Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 246

In einem in dieser Ausgabe der CV abgedruckten Brief des Raymond Franz, findet man auch die Sätze:"Einige gewesene Zeugen lassen sich von der Überzeugung leiten, sie müßten irgendwohin gehören, um das Gefühl einer Persönlichkeit zu haben. ... Es kommt mir zu Ohren, daß verschiedene versuchen zu zeigen, daß eine Nichtzugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft gleichbedeutend ist, sich außerhalb des Leibes Christi zu stellen. Das ist, meines Erachtens auch gleichbedeutend, sich der Gründe zu bedienen, welche auch die Wachtturmgesellschaft einimpft ..."
Hört, hört - den "Rufer in der Wüste" wäre mein Kommentar dazu, und die gleichzeitige Frage: "Hört ihn denn einer???"


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR

Nr. 246 GERA JANUAR 1990

"GOTTERGEBENHEIT"
WTG-Kongresse 1989
EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN
Wir prüfen die WT 11-13/1989
"SEKTEN"
Bericht von Prof. Molinski
R. FRANZ AN EDWARD NEUBERG
Brief an einen polnischen Bruder
...VON DER WTG TRENNEN
Ein Leserbrief aus Wrist/Holstein
EIN MENSCHLICHES PROBLEM
ZJ suchen Ehepartner

30 JAHRE CV-ARBEIT
Die bisherige und künftige Tätigkeit
Solange die WTG-Herausforderung vor Gott und Menschen so besteht, wie bisher betrieben, wird in christlicher Verantwortung darauf weiter geantwortet werden müssen. Auf der CV-Beratung aus Anlaß der 30-jährigen Tätigkeit wurden dazu folgende Ausführungen gemacht, im Geiste des Wortes in Sprüche 24:11,12:
"Rette die, welche zum Tode geschleppt werden, und die zur Hinrichtung Wankenden, o befreie sie doch. Wolltest du sagen: Wir haben ja nichts davon gewußt, wird nicht er, der die Herzen wägt, es durchschauen und er, der deine Seele beobachtet, es wissen? Ja, er wird jedem nach seinem Tun vergelten."

DIE AUSFÜHRUNGEN:
Jeder Mensch ist normalerweise in Herz und Sinn gedrängt, in seinem Leben auch geistig tätig zu sein, denn Mensch sein heißt zugleich auch Mitmensch zu sein. Für einen Christenmenschen ist das im Gebot der Nächstenliebe formuliert. Was dann sehr unterschiedlich geschieht, den Gaben des Geistes entsprechend, die jedem gegeben sind, so gehen wir alle im Grunde von einem tiefen inneren Motiv in Herz und Sinn aus, was unsere Mission betrifft.

UNSERE BESONDERE MISSION
Gegeben ist uns nun verschieden von allen anderen Menschen und Christen, um die WTG zu wissen, und was von dort aus im Namen Gottes und Christi geschieht und betrieben wird. Wie von dorther - um im Bilde von Sprüche 24:11,12 zu bleiben - Menschen "zu Tode geschleppt werden", Generation um Generation, im Namen Gottes und Christi. Nichts veranschaulicht dieses Treiben drastischer als die Neuauflage ihrer Millionenversprechungen aus dem Jahre 1920 mit "Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben". (Erwachet 22. Mai 1989) Nachdem die Millionen von 1920 tot sind ! Da uns - wie auch immer - gegeben ist, um diese Dinge zu wissen, und wir folglich da eine geistige Stärke haben, betroffenen Mitmenschen zu helfen, Nächstenliebe zu üben, ist dies die Gabe, die unsere Mission bestimmt, vor Gott und Menschen. Und die betroffenen Mitmenschen haben ein Recht, von uns zu erwarten und auch zu fordern, ihnen zu helfen, denn wir haben davon gewußt, wie sie zum Tode geschleppt werden, millionenfach, arglos. "Wer nun weiß, daß er Gutes tun soll, und es doch nicht tut, dem ist es Sünde." (Jakobus 4:17)
Jeder von uns kann sicher dieses Schriftwort unterschreiben. Dies zu unseren christlichen Beweggründen.

WIE BLICKEN WIR NACH VORN?
Unser Blick sollte sich an diesem Tage natürlich nach vorn richten, auf das, was ansteht. Die Herausforderung, vor der wir stehen, dürfte größer sein als je zuvor. Es gibt nichts, was die WTG nicht anpackt, um auch die nächste Generation "zum Tode zu schleppen", bis auch sie wieder "vergangen" ist. Natürlich muß man sich da auf das Wesentliche konzentrieren. Aber das haben wir inzwischen gelernt.
Die Herausforderungen der WTG sind so bunt und farbig, wie knallhart und direkt. Eine perfekte Demagogie, denn nichts von allem, was sie anspricht, will sie ja von den angesprochenen Menschen gelöst sehen, im Gegenteil. Unsere künftige Tätigkeit muß also offensichtlich von dem bestimmt werden, was die WTG da aufwirft. Einerseits natürlich nur. Wir müssen uns aber auch konstruktive im Glauben aufbauende Gedanken machen für die Betroffenen.

Wir sehen, wo die WTG die Mitmenschen anpackt: Bei all ihren Problemen! Darum müssen wir fragen;
Können wir unsere Mission erfüllen, die Betroffenen zu erreichen, wenn wir auf diese Probleme nicht eingehen? Einiges konkret;
Können wir der Frage der Lösung der Probleme der Menschheit ausweichen? Was irdisch zu tun ist für Christen? Wie weit für soziale Gerechtigkeit mitzusorgen ist?
Können wir die gewaltige kirchenfeindliche WTG-Kampagne mit "Hure Babylon" ignorieren? Wie behandeln wir das?
Können wir zur Vernichtung aller anderen Menschen um ihres anderen Glaubens willen schweigen?
Können wir übergehen, wenn die WTG anleitet, nichts zu tun, um die Verhältnisse zu verbessern?
Können wir zu den WTG-Feindbildern von Kirchen, Gesellschaft, Staaten und Regierungen schweigen?
Können wir übergehen, wenn die WTG allen menschlichen Kampf gegen Krieg und für Frieden verteufelt?
Muß dies alles nicht auch Inhalt des Niederreißens der WTG-Demagogie, des Weggeleites sein?
Es muß eine praktische Wegweisung im Glauben gegeben werden. Etwas, das zu dieser WTG-Demagogie eine echte Alternative darstellt, im täglichen Leben anzuwenden. Denn Christsein heißt christlich leben. Da wir mit unseren Aufgaben wachsen, werden wir auch für die anstehenden WTG-Herausforderungen die Antworten finden.

