Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 12

Erneut enthält diese CV-Ausgabe einen mit "Eingesandt von A. Z." gezeichneten Artikel. Schon in der CV 10 hatte dieser "A. Z." unrühmlich von sich reden gemacht, mit seiner Darstellung des Zersetzungsfalles Paul S.... (Name in der CV ausgeschrieben; hier verkürzt) Ich unterstelle - bis zum Beweis des Gegenteils - dass dieser "A. Z." ein offensichtlicher MfS-Funktionär gewesen sein mag.

Skurril empfinde ich persönlich in dieser CV-Ausgabe auch die vermeintlich "weltbewegenden" Erkenntnisse, dass "der Erzengel Michael nicht Jesus Christus" sei. O heilige Einfalt, möchte ich dazu nur ausrufen. Aber vielleicht benötigen einige solche Art von Einfalt. Deshalb sei meine persönliche Meinung zu diesem Punkt nicht verabsolutiert.

Es war ein Satz, der über den Tag hinaus grundsätzliche Bedeutung (und folgenschwere Reaktionen) hatte. Die Verhaftungsaktion der führenden DDR Zeugen Jehovas im November 1965 ist letztendlich auch eine Art Antwort auf ihn gewesen. Dieser Satz:

"Die Zeugen Jehovas in Ostdeutschland mussten zuerst auf das Ende der Naziherrschaft Hitlers abwarten, und jetzt müssen sie das Ende der neuen totalitären Regierung abwarten, die die Naziregierung ablöste, das Ende der kommunistischen Regierung, die von dem zur Zeit von Breshnew beherrschten Sowjetrussland abhängig ist." (WT 15. Febr. 1965,S.110, Abs. 10, deutsch)." wird in jener CV-Ausgabe auch kommentiert.

 

CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 12 Gera Oktober 1967

CV - ihr Zweck

Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller freier Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Weise und törichte Bauleute - zu welchen gehörst du?

Wie muß man bauen, damit es sich lohnt?

Wie kann man für die Zukunft bauen?

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit obiger Frage wendet sich die Leitung der WTG an Euch in Erwachet Nr. 16/1966. Auch wir stellen in CV die Frage an Euch. Wir alle kennen die Worte Jesu in seiner Bergpredigt Matth. 7:24-27. Daraus schlußfolgern wir, daß der Mensch nicht nur buchstäbliche Häuser baut, sondern daß er auch eine geistige Bautätigkeit entfalten muß. Unser Glück und unsere Zufriedenheit liegen nicht nur in äußerlichen Dingen, sondern besonders im Sinn und im Herzen der Menschen. Das innere Glück und die Zufriedenheit werden genährt und gestärkt durch das Wort Gottes. Das Wort Gottes muß aber rein und unverfälscht sein. Ist es unrein und verfälscht, dann wird es die innere Zufriedenheit und das Glück zerstören. Deshalb müssen wir ein gutes Unterscheidungsvermögen haben, um Gutes und Verdorbenes zu erkennen. Sein Wort allein vermittelt uns dieses Erkennen. Deshalb sollten wir seinem Wort mehr glauben, als Worten von Menschen oder Organisationen.

Wenn uns deshalb jemand verbietet, etwas Unterbreitetes zu lesen und mit der Schrift zu überprüfen, so steht diese Aufforderung im Gegensatz, zu Gottes Wort, welches sagt: "Prüfet aber alles, das Gute haltet fest." 1. Thessl. 5: 21

Zweierlei Maß

Liebe Brüder und Schwestern, Euch und uns ist bekannt, daß Ihr die Schriften von "Abtrünnigen", (damit sind alle Gläubigen außerhalb der WTG gemeint), nicht lesen solltet Greifen wir dazu einige Veröffentlichungen der WTG heraus. Im Erwachet vom 8. 4. 1961 S. 8 heißt es:

"Wenn einem Christen Schriften in die Hände kommen, deren Inhalt und Geist verraten, daß sie von Personen stammen, die ihre Mitsklaven schlagen, läßt er sich nicht von seiner Neugierde verleiten, sie sorgfältig zu prüfen. Wenn er für sich die Fragen, wessen sich Jehova bediene, wer die echten christlichen Früchte hervorbringe und die Prophezeiungen der Bibel erfülle, entschieden hat, liest er solche Schriften nicht durch und verschwendet damit seine kostbare Zeit und riskiert nicht, daß seine Loyalität getrübt wird. Da er seinen Glauben auf eine Erkenntnis des Wortes gegründet hat, weiß er, daß es keine Tatsache gibt, durch die sein Standpunkt widerlegt werden kann und daß das was in diesen Schriften vorgebracht wird, daher Verleumdungen sein müssen."

Die Leitung meint, kritische Untersuchungen der Wachtturm-Praktiken und Lehren "müssen Verleumdungen" sein. Ihr habt da nichts mehr zu prüfen, die WTG-Leitung hat entschieden und festgestellt, es "muß Verleumdung" sein.

Wenn die WTG-Leitung Schriften sogar Sondernummern über andere Glaubensgemeinschaften herausgibt, wie z. B. Die Christenheit hat versagt! Ihr Ende steht bevor . . . (Erwachet 8. 1. 61; 22. 1. 62; WT 15. 4. 62), dann sollen alle Leute diese Schriften lesen. Sobald andere über die WT-Irrlehren und politischen Darlegungen schreiben, so nennt die Leitung es "Hetze" oder "Verleumdung". Schreibt die WTG-Leitung aber über andere, so nennt sie es "Verkündigung".

Eine ehrenhafte Geschäftsfirma hat es kaum nötig, so offensichtlich mit "zweierlei Maß" zu messen. Nur wer ein schlechtes Gewissen hat, muß zu diesem Mittel greifen, um andere ungehindert täuschen zu können. Daß die WTG eine Geschäftsfirma ist, sagt der Gründer der WTG in Schriftstudien Band 4, Ausgabe von 1919.

Der WT fand oft sehr scharfe Worte, um andere zur Überprüfung ihres Glaubens zu bewegen. Wie wäre es, liebe und Schwestern, wenn Ihr die Sätze des WT vom 15. 4. 55 S. 240 jetzt ganz persönlich nehmen würdet? Sie lauten:

"Wenn du für Weizen zahlst, wirst du dich mit Stroh begnügen? Wenn du Wein kaufst, wirst du Wasser annehmen …? Was nun, wenn jemand zu dir käme, um zu beweisen, daß du auf diese Art betrogen worden bist? Wärst du wütend über ihn oder eher über den, der dich prellte? Weil dir an deinem Gelde gelegen ist, würdest du den betreffenden Beweis anhören und dich trotz verletzten Stolzes nicht mehr beschwindeln lassen, wenn du anerkennen mußt, daß man dich betrogen hat …? Menschen überwinden einen solchen Stolz, ehe er sie ins Verderben führt."

In dieser WT-Ausgabe wimmelt es nur so von Ausdrücken wie "betrogen", "beschwindelt" usw. Aber wer wurde denn "beschwindelt, Ihr oder andere? Gehör du zu den weisen oder törichten Bauleuten? Tüchtige Bauleute arbeiten mit Maßstab oder Zollstock, aber auch mit Wasserwaage um alles in richtige Waage zu bringen. Was ist dein Werkzeug? Der WT oder die Bibel? Blicken wir nochmal kurz zurück auf die vielen Endprophezeiungen, welche wir des öfteren in CV erörtert haben. Von 1844 bis, 1874 hin zu dem Jahr 1914, dann 1925, 1926, zum zukünftigen 1975. Eine Enttäuschung folgte der anderen. Von 1914-17 sagten sich rund 40 000 Enttäuschte von der WTG los. Wann endlich wird die WTG-Leitung alle diese Prophezeiungen unterlassen. sie haben doch wirklich nichts mit der Heiligen Schrift zu tun. Apg. 1:7. Wahrscheinlich nie! Wir wissen ja, daß die Leitung immer bemüht ist, eine Notkonstruktion aus den Trümmern gescheiterter Datenberechnung zu erstellen. Wird nicht am Ende wieder das eine furchtbare Wort sich Enttäuschung?

