Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 123
Bezüglich der in dieser Ausgabe wieder mit auftauchenden Meldung über einen angeblichen "Fernsehsender der WTG"; siehe das als Kommentar dazu angemerkte, bereits in der vorigen CV-Ausgabe.
Was soll man davon halten. Es liegt ein Wehrdienstverweigerungsfall vor. Der Betreffende als Zeuge Jehovas erzogen; aber zum Zeitpunkt der "Tat" volljährig und somit auch letztendlich für sich verantwortlich. Was soll man davon halten, wenn dessen Mutter, auch Zeugin Jehovas, Besuch von CV-Mitarbeitern erhält, mit dem offenkundigen Ziel, den "Täter" womöglich über die Mutter "umstimmen" zu können.
Mein Kommentar: Eine Unsensibilität sondergleichen. Und das alles dann noch in dem CV-Blatt veröffentlicht. Nein meine Herren, so nicht!


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DIE MISSION VON CV
ist Wegbereitung und Auferbauung im Glauben in christlicher und sozialer Mitverantwortung und tätiger Nächstenliebe hier und heute. Dies erfolgt in besonderem Hinblick auf die von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), USA, geleiteten Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und ihrer haltlosen Weltendeverkündigung. Diese Mission geht aus von Tradition und Bedeutung der Internationalen Bibelforschervereinigung und dient der Hinführung in die Nachfolge Jesu, der Bildung und Tätigkeit freier christlicher Gemeinden sowie christlicher und mitmenschlicher Verständigung und aktueller Information. Wir rufen zur Mitarbeit.

Nr. 123 Gera Oktober 1979

FÜR ÜBER 40 MILLIONEN MARK WTG-FERNSEHZENTRUM BEI DILLINGEN!
Wolfgang Franz zum Fernseh-Sender: "Wir sind gerüstet!"
Erste Meldungen im einzelnen
Unter der Bezeichnung "Audio Video Vertriebs GmbH Public Television KG" ein WTG-Fernseh-Zentrum bei Dillingen/ Donau, BRD, begründet.
Die Verantwortlichen Wolfgang Franz, Peter Lindlar, Heinz Köller und Franz-Peter Landlar nahmen bereits am 11. Internationalen Fernseh-Symposium in Montreux teil.

Auf dem Plan stehen Produktionen für Schulung, Werbung, Verkaufsförderung, Wissenschaft, Unterhaltung und aktuelle Berichterstattung.
Produktionskapazitäten, so Wolfgang Franz, sollen denen des "Senders Freies Berlin" (SFB Westberlin) entsprechen. Das Unternehmen soll zu den "größten und modernsten Fachunternehmen dieses Bereiches in der Bundesrepublik Deutschland" zählen.
Verhandlungen mit dem Bayrischen Wirtschaftsministerium. Afrika-Expedition für Fernsehprogramm "durch gute Beziehungen zum Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit" erleichtert. Kosten: ungefähr 150 000 Mark.

Erste Meinungen dazu
WTG versucht, nach erneutem falschem Weltende von 1975 durch gigantische Planungen Flucht nach vorn anzutreten, alle zu überrumpeln und weiter mitzureißen.
WTG dringt in die öffentlichen Massenmedien ein. Ihre soziale Entschärfungs- und Neutralisierungspolitik ist offensichtlich sehr erwünscht, um krisenhafte Aufbrüche zu unterlaufen und zu verhindern.

VERFOLGT DIE LAUFENDEN ENTHÜLLUNGEN IN CV HIERÜBER SOWIE DIE AUFDECKUNG DER WAHREN BEDEUTUNG ALL DESSEN! WTG BETREIBT EINEN GIGANTISCHEN ENDZEITBETRUG!
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Heute in CV
Bad Doberan im Juni 1978
Lachend antwortet sie: "CV? Das habe ich gleich verbrannt!" Aber dann lachte sie nicht mehr
Jugendliche Unreife mag einiges entschuldigen
Ein geistiges Paradies?
Unbefugt über andere Familien hergemacht - Willkürliche Reglementierung bis in die Intimsphäre - Skandalöse Zustände
Aus der Organisation
Dokumentation
Bewährungsbedingungen eines WT-Sittenprozesses
Unglaubliche Methoden menschlicher Entwürdigung
Unsere Erzählung
"Lassen sie mich doch mit ihrem Hermann Gedon in Frieden!"
Kreisdiener Heinrich Ditschi - ein aufrechter Verteidiger christlichen Glaubens (12)
Wohin sollen wir gehen?
Weiteres in der Wehrdienstfrage und zum Wehrersatzdienst
Lebendiges Christentum freier Christen
30 Jahre DDR
Zur christlichen Neuorientierung
"Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn Willen Untertan"
Wie hier und heute in unserem Land?
30 Jahre Jehovas. Zeugen durch die WTG in Haß und Staatsfeindschaft zu diesem Land getrieben
Nächste Ausgabe:
Wie es im Mai 1979 in Potsdam weiterging!
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Zum 30. Jahrestag der DDR
ALS CHRISTEN DEN PLATZ IM SOZIALISMUS FINDEN
Ein ernstes Wort an Jehovas Zeugen
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Zum 30. Jahrestag der DDR empfing der Staatssekretär für Kirchenfragen, H. Seigewasser, Vertreter der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker), Siebenten-Tags-Adventisten, Mennoniten, Reformiert-Apostolische Gemeinde, Evangelische Brüderunität, Christengemeinschaft, Selbständige ev.-luth. Kirchen, Bund freier evangelischer Gemeinden, Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), Altkatholische Kirche und Johannischen Kirche, wie auch der evang. Freikirchen, Baptisten, Methodisten.
Die Zeugen Jehovas allerdings nicht.

In einer übergebenen Erklärung heißt es: "Wir haben in unserer sozialistischen Gesellschaft einen Platz gefunden, auf dem wir unser kirchliches Leben ungehindert gestalten und unser Eintreten für den Nächsten in Übereinstimmung mit unserer Verantwortung als Staatsbürger wahrnehmen können. Wir optieren für die Politik unseres Staates und die humanistischen Ziele des Sozialismus, in denen wir ebenso Aufgaben christlichen Dienstes für den Nächsten in dieser Welt sehen."

In einer Grußadresse an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker bringen die Siebenten-Tags-Adventisten u. a. zum Ausdruck, daß sie "die staatliche und gesellschaftliche Neuordnung mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik bejahen."

Seitdem der WTG-Begründer C. T. Russell vor 100 Jahren die Siebenten-Tags-Adventisten verließ und 1879 sein eigenes Werk begann, begann eine "endzeitliche" antidemokratische, antisoziale, antirevolutionäre, antikommunistische und dann antisowjetische Irrfahrt unter der WTG, die in unchristlicher staatsfeindlicher Verteufelung von Sozialismus und Kommunismus ihren Höhepunkt gefunden hat, bis heute. Gekennzeichnet durch Dutzende falscher Zeiten, Zeitpunkte und Prophezeiungen. Die jüngste war 1975. Und mit dem zynischen Hinweis, die ersten Christen hätten das "Ende" ja auch nicht erlebt (WT 1. 4. 77, S. 205), wird nun die dritte Generation "endzeitlich" betrogen ins Grab gepredigt. Feindselig hetzt die WTG Jehovas Zeugen jedoch weiter gegen "revolutionäre Umtriebe" (Kongr. 1978, Brosch.), gegen soziales Engagement, als zwecklose "Weltverbesserung" verächtlich gemacht.

Auch Jehovas Zeugen müssen ihren Platz im Sozialismus finden. Zwangsläufig jedoch als WTG-freie Christen. Und sie können einen solchen Platz finden. Denn sie sind von der WTG unter Mißbrauch ihres Glaubens religiös und politisch irregeführt. So kommt die Notwendigkeit einer Neuorientierung unausweichlich auf sie zu, religiös wie politisch. Für jeden, der davon betroffen ist, ist es später, als er denkt! Jeder weitere Tag auf diesem religiös-politischen WT-"Endzeit"-Irrweg ist schon zuviel! Lest nur wieder diese CV-Ausgabe gemäß dem christlichen Grundsatz
Vergewissert euch über alle Dinge
haltet fest an dem, was recht ist
1. Thess. 5:21 NW
Eure Mitbrüder CV-Redaktion

Bad Doberan im Juni 1978
LACHEND ANTWORTETE SIE: "CV? DAS HABE ICH GLEICH VERBRANNT!" ABER DANN LACHTE SIE NICHT MEHR
Wir erlebten ein zum Teil unglaubliches Verhalten
Abseits hinter "Brandmauern"
Das Hoftor war nicht abgeschlossen. Mehrmaliges Klingeln an der Verandatür. Niemand öffnete. So wurde von unseren Besuchern einstweilen eine CV-Schrift sichtbar in den Türspalt gesteckt. Man würde das mit Sicherheit finden. Vielleicht ist dann am Nachmittag jemand da. Das Gehöft liegt abseits. Vielleicht denken S. und M. und P., das sei ideal. Wofür - na, sie wissen es schon. Am Nachmittag war unsere Schwester zuhause, auch die jüngere kam dazu. Aber erst nach einer Weile. Vielleicht hatte sie schon hinter der Tür eine Weile gelauscht.

