25 Jahre
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR
NR. 180 GERA JULI 1984
Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 180
„25 Jahre Christliche Verantwortung"
25 Jahre? Wie das? Die erste
gedruckte Ausgabe datiert vom Oktober 1965. Ein merkwürdiges Rechenkunststück,
das da veranstaltet wurde. Offenbar zählt man einen vorangegangenen
„Briefversand" des Willy Müller - wohl seit 1959 - mit hinzu.
Der Eindruck bleibt zurück. Wer mit
solcherart „Kunststückchen" sich selber aufwertet, der muss es wohl nötig haben!
Einige namentlich genannte
CV-Mitarbeiter stellen sich in dieser Ausgabe auch mit persönlichen Statements
vor. Besonders auf das des Erich K... sei hingewiesen; gehörte er doch mit zu
jenen, welche die 1950er Verhaftungsaktion in der Magdeburger WTG-Zentrale, am
eigenen Leibe miterlebten.
25 Jahre
CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR
NR. 180 GERA JULI 1984
AUFSTAND DES GEWISSENS
IN CHRISTLICHER VERANTWORTUNG
Wie „Christliche Verantwortung" entstand
ES begann in Thüringen inmitten einer Gruppe von Brüdern und Schwestern, Zeugen
Jehovas unter der Wachtturm-Gesellschaft. Unmittelbar vor Ort, wo man als Hirte
zu vertreten hatte, was die WTG als „Licht von Gott" zu tun und zu lassen
gebietet. Man war besorgt und nachdenklich geworden darüber, wie die WTG
hierzulande seit 1949/50 alle in einen folgenschweren Konflikt geführt hatte,
angeblich um des Glaubens willen.
EHRLICHE mußten sich eingestehen, daß die WTG eben nicht ausschließlich christlich und völlig unpolitisch und neutral vorging. Wies doch die Literatur aus, daß das Werk in Mißachtung von Römer 13:1-7; Titus 3:1,2; l. Petrus 3:13 u.a. auch ein feindseliger Kampf besonders gegen die „die Menschen betreffende Ordnung" im Osten geworden war, in krasser Weise antikommunistisch „obrigkeitsfeindlich" politisiert. Und zwar unter der aus der westlichen Politik übernommenen falschen Alternative „Christentum oder Kommunismus" (Erwachet 8.6.1955). Und das wurde betrieben unter der Ungeheuerlichkeit an Bibelverdrehung, Regierung und Staat seien für Christen keine „Obrigkeit von Gott" nach Römer 13, sondern eher „Gangster in Amt und Würden" (Erwachet 6. 11.1949). Tausende arglos Glaubende waren so von der WTG in den „Feuerofen" getrieben worden, die sich überhaupt keinem politischen Kampf geweiht hatten. Ein ehrlicher Hirte mußte hier aus Gewissensgründen aufstehen.
ES war der WTG-Gruppendiener für die ZJ von Gera, Schmölln und Ronneburg in Thüringen, WILLY MÜLLER. In .gutem Glauben hatte er selbst jahrelang alle Opfer an Freiheit und Gut gebracht. Bis ihm der Widerspruch zwischen dem Evangelium Jesu Christi und der WTG-Politik, wodurch die WTG alle schuldig macht, zum Bewußtsein kam, .damit war die eigene christliche Verantwortung vor Gott und Menschen ,auf den Plan gerufen.
Dimension einer Bekenntnisfrage
DIE WTG hatte mit ihrem „Licht von Gott" fundamentale Bibelaussagen zu
christlichen Existenz- und Lebensfragen völlig auf den Kopf gestellt. Das mußte,
wo die Schrift wirklich an erster Stelle steht, in einen „Status confessionis",
ins christliche Bekenntnis gegen die WTG führen.
BRUDER WILLY MÜLLER kam noch von den alten ernsten Bibelforschern her. Er
konnte sich auf eine langjährige Erfahrung besinnen.
Geboren 1893 kannte er die deutschen WTG-Anfänge schon unter dem WTG-Zweigdiener
Paul Balzereit in den 20er Jahren. Der alte Bibelforschergrundsatz, selbst in
der Schrift zu forschen, ob sich alles richtig verhält (Apostelgeschichte
17:11), war bei ihm durch das WTG-Diktat seit 1931, nur noch „Zeuge" zu sein für
das, was die WTG „erforscht", wohl nie ganz verschüttet oder ausgelöscht worden.
WTG hat gleichsam selber Schuld
DABEI wollte er gar nicht aus. der WTG-Organisation ausbrechen. Die WTG sollte
nur ihre verlogene Politisierung des Werkes unterlassen. Also nur eine gewisse
innere Reform oder Veränderung. „Für eine reine Anbetung innerhalb der
Neuen-Welt- Gesellschaft der Zeugen Jehovas" war lediglich seine Devise. Es war
in diesem Sinne, als er anläßlich der WTG-Bezirks Versammlung Juli 1959 in
Westberlin, wo viele teilnahmen, folgenden OFFENEN BRIEF (auszugsweise) an die
WTG und ZJ schrieb.
Mit gutem christlichen Recht.
(Matthäus 18:17)
IM NAMEN REINER GOTTESANBETUNG
An die Wachtturm-Gesellschaft!
Wir sind mehr oder minder langjährige Verkündiger und Glieder der
Neuen-Welt-Gesellschaft. Als Diener haben wir besondere Verantwortlichkeiten in
der Theokratischen Organisation inne.
(Es folgt der Hinweis auf die grundsätzlichen WTG-Erklärungen in Satzungen, Wachtturm und Erwachet, daß sie nur ein religiöses und kein politisches Werk betreibe) Auf Grund unserer persönlichen Verantwortung gemäß 1. Joh. 4:1 vor Jehova und vor unserem eigenen Gewissen registrieren wir mit wachsender Besorgnis die Tatsache, dass die Wachtturm-Gesellschaft die erklärten Positionen der ausschließlich religiösen und politisch neutralen Verkündigung verlassen hat …
Wir verlangen darum: Ihr verantwortlichen Diener und Vertreter der
Gesellschaft, nehmt Stellung zu der im Widerspruch zur erklärten Neutralität
stehenden politischen Propaganda in der Wachtturmliteratur. Im Interesse
tausender Verkündiger in der DDR, die in sorgenvoller Unruhe über diese
unbiblischen politischen Verwicklungen sind, weil sie sich keinem Kampf gegen
politische Systeme geweiht haben, sondern einem religiösen Werk politischer
Neutralität und Gottesanbetung, verlangen wir hier die aufgeworfenen Fragen klar
zu beantworten! …
Für reine Anbetung innerhalb der Neuen-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas.