Wir sagen das nicht aus Schadenfreude oder Rechthaberei, sondern aus tiefem Schmerz über diesen unübertroffenen Mißbrauch des Glaubens an Brüder und Schwestern, was im Namen Jehovas getan wird. Immer wieder werden sie Opfer der Verführung, die meinen, auf dem Wege demütiger Unterwerfung unter die "untheokratische Diktatur" der WTG-Leitung, Gott dienen zu können. Das Endresultat ist immer wieder eine neue Täuschung, die nur noch mit Hilfe neuer Unwahrhaftigkeit Intoleranz usw. künstlich verdeckt wird. Zum Mißbrauch des Glaubens, des Vertrauens, der Hoffnung und der Treue Tausender gutwilliger Menschen kommt der Mißbrauch ihres Gehorsams und der eigenen Macht. Diese angewandte Macht kommt zum Ausdruck im WT vom 15. 1. 57, S. 58/5: "Sei der theokratischen Herrschaft untertan, indem du jene anerkennst, die in Jehovas reiner und glücklicher Organisation die Autorität über dich innehaben." Oder: "Es ist höchst wichtig, daß wir diese Tatsache verstehen und den Anweisungen des Sklaven so folgen, wie wir der Stimme Gottes folgen würden." (WT 15. 8. 57, 498/7). Oder: "Die Theokratie wird gegenwärtig regiert durch die WTG, von der der Präsident . . . Rutherford ist." (Consolation 4. 9. 40, 25).

Möge dies genügen. Die anmaßende Behauptung, daß sie, die WTG die Theokratie zu regieren habe, ist wohl der Höhepunkt ihrer bedauerlichen Entwicklung.

Weise, aufrichtige Bauleute beginnen das Joch der menschlichen Organisation abzuschütteln. Langsam beginnt ein Erwachen. Sie wollen Weizen und kein Stroh von der WTG-Leitung. Sie fangen an zu prüfen mit dem Worte Gottes und der biblische Glaube wird den Wachtturmglauben verdrängen. Man fängt in vielen Gruppen an zu prüfen: Ist die WTG mit ihren Lehren und Anweisungen im Einklang mit der Bibel? Der WT vom 15. 1. 1957 forderte Andersgläubige dazu auf, zu prüfen: "Sind die Bibel und deine Kirche in Übereinstimmung?" Diese Frage gilt doch nicht nur anderen Gemeinden, sondern auch allen Brüdern und Schwestern in den eigenen Reihen. Man sollte doch erwarten, daß die Leitung jeden einzelnen das Recht gewährt, was sie anderen als Pflicht predigt - Aber, aber, so wird argumentiert von seiten der Brüder, das, was wir glauben, stützt sich doch alles auf die Zeitschriften, Bücher und Organisationsanweisungen des "treuen und klugen Knechtes". Wir sind nicht befugt, dies irgendwie zu mißachten. Wir sollen es dankbar, als vom Herrn kommend, hinnehmen. Es ist "seine Speise zur rechten Zeit." Wir dürfen doch nicht unabhängig vom WT handeln, er ist der Kanal des Herrn. Private Auslegungen und Hinweise können wir nicht dulden, wir müssen theokratisch sein im Denken und im Handeln. (WT 1. 1.11. 48, S. 328).

Dann gilt also die Frage: Sind die Bibel und deine Kirche in Übereinstimmung? demnach nur für alle anderen Glaubensgemeinden, nur nicht für Jehovas Zeugen.

Warum? Trotz der Belehrung durch den "Kanal des Herrn", befürchtet die WTG-Leitung, daß immer eine große Gefahr für die Brüder und Schwestern bestehe, wenn sie "unabhängige" Überprüfungen mit der Bibel vornehmen, wenn sie von "Außenstehenden" kommen. Bestände doch die Gefahr, für die Leitung, daß man bei dem Prüfen die widersprechenden "eigenen Auslegungen" des Wachtturms feststellen könnte, dies wäre für die leitenden Brüder eine "große Gefahr".

Wir fragen Euch, Brüder und Schwestern, ist es richtig, daß der WT nur andere zum Prüfen auffordert, seinen eigenen Brüdern aber ein Prüfen verbietet? Was für die "Anderen" als heilige Pflicht hingestellt wird, dasselbe ist für Euch streng verboten! Hat aber ein Mensch oder eine Organisation das Recht - und sei er ein noch so "treuer und kluger Knecht", nach eigener Darstellung so ein Verbot seinem "Hausgesinde" aufzuerlegen, während er dasselbe dem "Hausgesinde" eines anderen Knechtes als moralische Pflicht gebietet? ist das nicht zweierlei Maß? Hat eine Organisation das Recht und die Autorität zu sagen: "Prüfe nicht?" denn das führt zu eigener Auslegung, wenn Gottes Wort sagt: "Prüfet aber alles …" 1. Thess. 5:21. Wessen Wort gilt mehr, Gottes Wort oder das der Organisation?

"Seine Mission"

Jahre hindurch hatte der WT (Titelblatt, Innenseite) in jeder Ausgabe diese Überschrift. U. a. war darunter der Satz: "Diese Zeitschrift hält sich streng an die Bibel . . .' Heute finden wir diesen Satz nicht mehr im WT, dafür aber "andere Artikel". Der WT vom 15. 1. 1957, S. 58/5, erklärt: "Die Regel der Schrift ist die Regel, die in Gottes Organisation gilt." Es handelt sich hier um eine reine Theokratie (Gottesherrschaft). Brüder, wenn dem so wäre, weshalb ist da die WTG-Leitung so argwöhnisch und mißtrauisch, wenn ihre Lehren und Anweisungen einer Prüfung an Maßstäben der Heiligen Schrift unterzogen werden? Warum hat sie bis auf diesen Tag alle, die aus Gewissensgründen ihre Dogmen nicht annehmen konnten, hinausgetan? Sie sogar zum ewigen Tode verdammt Sie vergleicht solche Christen unter anderem mit der Rotte Korah, die einst gegen Mose rebellierte und schreibt dazu: "Schaudert es dich vor der Vernichtung, welche diese alle ereilte, so wisse, daß jene, die sich wider theokratischen Anordnungen und -Anweisungen für sein organisiertes Volk (gemeint ist gegen die Lehren und Anweisungen der Leitung) auflehnen, dem Beispiel Korahs, des Rebellen folgen und ebenso bestimmt umkommen werden wie er und seine Schar. Wehe Ihnen!" (WT l.11. 48, S. 327/16). Dies kann man wohl nicht als "Seine Mission" bezeichnen, sondern als Überheblichkeit der WTG-Leitung.

Wenn ihre Lehren und Anweisungen biblisch und "theokratisch" wären, dann sollte die Leitung doch Euch und ihren Dienern das Recht zubilligen, daß sie anderen zur Verpflichtung macht, nämlich sich die Frage gewissenhaft vorlegen. "Ist meine WTG mit der Bibel in Übereinstimmung?" Hätte die Leitung hinsichtlich ihrer vorgeblich "theokratischen Lehren und Anweisungen" ein reines Gewissen, würde sie keine Ursache haben, sich so hartnäckig zu weigern, ihre Lehren und Anweisungen vom Worte Gottes her beurteilen zu lassen. Nur der Falschmünzer ist aufgebracht, wenn seine Falsifikate überprüft werden Das "echte" Geld wird sich bei einer Prüfung um so vertrauenswürdiger erweisen.

Darum, liebe Brüder und Schwestern, prüfet das Lehrgebäude Eurer Organisation, ob es mit der Bibel im Einklang ist. Prüfe Dich selbst, als Erbauer Deines geistigen Hauses, ob Du auch das richtige Baumaterial dazu verwendest welches zu gegebener Zeit auch fest steht und von keinem Wetter erschüttert wird. Nimm nicht Stroh für Weizen nicht Wasser für Wein, nimm das beste Baumaterial, was Du erhalten kannst, es wird sich bewähren. Sei ein weiser Bauherr! Fürchte nicht die Menschen, welche Dir das Recht und den Anspruch auf gutes Baumaterial nehmen wollen, fürchte vielmehr den, der Dich immer zu bewahren vermag. Luk. 11:28; 2. Thessl. 3:3; Spr. 2:10.-14.

Wir dürfen nicht mit zweierlei Maß messen, indem man es einem empfiehlt, dem andern aber verbietet Spr. 20:23. Wir dürfen nicht bei "Anderen" einen scharfen biblischen Maßstab anlegen und bei unserer "Organisation" einen milden und dabei noch ein Auge zudrücken wollen.

So können wir keine weisen Bauleute werden. Wir möchten doch vor DEM bestehen, dessen Augen wie Feuerflammen sind, vor DEM, der da spricht: "Mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden." Matth. 7:2.

Herzliche brüderliche Grüße

Bruder Willy Müller,

65 Gera, Lutherstraße Nr. 16, und Mitverbundene

Mangel an Erkenntnis - auch bei Dir?

Worin Dein geistiger Mangel bestehen kann

Mangel an Erkenntnis ist von jeher die gefährlichste Ursache, sich im Irrtum zu verstricken und gefangennehmen zu lassen. Wir alle kennen den biblischen Ausspruch: "Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis", welcher eine gefährliche Situation des alten Volkes Israel veranschaulichte. Hosea 4:6.

