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CV-Ausgaben
CV 208
In dieser CV-Ausgabe
unter anderem eine Auseinandersetzung mit dem „markigen" Satz aus dem
„Wachtturm" Nr. 13/1986:
„Das gegenwärtige System der Dinge befindet sich, von dem entscheidenden Jahr
1914 an gerechnet, nun in seinem 72. Jahr.
Satans Welt besteht schon länger, als viele erwartet haben. Es sind bereits
einige treue Christen gestorben, die erwarteten, noch zu ihren Lebzeiten
Harmagedon und den Anfang des neuen Systems der Dinge zu sehen."
CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR
NR. 208 GERA NOVEMBER 1986
INHALTSANGABE
„DAS GOTTLOSE SPIEL
MIT DEM TODE DER MENSCHHEIT"
WIR PRÜFEN WT 12 UND 13/1986
VON TÜR ZU TÜR
ALS ICH JUNG WAR....
VIER JAHRE DANACH
ERWEISE DICH ALS MENSCH AN MENSCHEN
KONGRESSBERICHTE (1)
WIE WEITER CHRIST SEIN OHNE DEN
WACHTTURM?
Anregungen zur Neuorientierung
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir wollen uns hier mit der immer wieder erhobenen Frage befassen:
WOHIN SOLLEN WIR GEHEN?
Eigentlich ist dieses Fragen abwegig. Denn es geht uns doch darum, weiter Christ
zu bleiben. Allerdings nicht mehr unter der Wachtturm-Gesellschaft und
Wachtturm, die sich in 100 Jahren und mehr endgültig als falsche Propheten
erwiesen haben.
Nach Psalm 90:10 befindet. sich die WTG 1986 bereits im 2. Jahr des letzten
Jahrzehnts der WTG-Endzeitprognose. Im Jahre 1994 ist dann das Höchstmaß von 80
Jahren um! Was dann?
Die Versuche, nach 1975 das --Jahr
1914 durch 1957 zu ersetzen - wir werden davon noch mehr hören - und das Jahr
2000 einzuschieben, sind deutliche Anzeichen der Krise und des endgültigen
Zusammenbruchs der 1914-Endzeit. Die Zeit ist also wie nie zuvor herbeigekommen,
sich Gedanken über das wie weiter zu machen, wie es ja auch geschieht.
Natürlich kann man sich nicht mit allem auf einmal befassen, Erkenntnisgewinnung
ist ein Prozeß, der sich schrittweise vollzieht. So erfolgt eine Neuorientierung
auch nur nach und nach. Und man muß sie selbst vollziehen, inmitten der
täglichen Pflichten, die letztlich diese Neuorientierung verlangen, will man
nach der Desillusionierung über die WTG nicht nur noch so dahinleben. Was ja
eigentlich keiner wollte. Wäre er sonst unter die WTG gegangen? So wollen wir
auch jetzt wieder verschiedene Fragen behandeln, die sich nach dem Debakel der
WTG-Endzeit ergeben.
Manches muß dabei auch vertieft werden, um es deutlicher zu sehen.
EIN WTG-DOLCHSTOSS IN DEN RÜCKEN
Können wir diesen Dolch herausziehen? Wir meinen folgendes.
Man muß rein sachlich erkennen, daß die WTG die Masse der ZJ,- das müssen sie
sich sagen lassen - der einen und einzigen christlichen Hoffnung nach Epheser
4:4 und Philipper 3:17-21 innerlich und glaubensmäßig völlig entfremdet hat.
Zugunsten einer „irdischen" Ausrichtung, die so, wie sie erfolgt, unverkennbar
aus bestimmten negativen gesellschaftspolitischen Absichten seit 1935 betrieben
wird.
In CV wird seit Jahr und Tag nachgewiesen um was für ein negatives Verhalten und
Handeln es sich da handelt. Die WTG packt dabei jeden, den sie anspricht, bei
eigentlich völlig verständlichen menschlichen Interessen, Wünschen,
Bedürfnissen, Verlangen und Sehnsüchten nach Leben und Glück. Verbunden jedoch
mit der negativen Absicht, einen Christen allzumal genau vom Hinwenden zu einer
Verwirklichung all dessen, soweit es menschenmöglich ist, abzuhalten, und den,
der es tut, als „Weltverbesserer" zu verteufeln. Das ist das Politikum der
Sache.
Die Nachfolge Jesu in ihren
unterschiedlichen Möglichkeiten bekommt damit insofern den Dolchstoß in den
Rücken, als damit der Zugang zu der einen und einzigen christlichen Hoffnung
unmöglich wird.
Die Folge ist, daß den ZJ jeder Weg zu anderen Christen versperrt erscheint, sie
und ihre Kirchen und Gemeinschaften verteufelt werden, ja, daß sie als die
„letzten Stationen" betrachtet werden, die man hinter sich gelassen habe. So ist
eine Glaubenssituation eingetreten derart, hinter sich der Abgrund, vor sich das
Paradies. Das es nun aber so nicht gibt, wie der WTG-Endzeitbankrott klarmacht.
DAS WICHTIGSTE ZUNÄCHST
Die WT-Verteufelung jeder auch nur ökumenischen Hinwendung oder gar Gemeinschaft
mit anderen Christen nach Abkehr von der WTG ist ungeheuerlich. Nicht nur
theoretisch, sondern auch emotional, psychologisch. Aber zum Christsein gehört
nun mal Gemeinschaft. Hier wird es nur langsam wachsen.
Aktuell ist darum zunächst, im praktischen Christsein fortzufahren, unbekümmert
darum, wie die WTG und ihre Hörigen natürlich auch das verteufeln, wo es nicht
unter ihrer Bevormundung geschieht. Auch für dieses praktische Christsein
braucht man die WT-Literatur nicht, wiewohl die WTG alles tut, als könne man
ohne sie auch praktisch nicht mehr Christ sein. Denn das ganze „praktische
Christentum" der WTG ist ebenfalls völlig mit dem WT-Endzeitdenken durchsetzt
und darauf abgestimmt. Selbst der WTG-Kalender für jede Familie ist einbezogen
und bestimmt die Wochentage, an denen sich die ganze Familie auf die
WT-Endzeitverkündigung einzurichten und einzustellen hat.
„ERWACHET!" und „WACHTTURM" müssen
daher auch fürs praktische Christenleben ad acta gelegt werden, wenn man
wirklich zurechtkommen will.
