Komentar zu den eingescannten CV-Ausgaben 

CV 17

Ein mehrteiliger Erlebnisbericht von Horst Kühn aus Zittau, jener Stadt wo auch der Stasiwasserträger und Mitglied der Gründungsversammlung der "Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in der DDR" (später in Deutschland) Hermann Laube alias "Hans Voss" wohnhaft war, beginnt in dieser CV-Ausgabe. "Wie mich die Wachtturm-Gesellschaft zugrunde richtete" titelt ihr Verfasser seine Ausführungen. Sie stellt gewissermaßen ein Korrelativ zu den Gefälligkeits- und Schönschreibern dar, die ich schon mehrmals namentlich benannt habe. Kühn betreibt auf seine Art (auch wenn ihm dies selbst so nicht bewusst gewesen sein mag) "Geschichtsschreibung von unten". Symptomatisch auch sein Ausruf:

"Ich selbst werde diese Organisation meiden wie die Pest. Die Verbrechen, die von dienenden Brüdern an meiner Person verübt worden sind, schreien zum Himmel. Wie viele Tränen habe ich schon in all den Jahren vergossen, wie viele Stunden der Enttäuschung und Verzweiflung durchlebt? Ja, wie viele Nervenzusammenbrüche habe ich schon auf Grund eures Verschuldens hinter mir? Nathan Knorr, komme her zu mir, damit ich Dir meine ganze Verachtung ins Gesicht schleudern kann. Eure Handlungen waren teuflisch."

In den nachfolgenden Fortsetzungen begründet er dieses sein Urteil dann noch im Detail.

In dieser CV-Ausgabe auch noch:

William Schnell berichtet, wie er 1937 von Rutherford in die amerikanische WTG-Hierarchie berufen wurde, wobei die Deutschland-Erfahrungen von Schnell für Rutherford motivationsfördernd waren. Dennoch verhinderte dies nicht, dass auch Schnell letztendlich zum WTG-Aussteiger wurde.

 


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Konto-Nr. 4564-49-20156 Bank für Handel und Gewerbe 65 Gera Straße des 7. Oktober

Nr. 17 Gera Juni 1968

CV - ihr Zweck

Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Ungeheurer Reichtum einer Weltorganisation

Liebe Brüder und Schwestern!

"Wir sollten, ob wir viel oder wenig haben, bereit sein, das, was wir haben, zu gebrauchen, um Gutes zu tun. Wir sollten freigebig sein, zum Teilen bereit … Schon die ersten Christen wandten ihr Geld zur Förderung des Predigtwerkes auf … wäre es nicht töricht, das Beste, was man hat, der alten Welt zu geben und die Neue-Welt-Gesellschaft nur kärglich zu unterstützen? Mit irdischen Gütern kann man viel Gutes wirken." (WT Nr. 13/63, S. 402 und 403)

Mit diesen Worten fordert der Wachtturm die Brüder und Schwestern der Organisation auf, die NWG mit Geldmitteln zu fördern. Prüfen wir aber einmal ganz oberflächlich, ob die NWG tatsächlich so arm ist, daß sie sogar die Spenden von den armen Brüdern und Schwestern benötigt, um ihr Werk fortzufahren. Wir betonen, daß unsere Berechnungen, die wir in der Folge unterbreiten werden, sehr niedrig eingesetzt sind und der Endbetrag bei genauer Berechnung viel höher liegt. Auch die Zinsen lassen wir unbeachtet.

Ch. T. Russel gründete um 1879 die damalige Volkskanzel-Vereinigung, die seit 1939 den Namen Wachtturm-Gesellschaft trägt, mit einem Kapital von 250 000 Dollar, indem er den Geschäftsanteil aus seinem väterlichen Geschäft verkaufte. Außer seinem Vermögen brachte Russel auch seine hervorragende kaufmännische Tüchtigkeit mit. Weitere Mittel kamen aus den Zahlungen der Gesellschaftsmitglieder, die für jeden 10-Dollar-Betrag ein Stimmrecht erwerben konnten. Russel selbst lebte sehr bescheiden. Er lebte wie jeder hauptamtliche Angestellte der WTG, der ein Zimmer, Verpflegung, Reisekostenersatz und ein monatliches Taschengeld von 10 Dollar (1954 14 Dollar) erhielt.

Russel selbst bezeichnete die Vereinigung: Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft" und ergänzte: Das ist der Name einer Geschäftsfirma, die sich mit der Herausgabe von wichtigen religiösen Büchern und Zeitschriften und anderen nützlichen Hilfsmitteln zum Bibelstudium befaßt. Sie verwaltet eine Kasse . . ." (Schriftstudien, Band 4, Ausgabe 1919). Er war und blieb Kaufmann. Trotz seiner persönlichen Bescheidenheit war er stets bemüht, das Kapital der Gesellschaft zu mehren.

Russel war immer darauf bedacht, wie es bei Geschäftsleuten üblich ist, die WTG in aller Welt bekannt zu machen. So entfaltete er eine große Reise- und Predigttätigkeit Er soll mehr als 1,6 Millionen Kilometer gereist sein, über 30 000 Predigten gehalten haben und Bücher mit einer Gesamtzahl von 50 000 Seiten geschrieben haben. Eine wirklich große Leistung. Sein Hauptwerk waren die siebenbändigen Schriftstudien. 1879 gründete er die Zeitschrift "Zions Watch Tower and Herald of Christs Presence", der heutige Wachtturm. Dazu kam noch das Monatsblatt, das öfter den Titel wechselte. Zuerst nannte man es "Volkskanzel" - dann "Jedermannsblatt", schließlich "Der Schriftforscher", danach "Goldenes Zeitalter", dann "Trost", heute "Erwachet". Der Strom der Traktate wuchs von Jahr zu Jahr. Das prophetische, so bedeutsam Jahr 1914 wurde weltweit propagiert und auf jede Weise forciert. 1881 schon reisten zwei Vertreter der Gesellschaft mit 165 000 Flugschriften nach England. Dort wurde dann 1914 eine "International Bible Students Association" ins Leben gerufen, welche der Gesellschaft angeschlossen wurde. In 3000 Zeitungen wurden allwöchentlich in Amerika und Europa Russels Predigten gedruckt. 1911-12 machte Russel eine Weltreise, reiste in den Vereinigten Staaten mit Sonderzügen und großem Geleit durch alle Großstädte und kam jedes Jahr auch nach Europa. Die Zahl der hauptamtlichen Prediger wurde vermehrt. Eine pausenlose Versammlungswelle überschwemmte Stadt und Land. Allein 1911 wurden 12 113 Versammlungen abgehalten. Man schuf 1912/14 mit einem Aufwand von über 300 000 Dollar = 1 200 000 Mark ein riesiges Foto-Drama der Schöpfung (Lichtbilder vom Urnebel bis zum Ende des Tausendjährigen Reiches, synchronisiert mit Musik- und Vortragsplatten) für vier zweistündige Vorführungen. Man konnte auf Grund großer Propaganda Millionen Zuschauer verbuchen.

In Pittsburgh wurde das alte Bibelhaus zu klein, um alle erhöhten Anforderungen zu begleichen. Man entschloß sich deshalb im Jahre 1909, in Brooklyn, einem sehr teuren Geschäftsviertel, zwei Gebäude für Büro, Druckerei und Unterkunft für über 30 Angestellte zu kaufen. Über den Kaufpreis und die Ausstattungskosten wurde nie etwas veröffentlicht. Daß aber hierzu große Geldmittel nötig waren, ist wohl verständlich.

Die Frage, woher kamen diese ungeheuren Geldmittel, ist berechtigt. Russel brachte ein Gründungskapital von einer Million Mark ein. Dazu kommen die 10-Dollar-Aktien, deren Höhe nie bekannt gemacht wurde. Russel starb am 31. Oktober 1916. Sein Vermögen verfiel der WTG, denn er war geschieden und kinderlos. Während seiner Predigttätigkeit hatte sich die Gesellschaft entwickelt und in vielen Versammlungen gefestigt, so daß Spenden und Literaturumsatz die Gesellschaft trugen. Unter dem Nachfolger Russels, Richter Rutherford, wuchs die Zahl der Versammlungen in aller Welt noch weiter an. Die Zeitschriften, Bücher und andere Literatur erhielten höhere Auflagen. Indem man die Propaganda noch mehr steigerte und mit Reklame nicht sparte, wurden auch die Einnahmen erheblich vermehrt. Auch unter dem jetzigen Präsidenten Knorr sind die Kostenaufwände für Propaganda geblieben, d. h. man brachte sie auf modernere Grundlagen und gab da viel Geld aus. Man baute z. B. neue moderne Druckereien, Bibelhäuser nach modernsten Gesichtspunkten, fotografierte sie und zeigte diese modernen Bauten dann in der angebotenen Literatur. Die Kongresse, welche in allen Staaten abgehalten wurden, baute man mehr aus und verband sie mit anderen Einnahmequellen, z. B. Verpflegung, was eine weitere Verdienstmöglichkeit ergab, da man die Waren zum Großhandelspreis einkaufte und für den Kleinhandelspreis verkaufte.

Überblicken wir nun mal die Quellen, die die Geldmittel bringen. Beginnen wir mit dem damaligen Foto-Drama Millionen Besucher wurden gezählt. Dabei vergaß man nie, an den Ausgängen der Versammlungssäle Kästen für freiwillige Spenden aufzustellen. Diese Spenden gingen so zahlreich ein, daß einzelne Brüder stundenlang zu zählen hatten. In allen größeren Städten der Erde wurde das Foto-Drama gezeigt. Gelder aus aller Welt flossen in die Kasse der WTG. Die Ausgabe hatte sich gelohnt, denn der erzielte Überschuß war hoch. Es war ein gutes Geschäft, andernfalls hätte man die Vorführung eingestellt. Mithin brachte das investierte Kapital guten Ertrag. Die Aktionäre mit den 10-Dollar-Aktien waren zufrieden. Obwohl wir hier keine genaue Aufrechnung erbringen können, da die WTG-Leitung sich über ihre Einnahmen ausschweigt, so ist es doch möglich, anhand ihrer eigenen Zahlenangaben (Absatz von Literatur, Verkündigerstärke) den jährlichen Gewinn zu überschlagen. Das Vorstehende sollte dabei zeigen, daß die WTG von Anfang an über sehr große Kapitalien verfügte.

