Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 20

Ein Sprichwort will wissen: Totgesagte leben länger. Wenn dem so ist, dann muss man es auch auf den Erich Frost anwenden. In dieser CV-Ausgabe wurde über ihn die Meldung verbreitet, dass Frost "im Frühjahr 1968 verstorben sei". Dies ist eine offensichtliche Falschmeldung. Sie wurde auch in späteren CV-Ausgaben nicht korrigiert, wie es von der Sache her angezeigt gewesen wäre. Richtig aber ist die Feststellung, dass der ehemals führende deutsche Zeuge Jehovas Erich Frost, seine letzten Jahre nicht in der WTG-Zentrale, sondern in der Kleinstadt Tuttlingen/Donau verbrachte. Richtig ist auch die Feststellung:

"Aus der Versammlung wird berichtet, daß er dort eine Etagenwohnung gemietet hatte und sich kaum noch öffentlich sehen ließ. Meist fuhr er nur in seinem VW aus. In der Versammlung galt er als erledigt, tat kaum den Mund auf und hatte keine Freunde. Alle wunderten sich, daß dieser einst so glänzende Redner sich so in ein Mauseloch verkroch."

Zur Geschichte der Zeugen Jehovas gehört es auch, dass nach dem Tode von Rutherford, der damalige neue WTG-Vizepräsident Covington, schon nach relativ kurzer Zeit gezwungen wurde, sein Amt wieder aufzugeben. Darauf wird in dieser CV-Ausgabe auch eingegangen.

Gleichfalls wird auch der Fall des Wilhelm Niemann angerissen, der seinerzeit an der WTG 1925-Verkündigung zerbrochen war.
 


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Konto-Nr. 4564-49-20156 Bank für Handel und Gewerbe 65 Gera Straße des 7. Oktober

Nr. 20 Gera November 1968

CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Sind Jehova und der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft ein und dasselbe?

Liebe Brüder und Schwestern!
Demut ist eine der hervorragenden Eigenschaften, welche Gottes Anerkennung findet. Auch die Wachtturm-Gesellschaft empfiehlt sie in ihren Schriften allen ihren Lesern mit den Worten: "Bei Menschen sind hohe Persönlichkeiten angesehen; Gott aber fühlt sich zu den Niedrigen und Demütigen hingezogen. Den Hochmütigen kennt er nur von ferne". (Ps. 138:6 NW). Jesus sagte: "Was bei den Menschen hoch ist, ist etwas Abscheuliches in Gottes Augen". (Luk. 16:15). Darum ermahnt die Bibel: "Besser niedrigen Geistes sein mit den Demütigen, als Raub teilen mit den Hoffärtigen". "Sinnet nicht auf hohe Dinge, sondern laßt euch mit den niedrigen Dingen mitführen". - Spr. 16:19; Rö. 12:16 . . . Da sich Gott, unser Schöpfer, selbst der Niedrigen und Demütigen annimmt, ist er für uns ein gutes Beispiel, und wir tun gut, ihm nachzuahmen, weil es uns wahrhaft glücklich macht". (WT 1. 10. 65/581).

Mit solchen gewinnenden Worten hat es die Leitung der WTG nicht schwer, das Vertrauen Gutwilliger und Demütiggesinnter zu erwerben. Wer solche eindrucksvolle Bibeltexte und Ermahnungen ausspricht, muß selbst beispielhaft vorangehen. Sicherlich erwartet jedermann von der WTG-Führung mit Recht, daß sie mehr als andere diese vortreffliche Eigenschaft der Demut in hohem Maße selbst verkörpert. Doch wie enttäuschend ist es, erfahren zu müssen, daß jene, die das Beispiel Christi und seiner Apostel anderen empfehlen, es selbst nicht für nachahmenswert halten. Je höher das Dienstamt, je größer die Machtbefugnisse innerhalb der Organisation, um so weniger findet man diese Gott wohlgefällige Gesinnung. Jeder, der seine Erfahrung mit den führenden Männern der WTG gemacht hat, weiß, daß sie keine wahre christliche Demut kennen, weder im Umgang mit ihren Glaubensbrüdern noch in ihrer Geisteshaltung gegenüber Jehova und seinen Christus. Diese Tatsache kam schon in den früheren Veröffentlichungen der WTG zum Ausdruck. Die WTG-Leitung hat sich zur Aufgabe gestellt, die Königreichsbotschaft in die Welt hinauszutragen. Die "Theokratische Organisation" sei die ausschließliche Trägerin der Heilsverheißungen Jehovas, das gegenbildliche Israel, das glückliche Volk Jehovas, wohnend in seiner Gunst. Die WTG ist der treue und verständige Sklave des Herrn, sein Mitteilungs- und Verbindungskanal. Diese Behauptungen bekräftigt die WT-Organisation in den Wachttürmen und verlangt in Wort und Schrift unbedingte Anerkennung ihrer Autorität. "Laßt uns nun den Mitteilungskanal unmißverständlich erkennen." (WT 15. 8. 57, S. 498). "Sei der theokratischen Herrschaft untertan, indem du jene anerkennst, die in Jehovas reiner und glücklicher Organisation die Autorität über dich innehaben" (WT 15. 1. 57, 58). "Es ist höchst wichtig, daß wir diese Tatsache verstehen und den Anweisungen des 'Sklaven' so folgen, wie wir der Stimme Gottes folgen würden…" (WT 15. 8. 57, 498). In Vermessenheit behauptet die Leitung, daß durch den treuen und verständigen Sklaven Gott selbst bei den Zeugen weilt. Der WT schreibt: "Jehova Gott wohnt bei euch, weil seine Gesalbten sein sichtbarer Tempel sind." (WT 15. 1. 57, 58). Von diesem "Gott" aus dem "sichtbaren Tempel" gehen ständig die "Organisationsanweisungen" aus, von denen alle Fürsten" die "innerhalb der theokratischen Organisation" auf Grund der "Ernennung von der anerkannten leitenden Körperschaft" nach "Recht herrschen". (WT 15. 8. 57, 499).

Die Gesellschaft inthronisierte sich selbst als "treuer und verständiger Sklave" über des Meisters "ganze irdische Habe". Dazu berechtigte sie nicht einmal ihre eigene Charta, viel weniger die Heilige Schrift. Es war ja nun nur noch ein kleiner Schritt bis zu der Behauptung: Die WTG regiere die Theokratie (das Reich Gottes). Der Begriff "Theokratie" ist unter den Zeugen Jehovas so verstanden worden: Etwas für die Organisation zu tun! Hier ist aber die entscheidende Tendenz, daß die WTG der ZJ bemüht ist, die Theokratie der Organisation mit der Theokratie des Königreiches Gottes auf eine Stufe zu stellen. Daß die Gesellschaft diesen Begriff fördert, zeigt der vor Jahren abgehaltene Kongreß unter dem Motto: "Mehrung der Theokratie". Dazu schreibt der WT vom 1. 11. 50 und dokumentiert in diesem: daß die WTG-Leitung unter einer "Mehrung der Theokratie" die Mehrung der Anhänger in ihren Reihen versteht. Der WT vom 15. 1. 57, 58/5: "Es handelt sich hier um eine reine Theokratie.." Wie sich die Organisationsleitung die "Theokratie" vorstellt, kommt am deutlichsten zum Ausdruck in "Consolation" (später Trost): "Die Theokratie ist die verheißene Regierung der Angelegenheiten der Erde durch Jehova Gott." "Die Theokratie wird gegenwärtig regiert durch die Watch Tower Bible & Tract Society, von der der Präsident . . . Rutherford ist." (Consolation 4, 9, 40, 25). Diese Anmaßung kommt einer Gotteslästerung nahe.

Diese heutige Selbsterhöhung ist aber nur eine Fortsetzung jahrzehntelanger Überheblichkeit und Herrschsucht. Der Gründer Russel stellt klar heraus, daß die WTG von Anfang an nichts weiter ist, als ein Verlagsunternehmen, also eine Geschäftsfirma. Wer daran zweifelt, lese ihre eigene Erklärung in den alten Schriften Russels: "Wachtturm Bibel und Tractat Gesellschaft. Das ist der Name einer Geschäftsfirma, die sich mit der Herausgabe von wichtigen religiösen Zeitschriften und Büchern . . . befaßt. Es wurden an tiefinteressierte Leser Aktienstücke von 10 Dollar an ausgestellt, die dann pro Aktie eine Stimme bei wichtigen Beratungen hatten…" WT 1917, 89: "Dic Statuten der Gesellschaft bestimmen, daß die Beamten alljährlich von denen gewählt werden dürfen, die zu dem Grundkapital (Aktienkapital) der Gesellschaft beigetragen haben."

