Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 19
"Bietet die neue Verfassung der DDR eine Chance für Jehovas Zeugen?" fragt diese CV-Ausgabe unter anderem. Im Gegensatz zu dieser Fragestellung ist Schlichtweg zu antworten: Nein!
Warum?: Vergleicht man die 49-er DDR-Verfassung mit jener von 1968 gilt es zu registrieren, das de facto die kirchlichen Rechte eingeschränkt wurden. Im übrigen. unausgesprochen, aber in jeder zweiten Zeile enthalten ist die Forderung nach "Wohlverhalten". Wie man weiß, entsprachen gerade Jehovas Zeugen diesem Kriterium nicht. Damit erweist sich diese CV-Fragestellung als Farce.
Aus der Nazizeit, dem KZ Buchenwald, ist der Bericht über den ZJ Willi Töllner überliefert:
"Er vertrat offenbar rigoristische Positionen und nutzte seine Begabungen um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Wer ihm diesbezüglich nicht in allem zu folgen vermochte, der sah sich der Verfemung ausgesetzt. Immerhin hat er durch sein charismatisches Auftreten auch Außenstehende beeindruckt. [55] Über ihn schrieb die Zeugen-Leitung: ..." (Geschichte der ZJ S. 385). Analog ist aus dem Konzentrationslager Wewelsburg der Fall des dortigen Lagerältesten überliefert, der bedingt durch die Umstände (überwältigende ZJ-Repräsentanz in jenem Lager) ein Zeuge Jehovas war. Über ihn wurden gleichfalls massive Vorwürfe laut (im Nachhinein von den "Neunmalklugen") was er in seiner Position doch alles anders hätte machen sollen.
Horst Kühn, musste 9 lange Jahre in den DDR-Gefängnissen für die Machenschaften der WTG einsitzen. Dort lernte er die übrige verhaftete WTG-DDR-Elite kennen. Seine diesbezüglichen Erfahrungen hat er später dann mal zu Papier gebracht. Sicher ist Kühn auch als problematisch einzuschätzen. Was man immer auch als Vorbehalt gegen ihn vorbringen mag, ändert jedoch nichts daran, dass er als Zeitzeuge es verdient beachtet zu werden. Seine Erfahrungen haben eine frappierende Ähnlichkeit mit jenen, über die Eingangs im Falle von Buchenwald und der Wewelsburg gesprochen wurde.
"Meine Herren, Sie meinen wohl ein Jahr". Mit diesem lapidaren Satz kommentierte Friedrich Adler, anlässlich der Urteilsverkündigung im 1950-er DDR-Zeugen Jehovas Prozess, sein persönliches Strafurteil, dass für ihn auf lebenslänglich lautete. Adler brachte damit zum Ausdruck, dass in einem Jahr "vielleicht" schon das göttliche "Harmagedon" sein könnte.
Horst Kühn lernte jene Wachtower-Koryphäen dann noch persönlich in den DDR-Gefängnissen kennen. In der dritten Folge seiner Fortsetzungsreihe: "Wie mich die Wachtturmgesellschaft zugrunde richtete" berichtet er darüber:
Er erwies sich auch als kritischer Beobachter der WTG-Politik, die Jehovas Zeugen in der Ostzone/DDR bekanntlich "gegen die Wand gefahren hatte". Seinen diesbezüglichen Eindruck kleidete Kühn in die Worte;
"Wir wurden 1950 verboten auf Grund der Machenschaften von der Leitung. Was tat aber Erich Frost nach dem Verbot in der Waldbühne? Mit lauter Stimme rief er in die Versammlung: 'Brüder, geht es nicht überirdisch, so geht es eben unterirdisch!' 'Versammlungsdiener nach vorn!' Ebenso Ernst Wauer, er forderte uns immer auf, in den Haus-zu-Haus-Dienst zu gehen. Die meisten weigerten sich, dies zu tun, denn sie erkannten die Gefahren. Sie selbst gingen ja auch nicht bei uns, sie blieben schön im Westen. Wauer sagte: 'Wir sind doch immer noch eine Theokratie und keine Demokratie, bei uns wird von oben nach unten befohlen.'
Einige Brüder sagten, kommt doch bitte mit uns und geht mit gutem Beispiel voran. Wauer lehnte das ab mit der Begründung: Wir würden doch sofort verhaftet werden. Sieh an, wir wohl nicht?"
Nur wenige aus der heutigen Bundesrepublik Deutschland, namentlich solche aus der alten Bundesrepublik, können sich im Detail in die Verhältnisse in der DDR der 50-er und 60-er Jahre hineinversetzen. Es war doch so, dass beide deutsche Teilstaaten nach 1945 auf einem vergleichbar niedrigen Niveau anfangen mussten. Die Schere der wirtschaftlichen Diskrepanz öffnete sich mit den Jahren zusehends. Anfangs noch glaubten die Kommunisten das "bessere" Wirtschaftssystem zu haben. Das Ulbricht-Wort von dem "Überholen ohne Einholen" war ein Symptom dafür (Es wurde alsbald auch dem Vergessen überantwortet). Krampfhaft betonte man jene (wenigen) Wirtschaftszweige, wo man glaubte mit dem Westen noch ebenbürtig zu sein. Einer jener war die optische Industrie in und um Jena. Sie wurde zum Politikum hochstilisiert. So mussten beispielsweise bei Käufen von Waren aus diesem Bereich, auch DDR-Bürger ihren Personalausweis vorlegen, dessen Daten im Zusammenhang mit dem Kauf akribisch festgehalten wurden. Sie mussten zugleich einen Revers unterschreiben, diese Gegenstände nicht ins "kapitalistische Ausland" auszuführen. Muten einem heute solche Bedingungen makaber an - es war die Wirklichkeit. Diese Details sollte man vielleicht mit berücksichtigen, wenn man in dem Kühn-Bericht auch den Satz vernimmt:
"Wer gab zum Beispiel dem Bruder aus Weißenberg, den Auftrag, eine teure Kamera für den Kongreß 1954 zu kaufen? Der Bruder kam nicht zurück, er ging in Haft. Das Ausbleiben des Bruders löste unter der Dienerschaft eine Panik aus. Nur wenige wußten den Grund des Ausbleibens. Sind diese Brüder auch wegen ihres Glaubens inhaftiert Herr Knorr?"
Über den eingangs genannten Friedrich Adler berichtet Kühn dann noch:
"Im Herbst 1955 ging ich 9 Jahre in die Haftanstalt.
Hier fand ich Gelegenheit, die Elite der Wachtturm-Dienerschaft besonders gut kennenzulernen. Im besonderen die Diener Friedrich Adler, Willi Heinicke, Hoffmann, Quandt usw. Es waren die Auserlesenen der WTG-Dienerschaft. Man lernte hier im Umgang mit diesen Brüdern in der Haft das wahre Wesen und den wahren Charakter dieser Brüder kennen. ...
Adler war stets bemüht, den 'Boß' zu spielen. Nicht etwa, um etwas Erleichterung für die Brüder zu organisieren, nein, um auf dumme Art seine Herrschsucht zu befriedigen, und dadurch ständige Unruhe und Unordnung unter die Brüder zu bringen. Oft hatte ich deshalb mit Adler kameradschaftliche Aussprachen. Aber wie die Katze das Mausen nicht lassen kann, so konnte Adler vom Thron, den er glaubte, noch immer inne zu heben, nicht herabsteigen. Trotzdem er sich selbst nicht dazu ernennen konnte, maßte er sich das an. Er fand es z. B. ganz in Ordnung, in der Haftanstalt Diener zu ernennen. Es war doch glatter Unsinn, in der Haftanstalt Bibelstudiendiener, Rechnungsdiener usw. zu ernennen. Weshalb in der Haftanstalt einen Rechnungsdiener zu ernennen, ist unverständlich, da wir ja gar kein Geld hatten. Waren wir allein unter uns, so genügte es doch, wenn ein Bruder das Studium leitete, es kamen ja meist nur Tagestexte in Frage. Mit den Tagestexten war es so, daß diese nur Adler bestimmen wollte. Hier zeigte Adler seine ganze Größe und Unbelehrbarkeit. Adler legte den Tagestext fest, schrieb ihn auf einen Zettel 'Kassiber' genannt. Diese Kassiber wurden dann in der Freistunde in die Hände der Brüder gebracht, was natürlich streng verboten war."
CV Christliche Verantwortung
Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung
Nr. 19 Gera September 1968
CV - ihr Zweck
Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in
der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger.
Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der
Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier
Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten
ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.
Ungeheurer Reichtum einer
Weltorganisation
Gewinne und Mangelerscheinungen 1967. (3. Folge).
Liebe Brüder und Schwestern!
Wie der Jahresbericht von 1966 zeigte, war die Leitung in
Brooklyn mit den Erfolgen nicht zufrieden. Weil man auf allen Gebieten die
vorgeschriebenen Quoten nicht erreichte, sah sich die WTG-Leitung genötigt, mit
entsprechenden Wachtturm-Artikeln den Arbeitseifer wieder anzustacheln. Hiermit hatte man
Gelingen, sicherlich auch in Anbetracht der Nähe von 1975, das Tempo wieder zu erhöhen.
Laut Jahresbericht stieg nun die Verkündigerzahl um 3,4 Prozent, welche somit 1 Prozent
über dem Vorjahr lag. Das Jahrbuch 1968 und der WT Nr. 6/1968 macht da manches kund, was
auf Gewinne und Mangelerscheinungen hinweist. Der WT schreibt auf Seite 188, daß man in
diesem Jahre die besten Ergebnisse erzielt habe. Betrachten wir aber das Jahrbuch 1965, so
wird hier berichtet, daß man in dem Jahre 1964 eine prozentuale Zunahme von 4,7 Prozent
berichten konnte, mithin fehlen 1,3 Prozent an diesem Ergebnis von 1967. Interessant ist
auch der Bericht von den 11 Verbotsländern, der Abgang der Verkündiger wird dort mit 3,8
Prozent angegeben, wohingegen in den 11 Verbotsländern 1965 noch eine Zunahme von 2,3
Prozent berichtet wird.
Wie war nun die Ernte 1967?
