Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 251

Eher banal bis nichtssagend jener Kommentar in dieser CV-Ausgabe, anlässlich des Erscheinens der „Wachtturm"-Sonderausgabe vom 1. Juli 1979 „Hundert Jahre Wachtturm".

Interessenten konnten ja ins CV-Büro anreisen, um sich dort kommentierte Sachen zu jener „Wachtturm"-Ausgabe vorlegen zu lassen, so der „CV-Weisheit letzter Schluss", Wer indes würde das tatsächlich so machen? Wohl kaum einer.

Sollte tatsächlich der Druckraum in jener CV-Ausgabe nicht „ausgereicht" haben, um etwas mehr thematisches anlässlich dieses Jubiläums auszuführen, wäre mein Kommentar dazu.

Man hätte bequem einige andere Artikel aus dieser CV-Ausgabe dafür rausschmeißen können. Namentlich schon die auf den ersten Seiten dieser CV-Ausgabe, mit billigem (zu billigem) vermeintlich theologischen Kontrapalaver.

Das baldige Ende der DDR, kündigt sich nunmehr auch in dieser CV-Ausgabe an, in einer eher nebensächlichen Passage.

Las man bis einschließlich der vorangegangenen Nr. 250 im Impressum auch:

"Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos", so ist ab dieser Ausgabe dieser Passus gestrichen und durch die Angabe ersetzt;

„Einzelpreis: 1.- M". Ergo ohne es so direkt auszusprechen, Erhöhung des Jahresbezugpreis von 2,-M. bzw "auch kostenlos" auf nunmehr 12,-M.


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERAANTWORTUNG

BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MULLER, GD, GERA/THÜR, DDR .

Nr. 251 GERA Juni 1990

DIE WACHTTURMGESELLSCHAFT

Ihre Maßstäbe

EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN

Aus dem WT Nr. 1/1990

DIE BANGE FRAGE ...

Gedanken zu einer WT-Betrachtung

... NACH WIE VOR ENTMÜNDIGT

Fragenbeantwortung

TRENNEN UND BINDEN

Kinder werden Erwachsene

WENN EHEFRAU ZEUGIN JEHOVAS

Hörige eines nur strengen Gottes

LEBENDIGE HOFFNUNG, ODER

EINE HOFFNUNG, DIE NUR AUF DEM PAPIER STEHT?

"WEN SOLL ICH SENDEN, UND WER WIRD FÜR UNS GEHEN?" (Jesaja 6:8)

Was könnte es für einen Christen wohl größeres geben, als das Gefühl, von Gott selbst beauftragt worden zu sein, den Menschen seine Botschaft zu überbringen? Jehovas Zeugen, für die der obengenannte Bibeltext eine Schlüsselstelle darstellt, nehmen für sich in Anspruch, daß sie als einzige von Gott autorisierte Boten wirklich Seine Botschaft weitersagen. Nein, sie predigen nicht mit dem Gedanken, daß ihre Botschaft vergänglich und von Vergänglichen Menschen erdacht sein könnte. Welch eine Motivierung, welch eine Ehre!

Wer sich aber auch über längere Zeit hindurch die Fähigkeit zu denken und zu vergleichen bewahren konnte, muß sich eines Tages eingestehen, daß eine ständig angepaßte und geänderte Lehre ein Machwerk der Wachtturm-Gesellschaft sein muß.

Sowohl die "Hoffnung", die die WTG ihren Anhängern vermittelt, wie auch die "Erfüllung" dieser Verheißungen existieren nur auf dem Papier der WT-Schriften! Getrennt von diesen Veröffentlichungen gibt es weder die WT-spezifische Hoffnung, noch deren Erfüllung.

Weil es die Gesellschaft ja weiß, daß das, was sie anzubieten hat, ihr eigenes Produkt ist, beugt sie jeder, bei ihren Mitläufern eventuell zu erwartenden Kritik vor, indem sie festschreibt, daß der Wille der Gesellschaft, identisch mit dem Willen Gottes ist. (WT vom 1.8.1956) Dort heißt es wörtlich:

"Der Sklave erfüllt dadurch seine eigene Pflicht vor Jehova, daß er das Werk Jehovas tut. Daher ist der Wille des Sklaven der Wille Jehovas. Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion gegen Gott."

Im WT vom 15.9.1965 kann man lesen:

"Jehova gibt uns auch durch seine irdische Organisation Rat. Da sein heiliger Geist auf die leitende Körperschaft dieser Organisation einwirkt, stimmt deren Rat mit seinem Willen überein."

Die im WT geäußerten Gedanken haben ihren Ursprung nicht in Gott und sie werden darum aufs neue von den Tatsachen widerlegt. Um die Getreuen nicht dem Gefühl zu überlassen, ins Leere zu laufen, verlangt die "Gesellschaft" von ihnen das intensive "Studium" einer ständig wachsenden Flut ihrer Veröffentlichungen.

Nie dürfen die Zeugen darin innehalten. "Stillstand ist Rückgang", sagt man ihnen. Im Laufe der Zeit werden von einem Zeugen die Schriften der Gesellschaft selbst für DIE WAHRHEIT gehalten, und nicht für das, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich für bloße Erfindungen. Das Regime ständigen Lesens, "Studieren" und Predigens verhindert es, daß treue Zeugen Jehovas zum Nachdenken kommen.

Hat sich aber jemand trotz jahrelangen "Studierens" das Denken nicht völlig abgewöhnen können, dann muß er eines Tages, auf die Fülle von Widersprüchen aufmerksam werden, die ihm im Laufe der Zeit serviert wurden, von dem vielen augenfälligen Unsinn einmal ganz abgesehen. Hier nur ein paar Kostproben:

- Jonadabe, die jetzt ans Heiraten denken, würden ... besser tun, einige, wenige Jahre zu warten ...

(„Schau den Tatsachen ins Auge)

- 1925 wurde den „jetzt auf der Erde lebenden Menschen" verheißen, daß „Millionen jetzt lebender Menschen niemals sterben (werden)".

Junge Menschen sollten nicht nur ein wenig damit warten, zu heiraten, sondern sie sollten auch, gemäß Erwachet Nr. 16 vom 22. 8. 1969

sich „über die Tatsache im klaren sein, daß du in diesem gegenwärtigen System der Dinge nie alt werden wirst ... Als junger Mensch wirst du daher nie das Ende einer Laufbahn erreichen, die dir dieses System bietet. Wenn du z. B. eine Hochschulausbildung in Erwägung ziehst, so bedeutet das wenigstens vier, vielleicht auch ... acht Jahre bis zum Abschluß in einem besonderen Fach. Aber wo wird sich dieses System der Dinge dann befinden? Es wird auf seinem Weg zu seinem Ende weit fortgeschritten sein, wenn es nicht sogar SCHON VERSCHWUNDEN SEIN WIRD!"

