CV 259
Ein Kommentar in dieser Ausgabe geht auch auf die ab 1991 vorgenommene Umstellung des Vertriebes der WTG-Literatur als kostenfrei" ein
CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN
NR. 259 GERA IV/1991
DAS KREUZ CHRISTI IST DIE NEUE GRUNDLAGE FÜR UNSERE GERECHTSPRECHUNG
Es liegt noch nicht sehr lange zurück, da begannen sich im östlichen Teil unseres Landes überraschend einschneidende Veränderungen zu vollziehen. Diese Veränderungen sind noch längst nicht abgeschlossen und greifen so tief in das Leben jedes einzelnen Menschen, daß man hier - sicher nicht zu Unrecht - sehr schnell von einer Wende zu sprechen begann. Es überrascht auch nicht, zu hören, daß nicht alle Menschen über die angelaufenen Veränderungen glücklich sind. Da Viele in ihren Erwartungen getäuscht wurden, stellen sie nun Vergleiche an, und Redewendungen wie "vor der Wende", und "nach der Wende" sind in Gesprächen und Diskussionen in vielfältiger Weise immer wieder zu hören.
Doch nicht von dieser Wende soll hier die Rede sein, betrifft sie doch, verglichen mit der Weltbevölkerung, nur relativ wenige Menschen.
Die Bibel berichtet von einer weit entscheidenderen Wende, einer Wende, die allen Menschen unserer Erde zugute kommen soll. Diese nahm ihren Anfang in Jerusalem mit dem Auftreten unseres Herrn Jesus Christus. Der Apostel Paulus berichtete später hierüber mit den Worten:
"Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren." (Galater 4, 4.5) Und eben dieses Gesetz, das ihnen einst durch Mose und die Propheten zum rechten Wandel vor Gott gegeben wurde, dieses Gesetz war das zentrale Thema dieser, für das jüdische Volk, wie auch aller Menschen unserer Erde, so entscheidenden Wende.
Schon seit Moses Zeiten haben die Nachkommen Abrahams vergeblich versucht, den Satzungen und Geboten dieses Gesetzes gerecht zu werden, vermochten es aber nicht. Das Gesetz wurde ihnen zum Fallstrick und drückte sie immer tiefer in die Schuld vor Gott. Bei einem Treffen der Apostel und Ältesten in Jerusalem sagte der Apostel Petrus denen, die auf die Einhaltung der Gesetzesvorschriften durch die Jünger aus den Nationen drängten:
"Was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten?" (Apostelgeschichte 15.10) Gerade dieses Joch war es doch, das der Herr zerbrochen hatte, indem er die wider sie stehende Handschrift, bestehend in Satzungen, aus ihrer Mitte hinwegnahm und an das Kreuz nagelte (Kol. 2, 14). Den eigentlichen Zweck dieses Gesetzes hatten sie noch nicht klar erkannt. Auch hier war es der Apostel Paulus, der den Schleier, der noch auf ihren Herzen lag, hob. Er schreibt:
"Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister." (Galater 3, 24.25)
Gemeint ist der Glaube an den Herrn Jesus Christus. In ihnen, den Gläubigen, ward er Zuchtmeister zu seinem Ziel gelangt, er hatte seiner Zweckbestimmung gedient, sie bedurften nun seiner nicht mehr. Es scheint, daß die einfachen Menschen aus dem Volk das schneller begriffen hatten, denn sie folgten ihm (Jesu) willig und hörten seine Botschaft.
Nicht so die Obersten der Juden, sie ließen ihn argwöhnisch beobachten, indem sie "Auflaurer" hinter ihm her sandten. Sie sollten ihn in seiner Rede fangen, damit sie Grund hätten, ihn der Obrigkeit zu überliefern (Luk. 20,20). Es ist daher durchaus denkbar, daß Jesus sich in der Bergpredigt auch an ihre Adresse wandte, als er sagte:
"Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen." (Matthäus 5, 17)
Und Jesus erfüllte das Gesetz. Seinen Jüngern, denen er nach seiner Auferstehung erschien, erklärte er: "Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich nicht bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Mose und den Propheten und den Psalmen." (Lukas 24, 44)
Mit vollem Recht konnte Paulus also später schreiben: "Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit." (Römer 10, 4)
Seinen Jüngern, die während seines irdischen Dienstes bei ihm und so Zeugen seines Wirkens und Opfertodes waren, gebot er, kurz bevor er vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen wurde:
"Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde." (Apostelgeschichte l, 8)
Folgt man dem Bericht in der Apostelgeschichte, dann stellt man fest, die Zeugentätigkeit der Jünger und Nachfolger des Herrn beschränkte sich zunächst auf das Gebiet Jerusalems; einmal abgesehen von jenen, die während der Pfingsttage als Gäste in der Stadt weilten, zum Glauben kamen, sich taufen ließen und nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Heimatländer und -orte zurückreisten und dort tätig wurden. Später, nach der Steinigung des Stephanus, setzte eine große Verfolgung ein und die Jünger, mit Ausnahme der Apostel, wurden in die Landschaften Judäas und Samarias zerstreut und begannen nun auch dort das Wort zu verkündigen (Apg. 8, l .4).
Ein Apostel für die Nationen
Doch erst mit der Bekehrung des Paulus und seiner Berufung zum Apostel für die Nationen trat eine entscheidende Änderung ein. Jesus selbst deutete vor dem Jünger Ananias in Damaskus an, daß der, der sie einst verfolgte, ihn nun vor den Menschen aus den Nationen bezeugen soll (Apg. 9, 15).
Wenn man von der Bekehrung des Paulus spricht, dann muß man schon unterscheiden zwischen dem Weg des Pharisäers Saulus und dem der einfachen Menschen aus dem Volk, die zum Glauben an Jesus kamen.
In einer Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte Jesus zu ihnen:
"Ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lust nicht mit einem euerer Finger an." (Lukas 11,46)
Jesus sprach hier keineswegs vom Gesetz, denn dieses Volk zu lehren, oblag ja seit Moses Zeiten der Priesterschaft. Wenn er hier vor den Schriftgelehrten und Pharisäern von Lasten redete, die sie auf die Schultern der Menschen legten, dann sprach er von dem, was sie aus dem Gesetz gemacht hatten durch das Hinzufügen weitergehender Pflichten. Jesus sprach von den "Überlieferungen der Ältesten", die nicht selten sogar über das geschriebene Gesetz gestellt wurden (Mark. 7, 1-13). Solcherart Lasten bedrückten den Pharisäer Saulus nicht. Für ihn war der Wandel zum Nachfolger des Herrn nicht das Ergebnis einer inneren Entwicklung, an deren Ende er seinen bisherigen Weg gar noch in Frage stellte. Auch quälte ihn nicht der Gedanke, dieser Jesus, von dem jener Stephanus vor dem Synedrium redete, könnte vielleicht doch der verheißene Messias sein.
Nein, dieser Mensch war so tief im Pharisäertum verwurzelt und von der Rechtmäßigkeit der Verfolgung der Nachfolger dieses Jesus überzeugt, daß auf dem Weg nach Damaskus kein von inneren Zweifeln geplagter Mensch aufgerichtet, sondern ein selbstgerechter Pharisäer zerschlagen wurde! Will man das auch nur annähernd verstehen, dann muß man wissen: Dieser Paulus ist in einem strenggläubigen jüdischen Elternhaus aufgewachsen und zur genauen Beachtung des Gesetzes und der Überlieferung der Väter erzogen worden. Grundlage seiner Erziehung war sicher die Unterweisung in den hebräischen Schriften (LXX?), der sich dann später das Studium der Schriftgelehrsamkeit zu Füßen des geachteten Lehrers Gamaliel anschloß (Apg. 22, 3).
Wichtig auch für das Verständnis der von Paulus verkündigten Botschaft ist sicher auch sein Hinweis:
"Ich teile euch aber mit, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung von Jesu Christi."
(Galater 1, 11.12)
Wenn der Apostel sich uns in solcher Weise mitteilt, dann will er uns verständlich machen, daß das, was er uns zu vermitteln hat, nicht das Ergebnis eigener Nachforschungen ist. Auch, daß er es nicht von denen empfangen hat, die vor ihm Apostel waren, noch von anderen Zeitzeugen, sondern seine Botschaft ist die ihm von Gott geschenkte Einsicht in seinen Heilsplan mit
uns Menschen, bzw. das ihm geoffenbarte Geheimnis des Christus (Eph. 3, 1-9).
Fragen werden aufgeworfen
Gerade er war es, der, wie kein anderer, klar erkannte, daß der Weg des Gesetzesgehorsams und der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus, zwei sich ganz und gar ausschließende Gegensätze sind. Nachdem er in seinem Brief an die Gläubigen in Rom mit allem Nachdruck betont:
"Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde," fügt er die Worte an, die in ihrer Eindringlichkeit kaum zu überbieten sind. Doch hören wir selbst:
"Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden. Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist."
Nachdem er noch einige Gedanken anschließt, fragt er:
"Wo bleibt nun der Ruhm?" und er antwortete:
"Er ist ausgeschlossen. Denn wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke."
(Römer 3, 20-24.27.28)
Fragen wir uns doch einmal:
- Von welchem Gesetz spricht der Apostel?
- Wen meint er mit den Worten: "Alle, die glauben"? Denkt er dabei nur an die Gläubigen aus den Juden?
- Ist mit der "Gerechtigkeit Gottes" eine Verdienstvergeltung gemeint, die denen zuteil wird, die gute Werke vollbringen?
- Muß das erwähnte Gesetz auch heute noch beachtet werden? Solche und ähnliche Fragen mögen dem einen oder anderen für seinen weiteren Weg im Glauben durchaus wichtig sein. Ich will daher versuchen, sie mit Hilfe der Schrift zu beantworten. Um zu verstehen, von welchem Gesetz der Apostel Paulus hier spricht, beachten wir, was sich in der Gemeinde in Antiochien zutrug, nachdem Paulus und Barnabas von ihrer ersten Missionsreise dorthin zurückgekehrt waren. Der Bibelbericht sagt:
"Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder:
Wenn ihr nicht beschnitten worden seid, nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden."
Ähnliches erlebte Paulus, nachdem er der entstandenen Streitfrage nach Jerusalem gereist war. Noch bevor das einberufene Apostelkonzil sich mit der anstehenden Problematik beschäftigte, traten auch hier einige aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, auf und sagten:
"Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten." "Apostelgeschichte 15, 1.5)
An diese Erlebnisse mag der Apostel möglicherweise gedacht haben, als er in seinem Brief die Gedanken über das neue Verhältnis des Christen, dem Gesetz gegenüber äußerte. Wenn er also betont, "daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke", dann bezieht er sich ganz eindeutig auf die Thora, die durch Moses, die Priester und die Propheten dem Volk gegebenen Anweisungen Jahwes. Zur Zeit der Apostel wurde darunter die ganze hebräische Bibel verstanden.
Man muß den strenggläubigen Juden schon zugute halten, für sie waren solche Worte des Apostels eine ungeheuere Zumutung, haben sie doch alle Tage ihres Lebens sich treulich bemüht, alle Worte des ihnen gegebenen Gesetzes zu halten.
Nun sollten andere - in ihren Augen Ungläubige - ohne auch nur einen einzigen Punkt des Gesetzes zu beachten, in die nur ihnen verheißenen Segnungen mit eintreten?
Und bedenkt man die Behauptung des Paulus recht: "Christus ist des Gesetzes Ende", bedeutet das dann nichts anderes als ihrer Religion den Boden zu entziehen, und damit dem Grabgesang des Judentums überhaupt?
Waren nicht sie, die Juden, seit den Tagen des Vaters Abraham, das besondere Eigentum Gottes?
Und waren es nicht ausschließlich sie, denen er durch seinen Knecht Mose und die Propheten diese Satzungen und Rechte gab?
Sollte all ihr Hoffen auf den Messias vergeblich gewesen sein, das 'Jude-sein' hinfort für Nichts geachtet werden? Es sollte eigentlich nicht schwerfallen, solche Gedanken, die die Menschen in jenen Tagen bewegt haben mögen, zu verstehen und nachzuvollziehen.
Ein Volk aus allen Nationen
Hier sind wir auch schon bei der Antwort auf die zweite Frage, wer mit den Worten, "alle, die glauben", gemeint war. Es war nicht der Apostel Paulus oder einer der anderen Apostel, der die Menschen aus den Nationen in die verheißenen Segnungen Gottes mit einbezog. Liest man den Bericht im 10. Kapitel der Apostelgeschichte, dann erkennt man sehr schnell, es war Gott selbst, der den Apostel Petrus in das Haus des (röm. Hauptmanns) Kornelius sandte, um, beginnend mit ihm, nun auch den Menschen aus den Nationen den Weg zum Heil zu ebnen.