Wenn man beansprucht, Jehovas Volk und somit "sein Volk" zu sein, so sollte man nicht selbstsicher ablehnen, auch diese ernste Mahnung auf sich anzuwenden. Man kann nicht die Warnungen und Zurechtweisungen der Schrift einfach auf die Christenheit oder andere abwälzen, während man kühn die Verheißungen und Anerkennungen für sich beansprucht. Beides: Lob und Tadel gelten ein und demselben Volk. Wer dies erkennt, ist der richtigen Erkenntnis auf der Spur.

Mangel an Erkenntnis bezieht sich nicht nur auf fehlendes oder mangelhaftes Bibelverständnis. Es äußert sich auch im Verkennen der Absicht Jehovas, seine Gültigkeiten auch außerhalb Deiner Organisation aufrichtigen, demütigen Menschen zu erweisen. Erkenntnismangel findest Du auch in dem Verhältnis zu den Brüdern, nämlich dort, wo die Bemühungen Hilfsbereiter, den Brüdern ihre körperlichen und geistigen Lasten zu erleichtern und ihnen auf den rechten Weg zu verhelfen, mißverstanden und verachtet werden. Andererseits zeigt sich mangelnde Erkenntnis oft in der verkehrten Haltung dem Staat bzw. der staatlichen Ordnung gegenüber, die falschen Belehrungen entspringt. Alle diese Versäumnisse, sich richtig zu orientieren, mögen für Dich und Deine Brüder sehr nachteilige Folgen haben.

Doch schwerwiegender als dieser Mangel ist etwas anderes, aus dem wahrscheinlich ein nicht wieder gut zu machender Schaden für Dich erwächst. Merke auf! Wenn Du auf Grund der von der WTG-Leitung vorgeschriebenen Werke eine pharisäische Selbstgerechtigkeit entwickelst, womit Du Dich über andere erhebst, weil Du glaubst, vor anderen bevorrechtet zu sein, dann wird es Zeit, aufzuwachen und Deine Stellung vor Gott anhand der Bibel zu überprüfen. Dieser Mangel an rechter Erkenntnis wird sich zu gegebener Zeit sehr verhängnisvoll für Dich auswirken, besonders dann, wenn die Zeit richterlicher Entscheidungen beginnt und wenn Du dann anstatt eines demütigen zerschlagenen Geistes, von Gott Belohnung für Deine Werke erwartest oder sogar forderst.

Vielleicht trat bei Dir schon oft jene betrübliche Geisteshaltung hervor, wie sie im Gleichnis jener Pharisäer an den Tag legte, der geringschätzig auf seinen Nächsten blickte. Lukas 18:9-14. Hast du nicht schon manchmal in Deinem Herzen gedacht wie jener: "O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen. Ich habe so und soviel Stunden im Haus-zu-Haus-Dienst verbracht, habe so und soviel Nachbesuche und Heimbuchstudien durchgeführt; ich habe regelmäßig die Versammlungen besucht und so und soviel in die Gute Hoffnungs-Kasse gespendet. Ich danke dir, daß ich nicht bin wie jene Sünder, die die Königreichsbotschaft ablehnen und es mir in guten Werken nicht gleichtun."

Verstehe jetzt, daß Jehova weder das eine noch das andere von Dir gefordert hat, sondern wirkliche Werke der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit. Matth. 9:13; Jak. 2:13. Vielleicht hast Du gerade diese versäumt, Deinem Nächsten zu erweisen, weil Du nach dem Vorbild der WT-Führer den Begriff der Nächstenliebe nur auf das Predigtwerk beschränkt hast. Erkenne, wie groß Dein Mangel an Erkenntnis ist, wenn Du das Wachtturm-Training weiterhin auf diese Weise betreibst wie bisher. Noch ist Zeit, von diesem verkehrten Wege umzukehren.

Weißt Du auch, das es außerhalb der WTG viele Menschen gibt, deren demütige Herzensstellung köstlich vor Gott ist und ihnen darum, wie im Gleichnis die Zusicherung gegeben wird: Diese gehen gerechtfertigt dahin vor jenen, die in angelernter WT-Weisheit sich über ihre Mitchristen erheben. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." Lukas 18:14. Präge dies Deinem Sinn ein: Auf Grund der Wachtturm-Werke kannst Du niemals gerechtfertigt werden! Wir alle sollten uns ernstlich darüber Gedanken machen und dabei die Befürchtung hegen, daß auch jener Ausspruch sich an uns vollziehen könnte: weil du die Erkenntnis verworfen hast, so verwerfe ich dich." Hosea 4 : 6.

Mangelnde Erkenntnis des Wortes Gottes

Wie wir in vergangenen CV-Ausgaben bereits nachwiesen, erstreckt sich ein großer Mangel an Erkenntnis der WTG-Führung tatsächlich auch auf biblische Auslegung. Wir sagen nicht, daß grundsätzlich jede WT-Darlegung rechter Erkenntnis ermangelt. Es gibt so viele einfache biblische Wahrheiten, die man ohne Schwierigkeiten verstehen und annehmen kann. Wahrheiten, die nicht zu widerlegen sind. Diese aber werden vielfach nicht allein von der WTG gelehrt, sondern auch von anderen Religions-Gemeinschaften.

Jedoch das, was die WTG-Führung zu ihrer Hauptlehre erwählt hat, um das Augenmerk auf sich zu lenken, gerade das erwies sich als ein großer Fehlschluß. Sei es nun der Irrtum vom gegenwärtigen Königreich mit dem Herrschaftsbeginn Christi seit 1914, die Zeit des Endes seit jenem Jahre, die nun bald in Harmagedon münden soll oder der Zeitpunkt der ersten Auferstehung im Jahre 1918. Viele andere irrtümliche WT-Prophezeiungen lassen sich hinzufügen, auf die wir im Laufe der Zeit noch zu sprechen kommen.

Das heute gewählte Thema, welches wir allen bibelinteressierten CV-Lesern zur gründlichen Nachforschung empfehlen, gehört wohl nicht zu den wichtigsten der WT-Verkündung, läßt aber auch wiederum erkennen, daß die WT-Verfasser keine gewissenhaften Bibelforscher sind. Hierzu steht jedem frei, zu den folgenden Darlegungen seine Kritik oder auch Ratschläge zu erteilen.

Der Erzengel Michael ist nicht Jesus Christus

Es ist erstaunlich, mit welcher Sicherheit die WT-Verfasser den Erzengel Michael auf Jesus Christus anwenden, das heißt, beide als ein und dieselbe Geistperson bezeichnen. Ihre angeführten Beweise scheinen unwiderlegbar. Sind sie es wirklich? Untersuchen wir diese Behauptung, ob der Erzengel Michael gleichzeitig Jesus Christus darstellen kann, ohne jede Voreingenommenheit, wobei uns Gegenüberstellungen und Vergleiche sehr hilfreich sein werden.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit zuerst auf Daniel 10:5, 6. Ein Mann, in Linnen gekleidet, gibt Daniel in folgendem eine Vision über Ereignisse der Endzeit. Wer ist dieser Mann, der in Linnen, das heißt, in Gerechtigkeit gekleidet erscheint? (Offbg. 19:8). Die Untersuchung dieser Frage ist deshalb von Bedeutung, weil sie den Schlüssel zum Verständnis gibt. Es ist interessant und aufschlußreich, die Erscheinung dieses Mannes hier einmal näher zu betrachten. Wenn wir dies tun, so wird uns verständlich, daß Daniel nicht nur zufällig über Einzelheiten der Gestalt des Mannes so ausführlich berichtet. Aus einem Vergleich zwischen Daniel 10:5,6 und Offenbarung 1:13-15 ergibt sich nun die Feststellung, daß dieser Mann in Linnen nicht irgendein unbekannter Engel ist, wie es die WTG in ihren Schriften darstellt, sondern in der Tat Jesus Christus selbst. Dem geübten Bibelleser ist die Schilderung des Menschensohnes (Offbg. 1:13-18) in der Ebenbildlichkeit seines himmlischen Vaters nicht unbekannt Die Ähnlichkeit beider Gestalten ist nun so auffällig, das hier kein Irrtum vorliegen kann.

Aus dieser Erscheinung heben sich als besonderes Merkmal die Augen des Christus hervor, welche wie Feuerflammen oder Feuerfackeln aussahen. Diese Augen, die auch in Daniel 10:6 erwähnt werden, sind bezeichnend für ihn, denn diese besitzt niemand anders als nur der Sohn Gottes! Beachte hierzu Offenbarung 2:18 und 19:12.

