelle aus Hesekiel die neutestamentliche
Wiederkunftshoffnung bekämpfen, indem er in aller Welt das "neue Evangelium"
verbreiten läßt, der Herr Jesus sei 1914 schon unsichtbar wiedergekommen In beiden
Fällen setzt sich der WT über das ganze neutestamentliche Zeugnis hinweg, und die
Brüder und Schwestern glauben dieser einseitigen Schriftauslegung, weil sie daran
gewöhnt sind, die Bibel durch die Brille ihrer Nebenbibel, des Wachtturms, zu lesen.
3. Die Verwässerung der Gnadenbotschaft
Nach Epheser 2:5 und 8, ist ersichtlich, daß Rettung ganz und gar Gottes
Gnadengeschenk ist durch Jesus Christus. Die Grundlage dieser Rettung ist keine eigene,
menschliche Leistung, keine Stimmung, kein Gefühl, nicht einmal mein Glauben, meine
Erkenntnis, meine Umkehr! - Wenn irgendein innermenschlicher Vorgang die Grundlage unserer
Errettung sein müßte, wären wir alle verloren. Nun aber hat Gott selbst den Grund zur
Rettung gelegt in Jesus Christus. (l. Kor. 3:11) Wir haben also einen objektiven
Rettungsgrund. Er liegt nicht in uns, sondern in IHM. Durch Jesus Christus kam Freiheit
und Leben durch seine Gehorsamstat. (Rö. 5:12-19). Diese Gabe Gottes ist da. Sie muß
weder gesucht, noch gemacht, noch ergänzt werden. Aber sie muß angenommen werden! Und
das geschieht mit der Hand des Glaubens. Ergreife ich sie, so ist meine Rettung nicht mein
Verdienst, sondern Gottes Gnade.
Zum besseren Verständnis folgendes: Ein Ertrinkender, dem man den
Rettungsring zuwarf und der ihn zu seiner Rettung ergriff, kann sich doch nicht rühmen,
seine Rettung bewirkt zu haben! Umgekehrt, ergreift er den Ring nicht, so ist es seine
Schuld, wenn er ertrinkt. - So ist auch Unglaube schuld - Glaube indes kein Verdienst!
Rettungsgrundlage ist die Tat des Retters, nicht mein Zugreifen! Rettung ist und bleibt
Gnade!
Nun aber kommt die Wachtturm-Gesellschaft und verlegt die Rettung ins
Subjektive (Persönliche). An die Stelle der objektiven (tatsächlichen) Rettungsgrundlage
in Jesus Christus, tritt ein menschliches Tun, das zur Rettung förderlich, ja sogar
notwendig sein soll. Die WTG-Leitung lockt: Du mußt dich von der Weltorganisation Satans
lösen, biblisches Wissen an Hand der Wachtturm-Schriften annehmen, dich Jehova hingeben
und als treues Glied der NWG - fleißig "Felddienst" verrichten - von Haus zu
Haus und im Straßendienst. Dann wirst du die Schlacht von Harmagedon überleben und in
Gottes neue Welt gelangen.
Demnach ist nach den WT-Lehren die Rettung nicht mehr allein aus Gnaden,
sondern durch menschliches Handeln zu erwirken. Sie haben keine objektiven Grundlagen der
Rettung. Sie liegt bei der WTG nicht mehr in Gott und seinen Rettungstaten, sondern
weitgehend in einem innermenschlichen Vorgang, in der Erfüllung einer ethischen,
moralischen, religiösen oder kultischen Anforderung und im besonderen im Anschluß an die
WTG. Diese hat das Rezept gefunden, das ewige Leben zu erwerben. Die Rettung ist die
Antwort Gottes auf die von Menschen vollbrachten Taten (Felddienst, Literaturverkauf).
Nach der Schrift ist es aber genau umgekehrt, da geht Gottes Rettungstat voraus. Alle
menschlichen Werke für ihn sind Antwort auf die empfangene Gnade und Rettung. Eine solche
Umkehrung von Ruf und Antwort kann nicht ohne Folgen bleiben. Wenn eine gewisse
menschliche Handlungsweise eine Garantie zur Erlangung der Rettung ist, so liegt es doch
nahe, daß die Leitung der WTG als die Führer zur Rettung angesehen werden und die
Organisation als "Arche Noahs", worin allein Rettung ist. Dies ist aber eine
Verwässerung der Gnade.
4. Die Erhebung der WTG zur Rettungsanstalt
Da die Leitung der WTG das "Allein aus Gnade" verlassen hat,
tritt Jesus als Rettungsmittler in den Hintergrund. (1. Tim. 2:5). Da die WTG selbst die
neuen Rettungsvoraussetzungen bestimmt, konnte sie entscheiden, was zur Rettung dient, so
entscheidet sie nun auch, wer die Rettung erlangt.
"Nur ihr seid es!", sagt die WTG-Führung ihren gehorsamen
Schülern. "Nur wir sind es!", so klingt das Echo aus dem Munde der Schüler
vielfältig über den Zaun, mit dem sie sich umgeben haben, damit niemand unerwünscht
eindringen kann. "Wer zu uns kommt, ist gerettet, wenn er unsere Lehren bedingungslos
annimmt!" Alle, die vor dem Zaune stehen, ist "Welt", ist
"Babylon" und wird zum Untergang verurteilt.
Eigenartig ist, daß bei der Wachtturm-Führung als Rettungsmittler eine
juristische Person ist, die Watch Tower Bible and Tract Society, bzw. der von ihr
vertretene Überrest. Die Leitung fordert: "Anerkennung des Mitteilungs- und
Verbindungskanals. Durch ihn verkehrt Jehova mit seinem Volk." (WT, 15. 8. 1957,
Seite 498). Darum kann der Schreiber des Wachtturms auch sagen: "Jene, die Gott und
den gesalbten Überrest preisen, werden gesegnet werden" (WT 15, 1. 57, S. 60). Auf
Grund dieser theokratischen Führung und Verbindungslinie zwischen Jehova und der
WTG-Leitung, ist die WTG eine theokratische Organisation, die alleinige Rettungsstation
für alle, die den Krieg von Harmagedon überleben möchten, das Endgericht Gottes über
diese Welt. "Auf Erden ist heute die Neue Weltgesellschaft die einzige Bewegung, die
wahre Aufbauarbeit tut. Alle anderen . . . werden ihr Schicksal mit denen teilen, die die
Erde verderben . . . sich Ruin und Verderben zuziehen am Tage des Zornes Gottes in
Harmagedon" (Neue Himmel und eine neue Erde, Seite 326).
Schlußfolgerung
Aus den gezeigten vier Punkten ist wohl leicht festzustellen, daß die WTG
diese voll und ganz erfüllt und deshalb in diesem Sinne zur "Sekte" gerechnet
werden muß, obgleich die Führung der WTG dies in Abrede stellt, so beweisen doch die
Tatsachen, daß sie niemals die "wahre Kirche" sein können, als die sie
gehalten werden will. Diese Darlegung kann wohl von jedem Bruder und jeder Schwester
verstanden werden, dazu bedarf es nicht des Heiligen Geistes. Die WTG-Lehrer versuchen
Gott und alles Ewige in grober Schwarz-Weiß-Malerei faßlich und dem Verstand des
Menschen mundgerecht zu präsentieren. Darum erreichen sie oft gerade die Leute mit ihrer
Botschaft, die durch das biblische Evangelium nicht ansprechbar waren. Aber ihre so
"klare" Lehre ist und bleibt Irrlehre, weil sie die eine Hälfte der Wahrheit
auf Kosten der anderen überbetont. Auch eine halbe Wahrheit ist ein ganzer Irrtum! Eines
hat die WTG mit ihrer Vereinseitigung, zusätzliche Autorität neben der Bibel, der
Verwässerung der Gnade und die Erhebung ihrer Organisation zur Rettungsanstalt erreicht,
die meisten Menschen nehmen ihre Lehre leichter an. Alle vier Kennzeichen sind auf den
Geschmack und die Einstellung der Menschen zugeschnitten. Sie sind die starken Waffen beim
organisierten Angriff auf die wenig denkenden Massen der christlichen Völker. Diese
Blindheit, dieser Unglaube gegenüber der biblischen Wahrheit aber ist geradezu der ideale
Nährboden für die irreführende Wachtturmbotschaft. Deshalb, liebe Brüder und
Schwestern, ist es erforderlich, in der Aufklärungsarbeit nicht zu erlahmen und alles in
aller Liebe zu tun, um den Irregeführten zu helfen. Ein jeder ist aufgerufen mitzuhelfen
und nicht mehr abseits zu stehen, ganz gleich, ob in- oder außerhalb der WTG.