Ein Paradebeispiel für WT-Spekulationen ist die „Erklärung" die von Zeit zu Zeit für das „Wilde Tier" gesucht und gefunden wurde! Es wurden angeboten:

1. Die Haager Konvention

2. Der Völkerbund

3. Die Vereinten Nationen

Die Fürsten, auch "Alttestamentlichen Überwunder" genannt, sollten zuerst buchstäblich wiederkommen und in "Beth Sarim" in Kalifornien wohnen, während man sich damit zufrieden gab, die lebenden Ältesten in den Versammlungen mit diesen „Fürsten" zu identifizieren. Siehe das Buch "Die neue Welt" S. 104 sowie die Veröffentlichung "Millionen jetzt lebender werden niemals sterben".

Bemerkenswert sind die Deutungen über die "Obrigkeitlichen Gewalten", über den "Koloß auf tönernen Füßen", die verschiedenen Endzeitberechnungen und über viele andere Themen und man wird merken, daß der Kern der "Papiernen Botschaft" dem Reich der Phantasie und der Spekulation entnommen ist.

Das Erschreckende ist, daß diese Hoffnung aus Papier dazu herhalten muß, den ZJ den Eindruck vorzugaukeln, sie lebten in einem "Geistigen Paradies". Sie, die Zeugen, können nicht mit der einfachen Erkenntnis leben, daß sie als Menschen weder besser noch schlechter sind, als die meisten anderen Menschen auch. Indem sie aber davon überzeugt sind, daß ihnen eine Vorzugsstellung zukommt, zeigt es sich, daß sie leichter zu betrügen sind, als die meisten Menschen.

Die papierne Hoffnung, die die WTG darreicht, steht im krassen Gegensatz zur LEBENDIGEN HOFFNUNG, die der Herr Christus selbst ist. (1. Petrus in Verbindung mit den Taten, die Gott mit und durch IHN gewirkt hat, deren größte die Auferstehung aus den Toten ist. Diese lebendige Hoffnung gibt es seit Jesu erstem Kommen und sie ist in dieser ganzen Zeit unverändert bestehen geblieben! Sie kann nicht durch solche, von Sekten am laufenden Band konstruierten Hoffnungen ersetzt werden.

JESUS, der ein Suchender ist, ein Hirte "der sucht, was verloren ist", und der hinwiederum gesucht werden muß von denen, die sich ihrer Verlorenheit bewußt sind. Sie werden in Psalm 103 dargestellt. De Profundis, sie, die „aus der Tiefe" zum Herrn rufen.

JESUS zu bezeugen, IHN, den menschgewordenen Gott, den Heiland, das ist „das Werk des Zeugnisgebens", zu dem sich seine Nachfolger gedrängt fühlen.

Obwohl das Geschehen um und mit Jesus das bewegendste ist, das der Menschenwelt je geboten wurde, hat das Zeugnisgeben für Ihn doch nichts Sensationelles an sich. Es ist keine Sensationshascherei damit verbunden, wie etwa mit der Bekanntmachung der "Feurigen Botschaften" durch „Bibelforscher" in den 20er Jahren. Das Feuer ist erloschen und verraucht. Nicht die "Welt" wurde durch die vermeintlichen Posaunenstöße aus Zion (sprich WT-Zentrale) erschüttert, sondern es war im Laufe der Zeit das Lehrgebäude der WTG, das Risse über Risse bekam!

Das Zeugnis für Jesum unterlag den fast Zweitausend Jahren, in denen es gegeben wird, keiner Veränderung. Es ist der Schatz, den die Diebe nicht stehlen und den Motten und Rost nicht fressen können. Nun ist es ja nicht so, daß ZJ die Bibel nicht kennen würden, daß sie nicht wüßten, "daß in keinem anderen das Heil ist, als nur im Namen des Herrn Jesus Christus". JZ kennen und benutzen diese Stelle aus Apg. 4:12, aber dennoch tun sie so, als wären Heil und lebendige Hoffnung nicht zu erlangen, ohne die papiernen Konstruktionen des WT. Mit immer neuen Erfindungen wird der Geist der Gläubigen in Bewegung gehalten, wird ihnen ein "Geistiges Paradies" vorgegaukelt, dessen sie sich aber nur dann erfreuen können, wenn sie ihre Augen permanent vor der Wirklichkeit verschlossen halten. Statt für Jesus Christus, die lebendige Hoffnung, Zeugnis abzulegen, helfen sie weiter mit, daß sich die Räder der WT-Organisation auch in der Zukunft im schwungvollen Leerlauf drehen werden.

Warum nicht Ernst machen mit dem, was jeder Zeuge Jehovas schon so oft gelesen und anderen Menschen gepredigt hat:

„... und ihr werdet MEINE Zeugen sein, ... bis an die Enden der Erde."?

-H.G.-

DIE WACHTTURM-GESELLSCHAFT UND IHRE MASSTABE

Ein grundlegendes Erfordernis für wahre Diener Göttes ist, daß sie, wie Jesus gebot, "kein Teil der Welt" sind, sie müssen sich dementsprechend aus der Politik heraushalten (Johannes 15:19).

Nun, ganz so einfach ist die Sache wohl doch nicht. Der Umfang dieses Artikels würde gesprengt werden, wollte man alle in diesem Zusammenhang stehende Fragen klären, zum Beispiel:

Was beinhaltet der Begriff "Politik"? Bedeutet "kein Teil der Welt zu sein", sich zwangsläufig aus jeglicher Politik heraushalten zu müssen?

Wie ist Jesu Verhalten zu werten, als er korrupte Zeitgenossen aus dem Tempel trieb; als er ein vom Schwert abgeschlagenes Ohr wieder heilte ...?

Fakt ist zumindest eines: Die Wachtturm-Gesellschaft hat sich in ihrer über hundertjährigen Geschichte unzählige Male in die Politik eingemischt, ja mehr noch, sie betrieb Politik! Man möge sich nur einmal die Wachttürme der fünfziger Jahre in Erinnerung rufen. Und auch sonst ist die WTG nicht böse, wenn ihre Mitstreiter sich in ihrem Sinne politisch betätigen. Wie ist es sonst zu werten, wenn Schwester Margaret West munter ausplaudert:

"Es gab einige Brüder im diplomatischen Dienst, deren Gepäck nicht durchsucht wurde." (WT 5/1989, Seite 12)

Oder ist vielleicht jemand so naiv; zu behaupten, ein Diplomat habe nichts mit Politik zu?