Heute wagt dieser Bücherverlag, sich als das Haupt des Leibes, der Versammlung, als "treuer und verständiger
Sklave", als "Mitteilungs- und Verbindungskanal" zwischen Gott und Menschen und als Herrscher über die Theokratie hinzustellen! Heute nimmt diese Geschäftsfirma und Aktiengesellschaft das Recht in Anspruch, "den anderen Schafen der Zeugen Jehovas gegenüber eine fürstliche Stellung" einzunehmen. (WT 1. 11. 54/661). Heute will diese rein menschliche Einrichtung die "leitende Körperschaft" einer theokratischen Organisation Jehovas sein, die sie in Wirklichkeit mit Menschenkraft und Menschengeist gegründet hat. Sie wagt zu schreiben, daß "Jehova . . . seine gerechten richterlichen Entscheidungen" durch sie veröffentlichen ließ. (WT 15. 1. 57/12).

Der Nachfolger Russels als Präsident der WTG, Rutherford, äußerte sich über den "Mitteilungs- und Verbindungskanal" mit folgenden Worten: "Im Frühling des Jahres l909 wurde die Peoples Pulpit Association (Volkskanzel-Vereinigung) unter dem Mitglied-Körperschaftsgesetz des New York Staates organisiert. Ich (Rutherford) schrieb die Charta der Volkskanzel-Vereinigung (heute Wachtturm Bibel & Traktat-Gesellschaft), welche Charta dem Präsidenten derselben die absolute Macht und Kontrolle gibt … was die Angelegenheiten der Gesellschaft betrifft. Die besagte Körperschaft soll als Beamte haben: einen Präsidenten der gewählt werden soll . . . und sein Amt auf Lebenszeit behalten soll." (Harvest Siftings, 1. 8. 1917, Seite 16, §§ 2, 3).

Mit dieser Erklärung des Präsidenten ist das Geheimnis, das man um den "Mitteilungs- und Verbindungskanal" und den "klugen und treuen Knecht" gesponnen hat, völlig enthüllt. Der mit einem Schleier von Heiligkeit und Heimlichkeit umgebene "Leitende Körperschafts-Mythos" zerfällt. Der gewählte Präsident ist keine Körperschaft und niemals von Gott eingesetzt. Da dieser Präsident alle Macht und Kontrolle, kraft einer von Menschen verfaßten Charta ausübt, mit Hilfe der untheokratischen Stimmen seiner Wähler, berechtigt dies nicht zu dem Anspruch. An Christi Stelle Autorität über Gottes Volk auszuüben, Segnungen anzubieten, die nur Christus vermitteln kann. Es ist eine hohle und banale Anmaßung, Gericht zu halten, ohne göttliche Vollmacht. Es dürfte nun kein Geheimnis mehr sein, wer der "Mitteilungs- und Verbindungskanal" ist, der sich als Mittler hinstellt in Rebellion gegen Christus. Wer hat sich an die heilige Stätte gestellt als "Haupt des Leibes der Versammlung?" Wer gibt die Organisationsanweisungen heraus? Wer ist der kluge und treue Knecht (nach eigener Anmaßung)? Der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft! Er allein übt die absolute Macht und Kontrolle in der Wachtturm-Organisation aus. (Harvest Siftings, 1. 8. 17.)

Aber allen Tatsachen zum Trotz und ganz im Gegensatz zu ihrem eigenen Zugeständnis in der WTG-Charta, behauptet die Gesellschaft, das nicht ein Mensch, sondern Jehova selbst ihre Organisation leite. Wer führt die Herrschaft über die Organisation, wer leitet sie? Wer steht an ihrer Spitze? Ein Papst? Eine Hierarchie? Ein Konzil? Nein, keines von diesen. Wie ist das möglich? Ist es denn in einer Organisation nicht erforderlich, daß ein leitendes Haupt oder jemand, der die Richtlinien festlegt, die Organisation beherrscht oder leitet? Doch! Ist der lebende Gott, Jehova, der Leiter der theokratischen Christengemeinde? Ja!" (WT 1. 1. 57, 26/11). Da ist die Frage berechtigt: sind bei der Wachtturm-Gesellschaft Jehova und der Präsident ein und dasselbe?

Wir können diese Selbstüberschätzung nicht unterstützen. Wir dürfen als Christen keinen anderen Mittler anerkennen als Jesus Christus, denn auch Jehova hat ihn als alleinigen Mittler eingesetzt. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben (nicht eine menschliche Charta) und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf daß in dem Namen Jesu (nicht im Namen der WTG und seinen Präsidenten) jedes Knie sich beuge . . . und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus (nicht die WTG-Führung) Herr ist zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.' (Phil. 2:9-11). Wenn auch die WTG-Führung bei ihren Autoritätsansprüchen verlernt hat, dem Musterbeispiel Jesu, der sich so tief erniedrigte, zu folgen, so laßt uns doch nicht gleichfalls die guten biblischen Ratschläge aus den Augen verlieren, sondern selbst beispielgebend, laßt uns in der Demut einer den andern höher achten als uns selbst. (Phil. 2:3, 4).

In der Erwartung, daß noch recht viele Zeugen Jehovas darüber nachdenken möchten, grüßt in christlicher Verbundenheit
Bruder Willy Müller
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16
und Mitverbundene

Das Werk der Zunge
Von jedem bösen (nichtsnutzigen) Wort, das die Menschen reden, davon werden sie Rechenschaft am Tage des Gerichte zu geben haben, denn nach deinen Worten (auf Grund deiner Worte) wirst du gerechtsgesprochen werden, und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden. (Matthäus 12, 36-37).

Nach dem Bericht des Evangelisten redete Jesus zu einigen Schriftgelehrten, die ihn in seiner Rede zu fangen oder durch sprachliche Spitzfindigkeiten einen Vorteil über ihn zu erlangen suchten. Die damaligen Gelehrten des Gesetzes und die Pharisäer taten alles, um Jesus zu widersprechen und ihn hinsichtlich seiner Beweisführung zu schlagen. Sie gingen dabei soweit daß sie Dinge verbreiteten, die sie selbst nicht wirklich glaubten. Solch ein Mißbrauch der Sprache ist immer sehr gefährlich. Jesus erklärte mit besonderem Nachdruck, daß die Menschen einmal von jedem nichtsnutzigen Wort Rechenschaft geben müssen. Unser Benehmen von heute hat viel mit unserem Wesen von morgen zu tun. In dieser Hinsicht ist unsere Zunge ein äußerst wichtiges Glied des Körpers, indem sie unser Inneres, unsere Herzen, genauer widerspiegelt als irgend etwas sonst. Die Zunge druckt aus, was so der so im Sinn, im Herzen, ist. Wir denken dabei an Jesus Ausführungen in der Bergpredigt.

Man ist durchweg gewohnt, Taten ernster zu nehmen als Worte. Gedanken, Worte, Taten - in diesem althergebrachten Dreiklang pflegt man eine Steigerung zu erblicken Wir nehmen den, der viele Worte macht, oft nicht ganz ernst. In einer negativen Richtung sagt man sogar Worte seien dazu da, die Gedanken zu verbergen. Man kann viel sprechen, aber nur wenig sagen. Das erste was wir aus diesem Text lernen, ist also, daß wir das gesprochene Wort sehr ernst nehmen müssen. Nichtsnützige Reden offenbaren ein schlechtes Herz, und das steht zur Beurteilung So legt uns Christus für unnütze Worte eine große Verantwortung auf.

Jesu Worte bedeuten jedoch nicht den natürlichen Lauf unseres Lebens zu stören oder uns jedes Gespräch über unsere natürlichen Angelegenheiten zu verwehren oder gar jeden heiteren Scherz zu untersagen. Es soll auch nicht bedeuten, als dürfte unser Wort nur das Tiefste in unserem Leben berühren und müßte ausschließlich mit überirdischen Dingen beschäftigt sein. Was wirklich in reinem Sinn natürlich ist, ist nicht unnütz, sondern füllt seine Stelle nach Gottes Ordnung aus.

Aber wenn das Wort so tief sinkt so daß es zu überhaupt nichts dient und dem anderen Schaden zufügt, so ist das ein Mißbrauch des Wortes. Wir könnten tatsächlich mit unseren Worten großen Schaden anrichten. In dieser Hinsicht vergleicht Jakobus die Zunge mit einem Feuer, das einen ganzen Wald anzünden kann, und sogar mit einem ruhelosen Übel voll todbringenden Giftes. (Jakobus 3:1-12). Wir können aber auch Wohltäter unserer Mitmenschen werden, wenn wir unsere Worte gewissenhaft wählen, nicht schlecht von anderen sprechen, und wenn wir auch zu schweigen verstehen. Es gibt auch ein beredtes Schweigen. Wenn das Wort der Bote eines gütigen Herzens ist, dann wird dieses Wort dem anderen zu einer Wohltat. Wer bedarf nicht solcher Güte?

So wird das Wort, wie es Jesus in seiner Bedeutung darstellte, ein Symptom für das Wesen des Menschen, denn an der Frucht wird man den Baum erkennen. Schon in der Bergpredigt hat Jesus davon geredet. Er hat dort die Gemeinde der Christen als Pflanzung Gottes bezeichnet, als gute Bäume, die gute Früchte bringen müssen. Er sagte: "An den Früchten sollt ihr sie erkennen. Man kann nicht Trauben sammeln von Dornbüschen oder Feigen von Distelgestrüpp. Ebenso bringt jeder edle Baum auch nützliche Früchte." (Matth. 7:16, 17). Die Worte gleich Früchten des Baumes, sind Ausdruck des Wesens des Menschen.