Die Verkündigerzahl der WTG wuchs von 1917 mit 21 000 Verkündigern auf rund eine Million bis l966. Laut Jahrbuch 1967 wurden 1966 118 770 627 Wachttürme gedruckt und 111 404 696 Erwachet. Das sind zusammen 230 175 323 Zeitschriften. Rechnen wir für jede dieser Zeitschriften einen Verdienst von 10-Pf. pro Stück, so ergibt dies eine Summe von 23 017 532,30 Mark, die allein diese beiden Zeitschriften einbringen. An Büchern mit dem Titel "Dinge in denen es unmöglich ist, daß Gott lügt", wurden 5 382 371 Stück verkauft. Rechnen wir für jedes Stück einen Reinverdienst von 50 Pfennig, erhalten wir die Summe von 2 691 185,50 Mark. Es ist aber nicht nur dieses Buch verkauft worden, sondern mindestens noch zwei Auflagen mehr, wie "Babylon, die Große" und das "Jahrbuch 1967". Somit können wir die Summe des Gewinnes noch verdreifachen, was einen Ertrag aus den Büchern in Höhe von 8 073 556,50 M einbringt. Das ergibt allein aus der Literatur insgesamt einen Verdienst von 31 091 088,80 Mark. Sonstige Literatur, wie Broschüren usw. ist nicht mitgerechnet.

Eine weitere große Einnahme ohne Unkosten bringt die "Gute Hoffnung". Es sind laut Jahrbuch 1967 im Jahre 1966 1 058 675 Verkündiger gewesen. Versammlungen gab es 24 910 auf der ganzen Erde von Jehovas Zeugen. Rechnen wir pro Versammlung "n u r" 100 Mark "Gute Hoffnung", so ergibt das eine Einnahme im Jahr von 29 892 000 Mark. Rechnen wir dazu noch die Einzelverpflichtungen, welche mit 10 000 Spendern im Jahr mit 100 Mark nicht zu hoch gegriffen sein dürften, erhalten wir daraus eine Summe von 1 000 000 Mark. Ergibt insgesamt eine Einnahme aus Gute-Hoffnung-Geldern von 30 892 000 Mark.

Dazu kommen noch die Einnahmen in Form freiwilliger Spenden aus den Bezirksversammlungen der ganzen Erde. Aus einzelnen solcher Bezirksversammlungen wird uns berichtet, daß man das gespendete Geld mit Waschkörben wegtragen mußte. Wir alle wissen, daß hier viele Gelder eingehen. Nach Abzug aller Unkosten dürften davon 1 000 000 Mark in die Kasse der WTG gehen. Dann die Kreisversammlungen. Allein in Westdeutschland rechnet man mit einer Einnahme pro Kreisversammlung von mindestens 500 Mark, das sind bei 100 Kreisversammlungen in WD allein schon 50 000 Mark Reinverdienst. Angerechnet auf alle Kreisversammlungen der Erde, dürften 500 000 Mark sehr niedrig gegriffen sein. Ergibt aus Bezirks- und Kreisversammlungen eine Gewinnsumme von 1 500 000 M.

Nun noch eine großere Einnahmequelle. Das sind die Weltkongresse von Tagen. Hier kommen so viele Gelder ein, die alle bisher aufgezählten übertreffen. Täglich werden die Gelder aus den Spendenkästen mit Körben weggetragen zum Zählen an dazu besonders ausgewählte Brüder, welche auch verpflichtet sind, über die Gesamtsumme zu schweigen. Hinzu kommt noch der Verkauf von Eßwaren und Getränken in eigener Regie. Die Arbeits- und Verkaufskräfte dazu kosten fast nichts. Mithin bringt dies einen großen Verdienst für die Leitung, welche zu Großhandelspreisen einkauft. Es dürften für diese Weltkongresse 5 000 000 Mark Reingewinn nicht zu hoch gegriffen sein. Ein Überblick zeigt, daß die WTG-Leitung eine Geschäftsfirma ist, wie es Russel bei der Gründung sagte.

Zählen wir zusammen:

31 091 088,80 Mark aus Literatur-Einnahmen

30 892 000,00 Mark Einnahmen aus Guter Hoffnung

1 500 000,00 Mark Einnahmen aus Bezirks- und Kreisversammlungen

5 000 000,00 Mark aus Weltkongressen ergibt:

68 483 088,80

Mark Reingewinn im Jahr.

Unbeachtet blieben die rund 900 000 000 Kleinschriften (Broschüren) und die Zinsen des angelegten Kapitals auf Banken und sonstigen Besitztümern der WTG. Unsere Rechnung ist nach Mark aufgestellt, vergessen wir deshalb nicht, zu beachten, daß es Gelder aller Währungen sind, die in die Kasse der WTG fließen. Da wir im allgemeinen unsere Summen sehr gering einsetzten, dürfte ein Gesamtreingewinn von 100 000 000 M. nicht zuviel sein.

Sind die Ausgaben für den "weltweiten Predigtfeldzug" ebenso hoch?

Seit langem wird von Brüdern die Frage erhoben, über wieviele Geldmittel die WTG verfügt. Die Leitung schweigt dazu. Aus verständlichen Gründen ist es der Gesellschaft unmöglich, ihr Millionenvermögen der Öffentlichkeit preiszugeben Die WTG hat allen Grund, sich in der Wachtturm-Literatur jeder Rechenschaftslegung zu enthalten, sonst würden wohl allen Zeugen Jehovas die Augen aufgehen, was sich hinter diesem "göttlichen Verbindungskanal" verbirgt.

Damit die Brüder nicht etwa Verdacht schöpfen, daß die Leitung hinsichtlich ihrer Einnahmen Unredlichkeiten begeht, bringt man hin und wieder in größeren Abständen kurze Angaben über verausgabte Summen. Man will damit den Anschein erwecken, daß die eingegangenen Gelder richtig verwaltet und angelegt werden. Einen dieser seltenen kurzen Berichte enthält der WT Nr. 13/63, Seite 414, unter der Artikelüberschrift: "Der Segen eines freudiges Gebers". Wir werden im folgenden CV darüber berichten "Wie verfügt die Watch Tower Society über diese Beträge".

Der Wachtturm ermahnt andere mit den Worten Jesu: "Hört auf, euch Schätze auf der Erde anzuhäufen, wo Motten und Rost sie verzehren und wo Diebe einbrechen und stehlen." Warum hört die WTG-Leitung nicht selbst auf, sich im Übermaß Schätze zu sammeln? Glaubt sie im Ernst, daß ihr Reichtum den Krieg von Harmagedon überdauert? Es lohnt sich, darüber nachzudenken!

In christlicher Verbundenheit

Willy Müller,

65 Gera, Lutherstraße 16

Das wahre Gesicht der Wachtturm-Gesellschaft

Es ist immer wieder erforderlich, eine Organisation wie die Wachtturm-Gesellschaft, die Monat für Monat laut und vernehmlich ihre Vorzüge anpreist, näher in Augenschein zu nehmen, schon deshalb, weil dieses Gebaren mit den Christen des 1. Jahrhunderts, denen sie sich gleichstellen möchten, so wenig Ähnlichkeit hat. Diese hatten nicht nötig, so viel von sich reden zu machen, weil allein schon ihre ungewöhnlichen Werke und ihr beispielhaftes Handeln sie als Diener Gottes kennzeichnete. Wie aber sieht es in der WTG aus? Finden wir den Frieden, die Einheit innerhalb der Wachtturm-Organisation, welche die ersten Christen auszeichnete? Nun, einzelne mögen sich in lobenswerter Weise befleißigen, nach den christlichen Geboten zu leben, jedoch die als Vorbilder vorangehen sollten, die Aufseher der Herde, ermangeln in der Mehrheit dieser Vorzüge. Ja, ständig mehren sich die Vorkommnisse, bei denen führende Brüder verantwortungslos an ihren Mitbrüdern handeln. Sobald es jemand wagt, gegen das unbiblische Verhalten der Wachtturm-Diener Einspruch zu erheben und die Mißstände innerhalb der Organisation offen zu kritisieren, wird gegen ihn der Kampf aufgenommen. Welche Erfahrungen in dieser Hinsicht ein ehemaliger Zeuge Jehovas machen mußte, ist erschütternd. In welchem krassen Gegensatz die Tatsachen in Wirklichkeit zu der weltweit proklamierten und vielgerühmten Friedfertigkeit und Harmonie stehen, wird uns nachstehender Bericht verständlich machen.

Wie mich die Wachtturm-Gesellschaft zugrunde richtete

Im Januar 1949 kam ich mit der Wachtturm-Gesellschaft in Berührung. Diese Organisation behauptet von sich, sie allein lehre die Bibel in ihrer Gesamtheit. Andere Religionsgemeinschaften lehren nur einen Teil aus der Bibel und zum Teil alte Überlieferungen. Die WTG behauptet, sie allein lebe nach den Grundsätzen der Bibel und fordert alle Menschen auf, nach diesen Grundsätzen zu leben.