Es grüßt Euch in brüderlicher Verbundenheit
Brd. Willy Müller
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16 und Mitverbundene
Erwartungsvolles Hoffen in bezug auf 1975 ist dies biblisch begründet?
(5. Fortsetzung)
Die dritte Enttäuschung: 1925
Lieber Werner, wir setzen heute unser Antwortschreiben fort und hoffen
damit die versprochenen Beweise Dir gegeben zu haben, die sich allerdings noch weiter
ausbauen ließen, dazu aber leider der Platz in CV nicht ausreicht. Nichts beweist
schlagender, daß die Wachtturm-Gesellschaft mit ihren Endzeiterwartungen für 1914 und
1918 total Schiffbruch erlitt, als die Tatsache, daß sie dasselbe Weltende-Programm
wieder für das Jahr 1925 auf die Tagesordnung setzte:
1925 Verherrlichung der Gemeinde und Beginn des Königreiches auf Erden:
"Der Gedanke ist der, daß das Jahr 1925 einen Wendepunkt in der
Menschheitsgeschichte bringen werde . . . das messianische Königreich . . . auf der
Erde." (Das goldene Zeitalter, Jahrgang 1924) - l925 Ende der großen Drangsal:
"Wir erwarten mit voller Gewißheit, daß die jetzige große Drangsal im Jahre 1925,
etwa im Herbst, ihren furchtbaren Höhepunkt erreicht und alsdann zum endgültigen
Abschluß kommen wird" (Das Goldene Zeitalter, 1924 - Ausgabe vom 15. 3.).
1925 geschah nichts, aber auch nichts, was die WTG mit so großer
Sicherheit in Wort und Schrift prophezeit hatte. Urteile selbst, lieber Werner, ob dieser
"kollektive Prophet" sich als wahrer oder falscher Prophet erwiesen hat.
Entscheide selbst, ob es nicht in besonderer Weise ein Wort Gottes für Dich und alle
Zeugen Jehovas ist im Hinblick auf die Prophezeiungen für 1914, 1918 und 1925: "Wenn
der Prophet im Namen Jehovas redet (und das tat er), und das Wort geschieht nicht und
trifft nicht ein (so war's doch!), so ist das das Wort, welches Jehova nicht geredet hat;
mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet, du sollst dich nicht vor ihm
fürchten." (5. Mose 18:21, 22).
Kurzer Rückblick - was geschah nach 1925?
Daß auch nach 1925 wieder "einige", "etliche" und
"die Gesalbten" im allgemeinen in vielen Wachtturm-Artikeln die Schuld an der
falschen Erwartung bekamen, war schon Methode geworden bei der WTG-Leitung. Wir werden
Dir, lieber Werner und Deinen Brüdern und Schwestern in der Organisation den Beweis
erbringen, daß die "leitende Körperschaft" und ihre Vertreter Euer Vertrauen
rücksichtslos mißbraucht haben. Anhand ihrer eigenen verbreitenden Schriften werden wir
nachweisen, daß sie Euch die Unwahrheit gesagt hat, wenn sie mit den Erwartungen für
1925 gar nichts zu tun haben will, indem sie vorgibt, davor gewarnt zu haben, und indem
sie "den Gesalbten im allgemeinen" die Schuld gibt. (Jenen Gesalbten also, die
sie zu vertreten behauptet
) Die Wachtturrn-Leitung ist verantwortlich, nicht die
Glieder Der nachfolgende Auszug aus dem "Goldenen Zeitalter" (heute Erwachet)
von 1924 beweist schlagend, wie schon kurz angeführt, daß es die WTG war, die die
kühnen Prophezeiungen für 1925 ausgesprochen hat. Es heißt hier: "Wir erwarten mit
voller Gewißheit . . ." "Wir erwarten mit absoluter Zuverlässigkeit . .
." Wir, das ist aber die Herausgeberschaft, die verantwortliche
"Wachtturm-Bibel- und Traktat-Gesellschaft" selbst. (Das Goldene Zeitalter vom
15. März 1924, Artikel: "Weltwirtschaft und Schöpfung").
Vielleicht sagst Du, lieber Werner: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer,
und ein Zitat, vielleicht aus der Feder des damaligen Zweigdieners und verantwortlichen G.
Z. Redakteurs, beweist noch nicht völlig, daß die Watchtower-Society in den USA das auch
wirklich gelehrt hat. Darum bringen wir noch zwei Auszüge aus einem von der Gesellschaft
in den USA publizierten Werk, betitelt: "Der Weg zum Paradies", erschienen 1924.
Dort ist zu lesen auf Seite 214: "das bürgerliche zivile Jahr der Juden beginnt im
Herbst, ungefähr an unserem 1. Oktober Das Jahr 1926 wurde darum ungefähr am 1. Oktober
1925 beginnen. Es würde darum ganz vernünftig sein, zu erwarten, daß kurz nach diesem
Zeitpunkt die Gnade Gottes zum jüdischen Volke zurückkehrt." Auf Seite 215:
"
Wir sollten darum kurz nach 1925, dem letzten vorbildlichen
Jubeljahr die Auferweckung von Abraham, Henoch, Noah, Melchisedek, Abraham, Isaak, Jakob,
Hiob, Moses, Samuel, David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Johannes dem Täufer und
vielen anderen erwarten, die im 11. Kapitel des Hebräerbriefes erwähnt werden.
Diese werden gewissermaßen auf der Erde den Kern des neuen Königreiches
bilden. Eines der ersten Dinge, die geschehen müssen, wird sein, Jerusalem zur Hauptstadt
der Welt herzurichten, das wird ein großes Werk sein.. ." Wie überzeugt (?) der
damalige Präsident, Richter Rutherford, selbst war (oder doch zu sein schien), daß 1925
die von der WTG vorhergesagten Dinge kommen würden, zeigen seine Ausführungen in der
bekannten Broschüre: "Millionen jetzt Lebender werden nie sterben"' (In diesem
Buche wird sogar das, was nach 1925 kommen soll, in schillernden Farben bekanntgemacht).
Auch rechnet der Präsident selbst seinen Lesern sogar den chronologischen Beweis dafür
vor. Er schreibt:
". . . Schriftstellen zeigen, daß 70 Jubeljahre gehalten werden
sollten (Jer. 25:11; 2. Chr. 36:17-21). Eine einfache Berechnung dieser Jubeljahre bringt
uns zu dieser wichtigen Tatsache: 70 Jubeljahre zu je 50 Jahren würde uns zu einer
Gesamtzahl von 3500 Jahren bringen. Da diese Zeitperiode 1575 vor dem Jahre 1 beginnt,
würde sie notwendigerweise im Herbst des Jahres 1925 zu Ende gehen, zu welcher Zeit das
Vorbild endet und das große Gegenbild beginnen muß. Was sollten wir also zu jener Zeit
erwarten? Im Vorbilde mußte eine volle Wiederherstellung stattfinden, daher muß das
große Gegenbild den Beginn der Wiederherstellung aller Dinge markieren. Das menschliche
Geschlecht zum Leben zurückzubringen ist es hauptsächlich, was wiedergebracht werden
soll; und da andere Schriftstellen der Tatsache bestimmt Ausdruck geben, daß eine
Auferstehung Abrahams, Isaaks, Jakobs und anderen Treuen des alten Bundes stattfinden
wird, und daß diese die erste Gunsterweisung empfangen werden, können wir erwarten, im
Jahre 1925 Zeuge zu sein von der Rückkehr dieser treuen Männer Israels aus dem Zustande
des Todes . . ., um gemacht zu werden zu sichtbaren gesetzlichen Vertretern der neuen
Ordnung der Dinge auf Erden". (Millionen-Broschüre Seite 79, 80).
