Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 176
In Heft 5/1983 ihrer Zeitschrift „Materialdienst", ging die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" in einem Gemisch von Berichterstattung mit gleichzeitiger Kommentierung, auch auf die Raymond Franz-Krise in der WTG Zentrale ein. Die CV druckt in ihrer Nummer 176 diesen Artikel nach.
Offenbar hatte die EZW, damals noch in Stuttgart ansässig, diesen ihren Zeugen Jehovas bezüglichen Artikel auch der CV zugänglich gemacht.
Das die CV diesen Artikel ihrerseits ohne Zutun der EZW eruiert haben könnte, kann so gut wie ausgeschlossen werden. Selbst die nach der Deutschen Bücherei, zweitrelevanteste wissenschaftliche Bibliothek in der DDR, die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin, hatte diese Zeitschrift der EZW nicht in ihrem Bestand. Das kann ich auch daher bestätigen, dieweil ich mich zu der fraglichen Zeit, selbst um Einsichtnahme einzelner Aufsätze aus dem „Materialdienst der EZW" via Fernleihen des wissenschaftlichen Bibliotkekswesens der DDR bemüht hatte. Und das völlig unabhängig von der CV.
Das diesbezügliche Prozedere beinhaltete, dass alle wissenschaftlich relevanten Bibliotheken der DDR auf dem Leihschein bestätigen mussten, dass der gesuchte Jahrgang der entsprechenden Zeitschrift sich nicht in ihrem Bestand befindet. Erst wenn diese Negativbestätigungen vorlagen. Erst dann durfte die Bestellung von konkret zu benennenden Aufsätzen, an besitzende Bibliotheken in der BRD weitergeleitet werden. Diese Prozedur habe ich in den Jahren vor 1990 mehr als übergenug mitgemacht, und weiss daher bestimmt. Im wissenschaftlichen Bibliothekswesen der DDR befanden sich diese neueren Jahrgänge des „Materialdienstes" nicht.
An dieser Stelle nun „schwillt" dem Zeugen Jehovas-Apologeten Waldemar H., ausweislich seiner Veröffentlichungen, „der Kamm an". „Unerhört" - so seine Diktion. Die EZW hat auch der CV ihre Aufsätze zugänglich gemacht. Ich hingegen bin da anderer Meinung. Die EZW hat damit lediglich dokumentiert, dass sie die CV in gewissem Sinne durchaus als relevant einschätzt. Schätze ich jemand als relevant ein, im Kontext der „Gesamt-Gemengelage", bedeutet das noch lange nicht, dass ich mich mit dessen Thesen und Positionen in allen Facetten „identifiziere". Das war auch im Falle CV - EZW so.
Indem nun H. im besonderen gegen solche im Einzelfall nachweisbare Kontakte polemisiert, schießt er letztendlich ein Eigentor. H. und die WTG mögen diese Kontakte bejammern. Sie tun es zur Genüge. Letztendlich erweisen sie ihrem Gegner nur damit eine ungewollte Reverenz!



CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG

MONATSSCHRIFT DER STUDIENGRUPPE CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
BEGRÜNDET 1959 VON WILLY MÜLLER, GD, GERA/THÜR, DDR

NR. 176 GERA MÄRZ 1984

Wir prüfen die Wachttürme 18 und 19/83
BIBEL-FORSCHEN UNERWÜNSCHT!
EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN
Zu einer Krise in der Führungsspitze
ERNEUTER UMBRUCH IN DER ÄLTESTENSCHAFT (II)
Kommentar im Dienstprogramm
AN DIE VERSAMMLUNG IN DRESDEN
Sie wollten vor CV wie Mietlinge davonlaufen

JUGENDLICHE UNTERM WACHTTURM
Mache deine Jugend zu einem Erfolg
Verantwortung der Eltern
WENN man von Jugendproblemen spricht, darf man keinesfalls die Eltern vergessen, die das Erziehungsrecht ihrer Kinder haben. Die Autorität von Vater und Mutter ist, wie schon erwähnt, naturgemäß im Kindes- und frühen Jugendalter sehr groß.
Aus dieser Tatsache .heraus erwächst den Eltern aber auch eine hohe Verantwortung für das physische und psychische Wohl ihrer Kinder! Und welche Mutter möchte: nicht das Beste für sie?

Die Situation in den Versammlungen
WIEVIEL unverantwortliche Vorkommnisse mußte ich aber in den vielen Jahren meines ZJ-Lebens bei Eltern von unmündigen Kindern erleben. Und das schlimmste ist: Vielen Zeugen waren diese Fehler auf Grund ihrer Wachtturm gemäßen Erkenntnis gar nicht bewußt.

EINES Tages bekamen wir beim WT-Studium Besuch eines Ältesten. Unseren 7-Monate alten Säugling legten wir während dieser Zeit in sein Laufgitter. Am Schluß der Zusammenkunft berichtete der Bruder uns stolz, daß seine drei Kinder in diesem Alter schon dem Studium beigewohnt hätten. Er hatte sie auf die Couch gesetzt; damit sie nicht umfallen, hätte er auf beiden Seiten ein Kissen gelegt. Natürlich sollten wir uns dieses Beispiel als Vorbild nehmen! Wie oft mußten wir miterleben, wie Zeugen ihre Kinder im Vorschulalter noch abends um 20.00 Uhr in die Stunde mitnahmen, die bis 21.30 oder sogar länger ging! Bei Wind und Wetter nahmen sie ihre Sprößlinge mit. Zunehmende Nervosität, Schlafstörungen und andere Krankheiten konnten sie nicht von ihrer Methode abbringen.

Die Haltung der WTG
KEIN Wunder - die Gesellschaft unterstützt ja auch diese Handlungsweise. Da wird in ihren Publikationen berichtet, wie Eltern ihre Säuglinge zu Kongressen mitschleifen, wie sie ihre Kleinkinder in den Predigtdienst mitnehmen. Damit wird nur ein Ziel verfolgt: Von frühester Jugend an sollen die Kinder im WTG-Glauben erzogen werden. Schließlich sind die Kinder von ZJ die bedeutendste Kaderreserve der Organisation. Was kümmert sie schon die Gesundheit ihrer Anhänger, auch wenn es Kleinstkinder sind. Daß ein Säugling, der 7 Monate alt ist noch nicht 1 ½ Stunden sitzen kann und darf, weil das Rückgrat eine solche Belastung nicht aushält, was kümmert es die Gesellschaft? Daß ein Kleinkind um 20.00 Uhr ins Bett gehört, was kümmert es die Gesellschaft? Nein, im Gegenteil. Solche Marter von Kindern werden im „Wachtturm" und „Erwachet" als besondere Loyalität der Eltern noch hervorgehoben. Welche Menschenverachtung steht doch dahinter!