Vor dem Hintergrund der endzeitlichen WT-Ausrichtung auch in „irdischer"
Hinsicht einen anderen Anker hat ein ZJ noch nicht - ist in der Tat der Blick
auf weiteres Christsein in praktischer Hinsicht ein fundamentaler Gesichtspunkt.
Denn das soziale Leben in Ehe, Familie, Beruf und Gesellschaft geht ja
automatisch weiter. Ja, fundamental, denn, „wer aber für seine Angehörigen,
zumal für seine Hausgenossen nicht sorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist
schlimmer als ein Ungläubiger" (l. Timotheus 5:8, Menge)
Dies einzuschärfen, verlangt der Apostel sogar!
CV ist nicht dazu da, eine neue
religiöse Gemeinschaft zu schaffen, zu der man „gehen soll". CV räumt in erster
Linie mit dem falschen WT-Werk in Herzen und Köpfen auf, um einen realen
christlichen Weg zu ebnen, den Sinn dafür freizumachen.
Da die ZJ unter der WTG generell unfähig gemacht worden sind, ohne
WT-Vormundschaft nach dem Worte Gottes, der Bibel, zu leben und eine
WT-Literaturgemeinschaft sind, ist es wie eine gute Brücke, wenn sie nicht wegen
„neuer Erkenntnis Gottes" sondern um der neuen praktischen christlicher
Orientierung willen, zu dem greifen, was die anderen christlichen Kirchen und
Gemeinschaften an praktischer christlicher Lebenshilfe veröffentlichen.
In unserem Lande in den vielen Zeitschriften der anderen Christen jedem
verfügbar, der sich darum kümmert. Eine wahre Fundgrube für das praktische
Christenleben.
ZJ können nur staunen. was da in unserem Lande geboten wird. Nur zu
verständlich, daß die WTG das Lesen solcher Lektüre ebenfalls verteufelt.
ALLES ERKENNEN IST STÜCKWERK
Durch den WT erzogen haben viele leider eine Erkenntnisrechthaberei zu ihrem Wesen gemacht, die eine andere Form der Anbetung des gleichen Gottes und des gleichen Christus nicht dulden will. Eine schlimme mittelalterliche Intoleranz, die leider auch bei anderen Christen nur langsam überwunden wird, was nebenbei gesagt, zugleich eine aktuelle Aufgabe aller Christen ist. Echtes Christsein, echte christliche Liebe jedoch erträgt konfessionelle, bekenntnis- und erkenntnismäßige Unterschiede im Hinblick auf den gemeinsamen Gott und Christus. Was wäre das für ein Vater, der seine Kinder wegen unterschiedlicher Ansichten und Vorstellungen über sich erschlägt? Es ist allen Christen nur Erkenntnisstückwerk verheißen. (l. Korinther 13:9,12)
Wer also nur sein
Konfessionsstückwerk dulden will, ist intolerant und ermangelt der christlichen
Liebe, die über aller Erkenntnis und Konfession stehen muß. (l. Korinther
13:1-13)
Zugegeben, hieran haben alle Christen immer noch ernsthaft zu arbeiten. Man lese
nach, was Jesus seinen Jüngern sagte, als sie einen aufgriffen, der im Namen
Jesu handelte, aber nicht mit ihnen Jesus nachfolgen wollte. (Markus 9:38-41)
So kann man sich in Abkehr von den WT-Endzeitillusionen und ihrem unerbittlich
herannahenden Kollaps mit 1994 guten christlichen Gewissens durchaus bei anderen
Christen praktisch zunächst neuorientieren. Da ist kein Abgrund. Sondern da geht
es tatsächlich praktisch vielfach nützlich und vor allem christlich tragfähig
weiter. in der CV-Lesergemeinschaft, die inzwischen tausendfach unter den ZJ und
zunehmend Platz gegriffen hat, kann man sich in aller Ruhe nach und nach die
Sicht erarbeiten und die Grundlagen legen, die Krise und Bankrott der
WTG-Endzeit, nun endgültig herbeigekommen, erforderlich machen. Es liegen noch
gewaltige Enthüllungen über die WTG vor uns Denn der Countdown auf 1994 läuft.
So laßt Euch, liebe Brüder und Schwestern, überall unbeirrt durch CV beraten und
informieren, um den Weg zu finden und zu gehen.
In christlicher Verbundenheit
CV-Studiengruppe
„DAS GOTTLOSE SPIEL MIT DEM TODE
DER MENSCHHEIT"
DA las ich in der „Neuen Zeit" vom 21.7. 1983 den Beitrag „Appell gegen das
gottlose Spiel mit dem Tode der Menschheit". Es wurde berichtet; wie mehr als 1
200 Mitarbeiter und Freunde der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in der DDR
einen Appell an die am 24. Juli 1983 begonnene VI. Vollversammlung des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver/Kanada gerichtet haben. Darin hieß
es:
„Im Namen Jesu Christi, der das Leben der Welt ist, bitten wir Sie, daß Sie mit
uns Ihre Stimme erheben gegen das gottlose Spiel mit dem Tode der Menschheit."
Es war Ausdruck der Sorge wegen der neuen Runde des atomaren Wettrüstens, wie
sie der NATO-Doppelbeschluß von 1979 und seine Verwirklichung ab Herbst 1983
heraufbeschwört.
ICH habe mich mehr als einmal mit ZJ unterhalten als ihr 'Missionsobjekt". Wenn noch jemand ein „gottloses Spiel mit dem Tode der Menschheit" spielt, dann ist es ihre Wachtturm-Gesellschaft mit ihrer angeblich unabwendbaren Menschheitsvernichtung! Außer den ZJ. natürlich. Nach dem letzten Bibelbuch, der Offenbarung, hat es Gott überhaupt nicht vor, die Völker der Erde zu vernichten, sie sollen dereinst vielmehr in seinem Licht wandeln. Offb. d. Joh. Kap. 21,24. Können die denn in der Bibel das nicht lesen? Aber ich habe in den Unterhaltungen gemerkt, daß für sie die Bibel schreiben kann, was sie will, sie sind in erster Linie Wachtturm-hörig, und wenn der Sinn eines Bibelverses in sein Gegenteil verkehrt wird.