Euer Bruder.
im Auftrage vieler Brüder und Schwestern
gez. Willy Müller
DIE WTG .selbst trieb durch ihr allein-rechthaberisches Gottgleichsein („Der Wille des Sklaven ist der Wille Gottes", WT 1.8.1956 S. 474) die ganze Entwicklung am Ende darüber hinaus. Sie hat damit gleichsam selbst Schuld, daß die so entstandene „Christliche Verantwortung"- nunmehr gegen ihren Bibelmißbrauch vor Gott und Menschen da ist.
Wie die WTG reagierte
AUF der Bezirksversammlung nahm Willi Pohl von der WTG-Ostabteilung in Wiesbaden
Stellung. Als der Name WILLY MÜLLER fiel, ging ein Raunen durch die Menge. Dann
legte er los: Das sei ein Werk des Feindes, Satans! Es gebe nur unbedingten
Gehorsam gegenüber der WTG als Antwort. Traurig, daß ein Bruder, der solange
dabei ist, nicht unterscheiden könne, was der Kommunismus will. Müller sei ein
Rebell gleich der Rotte Korah. Die Organisation der ZJ sei frei von Kommunisten.
Wenn er sich denen anschließt, hat er in der Organisation nichts mehr zu suchen.
Er sei eine Kreatur, die die Organisation beschmutzt. Man würde ihn abweisen und
ihn überhaupt nicht anhören.
SPRECHEN die Beweise gegen sie. Dann antwortet die WTG nur noch mit unchristlichem psychologischen Terror, wo die Kritiker nicht schweigen; Schmähung, Verleumdung, unglaublichste Lügen, Diffamierung und Rufmord, um einen Kritiker möglichst schnell zum .Kapitulieren oder Zusammenbrechen zu bringen, in diesem Fall mit „roter" Verteufelung. Mit „Rotte Korah" war er als „Mensch der Vernichtung" abgestempelt und „bezeichnet". Auf daß niemand ihn auch nur anhört.
Nicht allein
ES gab schon viele Anti-WTG-Ketzereien. Einen solchen Aufstand des Gewissens
aber hatte noch keiner gewagt: Den politischen Mißbrauch des Evangeliums durch
die WTG anzugreifen und zur Diskussion zu stellen, um hier einen
evangeliumsgemäßen christlichen Ausweg zu suchen.
MIT den entschlossensten damaligen WTG-Kritikern für ein WTG-unabhängiges Christsein wurde Verbindung aufgenommen. A. Diener/Dresden, der das Werk von A. Zmmer fortsetzte. 0. Wansky/Freital, der das Werk von P. Balzereit, ehemaliger WTG-Zweigdiener, fortsetzte. M. Pützmann/ Leipzig, der zu den erfahrenen Leitern der dortigen Freien Christen gehörte. Alle bekannten bisherigen kritischen Aufbrüche unter der WTG, international, wurden in Betracht gezogen.
Mitherausgeber an der Seite von W. MÜLLER wurden u.a. E. Tork/Neumühle, M. Bermes/ Trier, der dort aufklärend wirkte und K. Görlich/Magdeburg, wo das WTG-Zweigbüro war.
Ein biblischer Berater wurde J Hummel/St. Gangloff, Prediger einer Freien Christlichen Gemeinde, Mitarbeiter wurde u. a. D. Pape/Thale, als Junge durch KZ-Haft der Eltern schon Opfer des Faschismus. Es war der „Bibelhauskopf" Paul Großmann, der ihm gegenüber erklärte, im Sinne der Obrigkeitsirrlehre, der WTG-Kampf gegen den Kommunismus müsse geführt werden. Natürlich hätten die Kommunisten gegenüber dem Werk von ihrem Standpunkt aus Recht, was die Politik betrifft, aber das dürfe man nicht zugeben. Man dürfe „den Brüdern in Brooklyn nicht in den Rücken fallen."
In fruchtbarem Austausch stand W. MÜLLER auch mit E. Körner/Rostock. Unermüdliche Helfer waren L. Trommer und G. Horn aus Schmölln und andere Schwestern. Der geistige Austausch wurde international.
Wie eine heutige „Handschrift an der Wand’
NACH und nach entstand ein Kreis von Mitarbeitern, Mitverbundenen,
‘Korrespondenten, Autoren, Unterstützern auch aus der Organisation, Spendern,
Förderern und Helfern. Die Frage nach Hilfe, wo die WTG, irreführt, wuchs und
wächst.
Als Bruder WILLY MÜLLER am 8.1.1973 in seinem 80. Lebensjahr starb, war sein
Tod in diesem hohen Alter ein letztes Zeugnis für die Wahrheit der Schrift in
Psalm 90:10 noch immer für jedermann« Und er selbst wurde Kronzeuge für die
WTG-Irreführungen seit 1920, Millionen damals Lebender würden niemals mehr
sterben.
ER hatte jedoch bleibende Grundlagen gelegt. In der Weiterentwicklung ist daraus
nun nichts Geringeres geworden für die WTG. als gleichsam ihr eigenes
„Menetekel" - gewogen und zu leicht befunden für das, was sie vorgibt zu sein,
eine heutige unauslöschliche „Handschrift an der Wand" für sie. Immer mehr
gelesen.
-Dieter Pape-
WAS IST UND WAS WILL UNSERE STUDIENGRUPPE
„CHRISTLICHE VERANTWORTUNG"?
Liebe Brüder und Schwestern!
VOR 25 Jahren schrieb der Gründer unserer Studiengruppe, der Gruppendiener von
Gera, Schmölln und Ronneburg, WILLY MÜLLER seinen Brief „IM NAMEN REINER
GOTTESANBETUNG" an die Wachtturm-Gesellschaft.
ALS 1959 die Studiengruppe und 1965 ihre Zeitschrift „Christliche
Verantwortung" ihr Werk begannen, war das erst ein kleiner Anfang und seitens
der WTG wurde verdammt und gelästert, daß sich CV nicht lange halten werde.
