Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 13

Erstmalig enthält diese Ausgabe eine Kontonummer. Die vorangegangenen Ausgaben erschienen ohne diese und auch ohne Preisangabe.

Herausragend in jener CV-Ausgabe auch ein internes Schreiben von WTG-Präsident Knorr, indem man auch den Satz lesen kann: "sie (höhere WTG-Funktionäre) haben wahrscheinlich auch eine Anzahl Versammlungsdiener so weit gebracht daß sie glaubten, sie wären mit Arbeit überladen."

Jener Satz erinnert mich an den 17. Juni 1953 in der seinerzeitigen DDR. Dort mussten auch hohe SED-Funktionäre für kurze Zeit sich in "Selbstkritik" einkleiden. Das wurde dann aber so schnell wie möglich wieder vergessen und erneut auf den Repressionsapparat als eigentliche Staatsstütze vertraut. Wenn Knorr da in einer schwachen Minute mal die Wendung gebrauchte "sie glaubten, sie wären mit Arbeit überladen", so lässt sich das nicht nur auf einen unbestimmten "Glauben" verifizieren, sondern stellt eine Tatsachenfeststellung dar. In beiden Fällen (DDR und Knorr) wurde diese vorgebliche Selbstkritik allerdings schleunigst wieder dem vergessen zugeführt. Mit als äußerer Anlass für dieses Schreiben ist vielleicht auch das 1966 erstmals erschienene Buch von Josy Doyon "Hirten ohne Erbarmen" zu bewerten.

In einem Nebensatz wird erneut die 1965-er Verhaftungsaktion angesprochen. Zitat:

"Wenn im Herbst 1965 die illegale Leitung der Organisation in der DDR unter Bruder Werner Liebig, Dresden, verhaftet werden musste. Der Grund dazu war: Untergrundarbeit, antikommunistische Hetze, Staatsverleumdung, Behördenbetrug und illegale Nachrichtentätigkeit und noch weitere Gesetzesverletzungen mehr." So stellte die Stasi das also dar. Es war ein typische Aneinandervorbeireden, jedoch keine ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit der Gesamtverbotsproblematik.
 


 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Konto-Nr. 4564-49-20156 Bank für Handel und Gewerbe 65 Gera Straße des 7. Oktober

Nr. 13 Gera Dezember 1967

CV - ihr Zweck

Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Warum die Wachtturm-Botschaft in der Welt an Einfluß verliert

Liebe Brüder und Schwestern!

Dieser oder jener von Euch hatte vielleicht schon Gelegenheit, Einblick in das Jahrbuch 1967 zu nehmen. Sicherlich würde Dein größtes Interesse zuerst der Berichtstabelle gelten, welche Dir Aufschluß über das Wachstum der WT-Organisation vermittelt.

Auf den Seiten 36-43 finden wir einen ausführlichen Zahlenbericht über das Predigtwerk der WTG in 199 Ländern der Erde. Bei 1 034 268 Verkündigern im Jahre 1965 war eine Zunahme von 2,4 Prozent auf der ganzen Erde zu verzeichnen, so das im Jahre 1966 1 058 675 gezählt werden konnten, die jeden Monat den Predigtdienst ausgeübt hatten.

Bei dieser großen Menge von Verkündigern ist das Wachstum der Organisation erstaunlich gering, wirst Du Dir sagen. Dies ist aber nicht verwunderlich, wenn man die Ursachen der jetzigen verringerten Ausdehnung kennt. Hierzu möchten wir bekanntgeben, worüber sich die Organisations-Leitung ausschweigt, was aus den Tabellen jedoch deutlich zu ersehen ist. Allein in 20 Ländern erfolgte keine Zunahme, und was noch nachdenklicher stimmt: In 42 Ländern ein Rückgang der Verkündiger, von 1-67 Prozent. Also insgesamt 62 Länder, wo das Predigtwerk nicht vorankam.

Darüber hat die Organisationsleitung allen Grund, sich mit den Worten zu beklagen:

"Wären alle, die sich in den vergangenen Jahren Jehova hingegeben haben, im Jahre 1966 immer noch in seiner Organisation gewesen, dann hätten wir eine größere Zunahme an regelmäßigen Verkündigern zu verzeichnen gehabt, als dies der Fall war. Nach dem endgültigen Bericht beteiligten sich im letzten Dienstjahr jeden Monat regelmäßig 1 058 675 Königreichsverkündiger am Predigtdienst, das sind nur 24 407 mehr als im Vorjahr. Es wurden jedoch 58 904 Personen getauft. Wo waren die übrigen 34 497, die im Bericht nicht erscheinen? Angenommen 1% stirbt jedes Jahr, dann würde das einen Ausfall von 10 000 Personen ausmachen.

Wo sind aber die anderen? Sind sie vom Materialismus angezogen worden? Sind einige von ihnen der Zügellosigkeit und Unmoral der Welt zum Opfer gefallen?

Wo ist die Liebe zu Jehovas Organisation und zu seinem Dienst, die sie einst hatten?" (Jahrbuch 1967, Seite 42). 34 497 Personen haben den Predigtdienst aufgegeben. Nun rechnen wir noch die 10 000 Personen ab, die gestorben sein können, verbleibt immer noch eine große Menge von 24 000. Aber warum haben sich denn so viele innerhalb eines Jahres von der Organisation zurückgezogen?

Sind sie wirklich alle dem Materialismus, der Zügellosigkeit und Unmoral, sowie der Lieblosigkeit zum Opfer gefallen, wie es die WTG hier wieder herausstellt? Überlege einmal: Auch DU kanntest einige von diesen, die mit großem Eifer, mit ganzer Liebe und Hingabe Jehova gedient haben, um ihm zu gefallen und um ihren Mitmenschen in der rechten Erkenntnis zu helfen. Warum haben sie aufgehört, in der WTG zu wirken? Würdest Du nun glauben, daß diese alle die Liebe zu Jehova und zu den Brüdern verloren haben? Bedenke doch. Sind sie nicht in die Organisation gekommen, weil sie Liebe und Wahrheit suchten? Warum sollten sie denn Grund gehabt haben, die Organisation zu verlassen, wenn sie diese Liebe dort gefunden hätten?

War nicht vielmehr der Beweggrund ihres Wegganges die Lieblosigkeit innerhalb der WTG, weil sie nicht das gefunden hatten, was ihnen von Anfang an zugesichert wurde. Wenn wir von Lieblosigkeit reden, dann denken wir nicht zuerst an den kleinen bescheidenen Verkündiger, denn jeder weiß, daß es viele Brüder gibt, die sich in christlicher Gemeinschaft der Liebe Christi und vieler guter Werke befleißigen.

Nein, Lieblosigkeit ist erschreckend weit unter den Hirten verbreitet die Vorbilder der Herde sein sollen. Die Liebe mit Worten und mit der Zunge kann die WTG nicht als göttliche Organisation herausstellen, wenn ihr die Werke in Tat und Wahrheit fehlen. 1. Joh. 3:18. Das ist es, was viele bewogen hat sich zurückzuziehen: Die Hirten der WTG lieben zu viel mit Worten, aber zuwenig in ihrer Handlungsweise mit ihren geringen Brüdern. Und das ist auch der Grund, warum die WTG an Einfluß verloren hat und auch weiterhin an Einfluß in der ganzen Welt verlieren wird. Aber es gibt noch viele andere Ursachen, die zur Ablehnung der WTG-Verkündigung führten.

Vielleicht haben einige wirklich die Liebe zu Jehova und zu "seiner Organisation" verloren. Aber frage sie doch einmal selbst, warum dies geschehen konnte. Trifft da nicht ein Großteil der Schuld die WTG selbst die in ihren Anordnungen jedes Verständnisses für den einzelnen ermangelt Vielleicht bestand bei jemandem Interesse für irgendeine Sache, die den Dienst für die WTG zurückstellte und daher fortwährend von den Brüdern bemängelt wurde. Auch kann die Zuneigung zu einem Partner vom anderen Geschlecht, der nicht in derselben Glaubensüberzeugung war, die ständig getadelt wurde, der Beweggrund sein, die frühere Einstellung zu ändern. Vielleicht war auch die Sorge um die Familie ausschlaggebend, oder das Wiederherstellen eines ordentlichen Familienverhältnisses mit Frau und Kindern oder Verwandten, das durch den ununterbrochenen Einsatz im Predigtwerk ständig vernachlässigt wurde. Die Ursachen zu einer Sinnesänderung gegenüber der WTG sind sehr vielfältig und bei jedem anders Sollte man nicht für alle die Probleme der Brüder und Schwestern Verständnis aufbringen, anstatt sie in den Augen anderer verächtlich zu machen? Hast auch Du Dich von diesem Geist der Lieblosigkeit anstecken lassen?

Wie aber steht es mit denen, die nach Ansicht der WTG vom Materialismus angezogen wurden? Wie kommen diese denn, nachdem sie jahrelang Jehova treu gedient haben, ihre Zeit und materiellen Besitz eingesetzt haben, zu dieser materialistischen Einstellung? Kann man ihre Handlungsweise überhaupt als materialistisch bezeichnen? Sollte man nicht auch hier die Beweggründe untersuchen?