Was man diesen Brüdern als lobenswerte Aktivität anrechnet (denn sie schmuggelten im Interesse der WTG Wachttürme), wird dem Erzbischof Tuto von Kapstadt zum Vorwurf gemacht. Als ein weltweit anerkannter und geachteter Apartheid-Gegner, der sich selbstlos für die Rechte der Farbigen einsetzt, würde er sich - o wie verderblich - "in die Politik einmischen". (Seite 4)

Welche Widersprüche allein in diesem WT!

-G.R.-

DER WACHTTURM

EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN APG 17:11

Aus dem Wachtturm Nummer 1/1990

GLÜCKLICH SIND DIE, DIE AUSGEHARRT HABEN

Es wird berichtet, daß im Dienstjahr 1989 die Zeugen Jehovas über eine neue Verkündigerhöchstzahl von 3 787 188 verweisen können, zugegeben - eine beachtliche Zahl mit einer Steigerungsrate von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders eindrucksvoll - sieht man sich einmal die Tabelle auf den Seiten 20 bis 23 an - wiederum das, was die Zeugen Jehovas in Japan geleistet haben. Dort steht fast jeder zweite Verkündiger im Pionierdienst. Damit nimmt Japan weltweit eine Ausnahmestellung ein.

Ganz anders sieht dagegen das Verhältnis von Pionierverkündiger

zu Verkündiger in einigen sogenannten "reichen" Ländern Europas wie BRD (1:13), Dänemark (1:14), Großbritannien (1:10), Schweden (1:10). Österreich (1;12) aus.

Dort gibt es nur Steigerungsraten in der Verkündigerzahl von 2 bis 3 Prozent, woraus man durchaus auch schlußfolgern kann, daß der Materialismus auch vor Zeugen Jehovas nicht halt macht, wie wäre sonst dieser geringere Einsatz im Predigtdienst erklärbar in diesen Ländern, die erwiesenermaßen einen hohen Lebensstandard haben?

Ganz anders sieht es dagegen in den sogenannten ärmeren Ländern Südamerikas aus, wo durchgehend Steigerungsraten von 10 bis 14 Prozent zu verzeichnen sind, wie Brasilien, Bolivien, Ekuador, Kolumbien u. A.

Die Steigerungsrate von 11 Prozent, die Mexiko zu verzeichnen hat, ist wohl eindeutig auf die von Brooklyn verordneten Privilegien für die Zeugen dieses Landes zurückzuführen, nämlich, daß männliche Verkündiger im wehrpflichtigen Alter dort durch ein Bestechungsgeld an die Behörden vom Wehrdienst freigestellt werden, was eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Zeugen in Mexiko ist, gegenüber denen in der übrigen Welt, und angesichts dieser Tatsache stellt sich die WTG-Führung hin und behauptet, die Zeugen in der gesamten Welt würden überall gleich und gerecht behandelt? Es ist wohl klar, daß, wenn ich mich besonderer Bevorzugung erfreuen kann, es für mich ein leichtes ist, für eine Sache "Hurra" zu schreien und mit besonderem Eifer an's Werk gehe.

Da kann man es wohl nur als Frechheit und Unverfrorenheit bezeichnen, wenn die WTG in ein und derselben WT-Ausgabe (Seite 7) einen derart unglaubwürdigen Artikel über Mexiko losläßt und behauptet, "das ganze Land ist glühend im Geist". Dann wäre es schon ehrlicher, sie würde hinzufügen, daß dieses auf der Basis von Bestechung und Korruption - von der WTG verordnet - erfolgt. Aber das geht wohl schlecht, denn dann würden die Erfolgszahlen aus Mexiko wohl einen bitteren Beigeschmack bekommen. Man kann sich nur wundern, wie glänzend es die WTG versteht. Schein-, und Halbwahrheiten groß aufgemacht zu verbreiten.

Arglose und gutwillige Menschen, denen entsprechende Hintergrundinformationen vorenthalten werden, fallen dann natürlich darauf herein, in demselben Mißverhältnis zwischen Wahrheit und Lüge steht schon allein die Artikelbezeichnung "Glücklich sind die, die ausgeharrt haben". Ja, wieviel Zeugen Jehovas haben denn wirklich jahrzehntelang ausgeharrt?

Zwei Drittel der jetzt tätigen Verkündiger sind nachweislich nach 1975 zur WTG gestoßen, während von 1947 bis 1982 fast 2 Millionen die WTG verlassen haben! Diese 2 Millionen waren nicht nur Menschen, die wegen "böser und verwerflicher Taten" der WTG den Rücken kehrten, sie waren in erster Linie

Menschen, die im Laufe der Jahre dahinterkamen, wie sie von den WTG-Oberen jahrzehntelang belogen und betrogen wurden und die deren Korruption und Amtsanmaßung nicht länger ertragen konnten.

Darüber aber schweigt die WTG, statt solche Zahlen auch einmal statistisch in einer Tabelle zu veröffentlichen.

Ein weiterer Grund für diese Verschweigetaktik der WTG ist ihre ständige Veränderung von Lehren und besonders ihrer Endzeittermine. Für letzteres als kurzer Beweis die immer wieder veränderten Daten; 1799, 1874,1914,1925,1945 und 1975. Allein diese Unmenge von veränderten Jahreszahlen spricht eine deutliche Sprache über die ständige Wendehalsstatistik der WTG.

Würde man ihre ständigen Drehungen und Wendungen in ihren Lehrveränderungen bildlich darstellen, man könnte ganze Serien von Äskulap-Stäben daraus drehen!!

Das beweist aber auch, daß die WTG niemals in Übereinstimmung mit Jehova sein kann, denn er ist unveränderlich. (Hebr. 6:17,18) So kann man zusammenfassend sagen, daß es der WTG-Führung im Dienstjahr 1989 wieder mal gelungen ist, die Herzen der Arglosen zu täuschen.

-R.S.W.-

GEDANKEN ZU EINER WACHTTURM-BETRACHTUNG

Die bange Frage des Kerkermeisters von Philippi, was er tun müsse, um gerettet zu werden, ist das Thema der beiden einführenden Artikel des WT vom 15. September 89. Zunächst einige notwendige Vorbemerkungen. Diesem Kerkermeister wurden die beiden Gefangenen Paulus und Silas von den Prätoren der Stadt übergeben mit dem Hinweis, sie sicher zu verwahren. Diesem Auftrag kam er gewissenhaft nach, warf sie in das innere Gefängnis und befestigte ihre Füße zusätzlich noch im Block. Der Bibelbericht sagt uns nicht, ob dieser Mann schon vom Wirken des Apostels in seiner Stadt gehört hatte, und er läßt uns auch nur erahnen, was in ihm vorgegangen sein mag, als er nach dem Erdbeben die nun entstandene Lage überschaute. - Aber sprach man nicht überall in den römischen Provinzen von jenem Jesus, den die Obersten der Juden gewaltsam zu Tode gebracht hatten, obwohl er so viel Gutes gewirkt hatte, daß selbst der Statthalter Pilatus gesagt habe: "Ich bin schuldlos am Blut dieses Gerechten"? Und auch der Hauptmann, der seinerzeit die Hinrichtung überwachte, bei seinem Tode gesagt haben soll: "Wirklich, dieser Mensch war gerecht"?