Als Petrus in das Haus dieses Mannes kam, die Vorgeschichte seines Sendungsauftrags erfuhr und alle Versammelten ihn erwartungsvoll anschauten, da sprach er spontan: "In Wahrheit begreife ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm."
Als dann gar, noch während er redete, der Heilige Geist auf alle fiel, antwortete er auf dieses offenkundige Zeichen vom Himmel: "Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir?"
Der Bericht schließt mit den Worten:
"Und er (Petrus) befahl, daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi."
(Apostelgeschichte 10, 34.35.44-48)
Gerechtigkeit von Gott - In enger Verbindung damit steht ohne Vorleistungen auch die Frage nach möglichen Vorleistungen, die Gott von uns erwartet. Diese Frage stellte sich nicht nur für die Menschen in den Tagen der Apostel; diese Frage ist auch in unseren Tagen für viele Menschen noch immer von höchster Aktualität. Sie haben Schwierigkeiten, zu verstehen, daß ihnen ohne eigenes Tun, allein durch Glauben, Gottes Gerechtigkeit zuteil werden soll.
Es spricht nun einmal gegen die menschliche Natur, daß wir für Dinge belohnt werden sollen, für die wir keine Leistung erbracht haben, sondern für unser Unrechttun eigentlich Strafe verdient hätten. Sagte nicht unser Herr selbst, daß er bei seinem Kommen einen jeden vergelten nach seinem Tun (Matt. 16, 27)? Und hat man uns nicht schon als Kindern beigebracht: "Ohne Fleiß kein Preis"?
Diesen Fragen kann und soll keineswegs ihre Berechtigung abgesprochen werden, doch hören wir einmal, was Gott zu unserer menschlichen Natur, unserer menschlichen Denkart, uns zu sagen hat:
So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken."
(Jesaja 55, 9)
Diesen Gedanken unterstützend schreibt der Apostel Paulus:
"Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?"
(Römer 11, 33.34)
Hier können wir uns nur in Demut vor Gott verneigen und gestehen, niemand von uns vermag seine Wege, seine Gedanken und Gerichte in ihrer vollen Tiefe zu erfassen, geschweige denn, sie in voller Klarheit und Reinheit zu interpretieren. Das wagte nicht einmal ein Paulus von sich zu sagen (l. Kor. 13,12), und das forderte er auch nicht von denen, die durch eine Predigt dem Herrn ihr Herz öffneten. Als der Kerkermeister von Philippi die bange Frage stellt:
"Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich errettet werde?", da antworteten Paulus und Silas nicht mit dem kostenlosen Angebot eines Bibelstudiums in seinem Haus, damit er schnellstens an Erkenntnis wachse, sondern mit den Worten: "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus." (Apostelgeschichte 16, 30.31)
Nein, Leben hängt nicht von einem bestimmten Maß an Erkenntnis ab, sondern daß man den im Glauben annimmt, den Gott in die Welt gesandt hat, um Menschen von der Knechtschaft der Sünde und des Todes zu befreien, - unseren Herrn und Heiland Jesus Christus. Seien wir daher dankbar, daß Gott uns seinen Weg der Gerechtsprechung - allein durch Glauben -erkennen läßt und bleiben wir auf diesem Weg, es gibt keinen anderen! (Matt. 7,13.14; Spr. 14,12)
In gleicher Weise hängt Leben auch nicht davon ab, daß jemand auf bestimmte Werke verweisen kann. Paulus sagt: "Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde." (Römer 14.23)
Damit schließt er Werke zwar nicht aus, zeigt uns aber, daß der irrt, der glaubt, aufgrund seiner Werke Gott annehmbar zu sein. Nein, nicht die Werke eines Menschen sind der Auslöser, daß Gottes Blick wohlgefällig auf ihm ruht, sondern sein Glaube an Jesus Christus bewirkt, daß seine Werke - weil aus Glauben - in Gottes wohlgefällig sind!
Der Apostel zeigt uns, daß, so wie die Liebe Vorfahrt hat vor der Erkenntnis und sogar vor dem Glauben (1. Kor. 13, 2), so hat auch der Glaube Vorrang gegenüber den Werken. Kein Geringerer als unser Herr selbst zeigte uns das sehr anschaulich, als er im Haus des Pharisäers Simon zu Gast war und die Sünderin ihm die Füße salbte. In diesem Haus begegneten sich (gewissermaßen) zwei Welten:
Da war auf der einen Seite der selbstgerechte Pharisäer, der den Herrn zwar zu Tisch geladen hatte, dessen Stolz es aber nicht zuließ, ihm die zu jener Zeit üblichen Gebote der Gastfreundschaft (Begrüßungskuß, Fußbad, usw.) zu leisten. Es fällt schwer, zu glauben, daß seine Einladung an Jesus, seinem Glauben an ihn entsprang. Eher schien es Neugier zu sein, mehr über ihn zu erfahren. Bestenfalls war es eine Geste der Großmut, mehr sicher nicht.
Ganz anders hingegen diese Frau. Sie war sich ihrer Verfehlungen durchaus bewußt, wie auch der Tatsache, daß es ihr nicht gelingen würde, sich durch eigene Anstrengungen aus dem Soge der Sünde zu befreien. Wo sollte sie Hilfe finden, wenn nicht bei ihm, von dem alle Kranken und Niedergebeugten so wohltuend redeten? Sie glaubte an ihn und machte in ihrer Niedrigkeit das Versäumnis des Pharisäers mehr als wett.
Zu recht stellt Jesus den Glauben dieser Frau - trotz ihrer vielen Sünden - weit über die Werke des sich makellos wähnenden Pharisäers und sagt diesem bezüglich der Frau: "Ihre vielen Sündern sind vergeben, denn sie hat viel geliebt", und weiter, auf seinen Gastgeber zielend: "Wen aber wenig vergeben wird, der liebt wenig." Sich der Frau zuwendend aber spricht er: "Deine Sünden sind vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden." (Lukas 7, 36-50)
Diese Frau hatte absolut keine guten Werke als Vorleistungen auf zuweisen, ihr wurde allein aufgrund ihres Glaubens Gerechtigkeit von Gott durch Jesus Christus zuteil.
Frei vom Gesetz
Spätestens hier sollte eigentlich die Frage nach der Rolle des Gesetzes in unserem christlichen Alltag beantwortet sein. Kein Geringerer als unser Herr selbst, hat diese Frage durch ein Leben und Sterben für alle, die glauben, entschieden. Der Apostel Paulus vergleicht die Bindung des (jüd.) Volkes an das Gesetz mit einer Ehe, in der die Frau solange an den Mann gebunden ist, wie er lebt, erst durch dessen Tod wird sie frei vom Gesetz des Mannes (s. a. Matt 19, 19). Ergänzend fügt er hinzu:
"So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auf erweckten, damit wir Gott Frucht brächten. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir in dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so daß wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens." (Römer 7,1-6)
Da aber auch in seinen Tagen viele Gläubige sich so unendlich schwer taten mit der Freiheit vom Gesetz, andererseits aber einige nicht müde wurden, diese Brüder wieder unter das Joch des Gesetzes zu versklaven, warnte er sie eindringlich: "Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern der durch Liebe wirksame Glaube."
(Galater 5.4.6)
Paulus, der ja - bildlich gesprochen - aus dem Gesetz kam und durch übermäßigen Eifer für das Gesetz zum Verfolger der Gemeinde wurde, schreibt von sich:
"Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Verlust geachtet; ja wirklich, ich achte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn Willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christi gewinne und in ihm erfunden werde - indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens." (Philipper 3, 7, 7-9)
Laßt uns also nicht dem Pharisäer Simon gleichen, der durch sein Eintreten für das Gesetz und die Überlieferungen der Ältesten, sich so erhaben über der Sünderin sah. Er hatte aus der Begegnung mit Jesus keinen Nutzen gezogen. Laßt uns auch nicht den Pharisäern unserer Tage gleichen, die zwar das Wort "Glaube" stets auf den Lippen führen, in Wirklichkeit aber "Werke" meinen und fordern. Ihnen sagt der Apostel Paulus:
"Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit." Dem Glauben aber sagt er:
"Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet." (Römer 4,4.5)
Der Apostel Paulus hat uns durch Gottes Güte diesen Weg gewiesen, folgen wir seiner Einladung: "Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi (Nachahmer bin)." (1. Korinther 11, 1)
-R.I.H.-
Inhaltsverzeichnis
Sieben Gründe für den Glauben
Ansprüche der Wachtturmgesellschaft
Die WTG-Werbung
Die Geschichte der zwei Wachttürme
Das Jahr 1925 nach den Lehren der WTG
Die kostenfreie Wachtturm-Literatur
Bruder, du fragst zuviel
Die Zeugen jetzt in Berlin
Gespräche mit Zeugen Jehovas
CV und die ZJ in den neuen Bundesländern
Wie kann die "CV" helfen?
SIEBEN GRÜNDE FÜR DEN GLAUBEN
1. Grund
Aufgrund unumstößlicher, mathematischer Gesetze können wir beweisen, daß unser Universum von einer großen technischen Intelligenzperson ausgeführt worden ist. Angenommen, man steckt 10 von 1 - 10 markierte Pfennigstücke in die Tasche und mischt sie gut durcheinander, so ist die Wahrscheinlichkeit, sie in der richtigen Reihenfolge wieder herauszuholen, äußerst gering. Nun, versucht man, sie in der richtigen Reihenfolge wieder herauszuholen, wobei man jedesmal das herausgenommene Geldstück wieder zurücksteckt und sie alle wieder durcheinander mischt. Wir wissen, daß die mathematische Wahrscheinlichkeit Geldstück 1 als erstes zu ziehen, 1 - 10 ist. Die Wahrscheinlichkeit 1 und 2 hintereinander zu ziehen, 1:100 ist, die Wahrscheinlichkeit 1, 2 und 3 hintereinander zu ziehen 1:1.000 ist usw.
Die Chance, sie in der richtigen Reihenfolge 1-10 herauszuholen stände nur noch 1:10 Milliarden. In gleicher Weise können wir sagen, für das Vorhandensein von Leben sind so viele Bedingungen unerläßlich, daß sie niemals nur durch Zufall im richtigen Verhältnis stehen können.
Die Erde dreht sich mit einer Geschwindigkeit von 1.600 km in der Stunde um ihre Achse. Würde sie sich nur mit einer Geschwindigkeit von 160 km in der Stunde drehen, so wären unsere Tage und Nächte 10mal so lang. Die Sonnenglut eines so langen Tages würde unsere Vegetation verbrennen und jedes noch überlebende Wachstum würde in der Nacht erfrieren. Ferner hat die Sonne; die Quelle unseres Lebens, eine Oberflächentemperatur von 6.000 Grad Celsius und unsere Erde ist genau so weit entfernt, daß dieses ewige Feuer uns gerade genug und nicht zu sehr erwärmt. Würde die Sonne nur die Hälfte ihrer jetzigen Strahlen aussenden, würden wir erfrieren, und würde sie um die Hälfte mehr aussenden, würden wir verkohlen. Die schräge Achsenstellung der Erde, die in einem Winkel von 23 ½ Grad geneigt ist, hat unsere Jahreszeiten zur Folge. Bestünde diese Neigung nicht, so würden ozeanische Dämpfe nach Norden und Süden drängen und ganze Eiskontinente auftürmen. Würde unser Mond nur, sagen wir etwa 60.000 km entfernt sein, anstatt seiner tatsächlichen Entfernung, so wäre sein Einfluß auf die Gezeiten so gewaltig, daß sämtliche Erdteile am Tag 2mal überflutet würden. Selbst die Gebirge würden dann sehr schnell weggewaschen. Wäre die Erdkruste nur 3 Meter dick, so gäbe es keinen Sauerstoff, ohne den alles menschliche und tierische Leben sterben muß. Wären die Weltmeere nur ein paar Meter tiefer, so würden Kohlendioxid und Sauerstoff absorbiert werden und kein pflanzliches Leben könnte bestehen. Und wenn unsere Atmosphäre beträchtlich dünner wäre, so würde ein Teil der Meteore, die jetzt zu Millionen täglich im Raum verbrennen, auf die Erde niederfallen und Brände verursachen. Diese und eine andere Anzahl Beispiele zeigen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß das Leben auf unserer Erde einem Zufall zu verdanken ist, nur 1:1 Million beträgt.
