Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 238
Der krassesten Falschmeldung in der gesamten CV-Geschichte, begegnet man in dieser Ausgabe. Weder davor, noch danach, gab es je eine Meldung in der CV, die man so eindeutig als Falschmeldung bezeichnen muss.
Allen ernstes wird behauptet, der ranghöchste Zeugen Jehovas in Deutschland, Richard E. Kelsey, sei exkommuniziert worden.
Wie man zu der Weitergabe eines solch unbegründeten Gerüchtes kam, bleibt unerfindlich. Nun sollte der CV-Geschichte im Hinblick auf das nahende Ende der DDR, nicht mehr jene Zeitspanne vergönnt sein, die sie einst hatte. Mit dem Ende der DDR hatte dann wohl auch die CV andere Sorgen. Erst in der Ausgabe 243 vom Oktober 1989 gab es dann dazu doch noch eine Korrektur.

In dieser Ausgabe desweiteren. Ein Nachruf auf den verstorbenen Herausgeber der Zeitschrift „Wegefährte", Heinz Bolze.
Bezüglich eines Kommentar's meinerseits zu „Weggefährte" und seinen Macher.
Siehe „Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte", S. 655f., Anm. 69.


 - 30 JAHRE -

CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THDR., DDR

Nr. 238 GERA MAI 1989

GEMEINSCHAFTSENTZUG IN SELTERS
für den WTG-Koordinator der BRD
EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN
Wir prüfen die WT 21 und 22/1988
"OBRIGKEITLICHE PERSONEN"
Es wird wieder gewählt
BRUDER HEINZ BOLZE GESTORBEN
Ein christliches Leben ging zu Ende
WAS WIR SIND UND WAS WIR TUN (III)
Hauptzweck der WTG ans Licht bringen
AUS DER WELT DER ZEUGEN
Der "Älteste" Hans aus dem Norden

"PRÜFET ABER ALLES, DAS GUTE HALTET FEST"
1. Thessalonicher 5:21
LIEBE GESCHWISTER
IM VOLKE FÜR GOTTES NAMEN!
Es wird vorausgesetzt, daß die Neue Welt Gesellschaft ihren Gliedern das Recht gewährt, ihre Lehren zu überprüfen, laut Anraten des WT vom 15.1. 1957 und 1.11,1959, alle Lehren mit der Bibel vergleichen, ob sie mit Gottes Wort in Einklang stehen.
Die Glaubensgrundlage des apostolischen Christentums war und ist die Versöhnung mit Gott, durch den Glauben Jesus Christus. (1. Kor. 1:18; 3:11; 15:8)
Die NWG stellt die Lehre von "der angeblichen Wiederkunft des Herrn im Jahre 1914" auf. Wie kommt die NWG zu dieser Behauptung? Weshalb diese Lehre?
Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf fast allen Gebieten des menschlichen Lebens ein Umbruch auftrat, faßte der Gedanke des bevorstehenden Weltuntergangs und der Wiederkunft des Herrn Fuß bei einigen religiösen Gruppen. Etliche Gruppen in Amerika und Europa errechneten Daten auf angeblich biblischer Grundlage, z. B. die Jahre 1835, 1838, 1843-44, 1874. Als nun im Jahre 1874 das erwartete Weltende wieder nicht eintraf und Christi Herrschaft nicht offenbar wurde, gründete einer der gläubigen Adventisten, N. H. Barbour, eine neue Versammlung. Er vertrat die Meinung, daß im Jahre 1874 der Herr doch gekommen sei, nur unsichtbar. Die Gründe sind unglaubwürdig.

Dieser Barbour-Gruppe schloß sich eine kleine Gruppe Bibelforscher unter C. T. Russell an. Sie gaben das Buch "Three Worlds or Plan of Redemption" heraus und legten darin ihre Glaubensauffassung dar. Dazu gehörte unter anderem auch die Lehre, daß Jesu 1874 unsichtbar wiedergekommen sei und nach 40 Jahren, also 1914 die Nationen zerschmettere. (u. a. WT 1955/104). Das war das erste Mal, daß das Jahr 1914 als das Jahr der Regierung Christi bekannt wurde. Auch als sich Russell von Barbour wegen Unstimmigkeiten trennte, behielt er diese Chronologie als Zentrallehre bei. Dies beweist seine herausgegebene Zeitschrift "Zions Wachtturm und Verkündiger der Gegenwart Christi". Russells veröffentlichte Bände "Schriftstudien" Band 1-7 führen an:

1. Tempelreinigung von 1874-78,
2. 1874 Zeiten der Wiederherstellung und Wiederkunft des Herrn,
3. 1878 Kommen des Herrn zum Tempel, Verwerfen der Christenheit, Auferstehung der Heiligen, Rückkehr der Gnade zu den Juden,
4. 1881 Ende der hohen Berufung,
5. 1914 Ende des Reiches der Welt, der Jude in voller Gnadenstellung ab 1915
6. Ende der 70 Zyklen 1925,
7. 2875 Wiederherstellung vollendet,
8. 2914 der Menschheit Herrschaft wiederhergestellt.
(Schriftstudien Band 2 und 7, WT 1924/268) Russells Erwartungen und seine Chronologie erfüllten sich 1914/15 nicht. Der WT vom 1.10.1907 schreibt:

"Angenommen, das Jahr 1915 würde unter ruhigen Weltverhältnissen vorübergehen und es würde sich erweisen, daß die Auserwählten noch nicht alle verwandelt sein würden und ohne daß die Wiederherstellung des natürlichen Israel in die Gnadenstellung unter dem neuen Bunde eingetreten wäre (Rö. 11:12,15). Was dann? Würde das nicht beweisen, daß unsere Chronologie falsch ist? Tatsächlich! Es würde einen nicht wieder gutzumachenden Schiffbruch bewirken ... für die Jubeljahrberechnung für die Prophezeiung von den 2300 Tagen Daniels ... der sogenannten Zeiten der Heiden und für die 1260, 1290 und 1335 Tage. Keine von diesen könnte weiterhin aufrechterhalten werden."

Es taucht nun die Frage auf: Haben die Nachfolger Bruder Russells aus dem Irrtum gelernt? Nein! Alles, was ab 1874 geschehen sollte, wurde um 40 Jahre verschoben und das Frühere vergessen. Ist das Spiel mit Zahlen etwa schriftgemäß? (1. Tim. 1:3,4) Im WT vom 1.2.1954, Seite 84/14 heißt es:
"Daß das Königreich seit 1914 inmitten seiner Feinde herrscht, ist die einzige gute Botschaft heute."
Dies ist die Grundlage der Wachtturmgesellschaft früher und heute.
Alle aufrichtigen Erforscher der heiligen Schrift werden nun fragen: "Stützt sich diese Annahme wirklich auf eine genaue Erkenntnis der Bibel?" (Wenn sich die Erwartungen 1874-78 nicht erfüllten, könnten sich da nicht auch die Nachfolger heute irren?) Müssen wir jetzt nicht mit Enttäuschung feststellen, daß das, was wir jahrelang mit Überzeugung geglaubt und gepredigt haben, sich ebenfalls als Fehlschluß erweist?

