Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 258

In dieser CV-Ausgabe wird (unter anderem) auch ein Text des Herrn Twisselmann zitiert. In ihm auch der Passus:

„Der Einfluß der weit verbreiteten Vernunftsgläubigkeit auf Russells "Schriftstudien" und die nachfolgenden Bücher ist mit Händen zu greifen."

Da wäre man dann ja wieder „kurz vor" der Großkirchlichen Verteidigung der Trinitätslehre angelangt, die sich ja letztendlich auf ähnlich irrationale Basis zurückzieht.

Herr Twisselmann hat den Spagat vollbracht, nach zeitweiliger Zeugen Jehovas-Mitgliedschaft, dann seine weitere Karriere in der Kirche zu suchen.

Das mag ihm ja unbenommen sein. Überzeugen indes tut er (zumindest mich) nicht.

Aber natürlich gibt es immer welche, welche andere für sich denken lassen. Sie werden in dieser CV-Ausgabe wieder mal bedient.

Dieser angedeutete Dissenz reduziert sich dann wohl auf den Kernsatz:

Die Zeugen seien der „Regen". Eine „Traufe" indes gäbe es nicht.

Ich hingegegen sage dazu. Sehr wohl wechseln da einige vom Regen in die Traufe!


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

SCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜRINGEN

NR. 258 GERA III/1991

DIE FREIHEIT, DIE SIE MEINEN

Zeugen Jehovas, "Angehörige eines freien Volkes"?

Der Wachtturm-Kongreß 1991 "Freiheitliebende Menschen"

Ein Höhepunkt der Aktivitäten der Zeugen Jehovas 1991 waren die internationalen Kongresse der Wachtturmgesellschaft. Bekanntlich übt die WTG die gesamte "theokratisch" genannte organisatorische und geistige Führungsgewalt über die Zeugen Jehovas aus. Die Kongresse 1991 geben Anlaß, vor allem eine Grundfrage Wachtturmgesellschaft und Zeugen Jehovas betreffend zu beantworten, wo sie andere Menschen anwerben bzw. von ihrem bisherigen Glauben abwerben. Nämlich, wie es unter der WTG selbst mit der Freiheit bestellt ist Denn frei zu sein, sich frei zu fühlen, ist in der Tat wohl ein Grundbedürfnis aller Menschen,

An so etwas zu appellieren, wie es auf den Kongressen 1991 unternommen wurde, ist da schon die Herausforderung an die WTG selbst, wie es da wohl hinter der Tür aussieht, hat man sie durchschritten. Die diesbezüglichen Einblicke richten sich also auf etwas Grundsätzliches, das zu bedenken ist, wo jemand von den Zeugen Jehovas angesprochen ist.

Eine Kongreß-Übersicht

"Um allen freiheitliebenden Menschen zu helfen, sich mit noch festerem Griff an die Freiheit zu klammern, wird der diesjährige Bezirkskongreß der Zeugen Jehovas dem Motto 'Freiheitliebende Menschen' Rechnung tragen", hieß es im Blick auf alle freiheitliebenden Menschen in der Einladung. Und auf die ZJ begrenzt:

"Ja, wir sollten kommen im echten Bewußtsein unserer geistigen Bedürfnisse als Angehörige eines freien Volkes". (Wachtturm 15.2.1991, Seite 29)

Im deutschsprachigen Raum gab es 23 solcher Kongresse. Die international einheitliche Thematik beinhaltete im wesentlichen die Schwerpunkte "Freiheit mit Verantwortung im Familienkreis" - ein Symposium.

Eine Vortragsreihe "Christliche Freiheit heute" und den öffentlichen Vortrag "Jubelt Gottes neuer Welt der Freiheit zu". In Berlin (aus Berlin, Land Brandenburg und Land Mecklenburg-Vorpommern) sollen etwa 12.000 teilgenommen haben. Etwa 200 sollen dort nach Erreichen eines "Alters des Verständnisses" durch Untertauch-Taufe "ordiniert" worden sein. Der Kongreß war der erste freie Kongreß - nach der Vereinigung seit 1950, nachdem das Verbot von WTG und ZJ in Ostdeutschland von der vorletzten Regierung (Ministerpräsident Modrow) im März 1990 wieder aufgehoben worden war. Laut WT vom 1.1.1991 sind die Zeugen wegen bestimmter religiöser und politischer WTG-Dogmen noch in 33 Ländern verboten.

Ohne Zweifel war das Thema Freiheit für die Zeugen Jehovas auch insofern bewegend, als gar mancher seinen WTG-Dienst mit seiner Freiheit, auch mit seinem Leben, bezahlen mußte.

Naivität oder Werbetaktik?

Allen freiheitliebenden Menschen helfen, sich mit noch festem Griff an die Freiheit klammern? Es ist doch wohl nicht ganz ernst zu nehmen.

Welcher Mensch, gut oder böse, liebt wohl nicht "die Freiheit" so oder so? Wie kann man da allen freiheitliebenden Menschen zur Freiheit verhelfen wollen? Warnt nicht selbst das Evangelium vor solchen Menschen, "welche die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit machen"? (1. Petr. 2:16) Das ist nicht so gemeint?

Dann darf man es so auch nicht sagen, geschweige denn schreiben und drucken. Aber die Zeugen Jehovas haben schließlich in keiner Weise das Recht, kritisch zu überprüfen, was die WTG ihnen zu kolportieren gebietet.

Überall endet die eigene Freiheit da, wo die Rechte anderer anfangen. Das weiß man natürlich auch in der WTG-Führung. Aber offensichtlich will man erst einmal so viele Menschen wie möglich anlocken, "alle Arten".

Die sich das WTG-Kongreßschildchen mit der Kennzeichnung als "freiheitliebende Menschen" an Hemd, Kleid oder Jacke geheftet haben, merkten sicherlich nicht, wie absonderlich und abwertend dies auf alle anderen freiheitliebenden Menschen wirken mußte.

Man könnte das so vergleichen:

Trifft ein ZJ einen anderen. "Bruder, Schwester, wie lange bist du schon in der Wahrheit? Oh, ich bin es schon seit Jahrzehnten. Tja, welches Vorrecht, ich erst seit vorigem Jahr". Jeder Andersglaubende und Andersdenkende, der das mit anhört, muß doch den Eindruck bekommen, die ZJ halten alle anderen für solche, die in Unwahrheit, Unehrlichkeit und Lüge hocken. Es ist eine der WTG-Sprachregelungen, die Wachtturmlehren als "die Wahrheit" zu bezeichnen. Die "Freiheit" zu proklamieren ist da ein ähnliches Spiel, in dem jedoch Werbetaktik zu dominieren scheint, wenn man die Zügel betrachtet, die die WTG jedem Gewonnenen anlegt und die Bindungen, in die jeder verstrickt wird.

Betroffene sollten dies alles unbedingt zuvor kritisch abwägen bzw. prüfen können. (Lukas 14:28)

Was ist die Freiheit eines Zeugen Jehovas unter der WTG-Führung?

"Freiheit mit Verantwortung" wurde auf dem Kongreß formuliert.

Zunächst kann man dagegen nichts einwenden, will man nicht Anarchie oder gar Zügellosigkeit das Wort reden. In der Tat, nichts existiert nur in Freiheit, sondern alles zugleich auch in Zügel, in Bindungen, in Grenzen oder auch in Stricken. So sind diese Zügel das, wonach man fragen muß, will man sich unter der angepriesenen Freiheit etwas vorstellen. Das heißt: Was darf man, was nicht, was ist erlaubt, was verboten, was muß man, was nicht, was ist erwünscht, was wird belohnt, was bestraft, und wie, und welche Rechte und Pflichten hat man, was ist zu tun, was ist zu lassen.

Im Grunde lief der Kongreß darauf hinaus, weiterhin als christliche Verantwortung akzeptieren, zu respektieren, was immer die WTG zur Freiheitsgrenze bestimmt: Die Bestimmungen oder Bindungen der von ihr geführten Organisation. Allein "der Glaube" an sie als "Jehovas sichtbare Organisation" werde mit "einem Sieg und mit der Krone des Lebens belohnt werden!" (Wachtturm I. Juni 1979, Seite 18)

Übersehen wir hier die Anmaßung, den Glauben an Gott gleichzusetzen. Stellen wir die sich ergebende kritische Frage, wie frei man unter der WTG oder als ZJ wird oder ist.

Erfahrungen in der obersten WTG-Etage. Nicht ohne Grund bedroht die WTG den Besitz und das Lesen jeder Schrift in ihrem Anhängerbereich, die von ehemaligen Mitgliedern veröffentlicht wurden.

Das trifft besonders Veröffentlichungen aus dem Bereich der "Obersten WTG-Etage". In dem Buch von dem Mitglied der Leitenden Körperschaft Raymond Franz - Neffe des WTG-Präsidenten F. W. Franz und als Präsidenten-Nachfolger im Gespräch gewesen - "Crisis of Consience" (1983), deutsch "Der Gewissenskonflikt" (1988, Claudius-Verlag), beschreibt er u.a. auch die letzten Jahre in der obersten Führung dieser Organisation und, warum er damit Schluß gemacht hat. Ein Werk, das bisher den tiefsten Einblick hinter die WTG-Kulissen ermöglicht.

Zur Freiheit unter dem WTG-Regime stellt er u.a. Folgendes fest:

- Umgang mit Andersglaubenden werde mißbilligt (S. 11).

- Schullaufbahn und Berufswahl seien mit den WTG-Zielen abzustimmen (S. 11).

- Nach außen Verteidigung von Gewissensfreiheit, nach innen ihre stärkste Unterdrückung (S. 12).

- Respekt vor der WTG-Organisation werde in bedingungslosen Gehorsam umgemünzt (S. 14).

- Betroffene würden über Dinge in Unkenntnis gehalten.tlie für sie von allergrößter Bedeutung sind (S. 15).

- Nur sehr wenige ZJ wüßten, wie ihre Leitung funktioniert, wie man über Lehren abstimmt, all dieses werde von einem Mantel des Geheimnisses umhüllt (S. 34).

Die Anhängerschaft werde über die Finanzen weitgehend in Unwissenheit gehalten (S. 34).

- Archive mit Beweismitteln und Protokollen über Exkommunikation sind Geheimsache (S. 39).

- Eigene "schmutzige Wäsche" dürfe nicht öffentlich "gewaschen" werden, wohl aber die anderer (S .42).

- Die allumfassende autoritäre Herrschaft der WTG über die ZJ widerspreche der von Christus gewährten Autorität zum Dienen in der Gemeinde (S. 216).

- Gedankenüberwachung, die als abtrünnig stempelt, wo Bibelauslegungen der WTG nicht akzeptiert werden (S. 282).

- Die örtlichen WTG-Rechtskomitees würden Methoden anwenden, die mit denen in liberalen Ländern nichts mehr gemein haben, entscheidende Informationen würden verschwiegen, es werde mit anonymen Denunzianten gearbeitet (S. 315).

- "Nachdem ich mich den größten Teil meines Lebens abgemüht hatte, Menschen zu Gott und zu seinem Sohn zu fuhren, mußte ich feststellen, daß diese Organisation mit ihnen umgeht, als wären sie ihre eigene Herde, die ihr zu gehorchen hat und ihr zu Willen sein muß" (S. 339).

Als Orwellsche Welt erfahren

Bisher nur in Englisch liegt ein Werk vor: "The Orwellian World of Jehova's Witnesses" (Die Orwellsche Welt der Zeugen Jehovas) - University of Toronto Press Kanada.

Heather und Gary Botting, ehemalige ZJ, ziehen da einen Vergleich zwischen dem Leben unter der WTG und der Version des britischen Schriftstellers George Orwell in seinem Werk "1984" über ein weltweites totalitäres Überwachungssystem, "Großer Bruder" genannt.

Im Orwellschen System existieren da zur allgemeinen Überwachung ein Wahrheitsministerium, ein Liebesministerium, eine Gedankenpolizei.

Man praktiziert ein Zwie- oder Doppeldenken u.a. nach den Grundsätzen Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei und Unwissen ist Stärke.

Die Erfahrungen unter dem WTG-Regime - wie absoluter Gehorsam, Einheit um jeden Preis auch auf Kosten der Wahrheit, und die Auswirkungen all dessen - entsprächen wesentlich jenem Orwellschen System.

Das Hauptleseverbot für Zeugen Jehovas

Da ja Zeugen Jehovas "Angehörige eines freien Volkes" sind, ist es natürlich ihnen auch nicht gestattet - bei Strafe ihres Ausschlusses - Bücher und Zeitschriften zu lesen, die auf dem WTG-Verbotsindex stehen. Wie diese Unterdrückung von Lesefreiheit und entsprechender Zügelung eines ZJ aussieht, liest sich in einer jüngsten Fassung wie folgt: "Vernichtest du wohlweislich die Schriften Abtrünniger? Laß dich nicht mit Abgefallenen ein. Nun, was wirst du tun, wenn du mit den Lehren Abgefallenen konfrontiert wirst, mit spitzfindigen Überlegungen, durch die dein Glaube als Zeuge Jehovas zur Unwahrheit abgestempelt werden soll? Was wirst du beispielsweise tun, wenn du einen Brief oder eine Sendung von Schriften erhältst und beim Öffnen gleich erkennst, daß sie von einem Abgefallenen stammen? Wird dich deine Neugier veranlassen, sie zu lesen, nur um zu sehen, was er zu sagen hat? Möglicherweise denkst du: Es wird mir nichts anhaben können; ich stehe zu fest in der Wahrheit. Und wenn wir die Wahrheit haben, brauchen wir nichts zu befürchten ... (Wachtturm 15. März 1986, S. 12 ff)

Mit den Kritikern aus ihren eigenen Reihen ist die WTG-Führung gnadenlos Feind. Nicht nur durch Rufmord wie Kirchengespeifresser, wie Hunde, im Schlamm sich wälzende Säue, Feinde, tödliche Gangrän, Verseuchte, Giftmischer, Todesbringer, Teufelsdiener, wie man lesen kann. Sie wurden schon früh allen Ernstes mit solchen verglichen, die "theokratisch" einst buchstäblich zu töten waren. Ja, die Zeugen Jehovas sind wirklich "Angehörige eines freien Volkes"!