CV VON AUSSEN GESEHEN
Daß wir bisher den Finger in den wunden Stellen der WTG hatten, konnten wir aus ihren Reaktionen ablesen, wo es heißt:
"... sei daher in deinem Herzen fest entschlossen, niemals mit dem Gift in Berührung zu kommen, das Abtrünnige dir anbieten wollen. Halte dich an das weise, aber auch nachdrückliche Gebot Jehovas, diejenigen ganz und gar zu meiden, die dich betrügen und irreführen und auf die Wege des Todes lenken wollen. Wenn wir Jehova, unseren Gott, mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele und unserem ganzen Sinn lieben und unseren Nächsten wie uns selbst, wird kein Raum freibleiben, in den Gedanken der Abtrünnigkeit eindringen können. Wir werden dem Teufel nicht Raum geben und nicht den Wunsch haben, uns anderswo umzusehen. Wir werden uns nicht durch eine trügerische Lehre schnell in unserem vernünftigen Denken erschüttern lassen". (WT 15.3.86, S.20)

CV Wege des Todes?
Ist es nicht die WTG, die jetzt wieder Millionen "in den Tod schleppt" wie 1920? Die WTG verfolgt sehr genau, was wir und kritisch über sie sagen, wer etwas von uns aufgreift. Wir sehen dies auch aus einem Antwortbrief des WTG-Zweigbüros in Selters an eine Anfragerin aus Düsseldorf, worin die WTG schreibt:
"... Auch Ihr Brief vom 13. Januar enthält Formulierungen, wie sie in der tendenziösen Literatur unserer Gegner üblich sind. Aus diesem Grund gehen wir kurz darauf ein" (EC 31. Januar 1986). Wie man CV aber auch andererseits einschätzt, läßt folgendes aus einem Bericht der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart erkennen:

"Die Monatsschrift der Studiengruppe, ebenfalls mit der Bezeichnung christliche Verantwortung (bekannt unter CV) steht jetzt im zwanzigsten Erscheinungsjahr. Sie wird auch in kirchlichen Kreisen als wichtigste Informationsquelle über die Zeugen Jehovas bezeichnet ..." (MD EZW 3/1989)
Wir sind also auch für die anderen Christen sehr hilfreich. Auch dies ist für uns eine Aufgabe. Sie können dies von uns, da wir wie kein anderer aus Erfahrung um die Dinge wissen, zu Recht erwarten. Es ist unser aller Gebet und Bitte, weiter die Kraft des Glaubens zu haben, das mögliche auch fortan zu tun, soweit wir um die Dinge wissen.

DIE WTG-KONGRESSE 1989 "GOTTERGEBENHEIT"
FÜR DIE WTG EIN RELATIVER ERFOLG
Nach der Auswirkung auf die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer waren die Kongresse ein großer Erfolg. Rein äußerlich hat es überall eine den jeweiligen Bedingungen angemessene gute und saubere Organisation und Verhaltensweisen gegeben. Was Kongresse betrifft, so darf man nicht verkennen, daß die WTG große Möglichkeiten hat, unter ihren ZJ eine große Opferbereitschaft zu entwickeln, vor allem im Angesicht der Öffentlichkeit, die überall ja auch beeindruckt werden soll. Man schläft auf Stroh in Massenquartieren und kommt 8 Stunden ohne Essen aus nur mit ein paar Schluck zu trinken, wenn es sein muß. Natürlich ist das in den reicheren Ländern etwas anders. Da gibt es schon oft übles Rangeln um die besten Hotelzimmer. Auch vom Inhalt her waren diese Kongresse für die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer ein Erfolg. Die Hauptthematik, religiöse und moralische Auferbauung und Festigung der Gemeinschaft im Blick auf Familie, Jugend, Ehe, Erziehung, Sittlichkeit und Treue, auch Treue zur WTG-Organisation. Unterschiedliche Ansichten gab es unter Teilnehmern, besonders über die 1989-Kampagne speziell gegen, die Katholische Kirche mit den "Huren"-WTs Nr. 7-10, 1989. Manche fühlten sich förmlich abgestoßen. Aber das war nur ein Randthema.

DER WIRKLICHE SINN DER KONGRESSE
Die Beantwortung dieser Frage ergibt sich ebenfalls aus dem gewählten religiösen Moralprogramm, Moral als Beweis von Gottergebenheit. Es genügt nicht, festzustellen, daß die WTG 1989 hauptsächlich ein Moralprogramm gewählt hat. Man muß fragen, warum sie das tat. Natürlich auch, um in der Öffentlichkeit an Ansehen zu gewinnen, und auch, um in den Verbotsländern wieder "zu Stuhle" zu kommen.
Natürlich konnte sie im Blick auf solche Länder kein besseres Thema wählen als ordentlicher Lebenswandel, Sittlichkeit, Erziehung, Familie usw. Wer wollte widersprechen, daß so etwas in allen Ländern nötig ist, vorneweg in den USA selbst. Für Länder, wo die WTG wieder "zu Stuhle" kommen will, konnte sie in der Tat keinen besseren "Einstieg" versuchen.

Objektiv, von der Absicht der WTG her, ist das alles jedoch ein riesiges Täuschungsmanöver gewesen, auf das man hereinfallen soll, um etwas anderes jetzt zu verdrängen und zu übersehen. Denn die WTG ist doch vor über 100 Jahren nicht angetreten zur Hebung von Sittlichkeit und Moral der Öffentlichkeit, der Menschheit! Nebenbei, Sittlichkeit und Moral lehren auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften in hervorragender Weise Aber der Hintersinn dieser WTG-Kongreßthematik 1989 ist ein ganz anderer. Der WTG steht nämlich jetzt etwas ganz anderes ins Haus. Ein erneuter Zusammenbruch ihres eigentlichen Daseinszweckes, den sie auf ihre Fahne geschrieben hat, mit dem sie ihr Werk zusammenhält und Generation um Generation vorwärtsbewegt! - Der WTG steht in diesem Jahrzehnt, in dessen Mitte wir uns befinden, ein Kollaps ihrer gesamten bisher tragenden und zusammenhaltenden Endzeitweltanschauung ins Haus! Davon muß abgelenkt werden! Über diese Krise will sie hinweg! Und darum dieses "begeisternde" Kongreßthema 1989!

Auch die jetzt aktivierte Kirchenfeindschaft dient der Ablenkung von der inneren Krise. Man will die nun offenbar werdende Katastrophe der bisherigen Endzeitweltanschauung aus den Köpfen verdrängen. Mit den einzelnen Kongreßthemen für die Angereisten soll von dieser existentiellen Krise abgelenkt werden. Das darf man nicht aus dem Auge verlieren. Der Sinn der weltweiten Tätigkeit ist doch keineswegs, die Welt moralisch zu verbessern. Diese moralische WTG-Offensive ist allenfalls Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist die Endzeitverkündigung, die nun ins wanken gerät, und das ZJ-Aussteigertum.