(Matthäus 27,24; Lukas 23,47)

All das mag ihm blitzartig durch den Kopf gegangen sein, und er erkannte in dem, was geschehen war, das Wirken Gottes. Das macht uns die bange Frage nach seinem künftigen Tun verständlich.

Die Antwort, die ihm von den beiden Gefangenen zuteil wird, ist klar und eindeutig:

"Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und deine Hausgenossen." (Apostelgeschichte 16,30.31) Beachten wir hier einmal folgendes:

Der Kerkermeister bat für seine eigene Person - "Was muß ICH tun?" - und er erhielt die persönliche Aufforderung, Glauben an den Herrn Jesus zu bekunden. Die Verheißung aber, die seinem Glauben entsprach, die sollte allen zuteil werden, nämlich: "DU wirst gerettet werden, DU UND DEINE HAUSGENOSSEN."

Der Bericht fährt dann im Protokoll-Stil fort: "Und sie redeten das Wort zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren."

Der Schreiber dieser beiden WT-Artikel tut einmal mehr etwas sehr WTG-Typisches, hier wird ein Bibelvers aus dem Zusammenhang gelöst und für eigene Zwecke dienstbar gemacht, warum, darauf kommen wir noch zurück. Liest man den Bericht über das Geschehen aber im Zusammenhang, dann erfährt man, um Mitternacht war das Erdbeben und schon vor Tagesanbruch waren der Kerkermeister und sein Haus getauft (Verse 25-34). Viel Zeit für biblische Unterweisung war hier nicht! Ähnliches kann man feststellen bei der Bekehrung und Taufe des Hauptmanns Kornelius und der mit ihm Versammelten. (Apostelgeschichte 10,25-48)

Der Wachtturm-Gesellschaft aber gefällt das ganz und gar nicht, ihr ist der Weg der Rettung zu einfach und zu schnell. Und so bedient sie sich denn auch einer Frau namens Bernice, um ihre Bedenken anzumelden. Hören wir selbst:

"Ich wurde im sinne der Brethren Church erzogen, aber mit der Zeit fragte ich mich, wie ewiges Leben einzig und allein von Jesus Christus abhängen kann. ..." Zur Begründung führt sie dann die sinnentstellende WT-Version von Johannes 17,3 an.

Von einem weiteren Zeugen der WTG lesen wir: "Neun Jahre lang war Norman überzeugt, gerettet zu sein."

Bestimmt war er seiner Sache zu sicher, denn dann ging er ja den "Fischern" der WTG ins Netz. Nun sagt er, stellvertretend für die Wachtturm-Gesellschaft:

"Wie ich aus der Bibel erfuhr, genügt es nicht, Gott zu bekennen, daß wir Sünder sind, und uns bewußt zu sein, daß wir der Rettung bedürfen. Wir müssen auch Werke verrichten, die der Reue entsprechen."

Ich frage mich ernstlich, haben diese beiden Zeugen das wirklich aus der Bibel erfahren? Waren es nicht viel eher die "bibelerklärenden Schriften" der WTG?

Aber die Wachtturm-Gesellschaft kommt, gestützt auf die Aussagen IHRER beiden Zeugen, zu dem 'unumstößlichen Schluß' (das haben wir auch schon in der WTG-Literatur gelesen!); "Gerettet zu werden setzt demnach mehr voraus.

1. Wir müssen eine genaue Erkenntnis des Vorsatzes Gottes und seiner Rettungsvorkehrungen erlangen.

2. Dann müssen wir Glauben an den Hauptvermittler der Rettung, Jesus Christus ausüben und

3. fortan Gottes Willen tun."

Was nicht in diesen Artikeln steht, aber gemeint ist, das ist die bedingungslose Unterwerfung unter die WTG - die Rettungsvorkehrung Gottes, denn nichts anderes ist damit gemeint! - und das heißt für jeden Zeugen Jehovas, so zu glauben und zu predigen, wie sie das. Vorschreibt.

Pastor Russells Wort über Sekten (Band 3 S.173, Schriftstudien) gilt noch heute und trifft haargenau die Zustände in der WTG-Organisation. Lesen wir:

"Wenn man sich einer Sekte anschließt, so wird erwartet, daß man sich der Sekte gänzlich ergibt und nicht mehr sich selbst gehört. Die Sekte entscheidet nun für ihn, was Wahrheit und was Irrtum sei, und er muß, um ein wahres, zuverlässiges Glied der Sekte zu sein, deren spätere wie frühere Entscheidungen über alle religiösen Fragen annehmen, seine eigene Meinung übersehen, und persönliche Nachforschungen vermeiden, da er sonst an Erkenntnis wachsen und als Glied solcher Sekte verlorengehen könnte."

Bedarf es hierzu irgendeines Kommentars? Ich glaube, nein. Doch kommen wir zurück zu jener Begegnung des Apostels mit dem Kerkermeister. Irrte er etwa doch, als er den Glauben an Jesus Christus als das einzige Erfordernis zur Rettung anführte? Oder fragen wir anders: Wessen, Zeugnis hat mehr Beweiskraft, das einer menschlichen Einrichtung, oder das unseres Herrn selbst? In einem Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus sagte Jesus:

"Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe."

(Johannes 3,14.15)

Wer die Schrift kennt, weiß um das Geschehen, auf das Jesus hier Bezug nahm. Niemand konnte der tödlichen Wirkung der Schlangenbisse entgehen, indem er selbst tätig wurde. Wer auch immer von einer Schlange gebissen wurde, dessen Leben hing ab vom Glauben an die Worte des ihnen von Gott verordneten Mittlers, Mose und vom Vertrauen in die von Gott bestimmte Vorkehrung der Rettung, die eherne Schlange. (4. Mose 21,5-9)

Ein anderer, vom Herrn selbst autorisierter Zeuge, ist der Apostel Paulus selbst. Freimütig bekennt er, daß er unter den Sündern an erster Stelle steht und fährt fort:

"Dennoch wurde mir deshalb Barmherzigkeit erwiesen, damit Christus Jesus vornehmlich durch mich seine ganze Langmut als Musterbeispiel für die zeigen könnte, die ihren Glauben zum ewigen Leben in ihn setzen werden." (1. Timotheus 1,15.16, NW).