In diesem Zusammenhange gelangen wir in Offenbarung 4:5 zu einer erstaunlichen Entdeckung. Die erwähnten Augen werden hier als sieben brennende Feuerfackeln vor dem Throne beschrieben mit dem Hinweis, daß "diese die sieben Geister Gottes sind". Lesen wir in Erweiterung dieses Bildes noch Offenbarung 5:6, so finden wir hier wieder die sieben Geister Gottes als die sieben Augen des Lammes, von denen gesagt wird, daß sie ausgesandt werden über die ganze Erde. Ohne Zweifel sind die sieben Augen oder Geister Gottes, welche dem Lamme, nämlich Christus zur Verfügung stehen, auch die in den hebräischen Schriften erwähnten "Augen Jehovas". Sach. 4:10. Wie gut erkennen wir jetzt die symbolische Bedeutung dieser Augen, nämlich als die dienstbaren von Gott ausgesandten Geister, wenn wir 2. Chronika 16:9 lesen: "Denn Jehovas Augen durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herzen ungeteilt auf ihn gerichtet sind." Hebräer 1:14. - Dies als kleine Nebenbetrachtung.

Kehren wir zurück zu Daniel 10:5 und erinnern uns der Übereinstimmung des Mannes in Linnen mit der Darstellung Jesu Christi in Offenbarung 1:13-15. Dies läßt uns verständlich werden, daß wir es auch in Daniel 10:5 mit Jesus Christus zu tun haben, wenn er auch zu jener Zeit noch nicht unter diesem Namen bekannt war. Dasselbe Kapitel 10 erwähnt nun im 13. Vers den Erzengel Michael als einen der obersten Engelfürsten, welcher dem Mann in Linnen (Jes. Christus) half, den Widerstand des Schutzengels von Persien zu überwinden. Dazu berichtet in Daniel 10:20 - 11:1 der Mann in Linnen, daß er andererseits dem Michael im ersten Regierungsjahre Darius, des Meders beistand als Helfer und Schutz. Hieraus ist ersichtlich, daß beide mächtige Geistfürsten in gleich erhabener Stellung waren, die sich gegenseitig, bei ihrem Kampf mit den Mächten der Finsternis ergänzten. Wenn wir nun in dem Mann in Linnen, Jesus Christus erkennen, so verstehen wir auch daß er nicht gleichzeitig den Erzengel Michael darstellen kann. Engelfürsten wie Michael und Gabriel verfügten ebenfalls wie Christus außerordentliche Macht und Weisheit, die unser Vorstellungsvermögen weit übertreffen. Erst später nach Jesu Tod und Auferstehung hat ihn Gott über diese alle erhöht und ihm den Namen geschenkt der über jeden Namen ist. Philipper 2:8-10.

Einen weiteren Beweis, daß Michael und Jesus Christus nicht identisch sind, haben wir in Offenbarung 12:7 und 10. Der Kampf im Himmel gegen den Drachen wird durch Michael ausgetragen. Wer wollte behaupten, daß dieser Jesus Christus ist? Hebt nicht Psalm 110:1 und Hebräer 10:12, 13 eindeutig hervor, daß Jesus Christus zur Rechten Gottes sitzt, dort wartend, bis ihm seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden? Nirgends wird gesagt, daß Christus zu dieser Zeit schon seine Herrschaft angetreten und den Kampf im Himmel selbst führt. Vielmehr wartet er, bis seine mächtigen Feinde durch Michael von ihren Thronen gestürzt sind. Nun erst wird ihm der Herrscherstab überreicht mit der Aufforderung: "Herrsche inmitten deiner Feinde!" Psalm 110:2. Wer diese einfache Bibelwahrheit versteht, findet auch Offenbarung 12:7-10 damit vollständig in Harmonie und damit die Bestätigung, daß Jesus Christus und der Erzengel Michael zwei verschiedene Geistpersonen darstellen Würde Christus den Kampf im Himmel selbst austragen, so würde im Vers 7 sein Name Christus genau so erscheinen wie auch in Vers 10.

Alle diese Überlegungen gehören zu einem gewissenhaften Bibelstudium und wir erkennen daraus, daß es die Wachtturm-Verfasser mit ihren Bibelauslegungen nicht ernst nehmen. Wie die WT-Behauptungen in dieser Frage hinfällig geworden sind, so werden noch viele andere Unstimmigkeiten der Wachtturm-Lehre zutage treten.

Möge damit niemand die falsche Vorstellung verbinden, daß es uns bei diesen Auseinandersetzungen darum geht, in der besseren Erkenntnis uns über andere zu erheben, noch ist damit die Absicht verbunden, eine neue Sekte mit neuen Lehrmeinungen zu gründen. Wir geben unumwunden zu, daß unser Verständnis in vieler Hinsicht heute mangelhaft ist. Dieses Mangels an Erkenntnis brauchen wir uns nicht zu schämen, denn wir wissen, daß alle die großen feststehenden und unveränderlichen Wahrheiten in die Zeit der Erfüllung biblischer Prophetie gehören, die wir heute noch nicht erreicht haben. Erst dann werden sie an Bedeutung gewinnen.

Weil die WTG-Führerschaft behauptet, in die entscheidende Zeit des Endes eingetreten zu sein, ist sie ständig verpflichtet, ihren Anhängern geistige Speise auszuteilen, auch, wenn dies in unverantwortlicher Weise geschieht. Da es ihr an geistiger Inspiration mangelt, läßt sie ihrer Phantasie freien Lauf, um den Hunger nach neuer Erkenntnis zu stillen. Jeder aufrichtige Wahrheitssucher wird aber bald erkennen, daß es sich dabei gar nicht um lebengebende Erkenntnis handelt, sondern jede WT-Weissagung nur den Zwecken dient mit großartigen Worten die "Neue-Welt-Gesellschaft" als Gottes Organisation zu proklamieren und damit neue, willige Werkzeuge für ihre geschäftlichen Interessen der Organisation zuzuführen. Viele Menschen sind von der Leitung der WTG, unter dem Vorwand, Gott zu dienen, mißbraucht und getäuscht worden, aber Jehova, dem Offenbarer der Geheimnisse, können sie niemals ihre wahren Absichten verbergen.

Jehova aber sei Dank, daß wir nicht zufolge von Wachtturm-Werken gerechtfertigt werden, sondern durch seine unaussprechliche Gnade!

Ein persönliches Wort! (Zum Nachdenken)

Unter dieser Oberschrift wendet sich ein Bruder aus Westdeutschland in einer Veröffentlichung besonders an nichtextreme Brüder und Schwestern der WTG

Der Schreiber dieser Zeilen erwartet nicht, mit irgendwelchen Ausführungen und Hinweisen auf die Bibel solche Leute überzeugen zu können, die eingefleischte Anhänger der "Neuen-Welt-Gesellschaft" sind. Erfahrungsgemäß haben sie in der intensiven Schulung ihrer Organisation das eigene Denken in "theokratischer Unterwürfigkeit" den Weisungen der Wachtturmgesellschaft' untergeordnet, in der sie ja den göttlichen Lichtkanal sehen. Oder werden nicht doch einige von ihnen, und zwar diejenigen, die sich noch etwas selbständiges Denken bewahrt haben, die Dogmen der "Organisation" kritischer zu prüfen beginnen?

Vor allem geht es mir darum, die von der Wachtturm-Propaganda beunruhigten Gewissen aufzuklären und sie vor einer Verirrung zu warnen, die man nur zutiefst bedauern kann. Wer erst in das unbarmherzige, totalitäre System der "Wachtturm-Religion" hineingezogen wird (und zumeist geschieht das, ohne daß es die unglücklichen Opfer merken), gerät in eine entsetzliche Sklaverei. Das bezeugen diejenigen, die nach jahrelangem Ringen die "Wachtturmgesellschaft" wieder verlassen konnten und ihre geistige und geistliche Freiheit wiedergewonnen haben. (W. Schnell, "Falsche Zeugen stehen wider mich" - "30 Jahre Sklave des Wachtturms"). Deshalb fühle ich mich verpflichtet, dem Leser vorliegendes Material in die Hände zu geben, damit er die Behauptungen und Lehren der "Wachtturmgesellschaft" besser beurteilen kann.

Aber auch derjenige, der ohne vorheriges Wissen um die Irrlehren der "Wachtturmgesellschaft" ihre Schriften in die Hand bekommt, sollte zwei Dinge deutlich erkennen:

1. DIE PRIMITIVE SCHWARZ-WEISS-MALEREI: Alle bewußt Andersgläubigen, alle die Zeugen ablehnenden Menschen oder Vereinigungen sind verwerflich, boshaft, teuflisch, verbrecherisch, faul und untüchtig. Dagegen ist die "Neue-Weltgesellschaft" allein annehmbar, gut, gottesfürchtig, weise, fleißig und tüchtig.