Willi Pohl, vom Ostbüro Wiesbaden, sagte damals auf einem Kongreß in Westberlin:
DIESE SCHRIFT BESTEHT HÖCHSTENS ZWEI JAHRE, LÄNGER LÄSST JEHOVA DAS NICHT ZU
Betrachten wir es heute, so ist CV stärker und lebendiger denn je. Aus dem schmalen Bach weniger Mitstreiter wurde ein breiter Strom Verbündeter; immer stärker fließend. Und wir wissen zuverlässig, daß dieser Strom dazu beiträgt, die Grundlagen des nur scheinbar festen Mauerwerkes der Wachtturm-Gesellschaft, im Sinne Aufrichtiger, zum Einsturz zu bringen.
ES ist ja nicht nur die große Zahl derer, die die WTG als endzeitlich unglaubwürdige Gesellschaft erkannten und verließen. Nein, in der Gewalt dieses Stromes fließt auch das Leid, die Entsagung, fließt die bittere Enttäuschung tausender und abertausender Menschen, die von der WTG erniedrigt, beleidigt und „versklavt" wurden.
DIESE Erfahrungen und Erkenntnisse vieler, die über lange Zeit selbst der
Organisation angehörten und ihr zunächst glaubten, geben CV viel Kraft und
Stärke.
NICHT gegen den christlichen Glauben richtet sich CV, sondern gegen den
heuchlerischen Glaubensmißbrauch durch eine Organisation, die hinter religiösem
Äußeren ihre Machtgier und wirtschaftlichen Interessen versteckt.
GEMEINSAM GEGEN DEN „FALSCHEN PROPHETEN"
IN über 100 Jahren hat die WTG eine Menge raffinierter Praktiken entwickelt, um
gläubige Menschen zu täuschen und in ihren Gehorsam zu bekommen. Nach außen hin
sieht alles ganz harmlos aus und erst, wenn der Gehorsam vollständig und ein
Ausweichen kaum noch möglich ist, nutzt sie die physische und psychische
Abhängigkeit aus, um jeden für ihren Feldzug zu gebrauchen. Worum es wirklich
geht, merken die meisten zu spät und finden dann kaum noch einen Weg, um sich
dem allseitigen Einfluß von dieser Abhängigkeit zu befreien. Es ist ein
geschickt abgestimmtes System des „JAGENS UND FISCHENS", dessen sich die WTG
bedient. Und deshalb können einzelne auch kaum etwas dagegen tun. Zu dem Willen,
sich von der WTG zu lösen, bedarf es auch der Hilfe von außen, eben durch
diejenigen, die am eigenen Leibe gespürt haben, was Abhängigkeit von der WTG
bedeutet.
WER könnte da besser helfen, als Brüder und Schwestern, die aus ihrem
persönlichen Erleben gelernt haben.
WER könnte eine bessere Stütze im Glauben sein als der, der den Mißbrauch seines
ehrlichen Glaubens selbst erfuhr?
WER könnte besser zeigen und vermitteln, wie die WTG auf alle Bereiche des
menschlichen Lebens aus ganz anderen Interessen Einfluß nehmen will?
WER könnte besser vor der bibelmißbrauchenden und menschenfeindlichen Politik
der „Gesellschaft" warnen, als jene Brüder und Schwestern, die lange Zeit selbst
Opfer dieser .Politik waren?
GEMEINSAM
EINEN NEUEN UND BESSEREN WEG SUCHEN :
WER der WTG arglos und nichtsahnend in die Hände gefallen ist, kann sich nur
schwer wieder befreien. Er bedarf wahrlich der ernsten Hilfe.
IN der Studiengruppe haben sich ehemalige „Zeugen Jehovas" und Christen, die guten Willens sind, zusammengetan, um diese Hilfe zu geben. Denn es geht nicht nur darum, die WTG als Heuchlerin, als falschen Propheten zu entlarven. Nein, es geht um jeden einzelnen Bruder, um jede einzelne Schwester, die noch nicht gemerkt haben, daß sie in ihrem Glauben, in ihren Hoffnungen getäuscht wurden. Es geht auch um Rat und Hilfe für jene, die die Lügen der „Gesellschaft" erkannten, sich aber nicht von ihr allein befreien können.
Es geht auch darum, daß derjenige, der die WTG verließ, nicht hilflos und allein bleibt. Denn gerade darin besteht eine der schrecklichsten Bemühungen der WTG, allen einzuimpfen, daß sie nur in ihrer Organisation bestehen können und daß sie bei Trennung rettungslos allein stehen und verloren sind.
Ja, dieses Gefühl der Hilflosigkeit, diese Furcht vor dem Alleinsein, soll
jedem so in Fleisch und Blut übergehen, daß er, wenn schon nicht aus
Überzeugung, dann eben aus Angst unter der WTG verbleibt.
Aber ist solche anerzogene Furcht begründet?
Nein, liebe Brüder und Schwestern, in der, Studiengruppe „Christliche
Verantwortung" findet man genug helfende Hände.
Keiner braucht das Alleinsein zu fürchten. Wie ein rettendes Netz sich unter dem
Fallenden aufspannt, so sind wir bereit, zu raten und zu helfen!
Keiner braucht sich einsam oder verlassen zu fühlen!
Im tätigen Glauben, im Miteinander wirken Brüder und Schwestern und nehmen ihre
christliche Verantwortung wahr.
-Henry Werner-
WARUM KRITISIEREN WIR IMMER DEN „WACHTTURM"?
Kritik, die den Zeugen Jehovas weiterhilft
SEIN ANSPRUCH
„Der Wachtturm" wird von Jehova unterstützt." (WT 2/1979)
„Er gibt keine private Auslegung der Prophezeiung. … so daß jeder selbst sehen
kann, … wie genau Jehova seine eigene Weissagung auslegt." (WT 16/61, S. 2)
Diese Zitate sollen zeigen, welche Stellung der WT in der Organisation der
Zeugen Jehovas einnimmt. Er ist das Sprachrohr der LEITENDEN KÖRPERSCHAFT, die
von sich behauptet:
Der Wille des Sklaven ist der Wille Jehovas. ‘„Rebellion gegen den Sklaven ist
:- Rebellion gegen Gott." (WT vom 1.8.56)
„Viele Leute lesen jahrelang in der Bibel und erfassen doch nicht den Sinn
dessen, was sie lesen. Du aber verstehst den Sinn im wesentlichen." (WT 18/83,
S. 21)
Der WT ist Pflichtliteratur für alle Zeugen. Sein Inhalt umfaßt vom
Intimleben des Menschen bis hin zu Problemen der Weltpolitik alle denkbaren
Themen.
Behaupten nicht die Verfasser, in. Ihren Schriften Hochschulbildung zu
vermitteln?