Doch wer da immer noch glaubt, "Werke verrichten" zu müssen, wie der eingangs zitierte Norman, dem sei empfohlen, die Worte des Apostels an die Christen in Rom zu lesen und ernsthaft zu bedenken:

"Dem nun, der Werke verrichtet, wird der Lohn nicht als unverdiente Güte angerechnet, sondern als Schuld. Dem dagegen, der keine Werke verrichtet, aber an den glaubt, der den Gottlosen gerechtspricht, wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet." (Römer 4,5.6, NW)

Es könnten nun noch viele Textzeugnisse aus der Schrift angeführt werden, sie alle bestätigen nur dies aus Römer 1,17:

"DER GERECHTE WIRD AUS GLAUBEN LEBEN." Wer anderes lehrt, der lehrt ein falsches Evangelium! Zu Recht gilt daher noch immer des Paulus Warnung an alle, die glauben, Gottes Wort ihren Interessen dienstbar machen zu können:

"(Da ist) kein anderes (Evangelium); einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Wenn, aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!"

(Galater 1,7.8)

-R.I.H.-

SEIT ÜBER 100 JAHREN AUF DER WACHT

"Wer auf einem Wachtturm steht, kann in die Ferne blicken und anderen sagen, was er sieht."

So behauptet es die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas in ihrer Jubiläumsausgabe vom 1. Juli 1979 auf der Innenseite des ersten Blattes ihres "Wachtturm". Weiter kann man eingerahmt auf der Innenseite lesen:

"In dieser Ausgabe bringen wir in aller Bescheidenheit einige Höhepunkte aus unserer hundertjährigen Geschichte."

Aus dem Inhalt dieses Wachtturms kann man zwar erkennen, wie lobenswert und kostenaufwendig das Predigen des Evangeliums ist, aber wieviel Sinnlosigkeit und Unzuverlässigkeit damit verbunden war, darüber schreibt man nichts.

Glücklicherweise gibt es darüber auch Dokumente, die ebenfalls von Jehovas Zeugen geschrieben wurden und auch der Wahrheit entsprechen.

Wir legen es unseren CV-Lesern ans Herz, auch einmal in diese Dokumente zu schauen. Unsere Anschrift ist in jeder CV-Ausgabe, unten auf der letzten Seite zu finden.

WIR LADEN EUCH HERZLICH EIN.

-W.W.-

NOCH 250 JAHRE BIS 6000!

Andere Zeitungen müßte man aufmerksam lesen! Aber die WTG weiß schon, warum sie ihre Zeugen davon abhält, denn das könnte für sie gefährlich

werden! So lesen wir im kath. St. Hedwigsblatt des Bistums Berlin Nr. 43 vom 22. Oktober 1989 die kleine Meldung, daß die kath. Kirche der jüdischen Gemeinde in Berlin-West "Segen und Wohlergehen für das neue Jahr gewünscht hat".

Gemeint ist das Jahr 5750 Jüdischer Zeitrechnung, begonnen im Herbst 1989!

Nur eine kleine Meldung am Rande, für einen WT-Zeugen jedoch von ungeheurer Tragweite! Wieso? Nun, unsere Überschrift deutet es schon an.

Die für die Juden weltweit auf die Bibel gegründete Zeitrechnung sagt nämlich aus, daß die biblisch zählbare Zeitrechnung in diesem Jahre 1989 erst 5750 Jahre umfaßt! Nach der WTG-Zeitrechnung, die noch gilt, waren aber schon im Jahre 1975 6000 Jahre um! Die WTG verkündigte:

Gemäß dieser zuverlässigen Bibelchronologie werden 6000 Jahre, von der Zeit der Erschaffung des Menschen an, mit dem Jahre 1975 enden, und die siebente Periode von eintausend Jahren Menschheitsgeschichte beginnt im Herbst des Jahres 1975 u. Zt." (WTG-Buch: "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes", S. 30, dt. 1967)

Nach der jüdischen biblischen Zeitrechnung sind also erst in 250 Jahren 6000 Jahre um! Es steht außer Frage, daß die WT-Zeitrechnung, auch auf 1975, haltlos ist, eine WTG-Willkürrechnung. Nicht ohne Grund vermeidet die WTG, dies heute weiter zu verkündigen, auf die Vergeßlichkeit des Menschen spekulierend.

WAS DAS WTG-KERBHOLZ AUSSAGT

Zunnächst ließ die WTG der Menschheit verkündigen, im Jahre 1872 seien "sechstausend Jahre seit der Erschaffung Adams verflossen" (Schriftstudien Bd. 2.S.40,1926).

Mit dem WTG-Buch "Die Wahrheit wird euch frei machen" von 1943 (1946), S.152, wurde das um 100 Jahre auf 1972 verschoben. Wer kennt das schon noch! Die das 1943/46 verkündigten, sind längst fast alle "vergangen"! Dann wurde alles, wie zitiert, auf 1975 verschoben. Darüber sind auch schon wieder 15 Jahre vergangen! So trifft auch in dieser Frage auf die WTG zu, was in 5. Mose 18:20-22 über falsche Propheten gesagt ist:

"Wenn das, was ein Prophet im Namen des Herrn verkündigt, nicht eintrifft und nicht in Erfüllung geht, so ist das ein Wort, das der Herr nicht geredet hat. In Vermessenheit hat es der Prophet ausgesprochen: dir braucht vor ihm nicht bange zu sein ... ein solcher Prophet soll sterben".

Nach diesem Schriftwort muß auch die WTG eines Tages zugrundegehen!

ZUR WTG-ENDZEIT

Die Terminverschieberei in dieser Frage beweist in Verbindung mit 5. Mose 18;20-22, daß es eine Endzeit im Sinne der WTG nicht gibt und geben kann. Daß die 6000 Jahre 1872 nicht um waren, auch 100 Jahre später 1972 nicht, auch 1975 begann das Millennium nicht, wie jeder nun sieht, (in Kürze 1994, wenn seit 1914 80 Jahre - Psalm 90:10 - auch noch um sind, wird es noch schlimmer!) bestätigt nur, daß die jüdische Zeitrechnung offensichtlich biblisch die richtige ist, der sich die WTG eigentlich, seit 1872 als Falschprophetie vergangen ist, mit ihrer Verschieberei selbst immer mehr annähert! Danach liegen in der Tat ab 1989 noch 250 vor uns, ehe die 6000 Jahre um sind!