WENN schon der
Wachtturm-Gesellschaft. Auschwitz, Sachsenhausen, Buchenwald, Dachau,
Ravensbrück, Treblinka, Majdanek, Bergen-Belsen, Coventry, Dresden, Hiroshima,
Nagasaki und Vietnam nicht reichen, so kann man sie nur noch als eine Clique
geistiger Mafiosi bezeichnen. Die ZJ sollten endlich aus dieser barbarischen
Denkweise aufwachen Nach dem Offenbarungszitat ist das wahrhaftig ebenfalls ein
„gottloses Spiel mit dem Tode der Menschheit", was ihre Wachtturm-Gesellschaft
da schon über 100 Jahre betreibt. Es soll nur ein ZJ an meine Tür kommen!
-W.R,-
EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN APG
17:11
DER WACHTTURM
WIR PRÜFEN DIE WT 12 UND 13/1986
STUDIENARTIKEL
„Der Segen Jehovas macht reich"
REICHTUM FÜR DIE WTG
DEN ZEUGEN BLEIBT DIE ARMUT
Das Thema des vorliegenden Wachtturms was ist deine Hoffnung - Gott oder der
Reichtum?" ist tatsächlich eine nähere Betrachtung wert. Jeder WT wird in erster
Linie für Zeugen Jehovas und deren „Interessierten" geschrieben. Für Menschen
also, die in der Öffentlichkeit als Christen angesehen werden möchten.
Somit wird die gestellte Frage gegenstandslos. Selbstverständlich entscheidet
sich ein Christ für Gott und müßte deshalb dieses Thema als Provokation
auffassen.
WOZU DIESE ZITATE?
Man möchte tatsächlich fragen „was ist wirklich von Wert?" (S.3), wenn man
einige Leitzitate in dieser Schrift liest:
„Reiche könnten sich auf keine Arbeit konzentrieren und bewegen sich ziellos in
einer isolierten Sphäre." (S. 3)
„Eine sich selbst isolierende Multimillionärin wurde trotzdem umgebracht und
ausgeraubt." (S. 5) und auf Seite 10:
„Kinder von .'Superreichen' würden sich langweilen und verspüren kaum
Emotionen." Nun wird es unter Zeugen Jehovas kaum Superreiche oder
Multimillionäre geben. Und falls doch, so sind deren Probleme kaum von
allgemeinem Interesse.
DIE WTG VERFOLGT EIN ANDERES ZIEL
Ausgehend von solchen Extrembeispielen versucht die leitende Körperschaft ihren
Anhängern einzureden, daß jeder materielle Besitz lediglich ein notwendiges Übel
darstellt.
Kann man diese Warnung des „klugen Knechtes" als echte Besorgnis werten? Werden
christliche Familien aufgefordert, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, dem
Bibelstudium einen größeren Platz einzuräumen? Nein!
Der WTG geht es um eigennützige
Ziele:
1. Vollzeitpredigtdienst und sich daraus ergebend
2. die Mitgliederquote als wichtigste „Planzahl".
Diese Behauptung soll durch Zitate untermauert werden:
„Statt seine Arbeit einzuzschränken (oder in den Ruhestand zu gehen), um
Vollzeitdiener zu werden, 'bricht er seine Vorratshäuser' (oder Wohnhäuser) ab
und bauen größere'.' (S. 11)
„Viele junge Christen haben den Entschluß gefaßt, nach Abschluß der üblichen
Ausbildung den Vollzeitdienst aufzunehmen. Frauen, die einer weltlichen
Beschäftigung nachgehen könnten, damit die Familie ein höheres Einkommen hätte,
widmen statt dessen christlichen Tätigkeiten mehr Zeit und machen dadurch sich
und andere in geistiger Hinsicht reicher. Sogar einige Männer, die die biblische
Verpflichtung haben, in materieller Hinsicht für ihre Familie zu sorgen, finden
Möglichkeiten, ihren Anteil am Dienst zu erweitern." (S. 12)
Während das Brooklyner Hauptbüro
von den Zeugen verlangt, nur mit dem allernotwendigsten auszukommen, reisen die
Glieder der leitenden Körperschaft von Land zu Land, schießen die Zweigbüros wie
Pilze aus dem Boden oder werden bedeutend erweitert, bzw. stattet man sie mit
den derzeit modernsten technischen Geräten und Anlagen aus,
Der WTG geht es um Macht - sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht.
Macht auf-Kosten der „einfachen" Zeugen. Macht - gegründet auf der Zeit und dem
Geld jedes Zeugen Jehovas.
WACHTTURM NR. 13/1986
STUDIENARTIKEL
„Nach dem Willen Gottes leben heute und für immer"
„Sich Jehovas Bewahrern der Lauterkeit anschließen"
NEBENARTIKEL
Wie Christen zur Befreiung eingestellt sein sollten"
Mache richtigen Gebrauch von der christlichen Freiheit"
DIE HINWENDUNG ZU GOTT WIRD
ERSCHWERT
„Nach dem Willen Gottes leben."
Eine richtige Zielstellung! Zweifellos bemühen sich viele Zeugen Jehovas
ehrlichen Herzens, Gottes Geboten zu entsprechen.
Beispielsweise widmen sie einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit dem
christlichen Dienst - zumindest,
was sie dafür halten. Denn genau hier liegt das Problem: In der Praxis haben sie
zu allererst den Anweisungen des „treuen und verständigen Sklaven" Folge zu
leisten und über sich die „Zuchtmaßnahmen der Ältesten, ergehen, zu lassen
(siehe Seite 19).
Nach dem
Willen des „Sklaven" kommt ein Zeuge also nur durch die WTG zu Gott.
Diese Hinwendung zu Gott wird aber gerade durch die Wachtturm-Gesellschaft
bedeutend erschwert. Bestehen doch ihre Glieder aus ebenso unvollkommenen
Menschen, die Fehler machen.
BETRUG UND
HALBWAHRHEITEN
„Das gegenwärtige System der Dinge befindet sich, von dem entscheidenden Jahr
1914 an gerechnet, nun in seinem 72. Jahr.
Satans Welt besteht schon länger, als viele erwartet haben. Es sind bereits
einige Treue Christen gestorben, die erwarteten, noch zu ihren Lebzeiten
Harmagedon und den Anfang des neuen Systems der Dinge zu sehen." (S. 19)
CV ruft
allen Zeugen Jehovas zu;
- Erkennt ihr nun die Unglaubwürdigkeit der Lehren, die euch der „kluge Knecht"
aufgetischt hat?!
- Erkennt ihr das miese Spiel, welches die WTG besonders mit euch Älteren
treibt?!
- Erkennt ihr den Versuch der Brooklyner Leithirten, wie diese nun euch die
Schuld in die Schuhe schieben möchten?!