Die Bibel hat ausgezeichnete Lebensregeln für den Menschen. Das Paradies wäre auf Erden, würde die Menschheit nach diesen biblischen Regeln leben. So müßte nach den Angaben der WTG in ihrer Organisation, abgesehen von einigen Ausnahmen, die es ja überall gibt, ein Idealzustand im Zusammenleben von zu Mensch zu Mensch sein. Ist dem nun tatsächlich so?

Nein! Die WTG predigt wohl diese edlen Grundsätze der Bibel, besonders die Liebe. Liebe ist aber in ihren Reihen kaum zu finden. Viele fressen sich untereinander durch Verleumdungen übelster Art auf. In meinem Leben habe ich schon so manche Vereinigung kennengelernt, aber was die WTG-Führung anbetrifft, habe ich nirgends soviel Unflat, Schmutz, Terror, Lüge, Verleumdung, Dummheit und fortwährende Verbrechen in ihren Reihen gefunden wie hier. Es ist in der Tat nach meinen Erfahrungen einmalig. Sofort als ich die ersten Schritte in dieser Organisation getan hatte, erlebte ich Terror und abermals Terror psychologischer Art. Ich dachte, dies seien Einzelerscheinungen, die Gesamtheit wäre nicht so. Dies war aber ein Fehlschluß meinerseits. Dieser Terror hielt jahrelang an, besonders an mir. Ich glaubte noch immer es seien Übergriffe einzelner. Jedoch heute weiß ich, daß dieser Terror in der Organisation zur Organisation gehört. Schuld an diesen Zuständen hat nicht die Bibel. Schuld an dieser Lieblosigkeit, Schuld an diesen chaotischen Zuständen hat der Leiter, der Präsident der WTG mit seiner höheren Dienerschaft.

Der Kopf dieser Organisation ist verderbt, lieblos, arrogant Die höhere Dienerschaft dieser WTG ist davon angesteckt und kaum noch heilbar. Die Literatur der Gesellschaft berichtet von Frieden in ihren Reihen. Leider gibt es aber nur sehr wenig Ausnahmen von Unfrieden. Nathan Knorr, Du bist falsch unterrichtet, umgekehrt ist die Regel, Unfriede ist der Hauptbestandteil in der Organisation. Frieden findest Du ganz selten in den örtlichen Versammlungen Worin liegt die Ursache an diesen schmutzigen Zuständen Wie gesagt, an dem Präsidenten und seiner hörigen Dienerschaft.

Bevor ich weiterschreibe, möchte ich hier einiges einfügen. Öfters hatte ich schon versucht, an Dich zu schreiben. Leider verfalle ich immer wieder in denselben Zustand. die Erregung wird bei den Erinnerungen so groß und mächtig, daß der ganze Körper anfängt zu zittern, deshalb die undeutliche Schrift. Nervlich habe ich so furchtbar gelitten, daß das ganze Nervensystem so empfindlich ist, daß schon bei Erinnerungen an diese Zeugenzeit alles in mir in Aufregung gerät.

Die Last war zu groß für mich, ich vermochte sie nicht zu tragen, ohne gesundheitliche Schäden zu erleiden, Du brauchst aber keine Angst zu haben, ich bin trotz allem ganz normal, alles, was ich schreibe, ist die Wahrheit. Ich bürge mit meiner Unterschrift dafür und voller Adresse. Es ist bei weitem nicht alles angeführt, was ich in meiner Zeugenzeit erlebte. Das Erlebte und Durchlebte ist viel, viel größer als das, was ich hier anführen kann. Wenn Du kannst, sende diesen Bericht auch an Präsident Knorr, er soll und muß es wissen, denn er trägt die Verantwortung für das Geschehene. Mitschuldig ist seine ganze Dienerschaft. Alle müßten, wenn sie diesen Bericht gelesen haben, von sich aus ihre Ämter niederlegen.

Diener Gottes handeln anders, Herr Knorr, nicht so wie in meinem Falle, welcher aber kein Einzelfall ist. Diener und Aufseher handeln nach der Bibel und werden nach den Grundlagen der Bibel zu einem Diener Gottes. Nicht Deine Ernennung macht einen Bruder zum Diener Gottes, auch nicht, wenn Du ihm den biblischen Anstrich zu einem Diener oder Aufseher gibst. Auch nicht ein Gebet macht einen Bruder zum Diener Gottes. Ist dieser auserwählte Bruder innerlich voller Schmutz, so bewirkt Dein Gebet keine Wunder. Ja, auch der Spiritismus ist ein Bestandteil der WTG. Die Bibel stellt ganz bestimmte, Anforderungen an einen Diener. Nie, aber auch nie, habe ich beobachtet, daß auf diese biblische Anforderung geachtet wird. Ist hier und da ein wahrhafter Diener zu finden, dann hat man ungewollt einen glücklichen Griff getan. Bei der Auswahl und Ernennung der Aufseher handelt man stets gegen die Bibel. So können auch von den Dienern nur Handlungen gegen die Bibel herauskommen, und die persönliche Gewalt- und Willkürherrschaft ist fertig. Die Literatur der Zeugen-Jehovas brachte und behandelt des öfteren die Anforderungen, die an einen Diener gestellt werden müssen, wohlgemerkt schon bei der Auswahl. Diese Fähigkeiten muß der Bruder schon vor der Ernennung aufweisen können Der Präsident der WTG spricht und schreibt wohl viel davon, selbst handelt er aber nicht danach. Wie sollen sich da die Zustände in den Versammlungen der einzelnen Länder ändern, wenn man Grundregeln unbeachtet läßt? Ein Unfähiger ernennt den anderen Unfähigen. So geht es nicht, Herr Knorr!

Herr Knorr, Du bist verantwortlich für allen Unfrieden, für allen Terror, Willkürherrschaft, für alle Verbrechen, für alle Tränen, für alle Verzweiflung, verantwortlich für alle unschuldig Ausgeschlossenen. So manch ein gläubiger und fähiger Bruder vermag nicht mehr in die Organisation zurückzukehren, weil es aus Gewissensgründen gar nicht geht. Du hast viel Leid und Last auf Deine Brüder gelegt. Denke einmal gut darüber nach: "Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Totschläger, und ihr wißt, daß kein Totschläger ewiges Leben bleibend in sich hat." 1. Job. 3:15. (NW. Ü).) Wenn Du nicht vermagst in Tat und Wahrheit zu lieben, 1. Joh. 3:18, sondern nur mit der Zunge, dann tritt als Präsident zurück und überlasse das Dienstamt einem würdigeren Bruder. Einem Bruder, der die WTG wieder in den Zustand des Urchristentums zurückführt. Einem Bruder, der nicht nur die Bibel predigt, soweit sie seinen Interessen entspricht, sondern der nach biblischen brüderlichen Grundsätzen lebt und handelt. Für Dich und Deine Dienerschaft ist Matthäus 23 geschrieben. Zeige nicht immer mit dem Finger auf andere Glaubcnsgemeinschaften, schaue erst einmal selbst in den Spiegel, ehe Du ihn anderen vorhältst. Nathan Knorr, Du kannst diese Anklage mit einer Handbewegung beiseite schieben, dennoch bleibt die Schuld auf Dir sitzen. Du kennst doch die Bibel? Nun, dann studiere mal alle Anklagen der Propheten gegen die damalige Priesterklasse, deren Rolle Du übernommen hast.

Brüder, Euch gebe ich den Rat, die Ihr Nathan Knorr zum Präsidenten gewählt habt, setzt ihn ab. Ihr macht Euch mitschuldig. Das Blut aller Unschuldigen wird eines Tages auf Euer Haupt kommen. Jehova wird Euch für jeden Bruder, den Ihr hinausgetrieben habt, zur Verantwortung ziehen. Ihr wißt es: Ein Mörder verdient die Todesstrafe!

Ich selbst werde diese Organisation meiden wie die Pest. Die Verbrechen, die von dienenden Brüdern an meiner Person verübt worden sind, schreien zum Himmel. Wie viele Tränen habe ich schon in all den Jahren vergossen, wie viele Stunden der Enttäuschung und Verzweiflung durchlebt? Ja, wie viele Nervenzusammenbrüche habe ich schon auf Grund eures Verschuldens hinter mir? Nathan Knorr, komme her zu mir, damit ich Dir meine ganze Verachtung ins Gesicht schleudern kann. Eure Handlungen waren teuflisch.

Halten wir gleich mal einen kleinen Rückblick über den Zweigdiener in Deutschland nach 1945, Erich Frost. Ich setze voraus, Herr Knorr, das Du die Veröffentlichungen in CV über Erich Frost kennst und auch die Veröffentlichungen des "Spiegel" über Erich Frost. Ich möchte dazu noch einiges ergänzen, was noch nicht veröffentlicht ist. In der Haftanstalt Bautzen lernte ich einen Bruder kennen, er hieß Hubert Nobis, er war nach 1945 als Sonderpionier in der Gegend von Meiningen-Suhl eingesetzt. Von ihm erfuhr ich sehr viel über E. Frost, denn er war mit ihm im KZ Sachsenhausen. Hubert sagte wörtlich: "Alle wunderten sich, wie Erich Frost nur zum Landesdiener ernannt werden konnte, denn nach den Satzungen wäre das unmöglich gewesen!" Der Auffassung waren Brüder, welche mit Frost zusammen im KZ waren. Erich Frost hat noch ein viel größeres Sündenregister, was an unbrüderlichem Verhalten nichts zu wünschen übrig läßt. Frost hatte im KZ durch seine guten Beziehungen zur SS-Aufsicht, immer sehr viel zu essen, daß sogar das Brot in seinem Schrank verschimmelte, wohingegen andere Brüder dort verhungerten Frost wohnte nicht in den Baracken unter den anderen Brüdern, er wohnte im Hause der Wache, weit er dort bei allen Gelegenheiten für die SS-Wache Musik spielen musste, als ehemaliger Musiker. Von einem Bruder, welcher auf Grund seines Berufes überall Zutritt hatte, wurde Frost auf sein unbrüderliches Verhalten hingewiesen. Der Bruder bat um Brot von seinem Überfluß, da andere Brüder hungerten Frost antwortete: "Wenn ich dir von dem Brot geben würde, würde es womöglich mein Leben kosten, und ich bin nicht gewillt, für meine Gutmütigkeit zu büßen!" Die anderen konnten also verhungern, nur er hatte als großer Bruder ein Recht zu leben. Frost kannte die Leiden der Brüder ja nur vom Hörensagen, selbst hat er sie nicht miterlebt. Dies war Dein höchster Diener in Deutschland, Herr Knorr, den Du eingesetzt hast, weil er Dir willig war.

