Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 209

In dieser Ausgabe unter anderem eine Aufzählung, was denn die verschiedenen Kirchen in der DDR alles so an karitativen Einrichtungen aufzuweisen hätten. Nun kann man zwar akzeptieren, dass da bei den Zeugen Jehovas ein einziges, riesiges Manko besteht. Hätte eine westliche Zeitschrift für ihren geographischen Bereich mal eine solche Vergleichsaufzählung vorgenommen, wäre das sicher okay. Nur der wesentliche Unterschied ist doch wohl der:
Die CV erschien in der DDR. Da einen solchen Vergleich zu bemühen, ist wohl mehr als deplatziert.


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR

NR. 209 GERA DEZEMBER 1986

DIE WTG IM ABSEITS
WIR PRÜFEN WT 14 UND 15/1986.
DAS WT-SCHWERT IST VOLLER SCHARTEN
DIE „UNPOLITISCHE" WTG
Eine CV-Dokumentation
EIN BRIEF AN DEN HERAUSGEBER
AKTUELLES IN KÜRZE
AUS DER WELT DER ZEUGEN
FRAGEN AN FREDDIE
Mit spitzer Feder aus USA und Kanada

CV WÜNSCHT EIN WEIHNACHTSFEST IM FRIEDEN
Liebe Brüder und Schwestern!
Millionen Menschen feiern wieder Weihnachten. Teilweise aus religiöser Überzeugung - in Gedanken an Jesu Christi.
Vielfach wird das Weihnachtsfest aber nur als ein Fest der Familie begangen. Allen gemeinsam ist in diesen Tagen wohl die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Frieden. Mit den Verwandten und Bekannten, den Nachbarn und Freunden gut auszukommen - das wünschen sich viele Menschen.
Trägt dieser Friede mit den Nächsten wesentlich zum eigenen Seelenfrieden bei.

GEFAHREN, DIE DEM FRIEDEN ENTGEGENWIRKEN
Trotz aller guten Vorsätze kommt es in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu Problemen. Selbst zwischen Ehepaaren gibt es Meinungsverschiedenheiten, die sich mitunter zum Streit auswachsen.
Wieviel größer aber ist die Gefahr, daß Unstimmigkeiten zwischen Menschen entstehen, die in keiner engen Beziehung zueinander stehen.
Unterschiedliche Interessen und Ansichten, verschiedenartige Charaktäre sowie die kleinen und großen menschlichen Schwächen beeinträchtigen oft das Miteinander.

RATSCHLÄGE, DIE DEN FRIEDEN FÖRDERN
An gutgemeinten Ratschlägen fehlt es nicht. Viele Bücher wurden geschrieben, damit den Menschen geholfen wird, ihr „seelisches Gleichgewicht", den Frieden mit dem Nächsten oder den Frieden in der Welt zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Christen versuchen natürlich, sich besonders nach den nützlichen Lehren der. Bibel auszurichten`: In diesem Buch spielt der Friede eine überaus wichtige Rolle (siehe z. B. Spr. 12:20; Matth. 5:24; Rö. 12:18; Rö. 14:19 u. a.. m.).
Viele gutgemeinte Ratschläge bezüglich des friedlichen Zusammenlebens in der Familie, mit Nachbarn und Arbeitskollegen und in der Versammlung der Zeugen Jehovas kann man in diesen Schriften finden.

DER WELTFRIEDEN IST FÜR DIE WTG TABU
Erstaunlicherweise beschränkt sich das Friedensengagement der WT-Organisation auf die genannten Bereiche. Aktivitäten, die das Ziel -haben, den Frieden in der Welt zu erhalten, werden als nutzlos herabgewürdigt:
„Einige humanitäre Organisationen versuchen, das Los des Menschen zu verbessern, aber die Welt, ist zu tief in den Morast der Korruption und Gewalttätigkeit gesunken, als daß menschliche Bemühungen erfolgreich sein könnten." (WT 11/84, Seite 6)
„Die Menschen werden wegen ihrer begrenzten Weisheit und ihrer begrenzten Fähigkeiten niemals in der Lage sein, für alle Frieden und Sicherheit zu schaffen." (WT 19/85, Seite 5).

DER FRIEDE IST UNTEILBAR
Sollen nun tatsächlich alle Bemühungen um einen Weltfrieden vergeblich sein? Andererseits. Ist ein wahrer Seelenfrieden oder der Friede in der Familie erreichbar, wenn man sich im Kriegsgetümmel befindet? Ist ein solch „kleiner Frieden real, wenn man um sein Leben oder um das der Angehörigen bangt?
Nein, an dieser Stelle wird das Problem erkennbar: Zwischen dem Frieden im Kleinen und dem Frieden im Großen besteht ein Zusammenhang.
Nur im (Welt)-Frieden können Menschen glücklich sein!
An dieser Tatsache kommt auch ein Zeuge Jehovas nicht vorbei.

„DEN FRIEDEN KAUFT MAN NIE ZU TEUER …"
Gut ist es, zu sehen, daß es viele Menschen gibt, die um die Gefahr eines dritten Weltkrieges wissen und sich für dessen Verhütung einsetzen. In dieser „Koalition der Vernunft" befinden sich auch religiös gebundene Personen.
Sie scheuen kein Engagement, denn sie halten es mit Martin Luther:
„Den Frieden kauft man nie zu teuer, denn er bringt dem, der ihn kauft, großen Nutzen."
Diese Menschen, setzen sich mit all ihrer Kraft für die vielen kleinen und großen Aktivitäten ein, die alle das eine Ziel haben: den Frieden zu erhalten.
Und sie würdigen den Vorschlag der UdSSR, der darauf hinzielt, alle Kernwaffen bis zum Jahr 2000 abzuschaffen.