Eine umfassende Entmündigung gegenüber der WTG

Nach dem ersten Weltkrieg setzte unter dem 2. WTG-Präsidenten J. F. Rutherford (seit 1917) ein Prozeß ein, der über den bis dahin freien Bibelforschern, wie sie einst unter dem l. WTG-Präsidenten C. T. Russell (1916 gestorben) etwa seit 1874 begründet wurden, mit einer Beschränkung auf nur noch bloßes Bezeugen der WTG-Lehren zur schrittweisen Errichtung eines geistigen und organisatorischen WTG-Befehls- und Gewaltsystems führte, zu einer Diktatur. Sichtbaren Ausdruck fand das u.a. 1931 in der Umbenennung der Anhängerschaft von Bibelforscher offiziell in "Zeugen Jehovas" und 1938 in der Selbsteinsetzung der Rutherford-Administration der WTG "als sichtbarer Vertreter des Herrn auf Erden" mit "vollem Befehl" und "voller Gewalt" in dieser "Vertretung" über die "sichtbare Organisation" insbesondere, über alle zuvor zu Zeugen mittels einer WTG-organisierten ZJ-Resolution, die dann für alle ZJ verbindlich gemacht wurde.

In dieser ZJ-Unterwerfungs-Resolution hieß es diesbezüglich: "Wir, die Gruppe des Volkes Gottes, das für seinen Namen herausgenommen worden ist und sich nun in........befindet, anerkennen, daß Gottes Regierung eine reine Gottesherrschaft ist, daß Christus Jesus sich im Tempel befindet und den vollen Befehl und die volle Gewalt über die sichtbare Organisation Jehovas wie auch über die unsichtbare innehat und daß "Die Gesellschaft" der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist. Daher stellen wir das Gesuch, daß "Die Gesellschaft" unsere Gruppe für den Dienst organisiere und deren verschiedene Diener bestelle ..." Die WTG kommentiert das selbst:

"Das bedeutet einen Verzicht auf die demokratische oder durch Kirchenälteste ausgeübte Macht in der Leitung der Kirche, wie sie sechzig Jahre lang in den Versammlungen bestanden hatte". (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 148) An diesem undemokratischen Machtsystem mit "vollem Befehl und voller Gewalt" über ihre Zeugen hat sich seither grundsätzlich nichts mehr geändert. Um sich vorzustellen, wie das zur Zeit funktioniert, genügen die WTG-eigenen Verlautbarungen der letzten Zeit Es kann jedoch nur eine typische Auswahl getroffen werden angesichts der Fülle dessen. In der Hauptsache zeigte die WTG hier dann die Zähne bzw. zog die Samthandschuhe aus, wenn sie durch "Rebellen" gegen ihr Regime in besondere Bedrängnis geriet So war dies auch 1980 der Fall, als es mit Raymond Franz zu einem Aufstand des Gewissens in der Leitenden Körperschaft gekommen war. Und wie er es schildert, die "eiserne Faust" der WTG aus ihrem "Samthandschuh" hervorkam. Nur willig gehorchen

"Um all unsere Schwierigkeiten zu überwinden, brauchen wir nur Jehovas Anweisungen anzunehmen, sie in freudiger Geistesverfassung auszuführen und die Neigung zum kritisieren dessen, was wir tun sollen, zu unterdrücken ... Um unseres ewigen Wohles Willen, müssen wir willig gehorchen und fortgesetzt Anweisungen beachten und damit Schritt halten." (Wachtturm 15. Mai 1955, S. 316)

Zu einem Unter-"Sklaven" verurteilt

"Um aber wirklich zu einem Teil der Neuen-Welt-Gesellschaft zu werden, ist es unbedingt nötig, daß der richtige Respekt vor der theokratischen Einrichtung und Ordnung geoffenbart werde. Eine demütige, gehorsame Geistesverfassung ist erforderlich ... Da dem 'treuen und verständigen Sklaven' alle Güter des Meisters anvertraut sind, laßt uns mit dem richtigen geistigen Wahrnehmungsvermögen die Sache so ansehen, daß, was immer der 'treue Sklave' tut, zu unserem Guten gereicht. Der Sklave erfüllt dadurch seine eigene Pflicht vor Jehova, daß er das Werk Jehovas tut. Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott". (Wachtturm 1. August 1956, S. 473 f)

Unterdrückung mit einer "Wasserstoffbombe"

"Es mögen Dinge in der Organisation geschehen, die wir nicht verstehen. Die Diener mögen einer Handlungsweise folgen, die wir als unrichtig erachten. Deswegen Kritik zu üben, würde eine unvernünftige Haltung verraten. Vielleicht kennen wir nicht alle Einzelheiten des Falles, ja, gewöhnlich ist es so. Aber eine unvernünftige Person wird das keinen Augenblick in betracht ziehen. Nur weil sie etwas nicht versteht, wird sie sogleich folgern, man sei ganz falsch vorgegangen. Nun, wenige von uns verstehen die Tatsachen bezüglich der Kernphysik, nicht wahr? Aber die Wasserstoffbombe beweist sicherlich, daß die Folgerungen ihrer Hersteller auf Tatsachen beruhen und daher richtig sind. Somit wären wir nicht so töricht und würden die Explosion einer Wasserstoffbombe im eigenen Garten zulassen, nur weil wir ihre Wirkung nicht kennen! Nun kann sich aber eine unvernünftige, respektlose Haltung innerhalb der Familie Gottes ebenso unheilvoll auswirken wie die Auslösung einer Wasserstoffbombe". (Wachtturm 1. Juli 1957, S. 408 f)

Kein Widerspruch geduldet

"Jehova gibt uns auch durch seine irdische Organisation Rat. Da sein heiliger Geist auf leitende Körperschaft dieser Organisation einwirkt, stimmt deren Rat mit seinem Willen überein.

Inhaltsverzeichnis

1994 - Eine große Wende?

Welche Zeichen deuten auf Harmagedon?

Wie stellen sich Jehovas Zeugen zur Glaubensgerechtigkeit

Die Gesalbten und die Nicht-Gesalbten Zeugen Jehovas

Das Zwei-Klassen-System der Zeugen Jehovas

Gespräche mit Zeugen Jehovas

Ein liebevoller Aufseher?

Keine Zeit

Neue Verbreitung der WTG-Literatur

Ob uns dieser Rat nun durch die Bibel oder durch die Organisation Jehovas gegeben wird, so kommt er jedenfalls von Gott und ist zu unserem Nutzen.

Manche werden unzufrieden, weil die Organisation ihren Ansichten nicht zustimmt oder nicht so vorgeht, wie sie es für gut halten. Andere ärgern sich, wenn die Organisation ihren Standpunkt, ihre Terminologie oder ihre Predigtmethoden ändert. Statt sich entsprechend umzustellen und mit der Organisation Schritt zu halten, grübeln sie über die Änderung nach. Jehova duldet in seiner neuen Ordnung der Dinge nur solche Menschen, die ihn lieben und bestrebt sind, ihm zu gehorchen. Menschen, die sich dem Rat, den er durch sein Wort und seine Organisation gibt, nicht widersetzen.

Man kann sich dem Rat Jehovas auch widersetzen, indem man dagegen argumentiert.

Man kann sich dem Rat Jehovas auch widersetzen, ohne offen dagegen zu argumentieren, nämlich, indem man nicht danach handelt.

Du sollst nicht nach Mitteln und Wegen suchen, sein Rat und sein Gesetz zu umgehen. Du sollst auch nicht nach Lücken suchen, die du ausnützen könntest, um einer Strafe zu entgehen, die dir deine Organisation auferlegen mag. Widersetze dich nicht, indem du dagegen argumentierst, dich weigerst, ihm zu gehorchen oder gegen Gottes Organisation sprichst". (Wachtturm 15. September 1963, S. 560 f)

Keine demokratischen Ansichten und Methoden

"Personen, die Jehovas reine Organisation und ihre Regeln für die Aufrechterhaltung des Friedens und der rechten Ordnung kritisieren und sich darüber beklagen, gehören zu denjenigen, die die Lehre Jehovas verachten. Zwischen solchen Personen und ausgesprochenen Rebellen liegt nur ein schmaler Grenzstreifen.

Loyale Zeugen sind nicht demokratischen Ansichten und Methoden zugeneigt". (Wachtturm 1. März 1990, S. 23)

Ja, total durch die WTG entmündigt

"Wir freuen uns, daß Jehova sehr daran interessiert ist, wie sein

Volk vor ihm wandelt, und ständig dafür sorgt, daß es korrigiert wird.

Ja, wir wollen weiterhin zurechtgebracht werden, damit uns unser Weg zum Ziel führt - ewig in Gottes Gunst zu stehen". (Wachtturm 1. November 1990, S. 31)

Das "theokratische" WTG-Regime ist in der Tat wie gesagt eine eiserne Faust in einem "christlichen" Samthandschuh. Schon das kritische Nachgrübeln darüber ist gefährlich. Schon da öffnet sich ihr Samthandschuh.

Ständige Überwachung und "Säuberung"

Es sind nicht nur leere Worte der WTG in ihrem "theokratischen" Organ DER WACHTTURM, wenn sie von ihrer Befehlsgewalt, willigem Gehorsam, Sklaverei, Grübelverbot, Kritikverbot, Rebellenvernichtung, Demokratiebeseitigung usw. spricht. Sie setzt das auch in ihren Reihen durch, wie es ebenfalls ihre eignen entsprechenden Verlautbarungen veranschaulichen.

Deutlich wurde dies insbesondere wieder, als sie nicht umhin kam, im Zusammenhang mit dem Aufstand des Gewissens aus ihrer Leitenden Körperschaft heraus um Raymond Franz, ihren Samthandschuh abzustreifen.

So hieß es im Ergebnis der "Säuberungen", die danach durchgeführt wurden:

"Wir wissen, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden, unsere Reihen sind gesäubert worden von Nörglern, Unzufriedenen und solchen, die nach Unabhängigkeit streben". (Wachtturm 1. Februar 1983, S. 26) Und drohend:

"Kein Zeuge Jehovas der Neuzeit wird daher einen Abtrünnigen ... grüßen oder ihm erlauben, sein christliches Heim zur Verbreitung von Irrlehren zu benützen. Bestimmt würde ein Gläubiger, der einem Abtrünnigen Gastfreundschaft erweisen und dadurch den geistigen Tod eines Mitanbeters Jehovas herbeiführen würde, von Gott zur Rechenschaft gezogen werden". (Wachtturm I. Juli 1983, S. 24)

Ein besonderer Bereich

Überwacht und "gesäubert" wird die WTG-Anhängerschaft insbesondere laufend im Hinblick auf den Einfluß der "Geistlichkeit der Christenheit", d.h. der christlichen Kirchen, die die WTG als "Menschen der Gesetzlosigkeit" hinstellt. Das jetzige Offenbarwerden der nun schon alle Generationsgrenzen überschreitenden fast schon 120 Jahre währenden WTG-Endzeitfalschprophetie veranlaßt gar manchen, von den ZJ wieder zu seiner früheren Kirche zurückzukehren. Die Abwehr der WTG sieht da u.a. so aus:

"Den Menschen der Gesetzlosigkeit bloßstellen. Da die Geistlichen vorgeben, Christen zu sein, sind sie in Gottes Augen tadelnswerter als andere. Sie müssen bloßgestellt werden, damit Menschen, die Gott dienen möchten, von ihrem Einfluß befreit werden ...".

Diesem "Menschen der Gesetzlosigkeit" müsse "schonungslos die Maske vom Gesicht gerissen" werden. Die "satanischen" Einflüsse dieser Geistlichkeit: "mischt sich nach wie vor in die Politik ein ... redet ihren Anhängern ein, daß es den Politikern gelingen wird, die Welt zu verbessern ... immer mehr Geistliche billigen die Homosexualität oder sind sogar selbst homosexuell...". Alles dies undifferenziert in einen Topf geworfen wird zur Tat geschritten:

"Solche Verfehlungen können von Gottes Dienern nicht tatenlos hingenommen werden, sondern sie müssen im Interesse anderer aufgedeckt werden. Die große Volksmenge anderer Schafe muß vor Personen geschützt werden, die sie dazu bringen möchten, Gottes Gesetze zu übertreten". (Wachtturm 1. Februar 1990, S. 23 ff)

So ist das "geistige Paradies", in dem die ZJ unter der WTG angeblich schon jetzt leben, durchzogen von einem zum Teil verborgenen Überwachungssystem, um solche "Nörgler, Unzufriedenen und Unabhängigkeitsstreber" aufzuspüren, "aufzudecken", wen sie etwa besuchen, wer sie besucht, auch nur grüßt, wer sie beeinflußt, "Gottes Gesetze", d.h. die WTG-Lehren und -Anweisungen zu übertreten. Insbesondere Letzteres geschieht natürlich durch gar manchen inzwischen erfahrenen und sachkundigen Pfarrer, Priester oder Geistlichen neben den gefürchteten "Rebellen" allenthalben. Vor solchen "Personen schützen" zu müssen ist denn wiederum die Rechtfertigung für dieses Überwachungssystem.

Keine Privatsphäre tabu

Um die Reihen "rein" zu halten und entsprechend zu "säubern"

gibt es für die WTG kein Tabu unter ihren Zeugen. Bis auf die Anmerkung, daß mit den "Forderungen des göttlichen Gesetzes" grundsätzlich immer die Forderungen der WTG-Bibelauslegung gemeint sind, möge sich jeder das Folgende selbst kommentieren:

Irgendeine ZJ "Maria" wird zum Beispiel genommen: "Maria fürchtete erst ein bißchen die rechtlichen Konsequenzen, doch dann kam sie zu der Überzeugung, daß in diesem Fall die biblischen Grundsätze mehr Gewicht hatten als die Forderung, die ärztlichen Unterlagen vertraulich zu behandeln. Sie sagte sich, daß die Schwester ihr sicherlich nicht grollen und nicht versuchen würde, sich zu rächen, indem sie sie anzeigen würde...