Liegt die Ursache nicht darin, daß viele nun beginnen ihre Lage ganz natürlich einzuschätzen

nachdem sie so viele Jahre und Jahrzehnte vergeblich auf das Ende gewartet haben, das ihnen seit 1914 als unmittelbar bevorstehendes Ereignis ständig vor Augen gehalten wurde. Sie stehen vor der Frage: Sollen sie weiterhin ihr ganzes Leben lang bis ins hohe Alter hinein sich so vollständig für die WT-Verkündigung aufopfern, wie es die Gesellschaft wünscht? Was wird aus ihnen, wenn sie gesundheitlich am Ende sind und keinen Rückhalt sich geschaffen haben, um davon leben zu können? Die WTG-Leitung opfert keinen Pfennig von ihren Millioneneinnahmen, um dem einzelnen seine Lebenslage zu erleichtern. Diese Tatsache ist hinreichend bekannt. Die Erfahrungen vieler Brüder zeigen, wie erschreckend gewissenlos die WTG-Führung an Hunderttausenden von Brüdern handeln, wenn sie fortwährend dazu auffordern, angesichts des nahen Endes auf alles zu verzichten und nur den Predigtdienst zu verrichten Solche Brüder, die in der Vergangenheit das ernst genommen haben, sind durch viel Leid und Entbehrungen gegangen. Davon betroffen sind besonders die Brüder, die vor 1925, dem bekannten Jahr, das unbedingt das Ende bringen sollte, alles aufgaben. Da sind viele, welche die Anwartschaft zur Rente nicht aufrecht erhielten, weil sie der WT-Prophezeiung vollen Glauben schenkten, daß das Ende nun greifbar nahe sei. Dadurch waren sie gezwungen, bis an ihr Lebensende zu arbeiten, ja, bis sie förmlich zusammenbrachen. Wenn es keine staatliche Einrichtung geben würde, die den Brüdern in ihrer Notlage Unterstützung gewährten, wäre es schlecht um sie bestellt gewesen.

Wir hoffen, das sich unsere Ermahnungen besonders die jungen Brüder zu Herzen nehmen, die heute noch ihre ganze Kraft für die Ausdehnung des Werkes einsetzen. Vergeßt nicht: Es sind viele vor Euch gewesen, die, wie Ihr heute, in ihrer Opferbereitschaft in geistiger und materieller Hinsicht alles im Glauben hingegeben haben, die dann aber im Alter völlig mittellos dastanden und durch Krankheit in unerwartete Notlage gerieten. Da ihnen die WTG jede Hilfe versagte, waren sie schließlich gezwungen, in ihrer Hilflosigkeit und Verzweiflung sich an kirchliche Einrichtungen oder andere Institutionen zu wenden, deren Barmherzigkeit beispielhaft für die WTG ist. In solchen Situationen offenbart sich die ganze Lieblosigkeit der WTG-Führung. Sie machen sich keine Gedanken, denn sie selbst kennen keine Not, da sie durch die reichlich einkommenden Gelder sich ein angenehmes Leben gestalten können. Zumindest sind sie ständig mit Nahrung, Kleidung, Unterkunft und mit einem ausreichenden Gehalt oder Taschengeld versorgt, wenn sie ein höheres Dienstamt bekleiden, oder im Bethel beschäftigt sind, so daß sie sich keine Sorgen um den Lebensunterhalt zu machen brauchen.

Der kleine Verkündiger soll sich ja auch keine Sorgen machen, er soll auf Jehova vertrauen. Man gibt ihm dazu ständig biblische Hinweise, damit er keine anderen Überlegungen anstellt. Allerdings hat es sich erwiesen, daß Jehova die Seinen nicht darben läßt, doch wenn jemand blindlings der WT-Botschaft folgt und im Interesse der WTG alles aufs Spiel setzt, dann haben sich die Erwartungen auf Hilfe in Not oft als Trugschluß erwiesen.

Nun, viele sind schon aufgewacht und haben gemerkt, daß sie von den Versprechungen der WTG nicht leben können, Sie haben auch die Unzuverlässigkeit der WT-Botschaft erkannt, die das Ende immer wieder hinausschiebt Sie wollen auch leben, wie jeder andere Mensch, und ihre Freizeit für körperliche Erholung und Entspannung ausnutzen. Solche Brüder, die den Zweck des ständigen Antreibens zum WT-Dienst durchschaut haben, lassen verständlicherweise in ihrer Aktivität nach. Sie werden von der WTG-Leitung als Laue, Träge, Schwache oder Irregeführte bezeichnet. Für ihr nachlassendes Interesse kann man jedoch weder dem Satan die Schuld geben, noch dem Materialismus oder gar der Unmoral und Zügellosigkeit.

Gott legt Dir kein so hartes Los auf, ohne Dich gleichzeitig auf ungewöhnliche Art zu stärken und zu beschützen.

In der Organisation kennst Du nur das Antreiben der WT-Führer und ihrer Literatur, aber nicht den Antrieb des Geistes, der Dir ungewöhnliche Kräfte verleihen kann. Diesen Unterschied mußt Du herausfinden, um zu begreifen, daß Dir Gott keinen Auftrag zum Predigen des Wachtturm-Evangeliums gegeben hat. Matthäus 24:14 wird sich auf andere Weise erfüllen, als dies heute auf Wachttturm-Anordnungen geschieht.

Eines vergiß nicht: Jehova verurteilt Dich nicht, wie Dich die Organisationsleitung verurteilt. Wenn auch Dein Eifer im Dienst für die WTG zurückgeht, Deine Liebe zu Jehova und den Brüdern muß deshalb nicht gleichfalls erlahmen Daß das Wachtturrn-Werk seinen Höhepunkt erreicht hatte, beweisen die Zahlentabellen der letzten Jahrbücher.

Betrachten wir sie genau, um uns die Wahrheit dieser Sache zu vergegenwärtigen:

Zunahme: 1964 - 4,7 % Getaufte: 1964 - 68 236 Personen

1965- 3,2 % 1965 - 64 393 Personen

1966- 2.4 % 1966 - 58 904 Personen

Ausgeschiedene: 1964 - 23 014 Zeugen Jehovas

1965 - 31 995 Zeugen Jehovas

1966 - 34 497 Zeugen Jehovas

Mag die WTG-Führung noch so viel gute Worte aufbieten, der Rückgang des Werkes wird nicht aufzuhalten sein. Wo stehst Du heute in Deiner Einstellung zur Wachtturm-Organisation? Willst Du trotz aller ernsten Bedenken und Gewissenskonflikten, weiterhin in der WTG bleiben, vielleicht nur aus Gründen der Sicherheit? Oder wirst Du schon im nächsten Jahr zu den 20-30000 gehören, welche die WT-Organisation jährlich enttäuscht verlassen? Auch das kannst Du heute nicht wissen!

Doch eines ist wichtig für Dich: Erkenne Du Gott richtig und dann handle nach dieser Erkenntnis! Das Beispiel der Wachtturm-Leitung ist nicht nachahmenswert, denn sie haben Gott in seiner unermeßlichen Liebe nicht erkannt.

"Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." 1. Johannes 4:8.

In der Liebe Gottes mit Euch verbunden, grüßt Euch
Euer Bruder Willy Müller, und Mitarbeiter
65 Gera, Lutherstraße Nr. 16

Neueste Informationen aus der Hand des Präsidenten

In diesen Tagen erreichte uns aus Westdeutschland ein Brief, welchen Präsident Knorr an alle hauptamtlichen und führenden Mitarbeiter der Wachtturm-Gesellschaft richtete Wir freuen uns, mit der Veröffentlichung dieses Briefes allen Gliedern der WTG einmal Gelegenheit zu geben, Einblick in interne Mitteilungen der WTG-Leitung zu erhalten, die ihnen für gewöhnlich nicht zugänglich sind. Wir sind der Auffassung, daß es auch das gute Recht des kleinen Verkündigers ist, die Sachlage in den oberen Kreisen ihrer Organisation zu kennen.

Aus dem Inhalt des Briefes spricht sehr deutlich die Sorge um den weitverbreiteten Rückgang des WT-Werkes. Die Gesellschaft sieht sich gezwungen, jetzt andere Maßnahmen zu ergreifen, um den fortschreitenden Abfall aufzuhalten Ob die neuen Methoden Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten.

In seiner äußeren Gestaltung mag dieser Brief, ähnlich der gesamten Wachtturm-Literatur, einen günstigen Eindruck bei dem Leser hinterlassen. Man möchte denken, daß die Führung der WTG jetzt eher geneigt ist, ihr bisheriges Verhalten zum Besseren zu ändern. Wer die Tatsachen kennt, weiß jedoch, daß sich hinter den freundlichen Worten etwas anderes verbirgt.

Hier der volle Wortlaut des Briefes:

Aus dem Juni-Königreichsdienst für die Vereinigten Staaten habt Ihr ersehen, daß die Vereinigten Staaten über 9000 Verkündiger weniger hatten, wenn die diesjährige Zahl mit der Höchstzahl des Monats April 1965 verglichen wird. Auch in England waren es 2000 Verkündiger weniger, in Kanada 800 und in Deutschland 100. Allein in diesen vier Ländern hatten wir nahezu 12000 Verkündiger in dem Monat April dieses Jahres weniger als im April 1965. Was in dem Juni-Königreichsdienst für die Vereinigten Staaten in dem Brief an die Verkündiger gesagt wurde, kann genauso gut auf die anderen drei erwähnten Länder angewandt werden.