„… DIE… ZUM FRIEDEN RATEN, HABEN FREUDE"
Ein Leben im Frieden - eines der höchsten Ideale der Menschheit. Möge es möglichst bald auf der ganzen Erde Wirklichkeit werden!
Jeder Mensch sollte sich angesprochen fühlen, sein Scherflein dazu beizutragen.
Auch ein Zeuge Jehovas, es lohnt sich:
„Trug ist im Herzen derer, die Unheil schmieden, die aber zum Frieden raten, haben Freude."
(Sprüche 12:20; NW)
Frieden und Freude wünschen sich alle Menschen, einschließlich der Zeugen Jehovas.
Daran sollte uns das Weihnachtsfest auch erinnern. -

UNSERE ZEITSCHRIFT CHRISTLICHE VERANTWORTUNG"
EIN UNENTBEHRLICHER INFORMATOR
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG ist eine Schrift für alle, die sich aus christlicher und humanistischer Verantwortung mit der Lehre und Tätigkeit der „Wachtturm-Gesellschaft" (WTG), der Organisation der Zeugen Jehovas befassen.
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG hat die Aufgabe, ständig über die WTG zu informieren und wendet sich deshalb an alle mit der WTG Verbundenen in der DDR und anderswo.
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG hat zum Inhalt, laufend die Bibelauslegungen der WTG zu untersuchen, die religiöse und politische Strategie und Taktik der WTG zu beleuchten sowie über ihre wirkliche religiöse und politische Entwicklung zu berichten. Dabei wird das Ziel verfolgt, einen Weg zu weisen, der frei ist von religiösen Irrtum und politischen Mißbrauch und allen seinen Folgen.
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG geht dabei von den Tatsachen aus, daß die WTG unter Mißbrauch der guten Prinzipien des Christentums, des Glaubens an die Bibel und. an Gott eine globale religiöse und politische Irreführung betreibt.
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG will den Zeugen Jehovas auf diese Weise helfen, frei zu werden für ein Leben in echtem christlichem und humanistischem Geiste. Die „Wahrheit" über die WTG soll „frei machen", als Christen den Platz zu finden, der der sozialen und humanistischen Verantwortung für das tägliche individuelle und gesellschaftliche Leben entspricht, die natürlicherweise auch auf jedem Christen ruht.
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG ist durch beständige Aktualität in Hinblick auf die illegale religiös-politische WTG-Tätigkeit in der DDR wie in anderen Ländern ein unentbehrlicher „Informator".
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG fordert alle Zeugen. Jehovas und Interessierte auf, Stellung zu nehmen, auch wenn es sein muß anonym, Fragen zu stellen, Hinweise zu geben, ideelle und materielle Beiträge zu übermitteln sowie korrespondierende Mitarbeiter zu werden, wenn sie die CHRISTLICHE VERANTWORTUNG akzeptieren.
CV-Redaktion
Otto-Dix-Str . 6
6500 Gera

DIE WTG IM ABSEITS
Angesichts der historisch gewachsenen konfessionellen Vielfalt und Meinungsverschiedenheit ist die Trennung von Kirche und Staat die Lösung für alle.
Der Staat stellt keine religiösen oder antireligiösen Forderungen und Bedingungen mehr. Er sichert vielmehr die Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Der Staat hat eine begrenzte gesamtgesellschaftliche Wächterfunktion, wie das in Römer 13: 2-5 schließlich auch gesagt ist. Der christliche Glaube, welcher Konfession auch immer, hat von sich aus einen caritativen bzw. diakonischen Sozialauftrag (Samariterdienst nach Lukas 10).
Er hat weiter nach Römer 13: 1-10 und Titus 3: 1, 2 z. B. in Zusammenarbeit mit der „obrigkeitlichen Gewalt" zu „jedem guten Werk" bereit zu sein, so ergeben sich automatisch Beziehungen zwischen Staat und Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften.

Die evangelische Kirche unterhält allein in der DDR 52 Krankenhäuser mit rund 7 000 Betten, 87 Heime für geistig und körperlich Behinderte mit über 6 000 Betten, 11 Heime für Mutter und Kind mit über 500 Betten, 280 Alters- und Pflegeheime mit über 11 000 Betten, 23 Kinderheime mit 647 Betten, 6 Hospize mit 452 Betten, 112 Erholungsheime, 550 Gemeindepflegestationen, 328 Kindertagesstätten mit etwa 17 000 Plätzen. Die katholische Kirche verfügt über 40 Krankenhäuser und 167 andere kirchliche Heime für soziale Zwecke.
Kleine Gruppen und Glaubensgemeinschaften, z. B. die ev.-methodistischen Gemeinden, unterhalten 3 Diakonissenwerke mit 122 Schwestern und 22 Verbandsschwestern. Hinzu kommen die Gemeinden der Baptisten, Adventisten u. a. mit den verschiedensten ähnlichen Hilfswerken für soziale Zwecke. An 6 staatlichen Universitäten gibt es Sektionen .für Theologie. Es bestehen 5 kircheneigene Ausbildungsstätten. Die Kirchen. und religiösen Gemeinschaften und Gruppen verbreiten zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und sonstige Schriften. Eine -halbe Million Bibeln werden, jährlich verlegt.
Der Staat gewährt den Religionsgemeinschaften erhebliche finanzielle Mittel: Für Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime. Für Unterhalt von religiösen Leitern (Pfarrern) über 10 Millionen jährlich. Für Objekte (sakrale Bauten, Räumlichkeiten) 1,2 Millionen pro Jahr. Für Studienzwecke 4 Millionen jährlich. (Stand 1976.)
Dies ist alles nur möglich, weil der Staat mit keiner Konfession identisch ist.

UND DIE WACHTTURM-GESELLSCHAFT?
Die WTG verneint mit ihrer willkürlichen Bibeldeutung den caritativen bzw. diakonischen Sozialauftrag des christlichen Glaubens. Sie bekämpft prinzipiell die Rechtmäßigkeit der „obrigkeitlichen Gewalt" mit ihrer haltlosen „endzeitlichen" Bibeldeutung. Ihr Motto:
„Jede Mark und jeder Pfennig den Zeugen Jehovas für caritative Zwecke ausgeben, vermindert die Einnahmen und fehlt in der Kasse der Wachtturm-Gesellschaft".
- K.O.

EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN APG 17:11
DER WACHTTURM
WIR PRÜFEN DIE WT 14 UND 15/1986
STUDIENARTIKEL:
„Wandelt weiterhin im göttlichen Licht".
„Lebt weiterhin als Kinder Gottes"
„Bekundet stets Liebe und Glauben"
AUCH DIE WTG SOLLTE DAZULERNEN
Unsere Beachtung verdient die Fußnote auf Seite 10. Hierin wird dem Wachtturm-Studienleiter die Anregung gegeben, „die angegebenen Stellen aus 1. Johannes vorlesen zu lassen, soweit es die Zeit zuläßt." Mit diesem Hinweis ist das indirekte Eingeständnis der WTG verbunden, daß das Vorlesen von Bibelstellen im Wachtturm-Studium ansonsten nicht die Regel ist. Auch beim Vorstudieren des WT fehlt dem Zeugen Jehovas auf Grund der Fülle von Literatur, die er bewältigen muß, die Zeit, Bibeltexte nachzuschlagen.
Somit ist die Vielzahl der angegebenen Bibelstellen in jedem Wachtturm nur eine vorgetäuschte, grell schillernde Fassade, hinter der ein Trümmerhaufen von wahllos durcheinander geworfenen Bibelfragmenten existiert.
Soll sich diese Praxis nun ändern?
Man wagt kaum, darauf zu hoffen!

WIDER DIE „ABTRÜNNIGEN"
Mit seinen Studienartikeln verfolgt dieser Wachtturm zwei Ziele:
Zum einen soll die in dem WT Nr. 6 und 7/1986 angelaufene Kampagne gegen Ausgeschlossene (vorzugshalber nun „Abtrünnige" genannt) fortgesetzt und biblisch untermauert werden. Das letztere gelingt natürlich nicht.
Zum anderen werden die Geschwister zur gegenseitigen Liebe „ermuntert".
Vorweg einige Kostproben:
„Abtrünnige, die ihre-ehemaligen Mitverbundenen im Dienst Jehovas: hassen, haben keine solche Gemeinschaft mehr mit Gott und Christus." (S. 11)
„Sie (Jehovas Zeugen; Anm. d. Red.) kennen bestimmt die „Wahrheit „' in bezug auf Jesus Christus, :wohingegen die Abtrünnigen irrige Vorstellungen von ihm haben." (14)
„Geistgezeugte haben eine 'Salbung durch den heiligen Geist, haben Gott und seinen Sohn kennengelernt und 'benötigen niemand keinen Abtrünnigen), der sie lehrt'." S. 16)
„Außerdem 'erkennen' und schätzen solche gewohnheitsmäßigen Sünder, wie zum Beispiel die Abtrünnigen, Christus nicht als das sündensühnende 'Lamm Gottes' ',(Johannes 1:36)." (S. 16)
Es ließe sich über diese Zitate viel schreiben.
Möge eine kurze Antwort diesmal genügen:

VON DEN „ABTRÜNNIGEN" LERNEN
a) Haß wird nicht von seiten derer aufgebaut, die die Organisation der Zeugen Jehovas verlassen. Diesen Haß schürt die WTG, indem sie ihre Anhänger gegen die ehemaligen Mitverbundenen aufhetzt. Dabei ist ihr jedes Mittel recht. Dies geht bis zu äußerst geschmacklosen Ausdrücken, die dem „Unterweltmilieu" entstammen (siehe WT Nr. 6/1986).
b) Wie. sehr die WTG Jesus „achtet", wurde im WT Nr. 8/1984 deutlich
„Jesus ist vielmehr völlig damit zufrieden, der Gehilfe und Sprecher seines Vaters zu sein," (S. 20)
Die Stellung der ZJ zum Abendmahl beweist ein übriges.
Letztendlich zeugt es sicher nicht von Achtung gegenüber Jesus Christus, wenn der Wachtturm Nr. 7/1986 auf Seite 31 schreibt:
„Offensichtlich kann eine anerkannte Mitverbundenheit mit Jehovas Zeugen nicht lediglich auf einen Glauben an Gott, an die Bibel und an Jesus Christus beruhen."
c) Und wie sieht es mit dem angeführten Zitat aus:
„Geistgezeugte … 'benötigen niemand (keinen Abtrünnigen), der sie lehrt'."? Anscheinend sind die WT- und Erwachet-Schreiber in Brooklyn doch nicht so „geistgezeugt", um keine Fehler zu machen. Oder paßt der heilige Geist nicht in jedem Fall. genau auf?
Jedenfalls müssen sich diese Brüder immer wieder korrigieren lassen. Sichtbar wird dies an den Erwachet Nr. 3 und 4/ 1986 auf Seite 28.
In der Rubrik „Leserbriefe" müssen sie ihre Fehler notgedrungen zugeben.
Waren es nun vielleicht sogar „Abtrünnige", die diese Fehler gemerkt haben?
Wie dem auch sei:

EINEN LEHRER SOLL KEINER AUSSCHLAGEN!
WACHTTURM NR. 15/1986
STUDIENARTIKEL:
„Jugendliche, laßt euch nicht täuschen!"
„Junge Menschen,
die Jehovas Herz erfreuen"
NEBENARTIKEL:
„Wächst euer 'Kind 'zur Rettung heran'?"

JUGENDLICHE WERDEN BETROGEN
Tatsächlich möchte man ausrufen:
„Jugendliche, laßt euch nicht täuschen!"
(Siehe Seite 10.)
Besonders, wenn man auf S. 15 lesen muß:
„Im Gegenteil, Gottes Organisation liebt euch, und alles, was gedruckt und gesagt wird, dient dazu, euch zu schützen - euch das Leben zu retten! … Es gibt auf-der Erde keine andere Organisation, die sich so sehr um ihre Jugendlichen kümmert und sie so, sehr liebt."

JUGENDLICHE
LEISTEN SKLAVENARBEIT FÜR DIE WTG
Wie weh tun solche Worte dem Eingeweihten, welcher die Machenschaften der WTG durchschaut hat! Geht es in diesem WT doch um Kinder und Jugendliche, die ihr Leben noch vor sich haben.
Gerade in den jungen Jahren eines Menschen müssen Grundlagen gelegt und Entscheidungen getroffen werden, für die es im Alter meistens zu spät ist. Dazu gehören beispielsweise eine fundierte Ausbildung, Partnerwahl und Heirat.