Arbeitgeber können mit Recht erwarten, daß ihre christlichen Arbeitnehmer (gemeint sind die ZJ, Anm.) "volle, gute Treue an den Tag legen", auch was die Schweigepflicht betrifft... Wenn man einen Eid ablegen muß, sollte das nicht leicht genommen werden. Durch einen Eid wird ein Versprechen noch feierlicher und bindender...

Und wenn das Berufsgeheimnis zudem gesetzlich geregelt ist, wird die Sache noch ernster ...

Gewöhnlich mag sich ein solches Problem ergeben, wenn man bei einem Arzt, in einem Krankenhaus, an einem Gericht oder bei einem Rechtsanwalt arbeitet...".

Nachdem erklärt wird, daß bei "schwerwiegender Verfehlung" Selbstanzeige oder Denunziation durch andere ZJ Pflicht sei, heißt es als Begründung:

"Manchmal wird ein treuer Diener Gottes aus der Überzeugung, gestützt auf seine Kenntnisse des Wortes Gottes, die Schweigepflicht wegen der höherrangigen Forderungen des göttlichen Gesetzes teilweise oder ganz brechen. Das erfordert Mut und Urteilskraft. Das Ziel würde nicht darin bestehen, die Privatsphäre eines anderen auszuspionieren, sondern dem Irrenden zu helfen und die Christenversammlung rein zu erhalten. Wir dürfen das Gesetz des Staates nicht außer acht lassen und dürfen auch nicht ignorieren, wie schwerwiegend ein«Eid ist, aber Gottes Gesetz ist höchstrangig". (Wachtturm l. September 1987, S. 14 f)

Auch lebenslängliche Überwachung

"Erfährt das Komitee (örtl. WTG-Rechtskomitee für ZJ, Anm.), daß ein getauftes Glied der Versammlung einen schändlichen Lebenswandel führt, so hat es die Pflicht, der Sache nachzugehen, auch wenn der Betreffende die Zusammenkünfte nicht mehr besucht. Er kann sich der Verantwortung nicht dadurch entledigen, daß er aufhört, mit Jehovas Volk Gemeinschaft zu pflegen; die Verpflichtungen, die er durch seine Hingabe und Taufe auf sich genommen hat, gelten für das ganze Leben. Führt er zum Beispiel vorsätzlich einen unsittlichen Lebenswandel oder beginnt er Bräuche der falschen Religion zu pflegen, so fügt er Jehovas Organisation eine Schmach zu, indem er sie bei seinen Freunden und Bekannten, die wissen, daß er sich als Zeuge Jehovas taufen ließ, in Verruf bringt". (Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß, S. 184, WTG 1968)

Zuvor den Preis für ein Leben unter dem Wachtturm berechnen

Eine lebendige und radikale Antwort auf die Herausforderung, die WTG und Zeugen Jehovas darstellen, muß vor allem vorbeugend sein.

"Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuerst hin und berechnet die Kosten ..." (Lukas 14:28)

Es muß also bekannt sein oder bekannt gemacht werden, was man unter der WTG als Zeuge Jehovas zu erwarten hat, was auf einen da alles zukommt.

Die WTG-Kongresse 1991 "Freiheitliebende Menschen" stellen da zwangsläufig die Frage nach der Freiheit, die die WTG meint.

(Auszugsweise aus dem Kongreßbericht von D. P.)

1994 - EINE GROSSE WENDE ?

Was tun, wenn keine WTG-Wende kommt?

Wieso 1994?

Der weltweit erklärte Sinn der Tätigkeit der WTG ist ihre Endzeitverkündigung. Damit steht und fällt alles. Nachdem die ursprüngliche Endzeitprophetie von 1799 bis 1914 als falsche Prophetie zusammengebrochen war, wurde unter dem Nachfolger von WTG-Präsident Russell, J. F. Rutherford, eine nächste Endzeit konstruiert, das Jahr 1914. Inzwischen ist diese Endzeit nun schon über eine biblische Generation von 30 Jahren längst hinaus und auf das Lebensalter des Menschen weiter herausgeschoben worden. Psalm 90:10 gibt dieses Lebensalter mit 70 bis 80 Jahren an. Diese Zeit geht 1994 zuende.

Die für die WTG verhängnisvollen 1990er Jahre haben begonnen. Immer wieder muß man dies den WTG-Neulingen vor Augen führen. Sie kennen die wirkliche Vergangenheit der WTG in dieser alles entscheidenden Frage nicht! Wer kann schon in die alten WTG-Prophetien einsehen! Es gab und gibt keine Endzeit im WTG-Sinne! Wird die WTG im Jahre 2000 noch da sein? Das mobile und immobile Kapital dafür hat sie allerdings

zusammengebracht, wenn man ihren materiellen Reichtum betrachtet. Doch damit kann sie sich in Zukunft endzeitlich nicht glaubhaft machen. Immer wieder muß die Vergangenheit der WTG den Menschen vor Augen geführt werden, damit die gegenwärtige endzeitliche Unglaubwürdigkeit begriffen wird und die Betroffenen ihr Leben jetzt und für die Zukunft vernünftig einrichten können.

Je näher 1994 kommt, desto dringlicher wird diese Frage. Man kann sicher sein: Alle sind immer nur wegen der Endzeiten geblieben. Wurde ihnen dieser Schwindel bewußt, dann gingen sie oder wurden "rechtzeitig" ausgeschlossen, um enttäuscht zu "vergehen".

Nun zieht das mit 1994 wieder herauf! Die Spannung nimmt unvermeidlich zu! Aber die christlichen Tugenden!

Soll man alle christlichen Tugenden unter der WTG leugnen? Nein, das kann und darf man nicht. Doch die WTG-Organisation hat doch nicht zum Hauptzweck, eine Tugendgemeinschaft zu sein. Vielmehr ist ihr Hauptzweck eine Endzeitgemeinschaft!

Was die Tugendpredigt betrifft, so steht auch das im Dienste der Endzeitausrichtung, um alle in diesem Sinne zusammenzuhalten.

Wenn du das nicht mehr mitmachst und anerkennst, interessiert die WTG deine Tugendhaftigkeit nicht im Geringsten mehr! Im Handumdrehen wirst du dann zu den "Bösen" gezählt, zu den "Hunden, die ihr eigenes Gespei fressen" und wirst entsprechend gehaßt, verachtet und verabscheut werden, nicht einmal mehr eines Grußes würdig. Die Beispiele hierfür sind Legionen! Zudem ist es ein großer Trugschluß, die WTG allein würde die wahren christlichen Tugenden predigen, weswegen man sie nur unter ihr finde. Nicht nur beweisen das die WTG-Rechtskomitees, was überall unter der WTG wirklich los ist, verbunden und beruhend auf einem umfassenden Überwachung-, Spitzel- und Denunzierungssystems, wo es von WTG-hörigen "Aufsehern" gehandhabt wird.

Die völlige Abwesenheit von echtem christlichen "Samariterdienst" der Diakonie oder Caritas zeigt ein Defizit an uneigennütziger Nächstenliebe, das die WTG-Organisation weit selbst unter die kleinste andere christliche Gemeinschaft oder Kirche stellt!

Wird sich das ändern, wenn die 1914-Endzeitkonstruktion 1994 endgültig zusammengebrochen ist?

Wird dann uneigennützige christliche Nächstenliebe der Hauptzweck werden? Demütig neben den anderen Christen? Oder ist die WTG tatsächlich dazu verdammt, so weiterzumachen, wie sie angetreten ist: eine Endzeitkonstruktion nach der anderen durch unsere heutige Zeit zu schieben, komme, was da wolle?

Auch als die Konstruktion 1799 -1914 zusammenbrach, ging es endzeitlich trotzdem weiter, nun auf 1994 zu. Der Kollaps ist wieder unvermeidlich. Es müßte wirklich eine gewaltige Wende geben. Aber was auch kommt, mit Sicherheit haben sie es in Brooklyn schon in der Schublade, weil sie ja weiter existieren wollen!

Was tun, wenn keine WTG-Wende kommt? Die wenigen Jahre bis 1994 gehen schnell dahin. Aber der nun wieder fällige Endzeitkollaps braucht keinen vor den Abgrund zu stellen, denn es ist nur ein WTG-Abgrund. Das wirkliche Leben geht weiter, mit und ohne Wachtturmgesellschaft. Die persönlichen, familiären und sozialen Lebensbedürfnisse zwingen jeden dazu. Schließlich kann keiner sein Brot allein backen. Und Gott ist damit auch nicht entthront. Auch sein Wort ist weiter da und viele andere, die auch daran glauben und danach leben wollen. Keiner muß allein dastehen, wie die WTG jeden glauben machen will, um ihn zu halten. Ohne den WTG-Endzeitschwindel als Christ weitergehen, erfordert jedoch ein absolutes Einlassen auf das Wort Gottes, auf das oberste seiner Gebote, der Nächstenliebe. (Matthäus 22:37-40)

Das wie, erläutert der Apostel Paulus in 1. Korinther 13. Und das besagt: Praktische Nächstenliebe obenan, über alle Erkenntnisse hinweg, die zweitrangig sind, d.h. unterschiedliche

Bekenntnisse zu dem gleichen Gott und gleichen Christus dulden und ertragen. Also, ökumenisch glauben, ohne Erkenntnisrechthaberei. Gott schaut schließlich auf das Herz und nicht auf den Erkenntnisstand über ihn. Leider aber besteht hier das Problem Die WTG hat alle anderen Christen gnadenlos verteufelt mit ihrer "Huren"-Verkündigung. Ihre gewohnte Erkenntnisrechthaberei ist schwer abzulegen. Wieviele werden in ihrer WTG-Hörigkeit zu neuen kleinen intoleranten Erkenntnisrechthabern, immer weiter mehr unfähig, mit Christen, die dem gleichen Gott und Christus dienen, friedlich und in Nächstenliebe auszukommen. Sie gebärden sich intolerant wie die von Jesus gemaßregelten Jünger, die einen aufgegriffen hatten, der dem Herrn anders nachfolgen wollte. (Markus 9:38-41)

Es kommt doch nicht auf den Buchstaben an, der die übergreifende Liebe tötet, sondern auf den Geist, der in den fraglichen Dingen ist, er macht und hält die Liebe lebendig. (2. Korinther 3:6,7)

Alle "genaue" Erkenntnisrechthaberei gegenüber anderen Mitchristen muß über Bord geworfen werden. Sie tötet die nötige Nächstenliebe.

"Herr, wohin sollen wir gehen?"

Die Wachtturmgesellschaft mißbraucht diese Frage an Jesus! Sie läßt diese Frage praktisch an sich selbst und ihre Organisation stellen, als wäre sie Jesus! Auf das man denke, man wende sich von Jesus ab, wenn man sich von ihr abwende! Soweit man unter der WTG an Jesus geglaubt hat ihm nachzufolgen, wendet man sich doch nicht von Jesus ab, wenn man die WTG-Bevormundung darin abstreift.

Wer das Neue Testament, die Evangelien ohne WTG-Brille liest, merkt, wie man als "anderes Schaf" in Wirklichkeit zu Jesus als Nachfolger in einer bestimmten Distanz gehalten wurde! Die Abkehr von der Bevormundung ermöglicht vielmehr die volle Hinwendung in die Nachfolge Jesu, in die Fußstapfen des Herrn.

Grundsätzlich ist das Christsein die alleinige Angelegenheit eines jeden Menschen. Wenn du beten willst, "gehe in deine Kammer" um "im Verborgenen" zu beten, sagte der Herr. (Matthäus 6:6)

Und wenn dann auch nur "zwei oder drei versammelt sind" in Jesu Namen, auch da ist der Herr schon mitten darunter. Und 1. Korinther 13 zeigt dann die ganze Breite der christlichen Praxis, des tätigen Glaubens, der möglichen Nächstenliebe. Geht also ruhig unter die anderen Christen, um weiter beim Herrn zu bleiben.

Und wenn es nur ein "Scherflein" ist, was man an diakonischen oder caritativen Werken der Nächstenliebe, ohne nach dem Glauben zu fragen, beitragen kann, es genügt, um dereinst von Christus zu seiner Zeit gesagt zu bekommen: "Alles, was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan". (Matth. 25:31 -46) - D. P. -

WELCHE ZEICHEN DEUTEN AUF HARMAGEDON

... Dort im Nahen Osten, zwischen Euphrat und Tigris, dem Zweistromland Mesopotamien, wo einst der Garten Eden lag, dem Lande der Glaubensväter Noahs und Abrahams und den antiken Stätten um Ninive und Babel, Uruk und Ur im alten Chaldäa, steht die Geburtsstätte der Menschheit in Flammen. Was sich vor den Augen der Welt in jenem Winkel der Weltgeschichte abspielte, ist ein grauenhaftes, gespenstisches Szenario, das dunkle Ahnungen in uns aufsteigen läßt. Schon bevor es dazu kam, zeichnete man allenwärts ein düsteres Bild, erging sich in Horror-Visionen und wurde geradezu von einem Fieberwahn gepackt. Man sprach von endzeitlichen Ereignissen, von apokalyptischen Katastrophen, von Harmagedon und schließlich vom Jüngsten Gericht. Für Heraklit ist der Krieg bekanntlich der Vater aller Dinge. Für den biblischen Fundamentalismus ist der Krieg ist es der Krieg von Harmagedon. Dieser gilt ihrem Verständnis nach nicht Kuwait, sondern Israel. Es soll der Krieg aller Kriege sein, der unsere Weltzeit zum Abschluß bringt und das Erscheinen des Messias zur Folge hat. Was ist dazu zu sagen? Um nicht spekulativen Betrachtungsweisen aufzusitzen, die meist mehr von Emotionen des Augenblicks bestimmt sind, weniger von der Nüchternheit des Verstandes, ist es ratsam, dazu selbst die Bibel zur Hand zu nehmen und sie zu befragen. Was heißt Harmagedon, woher stammt dieses Wort und welche Bewandtnis hat es damit? Kurzum, dieses Wort entstammt dem 16. Kapitel der Johannes-Apokalypse oder Offenbarung, die der Apostel gegen Ausgang des 1. Jh. u. Z. auf der Insel Patmos empfing. Ausgehend von Vers 12-16 schildert er, wie ein sechster Engel seine Zornschale auf den großen Strom Euphrat ausgoß, worauf Geister von Dämonen ausgingen zu den Herrschern des ganzen Erdkreises, um sie zu versammeln zu dem Kriege, jenes großen Tages Gottes des Allmächtigen ... und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Harmagedon heißt. Wenngleich dieses Wort in der Bibel nur ein einzigesmal vorkommt, findet es doch an vielen anderen Stellen, wenn auch im übertragenen Sinne seinen Niederschlag, besonders auch in den Schriften des Alten Testaments.