Mithin, lieber Werner, ist wohl der Beweis erbracht, daß, die WTG-Leitung
selbst für alle Prophezeiungen von 1925 verantwortlich ist!
Ungeheuerliche Irreführung und Verdrehung der Tatsachen
Lieber Werner, ist es aber dann nicht eine ungeheuerliche Irreführung
ihrer 1925 enttäuschten Anhänger, wenn die WTG heute den Eindruck zu erwecken versucht,
als habe sie selbst mit den Erwartungen für das Jahr 1925 nichts zu tun? Heißt es doch
beständig: "Viele", "einige' oder "die Gesalbten im allgemeinen"
waren es, nicht die WTG-Leitung So klingt es doch die Jahrzehnte hindurch in der
offiziellen Literatur zum Zeugnis gegen sie:
1925: "Viele haben zuversichtlich erwartet, daß alle Glieder des
Leibes Christi während des Jahres zu himmlischer Herrlichkeit verwandelt werden. Dies mag
vielleicht erfüllt werden. Es mag vielleicht nicht so sein . . . Christen sollten nicht
so tief bekümmert sein um das, was sich in diesem Jahre ereignen mag . . . WT 1925, S.
35. Dies ist jene Stelle, die im Buch "J. Z. in Gottes Vorhaben" als Nachweis
dienen muß, daß der WT die "Brüder gewarnt" habe.
1926: "Einige dachten, daß das Werk 1925 enden würde, aber der Herr
hat das nicht gesagt!" WT 1926 S. 264.
1949: ". . . . wir können nicht . . ., wie es einige versucht haben,
. . , indem sie für gewisse Ereignisse . . . im voraus Daten festlegten" WT 1949/ S.
124.
1955: "Das Jahr 1925 war ein Jahr besonderer Erwartungen, da viele der
Gesalbten dachten
" WT 1955/S. 463.
1960: "
Aber schon die ersten Jünger erwarteten das in ihren
Tagen . . . Richtig, aber sie wurden davor gewarnt, so wie die Brüder 1925 gewarnt
wurden.
Der Wachtturm führt aus: "Christen sollten nicht so tief bekümmert
sein . . ." Buch: "Jeh. Zg. in Gottes Vorhaben", Seite 107.
Noch einmal, lieber Werner: Wer hat "zuversichtlich erwartet" . .
. "gedacht", . . . "versucht" und die "Ansicht vertreten" .
. .? Die Wachtturm-Gesellschaft selbst! Ist es nicht unaufrichtig und unfair, andere für
eine Sache verantwortlich zu machen, für die man selbst die Schuld trägt? Von hier aus
fällt auch Licht auf ihre Hoheitsansprüche. Ist durch solches unlauteres Verhalten der
WTG nicht endgültig der Beweis erbracht, das sie nicht das ist, was sie zu sein
beansprucht, sie bzw. der Überrest, den sie zu vertreten vorgibt, nämlich: "Gottes
bewährter Kanal", WT 15. 9. 1960/Seite 571, "dieser einzigartige Kanal",
Seite 567, "ein Wunderwächter vor den Völkern der Nationen", Seite 566,
"Gottes einziger kollektiver Kanal
, um den Menschen auf Erden beständig
biblische Wahrheiten zu übermitteln". Seite 567. Klingt es nicht angesichts dieser
Tatsache als ein Hohn, wenn wir heute im WT lesen:
"Die Bibel beschreibt diesen Kanal als die 'Straße' des neuen
Jerusalems. Inmitten dieser Straße ergießt sich ein ,Strom von Wasser des Lebens', eine
Flut von Publikationen, kristallklare Wahrheit, die allen, die sich an diesem
erfrischenden Trunk laben, lebenbringende Segnungen bringt . . . Somit hat die Klasse des
'verständigen Sklaven' als Organisation seit 1919 einen stets zunehmenden Strom von
Millionen biblischer Publikationen durchgeschleust, die das Wasser des Lebens' enthalten
und in denen Jehovas Wille, als von Gottes Thron im Himmel ausgehend beschreiben
wird." (Siehe CV Nr. 25: "Warum die WT-Botschaft kein Wasser des Lebens
ist").
Der WT preist das Werk der Organisation als ein modernes Wunder. Ein
modernes Wunder ist es allerdings, wenn Hunderttausende sich solch eine Schönfärberei
vorgaukeln lassen. Lieber Werner, wann werden die Brüder und Schwestern endlich mal zum
Nachdenken kommen, wenn der WT äußert: Die Flut der Watchtower-Publikationen sei
identisch mit dem "Strom lebendigen Wassers", der in Offbg. 22 verheißen ist.
Gut, dann gehört zu diesem Strom auch die Literatur, die jene Großerwartungen für 1925
prophezeite, mit denen sie heute nichts zu tun haben möchte? Zu der erwähnten
"kristallklaren Wahrheit" gehört dann auch jene erschütternde, allen Tatsachen
ins Gesicht schlagende Unwahrheit, daß "die Gesalbten im allgemeinen" die
Prophezeiungen für 1925 aufgestellt hätten, während der Wachtturm "warnte"?
Du weißt ja selber, lieber Werner, daß es in der Organisation gar keine
Eigenmeinungen gibt, noch geben darf. Warum diese Verherrlichung der unrühmlichen
Vergangenheit der Gesellschaft? Will man darüber hinwegtäuschen, daß die WTG mit ihrer
damaligen Botschaft nicht von Gott bestätigt wurde? Jeder kann doch sehen, das, Jehova
Gott diesen "Kanal" zum falschen Propheten gestempelt hat, indem er das von
diesem Kanal Verkündigte nicht eintreten ließ? Wir kennen doch den Schlüssel zur
Ermittlung falscher Propheten in 5. Mose 18:21, 22. So ist die WTG-Leitung durch das
Schriftwort durch ihre eigene Literatur und die offenbarten Tatsachen als falscher Prophet
überführt. Sie hat 1. in ihrer Vermessenheit und Anmaßung, das von ihr Verkündete als
Gottes Wort ausgegeben. Sie ist 2. durch ihre Falschprophezeiungen, die große
Enttäuschung brachten, deutlich als falscher Prophet erkennbar geworden. Sie ist seither
3. ständig bemüht, die Täuschung ihrer enttäuschten Brüder und Schwestern
fortzusetzen. Vergeßt es nicht, ihr irregeführten Brüder in der WTG. Man hat euer
Vertrauen, lieber Werner, in sehr unfairer Weise mißbraucht. Könntest Du Dir nun noch
vorstellen, daß eine solche Führung "das Werk Gottes" auf Erden treibt? Wird
Gott in ihre Hände "alle Königreichsinteressen" auf Erden gelegt haben, wie
sie es immer wieder behaupten? (WT 1950/296; 1957/503). Kannst Du Dir verstellen, daß die
von ihr verkündete Botschaft, wonach Jesus Christus sein Reich 1914 aufrichtete,
glaubwürdiger ist, als das noch schärfer von der Schrift gekennzeichnete (WT 1925/15) -
aber durch die Tatsachen widerlegte 1925 Datum? Da nun das Jahr 1975 noch weit schärfer
von der Schrift gekennzeichnete Endjahr dieser Welt ist, wie es die WTG verkündet, kann
man dies noch als glaubhaft annehmen? Nach all dem Vorhergegangenen wohl nicht!
Schlußfolgerung
Wird damit nicht für jeden ehrlichen Zeugen Jehovas offenbar, daß seine
Führung nicht von Gott gebraucht wurde, wie sie es seit Jahrzehnten mit beharrlichem
Eifer behauptet, sondern daß sie zu alldem auch noch unehrlich, unaufrichtig und
bußfertig ist? Hat nicht dieser "kollektive Prophet" und selbsternannte
"kluge und verständige Sklave" für seine Unglaubwürdigkeit bestens gesorgt?