Dir ist auch nicht unbekannt die Akte Erich Frost, Geheime Staatspolizei II B 2, Nr. 292, welche seine Verrätereien an Brüdern beweist. Trotzdem hast Du ihn nicht ausgeschlossen. So verfährst Du und Deine Dienerschaft mit großen Brüdern, der kleine Bruder aber, der viel gelitten und treu blieb, wird erbarmungslos als Verräter oder Hetzer ausgeschlossen, weil er die Lehren und die Machenschaften der Wachtturm-Gesellschaft kritisiert. Wie willst Du das verantworten, Herr Knorr?

An die Stelle von Frost sind hier in Deutschland andere unwürdige und unmögliche Brüder getreten. Ich verweise auf die Akte von Franke, welcher heute an die Stelle von Frost gesetzt ist. Ist Dir die Akte von Konrad Franke, Sicherheitsdienst RFSS, Oberabschnitt Süd-West, vom 12. 11. 36, II 1133 S. A. 202 usw. bekannt? CV berichtete darüber. Auch Franke ist von Dir eingesetzt, Herr Knorr. Hast Du alles genau nach Deinen Richtlinien und der Bibel überprüft? Sag einmal, Herr Knorr, welche Organisation auf der Welt ernennt Säuglinge in ein verantwortungsvolles Dienstamt? Ich kenne keine, nur die WTG tut dies. Ihr handelt fortwährend bei Ernennung von Brüdern in ein Dienstamt gegen die Worte im 1. Tim. 3:8-10. Ihr habt diese biblischen Richtlinien außer Kraft gesetzt! Was sagt Hebräer 5:11-14, Herr Knorr? Ihr selbst seid Unmündige, darum ernennt ihr Brüder zu Aufsehern, die das primitivste Wissen über die Bibel haben. 1. Tim. 3:1-12 solltest Du als Maßstab bei Deinen Ernennungen anlegen. Bedenke: "Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Tadeln, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit damit der Mensch vollständig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk." 2. Tim. 3:16,17.

Ist es nicht schon genug Herr Knorr, daß im dunklen Mittelalter die Scheiterhaufen loderten! Menschen wurden hier verbrannt, Nathan Knorr, die die Bibel in ihrer Reinheit lehrten. Diese mittelalterlichen Zustände sind heute Bestandteil der WTG geworden. Wer nicht alle die Irrlehren des WT und ihrer Diener annimmt, wird als Ketzer hinausgetan, man wurde sie verbrennen, wenn es dazu Möglichkeiten gäbe, genau wie damals. So liegen die Dinge, Herr Knorr!

Die Aufseher sollen doch dafür sorgen, daß Frieden in den Versammlungen ist. Tun Deine ernannten Diener dies? Was meinst Du, was sie tun? Deine Diener gehen mit Lügen um. Sie verbreiten Verleumdungen und üble Nachrede usw. Sie gehen sogar so weit, daß sie das Privatleben der Brüder in den Versammlungen festlegen, jedes Mittel ist da recht. Ich könnte Bücher schreiben über diese unmöglichen Geschichten, so groß ist ihre Vermessenheit. Ich an Deiner Stelle, Herr Knorr, würde mich schämen, solch einer "christlichen Organisation" als Präsident vorzustehen Was nützt es, wenn der WT solche Dinge des öfteren behandelt, Ihr aber immer wieder Brüder als Diener ernennt, die den biblischen Anforderungen nicht entsprechen? Wann endlich werdet Ihr Diener und Aufseher nach biblischem Muster ernennen? Wie oft habe ich diese Forderung schon erhoben - Terror ist die Antwort Kannst Du das als höchster Diener der WTG verantworten? Es kann aber ja nicht anders sein, denn wenn die Leitung oben nicht gut ist, wie könnte es da in den Versammlungen gut sein. Ein Sprichwort sagt: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!"

Herr Präsident Knorr, möchte Dich das Vorstehende zum Nachdenken anregen und in Dir den Entschluß reifen lassen, von diesem Amt zurückzutreten, da die Erfahrung lehrt, daß Du Dich nicht durchsetzen kannst oder willst. Ich habe Dir noch nicht alles unterbreitet, was mein Herz bedrückt, ich werde meine Erfahrungen Dir weiterhin durch CV übermitteln, damit Du weißt, wie die Wirklichkeit aussieht. Dein Brief an die höheren Diener, der in CV 13 veröffentlicht wurde, zeigt, daß Du einige Mißstände kennst, aber bei weitem nicht alles. Bereinigen lassen sich diese Mißstände nur mit einer neuen Dienerschaft von oben bis unten. Möchten dies auch die Brüder überdenken.

(Fortsetzung folgt).

Horst Kühn, 88 Zittau,

Geschwister-Scholl-Straße 34

Kommentar zu einigen Äußerungen des Zweigdieners der Wachtturm-Gesellschaft, Konrad Franke, Wiesbaden
Von Manfred Gebhard, Berlin
Im August 1966 wurden in Essen und Nürnberg Bezirks sversammlungen abgehalten. Wir sind im Besitz einer Tonbandaufzeichnung der Nürnberger Bezirksversammlung Ausführungen des Zweigdieners K. Franke. Es waren die Bezirksversammlungen, die international das Jahr 1975 als neues Endzeitdatum proklamierten. Wir möchten einiges aus der Schlußansprache von Zweigdiener Franke zitieren.

"Jeder Kongreß hat, wenn wir einmal zurückblicken, sofern wir schon länger in der Wahrheit sind, sein besonderes Gepräge. Dieses Jahr, müssen wir eigentlich sagen, tragen die Bezirksversammlungen einen besonderen Stempel Der Stempel ist, daß die Organisation um viele besorgt ist. Ja, die Gesellschaft ist sehr um Gottes Volk besorgt. Besonders die leitende Körperschaft wünscht, daß ein jeder, der freigemacht worden ist, sich als Sohn Gottes weiterhin der Freiheit erfreut. Wenn wir diesbezüglich an die Probleme denken und an die Angriffe, die von einer bestimmten Seite gestartet werden, und von demjenigen, der ein Gegner aller Freiheit ist, von dem wir dieser Tage schon hörten, daß er lieber die Erde in ein Zwangsarbeitslager verwandeln möchte, dann verstehen wir, daß wir auch gegen diese Angriffe auf unsere Freiheit, die wir gewonnen haben, gut gewappnet sein müssen. So ist es besonders der Sklave, der um seine Brüder besorgt ist, besonders um diejenigen, die vielleicht noch jung in der Wahrheit sind, und auch solche, die aus irgendeinem Grunde in der Kraft nachgelassen haben und vielleicht sogar etwas müde geworden sind.

In der Tat, wir sind heute in eine große Gefahrenzone geraten. Denn, wenn jemand einige Jahre mitgemacht hat, könnte es sein, daß er in seiner Freudigkeit, seiner Einsatzbereitschaft, etwas nachlassen könnte. Denken wir einmal an unseren Bericht, den vom April dieses Jahres, dieser Monat, in dem wir allgemein immer Höchstzahlen erreichten, mit dem im vorigen Jahr verglichen, dann finden wir, daß dieses Jahr 100 Verkündiger weniger tätig waren als voriges Jahr zur gleichen Zeit."

Die Organisation ist um viele besorgt wegen der Angriffe, die von einer gewissen Seite gestartet werden, und man ist heute in eine große Gefahrenzone geraten.

Wer ist diese gewisse Seite, die Angriffe gegen die Organisation, d. h. gegen die Wachtturm-Gesellschaft startet? Zweigdiener Franke vergaß es zu erwähnen. Er sagte das wohlweislich nicht, um zu verhindern, daß noch mehr ihr Ohr dieser Seite öffnen. Er möchte diese Seite nicht noch selbst publik machen.

Es sind die Zeugen Jehovas, die hinter die Kulissen geschaut haben, und es werden immer mehr Menschen zu der Erkenntnis kommen, etwas gegen die WTG wegen ihrer Irreführung zu tun, damit nicht noch mehr Menschen das Leben ruiniert wird. Ich hatte in meinem Bericht in Christlicher Verantwortung Nr. 13 u. a. geschildert, wie in meiner ehemaligen Versammlung den Brüdern die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten durch die Organisation zerstört wurden.