Lassen wir Gottes Wort in der Frage entscheiden, ob Jesus Christus seit 1914 inmitten seiner Feinde herrscht.
Gemäß dem Zeugnis der Bibel ist das Erscheinen Christi in der Herrlichkeit seines Vaters ein Ereignis von solch überwältigender Größe, daß es niemand verborgen bleiben kann, denn die Herrlichkeit Jehovas wird sich offenbaren und alles Fleisch miteinander wird sie sehen, wenn "sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit." (Matth. 24:27)
Beginnt Jesus Christus seine Herrschaft, dann müssen bestimmt auch seine Feinde auf Erden davon Kenntnis nehmen, weil er zu jedem Zeitpunkt an ihnen Gericht üben wird, das heißt, daß dann dem Urteil unmittelbar der Gerichtsvollzug folgen wird. Es wird also keine Verzögerung geben, wie wir es für die Jahre nach 1914 bzw. 1918 angenommen haben. (Matth. 13:40-42,49,50; 16:27; 25:31-33,41; 2. Tim. 4:1) Über dieses Gericht bei der Wiederkunft Christi sagt Ps. 21:9 folgendes:

"Wie ein Feuerofen wirst du sie machen zur Zeit deiner Gegenwart." (Elbf. B.) Die Zürcher Bibel übersetzt Ps. 21:10:
"Du wirst sie verderben wie im Feuerofen sobald du erscheinst, o Herr."
Ebenso bestätigt 2. Thess. 2:8, daß, wenn der Gesetzlose offenbar wird, ihn "der Herr Jesus vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft."
Daraus entsteht die Frage: Wurde der Gesetzlose bei der Ankunft Christi im Jahre 1914 oder danach vernichtet? Die Tatsachen verneinen dies. Daher können wir auch nicht glauben, daß Jesus Christus so lange inmitten seiner Feinde herrscht, ohne daß ihnen ein Haar gekrümmt wird, vielmehr wird sein Auftreten in Königreichsmacht ein Ereignis sein, daß seine Feinde in Schrecken versetzt werden, weil dann sein Herrscherstab eine eiserne Zuchtrute sein wird, welche seine Feinde zerschmettert, so wie Töpfergefäße zerschmettert werden. (Ps. 2:5-9; 45:3-5; 110:2,5,6)

Prüfen wir jetzt Gottes Wort sorgfältiger als bisher, so finden wir noch weitere Beweise, welche bestätigen, daß Christus noch nicht in seinem Reiche herrscht.
Mag auch unsere bisherige Glaubensgrundlage in schwere Erschütterung geraten, jedoch niemals unser Vertrauen in Jehova, unseren Gott! Laßt Euren Glauben stets mit dem Worte Gottes übereinstimmend sein! Seid gewappnet mit der rechten Erkenntnis! ("Denn Jehova gibt Weisheit; aus seinem Munde kommen Erkenntnis und Verständnis.") (Sprüche 2:6)
Es grüßt Euch, die Ihr Jehova und Christus Jesus liebt mit Jakobus 5:7-10, alle die nach Wahrheit sich auszurichten bemüht sind durch Bruder
Willy Müller

ZUR WAHL "OBRIGKEITLICHER PERSONEN"
Wie immer sind die Wahlen eine Herausforderung für alle Wachtturm-zeugen. stehen sie bekanntlich doch unter dem Zwang, an keinen demokratischen Wahlen teilzunehmen und in ihrem "Dienst" auch alle anderen Menschen so zu belehren. Andernfalls seien sie "Feinde Gottes" und kämen zur Vernichtung in Betracht. Es steht außer Frage, daß es notwendig ist, solcher antidemokratischer Ausrichtung entgegenzutreten.
Für viele Zeugen sind die Wahltage nun Tage ziemlicher Aufregung und Spannung. Werden sie auf ihre politische Haltung angesprochen, zur Teilnahme an der Wahl aufgefordert? Sie müssen sich äußern. Manche verdrücken sich von zu Hause, um nicht Farbe bekennen zu müssen.
In der Tat geht es um ernste Dinge, um nichts Geringeres als um unsere Landesverwaltung, um Menschenrecht und Ordnung. Wie sollte es denn ohne eine Regierung gehen?

DAS WTG-HAUPTARGUMENT IST:
Da Christus seit 1914 im Himmel herrscht als "der einzig rechtmäßige Herrscher über die Erde", haben die Menschen bzw. Herrscher der Menschen kein Recht mehr, politische Macht auszuüben, sie seien alle seit 1914 verpflichtet, ihre Macht an Christus "im Himmel" abzutreten, andernfalls würden sie von Gott vernichtet:
Damit seien alle politischen Wahlen und ihre Teilnahme daran Unrecht vor Gott.
Wir haben in CV fast jedesmal etwas anläßlich von Wahlen gesagt. Aber wer hat das schon noch zur Hand, liegen doch zwischen den Wahlen immer mehrere Jahre.

So wollen wir auch diesmal das WTG-Hauptargument dokumentieren: WACHTTURM 1. Januar 1957, S. 5ff:
"... daß Gottes Königreich dazu bestimmt ist, alle politischen Herrschaften zu vernichten, und daß jene, die Politik treiben, Feinde Gottes sind und dadurch zur Vernichtung in Betracht kommen ... stehen sie davon ab, an der Politik dieser Welt teilzunehmen, ja selbst an Wahlen. Sie wissen, daß die politische Beteiligung nicht nur zu nichts führen würde, sondern ihnen sogar Gottes Mißbilligung eintrüge." "DEIN WILLE GESCHEHE AUF ERDEN", S. 268/9;

"Der Kaiser Wilhelm wie auch die anderen Weltherrscher behandelten die Botschaft - bezüglich 1914 - mit Geringschätzung. Die Watch Tower ... hatte jedoch seit dem Jahre 1903 ein Zweigbüro in Barmen-Elberfeld, Deutschland ... Der Kaiser beabsichtigte nicht, seine kaiserliche Souveränität Jesus Christus abzutreten, zu der Zeit, da dieser im Jahre 1914 im Himmel auf den Thron kommen sollte, denn dadurch hätte der Kaiser ihn als den rechtmäßigen Erben des Königtums über die ganze Erde anerkannt."