Der Zwang zur Passivität
UND noch etwas mußten wir erleben: Da werden Kinder im Vorschulalter in die Versammlungen mitgenommen, obgleich dort Themen durchgenommen werden, die manch Erwachsener noch nicht einmal versteht. Da hagelt es Ohrfeigen, weil das Kind nicht still sitzt. Da fließen die Tränen, weil es nicht mehr in der Lage ist, eine Frage zu beantworten, die es nach Meinung der Erwachsenen beantworten könnte. Noch manch ein Erwachsener erinnert sich der Torturen, die er als Kind. über sich ergehen lassen mußte. Und für manchen graben sich diese Erinnerungen so tief ein, daß er, volljährig geworden, sein Heil auf keinen Fall bei den Zeugen Jehovas sucht.

Was kümmert es die Organisation, daß Psychologen wissenschaftlich bewiesen haben, 4 bis 5jährige Kinder können sich noch nicht länger als etwa 30 Minuten lang konzentrieren. Aber die Interessen der Gesellschaft stehen ja erhaben über solchen „banalen" Erkenntnissen.

Welche Konsequenzen ziehst du?
UND so werden die Kinder weiterhin WT-gemäß in die Studien mitgezerrt. Oder doch nicht immer?
WIE verantwortungsvoll werdet ihr Eltern
jetzt handeln!
ES GEHT UM DIE GESUNDHEIT EURER KINDER!
-G –

ERNEUTER UMBRUCH IN DER ÄLTESTENSCHAFT (II)
„Nacht- und Nebel-Aktion" der WTG
Kommentar im Dienstprogramm
PARALLEL laufend zur Predigt „Organisiert, unseren Dienst durchzuführen" kommentiert und erläutert das monatlich erscheinende Dienstprogramm die neuen Anordnungen der WTG.

WIE schon besprochen, hatte die Organisation am 10. April 1983 neue Richtlinien herausgegeben. Dies liest sich dann im Dienstprogramm V/83 wie folgt:
„Durch einen besonderen Brief der leitenden Körperschaft wurden die Anwesenden in den Zusammenkünften am 10. April 1983 mit der Freigabe der neuen Predigt überrascht, und sie konnten auch gleich nach der Zusammenkunft ihr persönliches Exemplar erhalten. Wie wir hörten, waren unsere Brüder über dieses neue Hilfsmittel begeistert, denn es ermuntert jeden Verkündiger, mit Jehovas Volk vereint voranzudrängen. Wir sind keine Einzelgänger, sondern willige Glieder eines geeinten Volkes."

IN einem Punkt" ist den Brüdern wirklich recht zu geben: sie wurden durch die neue Predigt überrascht.
Ob sie aber vollends begeistert waren, ist zumindest anzuzweifeln. Auf keinen Fall werden die Herausgeber des Mai-Dienstprogrammes zu dieser Zeit es gewußt haben, da aus organisatorischen Gründen (Vervielfältigung, Verbreitung) das Manuskript am 10. April längst fertig geschrieben war.

Aber trotzdem:
WAS bleibt den Brüdern schon anderes übrig, als die geistige Speise wenigstens in der Versammlung begeistert aufzunehmen? Und noch ein Begriff ist interessant.
DIE Zeugen Jehovas sollen „willige Glieder" sein. Diesem Zweck dient ja schließlich die herausgegebene Predigt.

Thema nur 1: die Unterordnung
„Dazu gehört unser Predigtdienst, das Zusammenkommen in der Gemeinschaft der Brüder und unsere Beteiligung in der Gemeinschaft der Brüder, unser Verhältnis zu den Älteren und die Unterstützung organisatorischer Vorkehrungen. Ja, sie macht sich in unseren Gesprächen, in unserer Einstellung und in unserem Verhalten bemerkbar." (KD VI/83.)

KANN man da noch von „willigen Gliedern" sprechen, oder wäre hier nicht die Bezeichnung „willfährig" angebrachter?
Jegliche Kritik, kein AUFMUCKEN wird gestattet. Vogel friß oder stirb. Entweder Zuckerbrot oder Peitsche.

Aber paar Sätze weiter bricht man fast wieder in Tränen aus:
„Jehovas göttliche Eigenschaften spiegeln sich in der harmonischen Gesellschaft seiner gottesfürchtigen Untertanen wider"
WAS ZU BEWEISEN WÄRE!

EDLER GESINNT SEIN UND PRÜFEN APG 17:11
Der Wachtturm
WIR PRÜFEN DIE WACHTTÜME NR. 18 UND 19/83
Wachtturm Nummer 18/1983
STUDIENARTIKEL
1:
„Jehovas Maßstäbe sind uns eine Hilfe"
2:
„Kehre nicht zu den „schwachen und armseligen Dingen zurück"
Kann die WTG die Zukunft vorhersagen?
„Der Gegensatz zwischen, der Zeit in der du im Licht bist, und der Zeit, in der du in der Finsternis warst, wird besonders an deiner Erkenntnis und deinem Verständnis deutlich. Vorher wußtest du nicht, … was die unmittelbare Zukunft bringen wird. Jetzt besitzt du ein biblisch gestütztes Verständnis über diese Dinge."
(Seite 16, Absatz 4.)

WIR müssen es einmal so deutlich sagen: Was die unmittelbare Zukunft bringen wird, wissen die Zeugen Jehovas nicht und haben es auch nie gewusst!
Das beweist nicht zuletzt auch dieser WT auf Seite 28. Emil H. Van Daalen erzählt, wie er im Jahre 1942 den Bewerbungsbogen für die erste Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead erhält. „Man gab uns zu verstehen, daß wir damit rechnen müßten, vor Harmagedon vielleicht nie mehr nach Hause zurückkehren zu können." Also war man sich doch nicht so sicher, was die „unmittelbare Zukunft" bringt!

Sind es nur Pannen?
ÜBERHAUPT gehört dieses Problem zu den größten, mit denen die WTG fertig werden muß. Bezüglich ihrer Prophezeiungen ist sie bei vielen ihrer Anhänger unglaubwürdig geworden. Man erinnere sich nur an eine der unzähligen Richtlinien vergangener Jahre:

„Jonadabe, die jetzt ans Heiraten denken, würden, wie es scheinen will, besser, tun, einige wenige Jahre zu warten, bis der feurige Sturm Harmagedons vorüber ist." Dies schrieb man 1938!
(Schau den Tatsachen ins Auge, S. 50)
SEITDEM sind immerhin 46 Jahre vergangen und die damalige Generation, auf welche die zitierten Worte zutreffen sollte, hat heute schon Enkel - oder auch nicht, falls sie sich an den Ratschlag gehalten hat.
WEN wundert es, wenn viele ZJ bezüglich ihres tätigen Glaubens heute nur noch auf „Sparflamme" leben?