Ein Überblick über den Gesamtbericht zeigt, daß die
Brüder und Schwestern sehr tätig waren, um ihre Quoten zu erfüllen. Es wurden 815 868
öffentliche Zusammenkünfte abgehalten. Versammlungen gab es 25 206 mit 1 094 280
Verkündigern. Laut Jahrbuch 1968 S. 68 wurden 7 165 985 Bücher, 1 086 875 Bibeln,
Wachttürme und Erwachet 251 405 632 Stück, Broschüren 12 710 633 Stück verbreitet Dazu
benötigte man: 9 642 t Papier, 586 710 qm Einbandmaterial, Druckfarben 126 t, Klebstoffe
86 214 kg. Hieraus ist ersichtlich, was in diesen Menge Kapital steckt, um damit weiteres
Kapital zu erwerben. Nach oberflächlicher Rechnung dürfte bei diesem Literaturumsatz die
WTG-Kasse für 1967 einen Reingewinn von mindestens 30 Millionen Mark erzielt haben.
Die Versammlungen stiegen um 296 gegenüber 1966, 35 605 neue Verkündiger gaben ihre Berichte ab. Das Wachstum ist in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich In 29 Ländern ist ein Rückgang von 1-50 Prozent zu verzeichnen. In 16 , Ländern keine Zunahme. In acht Ländern nur 1 Prozent Zuwachs. Auffällig ist, daß in den Ländern, wo die WTG stark vertreten ist, kaum ein Wachstum zu verzeichnen ist. So vergrößerte sich in Amerika die Verkündigerzahl nur um 2 Prozent die Schweiz meldet 1 Prozent, England 2 Prozent, Schweden 1 Prozent. Westdeutschland hatte prozentual keinen Zuwachs und Westberlin einen Rückgang von 2 Prozent.
Es ist besonders beachtenswert, daß sich 74 981 Personen taufen ließen im Jahre 1967, jedoch der Verkündigerzuwachs nur 35 605 beträgt. Somit fehlen 39 396 Verkündiger, die im Laufe des Jahres der WTG den Rücken kehrten. Es sind dies 5 484 Abgänge mehr als im Vorjahr, ein Zeichen, daß das Wachstum und der Einfluß der WTG zurückgeht und die Flucht der Enttäuschten größer wird. Bei der vermehrten Zunahme der Getauften sollte man berücksichtigen, das viele zu diesem Schritt gedrängt wurden, um der "bevorstehenden" Vernichtung zu entgehen. Mit den Enttäuschungen, die nicht ausbleiben, kommt aber bei vielen gleichzeitig die Ernüchterung, einen verkehrten Schritt getan zu haben. Der anfängliche Eifer beginnt allmählich zu erlahmen, bis es schließlich aus irgendeinem Grunde zur Trennung von der WTG kommt.
Lassen wir uns das am Beispiel Westdeutschlands veranschaulichen Die Gesamtzunahme belief sich hier auf 100 Verkündiger. Getauft wurden jedoch 3486 Personen. Ziehen wir die 100 Verkündiger davon ab, fehlen 3386 Verkündiger, die nicht mehr gewillt sind, ihre Zeit und ihre Kraft dem Predigtdienst zu opfern. Für diese Abkehr hat die WTG-Leitung wieder ihre besondere Art, dies zu begründen; Jahrb. 68/S. 137 schreibt: "Unser Mehrung betrug genau 100 Verkündiger. Wenn wir jedoch in Betracht ziehen, daß während des Dienstjahres 3486 getauft wurden, erkennen wir deutlich, wie zeitgemäß der Rat von Judas 3 ist, einen harten Kampf für den Glauben zu führen. Wahrlich einige unserer Brüder haben in der Vergangenheit den ernsten Warnungen aus dem Worte Gottes und von seiner Organisation nicht die gebührende Aufmerksamkeit gezollt. Sie haben nicht auf Jehova geharrt, damit er für die materiellen Bedürfnisse sorge, wie dies bei Jesus der Fall war, sondern sind dem Materialismus zum Opfer gefallen." Die Leitung der WTG gibt dem Materialismus die Schuld an dem Rückgang aber nicht ihren Machenschaften und Irrlehren. Sie kennt keine Selbstkritik.
Hat sich der Aufwand an Zeit und Literatur
gelohnt?
Diese Frage ist berechtigt. Nehmen wir als Beispiel vom
ganzen Predigtwerk wieder Westdeutschland heraus, das uns am nächsten liegt. Es sind dort
76 793 Verkündiger tätig und 2 205 Pioniere. Versammlungen sind 1 052. Sie leisteten 10
842 688 Std. Nachbesuche machten sie 4 292 523, öffentliche Versammlungen wurden 40 482
abgehalten. Neue Abonnenten für WT und Erwachet 31 630. Verbreitet wurden insgesamt 11
763 669 Einzelzeitschriften. Bibelstunden wurden 41 477 durchgeführt. Das Ergebnis dieses
riesigen Aufwandes an Zeit, Kraft, bedrucktem Papier und Predigtdienst war die Zunahme von
genau 100 Personen. Beziehen wir Westberlin mit ein, so ist ein Zuwachs von nur sechs
Personen, zu verzeichnen, da Westberlin 94 Verkündiger verlor. Hat sich da der Aufwand
gelohnt? Es zeigt deutlich, daß man den Prophezeiungen der WTG-Leitung sehr mißtraut und
seit nicht so leicht einfangen läßt.
Da aber wieder ein Bericht über die einnahmen fehlt, versuchen wir, uns einen Überblick zu verschaffen. Aus Zeitschriften und Büchern hatten wir her von 30 Millionen als Reingewinn errechnet. Für Broschüre setzen wir nur ½ Millionen Mark Reinverdienst ein, sind es gesamt 30 500 000 Mark. Einnahmen aus "Guter Hoffnung" in den 25 206 Versammlungen ergibt mit Einzelspenden rund 31 Millionen jährlich. Die Einnahmen aus Kongressen, welche 1967 in erhöhtem Maße durchgeführt wurden, dürften eine Einnahme von 5 500 000 M. gebracht haben, was sehr niedrig bemessen ist, denn vier Tage dauerten die Kongresse in allen Ländern. Dazu kommen noch die Spendengelder bei Bezirks- und Kreisversammlungen auf der Erde, die rund 2 Millionen Mark in die WTG-Kasse fließen lassen. Ergibt zusammen einen Reingewinn von 69100 000 Mark für 1967. Das sind rund 3 Millionen M mehr als 1966.
Um diese kollosalen Gewinne zu
investieren, berichtet das Jahrbuch 68 (S. 65) folgendes:
"Die Bethelfamilie ist auf 790 Personen angewachsen. Es
sind alles Freiwillige, die sich als Mitarbeiter bewarben. Es können aber nur Mitarbeiter
zwischen 17 und 35 Jahren angenommen werden. Das Hauptbüro der WTG befindet sich in
Brooklyn, New York. Dort stehen an der Columbia Heights einige schöne Gebäude, die von
den Gliedern der Bethelfamilie bewohnt werden. Außer dieser großen Bethelfamilie wohnten
noch 102 Studenten im Bethelheim, die sich auf den Missionarsdienst vorbereiten Oft sind
noch 50 Aufseher und Hilfsversammlungsdiener hier in der Königreichsschule. Somit wohnten
mitunter 950 Personen im Bethel."
Diese große Familie will versorgt sein. Das erfordert eine Anzahl Personen in der Küche, im Speisesaal, Wäscherei und anderen Abteilungen, um die Brüder in den Büros zu versorgen. Was liegt hier näher, als sich Ländereien zu kaufen, um die Lebensmittel selbst billig zu erzeugen. Dazu berichtete das Jahrb. 68: "Die Gesellschaft hat eine Anzahl Farmen erworben. Sie werden von Brüdern bewirtschaftet. Gewöhnlich sind 45 Personen auf der Königreichsfarm beschäftigt. 19 auf unserer Wachtturmfarm, fünf auf der Bergfarm. Alle Farmen versorgen die Bethelfamilie mit Lebensmitteln. Die Bergfarm liefert Obst und eigenes Gemüse. Die Königreichsfarm liefert eine große Menge Gemüse, große Mengen an Kartoffeln, Weizen, Erbsen und Mais. Diese beiden Farmen stellen auch unsere Butter sowie Käse her und beliefern uns mit beträchtlichen Mengen Rindfleisch, Schweinefleisch, Hühnchen, Puten usw. Die Wachtturrn-Farm ist ein Stück Land, das wir kürzlich erst gekauft haben.
Es wird zu einer Gemüsefarm kultiviert. Im Moment züchten wir gerade etwas Rindvieh, sowie Milchkühe. Alles, was wir auf dieser Farrn anbauen, dient sowohl der Verpflegung der Bethelfamilie, als auch für Futter für das Vieh, das auf den Farmen gezüchtet wird und der Bethelfamilie schließlich zur Nahrung dient."
Wir haben diesen Bericht deshalb ausführlich gegeben, um zu zeigen, daß die WTG eine Geschäftsfirma ist, die immer bemüht ist, an allem zu verdienen, damit ihr Kapital sich noch mehr vergrößert. Es gilt auch zu bedenken, daß sich für solche Farmen, die nach ernsten Gesichtspunkten aufgebaut werden, viele Maschinen zur Bearbeitung nötig sind, ohne das sonstige Inventar, was einen kollosalen Vermögenswert darstellt, sich aber gut verzinst. Die Arbeiter sind ja sehr billig und genügsam.
Aber nicht nur hier hat die Gesellschaft ihre Millionen investiert. Auf Seite 68 des Jahrbuches wird berichtet: "Wir haben in vielen Ländern unsere eigenen Druckereien Alle sind voll ausgelastet. Unsere Hauptdruckerei in Brooklyn mußten wir aber vergrößern und modernisieren, damit die weiteren Millionenauflagen gedruckt werden können. Wir errichteten deshalb in Brooklyn eine neue, zehnstöckige Druckerei mit einer Bodenfläche von weiteren 19 138 qm. Unsere Gesamt-Druckerei-Bodenfläche erhöht sich damit auf 52 642 qm. Diese Fläche ist auf vier Fabrikgebäude verteilt, die durch Brücken, die die Straße überspannen, miteinander verbunden sind. Die ganze Buchbinderei in unserem gegenwärtigen Gebäude wird in das neue Druckereigebäude verlegt werden. Zwei weitere Produktionsstraßen sollen den zur Zeit bestehenden drei Straßen hinzugefügt werden. Damit könnten wir dann eine Tageskapazität von 50 000 gebundenen Büchern erreichen. Auch hat die Gesellschaft vier neue Hochleistungs-Rollen-Rotationsmaschinen bestellt, die in WD gebaut werden und im Sommer 1968 in das Brooklyner Druckereigebäude eingebaut werden.