Nach einer sehr freundlichen Begrüßung beiderseits und Vorstellung antwortete unsere Schwester lachend: "CV? Das habe ich gleich verbrannt." Was die Besucher denn weiter wollten. Nun ja, aus Anlaß der Wehrdienstverweigerung des Sohnes ein wichtiges Gespräch führen. Es sei da einiges versäumt worden. Das werde man sehen, wurden die Besucher eingelassen. Alle nahmen in der Veranda am Tisch Platz. Ein liebendes Mutterherz möchte schon wissen, was es da gibt. Es wurde nun eröffnet, daß dies vorläufig das letzte dieser Art Gespräche sei. Sie staunte, daß auch mit S. und M. und P. gesprochen worden sei. Ja, das werde sich sicher bald herumsprechen. Ob sie sich dann später weiter auch hier an diesen Tisch setzen würden? Immerhin ist CV nun auch hinter diese "Brandmauer" gedrungen.

Eine nachdenkliche Mutter
Nun wurde ausführlich dargelegt, wie Eltern doch immer eine bedeutende Mitverantwortung für die Entscheidungen ihrer Kinder haben. Zunächst bestritt sie das in unserem speziellen Fall. Volljährige, erwachsene Kinder trügen selbst die Verantwortung. Ja, insofern stimmt das. Aber sie müsse doch zugeben, daß Eltern entscheidende Lehrer und Erzieher sind, und so den Weg ihrer Kinder maßgeblich bestimmen. Ja, wenn man das so sieht, stimme sie zu. Das wolle sie nicht leugnen.

Es folgte nun eine eingehende biblische Beweisführung darüber, was die wirklichen, schriftgemäßen christlichen Gesichtspunkte in der Wehrdienstfrage sind, als da sind (zusammengefaßt):
- Das Gebot "Du sollst nicht töten", ist nicht gegen Wehrdienst erlassen worden. Israel hatte zur gleichen Zeit eine Armee und führte Kriege. Es war also nur ein Zivilgesetz. Wer es auf Wehrdienst anwendet, reißt es aus dem Zusammenhang, entstellt und vergewaltigt die Bibel.
- Die Jünger Christi waren selbst eine bewaffnete Gruppe, Jesus selbst hatte die Bewaffnung befohlen. Soldaten wurde nur geboten, keinen Mißbrauch mit der Waffe zu betreiben und sich mit ihrem Wehrsold zu begnügen.
- Im Urchristentum wurden Militärangehörige sogar als Christen getauft, ohne von ihnen Militärdienstverweigerung zu verlangen.
- Der Staat hat als "Obrigkeit von Gott" vor Gott das Recht, "das Schwert" zu führen. So gibt es auch hier kein göttliches Verbot des Militärs, für niemanden.
Die WT-Einwände gegen diese biblische Beweisführung erwiesen sich schnell als haltlos. So nahm unsere Schwester all dies mit großem Interesse zur Kenntnis. Ob sie dem Sohn dies einst auch dargelegt habe? Nein, diese Gesichtspunkte habe sie bis zur Stunde überhaupt nicht gekannt. Dann solle sie doch wenigstens nachträglich das alles noch besprechen. Es bestehe ja bald die Möglichkeit dazu. Denn es sei doch christlich gesehen wirklich alles verfehlt und umsonst gewesen. Das war nun natürlich keine angenehme Einsicht. Und sie konnte nicht einmal erfolgreich angefochten werden. Unsere Schwester wurde sehr still und nachdenklich. - Es sei zu diesem Zeitpunkt vorgegriffen: Der Sohn nahm dann einiges zum Anlaß, seine Wege zu gehen.

Ein unglaubliches Verhalten, das nur durch jugendliche Unreife zu entschuldigen ist
Wie unbemerkt, plötzlich stand die Jüngere in der Tür. Ohne Zweifel betraf sie die Thematik unmittelbar. Sie stellte sich nun immer mehr der Diskussion. Aber wie! Dennoch - ihre spöttische und höhnische Art sei ihr verziehen, obwohl sie kaum wußte, wie sie sich darin noch mehr auslassen könnte. Mit Mühe nur konnte ihr in Ruhe zur Kenntnis gebracht werden, was die WT-Weltende-Verkündigung für eine falsche Prophetie und die WT-"Neutralität" für eine politische Lüge ist. Höhnisch erklärte sie, die Originale hierfür seien nicht echt! "Mädchen", wurde ihr erwidert, "dazu gibt es drei Möglichkeiten: Entweder Du kennst das wirklich nicht, oder Deine Antwort ist vorsätzlich Bosheit und Lüge, vielleicht in "theokratischer Kriegslist", oder Du bist zu sachlicher Einschätzung von Tatsachen noch unfähig, also unzurechnungsfähig. Dann bist Du nicht ernstzunehmen und wir können die Unterhaltung abbrechen. Wieviel Schulklassen hast Du besucht? Nur drei?" Wie beleidigt antwortete sie "Zehnklassenschule". Dann solle sie aufhören mit diesem Manöver.

Daraufhin kam die von der WTG verbreitete politische Falschalternative zum Vorschein, Christentum und Kommunismus seien einander ausschließende und feindselige Gegensätze, wonach ein Christ Antikommunist sein müsse. Die Beweisführung, daß das Christentum als Religion bzw. vornehmlich religiöse Institution überhaupt keine Alternative zur gesellschaftlichen politisch-ökonomischen Ordnung des Sozialismus/Kommunismus ist und sein kann, Christen vielmehr geboten ist, "alle die Menschen betreffende Ordnung um des Herrn willen" anzuerkennen (1. Petr. 2:13), brachte sie verdutzt zum Schweigen. Das war ihr neu, schien es. Es ist schlimm, wie die WTG ihren Hörigen die Köpfe religiös-politisch verkorkst.

Die laufenden WT-Weltendeverschiebungen seit über 100 Jahren, Generation um Generation, bestritt sie nun nicht mehr. Doch man staune! "Wenn das auch so ist, dann glaube ich eben Generation um Generation daran!" Ob sie denn nicht merke, daß das ihre Bankrotterklärung ist, und daß sie damit nur die Haltlosigkeit und Unglaubwürdigkeit dieser Weltendeverkündigung beweist! - Es war tragisch zu erleben, wie die WTG junge, ehrliche Menschen in Schlingen und vernunftwidrigste Verstrickungen treibt.
Wie um sich durch Flucht nach vorn zu retten, stieß sie herausfordernd, vielleicht auch verzweifelt hervor, was man denn von ihr überhaupt wolle.

Noch einmal in aller Ruhe
Zusammenfassend wurde daraufhin noch einmal vor Augen geführt, daß wie bei den anderen Besuchern bei S. und M. und P. sicher nicht mehr geschehen konnte, als Anstöße zu vermitteln, endlich den bisherigen Weg kritisch zu überprüfen. Es seien die hauptsächlichsten Fragwürdigkeiten der WT-Lehren vor Augen geführt worden, die selbst zu glauben schon eine Zumutung sind. Geschweige denn, das anderen zu predigen. Wenn jetzt auch in jugendlichem Leichtsinn und purem WT-Fanatismus gehöhnt und gespottet wird, sie wird alt werden, alles selbst erleben und die WTG dann selbst verdammen. Darum muß man jetzt die Augen hierüber öffnen! Allerdings werde man diese Aussprache nicht vergessen, war die Antwort. Es klang wieder höhnisch, vielleicht war es aber nicht so gemeint. Hinter solcher Aggressivität verbirgt sich nur zu oft etwas ganz anderes! Es ist nicht einfach zu begreifen, daß man ehrlich auf einem Irrweg ist.