CV hat
schon das öfteren darauf hingewiesen, daß die Bedeutung, die Jehovas Zeugen dem
Jahr 1914 beimessen, ungerechtfertigt ist. Der Urheber dieser falschen Lehre
aber ist die WTG. Sie ist für den Irrtum und die sich daraus ergebenden Folgen
verantwortlich! Und so ist es eine Lüge, wenn dieser WT schreibt:
„Satans Welt besteht schon länger, als viele erwartet haben."
Was heißt hier: „viele"?
Wie schon
erwähnt, ist die leitende Körperschaft der Urheber für den 1914-Irrtum. In ihren
Reihen wurde die 1914-Idee geboren und durch ihre Publikationen in die
Welt-geschrien. Erst dann nahmen die Zeugen Jehovas (wohl oder übel) diese
Lehrmeinung an und glaubten daran.
Es ist eine Lüge wenn der WT schreibt:
„Es sind bereits einige treue Christen gestorben, …"
Die
Mehrzahl der Zeugen, die zur 1914-Generation gehörten, sind tot! Sie müssen es
auch sein, denn jemand, der 1914 bewußt miterlebt hat, ist jetzt mindestens 76
Jahre alt. Laut Psalm 90:10 währt ein Menschenleben nur 70 bis maximal 80 Jahre.
Es ist pure Heuchelei, wenn die Angehörigen dieser Toten damit getröstet werden,
Jesus würde sie auferwecken (S. 19, 20).
Die alten Brüder und Schwestern wollten nicht sterben.
Ihnen war zu ihren Lebzeiten von der WTG ein Harmagedon prophezeit worden, an
das sich die 1000-Jahrherrschaft Christi anschließen sollte.
Auf dem Sterbebett hat so mancher Zeuge diesen Irrtum erkannt - zu spät.
VERBOTEN,
SICH FÜR DEN FRIEDEN EINZUSETZEN?
„Da Christen die relative Autorität des Staates anerkennen, könnten sie keine
Befreiungsbewegung unterstützen, die diese Autorität zu stürzen sucht." (S. 6)
„Die Autorität der Ältesten ist zwar nur relativ, aber Gott hat sie ihnen durch
seinen heiligen Geist übertragen. Sie wird somit in direkterer Weise gewährt als
die relative Autorität, die zum Beispiel Regierungsvertretern übertragen worden
ist (Apostelgeschichte 20:28)." (S. 7)
„Wie kurzsichtig wäre es, menschliche Befreiungsbewegungen zu unterstützen, die
bestenfalls eine teilweise Erleichterung bringen können und eigentlich nur die
wahre Hoffnung auf Befreiung verschleiern." Dem aufrichtigen Leser wird es
schwerfallen, die Logik der angeführten WT-Zitate zu begreifen.
So soll die
Autorität des Staates nur relativ sein. Warum ist es aber gerade dann dem Zeugen
Jehovas nicht möglich, sich für eine bessere Gesellschaftsordnung einzusetzen?
Unterstützt etwa auch Jehova Ungerechtigkeit, Rassendiskriminierung und
Völkerhaß?
Warum ist es kurzsichtig, wenn Menschen um eine „teilweise Erleichterung" ihres
Lebens ringen?
Warum verschleiert „eine teilweise Erleichterung … eigentlich nur die wahre
Hoffnung auf Befreiung"?
Muß ein Mensch etwa erst im tiefsten Dreck stecken, um das spätere ewige Leben
schätzen zu können? Oder befürchtet die WTG gar, daß es sonst einem Menschen,
der jetzt lebt, besser ergeht als im späteren Paradies?
Und noch
eines gilt es, zu überdenken: Warum soll die Autorität, die angeblich die
heutigen Ältesten haben, Vorrang - vor der Autorität des Staates genießen?
Jeder Zeuge studiere noch einmal Römer 13: 1-7, Dagegen besagt Apg. 20:8 in
dieser Beziehung gar nichts. Diese Bibelselle enthält einen Teil der
Abschiedsrede des Paulus an die Ältesten von Ephesus im 1. Jahrhundert. Eine
direkte Übertragung dieser Worte auf unsere heutigen Verhältnisse ist nicht
möglich.
-Gerd R...-
VON TÜR ZU
TÜR
„… da sie die die gesunde Lehre nicht ertragen …"
„Wir klingelten in der 6. Etage eines Wohnblocks, ein hochgewachsener Mann,
Mitte der Fünfzig vielleicht, öffnete' die Tür: „Was wüschen Sie?"
Bruder L. trat einen Schritt auf ihn zu:
„Wir möchten Ihnen eine sehr wichtige Nachricht überbringen!
Haben Sie Zeit dafür?"
Der Bewohner hatte Zeit, warum
auch nicht, denn er wußte ja nicht, welche Bedeutung diese Nachricht haben
könnte. Also ließ er uns ein, und kaum auf Stühlen im Wohnzimmer sitzend, meinte
Bruder L.: „Es geht darum, daß über der ganzen Welt und also auch über Ihnen
eine drohende Vernichtung hängt. Wir sind gekommen, Ihnen einen Rettungsweg zu
nennen!"
Dann spulte er mit wenigen Sätzen die Verkündigung des Königreiches, wie wir es
in der Predigtdienstschule genug gepauckt hatten, herunter. Mir war das
peinlich, zumal ich das noch nie erlebt hatte.
Der Wohnungsinhaber machte ein zunehmend abweisendes Gesicht und nach etwa 10
Minuten bat er uns zu gehen, da er an solchem Geschwätz nicht interessiert sei.
Ich kann mich noch erinnern, daß er sagte: „Wer sich mit dem befassen will, was
in der Bibel steht, der sollte sich vor Zuträgern wie ihnen hüten, denn mit
Drohungen und irgendwelchen Auslegungen macht man die Menschen nicht besser!"
Mich hat das damals sehr getroffen!