2. DIE ZÜCHTUNG DES HASSES: Der Leser der Wachtturmveröffentlichungen wird systematisch mit dem Geiste des Hasses erfüllt. Durch karikierte Darstellungen und höchste einseitige, tendenziöse Behandlung von Kirche, Wirtschaft und Staat (man betrachte nur die Bilder, die jenen Büchern und Wachttürmen eingefügt sind) werden blinder Haß und fanatische Gegnerschaft gezüchtet. Und das alles mit frommen Worten und Bibelzitaten.

Das beste ist, sich gar nicht erst auf ein "Studium" der Veröffentlichungen der "Theokratischen Organisation" einzulassen, sondern in allen Glaubensfragen die Bibel allein

zu Rate zu ziehen. Dann bleibt einem mancher Irrweg erspart. Und dann tritt an die Stelle einer Versklavung unter die selbstherrlichen Anweisungen jener "Geschäftsfirma" aus Brooklyn der seligmachende und wahrhaft befreiende Glaubensgehorsam dem gegenüber, der allein "Herr aller Herren und König aller Könige" ist: Jesus Christus! Ihm allein und keiner menschlichen Organisation, gebührt Ehre und Preis und Ruhm!

Unser aufrichtiger Wunsch ist, daß alle ehrlich gesinnten Wahrheitssucher, jegliche menschliche Autorität, wie sie die Wachtturmgesellschaft besonders herausstellt verlassen und zu dem Worte Jesu und seiner Apostel zurückkehren.

Musterbeispiel eines Gemeinschaftsentzuges

Am 27. März 1957 wurde dem Versammlungsdiener von Itzeho/Schleswig-Holstein, Westdeutschland, Hans-Jürgen Twisselmann, die Gemeinschaft entzogen.

Nach einem längeren selbständigen Bibelstudium hatte Br. Twisselmann an das Zweigbüro in Wiesbaden geschrieben:

An die

Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft

Deutscher Zweig

Wiesbaden

Liebe Brüder!

Eine tiefe innere Besorgnis veranlaßt mich, Euch diese Zeilen zu schreiben. Seit ein paar Jahren studiere ich die christlichen griechischen Schriften. Dabei wurde mir mehr und mehr klar, daß zwischen dem, was ich in den Schriften der Apostel und Jünger Jesu las, und dem, was im Studium der Schriften der Wachtturmgesellschaft vor und nach meiner Hingabe und Taufe empfangen habe, ein Unterschied besteht . . .

Und dann berichtet Br. Twisselmann die wichtigsten, Tatsachen über diese Unterschiede und bekennt sich dazu, der Heiligen Schrift vor den Wachtturmschriften den Vorzug zu geben.

Logischerweise konnte es zu keiner Wiederherstellung einer Harmonie mit der Wachtturrngesellschaft kommen.

Ohne Anrede, ohne Gruß und ohne die elementarsten Gebote der Höflichkeit lautete schließlich der Exkommunikationsbescheid der WTG.

Versammlung . . .

Betr. Gemeinschaftsentzug

Seit einiger Zeit ist Hans-Jürgen Twisselmann völlig außer Harmonie mit der Neuen-Welt- bzw. Wachtturmgesellschaft, wie sowohl aus seinen Äußerungen als auch aus seinem Schreiben hervorgeht. Auch bemüht er sich, andere Mitverbundene der Versammlung und Nachbarversammlungen in die gleiche Stellung zu bringen.

Für heute war er vor das Komitee der Versammlung geladen, aber nicht erschienen. Statt dessen sandte er einen Brief, woraus zu entnehmen ist daß er auf demselben Standpunkt verharrt. Daher wird ihm mit Wirkung vom 27.März 1957 an die Gemeinschaft entzogen.

gez. Unterschriften

Bruder Twisselmann kommentiert diesen Gemeinschaftsentzug in seinem Buch VOM ZEUGEN JEHOVAS ZUM ZEUGEN JESU CHRISTI, Brunnen-Verlag Gießen/Basel 1961, mit folgenden Worten:

Die von mir erwartete Exkommunikation aus der "theokratischen Organisation", d. sog. "Gemeinschaftsentzug", läßt nicht lange auf sich warten. Und der Grund des Ausschlusses? "Völlig außer Harmonie mit der Neuen Welt- bzw. Wachtturmgesellschaft"! Man hätte das auch positiv ausdrücken können: Zu sehr in Harmonie mit der Bibel, denn erst mein Glaube an die Bibel hat mich ja "außer Harmonie" mit dieser Gesellschaft gebracht.

Ist die Leitung der Wachtturm-Gesellschaft zu einer Verständigung bereit?

In mehreren Versammlungen treten in jüngster Zeit Diener auf, um vor allem der weiteren Erörterung der WTG-Politik durch CV in den Versammlungen entgegenzuwirken Die Übereinstimmung dieses Auftretens und das Eingeständnis einiger Brüder zeigt, daß dies auf Weisung der Leitung in Wiesbaden geschieht, wo man CV immer größere Bedeutung beimißt.

Leider erfahren die Versammlungen dabei durch das WTG-Regime, das keine freie Aussprache und Diskussion zuläßt, nichts über die Auseinandersetzungen in der höheren Diener-Organisation, in denen es öfters um CV geht. Es betrifft die Lage der Versammlungen in der DDR und die Bemühungen verantwortungsbewußter Brüder eine Lösung zu finden, was immer mehr zutage tritt. Wir haben in CV offen erklärt und bewiesen, daß es allein an der feindlichen und verleumderischen WTG-Politik des Antikommunismus liegt, die eingestellt werden muß, wenn es eine Lösung geben soll.

Dem setzt die Leitung in Wiesbaden folgendes entgegen, wie uns die Diener entgegenhalten. Es liege nicht an der WTG. Sie habe 1956/57 erklärt, auf höchster Ebene zu einer Besprechung der Dinge bereit zu sein. Das bezieht sich auf die WTG-Petition an die Sowjetregierung von 1956/57 (WT 15. April 1957 deutsch). Man sei in Wiesbaden und Brooklyn sogar bereit deswegen nach Moskau zu fahren. Aber darauf hätten die Behörden nie geantwortet Es sei darum klar, daß sie keine sachliche Erörterung der Fragen wollen. Sie wollen die Ausrottung der Evangeliumsverkündigung. Alles andere sei behördliches Täuschungsmanöver. Kein Diener einer Versammlung sollte darauf hereinfallen. Es gäbe demgegenüber nur eine Möglichkeit für jeden Diener gegenüber den Behörden: "Ich will meine Wege bewahren, das ich nicht sündige mit meiner Zunge, ich will meinen Mund mit einem Maulkorb verwahren, solange der Gesetzlose vor mir ist." (Psalm 39:1 Elbf.). Dies scheint indes die Generalanweisung der WTG für alle Diener in diesen Fragen zu sein. Das heißt, keinerlei Diskussion!

Damit will die WTG die von CV unterstützten selbständigen Initiativen in den Versammlungen unterdrücken, wieder loyale Verhältnisse zu den Behörden herzustellen. Interessant ist dabei, daß es z. B. in Westdeutschland sogar der Fall ist, daß sich örtliche Versammlungen als "e V.", das heißt als selbständiger eingetragener Verein behördlich registrieren! Hier sollen die Diener dagegen völlig der Selbständigkeit beraubt sein! Dieses Vorgehen der WTG mit Psalm 39-1 verdient eine offene und klare Antwort.

Erstens. Wer ist hier der Gesetzlose? Lest nur den ganzen Psalm 39, Brüder und nicht nur den ersten Vers, der von der WTG aus dem Zusammenhang gerissen wird! Der Psalm hat nichts mit dem Verhältnis des Christen zur Behörde zu tun. War doch David, der Psalmist - selbst König und damit oberste Behörde in Israel. Das Verhältnis des Christen zur Behörde wird bestimmt durch 1. Petr. 2:13-17: "Seid aller die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen untertan, sei es dem Kaiser als dem obersten Herrn oder den Statthaltern, die von ihm zur Bestrafung der Missetäter und zur Belohnung der Rechtschaffenen gesandt werden. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr durch gutes Verhalten den Unverstand der törichten Menschen zum Schweigen bringt, und zwar als wahrhafte Freie, nicht als solche, welche die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit machen, sondern als Knechte Gottes. Erweist jedermann Ehre, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den Kaiser." Die WTG jedoch macht mit dem zerrissenen Psalm 39 genau die Freiheit des Christen zu einem Deckmantel der Bosheit! Seht dazu die Tatsachen!