Die Verabschiedung, war trotz der teilweise sehr großen Schärfe der Auseinandersetzung von beiden Seiten sehr freundlich. Das läßt doch hoffen. Es wurde ihnen versichert, daß die Entwicklung am Ort unerbittlich weitergehen wird. Alles braucht seine Zeit. Und die, die in den höchsten Dienstämtern stehen, haben es am schwersten. Andererseits können sie am wenigsten Schonung erwarten. Haben sie doch keine Bedenken, andere auf die religiös-politischen WT-Irrwege zu bringen, und wenn es diesen anderen das Leben kostet. Sicherlich werden S. und M. und P. früher oder später hierüber auch nachdenken. Die Zeit ist herbeigekommen. Ein letzter gegenseitiger freundlicher Händedruck beendete den Besuch. -
CVN

Ein geistiges Paradies?
UNBEFUGT ÜBER ANDERE FAMILIEN HERGEMACHT UND SIE ÜBER WILLKÜRLICHE REGLEMENTIERUNG BIS IN DIE INTIMSPHÄRE DURCH GEMEINSCHAFTSENTZUG ZERSTÖRT
Aus der Organisation
Erstaunt und erschüttert zugleich
Im WT vom 15. Mai 1978 las man folgende nicht länger zu unterdrückende "Frage von Lesern": "Sagt die Bibel irgend etwas Definitives darüber, was bei den Geschlechtsbeziehungen zwischen Mann und Frau moralisch oder unmoralisch ist? Sollten Versammlungsälteste das Verhalten von Gliedern der Versammlung in diesen intimen ehelichen Angelegenheiten zu bestimmen versuchen?"

Der "Fragesteller" wurde entgegen früherer Praxis völlig verschwiegen. Mit Sicherheit war es gar kein einzelner. Die WTG-Organisation mußte von ihr selbst inszenierten Sittlichkeitsskandal unter den Zeugen Jehovas das Ende bereiten.

Das stand dahinter.
Die WTG gab auf diese spezielle Frage eine außergewöhnlich lange Antwort, fast ein richtiger Artikel. Laßt uns daraus zunächst die Kerngedanken lesen, bevor wir dazu etwas sagen.

"Es muß zugegeben werden, daß die Bibel weder bestimmte Regeln hinsichtlich der Geschlechtsbeziehungen zwischen Mann und Frau aufstellt noch irgendwelche Einschränkungen diesbezüglich macht."
Es wird dazu auf folgende Schriftstellen verwiesen: Sprüche 5:15-20, Hohelied 1:13, 2:6, 7:6-8, Hiob 31:9, 10, Matth. 22:37-40, Eph. 5:25-31, 1. Petr. 3:7, 1. Kor. 13:4, 5.

Dann lesen wir folgendes Eingeständnis: "In der Vergangenheit sind in dieser Zeitschrift (Der Wachtturm, Anm.) Ausführungen erschienen, bei denen es um bestimmte ungewöhnliche sexuelle Handlungen in der Ehe ging, wie zum Beispiel oralen Geschlechtsverkehr, und diese Handlungen wurden mit schwerer geschlechtlicher Unsittlichkeit gleichgestellt. Davon ausgehend gelangte man zu dem Schluß, daß den Personen, die derartige sexuelle Handlungen pflegen, die Gemeinschaft entzogen werden müßte, wenn sie nicht bereuen. Man vertrat den Standpunkt, Versammlungsälteste seien berechtigt, sich mit einem solchen Fall zu befassen und ein Urteil zu fällen.

Nach sorgfältiger weiterer Erwägung dieser Frage gelangen wir jedoch auf Grund des Fehlens deutlicher biblischer Anweisungen zu der Überzeugung, daß es sich dabei um etwas handelt, wofür ein Ehepaar selbst die Verantwortung vor Gott übernehmen muß, und daß es nicht die Aufgabe der Versammlungsältesten ist das Verhalten in solchen ehelichen Intimbeziehungen zu bestimmen oder jemandem lediglich auf Grund derartiger Handlungen die Gemeinschaft zu entziehen."

Es folgen dann noch einige "Rückzugsgefechte", man heiße damit solche Handlungen natürlich nicht gut, aber, wie gesagt. So könnten die Altesten einem solchen z. B. ein Dienstamt verweigern, wenn sie das denken. Nun, das ist eigentlich nun alles zweitrangig.

Erstaunen und Erschütterung erfaßte jetzt, gar manchen, der sich als "Ältester" schuldig gemacht hatte, aus den nun wieder verworfenen Gründen anderen die Gemeinschaft zu entziehen und sie so "in die böse Welt" zurückzustoßen. Sie wußten doch damals schon, daß überall, zum Teil bei ihnen selbst, wo kein "Kläger" war, auch kein "Richter" im Sinne des WT amtieren konnte! Man muß sich vorstellen, was sich vor den WT-"Rechtskomitees" abspielte, wo solche sexuellen Verhaltensweisen zur "Vernehmung" standen, um dann das "Urteil zu fällen"! Wer durch solche "Mühle" gedreht wurde, war sittlich erledigt, im WT-Sinne "fertiggemacht". Wenn der eine Partner dann nicht zum Verurteilten hielt, war die Ehe und Familie "nach Tisch und Bett" restlos zerstört.

Die "Rechtskomitees" glichen etwa den Nazi-Gerichten der 30er Jahre, die sog. Sittenprozesse gegen katholische Priester führten. Wie ein Spürhund wühlte gar mancher alles auf. Es ist klar, daß so mancher, der dabei als Mitglied eines solchen WT-"Rechtskomitees" mitgewirkt hatte, Abscheu vor sich selbst empfand, als er nun mit eigenen Augen lesen mußte, daß die WTG-Sittenprozesse in den Versammlungen und ihre "Urteile" jeder biblischen Grundlage entbehrten und er durch die bisherigen WT-Ausführungen furchtbar gegenüber Mitbrüdern und Mitschwestern mißbraucht worden ist.

Nach sorgfältiger weiterer Erwägung?
Es waren also nur "Erwägungen" der WTG, daß bis zur nämlichen Stunde jene "Urteile" gefällt, Gemeinschaftsentzüge ausgesprochen Ehen zerstört wurden! Nun war eine "sorgfältige weitere Erwägung" erfolgt! Das ist doch zugleich das Eingeständnis eines ausschließlichen Menschenwerkes, das da betrieben wird! Es zeigt sich nicht mehr und nicht weniger, daß das Schicksal der kleinen Verkündiger und Diener in der Organisation nicht in der Hand Gottes liegt, sondern von den "Erwägungen" und "weiteren Erwägungen" der WT-Schreiber abhängt. Ja, von den WT-Schreibern lasen wir doch: "In der Vergangenheit sind in dieser Zeitschrift Ausführungen erschienen …" usw. Hier zeigt sich auch, wer in dieser Organisation die Macht ausübt: Kein Gott und Christus, sondern die WT-Schreiber mit ihren Erwägungen bis zur letzten Konsequenz geistiger Todesurteile, die nun nach "weiteren Erwägungen" als geistige Justizverbrechen dastehen.

Was, wenn demnächst "noch weitere Erwägungen" der WTG dazu führen, die seit 1945 eingeführten Menschen- bzw. Kinderopfer auf dem Altar des WTG-Blutkultes für falsch zu erklären, weil zur Bluttransfusion ebenfalls "deutliche biblische Anweisungen fehlen"? Sie fehlen tatsächlich! Dann sind die WT-Schreiber seit dieser Zeit sogar als "Schreibtischmörder" erwiesen! Da können sich die Väter und Mütter, die ihre minderjährigen Kinder WT-hörig in den Tod schickten, nur noch die Haare raufen! Manche Mutter mag hierüber irre werden!

Was für eine Organisation! Eine christliche?
Was mag sich da alles abgespielt haben
Die durch die WTG herbeigeführten "geteilten Häuser" und im Gefolge zerstörten und geschiedenen Ehen sind überall sehr hoch. Wer sich die WT-Reglementierung seiner intimen ehelichen Beziehungen nicht gefallen ließ, geriet alsbald in einen Rufmord, der unheilvoller nicht sein konnte. Die Sittenspitzel der Organisation brachten ihn zur Strecke. Man hat geschiedene Schwestern überwacht, ob sie nicht mit ihrem ausgeschlossenen Ehemann wieder Intimbeziehungen aufnähmen!

Gewisse bekannte "Aufseher" spielten selbst den Sittenspitzel. Was sagen sie nun nach den jetzigen "sorgfältigen weiteren Erwägungen" derer, von denen sie dafür mißbraucht wurden? Was muß noch alles passieren, damit sie begreifen?

Daß die WTG die eingangs zitierte "Leserfrage" überhaupt in den "Wachtturm" setzte, offenbart das internationale Ausmaß des Skandals der von ihr selbst verordneten Sittenprozesse in der Organisation. Das Wasser stand ihr offenbar bis zum Hals. Mit der Erklärung, "In der Vergangenheit sind in dieser Zeitschrift …", macht der seit 1977 amtierende WTG-Präsident F. W. Franz seinen Vorgänger N. H. Knorr zum Sündenbock für diese nazi-ähnlichen Sittenprozesse. Mit "Man vertrat den Standpunkt, Versammlungsälteste seien berechtigt . . . ", ist diese Knorr-Administration gemeint, denn Gott kann man das ja wohl nicht anlasten. So erweist sich wieder, von wem die WT-"Ältesten" ihre "Rechte" und "Berechtigungen" erhalten! Dies dürfte eine der wichtigsten Schlußfolgerungen für alle aus diesem Skandal der Organisation sein.
K. O.