OB WARTEZIMMER ODER FRIEDHOF
Dieser kleine Erlebnisbericht eines Bruders, den ich vor einigen Monaten hörte,
führte überhaupt erst zu dem Gedanken, etwas Ober die Werbemethode n der WTG und
ihre psychologischen Praktiken zu schreiben. Wie oft habe ich in den letzten
Jahren innerhalb der theokratischen Predigtdienstschule miterlebt, wenn Brüder
und Schwestern für den Haus-zu-Haus-Dienst und für das Geben von
Gelegenheitszeugnissen geschult werden. Situationen werden durchgespielt, alle
Möglichkeiten, bei denen sich ergeben könnte, einen Menschen mit Jehovas guter
Botschaft bekannt zu machen. Da ist ein Kollege am Arbeitsplatz unzufrieden mit
seiner Tätigkeit, ein anderer erzählt, daß er nicht genug Geld verdient. Im Bus
sitzen zwei Frauen, die über die schlechte Disziplin der Schüler im Unterricht
sprechen. In Wartezimmern unterhalten sich die Patienten oft über die Krankheit
anderer oder über ihre eigenen Leiden. Überall bieten solche Situationen
Ansatzpunkte, um über Jehovas großes Vorhaben mit der Welt und den Menschen zu
sprechen Überall, wo Menschen zeitweilig unzufrieden sind, sich missverstanden
fühlen, keinen Freund oder Bekannten haben, bei dem sie sich unterhalten und Rat
holen können, setzen Jehovas Zeugen den psychologischen Hebel an. Es gibt wohl
kaum eine alltägliche Gegebenheit, die nicht irgendwann einmal durchgespielt,
geübt, für den Fall der Praxis einstudiert wird. Jeder Mensch, der sich einsam
fühlt, der durch einen Todesfall plötzlich allein steht oder durch einen Umzug
in eine andere Stadt noch keinen neuen Freundeskreis fand, muß damit rechnen,
von Jehovas Zeugen. angesprochen zu werden. Ich selbst erlebte, wie eine
Schwester regelmäßig an den Sonntagvormittagen den Friedhof in Weimar aufsuchte,
um dort alte Alleinstehende Besucherinnen anzusprechen, ihnen Aussicht auf
Wiederauferweckung der Toten zu geben, ihnen Scheinhoffnung zu vermitteln.
Ein Außenstehender mag sagen: Es
ist doch sehr anständig von Jehovas Zeugen, daß sie sich so um die Mitmenschen
kümmern!
Ja, auf den ersten Blick erscheint es so. In Wahrheit sieht es anders aus, denn
alle Werbung dieser Art soll nicht vordringlich den Menschen helfen, sondern
soll der WTG neue Mitglieder einbringen. Um das möglichst erfolgreich zu
schaffen, geht ein solcher Gelegenheitszeugnis-Geber demjenigen, den er
anspricht, erst einmal entgegen, geht auf seine Sorgen ein, gewinnt sein
Vertrauen.
… DIE KATZE AUS DEM SACK LASSEN
Ist erst einmal ein allgemein menschlicher Kontakt gegeben, geht der Zeuge
Jehovas allmählich zu allgemeinen Problemen der Menschen, des Landes über,
bringt Beispiele über Kriegsdrohung, Hunger, Sittenverfall, ordnet so das kleine
Problem des Einzelmenschen den weltweiten Problemen zu und - erreicht, daß jener
einzelne sein Problem jetzt noch ernster und wichtiger nimmt, als es ist oder
schon war. Der Angesprochene fühlt sich verstanden, jetzt nimmt der Zeuge
Jehovas Anlauf und geht zu biblischen Begründungen für diese Probleme über,
zeigt. daß es Aussichten auf Änderung, Besserung: Rettung gibt, argumentiert,
vorsichtig aber gezielt.
Gut geschult, vermag er Interesse
zu wecken. Und gut geschult ist er, denn sein Verhalten ist je nach der Person
vorprogrammiert. Das einzige, was ihm freisteht, ist, wenn er die Gelegenheit
wahrnimmt, Zeugnis zu geben oder nicht.
Derjenige, der so angesprochen wird, ahnt nicht, daß es vorrangig gar nicht um
die Bibel geht, ahnt nicht, daß er ins Fahrwasser der WTG gelenkt werden soll.
Es ist also nur scheinbar Nächstenliebe, um die es hier geht, denn diese
Praktiken zeugen von Aufdringlichkeit, egoistischem Sendungsbewußtsein und
Rücksichtslosigkeit.
„Haben wir das unseren Mitmenschen
gegenüber nötig?" fragte jener Bruder. Sicher nicht. Es ist schlimm, wenn
Verständnis und Hilfsbereitschaft als Vorwand für das psychologische Bedrängen
und Beeinflussen verwendet werden. Noch schlimmer ist es, daß dieses
Verständnis, diese Hilfsbereitschaft sofort erlöschen, wenn sich der
Angesprochene als uninteressiert, als ablehnend erweist.
Dann droht plötzlich die totale Vernichtung, wird von Harmagedon und Jehovas
Rache geradezu begeistert gesprochen wird also Angst verbreitet nach dem Motto:
„Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!"
Habt ihr euch über diesen Widersinn im Zeugnisgeben mal Gedanken gemacht?
-nns-
ALS ICH JUNG WAR
Je älter man wird, desto häufiger läßt man sein Leben oder einzelne Phasen Revue
passieren, und manches Unbedeutende wird bedeutungsvoll.
Ich sehe mich als zwanzigjährigen mit den älteren Brüdern zusammensitzen, das
Gespräch drehte sich um die damals neuesten Zeittabellen. Der Gruppendiener
sagt, daß man also das Ende nicht vor 1974 erwarten könne, aber bis dahin müsse
es auf jeden Fall gekommen sein. Heut ist dieser Termin schon um zwölf Jahre
überschritten, das ist in der Weltgeschichte ein Augenblick, im Leben eines
Menschen ein sehr beträchtlicher Teil. Und um Menschen geht es ja! Als junger
Mensch hatte man ja immer das Gefühl, daß das Leben ja noch vor einem liege und
daß man auch in zwanzig Jahren noch relativ jung ist. Wenn sich aber die
Hoffnung nicht erfüllt, dann ist ein Drittel des Lebens unwiederbringlich dahin
und das Versäumte kann unter keinen Umständen nachgeholt werden.
Es ist etwas anderes, um Christi willen ein Leben zu führen, wie es etwa Augustinus und viele andere, wie Franz von Assisi lebten, oder ob man einen bestimmten Weg geht in der speziellen Hoffnung darauf, daß die Welt am Ende ist, daß es „später als du denkst" ist. Ein solcher Glaube beruht nur darauf, daß man das Ende zu eigenen Lebzeiten erhofft und erwartet. Jene, Augustin und Franziskus, hatten eine nicht. Sie entsagten den vergänglichen Freuden der Welt um der höheren Qualität der Erwartung willen, die ihnen der Auferstandene bot!