Natürlich haben auch viele Länder eine ausgezeichnete Mehrung gehabt das sowohl in Europa wie in Südamerika, Afrika und Asien, und ich bin sehr glücklich, sagen zu können, daß es im Jahre 1966 eine Mehrung der Verkündigerzahl über den Monat April 1965 gegeben hat. Obschon in den Vereinigten Staaten, England, Kanada und Deutschland ein ausgezeichnetes Zeugnis gegeben wurde, haben wir doch nicht mitgeholfen, die Zahl der Verkündiger für den weltweiten Bericht zu mehren. Somit können die Fragen gestellt werden, wie sie im Königreichsdienst erschienen: Was geschah während der letzten zwölf Monate in diesen Ländern, um den Verkündigern zu helfen, die wir vor einem Jahr schon im Felddienst hatten? Erreichten wir es, daß sie die Zusammenkünfte besuchen? Haben wir sie auf irgendeine Art vernachlässigt? Sind sie abgetrieben worden? Sind sie zu verlorenen Schafen geworden? Das sind Fragen, die in jedem Land und in jeder Versammlung bezüglich Personen gestellt werden können, die beginnen, sich wegzuwenden, und aufhören, Jehova anzubeten.

Ich habe soeben das Schreiben eines Briefes an alle Kreis und Bezirksdiener in den Vereinigten Staaten beendet und habe auch einige Formulare geändert. Ihr werdet in diesem Brief einige Dinge beobachten, die neu sind. Studiert ihn sorgfältig. Als wir während der vergangenen Monate Kreis- und Bezirksdiener ins Bethel riefen, um sie durch einen besonderen Schulkurs gehen zu lassen, wurden diese Dinge mit ihnen besprochen. Ich habe den Kreis- und Bezirksdienern auch eine Anzahl Ansprachen gehalten, während sie die Königreichsdienstschule besuchten, und ich möchte hier die Hauptgedanken dieser Ansprachen anführen, damit sie auch in Eurem Lande angewandt werden können.

Etwas, was wir in Verbindung mit unseren Kreis- und Bezirksdienern festgestellt haben, ist daß sie alles, was im Königreichsdienst gesagt wurde, als Vorschriften und Anordnungen betrachten, und daß sie diese Dinge dem, was an organisatorischen Richtlinien in der Broschüre "In Frieden und Einheit predigen und lehren" gesagt wird, hinzugefügt haben. Viele unserer Kreis- und Bezirksdiener haben die Darlegungen im Königreichsdienst als Vorschriften betrachtet und haben versucht sie anzuwenden. So sind sie nicht nur in den Vorschriften und Anordnungen "untergegangen", sondern sie haben wahrscheinlich auch eine Anzahl Versammlungsdiener so weit gebracht daß sie glaubten, sie wären mit Arbeit überladen.

Etwas, was unsere Kreisdiener hier darlegten, war, daß sie zu beschäftigt sind mit Dingen, die sie in der Versammlung zu tun haben. Nachdem sie ihre Probleme analysiert hatten, haben wir einige Änderungen in ihrem Zeitplan vorgenommen. Wir möchten, daß die Kreisdiener wenigstens 75 Stunden pro Monat im Felddienst verbringen, indem sie von Haus zu Haus gehen, Bibelstudien durchfuhren usw. Wenn sie die weiteren 25 Stunden dafür verwenden, Schwache zu besuchen, unregelmäßige Verkündiger oder solche, die sich abgewandt haben oder um verlorene Schafe zu finden und sie wieder in die Herde zurückzuführen, dann können sie zwischen 20 und 30 Stunden darauf verwenden, das zu tun. Wenn es jedoch Versammlungen gibt, die keine pflichtvergessenen Verkündiger haben, dann wird der Kreisdiener natürlich seine vollen 100 Stunden im Monat oder seine 25 Stunden pro Woche dafür verwenden, von Haus zu Haus zu arbeiten und mit den Verkündigern im Felddienst zu arbeiten Die Verhältnisse in den Versammlungen werden sich ändern, aber wir wünschen endgültig, die verlorenen Schafe zu finden, und sie zurück in Jehovas Organisation zu bringen, wenn das überhaupt möglich ist. Ich glaube deshalb, daß der Brief, den ich an alle Kreisdiener in diesem Lande gesandt habe, sich von diesem Gesichtspunkt aus selbst erklärt Ihr werdet sicherlich dieselbe Vorkehrung in Eurem Gebiet mit Bezug auf die Kreisdiener beginnen wollen.

Ein weiterer Punkt, der in meiner Ansprache an die Kreisdiener betont wurde, ist der, daß sie dann, wenn sie glauben, daß sie durch Vorschriften und Anordnungen in eine Zwangsjacke gebracht worden seien, und daß sie alles, was im Königreichsdienst oder in Briefen, die von der Gesellschaft kommen, auszufahren hätten und nicht ihr eigenes Urteilsvermögen anwenden könnten, sollten sie bitte diese Fesseln abstreifen, die sie glauben, an sich, zu haben. Hier ist ein Punkt, den unsere Brüder hauptsächlich im Sinn haben sollten, und das ist dieser: Die Bibel ist unser Textbuch, und dort finden wir unsere richtigen Anweisungen, und unsere Brüder sollten mehr von der Bibel zitieren, wenn sie Probleme handhaben, als sich auf irgendwelche Ausgaben des Königreichsdienstes zu beziehen, die drei oder vier Jahre alt sind und dann sagen: "Der Königreichsdienst sagt dies oder das." Was unsere Kreisdiener und Brüder in den Versammlungen sagen sollten, sollte nicht auf dem Königreichsdienst aufgebaut sein, sondern sollte aufgebaut sein auf die biblischen Lehren und die Grundsätze, die in der Bibel dargelegt sind, anstatt das versucht wird, Vorschriften aus Anregungen abzuleiten, die im Königreichsdienst gebraucht wurden.

Ein weiterer Punkt, der betont wurde, war der, daß die Bereitschaft da sein muß, unseren Brüdern gegenüber Liebe zu zeigen, Einfühlungsvermögen und Hingabe zu haben und willens zu sein, sich der Probleme, denen sie sich gegenüber sehen, anzunehmen. Es muß auch die Bereitschaft da sein, sich die Probleme, die in den verschiedenen Versammlungen existieren, anzuhören und ihnen dann biblische Antworten zu geben anstatt zu versuchen, darauf Vorschriften und Anordnungen anzuwenden, die irgendwann einmal bezüglich eines solchen Problems dargelegt wurden. Mit anderen Worten: erörtert die Sache mit den Brüdern, behandelt die Grundsätze, die darüber in Gottes Wort enthalten sind. und durch den Wachtturm und den Königreichsdienst erklärt wurden.

Es wurde ausdrücklich betont, daß das Predigtwerk bestimmt noch nicht zu Ende ist, weil so viele Personen Interesse für Gottes Wort gezeigt haben und in anderen Ländern eingesammelt wurden, obschon hier in diesem Jahr, während des Monats April, weniger Verkündiger als im letzten April tätig waren. Das ist nicht das erste Mal, das wir in einigen größeren Ländern einen Rückschritt anzukündigen hatten. Das hat sich auch früher schon zugetragen. Für die Vereinigten Staaten ist es das erste Mal seit zehn Jahren. Im Jahre 1956 ging unsere Höchstverkündigerzahl um 2000 Verkündiger zurück, aber seitdem ist sie bis zu diesem Jahr 1966 jedes Jahr angestiegen Wenn wir auch jetzt eine kleine Unterbrechung haben, bedeutet das nicht, daß das Werk bereits getan sei. Unsere Durchschnittsverkündigerzahl für die Vereinigten Staaten ist höher als der letztjährige Durchschnitt. Wir fühlen aber bestimmt, das wir unser Feld und die Arbeit, die wir darin tun, analysieren müssen, und wir fühlen auch die Notwendigkeit unseren Brüdern die richtige Ermunterung und Kraft zu geben und ihnen die richtige Führung durch die Kreis- und Bezirksdiener zukommen zu lassen.

Etwas anderes, das unseren Kreis- und Bezirksdienern gegenüber hervorgehoben wurde, ist das, daß sie dann, wenn sie einen Versammlungsdiener empfahlen, zuerst seine geistige Einstellung in Betracht ziehen und ob er den schriftgernäßen Anforderungen entspricht und nicht nur seinen Felddienstbericht betrachten. Wenn sie einen guten Mann finden, der lange in der Wahrheit ist, der den Anforderungen eines Aufsehers entspricht der nach seinen Brüdern schaut und sich auch derer annimmt, die sich taufen lassen, indem er sie besucht und weitere Studien mit ihnen durchführt und ihnen hilft, die Wichtigkeit zu erkennen, wieder die Zusammenkünfte zu besuchen, dann muß das alles als gute Zeit mit in Betracht gezogen werden, die ein Hirte darauf verwendet, sich seiner Herde anzunehmen. Wir können die Befähigung als Aufseher nicht lediglich gemäß der Anzahl der Stunden, die er im Felddienst verbringt, beurteilen. Ein guter Hirte mag 6 oder 7 Stunden im Felddienst verbringen und weitere 5 oder 6 Stunden darauf verwenden, die Schwachen in der Versammlung zu besuchen. Wenn ein Versammlungsdiener das wünscht, dann kann er das mit auf seine in der Ablage liegenden Verkündiger-Dienstkarte vermerken, damit dann, wenn der Kreisdiener die Versammlung besucht, dieser sehen kann, wieviel Zeit er darauf verwendet die Verkündiger in der Versammlung lebendig zu erhalten und sie geistig aufzuerbauen.

Jetzt können die Kreis- und Bezirksdiener ihre Felddienststunden berichten, die bis auf 70 Stunden herabgehen können, doch sollten sie am Fuße der Berichte anführen, wieviel Stunden sie darauf verwendet haben, um den Schwachen oder untätigen Verkündigern durch persönliche Besuche zu helfen, die Wahrheit mehr zu schätzen oder die sie darauf verwendet haben, sie wieder zu ermuntern, damit sie zuerst, wieder zurück in die Versammlung kommen und dann in den Felddienst gehen.