Die bestimmte Seite, die Zweigdiener Franke in seiner Schlußansprache so beschwört, nimmt immer mehr zu. Aus der Spaltung der Organisation von 1916/17 nach Russels Tod entstanden die Freien Bibelforscher. Sie werden jetzt in Westdeutschland immer aktiver, weil sie u. a. auch Zuwachs der jungen Zeugen-Generation erhalten. 1959 veröffentlichte Bruder William j. Schnell, ehemals Mitarbeiter des Zweigbüros Magdeburg und später Brooklyn, ein Buch "Falsche Zeugen stehen wider mich - Dreißig Jahre ein Sklave des Wachtturms". 1960 wurde im Verlage für politische Literatur in Moskau von E. Bartoschewitsch das Buch veröffenttlicht "Unter dem Namen des Gottes Jehova". Der ehemalige Versammlungsdiener H. J. Twisselmann veröffentlichte 1961 in Westdeutschland ein Buch "Vom Zeugen Jehovas zum Zeugen Jesu Christi". Der ehemalige Wachtturm-Missionar Günter Pape veröffentlichte 1961 in der DDR und in Westdeutschland das Buch "Ich war Zeuge Jehovas". Die ehemalige Pionierschwester Josy Doyon veröffentlichte 1967 von der Schweiz aus das Buch "Hirten ohne Erbarmen". Die weiteren Publikationen über die Wachtturm-Gesellschaft sind noch nicht abzusehen. Durch diese Veröffentlichungen wird bewiesen: Die Wachtturm-Religion ist mit der Bibel widerlegbar! Die Wachtturm-Religion ist unbarmherzig und unmenschlich! Die Hintergründe der Wachtturm-Religion sind eine verderbte Strategie Die Wachtturm-Führer werden nicht von Gott geleitet! Die Wachtturm-Führer sind vor Gott und Menschen schuldig Nicht zuletzt aber hatte Zweigdiener Franke auch CV im Sinn, eine Schrift ehemaliger Zeugen Jehovas über die Wachtturm-Gesellschaft, die ihren Weg schon bis in die USA und andere Länder gefunden hat.

Deshalb sind die Worte des Zweigdieners, der für die WTG sprach, daß sie heute in eine große Gefahrenzone geraten ist, durchaus verständlich. Niemals wird aber die Leitung der WTG zugeben, daß sie selbst es war, die diese Gefahren verursacht hat. Um diese Gefahren abzuwenden, sucht die WTG-Führung ständig nach dienlichen Methoden. Die Hauptmethode ist in Ermangelung überzeugender Argumente die Geißel der Furcht vor einer Vernichtung. Franke entwickelte dazu:

"Unsere Errettung ist noch nicht vollständig, sie ist noch nicht sicher. Es sei denn, wir harren aus, oder wir werden ausgeharrt haben bis zum Ende, dann wird unsere Errettung verbürgt sein. Uns wurde gezeigt, welche Gefahren hier bestehen. Negatives Denken kann uns sehr negativ beeinflussen. Woher kann so etwas kommen? Nun, wenn man keine richtige Freude mehr am Ausharren hat, wenn dieses! Er muß ausharren! Das ist das weltliche Ausharren, es bleibt ihm keine andere Wahl. Er könnte höchstens in das Wasser springen und Selbstmord begehen. So sollten wir aber nicht ausharren!"

Eine kluge Taktik, aber ein schlechtes Argument Bruder Franke! Worin unterscheidet sich jenes weltliche Ausharren von dem Ausharren, was die WTG verlangt? Ist für sie die Welt nicht ein sinkendes Schiff? Ist die Wachtturm-Gesellschaft nicht immer als das Rettungsboot, die Rettungsarche hingestellt worden, der einzige Ort, wo Sicherheit ist? Haben die Zeugen Jehovas etwa eine andere Wahl, oder gestattet die Leitung der WTG eine andere Wahl? Ist nicht der Sprung aus dem Wachtturm-Boot auch Selbstmord, wie es der Wachtturm oft berichtet? Es ist in Wirklichkeit das gleiche Ausharren, nur sollen die Zeugen Jehovas dabei freudig sein. Es ist ganz gleich, wohin das Boot treibt und wenn es Tage, Wochen oder Jahre dauert: Der Schrecken vor der Welt soll alle im Boot festhalten. Ausstieg bedeutet Vernichtung. Aus welchem anderen Grunde sonst gebrauchst du den Rettungsvergleich, Bruder Franke? Die Tatsachen zeigen jedoch, daß keiner, der aus ehrlichen Beweggründen aus dem Wachtturm-Boot gesprungen ist, einen geistigen Tod gefunden hat. Unterhalte Dich nur offen mit ihnen! Du wirst hören, daß sie froh und glücklich sind, endlich die Freiheit gefunden zu haben! Sie werden Dir ihre Gründe vortragen und Beweise anführen!

Versuchen wir die dargelegten Gründe von Zweigdiener Franke zu verstehen, denn er spricht ja für die Leitung der WTG. Die Wachtturm-Gesellschaft muß alles tun, ihr Rettungsboot 1975 nicht zerschellen zu lassen. Es muß sicher auch die 1975-Klippe passieren, so wie es 1914, 1925, 1945 usw. gelang. Mit anderen Worten, man legt vorsichtig das zweite Eisen in's Feuer. Das erste Eisen, 1975, ist für die Älteren in der Organisation besonders herausgegeben, damit sie noch einmal alles aus sich herausholen für die Wachtturm-Gesellschaft, in dem Glauben, es sei nun wirklich der Endspurt. Das zweite Eisen ist, vorsichtig ein weiteres Datum hochzuspielen, das Jahr l996. Man versäumte es zum Beispiel nicht, in der Wachtturm-Sonderausgabe Nr. 8/67, Seite 240, Abschn. 25, wo das Endzeitdatum 1975 angegeben ist, zu erwähnen, daß gemäß der katholischen Zeitberechnung von James Ussher die Zeitberechnungen aber erst 1996 enden!

Vizepräsident Fred Franz formulierte deshalb die 1975-Hypothese (Vermutung) mit den Worten: "Es könnte sein aber wir sagen es nicht!" (WT. 1. 1. 1967). Mithin ist sich die Leitung der WTG im Klaren darüber, daß 1975 eine Vermutung oder auch Spekulation ist.

Weitere Kommentare zu anderen Äußerungen des Zweigdieners Konrad Franke folgen. -

Ich war Zeuge Jehovas

Ein Buch, dessen Lektüre die WTG mit allen Mitteln der Verleumdung und Diffamierung unterdrückt. Hast du es schon gelesen?

Es ist die Art und Weise der WTG, Bücher einfach totzuschweigen, wenn sie nicht möchte, daß Jehovas Zeugen sie lesen. So hat sie es bisher mit allen Büchern gemacht, die kritisch über sie schrieben. Diese Methode muß aber ganz offensichtlich bei einem der letzten Bücher versagt haben, denn die WTG hielt es für nötig, im Jahrbuch 1964 über ein Buchangebot in "Ostdeutschland" zu schreiben:

"Sie boten ihr ein Buch über Jehovas Zeugen an, das von jemandem geschrieben war, der sich gegen die Wahrheit gewandt hatte. Die Schwester antwortete, so etwas könnte geschehen, denn auch Judas sei eine Zeitlang ein vertrauter Nachfolger Jesu gewesen, doch dann habe er ihn für dreißig Silberstücke verraten. Sie brauche jenes Buch nicht und hätte kein Interesse, es zu lesen. Sie hätte ihre Bibel zum Lesen." Es handelte sich um das Buch ICH WAR ZEUGE JEHOVAS von G. Pape, daß 1961 in der DDR erschienen ist.

Es sind schon etliche höhere Diener, die sich unter ausdrücklichem Hinweis auf dieses Buch von der WTG abgewandt haben. Das ist der wahre Grund, weshalb die WTG dieses Buch 1964 als ein Judas-Werk hinstellt. Sie will verhindern, daß es weitere Brüder und Schwestern in die Hand nehmen.

Hat der Verfasser des Buches Jesus für dreißig Silberlinge wie einst Judas verraten? Lies den persönlichen Bericht dieses Bruders über die wahren Gründe seiner Abkehr von der WTG:

Ich war Zeuge Jehovas
In einem Harzstädtchen am Ausgang des Bodetales erlebte ich die Jahre meiner Kindheit. Als ich in die Schule kam, regierte der braune Unhold in Deutschland gerade ein Jahr.

«Heil Hitler!» Mit diesem Gruß kam unser Lehrer jeden Morgen lautstark in das Klassenzimmer «Heil Hitler!» So hatte es ihm aus 50 Jungenkehlen entgegenzuschallen. Wehe dem, der sich weigerte.

«Pape vorkommen! Warum machst du den deutschen Gruß nicht mit?» Klatsch, hatte ich eine sengende Backpfeife sitzen. «Mein Vater hat es mir verboten, er hat gesagt, keinem Menschen gebühre Heil, nur Jesus Christus», schluchzte ich.

Auf diese handgreiflicheweise prägte sich mir ein, dass meine Eltern Anhänger einer sonderbaren Gemeinschaft aus den USA waren, die sich Bibelforscher oder Zeugen Jehovas nannte.

Der Erste Weltkrieg hatte Leid und Not in Millionen Familien getragen. Die spanische Grippe raffte mehr dahin, als auf den Schlachtfeldern verblutet waren. Von Osten her wehte der Wind des Sieges der Oktoberrevolution. Die Novemberrevolution der deutschen Arbeiter war blutig niedergeschlagen. Als der einfache Arbeiter in den Fabriken täglich Millionen und Milliarden Reichsmark verdiente, dafür aber kaum ein Stück Butter kaufen konnte und die Millionen und Milliarden nach drei Tagen wieder verfallen waren um Billionen Platz zu machen, erhob der braune Unhold in München zum ersten Male in der Öffentlichkeit prahlerisch seine Stimme.

Wem sollte der kleine Mann vertrauen? Mein Vater sympathisierte mit sozialistisch-kommunistischen Ideen und schloss sich schließlich dem «Reichsbanner» an. Die Arbeitslosenheere wuchsen. Auch mein Vater wurde eingereiht.