Statt dessen fordert dieser WT:
„Kannst du dir Ziele stecken, durch die du Jehova an die erste Stelle in deinem Leben setzt, statt einfach darauf bedacht zu sein, eine gutbezahlte weltliche Arbeit zubekommen, dann zu heiraten und Kinder zu haben?" (S. 20)
Deutlicher ausgedrückt bedeutet das: Jugendliche Zeugen Jehovas sollen auf eine höhere Schulbildung bzw. gar ein Studium verzichten und lieber einen „praktischen" Beruf erlernen (dieser ist u. U. auch innerhalb der WTG gefragt).

Laut WT-Text aber noch lobenswerter:
„In der Schule wird dem Kind vielleicht ein bestimmter Beruf empfohlen, doch christliche Eltern können Ziele hervorheben, die das wachsende Interesse des Kindes, Jehova zu dienen, befriedigen werden, wie zum `Beispiel den Pionier-, den Bethel oder den Missionardienst. (S. 29;30)
Gar nicht gern sieht es die WT-Organisation, wenn junge Menschen heiraten und Kinder bekommen, da sie dann nicht mehr ihre ganze Kraft für den WT-Dienst einsetzen können. Denn für ihre schwere Knochenarbeit braucht die WTG billige, aber kräftige Arbeiter. Zweigbüros- und Königreichssäle müssen gebaut werden.
„Der Bau solcher neuen Gebäude ist schwere Arbeit, und einen Großteil davon bewältigen junge Menschen mit ihrer Kraft und guten Kondition. Auch der Löwenanteil der schweren körperlichen Arbeit, wie das Drucken, Binden und Versenden der jährlich Tausende von Tonnen biblischer Literatur, wird von Jüngeren bewältigt.
In der Weltzentrale der Zeugen Jehovas in New York und auf den Wachtturm-Farmen arbeiten über 1400 junge Menschen, die nicht älter als 25 Jahre sind." (S, 20)

AUS ZJ-JUGENDLICHEN
WERDEN ENTTÄUSCHTE ERWACHSENE
Fazit: Tatsächlich gibt es „auf der Erde keine andere Organisation, die sich so sehr um ihre Jugendlichen kümmert". Zumindest in dem Sinne, daß die Jugendlichen durch die WTG. ausgenutzt und ausgebeutet werden in einem. Maße, wie man es auf der Erde kaum ein zweites Mal findet.
Kommt ein Mensch, der so erzogen wurde, im reiferen Alter zu der bitteren Erkenntnis, irregeleitet zu sein, steht er vor einem finanziellen, sozialen und beruflichen Ruin. Dies belegen zahlreiche traurige Beispiele!

DIE TATSACHEN SPRECHEN FÜR SICH
Wie steht es nun mit der Behauptung der WT-Organisation, daß es auf der Erde keine andere Organisation geben würde, die ihre Jugendlichen „so sehr liebt"?
Lassen wir die Fakten sprechen. Jeder Zeuge Jehovas, besonders jeder jugendliche ZJ, möge danach selbst urteilen.

„Jonadabe, die jetzt (im Jahre 1938 (!), Anm.) ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will, besser tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm Harmagedons vorüber ist, und dann die ehelichen Beziehungen aufzunehmen und die Segnungen zu genießen, die mit einer Anteilnahme am Füllen der Erde mit gerechten und vollkommenen Kindern verbunden sind." (Schau den Tatsachen ins Auge, S.50,0 1938) Ein Zeuge, der im Jahre 1938 20 Jahre alt war, ist nun bereits 68 Jahre alt und damit kinderlos - falls er sich an diesen Rat. gehalten hat.
Diesen Tatsachen sollte man tatsächlich ins Auge schauen!

„Wenn du ein junger Mensch bist, so mußt du dir auch über die Tatsache im klaren sein, daß du in diesem gegenwärtigen System der Dinge nie alt werden wirst. Wieso nicht? Weil alle Beweise in Erfüllung biblischer Prophezeiungen anzeigen, daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden soll. … Wenn du zum Beispiel zur Mittelschule. gehst und eine Hochschulbildung in Erwägung ziehst, so bedeutet das wenigstens vier, vielleicht auch sechs oder acht weitere Jahre bis zum Abschluß in. einem besonderen Fach. Aber wo wird sich dieses System der Dinge dann befinden? Es wird auf seinem Weg zu seinem Ende weit vorangeschritten sein, wenn es nicht sogar schon verschwunden sein wird!" (Erwachet 22.8.1969, S. 15,16)

Ein im Jahre 1969 18jähriger Jugendliche ist nun bereits 35 Jahre alt. Er hätte selbstverständlich seine Ausbildung beendet und würde im Berufsleben stehen.
Aufgrund solcher und ähnlicher Zitate heirateten Tausende Zeugen nicht und weitere Tausende blieben unter ihren beruflichen Möglichkeiten.
Aber auch an „Kleinigkeiten" merkt. man, wie „jugendfreundlich" die WTG. ist.
Da werden Kinder. bei 30 Grad minus (!), in den Predigtdienst gejagt. (WT 7/85, S. 25). Mütter verlassen ihre Kinder, wenn nur das Bethel ruft (WT 7/85; S.27).
„Die Ehe sei nicht das Wichtigste im Leben eines Mannes", behauptet der WT 19/84 auf der Seite 15. Dies ist geradezu ein Freibrief besonders für Älteste, ihre Kinder noch mehr zu vernachlässigen.
Dieses Thema ist damit keineswegs abgehandelt. Allein die tragischen Schicksale vieler ehemaliger Zeugen, die schon als Kinder bzw. Jugendliche in diesem Glauben erzogen wurden, würden ganze Bücher füllen. Die WTG ist ausgesprochen jugendfeindlich! Darum:
Jugendliche, laßt euch nicht täuschen!
- Gerd R ... -

DAS WT-SCHWERT IST VOLLER SCHARTEN
„… da sie die gesunde Lehre nicht ertragen"
Will man einen Menschen von irgendeiner guten - oder auch schlechten - Sache überzeugen, so kommt es vor allem darauf an, ihm diese Sache recht schmackhaft zu machen, sie in den verlockendsten und schillerndsten Farben zu schildern, damit Neugier und Interesse geweckt werden. Ist es erst einmal soweit, dann kommt es nur noch darauf an, etwas mehr Nachdruck in die Darstellung zu legen und behutsam, doch geschickt die Gedanken desjenigen, den man beeinflussen will, immer ausschließlicher auf jenen Gegenstand zu lenken, von dem man ihn überzeugen will.