Das Wort selbst bedeutet "Hügel von Megido" und veranschaulicht einen Ort oder eine Stätte, an der im biblischen Altertum entscheidende Schlachten geschlagen wurden. Um sich darüber einen genauen Aufschluß zu verschaffen, ist es zweckmäßig, dazu einige Propheten des Alten Testaments heranzuziehen. Wir beschränken uns dabei auf die beiden Joel und Jesaja, etwa aus dem 8. Jh. v. Chr. und zitieren sie kurz und bündig, wobei wir uns auf das Wesentliche besinnen. Bemerkenswert ist zunächst das 3. Kapitel aus dem Buche Joels. In diesem ist die Rede von einem heiligen Krieg, der ausgerufen wird. So jedenfalls gibt es die Elberfelder-Übersetzung wieder. Die Kriegsmänner und Helden der Nationen werden aufgefordert, sich zu rüsten, ihre Pflugscharen umzuschmieden zu Schwertern und ihre Winzermesser zu Speeren und hinabzuziehen in das Tal Josaphats, dem Tale der Entscheidung, auch Tal oder Ort des Urteils genannt. Dort wird Gott über sie zu Gericht sitzen und sein endgültiges Urteil über sie fällen. Großes Getümmel herrscht unter den Heerscharen und die Menschenmassen sind in fieberhafter Erregung, denn nahe ist der Tag Jehovas im Tale der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, die Sterne werden ihren Glanz verhalten, Gott wird aus Zion brüllen und seine Stimme erschallen lassen aus Jerusalem, Himmel und Erde erbeben (Joel 3, 9-16). Auf ähnliche Weise äußerte sich der Prophet Jesaja. Auch er berichtet von der Ungeheuerlichkeit jenes Krieges, zu dem sich alle Nationen versammeln, von einem Kriegsheer, das herbei kommt aus fernen Lande, vom Ende des Himmels. Es sind Werkzeuge des Grimmes Gottes, um Babel zu verderben. Wie eine Verwüstung wird es kommen vom Allmächtigen, der Tag Jehovas wird grausam sein, Grimm und Zornglut, um die Erde zur Wüste zu machen und ihre Sünder daraus zu vertilgen „Die Sterne des Himmels werden ihr Licht nicht leuchten lassen, Sonne und Mond werden finster sein bei ihrem Aufgang. Und ich werde den Erdkreis heimsuchen wegen seiner Bosheit und die Gesetzlosen werden ihre Missetat, dem Hochmut der Stolzen werde ich eine Ende machen und die Gewalttätigen werde ich erniedrigen. Die Sterblichen werden dann kostbarer sein wie gediegenes Gold und die Menschen seltener wie das Gold von Ophir. Darum werde ich den Himmel erzittern machen und die Erde wird aufbeben von ihrer Stelle beim Grimme Jehovas der Heerscharen am Tage seiner Zornglut (Jesaja 13, 4-13). Was ist das Ergebnis des Ganzen?

Das Ergebnis ist, daß es sich bei Joel wie bei Jesaja um den selben endzeitlichen Krieg handelt, wie in der Johannes-Apokalypse, nämlich um Harmagedon, den Krieg Gottes des Allmächtigen. In diesen endzeitlichen Krieg werden alle Nationen hineingezogen, durch die ungeheuere Macht der Dämonen, die alles in ihren Bann schlagen, dem sich niemand entziehen kann. Alle wirken wie gelähmt. Alle Anstrengungen, diesen Krieg zu verhindern, schlagen fehl und die feierlichen Deklarationen für Frieden und Sicherheit, im Rahmen einer neuen Weltordnung, erweisen sich mehr und mehr als böser Alptraum (Jeremia 8,15).

Dem Krieg von Harmagedon kann niemand entrinnen. Kein Versteck, weder Höhlen noch Klüfte, weder Luftschutzräume noch strahlungssichere Atombunker werden sie davor bewahren (Offenbarung 6,12.18).

Auch ist dieser Krieg, im Gegensatz zur Meinung der Fundamentalisten, nicht auf den Nahen Osten begrenzt, nicht auf den Persisch-Arabischen Golf, es ist keine Völkerschlacht um Israel unter Verwendung menschlicher Waffensysteme, supermoderner Elektronik oder ein von Computer-Gehirnen gesteuerten nuklearen Holocaust. Harmagedon ist etwas ganz anderes; es ist ein globaler Krieg, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Er bedeutet den Anfang vom Ende aller Dinge, ein weltstürzendes kosmisches Ereignis, das den Untergang der Welt zur Folge hat.

Wenn wir das Neue Testament aufschlagen, das 21. Kapitel des Lukas-Evangeliums, kommen wir zu der Stelle, wo es heißt, daß Zeichen sein werden an Sonne, Mond und Sternen, auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit, bei brausendem Meer und Wasserwogen, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die noch über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Dann werden sie den Sohn der Menschen kommen sehen auf Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit (Lukas 21,25-17).

Auch sei noch das Bild erwähnt aus dem 19. und 20. Kapitel der Johannes-Apokalypse oder Offenbarung über Christi Wiederkunft, den Krieg von Harmagedon, der darauffolgenden Totenauferstehung und dem Jüngsten Gericht.

Es fragt sich nur - was hat das alles mit dem Krieg am Persisch-Arabischen Golf zu tun. Dort im Nahen Osten, zwischen Euphrat und Tigris, wo einst der Garten Eden lag, dem Lande der Glaubensväter Noah und Abraham und den antiken Stätten um Ninive und Babel, Uruk und Ur im alten Chaldäa, wo die Geburtsstätte der Menschheit in Flammen steht?

- Josef Graf -

WIE STELLEN SICH JEHOVAS ZEUGEN ZUR GLAUBENSGERECHTIGKEIT ?

Zunächst: Was ist eigentlich die "Gerechtigkeit aus Glauben"? Bei einer Tagung ehemaliger Zeugen Jehovas in Sch. warf jemand die Frage auf. Niemand konnte ihm darauf eine klare, biblische Antwort geben. Als Zeugen hatten sie offenbar etwas anderes zu tun gehabt, als darüber nachzudenken, und auch jetzt noch war ihnen dieses "Herzstück neutestamentlichen christlichen Glaubens" noch fremd. Sie sollten ganz einfach den Brief des Apostel Paulus an die Römer gelesen haben! Kurz zusammengefaßt besagt die Botschaft von der "Gerechtigkeit aus Glauben" dies:

1. Ohne Christus sind wir alle verlorene Leute: "Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer". "Denn es gibt hier keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott ihnen zugedacht hatte"

(Rom. 3,10.22-24)

2. Durch den Glauben an den für uns gekreuzigten Herrn Jesus Christus aber gilt nun: "Ohne/eigenes/Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist" (Röm. 3,24)! "So gibt es nun kein Verdammungsurteil für die, die in Christus Jesus sind" (Röm. 8,1 - alle zitierten Stellen nach der Übersetzung Luthers, revid. Text von 1975).

Welch eine Wende! Welch ein Geschenk! - Doch nun zu unserer Frage: Wie stellen sich Zeugen Jehovas dazu?

Kein Bedarf!

Das ist jedenfalls die Antwort der offiziellen Wachtturm-Lehre. Die irdisch eingestuften "Zeugen Jehovas", die "große Volksmenge", hat dies Geschenk Gottes nicht anzunehmen. Sie "...benötigt keine Rechtfertigung durch den Glauben"! Fertig! Und die Begründung, in dieser höflichen Form Gottes Heil auszuschlagen? Hören wir das genannte Zitat im Zusammenhang:

"Die große Volksmenge der Überlebenden des 'Krieges des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, wird dann auf dem besten Wege sein, absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit im Fleische zu erlangen (d.h. als Menschen von Fleisch und Blut auf Erden)... Aus diesem Grunde werden sie nicht, weder jetzt noch zukünftig, gerechtfertigt oder gerechtgesprochen wie die 144.000 himmlischen Miterben ... Die 'große Volksmenge' wird keine Veränderungen ihrer Natur, von der menschlichen zur geistigen, durchmachen und benötigt daher keine Rechtfertigung durch den Glauben, auch nicht die zugeschriebene Gerechtigkeit, wie sie die 144.000 'Auserwählten' erlangt haben..."

(Wachtturm-Buch "Ewiges Leben - in der Freiheit der Söhne Gottes", S. 386 f, Abs. 22)

Wenn nun aber das Verdienst Christi ihnen nicht zugeschrieben werden soll, wie wollen sie dann ihre Überlebenshoffnung und die auf irdische "absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit" begründen? Die Antwort des Buches: Mit ihrem eigenen Verdienst!

Eigenleistung vorgezogen!

"Die große Volksmenge... muß beweisen, daß sie verdient,... von Gott beschützt zu werden. Das Überleben wird somit ein Beweisßir eine beachtenswerte verdienstliche Tat sein... " (S. 396, Abs. 39)

Und damit niemand glaube, des Verdienstes Christi und somit der uns zugerechneten Gerechtigkeit zu bedürfen, hebt das Buch am Ende - sozusagen im Vorblick auf das vollendete irdische Paradies - ausdrücklich hervor: "Aufgrund ihres eigenen Verdienstes wird Jehova Gott alle vollkommengemachten Menschen ... rechtfertigen und als gerecht erklären." (S. 396, Abs. 39)

Gilt hier nicht, was der Apostel Paulus über die Juden sagt (nach der eigenen Übersetzung der "Zeugen"): "... ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht gemäß genauer Erkenntnis; denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten, sondern ihre eigene (!) zur Geltung zu bringen suchten, unterwarfen sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, jedem zur Gerechtigkeit, der Glauben ausübt. " (Rom. 10, 2-4, "Neue Welt-Übersetzung") "Jedem, der Glauben ausübt", gilt die Gerechtigkeit Gottes durch Jesus Christus. Das sagt uns Gottes Wort! - Nein, nur für 144.000. Die anderen "benötigen" sie nicht! Das sagt uns die Wachtturm-Gesellschaft!

"Aufgrund ihres eigenen Verdienstes ...", erklärt die Wachtturm-Gesellschaft. -

Nein! "Sie werden ohne eigenes Verdienst gerecht, durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist", sagt die Heilige Schrift (Rom. 3,23). Wem werden Sie Glauben schenken? Dem Wachtturm oder der Bibel?

Werden Sie die eigene verwerfen um der Gerechtigkeit Gottes willen?

Ein gesegneter Zeuge Jesu entschied sich so: Ich war einst, "was die Gerechtigkeit betrifft, die durch das Gesetz kommt: einer, der sich ohne Tadel erwiesen hat. Doch die Dinge, die mir Gewinn waren, diese habe ich um Christus willen als Verlust betrachtet... und ich betrachte sie als eine Menge Kehrricht, damit ich Christus gewinne und in der Gemeinschaft mit ihm erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern jene, die aus dem Glauben an Christus kommt!" (Paulus in Phil. 3,6-9, NW-Übersetzung)

Verborgene Ursachen

Die Frage erhebt sich: Welche Hintergründe sind dafür verantwortlich, daß eine Religionsorganisation, die sich sonst bibeltreu gebärdet, dem entscheidenden Angebot Gottes die Annahme verweigert? Ist sie der Faszination erlegen, die von ihren eigenen Errungenschaften und Werken ausgeht? Oder ist die "Zeugen"-Bewegung gar hineingeraten in den Strudel neuzeitlich-rationalistischen Denkens?

Genau das ist der Fall! Beweise dafür gibt es in Hülle und Fülle; vor allem in der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft selbst, und zwar von Anbeginn an.

Der Einfluß der weit verbreiteten Vemunftsgläubigkeit auf Russells "Schriftstudien" und die nachfolgenden Bücher ist mit Händen zu greifen.

Wie oft findet man diese Formulierung in alter und neuer Wachtturm-Literatur wieder: "Vernünftig scheint die Annahme, daß ..." An "Beweisen" fehlt es ihnen nicht, daß die Bibel durchaus "vernünftig" ist, daß dagegen christliche Lehren wie die von der Gottheit Christi der Vernunft, der Logik widerstreiten, und daß sie daher (trotz klarer Bibelworte) von "ernsten Bibelforschem" nicht angenommen werden können. Dagegen war es durchaus "vernünftig", die in der Bibel vorkommenden Zahlen nicht brach liegen zu lassen, sondern damit zu rechnen.

"Man bekam die Zukunft in den Griff, ja den ganzen "Plan Gottes". Seit der "Aufklärung", spukte die "vernünftige" Vorstellung von einer sinnvollen, auf ein großes Vollendungsziel ausgelegten Weltordnung Gottes in den Köpfen damaliger "moderner" Theologen. Die Weltgeschichte entwickelt sich auf ein herrliches Endziel zu, von dem her auch "dieser Zeit Leiden" ihren letzten Sinn bekommen. Solche Vorstellungen gehören denn auch zum Grundinventar der Bibelforscher-Bewegung. Noch mehr: "Plan Gottes" und Entwicklung auf das große Reich der "Wiederherstellung aller Dinge" hin werden zum neuen Evangelium: Ja, die Entwicklung ist schon im Gang! Man kann das sehen, und daß diese Sichtbarkeit nun "fällig" ist, kann man errechnen, und das hat man errechnet. Das eine bestätigt das andere: Der Entwicklungsgang die Berechnungen und die Berechnungen den Entwicklungsgang. Wie "vernünftig"!