(WT 18/83, S. 31)
Was gibt es also besseres, als ein von Jehova geleitetes Organ, welches zudem
noch auf allen Gebieten neueste Erkenntnisse vermittelt! Kann man da nicht alle
anderen Zeitschriften einstampfen?
DIE WIRKLICHKEIT
ABER HALT! IM WT 12/83 muß man lesen, daß sich seine Verfasser berichtigen
müssen (S. 30, 31). Es geht um das Thema „Hurerei". Und was in den „von Jehova
unterstützten" WT’s 4/75 und 10/78 darüber stand, gilt plötzlich nicht mehr.
Ein einmaliges Versehen?
Das Thema „obrigkeitliche Gewalten" belehrt uns eines Besseren. Es wäre „ganz
entschieden verkehrt ausgelegt", wenn man den Begriff „obrigkeitliche Gewalten"
auf die Regierungen dieser Welt anwenden würde. (WT vom Juli 1929) Diese „von
Gott kommende Erkenntnis" mußte leider auch im WT vom 1.1.63 dementiert werden!
Um das ganze Bild abzurunden, möchte ich noch ein letztes Zitat heranziehen,
welches beweist, wie „unpolitisch" der WT entgegen seinem Anspruch ist:
„Heute ist der Name ‘Kommunismus’ das Schreckgespenst, vor dem sich die ganze
Welt fürchtet, besonders die Christenheit oder ihre einflußreichen politischen,
religiösen, wirtschaftlichen und industriellen Führer.- Bereits 1879 brachte die
Zeitschrift ‘DER WACHTTURM’ (englisch) in ihrer September-Ausgabe - der dritten
Ausgabe nach ihrem Erscheinen - einen Artikel, betitelt ‘Der Tag des Herrn’, in
dem sie die Christenheit vor der Gefahr des Kommunismus warnte." (WT 1.1.62)
Dieses alles wurde mit Gottes Billigung und unter seiner Leitung geschrieben?
Nein und nochmals nein!
EIN SCHRITT, DER MIR SCHWERFIEL
Wie lange dauerte es, bis ich mich zu dieser Erkenntnis durchringen konnte!
Von meinen Eltern im Sinne der ZJ-Lehre von kleinauf erzogen, glaubte ich
kritiklos an das, was mir der „treue und verständige Sklave" offenbarte. So war
es nur folgerichtig für mich, jahrelang als Hilfspionier und als Studienleiter
der WTG - damals meinte ich Gott - zu dienen. Und dies tat ich mit der vollen
Überzeugung, ein gutes Werk zu verrichten!
Erst durch offensichtlich schwerwiegende Fehlentscheidungen von Ältesten sah ich mich veranlaßt, deren Handlungsweise im Lichte der Bibel zu betrachten. Welche Diskrepanz mußte ich oft erkennen! Und diese Ältesten sollen von Gott ernannt worden .sein?
Sind es aber nur die Versammlungsältesten, die solch grobe Fehler machen? Trifft dies auf die leitenden Brüder bis hinauf nach Brooklyn nicht genauso zu? Mußte ich nicht deren Fehler im Haus-zu-Haus-Dienst verkündigen? Da ich es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Fehlansichten auch noch öffentlich kundzutun, trennte ich mich von den Zeugen Jehovas.
Seitdem ich im CV-Redaktionskollegium mitarbeite, sehe ich meine Aufgabe
darin, aufrichtigen ZJ zu helfen.
Die WTG mußte sich in der Vergangenheit oftmals korrigieren, und sie wird sich
auch in der Zukunft berichtigen müssen. So muß man in der WT-Jubiläumsausgabe
vom l. Juli 1979 (S. 29) zugeben, daß auch Zeugen Jehovas sich korrigieren
mußten.
Deutlicher ausgedrückt: Angeblich von Gott stammende Lehren mußten und müssen
berichtigt werden. Oder will vielleicht noch jemand behaupten, daß Gott sich
geirrt hatte, bzw. den Menschen boshaft etwas Unrichtiges prophezeite? Wir
gelangen zwangsläufig zu der Erkenntnis: der WT ist nur Menschenwerk, Menschen
machen nun mal Fehler und müssen sich deshalb auch gefallen lassen, kritisiert
zu werden.
KRITIK, DIE DEN ZEUGEN WEITERHILFT
Wobei derjenige, welcher kritisiert, ein Interesse daran haben sollte, die
Sache zum Besseren zu verändern. Bei der Wachtturm-Kritik geht es uns um ein
gründliches Prüfen seines Inhalts, darum, Hintergründe, aufzudecken und
entsprechende Schlußfolgerungen zu ziehen.
Dies ist eine überaus schwierige Aufgabe. Wie oft bringt die WTG „neues .Licht"
zuerst nur am Rande der Studienliteratur, sozusagen durch die Hintertür. Damit
wird ein gleitender Übergang von der alten zur neuen Lehre bezweckt. Dem Zeugen
fallen solche Nuancen oft gar nicht auf.
Unsere Aufgabe sehen wir u.a. darin, die, ZJ frühzeitig auf solche Änderungen
der WT-Lehre aufmerksam zu machen. Inwieweit es uns immer gelang oder gelingt,
bleibt; dahingestellt. Die ZJ-Organisation verfügt immerhin über eine mehr als
hundertjährige Erfahrung in der ideologischen Beeinflussung ihrer Anhänger.
Trotzdem können wir Erfolge aufweisen, die sich auch darin zeigen, daß die WTG
sich gezwungen sah, auf Probleme, die in CV aufgeworfen wurden, einzugehen.
WIR BITTEN WEITER UM REGE MITARBEIT
Wir bedanken uns für die vielen Hinweise zur WT-Kritik, die wir aus ZJ-Kreisen
erhielten. CV freut sich über jede ehrlichgemeinte Einsendung zu diesem Problem.
Sie hilft uns, unsere Arbeit noch wirkungsvoller fortzusetzen.
-Gerd R...-
MEIN WEG ZUM WACHTTURM UND ZURÜCK
VOM Großvater lernte ich früh die Natur lieben und das Gute schätzen. Die
Großmutter aber predigte mir, daß all dies erst nach einem großen Strafgericht
Gottes in einer neuen Welt Erfüllung finden werde. Sie hatte ihre Religiosität
und einen großen Aberglauben aus ihrer oberschlesischen Heimat mitgebracht.
Anfang der dreißiger Jahre hatte sie die Lehre der Bibelforscher kennengelernt
und angenommen. Als das Hitlerreich 1945 endete, fanden sich übriggebliebene
Bibelforscher wieder in der großelterlichen Wohnung zusammen, und ich war dabei.