DIE KRISE, VON DER ABGELENKT WIRD
Wir sagten, 1914 ist die WTG am Ende ihrer 1914-Endzeit. Um dies nicht verdrängen zu lassen, muß das jetzt wieder und wieder vor Augen geführt werden. Es sind nur wenige Jahre noch, bis auch diese WTG-Lehre auf dem Müllhaufen liegt und eine weitere Generation getäuscht ins Grab sinkt.

Hier ist die letzte WTG-Einlassung dazu:
"Wie lange werden diese 'letzten Tage; dauern? ... Die Generation von 1914, das heißt die jetzt 'mmer kleiner werdende Zahl derer, die den Beginn dieser Bedrängnisse erlebten, wird noch am Leben sein, wenn Gottes Krieg von Harmagedon ausbricht. Die Dauer der 'letzten Tage' ist somit auf die eine Generation beschränkt, die im Jahre 1914 schon am Leben war. Diese Generation von Augenzeugen ist nun bereits im fortgeschrittenen Alter in den 70er oder 80er Jahren. Demnach muß der Ausbruch das Krieges von Harmagedon gefährlich nahe sein." -
(WTG-Broschüre "Von Kurukshetra nach Harmagedon" Abs. 21, Seite 15, dt. 1987) Was heißt das?

Die WTG hat hier das Kunststück fertiggebracht, die Zeit einer Generation von bisher 30-40 Jahren unter Mißbrauch von Psalm 90:10 auf die doppelte Länge 70-80 Jahre auszudehnen. Aber in Psalm 90:10 ist nicht von einer Generation die Rede, wenn dort von 70-80 Jahren gesprochen wird, sondern von der Lebensdauer eines Menschen. So hat man Psalm 90:10 sozusagen als den jetzt "letzten Strohhalm" ergriffen, um die Arglosen noch ein bißchen weiter hinzuhalten und zu beruhigen. So werden sie dann als wirklich nur noch "kleine Zahl" kurzfristig "vergehen", ohne vorher noch gegen ihre Täuschung aufzustehen. Mag es dann in ihren Köpfen und Herzen zusammenbrechen, was sie seit 1914 geglaubt haben. Es hat keine Auswirkung mehr. Die WTG kann das verkraften, kann dann über sie hinweggehen wie über die Generationen vor ihnen. Die jüngeren Verkündigermassen sind fasziniert von dem "moralischen Halt", der ihnen jetzt in den Vordergrund gerückt wird, den sie anbieten sollen, der ihnen natürlich auch selbst, in der Familie etwa, helfen und nützlich sein kann. Doch die Schrift warnt: "Mancher Weg erscheint einem Menschen gerade (oder der rechte), aber das Ende davon sind Wege des Todes" (Sprüche 14:12). Der 1914-Endzeit-weg der WTG ist ein solcher Weg in den Tod für alle, die ihn gegangen sind und noch gehen! sie müssen alle enttäuscht und getäuscht im Tode vergehen. Diese furchtbare Glaubenskatastrophe soll jetzt in moralischer Euphorie überspielt werden. Das ist zweifellos der eigentliche und tiefere Sinn, auch der WTG-Kongresse 1989.
-D.P.-

DER WACHTTURM
EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN
APG 17:11
Warum
einen Gott
der Liebe
Fürchten?
Wachtturm Nr. 11/1989

WARUM GOTT, NICHT ABER MENSCHEN FÜRCHTEN?
Hier wird eine Frage angesprochen, die sich für einen Christen eigentlich von selbst beantwortet, so wird denn auch nichts Neues berichtet, nur Allbekanntes. Drei Punkte möchte ich dennoch herausgreifen. Vielleicht, daß sie den einen oder anderen doch bewegen, die WTG-Literatur nicht nur zu lesen, sondern auch darüber nachzusinnen, was der sogenannte "treue und verständige Sklave" ihm da als "geistige speise vom Tisch des Herrn" (?) vorsetzt, ja zumutet.

Da ist einmal der zumindest leichtfertige
Umgang mit der Bibel.
Der Wachtturm schreibt (Seite 5):
"Auch Jona geriet in die Schlinge der Menschenfurcht." Doch lassen wir die Bibel selbst sprechen:
"Und das Wort Jehovas begann an Jona...: "Mache dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und ruf wider sie aus, daß ihre Schlechtigkeit vor mich heraufgekommen ist." Und Jona machte sich dann auf und enteilte nach Tarschisch, vom Angesicht Jehovas hinweg; ..." (Jona 1,1-3, NW) Von Menschenfurcht ist hier nicht die Rede! Eher müßte man wohl von Ungehorsam, dem göttlichen Auftrag gegenüber, reden. Über die Ursachen dieses Ungehorsams könnte man spekulieren, doch steht eines fest: Die Niniviten mögen durchaus ein grausames und gewalttätiges Volk gewesen sein, in den Tagen Jonas waren sie es mit Sicherheit nicht, das beweist ihre Reaktion auf Jonas dann doch noch gehaltene Bußpredigt. (Jona Kap. 3)

Etwas anders liegen die Dinge auf Seite 6, Unter der Überschrift "Wen fürchtest du" wird von jungen Leuten berichtet, die sich in der Schule am Unrechttun beteiligen und sogar vor Drogen nicht zurückschrecken. Nicht weil sie Freude daran hätten, sondern aus Furcht vor der Reaktion der Klassenmehrheit, wenn sie sich anders verhielten. Aber auch von Erwachsenen wird berichtet, daß sie sich unter Druck gesetzt fühlen könnten und aus Furcht, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sich dazu verleiten lassen falsche Angaben auf einer Rechnung oder einem Steuerformular zu machen. Der Wachtturm zeigt den Ausweg aus diesem scheinbaren Dilemma: Eine gesunde Gottesfurcht, Liebe zu Gott und Achtung vor seinen Geboten wird sie davor bewahren, sich von Menschenfurcht lahmen zu lassen und Dinge zu tun, die Gottes Wort verbietet. Weiter heißt es dann wörtlich: "Außerdem sollte er aufgrund "seines Glaubens an Gott sicher sein, daß dieser ihm ungeachtet des Ausgangs helfen wird, wenn er in Übereinstimmung mit seinem biblisch geschulten Gewissen handelt."