In den Büchern „Zum Predigtdienst befähigt" und „Leitfaden für die Theokratische Predigtdienstschule" nennt man dieses Vorgehen „Taktvoll gegen alle" und „Taktvoll, doch standhaft".
Dem Aufmerksamen wird hier bereits ein Widerspruch deutlich, denn im erstgenannten Buch (1957) ist man noch taktvoll gegen alle. Später änderte sich das in zunehmendem Maße. Und wenn man eben 1971 verlangt, zugleich standhaft zu bleiben, so ist das zum Beispiel eine mehr als harmlose Umschreibung für den Angriff auf alle Religionen, besonders aber auf die katholische Kirche, denn jeder Andersdenkende, Andersglaubende wird zunächst taktvoll behandelt. Zeigt er sich aber in den Augen eines Zeugen Jehovas und entsprechend den Lehren der WTG voll Widerspruch und störrisch, so beginnen unflätige Beschimpfung und taktloseste Beleidigung. Vielleicht geschieht es deshalb, um die Enttäuschung über einen Mißerfolg, die Wut über eigene Unzulänglichkeit und Unvollkommenheiten der WTG-Lehren zu vertuschen. In solchen Fällen also erscheint der WTG der Angriff als die beste Verteidigung.

BEWUSSTSEINSSCHLEICHEREI
„Behutsam, aber bestimmt, müssen wir die Menschen überzeugen von den Lehren des treuen und verständigen Sklaven!" erklärte mir vor Jahren ein älterer Bruder. Und dann führte er - höchst unzutreffend, wie ich heute weiß - den Vergleich von den Tauben und den Schlangen an und meinte, man müsse eben auch List gebrauchen, wenn es der Verbreitung und Durchsetzung von Jehovas Wort diene. Voller Stolz habe ich langjährige Zeugen oft gegenüber Interessierten davon sprechen hören, daß die WTG nicht „Anhänger" für Jehova einsammle, sondern „Lokomotiven". Diese Hinweise auf Aktivität, auf ein „ständig-mit-an-der-Spitze-stehen", schmeichelten gerade jungen Leuten besonders, die darin zunächst ungeahnte Möglichkeiten vermuteten, um sich zu beweisen, um tätig zu sein.

Daß diese Verlockung in einer geistigen Einengung endet, wer kann das in solch einem Moment ahnen, wenn ihm tätiges Mitwirken angeboten und große Anerkennung in Aussicht gestellt wird. Das ist eben der Trick, Erfolge ins Riesenhafte aufzublasen, Mißerfolge nicht zu nennen oder solange zu verschleiern, bis „die Maus in der Falle sitzt".

In „Zum Predigtdienst befähigt"- lesen wir auf Seite 218:
„Um die Person, mit der du studierst, zum .Dienst zu veranlassen, ist es am besten, sie zum Dienst von Haus zu Haus einzuladen. Erzähle fortwährend von deinen freudigen Erfahrungen. Strahle das Glück wider, das dieser Dienst mit sich bringt."
Weitaus größer als die verwinzelten Erfolge sind die Mißerfolge, die Ablehnungen, die Hinauswürfe, der empörte Widerspruch jener, die sich aus wahrem Glauben nicht als Lokomotive auf die verworfenen Gleise der WTG stellen lassen wollen.
Wie soll da ein. Interessierter von strahlendem Glück des Haus-zu-Haus-Dienstes überzeugt werden?

HERZFEHLER DER WTG
Der Leitfaden für die Theokratische Predigtdienstschule spricht im Lehrstück 15 davon, daß ein, Zeuge Jehovas beim Zeugnisgeben „das Herz der Zuhörer ansprechen" soll. Das klingt sehr schön. Aber eine geschickte Täuschung, steckt dahinter.
In dem Buch wird Sprüche 19:21 und 16:9 zitiert, und es wird gesagt, daß das Herz „Pläne macht", und „seine Wege ausdenkt". In der Neuen-Welt-Übersetzung aber finden wir:
„Viele Pläne sind im Herzen eines Mannes, aber der Rat Jehovas, der wird bestehen."
Sprüche 19:21.
und:
„Des Erdenmenschen Herz mag seinen Weg ausdenken, aber Jehova selbst lenkt in der Tat seine Schritte.
Sprüche 16:9

Beide Stellen also sind verfälscht, denn erstens wird nicht gesagt, daß das Herz Pläne macht, zweitens wird vom „Weg", nicht von „Wegen" gesprochen.' Was aber soll dieses Manöver, dieses Beobachten und Beeinflussen des Herzens? Beide Bibelstellen sagen doch, daß nur und ausschließlich Jehova die Herzen lenkt, wieso denn, nun auch jeder Zeuge Jehovas? Nun, es geht um völlige Abhängigkeit von der WTG und das wird unverblümt auf Seite 75 des „Leitfadens" ausgesprochen:
„Manchmal mag das Herz die Schlußfolgerungen des Sinnes überstimmen und eine Anregung geben, die das Gefühl oder Verlangen über. das logische Denken stellt und es ihm vorzieht …"

Dann heißt es kategorisch:
„Wenn Menschen durch die Umstände nicht mehr oder weniger gezwungen werden, anders zu handeln, folgen sie dem Lauf, der ihrem Herzen gefällt."
Diese „Umstände" und jene, die da „zwingen", sind offensichtlich die Autoren des Buches, also die WTG. Sie maßen sich also das Recht an, in die alleinige Lenkung der Herzen durch Jehova mit Zwang einzugreifen. Wieviel Unverschämtheit gehört eigentlich dazu, sich in solcher ofensichtlicher Falschdeutung über eindeutige Bibelhinweise hinwegzusetzen?
Alles läuft auf kritiklose Unterordnung und gedankenlosen Befehlsempfang hinaus.