WACHTTURM 15. Oktober 1962, S. 627/11:
"Da es die meisten jedoch ablehnen, etwas Besseres kennenzulernen oder an etwas Besseres zu glauben, lassen sie sich lieber von ihren sogenannten obrigkeitlichen Gewalten oder Obrigkeiten, demokratischen oder republikanischen, nach westlichem oder östlichem Muster regieren ...lehnen sie Gott als König ab."

WACHTTURM 15. Januar 1964, Abs. 9;
"Seit dem entscheidenden Jahr 1914 hätte das politische Regierungssystem der Menschen abdanken und aufhören sollen, dem 'Herrscher dieser Welt' zu dienen, doch das hat es nicht getan ... Unbußfertig arbeiten sie an ihrer Selbsterrettung weiter und schmähen Gott, weil er seine Zeugen verkündigen läßt, daß ihr hoffnungsloser Zustand durch kein menschliches Mittel mehr zu heilen ist."

WACHTTURM l. Januar 1965, Abs. 23:
"Sie ignorierten das Recht des himmlischen Königs auf Weltherrschaft. Sie traten es mit Füßen; und als wir in unserem Predigtwerk darauf hinwiesen, wurden diese Nationen zornig." WACHTTURM 1. Dezember 1975, S. 708:
"Überdies stehen sie nun an dem 'Ort' Harmagedon, vereint gegen Gott, und weigern sich, ihre Souveränität an ihn abzutreten."

 WACHTTURM l. Mai 1988, S. 19, Abs. 14:
"Jehovas Zeugen ... Als Fußtapfennachfolger Jesu sind sie auch in sozialen und politischen Streitfragen neutral ...
Toshio, der stellvertretende Leiter einer Stadtkasse, lehnte es jedoch aus Gewissensgründen ab, sich an einem Feldzug zur Wiederwahl des Bürgermeisters zu beteiligen."
Die Bilanz heute - wenn jetzt 1989 wieder Kommunalwahlen sind, müssen die WT-Zeugen überall "Vorbild" darin sein, sich nicht einmal an der Wahl eines Bürgermeisters zu beteiligen! Wohin würde dieses "Vorbild" alle Menschen führen, wollten sie es anerkennen und befolgen?
Ohne Zweifel in Anarchie, Faustrecht oder willkürliche Diktatur.
So muß diese WTG-Verkündigung abgelehnt werden. Eigentlich auch von den Zeugen Jehovas selbst. Brauchen sie etwa keine "obrigkeitlichen Personen"?

EIN MÖGLICHER AUSWEG
Der Gründer der WTG, C. T. Russell, hatte zwar die Wiederkunft Christi auch gelehrt, und zwar für 1874 und den Endzeitbeginn sogar schon für 1799.
In Anerkennen der Notwendigkeit der Wahl "obrigkeitlicher Personen" erklärte er jedoch auch, daß Christen gegebenenfalls "an den Abstimmungen und Wahlen teilnehmen" sollten "und von ihrem Stimmrecht den gewissenhaftesten Gebrauch machen, denen die Stimme gebend, welche sie als die besten Kandidaten betrachten." (Schriftstudien 6, dt. 1926, S. 590)
-D.P.-

EDLER GESINNT SEIN und prüfen apg 17:11
DER WACHTTURM
WIR PRÜFEN DIE WT NUMMER 21 UND 22/1988
Ist dein Zuhause ein Ort der Ruhe und des Friedens?
Etwas in Betracht ziehen, heißt doch konkret nichts anderes, als mit bestem Wissen und Verstand eine Sache zu beurteilen, welche nicht zweifelsfrei einen positiven Verlauf nehmen muß, hat man sich erst einmal für dieses ETWAS entschieden.
Nun, es geht hier nicht um eine Sache im Sinne des Wortes schlechthin, sondern um ein Privileg der Schöpfung Gottes und seiner Geschöpfe selbst, nämlich um nichts Geringeres als die eheliche Verbindung von Mann und Frau.
Schon im l. Buch Moses Kap. 2:18 sagt Gott UNMISSVERSTÄNDLICH:
"Es ist für den Menschen nicht gut, daß er weiterhin allein sei. ICH werde ihm eine Gehilfin machen als sein Gegenstück."
Im Vers 24 heißt es dann ebenso deutlich:

"Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und er soll fest zu seiner Frau halten, und sie sollen ein Fleisch werden."
Es ist also der Wille Gottes, nicht in Einsamkeit zu verharren, sondern sein Gegenstück zu suchen, zu finden und zu halten. Letzteres selbst um den Preis der Loslösung vom engsten Familienbande, von Vater und Mutter.
Im WT 21/88 erscheint dieser eindeutige Wille Gottes jedoch in einem ganz merkwürdigem Lichte, denn folgt man den hintergründigen Betrachtungsweisen der WTG aufs Wort, kann eine Ehe kaum der Ort der Ruhe und des Friedens sein.

Auch dann nicht, wenn man einen Partner im Sinn hat, welcher ebenso sich zum Glauben bekennt, wie man es selbst aus tiefstem Verständnis der Gemeinsamkeit unter biblischen Grundsätzen als gegeben betrachtet. Mit der Auflistung zahlreicher "Unsicherheits-Faktoren", voran den des Zweifels der GANZHERZIGEN Hingabe zu Jehova (des betreffenden Partners) soll veranschaulicht werden, daß man besser daran tut, den Vorsatz, durch eine Ehe der Vereinsamung zu entrinnen und gemäß dem Willen Gottes, mit seinem Gegenstück ein Fleisch zu werden ... nicht weiter in Betracht zu ziehen.

Es stellt sich nun unweigerlich die Frage nach dem Motiv dieser Darstellung, welche sich beim näheren Hinsehen fast von selbst beantwortet, im Abschnitt 6 wird die Reihenfolge der Bewertungskriterien recht markant betont, nämlich:
1. regelmäßiger Predigtdienst und 2. kommen erst hier die Belange, welche an sich die Ehe begründen.
Aus der Sicht der WTG ist diese Betrachtungsweise nur allzuverständlich, denn ein beträchtlicher Anteil verfügbarer Zeit ginge für den Predigtdienst unweigerlich verloren.

Die Befriedigung emotionaler Bedürfnisse in der Ehe könnten den geistigen Belangen zum Schaden gereichen, ließe man durchgehen, daß Sinnlichkeit, Zuneigung, Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Liebe - im Sinne von 1. Mose 2:24 - das Maß an Zeit beanspruchen, welches - dem Predigtdienst "dienlicher" zukäme.
Und der Schaden wird noch fataler, fällt Gottes Wille auf fruchtbaren Boden gemäß 1. Mose 1:28, denn Kinder sind in der heutigen Zeit offenbar mehr denn je Zeit (Zärtlichkeits)- bedürftig, und sind vielleicht trotz biblischer Unterweisung und Erziehung, letztendlich den "weltlichen Dingen" mehr zugetan, als dem Predigtdienst der Wachtturmgesellschaft.