Das hatte nichts mit einem bestimmten Erwartungstermin zu tun, sondern nur damit, daß sie JETZT lebten und JETZT ihren Glauben bewähren mußten. Gerade jene Männer und Frauen, die ganz in den Willen Gottes eintauchen wollten, betrachteten sich selbst als große Sünder. Sie erwarteten keinesfalls, daß alle gläubigen Menschen es ihnen nachtun müßten. Das Leben ist vielgestaltig. Wenn Gott Menschen aller Art und jedes Standes in Seinen Dienst beruft, dann hat auch jeder die Möglichkeit, ein gottgefälliges Leben zu führen.
Als ich jung war, habe ich mir nie die Frage gestellt, was werden würde, wenn der Termin herankäme und sich die Hoffnung doch nicht erfüllte. Denn schon eine geringe Verzögerung müßte bewirken, daß viele Hoffende, da das Leben ja kurz ist, vergeblich gehofft hätten. Nein, DIESE HOFFNUNG war fest gegründet, nicht auf Sand gebaut, dachten wir
Wir, die Jungen von damals sind
alt geworden, die Erwartungen haben sich nicht erfüllt, der WT-Prophet war nicht
von, Jehova gesandt. (Und dies nach seinem eigenem, viel früher über andere
gesprochenem Urteil!!)
Viel gewonnen, wenn man nicht verbittert ist, sondern dankbar für die Gnade,
noch frei geworden zu sein. Doch wie viele glauben lieber irgendwas, als den
Irrtum zuzugeben. Das Dichterwort ist wahr geworden:
„Der Wahn ist kurz, die Reu' ist
lang!"
Christsein heißt nicht, während der irdischen Daseinsperiode die Hände in den
Schoß zu legen, doch was einer tut, sollte zur Ehre Gottes beitragen. Wer Gott
in allem ehren will, wird dazu beitragen wollen, daß diese Welt ein bißchen
freundlicher und heller werden möge. Was ein Christ bedenken muß, ist, daß es
keine Garantie für ein Gelingen seiner Unternehmungen gibt, daß er selbst und
alles, was er schafft, vergänglich ist. Wie immer aber auch seine Bemühungen
ausgehen, liegt die letzte Sicherheit in Christus. Die Entscheidung für IHN ist
immer die bessere Möglichkeit, sie führt am Ende nicht zur Enttäuschung und
hinterläßt keinen faden Nachgeschmack.
Des Schöpfers in der Jugendzeit zu
gedenken, bleibt die optimale Art das eigene Leben zu gestalten, es auf IHN
hinzu leben. Wo wir sind, können wir nicht bleiben, der Weg ist nicht das Ziel,
doch kann er uns hin, oder weg führen.
Man kann Menschen keine bessere Empfehlung geben, als die, sich von Gott führen
zu lassen, doch solche zu meiden, die vorgeben, der besondere Kanal Gottes und
die unter diesem Vorwand Menschen ihre eigenen Erfindungen zur Speise zu geben.
Sie geben Steine statt Brot.
Wir wurden durch die Methode beeindruckt und getäuscht, jede Behauptung durch
viele Bibelstellen gestützt zu sehen. Die Zeit hat bewiesen, daß man Bibelstelle
auf Bibelstelle häufen, und doch gründlich die Irre gehen kann. Ein Zyniker
könnte sagen, daß gerade die Bibelforscher das meiste dazu getan haben, zu
beweisen, daß die Bibel eine alte Fiedel ist, auf der man jede Melodie spielen
kann, eine Aussage, die von der WTG stets bestritten und weit von sich gewiesen
wurde. Fehlinterpretationen anderer wurden immer damit erklärt, daß Geist,
Erkenntnis und die rechte Zeit nicht vorhanden waren. Und daß die Verkünder
KEINEN Auftrag von Gott hatten. So sind sie, die so sicher waren und andere
gerichtet haben, GERICHTET NACH IHREN EIGENEN WORTEN! Die Zeit war da, als
Christus Seine Kirche gründete. Danach auf die richtige Zeit zu warten,
bedeutet, Christus zu ignorieren. Mit dem Argument, daß die Zeit reif war, kann
jeder kommen, darauf kann sich jeder berufen. Er braucht nichts weiter zu tun,
als seinerseits eine neue Gemeinschaft oder Sekte ins Dasein zu rufen. Er muß
aber sicher damit rechnen, daß nach ihm andere kommen und es ihm gleich tun
werden.
Obwohl sie sich alle auf Christus
berufen, - woher. wissen sie von Ihm? - tut jeder so, als gäbe es Ihn nicht. Vor
den Gründern war, ihrer eigenen Beweisführung gemäß, die Zeit nie reif, erst
wenn sie ihre Gemeinschaft gründen, ist sie es, und dennoch benutzen alle die
vor ihnen entstandene Heilige Schrift zum Beweis für die Richtigkeit ihres
Handelns. Eine zur Unzeit entstandene Bibel ist aber als Beweismittel
unbrauchbar! Indem sich ein Sektengründer auf die Bibel stützt, torpediert er
sein eigenes Werk! Befangen seiner Eitelkeit merkt er es nicht, oder er will es
nicht merken.
Es ist ein Spiel mit dem Leben, und immer waren es die toten Götzen, die
Menschenopfer forderten, niemals der lebendige Gott.
Dieses Kennzeichen gilt im' übertragenen Sinne auch in unserer Zeit.
-H.G.
VIER JAHRE DANACH
Im Herbst des Jahres 1982 endete für mich 13 Jahre aktiver Dienst für die
Organisation der Zeugen Jehovas. Bis zuletzt war ich Studienleiter und
verantwortlich für zwei Studiengruppen, bis zuletzt war ich Hilfspionier.
Die Ältesten der Versammlung. Neubrandenburg standen vor einem Rätsel. Als Kind
mit der WTG-Lehre aufgewachsen, mit 13 Jahren getauft und aktiv am
Versammlungsleben beteiligt, zählte ich sicher bei ihnen als hoffnungsvoller
„Kadernachwuchs". Doch nun erklärte ich den Schwestern meiner beiden
Studiengruppen, daß ich nach gründlicher Überlegung einige Schlüssellehren der
ZJ nicht mehr akzeptieren könnte. In erster Linie wies ich die Behauptung der
WTG zurück, der „kluge Knecht" sei von Gott geleitet. Nun ließen die Ältesten
nicht lange auf sich warten. Sie rückten gleich in voller Besetzung und mit
Unterstützung des Gebietsdieners Wolfgang K... an. Allerdings blieben sie nicht
lange.