Es mag sein, daß eine Anzahl Brüder für eine gewisse Zeit den Karren vor das Pferd gespannt haben, dadurch nämlich, daß sie den Felddienst als viel wichtiger betrachteten als den Zusammenkünften, beizuwohnen und die geistige Reife zu erlangen, die sie benötigen, um gute Diener Gottes zu sein. Ich glaube, daß wir bedenken sollten, daß eine Person, die den Wachtturm nicht studiert oder nicht zu unseren Zusammenkünften kommt und sich mit den Brüdern verbindet und nicht weiß, was in den Dienstversammlungen und in der theokratischen Predigtdienstschule gesagt wird, das geistige Leben nicht aufrecht erhält. Er ist sich seiner geistigen Bedürfnisse nicht bewußt. Solche Personen sind tatsächlich nicht qualifiziert, Felddienstverkündiger zu sein und Jehovas Zeugen zu repräsentieren Diese Sache wurde deshalb bei unserer Besprechung mit unseren Kreis- und Bezirksdienern äußerst stark betont, damit sie versuchen, unsere Brüder zu veranlassen, die Zusammenkünfte zu besuchen, damit sie wenigstens ein- oder zweimal in der Woche dort sind, um geistige Hilfe zu erhalten und um sie dann natürlich zu ermuntern, mit dem Felddienst fortzufahren. Felddienst ist notwendig, aber einer der Hauptpunkte, den wir unseren Brüdern gegenüber betonen, war, daß es für unsere Brüder zuerst notwendig ist, eine genaue Erkenntnis der Wahrheit zu haben und darf sie dann zweitens diese genaue Erkenntnis im Predigen und Lehren anwenden.

Die Umstände in Eurem Lande mögen es nicht zulassen, daß das neue Formular, der Probezeitplan für Verkündiger, die mit dem Kreisdiener arbeiten (S. 58), von dem Euch ein Exemplar mitgesandt wurde, in der Art verwendet wird, wie es vorbereitet ist, besonders was das zeitgemäße Eintragen von Verkündigern betrifft, die mit im Dienst stehen sollen. Aus diesem Grund hat jeder Zweig die volle Freiheit, den Zeitplan für seine Kreis- und Bezirksdiener so aufzustellen, wie er am besten paßt. Ihr braucht nicht die Stunden zu übernehmen, um Verabredungen zu treffen, wie wir das vorgeschlagen haben, noch braucht Ihr dieselben Zeiten für das Abhalten der Zusammenkünfte zu verwenden. In einigen Ländern mögen unsere Brüder wünschen, bereits um 6 oder 7 Uhr morgens in den Felddienst zu gehen, weil es sonst zu heiß ist und weil jedermann so früh am Tag zu erreichen ist. Aus diesem Grunde würde unser Stundenzeitplan Euren Verhältnissen überhaupt nicht entsprechen. Und selbst wenn unser Stundenzeitplan von dem Eurigen um eine halbe Stunde oder eine Stunde variiert, dann stellt Euren Plan für Eure Kreis- und Bezirksdiener so auf, daß er den Verhältnissen in Eurem Lande entspricht.

Ich schätze die Briefe sehr, die die Zweige als Bericht über ihre Zusammenkünfte mit den Kreis- und Bezirksdienern eingesandt haben, wodurch es uns möglich war, eine ganze Anzahl von Problemen kennenzulernen. Ich werde diese Briefe nicht individuell beantworten, aber ich werde sie durchsehen, um zu sehen, worin Eure örtlichen Probleme bestehen. Wie Ihr aus dem ersten Absatz dieses Briefes ersehen könnt, besteht in den größeren Nationen, wo der Wohlstand groß ist und jedermann beschäftigt ist, oft Mann und Frau und manchmal sogar noch die Kinder, ein gewisser Zug, und es hat sich eine Nachlässigkeit ergeben, weniger zu den Zusammenkünften zu gehen, so daß der Materialismus an allem schuld sei. Bevor wir da etwas dagegen tun, glaube ich, daß wir zuerst unsere Kreis- und Bezirksdiener und unsere Aufseher in den Versammlungen betrachten sollten, um zu sehen, ob sie die Arbeit eines Hirten tun, um nach der Herde zu schauen und ihr all das geben, was sie benötigt an Ermunterung und Hilfe, dann an Leitung und Austeilen von Speise. Wir werden auch auf die Probleme dieser Personen bezüglich des Materialismus eingehen müssen und müssen zeigen, daß es vollständig in Ordnung ist, daß sie Arbeit haben und beschäftigt sind, daß auf der anderen Seite Jehova Gott aber sagt, daß wir dann wenn wir Nahrung und Bekleidung und Obdach haben zusammen mit Gottergebenheit wir dadurch Zufriedenheit finden (l. Tim. 6:8). Finden aber unsere Brüder Zufriedenheit? Wenn sie die richtige Ausgeglichenheit in ihrem geistigen Leben, zusammen mit der Felddiensttätigkeit haben, und wenn sie genug zu essen haben und wenn sie einen Platz zum Schlafen besitzen und sich kleiden können, dann sind sie dagegen geschätzt, andere Dinge in ihrem Leben der Freude, Gott zu dienen, vorzuziehen.

Darüber gibt es keine Frage. Der Materialismus spielt eine wichtige Rolle in dem Leben vieler unserer Brüder. Doch was ich hervorheben möchte ist das, ob unsere Kreis- und Bezirksdiener sowie auch Versammlungsdiener unseren Brüdern genug helfen, diese Probleme zu überwinden und ihre Angelegenheiten so zu regeln, daß sie wirklich zu den Zusammenkünften kommen und Zeit für das Predigen der guten Botschaft zu verwenden? Ein Ausspruch, der kürzlich von einem prominenten Volkswirtschaftler gemacht wurde, zeigt, daß in den Vereinigten Staaten von Amerika die Öffentlichkeit zuviel Geld ausgibt. Mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet das, daß die Menschen soviel Geld verdienen, das sie es nicht schnell genug wieder ausgeben können. Die Menschen glauben, daß das Geld in einigen Jahren vielleicht nicht mehr viel wert sei, so daß sie es genausogut auch jetzt schon ausgeben könnten.. Darum reisen sie, kaufen Boote, Häuser, ziehen aufs Land, haben ihre Autos und wollen natürlich alle diese Dinge auch gebrauchen, und das hält die amerikanische Öffentlichkeit so beschäftigt, daß die Menschen sich nicht hinsetzen und noch irgend etwas lesen oder zu erholsamen Zusammenkünften gehen, Interesse an der Politik, an der Religion oder ihrer persönlichen Erziehung zeigen. Das ist wahrscheinlich auch in anderen Ländern genauso. Was die Öffentlichkeit im allgemeinen beeinflußt, hat wahrscheinlich auch einen Einfluß auf einen Teil unserer Brüder, die in der Wahrheit sind, und wenn wir ihnen helfen wollen, dann müssen wir das bestimmt durch unsere Bezirks-, Kreis- und Versammlungsdiener tun.

Wir nehmen deshalb einige Änderungen vor, und es kann sein, daß ich die Broschüre "In Frieden und Einheit predigen und lehren" neu schreibe, doch wenn unsere Brüder grundsätzlich dem folgen, was, in dieser Broschüre gesagt ist, da sie darin unterwiesen werden, vor allem die Bibel zu studieren, um herauszufinden, was der Wille Gottes ist und zweitens diese gewonnene Erkenntnis zu verwenden, um anderen Personen zu helfen, eine Erkenntnis der Wahrheit zu erlangen, dann erfüllen sie die christlichen Anforderungen. Gott zu dienen ist eigentlich etwas einfaches, und wir möchten es nicht durch eine Anzahl von Anordnungen und Vorschriften kompliziert machen. Wir hoffen, daß unsere Brüder sich über die Verbindung mit Gottes Volk und dem Studium seines Wortes freuen, ihr Denken dem darin Gesagten anpassen und dann auch die zusätzliche Freude haben, anderen Personen mitzuteilen, was sie gelernt haben, indem sie von Haus zu Haus gehen und Bibelstudien durchfuhren. Einfach ausgedrückt ist das der ganze Zweck unseres Lebens, die Wahrheit kennenzulernen und anderen davon zu erzählen. Wenn wir alle unsere Brüder soweit bringen können, daß sie an dieser Tätigkeit Interesse finden, Erkenntnis aufzunehmen und sie dann an andere weiterzugehen, dann haben wir unseren Zweck erreicht. Dann wird die Botschaft vom Königreich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis von denen verkündigt, die befähigt sind, zu predigen. Jesus sagte uns: "Gehet daher hin und machet Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie in dem Namen des Vaters und des Sohnes, und des heiligen Geistes und belehrt sie, alle Dinge, die ich euch geboten habe, zu halten". (Matth. 28:19, 20). Es scheint jedoch, als ob einige unserer Brüder vergessen hätten, daß wir diejenigen, die wir zu Jüngern machen, belehren sollten, alle Dinge zu beachten, die Jesus seine Jünger zu tun geboten hatte, und das bedeutet, daß wir alle Erkenntnis, die Jesus seinen Jüngern vermittelte, aufnehmen sollten. Deshalb müssen wir Gottes Wort studieren und müssen das Verständnis davon in unserem Sinn haben, bevor wir wirklich hinausziehen und die Gute Botschaft des Königreiches predigen zu können. Wenn wir deshalb Jünger aus Menschen aller Nationen machen und sie taufen, dann bedeutet das, daß sie auch die Erkenntnis aufnehmen und sich mit unseren Brüdern in dem Königreichssaal verbinden müssen, um für den Felddienst vorbereitet zu werden. Es mag sein, daß viele der Personen, die wir unterwiesen haben in den Felddienst zu gehen, noch nicht genügend lang die fundamentale Kenntnis im Königreichssaal oder in den Bibelstudien, die wir für sie vorbereitet hatten, erhalten haben, bevor sie in den Felddienst gingen.