Dies erkennt auch die WTG:
„Wir würden dann unsere Anbetung lediglich mechanisch durchführen, nur um sozusagen „versichert" zu sein, falls die „große Drangsal" doch noch zu unseren Lebzeiten kommt." (S. 22.)
Ein erhobener Zeigefinger - zu Recht?
ODER die Zeugen versuchen, ihre Konflikte auf andere Weise zu lösen. Die einen probieren es mit dem Alkohol, um „einmal abschalten zu können." (S. 14. Abs. 15.)

Andere bauen sich ein Eigenheim, in welches sie sich zurückziehen.
(S. 18, Absatz 13.)
INTERESSANT die Warnung der WTG, andere in dieser Hinsicht nicht zu richten. (Abs. 13.) Denn gerade was Eigenheim und PKW betrifft,. gehen häufig die Altesten führend voran. Das sieht man aber in Brooklyn nicht gerne. Zum Nachdenken soll ein Zeuge nicht kommen. „Vollzeitpionierdienst" - das ist die Parole. Die „weltliche Arbeit" einschränken (Abs. 13). Nein, nicht aufgeben, sonst müßte ja die Organisation für den Lebensunterhalt des Betreffenden sorgen! Wozu ein Hochschulstudium anstreben?! (Abs. 15) Wer weiß welche Erkenntnisse hier jemanden kommen. Außerdem sind doch die Zeugen Jehovas schon, so gebildet. (Siehe auch weiter unten.) Und sollte neben dem Predigtdienst noch etwas Freizeit verbleiben?

„Selbst bei Unterhaltung, durch die nicht deutlich göttliche Grundsätze verletzt werden, ist Vorsicht angebracht, weil sie Zeit und Geld kostet. … Christen müssen daher ernsthaft darüber wachen, wie sie ihre begrenzte Zeit und ihre begrenzten Mittel verwenden, damit sie nicht zu den schwachen und armseligen Dingen zurückgezogen werden." (Absatz 17.)

Ein Kapitel Selbstbewußtsein
NACH diesen auferlegten Forderungen soll der Zeuge auch nicht gnatzig werden. Er wird also aufgemuntert: „Viele Leute lesen jahrelang in der Bibel und erfassen doch nicht den Sinn dessen, was sie lesen. Du aber verstehst den Sinn im wesentlichen. Du kannst mit einem Verständnis und einer Gewißheit sprechen, wie es nicht einmal Theologen möglich ist." (Abs. 20.) Bravo, nun ist das Selbstbewußtsein wieder aufpoliert. Man hat sich selber an die Brust geschlagen.

Der „Kanal" hat sich wohlwollend geäußert; (Siehe S. 15, Abs. 18.) Ihm muß man Folge leisten. Und wer an ihm zweifelt? Derjenige lese sich die Seiten 14 und 15 durch. Einen Kommentar ersparen wir uns. Genug wurde in CV schön das ' Thema „Gemeinschaftsentzug" behandelt.
Im übrigen sprechen die Äußerungen in den Abschnitten 17 und 18 für sich.

NEBENARTIKEL
„Eine ausgezeichnete Bildung"
DIESER Artikel beweist deutlich, wohin das übersteigerte Geltungsbedürfnis der WTG führen kann!
Es geht um folgendes:
EIN Zeuge Jehovas benötigte für seine Ganztagsbeschäftigung ein High-School-Diplom (Hochschul-Diplom). Vor 25 Jahren war er aber im 9. Schuljahr von der Schule abgegangen und hatte keine Schule mehr besucht. Nun unterzog er sich einer Prüfung in den Fächern Naturwissenschaft, Rechtswissenschaft, Sozialkunde und Lesen. Er erreichte ein Ergebnis, „das vielleicht jemand erzielt, der 4 Jahre das College besucht hat." 55 Punkte erreichte er, während zum Erwerb des Diplomes nur 35 Punkte notwendig gewesen wären.

Und woher hatte er dieses hervorragende Wissen?
„Weil während der vergangenen 8 Jahre mein Lesestoff hauptsächlich aus Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas bestand. Ich lese darin eifrig und schlage vieles nach."

Und gegen Ende des Artikels beeilt man sich mit der Schlußfolgerung:
„Möchtest du an Erkenntnis zunehmen und dir eine Bildung aneignen, die sogar viel wertvoller ist als eine Bildung, die du durch den Besuch einer höheren Bildungsanstalt erwerben kannst? Dann lies regelmäßig die Zeitschrift ‚Der Wachtturm' und ihre Begleitzeitschrift „Erwachet!". Oder anders ausgedrückt:
Die ZJ sind so intelligent, daß sie es nicht nötig haben, eine Hochschule oder Universität zu besuchen!

Einige Überlegungen
WELCH ein Unsinn! An welcher Hochschule wird das Lesen geprüft und gewertet, um das Diplom zu erhalten? Dies möchten die Studenten wohl beherrschen. Und was die Publikationen der WTG betrifft - sie vermitteln höchstens Allgemeinwissen, aber wohl doch kaum Fachwissen, welches systematisch aufgebaut ist. Dem Leser werden wahllos bestimmte Brocken hingeworfen, ohne jede Methodik.

Bezeichnenderweise wurde weder die Hochschule benannt, an der der Zeuge die Prüfung ablegte, noch die gewählte Studienrichtung erwähnt.
Einer seriösen Beurteilung hält dieser Artikel nicht stand!
-G.R.-

Wachtturm Nummer 19/83
NEBENARTIKEL
„Vergnügungen statt Gott - Warum?
BEHAUPTET wird, daß der Kirchenbesuch weltweit eine rückläufige Tendenz aufweist. Damit sei die Vergnügungssucht der heutigen Generation bewiesen, da sie keine Zeit für den Kirchgang - und somit für Gott - mehr habe.

Nur: Seit wann ist die WTG so um den Kirchenbesuch besorgt? Verschreit sie die Kirche nicht immer als „Hure"?
Um den Zweck der leitenden Körperschaft zu heiligen, ist ihnen jedes Mittel recht. So wird ausnahmsweise der Gottglaube mit dem für sie normalerweise „satanischen" Kirchenbesuch gleichgesetzt.

NEBENARTIKEL
„Eine vergnügungssüchtige Welt steht vor ihrem Ende"
SCHON die eine Unterüberschrift „Die Geschichte wiederholt sich heute" ist eine unvertretbare Aussage. Zu keiner Zeit hat sich die Geschichte wiederholt und sie wird es auch niemals tun.