Der Krieg und seine schrecklichen Folgen schienen die Bibelforscherlehre zu bestätigen, der Wunsch nach einer besseren neuen Welt fand Raum in meinem jungen Herzen. So wurde ich 1945, vierzehnjährig, in einer Zinkbadewanne feierlich getauft.
NACH zwei Jahren Flüchtlingselend kam ich mit meinen Eltern nach Leipzig. Dort hörte ich 1947 wieder etwas von den Zeugen Jehovas durch eine Großveranstaltung in einer Messehalle. Ich ging hin und bekam Kontakt mit der Versammlung Leipzig.
Der Besuch von Zusammenkünften und die Vorbereitung darauf, das Opfer der
Wochenenden für den Predigtdienst und das Versäumnis jeglichen Anschlusses an
das beginnende Leben, kennzeichneten die folgenden drei Jahre.
Das Schlimmste aber war der ständige innere Kampf, die Wachtturmlehren zu
verstehen und als einzige Wahrheit gegen die Realität zu rechtfertigen. Die
eingepredigte Furcht vor Jehovas schrecklicher Rache verhinderte jede Kritik.
1949 wurde ich zum „Pionier" gemacht und quälte jeden Monat meine 100 Stunden zusammen. Im August 1950 leistete ich der Einladung Folge, den „Sonderpionierdienst" im Bethel Magdeburg aufzunehmen, nicht wissend, daß ich mit einigen anderen auf die Untergrundtätigkeit im erwarteten Verbot vorbereitet werden sollte. Doch Jehova war nicht mit uns, denn am 30. desselben Monats wurden alle Bethel-Mitarbeiter verhaftet, ausgenommen Erich Frost und Ernst Wauer, die sich vorsorglich schon nach Westen abgesetzt hatten.
NACH sechs Jahren, vier Monate und zwölf Tage begnadigt und entlassen, nur
mit ein paar alten Lumpen auf dem Leib, ohne Zuhause, ohne Beruf und ohne einen
Pfennig Geld, so endeten die ersten 25 Jahre meines Lebens.
Fast alle meine Schicksalsgenossen fanden nur einen Weg: den nach Westen,
entweder; um sich erneut der „Watchtower-Society" zu, verschreiben oder das süße
Leben nachzuholen.
ICH blieb und heiratete eilig eine Glaubensgenossin, um ein Zuhause bei deren Eltern zu bekommen. Der Versuch, mit meinen ehemaligen Glaubensbrüdern wieder Kontakt zu bekommen, war nicht sehr glücklich. Eine neue Generation von „Dienern" mit ihren autoritären Ansprüchen hatte eine Atmosphäre liebloser Disziplin und des Mißtrauens geschaffen, welche den Rest christlicher Ideale immer mehr erstickte.
So baute ich meine Verbindung zur Wachtturm-Organisation immer mehr ab und fand endlich nach und nach wieder den Anschluß an ein normales Leben. Schließlich erklärte ich meinen zuständigen Aufsehern die endgültige Trennung von der Organisation, um einem Ausschluß wegen meiner zunehmend kritischen Haltung zuvorzukommen.
SPÄTER erfuhr ich, daß viele andere sich auch aus der Verstrickung der
Wachtturm- Ideologie befreit haben und hoffe, daß es auch den übrigen gelingt,
bevor die bittere Einsicht sinnloser Opfer sie bereuen lässt!
-Erich K...
CV ÖFFNETE MIR DIE AUGEN
Ich wohne in einer Hafenstadt in Mecklenburg. Es wird nicht unbedingt notwendig
sein, daß ich mich mit meinem Namen vorstelle, aber warum ich in dieser
Jubiläumsausgabe zu Wort kommen möchte, darüber werde ich Auskunft geben.
Neun Jahre gehörte ich der WTG an und war zuerst wie wohl die meisten, die neu
zur WTG stoßen, ziemlich arglos und unkritisch und nahm alles, was mir gelehrt
wurde, bereitwillig auf und handelte auch strikt nach der Anweisung der
Ältesten, die CV-Schriften ungelesen zu vernichten.
Ungefähr ein Jahr nach meiner Taufe wurde ich zum Studienleiter ernannt und stand einer Gruppe von acht Zeugen Jehovas vor. Hierbei handelte es sich bei den meisten um Zeugen, die schon einige Erfahrung mit der WTG, meist keine besonders gute, gesammelt hatten und deshalb ziemlich kritisch eingestellt waren und schon zum Teil mit einigen Ältesten der Versammlung zerstritten waren.
Ich selbst, damals ein junger Studienleiter, tat gut daran, mich gegenüber den Mitgliedern meiner Gruppe so tolerant wie möglich zu verhalten und sie nicht gleich bei jeder Kleinigkeit den Ältesten zu melden und versuchte, alle Probleme in Ruhe zu lösen. Mit der Zeit lernte ich diese Leute verstehen und sie brachten mir Vertrauen entgegen. Auch über CV wurde gesprochen. So erfuhr ich, daß nicht, alles was CV schreibt, unbedingt falsch sein muß.
So kam es, daß ich schließlich einmal eine CV-Nummer heimlich las und dort einiges Interessante entdeckte, wie z.B. über einen Bruder, der mir schon lange bekannt war und seinen Wohnsitz in Thüringen hat und über die Zustände in einigen Versammlungen der WTG. Diese Berichte über einige Versammlungen interessierten mich besonders und ich wartete in der nächsten Zeit schon ungeduldig auf jede weitere CV-Nummer. Auch die CV-Thematik über 1975 weckte mein Interesse, und ich wurde nachdenklich, da eine Schwester aus meiner Gruppe von den Ältesten wegen ihrer Ansichten über CV und über 1975 eine öffentliche Zurechtweisung bekam und ich aber aus den CV-Schriften entnehmen konnte, daß man ihr Unrecht getan hatte. Ähnlich erging es einem älteren Bruder aus meiner Gruppe, der von den Ältesten als Nörgler angesehen wurde und bald darauf verstarb. So sah ich nach und nach ein, daß die WTG-Lehren und Handlungen falsch sind und daß jeder, der sich ihnen entgegenstellt, mit „Maßnahmen" zu rechnen hat.