Ein sehr guter Rat, finde ich, und ich kann ihn guten Gewissens noch unterstreichen, ist er doch biblisch fest begründet. Und doch kam ich ins grübeln; ist die WTG für die Zeugen Jehovas nicht auch .so etwas wie ein Arbeitgeber? verlangt sie von denen, die ihr vertrauen, nicht auch oft genug Dinge zu tun, die Gottes Wort verbietet? zum Beispiel lügen - als theokratische Kriegslist bemäntelt -, wenn es nur der WTG nützt: Geldschmuggel; Verdrehung und gezielte Falschanwendung biblischer Aussagen (2. Joh. 9-11; Joh. 17,3) usw. ... Kannst du, der du heute noch ein zeuge Jehovas bist, nicht verstehen, daß so viele deiner ehemaligen Brüder aufgrund eines bedrängten Gewissens diesem "Arbeitgeber" gekündigt haben, um nun als freie Mitarbeiter unserem Herrn Jesus zu dienen? Nun zum Punkt drei auf Seite 7. Hier wird u.a. von furchtlosen Christen berichtet, die es im letzten Weltkrieg vorzogen, lieber in den Konzentrationslagern zu leiden und zu sterben als Dinge zu tun, die Gott mißfielen. Wörtlich liest man dann weiter: "Welch eine machtvolle Kraft die Gottesfurcht doch ist ."

Diese Kraft der Gottesfurcht hatte die Leitende Körperschaft, mit N. H. Knorr an der Spitze, offensichtlich nicht, als in den Jahren 1940/43 die Schließung des Zweigbüros in der Schweiz drohte. Statt glaubensvoll auf Gottes Führung zu vertrauen, nahmen sie es selbst in die Hand, ihr leckgeschlagenes Schiff zu retten. Während in Nazi-Deutschland Hunderte ZJ ihre Wehrdienstverweigerung mit dem Leben bezahlten, wurden nun die Schweizer Brüder angehalten, ihren Dienst in der Schweizer Armee - ZUM NUTZEN DER WACHTTURM-GESELLSCHAFT - zu verrichten!
("Trost", Bern, 1. Oktober 1943)
-R.I.H.

WERDEN WIR SIE JEMALS WIEDERSEHEN?
Wachtturm Nr. 12/1989
Eine christliche Zeitschrift sollte ein hohes sittliches und geistiges Niveau haben, das erwartet man mit Recht von ihr, aber vor mir liegt ein Wachtturm der WTG und befriedigt mich keinesfalls. Nichts gegen das Vermitteln einer Auferstehungshoffnung auf biblischer Grundlage und gegen das Anspornen zu ordentlichem Benehmen, wenn man ein Zeuge Jehovas sein will, aber wenn ich da auf Seite 15 lese, daß mehr als 1000 Zeugen Jehovas am 19.9.1988 zum Rathaus in Manhattan kamen, um einen Bauantrag zu unterstützen - wie es so schön heißt, was aber in Wirklichkeit eine von der WTG organisierte Demonstration war - bekomme ich Zweifel an der Aufrichtigkeit der Wachtturmschreiber. Man kann nicht gleichzeitig von Demut und Demonstration schreiben und Anhänger der WTG dazu anhalten, wie es hier geschehen ist, und dann noch behaupten, nur Zeugen Jehovas sind die einzigen wahren Nachfolger Jesu Christi.

Wahrscheinlich haben einige in der Weltzentrale der Zeugen Jehovas in Brooklyn ihr eigenes Verständnis von den Worten des Apostel Paulus an die Philipper "betragt euch auf eine Weise, die der guten Botschaft würdig ist", denn sie meinen, es sei richtig, für den Bau von Häusern vor Behörden zu demonstrieren! Ich kann beim besten Willen nicht der gleichen Meinung sein, wenn ich gleichzeitig ein Evangeliumsverkündiger sein will. Denn was ist schon ein Königreichssaal, daß man für Genehmigungen zum Bau demonstrieren soll? Auf Seite 16 schreibt man aber in Abs. 5: "Der Königreichssaal ist unsere Anbetungsstätte. Wir halten uns dort auf Einladung Jehovas und seines Sohnes Jesus Christus auf."

Da frag ich mich bloß, wieso beurteilt die WTG die Anbetungsstätten der übrigen Christenheit so ganz anders als ihre eigenen! Mißt sie mit zweierlei Maß? Und Seite 24 liefert einen besonderen Beweis von Wachtturnverworrenheit, lesen wir da doch wörtlich: "... und so sagte einer von ihnen zu den Verantwortlichen; 'Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß Sie mit Jehova Probleme bekommen werden." Dies geschah nicht in Manhattan, sondern in Venezuela und, so unglaublich es auch klingen mag, es geschah ein Wunder, dieser Zauberspruch hatte gewirkt! In Manhattan hatte die Demonstration nicht gewirkt, die Genehmigung wurde nicht erteilt. Aber vielleicht lag es auch daran, daß man bei der Demonstration nicht auf Spruchbändern diesen Zauberspruch hochhielt. Vielleicht hätten sich die zuständigen Beamten im Rathaus einschüchtern lassen, denn wer möchte schon mit Jehova Probleme bekommen?
Also, man sieht, obwohl die WTG von der Welt schon vieles gelernt hat, könnte sie noch manches dazulernen. - Hoffentlich tut sie es aber nicht!
-J. M.-

Abrahams GLAUBE
Was nützt er dir?
Wachtturm Nr. 13/1989
ABRAHAMS GLAUBE, WAS NÜTZT ER DIR?

Es stimmt, Abraham ist eine große biblische Gestalt, und er spielt nicht nur im christlichen, sondern auch im islamischen und jüdischen Glauben eine Rolle. Allerdings sagt der WT dies nicht, um dem Frieden und dar Verständigung zwischen diesen Religionen zu dienen. Wenn dann auf S; 3 gesagt wird, "wenn Abraham ein wahrer Prophet war, können alle auf Segen hoffen" (l. Mose 12:3), dann ist schon eingangs die Täuschung perfekt. Predigt die WTG doch genau das Gegenteil von Segen für alle. "Das vollständige Ende der religionsfeindlichen Nationen" (S.24, Abs. 3). Was eine weitere Unwahrheit enthält. Nach Angaben des US-Gallup-lnstituts sind ca. 80% der Erdbevölkerung Angehörige einer Religion, also keineswegs religionsfeindlich ! So beginnt der WT schon mit Verleumdungen aller anderen Menschen! Allein deswegen müßte man diesen WT schon beiseitelegen. Aber sehen wir weiter:

Da wird doch auf S. 4 kritischen Theologen entgegengehalten: "Zur Beschämung der Theologen der Christenheit müssen sie sich jetzt von Atheisten sagen lassen, daß die Bibelkritik zu weit gegangen ist" und der WT zitiert dazu die "Große sowjetische Enzyklopädie"! solches "prosowjetische" WTG-Vorgehen gegen Kirchen und andere Relgionen mehrt sich in jüngster Zeit. Wer soll hier getauscht werden? Und wem soll das schmeicheln, wenn der WT (S.23 Abs. 2) sagt: "In Kürze wird Jehova Gott es den politischen Führern der Welt ins Herz geben, sie (die 'große Hure', die Religion) zu vernichten"?