Die WTG-Leitung wollte 1957 in Moskau verhandeln? Worüber? Ober die unbedingte Freiheit ihrer Verkündigung, da sie politisch völlig unschuldig und neutral sei. Sie habe sich nie irgendwie politisch betätigt, hieß es in der Petition an die Sowjetregierung. Wörtlich: "Dies (das WTG-Verbot) geschah nicht etwa, weil sie irgendein Verbrechen begangen hätten oder sich in irgendeiner Weise politisch betätigt hätten." (WT 15. April 1917 deutsch, S. 253).

In keiner Weise politisch? Einige wenige aber dafür charakteristische Beispiele sollen die ausgemachte Bosheit dieser WTG-Behauptung zeigen.

1953 verbreitete die WTG weltweit ihr Buch WAS HAT DIE RELIGION DER MENSCHHEIT GEBRACHT? Die antikommunistische und antisowjetische politische Hetze darin gipfelte in den Verleumdungen, die Kommunisten seien "rote Faschisten" (S. 10) und der Aufbau des Sozialismus und Kommunismus sei "rote Religion" eines "Menschen der Gesetzlosigkeit" (Kapitel 25, deutsch). Das war 1953. Das Buch ist heute noch maßgebliches Studienmaterial aller Versammlungen.

1956/57 aber beteuert man von Brooklyn aus, wo diese politische Hetze verfaßt wurde, man habe sich nie politisch betätigt! Haben sie dieses Buch vergessen? Wohl kaum. Oder meint man in Wiesbaden, "im Osten" sei dieses Buch z. B. nicht bekannt? Wohl auch kaum, denn sie haben es hinreichend genug illegal in die DDR und andere sozialistische Länder eingeschleust.

Die Verlogenheit der WTG-Erklärung, man wolle "mit dem Osten" doch verhandeln, aber die bösen Kommunisten wollen nicht, wird deutlich, wenn wir folgenden WT-Auszug für das Verhalten der Diener in der DDR lesen:

"Die Zeugen Jehovas in Ostdeutschland mußten zuerst auf das Ende der Naziherrschaft Hitlers abwarten, und jetzt müssen sie das Ende der neuen totalitären Regierung abwarten, die die Naziregierung ablöste, das Ende der kommunistischen Regierung, die von dem zur Zeit von Breshnew beherrschten Sowjetrußland abhängig ist." (WT 15. Febr. 1965,S.110, Abs. 10, deutsch). Hier ist ganz klar gesagt, es gibt keine Verhandlungen, es gibt nur eins: Auf die Vernichtung der DDR-Regierung warten und in diesem Sinne ausharren.

Versteht Ihr nun, liebe Brüder, warum man Euch mit dem zerrissenen Psalm 39 einen Maulkorb anlegen will? Wer macht denn hier nun Täuschungsmanöver? Sind es nicht Knorr in Brooklyn, Franke und Pohl in Wiesbaden, die für jene Petitionen und Weisungen heute an die Diener unter Psalmenmißbrauch verantwortlich sind?

Wir fragen Euch, liebe Brüder in den Versammlungen: Was sollen denn die Behörden machen, wenn die WTG einerseits ein weltweites Aufsehen macht mit ihren Petionen und dazu beteuert, sie sei politisch völlig neutral und man sogar bis nach Moskau reisen wolle "für die Brüder", auf der anderen Seite aber laufend und unaufhörlich politisch hetzt und alle Diener anweist, auf die Vernichtung der sozialistischen Ordnung zu warten, wobei gefordert wird, einen Maulkorb anzulegen, wenn man vor irgendwelchen Behörden steht? Wird Euch nicht klar, daß die WTG hier ein verhängnisvolles Doppelspiel betreibt? Betrachtet nur die wenigen hier zitierten Tatsachen von 1953, 1956/57 und 1965!

Es liegt also eindeutig an der WTG! Sie muß ihre politischen Doppelspiele aufgeben und ihre gehässigen antikommunistischen Verleumdungen einstellen, bzw. widerrufen Ihre Verhandlungsbereitschaft ist völlig unglaubwürdig Man kann nicht laufend in übelstem Jargon politisch hetzen, Ausharren und die DDR-Vernichtung verkündigen und jedem Diener einen Maulkorb verpassen, um jedes Gespräch mit Behörden zu blockieren, die man als "Gesetzlose" diffamiert, um dann einfach zu sagen, die Behörden wollen ja nicht! Das ist doch ein boshaftes Doppelspiel. Meint man in Wiesbaden, die Behörden seien über dieses Doppelspiel nicht informiert? Was bildet man sich in Wiesbaden eigentlich ein? Sie wissen in Wiesbaden ganz genau, daß sie es nie wagen können, sich in eine sachliche Verhandlung einzulassen! Denn ihre antikommunistische Hetze ist maßlos und bekannt. Machten sie doch nicht das geringste Hehl daraus, daß für sie Kommunisten nur Ungeziefer und Seuche sind, wert, ausgehoben und vernichtet zu werden! Das ist die nackte Wahrheit, wie sie in Erwachet vom 8. April 1953 unter dem Thema "Hammer und Sichel über Brasilien" zum Ausdruck kommt. Keine Staatsform wird sich solche Verunglimpfungen und Beschimpfungen gefallen lassen. Sie wird und muß sich dagegen wehren. Dies sollte die Leitung in Wiesbaden endlich begreifen.

Sollt ihr da stillhalten, wenn Wiesbaden den scheinbiblischen Maulkorb anlegt? Nie und nimmer, Brüder! Denn man will Euch auf diese Weise weiter zur Durchführung und Tarnung der antikommunistischen WTG-Politik mißbrauchen!

Will man Euch dann ausschließen, dann legt die Tatsachen mutig auf den Tisch! Das Buch WAS HAT DIE RELIGION DER MENSCHHEIT GEBRACHT?, das ERWACHET vom 8. April 1953, den WT vom 15. April 1957, den WT vom 15. Febr. 1965 und diese CV-Ausgabe dazu! Tretet dann als wahre Hirten vor die Herde und zeigt ihnen, wer hier Täuschungsmanöver betreibt!

Wenn Ihr nur die geringste Verantwortung als Hirten der Herde empfindet, möchten wir Euch zurufen, liebe Brüder, dann macht das politische Doppelspiel der WTG nicht mehr mit! ihr a 1 1 e i n tragt vor dem Herrn die v o 1 1 e Verantwortung für die Versammlung: "Weidet die euch anvertraute Herde Gottes und überwacht sie, nicht aus Zwang, sondern mit freudiger Willigkeit nach G o t t e s Willen. (l. Petr. 5:2). Befreit Euch darum aus der Vormundschaft und Entmündigung durch die WTG-Leitung. (l. Kor. 14:20 Me.).

Den WTG-Maulkörben unter Falschanwendung von Psalmen ist darum das Wort Gottes furchtlos entgegenzusetzen: "Seid allezeit bereit, euch gegen jedermann zu verantworten, der von euch Rechenschaft verlangt über die Hoffnung, die in euch lebt." Tut dies jedoch in Sanftmut und Furcht, so daß ihr euch ein gutes Gewissen bewahrt, damit die, welche euren guten Wandel in der Nachfolge Christi schmähen, mit ihren Verleumdungen zuschanden werden!" (l. Petr. 3:15, 16). Das politische WTG-Doppelspiel dagegen erzeugt ein verderbtes Gewissen, denn es macht euch zu politischen Heuchlern! Christen dagegen wandeln weder in List noch in Falschheit (2. Kor. 4:2 NW). Nur so finden sich die Auswege aus der Lage der Brüder in der DDR.

Die Untergrundorganisation - ein gefährlich unkontrollierbarer Apparat

Betr. Versammlung Eisenach - Fortsetzung

Der Bericht über die Affären in Eisenach um den stellvertretenden Versammlungsdiener oder "Anderen" Paul S..., , wird fortgesetzt.

Der zuständige Gebietsdiener Günther Richter aus

Kleinrettbach übersandte an das Bethel folgende Einschätzung:

Es fällt mir nicht leicht, die rechten Worte zu finden, um Bruder St. einigermaßen richtig einzuschätzen. Zwei Jahre sind wir zusammengekommen und jedes Mal kamen mir irgendwelche Zweifel an ihm auf, die dann früher oder später wieder vergingen oder auch blieben. Seine Undurchsichtigkeit regte mich immer wieder zum Nachdenken an. Schon bei der ersten Begegnung mit ihm versuchte ich zu erkennen, weshalb er nach den Schriften fragte, die wir studierten.