Dokumentation
BEWAHRUNGSBEDINGUNGEN EINES DURCHGEFÜHRTEN WT-SITTENPROZESSES
Unglaubliche Methoden
Komitee-Beratung am 26.9.71
Bericht über das sündhafte Verhalten von Bruder . . . (Auszug) (CV-Anmerkung: Es handelt sich um einen Bruder, der völlig rechtsmäßig eine sich als untragbar erweisende Verlobung löste, um sich dann mit jemandem zu verloben, mit dem er sich wirklich verstehen konnte, schließlich ist die Verlobungszeit auch eine Probezeit.)

Sämtliches Briefmaterial, welches sich in den Händen von … befand, wurde angefordert. Nach Durchsicht durch den verantwortlichen Diener wurde es dem Versammlungskomitee… zur Bearbeitung übergeben.
Während der Bearbeitungszeit wurde durch Brüder festgestellt, daß Br. … ein Liebesverhältnis mit . . . pflegte . Durch diese Vertraulichkeit entwickelte sich ein leidenschaftliches Liebesgefühl, welches so intim wurde, daß es … zur Hurerei … In einem Brief gibt… offen zu, daß er bei… die große Liebe gefunden hat … bekannte vor dem Komitee, einmal. gemeinsam mit … eine Nacht im Bett verbracht und Geschlechtsverkehr gehabt zu haben … All diese Vorkommnisse und Unterlagen reichen aus… Er war der Willkür und Vorsätze seiner Gedanken ausgesetzt … Der Drang nach Befriedigung des Fleisches … Das Komitee hat in der Sitzung am 26. 9. 71 beschlossen, . . . nicht nur ein Jahr, sondern 3 Jahre Bewährungsfrist aufzuerlegen … um wieder auf dem Grund und Boden der NWG stehen zu können … hätte in früheren Jahren einen sofortigen Gemeinschaftsentzug verdient. Auf Grund der Unterlagen der NWG und den nicht immer zutreffenden Beschuldigungen haben wir es als ratsam angesehen, diese dreijährige Bewährungsfrist als eine notwendige Zeitspanne einzuhalten … Die auferlegten Bewährungsbedingungen sind bei der Vers.... hinterlegt.
Die Brüder des Komitees
(CV-Anmerkung: NWG = Neue-Welt-Gesellschaft, andere Bezeichnung für die WT-Organisation)

Die Bedingungen für Deine Bewährung
Hiermit teilt das Versammlungskomitee Dir die Bedingungen für Deine Bewährung mit, deren 1. Teil - gültig bis zu Deiner Eheschließung mit Deiner Verlobten - Dir am Schluß der Verhandlung am Sonntag, dem 26. 9. 71 schon mündlich mitgeteilt worden war.
1. Grundsätzliches
Du führst einen sittenreinen Lebenswandel gemäß den Grundsätzen, die Jehova in seinem Wort, der Bibel, geoffenbart hat und respektierst sowohl die Ratschläge, die er durch seine Organisation auf der Erde in Form der geistigen Speise gibt, als auch seine ernannten Diener, indem Du diesen mehr Vertrauen entgegenbringst als irgendwelchen weltlichen Personen.
2. Besondere
2.1. Erster Teil, gültig bis zu Deiner Verheiratung mit Deiner Verlobten:
2.1.1. Du wohnst ab sofort nach dem 26. 9. 71 nicht mehr in der Wohnung Deiner Verlobten - auch nicht in deren Abwesenheit - sondern in Deinem eigenen gemieteten Zimmer.
2.1.2. Du suchst die Wohnung Deiner Verlobten in deren Abwesenheit nur kurz auf, um die Blumen zu gießen.
2.1.3. Du kommst mit Deiner Verlobten wöchentlich nur einmal für zwei Stunden in Deiner oder ihrer Wohnung zusammen, um mit ihr das Heimbibelstudium durchzuführen und irgendwelche persönlichen Probleme zu besprechen.
2.1.4. Darüber hinaus wirst Du nicht in einer Wohnung mit Deiner Verlobten allein zusammen sein, es sei denn, daß eine dringliche Angelegenheit besprochen werden muß, die keinen Aufschub bis zum nächsten Zusammensein gemäß Punkt 2.1.3 duldet. Ein solches zusätzliches Beisammensein darf aber nicht unnötig ausgedehnt werden, sondern muß sich auf die Zeit beschränken, die zur Erledigung der betreffenden Angelegenheit nötig ist.
2.1.5. Du bemühst Dich, alles zu vermeiden, was auch nur den Anschein erwecken könnte, daß Du mit Deiner Verlobung geschlechtliche Beziehungen hast.

2.2. Zweiter Teil, gültig für die ganze Zeit Deiner Bewährung:
Um zu vermeiden, daß Du aus Mangel an Reife wieder in Schwierigkeiten gerätst, fragst Du in allen wichtigen Angelegenheiten Deines Lebens einen Bruder des Versammlungskomitees um Rat. 2.2.2 Unabhängig davon, ob Du Schwierigkeiten hast oder nicht, wirst Du jeden Monat einmal einen Bruder des Komitees aufsuchen, denn diese Männer sind verpflichtet, über Deine Seele zu wachen (Hebr. 13:17). Dir und der Versammlung zum Nutzen und Jehova zur Ehre.
2,2.3. Um zu vermeiden, daß Du in schlechte Gesellschaft gerätst, wirst Du während der Zeit Deiner Bewährung keine öffentliche Vergnügungsstätte aufsuchen, das sind Tanzlokale, Bars und Gaststätten.
Ausgenommen davon ist, wenn Du eine Gaststätte aufsuchst, um dort eine Mahlzeit einzunehmen.

Nicht als Bewährungsbedingung, aber als Rat wird Dir gesagt, Du solltest , um regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen und am Predigtdienst teilzunehmen - auch dann, wenn einmal wenig oder keine Lust verspürst. Denn der Dienst Jehovas ist auch eine Arbeit, wenn auch die kostbarste, wertvollste, die es gibt - und bei den meisten Menschen mag die Lust zur Arbeit hin und wieder vorübergehend nachlassen. In solchen Fällen gilt es auszuharren, um so größer ist dann wieder die Freude am Dienst, wenn die Krise vorüber ist Hebr. 12:
(Ende des Dokuments, CV)

CV-Nachbemerkungen
Dieser "Bewährungs"-Vorgang ist echt. Name und Orte werden aus verständlichen Gründen nicht genannt. Der Bruder und seine Verlobte haben sich natürlich solche Bevormundungen und Reglementierung ihrer intimen Beziehungen nicht länger bieten lassen. Aus solchem System muß man aufwachen. Eine solche Mißachtung von Menschenrecht und Menschenwürde wird unerträglich. Ein Blick in den Spiegel hat selbst manchem "Komitee" schon geholfen, wäre zum Schluß zu sagen. -

EIN MENSCH, DEN MAN NICHT VERGISST
Kreisdiener Heinrich Ditschi - ein aufrechter Verteidiger christlichen Glaubens (12)
Aus dem "Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974" will ich an dieser Stelle nicht im einzelnen eingehen. Der Augenblick dafür ist erst dann gegeben, wenn die Komplexe näher beleuchtet sind, die sich um die Person Heinrich Ditschi gruppieren. Es kann nämlich vorausgesetzt werden, daß die WTG einen triftigen Grund hatte, auf das Wirken des ehemaligen Kreisdieners einzugehen; und daß sie bei ihren Darstellungen wesentliche Kriterien unterschlägt, ist erfahrungsgemäß ebenfalls vorauszusetzen. Es kann daher nur als kluge Taktik gewertet werden, wenn die WTG ausnahmsweise den „Anstand" besitzt, daß sie eine Würdigung für die Verdienste des Bruders findet und ihm seine T r e u e bescheinigt. Freilich wird die gestellte Frage "Anstand nicht gestattet?" damit noch nicht beantwortet. Aber in dem ebenfalls klug sachlichc gehaltenen Vorwurf, Br. Ditschi habe später "eigene Gedanken entwickelt und die Organisation verlassen", ist die Antwort indirekt ablesbar. Nach biblischem Maßstab wird ein "Mensch der Treue" von seinem christlichen Gewissen geleitet, und dieses Gewissen treibt dazu an, die WTG-Methode "Lügen um der Wahrheit willen" zu verabscheuen und führt somit zwangsläufig zur "Entwicklung eigener Gedanken". Aus der Tatsache aber, daß die WTG ständig vor der Notwendigkeit steht, i h r e Bibellehre unablässig zu verändern, - obwohl die Bibellehre selbst als solche stets gleichbleibend und unveränderlich bleibt - kann abgeleitet werden, daß die "Lügenmethode" auch der Grundtenor der WTG-Lehren ist. Also nicht nur für den Dienst, auch in Lehraussagen der Bibel gilt als Anweisung für Mitarbeiter: Anstand nicht gestattet! In dieser Erkenntnis verließ Br. Ditschi schließlich auch die Organisation. Er wußte: Dieser Schritt ist die unausweichliche und nicht zu umgehende Endkonsequenz.