2. Grund
In dem Reichtum an Mitteln und Wegen, durch die das Leben seine Absichten zu verwirklichen weiß, offenbart sich eine allwaltende Intelligenz. Leben an sich ist, hat noch niemand ergründet. Es hat weder Gewicht noch Ausdehnung, aber es hat Kraft. Eine wachsende Wurzel sprengt einen Felsen. Das Leben hat Wasser, Land und Luft erobert, hat die Elemente gemeistert und zwingt sie, ihre Verbindungen zu lösen und neu zu gestalten. Das Leben ist ein Bildhauer, der lebende Dinge formt, ein Maler, der jedes Blatt eines Baumes entwirft und jede Blüte färbt. Das Leben ist ein Musiker, es hat jeden Vogel gelehrt, sein Liebeslied zu singen, die Insekten, sich im Konzert ihrer vielfältigen Laute miteinander zu verständigen. Das Leben ist ein Chemiker; es gibt den Früchten ihren Geschmack, der Rose ihren Duft, verwandelt Wasser und Kohlensäure in Zucker und Holz und macht dadurch Sauerstoff frei, der dem Tierreich den Atem des Lebens gibt. Man betrachte ein Faß unsichtbaren Protoplasmas, durchsichtig, gallertartig, fähig, sich zu bewegen und Energie aus der Sonne zu ziehen. Jede einzelne Zelle dieses Lebens hat die Fähigkeit, dieses Leben und alle lebendigen Dinge, große und kleine, weiterzugeben. Die Kräfte dieses Tröpfchens sind wunderbarer, als unsere ganze Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt, und alles Leben kommt von ihm. Die Natur hat das leben nicht geschaffen. Das in Feuer geglühte Gestein und Salzloses boten nicht die Voraussetzungen dafür.
3. Grund
Die Sinne, mit denen die Tierwelt begabt ist, zeugen unwiderleglich von einem gütigen Schöpfer, der so vielen kleinen Geschöpfen, die sonst hilflos wären, den Instinkt verliehen hat. Der junge Lachs bleibt jahrelang im Meer, dann kehrt er zu seinem Heimatstrom zurpck, wandert just auf der Seite Stromaufwärts, in die der Nebenfluß mündet, in dem er geboren wurde. Was führt ihn so unfehlbar zurück? Verbirgt man ihn in einem anderen Nebenfluß, so spürt er sogleich, daß er auf dem falschen Weg ist und sucht sich seinen Weg flußabwärts, zurück zum Hauptstrom, und biegt gegen die Strömung in diesen ein, um sein Schicksal getreulich zu vollenden.
Noch rätselhafter ist das Verhalten der Aale. Diese erstaunlichen Geschöpfe wandern zur Zeit der Reife von allen Teichen und Flüssen der Erde her - die von Europa kommenden tausende von Meilen durch den Ozean - alle in Richtung der abgrundtiefen Gewässer bei den Bermuda-Inseln. Dort laichen und sterben sie. Die Jungen, die von der Welt nichts wissen und kennen als die Wasserwildnis, in der sie sich befinden, machen sich dennoch auf und finden den Weg, nicht zur Küste, von der ihre Eltern kamen, sondern von da aus auch zu den Flüssen, Seen und kleinen Teichen; sodaß jegliches Gewässer immer von Aalen bevölkert ist. Nie ist ein amerikanischer Aal in Europa, nie ein europäischer Aal in amerikanischen Gewässern gefunden worden.
Ja, die Natur hat die Reife der europäischen Aale um ein Jahr oder mehr verzögert, um die Länge der Reise auszugleichen. Wo stammt der Impuls her?
Eine Wespe überwältigt eine Heuschrecke, gräbt ein Loch in die Erde, sticht die Heuschrecke genau an der richtigen Stelle, sodaß sie nicht stirbt, sondern nur bewußtlos wird und sozusagen als Fleischkonserve am Leben bleibt. Dann legt sie ihre Eier so, daß ihre Kinder, wenn sie auskriechen, an dem Inhalt knabbern können, ohne es zu töten, denn totes Fleisch wäre für sie selbst tödlich. Die Mutter fliegt dann fort und stirbt. Die Jungen sieht sie nie. Sicherlich muß das die Wespe schon beim ersten Mal richtig gemacht haben, und dann jedesmal, denn sonst gäbe es keine Wespen.
Solch rätselhaftes Verhalten ist nicht mit Anpassung zu erklären, es ist von Anfang an mitgegeben.
4. Grund
Der Mensch hat etwas, das wahr ist, als tierischer Instinkt, die Fähigkeit des Verstandes und vernunftmäßige Überlegung. Kein anderes Lebewesen hat je die Fähigkeit besessen bis zu 10 zu zählen oder auch nur zu begreifen, was 10 bedeutet Der Instinkt ist wie der einzelne Ton einer Flöte, zwar schön, aber eintönig. Das menschliche Gehirn umfaßt alle Töne aller Instrumente des Orchesters.
Es bedarf keiner weiteren Worte über diese vier Punkte. Dank der menschlichen Vernunft dürfen wir die Möglichkeit ins Auge fassen, daß wir nur deshalb sind, weil wir einen Funken der universellen Intelligenz mitbekommen haben.
5. Grund
Vorsorge für alles Lebende offenbart sich in den Phänomenen, die wir heute kennen, die Darwin jedoch nicht kannte, so wie z.B. in den Wundern der Gene (die hypothesischen Träger der Erbanlagen in den Keimzellen). So unsagbar klein sind die Genen, daß, wenn man diejenigen, durch die das Dasein aller jetzt lebenden Menschen entstanden ist, zusammentäte, sie noch nicht einmal einen Fingerhut voll füllen würden. Dennoch bewohnen diese ultra-mikroskopischen Genen und ihre Gefährten, die Chromosomen, jede kleinste Zelle und sind bestimmend für alle menschlichen, tierischen und pflanzlichen Eigenschaften. Ein Fingerhut ist ein kleiner Behälter für alle individuellen Eigenschaften von über Milliarden von Menschen, diese Tatsache steht fest. Nun denn, wie ist es möglich, daß die Genen die Erbanlagen so vieler Vorfahren in sich bergen und die psychologischen Anlagen eines jeden auf so unendlich kleinem Raum bewahrt? Hier ist in Wahrheit der Keim der Entwicklung in der Zelle, der Einheit, welche die Gene enthält und trägt.
Daß ein paar Millionen Atome als ultramikroskopische Gene zusammengeschlossen, alles Leben auf Erden völlig beherrschen könnte, ist ein Beispiel von tiefgründiger Planung und Versorgung, die einzig und allein von einem Schöpfer ausgehen konnte. Davor versagt jede andere Hypothese.
6. Grund
Angesichts der Sparsamkeit der Natur zwingt uns sich die Erkenntnis auf, daß nur unendliche Weisheit mit so haushälterischem Scharfsinn vorausblicken und voraussagen konnte. Vor vielen Jahren wurde in Australien eine Kaktusart als schützende Umzäunung angepflanzt. Da es in Australien keine kaktusfeindlichen Insekten gibt, wucherte er bald mit ungeheuerlicher Üppigkeit. Das beunruhigende Wachstum hielt an, bis die Pflanzen schließlich ein Gebiet von der Größe Englands bedeckten, die Einwohner von Städten und Dörfern verdrängten und ihre Farmen zerstörten. Die Enthomologen suchten auf der Welt ein Abwehrmittel und entdeckten ein Insekt, das sich ausschließlich vom Kaktus ernährte. Zudem vermehrte es sich reichlich und hatte keine Feinde in Australien - so überwand das Tier bald die Pflanze. Heute ist die Kaktusplage beendet und auch von dem Insekt ist nur ein kleiner Überrest zum Schutz verblieben, gerade genug, um den Kaktus in Schach zu halten. Für solche Gegenwirkungen und Ausgleiche ist allenthalben vorgesorgt. Warum haben nicht die sich so schnell vermehrenden Insekten die Herrschaft über die Erde errungen? Weil sie keine Lungen haben wie der Mensch. Sie atmen durch Röhren. Wenn aber Insekten groß werden, wachsen ihre Röhren nicht im gleichen Verhältnis mit dem Körper und daher hat es noch nie ein menschenmaß-großes Insekt gegeben. Und diese Begrenzung ihres Wachstums hat sie alle in Schranken gehalten. Wäre nicht für diese physische Einschränkung gesorgt worden, so könnte der Mensch nicht bestehen. Man stelle sich die Begegnung mit einer löwengroßen Hornisse vor!
7. Grund
Die Tatsache, daß der Mensch den Begriff "Gott" zu denken vermag, ist an sich schon ein einzigartiger Beweis. Der Begriff "Gott" entspringt einer göttlichen Fähigkeit des Menschen, an der kein anderes Wesen teilhat, der Fähigkeit, die wir Vorstellungskraft nennen. Kraft dieser vermag der Mensch - und nur der Mensch - Beweise für das Unsichtbare zu finden. Die Aussicht, die diese Fähigkeit eröffnet, ist grenzenlos. In dem Maße, in dem dies Realität wird, wird es dem Menschen möglich, in alldem, was von Plan und Absicht zeugt, die große Wahrheit zu erkennen, die allenthalben und in allem ist. Und am nächsten in unserem Herzen. Im wissenschaftlichen sowie im ideellen Sinne ist wahr, was der Psalmist sagt: "Die Himmel verkünden die Ehre Gottes, und das Firmament bezeugt seiner Hände Werk."
-A.G.M.-
Dokumentation:
ANSPRÜCHE DER WACHTTURM-GESELLSCHAFT
Präsident Russell, - als ein von Gott ordinierter Prediger ... Wenn es aber kommt, - siehe, es kommt! - so werden sie wissen, daß ein Prophet in ihrer Mitte war; Wenn aber die Dinge, die in den sieben Bänden der Schrift-Studien vorhergesagt sind, geschehen werden, dann wird der Scheinweizen - aber zu spät - zur Erkenntnis kommen, daß ein großer und von Gott ordinierter Prediger "in ihrer Mitte war". (Das vollendete Geheimnis, S. 520)
Präsident Russell, - schrieb durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes
... In all seinen Warnungen machte Pastor Russell keinerlei Anspruch auf Originalität. Er sagte, daß er seine Bücher niemals aus sich selbst habe schreiben können. Alles kam von Gott durch die Erleuchtung des heiligen Geistes. (Das vollendete Geheimnis, S. 529)
WTG - als Prophet Jehovas
... Hat Jehova denn einen Propheten, der ihnen hilft, der sie vor Gefahren warnt und der Künftiges verkündigt?
Den "Propheten" erkennen
Diese Fragen können bejaht werden. Wer ist dieser Prophet? Er hatte einen "Propheten", um sie zu warnen. Dieser "Prophet" war kein einzelner Mensch, sondern eine Körperschaft von Männern und Frauen. Es war die kleine Gruppe der Fußstapfennachfolger Jesu Christi, die damals als Internationale Bibelforscher bekannt waren. Heute sind sie als christliche Zeugen Jehovas bekannt.
Natürlich ist es leicht zu sagen, die Gruppe handle als ein "Prophet" Gottes. Es ist etwas anderes, das zu beweisen. Die einzige Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, den Bericht zu überprüfen. (Wachtturm 1972, S. 389)
WTG - als Vertreter Jesu Christi
... Beeile dich, Gottes sichtbare theokratische Organisation, die seinen König Jesu Christi vertritt, herauszufinden. Das ist zur Bewahrung des Lebens unerläßlich.
(Wachtturm 15. Januar 1968)
WTG - als Vertreter des Herrn auf Erden
... Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas wie auch über die unsichtbare inhat und daß "Die Gesellschaft" der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist... (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148)
Prophezeiungen der Wachtturm-Gesellschaft
1. "Prophetie"
Wiederkunft Jesu Christi 1874 ... Siehe, ich stehe an der Tür: Eine Anzahl Bibelstellen, die, sobald sie im Zusammenhang und Sinn verstanden werden, beweisen, daß das zweite Kommen unseres Herrn im Herbst 1874 stattfand, sind: ...
(Das vollendete Geheimnis)
... Das nächste Kapitel wird den biblischen Nachweis liefern, daß 1874 das genaue Datum des Anfanges der "Zeiten der Wiederherstellung" ist, und folglich der Wiederkunft unseres Herrn ... (Die Zeit ist herbeigekommen, S. 115)
... Während die Zeitprophezeiungen so darauf hinweisen und darin eins sind, daß 1874 das Datum der zweiten Gegenwart unseres Herrn ist, und uns dies mit mathematischer Genauigkeit sicher stellen, finden wir uns durch Beweise anderer Art überwältigt ...