Die UNO kann das aufgrund ihrer Menschenrechtssatzung, die die Religionsfreiheit beinhaltet, nicht tun. So spekuliert die WTG hier auf die "politischen Führer" der sozialistischen Länder als Atheisten und somit Religionsfeinde. Aber die gehören auch zu den UN und entwickeln entgegen den WTG-Spekulationen eins Bündnispolitik mit den Gläubigen ihrer Nationen.
Wer die "göttlichen Lichter", der WTG über den "Sturz der Hure" überblickt von Bd. 7 Schriftstudien 1917 über "Licht" von 1930, "Babylon die Große" von 1965 bis "Offenbarung" 1988, der faßt sich an den Kopf ob solcher politischen Bibeldeutungen! Und nun wird wieder in eine unbestimmte Zukunft verschoben:

"Bevor jedoch diese Segnungen Wirklichkeit werden, müssen noch bedeutende Ereignisse eintreten, wie in dem folgenden Artikel gezeigt wird" (S.23. Abs. 23). Damit ist, wie schon erwähnt, die Vernichtung der Religionen durch die besagten "politischen Führer" gemeint. Wozu ansonsten Abraham hier dienen soll unter Hinweis auf seinen Glaubensgehorsam ist offenkundig:
"einen ähnlichen Glauben", haben, um damit der WT-Organisation in Wort und Tat, mit Zeit und Geld zu dienen (s.19, Abs. 7), sich "am Predigen", unter der WTG heute beteiligen (S. 20, Abs. 9),
"als Fremdling" immer weiter Ausharren" (S.21, Abs. 14),
wie Abraham auch "schmerzhafte Auswirkungen" bejahen und ertragen (S.21, Abs. 15), ja selbst den Tod im WT-Dienst hinzunehmen (S.22, Abs. 19, Isaak-Opferung).

Der Gipfel dieser Ausgabe ist ohne Zweifel, den Millionenschwindel von 1920 einzuschieben, "Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben" (Broschüre 1920), indem das gleiche jetzt wieder gepredigt wird, "Millionen heute Lebender" würden usw.! (S.23, Überschrift)
Wenn wir eingangs immer sagen, "edler gesinnt sein und prüfen", so hat auch dieser WT wieder erwiesen; "Mit glatten Worten täuschen sie die Herzen der Arglosen"! (Römer 16:18)
-D.P.-

"WIE SOLLEN CHRISTEN SEKTENNANGEHÖRIGEN BEGEGNEN"
Was trifft auf die Zeugen Jehovas zu?
Erstaunlich groß ist die Zahl der Sekten. Ziele, Aussagen, Organisationsfragen und Erscheinungsbilder sind sehr verschieden. Seit einigen Jahren werden wir immer mit neuen religiösen Bewegungen konfrontiert, die man polemisierend gern als Jugendreligionen oder destruktive Kulte bezeichnet. So kommt es, daß man - wenn man einheitlich von Sekten redet - damit sehr unterschiedliche weltanschaulich und religiös organisierte Minderheiten meint, die sich aber im Interesse der Wahrung ihrer Identität deutlich von anderen Gruppierungen abgrenzen.

Der Eindruck, den ich aufgrund meiner subjektiven Erfahrungen und persönlichen Begegnungen sowie aus einer gewissen Kenntnis vorhandener Literatur gewinne, ist, daß Sekten bei uns hauptsächlich entstehen, weil es in den etablierten Kirchen Defizite hinsichtlich der religiös orientierten Lebenshilfe gibt. Diese betreffen vor allem Fragen des Umgangs mit bestimmten gesellschaftlichen und individuellen Entwicklungen. Offensichtlich werden - durch diese Defizite - Menschen in der Kirche mehr oder weniger heimatlos und suchen anderswo Antwort auf Fragen und .Probleme, unter denen sie leiden. Charismatische Sektenführer haben ein Gespür für solche Defizite, sie greifen Probleme auf, von denen bestimmte Minderheiten betroffen sind, und sie geben Antworten, die zunächst einleuchtend erscheinen. Doch bei kritischer Betrachtung stellt sich dann doch heraus, daß diese Antworten in beträchtlichem Ausmaße wirklichkeitsfremd sind. Denn die gesamte Wirklichkeit wird durch seine Brille gesehen, mit der die Sekte das von ihr angeschnittene Problem anzugehen versucht. Dadurch wird zwar auf das jeweils besonders angesprochene Problem ein grelles Licht geworfen, die Gesamtwirklichkeit aber wird verkürzt wahrgenommen, und im Zusammenhang damit wird auch das spezielle Anliegen oft verzerrt.

Jede Sekte ist für die Angehörigen zunächst eine Hilfe zur Bewältigung ihrer besonderen Lebensprobleme und eine Herausforderung zu persönlichem Engagement im Sinne der Sekte. Daher ist auch zu erklären, daß sich viele in der verschiedenen Weise religiös bewegte und gleichzeitig enttäuschte Menschen von bestimmten Sekten besonders angezogen fühlen. Bekanntlich finden sich darunter zahlreiche strebsame junge Leute, aber auch bereits beruflich und privat etablierte Menschen, deren Erwartungen sich nicht in der von ihnen erhofften Weise erfüllt haben. Der schnelle kulturelle Wandel und Umbruch bei uns hat zweifellos zu einer zum Teil tiefgreifenden Entwurzelung zahlreicher Menschen geführt. Dieses Vakuum nutzen die Sekten und bieten den Menschen neue Erklärungsmuster (Paradigmen) zur Erschliessung der Wirklichkeit an, und zwar solche, die einfacher und geschlossener sind als die komplexen und offenen Erklärungsmuster der Kirchen. Nicht selten erleben Sektenangehörige dabei, daß ihnen ihre Sekte besser hilft, echt religiöse Erfahrungen zu machen, sich selbst und unsere Wirklichkeit zu verstehen und damit richtig umzugehen. Diese harte Kritik schließt nicht aus, daß man meines Erachtens gegen wirkliche Mißbräuche der Religions- und Gewissensfreiheit bei den Sekten und in der Kirche so entschieden vorgehen soll, wie es dem Erhalt der Religions- und Gewissensfreiheit dient. Indem man gegen Mißbräuche vorgeht, muß man aber den gleichen Maßstab für alle anlegen, bei den Kirchen ebenso wie bei den Sekten. Dann wird man schnell sehen, daß gerade tief religiöse Menschen allen Anlaß zu mehr religiöser Toleranz haben.