Am 9. April 1967 wurde die Königreichsdienschule von South Lansing New York nach Brooklyn verlegt Ein Teil der Einrichtungen der Gileadschule wird zur Unterbringung der Königreichsdienstschule für Versammlungsaufseher, Hilfsversammlungsdiener und Bibelstudiendiener verwandt, bis die Schule ihre eigenen Räumlichkeiten in den von der Gesellschaft vorgesehenen neuen Gebäude in der Columbia Heights beziehen kann. Die Gesellschaft muß also über große Mittel verfügen können, um solche Neubauten und Umstellungen durchzuführen Woher diese Mittel kommen, haben wir Euch ja vor Augen gehalten. Lest und überprüft es selbst.
Es ist klar ersichtlich, daß die Gesellschaft sehr um ihre Millionen besorgt ist, um sie sicher und nutzbringend unterzubringen. Man sichert sich nach jeder Seite. Würde die Verkündigerzahl nicht mehr wachsen oder zurückgehen, so hat man doch weitere Möglichkeiten und Voraussetzungen geschaffen, um anderweitig mit Druckerzeugnissen zu verdienen. Die Farmen behalten ja auch dann noch ihren Wert, wenn es kein Bethel mehr geben sollte. Das Direktorium hat keine Verluste, ganz gleich wie es einmal ausgeht. Alles ist ihr Eigentum und kann nach Belieben darüber verfügen.
Auf die Frage, warum diese Millionen anhäufen und investieren, in Anbetracht der "Nähe von Harmagedon", hat die Gesellschaft noch keine Antwort gegeben. Im Gegenteil, sie vergrößert ihren Besitz immer mehr. Nach ihrer Auffassung gilt das Gebot Christi, sich keine Schätze auf Erden zu sammeln, allen Gliedern der Organisation. Sie selbst fühlt sich damit nicht angesprochen. Wie ausgezeichnet kann man doch die Mehrung des Reichtums mit der Ausdehnung des "Königreich-Werkes" verbinden. Große Summen machen sich für das Predigtwerk erforderlich Damit erscheint ihre Handlungsweise gerechtfertigt Wer denkt schon darüber nach, welch ungeheurer Gewinn für die WTG-Direktorenkasse bei dem "Verkündigungs-Werk" erzielt wird.
Im guten Glauben, daß die ganze Arbeit für Jehova getan wird, erkennt man nicht mehr, daß hier "die Gottseligkeit als Mittel zum Gewinn" betrachtet wird. Mit anderen Worten. Für die WTG-Leitung ist Religion ein gutes Mittel zum Geschäft. Jeder, der sich ernsthaft über unsere erschienenen Berichte betreffend der Millionenerträge Gedanken gemacht und Vergleiche gezogen hat, wird diese Darstellung weder hart noch ungerechtfertigt finden.
Das Watch Tower-Unternehmen kann sich nicht mit den ersten Christen vergleichen, welche hinsichtlich ihrer Habe in allem zum Teilen bereit waren und sich um die geringsten ihrer Brüder sorgten. Ihre Sorge gilt nur noch der Erhöhung ihres Ertrages. Wie hoch stehen doch andere christliche Kirchen und Gemeinschaften, welche die WTG-Führung verunglimpft, was die Nächstenliebe anbelangt, über ihnen. Hier sorgt man für Alte, Gebrechliche und Kranke und wer sonst noch der Hilfe bedarf. Die WTG-Leitung aber baut keine Alters-Siechen- und Erholungsheime, sondern nur das, was wiederum Gewinn verspricht. Ihre Liebe zum Nächsten ist erkaltet. Sie sieht nicht die Armut und Bedürfnisse unter einigen in ihren Reihen. Eine Führerschaft, die in solch unchristlicher Weise nur ihr Wohlergehen im Auge hat, kann man nicht mehr als Diener Gottes und Nachfolger Christi anerkennen Auch Du wirst einst mit den Worten des Apostels bestätigen müssen: "Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie ihn und sind . . . zu jedem guten Werk unbewährt." (Tit. 1:16).
In christlicher Verbundenheit
Bruder Willy Müller und Mitverbundene
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16
Die Zeiten
der Nationen
"Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen bis
die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden." Lukas 21:24.
Eine ihrer sonderbarsten Anschauungen vertritt die
Wachtturm-Leitung hinsichtlich der Zeiten der Nationen, die nach ihren Angaben im Jahre
1914 abgelaufen sein sollen. Da sich die Gesellschaft in der Hauptsache auf diese Lehre
stützt, um zu beweisen, daß das Königreich im Jahre 1914 aufgerichtet wurde, ist es um
so notwendiger, die wichtigsten Punkte dieser Behauptung einmal näher zu untersuchen. Mit
scheinbar unanfechtbarer Sicherheit proklamiert der Wachtturm:
"Das Königreich des königlichen Geschlechts Davids liegt nicht mehr darnieder, es wird nicht mehr von den Nationen niedergetreten, denn sein Regierungssitz ist aus dem jüdischen Jerusalem in das "himmlische Jerusalem" versetzt worden. (Hes. 21:30-32, Luk. 21.24). Nie mehr werden Weltmächte dieses davidische Königreich niedertreten, denn sie werden das "himmlische Jerusalem" nie niedertreten können. So liegen die Dinge seit dem Jahre 1914, dem Jahr, in dem die Zeiten der Nationen endeten und das himmlische Königreich geboren wurde. Offb. 12:1-5. Die Zeiten der Nationen begannen im Herbst des Jahres 607 v. u. Z., als das Vorbildkönigreich Gottes . . . gestürzt wurde. Am Ende der Zeiten der Nationen, 2520 Jahre später, das heißt im Jahre 1914, sollte das Gegenteil geschehen. Was denn? Das messianische Königreich Gottes . . . sollte wiederhergestellt oder wiederaufgerichtet werden." (WT 5/68, S. 144).
Jeder gemäß Wachtturm-Literatur geschulte Zeuge Jehovas weiß, daß Daniel 4 der Ausgangspunkt dieser Wachtturmlehre ist. In einem Traum sah hier Nebukadnezar, - der König von Babylon, einen gewaltigen Baum, der nach dem Befehl eines Engels umgehauen werden sollte. Nur ein Wurzelstock verblieb "im Grase des Feldes" mit Fesseln von Eisen und Erz eingefaßt, während "sieben Zeiten" über ihm vergehen. "Sein menschliches Herz werde verwandelt und das Herz eines Tieres ihm gegeben; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen." Dieser Traum erfüllte sich nach der Deutung des Propheten Daniel in allen Einzelheiten an Nebukadnezar, welcher durch den Baum dargestellt wurde, indem er auf der Höhe seiner Macht plötzlich den Verstand verlor und zu den Tieren des Feldes verstoßen wurde. Nach sieben Jahren wurde er von seiner Geistesgestörtheit geheilt, worauf er wieder auf seinen Thron erhoben wurde.
Zur Vervollständigung und zum besseren Verständnis bitten wir den Leser, das Kapitel Daniel 4 selbst nachzulesen In der Folge widmen wir nun unsere Aufmerksamkeit der WTG-Auslegung diesen prophetischen Bildes, wobei wir uns gewissenhaft an Zitate älterer, sowie neuzeitlicher WT-Literatur halten wollen.
Zeugnis der Vergangenheit
Die Verkündigung des Endes der Zeiten der Nationen im Jahre
1914 gehört in der Tat zu einer der ältesten Bekanntmachungen der WTG, die bereits in
den Anfängen der WT-Verbreitung entstanden ist. Heute wird sie in der Wachtturm-Literatur
immer wieder stolz als eine der wichtigsten prophetischen Voraussagen angepriesen.
Doch was würden wohl Jehovas Zeugen dazu sagen, wenn ihnen der Wachtturm einmal wahrheitsgetreu alle Einzelheiten früherer Bibeldeutungen unterbreiten würde, die in Verbindung mit Daniel 4 gelehrt wurden? Sie würden sich sehr darüber wundern wie man im Laufe der Zeit seine Auffassung zu diesem Thema geändert hat. Weil die WTG-Leitung weiß, was mit der Veröffentlichung solcher früherer "göttlicher Wahrheiten" auf dem Spiele steht, schweigt sie sorgfältig über jede Unstimmigkeit, die sich aus, einer Gegenüberstellung von Altem und Neuem unweigerlich ergeben muß. Nur gelegentlich bringt sie Auszüge früherer Bibeldeutungen, welche ihre heutige Botschaft im wesentlichen nicht gefährden können.
Angesichts der vor uns liegenden Beweise ist es jedoch an der Zeit, die Eigenmächtigkeit, mit welcher die WTG-Führung über biblische Prophetie verfügt, offen zur Sprache zu bringen. Einen, der aufschlußreichen Berichte, welcher die Wandelbarkeit in biblischer Auslegung deutlich veranschaulicht, enthält der von Rutherford neu überarbeitete Band 2 der Schriftstudien von Ch. T Russell aus dem Jahre 1926. (l. Ausgabe wurde 1889 veröffentlicht) Hier lesen wir auf Seite 90 folgendes über Traum und Baum Nebukadnezars:
"Dieser merkwürdige Baum stellte in seiner Herrlichkeit und Schönheit die ursprüngliche Herrschaft über die Erde dar, wie sie dem menschlichen Geschlechte in ihrem Vertreter und Haupte, Adam, gegeben war . . . Die ursprüngliche Herrlichkeit des Menschen und die in ihn gelegte Macht war in der Tat groß und schön. Sie erstreckte sich über die ganze Erde, um alle lebendigen Wesen zu beglücken, zu nähren, zu schützen und zu beschirmen Doch als die Sünde kam, da kam der Befehl, den Baum umzubauen, und die Herrlichkeit. . . . der Menschheit schwand dahin; und die niedere Schöpfung fand unter ihr keinen Schirm, Schutz und Segen mehr. Der Tod fällte den großen Baum, zerstreute seine Früchte und Blätter und ließ die niedere Schöpfung ohne ihren Herrn und Beschützer. Soweit es den Menschen betraf, war alle Möglichkeit, die verlorene Herrschaft wiederzugewinnen, hoffnungslos dahin . . . Obwohl er (Gott) befohlen hat, sie niederzureißen, so blieb doch die Wurzel, Gottes Vorsatz und Plan einer Wiederherstellung, wenn auch mit starken Ketten gebunden, so das sie nicht eher wieder ausschlage, bis die von Gott bestimmte Zeit gekommen sei."