Seine Art des Redens und sein Wissen beeindruckten mich, seine Ausgeglichenheit, sein Mut und die große Freude auf die neue Welt ließen durchblicken, das er ein gutes

Wissen hatte. Damals vor drei Jahren gab er mir zu verstehen, daß es doch besser wäre, wenn ein anderer VD wäre. Dieses Streben nach dem Dienstamt war bis heute klar zu erkennen.

Br. St. nimmt sehr gern von allen Seiten materielle Hilfe an. Es führt sogar dazu, daß er andere Br., seine Eltern und Schwiegereltern ausnutzt. Br. St. hat ein eigenes Haus, Garten, Motorrad und eine neue Garage. Beruf Kaufm. Angestellter, arbeitet zur Zeit bei der Straßenbahn, aber nicht in seinem Beruf. Er hat im vergangenen Jahr ungefähr vier Wochen Urlaub an der Ostsee verbracht. Da er fast aus der ganzen DDR mit Br. in Verbindung steht und sie sich auch öfters besuchen, ist der Urlaub etwas billiger. In diesem Jahr hat er vor, sich sechs Wochen Urlaub geben zu lassen. Wie ist das aber möglich, wenn er über Geldschwierigkeiten klagt und dann unbezahlten Urlaub nimmt? Br. St. hatte bisher die Kasse, gab jedoch niemals Rechenschaft darüber ab. Als ich einem Br. dieses Anliegen vortrug, sollte der "Eine" die Kasse übernehmen, es blieb jedoch so wie es war.

Br. St. war auf jeden so furchteinflößend, daß ihm niemand widerstand. Die Br., die er für gut befand, mußten auch die anderen anerkennen.

Warum hat er schon immer die Wohnung des vorgeschlagenen "Einen" gemieden, warum hat er alle möglichen Dinge auf ihn abgewälzt und schlecht über ihn gesprochen, warum wurde er nicht als "Anderer" vorgeschlagen? Weil Br. St. in ihm einen Rivalen sah, der ihm zuvorkommen könnte. Verdächtig und undurchsichtig sind verschiedene Aussprüche, die seine Frau. ihrer Mutter gegenüber aussprach. "Mutti, wenn du nur wüßtest, aber ich darf es dir ja nicht sagen". Wenn es darum ging, daß in der Versammlung jemand sein könnte, der unehrlich ist, dann sagte er "denkst du vielleicht ich?" und wurde dann fast immer aus der Ruhe gebracht. Als im Herbst 1964 die Änderung eintrat, war er sehr wachsam, erkundigte sich über verschiedene Angelegenheiten. Er kam ins Krankenhaus, ließ sich dann plötzlich auf eigene Verantwortung entlassen, um den Anschluß nicht zu verpassen

In Eisenach hat sich alles wieder beruhigt nur ab und zu tauchen kleine Schwierigkeiten von denen auf, die mit Br. St. in Verbindung stehen. Die Unstimmigkeiten kommen meiner Meinung nach nur von Br. St. In den Zusammenkünften wirkt er auferbauend. Ob es von ihm menschliche Schwäche der "Machtgier" und des Materialismus ist, kann ich nicht behaupten, auf alle Fälle neigt er sowie seine Frau dazu. Es wird nach meiner Meinung in Eisenach solange keine Ruhe geben, solange Br. St. da ist. Auf Grund seiner Ausbildung kennt er alle Schliche und kann einen anderen schnell umgarnen. - Soweit der zuständige Gebietsdiener.

Wer war Br. S...? Sowohl Kreisdiener (Gegenddiener) Egon L... aus Erfurt wie Bezirksdiener (Umgegenddiener) Heinz K... aus Halle wußten es von Anfang an! Wir werden das noch sehen.

Die Versammlung hintergangen

Der zuständige Bezirksdiener (Umgegenddiener) 3 berichtete an den Bethelbeauftragten in dieser Sache:

Betrifft Versammlung Eisenach.

Wir hatten genauso verfahren, wie Du es uns in Deiner Mitteilung geraten hast Der Gebietsdiener hatte den Auftrag, den Einen zu unterrichten. Das geht auch in Ordnung Bedauerlicherweise hatte ein Bruder seine Kompetenz überschritten und einen Verkündiger der Versammlung Eisenach unterrichtet, ehe der reguläre Weg wirksam wurde. Der Eine war also noch im Amt, trotzdem hatte besagter Br. S... den Einen ausgeschaltet und über seinen Kopf hinweg die Dinge in Gang gesetzt . . .

Hier ist der Beweis erbracht: "Bedauerlicherweise" hatte ein Versammlungsglied, ein einfacher Verkündiger, erfahren, was oben in dem Untergrundapparat ausgehandelt wurde! Man springt mit den Versammlungsgliedern um, wie mit einer Herde buchstäblicher Schafe! Nichts dürfen sie erfahren! "Bedauerlich", wenn das passiert! Die Diener regieren in der Tat wie Fürsten! Die Schafe haben nur zu trotten! Ein Diener, der die Versammlung unterrichtet, überschreitet seine Kompetenz!

Was sind das für Diener der Versammlung? Das sind selbstherrliche Herren, die längst vergessen haben, daß sie D i e n e r ihrer Brüder sein müßten, ihnen verantwortlich vor dem Herrn!

Ein Diener, der die Versammlung über die unterrichtet, die ihr dienen sollen, überschreitet seine Kompetenz?

Wie will man das "theokratisch" rechtfertigen? Eingesandt für CV von A. Z.

Fortsetzung folgt.

Was ist Wahrheit nach den Begriffen der WT-Schreiber?

Im WT Nr. 3/1967 Seite 481 wurde folgende peinliche Frage an die Schreiber des Wachtturrn abgedruckt:

"Hin und wieder ändert sich die Ansicht über biblische Themen, die in den Schriften das WT behandelt werden. Wir sagen doch, das, was wir glauben, sei 'die Wahrheit'. Ändert sich aber die Wahrheit?"

Der Fragesteller hat sehr richtig erkannt, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, immer wieder die Wahrheit zu ändern, daß es also beim WT irgendwie nicht stimmen kann. Der WT gibt folgende ausgeklügelte Antwort:

"In der Bibel werden Glaubensansichten, die mit der Bibel übereinstimmen, tatsächlich als "die Wahrheit" bezeichnet In 2. Petrus 2:2 ist von der Anbetung, die sich auf solche Glaubensansichten stützt, als vom Wege der Wahrheit die Rede. Hinsichtlich dieses Weges der Wahrheit lesen wir In Sprüche 4:18: "Der Pfad des Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe." Wir wissen also noch nicht alles, was man wissen könnte . . . Es ist also zu erwarten, daß sich hin und wieder eine Ansicht ändern mag. Unser Glaube mag im wesentlichen die zuverlässige Wahrheit der Bibel sein, aber es mag einige Einzelheiten geben die wir in der Vergangenheit nicht völlig verstanden haben Im Laufe der Zeit erhalten wir mit der Hilfe des Geistes Jehovas eine klare Vorstellung von diesen Dingen.

Beispielsweise erschien vor einigen Jahren im WT Nr. 1-3, 1963, eine aufschlußreiche Artikelserie über die obrigkeitlichen Gewalten. Vor diesen Veröffentlichungen wußten und lehrten wir, daß Jehova der Höchste und Jesus Christus der Zweite an Macht und Gewalt ist. Wir wußten, daß wir gesetzestreue Bürger sein sollten, daß wir aber im Falle eines Widerspruches zwischen dem Gesetz der Menschen und dem Gesetz Gottes, Gott mehr gehorchen würden als Menschen. Diese grundlegenden Wahrheiten sind heute dieselben wie damals, sie haben sich nicht geändert. Durch ein sorgfältiges Studium der Heiligen Schrift haben wir jedoch erkannt, daß gewisse Bibeltexte anders angewandt werden sollten. Z. B. erkannten wir klar, daß die in Römer 13:1 erwähnten "obrigkeitlichen Gewalten" nicht Jehova Gott und Christus Jesus sind, sondern die politischen Herrscher. Das trifft auch auf Titus 3:1 und 1. Petrus 2:13, 14 zu. Die grundlegende Wahrheit hat sich jedoch nicht geändert. Unser Standpunkt gegenüber Gott und gegenüber dem Staat ist derselbe wie vorher."

Diese Antwort des WT verdient untersucht zu werden, denn sie ist nicht nur unbefriedigend, sondern direkt unwahr. Sie geht um den Kern der Frage herum.

Die Frage war doch: "Ändert sich die Wahrheit?" Wahrheit bleibt immer Wahrheit. Johannes 17:17. Oder es handelt sich nicht um die Wahrheit. Wahrheit ändert sich n i e ! Deshalb ist der WT-Hinweis auf Sprüche 4:18 keine zutreffende Begründung. Ändern kann sich nur die Unwahrheit oder die Unwissenheit. Epheser 4:18.