HAST DU DAS GEWUSST? CV-DOKUMENTATION
DIE „UNPOLITISCHE" WACHTTURM-GESELLSCHAFT!
Wie „unpolitisch",
davon einige Kostproben:

„ERWACHET" 22. Dezember 1947 (Berner-Ausgabe)
DEUTSCHLAND UNTER RUSSISCHER HERRSCHAFT
'Seither hat sich für das deutsche Volk in politischer Hinsicht nicht viel geändert … zwar existieren die Konzentrationslager der Gestapo nicht mehr, doch fühlt sich die breite Volksmasse hier in der östlichen Zone im allgemeinen nicht viel freier als zur Nazi-Zeit …
Die Meinung ist vorherrschend, daß die Russen unbedingt verschwinden müssen, weil es solange keine wirklich freiheitliche Entwicklung gibt."

„ERWACHET" 22. August 1948 (Berner Ausgabe)
DIE SOWJETUNION
Eine sachliche Betrachtung von Land und Leuten
„Was den Sowjetkoloß für seine Gegner so furchterregend macht, ist das Ansteigen des Kommunismus in Europa-und anderen Erdteilen.
Mindestens elf Millionen organisierte Kommunisten in Frankreich und Italien. Machtübernahme durch die Kommunisten in Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei. Kommunistische Regierungen auch in Polen, Jugoslawien, Bulgarien und Albanien! …
Welche Mittel können die anderen gefräßigen Reiche dieser Welt anwenden, um dem knurrenden russischen Bären kräftig auf die ausgestreckten Tatzen zu klopfen."

„WACHTTURM", 1. April 1950
DEUTSCHE BEZIRKSVERSAMMLUNGEN DER ZEUGEN JEHOVAS 1949
„Ist der Bolschewismus schöner als andere Systeme? Glauben die Kommunisten, daß das, was Hitler begonnen hat, von ihnen vollendet werden müsse? Wir fürchten die Kommunisten genauso wenig, wie wir die Nazis gefürchtet haben!"

„ERWACHET", 8. Juli 1951
„VERFOLGUNGEN WÜTEN IN SOWJETDEUTSCHLAND."

„WACHTTURM", 1. Juni 1952.
„Gleich ungezügelten wilden Tieren zwingen sie dem Volk hinter dem Eisernen Vorhang ihre Ideen und wilden Träume auf. Und die anderen Nationen und Völker haben damit zu kämpfen. Hitler war von einem ähnlichen Wahnsinn besessen."

„JAHRBUCH DER ZEUGEN JEHOVAS 1953"
OSTDEUTSCHLAND
„In Ostdeutschland ist der Eiserne Vorhang der Unfreiheit tief heruntergelassen. Die Überwachung durch den Staat erfaßt alle öffentlichen Einrichtungen, Fabriken, Geschäftsfirmen und Verkehrsmittel. Der Staat dringt direkt in den engeren Familienkreis ein, und bestimmt erfüllen sich heute in diesem Lande und in vielen anderen die Worte von Matthäus 10:36 (NW):
'In der Tat, eines Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.'
Ein grausames Terror-Regime in dem von den Kommunisten beherrschten Ostdeutschland hält die Bevölkerung vom Staate abhängig und in völliger Sklaverei und dauernder Furcht."

„ERWACHET", 22. April 1957,
GOTTES WORT
TRIUMPHIERT ÜBER DEN KOMMUNISMUS
„Wahre Christen werden von kommunistischen Führern mißhandelt, aber ihr Glaube an Gottes Wort hält sie aufrecht. Lesen Sie den. ergreifenden' Bericht: 'STREIFLICHTER AUS DEM ROTEN PARADIES'
Wenn Sie diese Zeitschrift gelesen haben, wünschen Sie bestimmt auch einen Anteil an der Verbreitung der 10 000 000 (zehn Millionen) Exemplare zu haben, die von dieser Ausgabe gedruckt worden sind …
Geben Sie diese aufrüttelnde Botschaft auch an Ihre Freunde weiter."

Dieses sind nur einige wenige Ausschnitte aus WTG-Schriften bis 1957.
Ohne Rücksicht zu nehmen, auf ihre Zeugen Jehovas (die WTG braucht Märtyrer), steuerte und steuert sie ihren antikommunistischen und antisowjetischen Kurs.
Man muß wissen, daß kein Artikel in ihrer Literatur erscheint, der nicht durch die Zensur in Brooklyn gegangen ist. Sie inspiriert, diktiert und verbreitet weltweit ihre „unpolitischen" Ansichten. Warum? Wofür? In welchem Auftrag?
Wem gegenüber hat sie sich verpflichtet?
-W.W.-

EIN BRIEF AN DEN HERAUSGEBER
Werter Herr Werner!
Ich bedanke mich herzlich für Ihren freundlichen Brief und das Angebot des Kennenlernens. Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, Sekten oder speziell die WT-Gesellschaft zu bekämpfen. In der Zeit von mehr als dreißig Jahren, in. denen ich selbst ein eifriger und unerschütterlicher Anhänger dieses sehr menschlichen, aber nicht göttlichen Werkes war, hätte mich niemand mit Angriffen auf den WT und die Gesellschaft davon abbringen können. Im Gegenteil, ich hätte mich noch in meinem Tun bestärkt gefühlt, denn man muß ja verfolgt werden!
Daß ich Ihnen schreibe, und auch gestatte, die Artikel, wenn Sie Ihnen zusagen, in Ihrer Zeitschrift zu verwenden, hat einen etwas anderen Grund. Als ehemaliger Angehöriger dieser Gemeinschaft, die.. sich um das Banner des WT geschart hat, kenne ich sie natürlich genauer, als irgendeine andere. Doch was in ihr gelehrt wird, ist auch wenn es in besonders krasser Weise geschieht, letztlich symptomatisch für jegliches Sektenwesen.