Ob Du, lieber Werner, und mit Dir alle Brüder und Schwestern, nicht an dieser Stelle zu
ahnen beginnst, warum so viele redliche, gläubige Menschen, die ihr an den Türen
kennenlerntet, mit denen Ihr vielleicht sogar eine Zeitlang eine gewisse Verbindung
hattet, zu dieser WT-Gesellschaft "nein" sagten? Ob Euch an dieser Stelle auch
ein Licht aufgeht, warum im Laufe der Jahrzehnte Tausende und Abertausende, die einmal mit
großen Erwartungen zu der Organisation der Zeugen Jehovas kamen, ihre Bindung an sie
lösten - und das aus Glaubens- und Gewissensbedenken heraus? Kannst Du ahnen, lieber
Werner, warum Du mit solchen '"Abtrünnigen", wie man sie verachtungsvoll nennt,
keine Gespräche führen sollst? Unter ihnen sind ja solche, die allzuviel
Theokratie-Internes wissen, besonders diejenigen, die hohe und höchste Dienstämter in
der Wachtturm-Leitung innehatten Um die bekanntesten Namen zu nennen: Georg H. Fisher,
USA, Verfasser der Schriftstudien Band 7, wandte sich von der WTG ab, C. C. Binkele,
Leiter des Zentraleuropäischen WTG-Büros in Bern, wandte sich von der WTG ab. F. W.
Salter, WTG-Zweigdiener von Kanada, wandte sich von der WTG ab. Paul Balzereit,
WTG-Zweigdiener Deutschland, wandte sich von der WTG ab. Jesse Hemery, WTG-Zweigdiener
England, wandte sich von der WTG ab. Olyn P. Moyle, Brooklyn, Oberster WTG-Rechtsberater,
wandte sich von der WTG ab. Hayden C. Covington, Brooklyn, Oberster WTG-Rechtsberater,
wandte sich von der WTG ab. William J. Schnell, Bethelangehöriger in Magdeburg und
später in Brooklyn, wandte sich von der WTG ab.
Man hat schon seine guten Gründe, aufzufordern, diese Abtrünnigen zu
meiden, denn durch sie würde zu viel Wahres kund werden, das man vermeiden möchte. Doch
unter mißbräuchlicher Anwendung von Johannes 2:9, 10 läßt sich solches Redeverbot ja
bestens "biblisch belegen". Es ist dabei aber zu überlegen, ob die WTG noch die
Lehre des Christus vertritt, vorstehendes zeigt das Gegenteil Es ist nur gut, lieber
Werner, daß Du zusammen mit vielen anderen - Dir die Freiheit nicht in dieser Weise hast
rauben lassen. Möchte Dir und anderen das hier Dargelegte eine Hilfe sein, um vieles in
der rechten Weise zu erkennen.
Für heute, lieber Werner, viele Grüße und Gott befohlen!
Brd. D. und W. M.
Fortsetzung folgt
Zwölf Jahre meines Lebens
von Gerhard Peters (6. Teil)
Zum Schluß des 5. Teiles:
Das Brüderkomitee der Versammlung Hamborn hatte entschieden, daß
Schwester Hannelore Peters wieder zu ihrem Mann Gerhard Peters zurückgehen sollte. Ihr
zufällig von ihrem Mann gefundenes Haushaltsbuch, das sie korrekt geführt hatte, hatte
sie überführt, ihren Mann böswillig verlassen zu haben, das Komitee und auch ihre
Eltern belogen zu haben. Natürlich stimmte das nicht ganz, weil im Hintergrund die Eltern
selbst standen, die wollten, dass sie sich diesen Mann vom Halse schafft. Sie könnte eine
bessere Partie machen, und das alles unter Zeugen Jehovas. Diese Feststellung sollte nach
und nach immer schwerwiegender werden, für die am Ende stehende Erkenntnis, ein Wirken
Gottes in der Organisation und in den Beziehungen unter den Zeugen Jehovas betreffend.
Das Komitee hatte das Haushaltsbuch zurückbehalten, und Gerhard Peters
hatte es nicht wieder gefordert. Das sollte sich bald als ein verhängnisvoller Fehler von
ihm erweisen.
Neuer Haß
Nach ein paar Tagen - ich hatte Nachtschicht gehabt - höre ich plötzlich
im Halbschlaf, daß jemand nebenan in der Küche herumhantiert, und mein erster Gedanke
ist auch gleich: "Aha, Hannelore ist wieder da."
Zuerst wollte ich gleich aufstehen, um nachzusehen; aber dann hörte ich,
daß auch meine Schwiegermutter anwesend war. Leider konnte ich nicht verstehen, was die
beiden miteinander sprachen; denn sie unterhielten sich im Flüsterton.
Ich blieb also noch liegen und dachte mir: Sie haben die Sachen alleine
rausgeschafft, und nun sollen sie auch das Vergnügen haben, vor den Augen der Nachbarn
die gewiß hinter den Gardinen alles mit ansehen - alles wieder ohne mich
reinzuschaffen." Mir war es jedenfalls äußerst peinlich, daß gerade bei uns Zeugen
Jehovas solche Dinge passierten.
Nach einer Weile bin ich dann aber doch aufgestanden, und als ich die
Küche betrat, kam auch gerade meine Schwiegermutter mit den letzten Sachen, die sie von
unten heraufgeholt hatte, herein. Ausweichen konnte sie mir also nicht mehr, und so sagte
ich zu ihr, obwohl sie nicht einmal "Guten Tag" herausgebracht hatte:
"Siehst Du, das wäre Euch alles erspart geblieben, wenn Ihr nicht so untheokratisch
gehandelt hättet."
An sich wollte ich noch mehr sagen, und ich hatte auch vor, ihr am Ende die
Hand zur Versöhnung zu reichen; aber dazu kam ich gar nicht. Sie verließ nämlich sofort
meine Wohnung. Doch bevor sie die Tür hinter sich schloß, drehte sie sich noch einmal um
und zischte mich mit haßblitzenden Augen an: "Glaube ja nicht, daß wir Dir diese
Demütigung vor dem Komitee verzeihen werden", und damit meinte sie das Urteil des
Komitees über ihre Tochter und vor allem den Beschluß, daß ihre Tochter zu ihrem Mann
zurückgehen muß, wenn ihr nicht die Gemeinschaft entzogen werden soll. Die Rechnung
meiner Schwiegermutter war nicht aufgegangen, und das hatte sie natürlich sehr getroffen;
denn sie stand ja in erster Linie im Hintergrund aller Intrigen und Lügen, und nur das
Auftauchen des Haushaltsbuches hatte ihren Plan vereiteln können.
Ich antwortete ihr: "Was solltest Du mir denn verzeihen? Etwa, daß
ich nicht mitgelogen habe? Daß ich mich verteidigt habe gegen Eure Unwahrheiten? Oder,
daß Ihr auf diese abscheuliche Art und Weise etwas gemacht habt, was Ihr gar nicht
verantworten konntet?"
Statt einer Antwort, winkte sie aber nur ab und ging. Meine Schwiegereltern
sind seit dieser Zeit auch nie mehr zu uns gekommen, d. h., wenn ich anwesend war. Auch in
der Versammlung gingen sie an mir vorbei, als wenn ich Luft sei, und auch die Brüder, mit
denen meine Schwiegereltern freundschaftlich verkehrten, benahmen sich mir gegenüber
nicht viel anders. Und das unter Zeugen Jehovas, bei denen eines der obersten Gebote
heißt: "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!"
Noch am selben Tage, an dem meine Frau wieder zu mir zurückgekehrt war,
entdeckte ich noch etwas sehr Deprimierendes. Meine Frau hatte nur ihr Bett bezogen und
meines nicht. Ich frug sie also, was das zu bedeuten hat und erhielt nun eine Erklärung,
die mich völlig aus der Fassung brachte.
Meine Frau sagte mir nämlich folgendes: "Die Mutti hat meine ganze
Aussteuer zurückbehalten. Sie sagt, daß meine Aussteuer von ihr oder von ihrer
Verwandtschaft gekommen sei, und daß Du Dir selber Bettbezüge kaufen sollst. Auch die
Trauringe, die sie uns zur Hochzeit geschenkt hat, hat sie zurückbehalten." Ich war
also gezwungen, im unbezogenen Bett zu schlafen; denn ich besaß ja keine Bettbezüge, und
ich hatte ja auch gar keine Veranlassung gehabt, mir welche zu kaufen, denn meine Frau
brachte ja reichlich davon mit in die Ehe.