... Dieser Verweis zeigt, daß der Herr seit 1874 gegenwärtig ist, und das er ein Erntewerk geleitet hat und noch leitet... (Dein Königreich komme, S. 116 und 117)
... Biblische Prophezeiungen zeigen, daß das zweite Erscheinen des Herrn im Jahre 1874 zu erwarten sein würde. Die in Erfüllung gegangenen Prophezeiungen zeigen über jeden Zweifel hinaus, daß er im Jahr 1874 wirklich zurückkehrte. (Der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi, Nr. 6, S. 88)
Die vorgenannten Prophetien der WTG, die, wie anhand von Wachtturm-Literatur nachgewiesen, die Wiederkunft Jesu Christi "über jeden Zweifel hinaus" und "mit mathematischer Genauigkeit" für das Jahr 1874 festlegten, da sich die von der WTG ebenfalls aufgestellten Prophetien der Vernichtung der Kirchen und sämtlicher Regierungen in der Welt bis zum Ende 1914 ebenfalls nicht erfüllten, das heißt, sich ebenfalls als falsche Prophetien erwiesen hatten.
... Dies steht in vollem Einklang mit der Erklärung in der Schrift, daß das Reich Gottes erst aufgerichtet werden muß, bevor es an die Vernichtung aller bestehenden Gewalten der gegenwärtigen, bösen Welt herantreten kann, jener politischen, kirchlichen und finanziellen Mächte, deren Untergang am Ende der "Zeiten der Nationen", im Oktober 1914 fällig ist. Zu Beweise dafür wollen wir hier einige Schriftstellen anführen. (Der Krieg von Harmagedon, S. 497)
... Und die Dauer des Fallens ist gleichfalls dementsprechend; denn von der Zeit an, da unser Herr sagte: "Euer Haus wird auch wüste gelassen", im Jahre 33, bis zum Jahre 70 waren 36 1/2 Jahre; und so sind vom Jahre 1878 bis zum Ende des Jahres 1914 ebenfalls 361/2 Jahre. Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde. (Dein Königreich komme, S. 146)
Nach dieser Vorhersage - Pleite - verlegte die WTG - unter ihrem Präsidenten Rutherford - die Wiederkunft Christi kurzerhand um 40 Jahre näher an die Gegenwart, das heißt, auf das Jahr 1914. Außerdem prophezeite sie in diesem Zusammenhang, daß die Generation, die im Jahre 1914 alt genug war, um die seinerzeitigen Weltgeschehnisse zu verstehen bzw. die im Jahre 1914 ca. 15 Jahre alt waren (1900-Generation) - daß diese Generation nicht vergehen sollte, bis Jehova die Vernichtung der Regierungen dieser Erde und der Kirchen ("verderbte System der Dinge") vorgenommen hat.
2. Prophetie
Wiederkunft Jesu Christi 1914 Die letzten Tage dieses bösen Systems der Dinge. ...Wann wird es soweit sein? Gottes Sohn Jesus Christus gibt die Antwort. Er sagte, nachdem er auf all die vielen Dinge aufmerksam gemacht hatte, die zeigen, daß wir seit 1914 in der "Zeit des Endes" leben:
"Diese Generation (wird) auf keinen Fall vergehen ... bis all diese Dinge geschehen." (Matthäus 24:34) Welche Generation meinte er?
3 Jesus hatte gerade von Personen gesprochen, die alle diese Dinge sehen würden. "Diese Dinge" sind die Ereignisse, die sich seit 1914 zugetragen haben und die sich noch zutragen. Aber heute sind noch Personen am Leben, die 1914 alt genug waren, um zu beobachten, was geschah, und die sich somit heute noch daran erinnern können. Diese Generation ist nun schon ziemlich alt. Viele, die zu dieser Generation gehörten, sind bereits gestorben. Doch Jesus sagte sehr deutlich: "Diese Generation (wird) auf keinen Fall vergehen .... bis alle diese Dinge geschehen." (Die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt)
... Wenn wir annahmen, daß fünfzehnjährige Jugendliche genügend Verständnis hatten, um die Bedeutung dessen zu begreifen, was 1914 geschah, wären die jüngsten, "dieser Generation" heute ungefähr 70 Jahre alt. (Erwachet, 8.4.69, S. 13 und 14)
Jedoch die heute noch wenigen lebenden Menschen dieser 1900-Generation sind jetzt ca. 90 Jahre alt. Das Lebensalter des Menschen, das heißt, eine Menschengeneration wird aber in der Bibel - Psalm 90:10 - mit 70 bis 80 Jahren angegeben.
Das bedeutet, daß die 1900-Generation nach biblischen Maßstäben schon seit 10 Jahren vergangen ist - als Generation -, wenn auch von dieser Generation heute noch einige Menschen am Leben sind.
Dies bedeutet schließlich, daß auch das prophezeite Jahr 1914 als das Wiederkunftsjahr Jesu Christi ebenfalls eine falsche Prophetie war.
Wie sagt doch die WTG - woran man einen falschen Propheten erkennen kann? ... Nun dürfte man die Frage aufwerfen: Wie können wir wissen, ob jemand ein wahrer oder falscher Prophet ist? Es gibt zum mindesten drei Mittel, wodurch wir dies bestimmt entscheiden können:
1. Wenn einer ein wahrer Prophet ist, so wird seine Botschaft genau so, wie sie prophezeit worden ist, auch in Erfüllung gehen. Ist einer aber ein falscher Prophet, so wird seine Prophezeiung nicht in Erfüllung gehen ...
... Hieraus ergibt sich die unwiderlegbare Schlußfolgerung, daß sie Gottes heilige Propheten waren. Der Unterschied zwischen einem wahren und falschen Propheten besteht darin, daß der eine das Wort des Herrn spricht und der andere seine eigenen Träume und Mutmaßungen.
(Der Wachtturm und Verkünder der Gegenwart Christi, 15.6.30, S. 188)
Und wie kann man nach Gottes Wort den falschen Propheten erkennen?
... Wenn du in deinem Herzen sprichst: Wie sollen wir das Wort erkennen, daß Jehova nicht geredet hat? Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, welches Jehova nicht geredet hat: mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet." (5. Mose 18:21, 22)
Schlußfolgerungen:
... die leitende Körperschaft in Brooklyn, dieser selbsternannte Prophet Jehovas, hat sich als falscher Prophet erwiesen und hat mit seinen Lügen (Jeremia 23:25-32) von Jesu Christi weg in die Irre geführt.
Mit Vermessenheit hat dieser sogenannte Prophet Jehovas geredet.
Hier stellt sich für jeden die Frage:
Von welchem Geist mag wohl die Führungsspitze der WT-Gesellschaft, dieser sogenannte "treue verständige Sklave" bzw. dieser sogenannte "Prophet Jehovas" wohl erleuchtet worden sein? - Da es der Heilige Geist mit Sicherheit nicht war, - denn der Heilige Geist erleuchtet keinen zur Falschprophetie bzw. lügt nicht...
-xyz-
DIE WTG-WERBUNG UND MEINUNGSMANIPULATION
Es ist immer wieder interessant und nützlich (auch notwendig), in der bisher erschienenen Wachtturm-Literatur (besonders der früheren) zu blättern.
Aus dem Buch "Organisation zum Predigen des Königreiches und zum Jüngermachen".
Im Kapitel "Hirten der Herde Gottes" wird auf den Seiten 51-69 immer nur von "Ältesten" und Dienstamtgehilfen gesprochen, aber dann bis zur Seite 90 erleben wir ein buntes Gewimmel: Da gibt es zunächst "Vorsitzführende Aufseher", "Predigtdienstaufseher" und "Bibelstudienaufseher". Da wird von einem "Versammlungskomitee" gesprochen, von "WT"-Studienleitern. Dann geht es munter weiter. Es gibt "Aufseher der Theokratischen Predigtdienstschule", "Versammlungsbuchstudienleiter" und schließlich Aufseher für alle geographischen Größenordnungen, für Stadt, Kreis, Bezirk, Zweig, Zone. Die letzte Instanz - der Präsident - wird, vielleicht weil das dann der Gipfel der Unverschämtheit wäre, verschwiegen in diesem Kapitel.
Warum diese Aufzählung?
Nun, wir wissen, daß es die WTG meisterhaft versteht, mit den Methoden der Wirtschaftswerbung und Meinungsmanipulation umzugehen. In jenem Buch wird über 68 Seiten vorsichtig aber gezielt darauf hingearbeitet, daß man viel an die frühe Christenversammlung denkt, Zitate und Vergleiche sprechen auf 68 Seiten vor allem darüber, dann ist, das gemeinsame Studium dieses Organisations-Buches tut dazu ein Übriges, der Zeuge Jehovas so beeindruckt von Jehovas Vorkehrungen damals und seinen Plänen für heute, daß er nicht mehr merkt, wie die gesamte WT ein gestaffelt aufgebauter Verwaltungsapparat ist. Die laut diesem Buch 1972 vorhandenen Ämter und Titel wirken klangvoll und bemerkenswert ist, daß immer ein besonders langer Name für die kleinsten Ämter besteht. Je höher die Ämter werden, desto weniger wird über sie ausgesagt. Der "Kreisaufseher" wird auf 5 Seiten, der "Bezirksaufseher" auf reichlich 2 Seiten, Zweig- und Zonenaufseher nur auf einer halben Seite erklärt. Das ist eindeutig so gewollt.
Nur keinen Einblick geben
Der Studiengruppenleiter hier und heute hat über Funktion und Aufgaben der WTG weniger Erfahrung und Kenntnis als derjenige, der mehrere Studiengruppenleiter anleitet. Dieser wiederum weniger als ein Stadt- oder ein Kreisaufseher. Auf der obersten Ebene, also in Brooklyn, dann in den Zweigbüros, wird die große Politik der WTG gemacht und entschieden. Die kleine Versammlung bekommt fertige Speise, hat zu kauen, schlucken und zu zahlen.
Hier eine eindeutige Verdummung der Zeugen Jehovas. Im Kapitel 2 erfahren wir über die WTG: "Diese aus Gott hingegebenen, getauften Christen bestehende Gesellschaft strebt keinen Gewinn an und widmet sich völlig der Förderung der Interessen der wahren Anbetung auf Erden." Gehen wir einmal gar nicht davon aus, daß sich die WTG in Anlehnung an Wirtschaftsvereinigungen verschiedener Art den Titel "Gesellschaft" zulegte. Akzeptieren wir zugleich, daß im Vordergrund der Werbung, der Gewinnung neuer Mitglieder zumindest in der öffentlichen Darstellung die "wahre Anbetung" im Vordergrund steht, so sind und müssen die Gewinne doch beträchtlich sein. Nur wird darüber nirgends Genaueres gesagt oder gedruckt Es gibt aber ein bestens organisiertes, sehr, sehr einträgliches Spendenverfahren, es gibt Einsparungen großer Höhe durch das Taschengeld-Verfahren und den Literatur-Vertrieb, der ohne materielle Aufwendungen erfolgt, und dann, was nicht nur Fachleute wissen und sich ausrechnen können, der Gewinn, der aus der Literaturproduktion mit Riesenauflagen immer zu ziehen ist. Es müssen keine Autoren für Bücher und Zeitschriften, keine Illustratoren gut bezahlt werden. All das schlägt zu Buche und so ist es ein böser Witz, jegliches Gewinnstreben völlig abzulehnen. Nicht umsonst waren schon Russell und Rutherford mehr als geschäftstüchtig.
Noch einmal: Ämter
In jenem kurzen Kapitel 2 werden wir auf Seite 9 mit Zitaten bombardiert. Wichtig aber ist die Aussage:
"Es ist also wichtig, daß du in enger Verbindung mit dieser 'Sklaven'-Klasse arbeitest und positiv auf den Rat reagierst, den du durch sie erhälst"
Also wurde grundsätzlich der Vorrang der Bibel ausgeschaltet.
Nur der WTG ist zu gehorchen, bedingungslos. Die Bibel ist nur noch, wie in diesem Falle, dazu da, zu beweisen, daß die "Leitende Körperschaft" rechtmäßig in ihrem Amte sitzt. Wenn sich jenes Buch auf Apostelgeschichte 6: l -6 bezieht, um vom Einsetzen von Männern zu sprechen, rechnet sie damit, daß es keinem auffällt, daß in Apg. 6: l -6 kein einzigesmal ein Amt oder eine Dienststellung genannt wird. Also sind Amt und Ämter der WTG nicht rechtens. Alle Argumente der WTG, daß ja Menschen für die weltweite verwaltungstechnisch arbeiten müssen, rechtfertigt nicht das Unterstellungs- und Abhängigkeitsverhältnis, welches eindeutig in der WTG gegeben ist. Daß ein solches Verhältnis auch zu inneren Spannungen, zu Machtkämpfen, zu Stellungswechseln und unbiblischen Ansprüchen führte und führt, haben gerade die Ereignisse innerhalb der WTG-Leitung in letzter Zeit gezeigt.