Wir überlassen es hier dem Leser, sich ein eigenes Urteil über die Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit dieser damaligen "Prophezeiung" selbst zu erstellen. Dabei sollte man nicht vergessen: Diese Auslegung wurde von den damaligen Bibelforschern genau so als "Speise zur rechten Zeit" entgegengenommen, wie auch die gegenwärtige Darstellung bedenkenlos als "geistige Speise" und "Licht Jehovas" von den heutigen Zeugen Jehovas anerkannt wird.
Auslegung der Gegenwart
Wie die Umwandlung in neuzeitliche Verkündigung und in
"helleres Licht" aussieht, werden nachfolgende Zitate aus dem Buch "Babylon
die Große ist gefallen" (veröffentlicht in Deutsch l965) Seite 171, 172
verdeutlichen.
"Was bedeutet der gewaltige Baum in der größeren Erfüllung Als Nebukadnezar diesen Traum hatte, war er im Besitz der Weltherrschaft und diente als Werkzeug Jehovas . . . Somit war der Baum, der diesen König der dritten Weltmacht darstellte, ein Bild von Souveränität oder Macht über die Erde. Daniel 4:23 stützt diese Erklärung: "Weil aber vorn Verbleiben des Wurzelstockes des Baumes die Rede war, so wird auch dir dein Königtum bleiben."
Nun kommen die Bibeldeuter der WTG zu folgendem Schluß: "In Wirklichkeit war damit die Souveränität oder Macht, gemeint, die das Königreich Gottes über die ganze Erde innehat." "Jehova hatte König Zedekia von Jerusalem erklärt (Hes. 21:30-32), er werde das Vorbildkönigreich stürzen und alles so umkehren, daß derjenige, der den "Thron Jehovas" in Zion innehabe, erniedrigt und das, was niedrig sei, nämlich die heidnische Weltmacht, erhöht werde. Das führte Jehova im Jahre 607 v. Chr. durch, als er Zedekia . . . gefangen nehmen und Jerusalem mit seinem Tempel zerstören ließ. So wurde die Weltherrschaft, symbolisiert durch das Vorbild-Königreich Gottes oder das Königreich Juda, gleich dem gewaltigen Baum im Traume Nebukadnezars "umgehauen". Jehova gebrauchte sogar König Nebukadnezar als sein Werkzeug, um diesen gegenbildlichen 'Baum' umzuhauen."
Diese gegenwärtige Darstellung, die Jehovas Zeugen der Neuzeit geläufig ist und womit sie heute argumentieren, würde den damaligen Bibelforschern genau so wenig zugesagt haben, wie man sich heute sicherlich gegen eine Wiedereinsetzung der Prophezeiung Russels auflehnen würde. Beides aber wurde und wird als göttliche Offenbarung aus der Hand des in Einheit wirkenden "verständigen Sklaven" der Organisation entgegengenommen.
Diese Auslegungen aus der Vergangenheit und Gegenwart, denen völlig verschiedene Gedankengänge und Vorstellungen zugrunde lagen, können beide nicht gleichzeitig Weisheit von oben sein. Entweder erweist sich das eine als Licht und Wahrheit während das andere nichts anderes als Irrtum und Finsternis sein kann. Gottes Wort wird es dem unvoreingenommenen Betrachter bestätigen, das beide das fehlbare Werk menschlicher Auslegung waren, welche den Interessen einiger Schriftdeuter dienen mußten.
Worüber man nicht mehr redet
Damals wie heute verband man Daniel 4 unberechtigterweise mit
Lukas 21:24, indem man die sieben Zeiten des Wahnsinns Nebukadnezars auf die Zeiten der
Nationen anwandte. Aus einem Jahr von 360 Tagen erstellte man 360 prophetische Jahre und
multiplizierte sie mit 7, was 2520 Jahre ergibt, wobei man das Jahr 607 v. Chr.
willkürlich als den Beginn dieser Zeit festlegte.
Es ist beachtenswert, daß die damalige Lehre der Heidenherrschaft für 2520 Jahre sich von der heutigen hauptsächlich darin unterschied, daß man die Verwerfung der Juden im Sinn hatte, deren Wiederherstellung nach Russels Rechnung unbedingt im Jahre 1914 erfolgen sollte. Überzeugen wir uns selbst anhand der Schriftstudien Band II Seite 84, wie Russel die sieben Zeiten einem Schrifttext einschob, welchen die heutigen WT-Verfasser nicht mehr anwenden: "Und wenn ihr mir nicht gehorcht, so werde ich euch siebenmal (sieben Zeiten) mehr züchtigen wegen eurer Sünden." 3. Mose 26:17, 18, 24, 28. "Die Krone (Herrschaft) wurde für immer weggenommen, und Israel wie auch die ganze Welt wurde für sieben Zeiten den tierischen Mächten unterworfen."
Daß man für 1914 etwas ganz anderes erwartete, als es die WTG heute verkündet, finden wir auch in dem Buche "Regierung" von 1928, Seite 164, bestätigt: "Diese Strafzeit, die 606 v. Chr. begann und 2520 Jahre dauerte, mußte demnach im Jahre 1914 endigen. Die ein eingetretenen Ereignisse zeigen auch, daß der im Jahre 1914 ausgebrochene Krieg die Juden sehr für die Rückkehr in ihr Heimatland begeisterte; und zur Zeit des Kriegsendes gaben die führenden Nationen ihre Zustimmung dazu, den Juden Palästina als ihr nationales Heim zurückzugeben Ihre Strafzeit war zu Ende." Jesaja 40:1,2.
Darüber waren sich die früheren Bibelforscher einig. Das Jerusalem, welches gemäß Lukas 21:24 zertreten würde, müßte auch dasselbe sein, welches am Ende der Zeiten der Nationen wiederhergestellt werden müßte. Eine Tatsache, von der die heutige WTG-Führung in ihren neuzeitlichen Auslegungen vollständig abweicht. Jetzt behauptet man laut WT l. 1. 1967, Seite 8, 9: "Das irdische Jerusalem hat nichts damit zu tun. Seitdem Jesus Christus . . . hingerichtet wurde, hat diese Stadt nichts mehr mit Gottes Königreich zu tun." "Seit den Tagen Jesu Christi ist nicht mehr die irdische Stadt Jerusalem von Bedeutung."
Einer Erntezeit von 40 Jahren sollte nach Russels Ankündigung im Jahre 1914 das endgültige Ende der Herrschaft der Nationen folgen. Beachten wir, mit welcher Nachdrücklichkeit Russel diese Dinge im Band 2 der Schriftstudien bekanntmachte. "Es ist wahr, es heißt große Dinge erwarten, wenn man behauptet, wie wir es tun, daß in den kommenden 26 Jahren (von 1889 an) alle gegenwärtigen Regierungen gestürzt und aufgelöst sein werden." "Wie ermutigend ist die Aussicht, die uns am Schlusse der sieben Zeiten vorgeführt ist! Weder Israel noch die von jenem Volke bildlich vertretene Welt wird länger durch tierische Heidenmächte niedergetreten, unterdrückt und mißregiert werden. Das Königreich Gottes und seines Christus wird auf E r d e n hergestellt sein, und Israel und die ganze Welt werden unter seiner gerechten Oberhoheit gesegnet werden."
Die Segnungen Israels und der Welt, sowie alle weiteren Prophezeiungen blieben jedoch zur großen Enttäuschung Russels und seiner Anhänger aus. Anstelle des irdischen Jerusalems, für dessen Wiederherstellung man im Laufe der Zeit keine Beweise mehr aufbringen konnte, mußte nun das himmlische Königreich treten. Die unsichtbare Aufrichtung des Reiches Gottes, die Russel bereits auf das Jahr 1874 festgesetzt hatte, verlegte man auf 1914. Dieses Datum wollte man unter allen Umständen halten.
Doch der 1. Weltkrieg und die
nachfolgenden 54 Jahre seither bestätigen es zur Genüge, daß die Herrschaft der
Nationen uneingeschränkt fortbesteht und sich Gottes Königreich noch immer nicht in ihre
Angelegenheiten eingemischt hat.
Allein diese Tatsachen reichen aus, um die Abwegigkeit der
WT-Botschaft vor Augen zu führen. Ihre Unbeständigkeit und Veränderlichkeit in
biblischer Auslegung sollte allen Beweis genug sein, daß die fortgesetzten Ansprüche der
WTG-Führung, als der Verbindungskanal Jehovas anerkannt zu werden, völlig unberechtigt
sind. Welche weiteren Unstimmigkeiten sich aus der heutigen WTG-Verkündigung dieses
Themas ergeben, wird nachfolgend bewiesen werden.
Widerspruch auf Widerspruch
Im Interesse der Aufklärung über jede biblische
Irreführung, die vielen gutwilligen und gläubigen Menschen zum Schaden gereicht, ist
eine nüchterne Betrachtung dieses Themas mehr denn je erforderlich.
Man muß sich fragen, was haben die Zeiten der Nationen nach Lukas 21:24 mit dem Traume Nebukadnezars von Babylon und dessen Erfüllung zu tun? Weder Lukas 21 noch Daniel 4 geben irgendwelche Hinweise auf den Zusammenhang beider Texte. Zweifellos bilden die sieben Zeiten oder sieben Jahre des Wahnsinns Nebukadnezars eine brauchbare Berechnungsgrundlage, um daraus 2520 Jahre zu erstellen. (Je Tag ein Jahr = 360 X 7 =2520 Jahre). Doch diese ausgesuchte Tag- mal Jahr-Rechnung nach Hesekiel 4:6 und 4. Mose 14:34 stimmt genau so wenig mit Daniel 4 überein, wie man sie auch nicht für die Zeiten der Nationen verwenden kann. Diese Ausrechnung der 2520 Jahre von 607 v. Chr. bis zum Jahre 1914 wirkt jedoch auf den bereitwilligen Hörer ebenso verblüffend, wie auch die kluge Zusammenstellung und Ausnutzung aller ungewöhnlichen und auffälligen Zeitereignisse der Gegenwart ihn beeindrucken müssen.