Am folgenden Sonntag berichtete ich natürlich dem Versammlungsdiener von
diesem Sachverhalt, doch der sagte mir nur, daß das Privatangelegenheiten sind, in die
sie nicht eingreifen.
Was sollte ich nun machen? Sollte ich vor ein weltliches Gericht gehen und
die Versammlung dadurch noch mehr in Mißkredit bringen? Doch gegen diesen Gedanken
sträubte sich alles in mir, und so schrieb ich dann an meine Mutter in der DDR, damit sie
mir Bettbezüge schickt. -
Meine Frau war wohl wieder zurückgekommen; aber ein Problem entstand nun,
das unter anderem die Rolle des Brüderkomitees in ganz spezieller Weise beleuchtet. Von
Stund an hat meine Frau mit mir nicht mehr in ehelicher Weise verkehrt, trotzdem sie vor
dem Brüderkomitee versprochen hatte, wieder eine ordentliche Ehefrau zu sein.
Schon vom ersten Tag unserer Ehe an hatte ich bemerkt, daß meine Frau
bedenkenlos alles tat, was ihre Mutter sagte, und auch in diesem Falle befolgte sie genau
die Anweisungen, die ihr ihre Mutter mit auf den Weg gegeben hatte.
Ich ahnte natürlich, was hier gespielt wurde, und ich litt unsagbar
darunter; denn hier lag ganz eindeutig eine Provokation vor, die von meiner
Schwiegermutter gesteuert wurde.
Das Verhalten meiner Frau änderte sich erst nach fast einem halben Jahr,
denn nach Ablauf dieser Frist hatte ich mich eines Tages nach dem Felddienst einem Bruder
vom Komitee anvertraut. Ich sagte, hier stimmt doch etwas nicht - könnt ihr nicht mal mit
meiner Frau sprechen Es geht doch nicht, daß sie mir immer wieder demonstriert, was sie
für eine Abneigung gegen mich habe. Tatsächlich sprach jemand vom Komitee mit ihr und
plötzlich war ihr ehewidriges Verhalten vorbei. Selbst bis in die intimsten
Lebensbereiche einer Ehe reicht das Brüderkomitee, und in meinem Falle hatte es sogar
mehr Macht über meine Frau als deren eigene Mutter.
Sollte oder wollte sie das Kind nicht haben?
Eines Tages sagte meine Frau zu mir: "Du, Gerhard, ich glaube, wir
müssen uns noch ein zweites Kinderbettchen anschaffen. Ich war nämlich heute beim Arzt,
und obwohl er mir noch nichts Sicheres sagen konnte, ich bin fest davon überzeugt, daß
ich in Umständen bin. Alle Anzeichen sprechen jedenfalls dafür."
Selbstverständlich versuchte ich meine Frau zuerst einmal davon zu
überzeugen, daß vielleicht doch alles nur ein Irrtum sei usw. Als sie mir dann aber
erzählte, daß bereits acht Wochen vergangen seien, da war auch ich fest davon
überzeugt, das ein Irrtum nicht mehr möglich war. Die nächsten Stunden verbrachten wir
nun damit, alle gemachten Zukunftspläne neu zu durchdenken, und als meine Schwester wenig
später bei uns hereinschaute, da erzählte meine Frau auch ihr, was geschehen war. Mit
keiner Silbe erwähnte meine Frau an jenem Tage, daß dieses Kind ihr unerwünscht sei. Im
Gegenteil, in Gegenwart von meiner Schwester suchten wir bereits schon nach einem
passenden Namen.
Wie war ich darum nach einigen Tagen überrascht, als ich zwei Stunden
früher (ein Lehrer war plötzlich erkrankt) aus der Schule kam. In der Küche empfängt
mich eine wahre Tropenhitze und ein Dampf, fast wie in einer Waschküche Zuerst wußte ich
gar nicht was los ist. Doch dann bemerkte ich die Badewanne auf dem Fußboden und auf dem
Tisch die ziemlich geleerte Rotweinflasche.
Ein furchtbarer Verdacht stieg plötzlich in mir auf, und als ich nun auch
noch meine Schwiegermutter sah, die gerade aus dem Nebenzimmer kam, da gab es für mich
kaum noch Zweifel, was hier getrieben worden war. Die letzte Gewißheit erhielt ich dann
aber, als ich nun meine Frau im Bett liegen sah. Ihr Herz überschlug sich fast, und als
ich sie frug, was los sei, da konnte sie mir vor Erschöpfung kaum antworten.
Zornentbrannt ging ich nun in die Küche, und dort sagte ich zu meiner
Schwiegermutter: "Was Ihr hier getrieben habt, ist Abtreiberei!" Natürlich
stritt meine Schwiegermutter bis zum Steinerweichen; denn sie war der Meinung, daß man
mit heißen Sitzbädern, heißem Rotwein und Fiebertabletten keine Abtreibung durchführen
kann. Angeblich wollte sie nur mal ausprobieren, ob meine Frau wirklich schwanger sei oder
nicht.
Was sollte ich nun machen? Die Sache war nun "ausprobiert", und
meine Erregung änderte nun auch nichts mehr. Meine Schwiegermutter hatte es jedenfalls
nun sehr eilig mit dem Weggehen. Sie hatte ja ihr Vorhaben ausgeführt - nicht ohne Erfolg
-, wie ich dann wenig später von meiner Frau erfuhr.
Abtreiberei ist gesetzwidrig, auch für Zeugen Jehovas. Aber hier schien es
dennoch keine Gewissensbisse zu geben. Auch von der Versammlung und vom Brüderkomitee kam
nichts, obwohl hier nichts verborgen geblieben war.
Von diesem Mann, den sie sich vom Halse schaffen soll,
noch ein Kind? Das mußte offensichtlich verhindert werden Wo kein Kläger ist, ist kein
Richter - auch unter Zeugen Jehovas nicht. Reinheit der Organisation? Was verbirgt sich
hinter dieser Behauptung nicht alles!
Nur die Zeugen Jehovas nicht in Mißkredit bringen.
Ich habe mir jetzt doppelt Mühe gegeben, als Zeuge Jehovas zu leben. Immer noch glaubte
ich fest, es ist Jehovas Organisation, bei der ich nun in mancher Hinsicht schlecht
angeschrieben war, wie man so sagt. Sie hatten auch meine Verkündigerkarte eingesehen,
auf der meine Gottesdienstleistungen verzeichnet waren. Felddienststunden, Nachbesuche,
Heimbibelstudien, Literaturverkauf und sonstige wichtige Vermerke. Auf dieser Karte war
natürlich weniger verzeichnet als bei anderen, weil ich beruflich mehr belastet war.
Diese Mängel hatte man mir auch vorgehalten: Hör mal zu, Bruder Peters, wir sehen hier,
du erreichst deine Quoten (ein bestimmtes Soll an Haus-zu-Haus-Dienst und
Literaturverkauf) nicht mehr, du liegst unter dem Durchschnitt. Was machst du überhaupt?
Und häussliche Schwierigkeiten hast du auch? Ich sagte mir also, so geht das nicht
weiter. Aber was tun? Ich antwortete den Brüdern: Es geht nun zu Ende mit meiner
Berufsausbildung, das Examen rückt immer naher, und da habe ich natürlich wieder etwas
mehr zu tun.
Sie hatten hierfür aber kein Verständnis: Du weißt ganz genau, in der Heiligen Schrift
steht geschrieben, daß der Baum, der keine Früchte trägt, umgehauen und ins Feuer
geworfen wird.
Wieder hatte man den gewissen Zeigefinger drohend vor mir erhoben.
Ich war verzweifelt und wußte weder ein noch aus. War bei mir wirklich etwas nicht in
Ordnung? Ich stellte mir immer wieder dieselben Fragen: Hast du nicht vielleicht doch
selbst Schuld an allem? Bist du nicht selbst die Ursache, daß alles so gekommen ist? Ich
steigerte mich immer mehr in eine gewisse Panik hinein, daß ich vielleicht unter
Mißachtung des Wachtturm und der Bibel mir selbst diese unglücklichen Zustände
geschaffen hätte. Vielleicht hat dir Jehova tatsächlich seinen Segen entzogen.