Inmitten der sozialen und politischen Wirren der Jahre der Weimarer Republik, aus denen der Braunauer erfolgreich emporstieg, erschienen seltsame und weltfremde Eiferer an den Türen vornehmlich ärmerer Familien. Sie verkündeten ein goldenes Zeitalter, ein Paradies für alle, die ihnen Gehör schenkten. Geschickt all das vergangene und gegenwärtige Unheil in der Welt zitierend, predigten sie ein seltsames Evangelium als Ausweg aus allen sozialen und menschlichen Nöten und Sorgen: Vertrauet nicht auf Menschen! Vertrauet auf Jehovas goldenes Zeitalter! Keine. menschlichen Plane werden je Gelingen haben! Es waren die Bibelforscher oder Zeugen Jehovas, wie sie später vor allem genannt werden wollten.

Meine Eltern schenkten diesen liebenswürdig und feinfühlend auftretenden Predigern Gehör, denn sie waren Suchende. Die sozialdemokratischen Hoffnungen meines Vaters sanken tiefer und tiefer, je mehr der braune Unhold den Horizont verdunkelte und seine Schatten unheilverkündend vorauswarf. Trotz des wenigen Stempelgeldes abonnierten meine Eltern schließlich die beiden Bibelforscherzeitschriften «Das Goldene Zeitalter". sowie "Der Wachtturm". Und als sich Hitler über Deutschland aufschwang, um das Volk über Arbeit und Brot ins kriegerische Verderben zu führen, waren meine Eltern emsige Anhänger des deutschen Zweiges der amerikanischen Organisation der Zeugen Jehovas geworden. Die Kommunisten riefen zwar: Hitler, das ist der Krieg - und sie sollten damit recht behalten -, doch sie wurden in die Konzentrationslager gepfercht, zusammen mit allen anderen Hitlergegnern, einschließlich der Zeugen Jehovas.

Ich war noch keine zehn Jahre alt, da hatten die neuen Machthaber auch unsere Familie auf diese Weise zerrissen. Ich wurde umhergestoßen und geriet unter fremde Menschen. Dann kam der Zweite Weltkrieg und riss mich ganz jung in seine Strudel.

Wieder gab es eine Nachkriegszeit voll geistiger und politischer Wirren. Sie war die Zeit, in der mein jugendlicher Sinn die Welt und das Leben in seinen innersten Zusammenhängen zu begreifen suchte. Doch ich stand inmitten eines völligen geistigen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Da unsere Familie über Verwandte und Bekannte eng mit der ZeugenJehova-Organisation verbunden war, geriet ich bald in die religiös-politischen Netze, die die Zeugenführer noch 1945 erneut spannen um jene zu "jagen und zu fischen, die da seufzen und jammern über alle Greuel, die geschehen waren», wie sie sich ausdrucken.

Unter Erich Frosts Führung umschwärmten die deutschen Zeugenführer besonders den «Tau der Jungmannschaft», d. h., sie umwarben besonders junge Menschen. Sie hatten es mit mir nicht schwer. Ich war ein Jugendlicher und in gesellschaftspolitischer und religiöser Hinsicht noch ohne festen Halt. Wie geschickt die Zeugenführer argumentierten! Klebte nicht an allen Religionen das Blut unschuldig gemordeter Armer? Hatten nicht Katholiken und Protestanten gegen ihre eigenen Glaubensgenossen aus anderen Völkern das Schwert gezogen? War das nicht ein erbärmliches Christentum? Und welche politische Richtung war sauber? Hatten sie nicht alle im Kriege Blutschuld auf sich geladen? Wie könnte man also irgendwelche Sympathien für solche Religionisten und Politiker hegen? Wie großartig stellten die Zeugenführer sich selbst hin! Sie hatten als einzige konsequent die Teilnahme am internationalen Völkermorden verweigert Sie waren die einzig wahren Friedfertigen! Sie pochten auf das Prädikat, Opfer des Faschismus zu sein! Kleine Popanze aus politischen Lagern dieser Welt seien die, die meistens mehr wegen krimineller als wirklich ideeller Angelegenheiten in Konzentrationslagern gewesen seien. So wies der Zeugenführer Frost jene höhnend zurück, die einst mit den Zeugen Jehovas zusammen unter Hitler gelitten hatten (Frost, «Deutschlandbericht», "Jahrbuch 1947 der Zeugen Jehovas"), so drängten die Zeugenführer nach vorn, ihre einstigen politischen Leidensgefährten zu kriminellen Verbrechern stempelnd, nur weil diese eine andere Meinung gegenüber den Zeugenführern geltend machten, als diesen genehm war. Laut predigten sie christliche Ideen und Ideale, als wäre ihre Auffassung davon die einzige Wahrheit, die Gerechtigkeit bringe. Mit welch äußerst ungewöhnlichen religiös-politischen Behauptungen die Zeugenführer auftraten! Ihre Lehre stehe über nationaler, politischer und Rassenpropaganda, sei frei von selbstsüchtiger Voreingenommenheit, nicht durch irgendein traditionelles Glaubensbekenntnis gebunden, nicht dogmatisch, doch zuversichtlich, stütze sich auf Gottes Wort. Die Zeugenführer ständen gleichsam auf dem Wachtturm, wachsam um Anzeichen von Gefahr zu bemerken und zu beobachten, was vor sich gehe. Sie seien durch keine politischen Bestrebungen oder Verpflichtungen gebunden, sie seien frei um frei sprechen zu können, so hieß es alle 14 Tage in ihrer Wachtturm-Zeitschrift aufs Neue. Sollte das einen unkritischen, unsicheren und unerfahrenen jungen Menschen nicht beeindrucken? Mich beeindruckte es. Dazu kam der innerliche Drang, elterlichem Beispiel zu folgen. Hatte nicht mein Vater für die Zeugensache in Sachsenhausen sein Leben gelassen? So kam es, dass ich mich schließlich taufen ließ und ein Zeuge Jehovas wurde. Mit zwanzig Jahren war ich dann «Sonderpionier», hauptamtlicher Vertreter und Missionar der Wachtturmgesellschaft. In den Versammlungen der Zeugen Jehovas diente ich als Versammlungsdiener, Vortragsredner und Studienleiter. Ich leitete den Dienst von über 50 Zeugenverkündigern. Gutgläubig verrichtete ich diese Aufgabe unter mancher Last. Wie hatte ich doch damals empört eine Glaubensschwester zurechtgewiesen, die die Äußerung wagte, ob man wohl nicht doch einem Phantom nachjagen Ich glaubte aufrichtig an eine göttliche Führung der Organisation und besonders der Leitung der Zeugen Jehovas in Brooklyn. Gedanken, die dahin gingen, doch einmal kritisch zu prüfen, ob sich auch alles wirklich so verhält, wie die Wachtturmgesellschaft vorgab, «durch die Gnade des Herrn» zu verkündigen, wies ich von mir in der Annahme, hinter solchen Zweifeln stünden Dämonen, unsichtbare teuflische Geister, die mich nur vom Glauben abbringen wollten.

Und doch stellten sich hin und wieder Zweifel ein. Da waren gewisse Zeitberechnungen, die anfechtbar schienen. Die Handlungsweise der angeblich Gottgeleiteten Diener auf führenden Posten war manchmal recht fragwürdig Der Wandel der angeblich vom Herrn kommenden Lehren gab mir ebenfalls zu denken. Diese Gedanken wollten mir oft den Mut nehmen und mein Herz zaghaft machen. Aber es sollte sich mir bald eine Gelegenheit bieten, tiefer in die Zusammenhänge der Wachtturmgesellschaft einzudringen. Ich hatte für eine Versammlung eine Bibliothek einzurichten Hierbei fiel mir die ältere Literatur der Gesellschaft in die Hände. Sie zog mich an und ich las sie. Ungültige Zeitberechnungen, verworfene Bibeldeutungen, früheres «Licht", unzeitgemäß gewordene "Wahrheiten" und ähnliches mehr fesselten meine Aufmerksamkeit. Das war ja recht interessant, wenn ich daran dachte, dass doch der Herr der Bibelausleger sein sollte! Widersprüche in Lehre und Bibelauslegung fielen mir auf. Ich stellte ein ständiges Umwandeln der Wachtturmlehren fest, ein ständiges Anpassen an die sich laufend verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Was hatte ich diesbezüglich gelernt? Die Wachtturmgesellschaft lehre keine Dogmen. Das «Licht» werde immer heller. Also müsste ich die Veränderung der Lehren vorbehaltlos hinnehmen. Eine Zeitlang hatte ich mich ja auch mit diesen Gedanken zufriedengegeben. Doch was ich hier in der alten Wachtturmliteratur fand, was sie mir im Vergleich zu der neueren sagte, war doch bemerkenswert. Ich fand ein ständiges Irren der angeblich Gottgeleiteten Wachtturmschreiber. Ist denn Gott ein Gott der Irrungen und Widersprüche? Kann man von Gott geleitet sein und sich dabei ständig irren und widersprechen? Eines schließt doch das andere aus, wenn bei Gott «weder Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten ». Die früheren Lehren des Wachtturm, die ich fand und die heute als Irrtum abgetan wurden, waren doch einstmals auch als «göttliche Wahrheit» verkündigt worden. Kann göttliche Wahrheit Irrtum werden? Und damit soll ich bedenkenlos Schritt halten? So fragte ich mich. Bisher hatte ich es gutgläubig getan, Aber jetzt war meine innere Ruhe dahin. Ich musste erst einmal grundsätzlich Klarheit in allen aufgetauchten Fragen schaffen. Dennoch - schien mein Unterfangen nicht vermessen? Wie könnte ich es wagen, die «Wahrheit», die Jehova durch seinen Kanal, die Wachtturmgesellschaft, offenbart, in Frage zu stellen, wo sollte das enden. Könnte ich nicht am Ende gar ein Abtrünniger werden? Würde man nicht mit Fingern auf mich zeigen und sagen: Seht, ein Judas, ein Verräter, er hat sein Weihegelübde gebrochen! - Das schien entsetzlich, unerträglich! Könnte das nicht das Leben kosten?