Ebenso unhaltbar ist die Lehrmeinung, Offenbarung 16:12 mit der angeblich schwindenden Unterstützung der Religion durch das Volk in der Gegenwart, oder mit bestimmten Ereignissen in den Tagen des alten Babylon in Verbindung zu bringen.

STUDIENARTIKEL
„Die lebenden Glaubensmenschen, die niemals sterben werden"
DER Vortrag, den der Präsident am 24. Februar 1918 in Los Angeles mit dem Thema „Die Welt ist am Ende - Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben" hielt, wird auf Seite 18, Absatz 3 als „epochemachender, biblischer Vortrag" bezeichne. Wie „epochemachend" dieser Vortrag war, läßt das Buch „Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet" auf Seite 75 erkennen:

„Inmitten der Verfolgungen während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 gab es gesalbte Christen, die glaubten, der Weltkrieg werde unmittelbar zu einer Weltrevolution und zu einem Harmagedon der Anarchie führen. Zu ihrer großen Überraschung kam der Erste Weltkrieg am 11. November 1918 zu einem plötzlichen Ende, und dennoch bestand Babylon die Große immer noch, und die Schlacht von Harmagedon war nicht gekommen."

Die damaligen Bibelforscher sahen sich also in zwei Dingen betrogen:
1. Harmagedon war nicht eingetroffen.
2. Sie kamen nicht in den Himmel.
Viele wandten sich von der WTG ab.
Die 1914-Generation ist praktisch tot

Zurück zum Vortrag:
WIEVIEL dieser Urahnen, die damals Zeitgenossen dieser „Sensation." waren, leben heute noch? GEHT man von einer Weltbevölkerung um die Jahrhundertwende von ca. l Milliarde Menschen aus (vom Säugling bis zum Greis), wird auch einem Laien bald klar, daß es, nach über 80 Jahren kaum noch Millionen von Menschen gibt, die sich dieses hohen Alters erfreuen können. Immerhin lagen in der Zwischenzeit zwei Weltkriege mit mehr als 60 Millionen Tote!

Mit jedem Tag wird ihre Zahl geringer.
Schauen wir den Tatsachen ins Auge:
DIE 1914-GENERATION LEBT NICHT MEHR!
- G.R.-

BIBEL-FORSCHENUNERWÜNSCHT!
Zu einer Krise in der Führungsspitze
Unter der Überschrift „Aufstand des Gewissens in der Weltzentrale der Zeugen Jehovas" brachte das im vorausgehenden Artikel genannte Heft „Brücke zum Menschen" die Übersetzung eines umfangreichen Interviews mit zwei „Bethel-Brüdern aus Brooklyn, die die Wachtturm Organisation im Juli 1980 bzw. im März 1981 verlassen haben. Diesem Bericht und weiteren Quellen entnehmen wir folgende Informationen.

Das interne Blatt der Zeugen Jehovas „Unser Königreichsdienst" veröffentlichtem in der deutschen Ausgabe vom 8.11.1980 eine kurze Meldung, wonach „fünf Mitgliedern der Brooklyner Bethel-Familie und einigen anderen in der Stadt New York die Gemeinschaft entzogen" wurde. Gleichzeitig befaßte sich „Der Wachtturm" vom 1.11.1980 speziell mit dem Thema „Abfall vom Glauben" .

Der Vorfall war der Wachtturm-Gesellschaft zweifellos sehr unangenehm, weil er das Hauptquartier der weltweiten Organisation, das sogenannte „Bethel" in Brooklyn, betraf und weil er zugleich auf eine Oppositionsbewegung größeren Ausmaßes hindeutete, von der schon viele Gerüchte in die Versammlungen der Zeugen Jehovas gedrungen waren. Aus diesem Grund hatte sich das deutsche Zweigbüro veranlaßt gesehen, der zitierten Meldung einen beschwichtigenden Satz voranzustellen: „In diesem Zusammenhang möchten wir erwähnen, daß diese Mitteilung niemanden von der Leitenden Körperschaft betrifft." Diese „Leitende Körperschaft" (Governing Body) ist das Führungsgremium der Gesellschaft, das damals aus 17 Personen bestand.

Bald stellte sich heraus, daß eine solche Beschwichtigung im Grunde nicht berechtigt war. Die nächste Meldung brachte die in der DDR erscheinende, den Zeugen Jehovas gegenüber kritische Zeitschrift „Christliche Verantwortung" in einem „Sonderdienst Nr. 3" vom August 1981. Sie wußte zu berichten, daß anläßlich des Wachtturm-Kongresses 1980, „Göttliche Liebe", die Oppositionellen öffentlich in Erscheinung getreten waren; vor allem als der Kongreß Anfang Juli nach Long Beach in Kalifornien kam. Hier hatten sie mehrere Personen aus dem „Bethel" zu „Repräsentanten" der ehrlichen und vom Wachtturm freien Zeugen Jehovas gewählt. Zu ihrem „Präsidenten" hatten sie den damals 57jährigen Raymond V. Franz ernannt, der (bis vor kurzem) Mitglied der Leitenden Körperschaft war: ein Neffe des bekannten Chef-Ideologen und seit 1977 vierten Präsidenten der Wachtturm-Gesellschaft Frederic W. Franz.

Seit den Machtkämpfen um die Nachfolge Ch. T. Russells 1916-1918 war der Fall nicht mehr eingetreten, daß die Leitende Körperschaft zerspalten war, die nach offizieller Lehre direkt von Jehova-Gott (durch Jesus Christus) geführt und belehrt wird und daher stets zuverlässige „geistige Speise" vermittelt. Gerade dieses Dogma aber wurde nun zweifelhaft. Nicht nur, weil ein Glied dieses unfehlbaren Gremiums abtrünnig wurde. Ray Franz war Anfang 1980 veranlaßt worden, sich von seinen Verpflichtungen im Bethel entbinden zu lassen -, sondern weil die Ursache der weit um sich greifenden Opposition ganz offensichtlich Kritik an der Gültigkeit der von diesem Spitzengremium verkündeten „Wahrheit." war. Die Dissenters gehörten nämlich zu jener Gruppe im Bethel, die am biblischen Fundament der Wachtturm-Lehre arbeitete: Ray Franz hatte u.a. den kleinen Jakobus-Kommentar von 1979 erstellt; er gehörte auch dem Komitee an, welches das umfangreiche (englisch-sprachige) Bibellexikon der Zeugen Jehovas „Hilfe zum Verständnis der Bibel" erarbeitet hatte (1969/71. Einige hatten an dem wichtigsten Glaubensbuch der Zeugen Jehovas, „Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt" (1966) mitgewirkt. Wieder andere übersetzten die Neue-Welt-Bibel ins Spanische, und konnten dabei Bibel-Lehre und Wachtturm-Lehre unmittelbar vergleichen. Hinzu kam, daß das kritische Bibelstudium durch die Enttäuschungen, die mit dem Jahr 1975 zusammenhingen (s. MD 1975, S. 2 ff u. 376 ff), einen starken Antrieb erhalten hatte.