Auch meine Frau drängte mich, daß wir die WTG gemeinsam verlassen sollten! Ich wollte aber nichts überstürzen und wir planten, uns erst einen neuen Bekanntenkreis außerhalb der WTG aufzubauen, um nach unserem Austritt nicht isoliert dazustehen, denn alle unsere „Freunde" bzw. Leute, mit denen wir auch privat verkehrten, gehörten der WTG an. Ich selbst tat für die WTG nur noch soviel wie es unbedingt notwendig war als Studienleiter, obwohl ich inzwischen auch zum Dienstamtgehilfen ernannt worden war und eine Zeitlang eine zweite Studiengruppe nebenbei zu betreuen hatte. Dafür arbeitete ich nun wieder mehr auf meiner Arbeitsstelle und machte wie vor meiner „Zeugen-Zeit" Überstunden.
Nach einer von mir mit den Brüdern des Rechtskomitees herbeigeführten Aussprache, in der ich nur noch einmal so richtig die Handlungsweise der WTG zu spüren bekam, schrieb ich einige Zeit später eine Austrittserklärung aus der WTG für mich und meine Familie und drohte darin den Ältesten Konsequenzen an, falls sie mich und meine Familie vor ein Rechtskomitee laden würden oder Aussprachen mit uns führen wollten.
Nun sind wir gut zwei Jahre nicht mehr der WTG hörig und führen wieder ein
normales Leben wie es sich für jeden in normalen Bahnen denkenden Mensch gehört.
So kann ich nur jedem Zeugen Jehovas den Rat geben, der so wie ich vor einiger
Zeit gewissermaßen auf dem Zaun sitzt, aber noch mit einer Entscheidung zögert,
sich vor seinem geplanten Austritt auf einem Gebiet außerhalb der WTG, sei es
eine andere Religionsgemeinschaft oder eine Tätigkeit im gesellschaftlichen oder
sportlichen Bereich, einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen, um
dann, wenn der Austritt aus der WTG vollzogen wird, nicht isoliert dazustehen.
Ich selbst habe es bisher noch nicht bereut und sehne mich nicht nach der WTG
zurück. Ja, ich bin froh, nicht mehr unter dem Druck der WTG zu stehen.
Hinaus aus der WTG - dieses Verfahren hilft garantiert bei jedem, der ihr jetzt
noch angehört. -R.S.W-
ICH FOLGTE EINER EINLADUNG
ZUR TAGUNG DER „CHRISTLICHEN VERANTWORTUNG"
Ein Zeuge Jehovas prüfte die angebotenen Wachtturm-Dokumente
Wir bekamen folgenden Brief von einem Bruder von der Insel Rügen:
Ich bin seit Jahren ein aufmerksamer Leser von. CV und gebe auch zu, daß auch CV
einen kleinen Anteil daran hat, daß ich die Realitäten, speziell was uns ZJ
angeht, klarer sehe und ihnen mehr Rechnung trage.
Ich kann nicht sagen, daß ich mich über CV, und besonders über jede neue Nummer
freue; im Gegenteil, ich ärgere mich sogar, nicht über CV und ihren Ton, sie
sind mir unwichtig, sondern über die Tatsachen, über die Zitate und Auszüge aus
Publikationen unserer WT-Gesellschaft, die ein aufrichtiger ZJ und Christ darin
lieber nicht lesen möchte und wünscht, sie hätten nie darin gestanden.
Leider ist es mal so, und es zwingt mich zur Stellungnahme diesbezüglich. Als ich dann noch eine persönliche Einladung zu einer CV-Tagung erhielt, wo über Angelegenheiten, die ZJ in der DDR interessieren sollten, zu sprechen beabsichtigt wurde, beschloß ich. hinzufahren. Meine Absicht verheimlichte ich nicht vor meinen geistigen Brüdern. Ich wäre sogar froh gewesen, wenn einer mitgekommen wäre, wenn auch nur als Zeuge, leider fand sich keiner. So fuhr ich allein mit meiner erwachsenen Tochter als Begleitung.
Wir kamen zeitig genug in Berlin an und stellten uns im CV-Büro vor. Dort wurden wir freundlich begrüßt und mit Kaffee und Brötchen zum Frühstück bewirtet. Man bot uns freie Bewegung in allen Räumen an, und es war unnötig, unsere Aufmerksamkeit auf aufgeschlagene Schriften unserer Gesellschaft zu lenken, sie interessierten uns sowieso. Es war kein gefälschtes Material. Es war auch nur ausschließlich das zu sehen, was im Laufe der Zeit die WT-Gesellschaft herausgegeben hat, allerdings mit aufgeschlagenen Seiten und unterstrichenen Zeilen so geschickt zusammengestellt, dass es ein bestimmtes Beweismaterial bildete, natürlich gegen gewisse Behauptungen unserer leitenden Brüder in den Zweigbüros und der LEITENDEN KÖRPERSCHAFT, was auch schriftlich dastand.
Alles beeindruckte uns sehr, sahen wir doch vieles, was wir schon mal gesehen
und gelesen hatten, vieles war neu. Da spürte ich plötzlich, wie wirkungsvoll so
eine Dokumentation sein kann. Hatte man doch nie so zusammengerafft
Veröffentlichungen unserer Gesellschaft gesehen, von welchen man keineswegs
sagen kann, sie seien politisch neutral — ja noch schlimmer – die einwandfrei
verleumderischen Charakter tragen, zielgerichtet gegen den Kommunismus.
Als dann die Beratung begann, setzten wir uns ans Ende des Tisches und hörten
aufmerksam zu. Ich war erstaunt, über die Sachlichkeit der Redner, wie gut sie
in Sachfragen Bescheid wußten und die einzige Perspektive für uns ZJ in der DDR
zeigten. Selbstverständlich konnte ich nicht alles im Geiste akzeptieren.
Als dann am Nachmittag der Diskussionsteil begann, sagte man mir, daß es auch
mir frei steht, mich zu äußern. Etwa 15 Minuten lang sprach ich dann frei und
vertrat so gut ich konnte die Interessen der ZJ in der DDR. Denn ich bin der
festen Überzeugung, daß auch ZJ als eine Religionsgemeinschaft gleich anderer
das Recht auf Anerkennung und Freiheit innerhalb der Gesetze des Staates haben.
Ich setzte mich nicht uneingeschränkt für die Veröffentlichungen der WTG ein, im
Gegenteil, ich, verurteilte jede Äußerung in unseren Schriften, die politisch
gewertet werden kann, denn auf Grund meiner biblischen Erkenntnis glaube ich,
daß auch Christus uns, die wir seine Nachfolger sein wollen, nicht die Freiheit
gab zur politischen Betätigung in seinem Namen, ebensowenig im Namen Jehovas,
seines und unseres Vaters. Nachdenklich kehrten wir nach Hause zurück.