Angst um mein Leben? Ware das hier nicht egoistisch? Müsste ich nicht auch im Falle der Wachtturmergebenheit bereit sein, mein Leben für die Theokratie in die Waagschale zu werfen?

Der Stein war ins Rollen gekommen. Mein Verantwortungsbewusstsein angesichts so vieler Fragwürdigkeiten war erwacht. Ich musste Klarheit in allen aufgetauchten Fragen und Zweifeln haben. Ich begann, an den geistigen Ketten zu rütteln, die die Wachtturmgesellschaft jedem ihrer Anhänger angelegt hat. Ich wollte Zuflucht zu Gott im Gebet suchen, doch der Wachtturm lehrte, dass Gott nur über den Wachtturmkanal zu den Menschen spreche. Also wandte ich mich, hin zum «Kanal des Herrn», zu den Wachtturmschriften. Wieder und wieder verglich ich die Wachtturmliteratur Wie lehrte Gott durch die Organisation unter der Leitung des ersten Präsidenten Russell? Wie lehrte er durch den zweiten Präsidenten Rutherford? Wie lehrt er durch den jetzigen Präsidenten Knorr und dessen Mitarbeiter? Einer widersprach dem anderen. Einer verwarf des anderen göttliche Wahrheiten als lrrtümer! Allem Anschein nach war überhaupt keine göttliche Leitung der Wachtturmgesellschaft über ihre leitende Körperschaft vorhanden! Aber hatte nicht Rutherford erklärt, seine Lehren seien «Erkenntnis, die der Herr gab, um seinem Volke kundzutun, dass … » Und Knorr hat solche Lehren verworfen! Wie kann Knorr das tun? Wie kann man «Wahrheiten, die der Herr gab», verwerfen? Oder hatte sie der Herr nicht gegeben? Irgend etwas stimmte hier also grundsätzlich nicht!

Da fand ich die Nr. 451 der Zeitschrift "Trost» (jetzt "Erwachet!") aus dem Jahre 1941. Unter dem Titel «Der göttliche Plan - Beratung durch J. Rutherford», las ich den Ausspruch Rutherfords: « … diese im Wachtturm gemachte Erklärung ist aber mit dem Allmächtigen gänzlich unvereinbar." Wie? Rutherford, der den « göttlichen Kanal», den Wachtturm schreibt stellt hier diesen «göttlichen Kanal» als unwahr hin? Demnach ist der Wachtturm also nicht unbedingt und immer Jehovas Kanal. Oder Jehova müsste seinen Zeugen hin und wieder oder ständig Unwahrheiten zuleiten Offensichtlich ist im Wachtturm nicht alles Wahrheit, das stand nun fest. Was ist das dann aber für ein «Kanal Gottes»? Ein höchst unzuverlässiger! Ich brauchte aber zuverlässige Antwort und Auskunft in all den Fragen, die mich bedrängten! - So hatte das Misstrauen gegenüber dem Wachtturm in mir festere Wurzel gefasst.

Alles, was mir nunmehr an Wachtturmliteratur in die Hände kam, wurde kritisch untersucht. Hatten nicht Christus und die Apostel vor solchen gewarnt, die die christliche Lehre verkehren würden? Sollte das etwa hier zutreffen? Das wäre verheerend! Ich wollte nicht zu solchen gehören, die irregeführt werden und vor allen Dingen andere irreleiten. Diese Gedanken erfüllten mich mit Unruhe. Täglich predigte ich Hunderten von Menschen Es wäre unverantwortlich, wenn ich eine unrichtige Sache vertrete und sie irreführte! Welche Schuld hätte ich dann! Immer zwingender erschien mir die Notwendigkeit, mich zu entscheiden. Sollte ich mich direkt an die Wachtturmgesellschaft wenden? Das wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn das Recht zu grundsätzlicher Kritik steht keinem Anhänger zu. Es galt nur Unterordnung, Anerkennung des Wachtturms, «theokratischer» Gehorsam. Andernfalls würde man hinausgestoßen als einer, der von Dämonen verwirrt sei. Man darf nicht zweifeln, man muss nur glauben, so hieß es. Wieder einfach zu glauben, nicht mehr über alles selbständig nachdenken, wie ich es jetzt begonnen hatte, ließe mich das nicht wieder innerlich zur Ruhe kommen? - Aber diese träge Ruhe des gewohnten Nicht-selbständig-Nachdenkens kehrte nicht mehr in meinen Sinn zurück. Zwingend wie nie zuvor empfand ich meine eigene, persönliche Verantwortung für alles, was ich verkündigte. Und waren die Worte der Bibel, "prüfet, ob die Geister aus Gott sind», nicht verbindlich? Also konnte die Wachtturmgesellschaft mir nicht verwehren, auf Grund dessen ihre Lehren einer Kritik zu unterziehen. Auch politische Überlegungen drängten sich mir in den Sinn. Seit 1949 hatte die Wachtturmgesellschaft ihren Kampf gegen den Kommunismus wieder aufleben lassen und so alle Verkündiger in den Oststaaten in folgenschwere politische Verwicklungen geführt. Das fand Höhepunkte in der Resolution des Berliner Büros der Zeugen Jehovas vom 10. Juli 1950 an alle Behörden, die eine drohende Herausforderung an die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik war, in der «Resolution gegen den Kommunismus», gefasst auf dem internationalen Kongress 1950 in New York, in Aufforderungen, Bollwerke gegen den Kommunismus zu errichten, in der Erklärung, der politische Kommunismus sei «Rote Religion» und neben Katholizismus, Protestantismus und allen anderen angeblich falschen Religionen zu bekämpfen, und schließlich in der Wachtturmoffensive gegen den Kommunismus vom 1. Juni 1952.

Hatte die Wachtturmgesellschaft nicht laut und deutlich ständige politische Neutralität verkündigt? Jehovas Zeugen nehmen weder für noch gegen eine Nation, Partei oder politische Richtung Stellung, so hieß es. Mit dem Wachtturmkampf gegen den Kommunismus aber fielen alle vorher verfassten und biblisch begründeten Erklärungen über politische Neutralität restlos zusammen. Wem hatte ich mich geweiht und hingegeben? Allenfalls einem Kampf auf rein religiöser Ebene, einem rein religiösen Werk. Niemals aber einem Kampf gegen politische Systeme, weder für noch gegen eine Nation, Partei oder Richtung in politischer Hinsicht. Dem Wachtturm treu zu bleiben würde fortan bedeuten, mein Weihegelübde zu brechen, meiner Hingabe untreu zu werden und mich in die politische Arena, in politische Verwicklungen zu stürzen. Wider Willen durch den Antikommunismus der Wachtturrngesellschaft in politische Überlegungen gedrängt, zwang sich mir die Frage nach Ursache, Sinn, Zweck und Notwendigkeit von Politik überhaupt auf. So begann ich die rein menschliche und soziale Ursache der Politik zu begreifen.

Was sind das aber für Methoden, dass Evangelium zu predigen? Ist das der biblische Auftrag? Steht das geschrieben? Nein, nirgends. Sollte ich über das hinausgehen, was geschrieben steht? (l. Kor. 4:6)

Die Probleme drängten nun immer mehr einer endgültigen Entscheidung zu. Die aufgetauchten Fragen waren so folgenschwer und bedeutsam, dass ich sie nicht einfach so zur Seite schieben konnte, wollte ich nicht gewissenlos vor mir selber sein. Da hatte ich eines Tages wieder die persönliche Information des deutschen Zweiges der Wachtturmgesellschaft vom 25. Februar 1950 an alle Verkündiger, politisches Verhalten betreffend, in der Hand. Unter anderem hieß es darin: "… die Verantwortung für die rechte Verwendung wird voll und ganz auf Dir ruhen." - So! Wenn das Eisen für die Wachtturmgesellschaft zu heiß wird, wie hier in gewissen politischen Dingen, dann soll der Verkündiger die Verantwortung voll und ganz auf sich nehmen! Er kann sich da nicht auf die Wachtturmgesellschaft berufen, obwohl sie es ist, die alle Grundsätze und Richtlinien aufstellt und verkündet. Wie geschickt die Gesellschaft die Verantwortung von sich wälzt. Wohlan! So werde ich auch jetzt in eigener Verantwortung handeln und entscheiden! Mein Entschluss stand fest. Weihegelübde? Hingabe? Treue? Schön und gut!

Soll ich aber die Augen davor verschließen, dass die Wachtturmgesellschaft fortwährend im Namen Gottes irrt? Dass sie Irrtümer als göttliche Wahrheiten ausgab und ausgibt? Dass ihre Bibelauslegung zum größten Teil einfach Willkür ist? Dass sie ihren eigenen Grundsätzen untreu ist, wie zum Beispiel dem der politischen Neutralität? Ist das alles etwa belanglos Kann ein verantwortungsbewusster Mensch einer solchen Sache die Treue bewahren, wenn er sie auf diese Weise durchschaut?

So kam es, dass die Wachtturmvorstellungen in mir völlig zusammenbrachen Die Wahrheit über Gott und Religion fand ich außerhalb der Reihen der Zeugen Jehovas, und damit gewann ich festen Halt am wirklichen und natürlichen Leben.

Angesichts der Tausende einfacher Menschen, die noch immer von der Wachtturmgesellschaft irregeleitet sind und werden, reifte in mir der Entschluss, nicht umsonst Zeuge Jehovas gewesen zu sein. Als Kenner der Zeugensache entschloss ich mich, diese meine Erkenntnisse und Erfahrungen in den Dienst des Fortschritts zugunsten derer zu stellen, die noch immer im religiös-politischen Banne Brooklyns stehen und, um andere Menschen davor zu bewahren, in Irrlehren verstrickt zu werden. Das Ergebnis ist die vorliegende Auseinandersetzung mit der Wachttumgesellschaft. G. P.