Die auf die Allgemeinheit bezogene Frage "Anstand nicht gefragt?" ist wesentlich leichter zu klären. Ein Erlebnis im Haus-zu-Haus-Dienst während der Velberter Kreisdienerwoche soll das veranschaulichen: In einem Haus Ecke Heide-Straße/Wülfrather Straße öffnete uns ein Mann mittleren Alters die Tür. Sein Gesicht nahm bei unserem Anblick. den Ausdruck einer gereizten Bulldogge an. Noch Br. Ditschis einleitenden Worten begann er auch tatsächlich sofort zu toben; ja, er brüllte so laut, daß die Hausbewohner es hören konnten. Er war nicht gerade zimperlich und warf uns Beleidigungen an den Kopf, die jeder Beschreibung spotten. Offensichtlich wollte er sich wegen eines uns unbekannten Grundes bei uns abreagieren, denn seine Wut steigerte sich bis an die Grenze der Ekstase, so daß seine Stimme überschnappte und die Worte, die er unter heftigem Gestikulieren hervorstieß, für mich ohne Sinn blieben. Aber dem Kreisdiener schien etwas zu "dämmern", denn der Mann zeigte in seiner Erregung mehrmals auf eine bestimmte Stelle seiner Tür. Nachträglich stellte sich heraus, daß ein übereifriger Verkündiger vor längerer Zeit bei diesem Manne vorgesprochen hatte. Nachdem dieser für die Botschaft kein Interesse bekundete und die Türe schließen wollte, verhinderte der "Gottesbote" die Absicht, indem er einen Fuß dazwischen stellte. Die Tür, die gerade einen neuen Anstrich hinter sich hatte, war dabei an jener Stelle im Lack arg zerkratzt worden. Nur mit Mühe und energischer Resolutheit hatte sich der Mann den fanatisch lästigen "Gesandten für Christus" endlich abwimmeln können. Verständlich, daß sich der aufgespeicherte Arger des Mannes entlud, nachdem er bei unserem Anblick erkannte, daß wir Glaubensgenossen jenes famosen Verkündigers waren.

Das Pro und Kontra solcher Erlebnisse gehörte sicherlich auch zum reichen Erfahrungsschatz des Kreisdieners. Während ich in meiner Ahnungslosigkeit der Situation hilflos gegenüberstand, schien er aus dem Benehmen des Mannes schon seine Schlüsse gezogen zu haben. Jedenfalls ließ Br. Ditschi das Toben des Mannes in stoischer Ruhe über sich ergehen und nickte nur ununterbrochen mit seinem Kopf. Aber dieses Nicken kannte ich bereits. Es war das typische Anzeichen dafür, daß sich in seinem Hirn ein "Plan" formte. Bei kritischen Situationen fehlte es nie und war gewissermaßen auch die "zündende" Einleitung für die inzwischen zurechtgelegte Methode.

Tatsächlich zeigte sich auch in diesem Extremfall bald eine Wirkung, und sie ging unverkennbar von der seltsamen Ditschi-Methode aus: Der Mann wurde durch das beständige Nicken irritiert und - nachdem er seine erste Wut abreagiert hatte - legte er eine kurze Pause ein. Auf diesen Augenblick hatte der Kreisdiener gewartet. Wie ein Adler stieß er in das Schweigen hinein: "Sehen Sie, das ist ja gerade der Grund, warum ich komme. Ich möchte das wieder gutmachen." Der Mann, der nach dem Abreagieren seiner ersten Wut zunächst einmal Luft holen mußte, wurde durch den plötzlichen Gegenangriff überrumpelt und fand keine Zeit mehr, einen vielleicht geplanten zweiten Wutanfall zu produzieren oder etwa die Türe zu schließen. Er hatte sichtlich den Faden verloren und der Szenenwechsel war komplett: Die Initiative lag jetzt eindeutig bei Br. Ditschi. Der Mann - völlig aus dem Konzept gebracht - stammelte verwirrt: "Wie wollen Sie das wieder gutmachen?" Und Br. Ditschi - jetzt die Sanftheit in Person, und trotz der schauspielerischen Leistung durchaus nicht unecht - darauf mit langsamer Betonung: "Indem i c h mich anständig benehme." Blitzschnell setzte er hinzu: "Darf ich das?"

Diese Hinzufügung war die eigentliche Pointe der Methode. Der Wohnungsinhaber mußte jetzt Stellung beziehen und durfte uns nicht mehr einfach abweisen. Er selbst hatte ja - wenn auch auf eine drastische Weise - auf die Kernfrage "Anstand nicht gefragt?" quasi die Antwort gegeben. Durch die Ditschi-Methode wurde er nun beim Wort genommen. Der Mann lenkte sofort ein und entschuldigte sich für sein Verhalten. Paradoxerweise entstand jetzt eine Situation, wo einer den anderen an Edelmut übertreffen wollte: Auf die Entschuldigung "tröstete" Br. Ditschi den Mann mit einem wertvollen Rat. In Zukunft möge er solchen Predigern eine Abfuhr erteilen mit dem Hinweis, die Bibel in bezug auf Anstand und Bildung gründlicher zu lesen und vor allem auf sich selbst anzuwenden, ehe man zu Menschen geht, um ihnen bibelerklärende Literatur anzubieten. Diese Bemerkung veranlaßte den Mann, von Br. Ditschi "etwas Literatur" abzunehmen und er wünschte uns sogar noch mit freundlichen Worten viel Erfolg in unserem " biblischen Erziehungsfeldzug".

Lassen Sie mich doch mit Ihrem Hermann Gedon in Frieden!
Ich muß den Lesern hier noch einmal die Szene jener Demonstration ins Gedächtnis rufen, als der Kreisdiener vor der Versammlung in der Rolle des "Br. Naseweis" dem gemimten Besucher die peinliche Frage stellte: "Bist du schon geimpft?" Heute scheint es mir nämlich, als ob schon damals (vielleicht noch unbewußt) eine versteckte Anspielung auf den Wachtturm enthalten ist.

Die Entgleisung des Verkündigers im Fall des geschilderten „zornigen Wohnungsinhabers" ist auf alle Fälle auf WT-Impfung zurückzuführen. Ebenso ist das haarsträubende Fehlverhalten einer Schwester, das ich abschließend noch schildere, als Frucht des Wachtturmgeistes zu werten.

Für einen Tag in dieser Kreisdienerwoche hatten sich auch der Br. Hans Caspers und die Schwester Hanni Steckler zur Schulung angemeldet. Als Dienstgebiet hatten wir uns die Siedlung Langenhorst ausgewählt. Während der Kreisdiener den Br. Caspers unter seine Fittiche nahm, ging ich also mit der Schw. Steckler von Tür zu Tür. Obwohl diese Schwester sozusagen zur „alten Garde" gehörte, mußte ich zunächst die ersten Predigten halten. Aber einmal mußte es ja sein, zumal der Kreisdiener verlangt hatte, daß im Wechsel gepredigt werden sollte. Ich erstaunte sehr, daß die Schwester, nachdem ich großzügig mindestens 10 Türen die Gesprächsführung übernommen hatte (wobei ich die Predigt aus dem Stegreif hielt!) statt zu predigen, nur eine Karte zum Lesen übergab. Wie ich heute weiß, war dies eine von der WTG ausgearbeitete Methode, die Br. Schnell in seinem Buch „30 Jahre Sklave des Wachtturms" erwähnt. Aber seit Einführung der Predigtdienstschule war diese Methode nicht mehr üblich. Die Schwester hätte sich also besser eine vorgedruckte Predigt aus dem „Informator" (später „Königreichsdienst") in ihre Bibel gelegt und nach diesem Muster dann frei gesprochen. Aber scheinbar konnte sie das nicht.