In weiterer Untersuchung der Glaubwürdigkeit dieser WT-Lehre ergibt sich die Frage: Wie kann man Gottes messianisches Königreich, was die Zertretung anbelangt, überhaupt zu Babylon, dem "Weltreich der falschen Religion", in Beziehung setzen? Ist es nicht widersinnig, glauben zu wollen, daß ausgerechnet Babylons Herrscher, von dem die WTG bestätigt, daß er die Anbetung von Götzen förderte, ein Vorbild von Gottes Königreich, ja selbst von Jehova abgeben sollte? Wie wir sogleich sehen werden, beinhaltet die WT-Literatur solche merkwürdige und unverständliche Bibeldeutungen. Beachten wir dabei sorgfältig, wie geschickt die "verständigen" WTG-Sklaven argumentieren, um den unachtsamen Leser zu täuschen.
Im Babylon-Buch, Seite 174 lesen wir. "Bei Nebukadnezar begannen die "sieben Zeiten", von dem Zeitpunkt an zu zählen, als er geisteskrank geworden war und man ihn von seinem Thron vertrieben hatte. In der umfassenderen prophetischen Bedeutung begannen die "sieben Zeiten" oder die 2520 Jahre zu zählen, die Jehova Gott von der Weltherrschaft, dargestellt durch sein Vorbild-Königreich auf Erden, zurückgetreten war. Das geschah, als Jehova Nebukadnezar als Werkzeug gebrauchte, um Jerusalem samt dem Tempel zu zerstören."
Wir stellen dazu fest: Mit dieser Gegenüberstellung und dem Vergleich zwischen Nebukadnezar und Jehova ist die WTG-Leitung entschieden zu weit gegangen. In der Fortführung dieses Gedankens und der folgerichtigen Ausdeutung dieses Bildes müßte genau genommen Jehova, welcher gleich Nebukadnezar von seiner Herrschaft zurückgetreten war, ebenfalls seinen Verstand aufgegeben oder verloren haben und den Tieren des Feldes ähnlich geworden sein, was eine unvergleichliche Lästerung bedeuten wurde. Oder hatte man vielleicht das Königreich Gottes im Sinn? Verlor es etwa während 2520 Jahren gemäß WTG-Aufrechnung den Verstand, um darauf auf Grund seiner Einsicht, wie Nebukadnezar, wieder in Amt und Würden zu kommen? Aber nein, diese Annahme wäre zu widerspruchsvoll und würde keine Anhänger finden. Man mußte sich etwas anderes ausdenken.
Wie die WTG-Führung der logischen Folgerung ihres Vergleiches ausweicht und davon abzulenken versucht, ersehen wir aus folgendem Argument: " die heidnischen Weltmächte handelten gleich Tieren, wie Nebukadnezar während der "sieben Zeiten", als er geistesgestört war . . ." "Auf Erden jedoch setzten die heidnischen Mächte ihr tierisches Verhalten (nach 1914) auf eine noch verderblichere Weise fort." (Babylon-Buch, S. 175). Um diese Lücke in der WT-Prophezeiung zu überbrücken, greift man zu einer andersartigen Auslegung. Jetzt treten an die Stelle des Königreiches plötzlich die Heidennationen, die im Vergleich zu Nebukadnezar herangezogen werden. Dem aufmerksamen Leser aber kann es nicht entgehen: Diese Deutung ist willkürlich und mehr als unkorrekt. Wie kann man die Begebenheiten um Nebukadnezar und die seine Person betreffende Erfüllung des Bildes teils auf Gottes Königreich, teils auf heidnische Mächte beziehen? Die WTG-Leitung darf sich das alles erlauben. Wer aber nimmt in Zukunft solche Ungereimtheiten noch widerspruchslos entgegen?
Würde man den WT-Gedanken richtig zu Ende denken, so würde das Ergebnis davon sein, das die gleich Tieren handelnden Nationen nach 2520 Jahren im Jahre 1914 wieder zu Verstand gekommen und gleich Nebukadnezar wieder erhöht sein müßten. Wie das Buch es hier erklärt, ist aber gerade das Gegenteil davon der Fall. Wir sehen somit, daß ein korrekter Vergleich gemäß WTG-Ansicht nach allen Seiten hinkt.
Außerdem und vor allem muß man beachten, daß Jesus in Lukas 21:24 die Zeiten der Nationen direkt mit den Endzeitgeschehnissen in Verbindung bringt und damit zukünftige Ereignisse vorhersagte. Er sprach ganz deutlich von einer bevorstehenden Verwüstung Jerusalems. Die Worte Jesu: "Und Jerusalem w i r d zertreten werden von den Nationen", weisen eindeutig auf die Zukunft hin, die mit allen weiteren Voraussagen insgesamt ihre Erfüllung finden sollten. Wie können nun die WT-Verfasser ein Ereignis wie dieses, das Jesus zukünftig sah, in die Vergangenheit verlegen? Hätte er das Jahr 607 v. Chr. im Sinn gehabt, so hätte er dies völlig anders zum Ausdruck gebracht. Aber nicht mit einem Wort erwähnt er hier eine zurückliegende Verwüstung Jerusalems, noch die lange Zeitdauer von 2520 Jahren. Somit liegt es klar auf der Hand, daß Jesus Christus hier nicht von Dingen sprach, die soweit wie das Jahr 607 v. Chr. zurücklagen.
Dauer der Zeiten der Nationen auf 3 ½ Jahre begrenzt
Um zu rechtem Verständnis zu gelangen, macht es Gottes Wort, die Bibel, dem einfachen Leser nicht so schwer, wie die WTG-Führung mit ihren komplizierten
Berechnungen. Sie drückt mit kurzen, knappen und klaren Worten das aus, was der WT durch
lange Umschreibungen zu einem undurchdringlichen Wirrwarr macht. Kein Wunder, daß es
vielen Zeugen Jehovas unmöglich war, diese Lehre in ihrem Zusammenhang richtig zu
erfassen, geschweige denn sie anderen biblisch verständlich zu machen.
Haben wir irgendeinen Anhaltspunkt in der Schrift, welcher uns die Länge der Zeiten der Nationen erkennen läßt? Ja, Offenbarung 11:2 gibt uns hierüber Gewißheit: "Und den Hof, der außerhalb des Tempels ist, wirf hinaus und miß ihn nicht denn er ist den Nationen gegeben worden, und sie werden die heilige Stadt zertreten zweiundvierzig Monate."
Jerusalem, welches hier gleichbedeutend ist mit dem Vorhof des Tempels, wird somit für 42 Monate oder 31/2 Jahre den Nationen zum Zertreten hingegeben. Dieser Text, welcher offensichtlich mehr als jeder andere mit Lukas 21:24 identisch ist, wird von der WTG-Leitung absichtlich verschwiegen. Sicherlich möchte man allen unangenehmen Fragen aus dem Wege gehen, die sich aus einem Vergleich zwischen der WTG-Berechnung von 2520 Jahren und den hier angeführten 42 Monaten ergeben müssen.
Verständlicherweise wird der bibelinteressierte Leser wissen wollen, auf welches Jerusalem und auf welche Zeit hier die Schrift hinweist. Gewiß wird heute kein Mensch gewissenhaft diese Frage beantworten können. Nach unserer Auffassung kommt das irdische Jerusalem, das während der vergangenen Jahrhunderte bereits ununterbrochen leiden mußte und dessen Tempel nie wieder errichtet wurde, kaum in Betracht, vielmehr ein symbolisches Jerusalem, das sich z. Z. der Erfüllung außerhalb des geistigen Tempels und damit außerhalb der Gunst Gottes befindet Schließlich aber wird der Herr den Aufschluß geben, der richtunggebend für jede weitere Erkenntnis sein wird.
Den Tatsachen nicht mehr ausweichen
Jeder, der jetzt imstande ist, die Tatsachen nüchtern zu
sehen, wird dem Jahre 607 v. Chr. und der Festigung der Zeiten der Nationen auf 2520 Jahre
im Hinblick auf 1914 keine weitere Bedeutung mehr beimessen. Eine Lehre, die sich so ganz
und gar den Interessen der WTGFührung anpassen und ihrer Willkür unterordnen mußte,
kann nicht mehr die Zustimmung wahrheitsliebender Menschen finden.
Wenn nun die Schlußfolgerungen aus früheren Zeiten sich auf die Dauer nicht halten konnten, wieviel weniger die gegenwärtige, sich widersprechende Auslegung von dem Ende der Heidenzeiten und der Wiederstellung des Königreiches im Jahre 1914. Je weiter wir uns von 1914 entfernen, um so unglaubwürdiger wird diese Wachtturmlehre allen denen erscheinen, die gesunden Sinnes darüber nachdenken.
Keine Warnung vor einer angeblichen
Verführung Satans kann heute mehr wahrheitssuchende Zeugen Jehovas davon abhalten, sich
mit dieser Lehre auseinanderzusetzen. Wir hoffen, daß immer mehr Brüder und Schwestern
mit uns bereit sein werden, die Fragwürdigkeit des gesamten Lehrkomplexes, dem das Jahr
1914 zugrunde liegt, zu untersuchen. Bist auch du bereit, das zu tun?
J. G. D
Das wahre Gesicht der
Wachtturm-Gesellschaft
Wie mich die WTG zugrunde richtete (Folge 3)
Meine Leiden steigern sich
Im Herbst 1954 hatte es der Diener Worm mit Hilfe von Herrn
Wauer endlich geschafft, mich kalt zu stellen. Wie erfolgte aber der Ausschluß? Bei der
Aussprache wurde Worm auf die evtl. Folgen seiner Aussagen hingewiesen. Wir wußten es,
das Worm nicht in allen Dingen die Wahrheit sagte. Die Beteiligten sagten ihm, auf Lüge
steht unter Umständen der Tod. Trotzdem blieb Worm bei seiner Aussage. Ich verlangte eine
Zeugengegenüberstellung, Wauer lehnte dies ab. Wauer lehnte damit nicht nur meine
Forderung ab, sondern setzte gleichzeitig einen biblischen Grundsatz außer Kraft. (Matth.