Seid sicher, das die Kreis- und Bezirksdiener während der jährlichen Kongresse ihre Zeit und ihre Arbeit so einrichten, das sie in der Lage sind, allen Vorträgen, die bei den Bezirksversammlungen gegeben werden, zuhören können. Sie benötigen alle diese geistige Speise genauso, wie sie Verkündiger benötigen.

Wenn die Kreis- und Bezirksdiener die Aufsicht über die verschiedenen Abteilungen bei der Versammlung führen, dann sollten sie ihre Arbeit so gut geplant und organisiert haben, daß dann, wenn die Sprecher mit ihren Ansprachen beginnen, sie sich hinsetzen und den Ansprachen zuhören können. Wenn sie dann den Versammlungen nach der Versammlung dienen dann wissen sie, was ihre Brüder gehört haben und können über diese geistigen Dinge mit ihren Brüdern sprechen.

Es ist ganz offensichtlich, daß die Zeit vor Harmagedon immer kürzer wird und daß die Verhältnisse in der Welt immer gespannter werden, und daß unsere Kreisdiener und solche, die die Verantwortung für die verschiedenen Gebiete haben, in erster Linie sicher sein möchten, daß wir alles mögliche tun, daß unsere Brüder, die sich Gott hingegeben haben, auch solche, die Interesse an unserem Werk zeigen, sich nahe an die Organisation halten, und daß wir auch all die anderen Schafe finden möchten und deshalb den Ruf laut erschallen lassen: "Geht aus ihr hinaus mein Volk" (Offb. 10:4). Wir haben viel zu tun und wir hoffen, daß wir unseren Brüdern helfen können, das gleiche zu tun, bevor das Ende kommt. (Hebr. 10: 25)

Ich dachte, daß es gut wäre, Euch zu schreiben und Euch einige Höhepunkte mitzuteilen von dem, was wir beobachtet haben und es mag sein, das diese Gedanken und Dinge, die wir mit Bezug auf unser Feld festgestellt haben, auch für Euch hilfreich sein können. Die Art wie wir unsere Kreis- und Bezirksdiener jetzt betreuen, daß wir ihnen eine freiere Hand geben, um ihren eigenen Zeitplan in den Versammlungen aufzustellen und um den Verkündigern und Aufsehern zu helfen, so wie sie es für richtig finden, sollte sich auch für Euer Gebiet nützlich auswirken. Natürlich werden sie darüber einen Bericht an die Gesellschaft schicken und das wird der zentralen Organisation eine Hilfe sein. So möchten wir alle Beauftragten im Felde ermuntern, mehr aktiv und hilfreich zu sein. Zeigt herzliche Liebe und Hingabe allen Verkündigern gegenüber und laßt uns solchen helfen, die bereits für einige Zeit mit uns verbunden sind, wie auch denen, die neu hinzukommen werden. Möge Jehovas reicher Segen mit Euch sein und seid meiner herzlichen Liebe und besten Wünsche versichert.

Unsere Auffassung dazu:

Der Brief des Präsidenten Knorr vermittelt uns in einigen wichtigen Punkten die gegenwärtige Situation innerhalb der WTG. Mit der zunehmenden Inaktivität und Abkehr von der WT-Verkündigung steht die Organisationsleitung in der Tat einem ernsten Problem gegenüber. Wir glauben nicht daß die Ursachen vorwiegend im Materialismus begründet liegen, sondern, daß die Bewegungen, die in vielen Ländern der Erde im Gange sind, einen erheblichen Anteil an der Verminderung der Verkündigerzahl haben. Die Führung der WTG sieht sich auf Grund der vielen Stimmen, die sich weltweit gegen die Diktatur der WTG erheben, veranlaßt die Schwierigkeiten in den Versammlungen auf anderer Grundlage zu lösen. Liebe und Einfühlungsvermögen sollen nunmehr das Mittel sein, sich der Enttäuschten anzunehmen und die verlorenen Schafe in die Herde zurückzubringen. Jedoch ist Liebe eine Eigenschaft, die man nicht wie eine Vorschrift erlernen kann. Man muß sie im Herzen haben. Die führenden Persone der WTG haben es schon immer verstanden, ihre Liebe zur Schau zu stellen, doch wie bekannt: schon bei geringfügigen Anlässen hat sie stets kläglich versagt. Wahre, von Gott gegebene Liebe aber bewährt sich in jeder Situation. Daran kann man Gottes Diener erkennen.

Seid auf der Hut! Laßt euch nicht täuschen! Unsere Warnung ergeht besonders an jene, die man durch schöne Worte zur Rückkehr in die Organisation veranlassen möchte. Seid wachsam und gesunden Sinnes und laßt euch durch die WT-Vertreter nicht betören, wenn sie sich darum mühen, euch wiederum in das Joch der WT-Sklaverei einzuspannen. Denkt an die zahlreichen Beweise, worüber es keinen Zweifel mehr gibt: Das von der WTG errichtete "Neue System der Dinge" ist ein System der Ungerechtigkeit und hat mit Gottes kommender Neuordnung nichts gemein. Seid wachsam!
 

Eingesandter offener Brief an Wachtturm-Redakteur Günter Künz,
Wachtturm-Zweigbüro Wiesbaden-Dotzheim

Lieber Bruder Künz!
Seit 1964 bist Du vom WTG-Hauptbüro in Brooklyn eingesetzt als verantwortlicher Redakteur für die deutsche Ausgabe des Wachtturms in Europa. Mit dieser Einsetzung hast Du eine große Verantwortung übernommen.

Mit diesem Brief möchten wir versuchen, Deine Aufmerksamkeit in besonderer Weise auf die Verantwortung für jene politischen Artikel lenken, die der WT seit Jahren in verhängnisvoller Weise für die Versammlungen in unserem Lande insbesondere herausgibt. Schon Dein Vorgänger Erich Frost war der Auffassung, daß die antikommunistischen Artikel im WT und Erwachet für die WTG nutzbringend seien. Daß dies aber nicht der Fall war und auch jetzt nicht ist, dürfte Dir in den Jahren nicht unbekannt geblieben sein. Eine Vielzahl von Brüdern und Schwestern lehnen diese politischen Artikel ganz energisch ab, was Dir auch nicht unbekannt sein dürfte. Es ist aber auch noch ein anderer Grund, der uns treibt, Dich auf einiges hinzuweisen, was Dir zum Schaden sein könnte. Du trägst als WT-Redakteur unterschriftlich die Mitverantwortung für diese politischen Artikel. Um es ganz deutlich zu veranschaulichen: Du bist z. B. mitverantwortlich, wenn im Herbst 1965 die illegale Leitung der Organisation in der DDR unter Bruder Werner Liebig, Dresden, verhaftet werden mußte. Der Grund dazu war: Untergrundarbeit, antikommunistische Hetze, Staatsverleumdung, Behördenbetrug und illegale Nachrichtentätigkeit und noch weitere Gesetzesverletzungen mehr. Außer anderen Beauftragungen von höheren leitenden Führern, tragen Deine Wachtturmartikel im besonderen dazu bei, die Bruder Liebig und seine Mitarbeiter zu solchen verfassungsfeindlichen Handlungen veranlaßten, tragen Deine Unterschrift.

Wir möchten der Hoffnung Ausdruck geben, daß Du Deine Mitverantwortung für die tragischen Folgen dieser WT-Artikel mit politischer Tendenz erkennst und die Kraft findest, auch gegenüber der WT-Leitung Gott und seinem Wort mehr zu gehorchen, wenn es sein muß. Auch Brooklyn ist nicht unfehlbar, das sollte die fatale Geschichte der WT-Obrigkeitslehren hinreichend zeigen.

Um das Anliegen dieses offenen Briefes besser zu verstehen, verweisen wir auf den Artikel in CV Nr. 9 über das Geständnis des Gileadmissionars Harald King, der 1963 aus chinesischer Haft entlassen wurde. (Siehe WT vom 15. Sept. 1963, S. 566f). Dann der WT vom 15. November 1966 mit dem Artikel: "Weltkommunismus, wie Gott ihn beurteilt", dies war der jüngste Höhepunkt in den politischen WT-Artikeln. Rückblickend stellen wir fest, daß sich der Kampf gegen Sozialismus und Kommunismus wie ein roter Faden durch die WT-Verkündigungen zieht. Sie steht im Zusammenhang mit den WT-Vorstellungen von einer Inthronisierung Christi als König seit 1914 im Himmel. Seit diesem Zeitpunkt sollen alle Regierungen Christus als den jetzt herrschenden König anerkennen und ihre Souveränität an ihn abtreten. Dies betrifft besonders die sozialistischen Staaten, nach der WT-Darstellung. In diesen Vorstellungen, die aber noch immer eines biblischen Beweises bedürfen, liegt eine der lehrmäßigen Wurzeln, die biblisch untragbar sind. Begründet sind sie allerdings in den politischen Bindungen, die die WTG-Leitung in westlichen Ländern eingegangen ist. Diese Bindungen dürften auch Dir nicht unbekannt sein.