Es hatte ein Mann die Tür geöffnet, und, wie schon erwähnt, überreichte ihm die Schwester die Karte. Auf dieser Karte war wohl die fertige Predigt abgedruckt mit Literaturangebot. Der Mann nahm die Karte entgegen, las sie durch und zurück. "Danke", sagte er, "ich habe kein Interesse." Und er schickte sich an, die Tür seines Siedlungshäuschens zu schließen. Da hob die Schwester einen Zeigefinger und drohte dem Mann mit den Worten: "Warten Sie nur, wenn Harmagedon kommt; warten Sie nur, wenn Harmagedon kommt …" Der Mann wurde durch den Zeigefinger, der die drohenden Worte noch drohender unterstrich, sichtlich nervös und schrie plötzlich: "Lassen Sie mich doch mit Ihrem Hermann Gedon in Frieden!" Er knallte die Tür zu und verriegelte sie hastig von innen. Das Erlebnis war mir derart peinlich, daß ich am liebsten sofort den Dienst eingestellt hätte, Doch ich mußte aushalten, denn wir hatten die Zeit mit dem Kreisdiener ausgemacht, um uns anschließend zu treffen und die Ergebnisse auszuwerten. Von der nächsten Tür an übernahm ich wieder die Führung bis zum Schluß der ausgemachten Zeit. Am meisten ärgerte mich der unerquickliche Vorfall schon deshalb, weil es sich um mein eigenes Gebiet handelte. Ich hatte es erst kürzlich von Br. Fleckhaus, dem Zeitschriften-Gebietsdiener, erhalten. Für mich stand fest, daß ich an dieser Tür nicht mehr vorsprechen konnte; ich zergrübelte mir den Kopf, warum der Mann panikartig die Tür verschlossen hatte. Endlich fiel mir ein, daß wir Sonnabends Straßendienst absolvierten. Mit Br. Siegfried Mengeler, einem wahren Hünen, fast 2 Meter groß, stand ich gewöhnlich "Am Denkmal", einem Sammelplatz des Hauptverkehrs auf der Friedrichstraße. Der Mann hatte uns bestimmt dort schon einmal mit dem Wachtturm stehen sehen. Mit der „Harmagedon-Drohung" der Schw. Steckler konnte er natürlich nichts anfangen, mißverstand den Begriff als Personennamen und meinte nun, die Schwester drohe ihm mit diesem kraftstrotzenden Hünen Hermann Gedon (Siegfried Mengeler, nur weil er die Literaturannahme verweigert hatte. Welch ein schreckliches Mißverständnis - und wie beschämend für das Ansehen der Organisation!

Harmagedon - Vielleicht-Rettung
Selbstverständlich unterbreitete ich bei der Auswertung unserer Erfahrungen dieses schreckliche „Hermann-Gedon-Erlebnis" sofort dem Kreisdiener. Br. Ditschi war auch wenig erfreut, als er diese negative Erfahrung zur Kenntnis nehmen mußte. Aber er beherrschte sich, und mit einer Mischung von Freundlichkeit und gebotenem Ernst gab er Schw. Steckler den Rat: „Schon als Kinder haben wir gelernt, mit dem nackten Finger nicht auf angezogene Leute zu zeigen." Die Schwester lachte und gab ihm recht. Br. Ditschi fuhr fort: „Was aber Harmagedon angeht, so hat die Gesellschaft oft genug im Wachtturm darauf hingewiesen, daß es laut Zeph. 2:3 heißt: Vielleicht werdet ihr geborgen am Tag des Zornes Jehovas. Also auch Du bist noch nicht gerettet. Denke mal darüber nach, ob drohende Zeigefinger und Worte dieses V i e l l e i c h t für dich gefährden."

Es fällt mir heute auf, daß der Kreisdiener betonte, die G e s e l l s c h a f t unterstreiche dieses V i e l l e i c h t. In seinem Abschiedsvortrag „Ihr seid das Salz der Erde" kam er noch einmal (wahrscheinlich durch die peinliche Erfahrung angeregt) auf Harmagedon zu sprechen. Diesmal war es wohl mehr seine e i g e n e Meinung, die er klug abgewogen und wohldosiert der ganzen Versammlung warnend vor Augen stellt: „Unser christliches Benehmen wird entscheidend sein. In Harmagedon wird sich zeigen, wer von uns nach draußen gehört - und wer von draußen in die Versammlung gehört."

Für die allgemeine Sichtbrille der WTG sind das ungewöhnliche Worte! Ersetzt man das Harmagedon durch den Ausdruck „Tag des Herrn", kann jeder Christ mit einer solchen Ansicht einverstanden sein.
Dieses Einverständnis war auch bei mir, und kein anderer Diener hat jemals eine ähnliche, in die Tiefe gehende Empfindung bei mir hervorrufen können. Mit diesem Einverständnis, das keinem späteren Zweifel erlag - auch heute noch nicht - habe ich den Kreisdiener in Erinnerung behalten. Damals beschäftigte mich das Phänomen „Ditschi" monatelang. Heute weiß ich, warum: Es war etwas von seinem echt christlichen Wesen in Velbert zurückgeblieben. Der Funke in mir brannte, aber die WTG-Gemeinschaft war nicht der Ort, wo er zur Flamme werden konnte. Sicher, derjenige der den Funken geschlagen hatte, stand zwar am falschen Platz, aber er war immerhin eine selbständige Kraftquelle, und er konnte an jedem Orte stehen. Doch ich war ungefestigt, und so richtete sich meine ganze Konzentration auf die nächste Kreisversammlung. Blickpunkt: Wattenscheid!
Erzählt von Hermann Bach, Potsdam

Wohin sollen wir gehen? 6/79
LEBENDIGES CHRISTENTUM FREIER CHRISTEN
Einige Nachbemerkungen in der Wehrdienstfrage und zum Thema Wehrersatzdienst
In vier aufeinanderfolgenden Beiträgen hatten wir den genannten Themenkreis erschöpfend behandelt. Wenn wir nun (entgegen unserer Absicht) mit einem weiteren Beitrag fortsetzen, so nur deshalb, weil wir bei unseren Untersuchungen noch einige wertvolle Hinweise fanden, die wir besonders jenen Brüdern, die jetzt mit den angeschnittenen Problemen direkt konfrontiert sind, nicht vorenthalten möchten. Die WTG als energische Vertreterin der Wehrdienstverweigerung beruft sich für ihren Standpunkt gelegentlich auf die Urchristen. Sie argumentiert, diese hätten ein ruhiges und zurückgezogenes Leben geführt und keine öffentlichen Ämter bekleidet. Aus dieser Tatsache sei abzuleiten, daß die Christen auch keinen Wehrdienst geleistet hätten. Da die WTG sowohl bei der Bibelauslegung als auch bei Berufung auf historische Quellen nur mit Halbwahrheiten arbeitet und deshalb immer zu anderen Schlüssen kommt als anerkannte Bibelwissenschaftler und Historiker, wollen wir die Behauptung der WTG mit bezug auf die Urchristen am gegebenen Beispiel näher untersuchen. Mit anderen Worten: Wir werden die Aussagen kompetenter Historiker durch solche Sätze vervollständigen, die die WTG gewöhnlich unterschlägt. In diesem Zusammenhang erwähnen wir den Verlag R. Brockhaus, Wuppertal-Elberfeld. Durch die "Elberfelder Bibel", die schon vor Gründung der WTG im Umlauf war, hat sich dieser Verlag im gesamten deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Ältere Zeugen Jehovas wissen noch sehr genau, daß gerade die "Elberfelder Bibel" ihre Lieblingswaffe war. Daraus erhellt, daß die WTG, bevor sie ihre "Neue-Welt-Übersetzung" in Deutsch herausbrachte, jahrzehntelang die "Elberfelder Bibel" nicht nur wegen des Namens "Jehova" als Bibel Nr. 1 benutzte, sondern mehr noch, weil der Verleger dieser Bibel, nämlich R. Brockhaus, auf Grund seiner Seriösität ein gutes Aushängeschild bot, hinter dem man sich gut verstecken konnte. Schon seit längerer Zeit brachte nun dieser in allen christlichen Kreisen hoch angesehene Verlag die "Wuppertaler Studienbibel" heraus. Es handelt sich dabei um ein mehrbändiges Werk der "Christlichen Griechischen Schriften", das aus dem Urtext übersetzt und von kompetenten (der traditionsverpflichtenden christlichen Ehrbarkeit des Hauses Brockhaus entsprechenden) Autoren Vers für Vers kommentiert wird, mit gleichzeitiger Bezugnahme auf historische Quellen.