Noch im Jahre 1916 ist C. T. Russell - trotz der Enttäuschung von 1914 - darin so gefangen, daß er sagen kann (Band 2 der "Schriftstudien, S. 6 im neuen Vorwort): Sechs große Tausendjahrtage sind seit Erschaffung der Welt zu Ende. Der siebente Tag, die 1000 Jahre der Herrschaft Christi, ist ihnen gefolgt. Er begann 1873. Und der Beweis? Wörtlich sagt er weiter: "Während dieser 43 Jahre sind nahezu alle Erfindungen unserer Tage gemacht worden. Die Nähmaschine, eine der ersten Maschinen, begann vor 43 Jahren ihre Vollkommenheit zu erreichen." Dazu haben wir "alle Arten von Maschinen ... und heimische Bequemlichkeiten im Überfluß". Diese verkürzen die Arbeitszeit "und beenden das Arbeiten im Schweiße des Angesichts, das die Bibel mit am Fluche identisch bezeichnet... Sicherlich bestätigt dies, ... daß wir in den siebenten Tausendjahrtag eingetreten sind", d.h. also in das Tausendjährige Reich Christi.

Der aufklärerische "Glaube an einen vernünftigen Weltenplan Gottes paart sich" mit amerikanisch-liberaler Fortschritts-, Entwicklungs- und Zukunftsgläubigkeit und dem Rausch des anbrechenden wissenschaftlichen Zeitalters, dessen "gewaltige" Errungenschaften (damals) er für Beweis genug hält, daß der Fluch von der Erde genommen wird - allmählich, entwicklungsmäßig! - und das Reich Gottes, das Paradies auf Erden Einzug hält:

"Allmählich verringern sich die Eiszonen (in den Polargegenden) ... Allmählich treiben Gletscher südwärts und lösen sich in wärmeren Gewässern auf. Allmählich wird der Fluch hinweggenommen, und Gottes Segen wird an dessen Stelle treten" (Das Foto-Drama der Schöpfung, 1914). Noch in den fünfziger Jahren konnte der Wachtturm - ganz im Sinne dieses Denkens - schreiben, daß der "Fluch von der Erde weggenommen" sei. Beweis: Es gibt "Landstriche von entzückender Schönheit"! und im 1924 erschienenen Werk "Der Weg zum Paradies" schwärmt die Wachtturm Gesellschaft von der Zeit des irdischen Königreiches (das damals gerade wieder ganz nahe bevorstand. Nach diesem Buch: 1925. Biblisch belegt, versteht sich!):

"Wenn jemand wünschen wird, Jerusalem zu besuchen und die Fürsten von Angesicht zu sehen..., werden vollkommene Fahrzeuge ... bereit sein..." "Stellt euch also vor, ihr wäret im Besitz eines Häuschens und Gartens. Da werdet ihr die Mitarbeit der besten Handwerker... zur Ausschmückung eures Heimes erbitten ..." Diebe und Einbrecher gibt es nicht mehr. Dafür Telefon und Auto! Welches Entzücken diese Errungenschaften dann bereiten, wird in dem Buch mit Begeisterung ausgemalt. "Es wird keine Herrschaften und Diener mehr geben". Klassenlose Gesellschaft! Technisch-zivilisiertes Paradies! (Belege zitiert aus "Der Weg zum Paradies", S. 216-223). Erinnern wir uns an die Begründung, die die heutige Wachtturm-Gesellschaft dafür bereit hat, daß die Masse der heutigen "Zeugen Jehovas" die Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus nicht "benötiget"? - Weil sie "auf dem besten Wege" sein werden, "absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit im Fleisch zu erlangen"! Im Grunde sind sie ja schon auf dem Wege, denn seit 1914 ist das Königreich hier, der "neue Himmel aufgeschlagen" und seit 1919 die "neue Erde gegründet" - in Gestalt der Organisation der "Neuen-Welt-Gesellschaft" (Wachtturm-Buch "Neue Himmel und eine neue Erde", S. 225/ 226). Wozu also da noch die ärgerliche "Blut-Theologie" vom gekreuzigten Christus? Warum noch "zugerechnete Gerechtigkeit"? Dies alles ist überwuchert durch die Faszination, die von dem eigenen großen Werk ausgeht und von der Vision einer Entwicklung der Welt auf ein Zukunftsparadies der Erfüllung aller menschlichen Sehnsüchte.

Die Bibel kennt den Glauben an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen und der Welt nicht. Nicht Entwicklung, sondern Bruch! Der Mensch wird nicht allmählich gebessert. Es bedarf einer neuen Geburt (Joh. 3,3.5). Nicht gradlinig weiterkultivieren kann er sich. Er muß umkehren (Luk. 24,47: Apg. 3,19). Und die bestehende Welt entwickelt sich nicht "allmählich" zum Reiche Gottes hin. Das Reich Gottes überfällt die alte Welt "wie ein Dieb in der Nacht". Es bricht herein. Es stürzt die alten Reiche! Die alte Erde wird nicht langsam veredelt. Gott schafft Neues! Durch einen neuen Schöpferakt: "neue Himmel und eine neue Erde"! Wer diesen Gegensatz sieht, der entdeckt, daß die Bibelforscher-Richtungen, soweit sie der Russellschen Prägung noch verhaftet blieben - auch die "Z J." -, ein merkwürdiger Wildwuchs sind, gewachsen auf dem Boden einer frühen Stufe "moderner", rationalistischer Theologie.

- Hans-Jürgen Twisselmann -

DIE GESALBTEN UND DIE NICHT-GESALBTEN ZEUGEN JEHOVAS

Schon Charles T. Russell und die Ernsten Bibelforscher hatten einen Unterschied gemacht zwischen den 144.000 Auserwählten und den übrigen Verkündern des Königreiches Christi, die einer "geringeren Gnade" teilhaftig werden sollten. In Übernahme dieser Lehre vertritt die "Wachtturm-Gesellschaft" heute wohl als einzige christliche Glaubensgruppe ein völlig unbiblisches Zwei-Klassen-System, das mit den folgenden Texten dokumentiert werden soll.

"Die wahre Kirche"

Wenn Wir ewig in Gottes neuem System leben möchten, müssen wir die wahre Kirche und ihr Fundament (Jesus Christus) anerkennen... Diese ist die "Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel eingetragen sind" (Hebräer 12,23).

Gott wählt die Glieder aus ... Sie bilden eine Gruppe von Personen, die aus der geistigen Finsternis zu einem besonderen Zweck berufen worden sind. Solange sie auf Erden sind, verkündigen sie weit und breit "die Vorzüglichkeiten" Gottes, des Höchsten, der sie in sein wunderbares Licht berufen hat (l. Petr. 2,9 f). Und nach ihrer Auferstehung werden sie das großartige Vorrecht erhalten, mit Christus in seinem himmlischen Königreich zu regieren (Lukas 22, 28-30) ... Jesus zeigte, daß längst nicht alle, die sich zum Christentum bekennen, zu dieser Kirche gehören, sondern nur 144.000 ... Die ersten Glieder der wahren Kirche waren alles Juden oder Personen, die zur jüdischen Religion übergetreten und beschnitten waren. Zu Pfingsten - zehn Tage nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war und den Weg dafür freigemacht hatte, daß ihm andere zur bestimmten Zeit folgen können - zeigte Jehova durch die Ausgießung des heiligen Geistes an, daß er diese Glieder ausgewählt hatte. Weil sie bei jener Gelegenheit den Geist empfangen hatten, wußten sie, daß sie nun geistige "Söhne Gottes" und wie Christus "Erben des Königreichs" waren.

Aber nicht nur Juden wurden Glieder der wahren Kirche. Dreieinhalb Jahre nach Jesu Tod erhielten die Heiden die Gelegenheit, ebenfalls Glieder der Kirche zu werden (Apg. 10, 33 ff). Im Laufe der Zeit gehörten Personen der verschiedensten Nationalität zur wahren Kirche ...

Eine Kirche entspricht nur dann der in der Bibel beschriebenen wahren Kirche, wenn ihre Glieder in der Anbetung geeint sind ... Die Bibel berechtigt somit nicht zu der Erwartung, die Glieder der wahren Kirche in all den vielen gegensätzlichen Religionsgemeinschaften der Christenheit zu finden. Sie müssen in einer einzigen Organisation vereinigt sein. In Epheser 4,4 f steht über sie geschrieben. "Da ist ein Leib ... ein Herr, ein Glaube."

Es ist für uns lebenswichtig, diesen "einen Glauben" zu kennen ...

Die Bibel sagt voraus, daß zur Zeit der Errichtung des Königreiches Christi nur noch ein Überrest der Kinder "Jerusalems droben", der himmlischen Organisation Gottes auf Erden sei (Offb. 12, 17).

Jesus beschrieb diese Glieder seiner Kirche auf Erden als einen "treuen und verständigen Sklaven". Er sagte auch, daß alle, die ihm (Jesus) treu dienen, wenn er zum Gericht käme, "über seine ganze Habe" gesetzt würden, das heißt über alle irdischen Belange des Königreiches Christi. Sie würden in der "Zeit des Endes" in dem Werk, durch das allen Nationen die gute Botschaft vom aufgerichteten Königreich verkündet wird, führend vorangehen (Matth. 24, 45-47; 25, 19-23). Alle heute lebenden Menschen, die hoffen, ewiges Leben in Gottes neuem System zu erlangen, müssen diese Einrichtung anerkennen, denn Jesus sagte, er werde in der "Zeit des Endes" alle, die seinen auf Erden übriggebliebenen "Brüdern" oder "Miterben" Gutes tun, auf die Seite seiner Gunst stellen (Matth. 25, 31-40).

(Aus: "Die Wahrheit, die zum ewigen leben führt", 1968, S. 114-121)

Die "große Volksmenge" der "Fremdlinge" Jehova machte die Glieder des gesalbten Überrestes des einstigen Israel zu seinen Zeugen. Er befähigte sie durch seinen heiligen Geist, in der ganzen Welt Zeugnis abzulegen. Auf diese Weise lernten die Nationen und Völker die "Nachkommenschaft" kennen, "die Jehova gesegnet hat" (Jesaja 61,9). Die Völker und Nationen an sich erwiesen Jehovas gesalbtem Überrest nicht die gebührende Anerkennung. Einzelpersonen taten dies jedoch ... Nachdem sie sich überlegt hatten, was ihre Entscheidung und ihre Handlungsweise für sie mit sich bringen würde, kehrten sie dem verunreinigten und verfallenen Weltsystem den Rücken und schlössen sich - besonders seit dem Frühling des Jahres 1935 - Jehovas sichtbarer Organisation an. Sie, die nicht zu der "Nachkommenschaft, die Jehova gesegnet hat", gehören, bildeten nun eine "große Volksmenge" ... Sie konnten Gott natürlich nicht als geistige Israeliten dienen: aber sie hatten den ehrlichen Wunsch, dem gesalbten Überrest bei der Verkündigung ... zu helfen. Sie ließen sich daher als Gott hingegebene Nachfolger Jesu Christi taufen und begannen, zusammen mit den geistigen Israeliten Gott zu dienen. - Diese Personen sagen dem Sinne nach zu denen der Verheißung: "Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist" (Sach. 8,23). So gehen sie mit den Gliedern der wahren Kirche, die treu in Christi Fußstapfen wandeln und die Botschaft vom Königreich verkündigen, und dienen Gott gemeinsam mit ihnen. -

Demzufolge sieht der gesalbte Überrest zu seiner Freude, wie sich an ihm die Worte aus Jesaja 61,5 erfüllen: "Und Fremde werden dastehen und eure Herden hüten, und die Ausländer werden eure Landwirte und eure Winzer sein." Diese aus "Fremden" und "Ausländern" bestehende "große Volksmenge" betrachtet es demütig als eine Ehre und ein Vorrecht, mit denen, die in Jesaja 61,6 als die "Priester Jehovas und die Diener Gottes" bezeichnet werden, gemeinsam im geistigen Paradies zu dienen. Sie wissen, daß sich die von Jehova Gott so bezeichneten gesalbten Christen in seinem geistigen Tempel auf geistige Dinge spezialisieren müssen. Sie freuen sich daher, den gesalbten Überrest zu entlasten, indem sie ihm Hilfe leisten ... (Aus: "Der Wachtturm" 18/1978, S. 27 f; "Die Wahrheit,...", S. 121)

Der neue Bund und die Vermittlung seiner Segnungen

Jesus Christus ist also im Himmel und dient dort als Mittler zwischen Gott und den geistigen Israeliten. - Der Ausdruck "Mittler" kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur sechsmal vor und wird in der Bibel stets in Verbindung mit einem feierlichen Bund gebracht. Moses war der Mittler des Gesetzesbundes, der zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen wurde. Christus ist der "Mittler eines neuen Bundes". -

Paulus sagte: "Da ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und Menschen (nicht: allen Menschen!), ein Mensch, Jesus Christus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle hingegeben hat" (1. Tim. 2,5 f). Paulus berücksichtigte (hier) die Tatsachen, wie sie im Christentum des ersten Jahrhunderts gegeben waren, nachdem der neue Bund wirksam geworden war. In diesem Bund waren bereits "Menschen" aller Nationalitäten - Juden, Samariter und unbeschnittene Nichtjuden -aufgenommen worden, die zu Gliedern des geistigen Israels gemacht worden waren. Christus Jesus war der Mittler dieses neuen Bundes. Somit ist er in streng biblischem Sinne nur für gesalbte Christen der "Mittler". -

Bei dem Brief des Paulus an Timotheus handelt es sich also um den Brief eines "Dieners des neuen Bundes" an einen anderen "Diener des neuen Bundes". Dieser Bund zwischen Gott und dem geistigen Israel besteht so lange, wie geistige Israeliten als "Menschen" auf Erden leben. Der Bund ist also heute noch rechtswirksam. Das "entsprechende Lösegeld für alle" bedeutet: Jesus schuf für Männer und Frauen aller Arten die Voraussetzung, geistige Israeliten zu werden und in den neuen Bund aufgenommen zu werden, dessen "einer Mittler" Christus Jesus ist. -