Man kann sich nämlich als Zeuge
Jehovas gegen Gott oder Jesus versündigen. Die „Diener Jehovas" drücken in
diesen Fällen durchaus mal ein Auge zu . Wer aber behauptet die leitende
Körperschaft sei nicht von Gott geleitet, hat keine Gnade zu erwarten.
Wochen später übermittelten die Ältesten ihr „göttliches Urteil"; für meine Frau
und für mich den „Gemeinschaftsentzug".
Sie ließen dies meiner Gattin zu einem Zeitpunkt wissen, an dem sie sicher
waren, mich nicht zu Hause anzutreffen.
Mein Gemeinschaftsentzug wurde mir nie persönlich mitgeteilt …
Unmittelbar nach dem ersten
Gespräch mit den Ältesten schwärmten diese aus, um die Versammlung „zu warnen".
Schon am nächsten Tag wußte jeder Zeuge Jehovas in Neubrandenburg und Umgebung
Bescheid.
Sie alle erhielten die Weisung, uns zu meiden und nicht mehr zu grüßen.
EINE VERHALTENSSTUDIE
Interessant war nun, zu sehen, wie sich die Zeugen Jehovas uns gegenüber
verhielten. In der Versammlung besaßen wir bis dahin einen guten Ruf und waren
mit vielen Glaubensgeschwistern befreundet. Einige von ihnen hatten uns fast
täglich besucht. Nun konnten wir unsere lieben ehemaligen „Geschwister" in 4
Kategorien aufteilen:
Zur ersten Gruppe zählen wir
diejenigen, die sich buchstabengetreu nach den WTG-Weisungen ausrichten. Sie
sind aber eindeutig in der Minderheit. Begegnen sie uns auf der Straße, gehen
sie erhobenen Hauptes mit meistens nach vorn - starr ausgerichteten - Augen an
uns vorüber (natürlich grußlos!).
Zur zweiten Kategorie kann man jene Zeugen rechnen, die, sobald sie uns
erblicken, auf die andere Straßenseite ausweichen. Gibt es dazu keine
Gelegenheit, sehen sie sich schnell ein Geschäft an, zur Not sogar ein
politisches Plakat.
In die dritte Gruppe ordnen wir die ZJ ein, die uns mehr oder weniger freundlich
grüßen, bzw., die unseren Gruß erwidern.
Und schließlich gibt es Zeugen J mit denen wir auch noch heute freundschaftliche
Kontakte pflegen. EIN GESCHÄFT MIT DER ANGST
Unter den vielen Gesprächen, die ich in den letzten vier Jahren mit Zeugen
geführt habe, ist mir besonders eines in Erinnerung geblieben:
Eine schon etwas ältere Zeugin nach Hause und bat mich weinend, sie nicht mehr
zu besuchen. Sie würde sich zwar mit mir auch noch gerne weiter unterhalten,
aber sie habe Angst davor, daß meine Besuche anderen Zeugen Jehovas auffallen
könnten.
Ihre Befürchtung bestand zu Recht, Kontakte eines Zeugen zu einem Ausgeschlossenen können zum Ausschluß dieses ZJ führen. Und wie leicht findet sich ein Denunziant in der Versammlung… Wie bei dieser Schwester, spielt auch bei anderen Zeugen die Angst in ihrem Verhalten eine große Rolle. Die Unsicherheit, die sie zeigen, wenn sie uns begegnen, beweist dies. Man hat sich schließlich gegenseitig nichts böses getan - im Gegenteil.
Aber das diesbezügliche Verbot der
WTG, miteinander zu sprechen, schwebt wie ein Damoklesschwert über jedem ZJ.
Gleichzeitig versucht man den Geschwistern einzureden, daß alle Ausgeschlossenen
nun ihre Feinde wären. Dieses Feindbild wird in der Regel nur von seiten der
Wachtturm-Gesellschaft aufgerichtet.
Warum sollte ich auch meine ehemaligen Mitstreiter hassen?! Nur weil ich in
einigen Lehrpunkten eine andere Meinung habe als sie? Mit dieser „anderen
Meinung" sollen aber nach Möglichkeit die Zeugen Jehovas nicht konfrontiert
werden. Dies könnte für die WTG gefährlich werden. Und deshalb macht man in
Brooklyn ein Geschäft mit der Angst.
-Gerd R...-
AKTUELLES IN KÜRZE
KATHOLISCHE STUDIENTAGUNG
IN DER BRD ÜBER DIE WT-ZEUGEN
Wie christlich sind die Zeugen Jehovas? So lautete das Thema. Die Frage der
Missionsstrategien und die zentralen Punkte der Lehre der sog.
Wachtturmgesellschaft standen im Mittelpunkt einer Studientagung von
Bistumsbeauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen, zu der die
Katholische Sozialethische Arbeitsstelle Hamm nach Ilbenstadt (Diözese Mainz)
eingeladen hatte. Es wurden folgende Feststellungen getroffen:
Das Leben der Zeugen Jehovas ist
so ausschließlich von Redetraining und Predigttätigkeit bestimmt, daß für
sozial-caritative Dienste innerhalb der Organisation und für die Welt kein Raum
mehr bleibt.
Die WT-Gesellschaft stellt eine Zweiklassengesellschaft dar, die 144000 meist
verstorbenen Menschen die künftige Herrschaft mit Christus versprechen.
Den übrigen Mitgliedern der Organisation bleibt die Aussicht auf ein kitschiges
Paradies auf Erden. Die restliche Menschheit wird laut Wachtturmgesellschaft bei
der Vernichtungsschlacht von Harmagedon liquidiert. Während Christen durch die
Praxis der Nächstenliebe die Menschenliebe Gottes mitvollziehen, ist für die
Angehörigen der Wachtturmgesellschaft ihr Gott Jehova eine Instanz, die die
meisten Menschen verworfen hat. In einer extrem simplen Bibelauslegung werden
dem Gott Jehova von der Organisation geradezu grausame Züge unterstellt.
ARBEITSGEMEINSCHAFT DER
EVANGELISCHEN
ALLIANZ IN DER BRD ÜBER WT-ZEUGEN
Die Arbeitsgemeinschaft für religiöse Fragen (ARF) in Duisburg, Vorsitzender
Helmut Warnecke, gibt evangelistische Schriften heraus, die sich vor allem auch
mit den Zeugen Jehovas befassen. Die Schriften werden u, a. bei Straßeneinsätzen
verteilt.