Wir möchten Deine Aufmerksamkeit in Anbetracht Deiner Mitverantwortung für die Wachtturm-Artikel, besonders der politischen, auf diese untragbaren lehrmäßigen Wurzeln hinweisen und diese bei Veröffentlichung, besonders der politischen Artikel, gut zu beachten und Dir den Grundsatz ins Gedächtnis rufen, den Paulus kundtut in Rö. 12:18: "Haltet nach Möglichkeit, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden." (NW)

Für Dich sollte es nicht schwer sein, Klarheit in die Wachtturmverirrung zu bringen, denn Du sitzt an der Quelle dieses Wasserlaufes und solltest alles "Trübende und Verunreinigende" fernhalten. Dieses könnte durch Besinnung auf die Grundsätze der Heiligen Schrift über die rechte Stellung des Christen in der menschlichen Gesellschaft geschehen Die Schrift sagt nur wenig, aber dafür Grundsätzliches über die Stellung des Christen im Staate. Die Rechtmäßigkeit der Regierungen wurde von Jesus und den Aposteln nicht in Frage gestellt, wie die WTG es heute tut, und zwar seit der angeblichen Machtergreifung Christi im Jahre 1914 im Himmel. Wir sollten in diesen Dingen der Heiligen Schrift doch immer den Vorzug geben und nicht den WT-Lehren. Sei nicht weise in deinen Augen, fürchte Jehova und weiche vom Bösen." Spr. 3:7. Wir möchten nicht vergessen, Dich besonders auf den WT vom 15. April 1925 hinzuweisen, dort findest Du unter der Überschrift: "Die Geburt der Nation" ein wichtiges Argument in bezug auf den Machtantritt Jesu im Jahre 1914. Dort wird erklärt, daß Christus im Jahre 1914 zu herrschen begann. Mithin erkannte die WT-Leitung "e r s t 1925", also erst nach elf Jahren, sein von der WT-Führung errechneten Machtantritt. Wie konnte der göttliche, prophezeiende "Kanal des Herrn" so versagen? Wenn nicht einmal die "Göttliche Wachtturm-Organisation" das richtige Datum kannte, wie konnten es dann die Nationen wissen, um 1914 ihre Autorität an Christus abzutreten? Wenn schon die Wachtturm-Führung von 1914 bis 1925 in solcher Verwirrung steckte, wie kann man da von anderen verlangen, es besser zu wissen? Kann man da als vernünftig-denkender Mensch, heute mit dem WT-Buch "Dein Wille geschehe auf Erden" von Haus zu Haus gehen und den Menschen und Regierungen ernstlich verkündigen, sie hätten 1914 Christus als rechtmäßigen Herrscher anerkennen sollen, wenn die WTG-Leitung 1914 selbst davon noch nichts wußte? Das "Licht" kam ja erst 1925. Wie kannst Du dies in den jetzigen WT-Artikeln verantworten?

Genauso wie früher eine staatliche Ordnung nötig war, ist sie auch heute noch nötig. Handel, Verkehr, Landwirtschaft, Forschung usw. kann nicht ohne vernünftige Sozialordnung funktionieren, d. h. ohne staatliche Ordnung durch Gesetz und Regierung. Der Apostel Petrus verlangt deshalb auch besonders von den Christen, "aller menschlichen Ordnung um des Herrn Willen untertan zu sein." (l. Petr. 2:13). An und für sich ist das alles selbstverständlich und dürfte auch Dir verständlich sein, zumal der WT dies jetzt anerkennt.

Vieles wäre dazu noch nötig zu sagen, wir hoffen aber, daß Du mit diesem wenigen Deiner Verantwortung bewußt wirst. Grundsätzlich wäre eine Neubesinnung über die religiös-politischen WT-Lehren nötig, um die verhängnisvollen, politischen Artikel des Wachtturms zu überwinden Ob Du es willst oder nicht, trägst Du als WT-Redakteur die Mitverantwortung für alle diese politischen, verhängnisvollen und religiösen falsch dargelegten Artikel und bist mitschuldig an daraus entstehenden Nachteilen für die Brüder. Denke an die Schriftworte: "Bereit zu sein zur Verantwortung vor jedermann, der Rechenschaft von Dir fordert" 1. Petr. 2:15. Begreife den Ernst der Lage und hilf an erster Stelle mit, eine grundsätzliche Neugestaltung und Besinnung über die politischen WachtturmEntgleisungen in allen Versammlungen herbeizuführen. Dies sollte Deine zukünftige Bestrebung sein, damit Deinen Brüdern und Schwestern zu helfen. Du solltest von nun an bereit sein, alle Schwierigkeiten und Nachteile, die für Brüder und Schwestern aus den Wachtturm-Artikeln entstanden, zu vermeiden und die nachteiligen Anweisungen, die aus Brooklyn kommen, energisch zurückweisen, weil Du letzten Endes die Verantwortung dafür trägst. Beschreite nicht den Weg Deiner Vorgänger, gehe den besseren Weg, den der Herr zeigt in seinem Worte. Es ist besser, für sich Nachteile zu tragen, als Brüder damit zu belasten. Höre die brieflichen Ermahnungen, welche im Bethel Wiesbaden immer eingehen von den Brüdern, die Sorge tragen um ihre Brüder, weil in ihnen die Liebe zu Gott und den Brüdern nicht erkaltet ist.

Möchten Dir die Worte des Apostels Paulus eine Richtschnur sein in Deinem Dienstamt: " …durch die Liebe dienet einander. Wenn ihr aber einander beißet und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht voneinander verzehrt werdet.' Gal. 5:13, 15. "Und in der Bruderliebe seid herzlich, seid nicht klug bei euch selbst, seid vorsorglich für das, was ehrbar ist vor allen Menschen, wenn möglich so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden." Rö. 12:10, 17, 18.

Dies ist unser Wunsch, daß Dir der Herr Jehova beistehen möchte, in der Liebe zu den Brüdern überströmend zu werden, damit Du ihnen eine Hilfe werdest und sie vor geistlichen und körperlichen Schaden bewahrst, wie es Dein Dienstamt als Hirte von Dir fordert.

Deiner Antwort entgegensehend, Deine Brüder in Christlicher Verantwortung.
 