Nicht ohne Grund holt die WTG mit "Erwachet" vom 22.5.1989 (S.32) ihre Falschprophetie von 1920 "Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben" vom Müllhaufen ihrer Falschprophetien und läßt sie nun auch der jetzigen Generation verkündigen, um über das Jahr 2000 zu kommen! Da es immer wieder genug Arglose gibt, könnte es passieren, daß die WTG so auch dereinst das Jahr 2239 u.Z. erreicht, wann wirklich die 6000 Jahre dann um wären!

Ja, was so ein Blick in eine andere Zeitung alles auslöst. Für die WTG in der Tat höchst gefährlich, da ihre Zeugen zu einem unliebsamen Nachdenken kommen könnten!

-D.P.-

UNTER DER WTG NACH WIE VOR ENTMÜNDIGT

1942, als das für den 2. Weltkrieg gepredigte WTG-Harmagedon zusammenbrach, hieß es in der WTG-Zeitschrift "Trost" (jetzt Erwachet!) vom 15. August 1942: "Fragenbeantwortung

Ist es angebracht, mit Gegnern der Wahrheit zu diskutieren?

Antwort; Jehovas Zeugen sind soweit gekommen, wohl zu verstehen, daß sie das Wort Gottes studieren und seinem Gesetze durchaus gehorsam sein müssen, wenn sie von Gott geleitet und beschützt werden möchten. Sie dürfen sich nicht damit aufhalten, mit Gegnern über deren Ansichten zu diskutieren. Sie brauchen nicht die Einwände aller Widersacher anhören; sie müssen sich einzig und allein auf den Herrn verlassen; und im Bewußtsein, daß sein Wort wahr ist, gehen sie vorwärts ... Christus unterweist sein Volk vom Tempel aus ..." (Seite 10)

Mit dem. "Tempel" war die "Tempelklasse" gemeint, d. h. die "Sklavenklasse" von heute, konkret die WTG-Führung. Der Herr war da 1914 "zum Tempel gekommen".

Im WT vom 15, März 1986 unter dem Thema "Gebt dem Teufel nicht Raum!" wird im Zusammenhang mit dem Vorwurf falscher Prophetie wegen falscher WTG-Endzeittermine neuerdings wieder gesagt:

"Sei daher in deinem Herzen fest entschlossen, niemals mit dem Gift in Berührung zu kommen, das Abtrünnige dir anbieten wollen. Halte dich an das weise, aber auch nachdrückliche Gebot Jehovas, diejenigen ganz und gar zu meiden, die dich betrügen und irreführen und auf die Wege des Todes lenken wollen ... Wir werden 'dem Teufel nicht Raum geben' und nicht den Wunsch haben, uns anderswo umzusehen ..." (Seite 15ff)

Die WTG befindet sich jetzt ohne Zweifel mitten im letzten Jahrzehnt ihres 1914-Endzeitkartenhauses, wenn man Psalm 90:10 zugrundelegt, wonach dafür höchstens 70-80 Jahre möglich wären. Der Countdown auf 1994 läuft!

-D.P.-

SITTLICHE REINHEIT

Die Schönheit der Jugend

Warum wird nur immer wieder alles, was nicht zur Organisation der Zeugen Jehovas gehört, als die Verkörperung alles Bösen und Verwerflichen dargestellt? Die ständigen, unzulässigen Verallgemeinerungen gefallen mir einfach nicht.

Daß heutzutage ein gewisser sittlicher Verfall, in einigen Dingen Zügellosigkeit und der Verlust ethisch-moralischer Werte eingetreten ist, kann und will ich nicht bestreiten.

Aber sind denn alle Nichtzeugen Hurer und Ehebrecher? Ich kenne viele junge Leute, die wiederholt eine Disco besucht haben und dort nicht verführt oder vergewaltigt wurden bzw. als Drogensüchtige oder Alkoholiker nach Hause kamen. Sollte der Glaube an Jehova uns nicht die nötige Kraft geben, Versuchungen zu widerstehen?

Versteht mich bitte richtig, ich bin kein Befürworter eines ausschweifenden, unsittlichen Lebens, aber die hier verlangte totale Abstinenz scheint mir auch nicht ganz richtig.

Für unwahrscheinlich halte ich auch die Beispiele, wie Menschen nur durch das Lesen einiger Wachttürme oder Erwachet von den unterschiedlichsten und schlimmsten Verfehlungen geheilt werden. Auf jeden Fall können das nur Ausnahmen sein. Es wird beklagt, daß von einigen die Anweisungen der Organisation Jehovas rundweg abgelehnt werden. Heißt es nicht, daß man nur Ratgeber sein will und jeder vor seinem Gewissen und damit vor Jehova verantwortlich ist? in der Praxis ist das Wort "Anweisungen" aber wohl doch zutreffender.

-G.R.-

TRENNEN UND BINDEN

Wenn Kinder Erwachsene geworden sind "... und wird Vater und Mutter verlassen." Bindung verlangt zuallererst Trennung. Der Anfang einer Ehe ist verbunden mit dem Scheiden vom Elternhaus. Kluge Eltern wissen das, und sie respektieren es, auch wenn es ihnen oft nicht leichtfällt. Vater und Mutter müssen in uns zurücktreten, damit wir unser eigenes Leben leben können, sonst sind wir auch in unserer Ehe Wunscherfüller und Nachahmer der Eltern. Das ist aber nicht unsere Lebensaufgabe.

Loslösen, was im verlauf zweier Jahrzehnte zusammengewachsen ist, das geht nicht ohne Schmerzen ab, das geht nicht von heute auf morgen, das bedarf vieler kleiner Schritte, das braucht Verständnis von beiden Seiten. Wer seinen Eltern gegenüber dauernd am Poltern ist, sie unentwegt verletzen muß, hat sich noch längst nicht von ihnen gelöst. Lösen heißt ja nicht, die Liebe zu ihnen zerschneiden.

... Vater und Mutter verlassen. Woran erkenne ich, daß mir das gelungen ist, daß ich erwachsen geworden bin und die Eltern nicht mehr als Kind, sondern als Erwachsener betrachte?

Ein erster Merkmal ist die Fähigkeit, sie auch kritisch zu sehen. Wer die Unvollkommenheit der eigenen Eltern erkennt und diese Erkenntnis vor anderen Menschen zugeben kann, ist erwachsener geworden. Er weiß dabei auch etwas von der eigenen Unvollkommenheit, von der Unvollkommenheit der Menschen überhaupt. Die Fehler und Schwierigkeiten anderer zu sehen heißt nicht, andere zu verdammen.

Ein anderes Merkmal dafür, daß ich mich von zu Hause in guter Weise gelöst habe, ist, daß ich zu meinem Partner stehe; was nicht bedeutet, daß ich all sein Tun und Handeln blindlings hinnehme und für gut befinde.