Gerade diese Bibel-Forscher also gingen nun in die Opposition. Sie ließen (offensichtlich noch 1980) einen Appell „an alle Brüder und Schwestern in den Dienstkreisen und Versammlungen" ergehen, in dem es hieß: „Überprüft alle zu Euch kommenden Lehren. Werft alles konsequent ab, was mit der Bibel nicht übereinstimmt, Lehren, die die, gesunde menschliche Vernunft verhöhnen. Nehmt nur die Lehre der Bibel (an) und bewahrt Euch vor den laufenden Harmagedon-Enttäuschungen.

Richtet Euch nur nach der Bibel, nicht nach dem Wachtturm …"
Das sind gewaltige Ketzereien, denn die Wachtturm-Organisation duldet keine Lehrabweichungen. Wer nicht linientreu ist, wird verdächtigt. Das haben die Bethel-Mitglieder in den letzten Jahren erlebt, wie die beiden Interviewten sehr anschaulich schilderten und wie auch ein Artikel im TIME-Magazin vom 22. Februar 1982 bestätigte: „Nach der Darstellung von R. Franz wird das Lesen oder Studieren der Bibel als „schlecht" betrachtet, wenn es nicht im (offiziellen) Rahmen … und anhand der Wachtturm-Anleitungen geschieht."

Franz und seine Gesinnungsgenossen aber vertraten das reformatorische „sola scriptura" - allein die Heilige Schrift. Bei den allmorgendlichen Bibelauslegungen im Bethelheim merkte man, daß jene von Ray Franz sich von denen der anderen leitenden Brüder unterschieden, erinnerten sich die beiden Ex-Zeugen beim Interview. Franz ging es vor allem um den wahren „Glaubens- und Herzensdienst Gott gegenüber und um die christliche Freiheit". Deshalb wurde er von vielen Brüdern geschätzt.

Auch wurde berichtet, daß sich in der Bethel-Zentrale, wo etwa 1700-1800 Mitarbeiter leben, viele private Bibel-Studien-Gruppen gebildet hatten, in denen am Montagabend nach dem offiziellen Wachtturm-studium die Bibel unmittelbar, ohne die obligaten WT-Schriften studiert wurde. Das mußte mehr oder minder geheim geschehen; oft wußte eine Gruppe nichts von der anderen. Anfang 1980 begann die Leitende Körperschaft dann mit heimlichen Untersuchungen. Überall spürte man Kontrolle. Ein Klima der Verdächtigung, Bespitzelung und der Angst machte sich breit, das lange Zeit vorherrschte. Die Leitung hatte offenbar den Eindruck gewonnen, mit einer „Verschwörung gegen die Organisation" konfrontiert zu sein, und sprach von einem „großen Abfall".

Am 21. Mai 1980 wurde Ray Franz einem strengen Verhör unterzogen. Hierbei wurde es offensichtlich, daß er fundamentale Lehren der Wachtturm-Gesellschaft anzweifelte, wie die spezielle „biblische Chronologie" mit dem Jahr 1914 als Termin für die Wiederaufrichtung des Königreiches Jehovas (s. MD 1976, S. 290 ff), oder das „Klassen„-System der Zeugen Jehovas (s. MD 1981, S. 15-18), demgemäß nur genau 144000 zur „himmlischen Klasse" gehören, von denen heute nur mehr wenige „Überrestglieder" auf Erden sind. Vor allem aber glaubte er nicht mehr, daß die Wachtturm-Gesellschaft bzw. deren Leitende Körperschaft der einzige „Kanal Gottes" sei, auf dem dieser seine Wahrheit und seinen Willen kundtut. - (Im vergangenen Jahr wurde Ray Franz dann auch formal aus der Organisation ausgeschlossen.

Aufs Ganze gesehen hatte die Wachtturm-Führung eine große Schlappe erlitten, und ein gewisser Argwohn ihr gegenüber wird noch lange nicht überwunden sein. Denn die Abtrünnigen gehörten offenbar zu den besten und beliebtesten Leuten, und sie brachten biblische Argumente vor, denen die Verantwortlichen nichts wirklich Stichhaltiges entgegenhalten konnten.

Diese Erfahrung hatten auch die beiden Gewährsleute aus Brooklyn gemacht, wie sie beim Interview bekannten: Zu einer wirklichen Diskussion über „biblische Fragen" sei es nie gekommen; im Zweifelsfall gibt die „Organisation" und die Treue zu ihr den Ausschlag, während Bibel, Gewissen und das persönliche Verhältnis zu Gott und Jesus Christus erst an zweiter Stelle stehen. „Nach meinem Glauben an Gott und an die Bibel fragten sie nicht", resümierte der eine von ihnen. „Für sie war nur mein Glaube an die Organisation von Interesse."
Aus dem MD 5/1983 -rei-

STAMMT DIE BIBEL WIRKLICH VON GOTT?
5. Kapitel „Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben"
Gottes Wort ist Wahrheit
ES ist wirklich wohltuend, zu lesen, wie die Wachtturm-Gesellschaft in diesem Kapitel die Echtheit und Wahrhaftigkeit der Heiligen Schrift verteidigt. In der Tat, der geistige Urheber der Bibel ist Gott selbst und sein Wort offenbart uns Menschen unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, deren Gestaltung eng mit Gott und seinem Christus verwoben ist. Wer der Bibel glaubt, erkennt den Vater und den Sohn. Er wird beiden vertrauen. Wer dagegen die Bibel als Menschenwerk ansieht, wird schwerlich den Atem des Geistes Gottes verspüren, der aus seinem Wort weht. Er wird des Heil nicht erkennen.

eine Prophezeiung
AUF den ersten Blick gesehen, scheint die Wachtturm-Gesellschaft die Botschaft der Bibel ernstzunehmen, wenn sie auf Seite 56 unten schreibt:
„Wie bereits im ersten Kapitel dieses Buches erwähnt, sagt die Bibel auch voraus, daß das gegenwärtige alte System der Dinge bald enden und durch ein gerechtes neues System ersetzt wird (Matth. 24:3-14; 2. Petr. 3:7,13). Können wir uns auf diese noch nicht .erfüllten Prophezeiungen verlassen? Würdest du, wenn dir jemand hundertmal die Wahrheit gesagt hätte, plötzlich an ihm zweifeln, wenn er dir etwas Neues erzählte? Würdest du, nachdem er dich nie belogen hat, jetzt anfangen, an ihm zu zweifeln? Wie unvernünftig! Genauso haben wir keinen Grund, an irgendeiner Verheißung Gottes zu zweifeln. Sein Wort ist vertrauenswürdig! (Titus 1:2). Wenn du weiterhin die Bibel studierst, werden die Tatsachen auch dich immer mehr davon überzeugen, daß die Bibel wirklich von Gott stammt."