Mehr nach der Devise - Wennschon, denn-schon, als nach schriftgemäßer Handhabung der Dinge, wird Gott selbst als der Dritte in die Ehe etabliert, denn eine "3-fache Schnur" kann nicht so schnell entzweigerissen werden, wie es tatsächlich in Pred. 4:12 auch geschrieben steht.
Lediglich von Gott wird im ganzen Kapitel 4 keine Silbe erwähnt, wohl aber davon, daß es besser sei, sich mit einer Handvoll Ruhe zu begnügen, als mit einer doppelten Handvoll harter Arbeit, dem Wind nachzuhaschen ...
Eine Ehe, getragen von Argwohn und Mißtrauen der Partner zueinander, entwickelt zwangsläufig Alltagsprobleme zu Konflikten, zu deren Bewältigung die rechten Ratschläge biblisch beitragen sollten.
Dazu wird vorausgeschickt, daß in vielen christlichen Ehen, weltlich gesinnte Einstellungen der Ehefrauen, die einen "unabhängigen, herausfordernden Geist bekunden ...", der ursächliche Störfaktor des häuslichen Friedens sind.
Doch mit der simplen Einforderung des "tiefen, biblischen Respekts" ist es insofern schon mal problematisch, wenn sich dieser Respekt nur auf die herausragenden Leistungen, bezüglich der Dienstvorrechte, wohl aber kaum noch auf die Befriedigung der Bedürfnisse, welche die Harmonie eines natürlichen Familienlebens tatsächlich tragen, auszurichten hat.

Wehe dem, der sich wirklich darauf beschränkt, daß die rechtzeitige biblische Unterweisung der Kinder, betreff des Erkennen von gut und böse, mit solchen Dingen, wie die Hand auf den Ofen legen, die Unterbindung der natürlichen Motorik eines Kindes durch Stillsitzen in Versammlungen, nachvollziehbar akzeptiert. Gehorsame Kinder sind zwar sehr bequem, doch ist d. Angst vor Zucht ein untaugliches Mittel, die Bande zwischen Eltern und Kindern in einer Weise zu festigen, welche man als fruchtbar (im biblischen Verständnis dieses Begriffes) betiteln könnte.

Es ist also nicht von ungefähr, wenn sich die WTG mit diesen weltlichen Konflikten in christlichen Familien auseinandersetzen muß, gleichwohl entschuldigend, als Ursache Satan und die Erbsünde - sprich: das Weib, mit all ihren Unabhängigkeitsbestrebungen und Verführungskünsten - verantwortlich darstellt ..., oder entstellt?
Ist es nicht vielmehr so, daß Gott diese Sünde durch seinen Sohn Jesus Christus vergeben, die Schuld von Weib und Mann, vor Gott allzeit getilgt und durch einen Neuen Bund besiegelt hat? Angesichts dieser ungerechtfertigten „Vor-ab-Verurteilung" und "Schuld-Zuerkennung", wie sie in dem WT 21/88 unverkennbar deutlich wird, kann nicht damit gerechnet werden, daß bestehende und zukünftige Ehen christlicher Partner zu einem Ort der Ruhe und des Friedens heranreifen.

Im Gegenteil! Es ist eher wahrscheinlich, daß die unlösbaren (?) Konflikte solcher Ehen weiterhin heuchlerisch "geduldet" und mit unzutreffenden biblischen Hinweisen verbrämt werden sollen.
Für liebevolle, brüderliche Hilfe im Geiste Jesu Christi, verbunden mit allseitig gerechter Unterweisung in ehe-spezifischen Fragen, wären gewißlich zahlreiche Brüder und Schwestern dankbar, und gar manche Ehe-Scheidung - mit all ihren negativen Folgen - nicht das letzte Wort, erzwungener Pseudo-Ehebruch nicht der letzte Weg des "reinen" (???) Gewissens vor Gott.
Nun, dem wird wohl in absehbarer zeit nicht entsprochen werden, denn Zehntausende von Stunden wären vonnöten! Und Zeit ist für die WTG kostbar ... wie bares Geld, und es ist nun mal etwas billiger, "Liebe zu Gott zu predigen", als Liebe zu seinem auserwählten Volk zu bekunden.
— H. J . H. —

WACHTTURM NUMMER 22/1988
EINE NEUE WELT IST
NAHE!
WER WIRD JEHOVAS WOHLGEFALLEN FINDEN? Es geht um die Christenversammlung in den Tagen der Apostel. Auf Seite 14 fällt auf, daß ein „Christ, der einen Fehler begangen hatte, in der Versammlung mit liebevoller Hilfe rechnen" konnte. Weiter lesen wir:
"Eine Gruppe Ältester ... konnte demjenigen, der sich eine schwere Verfehlung zuschulden kommen ließ, Hilfe bieten. Judas schrieb: 'Fahrt ... fort, einigen, die Zweifel haben, Barmherzigkeit zu erweisen; rettet sie, ...' (Judas 22.23)."

Der nächste Abschnitt beginnt mit der Feststellung:
"Es kam jedoch vor - wenn auch selten -, daß ein Übeltäter nicht bereute. Dann mußten ihn die Ältesten aus der Versammlung ausschließen, um die Reinheit der Versammlung zu schützen."
Wenn ich die Bibel richtig verstanden habe, dann mahnt Judas an, denen, "die Zweifel haben, Barmherzigkeit zu erweisen". Von einer schweren Verfehlung, oder gar von reuelosen Übeltätern, denen die Gemeinschaft entzogen werden muß, ist da nichts zu lesen.

Nun, die WTG tut nichts ohne Zweck, so auch hier. - Von der schweren Verfehlung des Zweifelns, über die Sünde dessen, der mit der Frau seines Vaters Unzucht getrieben hatte (1. Kor. 5,1-11), kommt sie sehr schnell zum Kern dieses Studienartikels:
"Paulus wies darauf hin, daß Christen keinen Umgang mit ihm haben sollten, denn er hatte seinen anerkannten Stand vor Gott aufgegeben. (Vergleiche 2. Joh. 10,11.)"
- Das Weglassen des Verses 9 ist sicher kein Versehen, denn wer schlägt sich schon gern selbst ins Gesicht?! Für die Zeugen, die in Glaubensdingen ja das Denken gern der WTG überlassen, ergibt sich hier eine logische Beweiskette und die Folgerung: Was in den Tagen der Apostel für gut und richtig galt, das kann auch heute nicht falsch sein.
Also werden Zweifler, Hurer und solche, die falsche - der WTG nicht genehme - Lehren verbreiten, alle in einen Topf geworfen und verteufelt.