Daß die WTG in ihrem Buch "Organisation" solche Widersprüche duldete und duldet, daß sie sich genau wie ein großes Wirtschaftsunternehmen verhält, zeigt, wie fest sie darauf baut, daß sie das Denken und eigenständige Überprüfen der Zustände und Vorgänge in der WTG bei den "kleinen" Zeugen Jehovas völlig unter Kontrolle bzw. ausgeschaltet hat. Anders sind diese Widersprüche nicht zu erklären.
Ob aber die WTG mit ihrer Werbetaktik und gezielten Verdummung recht hat, das hängt von jedem Zeugen Jehovas ab, und wir sollten ihnen immer wieder sagen: Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn wir immer und immer wieder betonen: "Vergewissert Euch...", so tun wir es in Eurem Interesse, denn wahrer Glaube kann nur dort sein, wo das Wort der Bibel ausschließlich Vorrang hat."
-nns-
DIE GESCHICHTE DER ZWEI WACHTTÜRME
Im 1. Mose Kapitel 11 finden wir die Schilderung, wie der erste Wachtturm entstand. Die Erbauer dieses Wachtturms wollten sich damit einen Namen machen. Die Größe und die Wucht des Bauwerkes sollten ihre Macht zeigen und alles sollte ihnen aus Furcht Untertan sein. Das ist in kurzen Worten die Geschichte des ersten Wachtturms.
Der zweite Wachtturm wurde angefangen zu bauen 1874 und wird wahrscheinlich beendet sein 1994 !!?? Man ist sich darüber noch nicht im Klaren, da die Chronologie der Bibel auch für die Erbauer des zweiten Wachtturms schwer zu ergründen ist. Das Baumaterial des zweiten Wachtturms ist: Sensation, Chronologie, ein anderes Evangelium, neue Lehren und Harmagedontheorie.
Die fortschreitende Entwicklung der Wachtturmgesellschaft in dem über 100jährigen Bestehen macht es erforderlich, daß man beginnt oder beginnen muß, eine theokratische Weltstadt zu errichten. Über dieser Stadt des Wachtturms wird dann der Name Jehovas ganz besonders hervorleuchten, jedoch nicht um Jehova zu rühmen, sondern sich selbst. Die Zeugen Jehovas glauben auch heute noch an die, von der WTG propagierte Endzeit, trotz der letzten Falschprophetie von 1975. Die WTG-Leitung fährt auch weiterfort, diese zu verkündigen, um ihre "Zeugen" zu motivieren das Letzte aus sich herauszuholen und zu geben. Aber glaubt sie wirklich selbst daran, nachdem alle ihre Endzeittermine "Falschprophetien" waren? Wie immer hat man schon wieder etwas in der Schublade an Terminen, die man unterschwellig den Zeugen Jehovas präsentiert. 1994 wäre z.B. ein Endzeittermin, der biblisch zu deuten wäre. - Aber die Leitung in Brooklyn wird sich hüten, nach den vielen Reinfällen, sich auf ein bestimmtes Datum festzulegen. Demnächst und bald, nicht mehr lange usw. sind die Termini, die sie jetzt benutzt.
16 Jahre sind seit 1975 vergangen. In diesen Jahren war die WTG darauf aus, sich einen Namen zu machen, der Klang hat in der ganzen Welt. Beachtet nun genau, was sich jetzt weiter tut: Das heutige Hauptquartier der Wachtturmgesellschaft ist stationiert inmitten der Weltstadt New York, im Stadtteil Brooklyn Heights. Dies ist der höchste Punkt von New York. Man kann von Brooklyn Heights über den großen Welthafen New York sehen. Die Freiheitsstatue, die großen Wolkenkratzer, die Wall Street mit dem Sitz der Mächtigen. An schönen Tagen kann man bis Connecticut und New Jersey sehen, dies alles bietet Brooklyn Heights als Ausblick. - Auf dieser Höhe sind heute mehr und mehr die Gebäudekomplexe der "Neuen-Welt-Gesellschaft" gewachsen.
Jahr für Jahr erwarb man ganze Straßen von Gebäuden. Die alten Gebäude wurden teilweise abgerissen oder modernisiert. Andere Firmen, die ebenfalls versuchten dort Gebäude zu erwerben - in Konkurrenz mit der WTG - wurden auf Grund der "Sofort-Barzahlung" der WTG ausgebootet. Die WTG verfügt immer über genügend flüssiges Kapital. So erwirbt die WTG in Brooklyn Heights alles, was zu kaufen ist und es zeigt sich jetzt schon sehr deutlich, daß man dabei ist, eine Weltstadt für Jehova zu errichten. Aber was will die WTG dem Schöpfer aller Dinge schon damit geben, denn alles ist doch sein! - Also will sie damit nur ihre Machtstellung proklamieren!
-W.M.-
DAS JAHR 1925 NACH DEN LEHREN DER WTG
Viele der neu hinzugekommenen Zeugen Jehovas werden wenig oder nichts wissen über die Prophezeiung des Weltendes im Jahr 1925. Da die WTG bemüht ist, darüber still zu schweigen, ist es doch von Nutzen, einige Veröffentlichungen, die unter Präsident Rutherford erschienen sind, bekannt zu machen, da sie über manches Aufklärung geben.
Was erwartete man in diesem Jahr?
1. Die irdische Phase des Königreiches
2. Abraham im Besitz seines Erbteils
3. Rückkehr der treuen Männer Israels aus den Gedächtnisgrüften
4. Höhepunkt der großen Drangsal und Wiederherstellung alle Dinge unter der gerechten Regierung Christi Jesu
5. Alle Glieder des Leibes Christi verwandelt "zu himmlischer Herrlichkeit
6. Ende der 70 Zyklen (70 Jubeljahre) im Herbst 1925
7. Todesstoß des symbolischen Babylon
(Millionen Broschüre, S. 70, 85, 69 und Das goldene Zeitalter vom 15.3.1924; WT 1924, S. 268)
Große Bemühungen der WTG
Mit großer Tatkraft war man bemüht, das Jahr 1925 als das Jahr des Weltendes in der ganzen Welt zu proklamieren. Alle streng Bibelgläubigen, welche daran zweifelten und warnten, wurden als "lau" bezeichnet oder ausgeschlossen. Der WT von 1923, S. 131 schreibt dazu:
"Manche sind geneigt, zweifelhaft im Bezug auf 1925 zu werden und darum werden sie lauwarm." Auf Anfrage antwortet WT 1923, S. 208: "Den Pilgerbrüdern ist niemals zu irgendeiner Zeit auch nur ein Wink zugegangen, daß sie aufhören sollen über das Jahr 1925 zu predigen ... Unser Glaube ist der, daß der Zeitpunkt 1925 endgültig von der Schrift festgelegt ist." Als das Jahr 1925 näher rückte, lesen wir im WT 1924, S. 259 u.a. Folgendes:
"Möge niemand sich jetzt irre führen lassen durch fein ausgeklügelte Berechnungen ... Das Jahr 1925 ist ein Zeitpunkt, der klar und bestimmt in der Schrift dargelegt ist, sogar klarer als 1914." (!!)
Liebe Brüder, dies sind feststehende Veröffentlichungen, die nicht einfach abzuleugnen sind. Es ist nun aber eigenartig, daß nach 1925 die WTG nie etwas mit dieser Fehlbotschaft zu tun hatte. Vor 1925 hieß es:
"Wir erwarten" - nach 1925 jedoch: "Einige, manche, sie erwarten das Ende". (WT 1924, S. 326 und WT 1925, S. 35) Der WT vom 15.4.1949, S. 124/7 schreibt zur Rechtfertigung der Gesellschaft:
"Wir können ihn nicht vorverlegen (Gottes Tag der Angriffshandlung) wie es einige versucht haben in ihrem Studium der Chronologie ... im Voraus Daten festzulegen." Welch eine grobe Unwahrheit! Die WTG selbst hat die Erwartungen für 1925 verkündet. Sie waren doch die Urheber und niemand anderes! Alle, welche daran zweifelten, daß 1925 das Weltende bringe, wurden ausgeschlossen, nicht etwa durch "Einige", sondern durch die Leitung selbst. Die Fehlberechnung ist noch nicht das unwürdigste, sondern das unaufrichtige, unehrliche Spiel, welches man mit den Gläubigen treibt. Schon 1926 nimmt die Gesellschaft von den Erwartungen des Jahres 1925 Abstand:
"Einige dachten, daß das Werk 1925 enden würde, aber der Herr hat dies nicht gesagt". WT 1926, S. 264. (Dann also war das "Werk des Herrn" doch nicht vom Herrn!?) Jahrelang war es angeblich für die Rettung eines Christen wichtig zu glauben und anzuerkennen, daß 1925 das Ende der Welt bringe. Zu der Frage: Ist die Organisation ein Werkzeug des Herrn (?) schreibt der WT 1925, S. 292 und 1926, S. 264: "Weshalb sollte er (Jehova selbst) uns hier in Kenntnis setzen? ... Und warum sollten wir das auch nur wünschen?". "Ob die ganze Kirche 1925 jenseits des Vorhanges (Tempelvorhang) gebracht wird oder nicht, ist eine Sache von geringer Bedeutung." (WT 1925, S. 279)
Mit einem Male wird das weltweite in Szene gesetzte Ende der Nationen im Jahre 1925 eine Sache von geringer Bedeutung. Warum? Weil das Jahr 1925 für alle damaligen "Ernsten Bibelforscher" zu einem Jahr größter Enttäuschung wurde. Der "treue und kluge Knecht" brachte viele in Gewissenskonflikte. Ein Teil der damals "Ausgeschlossenen", weil sie die Prophezeiung von 1925 als unbiblisch empfanden, lebt heute noch und steht größten Teils außerhalb der Organisation, da sie die Unaufrichtigkeit nicht überwinden konnten.
Was sagt die Heilige Schrift dazu?
"Doch der Prophet, der sich vermessen wird in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich nicht geboten habe zu reden, ... selbiger Prophet soll sterben ... Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das Wort, welches Jehova nicht geredet hat, mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet, du sollst dich nicht vor ihm fürchten."
(5. Mose, 18:20, 22)
Der stets unfehlbare Mitteilungskanal, welcher die Speise zur rechten Zeit gibt, schreibt:
"Wir haben keine Veranlassung, irgend etwas zu berichtigen bezüglich des Zeitpunktes 1925 ...".
Welche Überheblichkeit! Wo bleibt da die gelehrte Demut? Angesichts dieser Tatsache, wird da jemals die WTG geneigt sein, vom Irrweg der Zahlenrechnung wegzugehen? Wenn laut Veröffentlichung das jähr 1925 noch klarer und bestimmter war als das Jahr 1914, wäre es da nicht angebracht, eine Revision mit Hilfe der Heiligen Schrift bezüglich des Jahre 1914 durchzuführen? Die wäre bestimmt sehr nötig. Jedoch die Neue-Welt-Gesellschaft schweigt dazu und hält ihre Behauptung weiterhin aufrecht, weil man nicht widerrufen will.
-H.W.A.-
DIE KOSTENFREIE WACHTTURM-LITERATUR KOSTENFREI FÜR WEN?
Die neue Art der Verbreitung
Ein interner Brief der WTG in alle ZJ-Versammlungen vom 1. August 1991 und du WTG-Infonnationsblatt "Unser Königreichsdienst'' vom September 1991 mit der Beilage "Die neue Art der Verbreitungen unserer Veröffentlichungen" enthalten, wie bereits in CV berichtet, die Bedingungen für die kostenlose Verbreitung der gesamten WTG-Literatur. In Deutschland wurden da 134.582 gezählte aktive Zeugen Jehovas in 1.906 örtlichen Versammlungen (1990) auf diese neue Art umgestellt. Die Intema der WTG besagen im Wesentlichen Folgendes: Kostenfrei bedeute, daß buchstäblich Millionen Menschen Gelegenheit hätten, zu kommen und kostenfrei Wasser des Lebens zu nehmen, wie es in Offenbarung 22:17 heiße. Aber man sei weder verpflichtet noch habe man den Wunsch, wahllos an jeden abzugeben, der es nehmen würde. Auf jedem "Verkündiger" ruhe die Verantwortung, weisen Gebrauch von dem zu machen, was er nunmehr kostenfrei von der Wachtturmgesellschaft erhalte.
Es komme darauf an, aufrichtigen Menschen zu helfen, die da interessiert sind.
Gemäß der Reaktion einer Person müsse der "Verkündiger" selbst entscheiden, ob er anbietet oder nicht. Nur wenn offensichtlich ausreichendes Interesse vorhanden ist, sei ein Schriftenangebot gerechtfertigt. Wo kein Interesse, keine Wertschätzung für geistige Dinge vorhanden sei, wäre die Literatur verschwendet.
Eine produktive Verbreitung hänge von der Fähigkeit ab, echtes Interesse zu erkennen.