Für Bd. 1 dieser "Studienbibel" - die wir jetzt ins Feld zu führen gedenken - zeichnet Adolf Pohl, ein profilierter Bibelwissenschaftler aus der DDR (!) als Autor verantwortlich. In bezug auf die bereits erwähnte WTG-Behauptung berufen wir uns auf Seite 22, Abschnitt 4 dieses Werkes, wo gesagt wird, daß mit dem Kaiser Domitian eine bis dahin nie dagewesene Vergottung eingeführt wurde. Das erklärt natürlich die Feststellung der WTG, daß Christen kein Interesse an öffentlichen Ämtern hatten. Amtspersonen mußten bekanntlich bei öffentlichen Staatsangelegenheiten anwesend sein. Dies war aber mit einer direkten Anbetung verbunden und daher für Christen unmöglich. Für Personen, die eine solche Amtsstellung bereits innehatten und erst dann Christen wurden, war diese Lage, weil sie gemäß der Weisung des Paulus aus 1. Kor. 7:20-24 darin beharren mußten, direkt lebensgefährlich.

Wie dieser Anbetungs-Kult im einzelnen aussah, lesen wir weiter in Abschnitt 5 auf Seite 23: Erschreckend ist für den Bibelleser das Maß der Vergottung, die der Kaiser für sich in Anspruch nahm. Im Jahre 86 n. Chr. ließ er sich amtlich "Gott der Herr" nennen. Sein Palast galt als Heiligtum, sein Thron als Göttersitz. Während seiner Abwesenheit mußte sogar seinem leeren Thronsitz Reverenz erwiesen werden. Zu den kaiserlichen Festen hatte alles in Weiß zu erscheinen. Wenn er auftrat, eine goldene Krone auf dem Haupt, tobten die Massen und in Kaiserakklamationen aus. Das Stimmengewirr ging in rhythmische Sprechchöre über. Hofdichter sorgten für schmeichlerische Texte: "Siehe, das ist Gott, da ist er, vom Vater im Himmel, eingesetzt mit der Vollmacht, auf glücklicher Erde zu herrschen!" Selbst Tiere nahmen an der Huldigung teil. Dressierte Papageien riefen: "Ave Caesar!". Kaiserliche Sendschreiben begannen: "Der Herr unser Gott befiehlt!", und die Bluturteile: "Es hat dem Herrn unserem Gott in seiner Gnade gefallen …".

Abschnitt 6 (Seite 23, 24) erläutert dann, wie das Evangelium bis in die Kaiserfamilie vordrang und Domitian zu Handlungen zwang. Diese sahen nach Abschnitt 7 (Seite 24) wie folgt aus: Im Jahre 95 richtete Domitian die Eltern seiner Adoptivsöhne und Thronfolger, Clemens und Damitilla, wegen Neigung zu jüdischen Sitten, wegen Atheismus und Majestätsverbrechen hin. Gewisse Anzeichen sprechen dafür, daß es sich bei ihnen um Christen handelte. Auch die Namen zweier christlicher, von ihm enthaupteter Soldaten sind bekannt.

In der Fußnote 12 zu Abschnitt 6 heißt es: Etwas später, um 112, sendet der Statthalter von Bythinien in Kleinasien, Plinius, einen aufschlußreichen Bericht an seinen Kaiser Trajan in Rom und schreibt von dem seiner Meinung nach strafbaren, "unbeugsamen Starrsinn" der Christen, weil sie dem Kaiser göttliche Verehrung verweigern.

Bei seinen Ausführungen stützt sich der Autor auf Sueton, gest. 140 n. Chr., zitiert nach Foerster, 2. Halbband, S. 39. Ferner: (S. 7) Plinius "Panegyricus" 52. Weiter: E. Stauffer, "Christus und die Caesaren" (Hamburg 1952, 4. A.), Seite 166 ff.

Bei den Darlegungen des Autors interessieren für unser Thema lediglich die beiden Soldaten. Die Behauptung der WTG dürfte damit widerlegt sein, denn gemäß absolut zuverlässiger Quellen wurden diese christlichen Soldaten nicht wegen Wehrdienstverweigerung (sie waren ja schon Soldaten und keine Zivilisten!), sondern wegen Verweigerung der Anbetung Domitians, die er als römischer Kaiser für sich beanspruchte, hingerichtet: Die beiden Soldaten konnten wegen Matth. 22:21 nicht anders handeln. Der Sachverhalt in der Wehrdienstfrage ist durch dieses urchristliche Beispiel also völlig klar.

Zum Thema Wehrersatzdienst haben wir aufgezeigt, daß diese staatliche Konzession von einem Christen, biblisch gesehen, nicht zurückgewiesen werden kann. Daß die WTG in der Praxis den eigenen Grundsatz verletzt, haben wir ebenfalls nachgewiesen. Hier noch zwei Beispiele dafür, daß die WTG auch in der Frage des Ersatzdienstes mit zweierlei Maß mißt:
1.) CV Nr. 2 vom Februar 1966, Seite 6:
Franke lehnt Verantwortung ab
Auch der WT (1. 6. 1965) bringt neuerdings Berichte über Wehrersatzdienst von Brüdern schon im ersten Weltkrieg in der amerikanischen Armee.

2.) CV Nr. 4 vom Juli 1966, Seite 5
Zu einem Entscheid des Stuttgarter Oberlandesgerichtes berichtet die Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung (11. 2. 1963), daß bis zu dieser Zeit von 1000 Zeugen Jehovas 300 zum Wehrersatzdienst einberufen wurden. 80 wurden wegen Verweigerung zu Gefängnisstrafen verurteilt, und 70 haben den Wehrersatzdienst angetreten. Nachdem alle Verfassungsbeschwerden erfolglos waren und auch ein Gesetz zur Verschärfung der Wehrdienstbestimmungen zur Vorlage gelangte, erklärte Zweigdiener K. Franke im August 1964 in Ulm vor Journalisten (Die Welt, 31. 8. 1964), "die Zeugen Jehovas stellen es jedem einzelnen ihrer Glaubensbrüder frei, ob er einer Einberufung zum Wehrersatzdienst Folge leisten will oder nicht."

Man erkenne solche Gewissensentscheidungen jetzt an.
Als Schlußsatz bleibt zu vermerken: Die WTG mag in der Frage des Wehr- und Ersatzdienstes lehren und praktizieren was sie will - die Bibel wird dadurch in keiner Weise berührt! Die Lehren der Hl. Schrift unterliegen keinem Wandel wie etwa die Damenmode -, sie sind vielmehr unveränderlich. Für wahre Christen aller Gemeinschaften ist der Standpunkt der Bibel in jeder Hinsicht verständlich.
Studiengruppe CV, Potsdam
August 1979 - H. B.

Zur christlichen Neuorientierung
"SEID ALLER DIE MENSCHEN BETREFFENDEN ORDNUNG UM DES HERRN WILLEN UNTERTAN"
Wie hier und heute in unserem Lande?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Wenn Jesus in Matth. 4:4 sagte, "der Mensch lebt nicht vom Brot allein", so heißt das auch sehr deutlich, daß der Mensch eben auch vom Brot lebt. Weil dies in dieser Sache am wenigsten betont und beachtet wird, ist es hier unser christlicher Grundgedanke.

Unser persönliches und familiäres Leben in notwendiger sozialer Sicherheit und Geborgenheit ist nur möglich im Zusammenhang mit der dafür existierenden "die Menschen betreffenden Ordnung" oder menschlichen Sozialordnung. 1. Petr. 2:13. Es wurde einmal sehr richtig und konsequent zitiert: "Das Bedürfnis, das der Mensch hat, in Geselligkeit zu leben, ist eines der Urgesetze der Natur, von denen sich unsere Pflichten und Rechte herleiten, und die Existenz einer Gesellschaft hängt von der Bedingung ab, die Rechte aller Menschen zu respektieren." Daraus wurde dann sehr richtig gefolgert: "Wo solch soziale Interessen auf gesunde Weise gefördert werden, bringen sie Freude und Zufriedenheit. Nur Verbrecher und geistig Unzurechnungsfähige werden von der Verbindung mit der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen." (WT 15. 9. 56, S. 559 ff dt.)

In dem bekannten Brief des Apostels Paulus an die Römer (13:1-7) finden wir dazu gleichsam die Stichworte. Sie kennzeichnen die christliche Stellung in der menschlichen Gesellschaftsordnung. "Rechtschaffene Taten", also Liebe zur Gerechtigkeit, "Gehorsam um des Gewissens willen", auch "Gutes tun", also Solidarität mit anderen, sind einiges. In Titus (3: 1,2) finden wir Ähnliches, unser soziales Wohl betreffend, "Sanftmut" zu den Mitmenschen, "Friedfertigkeit" im Umgang, "niemanden schmähen" und "bereit sein zu jedem guten Werk der obrigkeitlichen Personen" sind einige Bedingungen für Christen. Schließlich werden sogar "Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen und obrigkeitlichen Personen" verlangt, um in Frieden, Frömmigkeit und Ehrbarkeit leben zu können, wie wir in 1. Tim. 2: 1,2 lesen.