ANDEREN HELFEN, GOTT ANZUBETEN
Es geht munter weiter in den eingefahrenen Gleisen des vorangegangenen Artikels. Zunächst einmal ist Vorsicht geboten vor jedem, der kein getaufter Zeuge Jehovas ist, selbst dann noch, wenn er die Bibel (richtiger wohl die WTG-Literatur!) studiert und die Zusammenkünfte besucht. Bevor er in den Predigtdienst darf, gilt es für ihn, nachzuweisen, daß er "eine gewisse Erkenntnis über biblische Lehren besitzt und sein Leben mit Gottes Grundsätzen in Übereinstimmung gebracht hat".

Daß auch hier eher die Grundsätze und Regeln der WTG gemeint sind, zeigt der folgende Abschnitt, Dort wird gesagt, daß ein jeder Zeuge Jehovas, durch die Abgabe eines Predigtdienstberichtes, seiner Bereitschaft Ausdruck verleiht, sich der theokratischen Organisation unterzuordnen. (17) Bisher glaubte ich immer, durch das Zeugnis über Jesus würde man sich Seiner Autorität unterwerfen, ist Er es doch, der uns gebietet:
"Ihr werdet Zeugen von mir sein, ... bis an das Ende der Erde." (Apg. 1,8; Matth. 28,19.20)
Im Abschnitt "Hilfe für einen Sünder", wird auf dem im ersten Studienartikel (S. 14) gelegten Grund munter weitergebaut. Wir lesen:

"Wir haben aus der Bibel erkannt, daß ein getaufter Übeltäter, der nicht bereut, aus der Versammlung ausgeschlossen werden muß, und daß man danach jede Gemeinschaft mit ihm vermeiden sollte (2. Joh. 9-11)."
Dann die Frage nach dem Tun, wenn ein ungetaufter Verkündiger eine schwere Sünde begangen hat. Auch hier die Antwort besser wörtlich:
"Judas forderte dazu auf, gesalbten Christen - unter der Voraussetzung, daß sie bereuten - Barmherzigkeit zu erweisen, wenn ihnen Zweifel aufgestiegen waren ... (Judas 22.23)."
Um es klar auszudrücken. Eine solche "Voraussetzung" gibt es bei Judas nicht, die WTG treibt hier ein unehrliches Spiel! Die Zahl der Brüder und Schwestern, die wegen berechtigter Zweifel an der Redlichkeit der WTG, die Gemeinschaft ihrer Brüder verlassen haben oder ausgeschlossen wurden, geht in die Legion. Hier wird lediglich der untaugliche Versuch unternommen, durch Bibelmißbrauch ihr unchristliches Vorgehen zu legitimieren.

Was nun das Vorgehen gegen ungetaufte Verkündiger betrifft, wenn sie sich einer Sünde schuldig machten, oder wenn sie gar nicht mehr als Verkündiger betrachtet werden möchten, so sind das zwar erfreuliche Korrekturen seitens der WTG, aber ein "Persilschein" für ihre fortwährende Bibelverdrehung und ihre Lieblosigkeit Andersgläubigen gegenüber sind sie nicht!
Wacht auf, Brüder! Ein sogenannter "Weltmensch" schrieb einmal:
"Wer nicht nachdenken will, ist ein Blindgläubiger; wer nicht nachdenken kann, ist ein Tor; wer aber nicht nachzudenken wagt, ist ein Sklave!"
-W. Dr.-
Bliebe noch zu wünschen, daß sich einige erkennen und handeln.
-R.I.H.-

30 JAHRE CV 1959 - 1989
WAS WIR SIND UND WAS WIR TUN (III)
DEN HAUPTZWECK DER WTG ANS LICHT BRINGEN
Sich mit der WTG befassen "heißt," sich mit ihrem Sprachrohr, vermessen zum "göttlichen Kanal" erhoben, zu befassen, mit dem WACHTTURM. Mit diesem Blatt stellt sich die WTG über die Bibel, über das Wort Gottes. Unter der WTG hat jeder die Bibel nur so zu verstehen und anderen zu erklären, nur so an die Bibel zu glauben, wie die Wachtturmgesellschaft das anweist. Die so Hingeopferten bestätigen das tragisch.

So besteht für CV das Beweis- und Quellenmaterial vor allem in der WTG-Literatur. Der Hauptzweck der WTG mit ihren Schriften ist kein rein religiöser, wie man meinen könnte. Es ist im Grunde ein gesellschaftspolitischer, wobei der vorhandene Gottesglaube, der vorhandene Glaube an die Heilige Schrift bei den Angesprochenen lediglich genutzt wird, im WTG-Sinn dann natürlich verändert oder "vertieft". CV weist nach, wie die WTG das in ihrer haltlosen Endzeitweltanschauung bewerkstelligt. Dies insbesondere, seit sie seit 1935 offiziell mit ihrer "irdischen Hoffnung", alle Angesprochenen nur noch auf eine Lösung aller sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Fragen und Probleme in ihrer sogenannten Neue-Welt-Gesellschaft verweist.

Mit anderen Worten propagiert sie seit 1935 in der Hauptsache nur noch eine neue Gesellschaftsordnung auf Erden, die die bestehende gewaltsam ablösen soll. Kirchliche Kritik spricht nicht zu Unrecht von einer Art Gegengesellschaft, die die WTG propagiert. Damit ist die WTG insbesondere seit 1935 mitten in der Politik gelandet, und stürzt ihre ZJ überall in entsprechende Auseinandersetzungen und Konflikte gesellschaftspolitischer Art, abgesehen von dem, was sich aus der Kirchenfeindschaft ohnehin überall ergibt, in vielen Beiträgen ist das in CV herausgearbeitet worden. Zum Verhängnis für die ZJ heißt auch die für sie gemachte WTG-eigene Bibel "Neue-Welt-Übersetzung", wodurch sie auch von daher in diese Auseinandersetzungen gedrängt werden. Der Sinn des neutestamentlichen christlichen Evangeliums ist mit dieser 1935-Ausrichtung schließlich grundsätzlich für alle seither Angesprochenen über Bord geworfen.