Mit dieser "neuen Art" würden schließlich "weitere Beweise" geliefert, daß man mit dem Wort Gottes nicht hausiere, wie es 2. Korinther 2:17 fordere, und es beweise auch, daß man kein Teil der Welt sei, was Johannes 17:14 entspreche. Zum Schluß:
Da die Vernichtung Babylons der Großen näher rücke, werde der Druck "auf alle religiösen Elemente" zunehmen. Man wolle jedoch weiterhin ohne Behinderung vorangehen. Im Interesse vor allem derer, die nun auf diese "neue Art" von ihrem bisherigen Glauben hin zu den Zeugen Jehovas abgespalten werden sollen, ist es schon nützlich, eingehender nach der Bedeutung dieses veränderten WTG-Vorgehens zu fragen.
Was im Vorfeld passierte
Die Wachtturmgesellschaft bisher im vollen Umfang als "gemeinnützig" anerkannt, mußte bisher keinerlei Steuern abführen.
Keine müde Mark floß deshalb in den mehr als zehn Jahren an Gewerbesteuern in die Kasse der Taunus-Gemeinde Selters, auf deren Territorium sich ja bekanntlich das riesengroße "Bethel", sprich Druckereiunternehmen, mit mehr als 500 Beschäftigten befindet.
Einen Anteil an der Einkommensteuer der in der Wachtturmgesellschafts-Druckerei beschäftigten 500 Mitarbeiter kassiert die Gemeinde ebenfalls nicht. Denn dort wird unabhängig von Tarifverträgen und Arbeitszeitregeln kein Einkommen erarbeitet. Anders ausgedrückt: 100 Mark Taschengeld gibt es pro Nase auf die Hand. Unterkunft und Verpflegung sind frei,
Beiträge für Renten- und Krankenversicherung führt die Gesellschaft nicht ab.
Über die Gemeinnützigkeit entschied die Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main wie folgt:
"Die Gemeinnützigkeit bleibt der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas erhalten, aber bestimmte Bereiche des Geschäftsbetriebes der Wachtturmgesellschaft werden rückwirkend ab 1988 der Steuer unterworfen". (Wetzlaer Neue Zeitung, 27.12.1990)
Ohne Zweifel besteht ein Zusammenhang zwischen dem WTG Verkaufsstop zugunsten kostenfreier Verbreitung und der Infragestellung ihrer Gemeinnützigkeit zwecks Besteuerung ihrer Literaturproduktion. Die WTG-"Hintergrund"-Bemerkung, die Vernichtung Babylons der Großen, womit vor allem die christlichen Kirchen gemeint sind, rücke näher, und da nehme der Druck "auf alle religiösen Elemente" zu, die WTG offensichtlich inbegriffen, soll anscheinend neue "ZJ-Verfolgung" suggerieren.
Es ist aber zugleich auch eine Fortführung jener kirchenfeindlichen "Hure-Babylon"-Politik der Wachtturmgesellschaft, mit der immer wieder das kurz bevorstehende "Weltende" behauptet wurde und wird. Zugleich wird hier ersichtlich, auf welche Weise die ZJ die "Dringlichkeit" ihrer "Verkündigung" beigebracht wird. Die Verknüpfung der "neuen Art der Verbreitung" der WTG-Literatur mit der WTG-"Hure-Babylon"-Lehre ist ein guter Anlaß, Betroffenen und Angesprochenen auch auf diese Weise die Haltlosigkeit der WTG-Endzeitkonstruktionen einsichtig zu machen, damit sie ihnen gar nicht erst anheim fallen.
Die "kostenfreie" WTG-"Hure-Babylon"-Lehre
Nach dem letzten Stand der Dinge bei der WTG sieht es um den zunehmenden Druck auf alle religiösen Elemente so aus: "Gemäß biblischer Prophezeiung werden sich die mit den Vereinten Nationen verbundenen politischen Mächte gegen das Weltreich der falschen Religion wenden und es verwüsten. Einige politische Systeme haben bereits ihren Unwillen über die Einmischung der Religion in politische und soziale Belange zum Ausdruck gebracht, gewisse sozialistische Staaten bekennen sich zu Atheismus und haben die Religion so gut wie ausgemerzt - als Beispiel sei Albanien genannt - oder zu einer willfährigen Dienerin gemacht, wie in der Sowjetunion und China. In verschiedenen ärmeren Ländern bekunden die Politiker großen Unmut über die Befreiungstheologie einiger katholischer Priester. Mancherorts werden auch Religionsorganisationen unterdrückt, weil sie sich in Rassenfragen einmischen. Selbst in angeblich liberalen Ländern ärgern sich Politiker darüber, daß die Geistlichkeit in der Politik und in sozialen Fragen mitzureden versucht. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Gründe die politischen Mächte der Erde veranlassen werden, gegen die falsche Religion vorzugehen. Aber eines ist sicher - die Hinrichtung Babylons der Großen durch diese Elemente wird nicht nur ihr Wille sein, sondern auch der Wille Gottes. Die politischen Herrscher werden von Gott als unfreiwillige Werkzeuge benutzt, um die falsche Anbetung auf der gesamten Erde zu vernichten". (Der Wachtturm, 15.5.1989, S. 6)
Nichts ist hier "gemäß biblischer Prophezeiung". Vielmehr ist kaum eine der jüngsten "biblischen" WTG-Lehren so als religiös-politische Irrlehre offenbar, wie jetzt diese kirchenfeindliche "Hure-Babylon"-Lehre, inzwischen millionenfach im Wachtturm Nr. 7-10/1989 und im WTG-Buch "Die Offenbarung, ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!" verbreitet. Mit Sicherheit muß die WTG auch diese religiös-politische Lehre über kurz oder lang über Bord werfen, denn: Die Vereinten Nationen könnten gar keine derartigen religionsfeindlichen Werkzeuge Gottes werden, weil ihre Existenz laut Satzung Religionsfreiheit beinhaltet. Auch "gewisse sozialistische Staaten" nicht, weil sie schon gar nicht mehr existieren. Die wirkliche Entwicklung geht wieder einmal über die WTG-Endzeitkonstruktion hinweg und wirft sie erneut "kostenfrei" auf den Müllhaufen der Geschichte.
Was nicht unterschätzt werden sollte
Ohne Zweifel wird die nunmehr kostenfreie Verbreitung der WTG-Literatur für manchen, der auf den Pfennig schauen muß, den Zugang zu dieser bunt und attraktiv schillernden Literatur erleichtern. Und der Hinweis auf die Bibelverse, denen man damit angeblich entspricht, wird sich manches arglose Gemüt zunächst rühren und - täuschen. Immer erfolgte die Täuschung "der Herzen der Arglosen" auch "mit schönklingenden Reden und glatten Worten" (Römer 16:18). Und die WTG wird ihre Zeugen mit Sicherheit anleiten, sich nun - mit Bibelzitaten natürlich - um sich mehr an die Brust zu schlagen und mit Fingern auf andere zu zeigen, wo man für eine Zeitschrift oder anderes etwas bezahlen muß.
Können die Zeugen denn selbst entscheiden? Zu verlangen, zuvor selbst herauszufinden, ob einer "echtes Interesse" und "Wertschätzung für geistige Dinge" hat oder nicht, dürfte die meisten "Verkündiger" wohl überfordem. Wer kann schon in das Herz eines Menschen schauen, um zuvor herauszufinden, ob Interesse echt ist oder nicht. Dem steht auch entgegen, daß Interesse erst durch das Angebot geweckt werden soll.
Nicht zu "verschwenden", dürfte sich auch auf die bisherige ZJ-Schulung auswirken. Das Einüben wirkungsvollen Schriftenangebots genügt nicht mehr. Die "besten" Herausfindungs- und Aushorchmethoden wären erforderlich. Das erinnert an die in den 50er Jahren eingeführte "theokratische Kriegslist" gegenüber den "Feinden der wahren Anbetung", als es hieß: "Wende theokratische Kriegslist an!" (Wachtturm, 1.7.1957, S. 413) und dazu u.a.:
"Die Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas ... wendet ihre weiseste Strategie an, nämlich Kriegslist, um den Einfluß, die Macht und die Wirksamkeit weltlicher Herrschermächte, die Jehovas Volk zu bedrücken und Gottes Namen zu schmähen suchen, zu Tode hämmern".
(WTG-Lehrbuch "Auch du kannst Harmagedon überleben", S. 287, dt. 1958)
Der behauptete "Druck auf alle religiösen Elemente" könnte diese "weiseste Strategie" wieder aktualisieren. Daß sie sich mit all ihrer List selbst nach der WTG-eigenen Neue-Welt-Übersetzung im Widerspruch zu den apostolischen Weisungen in 2. Korinther 4:2 befanden und befinden, hat die WTG nie beunruhigt.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist, daß ein ZJ bestrebt sein muß, die WTG-Schriften abzusetzen. Nebenbei: Viele Zeugen blieben und bleiben auf diesen Schriften sitzen, weil es ihnen eigentlich zuwider ist, damit zu hausieren und zu kolportieren. Lieber haben sie dabei finanziell zugesetzt. Andererseits sind die WTG-Schriften allein das Mittel, das die Zeugen Jehovas zusammenhält und dynamisiert. Nur mit der Bibel würden sie über kurz oder lang als Gemeinschaft zerfallen. Auch die WTG drückt:
Was für ein internationales Büro-, Druck- und Medienimperium sie auch aufbaut und unterhält, ohne ihre Schriftenverbreitung vor Ort, überall ist sie wie ein Kriegsherr ohne Kriegsheer. Die Literaturverbreitung darf nicht stocken. Macht und Einfluß der WTG stehen oder fallen mit der Verbreitung ihrer Literatur. Hat sie keinen Absatz mehr, so gerät das ganze "Unternehmen" in Gefahr.
Alles in allem könnte die "neue Art der Verbreitung" die einfachen "Verkündiger" vor Ort in eine komplizierte Situation stellen, sowohl was das Loswerden der Literatur betrifft als auch, was das Gewinnen neuer Anhänger betrifft. Hinzu kommt die "erforderliche" Schulung in den örtlichen Zusammenkünften, der sie von der WTG unterzogen werden. Übrigens sollte einem jeden, der hier betroffen und angesprochen ist und wird, auch klar gesagt werden, daß er von der WTG letztlich zu einem ihrer Schriftenverbreiter gemacht wird, mit allen Konsequenzen, wenn er sich ihr anschließt und unterwirft.
Wie weiter mit dem Wachtturm?
Man muß Betroffenen und Angesprochenen aber eine noch ganz andere Frage vor Augen führen. Mit der "neuen Art", nichts zu "verschwenden", sondern nur noch auf "echtes Interesse" ausgehorchten Literatur abzugeben, wird auch die von der WTG beanspruchte weltweite "Wachtturm"- oder Wächterfunktion berührt. Aber nicht nur berührt, sondern vielmehr infrage gestellt. Haltlos ist sie ohnehin. Doch zunächst zum "Wachtturm" selbst: Diese Bezeichnung für Organisation, weltweite Aufgabe und maßgebliche Lehrschrift wurde von dem WTG-Begründer C.T. Russell seit 1897 ursprünglich mit einigen vorchristlichen alttestamentlichen Prophetenäußerungen "begründet", die er einfach für sein Werk in Anspruch nahm. Das sind Jesaja 21:l l und Habakuk 2:1, 2, wo von Wächter und Wachtturm die Rede ist. Das ist allerdings nur bis zur Wachtturm-Ausgabe vom 15. Oktober 1931 dt. direkt ersichtlich, wo diese AT-Texte auf den Titelseiten noch ausgewiesen sind. Die jüngsten und gegenwärtigen Wachtturm-Zweckerklärungen (S. 2) unterschlagen diese Ursprünge völlig. Auch der Name "Zeugen Jehovas" ist vorchristlich, Jesaja 43:12 AT entnommen, wie die Wachtturm-Titelseiten bis März 1974 dt. ausweisen. Nun tritt die WTG heute nach wie vor in jenem vorchristlichen Prophetenmantel mit beanspruchter Wächterfunktion als "Wachtturm" selbst im Titel international "für die ganze Menschheit" auf. So hieß es z.B. 1990 in 107 Sprachen: "Eine gute Botschaft für die ganze Menschheit" (Wachtturm 1. Januar 1990)
Wenn jedoch nur noch auf echtes Interesse ausgeguckte Personen diese "Wächterstimme" zur Kenntnis bekommen, wie die "neue Art der Verbreitung" der Literatur zur Folge hat, wird doch nur eine Minderheit der ganzen Menschheit erreicht. So ist der "Wachtturm" alles andere als für "die ganze Menschheit".