Aus welchem Grunde sind Menschen gut oder böse?
Seitdem die Menschen auf Erden leben, wurde ihr Sinn beständig bombardiert, um ihn zu erobern und ihre Handlungsweise negativ zu bestimmen. Was veranlaßt den Menschen zu solchem Tun? Es sind Gedanken. Gedanken sind im menschlichen Sinn und führen zu diesem oder jenem Lauf. Die vielen Bücher, von Menschen geschrieben, beeinflussen wiederum das Denken und Handeln des Menschen und üben eine Macht aus. Diese kann gut oder böse sein, segensreich oder teuflisch, je nach dem, ob der ausgedrückte Gedanke Bosheit vermittelt und zu einer Verletzung der gerechten Grundsätze Gottes führt, oder ob er den Menschen erhebt und veredelt und mit dem Willen Gottes bekanntmacht und mit den gerechten Grundsätzen der Wahrheit und Nächstenliebe, des Friedens und der Wohlfahrt.

Denen, die gegen solche Grundsätze waren, antwortete Jesus einst: "Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr nicht fähig seid, meinen Worten voll Empfänglichkeit zu lauschen. Ihr habt den Teufel zum Vater, und eure Lust, ist das zu tun, was eurem Vater Freude macht. Der ist von Anfang an ein Mörder gewesen, und er steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist . . . Ich aber finde keinen Glauben bei euch, weil ich die Wahrheit rede. Wer von euch kann mir vorwerfen, ich hätte jemals Unwahres gesagt? Wenn ich die Wahrheit rede, wie ist es zu erklären, daß ihr mir nicht glauben wollt?" (Johannes 8:43-46). Schon hier haben wir den Kampf um den Sinn des Menschen. Es ist der alte Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und Böse.

Es ist sprichwörtlich, daß die Feder, womit das geschriebene Wort, der niedergelegte Gedanke, gemeint ist, mächtiger sei als das Schwert. Dadurch wird ausgedrückt daß Gedanken, die dem Sinn des Menschen vermittelt werden, mächtiger sein können als physische Kraft. So ist auch Gottes Wort machtvoller als physische Kraft und Gewalt Nehmen wir es in unseren Sinn auf, so kann es machtvoll werden und auf unseren Lebenslauf einwirken. Dann sehen wir seine Kraft. Das Gute, das ein Mensch aus dem Schatz seines Herzens hervorbringt, ist das, was er im Laufe der Zeit aufgespeichert hat. Wie das geschehen kann, sagt der Psalmist mit folgenden Worten: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rate der Bösen (NW) und nicht tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt im Kreise der Spötter; vielmehr Gefallen hat am Gesetz des Herrn und sinnt über sein Gesetz bei Tag und Nacht." (Psalm 1:1-2).

Auch der Apostel Paulus beschreibt das: "Im übrigen Brüder, soviel als sauber, soviel als freundlich, soviel als wohllautend ist, wenn da irgendeine Tugend und wenn da irgendein Lobpreis ist, dieses ziehet in Betracht." (Philipper 4:8). Weizsäcker übersetzt: "Das betrachtet das erwäget darauf seid bedacht darüber denkt nach"

Während man über das nachdenkt was gut und edel ist, sammelt sich in der Gesinnung ein Vorrat des Edlen und Guten an. Wo aber der Mund die Neigung hat Böses und Schlechtes zu reden, da ist eine böse Gesinnung vorhanden, da hat sich Böses angehäuft. Alles, was der Mensch in seiner Gesinnung aufgespeichert hat, wird sicher irgendwann und irgendwie seinen Ausweg über die Zunge finden Ein böser Schatz wird sich darum kundtun trotz aller Bemühung, ihn zu verbergen. Gleicherweise wird sich auch ein guter Schatz kundtun. Es ist nicht zu verhindern, daß der Mund aus der Fülle des Herzens, des Sinnes, redet.

Überall sind Menschen, die eine gute und edle Gesinnung haben, die gute und aufrichtige Absichten haben, die edle Gedanken äußern und ausführen. Es ist ein primitiver und intoleranter Gedanke, das zu verneinen und in anderen Menschen nur Vernichtungswürdige zu sehen.

Offensichtlich sind sich viele dieses mittelalterlichen Denkens gar nicht bewusst, so das sie es für den Ausdruck höchster Gerechtigkeit halten, Menschen, die anders glauben und denken, vernichtet zu sehen. Wir müssen Menschen, die edle Ziele haben, respektieren, die an der Vermehrung des Wissens, am Stand der Technik, am Fortschreiten der Kunst usw. arbeiten. Wie wollten auch wir Christen ohne das alles physisch existieren? Nehmen wir das alles nicht auch wie selbstverständlich in Anspruch? So sucht der menschliche Geist vorzudringen ins Unbekannte, sucht das Geschaffene zu verstehen und dadurch zu beherrschen und zu nutzen. Wie viele Menschen mühen sich da mit edlem Ziel für andere. Für uns Menschen ist es nicht selbstverständlich, daß wir automatisch nur Gutes reden. Auch die Tatsache, daß jemand ein Christ ist, bedeutet nicht, daß er seine Zunge automatisch zügelt. Das Zähmen der Zunge ist ein altes Problem Der Apostel Jakobus weist in seinem Brief in Kapitel 3:2 darauf hin: "Wir fehlen ja allesamt vielfach, wer sich beim Reden nicht verfehlt, der ist ein vollkommener Mann und vermag den ganzen Leib im Zäune zu halten."

Dann geht der Apostel weiter und zeigt, wie der Mensch gelernt hat Pferde mit einem Zaun zu zügeln oder große Schiffe mit einem kleinen Steuerruder zu lenken, daß aber die kleine Zunge ein größeres Problem darstellt. Lesen wir Jakobus 3:7-12 nach der Übersetzung von Zink: "Die ganze Natur zähmen wir. Die wilden Tiere, die Vögel, die Schlangen und die Seetiere werden von jeher durch den Menschen gebändigt. Die Zunge aber vermag niemand zu bändigen, dieses ruhelose Übel von tödlichen Giftes. Mit ihr loben wir den Herrn und Vater, mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, aus demselben Munde kommen Segen und Fluch."

Meint Jakobus damit, wir sollten die Flinte ins Korn werfen und unseren Kampf zur Beherrschung der Zunge aufgeben? Wenn Jakobus den Gedanken gehabt hätte, der Versuch, die Zunge zu zügeln, nütze nichts, weil man das unmöglich tun könne, dann wäre auch der Versuch, Gott recht zu dienen, umsonst. Das sagte Jakobus aber nicht. Er verband im Gegenteil die Beherrschung der Zunge mit rechtem Gottesdienst und gab folgenden Ansporn: "Meint einer, er diene Gott und hält dabei seine Zunge nicht im Zaum, dabei sein eigenes Herz über seinen wirklichen Zustand betrügt, dessen Gottesdienst hat keinen Wert" (Jakobus 1:26, 27).

Wir müssen also lernen, Selbstbeherrschung zu üben, und einen zornerfüllten Sinn zu beherrschen. "Darum sei jeder schnell bereit zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn . . . Darum legt alle Unsauberkeit ab und alle Bosheit, an der ihr so reich seid, und nehmt mit stillem Herzen und Geist das Wort auf, das Gott wie einen Samen in euch legt . . . Werdet Täter des Wortes und beschränkt euch nicht aufs Hören. Sonst betrügt ihr euch selbst." (Jakobus 1:19-22). Die Worte des Apostels sind an die "Brüder" gerichtet. Es gab unter ihnen so manches zu bemängeln. Sie bekämpften sich gegenseitig und redeten stolze, prahlerische Worte. Die Notwendigkeit, die Zunge zu bewahren und Frieden zu halten, mußte ihnen gezeigt werden. Jakobus erwähnte Eifersucht, Streitsucht Prahlerei und Lügen und zeigte, daß all dies zur Unordnung fährt. Wenn jemand Haß gegen seinen Bruder hegt so wird sich das in seinen Worten zeigen. Jakobus spricht dann weiter von Kämpfen und Streitigkeiten unter Brüdern. Es reue ein Geist fortwährender Revanche bestanden haben, sonst hätte es unter ihnen keine "Kriege" geben können. Einer allein kann nicht streiten.

Wie kann der Friede bewahrt werden, wenn jemand verletzend redet? Als erstes sollte man an den Grundsatz denken, beim Reden nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten Wenn man verletzt wird, sollte man Selbstbeherrschung üben, wie z. B. David, der schrieb: "Ich will meine Wege bewahren, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge, ich will meinen Mund mit einem Maulkorb bewahren, solange der Gesetzlose vor mir ist." (Psalm 39:1). Das ist ein guter Grundsatz für den Umgang mit Menschen, die uns verletzen. Wir müssen unseren Geist beherrschen und dürfen nicht zulassen, daß ein plötzlich aufsteigender Zorn uns aus dein Gleichgewicht wirft. Selbstbeherrschung ist ein Zeichen geistiger Reife.