5:22, 18:15-17). Auf Grund der immerwährenden üblen Nachreden und Verleumdungen, hatte
ich wohl ein Recht darauf, das sie vom Dienstleiter der Gesellschaft absolut bereinigt
wurde. Geschieht dies nicht, wie könnte ich da jemals jemand bewegen, in solche
Organisation einzutreten? Das wäre ja wie ein Verbrechen. Meine Auffassung nach der
Behandlung meines Falles im Zweigbüro muß ich feststellen, es gibt in der WTG keine
biblischen Grundsätze, keine Gerechtigkeit, keinen Frieden, weil sie die Bibel nicht als
ihr Lehrbuch betrachten. Ein jeder handelt nach Gunst oder eigenem Ermessen. So sieht die
Wirklichkeit aus, Herr Knorr. Deine Diener sind nicht Helfer, sondern unbarmherzig und
kaltblütig, das Schicksal ihrer Brüder läßt sie kalt.
Kannst Du das, Herr Präsident verantworten? Ich frage, hast Du Erich Frost und Ernst Wauer damit beauftragt, Brüder und Schwestern in Haft zu bringen? Wir wurden 1950 verboten auf Grund der Machenschaften von der Leitung. Was tat aber Erich Frost nach dem Verbot in der Waldbühne? Mit lauter Stimme rief er in die Versammlung: "Brüder, geht es nicht überirdisch, so geht es eben unterirdisch!" "Versammlungsdiener nach vorn!" Ebenso Ernst Wauer, er forderte uns immer auf, in den Haus-zu-Haus-Dienst zu gehen. Die meisten weigerten sich, dies zu tun, denn sie erkannten die Gefahren. Sie selbst gingen ja auch nicht bei uns, sie blieben schön im Westen. Wauer sagte: "Wir sind doch immer noch eine Theokratie und keine Demokratie, bei uns wird von oben nach unten befohlen."
Einige Brüder sagten, kommt doch bitte mit uns und geht mit gutem Beispiel voran. Wauer lehnte das ab mit der Begründung: Wir würden doch sofort verhaftet werden. Sieh an, wir wohl nicht? Solche Brüder sind oberste Diener und vielleicht heute noch im Amt. Herr Knorr, frage einmal Deine höchsten Diener, was sie zu den damaligen Schiebereien von Ost nach West oder umgekehrt zu sagen haben? Wer gab zum Beispiel dem Bruder aus Weißenberg, den Auftrag, eine teure Kamera für den Kongreß 1954 zu kaufen? Der Bruder kam nicht zurück, er ging in Haft. Das Ausbleiben des Bruders löste unter der Dienerschaft eine Panik aus. Nur wenige wußten den Grund des Ausbleibens. Sind diese Brüder auch wegen ihres Glaubens inhaftiert Herr Knorr? Sind ungesetzliche Handlungen Bestandteile des biblischen Predigtwerkes? Kannst Du, Nathan Knorr, alle diese Machenschaften Deiner Diener verantworten? Sind diese nicht die Schuldigen und die armen irrgeführten Brüder mußten dafür leiden? Die Worte Jesu an die Gesetzeskundigen in Lukas 11:46 treffen auch auf Euch zu (NW).
Erlebnis in der Haft
Im Herbst 1955 ging ich 9 Jahre in die Haftanstalt.
Hier fand ich Gelegenheit, die Elite der Wachtturm-Dienerschaft besonders gut
kennenzulernen. Im besonderen die Diener Friedrich Adler, Willi Heinicke, Hoffmann, Quandt
usw. Es waren die Auserlesenen der WTG-Dienerschaft Man lernte hier im Umgang mit diesen
Brüdern in der Haft das wahre Wesen und den wahren Charakter dieser Brüder kennen. Ich
fand hier bestätigt, daß das Grundübel der WTG die unwissenden Brüder als Diener sind,
vor allem unwissend in der Bibel. Heinicke und Hoffmann waren in dieser Unwissenheit
Meister. Heinicke, der der Rechtsabteilung im deutschen Zweig vorstand, war unmöglich
für dieses Amt. Hoffmann war ein Irrlehrer gemeinster Art. Er rechnete sich als
Überrestglied, war im persönlichen, täglichen Umgang nicht tragbar, als Diener
unmöglich. Jeder andere Häftling war mir lieber im Umgang als Diener Hoffmann. Hoffmann
war von Grund auf untragbar.
Adler war stets bemüht, den "Boß" zu spielen. Nicht etwa, um etwas Erleichterung für die Brüder zu organisieren, nein, um auf dumme Art seine Herrschsucht zu befriedigen, und dadurch ständige Unruhe und Unordnung unter die Brüder zu bringen. Oft hatte ich deshalb mit Adler kameradschaftliche Aussprachen. Aber wie die Katze das Mausen nicht lassen kann, so konnte Adler vom Thron, den er glaubte, noch immer inne zu heben, nicht herabsteigen. Trotzdem er sich selbst nicht dazu ernennen konnte, maßte er sich das an. Er fand es z. B. ganz in Ordnung, in der Haftanstalt Diener zu ernennen. Es war doch glatter Unsinn, in der Haftanstalt Bibelstudiendiener, Rechnungsdiener usw. zu ernennen. Weshalb in der Haftanstalt einen Rechnungsdiener zu ernennen, ist unverständlich, da wir ja gar kein Geld hatten Waren wir allein unter uns, so genügte es doch, wenn ein Bruder das Studium leitete, es kamen ja meist nur Tagestexte in Frage. Mit den Tagestexten war es so, daß diese nur Adler bestimmen wollte. Hier zeigte Adler seine ganze Größe und Unbelehrbarkeit. Adler legte den Tagestext fest, schrieb ihn auf einen Zettel "Kassiber" genannt. Diese Kassiber wurden dann in der Freistunde in die Hände der Brüder gebracht, was natürlich streng verboten war. Als ich nach Brandenburg kam, verbat ich mir diese Kassiberschieberei ganz energisch, da sie für jeden eine Gefahr war. Ich frug Adler, ob er glaube, daß die anderen Brüder nicht aus ihren Erinnerungen zu schöpfen vermögen, ist das nicht Überheblichkeit von Dir und gleichzeitig eine Gefahr für den einzelnen? Es ist doch besser, wenn jede Zelle sich ihren eigenen Text macht, denn die anderen Brüder haben ja schließlich auch noch so einiges behalten, nicht nur du. Es würde da auch die Gefahr der Bestrafung aufhören und es wäre Ruhe. Nein. Adler war da nicht mit einverstanden, sein Herrenstandpunkt ließ das nicht zu, er war der oberste Diener, die anderen mußten gehorchen, auch, wenn es für sie gefährlich war. Solche Brüder waren im Bethel. Was mögen sie da alles zum Schaden ihrer Brüder in leitender Stellung im Bethel angestellt haben? Dort war ja niemand, der ihnen widersprach.
Bei dieser Gelegenheit hielt ich Adler auch seine, in der Vergangenheit durchgeführten Gemeinschaftsentzüge vor, die mir bekannt waren. Ich sagte ihm, daß er hier falsch gehandelt habe und ob er da keine Gewissenkonflikte verspüre. Seine Handlungsweise sei ja, nach den Lehren der WTG, einem Mord gleichzustellen. Adler rührte sein Gewissen nicht, er war lustig und fidel. Frost, Adler Wauer alle waren sie ohne Gewissen. Sie dünkten sich weise und berufen, über die Brüder zu entscheiden, als Aufseher in einer "Göttlichen Organisation". Ich klage Euch an, Euch Aufseher und Führer als Elite in der WTG. Widerlegt meine Darlegungen in der Öffentlichkeit.
Vieles habe ich in der Haftzeit mit den Brüdern erlebt. Ich war immer bemüht, die einzelnen vor Schaden zu bewahren, die vermeidbar waren. Deshalb kam ich des öfteren mit Adlers Anordnungen in Widerspruch. Adler schickte, wenn möglich, Brüder zu mir, die mir beibringen sollten, was Adler sagt, das mußt Du befolgen. Ich antwortete ihnen: Sage mal Adler von mir, ich tue das, was die Bibel mir gebietet, meinem Nächsten zu helfen und ihn vor Schaden zu bewahren. Adler hat sich diesem Gesetz genau so unterzuordnen als ich und wie du. Für mich ist Fritz Adler keine Gottheit, für mich ist Jehova, Gott, sonst niemand. Ich beuge mich keinen menschlichen Anordnungen, die gegen Gottes Gesetz handeln Es gab in der Haft aber auch noch andere Brüder, die mit Adler um den Thron wetteiferten. Ein gutes Ohr für Verleumdungen hatte Adler. Alle persönlichen Dinge der Brüder wollte er regeln. Aber seine eigenen persönlichen Dinge konnte er nicht regeln. Ich denke hier an seine Ehe. Seine Frau verstarb im Haß zu ihm. Oft sagte ich Adler, gut, du hast die Pflicht in der Eigenschaft als Bruder, gemäß der Bibel einen Bruder auf dieses oder jenes Falsche hinzuweisen und ihm, wenn möglich, einen Rat zu erteilen, mehr nicht. Woher nimmst du dir das Recht, dich selbst als leitenden Bruder zu ernennen und alle anderen sollen dir gehorchen? Ich hätte dann dasselbe Recht als die ein anderer Bruder ebenfalls und was wäre dann am Ende? Ein Durcheinander, eine Unordnung, wie sie nicht sein soll.
Schon jetzt ließen sich Spaltungen erkennen, die ich aufzuhalten versuchte. Ein Herr Busse war ein solcher Spalter, er zog eine hörige Herde hinter sich her. Herr Hoffmann wandelte in denselben Fußtapfen. Weil er ein Überrestglied war, nach seiner Anmaßung, hatten alle seine Anordnungen Rechtskraft, ob biblisch oder unbiblisch, danach wurde nicht gefragt. Alles war recht, auch wenn es offensichtlich unbiblisch. war. Er war Überrestglied und vertrat deshalb die WTG.
Wer sich den Anordnungen dieser Brüder nicht beugte, war gegen die WTG. Ja, der Herr Busse und der Herr Hoffmann waren vollkommen. Das Blut Christi reichte zur Vergebung der Sünden nicht aus, der beiden Blut müßte ebenfalls zur Befreiung der Menschheit vergossen werden. Dies war eine der Hauptlehren dieser beiden Überrestglieder. Beide waren Versammlungsdiener gewesen Schreibt die Bibel aber nicht vor, "lehrhaft" soll ein Diener sein?