Eine bemerkenswerte Sache angesichts der WT-Straßenverkündigung. Die
Hauptaufgabe liegt jedoch im seelsorgerlichen Briefkontakt, den die WT-Zeugen
offensichtlich unbemerkter wahrnehmen können.
„LEBEN MIT DER BIBEL" - OHNE WTG
Unter dem Motto „Leben mit der Bibel" fand im September 1985 in Görlitz ein
zweiter Bibelkongreß statt.
Es beteiligten sich die Evangelische Landeskirche, die katholische Kirche, die
evangelischen Freikirchen und die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten.
U. a. erfolgte die Obergabe der 1984 Übersetzung
Der katholische Bischof Huhn u. a.:
Die Bibel gebe Antwort auf das Woher und Wohin des Menschen, wie unabwendbares
Leid getragen, wie Frieden entstehen und menschliches Zusammenleben geordnet
werden könne.
Die Bibel ist eine der stabilsten Brücken zwischen den Konfessionen".
(begegnung 12/85) -
Für Christen gibt es hierzu in der Tat keine Alternative, für die ZJ durch die
falschen WTG-Prophetien von 1799 bis 1975.
SCHLUSS MIT DER WTG IN ZAIRE
Präsident Mobuto von Zaire in Zentralafrika (früher Kongo) hat angeordnet, daß
sich die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas auflösen muß, wie eine Meldung
März 1986 aus Kinshasa besagt. - Bekanntlich ist die antidemokratische und
asoziale Orientierung der WTG, nichts zu tun, um die Welt zu verbessern, für die
unterentwickelten Länder besonders unerträglich.
WTG-NW-ÜBERSETZUNG ZUNEHMEND IM
VISIER
Neuerdings publiziert auch die Evangelisch-methodistische Kirche in der BRD die
Feststellungen der EZW in Stuttgart zur neuen WTG-NW-Übersetzung, hier werde ein
Schwindel mit der Bibel betrieben. Das sei „subtil-tendenziöse, den Text
fortwährend vergewaltigende Bearbeitung" der biblischen Schriften und, speziell
die Wandlung des Gottesnamens betreffend, „eine der gravierendsten
Bibelfälschungen in Geschichte der Christenheit".
ERWEISE DICH ALS MENSCH AN
MENSCHEN
Wir mögen uns für Gott (Jehova) begeistern und unser Mund mag vom überfließen -
ohne Liebe ist das alles nur Lärm um Nichts.
Wir mögen uns im Dienste Gottes wissen, persönliche Offenbarungen von ihm haben,
wir mögen sein Wort frei zitieren können, wir mögen unangefochtenen, ganz
wunderbaren Glauben haben - ohne die Liebe zu unseren Mitmenschen haben wir
nichts vom Christentum begriffen.
Wir mögen Riesensummen für die WTG (Verkündigung) opfern, wir mögen uns (beim
Studium der Pflichtliteratur und im Felddienst) aufreiben, uns gesundheitlich
ruinieren - ohne die Liebe zum Mitmenschen neben uns ist das alles sinnlos.
Diese Liebe will niemals einen Menschen zwingen, sie ist freundlich und ohne
Neid;
sie spielt sich nicht auf und drängt sich nicht vor:
sie ist nicht unverschämt und denkt nicht nur an sich.
Diese Liebe ist weder empfindlich, noch trägt. sie nach;
sie kann sich mit keinem Unrecht abfinden;
sie ist erst glücklich, wenn jeder sein Recht bekommt;
sie hat Verständnis und kann auch schweigen;
sie glaubt an das Gute im Menschen; sie gibt keinen auf und vermag zu warten.
Für diese Liebe kann es keine Grenzen geben!
(Frei nach 1. Korinther 13:1-8)
-Thomas-
AUS DER WELT DER ZEUGEN
KONGRESSBERICHTE (1)
Die Kongresse der WTG sind im Leben der Zeugen Jehovas Höhepunkte, vor allem für
den einzelnen ZJ sind sie erbaulich - in der Regel.
Jedoch, wie im Leben oft, hat jede Münze zwei Seiten, auch ein Kongress der
Zeugen.
Im Bus zum Kongressort gibt es beim Einsteigen großen Lärm. Streit!
Schwester M. wird von ihrem Ältesten zurückgeschickt. Verwirrung entsteht. Ein
Ältester am hinteren Eingang läßt die Schwester einsteigen.
Der Älteste am vorderen Eingang
schreit:
„Sie ist von Dämonen besessen!"
Während der Busfahrt stellt sich heraus, der Älteste der Schwester M. wollte sie
deshalb nicht mitnehmen, weil sie einen Brief an Bruder Henschel (Vizepräsident
der WTG) übergeben will, in dem Probleme aus ihrer Versammlung niedergeschrieben
sind: In der Versammlung haben sich Gruppen gebildet, die sich gegenseitig
beleidigen und beschimpfen, bis zur Lächerlichkeit. In einem Satz sagt Schwester
M. auch:
„Die Gruppen bekämpfen sich bereits."
Die Busfahrt verläuft ohne weitere Zwischenfälle. Die Brüder und Schwestern sammeln sich, sie sind voller Hoffnung und freuen sich auf den Kongress.
Was sie auf dem Kongress erlebt
haben, schilderten einige Brüder auf der Rückfahrt im Bus so:
Bruder M.: „Es war eine große Schau, unsere Hirten aus Brooklyn, Selters und den
Bezirken und Kreisen und die wohlhabenden Brüder, überboten sich untereinander
in der Schaustellung an Pracht und Reichtum. Sie haben ihr Paradies bereits auf
Erden, unseres predigen sie uns in den Himmel."
Bruder St. ergänzt: „Der Kongress hat nicht viel Neues gegeben, die Brüder aus
der leitenden Körperschaft in Brooklyn haben uns eigentlich nur das gesagt, was
im Wachtturm nachzulesen ist." Bruder J. schimpfte: „Für. mich hat sich der
Kongress besonders gelohnt, um die Brieftasche samt Inhalt bin ich ärmer
geworden und an Geist nicht reicher; denn was uns gesagt wurde, war teilweise
Fabel und manchmal wie für die Kinder."
-J.W.L.
„Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner; DDR 6500 Gera, Otto-Dix-Str. 6 Preis: 0,20 M; Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe, Gera
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