So bricht die unüberbrückbare Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit," Wachtturm" für die "ganze Menschheit" zu sein, auch mit der nun kostenfreien Begrenzung der WTG-Literatur auf nur "echtes Interesse" dafür um so krasser auf. Die eingenommene vorchristliche Wächterfunktion war und ist eine absolute Illusion, eine Täuschung und Selbsttäuschung: Sie hat nie die gesamte Menschheit erreicht und kann das auch nie. Ehrlicherweise müßte die WTG diesen Anspruch fallen lassen, und damit auch den Titel ihrer Zeitschrift. Die Fragwürdigkeit der WTG-Wächterfunktion "für die ganze Menschheit" muß aber in einem ganz anderen Zusammenhang gesehen werden. Das gesamte kirchenfeindliche WTG-Abspaltungswerk gerät in Kürze in eine dogmatische Krise, die das bisherige Selbstverständnis noch umfassender erschüttert. Anzusetzen ist das Jahr 1994, dann ist nämlich nichts Geringeres abgelaufen als die jetzt gepredigte "Zeit des Endes dieser Welt", die 1914 begonnen haben soll. Die WTG jüngst dazu:
"Die Dauer der letzten Tage ist auf die eine Generation beschränkt, die 1914 schon am Leben war. Diese Generation von Augenzeugen ist nun bereits in den 70er oder 80er Jahren". (Von Kurukshetra nach Harmagedon, S. 15) Die WTG zitiert hier als "biblische Stütze" indirekt Psalm 90:10, wo es heißt: "Unsere Lebenszeit währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre". Wenn die 1914-Generation das Harmagedon-Weltende also noch erleben soll, muß es ab 1994 losgehen. Die WTG selbst straft sich hier Lügen, ist doch gerade jetzt ein milliardenschwerer Ausbau des internationalen Verwaltungs-, Druck-, Verlags- und Medienimperiums der WTG im Gange -keine Kirche oder Religionsgemeinschaft hat Gleichartiges aufzuweisen - über z.Z. 212 Länder der Erde hin, um nun in das
nächste Jahrtausend hinein gerüstet zu sein. Dessenungeachtet ist das bisher "sinngebende" Endzeitdogma auf diese Weise erledigt. Natürlich wird dafür "neues Licht von Gott", wie es immer genannt wird, konstruiert werden. Die aller Welt proklamierte 1914-1994-Wächterfunktion ist jedoch als Funktion eines "falschen Propheten" offenbar.
Der "gute Kampf des Glaubens"
Weiß man um die Haltlosigkeiten des kirchenfeindlichen WTG-Abspaltungswerkes, dann ist man nicht nur selbst dadurch unbeeinflußbar, man ist auch gewappnet, anderen zu helfen, gar nicht erst auf den WTG-Endzeitirrweg zu geraten. Nicht zuletzt kann man mit solchem Wissen auch einen "im Herzen arglosen" Zeugen Jehovas helfen, sich und seine Mitmenschen nicht länger zu täuschen.
Bekanntlich haben die katholische, die evangelische und die Freikirchen 1992 als das Jahr mit der Bibel ausgerufen. Sie soll in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt und möglichst vielen erschlossen werden. Die Herausforderungen dafür mögen verschieden sein. Eine ist ohne Zweifel das kirchenfeindliche WTG-Abspaltungswerk, z.T. unter groteskem Bibelmißbrauch. Wo diesem begegnet werden muß, kommt es in der Tat auch auf eine gute Arbeit mit der Bibel an. Immer war und ist der "gute Kampf des Glaubens" (1. Timotheus 6:12) konkret zu kämpfen gewesen aus einer gegebenen Situation heraus. Und eigentlich müßte für einen Christenmenschen jedes Jahr ein Jahr mit der Bibel sein. Es genügt nicht, diesem abspalterischen "Vormarsch" nur allgemein zu benennen und zu beklagen, anzugehen. Auch hier "steckt der Teufel im Detail", was bedeutet, konkret zu antworten, immer wieder aufs Neue. Am besten ist es, da immer das Aktuellste in der Hand zu haben. -
-D.P.-
Aus eigenem Erleben:
BRUDER, DU FRAGST ZUVIEL
... Es war im Herbst 1974, als ein Mädchen bei mir auftauchte und mir ein Heimbibelstudium anbot. Zum einen war ich überzeugter Atheist und Anhänger der Evolutionstheorie, so daß ich glaubte, mir auf ihre Kosten einen lustigen Abend machen zu können. Zum anderen war ich allein und dieses Mädchen erschien mir sympathisch. Kurz - ich spielte mit. Im Laufe der Zeit wurde aus dem "Bibelstudium" ein rein persönliches Treffen. Diese Beziehung hielt ca. l Jahr. Natürlich überzeugte sie noch nicht, aber der Keim war gelegt. Nun geriet ich bald in große persönliche Schwierigkeiten, so daß ich dringend Gemeinschaft brauchte. Weil die WTG mir nun am nächsten stand, besuchte ich einfach einmal ein WT-Studium, dort auch Gottesdienst genannt. Mir gefiel diese scheinbar herzliche Atmosphäre. Deshalb beschloß ich, der Sache auf den Grund zu gehen und mußte rasch erkennen, daß die Bibel ein besonderes Buch und wirklich Gottes Wort ist. Sehr bald wuchs mein Glaube an Gott und damit verschwanden meine Probleme. Ende 1977 stellte ich meinen Taufantrag. Ich war jetzt etwa ein Jahr lang mit der Versammlung verbunden. Jetzt mußte ich die Kehrseite der Medaille kennenlernen. Ich bin ein Mensch, der alles ganz genau wissen will. Oberflächlichkeiten sind mir zutiefst zuwider. So begann ich schon kurze Zeit nach meinem ersten Versammlungsbesuch peinliche Fragen zu stellen. Zuerst wurden sie mir noch beantwortet, aber diese "Antworten" warfen immer neue Fragen auf. Das Ganze war mir einfach zu wirr. Außerdem hatte ich in der Bibel ganz andere Dinge gelesen als die WTG lehrte. Aber wie sie ja wissen - der "Sklave" hat immer Recht. Also mußte ich mich wohl geirrt haben ...
Bald gingen mir die "von Jehova eingesetzten" Ältesten aus dem Weg. Sogar ein einmal anwesender Kreisaufseher ergriff aus "Zeitmangel" die Flucht. Nur die kleinen Kinder und Jugendlichen in der Versammlung diskutierten noch mit mir - sehr zum Zorn ihrer Eltern. (Interessanterweise sind die meisten von denen heute keine WT-Zeugen mehr!) Als die Fragen dann zu peinlich wurden, bekam ich aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen zu hören wie z.B.: "Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen." (2. Kor. 5:7) Man behandelte mich geradezu als zöge ich das Wort Gottes in Frage. In Wirklichkeit verteidigte ich es doch! Immer wieder nahm ich auch die WTG-Zeitrechnung aufs Korn. Das alles geschah, bevor ich meinen Taufantrag stellte. Die Fragen wurden immer schwieriger, Antworten immer seltener. Eigentlich hätte ich jetzt bereits erkennen müssen, daß ich einer Irrlehre erlegen war - doch nicht die Spur. Durch einen schweren Autounfall, der für mich normalerweise tödlich hätte verlaufen müssen, den ich aber völlig unbeschadet überstand, fühlte ich mich noch bestätigt. Nun ja, mein Taufantrag wurde natürlich abgelehnt, vorerst mit der Begründung, ich hätte meine "weltlichen Angelegenheiten" (sprich: einen KDV-Prozeß aus tiefer religiöser Überzeugung) noch nicht in Ordnung gebracht. - Nicht einmal das brachte mich zur Besinnung. Nun kam 1978. Ich war jetzt bereits Redner in der theokratischen Schule. Nun konnte ich meine Fragen sogar vom Podium aus stellen. Alles wurde jedoch kommentarlos übergangen und ich bekam regelmäßig mein "G" notiert. Zwar setzten sich "Älteste" jetzt mit mir auseinander, aber nicht etwa, um die Fragen zu beantworten, sondern um mich zu maßregeln. Die Gespräche waren jedoch meist sehr kurz, denn den biblischen Argumenten, die ich für meine "Irrungen und Spaltungsversuche", wie sie es nannten, vorbrachte, waren sie in keiner Weise gewachsen. Nicht etwa, weil ich so gut argumentierte, sondern weil sie offensichtlich im Irrtum waren. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß ich niemals mit dem (Un-) Rechtskomitee in Berührung kam.
Obwohl ich mich bereits intensiv am Predigtdienst beteiligte, weigerte ich mich beständig, Berichte abzugeben. Begründung Matthäus 6:1-6:
Da die WT-Zeugen ja nur "geistige Gaben" spenden, "Nächstenliebe" durch Buchverkäufe zur Schau stellen und das Werk ohnehin von unserem Herrn Jesus persönlich geleitet wird, ist so etwas überflüssig.
Materielle Spenden dürfen demnach nicht registriert werden, also dürfen es auch "geistige" nicht. Den Einwand, es sei eine organisatorische Frage, konnte ich mit dem Hinweis auf nicht vorhandene Berichte der alten Israeliten, dem "Gegenstück" zur WTG, abtun. Außerdem sind uns auch keine Dienstberichte der Apostel und deren Buchverkäufe bekannt. Alles in allem wurde mein Ruf immer schlechter. Ich wurde sogar schon öffentlich als "Saboteur und Spalter" bezeichnet -und "erwachte" immer noch nicht.
Weiterhin ging ich jetzt daran, auch andere Religionsgemeinschaften aufzusuchen; vielleicht konnte ich dort Antworten auf meine Fragen finden - streng nach dem Bibelgrundsatz "Vergewissert euch aller Dinge" (1. Thess. 5:21). Leider hielt ich fest an dem, was mir immer "vortrefflich" erschien. Diese Gespräche waren mir sogar eine gewisse Hilfe. Zwar hielt ich alle Warnungen für "bösartige" Verleumdungen der "Wahrheit", aber mir blieben sie im Gedächtnis. Unter anderem fiel mir das Buch der Adventisten "Gottes Kanal der Wahrheit - ist es der Wachtturm?" in die Hände. Das las ich durch, besorgte mir ein weiteres Exemplar und schenkte es der Versammlung als "Warnung vor Angriffen". Es soll angeblich noch immer im Regal stehen!
Die Bibel steht bei der WTG nicht hoch im Kurs - nur die 144.000 können sie ja verstehen. Deshalb begann man nun, mich mit Spiritismus in Verbindung zu bringen, weil ich im Gegensatz zu allen anderen noch Kontakt zu "Weltmenschen und Irrlehrern" hatte. Erstaunlicherweise schloß sich mir jetzt einer der aktivsten Jugendlichen der Versammlung an. Auch er wollte seine Religion überprüfen. Wir hatten jedenfalls zum Schluß zusammen 21 (!) Heimbibelstudien mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen. Dem Herrn sei gedankt, daß keines davon erfolgreich war. Ich glaube, ich würde meines Lebens nicht mehr froh, wenn ich jemanden von diesem Schwachsinn überzeugt und dadurch von Jesus abgebracht hätte.
So ging 1978 zu Ende und ich gewann meinen Prozeß. Jetzt waren meine "weltlichen Angelegenheiten" bereinigt und ich konnte hoffnungsvoll meinen zweiten Taufantrag stellen. Also hatte ich immer noch nichts dazu gelernt!
Das Jahr 1979 kam. Mein Taufantrag war ohne jede Begründung abgelehnt worden, angeblich sogar einstimmig. Hinter vorgehaltener Hand sagte mir jedoch einer der relativ Ältesten, daß man mich für "zu unreif halte, denn ich würde noch immer nicht bedingungslos glauben, daß die WTG "Jehovas sichtbare Organisation" sei. Damit hatte er zweifelsohne recht, aber ich hatte nicht vor, mich der WTG hinzugeben, sondern ich wollte unserem Herrn und Erlöser Jesus dienen, wie es die Bibel verlangt! Das aber sei nur durch die WTG möglich, weil ich ja ohne ihre Hilfe die Bibel nicht verstehe, was ich durch meine ständige Fragerei unter Beweis gestellt hätte. Nun gut - also ging ich eines Tages zum Schwimmen und taufte mich selbst. Natürlich weiß ich, daß das keine biblische Taufe ist, aber es beruhigte mich wenigstens. Schließlich tröstete ich mich mit 1. Sam. 16:7. An das Todesurteil, das die WTG über mich verhängt hatte, konnte ich so recht nicht glauben ... Darauf erklärte ich in der Versammlung vor drei Ältesten als Zeugen, daß ich mir selbst aus Gewissensgründen die Gemeinschaft entziehe. Dann brach ich vorläufig alle Verbindungen ab.