Wie viele gibt es, welche mit ihrer Zunge ihren Mitmenschen Schaden zufügen, und welche dieselbe Zunge gebrauchen, um Gott Lob darzubringen. Es gibt kein Übel, dem ernste Christen mehr ausgesetzt sind, als diesem. Für manche ist es beinahe ebenso natürlich zu klatschen wie zu atmen. Dagegen sagt die Schrift in Kolosser 3:6: "Eure Rede sei allezeit gewinnend und mit Salz gewürzt, so daß ihr einem jeden die rechte Antwort zu geben wißt." Und in Epheser 4:29: "Es soll kein übles Wort aus eurem Munde gehen! Sprecht vielmehr im rechten Augenblick nur das, was anderen dienlich ist, damit die Hörer Segen davon haben."

Auch in politischen Dingen müssen wir auf die Zunge achten. Der Apostel Paulus gab der urchristlichen Versammlung durch Timotheus folgende Weisung: "Ich verordne nun vor allen Dingen: Es sollen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen dargebracht werden für alle Menschen, besonders für die Könige und alle anderen Machthaber, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit." (l. Timotheus 2:1-2). Damit zeigt der Apostel, daß uns das Geschick unseres Landes nicht gleichgültig sein darf, daß wir uns darum sorgen sollen, daß die führenden Männer das Schiff des Staates recht steuern mögen, zum Wohl des Volkes, das ja auch unser Wohl ist. Jede grundsätzliche negative Denk- und Redeweise ist hier demnach falsch am Platze. Wir sollten sie überwinden, denn sie verträgt. sich nicht mit der Verordnung des Apostels, eine positive Einstellung zu den Menschen zu haben, die in führender politischer Stellung sind.

Über allem steht jedoch die Regel von 1. Kor. 13:1-3: "Wenn ich in den Zungensprachen der Menschen und der Engel reden könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich die Gabe erwecklicher Rede besäße und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, so daß ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen verschenkte und meinen Leib dem Feuertode preisgäbe, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts." Ein paar Worte der Liebe, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie oft haben sie den Lauf eines ganzen menschlichen Lebens verändert! Ja, wieviel haben sie damit zu tun gehabt, das Schicksal von Nationen zu gestalten. Und wie oft haben böse, unfreundliche und verleumderische Worte großes Unheil angerichtet. Ist doch die Zunge imstande, Leidenschaften, Streit, Unfrieden, Feindschaft und Krieg zu erwecken, woran zuerst niemand gedacht haben mag.

So müssen wir entschlossen sein, immer aufs neue Fortschritte in der Beherrschung der Zunge zum Guten anzustreben, denn sie ist ein äußerst wichtiges und einflußreiches Glied unseres Leibes. Wir sollten darin unseren Brüdern und unseren Mitmenschen ein Vorbild sein.
B. K./Berlin

Das wahre Gesicht der Wachtturm-Gesellschaft
Wie mich, die WT zugrunde richtete (Folge 4)
Unverständliches Handeln der Diener
In meinem letzten Briefe legte ich dar, wie sich die Leiden seit meinem Wiedereintritt in die Organisation steigerten und fast unerträglich wurden. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Dies will ich heute unterbreiten.
Durch meine Zurechtweisungen der Brüder und durch das Auflehnen gegen ihre Anmaßungen ergriff man Gegenmaßnahmen Die unsaubersten Mittel waren hier recht. Hoffmann, welcher als Überrestglied sich anmaßte, die Gesellschaft zu vertreten, ging zur Offensive über. Heinicke und Quandt standen ihm zur Seite. Durch sie wurden unter den Brüdern in Brandenburg die unmöglichsten Gerüchte über mich verbreitet. Ich sei ein Irrlehrer, würde die Bibel nicht kennen und nach meinen eigenen Auslegungen handeln. Überall begegnete man mir mit Widerstand auf Grund der Verleumdung. Ich ertrug dies nicht mehr und bat die Anstaltsleitung um Verlegung in eine andere Zelle, aber nicht unter Zeugen Jehovas. Meiner Bitte wurde entsprochen. Das war nun neuer Anlaß, um die üble Nachrede gegen mich zu verstärken. Man behauptete, ich hätte unterschrieben, d. h. mich losgesagt von den Zeugen. Ich sei ein Zinker (Verräter). Ich würde Blut essen, kurzum, alles, was irgendwie mich in Mißkredit bringen könnte, wurde angewandt. Man machte mir das Leben so schwer als möglich. Unter diesen Umständen muß man doch in Gewissenkonflikte geraten und seine Gesundheit verlieren, das ist doch unausbleiblich. Jedoch, dies störte diese Brüder nicht, Hauptsache war, man hatte mich unmöglich gemacht Außenstehenden war dies unverständlich, daß in einer christlichen Gemeinschaft soviel Gemeinheit sich verberge. Wer war der Auftraggeber dieses Verleumdungsfeldzuges? Adler, Adler als oberster Boss, er war der Leiter und Organisator des Ganzen.

Heinicke, der ehemalige Leiter der Rechtsabteilung im Bethel, half hierbei unverdrossen mit. Er lehne es ab, die Bibel zu studieren, sie wäre verboten, sagte er mir. Er glaubte all das, was der WT schreibt. So kamen durch ihn die unmöglichsten Gerüchte in Umlauf, was der WT jetzt alles schreibe. Man wartete auf eine Nachricht im WT, daß die Befreiung nahe sei, diese Welt sei am Ende. Es kam aber nicht. Der WT war nicht in der Lage, hierzu eine Hoffnung zu geben.

In den Jahren nach 1955 seit meiner Verhaftung hatte sich auch in meinem persönlichen Leben so manches geändert Meine Ehe, welche ich am 11. 12. 1943 geschlossen hatte, war zerrüttet in meine Abwesenheit. Einige Brüder tragen daran schuld, wie ich ja schon schilderte, als ich als Pionier tätig war. Meine Frau beantragte die Scheidung auf Grund der zehn Jahre Z., sie meinte, die Wartezeit sei zu lang. Die Brüder haben ihr das gesagt, daß sie dies als Grund angeben möchte. So wurde unsere Ehe am 11. 2. 1957 geschieden.

Dadurch wurde mein Leid und Sorge noch vergrößert, denn ich stand nun allein unter Brüdern, die herz- und lieblos waren. Es gibt wohl kaum eine Organisation auf Erden, welche so viel Leid und Sorge über ihre Mitverbundenen bringt. Herr Knorr, wie willst Du dies verantworten Was hast Du dazu zu sagen als erster Diener in der Organisation? Was hast Du getan, um diese Leiden zu mildern?

Ohne Zutun der WTG-Leitung und ohne ihr Wissen trat jetzt plötzlich etwas unerwartet Erfreuliches ein. Der WT hat es nicht vorher prophezeit, daß das Jahr 1964 uns wieder die Freiheit brachte. Trotzdem unsere Haftzeit in bezug auf Behandlung und Verpflegung gut war, waren wir doch froh, wieder frei zu sein. Es war dies eine Maßnahme der Regierung der DDR, uns Langjährige zu entlassen, was, wie gesagt, sehr erfreulich war. Die Entlassungen fanden nach und nach statt. So kam es, daß ich nicht einer der ersten war, der entlassen wurde, was sich sehr zu meinem Nachteil auswirkte und meine Leiden auch in der Freiheit fortsetzte, denn die Brüder waren hier gleich wieder am Werk, meine Zukunft zu zerstören.

Willi Heinicke wurde einige Zeit früher entlassen als ich. Er hatte da nun genügend Zeit, in Brandenburg alles zu meinem Empfang gut vorzubereiten. Ich hatte nach meiner Scheidung mit einer Schwester in Brandenburg in Briefwechsel gestanden und hatten uns verlobt. Dies war Heinicke bekannt. Er besuchte sie und gab ihr Verhaltungsregeln, wie sie sich mir gegenüber verhalten solle, wenn ich dort auftauchen würde. Als ich freudestrahlend nach meiner Entlassung dort ankam, verhielt sich meine Verlobte sehr reserviert und bat, daß sie mit mir ein Bibelstudium halten möchte. Ich war einverstanden Im Laufe des Gespräches wurde klar, daß ich die Bibel besser kannte als sie erwartet hatte. Ich kam damals aber nicht auf den Gedanken, das hier ganz niederträchtige und gemeine Verleumdungen von Heinicke vorlagen. Er hat es fertig gebracht. meine Verlobte total zu vergiften. Sie war dermaßen durcheinander gebracht, daß ich es schwer hatte, sie über alles aufzuklären und daß dies alles Verleumdung sei.