Der neue Bund wird mit der Verherrlichung des Überrestes enden, der heute in diesem Bunde steht. - Wenn die letzten der geistigen Israeliten ihr Dasein als "Menschen" beenden, das heißt wenn sie sterben, auferweckt werden und in das himmlische Königreich eingehen, dann ist Jesus Christus auch l*ein Mittler mehr. Sie werden das ererbte sündhafte Fleisch, das einen Mittler zwischen ihnen und dem Gott erforderte, zurücklassen. Deshalb werden sie, wenn sie im Himmel verherrlicht sind, wie die heiligen Engel keinen Mittler benötigen. - Die aus "anderen Schafen" bestehende "große Volksmenge", die heute gebildet wird, steht nicht im neuen Bund. Dadurch aber, daß sie mit der "kleinen Herde", d.h. mit denen, die noch in diesem Bund stehen, verbunden ist, fließen ihr die Segnungen aus dem neuen Bund zu. - Sie ziehen Nutzen aus der Wirksamkeit des neuen Bundes, und zwar genauso, wie im alten Israel der "als Fremdling Ansässige" Nutzen daraus zog, daß er inmitten der Israeliten wohnte, die unter dem Gesetzesbund standen. (Aus: "Der Wachtturm" 4/1980, S. 24-27; 15/1979, S. 31 f)

- rei -

DAS ZWEI-KLASSEN-SYSTEM DER ZEUGEN JEHOVAS

Daß die "Wachtturm-Gesellschaft" die Zeugen Jehovas über alle anderen Christen hoch erhebt und über sie die positivsten Aussagen macht, versteht sich von selbst. Sie sind auf Erden die einzigen wirklichen Zeugen Gottes, denn nur sie verkündigen seinen wahren Namen und vertreten die rechte Anbetung Jehovas. Er selbst hat sie als eine "Theokratische Organisation" gegründet. Das heißt, sie sind nicht von Menschen abhängig, sondern stehen völlig unter Gottes Herrschaft und werden allein nach seinem Willen geführt. Deshalb werden sie als einzige die "große Drangsal", die in Kürze hereinbrechen wird, und deren Höhepunkt, die "Schlacht von Harmagedon", überleben und werden danach der vielfältigen Segnungen des "neuen Systems der Dinge" teilhaftig werden.

Diese Aussagen scheinen eindeutig zu sein. Und in der Tat stellen die Zeugen Jehovas eine einheitliche, streng zentralistisch geführte Glaubensorganisation dar. Besonders Außenstehenden und Neulingen gegenüber wird betont, daß es hier keine privilegierten Schichten gibt, vor allem keine Kaste der Priester oder Geistlichen. Jeder ist jedem "Bruder" oder "Schwester" und tut sein Werk allein um Jehovas willen, nicht um seines persönlichen Ansehens oder um eines Gewinnes willen. Aus diesem Grund übersieht man leicht, daß innerhalb der Wachtturm-Organisation zwei Klassen von Zeugen Jehovas klar unterschieden werden. Man könnte sie benennen als die Klasse der eigentlichen Zeugen Jehovas und jene der sonstigen Zeugen Jehovas. Es handelt sich hierbei keineswegs nur um ein theoretisches Stück der Lehre. Vielmehr scheint offensichtlich an diesem Punkt ganz unmittelbar und existentiell das Selbstverständnis einer bestimmten Gruppe von Zeugen Jehovas tangiert zu sein. Sonst wäre dieses Thema wohl schwerlich in jüngster Zeit wieder so stark hervorgehoben worden, wie man dies aus zahlreichen "Wachtturm"-Artikeln ersehen kann.

Historisch nachweisbar

Der Grund für die Unterscheidung der wahren Anbeter Jehovas in zwei "Klassen" ist historisch nachweisbar. Charles T. Russell, der Gründer der Bewegung der Ernsten Bibelforscher (die sich seit 1931 "Jehovas Zeugen" nennen), hat die 144.000 "Überwinder", die nach Offb. 14, 1-5 dem Lamme nachfolgen und den "Namen seines Vaters" (Jehova) an ihrer Stirn tragen, stets im streng numerischen Sinn verstanden - worin ihm die Zeugen Jehovas bis heute gefolgt sind. Seit Pfingsten, so lehrte er, habe Gott immer wieder wahrhaft Gläubige zu dieser auserwählten Schar hinzugetan. So bestand das ganze "Evangeliuszeitalter" hindurch die "wahre Kirche" mit jeweils relativ wenigen "treuen Knechten Gottes" - bis 1881. Im Oktober dieses Jahres war nach Russells Überzeugung die Berufungszeit abgeschlossen, das heißt, die Zahl der 144.000 war nun erfüllt. Aber das Jahr 1881 hat sich nicht als apokalyptisches Abschlußjahr erwiesen, im Gegenteil, immer mehr Ernste Bibelforscher stießen zur Bewegung, so daß das beschränkte Limit für die "Auserwählten" überschritten schien. Es mußte ein Ausweg gefunden werden, wenn Russell sein apokalyptisches System nicht wieder über den Haufen stoßen wollte. Dazu kam, daß es in einigen Reihen zunehmend auch zögernde und "laue" Bibelforscher gab.

So lehrte Russell - etwa im Band III seiner "Schriftstudien" (geschrieben 1890) -, daß das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, Matth. 25,1-13, nicht nur allgemein zwei Gruppen von Christen vor Augen führe. Es spreche vielmehr eine in den letzten Tagen - eben seit 1881 - stattfindende Scheidung an zwischen den "Klugen", die rechtzeitig dem endzeitlichen Ruf gefolgt sind und die mit Ernst ihren Dienst ausführen (sie werden als "Brautklasse", die unmittelbar bei Christus ist, bezeichnet), und den "Törichten", die zwar auch dem Ruf folgten, die also ebenfalls in der göttlichen Gnade stehen und gerettet werden, die aber Nachkömmlinge oder Schwächlinge sind und deshalb ins Innere des hochzeitlichen Hauses nicht gelangen können. Die Tür wurde ihnen verschlossen. Seitdem gab es für Russell eine "höhere" und eine "zweite Klasse Geretteter". Letztere müssen noch einige Zeit der Läuterung durchmachen; sie müssen "durch viel Trübsal hindurch", bis sie im Millenium, im kommenden Tausendjahrreich, "das herrliche Land der Ruhe sehen werden, das segensreiche und ewige Erbteil eines erlösten und wiederhergestellten Geschlechts". Diese Lehre von den zwei Klassen mag damals noch nicht so viel Gewicht gehabt haben wie in späterer Zeit, denn man lebt ja auf das Endjahr 1914 hin; und zudem war die Bibelforscher-Bewegung noch keineswegs so groß und geschlossen wie dann unter der Herrschaft der späteren Organisation. Als Joseph Rutherford, der zweite Präsident der "Wachtturm-Gesellschaft", 1919 seine nach der Verfolgung der letzten Jahre noch übrig gebliebenen Anhänger sammelte, konnte er überzeugt sein, den treuen Überrest der Brautklasse zusammenzuführen. So wird es zumindest heute dargestellt. Ab 1931 aber wurde der Verkündigungsdienst von Haus zu Haus kräftig angekurbelt und das Werk nahm stark zu. Da verkündigte Rutherford auf dem großen Zeugen-Jehovas-Kongreß des Jahres 1935 in Washington ein "neues Licht", was allerdings jener Erkenntnis Russells, von der soeben die Rede war, auffallend ähnelte: Rutherford führte aus, daß sich das berühmte Gleichnis Matthäus 25, 31-46 nicht auf das Weltgericht beziehe, in dem die "Schafe", d.h. die gläubigen Christen, von den ungläubigen und lieblosen Böcken geschieden werden. Vielmehr deute es einen erneuten Ruf Jehovas an, der nun erschalle und der eine endzeitliche Einsammlung der "Schafe" bedeute. "Jesus hatte die Gabe der prophetischen Vorausschau empfangen", sagt "Der Wachtturm" hierzu (20/80, S. 25), "und er konnte daher das Gleichnis von den Schafen und Böcken erzählen, wenngleich es erst 1900 Jahre später Wirklichkeit werden sollte." Im 7. Kapitel der Offenbarung des Johannes seien diese "Schafe" dann als "große Volksmenge", die aus allen Nationen kommt, bezeichnet: Im Text werde ganz deutlich unterschieden zwischen den 144.000, die "zuerst" versiegelt werden (Vers 3), und der großen Schar, die "danach" (Vers 9) vor den Thron Jehovas zieht. Jetzt sei die Zeit, diese "Schafe" einzusammeln.

Die Wirkung dieser Botschaft entsprach genau der Abzweckung: es wurde ein großer Aufschwung des Werkes erzielt, und doch blieb die Vorrangstellung der früheren Zeugen Jehovas, die durch Verbot und Verfolgung gegangen waren, unangetastet.

Diese Lehre Rutherfords wird in unseren Tagen nun erneut aufgegriffen, wobei nach wie vor ein betonter Unterschied zwischen beiden Klassen gemacht wird.

Die Gegenüberstellung

Die 144.000, die den Namen Christi und das "Siegel des lebendigen Gottes" tragen (Offb. 7, 2-8), haben die "himmlische Berufung" und die "Salbung des Geistes" (2. Kor. l, 21 f; l. Joh. 2, 20).

Daher werden sie die "gesalbte Königreichsklasse" genannt, denn nach Lukas 12, 32 wird diese "kleine Herde ... das Reich erben".

Die Gestalt des "treuen und verständigen Sklaven" (im Gleichnis Matth. 24, 45 ff), den Jesus "über seine ganze Habe setzt", bezieht sich auf diese Klasse. Die Angehörigen dieser "Sklavenklasse" sind die eigentlichen Erben der Verheißung: sie sind das "Volk seines Namens", die "heilige Nation", die im alten Bundesvolk Israel vorgebildet war. Hesekiel 11,17-20 bezieht sich auf sie. Sie sind zu "Priestern und Königen" bestimmt (Offb. l, 5 f; l. Petr. 2,9). Im Tausendjährigen Reich werden sie zusammen mit Christus "vom Himmel aus" herrschen (Offb. 20, 4,6).

Die weitaus überwiegende Zahl der heute etwa... (4 Millionen) zählenden Zeugen, die "loyal zu Jehovas Königreich stehen", gehört zur "großen Volksmenge" (Offb. 6, 9 ff). Sie sind "die anderen Schafe" (Joh. 10,16), die außerhalb der eigentlichen Herde stehen (Wachtturm 20/80, S. 26). Sind die erstgenannten "geistiger Natur", nämlich durch Gottes Geist gezeugt, so sind sie "irdischer Natur", und "Der Wachtturm" betont, daß beides "völlig verschieden" sei (1/80). Sie sind nicht "auserwählt" und

nicht "geistgezeugt"; sie gehören dem "geistigen Samen Abrahams" nicht an (13/80, S. 26; 20/80, S. 24) und tragen nicht "den Namen Jesu und den Namen seines Vaters". Sie sind keine "geistigen Israeliten", wie die anderen genannt werden, sondern "geistige Nicht-Israeliten" (20/80, S. 26). Sie stehen nicht im Neuen Bund, und deshalb ist Christus für sie kein Mittler (15/79, S. 31 f). Die Hoffnung dieser großen Volksmenge kann nur eine "irdische Hoffnung" sein: ihr wird in der neuen Ordnung nach Harmagedon die "gereinigte Erde" (Offb. 21,1) zugewiesen. Diese wird paradiesisch sein (Offb. 7,16). In einem "irdischen Vorhof' des himmlischen Tempels werden die Glieder der großen Volksmenge Gott "heiligen Dienst" darbringen (22/80, S. 20 f). Ihnen werden sich dann die im Millenium Auferweckten und Erlösten anschließen. Und wenn sie auch die letzten Prüfungen am Ende der tausend Jahre durchgestanden haben und dem "zweiten Tod" entronnen sind, dann haben sie ewiglich in "Erden" leben.

So weit die Lehre von den beiden "Klassen" Sehr deutlich kommt in ihr das gesteigerte Selbstbewußtsein einer Kerngruppe zum Ausdruck, die sich von den übrigen abheben will. Sie war zuerst da; viel später - nach heutiger Darstellung erst seit 1935 - hat sich ihr die große Menge der "anderen Schafe" angeschlossen. Alles, was rechte Zeugen Jehovas sind und tun, wird im Grunde nur über diese Kerngruppe der "Gesalbten" ausgesagt. Die anderen unterstützen sie lediglich. "Sie unterstützen die Gesalbten in der Stellung, die diese einnehmen", formuliert "Der Wachtturm" ausdrücklich (1974, S. 196 f).

Das bedeutet zweierlei. Einmal wird die dienende Stellung der "anderen Schafe" betont. "Sie tun den geistigen Brüdern Jesu Gutes, sie besuchen sie in der Zeit der Not und unterstützen sie" (Aid to Bible Understanding, S. 1077). Deutlich wird hier das Gleichnis Matthäus 25, 31-46 auf die beiden Klassen hin interpretiert: "Was ihr diesen meinen geringsten Brüdern getan habt...", soll darauf hinweisen, daß die "anderen Schafe" den "geistigen Brüdern Jesu" zu dienen haben. Zum anderen wird deutlich, daß die "große Volksmenge" nicht direkt von Jehova Gott oder von Jesus Christus gesegnet wird; vielmehr wird sie gesegnet durch das Handeln Gottes an seinen erwählten und gesalbten "Söhnen" (Rom. 8,14-17). Die Gottesverbindung ist also gestuft: Wie Christus unmittelbar mit dem Vater verbunden ist, so steht die himmlische Klasse bzw. deren Überrest in enger Gemeinschaft mit Christus. Die zu dieser Klasse Gehörigen sind "Brüder Christi" und seine "Miterben" (Rom. 8,17, 28 f). Die "große Volksmenge" aber muß sich an diese Erwählten halten.