Sind Sekten also ungefährlich?
Keineswegs. Religion ist immer höchst "gefährlich", weil sie die Menschen zu einem mit der bloßen Vernunft nicht einholbaren Verständnis der Wirklichkeit und zu einer entsprechenden Lebensgestaltung einlädt. Und verfälschte Religion ist immer destruktiv, weil sie zu einem vernunftwidrigen Verhalten veranlaßt. Dementsprechend ist eine Sekte um so gefährlicher, je wirklichkeitsfremder sie ist, vorausgesetzt, daß sie trotzdem auf bestimmte Menschen eine große Anziehungskraft ausübt. So üben anscheinend bestimmte Formen des Okkultismus auf einige Jugendliche, die sich dadurch ängstigen lassen, einen gefährlichen Einfluß aus.

Für die Kirche sind solche Sekten eine beachtliche Gefahr, die ihr gutwillige und wertvolle Kräfte verlorengehen lassen, auf die die Kirche zu ihrer Erneuerung und zur angemessenen Lösung der Zukunftsaufgaben dringend angewiesen ist.
Für die Gesellschaft aber sind Sekten eine Gefahr, soweit sie offensichtlich vernunftwidrige Verhaltensweisen fördern. Sekten sind zudem für die Sektenangehörigen eine Gefahr, sofern sie diesen stark vereinfachte und verengte Problembeurteilungs- und Lösungshilfen anbieten, die möglichst weitgehend gegenüber vernünftiger Kritik immunisiert werden.

Viele Sektenangehörige werden dadurch an einem Reifungsprozeß gehindert, dessen sie dringend bedürfen und der für sie bei angemessener Hilfe möglich wäre. Sie verharren statt dessen in ideologisch bedingter Borniertheit.
Eine Gefahr sind Sekten für viele schließlich auch, wenn pseudoreligiöse Ausbeuter sie mißbrauchen, um verwerfliche weltliche Ziele zu erreichen.
Fazit: Sekten verweisen uns auf ein wichtiges und schwieriges Missionsfeld, das sich unmittelbar vor unserer Tür und sogar innerhalb unseres eigenen Hauses befindet.
Sind die Christen auf diese Mission genügend vorbereitet? ...
(Bericht über "Sekten", Prof. W. Molinski).

EMPFEHLENSWERTES
BEFREITE ZEUGEN JEHOVAS ERZÄHLEN
Unter dem Titel "Aus der Enge in den weiten Raum" erzählen folgende ehemaligen Zeugen unter der WTG über ihre Befreiung aus der WT-Organisation:
RAINER REF "Vom Untertanengeist zur Freiheit eines Christenmenschen". -
INGRID DAHN "Ich hatte endgültig genug von der Wachtturm-Religion" -
GERNHARD UND IRENE BÖHM "Entronnen nach 31 Jahren Dienst als Zeuge Jehovas" -
HANS-JOACHIM RUNNe "Einmal zu Jehovas Zeugen und zurück".
In: "BRÜCKE ZUM MENSCHEN",
Bruderdienst-Missionsverlag e.V., Itzehoe

RAYMOND FRANZ AN EDWARD NEUBERG
Teuer Bruder!
Ich schätze sehr Deinen letzten Brief.
In Sachen des Filmes über Zeugen Jehovas schreib an L. Ch. in USA - die Adresse kennst Du ja. Du bittest um Adressen anderer Organisationen gewesener Zeugen Jehovas. In verschiedenen Ländern bestehen viele Aktivitäten ehemaliger Zeugen. Unterschiedliche Leute verließen die Wachtturmgesellschaft aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manche unter ihnen machten wie ein Pendel eine plötzliche Kehrtwendung in Richtung Orthodoxie, und in einer bedauernswerten Tätigkeit manifestieren sie den gleichen Dogmatismus, welcher typisch ist der Wachtturmgesellschaft. Deshalb gebe ich eher Einzelpersonen Unterstützung als einer Bewegung oder Gruppe.

Einige gewesene Zeugen lassen sich von der Überzeugung leiten, sie müßten irgendwo hingehören, um das Gefühl einer Persönlichkeit zu haben. Von mir selbst redend, kann ich nur bestätigen, daß ich mich jetzt wirklich frei und ungezwungen in meinen Kontakten zu Menschen verschiedener Glaubensbekenntnisse fühle. Wenn ich so das Verhalten gewesener Zeugen beobachte, wie sich versuchen sich wieder an eine von hunderten Religionen zu binden, empfinde ich nicht das Bedürfnis mich auch irgendeinem Religionssystem zu unterwerfen. Solch ein Unterwerfen schafft, zumindest bis zu einem gewissen Grade, eine Trennlinie zwischen Menschen, weil man von Natur aus geneigt ist, zu Gunsten des eigenen Systems bzw. der Religion zu wirken, zu Ungunsten anderer.