Mir hat sicherlich keiner eine Träne nachgeweint. Meine Enttäuschung war so groß, daß ich mich nun sogar gegen die Bibel wehrte und schon drauf und dran war, dem Beispiel Joakims (Jer. 36:23) zu folgen. Jedenfalls verschwanden erst einmal alle religiösen Schriften im Keller und ich wandte mich weltlichen Dingen zu.
Nach einiger Zeit hatte ich mit Gottes Hilfe diese Krise überwunden und setzte mich weiter mit biblischen Fragen auseinander, nicht mehr hingegen mit der WTG.
Jahrelang verhielt ich mich nun völlig passiv. Im Laufe der Zeit tat ich das Ganze als harmlose Spinnerei ab - bis ich wieder auf den harten Boden der WTG-Wirklichkeit zurückgeholt wurde. Letztes Jahr nämlich nahm meine Mutter Kontakt und ein Heimbibelstudium auf. Erst jetzt wurde mir so richtig bewußt, wie gefährlich diese Organisation wirklich ist. Nun begann ich wieder, die alten Unterlagen hervorzusuchen und neue zu besorgen. Aber woher? Ich knüpfte nun wieder Kontakte zu Freunden, d.h. Zeugen, die sich früher wenigstens noch heimlich mit mir unterhalten hatten und durchblicken ließen, daß ich so sehr im Unrecht gar nicht war. Diesen Menschen galten jetzt meine Bemühungen.
Wie soll es nun weitergehen? Ich werde versuchen, andere zu finden, die ebenfalls bereit sind, mitzuarbeiten. Mein Wunsch und Endziel wäre: In jeder WT-Versammlung sollten wenigstens zwei von uns sitzen, die dort die Augen offenhalten und versuchen, Zweifelnde, Verfolgte und Ausgeschlossene zu erreichen, damit sie nicht allein stehen. Weiterhin müßten so viele Zeugen wie möglich aufklärende Schriften wie "CV" und "Brücke" lesen - es muß ihnen irgendwie zugänglich gemacht werden. Vorläufig jedoch wird es wohl bei Straßengesprächen bleiben. Auf diese Weise kann ich, ohne Verdacht zu erregen, meine Fragen stellen und dadurch vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken anregen.
-W.R.H.-
Jeder, der diesen Briefkopf liest, kommt zu der Ansicht, daß die Zeugen Jehovas und die Wachtturmgesellschaft, Brooklyn, USA, nichts mehr miteinander zu tun haben. Man will eine Trennung zwischen dem "Druckereikonzern WTG" und den deutschen Zeugen Jehovas auf diese Weise dokumentieren. Ist das der alleinige Grund dafür, daß die WTG für ihre Zeugen in Berlin eine Zentrale gekauft und eingerichtet hat? Sicherlich nicht! -
Berlin ist die zukünftige Regierungs- und Hauptstadt. Allein diese Tatsache ist für die WTG schon interessant genug. Darüber hinaus ist es aber auch eine lukrative Kapitalanlage gewesen, denn die WTG hat sicherlich schon langfristig vorausschauend die Ankäufe geplant und getätigt, lange bevor die Immobilienpreise in Berlin explodierten. Zusätzlicher Platz im Bethel Selters, der dringend gebraucht wurde für die Aufgaben als Druckzentrum für Osteuropa und auch die Frage der Gemeinnützigkeit werden bei all dem auch noch eine wesentliche Rolle gespielt haben. Sicherlich gibt es auch noch viele andere Erwägungen, die dabei eine Rolle spielten, denn die WTG plante und investierte schon immer weit vorausschauend.
Sei es wie es sei, selbständig ist die Religionsgemeinschaft der deutschen Zeugen Jehovas auch nicht in Berlin mit einer eigenen Zentrale, Brooklyn wird auch weiterhin die Befehle erteilen und den Kurs vorgeben! -
Der oben abgebildete Briefkopf (Originalfarbe grün) steht über einem vertraulichen Schreiben an die Ältestenschaft. Darin wird darauf hingewiesen, daß ein revidiertes Lehrbuch für die Königreichsdienstschule ("Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde"?, Ausgabe 1991) und Ausweise für Älteste und Dienstamtgehilfen geschickt werden. Als weiteres erging die Weisung, daß nur der vorsitzführende Älteste ab 11. November alle Literatursendungen auspacken darf bis zu dem Zeitpunkt, da der "spezielle Karton" in einer Literatursendung angekommen ist.
Desweiteren wird darauf hingewiesen, daß dieses Buch nicht von den einfachen Zeugen eingesehen werden darf, auch nicht von den Familienangehörigen der Ältesten und Dienstamtgehilfen. Also! Top Secret! - Warum wohl?
CV wird darüber weiter berichten.
GESPRÄCHE MIT ZEUGEN JEHOVAS
Ein Gespräch an der Wohnungstür über das Kreuz als christliches Symbol.
Zeuge:
Christus starb nicht an einem Kreuz sondern an einem Pfahl!
Wohnungs-Inhaber:
Das Wichtigste am Sterben Jesu war doch sein Tod und weniger die Form des Holzes, an dem er hing.
Zeuge:
Die Form des Holzes mit dem Querbalken, also das Kreuz, ist ein altes religiöses heidnisches Symbol.
Wohnungs-Inhaber:
Mir ist bekannt, daß das Henkelkreuz ein solch religiöses heidnisches Symbol war, wie es Reliefs aus Ägypten zeigen. Aber auch der Pfahl ohne Querbalken war ein religiöses heidnisches Symbol der Göttin Aschera. Dies zeigt 2. Mose 34:13 (lesen) "... und ihre Ascherapfähle sollt ihr umhauen."
Zeuge:
Ja - aber wir verehren den Marterpfahl in unserer Anbetung nicht, wie es die Christenheit tut. Wohnungs-Inhaber:
Die Christenheit sieht im Kreuz ein Symbol für ihren Glauben an Christi Opfertod. Sollte jemand das Kreuz ohne Zusammenhang mit Christi Tod verehren, dann wäre dies nicht richtig. Mir ist aber nicht bekannt, daß man das so im Allgemeinen tut.
Ich möchte Ihnen ein vergleichendes Beispiel geben. Seit Beginn Ihrer Wachtturm-Organisation gebrauchten auch Sie ein Symbol für Ihre Bewegung, nämlich den Wachtturm. Früher war er ganz groß auf der Titelseite dieser Zeitschrift. Jetzt ist er kleiner, aber immer noch ist er zu finden. Auf dem Dach der Wachtturmzentrale in New York ist er größer als das Kreuz auf dem Kirchturm.
Zeuge:
Ja - aber wir beten ihn nicht an! Wohnungs-Inhaber:
Das weiß ich, aber Sie benützen ihn als Symbol Ihres Wächteramtes, das Ihre Organisation für sich beansprucht. Im gleichen Sinne gebraucht die Christenheit das Kreuz als Symbol ihres Glaubens an Christi Tod. Oder ist Ihnen so wie das Sprichwort sagt: Wenn zwei das Gleiche tun, dann ist es noch lange nicht das Gleiche. Somit sind Sie auch nicht ganz frei im Gebrauch von Symbolen.
Martin Hirschmüller
CV UND DIE ZEUGEN JEHOVAS IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN
Wiederum ist ein Jahr zu Ende. Das erste volle Jahr im gesamten Deutschland ist auch das erste volle Arbeitsjahr für die Christliche Verantwortung.
Rückblick auf das Jahr 1991 Die Situation hat sich für uns in vielem verändert. Die Zeugen Jehovas können nun wieder frei ihre Zusammenkünfte und ihren Missionsdienst durchführen. Erstaunlicherweise ist das Echo unter den Menschen nicht so groß wie wir es angenommen hatten. Die Zuwachsrate blieb weit hinter dem zurück, was sich die WTG erhoffte. - Woran liegt das?
Unsere bisherigen Erkenntnisse:
- Die ZJ in den neuen Bundesländern müssen sich erst einmal mit der neuen Freiheit vertraut machen. Sie kannten nur kleine Studiengruppen und einen sehr eingeschränkten Haus-zu-Haus- Dienst Sie lebten in der Angst vor der Strafe und fühlten sich als eine Art Märtyrer. -
Das alles ist nun Vergangenheit, die WTG hat sie jetzt voll in die Pflicht genommen.
Sind sie nun glücklich? -
Einige ja, andere aber nicht so.
Man schaue nur in ihre Gesichter, wenn sie in der Öffentlichkeit ihre Schriften anbieten und wenn sie an den Haustüren klingeln. So hatten es sich viele nicht vorgestellt.
- Sie stehen im harten Konkurrenzkampf mit ca. 40 anderen Sekten, die es zum Teil besser verstehen, ihre Lehren an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.
- Auch die Zeugen sind von dem neuen und ungewohnten Konkurrenzkampf nicht ausgenommen. Arbeitslosigkeit, Geldmangel, arbeitsmäßige Abwertung und ungewohnter Behörden- und Bürokratiekampf. Dazu kommen Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und anderer Familienangehöriger.
- Die Mieten für Ihre Versammlungsräume sind mittlerweile kaum noch oder gar nicht mehr bezahlbar.
Das sind nur einige Probleme, mit denen sie sich jetzt herumschlagen müssen. Alles das kostet Zeit und Geld. Zeit, die für die WTG nicht mehr zur Verfügung steht und Geld, das die WTG nicht mehr in ihre Kassen bekommen kann. Trotz allem, sie missionieren weiter und uns erreichen dadurch immer mehr Bitten um Hilfe und Aufklärung. - H.W. -
WIE KANN DIE "CHRISTLICHE VERANTWORTUNG" HELFEN ?
Auch bei uns hat sich nach der Wiedervereinigung einiges geändert.
Einige unserer Mitstreiter haben sich von der CV-Arbeit zurückgezogen, weil sie Repressalien von Seiten der WTG befürchten.
Einige sind nicht mehr vom Alter her in der Lage, ihre Aufgaben im Rahmen der Christlichen Verantwortung zu leisten. Andere sind auf Grund von Arbeitslosigkeit und verstärkten notwendigen Hilfsmaßnahmen innerhalb ihrer Familie nicht mehr in der Lage, ihren persönlichen Einsatz, der ja auch mit Kosten verbunden ist, weiterhin leisten zu können. All diesen Geschwistern sei herzlichst gedankt für ihren bisherigen Einsatz in der Christlichen Verantwortung. Es sind aber auch neue Geschwister zu uns gekommen. Dabei viele jüngere, nicht immer ehemalige Zeugen Jehovas, sondern auch engagierte Christen. Für unser Werk ist das gut, denn ergänzt sich doch die Erfahrung der Älteren mit dem Schwung und Elan der jüngeren Geschwister. Sie werden auch eines Tages die Arbeit der Christlichen Verantwortung weiterführen können und müssen. -
Wir arbeiten weiter im Sinne der Aufklärung über die WTG. Wir beraten, wir schreiben, wir halten Vorträge in den Stadt-und Landgemeinden. Wir helfen allen Wachtturm-Opfern, die sich um Hilfe an uns wenden.
Leider aber hat sich die finanzielle Situation noch nicht zugunsten von CV geändert. Früher hatten wir die Sorgen mir Druckgenehmigungen, Papierzuteilungen und vor allem mit der Zensur. Geldsorgen hatten wir etwas weniger. Knapp war es immer, und manchesmal mußten wir an das Ersparte gehen. Aber es ging weiter. Die Spenden von den mit uns Verbundenen kamen und halfen uns. Nun sind auch diese weit zurückgegangen, weil ja eine allgemeine Geldknappheit, besonders bei den älteren Menschen, herrscht.
Sicherlich gibt es Wege, um vielleicht zu mehr Geld zu kommen. Viele unserer Brüder aus den alten Ländern der Bundesrepublik stehen uns da mit ihrem Rat zur Seite. Sie raten uns, doch Zahlungsanweisungen mit einem Spendenaufruf in unsere Sendungen einzulegen. Sicherlich ist das ein Weg. Wir jedoch möchten, solange es geht, bei dem bleiben, wie wir es bisher gehalten haben. Jede Spende, die uns gegeben wird, nehmen wir voller Dankbarkeit an, denn sie hilft uns weiter in unserem Werk.
Nun gehen wir mit Gottes Hilfe in das 32. Jahr unseres Bestehens. Wir schauen voller Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück, in denen wir unser Werk verrichten durften, auch auf das Jahr 1991.
Wir sind weiterhin dankbar für jede Spende und danken all denen, die uns bisher damit weitergeholfen haben.
Zum Schluß möchten wir noch allen mit CV verbundenen und darüber hinaus allen CV-Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr wünschen.
Ihre CV-Geschwister
"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;
O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM, auch kostenlos
Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G.. Gera BLZ: 830 945 64