Vor Journalisten in Ulm/Donau erklärte Zweigdiener Franke/ Wiesbaden anläßlich eines Kongresses im August 1964, die WTG-Leitung stelle den Brüdern nunmehr die Ableistung von Wehrersatzdienst frei. (Die Welt, 31. 8. 1964).

Um ihres eigenen irdischen Wohls willen haben Christen also die "die Menschen betreffende Ordnung um des Herrn willen" anzuerkennen. Sie sind darin in ihrem Gewissen, in Worten und guten Werken und Taten sogar mitverantwortlich. Wenn sie so denken und handeln, werden sie "Lob ernten in ihren sozialen und menschlichen Bedürfnissen, was ihr tägliches Brot betrifft. Schließlich sind Christen doch Menschen mit gleichen sozialen Lebensbedürfnissen. Lebensbedürfnisse, die bei Strafe des eigenen Verderbens schon vom Mutterleibe an ihre gesellschaftliche Berücksichtigung fordern, ehe man überhaupt glauben und Christ werden kann. Wir können somit auch sagen, daß der Mensch zuerst vom Brot lebt.

Selbst ein Heiliger würde anders verhungern.
Nun ist unsere "die Menschen betreffende Ordnung" aber sozialistisch, kommunistisch
Der Apostel Petrus bezieht sich auf "alle die Menschen betreffende Ordnung" (1. Petr. 2:13). Eine sozialistische, kommunistisch ist also nicht ausgeschlossen, wenn man nicht hinausgeht über das, was geschrieben steht. 1. Kor. 4:6. Und wenn wir es mit einfachen Worten ausdrücken, so bedeutet diese Ordnung doch nur, daß die sozialen und gemeinsamen (kommunen) Bedürfnisse aller oberstes Prinzip sind, nicht mehr private, was sich insbesondere im Gemeineigentum an den Produktionsmitteln, im gesamten Wirtschaftsbereich, ausdrückt. Entsprechend sind auch Gesetze, Arbeits-, Lebens- und Sozialmoral bestimmt, weil das ja zusammengehört und einander bedingt. Wie die entsprechenden Einzelheiten auch sind, nach den Weisungen von Petrus kann die sozialistische, kommunistische Ordnung, der Kommunismus, für Christen überhaupt kein Problem oder gar Hindernis sein. Wenn dennoch, dann kann das nur von anderen gemacht worden sein.

Wir sollten uns nicht bestimmten schon erlangten Einsichten gegenüber verschließen. Wenn von Christen Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden gefordert werden, so ist das in der Tat eine Basis oder Grundlage, die sie mit allen anderen Menschen gemeinsam haben (Bischof Schönherr, ev. Bundessynode Sept. 1979 Dessau). Doch Christen sind durch die Schrift, wie wir sehen, direkt auf die bestehende "die Menschen betreffende Ordnung um des Herrn willen" hingewiesen. Sie kommen also letztlich nicht umhin, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie es mit dem kommunistischen Charakter dieser "die Menschen betreffenden Ordnung" halten. Es ist dies eine Frage des christlichen Selbstverständnisses wie auch christlicher Glaubwürdigkeit angesichts bekannter bisheriger antikommunistischer Verhaltensweisen gerade auf christlicher Seite.

Wenn wir uns vorbehaltlos vom neutestamentlichen Christentum, also vom Urchristentum, leiten lassen, so müssen wir erkennen, daß wir uns mit den entscheidenden Grundsätzen, die diese kommunistische "die Menschen betreffende Ordnung" ausmachen und bestimmen, in Übereinstimmung befinden. Ja, wir können uns als Christen in der Frage unseres irdischen Lebens, des täglichen Brotes, völlig mit der sozialistischen, kommunistischen Sozialordnung identifizieren und darin unser menschliches Zuhause finden.

Betrachten wir die allem zugrundeliegende kommunistische Arbeits- und Sozialmoral. Sie ist zwar noch lange nichts Vollendetes. Dessen ungeachtet aber bestimmt sie diese Ordnung, in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht, im gesamten irdischen Bereich also. Im Programm der Kommunistischen Partei der Sowjetunion wird dies wie folgt als zentrales ethisches Prinzip formuliert: "Gewissenhafte Arbeit zum Wohle der Gesellschaft: Wer nicht arbeitet soll nicht essen" (S. 113 dt, Dietz 1962). Das heißt, keine Ausbeutung anderer zwecks privater Bereicherung, entsprechen Gemeineigentum, jeder hat sich ehrlich sein Brot selbst zu verdienen.

Diese gegen ein Leben auf Kosten anderer gerichteten ethischen Prinzipien des Kommunismus entsprechen nun aber und z. T. wortwörtlich der Arbeits- und Sozialmoral des Christentums! So lehrt uns der Apostel Paulus in diesen Fragen: "Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus … Wir haben nicht unentgeltlich jemandes Brot gegessen, sondern haben Tag und Nacht angestrengt und mühselig gearbeitet … Wir haben euch dies geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen." 2. Thess. 3:6-10. Die kommunistische "die Menschen betreffende" Arbeits- und Sozialmoral gleicht also auch der christlichen. Lenin sagte seinerzeit zu diesen irdischen Fragen, religiöse Ausdrücke benutzend: "Die Einheit dieses wirklich revolutionären Kampfes der unterdrückten Klasse für ein Paradies auf Erden ist uns wichtiger als die Einheit der Meinungen der Proletarier über den Himmel". Werke 10, S. 72 ff. Mit anderen Worten, ein Christ könne auf Erden durchaus für eine kommunistische Ordnung kämpfen, in den irdischen Fragen Kommunist sein. Weil auf Erden eben alle gemeinsame Bedürfnisse haben. Das Urchristentum zeigt nach Apg. 2:44,45 schon solche Ansätze. Das Christentum ist nicht dazu in die Welt gekommen, selbst die gesellschaftliche "die Menschen betreffende Ordnung" zu bilden. 1. Petr. 2:13. Es erinnert an die Worte Jeremias: "Bemüht euch um die Wohlfahrt des Landes denn auf seiner Wohlfahrt beruht euer eigenes Wohl." (29:7)

30 Jahre DDR, 30 Jahre Jehovas Zeugen durch die WTG in Haß und Feindschaft zu diesem Land getrieben
Als die DDR 1949 gegründet war, traten die WT-geführten Zeugen Jehovas als schärfste Feinde dieses Staates auf. Der WT vom 1. Februar 1951 bescheinigt ihnen, daß sie "nie gezögert haben, offen zu sagen, was sie vom Kommunistenregime halten. Sie haben die Wahlen in der Ostzone als einen Trug gebrandmarkt und das kommunistische Regime selbst als eine satanische Herrschaft". Unter der WT-Irrlehre, die politische Regierung sei keine zu respektierende "Obrigkeit" folgten fast alle Zeugen blindlings und bedenkenlos dieser Hetze. "Teuflischste Religion von allen", "befremdender, unsinniger Wahn", "wilde Tiere hinter dem Eisernen Vorhang" (WT 1. Juni 1952) ließ die WTG fortan Jehovas Zeugen feindselig Kommunisten und Kommunismus bekämpfen. "Ein grausames Terror-Regime in Ostdeutschland."., "Bevölkerung in völliger Sklaverei", wurde 1953 (Jahrbuch) gehetzt und feindselig gelogen. "Auf das Ende der totalitären kommunistischen Regierung in Ostdeutschland warten", wurde 1965 gepredigt (WT 15..2. 65) Ablehnung "revolutionärer Umtriebe", wird 1978 dieser Haß, diese Diffamierung und Feindschaft fortgesetzt (ZJ im zwanzigsten Jahrhundert, WTG 1978).

EINE SCHWESTER IN DRESDEN
"WER CV LIEST, KOMMT INS GRÜBELN"
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Wer aufrichtig ist, kann eigentlich gar nicht anders. Das ist ganz normal. Viele Frauen von Brüdern würden das bestätigen, sagte unsere Schwester. Auch ein Ältester in Dresden, mit dem kürzlich über 3 Stunden diskutiert wurde, ließ deutlich zum Ausdruck kommen, daß er CV selbstverständlich liest! Wir werden demnächst darüber berichten. Wer aufrichtig ist und CV einmal liest, kann sich dem nicht mehr entziehen. Das bestätigt sich immer mehr. Legt also überall CV freimütig auf den Tisch! Wir denken doch, daß auch diese Ausgabe von CV wieder sehr informativ und hilfreich war in den Entscheidungen, für die nun mit Bezug auf die WTG die Zeit herbeigekommen ist. -
Herzliche Grüße in christlicher Verbundenheit von allen Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen und Mitverbundenen
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: 0,20 M: Jahresabonnement 2,- M. Versand auch kostenlos.
Konto-Nr.: 4564-30-1952 Bank für Handel und Gewerbe

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