Wir überschätzen in CV diese erreichte gesellschaftspolitische Rolle der WTG, die die meisten Mißverständnisse und Konflikte auslöst, jedoch keineswegs. Natürlich ist ihre Bedeutung von Land zu Land unterschiedlich, größer oder kleiner. Doch die Zeugen in der Zahl von etwa 3,2 Millionen in 210 Ländern, sind eine absolute Minderheit, Wir verweisen nur auf die volksreichsten Länder der Erde wie China oder Indien, was deutlich machen dürfte, auf welch verlorenem Posten die Zeugen Jehovas stehen.
Wir haben in CV auch die Aufgabe, nüchtern und wirklichkeitsgetreu zu bleiben.

Aber die Dinge sind von Land zu Land unterschiedlich. Wie wir in den CV-Ausgaben (73, 100, 139, 200) insbesondere nachgewiesen haben, sind der Wirkungsbereich der WTG überall jene Bevölkerungsschichten, die die "einfachen Menschen" bilden. Konkreter meinen wir auch die "Schütterzone" in jedem Land, in jeder Gesellschaft, um jede Kirche. Alle, die irgendwie erschüttert, entwurzelt, gescheitert oder benachteiligt sind. Kranke, Verachtete, Verlassene, Randgruppen, Sonderlinge, Einsame und Unzufriedene. Das ganze "Krisenpotential" eines Landes hat die WTG im Visier. Alle, die da "seufzen und jammern über die Greuel, die geschehen". Alle, die da "mühselig und beladen sind", wie die WTG dazu Bibelworte mißbraucht.
in CV wird gezeigt, wie die WTG inmitten dieses "Krisenpotentials" unter allen betroffenen Menschen "jagt und fischt", und zwar unter der Devise, was alle "irdischen Fragen" betrifft, nichts mehr zu tun, um die "Zustände zu verbessern". Eine WTG-Ausrichtung der Zeugen Jehovas, die auf eine Lähmung jeder sozialen und demokratischen Haltung und Aktivität hinausläuft. Desgleichen auf eine Lähmung jeglicher Verantwortung oder Mitverantwortung. Konkret steht CV damit auch vor allen so von der WTG aufgebauten Feindbildern von Kirchen, Gesellschaft und Staat bis hin zur UNO. Und das alles in immer wieder mit der WTG-veränderten und angepaßten Mißbrauch der Bibel.

Die Wachtturm-Religion entpuppt sich so als eine ideale Krisen-Religion, um irgendwelche Aufbrüche aus solchen Krisen verhindern zu helfen. Wie die in CV bisher aufgedeckten Sachverhalte über ein Zusammenspiel der obersten WTG-Führung in den USA mit den dortigen gesellschaftlichen, politischen und auch militärischen Führungskräften zeigen, war und ist die WTG-Politik immer auf die Interessen der dort vorherrschenden Kräfte ausgerichtet. Dies manchmal sehr vordergründig, manchmal hintergründig.

Es gibt da erstaunliche Zusammenhänge an politischen Unter- und Hintergründen. Und sicherlich wissen wir da noch nicht alles. Schließlich läßt sich die WTG in keiner Weise demokratisch kontrollieren und tagt mit ihrer "Leitenden Körperschaft" nur im geheimen, hinter verschlossenen Türen.
Alles in allem enthüllt CV, daß die WTG mit ihrer haltlosen Endzeitweltanschauung einen ganz bestimmten sozial- und gesellschaftspolitisch destruktiven Kult betreibt, insbesondere seit sie ab 1935 das eigentliche christliche Evangelium durch ihre "irdische Hoffnung" und entsprechende Orientierung außer Kraft gesetzt hat.
"Nieder mit der alten Welt und hoch die neue Welt" lautete eine WT-Schlagzeile. Wir müssen dabei besonders darauf verweisen, daß die WTG diese Destruktivität in erster Linie und in der Hauptsache von den USA aus betreibt und bestimmt. Dann in den kapitalistischen Ländern und deren Einflußzonen. Die sozialistischen Länder haben dieses WTG-Erbe übernommen, wo es zuvor schon bestand und nun auch weiterwirkte. Was praktisch dabei herauskommt überall für die Zeugen, ist, dazu beizutragen, jegliches Beteiligen, "die Zustände zu verbessern", unterbinden zu helfen.
Der Antikommunismus gehörte mit dazu, woraus sich dann zwangsläufig auch das Politische in CV ergibt.
-D.P.-

.PORTRÄT EINES ÄLTESTEN" (II)
"Noch helleres Licht"
Liebe Brüder!
Ich habe Euren Artikel "Porträt eines Ältesten" in der Nummer 233 gelesen. Er weckte so mancherlei Erinnerungen in mir, als ich selber noch ein Zeuge war. Dieses Porträt kommt mir sehr bekannt vor, ich glaube, es handelt sich um den Bruder R. aus der Versammlung Rathenow. Er fungiert dort als Versammlungsältester, wurde aber nie von Berlin (Bayernallee) oder von Wiesbaden als solcher offiziell eingesetzt. Man hat ihn im Laufe der Zeit als solchen geduldet. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, kam er nach Rathenow. Bei einer Besprechung mit dem damaligen Versammlungsaufseher von Rathenow in Berlin, mit Bruder Pohl, wurde deutlich gemacht, daß der Bruder R. der Versammlung Rathenow nur als Hilfe und Beistand gegeben wurde.

Das hatte auch seinen bestimmten Grund, denn zu der damaligen Zeit war es aus Sicherheitsgründen verboten, daß Brüder, die aus dem Gefängnis entlassen waren, keine verantwortliche Funktion in der Versammlung bekleiden durften. Dieser Bruder aber hatte sich im Laufe der Zeit die Funktion des Versammlungsaufseher angeeignet. Proteste des Kreisdieners, beim damaligen Gebietsdiener in Finow und in Berlin, bei Bruder Pohl, fanden kein Gehör. Man sagte, wenn die Dinge nun einmal so sind, dann sollen sie auch so bleiben.

Als der damalige Kreisdiener dann in den 60ziger Jahren nach Wiesbaden fuhr, sagte ihm Bruder Pohl das gleiche. Aber eine offizielle Ernennung gab es auch danach nicht. Und so wirkt er nun schon viele Jahre.
Viele Brüder haben sich damals gefragt, wie kann Gottes Segen auf einer Versammlung ruhen, in der solche Zustände herrschen. Brüder, die Bruder R. gefährlich werden konnten, hat er aus der Versammlung geekelt. Er hat sie einfach kaltgestellt, oder so deprimiert, daß sie die Versammlung verlassen haben, oder in eine andere Versammlung übergewechselt sind.
Seine Herrschsucht ging soweit, daß er den alten Kreisdiener fast zum Selbstmord trieb. Schwestern, die er gut leiden konnte, brauchten ihm über einen Bruder nur etwas flüstern und ohne mit dem betreffenden Bruder darüber zu reden, wurde er gleich dem Kreisdiener gemeldet. Dann erst kam es zu einer Aussprache.