"Dadurch... fließen ihr die Segnungen aus dem Neuen Bund zu" (l 5/79, S. 32). Die Zeugen Jehovas, die zu ihr gehören, sind also nur Empfangende und Teilhabende; "irdische Nutznießer" aus der Wirksamkeit des Bundes, in dem jene stehen. So wie im alten Israel die "Fremdlinge" Nutznießer des Gottesbundes waren (4/80, S. 27). Alles, was sie tun, können sie nur in Verbindung mit der himmlischen Klasse tun. Es fällt auf, daß immer nur ihr Dienst, ihre Verbindung mit dem Königreich und dem gesalbten Überrest angesprochen wird, nicht aber auch ihr Einsatz in solchem Glauben gerühmt wird. Ihre Treue und ihre Opfer bleiben im Schatten der Verdienste der höheren Klasse. Wie viele Hunderttausende "andere Schafe" haben die anfänglichen Bibelforscher, die selbstverständlich zum "gesalbten Überrest" gerechnet werden, übertroffen in ihrem Einsatz und auch in ihrem Märtyrertum! Man denke nur an die Verfolgung im NS-Deutschland. Aber solche gebührend herauszustellen, würde ganz offensichtlich ein Tabu anrühren. Weitaus am härtesten ist der Unterschied zweier Klassen bei der Neuregelung der Abendmahlspraxis zum Ausdruck gekommen., die im Frühjahr 1938 getroffen wurde. Seitdem nehmen nur Mitglieder des "gesalbten Überrestes" beim "Gedächtnismahr' (14. Nisan) von den Elementen Brot und Wein. Denn die aktive Teilnahme am Mahl ist nur den "Söhnen Gottes", den "geistigen Brüdern Christi" vorbehalten. Die anderen sind aufgefordert, wie Fremdlinge "ehrerbietige Beobachter" des Gedächtnismahles zu sein (4/80, S. 27). Die entscheidende Frage ist nun: Wer gehört zum gesalbten Überrest der Königreichsklasse? Gerade dies bleibt in der Schwebe! Es ist nicht so, daß die Funktionäre der Wachtturm-Organisation lediglich auf Grund ihrer Stellung dazugehören würden. Ebensowenig die Vollzeitverkündiger, die "Pioniere". Auch sind es nicht nur die Älteren, die das "Zeichen" der Aufrichtung des Königreiches im Jahre 1914 noch miterlebt haben. "Mit dem Einsammeln der großen Volksmenge hörte das Einsammeln... der Zweige, die würdig waren, ein Teil des Christus, des 'Weinstockes' zu werden, nicht auf", heißt es im "Wachtturm"(10/80,S. 21). Wer darf sich also zu den Himmlischen rechnen? Offensichtlich muß jeder einzelne dieses "Zeugnis" von Jehova Gott selbst erhalten. Immer, wenn die Sprache auf diesen Punkt kommt, wird der Hinweis auf jene gegeben, die beim Gedächtnismahl von den Elementen nehmen. Die Frage, wer sie dazu legitimiert hat und warum gerade sie es tun, während sie viele andere Zeugen Jehovas es nicht tun, wird nicht gestellt. "Es gibt immer noch... (fast 9.000) Personen, die bekennen, als geistige Israeliten unter dem Neuen Bund zu stehen ... Offensichtlich hat der Neue Bund seinen Zweck nun bald erfüllt", liest man im "Wachtturm" (4/80, S. 26). Das deutet Erwartung an, daß die Zahl abnimmt, damit endlich das Millenium anbrechen kann.

... (3,2) Millionen Zeugen Jehovas gehören einer zweitrangigen Glaubensklasse an! Und all die herrlichen Verheißungsworte sind für sie nicht bestimmt, die doch nach dem biblischen Evangelium allen gelten, die sich Christus anvertrauen - ohne auch nur die geringste Andeutung einer klassenmäßigen Differenzierung! ... - rei -

GESPRÄCHE MIT ZEUGEN JEHOVAS

Immer wieder erreichen uns Anfragen, wie man am besten reagieren und argumentieren kann, wenn Zeugen Jehovas vor der Tür stehen oder uns auf Straßen und Plätzen ansprechen.

Wir eröffnen in dieser CV-Ausgabe eine neue Artikelserie, in der wir allen, die in diese Situation geraten, Hinweise geben, wie sie, wenn sie das Gespräch wollen, es führen können.

Da die Zeugen meinen, die beste Bibelauslegung zu haben, sie nennen sie die "Wahrheit", ist der Schwierigkeitsgrad der Antworten von den Zeugen vorgegeben.

Besonders wichtig ist es, die Gesprächsführung zu übernehmen und sie nicht aus der Hand zu geben. Dem Zeugen Jehovas muß klar gemacht werden, daß ja er das Gespräch angefangen hat, daß ja er etwas will und daß er deshalb sich gefallen lassen muß, daß Sie die Gesprächsinitiative an sich ziehen. Gibt er zu erkennen, daß er damit nicht einverstanden ist, brechen Sie freundlich aber bestimmt das Gespräch ab.

Wir werden jeweils ein Thema behandeln.

Darüber hinaus können aber jederzeit weitere Anfragen an uns, bzw. den Autor der "Gesprächshilfe" gerichtet werden.

In den "Gesprächshilfen" werden aus Platzgründen folgende Abkürzungen gebraucht:

Z: = Zeuge Jehovas

G: = Gesprächspartner/in

Gesprächshilfe zum Namen "Jehovas"

Z: Der Name Gottes ist Jehova.

G: Auch ich weiß, daß Gott sich in der Bibel mit einem Namen vorstellt, der in hebräisch mit dem Tetragramaton JHWH geschrieben wird.

Auch unser Herr Jesus Christus lehrte uns im Vaterunser: "Dein Name werde geheiligt."

Ich weiß, daß das bei Ihnen ein wichtiger Lehrpunkt ist. Ich will ihn Ihretwegen auch wichtig nehmen uns Sie darüber zu einer Bibelbetrachtung einladen.

Was meinen Sie - wer trägt den Namen Jehovas oder Jahwe zu Recht?

Z: Natürlich der höchste Gott und Vater im Himmel. Jesus Christus hat andere Namen, z.B. Logos, Christus oder auch Erzengel Michael. Gerade durch diesen Namen unterscheidet sich der Vater von allen anderen. (Er wird vielleicht Psalm 83,18 zitieren.)

G: Ist dieser höchste Gott, der diesen Namen trägt, je auf Erden erschienen und hat er sich dabei mit diesem Namen vorgestellt?

(Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Zeuge dies verneinen. Nun sollte man den Zeugen einladen, seine Neue-Welt-Übersetzung zu gebrauchen und 1. Mose 18, 1-3 zu lesen.) "Danach erschien ihm Jehova unter den großen Bäumen Mamres während er die Zeit der großen Hitze des Tages am Zelteingang saß. Als er seine Augen erhob, da schaute er und dort standen in einiger Entfernung von ihm drei Männer. Als er sie erblickte, begann er ihnen vom Zelteingang her entgegenzulaufen und beugte sich dann zur Erde nieder. Dann sprach er: Jehova, wenn ich nun Gunst gefunden habe in deinen Augen, so gehe bitte nicht an deinem Knecht vorüber. Man hole ein wenig Wasser..."

G: Wir lasen eben, daß Abraham von drei Männern besucht wurde und einen davon sprach er mit dem Namen Jehova an. Einer von den dreien müßte ja dann Jehova gewesen sein. Dies bestätigend lesen wir im 22. Vers desselben Kapitels: "Hier nun wandten sich die Männer von dort weg und begaben sich auf den Weg nach Sodom. Was aber Jehova betrifft, er stand noch vor Abraham."

Was den Vatergott betrifft, wissen wir, daß ihn noch nie jemand sah. Dies lesen wir in Joh. 1,18; Joh. 6,46: (Diese Stellen mit ihm lesen.) Jetzt unbedingt darauf beharren:

G: Wer war dieser Jehova, den Abraham sah und dessen Stimme er hörte ???

Z: Es war der Engel Jehovas.

G: Ich erinnere mich, daß Sie vorhin sagten, Jehova allein trage diesen Namen und unterscheide sich dadurch von allen anderen. Ich möchte Sie fragen: Warum sagte der Engel Jehovas nicht zu Abraham: "Du darfst mich nicht mit Jehova anreden. Ich bin nur sein Engel." Dies tat der Engel aber nicht. Woher hatte der Engel das Recht, diesen Namen auf sich zu beziehen? Er hätte ja Abraham verleiten können, ihn anzubeten (siehe Offenb. 22, 8-9).

Aus der Bibel geht hervor, daß Engel Jehovas, wenn sie in einem Auftrag Gottes den Menschen erschienen, sich mit ihrem eigenen Namen vorstellten, zum Beispiel in Daniel 8,16; Daniel 9,21; Lukas 1,19 und Lukas 1,26.

Was meinen Sie - wer könnte es gewesen sein, der die Erlaubnis vom Vater hatte, sich in seinem Namen vorzustellen?

Z: ???

G: Bei uns Menschen ist es doch so, daß der Sohn den Familiennamen des Vaters tragen darf und sich ebenfalls mit diesem Namen vorstellt.

Könnte dies in der Familie Gottes nicht auch der Fall sein? Ich meine, daß der Sohn Gottes den Namen auch tragen durfte. Betrachten wir nochmal die Begebenheit mit Abraham. Als dieser von drei Männern Besuch bekam, da waren es drei Personen, die als Boten eine Botschaft an Abraham hatten. In der Funktion ihres Auftrages waren alle drei gesandt worden. Sie waren alle drei Boten oder Engel. Aber nur einer sagte - oder ließ es gelten - daß er Jehova sei. Als Abraham sich vor ihm zur Erde niederbeugte, da wehrte er nicht etwa mit den Worten "Steh auf, ich bin nur ein Engel. Anbetung gebührt nur Jehova." Er wurde mit Jehova angesprochen und verneinte es nicht. Von diesem besonderem Engel, der als Jehova vor Abraham stand und redete, lesen wir in 2. Mose 23, 20-21: "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Weg zu bewahren und dich an den Ort zu bringen, den ich bereitet habe. Nimm dich in acht seinetwegen und gehorche seiner Stimme. Benimm dich nicht rebellisch gegen ihn, denn er wird euere Übertretung nicht verzeihen; denn mein Name ist in ihm."

Auch in Maleachi 3,1 wird der Herr als Bundesengel oder Bote des (neuen) Bundes bezeichnet.

Nach dieser Aussage wohnte der Name des Vaters in diesem besonderen Engel, der dadurch die Erlaubnis hatte, sich mit dem Namen Jehova zu nennen.

Die Verse 22-23 sagen weiter, daß dieser besondere Engel vor ihnen hergehen und die kanaanitischen Völker vertreiben wird. Wer war dieser Engel, der Israel aus Ägypten führte, gegen den sie manchmal rebellierten und der sie strafte? Der Apostel Paulus gab auf diese Frage den Christen in Korinth die Antwort, die Sie doch akzeptieren werden. Nach der genauen Interlinear-Übersetzung heißt es im 1. Kor. 10,4: "Und alle denselben geistlichen Trunk getrunken haben; sie tranken nämlich aus dem geistlichen nachfolgenden Felsen; der Felsen aber "war Christus".

Die Neue-Welt-Übersetzung sagt nicht "war" der Christus, sondern "bedeutete" den Christus.

Also war es doch der Logos, der als einziger Gesandter des Vaters, als Bote oder Engel (Bote heißt Engel), der mit dem Namen Jehova der Heilige Israel war, der Israel aus Ägypten befreite und von seinem Volk weit über tausend Jahre angebetet wurde.

Z: Halt! Die Israeliten beteten Jehova, den Vater Logos an.

G: Die Juden, die mit Jesus stritten, meinten das auch, aber Jesus Christus sagte ihnen in Joh. 14,6: "Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Und in Joh. 8:54 sagte er: "... Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, von dem ihr sagt,

er sei euer Gott."

Das sagten die Juden damals und es war ihre Meinung. Das entsprach aber nicht den Tatsachen. Denn in ihrer Sündhaftigkeit und den nicht genügenden Tieropfern konnten sie niemals versöhnt vor dem höchsten und allerheiligsten Vater in ihrer Anbetung stehen.

Im Einverständnis mit dem Vater war der Logos der Heilige Israels, ihr Gott.

Sie kamen in ihrer Anbetung nur bis zu ihm. Wenn die Juden in ihrer Anbetung im alten Bund schon beim Vater gewesen wären, hätte Jesus nicht gesagt: "Niemand kommt zum Vater außer durch mich!"

Sie als Zeuge Jehovas meinen auch, schon vor Jehova angelangt zu sein. Ihre Theologie ist hier ziemlich jüdisch.

Z: Wir beten im Namen Jesu zu Jehova, und zwar zu dem, von dem wir in 2. Mose 3,15 lesen:

"Dies sollst du zu den Kindern Israels sagen: Jehova, der Gott eurer Vorväter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt. Dies ist mein Name auf unabsehbare Zeit."

Zu diesem Jehova beten wir im Namen Jesu Christi! G: In 2. Mose im 3. Kapitel wird die Erscheinung Jehovas im Dornbusch und das anschließende Gespräch mit Mose berichtet. Im Vers 6 stellt sich dieser Jehova als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Wissen Sie, daß Ihre eigene Literatur diesen Jehova im Dornbusch als den Logos und späteren Jesus Christus anerkennt, also den Sohn, und nicht den himmlischen Vater?

Ich zitiere aus dem Buch "Das Königreich ist herbeigekommen", das ihre Organisation herausgegeben hat: "Zweifellos ward er Engel, der Mose im brennenden Dornbusch erschien, das Wort, der Sohn Gottes." (S. 92, Abs. l letzter Satz)

Wenn derjenige, der Moses im Dornbusch erschien, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs war, dann hatten die Juden genau diesen als ihren Gott weit über tausend Jahre angebetet. Ihre Lehre und Organisation verbietet aber die Anbetung des Wortes und Sohnes Gottes, der jetzt Christus genannt wird. Im Wachtturm vom 15. Dezember 1984 lesen wir auf Seite 7 Folgendes:

"Außerdem hat das Weihnachtsfest dazu beigetragen, daß man Jesus an Stelle seines Vaters, Jehova Gott, anbetet. Das ist eine weitere Form des Götzendienstes, da der verherrlichte Herr Jesus Christus der Anfang der Schöpfung Gottes ist." So weit kommen Sie mit Ihrer Wachtturm-Theologie, daß sie den heiligen Gott Israels als Götzen bezeichnen, wenn er angebetet wird.