"Warum ich der Zeugen-Organisation den Rücken kehrte
Erfahrungsbericht eines jungen ehemaligen Zeugen
Von Kindheit an bin ich in den Glauben der Zeugen Jehovas hineingewachsen. Das Wachtturm-Studium gehörte zum täglichen Leben wie das Brot. Mit zehn Jahren wurde ich Halbwaise. Meine Mutter durch Schicksalsschläge in die Fangnetze der Wachtturmreligion hineingetrieben, fand in ihr einen festen geistigen Halt, um mit den schwierigen Problemen des Lebens fertig zu werden. Mein junges Leben formte sich in positiver und negativer Weise durch die WT-Religion.
Das verheißene 'Paradies der neuen Welt', das unmittelbar bevorsteht, ist das einzige erstrebenswerte Ziel im Leben. So wurde ich belehrt, ich glaubte daran. Die Jahre vergangen, die Zeit zum Eintritt in das Berufsleben begann. Ich erlernte den Beruf des Fliesenlegers.
,Lebe heute schon nach den Grundsätzen der Neuen-Welt-Gesellschaft inmitten dieser alten zur Vernichtung bestimmten Welt', so wurden wir belehrt. Ich bemühte mich, es zu tun. Kleine Ungenauigkeiten meiner Arbeitskollegen waren für mich stets große Fehler. Unduldsamkeit gegen menschliche Schwächen hatte mein Leben beeinflusst.
Bei den Kreisversammlungen in Berlin (W) war ich immer anwesend. Sie gaben mir neuen Mut, sie halfen die Realitäten des Lebens zu ignorieren, sie halfen die Wachtturmreligion folgerichtig auszuleben. Der Gegensatz zwischen WT-Religion und den tatsächlichen Gegebenheiten führte allmählich zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Mein kindlich jugendlicher Eifer für die WT-Religion begann immer mehr abzuflachen. Gezwungenermaßen passte ich mich im Laufe der Zeit an einige Realitäten des Lebens an.
Das Jahr 1961 kam, die Staatsgrenze nach W-Berlin wurde geschlossen. Welchen Weg willst du in deinem Leben einschlagen? Diese Frage wurde in mir immer dringender. Eine Entscheidung musste getroffen werden. Das Pflichtbewusstsein: 'Jeder Zeuge Jehovas ein aktiver Verkündiger der guten Botschaft', hielt mich immer wieder vor einer Entscheidung zurück, ich war nicht in der Lage, Klarheit zu schaffen. Der Wunsch, endlich in meinem jungen Leben eine Entscheidung zu treffen, führte nun dazu, den vorgezeichneten Weg zu einer 'Neuen Welt' zu gehen, wie es die WTG lehrte. Ich begann nun aus eigenem Antrieb von Haus zu Haus zu predigen. Nach kurzer Zeit gab ich es wieder auf. Die notwendige Schulung fehlte noch. Eine Umorganisierung der Wachtturmstudiengruppen wurde vorgenommen, Ich kam zu einem ZJ in die Studiengruppe, der seit 1930 ZJ war. Jetzt ging alles verhältnismäßig schnell. Meine Willensbereitschaft war vorhanden. Ich wurde zum Prediger geschult. Im Jahre 1962 im Alter von 19 Jahren ließ ich mich taufen und wurde nun ein Zeuge Jehovas. Mein Eifer für die Wachtturmreligion, den ich schon in meiner Kindheit bekundet hatte, war wieder neu entfacht. Ein Jahr später war ich selbst Studienleiter. Zwei Jahre später wurde ich für die Literaturversorgung verantwortlich. Im Predigtdienst, unter Berücksichtigung entsprechender Sicherheitsmaßnahmen, war ich im Vergleich zu anderen Verkündigern überdurchschnittlich aktiv. Die dabei erreichten Ergebnisse gaben meinem Eifer allmählich eine lähmende Wirkung. Unter den vielen Menschen, die ich angesprochen hatte, fanden sich nur zwei unter vielen Schwierigkeiten, welche sich taufen ließen. Trotz weiterer Vervollkommnung meiner Predigtmethoden erklärte sich keiner bereit, ZJ zu werden. Mit 15 Menschen guten Willens hatte ich ein Heimbibelstudium begonnen. Alle brachen das Studium nach kurzer Zeit wieder ab, so sehr ich mich auch um sie bemühte. In unserer Versammlung war ich fast der einzige, der es durch die angewandte Neuarbeit geschafft hatte, wenigstens aus zwei Menschen guten Willens, Zeugen Jehovas zu machen. Unser Zuwachs, den wir hatten, bestand nur aus Menschen, die durch familiäre freundschaftliche Bande in die Netze der WT-Religion hineingezogen wurden.
Die Zeit verging, das Heimbibelstudium mit dem jungen Ehepaar, die ich zu Zeugen Jehovas gemacht hatte, nahm sein Ende, Zeit zum Nachdenken über die Wachtturmreligion entstand. Waren die Tausende von Menschen, denen ich und andere ZJ gepredigt hatten, so total verblendet, dass sie nicht mehr erkennen konnten, dass nur die Bibel den Ausweg zur Lösung aller Probleme zeigt? Die Wachtturmantwort: 'Der Gott dieses Systems hat den Sinn der Menschen verblendet', gab mir keine vollständige Befriedigung. Diese Menschen waren intelligent, vielen der ZJ in unserer Versammlung dagegen konnte man dieses Prädikat nur bedingt zusprechen. Die meisten von ihnen hatten es im weltlichen Leben nicht weit gebracht; schwere Schicksalsschläge hatten ihr Leben oftmals geprägt.
Ich tat nur noch das Allernotwendigste, was ich tun musste. Aber ich saß schon tief im Sumpfe der Zeugenorganisation fest. Die Literaturversorgung und die Felddienstberichte für zwei Berliner Versammlungen gingen durch meine Hände. Durch Erfahrungen gereift, begann ich allmählich das Leben objektiv ohne Wachtturmbrille zu betrachten. Die lebensfremden Wachtturmphrasen, die ich in meiner Studiengruppe immer weiter lehren musste, wurden mir bald zu einer unerträglichen Last. Meine Predigttätigkeit war fast ganz weggeschmolzen. Mir blieb mehr Zeit zum Nachdenken. Was hatte meine Predigttätigkeit bewirkt? Sie hatte bewirkt, dass Menschen sich in ihrer beruflichen Vorwärtsentwicklung selber ruiniert hatten.
Folgende Beispiele mögen das veranschaulichen:
Ein junges Ehepaar, der Mann von Beruf Bäcker und Konditor, der es zum Meister brachte, geriet in die geschickt ausgelegten Fangnetze der Wachtturm-Sklaverei. Seine Schwiegereltern, welche eine Bäckerei betrieben, wollten diese aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Es lag also nahe, dass der Schwiegersohn sie übernehmen würde. Die Bereitschaft dazu war vorhanden, die materiellen und fachlichen Voraussetzungen waren ebenfalls gegeben. Es hätte ihn eigentlich nichts daran hindern können, die Bäckerei zu übernehmen. Trotzdem hinderte ihn etwas daran - die Wachtturmreligion! Eine Bäckerei selbständig zu führen, erfordert verständlicherweise einen höheren Zeitaufwand als eine unselbständige berufliche Tätigkeit Dieser erhöhte Zeitaufwand würde nur auf Kosten der Predigttätigkeit verwirklicht werden können. Damit waren aber wir, als verantwortliche Diener der Wachtturm-Gesellschaft nicht einverstanden, weil uns die Lehren und Hinweise der WT-Leitung Gesetz waren. Wir begründeten es biblisch: 'Wenn ihr, Nahrung und Obdach habet, lasst es euch genügen, trachtet zuerst nach Gottes Königreich; sammelt euch nicht Schätze, die Motte und Rost zerstören' 1. Tim. 6:8,9; Matth. 6:33, 19, 20.
Wir waren geschulte Prediger der WTG. Als solche fiel es uns nicht schwer, durch die Gehirnwäschemethoden, diesen jungen ZJ auf taktvolle aber unmissverständliche Weise von dem Vorhaben, die Bäckerei zu übernehmen, abzubringen In welche schwierige und bedrückende Lage sind wir doch durch die beharrliche Ausführung der Wachtturmreligion geraten?!
Ein anderes Beispiel: Ein Abteilungsleiter in einem VEBetrieb hatte Finanzökonomie studiert. Er erlitt einen Schicksalsschlag. Seine Frau starb an einer schweren Krankheit. In seiner Nachbarschaft wohnte eine Zeugin Jehovas. Freundschaftliche Bande, die zur Ehe führten, entstanden. Der Abteilungsleiter besaß keine Kenntnisse über die Wachtturmreligion. Durch unsere Bemühungen wurde er darin eingeweiht und gefestigt. Nun begannen für ihn Schwierigkeiten und Gewissenskonflikte. Denn: 'Wer immer ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar'. Jakobus 4:4. Diesen Lehrgrundsatz mussten wir ihm unbedingt beibringen. Seine verantwortliche Stellung brachte für ihn gesellschaftliche Verpflichtungen mit sich. Auf Grund der Zeugentheologie zog er sich von diesen Verpflichtungen zurück. Die Folgen, blieben nicht aus. Bei den nächsten Rationalisierungsmaßnahmen in seinem Betrieb musste er, zweimal seine verantwortlichen Stellungen zugunsten weniger verantwortlicher Aufgabengebiete abgeben. Rein fachlich bestand kein Anlass dazu, aber der Zeugennihilismus (Standpunkt der völligen Verneinung aller Werte) führte dazu.
Noch ein Beispiel: Ein junger Bauhandwerker hatte ein Ingenieurstudium begonnen. Er lernte während seiner Studienzeit eine Zeugin Jehovas kennen und wurde nach einiger Zeit selbst Zeuge Jehovas. Eine Werbekampagne für die Volksarmee - zu dieser Zeit gab es noch keine Wehrpflicht - wurde durchgeführt Er lehnte ab, obwohl er noch nicht getauft war. Seine Begründung waren die Neutralitäts-Redewendungen der Wachtturm-Organisation. Die angespannte Lage nach Schließung der Staatsgrenze nach Westberlin führte dazu, dass er sein Studium aufgeben musste.
Die Liste solcher Erfahrungen könnte noch weiter fortgesetzt werden. Ich persönlich musste eine ähnliche Erfahrung machen. 'Freundschaft mit der Welt, bedeutet Feindschaft mit Gott.' Jak. 4:4. In Erfüllung dieses Gebotes trat ich offiziell aus der Gewerkschaft aus. Bei den Rationalisierungsmaßnahmen im Bauwesen musste ich dann, als Folge meines Austritts, einen zweiten Beruf erlernen. Mir hat es nichts geschadet, meine Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen sind dadurch größer geworden. Es geht aber nicht immer so positiv aus. Es gibt genügend negative Beispiele, wo sich Zeugen Jehovas in ihrer beruflichen Entwicklung, auf Grund der Wachtturmtheologie, selber ruiniert haben.
Das Bewusstsein, unfreiwillig einen großen Teil Schuld an diesen angeführten Beispielen zu haben, veranlasste mich, aus dem Zustande des objektiven Nachdenkens über die Wachtturmreligion zur kritischen Untersuchung überzugehen. Im Ergebnis davon lehne ich die Hauptlehren der Wachtturmtheologie grundsätzlich ab.
Noch war ich Zeuge Jehovas, noch musste ich die Pflichten der Literaturbesorgung, Felddienstberichtsweiterleitung und den Dienst eines Studiendieners weiter erfüllen. Es fehlte noch ein Zündfunke, der die gesammelten Erkenntnisse in Taten umwandelte. Der Zündfunke kam. Ein Bruder hatte mit den Wehrdienstbehörden Schwierigkeiten. Er wurde zu einer persönlichen Aussprache auf das Wehrkreiskommando vorgeladen. Im Ergebnis dieser Aussprache legte man einige Exemplare der offiziellen Wachtturm-Literatur vor, worin zum Ausdruck kommt, die angebliche Neutralität der Zeugen Jehovas macht dem sozialistisehen, kommunistischen Gesellschaftssystem gegenüber eine Ausnahme.
Als Abschluss dieser Vorladung überreichte man das Buch 'Ich war Zeuge Jehovas' als Geschenk. Ungelesen überbrachte dieser Bruder mir noch am selben Abend dieses Buch. Da ich für die Literaturversorgung verantwortlich war, glaubte er, dass ich der richtige Mann dafür sei. Im Sinne der ZJ war dies doch nicht denn sie meinen, wenn man die Argumente seiner Gegner nicht kennt, dann existieren sie nicht. So einfach machte ich es mir nicht. Ich las das Buch, sogar in der Absicht, es, wenn möglich, zu widerlegen. Die Argumente von einem Pastor, sowie von einem hauptamtlichen Prediger einer anderen Gemeinschaft, hatte ich ja auch schon erfolgreich widerlegt. Warum sollte es nicht hier auch der Fall sein?
Ich fand aber nichts darin, was zu widerlegen sei. Neue Tatsachen, die ich vorher nicht gekannt hatte, lernte ich jetzt kennen. Die Darlegungen über das Jahr 1925, wo die Abrahamweltregierung auferstehen sollte nach Präsident Rutherfords Behauptungen, zogen mich magisch an. Darüber hatte ich noch nichts gehört.
Ich erhielt Besuch von einem Bruder, welcher seit 1930 zur WTG gehörte. Wir kamen auf das Jahr 1925 zu sprechen und der ältere Bruder bestätigte mir, dass er sich gut erinnern könne, dass das Jahr 1925 als das Jahr der Weltwende prophezeit war. Auch bei seiner Predigttätigkeit im Jahre 1930 ist er oftmals auf Leute gestoßen, die als Begründung zu ihrer Ablehnung sagten: Nun die Bibelforscher haben doch schon 1925 'einen großen Reinfall erlebt!' Das stimmt, aber da das Licht immer heller werde, kann man die Geschehnisse von 1925 nicht mit der jetzigen Organisation unter einen Hut bringen; dass war seine Beweisführung darauf, die ihn wahrscheinlich befriedigte. Mich hat diese Beweisführung nicht befriedigt.
Ich begann nun intensiv in der mir zur Verfügung stehenden WT-Literatur nachzuforschen. In dem Buch 'Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben' werden die Geschehnisse von 1925 in verschleierter Form zugegeben. Auf Seite 107 heißt es: 'Da nun die Verantwortung der Weltherrscher durch drei scharfe Resolutionen so klar gezeigt worden war, erging ein Ruf an alle Menschen guten Willens, ihre Hoffnung auf Gottes Königreich zu setzen, welches im Jahre 1914 aufgerichtet worden ist. Dieser Aufruf erging im Jahre 1925, dass übrigens für eine Anzahl ZJ ein kritisches Jahr war. Die Gesalbten hatten im allgemeinen die Ansicht vertreten, dass die Überrestglieder des Leibes Christi in jenem Jahre ihre Verwandlung zur himmlischen Herrlichkeit erfahren würden, . . . aber sie wurden davor gewarnt, so wie die Brüder im Jahre 1925 gewarnt wurden. Der Wachtturm führt aus: "Christen sollten nicht so tief bekümmert sein um das, was sich während dieses Jahres ereignen mag, so dass sie es daran fehlen ließen, freudig das zu tun, was der Herr von ihnen getan haben will.'
Man gibt also zu, 1925 war ein kritisches Jahr, die Zeugen Jehovas, damals noch die Ernsten Bibelforscher, hofften in jenem Jahre in den Himmel zu kommen. Die tatsächlichen Geschehnisse straften diese Hoffnungen jedoch als Lügen. Diese Entdeckung trieb zu weiterem Forschen an, um kritische Schlussfolgerungen ziehen zu können. In der Gegenwart lehrt die WTG, dass ein sichtbares Eingreifen Gottes, nach den neuesten Berechnungen und neuem Licht, bis spätestens 1975 erfolgt. Besteht aber nicht die Gefahr, dass dies genau so ein Trugschluss ist, wie die Enderwartungen, die an das Jahr 1914 und 1925 geknüpft wurden? Offensichtlich ja! Die Behauptung, Gott greift bis spätestens 1975 in den Lauf der Menschheitsgeschichte ein, lässt sich nicht mit der Bibel beweisen.
Jetzt kam nun die Zeit, um die gesammelten Erkenntnisse in die Tat umzuwandeln. Zu diesem Zweck verfasste ich einen Brief, in welchem die WT-Lehren kurz kritisch beleuchtet wurden. Ich übersandte ihn an die verantwortlichen. Diener der WTG, mit der Bitte um Stellungnahme zu den unterbreiteten Tatsachen. Leider hielten sie es nicht für nötig, mir darauf eine Antwort zu geben. Dennoch blieb er nicht ohne Widerhall.
Es spricht sich schnell herum, wenn ein verantwortlicher Bruder anfängt zu rebellieren, denn in der Illegalität sieht man darin Gefahren. Entweder meidet man ihn so gut es geht, oder man versucht, ihn wieder zurecht zu bringen. In dieser Zeit lernte ich einen 'Ehemaligen' kennen. Wir besuchten uns gegenseitig, tauschten aus und ich erhielt weitere Hinweise und Literatur, die es mir ermöglichte, meine Kenntnisse über die WTG weiter zu vervollständigen.
Bedeutet eine Abkehr von der WT-Religion gleichzeitig eine Abkehr vom Christentum? Diese Frage beschäftigte mich. Ich kam zu der Antwort. Nicht unbedingt! 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebet eure Feinde . . .' Matth. 22:38, 5:44 und andere mehr, diese sind christliche Grundgesetze, einzig in ihrer Art. Hätte die Leitung der WTG nach diesen Grundsätzen gehandelt, dann brauchten keine Bücher geschrieben und sonstige Aufklärung gegeben werden, um die in der WTG befindlichen Schafe aufzuklären. Diese christlichen Grundgebote zu verwirklichen, ist auch in der Gegenwart eine dringende Notwendigkeit und Pflicht aller gerechtigkeitsliebenden Menschen. Christlicher Glaube, so verstanden, hat auch im 20. Jahrhundert seine volle Daseinsberechtigung.
Abkehr von der WT-Religion bedeutet auch, die Bibel richtig einschätzen zu lernen. Viele Verbrechen und Irrtümer in der Christenheit führten zu Abkehr vom Glauben, weil dies mit der Heiligen Schrift nicht vereinbar war. Christen sollten sich immer von der Liebe leiten lassen, dann wird vieles vermieden werden, was zum Schaden aller Menschen wird. Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten sollte uns leiten, dann wird der Friede nicht ausbleiben.
Wir alle leben im Heute, d. h. in der Gegenwart. Die Lösung der heutigen Probleme ist unser aller Aufgabe, Auch Christen haben die Pflicht, in Erfüllung des Gebotes der Nächstenliebe mitzuhelfen.
Ich weiß, dass dies die WT-Religion nicht wünscht, seinen Nächsten in liebender Weise zu helfen, die Erfahrungen zeigen dies deutlich, deshalb wandte ich mich von ihr ab. Ich hoffe und wünsche, dass noch viele zu dieser Einsicht kommen werden, dass man ohne die WT-Religion, Nächstenliebe besser betätigen kann.
Manfred Gebhard, Berlin
 