Die niederschmetternden Ereignisse nach meiner Entlassung
Was ich in Brandenburg nach meiner Entlassung erlebte, kann ich unmöglich alles zu Papier bringen. Es ist so schlimm, das es für solche Gemeinheiten einfach, keine Worte gibt. Der Versammlungsdiener war in der Gruppe Brandenburg Erich Schulz. Er war ein fanatischer, aufgeblasener Diener. Er legte die Grundregeln der Bibel beiseite und handelte nach seiner Weisheit. Er hörte gern Verleumdungen und nahm sie als wahr entgegen. Er fragte mich nicht einmal, Horst, gegen Dich wird dies und das vorgebracht, was hast Du dazu zu sagen? Nein, das tat er nicht. Er arbeitete mit diesen ihm zugetragenen Verleumdungen, hinter meinem Rücken gegen mich. Ich hatte ja dieses heimtückische und hinterhältige Verhalten der Diener in der Organisation schon zur Genüge kennengelernt. Warum sollte da auch Erich Schulz eine Ausnahme sein? Die Unwahrheiten von Heinicke waren eben Wahrheit, er saß ja einmal im Bethel und da kann man auch ruhig einmal die Unwahrheit sagen, ohne daraus Nachteile zu haben. Holdi Quandt wurde nach mir entlassen. Wir trafen uns auf der Straße und schüttelten uns in aller Freundschaft die Hände, alles, was einmal zwischen uns war, schien vergessen zu sein. Kurze Zeit später erfuhr ich, was er alles hinter meinem Rücken vollbracht hatte. Einen größeren Judas als diesen kann es kaum geben.

Ich hatte mich mit meiner Verlobten ausgesprochen und wir waren uns einig, am 1. 2. 1964 in Brandenburg zu heiraten. Es wurde alles dazu vorbereitet und der Hochzeitstag stand in freudiger Erwartung vor der Tür. Aber den lieben Brüdern gefiel diese Einträchtigkeit und Harmonie zwischen uns beiden gar nicht und sie führten den letzten Schlag einige Stunden vor dem Gang zum Standesamt. Meine Verlobte wurde gebeten, schnell nochmal zu Erich Schulz zu kommen, er hätte etwas mit ihr zu reden. Wir beide nichtsahnend, ging meine Verlobte erwartungsvoll zu Schulz. Als sie zurückkam, eröffnete sie mir schweren Herzens: "Horst, ich gehe nicht mit dir zum Standesamt!" Weshalb nicht? "Was man da so alles von dir hört; du bist auch gegen die Wachtturm-Gesellschaft!" Mehr sagte sie nicht, es war zu viel auf sie eingeredet worden, ihre Nerven waren hin.
In welch eine Situation hat man mich da gebracht?

Könnt ihr das verstehen, Brüder und Schwestern? Einige Stunden vor dem Gang zum Standesamt werden alle unsere Hoffnungen von "Glaubensbrüdern", die sogar ein Dienstamt bekleiden, zerschlagen. Zerschlagen von Dienern, die sich zum Ziel gesetzt haben, mein Leben zu ruinieren, weil ich nicht in allen Dingen mit ihnen konform gehe oder aus Haß und Neid. Ist dies christlich gehandelt? Nathan Knorr, Du kannst stolz sein auf Deine Dienerschaft. Es war die Elite Deiner Diener, die alles arrangierten, wie soll und kann es da in den unteren Kreisen besser sein? Herr Knorr, was wirst Du dagegen tun?

Diese Brüder haben mein Glück und Hoffnungen zerschlagen auf gemeine, raffinierte Weise. Wer war der Rädelsführer des Ganzen? Adler, Adler als der höchste Boß, damals in Brandenburg, nahm Rache an mir. Ich habe ihm oft seine gemeinen Handlungsweisen vorgehalten, habe ihm gezeigt, wie man es nicht machen solle. Aber Adler hatte ja das Recht, alles so zu handhaben, wie er es für richtig hielt. Bei unseren Aussprachen blieb manches ungeklärt. Adler sagte, das klären wir mal draußen. Adler war schlauer als ich, er klärte alles auf seine Art und Weise und brachte mich in weitere große Schwierigkeiten. Seine Helfer waren: Heinicke, Quandt und Schulz. Adler habe ich brieflich alle seine verbrecherischen Handlungen mitgeteilt, bekam aber keine Antwort. Sie sind zu feige sich zu verantworten, ihre Stärke ist, hinter dem Rücken zu arbeiten, weit vom Schuß. Herr Knorr, so sieht die Wirklichkeit aus.

Daß diese sauberen Brüder tatsächlich unser Glück und alle unsere Hoffnungen zerschlugen, möchte ich mit einigen Briefauszügen von meiner Verlobten bekräftigen. Ich habe sie sehr geliebt und fand auch Gegenliebe im gleichen Maße. Aus späteren Briefen nach der Zerschlagung unseres Glückes: "…wüßtest Du, wieviele Tränen ich deinetwegen vergossen habe, ja vielleicht ist es Dir eine kleine Genugtuung, wenn ich Dir schreibe, daß monatelang nach unserer Trennung fast kein Tag vergangen ist, da ich nicht geweint habe bei den Erinnerungen, denn ich kam nicht so leicht darüber hinweg, wie ich vorher glaubte. Es erging mir ganz ähnlich wie Dir nach unserer Trennung . . . ! Ja, Du hast ganz recht, wir beide hätten glücklich werden können!"

Adler, Heinicke, Ouandt, Schulz und wer sonst noch beteiligt war, das ist euer Werk! Wer von euch trägt dafür die Verantwortung? Wer dirigierte den Verleumdungsfeldzug gegen mich? Ihr vier unfähigen und unliebsamen Diener tragt die Verantwortung und Herr Präsident Knorr sollte dies nun alles bereinigen. Ich brach fast zusammen unter den Lasten, die mir diese Brüder auferlegten mit ihren Gemeinheiten. Ich forderte auch Adler auf, meiner damaligen Verlobten zu schreiben, ihr die Wahrheit mitzuteilen und sich mindestens zu entschuldigen. Er tat es nicht, er hüllte sich in Schweigen. Adler muß eben Adler bleiben. Du trägst zwei Gesichter, Adler, fromm und scheinheilig. Da Du Dich nicht meldest, sollen alle erfahren, wer Du in Wirklichkeit bist. Lange genug habe ich gewartet. Mit der Zerstörung meiner angehenden Ehe in Brandenburg ist diese Tragödie abgeschlossen, aber neue Schwierigkeiten tauchen bereits wieder anderorts auf.

Meine weiteren Erlebnisse in Zittau
Brandenburg mußte ich nun notgedrungen verlassen nach all den trüben Erlebnissen. Ich lag buchstäblich auf der Straße, hatte kein Heim mehr, war ein Verfemter. Ich kehrte nach Zittau zurück und hoffte, dort wieder ein geordnetes Leben führen zu können in aller Ruhe und Bescheidenheit. Weit gefehlt, kaum war ich dort angekommen, begann der Hexensabbath von neuem.

In Zittau wurde ich von einem gewissen Augustin von der Organisation empfangen. Er sagte sinngemäß zu mir: Bei dir hat ja früher des öfteren nicht alles gestimmt und wir hatten viel Arbeit mit dir. Ich rate dir, beginne ein neues Leben. Arbeitsscheu bist du auch, siehe zu, daß du sofort eine Arbeit aufnimmst und in geordnete Verhältnisse kommst. Diese Vorwürfe waren alle unberechtigt und entbehrten jeder Grundlage. Ich war ein angelernter Schmied. Zu der Zeit, als dieses Gespräch geführt wurde, war ich frisch amputiert. Ich habe im Krieg den linken Arm verloren. Ich habe im Pferdelazarett und als Nachtwächter gearbeitet. Ich scheute keine Arbeit, die ich irgendwie verrichten konnte und dieser noch persönlich nicht kennender Diener nennt mich ein arbeitsscheues Element. Habe auch als Maler mit einem Arm gearbeitet. Heute arbeite ich als Fensterputzer mit einem Arm. Als ich damals als Schmied arbeitete, staunten alle über meine Arbeitsleistung mit einem Arm. Dieser Empfang beim VD ließ meinen Mut gleich wieder sinken, denn ich sah, daß schon alles wieder vorbereitet war gegen mich.

Über diesen Empfang beschwerte ich mich bei dem Zweigdiener Franke in Wiesbaden. Eine Abschrift davon übergab ich dem VD Augustin. Er meinte, gut, aber diese Abschrift ist soviel wert, daß sie gerade noch zum Feueranzünden reicht.
Das ist die Antwort eines VD. Die Bibel sagt, wer im voraus antwortet, ohne gehört zu haben, ist ein Narr. Spr. 18:13. Herr Knorr, Narren sind Deine Diener in Deiner unbiblischen Schar. So fing es an, wie wird es hier enden?