Wie aber verhalte ich mich, wenn er von meinem Vater, von meiner Mutter kritisiert wird? Denke ich die Gedanken meiner Eltern nach, oder habe ich meine eigenen Gedanken? Lasse ich zu, daß meine Eltern in Abwesenheit meines Partners und ohne offene Aussprache Kritik üben? Glaube ich vielleicht, aus Dankbarkeit keine Eigenständigkeit entwickeln zu können? Faden um Faden gilt es zum Elternhaus zu lösen, um mich Faden um Faden an den Partner zu binden. Dazwischen aber sollte zeit sein, zu entdecken, wer ich bin und was ich kann. Wer Angst vor dem Alleinsein hat und sich deshalb sofort an einen Partner bindet, macht sich wieder zu Kind, stellt unbewußt die alte Beziehung wieder her, die Mutter-Kind-Beziehung. Eine Ehe ist aber keine Mutter-Kind-Beziehung. Sie ist nicht vergleichbar mit der Geborgenheit im Mutterleib. Sie ist keine symbiotische, nur einfach zusammenführende, sondern eine spannende Gemeinschaft. Hier leben zwei ganz unterschiedliche Menschen ein gemeinsames Leben, zwei unterschiedliche, erwachsene Menschen.

-Hartmut Wahl-

(Aus Wort und Werk Nr. 6/89.)

WENN DIE EHEFRAU ZU DEN ZEUGEN JEHOVAS GEHÖRT

HÖRIGE EINES NUR STRENGEN GOTTES

Ein Betroffener schildert die Belastungen, die der Übertritt der Ehefrau bewirkt hat:

Wäre ich gemeinsam mit meiner Ehefrau zu den Zeugen Jehovas gegangen, das Leben wäre jetzt leichter, mit weniger Konflikten beladen. Aber ich kann, auch wenn ich kein eifriger Kirchgänger bin, den Weg nicht nachvollziehen. - Ich müßte schon mein Selbst verleugnen, mich vom bisherigen Leben distanzieren, die christliche Tradition abschütteln, ich will aber meine Glaubensbindung nicht aufgeben, ich kann mich mit den Kindern nicht bedingungslos der theokratischen Ordnung der Zeugen Jehovas unterwerfen.

So sprudelte es aus mir heraus. Der Psychotherapeut, dem ich mich in meiner Not anvertraute, spürte sofort den großen inneren Druck, an dem ich zu zerbrechen drohte. Aber wie kann er mir helfen, einer Sekte entgegenzuwirken, deren Mitglieder sich einer autoritären Leitung unterwerfen müssen, die ausschließlich die Bibel als Quelle der Wahrheit anerkennt und keine andere Meinung gelten läßt.

IM BANNE EINES HÖHEREN AUFTRAGS

Gespräche mit meiner Frau erwiesen sich sehr bald als müßig und sinnlos. Sie hatte nur einstudierte und mit biblischen Zitaten gespickte Antworten parat, sie war absolut nicht gewillt, mit dem Psychotherapeuten und mir nach einem Ausweg aus der Krise zu suchen, in die die Familie geraten war, nachdem sie sich den zeugen Jehovas zugewandt hatte.

Den 118000 Zeugen Jehovas in der Bundesrepublik Deutschland garantiert das Grundgesetz - wie jeder anderen Glaubenssekte - eine freie Ausübung des Glaubens.

Doch sie vertreten nicht nur kompromißlos ihre Anschauung, sondern versuchen auch, ihren Glauben in aggressiver Weise anderen aufzuzwingen. Das sei ihr göttlicher Auftrag, ihm müssen sie folgen, wenn sie nicht selbst schuldig werden wollen, so sagen sie.

Wer auch nur einmal ein gewisses Interesse bekundet, kann sich ihrem Einfluß so schnell nicht entziehen.

Alle Versuche, meine Frau vor unbedachten Schritten abzuhalten, waren vergebens. Die fanatische Entschlossenheit ließ keinen Kompromiß und damit kein ehrliches Gespräch zu. Die Berichte ehemaliger Zeugen wurden als maßlos übertrieben oder falsch hingestellt. Gelesen hatte sie die Bücher allerdings nicht, stundenlang wurde diskutiert, mit Freunden und Verwandten, mit Theologen und Lehrern. Doch meine Frau hörte nicht hin, schlug alle Argumente in den Wind, glänzte durch Wiederholungen und Bibelzitate, die aus dem Zusammenhang gerissen nur wenig zur Aufhellung beitrugen. Wohlgemeinte Ratschläge fanden taube Ohren. - Verwandte und Freunde, Bekannte und Nachbarn wandten sich langsam ab. Die permanenten Belehrungen wollte niemand mehr hören. Aber meine Frau war keineswegs bereit, den Wunsch ihrer Mitmenschen zu respektieren. Und für einen nachbarschaftlichen "Small-Talk" war sie sich selbst zu schade .

"Nur wer zu uns gehört und an Jehova glaubt, hat die Chance, Harmagedon zu überstehen und im ewigen Paradies zu leben. Diese Botschaft müssen wir bekannt machen, ob der einzelne sie annimmt oder nicht, ist seine Sache. Wir aber haben unsere Pflicht getan, Jehovas Gebot erfüllt." In ihrem religiösen Übereifer merkte sie nicht - wie übrigens alle Zeugen Jehovas - daß sie selber hörig wurde, und daß die Leitende Körperschaft in Brooklyn/USA, die weltweite Glaubensgemeinschaft für kommerzielle Zwecke, Vertrieb religiöser Schriften in Millionenauflage, sie mißbraucht.

Die regelmäßigen Besuche beim Psychiater waren für mich hilfreich. Er war der einzige, mit dem ich - ohne Mitleid hervorzurufen - noch reden konnte. Er half mir über viele .Schwierigkeiten hinweg, gab Hilfe zur Selbsthilfe und bewahrte mich vor dem Verlust des Selbstbewußtseins.

Beim Psychotherapeuten lernte ich auch, nicht auf jede religiöse Bemerkung meiner Frau zu reagieren, mich nicht provozieren zu lassen, Ihr keine Möglichkeiten für endlose, zermürbende Debatten über den Namen Gottes, über die "wahre" Bibel, über Evolution, Bluttransfusion, Kindererziehung aus biblischer Sicht und so weiter zu geben.

Betroffen mußte ich nach Monaten eingestehen, daß Gespräche über biblische Themen mit meiner Frau müßig, aufreibend und sinnlos waren. Die Antwort auf die ewig gestellte Frage "Warum mußte sich meine Frau gerade den Zeugen Jehovas anschließen, konnte sie sich nicht auch in der evangelischen oder katholischen Kirche engagieren?" blieb ergebnislos und konnte die familiären Probleme nicht lösen. Schließlich war ich bereit, den neuen Glauben meiner Frau zu respektieren, auch wenn es mir schwerfiel. Die emotionalen Bindungen hatten sich inzwischen sehr gelockert. Die Chance, noch einmal zusammenzufinden, war praktisch gleich null, zu groß waren die religiösen Gegensätze.