Nun erwarte ich von unserer Gesellschaft eine öffentliche Stellungnahme zu
all diesen bösen Vorwürfen, die ihr gemacht werden, ebenso öffentlich - wie
diese Artikel erschienen sind, die wir bei CV als Dokument gesehen haben,
Es ist verkehrt, CV wie Luft zu behandeln. Sie ist ein ernstzunehmender Faktor
geworden, und wir ZJ, besonders in der DDR, sollten nicht wie Feiglinge vor ihr
weglaufen, sondern ihre Vorwürfe ernstlich prüfen und unsere Lehren daraus
ziehen.
Nur so können wir uns selbst helfen, und unsere Art des Gottesdienstes wird uns
zur wahren Freude werden. Der Segen unseres Gottes kann nur auf dem genauen
Befolgen seiner Gebote ruhen, denn Gott widerspricht sich nicht, auch kann er
nicht lügen. Jeder, der sein Wort kennt, wird selbst genügend Bibelstellen dafür
finden.
Also laßt uns auch danach handeln!
Anmerkung:
Wir haben diesen Brief ungekürzt wiedergegeben. Der Briefschreiber war einer
unserer Gäste bei der CV-Herbsttagung 1982 in Berlin. Inzwischen wurde er von
seiner Heimatversammlung auf Grund seiner vertretenen Ansichten ausgeschlossen.
EIN ZJ-ÄLTESTER SCHREIBT AN DIE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
Liebe Brüder .und Schwestern!
Wenn ich mich heute auf diesem Weg an Euch mit einem offenen Wort wende, so
geschieht dies nicht, weil ich ein Mitarbeiter von CV bin. Ich sehe aber keine
andere Möglichkeit, einmal offen über all die Dinge zu sprechen, die mir in
Verbindung mit der Wachtturm-Gesellschaft Sorge bereiten.
Ich bin keineswegs mit allen Veröffentlichungen von CV einverstanden,
insbesondere nicht mit einigen Lehrauffassungen. Aber ich muß auch anerkennen,
daß viele aktuelle Berichte aus unseren Versammlungen der Wahrheit entsprechen.
Gleichzeitig verstärken sich meine Zweifel an der Wachtturm-Gesellschaft immer
mehr. In mir haben sich im Laufe vieler Jahre eine Reihe von Fragen aufgestaut,
über die ich einmal offen reden muß.
Ich betrachte mich weiterhin als ZJ. Ich bin Ältester in meiner Versammlung und diene gleichzeitig als Aufseher über mehrere Versammlungen und als Unterweisender in der Königreichs-Dienst-Schule. Ich bin in einer Zeit ZJ geworden, als die verantwortlichen Brüder noch „Diener" genannt wurden. Die ersten Bibelstudien mit mir wurden z.T. noch mit den alten Büchern „Schöpfung", „Befreiung", „Rechtfertigung", „Die Harfe Gottes" usw. durchgeführt. Auch hatte ich noch die Möglichkeit, einen Teil der Bücher von Russell kennenzulernen.
Meine Zweifel begannen kurz nach 1950, als während des Kongresses „Mehrung der Theokratie" im Yankee-Stadion, New York eine öffentliche Erklärung abgegeben wurde, daß ZJ gegen den Kommunismus sind. Aus späteren Veröffentlichungen und den Praktiken der theokratischen Organisation kam ich zu dem Schluß, daß die leitende Körperschaft keineswegs eine politisch neutrale Linie verfolgt, sondern einen extremen Antikommunismus praktiziert. Aber gehört dann .die Wachtturm-Gesellschaft nicht zu diesem alten System der Dinge? Fallen nicht die Vorwürfe, die sie gegen die übrigen Religionen erhoben hat, auf sie selbst zurück? Die Frage, „ist die Wachtturm-Organisation neutral oder nicht", ist jedoch nur eine von viele. Ich stelle sie hiermit zur Diskussion.
Weitere Fragen sind:
1. Arbeiten wir für die Rechtfertigung des Namens Jehovas oder für die
Rechtfertigung der Wachtturm-Gesellschaft?
2. Leben wir wirklich im geistigen Paradies?
3. Warum funktioniert das gesamte System der theokratischen Organisation nur
durch Erpressung?
Vergleiche hierzu l. Korinther 6:9,10.
4. Warum sind die Veröffentlichungen von Russell und Rutherford für den normalen
Verkündiger nicht mehr zugänglich?
5. Warum werden alte, bewährte Pioniere, Älteste und Bethelmitarbeiter, die
nicht mehr viel leisten können, schlechter behandelt als junge tatkräftige
Brüder und Schwestern?
6. Warum müssen wir ständig „reichlich beschäftigt" gehalten werden und die uns
anvertrauten Schafe ebenfalls ständig zeitlich unter Druck setzen?
7 Warum wird in letzter Zeit immer mehr Druck auf alle Verkündiger ausgeübt. am
Zwangspredigtdienst teilzunehmen?
8. Warum mißachtet die Wachtturm-Gesellschaft Jesu Rat aus Matthäus 5:43-48,
indem sie uns auffordert „die zu hassen, die Jehova hassen?"
Oder meint die Organisation damit die zu hassen, die Kritik an ihr üben?
9. Warum wird gegen Ausgeschlossene und solche, die selbst die Organisation
verlassen haben, eine Progromstimmung erzeugt?
10. Warum hat die Wachtturm-Gesellschaft solche Angst vor „Abtrünnigen"?
11. Stehen diese Fragen möglicherweise alle in einem: bestimmten Zusammenhang?
12. Was sind die wirklichen Ziele der Wachtturm-Gesellschaft?
Diese Fragen sind nur eine Auswahl von Problemen, die mir durch den Sinn gehen.
Mit Brüdern oder Mitältesten über diese Dinge zu sprechen, ist für mich
unmöglich, da es meinen sofortigen Ausschluß bedeuten würde. Andererseits sind
alle meine Verwandten und Freunde innerhalb der Zeugen Jehovas zu finden und
glaubensmäßig bin ich den Grundlehren der Bibel, wie sie von der
Wachtturm-Gesellschaft dargelegt werden, noch stark verbunden.
Ich überlasse es CV, ob und wie sie von meinem Brief Gebrauch macht.
Euer Bruder
Ernst Aufrichtig
SEIT 1977 SCHREIBE ICH FÜR CV
Ein Bericht von Walter W...