WIE wahr! Auf die Aussagen der Bibel kann man sich wirklich verlassen! Beim genaueren Überlegen allerdings kommen hier einige berechtigte Fragen auf:
WIE würdet ihr, liebe Geschwister, Menschen beurteilen, die immer wieder Prophezeiungen äußern, welche angeblich schriftgemäß sind, sich dann aber nach kurzer Zeit als Falschprophezeiung und Irrtum erweisen? Tatsache ist, die Schrift lügt nicht! Wer verdreht dann die Wahrheit? Doch wohl derjenige, der im Namen Gottes Ereignisse vorhersagt, die dann nicht eintreten. Es handelt sich hier lediglich um die Falschlehren von Menschen.
(5. Mose 18:20-22).

Bibel oder „Wachtturm"?
VERGLEICHEN wir nur drei Lehren der Bibel mit dem „Wachtturm".
l. Bibel: Einheitliche Berufung zum Leibe und damit zur Gleichheit Jesu Christi (Eph. 4:3-6; Rom. 6:5; 8:29; l. Kor. 12:27).
„WT": Eine himmlische (144 000) und eine irdische Berufung (andere Schafe), also zwei Klassen.
2. Bibel: Tag und Stunde der sichtbaren Wiederkunft Christi sind unbekannt (Matth. 24:36; Apg. 1:7).
„WT'": Christi unsichtbare Wiederkunft hat 1914 stattgefunden. Vernichtung der ganzen Menschheit in Harmagedon, ausgenommen der Zeugen Jehovas.
1914, 1925, 1946, 1967 u. 1975.
3. Bibel: Die Erringung des ewigen Heils nur, durch Jesus Christus möglich (Apg. 4:10-12; Joh. 14:6; 3:16-18).
„WT": Rettung aus Harmagedon nur durch Anrufung und Rechtfertigung des Namens Jehovas möglich. Einsammlung in die irdische theokratische Organisation Jehovas als in eine „Arche", Anerkennung des „treuen und verständigen Sklaven".

DIESE drei Punkte zeigen schon deutlich, welche gravierenden Unterschiede zwischen dem Worte Gottes und der menschlichen „Wachtturm„-Lehre bestehen.
ES ist einfach unverständlich und biblisch nicht vertretbar, daß ihr, liebe Geschwister, dem WT-Sklaven und seinem „Wachtturm" mehr Glauben schenkt, als Gott und seinem Wort der Wahrheit. Wer hat euch so in die Irre geleitet und euch den Sinn dermaßen verblendet? In 2. Kor. 4;3 findet ihr die Antwort:

Es ist der Gott dieser Welt. Satan der Teufel.
Kehrt um zur Bibel und damit zu Gott und seinem Christus. Lauft nicht länger dem Vater der Lüge nach!
-MSH-

UNRUHEN UNTER JEHOVAS ZEUGEN IN DER DDR (III)
Die Wahrheit muß ans Tageslicht
IN den vorangegangenen Artikeln machten wir darauf aufmerksam, daß die schweren Auseinandersetzungen in der Weltzentrale der Zeugen Jehovas sehr viel Unruhe unter den Zeugen in aller Welt auslösten. CV hat bereits seit Dezember 1981 mehrmals bis heute Berichte darüber gebracht. Es lohnt sich also, noch einmal diese Berichte nachzulesen. Man findet sie ab CV Nr. 149.

SEIT 1982 sind auch unter Jehovas Zeugen in der DDR berechtigte Unruhen im Gange. Wie auch immer die Verantwortlichen der Zeugen auf diese Unruhen reagieren, um sie zu unterdrücken, die Welle der Empörung nimmt zu. Wenn die schweren Auseinandersetzungen in der Weltzentrale in Brooklyn jetzt bereits unübersehbare Folgen ausgelöst haben, dann ist das ein Beweis, dass Unruhen schon sehr lange im Gange waren. Ein kurzer Einblick in die viele Post, die die CV-Redaktion erhält, bestätigt das.

In den Briefen, die seit 1975 bei uns eingingen, kann man sehr gut erkennen, was sich seit 1976 unter Jehovas Zeugen in der DDR abgespielt hat und wahrscheinlich noch an Schärfe und Ausmaß zugenommen hat.

Kurznotizen am laufenden Band
Eine Mutter mit 2 Kindern schrieb uns:
„Wir haben vor 1975 alle Entbehrungen auf uns genommen und haben von der Hand bis in den Mund gelebt. Haben alle drei fest an das geglaubt, was im Wachtturm und in Erwachet geschrieben stand. Und nun kam die Enttäuschung noch dazu, wie sollte es weitergehen? Weiter so ein Hungerleben führen?"

Ein Ausschnitt aus einem weiteren Brief:
„Ich und die mir anvertrauten Schafe nahmen bis 1975 die Bibelauslegungen der Organisation sehr ernst. Wir nutzten jede Freizeit, um von Tür zu Tür zu gehen, damit alle Menschen auf das herannahende Ende aufmerksam gemacht werden. Nun tue ich nicht wieder diesen Fehler und laufe blind drauf los, jetzt wird erst geprüft und danach entschieden."

Aus einem persönlichen Brief entnommen:
„ … weißt Du, wenn ich in den Schriften jetzt lese, steigt unwillkürlich der Ärger in mir hoch, über die Anmaßung, Vorschriften zu machen und die Bibelverzerrungen. Früher hat man alles so gedankenlos akzeptiert und nachgeplappert."

Ein sehr interessanter Brief von 1981:
„… Vor ca. 10 J. hätte ich mich als verantwortlicher Diener der Zeugen Jehovas öffentlich, auf dem Markt hängen lassen. Heute, so muß ich leider bekennen, sind für mich fast alle Säulen des so stolzen und majestätischen Tempels eingestürzt."

Es geht noch weiter
DIESE wenigen Auszüge aus Briefen zeigen, wie traurig die Situation nach 1975 unter Jehovas Zeugen in der DDR aussah. Diese Beweise sind jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Weitere Briefe, die wir aus allen Teilen der DDR bekamen, sagen Ähnliches und noch Schlimmeres aus.