In Zittau lernte ich eine Schwester kennen, die mir gefiel und so blieb es nicht aus, da auch von der Schwester aus Interesse vorhanden war, daß wir eine eventuelle Heirat erwogen. Jedoch hatten wir wieder die Meinungen der Brüder nicht einbezogen. Da kam eines Tages Worm zu mir und verbot mir eine Eheschließung mit der Schwester, überhaupt jeden weiteren freundschaftlichen Verkehr. Warum? frug ich. Deine erste Ehe, welche geschieden ist, besteht trotzdem noch. Meine Antwort:

"Meine Frau ließ sich während meiner Haft scheiden, hat gleich geheiratet und aus dieser Ehe sind wiederum Kinder hervorgegangen, wie kann da meine Ehe noch bestehen? Was sind das für Auffassungen unter euch?" Da ich sein Verbot ablehnte, ging er zu der Schwester. Die Schwester nahm sein Verbot an und so wurde auch diese Eheanbahnung durch die Brüder zerschlagen.

Worm kam nicht wieder zu mir und teilte mir den Entschluß der Schwester mit. Er wußte genau, daß ich ihn zur Rechenschaft ziehen wurde. Er hat dort mit falschen Darlegungen operiert. Er ist ein ganz erbärmlicher Mensch und verleumdet, wo er kann. Ich habe nichts zu verbergen, habe es auch nicht versucht, das ist nicht meine Art. Ich weiß, daß ich auch Fehler gemacht habe, habe niemand geschädigt. Trotzdem entschuldigte ich mich damals bei Worm und Augustin brieflich von Brandenburg aus. Nach meiner Entlassung mußte ich zuerst nach Zittau zurück. Durfte aber sofort nach Brandenburg zurück zu meiner Verlobten. Als ich nach der Zerschlagung meiner Hochzeit in Brandenburg zurück nach Zittau mußte, traf ich Worm auf dem Bahnhof. Er bat um Versöhnung, die ich gern gewährte. Nach einiger Zeit erfuhr ich in Zittau von den Machenschaften Worms. Er war von Haus zu Haus zu den Brüdern gegangen und hat sie gewarnt, ich sei ein Verräter, deshalb Vorsicht. So niederträchtig handelte Worm. Bei mir bedankte er sich, daß nach meiner Verhaftung keine weiteren erfolgten, auf der anderen Seite bezichtigt er mich des Verrates. Ich suchte ihn in seiner Wohnung auf. Hier sagte er mir wieder, ich sei kein Verräter, er wisse, wie das immer so in die Wege geleitet wird. Jedoch sorgte er nicht dafür, das diese Verleumdung unterblieb, es wurde weiter geredet, ich sei ein Verräter und so lief das Gerücht ungehindert weiter Worm ist völlig ungeeignet, ein Dienstamt zu haben, da er unehrlich und mit zwei Zungen redet.

Da ich in Zittau kaum eine Schwester fand, die mir auf Grund der Verleumdungen noch traute, versuchte ich es außerhalb Zittaus, denn ich wollte wieder ein ordentliches Heim haben. Ich fand auch eine Schwester. Wir beschlossen zu heiraten und taten das auch außerhalb Zittaus. Die Brüder hatten aber durch Beobachtung etwas bemerkt und so wurde meine Frau zu einem ihr unbekannten Herrn bestellt. Er stellte sich auch nicht vor, sondern sagte zu meiner Frau: Ob sie denn nicht wisse, daß ich schon des öfteren versucht hätte, mit Schwestern eine Ehe einzugehen. Wir Brüder bedauern es sehr, daß wir diese Ehe nicht schon im Werden zerschlagen konnten.

Das war die Einleitung. Nun blieben weitere Belästigungen nicht mehr aus. Meine Frau wurde nun dauernd von den Brüdern gegen mich aufgeputscht, Lügen wurden ihr unterbreitet, es wurde alles getan, um die harmonische Ehe zu zerstören. Herr Worm tauchte auch wieder einmal in Zittau auf und redete mit meiner Frau. Nach dieser Unterredung verließ mich meine Frau sofort. Ich holte sie zurück. Es ging dann auch eine gewisse Zeit gut, dann brach auf Grund der Hetze wieder alles zusammen.

Aufgehetzt und aufgeputscht verließ sie mich dann endgültig Meine mehrmaligen Aufforderungen, zurückzukehren, fruchteten nicht, sie kam nicht zurück. So kam es dann zur Scheidung. Oft hatte ich meiner Frau meine Erlebnisse berichtet. Weil sie so ungeheuerlich und schändlich waren, glaubte sie den Beschönigungen der Diener mehr als mir, leider. Mir ist es unverständlich, wie meine Frau diese Befehle der unfähigen Brüder befolgen konnte und ihre Ehe durch sie zerstören ließ. Sie hörte nicht auf mich. So wurde durch die Brüder abermals meine vierte Ehe zerstört. Herr Knorr und Herr Zweigdiener Franke, die ihr die Diener ernennt und bestätigt, wollt ihr diese Diener in Schutz nehmen? Ist die Ehe nicht heilig? Welche Ursachen habt ihr, euch in die Ehen eurer Brüder zu stellen, um diese zu zerschlagen und damit das Leben eurer Brüder zugrunde zu richten? Antworte darauf.

Meine Beschwerde bei dem Herrn Zweigdiener Franke über so viele Niederträchtigkeit wurde nicht beantwortet. Ein Herr Bär antwortete mit Verleumdungen gegen mich mit einer Postkarte. Soll dieser Zustand denn immer so bleiben, soll ich nicht mehr zur Ruhe kommen?

Nach meiner Entlassung am 11. 12. 63 war ich kaum noch ein vollwertiges Mitglied der WTG. In Brandenburg kurz nach meiner Entlassung, Gemeinschaftsentzug auf Grund falscher Anschuldigung. Mitgeteilt wurde mir dieses aber nicht. In Zittau angekommen, begann sofort wieder die Hetze gegen mich. Hinter meinem Rücken Gemeinschaftsentzug, weshalb weiß ich nicht, bekam keine Mitteilung darüber. Deshalb erkannte ich diesen Gemeinschaftsentzug auch nicht an.
In meiner Wohnung in Zittau erschien einmal ein Herr von der WTG. Ich sagte ihm, daß ich unschuldig ausgeschlossen sei und dies nicht anerkenne. Die Antwort: Das dient zur Erholung! Das war alles.

Es wurde nicht anerkannt, daß ich neun Jahre wegen der Machenschaften der WTG-Leitung inhaftiert war. Ich hatte meine Schuldigkeit getan und war abgeschrieben. Jedoch um meine persönlichen Dinge wie Ehe, darum kümmerten sie sich und waren besorgt, damit mein Leben zu ruinieren. Was aber eine finanzielle Hilfe anbetraf, da gehörte ich nicht zur Organisation. Es war aber auch so, daß auch andere keine finanzielle Hilfe von der Gesellschaft bekamen, höchstens von Brüdern aus der Gruppe. Außenstehende, die wir als Weltmenschen bezeichneten, waren barmherzig und unterstützten mich, halfen mir auch weiter. Aber die WTG-Leitung kann z. B. schöne Autos kaufen von dem Gelde der Brüder, aber einen durch ihr Verschulden in Not geratenen Bruder zu unterstützen, geht nicht. Nicht einmal geborgt kann man etwas bekommen Weltmenschen liehen mir großzügig Geld, um wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen. So sieht das in der WTG unter Leitung des Präsidenten Knorr aus. Es wird Zeit, daß diese Leitung abtritt, denn gesunden kann die Organisation nur, wenn eine neue Leitung mit biblischen Grundsätzen an die Spitze kommt, die vor allem auch Liebe zu den Brüdern im Herzen hat.

Viel hatte ich schon erlebt, aber nach meiner Entlassung brach die Hölle los. Friedlich Adler, wer hat noch alles Anteil an Deinem Vernichtungswerk gegen mich? Sei ehrlich und offen, wenn Du noch ein Gewissen hast. Holdi Quandt habe ich versucht zu finden, ergebnislos. Heinicke habe ich in Leipzig angeschrieben, ohne Erfolg. Hoffmann in Fürstenwalde, kein Ergebnis. Alle sind zu feige, sich zu melden, damit ich sie zur Verantwortung ziehen kann, ihre ganze Erbärmlichkeit mal vor Augen zu halten. Wenn dies alles die Führer einer "Neuen-Welt-Gesellschaft" sind, dann Herr Knorr "Gute Fahrt"! Für solche "NeueWelt-Gesellschaft" wird sich niemand einsetzen, sondern ihre Beseitigung fordern.

Meine Forderung an Zweigdiener Franke bestand darin, Überprüfen der Handlungen und Machenschaften der Diener, die ich namentlich anführte. Absetzung aller untauglichen lieblosen Diener, welche keinerlei menschliches Mitgefühl haben. - Es sind Tiere, keine Menschen, solche Diener. Die Antwort auf meine Forderung war, neue Hetze gegen mich. Ohne mein Beisein, sprach man ungefähr vier Gemeinschaftsentzüge gegen mich aus, wovon ich nur hintenherum erfuhr. Diese alle aber erst nach meiner Entlassung. Wie könnte ich unter solchen Erfahrungen jemals wieder in eine solche Organisation zurückkehren Dies ist unmöglich. Einmal habe ich den Fehler gemacht, niemals wieder.