Ich ziehe es vor, frei zu bleiben von solchen Pflichte und ihrer mehr oder weniger versklavenden Folgen. Es scheint mir, daß ich auf diese Art zu allen Menschen eine gute Beziehung haben kann, ohne das Gefühl der Trennung zu empfinden, welches entsteht, wenn man sich mit gegebenen Religionen verbindet, obwohl man deren Folgen möglichst gering halten möchte. Es kommt mir zu Ohren, daß verschiedene versuchen zu zeigen, daß eine Nichtzugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft gleichbedeutend ist, sich außerhalb des Leibes Christi zu stellen. Das ist, meines Erachtens auch gleichbedeutend, sich der Gründe zu bedienen, welche auch die Wachtturmgesellschaft einimpft, daß eine Beziehung zu Gott und Christus nur durch Mitgliedschaft in einem System oder einer Organisation möglich ist. Für mich besteht aber kein Zweifel, daß ein Mensch schon dann ein Teil des Leibes Christi wird und sich mit ihm vereint, wenn er ihn im Glauben an seinen Erlöser annimmt und als sein Haupt anerkennt. Auf diese Weise fühle ich mich verbrüdert mit allen, die einer Beweis solchen Glaubens ablegen, ich bin sicher, daß in jeder Glaubensgemeinschaft ein bestimmter Prozentsatz solcher Treuen vorzufinden ist. Ein großer Teil solcher existiert auch ohne zur genannten Kategorie zu gehören. Spreu mit Weizen vermengt ist in allen verschiedenen Religionssystemen vorzufinden und leider ist selten die Spreu in der Minderheit. Unsere persönliche Verbrüderung mit bestimmten Leuten - ich muß es zugeben - ist nicht groß, wenn es um die Zahl geht, aber diese geringe Zahl befriedigt uns außerordentlich. Hier im Gebiet von Atlanta knüpften wir Kontakte mit einer Anzahl von Menschen, welche wir vorher nie gekannt hatten und ich bin beeindruckt von Persönlichkeiten inmitten vieler derer, die die Organisation verlassen haben. Und doch kann man sagen, daß es klar ist, daß ein verlassen der Organisation aus der Erkenntnis heraus, daß sie falsch ist, noch keine Verbesserung bringt,. Entscheidend ist der ausschlaggebende Grund, warum es zum Bruch mit der Organisation kam. so ein Wechsel hat größere Wahrscheinlichkeit des Erfolges, um durch Erfahrung Menschen zu helfen. Es bedeutet nicht nur die negativen Seiten zu sehen wie Fehler, wenig wehrhaft christlichen Geist und übermäßig aufgebauschte grundlegende Glaubenselemente, sondern statt dessen erkennen das, was eher verbindet; es bedeutet bemüht zu sein, sich von der Nähe und der beispielgebenden Menschenliebe und Erbarmen des Sohnes Gottes und seines Umgangs mit Menschen, leiten zu lassen. Höher zu stellen ist eine Frömmigkeit, die sich spontan aus einem Herzen ergibt, das gelenkt wird durch eine Moral, welche durch die Liebe zum Mitmenschen diktiert wird, als durch unzählige Vorschriften und Regeln. Nach meiner Überzeugung muß eine tiefe Wertschätzung für eine wahrhaft persönliche Beziehung zu Gott und seinem Sohne bestehen, ohne die man in einer Art Leere sich befände und ziellos treiben würde. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß ohne Freiheit des Handelns, gestützt auf Gewissen und Intellekt, niemals eine wahrhaft persönliche Überzeugung vorhanden sein kann.

Ich gebe Dir Adressen von Brüdern in ändern Ländern, von denen ich weiß, daß sie sich von einem gesunden ausgeglichenen Geist lenken lassen. Keiner von ihnen gehört einer Organisation an wie auch ich keiner angehöre. Ich gebe die Adressen solcher, mit denen auch ich Briefkontakt habe. Ich schätze Dein Interesse und das Interesse anderer an der Übersetzung ins Polnische von "Krise des Gewissens", wie ich schon schrieb, besteht schon Übereinkunft in dieser Sache, wärest Du bereit, nach Beendigung der Übersetzung eine Korrektur derselben vorzunehmen. Denn solche, die nie Zeugen gewesen sind, wissen nicht immer wie sie sich auszudrücken haben, um im Einklang mit dem Denken und den Gefühlen von zeugen zu sein. Es wäre mir sehr lieb, eine Antwort von Dir in dieser Sache zu erhalten, ich wäre sehr erfreut, würdest Du mir weitere Einzelheiten über Veröffentlichungen in Polen berichten. Nochmals danke ich Dir für Deinen Brief. Sei unserer besten Wünsche sicher und des Gebets für Dich und die anderen an Deiner Seite. Es grüßen
Ray und Cynthia
übersetzt aus;
Biuletyn Biura Informacyjnego Byiych swiadkow Jehovy Nr. 9

HAST DU DAS GEWUSST?
LESERBRIEF
Bezug: CV Nr. 243 von Oktober 1989
Liebe Brüder und Schwestern!
Über den Abdruck unserer Ratschläge für Zeugen Jehovas, die "ihre" Organisation aus Glaubens- und Gewissensgründen verlassen möchten, haben meine Mitarbeiter und ich uns sehr gefreut. Wir wissen ja, wie schwer so mancher es hat, sich freiwillig aus dieser totalitären Organisation zurückzuziehen:. Daher können konkrete Ratschläge wie die von Euch abgedruckten, eine echte Hilfe sein, die ersten Schritte in Richtung Freiheit zu wagen.
Leider habt Ihr jedoch aus einer unserer früheren Veröffentlichungen diesen Text übernommen, wir verweisen Euch und die CV-Leser daher gern auf unser neuestes Faltblatt, in dem die jetzt geltenden Organisationsanweisungen der ZJ berücksichtig t wurden. Was ist daran neu?

Ein freiwilliger Bruch mit der Organisation ist nach den neuesten Richtlinien jetzt endlich möglich! Der Wachtturm vom 15. Oktober 1986 beantwortet auf Seite 31 eine Leserfrage so: Wenn ein Zeuge Jehovas sich von seiner Organisation lossagt und sich einer anderen Gemeinschaft anschließt - und die "Hilfe" der Ältesten von diesem "streunenden Schaf, (so wörtlich) nicht angenommen wird -, dann soll "in der Versammlung lediglich bekanntgegeben werden, daß er die Gemeinschaft verlassen hat und daher kein Zeuge Jehovas mehr ist. Er hat sich von einer 'bestehenden Bindung' losgesagt. Es ist nicht notwendig, daß ein formaler Gemeinschaftsentzug vorgenommen wird." -

Insofern ist gegenüber früher eine ganz neue Situation eingetreten - ein echter Fortschritt.
Eine ganz andere Frage ist, ob nun auch der freiwillig Ausgeschiedene a n d e r s "behandelt", wird als der Ausgeschlossene.
Leider muß diese Frage verneint werden. Hier sei aus unserem erwähnten Faltblatt "Bei Jehovas Zeugen nur draußen eine Klinke?", zitiert:
Das interne Instruktionsbuch "Organisiert, um unseren Dienst durchzuführen"., spricht ebenfalls von der Möglichkeit eines freiwilligen "Verlassens der Gemeinschaft". (Seite 149), fügt jedoch die bedeutsame Warnung hinzu.: "Doch jemand, der die Gemeinschaft verlassen hat, indem er seinen Glauben und die Anbetung Jehovas bewußt aufgegeben hat, wird genauso betrachtet wie jemand, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist. Die Versammlung wird durch eine kurze Bekanntmachung davon unterrichtet, daß der Betreffende aus eigenem Wunsch die Versammlung verlassen hat." Den freiwillig Ausscheidenden droht also die gleiche Ächtung wie den Ausgeschlossenen. Es beginnt schon damit - wie das letzte Zitat deutlich zeigt -, daß der Zeuge, der seine Gemeinschaft verläßt . als ein vom Glauben Abgefallener dargestellt wird, - als ob diese beiden Vorgänge gleichzusetzen wären. Auch wer freiwillig die Gemeinschaft verlassen» hat, wird also nicht mehr gegrüßt, wird mit Ablehnung und Verachtung gestraft wie der Ausgeschlossene, selbst wenn seine Motive im Glauben, in der Liebe zur Wahrheit und in der Treue zum biblischen Evangelium wurzeln,
-H.J.T.-