Blicken wir nochmals zurück auf die hohen inhaftierten Brüder in der Haftanstalt in Brandenburg. Adler, als stellvertretender Leiter des Zweigbüros: Lieblos, herrschsüchtig, überheblich und anmaßend. - Heinicke als Vertreter der Rechtsabteilung im deutschen Zweig: arrogant, lieblos, bibelunkundig, hochnäsig, voreingenommen. - Wauer, Leiter der Dienstabteilung: lieblos, eigenliebig, Spiritist, bibelfeindlich, Beeinflussungen zugänglich. - Die anderen Brüder, welche ein Dienstamt hatten, stehen diesen nicht viel nach. Lieblosigkeit ist bei allen wahrnehmbar. Herr Präsident Knorr, was sagts Du dazu? Ich sage immer wieder, die Dienerschaft der WTG ist das Grundübel.
Solche Diener bekommen oft die höchsten Dienstämter, wie es hier ersichtlich ist. Ich habe sie kennengelernt. Niemand kann sich vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat, wie schwer es ist, mit solchen Dienern in einer Zelle zu sein, dies ist unerträglich. Stellt Euch vor, Hoffmann zum Beispiel betete laut in der Zelle, ich gehöre zu Satans Brut und Jehova möchte mich davon befreien. Ist dies brüderlich und erbauend für ein Zusammenleben? Ist das richtig, Herr Knorr. Du kannst auf diese Dienerschaft stolz sein. Die bescheidenen Brüder welche sich an die Bibel halten und nicht an den Wachtturm werden hinausgetan und verunglimpft. So sieht die Wirklichkeit in der WTG aus.
Möchte nun Euch, liebe Brüder und auch dem Präsidenten Knorr, mein dritter Brief, Euch einen richtigen Einblick in die wirklichen Verhältnisse und Gepflogenheiten in der WTG gegeben haben, um daraus zu lernen. Es ist aber bei weitem noch nicht alles, was ich zu unterbreiten habe. Im vierten Brief werde ich Euch noch über schlimmere Geschehnisse berichten, die kaum glaublich, aber Tatsachen sind.
Horst Kühn,
88 Zittau
Geschwister-Scholl-Str. 34
(Fortsetzung folgt)
Antwort auf Anfrage aus den Reihen der
Aufseher:
Bietet die neue Verfassung der DDR eine Chance für
Jehovas Zeugen?
Jeder Bürger in der DDR war laut Verfassung aufgefordert, an
der endgültigen Fixierung des Grundgesetzes des gemeinsamen gesellschaftlichen Lebens
mitzuarbeiten. Christen werden sich verständlicherweise besonders mit der
verfassungsmäßigen Sicherung ihrer religiösen Interessen befassen.
Für Jehovas Zeugen hat das alles eine ganz besondere Bedeutung angesichts des Verbotes der WT-Organisation in der DDR. Es scheint geboten, weniger einzelne Verfassungartikel zu besprechen, sondern erst einmal eine grundsätzliche Besinnung über das Verhältnis der Zeugen zum Staat überhaupt vorzunehmen. Wie sieht es da aus? Untersuchen wir dies ohne Voreingenommenheit.
Sollen Jehovas Zeugen eine Regierung anerkennen oder ablehnen?
Der WT vom 15. 1. 63/S. 45 sagt: "Rö. 13:1 findet jedoch auch nach dem Jahre 1914
Anwendung. 0bschon die Zeiten der Nationen in jenem Jahre geredet hatten
" WT
vom 1. 2. 63/ S. 81: "Die obrigkeitlichen Gewalten, die heute mit Gottes Zulassung
existieren, können dazu beitragen, daß wir Christen ein ruhiges und stilles Leben
führen können in aller Gottseligkeit . . ." Seite 78: "daher können wir Gott
dennoch mit ungeteiltem Herzen fürchten. (Ps. 86:11) Wenn wir uns diesen Gewalten bedingt
unterordnen, tun wir das, als gälte es Gott, denn das ist nach seiner Anordnung . .
." "Wir ehren Amtspersonen nicht um der Person willen. Wir ehren sie, weil sie
den Staat vertreten . . ." Seite 72: Nach Römer 13:4 sagt Paulus den Christen:
"Wenn du aber das Böse übst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht
umsonst." "Sie trägt nicht nur einen Dolch wie der römische Kaiser und seine
Regierungsbeamten, bei denen es Sitte war, einen Dolch als Zeichen der Macht zu tragen
über Leben und Tod, sondern sie trägt das Schwert, das die Macht versinnbildet, die
Todesstrafe zu vollziehen. Beispiele lassen aber auch erkennen, wie gefährlich es ist,
die Obrigkeit herauszufordern, indem man Unrecht tut, weil man sie dann herausfordert, das
Schwert zu gebrauchen." Seite 82: "Unter keinen Umständen dürfen wir uns an
politischen Verschwörungen beteiligen oder Sabotage gegen Regierungen treiben."
Solche 'Worte des Wachtturms könnten noch weitere mehr angeführt werden, die einwandfrei klarstellen, wie sich Jehovas Zeugen gegenüber der Regierung zu verhalten haben, auf Grund "Göttlicher Anordnung". Aus Römer 13 ist nicht irgendein Hinweis des Paulus gegeben, daß er das Recht des Cäsars zu regieren bestritt, im Gegenteil, er hebt das Recht zu regieren als göttliche Anordnung heraus. Paulus bekannte sich stets zu seinen Rechten und Pflichten, siehe Apg. 22:25-29; 25:11; Römer 13:1-7. Die und die ersten Christen stellten sich nie gegen die Regierung, sondern beriefen sich auf ihre Rechte, die sie als Staatsbürger hatten, andererseits kamen sie auch ihren Pflichten gegenüber dem Staate und seinen Gesetzen nach. Wir finden deshalb in der Schrift keine christliche Verkündigung oder Lehre, die den politischen Herrschern eines Landes grundsätzlich das Recht abspricht zu herrschen Folgerichtig ist es christlich gesehen auch für Jehovas Zeugen überhaupt keine Streitfrage, daß sie die Obrigkeit ihres Landes anerkennen. Gemäß urchristlichem Vorbild grundsätzlichen Verhaltens zum Staat, ganz gleich welcher Regierungsform, kommt etwas anderes überhaupt nicht in Betracht. Hören wir dazu nochmal die Worte des WT 1/63 S. 21: "Für Christen, die tatsächlich Gottes Heilige sind, ziemt es sich, der Obrigkeit und den Behörden zu gehorchen." WT 3/63 S. 83: "Mißfallen wir schon den irdischen Obrigkeiten, wenn wir diese Gesetze verletzen, so mißfallen wir Gott, dem Höchsten, bestimmt noch vielmehr. wenn wir das tun. Wenn wir jedoch anständig wandeln, wie am Tage, so verdienen wir von den obrigkeitlichen Gewalten, die das Schwert tragen, Lob, und wir bringen keine Schmach auf unseren Gott, auf seine Wahrheit oder auf seine Versammlung. Wir bringen auch unsere Errettung, die durch Gottes Königreich erfolgen wird nicht in Gefahr."
Diese Wachtturmworte stimmen treffend mit der Bibel überein und es dürfte der Leitung von Jehovas Zeugen nicht schwer fallen, nach ihrer eigenen Erkenntnis zu handeln, und ihren Brüdern in den Versammlungen dazu die nötige Hilfe zu geben. Hören wir aber weitere Worte aus dem Wachtturm.
Der Nutzen der Unterordnung unter die "obrigkeitlichen
Gewalten" (WT 2/63 S. 47)
"Wer wollte sich der Anordnung Gottes bewußt widersetzen Bestimmt niemand. Das wurde
man aber tun, wenn man sich der Gewalt, die Gott Männern in hohen Stellungen gewährt,
widersetzt. Solcher Widerstand wäre einem aber nicht zum Nutzen. Der Apostel Paulus sagt
nach Römer 13:2 (Schlatter): "Daher, (wegen der eben erwähnten Dinge aus dem 1.
Vers) widersteht der, der sich der Gewalt widersetzt, der Anordnung Gottes. Die aber, die
Widerstand leisten, werden für sich ein Urteil erhalten." "Da jemand, der sich
der Obrigkeit widersetzt, der Anordnung Gottes widersteht, verhindert Gott nicht, daß er
von ihr bestraft wird."
Jesus befolgte genau diese göttliche Anordnung, er widersetzte setzte sich nie der irdischen Gewalt oder Obrigkeit. Dafür wurde er belohnt von seinem Vater. Jeder Christ sollte so handeln, denn er zieht ja auch Nutzen aus dem Staatswesen, die wichtig sind für seine Lebensgewohnheiten. Die Obrigkeit sorgt für Ordnung im Staate, überwacht Handel und Verkehr, sorgt für Straßen, Wasser und was derartige Dinge mehr sind. Die Obrigkeit sorgt für hygienische und soziale Dinge, kurz, sie ist bemüht, im Staate alles für seine Staatsbürger zu tun, was ihnen zum Guten dient. Andererseits ist sie aber auch verpflichtet, alle Störer dieser Ordnung zur Verantwortung zu ziehen. Dies bestätigt die WTG im Jahrbuch 1965, S. 10. "Eine Regierung ist notwendig und ist auch eine gute Sache, solange sie dem Volke dient!" "Wir sollten daher den Herrschern und Amtspersonen nicht vorenthalten was ihnen gebührt. Für die Dienste, die uns die Regierung leistet, müssen wir entsprechend bezahlen." WT 3/63 S. 71: "Ersuchen wir nicht die Obrigkeit des Landes, wenn wir uns an sie wenden, weil Gegner unsere Rechte verletzen, uns Gutes zu tun? Ist sie uns nicht in vielen solchen Fällen eine Dienerin zum Guten gewesen? Warum sollten wir uns an sie wenden, wenn sie nicht eingesetzt wäre, um uns Gutes zu tun, oder, wenn von ihr nichts Gutes ausgehen könnte?"