Andererseits hatte ich doch in meinem Glauben nie nachgelassen oder gar gezweifelt. Ich
hatte eben nur weniger getan als viele andere. Aber kommt es auf viel oder wenig an?
Ich arbeitete nun in den folgenden Wochen wie ein Irrsiniger; denn auch in der Schule
hatten meine Leistungen durch die häuslichen Schwierigkeiten und seelischen Kontlikte
rapide nachgelassen. Ja, ich war oft gar nicht mehr in der Lage, etwas in mir aufzunehmen.
Der Dozent stand vorn und rechnete etwas vor, Formeln, Daten, und ich schaute hin und
hatte ganz andere Dinge im Kopf. Ich rutschte immer mehr ab und verhaute eine Arbeit nach
der anderen. Was ich sonst mit Leichtigkeit schaffte, wuchs mir nun einfach über den
Kopf.
Ich wurde zur Schulleitung gerufen, und dort machte man mir Vorhaltungen, was mit mir los
sei. Hätte ich dem Bergschuldirektor damals ehrlich gesagt, was mit mir los war, dann
wäre alles noch gut gegangen. Aber nein, ich habe alle in Schutz genommen. Die
Organisation, meine Frau - nichts habe ich gesagt. Stattdessen schob ich eigenes
Unwohlsein und Krankheit meiner Frau vor, um mein Nachlassen zu erklären, und ich habe
offensichtlich gelogen, nur um Jehovas Zeugen nicht in schlechtes Licht zu stellen. Denn,
hätte ich erzählt, was ich durchmachen muß, mit den Schwiegereltern, mit meiner Frau,
mit dem Komitee, die Drohungen mit dem Baum, der ins Feuer geworfen wird, die Gegnerschaft
des Komitees gegen meine Berufsausbildung, weil das Zeit und Kraft fordert, die Lügen und
Gemeinheiten gegen mich, Ich weiß nicht, was das geworden wäre. Also verschwieg ich
meine Probleme und log etwas anderes zusammen. Ich war nämlich sonst immer offen als
Zeuge Jehovas aufgetreten - auch meinen Berufskollegen gegenüber, und ich bin nicht
selten von denen verspottet und verhöhnt worden; denn die meisten von ihnen waren strenge
Katholiken. Wie konnte ich also nun offen über meine Probleme als Zeuge Jehovas sprechen.
Damit hätte ich doch Schande über die Organisation gebracht.
Ich wollte meinen Klassenkameraden von der wahren christlichen Nächstenliebe predigen und
hatte selber einen seelischen Beistand am nötigsten; denn sie führten zum größten Teil
eine gute Ehe und wußten vor allen Dingen, was sie wollten. Ihre Frauen kamen auch
häufig zur Schule und holten sie ab; aber meine Frau brachte das nicht fertig. Sie ging
stattdessen lieber zu anderen Menschen und heuchelte denen vor, wie groß doch die Liebe
in Gottes Organisation sei. Mich von der Schule abzuholen wäre ja Zeitvergeudung gewesen.
-
Unter unendlichen Mühen habe ich es dann aber doch geschafft; denn durch das schriftliche
Examen ging ich mit einer glatten 3.
Bin ich denn ganz von Gott verlassen?
Trotz meines beruflichen Erfolges wurden meine häuslichen Schwierigkeiten immer größer;
denn der Entschluß, mich endgültig abzuservieren, war ja bereits schon lange gefaßt.
Nur ich wollte es einfach nicht glauben. In diese Spannung fehlte nur noch ein Zündfunke,
und der ließ auch nicht lange auf sich warten.
Eines Tages, ich saß unten in der Bremskammer und machte mir Notizen. Unter Tage ist nun
mal die Beleuchtung ziemlich schlecht und hier hatte man eine Neonbeleuchtung angebracht,
die durch Preßluft betrieben wurde. Hier hatte ich mich wegen der guten Beleuchtung also
kurz mal hingesetzt, um mir einige wichtige Notizen zu machen; denn mein Reviersteiger,
dem ich als Lehrsteiger beigegeben war, war plötzlich kank geworden, und nun mußte ich
für ihn den Betrieb leiten.
Als ich nun so sitze und schreibe, sagt plötzlich jemand: "Glück auf!" Vor mir
steht der Fahrsteiger. Ich stehe natürlich sofort auf und stelle mich vor; denn ich war
ja erst wenige Tage in diesem Teil der Grube tätig und war bisher mit dem Fahrsteiger
noch nicht persönlich bekannt geworden.
Dieser Fahrsteiger hielt es aber nicht für nötig, sich mir gegenüber auch vorzustellen,
sondern er fuhr mich gleich an: "Sagen Sie mal, was machen Sie denn hier in der
Bremskammer?"
Höflich erwiderte ich ihm: "Herr Fahrsteiger, ich mache gerade meine
Anwesenheitsliste fertig, und außerdem habe ich für den morgigen Tag telefonisch für
die Förderstrecke ein breiteres Förderband angefordert; denn das alte ist zu schmal und
schafft die Fördermengen nicht mehr." Eigentlich wollte ich ihm noch über weitere
Mängel berichten, aber dazu ließ er es gar nicht mehr kommen, sondern er unterbrach mich
wütend mit den Worten: "Hören Sie mal, ich möchte Sie in Zukunft nicht noch ein
mal sitzend antreffen; denn Sie befinden sich hier im Bergbau und nicht in der
Schreibstube."
Dies war genau der Ton, den ich noch aus meiner Militärzeit in Erinnerung hatte, und so
reagierte ich dann auch. Ein Wort gab nun das andere, und als der Herr Fahrsteiger merkte,
daß er mit mir nicht umspringen konnte wie mit einem dummen Jungen, entfernte er sich mit
den Worten: "Sie werden sich heute nach der Schicht beim Betriebsführer
melden."
Nach der Schicht erwartete mich der Betriebsführer bereits im Steigerbüro; aber auch der
ließ mich gar nicht richtig zu Worte kommen. Für ihn schien es eine Todsünde zu sein,
daß ich es gewagt hätte, den anmaßenden Ton meines Vorgesetzten zu kritisieren, und so
brüllte er unter anderem, daß es durch die ganze Lohnhalle schallte: "Wenn Sie
nicht spuren wollen, dann müssen wir uns eben trennen!"
Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich geschwiegen hätte; aber plötzlich war bei
mir das Maß voll, und so sagte ich dem Betriebsführer, daß ich unter diesen Bedingungen
nicht gewillt sei, den Sündenbock oder dem dummen Jungen zu spielen.
Gewiß hätte ich unter normalen Umständen die eben geschilderten Begebenheiten gar nicht
einmal so tragisch genommen; denn Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten ähnlicher
Art zwischen Steiger und Betriebsführer gehören in den Zechen an der Ruhr zur
Tagesordnung. Schon die Tatsache, daß man mir vertretungsweise - obwohl ich ja noch
Lehrsteiger war - volle Verantwortung übertragen hatte, beweist doch hinreichend, daß
die Betriebsleitung volles Vertrauen zu mir hatte.
An jenem Tage war aber einfach das Maß bei mir übergelaufen - leider gerade im unrechten
Moment; denn der dauernde seelische Druck durch die häuslichen Ereignisse und durch die
Zeugen-Organisation, mußte früher oder später zur Entladung führen. Ich schmiß also
alles hin und forderte meine Papiere, und was das bedeutete für mein weiteres berufliches
Fortkommen, wurde mir erst bewußt, nachdem sich meine Erregung gelegt hatte. Wohl war ich
moralisch im Recht; aber was spielt dieser Begriff schon für eine Rolle in einem
Gesellschaftssystem, das den Untertanengeist noch für die höchste Tugend hält.
Wenige Tage später wurde ich zur Schulleitung gerufen, und dort machte man mir dann auch
in unmißverständlicher Weise klar, daß ich, obwohl ich ja das Examen bestanden hatte,
mit der Aushändigung eines Steigerpatentes aus "moralischen Gründen" nicht zu
rechnen habe; denn immerhin sei es der Betrieb gewesen, der meine ganze Ausbildung bezahlt
habe.