In viele Familienangelegenheiten, selbst in die intimsten, mischte er sich ein, was auch seine Folgen hatte. Denn die Familien zogen weg, oder trennten sich. Auch ist bei ihm ein Bruder, der nicht im Gefängnis war, kein richtiger Bruder. Diese Einstellung vertritt er leider nicht allein, sie herrscht im allgemeinen bei den Zeugen Jehovas vor ...
Euer Bruder ...

UNSER BRUDER HEINZ BOLZE GESTORBEN
Ein christliches Leben ging zu Ende
Er starb im Herrn, unser Bruder Heinz Bolze in Leipzig, wie es seiner christlichen Glaubenshoffnung entsprach. Am 20. Januar 1989 im Alter von 71 Jahren schloß er für immer die Augen. Bis zuletzt war er im Dienst am Wort für eine christliche Neuorientierung vor allem ehemaliger Zeugen Jehovas in außergewöhnlichem Maße engagiert, Wir werden sein Werk ausführlich würdigen. Von 1980 bis 1988 ist er besonders als der Herausgeber der Zeitschrift WEGGEFÄHRTE bekannt geworden. Nach bitteren Lehren in der Bibelforscherbewegung (jetzt Zeugen Jehovas) unter der Wachtturmgesellschaft schloß er sich den dann in der DDR in Abkehr von der Gesellschaft entstandenen Gruppen freier Christen an, in denen er den Schwestern und Brüdern alsbald wegweisend am Wort diente. Er gehörte dann auch 1958/59 zu den geistigen Beratern des Begründers der CHRISTLICHEN VERANTWORTUNG, Willy Müller, Gera. Beiträge von ihm finden sich u. a. in den CV-Ausgaben 83/1976 bis 101/1977.

Viele kennen auch seine vervielfältigten Vorträge für WTG-freies Christsein, Er nahm auch an mancher CV-Beratung teil.
Die ihn näher kannten, wissen um sein schriftgemäß glaubenskämpferisches Herangehen an zu beantwortende Fragen, Entschieden verfocht er ein unbedingtes Bleiben in der Schule Jesu Christi, wie er die Nachfolge Jesu u. a. bezeichnete, und es war nicht einfach, der WTG in Wort und Schrift entgegenzutreten. Wer hat schon den Glaubensmut und die Ausdauer dazu? Wer möchte schon "durch die Spießruten" der oft genug intoleranten und erbarmungslosen Wachtturm-Beauftragten laufen? Mit ihrem ALLEIN-SELIGMACHUNGSANSPRUCH, der für jeden anderen nur die Verdammung kennt? Er hatte diesen Glaubensmut, auf sein Schriftverständnis gestützt. Er gehörte zu den wenigen, die so im Glauben aufstehen und kämpfen.

In allem dürfen wir jedoch seine liebe Frau nicht vergessen. "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei". So war die Güte seiner Arbeit auch ihr Teil. Seit dem Tode seines Mitarbeiters Martin Pützmann 1981 hatte er die Hauptverantwortung für die Arbeit allein, die nun einen bleibenden Platz in der Geschichte des christlichen Glaubenskampfes hat. -
-CV-

HAST DU DAS GEWUSST?
Am 23.12.1985 beging die Schwester Susanne S., Magdeburg, in ihrer Wohnung Selbstmord, sie hatte sich mit Schlaftabletten und Stadtgas vergiftet. Schwester S. wurde seit ihrer Kindheit im Glauben an Jehova erzogen.
Ihre Mutter Elke S., ebenfalls Magdeburg, gehört seit vielen Jahren der Organisation an. Der Onkel, Volker Sch. Magdeburg, übt das Dienstamt eines Altesten aus. Er war territorial für diese Schwester zuständig. Wie uns Brüdern bekannt wurde, wurde zum obengenannten Zeitpunkt durch die VP ein Ermittlungsverfahren gegen die S. eingeleitet, da sie in ihrem Arbeitsbereich kleinere Diebstähle durchgeführt hatte.

Dem Selbstmord war jedoch ein Gemeinschaftsentzug vorausgegangen. Der Gemeinschaftsentzug wurde durch den fanatischen Versammlungsaufseher Hans-Joachim G., Magdeburg, im November 1985 gegen Schwester Susanne S. ausgesprochen. Obwohl einige Brüder und Schwestern der Versammlung mit dieser harten Strafe nicht einverstanden waren, setzte sich der Älteste G. mit seiner Entscheidung durch.
Mich selbst plagt seit dieser Zeit ein schlechtes Gewissen, da ich ohne etwas zu tun zuließ, daß in der Vergangenheit gegen mehrere Brüder Gemeinschaftsentzüge durch diesen Altesten G. ausgesprochen wurden.
-eingesandt-

„ÜBERREST"-VERSTÄNDNIS GERAT INS WANKEN
Im WT vom 1.1 ,87, S. 22, Abs. 16 dt, wird eine weitere einst weltweit verkündete WT-"Wahrheit" wieder aus den Angeln gehoben. Es heißt dort, daß "im Jahre 33 n. Chr. die neue Nation ins Dasein kam".
Ein fundamentaler Gesichtspunkt für das Selbstverständnis der "Überrestglieder" unter den Zeugen. Damit wird die zuvor geltende "Wahrheit", daß "1914 die Geburt der neuen Nation geschah" (WT 15.4.1925, S. 121, Abs. 87, und WTG-Buch "Befreiung", 1926, Kapitel 11, die Geburt der Nation) als "göttliches Licht" wieder ausgelöscht. Da kaum jemand hier noch ein "Überrestglied" kennt, mag die WTG auch in dieser Frage leichtes Spiel haben, die 8685 weltweit zerstreuten und kurz vor ihrem Tode stehenden "Überrestglieder" haben ohnehin kein Mitspracherecht im WT. Ihre Verzweiflung ist allein ihr Problem. Die WTG interessiert nicht einmal ihre Namen.
Ein WT-Leser

AKTUELLES IN KÜRZE
KOMMT DIE WTG IN DER BRD VOR DAS VERFASSUNGSGERICHT?
Ein Ausführungsgesetz zum Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Religionsausübung zusichert, hält der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack, München, für erforderlich. In einer Stellungnahme schreibt er, es müsse geprüft werden, ob dieses Grundrecht "schrankenlos" gelte und welche Art der Religion gemeint sei. Haack hält dies für "dringend geboten" angesichts der "immer stärkeren religiösen Zersplitterung, unter der auch extreme Religionsbewegungen vordringen, und in Anbetracht des sich ständig ausbreitenden Okkultismus".