Aus eingegangenen Briefen
Aus der Schweiz:
… Ich kann es Dir gar nicht beschreiben, welche Freude ich empfunden habe, als ich CV gelesen hatte. Freude, daß es endlich Brüder wagen, gegen diesen unmenschlichen Druck aufzustehen und einander durch offene Aufklärung zu helfen. Ich selbst bin überzeugt, daß es keinen anderen Weg der Hilfe für die Geschwister gibt. Diese Organisation ist so hintergründig, das man sie selbst oder die Hintermänner nie treffen wird. Da bleibt nur eine Waffe übrig, die Aufklärung. Und sie muß von Zeugen selber getan werden, da Außenstehende nie den ganzen verzwickten Fragenkomplex erfassen können.

Leider hat mich die Zeit als Zeugin gesundheitlich derart zermürbt, daß ich, nachdem mir endlich die Augen aufgegangen waren, nur noch gerade die Kraft hatte, dieses Buch zu schreiben, um wenigstens ein paar Menschen warnen zu können. Ich sagte mir, wenn es nur einem einzigen Menschen helfen kann, der Organisation zu entrinnen, so war es der Mühe wert, denn das Leben eines Zeugen ist ein Hundeleben, ob hüben oder drüben. Aber Deine Schrift wird vielen helfen können. Wie wäre es möglich, daß man sie regelmäßig in die Hände bekommen könnte? . . . Ich kenne keinen Menschen in der DDR und bin da in vielen Dingen unwissend. Aber ich hätte Deine Schrift schrecklich gern, damit ich sie auch Bekannten geben könnte. Die beiden Nummern, die Du mir geschickt hast, sind mir zu wertvoll, als dar ich sie aus den Händen geben möchte.

. . . Ich bin überzeugt, was Du da tust, ist das einzige Richtige, im Zusammenhange mit der Gesellschaft. Aber bitte sei immer auf der Hut, es werden Dir bestimmt noch Fallen gestellt werden, an die Du gar nicht denkst. Ein Zeuge schrieb mir, das Geld sei nicht der Hauptzweck der Gesellschaft, obwohl es natürlich eine große Rolle spiele, sondern es stecke noch etwas weit Gefährlicheres dahinter, die Gesellschaft sei eine weltweite Gefahr, vor der man dringend warnen müsse.

. . . Du siehst, ich kann nur wenig tun für die Geschwister, aber das wenige, was ich tun kann, will ich von Herzen gern tun und ich bin glücklich, wenn ich Euch in Eurem mutigen Kampf wenigstens mit meinem guten Willen beistehen kann. Ich glaube einfach, Gott hat das Schreien vieler Zeugen und ihre Tränen zur Kenntnis genommen und beginnt ihnen zu helfen, und zwar durch ihre Mitzeugen selber, denn dazu sind wir auf der Welt, daß wir einander in aufrichtiger Liebe helfen. . . . Auf einen Brief von Dir warte ich schon jetzt mit Freude und vergiß bitte nicht, meine Fragen zu beantworten.

Und zum Schluß. Herzliche Segenswünsche für Dich und Deine Mitarbeiter und für die hartgeprüften Geschwister in der DDR, die man uns im Westen als köderndes Musterbeispiel ständig vor die Nase gehalten hat, wenn wir oft kaum noch konnten. Wie versteht es doch die Gesellschaft, die Geschwister gegenseitig auszuspielen! Und wie lange wird Gott diesem niederträchtigen Treiben zusehen Du und Deine Mitarbeiter, Ihr seid eigentlich schon eine Antwort auf diese Frage. Wie ich mich freue! Aber seid auf der Hut in jeder Beziehung! . . .

A 4001-68 V 71 2481

ZurIndexseite