Liebe Brüder und Schwestern!
DIE CV-Redaktion bat mich darum, in dieser Jubiläumsausgabe meine Gründe
aufzuschreiben, warum ich für CV schreibe.
Jehovas Zeugen verleumden fortwährend ihre ehemaligen Brüder und Schwestern,
wenn sie sich öffentlich mit Namen als CV-Schreiber vorstellen. Ich schäme mich
nicht und fürchte mich auch nicht, wenn ich in CV für meine ehemaligen Brüder
und Schwestern wahrheitsgetreue Artikel schreibe.
Ich war 27 Jahre Zeuge Jehovas, ich habe für meine Brüder und Schwestern fast meine ganze Freizeit und sogar den Tarifurlaub geopfert. Ich hatte wenig Zeit für Haus, Hof und Garten, denn Gebiets- und Kreisdiener in der Illegalität zu sein, ist keine Erholung.
Worüber schreibe ich in CV
UM darüber eine Auskunft zu geben, komme ich nicht umhin, Tatsachen
auszuplaudern. Ich hatte als verantwortlicher Diener für Jehovas Zeugen, über
die mir anvertraute Herde zu sorgen und zu wachen.
So ein Diener kommt weit mehr in den Genuß von vertraulichen Informationen aus
den zuständigen Bethelhäusern, das sind Leitstellen für die Betreuung der Zeugen
Jehovas in jedem Land, man nennt sie auch Zweigbüros.
IN den 60er Jahren wurden wir wiederholt vor der .Zeitschrift „Christliche Verantwortung" gewarnt. Wir sollten alle Mitverbundenen in unseren Kreisen und Bezirken davor warnen, CV zu lesen, sie sollte ungelesen in den Ofen gesteckt werden. Bekanntlich ist es ja so; „Die Neugierde übersteigt alle Grenzen."
So wie es zu erwarten war, steckte auch in meinem Briefkasten ein Brief mit
der Zeitschrift „Christliche Verantwortung".
Was nun tun, ungelesen verbrennen? Nein!
Meine Frau und ich haben es heimlich gelesen. Wie es dann weiter ging, als wir
weitere CV-Nummern in’s Haus geschickt bekamen, kann sich jeder an den 5 Fingern
abzählen. Auf meinen Besuchsreisen erfuhr ich sehr bald, wie viele
verantwortliche Diener und Verkündiger trotz Warnungen bereits CV gelesen
hatten. Ich warnte zwar davor, aber es war so gut wie in den Wind geredet.
Nun zu der Frage:
„Worüber schreibe ich in CV?"
Ich schreibe in CV hauptsächlich darüber, was meinen ehemaligen Brüdern und
Schwestern hilft, selbständiger über alles nachzudenken und sich nicht immer die
Augen verkleistern zu lassen, wenn es um lebenswichtige Entscheidungen geht.
Zum Abschluß noch ein paar nützliche Worte
GLÜCKLICHERWEISE habe ich seit 1977 alle Schreiber von CV kennengelernt. Ich
kann bestätigen, daß ihnen stets nur ein Ziel am Herzen lag, nämlich, ihren
ehemaligen Brüdern und Schwestern die Augen zu öffnen. Sie bemühten sich, mit
dokumentarisch echten Beweisen nachzuweisen, welches gefährliche Spiel die
leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas mit Hilfe des Glaubens durchführt. Es
wurde bisher nachgewiesen, daß alle Endzeitbibelauslegungen falsch sind und
Millionen von Menschen sich falsche Hoffnungen machten, was zu Enttäuschung und
Schwächung, des christlichen Glaubens führte.
Weiter wurde nachgewiesen, wie rücksichtslos von Brooklyn aus die Hetze gegen
den Kommunismus eingeleitet wurde und in die Gehirne von Jehovas Zeugen
eingepflanzt wurde. All diese mühevolle Arbeit, die sich CV-Schreiber machten,
darf nicht in Vergessenheit geraten. Zuviel hängt davon ab, wenn Jehovas Zeugen
in Ruhe und Frieden Gott dienen möchten. Wer natürlich glaubt, daß er stur und
bedingungslos einer amerikanischen Gesellschaft nachfolgen muß, um von Gott
anerkannt zu werden, der muß eben durch Schaden klug werden.
Alle CV-Schreiber, wozu ich mich ebenfalls zähle, werden zukünftig weiter daran
arbeiten, daß Jehovas Zeugen in unserem Lande zum vernünftigen Denken und
Handeln angeregt werden. Mögen unsere ehemaligen Brüder und Schwestern stets
daran denken.
AN ALLE, DIE UNS HALFEN, UNSER WERK ZU VERRICHTEN
UNSER 25jähriges Jubiläum möchten wir zum Anlass nehmen, allen Dank zu sagen,
die uns geholfen haben, unser Werk in christlicher Verantwortung durchzuführen.
Wir sagen Dank denen, die uns durch ihre Spenden unser Werk ermöglichten, dabei
bedanken wir uns besonders bei unseren Geschwistern, die noch mit der
Organisation verbunden sind.
Wir sagen Dank denen, die für unsere Zeitschrift schreiben. Wir danken für
die viele Zeit, die sie opferten, um durch ihre aufklärenden und auferbauenden
Artikel unseren Geschwistern zu helfen.
Wir sagen Dank denen, die in der Studiengruppe durch ihre klugen Gedanken und
Hinweise, durch ihren unermüdlichen Einsatz viele Dinge ermöglichten, die für
unsere-Arbeit unumgänglich waren.
Wir sagen Dank denen, die in vielen Ländern durch ihre Aufklärungsarbeit über
die WTG, uns zusätzlich Mut gegeben haben. Die uns durch Informationen aus ihren
Ländern, wertvolle Hilfe leisteten.
Wir sagen Dank denen, die uns außerhalb unserer Studiengruppe geholfen haben,
wie den Mitarbeitern der Druckerei, der Post und den vielen anderen Helfern.
MIT unserem „DANKE" verbinden wir gleichzeitig die Bitte, uns auch weiterhin zu helfen, damit wir in christlicher Verantwortung unser Werk weiterführen können.
„Christliche Verantwortung": Herausgeber Henry Werner; DDR 6500 Gera,
Otto-Dix-Str. 6
Preis: 0,20 M; Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos
Konto-Nr: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe, Gera
Grafik in dieser Ausgabe Martina Funke
A 697/84 V 7 1 1567 N 2
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