Meine Frau sollte, so war vereinbart worden, die Familie mit ihrem Glauben nicht länger behelligen, sondern in Frieden lassen. Doch die Absprache war von vornherein einseitig. Obwohl sie ihr zugestimmt hatte, war meine Frau von Anfang an nicht bereit, sich auch daran zu halten. Immer wieder versuchte sie, die Kinder zu beeinflussen. Bei ihnen tauchten Bücher und Kassetten der Wachtturm-Gesellschaft auf. War ich beruflich unterwegs, wurden mit den Kindern die Schriften der Sekte studiert, wurde die Bibel gelesen. Diese religiösen Unterweisungen waren ihr wichtiger als die Schularbeiten der Kinder. Mit diesen Heimlichkeiten - der Vater durfte von dem ganzen natürlich nichts erfahren - wurde Mißtrauen gesät.

So stehe ich, obwohl ich mit den Zeugen Jehovas nichts zu tun haben will, dennoch im Wirkungsbereich einer theokratischen Ordnung. Sie greift tief in mein Leben ein. Ich widersetze mich zwar den massiven Bemühungen meiner Frau, mich zu überzeugen. Doch meine Abwehrreaktionen bestimmen tage- und wochenlang das Denken und Handeln. Das berufliche Engagement , läßt nach, zeitweilig fühle ich mich wie eine Fliege im Netz einer Spinne, die mit letzter Kraft versucht, der tödlichen Umklammerung zu entkommen. DER ELTERNSTREIT VERSTÖRT DIE KINDER Schützend stelle ich mich immer wieder vor die Kinder, 9 und 13 Jahre alt. Ich kann sie nicht im Stich lassen und dem Einfluß der Zeugen Jehovas überantworten. Sie können ihren Lebensweg noch nicht selbst bestimmen, sie sind verstört, weil ihnen die Streitereien der Eltern um den richtigen Glauben nicht verborgen bleiben.

Oft stoßen die Ansichten der Mutter auf ihre Ablehnung, sie begreifen nicht, warum sich ihre Mutter so ganz anders verhält als andere Mütter; warum sie an allem etwas auszusetzen hat und nur das schlechte in der Welt sieht. Daß sie sich über nichts freuen kann, geht ihnen schon lange auf den "Keks". Die Kinder verstehen auch nicht, warum die Mutter weder Geburtstage, noch Ostern und Weihnachten feiert. Hat sie vergessen, was diese Festtage für Kinder bedeuten?

Statt mütterlicher Liebe, Geduld und Nachsicht erteilt meine Frau ihnen nur Belehrungen und Anweisungen, ihre Erziehungsprinzipien basieren auf göttlicher Autorität und Zucht. Die Härte weckt bei den Kindern Widerspruch und Aggressionen, führt zu Unverträglichkeiten. Die Kinder werden frech, ungezogen und ungehorsam. Die mütterlichen Reaktionen lauten nicht selten: "Der Satan herrscht in dir!" "Scher dich zum Teufel"

Die Lehrer im Unterricht merken, daß die Kinder im Unterricht nicht immer, bei der Sache sind, sondern oft dösen und träumen. Die schulischen Leistungen lassen nach, der Ansporn zum Lernen fehlt. Die Hausaufgaben werden höchst widerwillig gemacht. Meine Frau lehnt es ab, ihnen bei den Schularbeiten zu helfen, obwohl Hilfe dringend erforderlich wäre, was die Kinder in der Schule lernen, so sagt sie, entspricht oft nicht dem Glauben der Zeugen Jehovas. Der Mensch ist z. B. nicht 30 000 bis 40 000 Jahre alt, wie es dem Geschichtsbuch zu entnehmen ist, sondern exakt 6000 Jahre. So steht es in der Bibel und das muß richtig sein.

Das bringt die Kinder in Konflikte. Wer hat nun RECHT?

Die Bibel oder die naturwissenschaftliche Forschung? Meine Frau versucht, den Unterricht in ihrem Sinne zu steuern, drückt den Lehrern entsprechende Wachtturm-Lektüre in die Hand. Aber ihr Vorhaben mißlingt, so versucht sie, die Kinder entsprechend zu beeinflussen. Mit dem Buch, das der Älteste für ein Deutschreferat ausgewählt, hat, ist sie nicht einverstanden. Es hätte kein Kinderkrimi sein müssen, heißt es wenige Tage vor dem Abgabetermin. Sie weigert sich, weihnachtliche Gedichte anzuhören. Schularbeiten sind offensichtlich nebensächlich. Immer wieder lenkt sie die Kinder ab, läßt sie nicht in Ruhe arbeiten, sie nimmt ihnen den letzten Mut zum Lernen, jeden Ansporn, wenn es nach meiner Frau ginge, gäbe es kaum Freizeit, kein Fernsehen, kein Kartenspielen mit dem Vater, keine kleinen Vergnügen. Statt dessen hätten die Kinder der Mutter zu helfen und Bücher der Wachtturm-Gesellschaft zu lesen und die Bibel zu studieren.

Die Verpflichtungen, die den Zeugen Jehovas auferlegt sind, belasten das Familienleben., insgesamt 10 Stunden wöchentlich für den öffentlichen Vortrag, das Wachtturm-Studium, die Predigtdienstschule und das Heimbibel-Studium muß meine Frau ansetzen .

Hinzu kommen die häusliche Pflichtlektüre und der Predigtdienst. Insgesamt sind das um die 40 Stunden wöchentlich. Das bedeutet weniger Zeit für die Familie. Die Hausarbeit wird oft in die Abendstunden verlegt, so daß die Kinder auch dann noch nicht einmal zur Ruhe kommen. Wie kann es weitergehen?

Eine Familientherapie lehnt meine Frau ab. Sie sei, wenn überhaupt, nur auf der Grundlage der Bibel möglich, im Grunde bleibt nur die Trennung. Aber was wird dann aus den Kindern? Und ist die Scheidung überhaupt finanziell zu verkraften? Den familiären Belastungen, die entstehen, wenn ein Partner zu den Zeugen Jehovas übertritt, .ist keine Ehe gewachsen, auch meine nicht.

"Christ und Welt" v. 17.2.89

-Klaus Arendt-

"Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner

DDR 6500 Gera, Straße der Republik 46; Tel.: 51109; Einzelpreis: 1.- M; Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe Gera

V 7 l 1022/90 N2

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