Spätestens hier merkt man doch, daß bei ihnen etwas falsch läuft.

Z: Man darf doch keine zwei Götter anbeten; das wäre ja Vielgötterei.

G: Sie sehen das Problem immer noch von einem verkehrten Blickwinkel. Der Vatergott kam nicht selbst zu Israel, um sein Gott zu sein und den die Israeliten dann auch nur allein anbeten durften. Nein!

Dieser blieb in seiner heiligen Reinheit und gab sich nie mit Sündern ab. Christus muß die Sünder erst reinigen und mit ihm versöhnen, dann erst kam man zum Vater. Es wird eine Zeit kommen, in der der Vatergott direkt allen alles sein wird. (l. Kor. 15,28)

Bis dahin werden noch mindestens 1.000 Jahre vergehen. Der Vater sandte seinen Sohn im neuen Testament, aber auch schon in der Zeit des alten Testaments war er der Vertretergott anstelle des Vaters.

Dieser durfte mit der Erlaubnis des Vaters auch die Anbetung Israels entgegennehmen, weil er der vom Vater für sie bestimmte Gott war.

Als dieser in den zehn Geboten sagte: "Du sollst keine fremden Götter neben mir haben (oder keinen Gott außer mir)", da war nicht vom Vatergott die Rede, denn dieser kam wegen seiner Hochheiligkeit als Gott für sein sündiges Volk gar nicht in Betracht. Mit "Götter" waren die Heidengötter gemeint.

Der Logos war ihr einziger Gott. Sie durften keinen anderen neben ihm haben.

Es ist schon so, wie es der Apostel Johannes sagt:

"Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn (als Gott) bekennt, der hat auch den Vater." (l. Joh. 23)

- Martin Hirschmüller -

EIN LIEBEVOLLER AUFSEHER ?

Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. (Jakobus 1:22)

Eigentlich sollte es nur eine Randbemerkung werden, doch dies schien mir zu wenig und jenen gegenüber ungerecht, denen solches in ähnlicher Form widerfuhr.

Fakt: Eine betagte Schwester (über 80 Jahre alt), schüttete uns ihr Herz aus, indem sie uns wissen ließ, wie wenig Interesse die Brüder ihr entgegenbrächten. Unweit von ihr, ca. 150 Meter entfernt, wohnen zwei Ehepaare, die ebenfalls wie sie, schon Jahrzehnte Zeugen Jehovas sind. Beide Paare sind Besitzer eines Autos. Diese alte Schwester im Auto mit zur Versammlung zu nehmen und wieder nach Hause zu bringen, zeichnet nicht unbedingt einen Christen aus, so etwas praktizieren auch sogenannte Ungläubige. Was mich aber besonders erregt, ist die Tatsache, daß das Geld, was die alte Schwester für die Fahrt anbot, auch angenommen wurde, obwohl es doch keine zusätzliche Fahrleistungen gab.

Vielleicht war es zu wenig Geld oder waren es andere Gründe, sie wurde nicht mehr eingeladen. Es sei kein Platz mehr im Auto. Eines sollte man aber doch noch wissen. Diese alte Schwester war froh, endlich - von der Akustik her -, etwas zu verstehen. In der kleinen Gruppe, in der sie sich bis zur Wiederzulassung der Zeugen Jehovas befand, wurde nur geflüstert. Einer dieser Autobesitzer war bis dahin ihr Studienleiter. Das Gebet war auch so leise, daß sie meist nicht wußte, wofür sie Amen sagte.

Fazit: Der Weg zu Fuß, bzw. mit der Straßenbahn, ist für sie zu anstrengend und so bleibt sie nun der Versammlung fern. Die Wachtturm-Gesellschaft ihrerseits geizt nicht, laufend und ausführlich, Anweisungen herauszugeben, wie ältere Menschen zu betreuen sind.

In dem Buch: "Gebet acht auf euch selbst und auf die ganze Herde" (Apg. 20:28) - das ist ein Lehrbuch für die Königreichsdienstschule von 1977. -

Auf Seite 17 heißt es unter der Überschrift: "Mit denen zusammenarbeiten, die in der Versammlung besondere Bedürfnisse haben."

- "In 1. Petrus 2:17 werden wir aufgefordert, Menschen von allen Arten zu ehren und Liebe zur ganzen Bruderschaft zu haben.

Hast du dieses persönliche Interesse an deinen Brüdern und Schwestern?

Bist du dir ihrer Bedürfnisse bewußt, so daß du sie in der richtigen Weise lieben und ehren kannst? Unter denen, die in der Versammlung oft besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, sind die Betagten und Kranken. Sie mögen in praktischer Hinsicht der Hilfe bedürfen.

Sie benötigen vielleicht jemand, der für sie kocht, ihre Wäsche bügelt, den Boden putzt, Einkäufe erledigt usw. Oft brauchen sie Ermunterung. (1. Thess. 5:14)

Vielleicht brauchen sie jemanden, der ihnen hilft, in die Zusammenkünfte zu kommen, der ihnen vorliest oder ihnen auf andere Weise hilft, geistig stark zu bleiben.

Was kannst du tun, um solch praktische Hilfe zu bieten? Wie kannst du andere Brüder oder Schwestern bitten, dir dabei zu helfen?

Weshalb ist es nötig, sich zu vergewissern, daß die Vereinbarungen für Hilfeleistungen eingehalten werden? Wenn du auf solche Bedürfnisse achtest und die nötige Hilfe bietest, wirst du dich als ein liebevoller Aufseher erweisen. Du kannst davon überzeugt sein, daß eine solche Handlungsweise Jehova wohlgefällig ist. (1. Hebr. 13:1,16) Da es sich in diesen obengenannten Fällen nicht nur um einfache Verkündiger, sondern um 'Diener' handelt, darf man annehmen, sie sind auch im Besitz eines solchen Buches. Wenn nicht, läßt der WT vom 1.7.1991, Seite 19, diesbezüglich auch keine Frage offen. Unter der Überschrift "Treue ältere Frauen" lesen wir:

"Älteste sollen 'Witwen ehren' und nötigenfalls materielle Hilfeleistung für sie organisieren. (1. Tim. 5:1-3, 5, 9, 10) Unsere lieben Schwestern sollten sich ganz bestimmt erwünscht und geschätzt fühlen."

Wie sehr klaffen doch Theorie und Praxis auseinander. Leider kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß Jesus, bzw. seine Jünger, genau so gehandelt hätten. Im Gegenteil. Was unternahmen sie, auch ohne moderne Transportmittel, um Versammlungen in Kleinasien, Griechenland usw. zu betreuen oder sie aufzubauen. Das waren doch für die damaligen Verhältnisse ganz andere Entfernungen. Außerdem nahmen sie viele Entbehrungen auf sich, zum Wohle der Gemeinde. Hier scheiden sich jedoch die Geister. In diesem Fall wäre es nur ein wenig Liebe einer alten Schwester gegenüber und es zeigt uns, wie schwer es offensichtlich ist, ein richtiger Nachfolger Jesu zu sein. -

Eine Frage bleibt für mich noch offen.

Bei jahrelang intensivster Belehrung durch die Wachtturm-Gesellschaft, wieso ist so wenig christliche Liebe vorhanden? Was sagt doch unser Herr? - Nachzulesen in Johannes 13, Vers 34, 35 nach der Neuen-Welt-Übersetzung: "Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, daß auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt."

- B .I. H. -

KEINE ZEIT

Ein Vater fand bei seiner Ankunft in der Wohnung seinen einzigen Sohn im Alter von 17 Jahren durch Gas vergiftet vor. Aus seinem Abschiedsbrief ging hervor, daß ihn Lebensüberdruß, Nichtverstandenwerden und Hoffnungslosigkeit dazu getrieben hätten. Ein Siebzehnjähriger! Kein Mensch, nicht einmal seine Eltern, wußten oder ahnten, was im Herzen dieses Jungen vor sich gegangen war. Wie war es soweit gekommen? — Grund: Keine Zeit —

Verspätete Einsicht

Über eine Stunde saß ich mit dem Vater zusammen. Er weinte. Groß stand ihm die Schuld vor Augen, seine Schuld. Er hatte nach Stellung und Wissen getrachtet und darüber hatte er ganz den Kontakt zu seinem Sohn verloren. Es wurde mir klar, woran der Junge innerlich gescheitert war, nämlich an dem Grundübel der Gegenwart: Keine Zeit! Der Moloch Lebensstandard hatte die ganze Zeit verschlungen. Für den Jungen war nichts übriggeblieben, Befehle oder belanglose Gespräche. Er hatte ja alles, was er zum Leben brauchte, meinten die Eltern.

Angesichts des Todes jedoch wurde offenbar, daß ihm das Wichtigste gefehlt hatte:

Liebe, Verstehen, Freunde. Und warum mußte er diese wichtigen Güter entbehren? Man hatte keine Zeit! Es mußte dies und jenes angeschafft, dies und jenes erreicht werden.

Jetzt aber, da der Junge tot war, erkannte der Vater, daß es auch mit weniger Komfort gegangen wäre. So viele Abende für die "notwendige" Zerstreuung wären gar nicht "notwendig" gewesen. - Aber die Reue kam zu spät. Er mußte zusehen, wie man seinen Jungen - der Kopf lag auf den gefalteten Händen - in einen großen Blechbehälter steckte und zum gerichtlichen Institut transportierte.

Wie unwichtig wurden da die schönen Möbel und der ganze Lebensstandard! Und wir?

Der Vater des toten Jungen sah seine Schuld - sehen wir die unsere?

Haben wir Zeit? haben wir noch die Kraft, uns dem Chaos fieberhafter Geschäftigkeit zu entziehen und unserem Begehren eine Grenze zu setzen?

Haben wir noch Zeit für das Wesentliche, für die Liebe untereinander und für das Anhören und Verstehen wollen unserer Mitmenschen? Und haben wir noch Zeit für unser eigenes Leben in Verbindung mit Gottes Wort? Ich glaube, hier liegt die Wurzel. Wir haben keine Zeit für Gott, und darum ist auch alles andere nicht mehr in Ordnung! Darum haben wir keine Zeit für den Nächsten, ja nicht einmal für unsere Kinder oder Ehepartner.

Welch schreckliche Lehre verbirgt sich hinter einer schönen Fassade. Mein Gott, laß uns doch aufwachen und uns besinnen auf dein Wort, damit es uns den Weg weise zu dem wahren Glück und dem Frieden für uns und andere. Wir brauchen unseren Herrn Jesus Christus. Wir müssen uns Zeit für ihn erzwingen, solange wir sie noch haben. Wollen wir nicht aufhören mit der Jagd nach nichtigen Dingen? Besinnen wir uns doch auf das Wesentliche, auf das Wort Gottes. Er ruft uns - und hilft uns, wenn wir willig sind, dem Herrn zu vertrauen ...

- L.H. -

DIE NEUE ART DER VERBREITUNG DER WTG-LITERATUR

Was wir bereits in unserer vorigen CV-Ausgabe angesprochen haben, ist nun Wirklichkeit geworden. Im "Königreichsdienst September 1991" wurde in einer Sonderbeilage mitgeteilt: "... Die vereinfachte Vorkehrung, Veröffentlichungen kostenfrei zu verbreiten, gibt buchstäblich Millionen von Menschen die Gelegenheit, 'zu kommen und kostenfrei Wasser des Lebens zunehmen' (Offb. 22:17).

... Daß die Gesellschaft diese Veröffentlichungen kostenfrei zur Verfügung stellt, bedeutet natürlich nicht, daß mit deren Herstellung und Verteilung keine Kosten verbunden sind. Wieso kann die Gesellschaft ihre Veröffentlichungen kostenfrei zur Verfügung stellen? Die gesamten Kosten des gottesdienstlichen Werkes der Gesellschaft werden durch die Spenden gedeckt, die für das weltweite Werk eingehen. Diese Unterstützung wird in erster Linie von den ergebenen Dienern Jehovas geleistet

Jehovas Zeugen bitten die Öffentlichkeit nicht um Unterstützung ihres äußerst dringenden Werkes der Verkündigung des Königreiches. Wir haben noch nie öffentliche Sammlungen durchgeführt, noch tun wir es heute. Doch wenn aufrichtig interessierte und aufgeschlossene Personen, die wir im Predigtdienst antreffen, von sich aus eine freiwillige Spende für das Werk geben möchten, wird dies geschätzt"...

Soweit einige Auszüge aus der Sonderbeilage. Im weiteren werden noch praktische Hinweise gegeben, wie man klug und geschickt andere dazu bringen kann, für die Literatur eine Spende zu geben.

CV-Anmerkung: Daß das kostenfreie Verbreiten von Veröffentlichungen nicht aus dem Wollen der WTG hervorgegangen ist, dürfte wohl jedem klar sein. Dieses edle Tun hätte sie ja schon jahrzehntelang praktizieren können. Wir glauben, daß es nicht Edelmut ist, sondern der massive Druck der Öffentlichkeit in jeder Form, die nicht mehr einsehen wollte, daß die WTG Millionen-Gewinne unversteuert kassierte. Wir wissen auch, daß die WTG nun ihre Trugen stärker zur Kasse bitten wird. - Aber vielleicht wird sie jetzt, entsprechend ihrer frülieren Verkündigung: "Wachttunn Bibel- und Traktat-Gesellschaft, das ist der Name einer Geschäftsßrma " gerecht, und druckt jetzt auch Fremdaufträge gegen Bezahlung und mit ordnungsgemäßer Versteuerung. -

Wenn dem so sein sollte, wird ihr auch kein Mensch und keine Institution ihre Gewinne neiden. - H.W. -

"Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner;

O - 6500 Gera, Heinrichstraße 46; Einzelpreis 2,00 DM

Konto-Nr.: 3219526; Volksbank e.G., Gera BLZ: 830 945 64

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