AKTUELLES IN KÜRZE
RELIGIONSFEINDLICHE NATIONEN?
Die Weit verzeichnet ein zunehmendes Interesse ah Religion und eine Rückkehr zum Glauben. Wie der Präsident des amerikanischen Gallup-lnstituts für Meinungsforschung, George Gallup, in Princeton bekannt gab, hat sich der Anteil der religiösen Menschen an der Weltbevölkerung von 72 Prozent im Jahre 1970 auf jetzt 79 Prozent erhöht. Heute gebe es insgesamt 1,6 Milliarden Christen. 837 Millionen Muslime, 661 Millionen Hindus, 300 Millionen Buddhisten, 457 Millionen Angehörige anderer Religionen, 825 Millionen Nicht-Religiöse und 213 Millionen Atheisten. In den letzten fünf Jahrzehnten habe das Christentum eine Zuwachsrate von 47 Prozent verzeichnen können, der Buddhismus sei um 63 Prozent, der Hinduismus um 117 und der Islam um 235 Prozent gewachsen. Es hat also guten Grund, wenn die WTG möchte, daß möglichst kaum etwas anderes als ihre Literatur gelesen wird!
-CVN-
(WT vom 1.7.1989, S.24, Abs. 3)

AUS DER WELT DER ZEUGEN
Liebe Brüder!
ich habe ein Problem auf dem Herzen, was mich sehr bewegt. Deshalb möchte ich heute an Euch schreiben. Vielleicht ist es möglich, meinen Brief zu veröffentlichen. Dieses Problem stellt die suche nach einem Ehepartner dar, ein wirkliches Problem für jemand, der allein ist, keine familiären oder verwandtschaftlichen Bindungen, hat und ernsthaft einen Partner sucht, mit dem man sich gedanklich austauschen kann, der die täglichen Sorgen mit mir teilt und immer für mich da ist.
Nun ja, man hat als getaufte Zeugin Jehovas natürlich eine gewisse Bindung zu den Brüdern und Schwestern in der Versammlung. Schließlich kommt man ja mehrmals in der Woche mit ihnen zusammen, aber so wie mir wird es auch vielen anderen gehen, die Familie, ein Familienleben, ja eine echte Partnerschaft können die zeugen in der Versammlung mir nicht ersetzen. Wie heißt es doch so schön in der Bibel?
"Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei ...". (1. Mose 2:18)

Wie oft, gerade an den Abenden und an den Wochenenden sowie im Urlaub, kommt mir dieser Bibeltext in den Sinn, denn ich lebe schon viele Jahre allein» Durch die Wahrheit, also durch meinen Glauben als Zeugin Jehovas kam es, daß ich von Familie und Verwandtschaft getrennt wurde und nun keinen Menschen habe, mit dem man Freud und Leid teilen kann.
Ja, natürlich sollte man als Zeugin Jehovas in erster Linie darauf bedacht sein, eine Verbindung auf theokratische Weise zu suchen, also versuchen jemand zu finden, der ebenfalls Zeuge Jehovas ist. Aber das ist leichter gesagt als getan. Was soll ich tun, wenn, so ,wie es bei mir der Fall ist, in der eigenen Versammlung oder der umliegenden Gegend niemanden gibt, der altersmäßig oder auf anderem Gebiet für mich in Frage kommt? Nun, es hat schon einige Versuche meinerseits gegeben zu einem Partner zu gelangen, aber leider vergebens. Alles scheiterte an solchen Dingen, die nicht theokratischer Natur sind, also mehr an solchen Dingen wegen derer man auch in der nichtchristlichen Welt in Sachen Partnerschaft Ablehnung erfahren kann. Auch ist mir vor einiger Zeit die

"ZJ- Heiratspost ", eine Heiratsvermittlung auf Zeugen-Basis, in die Hände gekommen.. Da - im ersten Moment als ich diesen Katalog sah, wähnte ich mich am Ziel meiner Wünsche, aber dann als ich die Inserate der einzelnen Personen darin sah und genau durchstudierte, fiel es mir wie schuppen von den Augen, nämlich: Die Wünsche und Ansprüche, die dort gestellt werden, ist ja alles schön und gut, aber in welcherlei Hinsicht unterscheiden sie sich von dem Inhalt weltlicher Heiratsannoncen?
In Sachen Partnerschaft bzw. Ehewunsch in keinem, außer der der gesuchte Partner Zeuge Jehovas sein soll .

Ja, ich finde dort alles wieder, was auch den Inhalt weltlicher Inserate ausmacht. Der Partner oder die Partnerin soll jung, hübsch, von angenehmen Charaktereigenschaften sein (als ob sich letzteres bei einem Zeugen Jehovas nicht von selbst verstünde) und finanziell abgesichert sein.
So kann ich sagen, daß die "ZJ-Heiratspost" mir die Augen geöffnet hat, denn Zeugen Jehovas bewegen die gleichen Dinge bei der Partnersuche als wie bei einem x-beliebigen Weltmenschen es der Fall wäre, nur mit dem Unterschied, daß der Partner ein Zeuge sein soll, wohl auch, um in der Versammlung nicht in Schwierigkeiten mit den Ältesten zu kommen oder von den anderen Versammlungsmitgliedern von oben herab angesehen zu werden.

So bin ich nun zu dem Schluß gekommen, daß es nicht entscheidend ist, ob mein künftiger Partner Zeuge Jehovas ist oder nicht. Nein, für mich ist es entscheidend. daß man sich mit dem Partner versteht und er versucht mich zu verstehen und daß beide überhaupt gewillt sind, in der rechten Art und Weise miteinander auszukommen. Darum werde ich mir meinen Partner selbst aussuchen und mich darin nicht von Ältesten oder Heiratsvermittlungen der zeugen bevormunden lassen. Und das möchte ich auch jedem anderen Zeugen Jehovas, der einen Partner sucht, an 's Herz legen. Darum schreibe ich an Euch, liebe Brüder der Christlichen Verantwortung, mit der Bitte um Veröffentlichung meines Briefes, damit allen zeugen auf Partnersuche wirklich geholfen wird zu erkennen, worum es geht.
Mit theokratischen Grüßen Schw. Marion

"Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner; DDR 6500 Gera,
Straße der Republik 46; Tel.: 51109; Jahresabonnement: 2.— M; Versand auch kostenlos Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe Gera

A 172/90 V 7 1 2581 N2

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