Man entschuldigt seine Unwissenheit, indem man sagt, im Laufe der Zeit wird es der Geist Jehovas offenbaren. Jedoch war es doch i m m e r so, daß man vorgab, der Herr habe stets das Licht und das Verständnis gegeben, auch bei Dingen die man hernach änderte!

Damit ist offenbar, daß die WT-Prophezeiungen und Auslegungen nicht von Jehova waren, sondern dem eigenen Verstand entsprungene Weissagungen, kein Licht von Gott. Epheser 4:18.

Es ist einfach Unwahrheit, wenn der WT sagt, der Standpunkt gegenüber Gott und Staat ist trotz der Änderung betreffs Obrigkeiten derselbe wie vorher. Weshalb hat man drei Wachttürme über die Obrigkeiten herausgegeben, wenn sich daran doch nichts Grundlegendes ändert? Wenn alles so bleiben soll wie es war, trotzdem man durch "sorgfältiges Studium" erkannt haben will, daß Römer 13:1, Titus 3:1 und 1. Petrus 2:13, 14 sich auf weltliche Obrigkeiten beziehen? Das hat man doch schon vor diesen, jetzt als falsch erklärten Obrigkeitsauslegungen, gewußt! Was ist das für ein "sorgfältiges Studium"? Wie soll der Fragesteller hier zurecht kommen? Man will eben nicht zugeben, daß man in bezug auf die obrigkeitlichen Gewalten die Unwahrheit verbreitet hat. Die Unwahrheit der WT-Antwort, der Standpunkt gegenüber Gott und Staat ist trotz der Änderung der Auslegung von Römer 13:1 nach wie vor derselbe, zeigt in besonderer Weise die nächste Frage.

Was ist aus den Falschauslegungen für die Brüder entstanden?

Ehemalige Wahrheit wurde über Nacht Unwahrheit! Wieviel Leid brachte das über die Brüder! Von 1929 bis 1962, 33 Jahre, befanden sie sich demgemäß in allen Ländern in unsinniger Feindschaft gegenüber den weltlichen Obrigkeiten Noch 1950 in Falschauslegung des Gideon-Berichtes aus Richter 7 und 8 betreibt der WT "von Jehova gelehrt" seine "Vertreibung" der politischen Obrigkeiten aus ihrer biblischen Stellung vor Gott:

"… als sie schließlich mit genügender Wahrheit ausgerüstet waren, um Satans sichtbare Vertreter aus ihrer Ansiedlung im Gebiet Jehovas als angebliche "obrigkeitliche Gewalten" zu vertreiben, gingen die Gesalbten zum Angriff über. Aus der Bibel bewiesen die Zeugen, daß die Weltführer an einen Ort vorgedrungen waren, der Gott und Christus gehört, und ihre Kühnheit im Bloßstellen und die Unfähigkeit des Feindes, ihnen zurückzugeben und seine Stellung zu behaupten, ließ andere Beobachter erkennen, daß Satans Werkzeuge ihren Standpunkt als die "obrigkeitlichen Gewalten" nicht behaupten konnten. Folglich wurden diese Weltführer als "obrigkeitliche Gewalten" in den Augen der sie Beobachtenden wie tot … Einige der ersten, die sich in den frühen 1930er Jahren um den gesalbten Überrest scharten . . . jetzt kehren sie zurück, um dem Vater zu dienen, zusammen mit der stets zunehmenden Zahl anderer, die zum ersten Mal die Beteiligung am christlichen Kriegszug erhalten." (Der WT vom 1. Sept. 50).

Heute beweist der WT nach "sorgfältigem Studium" das Gegenteil! Damit ist erwiesen:

Die WT-Haltung zu Gott und Staat war nicht immer dieselbe! Sogar der "gesalbte Überrest" wurde vom WT zu falschen Kriegszügen gegen die politische Obrigkeit verführt Alle Leiden der Brüder durch diese "Kriegszüge" waren unsinnig! Nicht die "Weltführer", sondern die WT-Führer waren an Orte vorgedrungen, die ihnen nicht gebührten! Was die Zeugen da unter Leitung des WT aus der Bibel "bewiesen", war vollkommen falsch! Die "christlichen" WT-Feldzüge gegen die Obrigkeit waren unsinnige Verleumdungs-Feldzüge!

Was kann man da noch glauben? Bei der WT-Führung ändert sich "die Wahrheit" je nach Lage der Dinge. Bei Gott dagegen bleibt Wahrheit immer Wahrheit! Joh. 17:17.

"Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis?" Hiob 42:3. Durchschaue die Taktik des WT!

Interessante Mitteilungen

Den Wachtturm-Schreibern ins Stammbuch!

Bekanntlich erklärte der Wachtturm daß der Wille des Sklaven (d. h. der WTG-Führung) der Wille Gottes sei. (WT 1. Aug. 1956, S. 474). In diesem Sinne wird jeder Widerspruch unterdrückt.

Bescheiden erklärte dagegen der Generalsekretär des Weltrates der Kirchen, Dr. W. A. Vissert Hooft, Genf, laut epd. vom 4. Juli 1962:

"Wir brauchen, die freie Aussprache, weil die Menschen so böse sind und auch so borniert daß sie - wenn ihnen nicht widersprochen wird ihre eigene Stimme als Gottes Stimme ansehen."

"Der Weise wird hören …" Sprüche 1:5.

Aus eingegangenen Briefen:

Aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt:

… Durch einen Freund erhielt ich erstmals Ihre Schrift CV. Ich habe nicht gewußt, daß bei uns eine Studiengruppe existiert, die sich mit der Lehre und Tätigkeit der WTG beschäftigt … Ich will nun eine gründliche Arbeit über die WTG zusammenstellen und sie veröffentlichen . . . wie ich dazu komme, wird sie interessieren, will es Ihnen gern sagen. Ich war selbst mal dieser Irrlehre verfallen. Aber Gott sei

Dank, mir sind die Augen aufgegangen. Diese verführerische und lügnerische Gesellschaft, die nicht im mindesten das Prädikat "christlich" verdient, die Tausende von wirklich aufrichtig und guten Menschen verführt - dieser Gesellschaft habe ich als Christ den Kampf angesagt. Judas 5.

Ein Bruder aus Westdeutschland schreibt:

Mich fürchten diese führenden Wachtturmbrüder wie die Pest! Aber damit erweisen sie mir ja gerade einen guten Dienst indem sie beweisen, daß sie nicht vom Geiste der Bergpredigt getragen sind. Aber dieses möchte ich Dir sagen, daß Du diesen "treuen und klugen Knecht" nicht zu fürchten brauchst.

Aus dem Bezirk Magdeburg:

CV lese ich immer mit großem Interesse. Ich finde den größten Teil sehr lobenswert, was Sie und Ihre Mitarbeiter aufdecken und berichtigen, denn auch ich habe ein Jahrzehnt meines Lebens nutzlos für die Herren Frost und Franke verpulvert, weil ich der festen Überzeugung war, daß die Lehre der ZJ die Wahrheit sei. Ich könnte ein ganzes Buch über meine Erlebnisse während dieser zehn Jahre schreiben, aber vielleicht genügt es Ihnen, wenn ich Ihnen sage, daß es die schrecklichsten meines Lebens waren. Aus diesem Grund weiß ich auch Ihre Bemühungen zu würdigen; denn viele der Zeugen Jehovas würden sonst eines Tages ganz böse erwachen und werden dann nicht mehr mit dein Leben fertig. Ich spreche nämlich aus eigener Erfahrung und weiß, wieviel seelische Kraft dazu gehört, um dann mit der Wirklichkeit fertig zu werden. Zum Glück hatte ich zu jener Zeit Menschen an meiner Seite, die mir geholfen haben, die ersten Schritte zu tun . . . Für jeden, der sich von diesen Wahn lossagt, kommt früher oder später eine gewisse Zeit, wo ihn eine wahre Lebensgier überfällt. Plötzlich bemerkt er nämlich, wieviel er in seinem Leben versäumt hat, und diese Feststellung kann katastrophale Folgen haben. Ich kenne aus eigener Erfahrung die lange Zeit der Einsamkeit, die dann folgt, weil die menschliche Gesellschaft vor mir die Tür verschlossen hielt . . . Die meisten ZJ hängen deshalb so fanatisch an ihrem Glauben, weil sie den Glauben an die Menschheit verloren haben und ihnen eine neue, glückliche Welt versprochen wurde. Aus diesem Grunde tun sie auch alles, was man von ihnen verlangt, um Harmagedon zu überleben . . .

Es ist eine große und schöne Aufgabe, die Sie da übernommen haben . . .

A 3196-67 V 71 2200

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