Worum es mir geht, ist folgendes: den Ehrlichen eine Erkenntnis zu vermitteln, die zuerst mal schwer zu verkraften ist, und zu deren Gewinnung man doch einige Zeit und sehr viel Selbstüberwindung braucht, die Abtötung der eigenen Eitelkeit. Es ist die Erkenntnis des Umstandes, daß die Überzeugung, die auf den Lehren z. B. des WT beruht, eigentlich auf gar nichts besteht. Die „lebenswichtigen Erkenntnisse", die einst zur Gründung der Gemeinschaft führten, sind längst Makulatur, sind lange außer Gebrauch, die Gründe von einst sind abgetan, die Gründung kann als unnütz erkannt werden. Diese Einsicht versuche ich zu vermitteln. Wenn man das im Innersten begriffen hat, kann sich, ich habe es an mir selbst gemerkt, die Wandlung vollziehen. Wenn wir helfen wollen, kann sich unser Tun ja nie gegen Menschen richten, das, sondern nur gegen die Sache. Denn wohin führt es, wenn sich ehrliche Menschen in dieser Weise verrennen? Dazu, daß sie am Ende von Gott enttäuscht sind.

Der Sektengott vermag gar nichts zu tun, das weiß die Leitung genau, darum muß sie ihren Anhängern immer neue, nahe Termine nennen, um sie für die nächsten paar Jahre bei der Stange zu halten. Dann setzt das große Vergessen ein, und man kann sich wieder heue Tricks ausdenken.
Nochmals, werter Herr Werner, Sie haben von mir generell die Zustimmung, in Ihrer Zeitschrift zu veröffentlichen, was Ihnen von dem, was ich schreibe, nützlich erscheint.
Erst dann, wenn in einem Menschen statt der menschlichen Versprechungen, mit denen er abgefüttert wurde, „0 Steine statt Brot", Jesus Christus zur Mitte seines Denkens wird, ist der Boden seines Herzens weich genug geworden, um Wasser und Samen des Reiches Gottes in sich aufzunehmen. Um Frucht zu bringen für Gott und nicht für eitle menschliche Führer, die sich selbst und nicht die Herde weiden.
Ist man frei geworden, hat man Raum geschaffen, und kann nun den einlassen, der schon lange an die Tür geklopft hat, den Herrn Jesus Christus.

Werter Herr Werner, ich habe mich noch nicht von neuem gebunden. Es ist aber unumgänglich, zu bedenken, daß zum Christ-Sein auch Gemeinschaft gehört. Wenn auch naturgemäß jeder Mensch, der diese Gemeinschaft sucht, dabei hauptsächlich mit durchschnittlichen Leuten zusammentreffen wird, gibt es doch einen eminent wichtigen Grund. Es ist Jesu eigene Aussage, daß, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sein würden, Er in ihrer Mitte wäre. Und das, obwohl Er viel besser als wir selbst wußte, daß an uns „nichts Besonderes ist". „Und wenn ihr alles getan habt, was zu tun ihr schuldig seid, dann sprecht: 'wir sind unnütze Knechte.'"

Auf keinen Fall werde ich mich wieder einer Splittergruppe anschließen. Es käme eigentlich nur die alte Kirche in Frage. In diesem Verlangen nach Verständnis der alten Wahrheiten bemühe ich mich, alte Vorurteile auszuräumen und versuche zu begreifen, was diese vielgeschmähte, jahrtausendealte Einrichtung im Innersten zusammenhält.
Mit den besten Wünschen für Sie und Ihre Bemühungen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
H. G.

FRAGEN AN FREDDIE
Aus Illinois erreichte uns folgende an den WTG-Präsidenten Fred Franz gerichtete Anfrage, die in den USA kursiert:

Oh, oh, Ethel, gehen wir zum Bethel.
Ich habe viele Fragen,
sie sollen Antwort sagen.
Ich gehe Freddie fragen,
wann wir bereit sein sollten,
und wann das Paradies sein wird.. Oh, oh.

Wir gaben unser Leben für die Wahrheit,
pionierten unsere ganze Jugend hindurch.
Wir werden alt und können nicht länger warten.
Warum verspätet sich Harmagedon?
Wann wird das Paradies sein?

Du sagtest uns, wir sollten nicht heiraten
und kein kleines Baby austragen. 
Nun sind die Tage vergangen, ich bin alt und Ethel ist grau.
Wann wird dieses Paradies sein?

Du sagtest, wir werden nicht mehr sterben müssen.
Nun, wir wissen,
daß dies alles Lüge ist. Wir möchten nicht wie Johannes und Lois sein.

So bitte, Freddie, zeige uns, wann wird das Paradies sein?
Wo ist das kleine Mädchen, daß wir nicht hatten, als wir jung waren? Wo ist der kleine Junge, um ihn unseren Sohn zu nennen? Wo ist unser Sohn?

Oh, oh, Ethel, gehen wir zum Bethel.
Ich gehe Freddie fragen,
sie sollen Antwort sagen.

(Im Englischen gereimt - CV-Übersetzung)
Anmerkung
Johannes und Lois sind die beiden von der WTG in ihrem Buch „Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" 1959/60 erfundenen ZJ.

AKTUELLES IN KURZE
WEIHNACHTEN
FÜR DIE ZJ EINE „ZEIT DER BEDRÜCKUNG"
Weihnachten, das in weiten Bevölkerungskreisen als Hauptfest der Christenheit gilt, wird unter den verschiedenen christlichen Gemeinschaften, Sondergruppen und Sekten zum Teil .völlig gegensätzlich begangen. Es zeigt - wie andere christliche Feiern auch - „zuweilen sehr schmerzlich tiefliegende Glaubensunterschiede".
Darauf wies jetzt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Stuttgart hin.
So seien etwa für die über 100 000 „Zeugen Jehovas" in der Bundesrepublik Deutschland die Adventwochen „eher eine Zeit der Bedrückung: Sie dürfen nicht feiern". Da Weihnachten mit der Wintersonnenwende verknüpft sei, gelte es für diese Sekte seit einer Lehr-Entscheidung von 1928 als „heidnisches Fest".
Da nichts Neues an die Stelle der Advents- und Weihnachtsfeiern getreten sei, bleiben sie für die „Zeugen" ein „großes Vakuum". Die „Not ihrer Kinder ist in der Vor-Weihnachtszeit besonders groß".
-CVN-

NACH DER WAHL - UND DIE ZJ?
Im Ergebnis der Wahlen 1986 in der DDR wurde Erich Honecker erneut zum Vorsitzenden des Staatsrates gewählt. Zu den kirchlichen Gratulanten, u. a. Joachim Kardinal Meißner, gehörte auch Henry Burkhard, Präsident der kleinen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der DDR. Er schrieb u. a.: „Erlauben Sie mir, Ihnen auch für Ihr unermüdliches Wirken im Interesse der Bürger. unseres Landes, und damit auch der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu danken" (NZ 4.7.86).
Sollten nicht auch die ZJ dankbar sein? Ist nicht das erreichte soziale Wohl des Landes auch ihr Wohl?