Gehen wir nochmals zurück zu den ersten Christen. Hat Jesus je erklärt, er sei der rechtmäßige Herrscher, um die Nationen des damaligen Reiches zu führen und der Cäsar sei nicht dazu bestimmt? Hätte er das getan, so hätten seine pharisäerischen Ankläger Recht gehabt, das er ein politischer Aufrührer sei. Doch Jesus hat nie den politischen
Herrschern die Regierungsgewalt rechtlich streitig gemacht. Er hat nie das Königreich an die Stelle des Staates gesetzt oder verkündet, alle Regierungen bestehen zu Unrecht. Er hielt sich streng an die Anweisung seines Vaters: "denn es gibt keine Obrigkeit ohne von Gott bestellt zu sein, und wo immer eine ist, ist sie von Gott verordnet." (Menge)
Wir haben die vorher angeführten schönen Worte des Wachtturmes zur Kenntnis genommen und sind erstaunt, daß die WTG nicht nach ihren Worten und Erkenntnis handelt. Was ist die Ursache? Man hat zu diesen angeführten schönen Worten noch eine andere Auffassung bereit, die man sich selbst gebildet hat. Die Hauptursache für ihre Staatsfeindlichkeit liegt darin, daß sie behauptet: 1914 sei Christus mit den Königreich, im Himmel zur Macht gekommen, und damit sei das Recht der Regierungen auf Erden zu herrschen, erloschen. (Babylon die Große, Die Neue Welt, Paradiesbuch) Zur Zeit der ersten Christen sei das anders gewesen. Die Urchristen hätten die irdischen Herrscher noch rechtlich anerkennen müssen, weil Christus damals noch nicht zur Macht gekommen sei, was erst 1914 stattfand. Er sei der einzig rechtmäßige Herrscher aller Nationen auf Erden. Man könne daher keinen menschlichen Herrscher mehr rechtlich anerkennen.
Wir fragen: Steht diese Ansicht nicht im Widerspruch zum Urchristentum und zu den Worten Paulus, die man in dem WT Nr. 1-3/63 dazu verwendet, den Obrigkeiten untertan zu sein? Was ist das für eine Lehre der WTG welche einmal auffordert den Obrigkeiten untertan zu sein, weil sie von Gott verordnet sind, dann aber gleichzeitig dazu auffordert, die Regierungen nicht anzuerkennen, weil ihre Zeit zum Herrschen seit 1914 abgelaufen ist. Was nun? Kann sich da jeder auswählen, was ihm gefällt oder wie soll man das verstehen? Einmal wird Römer 13 anerkannt und vertreten, weil man daraus Nutzen ziehen kann, das andere Mal haben die Obrigkeiten kein Recht mehr, Anordnungen zu treffen, um Ordnung im Staate aufrecht zu erhalten und für das Wohl ihrer Bürger zu sorgen. hier bringt man die Brüder und Schwestern in gutzumachende Gewissenskonflikte, denn keiner weiß, was soll ich tun, wie soll ich handeln?
Aus einzelnen Gruppen erfuhren wir, daß dieser Gewissenskonflikt besonders beim Volksentscheid zutage trat, keiner wußte, wie er sich richtig zu verhalten habe. Bis dann die Anweisung der Leitung kam, man solle fernbleiben. Man handelte hier gegen seine eigene Auffassung und Anordnung, die man in den Wachttürmen Nr. 1-3/63 bekannt machte. "Römer 13:1 findet jedoch auch nach dem Jahre 1914 Anwendung" (WT 2/63 S. 45) Rö. 13:3: "Mit diesem 'guten Werk' sind die guten Werke gemeint, die das Gesetz der Obrigkeit' jedem Bürger vorschreibt." (S. 50) Stellt man mit solchen Anweisungen nicht das Wort Gottes in den Hintergrund und gleichzeitig auch seine eigenen Worte im WT verwerfend? Was sollten da die Brüder noch glauben von den Wachtturmlehren? Ist das nicht wieder ein besonderes Merkmal, wachsam zu sein, nachzudenken und zu überprüfen, wie es die Beröer traten? Kann man da, wenn man entgegen Gottes Anordnung handelt, etwa ein Lob erhalten?
Wir sollten doch wissen, daß von einem Christen das erwartet wird, was ihm sein Gesetzbuch, die Bibel, vorschreibt und nicht weniger. Wer sich in seiner Glaubensgemeinschaft Bruder nennen läßt, der soll der Bruderschaft keine Schande machen. Wenn er es aber tut, muß er damit rechnen, daß man sich von ihm zurückzieht. Dies ist auch ein Grund mit, weshalb sich viele von der Organisation zurückziehen.
Aus all dem Vorstehenden ist eigentlich die Frage: Bietet die neue Verfassung der DDR eine Chance für Jehovas Zeugen? beantwortet. Die Verfassung sagt im Artikel 39: Jeder Bürger hat das Recht auf religiösen Glauben und entsprechende Betätigung, die jedoch in Übereinstimmung mit der Verfassung durchgeführt werden muß. Diese Forderung stimmt mit dem Schriftwort 1. Petrus 2:13 überein, wo es heißt: "Seid aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen untertan . . .", was man als urchristliche Haltung zur staatlichen Verfassung ansehen kann, und das deutlich macht, daß dem Christen nicht gestattet ist, sich über die Grundlage der staatlichen Ordnung hinwegzusetzen Die Proklamation der WTG, dagegen, keine Regierung habe heute (nach 1914) das Recht eine Nation zu führen, verneint die Grundlage einer staatlichen Ordnung. Wer aber sollte wohl heute einer Nation vorstehen in bezug auf Ordnung usw.?
Es ergeben sich aus all diesen Tatsachen die Schlußfolgerungen, daß es besonders nötig ist, die Bibelauslegungen der WTG vom angeblich 1914 im Himmel erfolgten Machtantritt Christi zu überprüfen, weil daraus staatsfeindliche Standpunkte abgeleitet werden, die im Widerspruch zu Jesu Leben und Handlungen stehen und von Römer 13:1-7 abweichen Nur auf diese Weise können die Ursachen dafür aus dem Wege geräumt werden, daß Jehovas Zeugen von der Leitung der WTG immer wieder in neue staatsfeindliche Positionen geführt werden.
Eine grundsätzliche Besinnung ist nötig. Andere Religionsgemeinschaften in der DDR können unbehindert ihres Glaubens leben. Auch die neuen Gruppen der Zeugen Jehovas in Dresden und Magdeburg können ihren Glauben ausüben als freie Christen und sind bereits seit langem tätig. Der Grund, daß sie wirken können ist, daß sie nicht staatsfeindlich sind und Römer 13:1-7 beherzigen. Könnte es bei Euch, liebe Brüder, nicht auch so sein? "Wir können Gott deshalb mit ungeteilten Herzen fürchten, wenn wir uns den Obrigkeiten unterordnen, wir tun das, als gälte es Gott, denn das ist nach seiner Anordnung." (WT Nr. 3/63 S. 78)
Wir rufen allen Brüdern und besonders den
Aufsehern zu: "Brüder, werdet nicht kleine Kinder an Verständnisvermögen, sondern
seid Unmündige in bezug auf Schlechtigkeit; werdet aber Erwachsene an
Verständnisvermögen." (1. Kor 14/: 20 NW)
A.B.
Interessante Mitteilungen
Information für konvertierte Zeugen Jehovas Nr. 1.
Christliche Mission für Jehovas Zeugen (Übersetzung)
(Eingesandt von dem ehem. Bethelmitarbeiter W. J. Schnell)
Die Nachrichten aus etlichen Ländern sind gut. Als im Oktober 1967 das Werk der WTG in
Malawi verboten wurde, flohen Tausende von Zeugen Jehovas, um ihr Leben zu retten, in das
benachbarte Mosambique und in den Busch. Noch haben Stammesordnungen in diesen
afrikanischen Ländern die Oberhand und bestimmen die Lebenssite. Um sie zu überwinden
und ordentliche bürgerliche Verhältnisse des einzelnen zum Staat zu schaffen, verlangten
die Behörden die Ausstellung einer Identitätskarte (Personalausweis) für jeden
einzelnen Bürger. Das Zweigbüro der WTG ordnete an, das Erlangen dieser Ausweise sei
gleichbedeutend damit, "das Malzeichen des Tieres anzunehmen."
Die dortigen Zeugen Jehovas befolgten diese Anordnung und leisteten den Behörden Widerstand. So wurden sie Gesetzesübertreter und mußten deshalb leiden. Die Führung der WTG, die das anordnete, litt nicht darunter, denn sie war weit weg in Sicherheit.
Die Christliche Mission unter Jehovas Zeugen hat sich ihrer liebevoll angenommen. Tausende haben alles verloren. Unsere Brüder helfen den Irregeführten und sind unter den Geflüchteten tätig. Sie predigen ihnen nicht mehr die WT-Lehren, sondern Christus.
Von Warschau, Gdansk, Krakow, Tornow, Bydgoszcs und Posen kommen Berichte von Gruppen ehemaliger Zeugen Jehovas. Geführt von einem ehemaligen Mitarbeiter Rutherfords publizieren sie "Swit", eine Schrift, konvertierter Zeugen Jehovas, ähnlich unserem Organ.
Der "Bruderdienst", das Organ der konvertierten Zeugen Jehovas für WD, Holland, Luxemburg, Osterreich, Frankreich, Belgien, Schweiz, und Italien, ermunterte jüngst alle ehemaligen Zeugen Jehovas, ein Schuldbekenntnis als frühere Zeugen Jehovas zu unterzeichnen. Hunderte von Unterschriften wurden gesammelt. Wenn alle Unterschriften gesammelt sind, wollen sie diese veröffentlichen um Jehovas Zeugen zu alarmieren.
"Christliche Verantwortung" ist das offizielle Organ der konvertierten Zeugen Jehovas, die in Osteuropa leben. Veröffentlicht in Gera/Thüringen, nicht weit von der Wartburg Luthers, erhebt es den Ruf nach Freiheit und Befreiung von der WT-Sklaverei.
Asien explodiert! Der WTG zur Kenntnisnahme.
Viele Zeugen Jehovas in der indischen Provinz Andhra Pradesh sind frei geworden. In der
Tat, ganze Versammlungen einschließlich Missionaren und Kreisdienern sind dem WT
entflohen. In Ceylon beginnt der Abfall auch. Zuverlässige Männer treten in Bangkok und
Singapur auf. Hongkong, Taiwan und Japan zeigen zunehmende Defekte in der WTG. Aber am
besten von allen sind die Berichte von den Philippinen, wo 600 Verkündiger der WTG
entflohen sind. Ein Bruder von dort berichtete, daß eine Gruppe von Zeugen Jehovas eine
Versammlung organisierte und durch Haus-zu-Haus-Evangelisation 14 Zeugen Jehovas von der
WT-Sklaverei befreien konnten.
Freudevoll Converted Jehovas Zeugen Expositor
Christliche Mission
A 4184-68 V 7 1 1888