Nur eine Kostprobe aus Mecklenburg, diese Gegend kann man eigentlich als die Hochburg der Unruhen bezeichnen, weil von dort die meisten Briefe kommen. Wir brachten deshalb schon einige Artikel in CV über die Zustände unter den Zeugen Jehovas. Nun müssen wir in letzter Zeit wieder feststellen, daß die Anzahl der Briefe aus Mecklenburg noch mehr steigt und wir uns weiterhin ernsthaft mit den Sorgen der Briefschreiber beschäftigen müssen. Vorerst nur ein paar nachdenkliche Randnotizen zur Vorinformation:

„Wir haben es satt, dauernd an der Nase herumgeführt zu werden."
Wörtlich schreibt eine Schwester:
„… bis mir einmal die Galle überläuft, dann packe ich aber aus."
ALS wir der Sache auf den Grund gingen, erfuhren wir, was sie damit meinte.
Sie nannte in diesem Zusammenhang;
Brd. Harald, Brd. Neitzel, Brd. Alfred aus Jarmen, Brd. Adler und einen Bruder, dem man wegen Ehebruch die Gemeinschaft entzog.
SIE erwähnte noch weitere Brüder, die sie schon jahrelang gut kannte und sagte wörtlich:
„Denen müßte man die Gemeinschaft entziehen, das wollen Vorbilder sein."

AUCH aus anderen Ortschaften Mecklenburgs erreichten uns in letzter Zeit Briefe und sogar Einladungen. In den Briefen wird mehrfach die Bitte geäußert:
„Besucht uns doch, solche Schweinereien kann man nicht im Brief schreiben."
ANDERE bitten uns darum, sogar über das Wochenende bei ihnen zu bleiben, damit wir uns über alles in Ruhe unterhalten können. Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist, daß sie sogar Brüder und Schwestern aus den Nachbarversammlungen einladen wollen und uns sogar die Unkosten zurückerstatten (wollen) möchten.

Was erkennt man hieran?
ES ist schlimmer als wir ahnten. Wir erkennen weiter, daß es in Mecklenburg direkte Unruheherde gibt, die es auf eine Auseinandersetzung .mit ihren Ältesten ankommen lassen
DER letzte Brief, den wir vor wenigen Tagen erhielten, d.h. in der Zeit als wir dabei waren diesen Artikel zusammenzustellen, erreichte uns aus Ueckermünde. Der Briefschreiber besteht direkt darauf, den vollen Wortlaut zu veröffentlichen. Nun kommen wir mit unserer CV-Studiengruppe und mit unserem CV-Arbeitskreis nicht mehr zur Ruhe. Wir haben uns bereits Gedanken gemacht, wie wir weitere Mitarbeiter dazu befähigen, sich speziell um die Sorgen der Brüder und Schwestern in Mecklenburg zu bekümmern.

IN der nächsten Ausgabe beschäftigen wir uns mit den inhaltlichen Angaben Unserer Briefschreiber aus Neubrandenburg, Neustrelitz. Stavenhagen, Jarmen, Torgelow, Stralsund, Greifswald, Bergen, Saßnitz und Wismar. In weiteren Artikeln berichten wir dann aus anderen Ortschaften Mecklenburgs und Karl-Marx-Stadt.
DIESE Fülle von Briefen zeigt eindeutig, wie die Unruhen unter Jehovas Zeugen in der DDR zugenommen haben.
-CVN-

AN DIE VERSAMMLUNGEN IN DRESDEN
Sie wollten vor CV wie Mietlinge davonlaufen
Wir haben lange gezögert
mit diesem II. Teil, nachdem der erste Teil in CV 142/1981 unter dem Titel „Kein 'geistiges Paradies", sondern haltloses Menschenwerk" erschien. Des war eine Gelegenheit zur Besinnung für die Betroffenen. Doch offenbar brauchen sie weitere Anstöße. Also unterbreiten wir die Sache nun zunächst gemäß Matth. 18:17 der ganzen „Gemeinde". Eine weitere Gelegenheit zum „Hören", fahren sie doch sogar fort, „Rechtskomitee" und „Richter" über andere zu spielen. Teil III bleibt dann noch vorbehalten. Sie müssen verstehen: Sie machen eine Öffentlichkeitsarbeit unter anderen Menschen, also müssen sie mit Entgegnung rechnen. Es ist dennoch für sie nicht zu spät.

Was passiert war
Durch Lesen von CV war Br. Jürgen an der Ehrlichkeit der WTG in Zweifel geraten. Er hatte an Hand von WT-Zitaten in CV festgestellt,. daß die WT-Behauptung, politisch neutral bzw. unpolitisch zu sein, eine Lüge sein müsse. Das wäre in der Tat ungeheuerlich. Er machte daraus kein Hehl und bat drei zuständige leitende Brüder um Besuch und Aussprache. Sie sagten zu, zu kommen und CV zu widerlegen, sich als „Hirten" um ihr gefährdetes „Schaf" zu kümmern, die Br. Rolf, Hermann und Hagen. Mit CV wollten sie schon .fertig werden, kein Problem

Nun hatte Br. Jürgen aber nur die CV-Zeitschrift zur Verfügung. Wenn sie aber die Echtheit der Zitate bestreiten, was dann? Also lud er zu dieser Aussprache einen Vertreter von CV ein, Br. Dieter. Er würde die Belege mitbringen. So würde das ein echtes Prüfen werden, was richtig sei.

Der Termin wurde auf Mittwochabend, den 19. September 1979, festgesetzt. Das würde ja was werden. Eine echte Konfrontation der leitenden Brüder mit CV!

Pünktlich trafen alle ein
Die drei Brüder staunten nicht schlecht, außer Br. Jürgen und seiner Frau Christina auch einen Vertreter von CV zu sehen. Sie lächelten verständnisvoll, als Br, Jürgen ihnen die Gründe erklärte. Offensichtlich waren sie sich ihrer Sache völlig sicher. Von CV mit Handgeben begrüßt hatten sie Platz genommen.

Br. Jürgen trug dann noch einmal vor, worum es bei dieser Begegnung gehe: seine fundamentalen Zweifel an der Organisation wegen deren Politik, obwohl sie vorgibt, politisch .neutral zu sein, wie CV das so alles darlegt. Unsere drei vom WT nickten zustimmend, ja, dieser seiner Zweifel wegen seien sie gekommen. Br. Jürgen: Er wünsche nun eine Beweisführung in dieser Frage.

Die Konfrontation geht los!
Unsere drei schwiegen zunächst. Soll CV herauskommen. Nun gut. So wurde allen drei persönlich die Frage gestellt, was Neutralität sei. .um eine gemeinsame Basis für das Gespräch zu haben. Br. Hagen: Keine Antwort. Br. Hermann: Keine Antwort. Davon peinlich berührt, machte Br. Rolf einige vage Bemerkungen: Nicht in Politik einmischen und so. Keiner wollte oder konnte klar antworten. So stellte CV fest: Neutral sein heißt weder für noch gegen, nicht wahr? Alle drei stimmten zu.