Wohl hätte ich mit rechtlichen Mitteln gegen den Beschluß der Schulleitung ankämpfen
können, aber in meiner damaligen Verfassung fehlte mir einfach die Kraft und auch der
Wille, um diesen Kampf durchzusetzen. Zu lange hatte ich ja schon vorher immer wieder mit
dem Gedanken gespielt, diese schweren beruflichen Belastungen zugunsten meiner religiösen
Überzeugung einfach abzuschmeißen.
Ich lies mir dann noch bescheinigen, daß ich freiwillig die Bergschule verlassen habe, um
später den Brüdern beweisen zu können, wie willig ich ihrem Wunsche entgegengekommen
war.
Ich ging dann nach Hause. Nun würde sich alles klären mit meiner Frau, mit der
Organisation und mit dem Brüderkomitee Endlich hatte ich die belastende Bergschule hinter
mir, und ich glaubte auch fest daran, endlich über den kritischen Berg hinweg zu sein.
Gereichen denen, die Gott lieben, nicht alle Dinge zum Guten? Endlich konnte ich mich dem
Hauptwerk widmen, wie es die Organisation Jehovas erwartet, dem Dienst der Verkündigung.
Arbeit für den Lebensunterhalt würden wir immer haben, doch leider hatte ich die
Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht!
Eine Frau, die mit dem ganzen Herzen Zeuge Jehovas ist und fest im Glauben steht, hätte
sich gefreut, daß ihr Mann nun endlich so weit ist und alles Materialistische
abgeschüttelt hat, was die Organisation nicht für nötig hält, Sie hätte sich gefreut,
daß ihr Mann sich durchgerungen hat, auch das Letztmögliche für den Glauben
einzusetzen. Bei meiner Frau wirkten aber meine Erklärungen wie ein Blitz aus heiterem
Himmel. Sie hatte sich nämlich vorgestellt: "Na, wenn dein Mann erst einmal Steiger
ist, dann beginnt gewiß ein sehr schönes Leben - schönes Gehalt, freie Dienstwohnung
mit allem Komfort, schöner Wagen usw. Ja, und nun kam ich - Schulabschlußfeier usw. war
alles schon festgelegt - und erklärte ihr, daß alles aus und vorbei sei. Daß dies aber
auch auf meine Ehe zutreffen wurde, damit hatte ich jedoch nicht gerechnet.
Gegen den Osten ist jedes Mittel recht
Ich hatte nun aber versucht, meiner Frau die Dinge klar zu machen, daß doch alles nicht
so schlimm sei. Ich kann doch auch andere Arbeit machen, und es gibt doch noch mehr
Berufe, in denen ich arbeiten kann, und die mir auch gewiß besser liegen", sagte
ich. "Weißt Du was, fuhr ich fort, "ich nehme mir jetzt erst einmal meinen
Urlaub und fahre zu meinen Eltern in die DDR. Ich habe nämlich bei früheren Besuchen
erfahren, daß einem dort die Gründung einer neuen Existenz bedeutend leichter gemacht
wird als hier, und wirtschaftlich besser wird es ja dort auch einmal, und wo es besonders
darauf ankommt: Brüder gibt es dort auch."
Fast schien es mir so, daß meine Frau mit meinen neuen Vorschlägen einverstanden war;
denn wir überlegten bereits was wir mit unseren Möbeln tun würden, wenn wir einmal
umsiedeln. -
Am Nachmittag desselben Tages hatte ich noch einige Besorgungen zu machen, und als ich
nach einigen Stunden wieder zurück kam, saß bei mir in der Wohnung der Bruder Josefowski
(Mitglied des Brüderkomitees). Dieser eröffnete mir auch sogleich: "Hör mal zu,
ich habe gehört, Du willst in die Ostzone übersiedeln?"
"Na und" - sagte ich. Doch da braust er gleich auf: "Ja, ist denn das die
Möglichkeit? Hast Du schon mal an Deine Frau dabei gedacht? - Andere Brüder verlassen
die Ostzone und kommen nach dem Westen zu uns, und Du willst dahin? Das kann doch nicht
dein Ernst sein, das kannst Du doch Deiner Frau nicht zumuten!" Ich sagte:
"Wieso, sie hat doch lange genug drüben gewohnt, und es ist für sie darum auch
nichts Neues. Dort reißt man keinem Menschen den Kopf ab. Im Gegenteil, was berufliche
Ausbildung anbetrifft, so habe ich dort sogar weit bessere Möglichkeiten als hier."
Er ließ sich von mir aber nicht überzeugen und wurde mit seinen Äußerungen und
Drohungen immer deutlicher. Zuletzt sprang er sogar auf, fuchtelte mir mit den Händen
wild vor dem Gesicht herum und sagte: "Ich sehe, Du bist unbelehrbar, und darum werde
ich es zu jeder Zeit befürworten, daß Deine Frau das nicht mitmachen braucht."
Natürlich kam nun auch bei mir langsam das Blut in Wallung; denn was hatte dieser Bruder
für ein Recht, sich in meine familiären Angelegenheiten einzumischen? Ich sagte ihm
darum: "Es ist komisch, auf eine Art heißt es immer, wir sollen als Zeugen Jehovas
immer bestrebt sein, möglichst an der vordersten Front zu stehen, und keiner soll davor
zurückschrecken, wenn es möglich ist, sich in die Höhle des Löwen zu begeben. Sich in
der Etappe herumdrücken, das kann jeder. Aber dort, wo ich hinzugehen beabsichtige, ist
die vorderste Front.
Der Bruder ließ sich aber auf nichts ein. Empört über mich, sagte er zu meiner Frau:
"Ja, unter diesen Umständen werden wir Dir nichts mehr in die Wege legen, wenn Du
Dich ganz von Deinem Mann trennst." Ich war einfach sprachlos. Der Bruder ging, und
meine Frau ging gleich mit.
Fortsetzung folgt.
Im Vorschatten des Jahres 1975
Das Jahr 1975 wirft seine Schatten immer stärker voraus. In
"Erwachet" Nr. 16 vom 22. 8. 69, werden die jungen Bruder und Schwestern daran
erinnert, "daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden wird"
und daß sie deshalb in diesem System "nie alt werden". Sie werden also auch nie
das Ende einer beruflichen Laufbahn erreichen, wenn diese viele Jahre erfordert, die ihnen
dieses System in dieser Endzeit bietet. Langes Studium ist unsinnig und verlorene Zeit.
Darum finden es Eltern, die ihr Leben nach Gottes prophetischem Wort ausrichten, viel
nützlicher, ihren Kindern einen Beruf erlernen zu lassen, der nicht eine so lange
Studienzeit erfordert. Und Berufe wie der des Zimmermanns, des Installateurs und anderer
Handwerker sind nicht nur nützlich, sondern werden vielleicht noch nützlicher bei dem
Wiederaufbau, der in Gottes neuer Ordnung erfolgen wird." Im übrigen wird den
Jugendlichen empfohlen, viel mehr Zeit für den Verkündigungsdienst zu verwenden.
Man fragt sie: "Was ist wirklich praktisch: sich auf seine Stellung in dieser Welt
vorzubereiten, die bald vergehen wird, oder darauf hinzuarbeiten, das Ende dieses Systems
zu überleben und ewiges Leben in Gottes gerechter neuer Ordnung zu erlangen?"
Warum versucht die Leitung der WTG, junge Menschen in ihrer Berufswahl zu beeinflussen
resp. die Eltern? Ist sie besorgt, daß die Produktion in der neuen Druckerei in Brooklyn
lahmgelegt wird, wenn der Felddienst in bezug auf berufliche Ausbildung ins Hintertreffen
kommt? Übernimmt sie die Garantie, wenn ihre Prophezeiung nicht eintrifft, alle die
Brüder und Schwestern zu entschädigen auf Grund ihrer Behinderung in der Berufswahl Ist
sich die Leitung bewußt, daß sie diesen jungen Brüder und Schwestern für ihr ganzes
Leben schädigt, wenn sie ihnen quasi verbietet, alle Möglichkeiten, sich zu
qualifizieren, zu nutzen?
Ist sie sich nicht bewußt, daß sie mit solchem Rat alle Menschen schädigt?
Liebe Brüder und Schwestern, denkt darüber nach und beantwortet euch die Fragen selbst.