So könnten sich beispielsweise satanische Gruppierungen oder "Wahnsinnsreligionen mit Menschenopfern" als Religion bezeichnen. Solche Bewegungen deckt jedoch der Artikel 4 des Grundgesetzes nach Haacks Ansicht nicht ab. Auch könne nicht jede Selbstverwirklichungsgruppe den Schutz der Religionsausübung in Anspruch nehmen. Als das Grundgesetz erstellt wurde, habe es keine Organisationen zur Gewinnmaximierung gegeben, die sich als Kirche oder Religion deklariert hätten. Der Artikel 4 stelle jedoch ein "unverzichtbares Grundrecht" dar, das allen Religionsgemeinschaften gelte. Dazu gehören nach Haacks Worten beispielsweise auch Jugendreligionen und Meditationsbewegungen. - (idea Spektrum 50/86)

Das bereits in der leitenden Körperschaft der WTG minderheitlich angefochtene WTG-Dogma des Blutkultes des Transfusionsverbotes wäre zufolge der damit verbundenen Menschenopfer unter den Zeugen eine solche "Wahnsinnsreligion".
Gibt die WTG diesen tödlichen Blutkult nicht auf, und kommt es zu der geforderten Klärung, könnte dann nicht auch die WTG vor das Bundesverfassungsgericht kommen? -

AUS DER WELT DER ZEUGEN
DER "ÄLTESTE" HANS AUS DEM NORDEN
Einige der in Tim. 3:1-7 angeführten Erfordernisse scheint er wohl gar nicht zu kennen. Wie kann es sonst angehen, daß er den Versammlungsmitgliedern predigt, die Ehe in Ehren zu halten, sich gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr ausspricht und seine Verlobte aber (ebenfalls getaufte Zeugin seit Jahren) hochschwanger ist. Da ist es wohl kein Wunder, wenn Gerede und Unruhe in der Versammlung aufkommt und so auch andere unschuldige Zeugen vor Außenstehenden in Mißkredit geraten, so war auch von einem ehemals Interessierten zu hören: "Die wollen mir was erzählen? Na, sollen sie sich doch erst mal ihren 'Vorsteher' ansehen, da haben sie genug zu reden. Wie der Herr, so das Gescherr."

Daß dieser Mann so redet, ist nicht verwunderlich, denn als bibelkundiger Christ kennt er auch gut die Bibelstelle aus Titus 1:7: "Denn als Gottes Verwalter muß ein Aufseher frei von Anklage sein, nicht eigenwillig, nicht zornmütig, kein Trinker, kein lärmender Schläger, nicht auf UNEHRLICHEN GEWINN erpicht."
Letzteres mußte er bei einem Besuch vom Ältesten Hans erfahren, denn er stellte nach dem Rückbesuch bei diesem Interessierten ein kleines Kästchen mit Schlitz drin auf den Tisch und fragte den Interessierten, ob er nicht etwas für das christliche Predigtwerk spenden möchte.

Ja, bei solcher Handlungsweise ist es wohl nicht verwunderlich, wenn sich Interessierte enttäuscht abwenden und den entsprechenden Kommentar dazu abgeben, denn dies war ein eindeutiger Verstoß gegen Jesu Gebot aus Matthäus 10:8, wo es heißt: "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben."
Die Folgen, die so ein Ältester wie Bruder Hans verursacht, sind natürlich, daß sich immer mehr Interessierte zurückziehen und es keinen Zuwachs für die WTG in Mecklenburg gibt.
Darum, liebe Verkündiger unter den Zeugen, schaut euch eure Ältesten ruhig ein wenig kritischer an und prüft, ob sie selbst das halten, was sie anderen predigen.
-H.S.W.-

DEM WTG-KOORDINATOR (ZWEIGAUFSEHER) DER BUNDESREPUBLIK
DIE GEMEINSCHAFT ENTZOGEN
DER FALL RICHARD E. KELSEY
Wie im Januar 1989 aus dem WTG-Zweigbüro in Selters/BRD bekannt wurde, ist dort einem "hohen Mitarbeiter" die Gemeinschaft entzogen worden.
Nach Erklärungen aus informierten ZJ-Kreisen handelt es sich um Richard E. Kelsey, den dort hauptverantwortlich vom Hauptbüro in Brooklyn eingesetzten Koordinator oder Zweigaufseher.

Schon im Sommer 1988 wurde unter den ZJ darüber gesprochen, daß sich Richard E. Kelsey auf einem "Abweg" befinde. WTG-Pionier-Verkündiger sagten dazu, daß sie auch gehen würden, wenn Bruder Kelsey geht. Kelsey ist Amerikaner. Er wurde seinerzeit als Nachfolger von Konrad Franke eingesetzt, der nach seiner damals WT-gemäßen Ansicht, 1975 kommt Harmagedon (Ansprache 20.1.1968 in Hamburg) 1969 seines Dienstamtes enthoben wurde.

Wenn Richard E. Kelsey nun ausgeschlossen wurde, wie uns mitgeteilt wird, dann bestätigt sich wieder, was sich auch beim Weggang des Mitgliedes der Leitenden Körperschaft Raymond Franz gezeigt hat: Wer ehrlich dabei ist, und die Entwicklung der Organisation hinreichend überblickt und die Möglichkeit hat, hinter die Kulissen zu schauen, kann dann nicht mit ehrlichem Herzen weiter mitmachen. Er müßte vor sich, Gott und den Menschen zum Heuchler werden.
Wie zusätzlich vermutet wird, steht der Weggang von Kelsey auch mit der Frage der Nachfolge für den 95jährigen WTG-Präsidenten F. W. Franz und mit dem Kurs der WTG danach im Zusammenhang.

Sicher besteht für viele die Möglichkeit, zum Fall von Kelsey auf diese oder jene Weise Anfragen zu stellen. Auf die Dauer kann schließlich auch die WTG nichts verbergen. Sie mag solche Personen verleumden und diffamieren, ihnen unlautere Beweggründe anhängen, damit ihr Beispiel keine Wirkung habe. In der Hauptsache waren es immer die Besten, denn nur solche hat sie nach gründlichster Prüfung in die Spitze aufsteigen lassen. Das Erstaunen und Erschüttertwerden von Raymond Franz nach seinem Eintritt in die Leitende Körperschaft der WTG läßt ahnen, was Richard E. Kelsey in der WTG-Führung nach und nach zum Bewußtsein kam. - Wir werden sicher über ihn noch mehr erfahren.
-CVN-

-"Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner -
DDR 6500 Gera, Straße der Republik 46; Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos
Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe Gera

A 292/89 V 7 1 836 N2

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