200 SEKTEN
Allein im Südwesten gibt es nach Aussage der „Baden-Württembergischen Eltern- und Betroffeneninitiative zur Selbsthilfe gegen destruktive Kulte" (EBIS) über 200 „pseudoreligiöse Kulte". Dies erklärten Vertreter der im Oktober vergangenen Jahres in Heidelberg gegründeten Selbsthilfeorganisation vor Journalisten in' Stuttgart. Die Sekten - von der „Scientology Church", der Moon-Sekte, Bhagwan- bis zu Harekrishna-Jüngern - zählten Tausende Anhänger, sagte EBIS-Vorsitzende Mamay.

Die Resonanz betroffener Eltern, deren Kinder „völlig aus ihrem alten Leben ausgestiegen sind und verschwanden", ist nach Frau Mamays Worten bisher sehr groß. Mehr und mehr würden sich die Sozialämter an die Eltern wenden, um erteilte Sozialhilfe für die Kinder zurückzufordern. Andere Sektenmitglieder lebten von den Arbeitsämtern, arbeiteten in Wahrheit aber für die Sekte. Vielfach sei bei Eltern eine hohe „Schamschwelle" feststellbar, die von ihren Kindern „regelrecht erpreßt werden". Aus Angst, ihre Kinder könnten völlig mit ihnen brechen, würden sie nicht zur Aufklärung über die Sekten beitragen, deren Praktiken bis hin zur Anleitung zur Prostitution reichten.

Auch die Zeugen Jehovas müsse man, so Ingo Heinemann, Geschäftsführer der Bonner „Aktion für geistige und psychische Freiheit" (AGPF), des Dachverbands entsprechender Elterninitiativen in der Bundesrepublik, zu diesen „destruktiven Kulten" rechnen. Man verstehe sich aber nicht als „Sektenjäger". Auch wolle man deren Mitglieder nicht kriminalisieren, sagte Heinemann. Unverständnis äußerte er darüber, daß „derartige teilweise kriminelle Vereinigungen in der Öffentlichkeit werben" dürften.

Liebe Brüder und Schwestern!
Ab Januar 1987 in CV 211!
Raymond Franz und sein Buch
„KRISE DES GEWISSENS"
Enthüllungen über die WTG und ihre leitende Körperschaft wie es sie noch nie gab!
Lest und überzeugt Euch!
Danach ist nichts mehr wie zuvor!

AUS DER WELT DER ZEUGEN
SCHWESTER MARIA SCHREIBT AN JOZEF WERESKY
… Ich verkündige nicht, aber meine Berichte sind immer vorbildlich.
Ich bin Schneiderin und nähe für einen Ältesten und seine Familie, manches Mal auch für seine Bekannten und Freunde.
Geld bekomme ich nicht dafür. Als Bezahlung füllt er meine Berichtszettel aus.
Er schreibt so gute Zahlen in die Berichte, daß ich immer ein Vorbild für. die anderen Brüder und Schwestern bin - obwohl ich nicht eine Stunde im Felddienst war.
Der Älteste versicherte mir immer, daß es Jehova egal ist, von wem und wie diese Berichte gemacht werden.
Ich bitte um eine ehrliche Antwort, weil ich. nicht in Harmagedon vernichtet werden möchte.
Ich weiß nun nicht mehr, ob ich dem Ältesten noch glauben kann, es ist doch für ihn so bequem und vorteilhaft.
Vielleicht denkt er, wenn er mir die richtige Wahrheit sagt, dann müßte er sich eine andere Schneiderin suchen, die er dann auch bezahlen müßte.
Für mich wäre es schön, denn ich hätte dann Zeit, um die frohe Botschaft von Haus zu. Haus tragen zu können. Meine Berichte würde ich dann auch wieder selbst machen. Dann könnte ich den anderen Brüdern und Schwestern wieder in die Augen schauen.
Aus: „Briefe an Christen"

GESPRÄCH IN DER LAUSITZ
Man soll sich doch nicht aufregen, wenn 1975 kein Harmagedon-Weltende gewesen ist, wie es der WT zuvor prophezeit hatte. Jona war auch verärgert, als Ninive nicht unterging. Wenn „1975" gekommen wäre, hätten auch die vielen, die noch 1975 in Spanien bis heute dazugekommen sind, keine Errettungsmöglichkeit mehr. Und auch in der Welt werden viele Bücher später nicht mehr als gültig anerkannt.
So rechtfertigten sich in der Lausitz WT Zeugen, mit denen gesprochen wurde, wie. kürzlich bekannt wurde. Was soll man dazu sagen?
Nun, Jona wird an den Haaren herbeigezogen. Denn Ninive wurde verschont, weil sie bereut hatten. Das paßt also gar nicht zum angeblich unvermeidlichen WTG-Harmagedon. Was Spanien betrifft, so kann man auf diese Weise das Ende ewig einherschieben, wie es der WT ja auch schon über 100 Jahre macht. Werden doch immer wieder Menschen geboren Und sich mit dem Veralten auch weltlicher Bücher zu rechtfertigen, heißt doch, ungewollt einzugestehen, daß eben auch die WTG-Bücher nicht mehr wert sind, mit Gott nichts zu tun haben, kein „Licht" von ihm sind. Merken diese ZJ nicht, wie sie sich zugunsten von WT und WTG selbst betrügen?
- H. S. H.-

„Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner; DDR 6500 Gera, Otto-Dix-Str. 6
Preis; 0,20 M; Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos
Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe, Gera

A 484/86 V 7 1 2034 N 2

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