Wie habe ich durch die Handlungsweise der Dienerschaft gelitten? Wieviele Tränen habe ich geweint. Einen totalen Nervenzusammenbruch erlebte ich durch alle die Aufregungen, Gewissenskonflikte und Lieblosigkeit, herbeigeführt führt von der Dienerschaft einer "göttlichen Organisation". Wer gibt mir meine Gesundheit wieder? Wer will dies alles mal verantworten? Es ist mir unmöglich, alle die Dinge anzuführen, die an mir und auch noch anderen Brüdern verübt wurden. Von der viel gepriesenen Theokratie der WTG bliebe nicht einmal ein Schatten, denn alles ist Schein. Die Tatsachen sehen ganz anders aus, das zeigt allein mein Fall.

Ich habe auch versucht, dem Präsidenten alles zu unterbreiten Ich richtete diesen Brief an Zweigdiener Franke in Wiesbaden. Ich bekam auf diesen Brief niemals eine Antwort. Ob der Zweigdiener Franke ihn wohl absandte an Knorr? Wahrscheinlich nicht, sonst würde der Präsident sicher geantwortet haben, denn so viel Anständigkeit wurde sicher der Präsident einer christlichen Organisation haben oder sollte ich mich auch hier täuschen? Nach meinen Erlebnissen in der WTG ist das alles möglich.

In Zittau ist nun wieder ein neuer Name unter den Aufsehern aufgetaucht, Karl Heinz Schäfer. Dieser Aufseher stellt alle vorhergehenden in den Schatten. Im engsten Familienkreise sagt man, er liebe es zu herrschen und lasse sich nichts sagen. Es ist somit der Diktatur Tür und Tor geöffnet, was der WTG-Leitung zum Nutzen gereichen wird, den Brüdern aber zum Schaden. Ich hoffe und wünsche, daß alle Brüder und Schwestern aus meiner wahrheitsgetreuen Schilderung Nutzen und Lehren ziehen werden Wir wollen uns doch gegenseitig mit unseren Erfahrungen helfen, um immer gut ausgerüstet zu sein gegen die Lieblosigkeiten der Aufseher und der WTG-Leitung Einer trage des andern Last. (Gal. 6:2).

Vom Präsidenten Knorr erwarte ich umgehend eine Antwort auf meinen Brief, welcher in CV Nr. 17-20 in Fortsetzungen erschien. Wird Herr Knorr sein Präsidentenamt niederlegen? Wie gedenkt Herr Knorr in Zukunft zu handeln? Wird Herr Knorr bei Ernennung von Dienern in Zukunft nach biblischen Grundsätzen handeln? Wird Herr Knorr auch bereit sein, seine Lehren auf biblischen unanfechtbaren Darlegungen kund zu tun? Um Antwort wird gebeten.

Noch eines, Herr Knorr, wie hat sich Dein offener Brief an die höheren Diener ausgewirkt? Hat sich hier etwas zum Guten geändert? Es wäre erfreulich zu hören, daß meine dargelegten Erlebnisse und Erfahrungen beitragen würden, eine Änderung herbeizuführen, meine Leiden, herbeigeführt durch die Leitung und die Diener der Wachtturmgesellschaft, wären da nicht ganz umsonst gewesen.
Horst Kühn,
88 Zittau, Geschw.-Scholl-Str. 34

Keine Armee kann einer Idee widerstehen, deren Zeit gekommen ist!
Operation Befreiung - Ein vertraulicher Bericht von W. J. Schnell, USA
Liebe Freunde!
Befreiung winkt für Zehntausende von Zeugen Jehovas, wenn sie anfangen nachzudenken! Als Olin Moyle, Rechtsberater der Wachtturmgesellschaft, von Rutherford hinausgeworfen wurde, erwählte das Direktorium der WTG als Nachfolger Hayden C. Covington. Er war Rechtsanwalt in San Antonio, Texas. Unter der kundigen Vormundschaft von Rutherford, kam Covington empor als ein führender Gesetzeskundiger in USA. Er führte Zeugen Jehovas dazu, Siege in Rechtsfragen davonzutragen vor dem obersten Gericht der USA. Und sein Ansehen unter den Zeugen Jehovas stieg zu solcher Höhe, daß dieser junge Anwalt nach Rutherfords Tode der Vizepräsident der Wachtturmgesellschaft wurde.

Jedoch im Laufe der Zeit begannen sich Differenzen zwischen Mr. Knorr und Mr. Covington herauszustellen. Covington wurde gezwungen, von der Vizepräsidentschaft zurückzutreten. Es ersetzte ihn der alte und scharfsinnigere Fred Franz, Veteranenherausgeber des Wachtturms. Unsere Pipeline (Rohrleitung) in das innere Heiligtum der WTG informierte uns über zunehmende Differenzen zwischen Knorr und Covington. 1963 hatten sie in der Tat offenen Streit, des öfteren so laut, daß es vier Flure tiefer gehört wurde. In der Tat, dieser andauernde Streit wurde das Gewürz jeder Mahlzeit im Bethel. Knorr war für den Status quo, den gegenwärtigen Zustand auszunutzen, so sagen unsere Informatoren. Schließlich wurde Covington gezwungen, aufzugeben. Er zog sich auf eine private Rechtspraxis zurück.

Als die Offenbarungen über den Zusammenbruch des Untergrundapparates in Deutschlands Nazizeit den anklagenden Finger auf die deutschen Führer der WTG richteten und durch mein Buch: "Dreißig Jahre Sklave des Wachtturms" einen Höhepunkt erreichten, entstand eine gemeinsame Bewegung, diese Führer auszustoßen. Die Leitung war gezwungen, einige ihrer Führer zurückzuziehen. Leider aber blieben andere, welche ebenso belastet waren, im Dienstamt.

Die neue deutsche Wachtturmgesellschaft unter Führung von Brooklyn, am 9. September 1945 gegründet, versprach in ihrem Gründungsprotokoll, alle auszuschließen, die ihre Brüder unter dem Hitlerregime verraten hatten. Die Tatsache, daß noch heute solche Männer in verantwortlichen Positionen sind, verursacht Scham und Gewissenskonflikte.

Ein anderer Untergrundapparat wurde 1947 in Osteuropa gegründet. Dieser wurde so despotisch (willkürlich), daß die Leitung mit verschiedenen Warnungen sich an die Diener wenden mußte.
Alle Arten von Betrügereien, Lügen und Ausflüchte wurden zur Praxis. Geldschmuggel aus dem Lande und andere Missetaten brachten Verbot der WTG und damit Erschwernisse für die einzelnen Glieder der Organisation. In Zentralafrika haben bereits viele Zeugen Jehovas die Organisation verlassen. Andere wurden Fanatiker oder gerieten in geistige Verwirrung. In einem Falle in Malawi versuchte eine verwirrte Zeugin, die, welche nicht an ihrem Kult teilnehmen wollten, in Stücke zu hauen. Ein anderer, Thomas, der sich als Sohn Gottes ausgab, mußte von den britischen Behörden hingerichtet werden.

In der ganzen Organisation wachsen Gewissensschwierigkeiten Sichtbar wird ein ähnlicher Umschwung, wie in den Jahren 1917-1931, wo mehr als 40 000 die WTG verließen. Die Gesellschaft benutzt dieselben Tricks, sie ändern sich nicht, ganz gleich, ob es sich um Endprophezeiungen oder Untergrundorganisation handelt. Neuerdings wieder in Malawi. Überprüft die Darlegungen der Gesellschaft im WT und Erwachet mit anderen Berichten. Gewiß verurteilen auch wir diese stattgefundenen Übergriffe, denn niemand wird dies gutheißen. Es gilt aber auch hier zu prüfen und festzustellen, wer hat die Schuld an diesen Übergriffen? Wer trägt die Verantwortung an dem heraufbeschworenen Zustand in Malawi? Hat die Leitung der WTG alles getan, um diese Konflikte zu vermeiden Oder handelte sie so wie z. B. in New Jersey, Deutschland, Spanien und anderen Ländern, indem sie alles, auch was der Ordnung und Sicherheit der Bürger dient, ablehnte Sie benötigt immer wieder Märtyrer, um ihre Organisation herauszustellen. Ist die Aufforderung im WT nicht Mittel zum Zweck: "Wer sein Leben retten möchte, hat jetzt noch Gelegenheit"! Wer ein Christ sein will, das heißt ein ergebener Diener Gottes, wird mit fürsorgender Liebe seinem Bruder beistehen und ihn vor Gefahr bewahren.
Liebe Freunde, denkt gründlich darüber nach und handelt so, als es euer christliches Gewissen es auch gebietet. Galater 6:2-5.