Soweit das erste Kapitel in dem Buch ICH WAR ZEUGE JEHOVAS.

Geht es hier um dreißig Silberlinge nach dem Vorbild des Judas, wie die WTG im Jahrbuch 1964 behauptet? Oder geht es hier nicht vielmehr um wohlbegründete Erkenntnisse über die WTG?

Jehova beschützt nicht die Organisation der Zeugen Jehovas!

Aus Berichten von W. J. Schnell, USA, ehemaliger Bethelmitarbeiter

Echos der Vergangenheit erfüllen meine Ohren - Worte, Taten, Hoffnungen und Leistungen drängen sich während ich mich vorbereite, diesen Bericht zu schreiben Es ist September, das Jahr ist 1938 … eine ganze Reihe von Kongressen, viele Städte der Welt verbindend, sind gleichzeitig einberufen.

In der Stadt Cleveland, Ohio, sind rund 17 000 Zeugen Jehovas versammelt, sie werden drei Tange lang unterwiesen Ich bin vertraulich verbunden mit diesem Kongreß denn ich wurde von Brooklyn entsandt, um als Mitvorsitzender zu wirken und Unterweisungen zu geben über die Theokratie von 1938, die eingeführt werden sollte.

Die Wachttürme vom Juni und Juli 1938 sind die Grundlage für diese Ansprachen. Der Schrifttext ist: "Für Messing will ich Gold bringen, und für Eisen will ich Silber bringen, und für Steine Eisen und ich will zu deiner Obrigkeit den Frieden machen und zu deiner Regierung die Gerechtigkeit" Jes. 60:17.

Abgesteckt und ausgelegt in dem Sinne, daß dies die Qualitäten der Organisation Gottes von nun an seien, würde die THEOKRATIE von 1938 fortan Beamte und Ausführende haben, die qualitativ über allen anderen auf Erden stehen. Sie würden Beamte des Friedens Eintreiber der Gerechtigkeit sein!

An diesem Tage im September 1938, als ich diese neuen Wachtturm-Wahrheiten den 17 000 Zeugen Jehovas erklärte, die in der Sportarena versammelt waren, war ich auch einer dieser Eintreiber, ein Zonendiener, bestimmt, ab 1. Oktober 1938 eine der Zonen des Staates Ohio zu übernehmen.

Schatten einer törichten Vergangenheit … sie drängen sich herein, beschwören Erinnerungen, da ich mich hinsetze um zu zeigen, daß diese THEOKRATIE, die ausgegeben wurde als Gold, Silber und Messing, nach allem nichts anderes war als Eisen, Holz und Stein. - gewißlich n i c h t Gottes Organisation ist, und unumstößlich festgestellt (1935-43) in keiner Weise Jehovas Schutz hatte! In diesem Bericht wirst du entdecken, daß es nicht das Volk war, über das die Theokratie herrschte, das versagte, sondern es waren die Beamten des Friedens und die Eintreiber der Gerechtigkeit nämlich die theokratischen Diener, die zusammenbrachen und verfehlten, ihre Redlichkeit zu behaupten.

DER ANSPRUCH DES MARTYRERTUMS FÜR DIE THEOKRATIE

Europa hallte wider von den Siegesliedern des Lobes über die furchtlose Organisation der Zeugen Jehovas. Man pries in der Tat den Widerstand der ZJ gegenüber der Nazidiktatur in Deutschland. Wahrlich, die Leiden der Zeugen Jehovas waren groß! Ihr Verhalten unter dem Hitler-Regime wurde Geschichte, aber wir fragen, zur Geschichte worüber? Die theokratische Führerschaft in Brooklyn hat viel über die Leiden der Zeugen Jehovas geschrieben und hat gezeigt, wie Tausende dieser Menschen in Konzentrationslager kamen und andere Hunderte getötet wurden und so zu Märtyrern wurden. Dieses Märtyrertum ist in der Tat zum Samen der erstaunlichen Zunahme in der Organisation in Europa geworden, es türmte sich in die Zehntausende, und es ist dieser Wachstumsfaktor, der sorgfältig von der verschlagenen Neuen-Welt-Gesellschaft für Propaganda gepflegt wird.

Was ist die wahre Geschichte hinter dem organisierten Untergrundwiderstand der Zeugen Jehovas unter dem Hitler-Regime? War es der Erfolg für die Neue-Welt-Gesellschaft, wie es von den Propagandisten der Wachtturm-Gesellschaft ausgemalt wird? War die Führerschaft der Beamten des Friedens und der Eintreiber der Gerechtigkeit, um der Gesellschaft eigene Beschreibung der Theokratie zu gebrauchen. (Jes. 60:17), wahrlich wie Gott es wollte (Gold, Silber und Messing), oder entartete sie ins Allzumenschliche (Holz, Stein und Eisen)?

Aus Gold, Silber und Messing zu sein schließt ein, daß Jehova die Theokratie in Deutschland auf dem ganzen Weg beschützt hat. Beschützte Jehova die Theokratie in Deutschland in den Jahren ihrer Prüfung zwischen 1933 und 1945?

Wir fragen bestimmter: War das Märtyrium Hunderter Zeugen Jehovas deutscher Nationalität und waren die Leiden anderer Tausender in Konzentrationslagern Leiden um der Gerechtigkeit willen oder waren diese Leiden das Ergebnis des Widerstandes gegen die Regierung und der Herausforderung, die das Gesetz des Landes brach?

Im Juli 1937 wurde ich durch ein Telegramm aufgefordert, bei Richter J. F. Rutherford in seinem Exekutivbüro zu erscheinen, 124 Columbia Heights, Brooklyn, N. Y. Zu dieser Zeit war Vereinigungs-Diener von Manhattan, eine der (ZJ) Festungen von New York. Bei diesem Zusammentreffen wurde ich eingeladen, in die Bethelfamilie einzutreten. An und für sich war dies eine bezeichnende Ehre. Gewöhnlich mußte man sich auf einem regulären Wege bewerben, dann wurde überprüft und schließ1ich, wenn du irgendwie geeignet warst, wurdest, du ausgewählt und begannst den Dienst irgendwo an unterster Stelle. Der Richter legte den Nachdruck auf die Tatsache, daß ich die nötige Übung hätte (er spielte auf meinen früheren Dienst in Deutschland an) und daß ich im Hauptbüro gebraucht würde. Diese Bemerkung war bedeutender als es im ersten Moment schien. Zu dieser Zeit waren nur zwei von uns in den USA, die vertrauliche persönliche Kenntnis über das Wachtturm-Zweigbüro in Deutschland besaßen: Der eine war ein Gärtner; er war auch in Magdeburg Gärtner gewesen und wußte daher wenig über die tatsächliche Arbeit in Büro und Druckerei Ich war der andere, ich hatte im Büro und in der Druckerei gedient und war in der Vertriebsabteilung des GOLDENEN ZEITALTERS. Ich war Gruppendiener von Halberstadt und war einer der Brüder, die periodisch alle Versammlungen der Zeugen Jehovas im Umkreis von 100 Kilometern um Magdeburg besuchten. Ich kannte alle führenden Brüder in der deutschen Theokratie persönlich, natürlich mit Ausnahme jener des Untergrundapparates, der gebildet wurde, nachdem ich Deutschland verlassen hatte.

Um den Hintergrund der Ereignisse zu erfassen, lest bitte jetzt mein Buch DREISSIG JAHRE EIN SKLAVE DES WACHTTURM. Man braucht diese Hintergrundinformation, um richtig einschätzen zu können, was ich nun enthüllen werde. Wenn du die Bedeutung dieser Enthüllungen mit diesem Hintergrundmaterial verbindest, hoffe ich, werden dir die Augen für die gegenwärtigen Gefahren geöffnet werden.

So ernst diese Gefahren auch sind, mein Bericht an euch hier hat jedoch einen dringlicheren Grund. Nicht nur ist mein Herz mit euch verbunden in eurer großen Gefahr, ich trage auch eine Last für jene meiner Brüder, die Wachtturm-Führer sind, mit vielen von ihnen stand ich einst Auge in Auge. Beachtet bitte auch, daß wir alle jener Generation der Wachtturm-Bewegung angehören, die fasziniert waren vor der magnetischen Person des "Richters" (Rutherford), und die seine ganzherzigen Partisanen wurden. So wurden wir zusammen überwunden vom Teufel, die perfide Idee der Theokratie und Obrigkeit zu akzeptieren, wie sie von Rutherford verkündet wurde. Ihr, die ihr jetzt Wachtturm-Führer seid, müßt wohl einige Bedenken haben gegen die Lehren von den obrigkeitlichen Gewalten - oder aus welchen Gründen sonst habt ihr sie geändert in den Wachttürmen vom 15. Oktober und 15. November 1962? Seid ihr aufrichtig? Wenn ja, dann möchte ich euch ermutigen, auch die Politik des von-oben-nach-unten und in der theokratischen Aktivität der Organisation zu ändern und zurückzukehren zum einfachen Versammlungsprogramm der früheren Jahre, bevor der Rutherford-Umsturz begann. Auf diese Weise werdet ihr die fatalen Irrtümer der theokratischen Organisation vermeiden und die unhaltbaren Positionen beseitigen, in die Jehovas Zeugen dadurch versetzt sind.

Es geht hier um mehr als um das Leben des Leibes. Es geht um das zukünftige Geschick. Es wird unverkennbar für Jehovas Zeugen, daß Erfolg für die Neue-Welt-Gesellschaft jetzt völlig unmöglich wird. Jehova beschützt tatsächlich nicht eure Theokratie! Die Tatsache, daß ein Bericht wie dieser jetzt geschrieben werden kann, ist Beweis dafür.

A 4062-68 1,5 668 V 7 1 1143

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