CV: Nun können wir die Beweisführung antreten. Was macht die WTG in ihrer Verkündigung? Schlag auf Schlag wurde nun im Original vor ihnen auf den Tisch gelegt, was da so an antikommunistisch-staatsfeindlicher Politik in WT und Erwachet zusammengekommen war. Ist das für oder ist das gegen? Ist das Neutralität? Wie kann man da an den Haustüren lügen, die Verkündigung sei politisch neutral? Bedeutet anti nicht gegen? Gegnerische politische, antikommunistische Fratzen, Karikaturen und Schlagzeilen starrten sie aus den WT-„Predigten" an.

Br. Rolf als einziger machte einen Versuch, die Organisation zu verteidigen: So sei das nicht gemeint, das sei anders gemeint. Der Versuch brach schnell zusammen.
CV: Man kann als erwachsener Mensch einen anderen nicht als Verbrecher betiteln und dann sagen, das sei anders gemeint. Ein wenig ging es noch hin und her darüber. CV schließlich; Christen sagen klar, was sie meinen, ja ja, nein nein, jeder weitere Zusatz stammt vom Bösen (Bergpredigt Jesu).

CV: Wie ist es dann gemeint, wenn es nicht so gemeint ist, wie es da steht?
„Brüder, wir gehen",
sagte Br. Rolf auf einmal. Br. Jürgen möge sich von CV die Beweise zeigen lassen, sie ginge das nichts an. Sie hätten keine Zweifel an der Organisation. „Kommt, wir gehen." Und sie erhoben sich.

Was? Ihr wollt jetzt gehen? Dann sei Euch noch eines gesagt: Da sitzt Eure noch treue ZJ-Schwester Christina! Da ist ihr Mann an der WTG in Zweifel geraten! Sie sind Eure „Schafe", und Ihr wollt Ihre „Hirten" sein! Und hier sitzt CV, in Euren Augen der „Wolf", der hier in die „Herde" eingedrungen ist! Um die „Schafe" zu „rauben" oder zu „fressen". Dies ist also Eure Bewährungsstunde als „Hirten"! Ja, geht. nur! Geht! Haut ab! Laßt Eure „Schafe" im, Stich! Laßt sie sitzen! Überlaßt sie dem „Wolf"! Rettet Euch! Geht also! Geht! Aber dann ist eins klar: Dann seid Ihr keine „Hirten", dann seid Ihr „Mietlinge", wie Jesus gesagt hat! Wir werden dann schon allein auf die Schrift gestützt zurechtkommen.

Das hatten sie nicht erwartet. Sie sahen sich an und setzten sich wieder.
Erst um Mitternacht wurde dann das Gespräch von CV-Seite selbst beendet. Unsere drei Brüder verabschiedeten sich mit Händedruck und einer Freundlichkeit, wie sie besser nicht sein konnte. Natürlich war das Gespräch dann inhaltsschwer gewesen. Folgenschwer wird es noch.
- CVN

Zum Nachdenken
WTG; ZJ AM WOHL DER MENSCHEN INTERESSIERT
Das ist doch eine Halbwahrheit! Die WTG meint doch nur das „geistige" Wohl. Und das in einer Weise, die dem Kümmern um das soziale Wohl entgegengesetzt ist, indem das als gottfeindliche „Weltverbesserung" verteufelt wird. Aber zum Wohl der Menschen gehört doch auch das leibliche Wohl aller. Das heißt, das Kümmern um Nahrung, Kleidung, Obdach, Arbeit, Bildung und Beruf, Gesundheitswesen, Altersvorsorge, Sozialversicherung, gesetzlichen Schutz, Urlaub, Erholung und Überwindung von Not und Elend, wo dies alles noch nicht hinreichend vorhanden ist. Das aber muß der Zeuge, wie gesagt, als gottfeindliche „Weltverbesserung" bloßstellen. So hat er unmögliche Widersprüche zu predigen. Ganz abgesehen davon, daß die ZJ-Organisation alles andere als ein „geistiges Paradies" ist, in dem man sein geistiges Wohl finden könnte, wenn man die wirklichen Zustände bedenkt.

FÜR DEN ARBEITSKREIS
Liebe Mitverbundene!
UNTER der Überschrift „Für den Arbeitskreis" veröffentlichen wir für EUCH wertvolles Arbeitsmaterial. Es besteht aus Hinweisen auf Quellen, Auszüge aus Informationsblättern, Zeitschriften, Büchern und Nachschlagwerken. Wir kommen damit einem echten Anliegen nach, das an uns herangetragen wurde. Da die Anzahl unserer Mitverbundenen, besonders nach 1975, sehr schnell angestiegen ist und die Nachfrage „wie können wir mithelfen, um Jehovas Zeugen die Augen zu öffnen", immer häufiger an uns gestellt wird, beginnen wir bereits in der nächsten Ausgabe damit.

IN erster Linie werden wir Material zusammenstellen, womit man die Lehrmeinungen und die Tätigkeit der Organisation der Zeugen Jehovas untersuchen und beschreiben kann. Die Anzahl der Briefe, die uns monatlich zugeschickt werden, beweisen eindeutig, wie notwendig diese Aufklärungsarbeit ist.

Empfehlungen
FÜR EUCH, die IHR bereit seid kurze Artikel zu schreiben, empfehlen wir als Wissensspeicher erst einmal das Buch „Die Zeugen Jehovas, eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft". Dieses Buch erschien 1970, es wurde vom URANIA Verlag herausgegeben. Leider ist dieses Buch längst vergriffen. Wer jedoch in den Besitz dieses Buches kommen möchte, der schreibe bitte an:

Christliche Verantwortung
6500 Gera
Otto-Dix-Str.6
EIN weiteres, sehr wertvolles Hilfsmittel ist die Zeitschrift „Christliche Verantwortung", die monatlich erscheint; sie ist ebenfalls in Gera erhältlich.
AUSSER diesen beiden Hilfsmitteln gibt es noch eine Fülle von Material für fortgeschrittene .Schreiber, welches jedoch nur nach vorheriger Absprache mit dem Herausgeber der CV-Zeitschrift ausgeliehen wird.

IN der nächsten Ausgabe veröffentlichen wir zuerst Hinweise für Fortgeschrittene, die über das Thema „Neutralität" etwas schreiben möchten und auch bereits schon sehr viel Wissen darüber haben.
–CVN-

„Christliche Verantwortung"; Herausgeber Henry Werner; DDR 6500 Gera, Otto-Dix-Str.6
Preis: 0,20 M; Jahresabonnement: 2.- M; Versand auch kostenlos
Konto-Nr.: 4564-30-1952; Genossenschaftskasse für Handel und Gewerbe, Gera

A 544/84 V 7 1 239 Ko

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