Ein Beispiel dazu: Im Jahre 1924 gab man den Brüdern und Schwestern den gleichen Rat,
weil 1925 dieses System enden sollte. Man gab sogar noch den Rat, keine
Versicherungsbeiträge, wie Altersrente usw. mehr zu zahlen. da dies zwecklos sei. Diese
Brüder hatten dann nach 1925 den Schaden, den sie erlitten, selbst zu tragen. Trotzdem
sie den Rat der WTG-Leitung befolgten, entschädigte man sie nicht und hatten im
Rentenalter dann den Schaden bis an ihr Lebensende zu spüren. Mir persönlich sind solche
geschädigten Brüder bekannt geworden. Weil man ihre Briefe nicht beantwortete, fuhr man
persönlich nach Magdeburg in das Zweigbüro und trug ihnen dort die Notlage, in die sie
geraten waren, vor. Die Antwort war: "Es tut uns leid, lieber Bruder, aber wir
glaubten, euch damit zu helfen, daß es anders kam, ist der Wille des Herrn, das System
sollte eben noch nicht zu Ende sein. Leider können wir dir hier auch nicht helfen.
Übrigens hättest du es ja auch nicht tun brauchen, unseren Rat zu befolgen, es war ja
unser Rat und nicht der Rat des Herrn. Vielleicht kann euch die Gruppe eurer Stadt ab und
zu etwas geben, es darf aber nicht aus der "Guten Hoffnungskasse" genommen
werden, sondern muß gesondert gesammelt werden. Dies ist der Rat, den wir dir erteilen
können. Wir hoffen, daß du dort Erfolg haben wirst. Ob es heute anders sein wird?
Beantwortet euch die Frage selbst.
Eheverbot
Weil die Brüder oder Schwestern unter den Zeugen Jehovas keinen geeigneten Ehepartner
finden konnten, haben einige von ihnen "Ungläubige" (aus anderen
Gemeinschaften, die ja in der WTG als Ungläubige gelten) geheiratet.
Der Wachtturm vom 15. 9. 1969, Nr. 18, tadelt dies als eine "Mißachtung dessen, was
Jehovas Wort in dieser Hinsicht gebietet."
Es sei eine gefährliche Handlungsweise und lasse "eine Schwächung des Willens
auszuharren erkennen." Zur Begründung wird das Beispiel Jeremias herangezogen.
Dieser erhielt von Jehova das Gebot: "Du sollst dir kein Weib nehmen und weder Söhne
noch Töchter haben an diesem Orte" (Jeremia 16:1 f). Er durfte nicht nur keine
ungläubige Frau, sondern überhaupt nicht heiraten. Jehova nannte als Grund des Verbots
das bevorstehende Gericht, das den Massentod durch Hunger und Schwert über Israel bringen
wird.
Diese Begründung gilt auch heute im Blick auf 1975 "Sollten wir, die wir in einer
viel ernsteren Zeit leben als damals Jeremia, nicht beweisen, daß wir gewillt sind
auszuharren, indem wir dem Wort Jehova gehorchen und, wenn wir heiraten, "nur im
Herrn" heiraten? Wäre es nicht besser, wenn nötig, zu warten, bis einem Jehova das,
was man zum Ausharren persönlich benötigt, zu kommen läßt, als ihm zu mißfallen?
Liebe Brüder und Schwestern, sind diese Worte der Aufforderung nicht die gleichen, welche
im Suche "Kinder" erschienen 1941 und verteilt an 15 000 Kinder auf dem Kongreß
vom 6.-10. August 1941 in St. Louis, USA. Dort hieß es unter anderem: "Unsere
gegenwärtige Pflicht ist klar, wir müssen jetzt Zeugen für den Namen Jehovas und sein
Königreich sein". Harmagedon in nur wenigen Jahren, seit 1935. Jetzt 1975, mithin 40
Jahre später, als damals den Kindern bis zu 18 Jahren versprochen wurde von Präsident
Rutherford. Wurde hier nicht eine ganze Generation unter den Zeugen Jehovas mit schönen
Worten um ihr Recht auf Liebe gebracht? Was sagen diese Kinder von 1941 heute? (Siehe CV
Nr. 24, S. 6).
Wenn man die WT-Literatur aufmerksam verfolgt, wiederholt sich früher Verkündetes oft
als "Neues Licht".
Deshalb die Aufforderung der WTG-Leitung, alle alte Literatur zu vernichten, da sie
wertlos geworden sei. Wertlos für die Leitung, von Wert aber für alle prüfenden Brüder
und Schwestern. Das Alte sind nun die Vorschatten von 1975 geworden, rnerket auf!
B. M.
Aus eingegangenen Briefen:
Aus dem Bezirk Gera:
CV Nr. 25 ist wieder sehr interessant. Der Artikel: "Warum die Wachtturm-Botschaft
kein Wasser des Lebens ist" ist sehr aufklärend und man sollte meinen, daß dies
jeder bejahen muß, daß die WTG kein Wasser des Lebens geben kann. Auch die Überschrift
des Leitartikels ist sehr treffend. Schon die Frage: "Bringen Jehovas Zeugen die
biblische Wahrheit?" kann mit einem großen "Nein" beantwortet werden . . .
Fahrt weiter so fort in Eurer Aufklärungsarbeit, der Erfolg wird nicht ausbleiben.
Aus dem Bezirk Gera:
Die Nr. 24 ist wieder ganz vorzüglich. Außerordentlich gut gefällt mir Dein
Leitartikel: "Bringen Jehovas Zeugen die biblische Wahrheit?" Wenn jemand aus
der Wahrheit ist, dann müssen diese Wahrheiten wirken . . . Sende bitte CV an die
angeführten Adressen
Aus Schweden:
Besten Dank für CV und Brief. Ich lese CV sehr gern, trotzdem mir das Deutsch sehr schwer
fällt. Muß eben das Wörterbuch gebrauchen. Ich verstehe aber die Abhandlungen
vollkommen und besonders interessierten mich die beiden ersten Artikel von Nr. 24. Ich
habe alle Literatur von Bruder Goodrich und Schnell gelesen, aber es scheint, daß Deine
Zeitung bis jetzt die beste dieser Art ist . . . .
Aus dem Bezirk Dresden:
Ja, die WTG ist ein Trauerspiel. Sie behaupten, daß die andere Glaubensgemeinschaften von
der Bibel sprechen, aber nicht danach leben und handeln. Wie freute ich mich, als ich die
ZJ damals kennen lernte, daß ich endlich das Richtige gefunden zu haben glaubte. Leider
stellte ich aber bald fest, daß sie noch weit schlimmer waren; denn sie handelten
fortgesetzt entgegen den biblischen Lehren. Dies erkennen zu müssen, war ein furchtbarer
Schlag und ein elendes Erwachen für mich. Viele Jahre meines Lebens habe ich hier nutzlos
verbracht, immer im Glauben, es wird sich alles zum Guten wenden. Es ging aber nicht zum
Guten aus, sondern der Zustand in der Organisation wurde immer schlimmer, so darf ich es
aufgab, hier noch länger zu weilen. - Ich hätte es viel eher tun müssen, mir wäre viel
erspart geblieben. In der WTG-Organisation ist keine Liebe und Verstehen. Jeder sollte
diese Warnung beachten und fern bleiben . . .
Schatten über den neuen westdeutschen Zweigdiener:
Bei CV gingen Anfragen ein, in denen um Auskunft über den neuen westdeutschen Zweigdiener
gebeten wird. Im Namen aller Interessierten fordert CV in aller Öffentlichkeit die WTG
auf, Auskunft über den neuen westdeutschen Zweigdiener zu erteilen.
Wie aus den bei CV eingegangenen Anfragen ersichtlich, bitten wir, besonders auf solche
Fragen dabei einzugehen, wie seine Haltung gegenüber den Machenschaften der WTG, seine
Einstellung zu den angeblich 1975 bevorstehenden Ereignisse zum Ausdruck kommt und wie er
versuchen wird, die "theokratischen Prinzipien" von Brooklyn durchzusetzen.
Wir empfehlen der WTG eine öffentliche Antwort
Büro der Studiengruppe "Christliche Verantwortung", 65 Gera, Böttchergasse 1
A 6097-70 V 7 1 513
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