Interessante Mitteilungen
Das Ende von Zweigdiener Erich Frost
Bekanntlich wurde über den Vorgänger von Zweigdiener Konrad Franke, Erich Frost anläßlich des internationalen WTG-Kongresses 1961 in Hamburg durch das weltbekannte Hamburger Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" vom 19. Juli 1961 nachgewiesen, daß Frost ein Handlanger der Nazis gewesen ist. Damit wurde der Sturz dieser WTG-Säule herbeigeführt. Kaum jemand bemerkte trotz "gründlichem" WT-Studium, daß mit den Worten im WT von 15. Februar 1962, Gileadbericht, der Teufel wolle die Säulen in der Organisation verdrängen, der Fall Frost gemeint war, im Jahrbuch 1947, S. 124, hatte er sich selbst verherrlicht.
Damit in den Versammlungen niemand aufmerksam werden sollte, ließ man jedoch erst noch einige Jahre verstreichen, bevor man ihn 1964 als deutschen WT-Redakteur absetzte. Frost tauchte dann in der südwestdeutschen Versammlung Tutttlingen, Donau unter. Aus der Versammlung wird berichtet daß er dort eine Etagenwohnung gemietet hatte und sich kaum noch öffentlich sehen lies. Meist fuhr er nur in seinem VW aus. In der Versammlung galt er als erledigt tat kaum den Mund auf und hatte keine Freunde. Alle wunderten sich, daß dieser einst so glänzende Redner sich so in ein Mauseloch verkroch. Im Frühjahr 1968 sei er dann im Alter von 67 Jahren gestorben.
In der ganzen WT-Literatur ist kein Wort über Frost Nazidienste veröffentlicht worden, und zufolge der systematisch von der WTG betriebenen Verteufelung aller Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Presseorgane hat kaum ein Zeuge die Hamburger SPIEGEL-Veröffentlichung über Frost zur Kenntnis genommen. Das ist eine der WTGMethoden, die Zeugen in Unwissenheit zu halten. So ist das Wundern über Frost in der Versammlung Tuttlingen durchaus verständlich.

Tragödien
Wie jetzt für 1975 wurde vom WT einst auch für 1925 Harmagedon vorausgesagt (Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben! S. 103/4, Brosch. WTG 1920, CV 9, S. 6, 5. Mose 18:20-22). Für viele wurde das zur persönlichen Tragödie, weil sie sich völlig diesen Lehren ausgeliefert halten. Dazu gehörte auch Br. Wilhelm Niemann aus Magdeburg, Moltkestraße 16, der mit dem Brooklyner WT-Redakteur George H. Fisher, Mitverfasser des Bandes VII der Schriftstudien im Auftrag von WTG-Präsident Rutherford, in Verbindung war. Die Irrlehre von 1925 gab ihm den Rest. In Traktationen versuchte er, die Versammlungen aufzurütteln. Besonders prangerte er die zahlreichen Ehescheidungen unter den Bethelältesten in Brooklyn in dieser Zeit an und rief in dem Traktat "Das siebenfältige Licht der Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft" die Versammlungen auf: "Das Jahr 1926 bricht an, es muß etwas geschehen!"

Daraufhin ging Rutherford im WT mit "Briefen" gegen Br. Niemann vor, der dann systematisch als "Aufrührer, Rotte Korah, Teufelsschwanz und Besessener" unmöglich gemacht wurde. Durch die WT-Erziehung für immer an der Welt irre geworden und nur auf sich allein gestellt und vom Haß und von den Verfolgungen und Verleumdungen der WTG ständig unter Druck gesetzt, wurde er zum Schluß in religiöse Verwirrung getrieben.

Jetzt gibt es in westdeutschen Großstädten schon Dutzende schlimmere Fälle. Nach Informationen aus einer Versammlung in München befanden sich im Jahre 1966 schon über 30 Zeugen Jehovas als Irre in der psychologischen Landesanstalt München. Vier Ärzte seien allein mit den irren Zeugen Jehovas beschäftigt.

Sie befolgen Lukas 10:37
Die Evangelisch-Methodistische Kirche, die sich 1968 aus einem Zusammenschluß der Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft gebildet hat, unterhält in beiden deutschen Staaten mehr als 80 diakonische Einrichtungen, darunter Krankenhäuser und Altenheime, in denen 5144 Betten bereitstehen und 2850 Mitarbeiter tätig sind.
Die WTG hat nichts dergleichen aufzuweisen. Ist es nicht an der Zeit zu erkennen, wie überheblich die Ansicht ist "allein in der Wahrheit" zu sein? Ist in anderen Kirchen nicht mehr praktische biblische Nächstenliebe?

Auseinandersetzungen um die Taufe
In der deutschen evangelischen Kirche sind im Sommer 1968 offene Auseinandersetzungen um die Taufe entstanden Es treten namhafte Christen auf, die die Kindertaufe als unbiblisch ablehnen und die verlangen, die kirchliche Taufpraxis zu ändern. Es gibt schon Pfarrer, die ihre Kinder nicht mehr taufen lassen, sondern warten, bis sie selbst zum Glauben kommen, um sich dann taufen zu lassen. Bemerkenswerterweise werden solche Christen nicht aus den Kirchen "exkommuniziert" oder ausgeschlossen. Hier zeigt sich, wie groß die christliche Freiheit des einzelnen in den Kirchen ist im Gegensatz zu der Intoleranz der WTG, die jede Kritik an ihren Praktiken unterdrückt und die Kritiker ausschließt.

Aus eingegangenen Briefen
Aus dem Bezirk Rostock:
… "Aus der Vergangenheit nichts gelernt" in Nr. 16 von CV. Es ist doch fast unglaublich, was da mit "initiativ" gemeint ist: Taten (Erwachet Nr. 18/67). Das bedeutet doch wohl nichts anderes, als Aufforderung zum Felddienst. Wenn das im Westen propagiert würde, wäre das ihre Sache, aber diese Aufforderungen sind ja nach wie vor weltweit, also auch hier, wo Verbot besteht. Unverantwortlich. Dann die immer neuen Endzeitdaten, nun 1975. Wie kommen die bloß immer wieder zu diesen Terminen? Natürlich lebt die WTG-Leitung von diesem Hinhalten ihrer "anderen Schafe" von einem Termin zum anderen, weil ihr ganzer Glaube auf Überlebenwollen aufgebaut ist. Daher auch ihre Intoleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen . . . Gott erweckt zum Glauben, wenn er will, deshalb brauchen wir nicht allen Menschen zu Feldpredigen. Was in Nr. 17 über den Reichtum der Weltorganisation steht, ist tatsächlich eine geschäftliche Leistung, die nur auf nicht notwendige Rechenschaftslegung und freiwillige Spenden und unbezahlte Arbeitskraft aufgebaut werden konnte. Es ist sehr gut daß solche unchristliche Machenschaften der WTG nun ihren Gliedern durch CV aufgedeckt werden . . . Ja, lieber Bruder, auf alles einzugehen in CV Nr. 16, 17 ist unmöglich, denn soviel Papier habe ich gar nicht, solch eine Fülle von Tatsachenmaterial steckt in CV …

Aus Polen:
… Es war für mich eine große Freude und Überraschung, CV zu erhalten. Ich erhielt sie über "Swit" in Warschau. Ich bitte herzlichst um weitere Übersendung von CV, da sie mich sehr interessiert. Sie gibt viele Aufklärungen über die WTG. Ich bitte um die Nummern 5, 7, 8, 9, da mich und andere diese Artikel besonders interessieren, wie Bluttransfusion und Antikommunismus . . . Mit großem Interesse erwarte ich nun CV. . . .

Aus Amerika:
… Besten Dank für CV - ein gutes Werk. Es sind wunderbare aufklärende Artikel, welche wir in Amerika auch gebrauchen können. Hier finden jetzt in vielen Orten die Hauptversammlungen der ZJ statt. Über Erfolg werden wir Dir berichten. Einen Bericht über den Reichtum der WTG werden auch wir bringen.

Aus Afrika:
Ehemaliger Zweigdiener der WTG, Bruder Namantombo, schreibt: Die ca. 5 000 Flüchtlinge, welche als Zeugen Jehovas das Land verließen, werden im Oktober Gelegenheit haben, wieder nach Malawi zurückzukommen. Über 4 000 von ihnen sind bereit, die Versammlungen der Mfula Za Jehovas freie Versammlungen zu besuchen und wir sind bereit ihnen zu helfen.

Es gibt aber auch noch einige, welche hoffen, daß die WTG wieder erlaubt wird, aber das ist unmöglich, hier in Afrika, denn wir wollen keine weißen Herren mehr haben. Mfula Za Jehovas freie Versammlungen sind die ersten schwarzen christlichen Versammlungen, die keine theokratischen Bonzen haben. Dasselbe geschieht auch in Zambia und Süd-Rhodesien. Auf den Philippinischen Inseln gibt es jetzt schon 59 Versammlungen freier Christen mit über 1 000 Ehemaligen.
Preis dem Herrn!

A 4196-68 V 71 2409

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