Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 114
In dieser Ausgabe. Bericht und Kommentierung über das Massenmorddrama vom November 1978 im südamerikanischen Staat Guayana (Volkstempelsekte des Jim Jones), dass zeitgenössisch einiges Erschrecken bewirkte und als Nachwirkung (zumindest für einige wenige Jahre) zur Folge hatte; dass auch anderen Sekten ein rauherer publizistischer Wind ins Gesicht wehte. Jener "Wind" gehört zwischenzeitlich auch schon wieder der Vergangenheit an.


CV CHRISTLICHE VERANTWORTUNG
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

Die Mission von CV
ist Wegbereitung und Auferbauung im Glauben in christlicher und sozialer Mitverantwortung und tätiger Nächstenliebe hier und heute. Dies erfolgt in besonderem Hinblick auf die von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), USA, geleiteten Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und ihrer haltlosen Weltendeverkündigung. Diese Mission geht aus von Tradition und Bedeutung der internationalen Bibelforscherbewegung und dient der Hinführung in die Nachfolge Jesu, der Bildung und Tätigkeit freier christlicher Gemeinden sowie christlicher und mitmenschlicher Verständigung und aktueller Information. Wir rufen zur Mitarbeit

Nr. 114 Gera Januar 1979

WIE EIN PFLÜGER, DER AUF HOFFNUNG HIN PFLÜGT
Mit 1979 tritt "Christliche Verantwortung" in das 20. Jahr einer wahren Pionierarbeit
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Ein Bauer geht hinter dem Pflug einher. Er drückt die Pflugschar fest in den Boden. Furche um Furche wendet er die Scholle um, um den Boden für die Saat zu bereiten. Zuversichtlich streut er sie dann aus, voller Hoffnung, daß sie aufgehen wird. Dieses Bild gebraucht der Apostel für die geistige christliche Arbeit: "Ja, um unseretwillen steht geschrieben", sagt er "daß der Pflüger auf Hoffnung hin pflügen soll." 1. Kor. 9:10. So muß man sich auch unsere in christlicher Verantwortung geschehende Arbeit vorstellen. Es ist Es drückt Vertrauen aus, Hoffnung, aber auch Entschlossenheit. Denn die wirkliche christliche Verantwortung vor Gott und den Menschen, wie sie inmitten der "die Menschen betreffenden Ordnung um des Herrn willen" wahrgenommen werden muß, 1. Petr. 2:13, liegt durch die über hundertjährige falsche Wachtturm-Endzeitverkündigung darnieder unter den Christen wie nirgendwo. Und der WT hat die "Stirnen hart gemacht", so daß sie nur schwer einen Gedanken zulassen, der alles einmal von der anderen Seite betrachtet, die es doch auch gibt, nicht war?

Aber wir sind zuversichtlich und hoffnungsvoll. Wer aufrichtig ist, kann sich auf die Dauer dem Innehalten und Nachdenken nicht versagen. In einem aufrichtigen Herzen muß ein guter Same aufgehen. So führen wir unsere Pflugschar - um in unserem biblischen Bild zu bleiben - auch 1979 mit entschlossener Hand. Wieviele sind von Herzen dankbar, daß CV die Arbeit nicht aufgegeben hat! Ist es nicht so? Denn Christen müssen freie Christen sein. "Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen", und "wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit", sagt der Apostel.

Doch was will da alle Sinne beherrschen? Eigentlich Unglaubliches: "Der Wille des Sklaven", der WT-Gesellschaft, dieser sei "der Wille Gottes"! (WT 1. Aug. 1956, S. 474) Ist das nicht ein Erklären des Willens der Gesellschaft zum Willen Gottes? Hier liegt der Urgrund aller Unfreiheit und Verhärtung. Aber wir wissen auch, daß es zumeist von Herzen Aufrichtige sind, und wie Einsicht unter der Hand wächst und wächst, um irgendwann aufzubrechen. Die WTG bemüht sich vergebens, unsere christliche Verantwortung vor Gott und den Menschen zu erschüttern, unsere Hand zu lähmen und unseren "Pflug" zu stoppen, unser "Pflügen" zu verleumden und zu verteufeln. Denn i h r e , der WTG "Zeit ist herbeigekommen", nach über 100 sog. "Endzeit"-Jahren. W i r "pflügen" gemäß der Schrift "auf Hoffnung hin". Es ist nun das 20. Jahr dieser wahren Pionierarbeit. Härteste WTG-Sanktionen wurden durchbrochen, und viel, viel Same konnte aufgehen. Möge darum auch diese CV-Ausgabe dem Wachsen notwendiger Einsicht dienen wie uns die Schrift gebietet mit den Worten
Vergewissert euch über alle Dinge,
haltet fest an dem, was recht ist.
1. Thess. 5:21 NW
Eure Mitbrüder
CV-Redaktion
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Unsere Übersicht
Mörderischer Kult
Religiöser Massenmord 1978 im Urwald von Guayana
In der BRD öffentlich auch auf WT-Zeugen hingewiesen. Ist das gerechtfertigt?
Aus Jarmen in Mecklenburg
Eine sensationelle Enthüllung über den Überrest
Wir fragen die Leitende Körperschaft
Wir fragen den Überrest
WT-Studienartikel
"Woran man die wahre Religion erkennt", "Das Christentum und die Merkmale der wahren Religion"
für dich hinterfragt
Nachweihnachtliches
Waren die "Himmlischen Heerscharen", die die Geburt Jesu feierten, einem heidnischen Taumel verfallen?
Unser Erlebnisbericht
Kreisdiener Heinrich Ditschi - ein aufrechter Verteidiger christlichen Glaubens (4)
Stolpersteine auf den Weg gelegt
Warum ich kein Zeuge Jehovas mehr sein kann
Der letzte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte
Eine Erfahrung
Über den Zaun geschaut
Wie die katholische Kirche ihr Verhältnis zu anderen Christen und zu den Nichtchristen sieht.
Bad Doberan, Juni 1978
Verantwortlicher WT-Aufseher fragt zweifelnd CV-Vertreter:
"Und wenn Harmagedon nun aber doch kommt?"
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Erschütternd und alarmierend
RELIGIÖSER MASSENMORD IM NOVEMBER 1978
IM URWALD VON GUAYANA
In der BRD öffentlich auch auf WT-Zeugen hingewiesen
Über 900 aus religiöser Hörigkeit umgebracht
Grausige Berichte und Bilder gingen im November 1978 durch die Weltpresse. In einem Lager im Urwald von Guayana (Südamerika wurden im November 1978 über 900 Männer, Frauen und Kinder der religiösen Gruppe "Tempel des Volkes" unter ihrem Führer Jim Jones in einer Massenmord- bzw. Massenselbstmordaktion durch vergiftete Limonade, Giftspritzen und automatische Waffen umgebracht. In einer durch Mitgliederrückgang gekennzeichneten Lage und nach Ermordung eines USA-Kongreßabgeordneten und seiner Begleitung, die das Lager kontrollieren wollten, inszenierte Jones im Lager eine Verzweiflungssituation, in der er seine "göttliche Weisung" zu dem Massaker gab. Wer sich weigerte den Todestrank anzunehmen, wurde von den "Tempel"-Posten zum Bottich mit dem Gift gezerrt. Wer zu entkommen versuchte, wurde niedergeschossen, 83 Kinder wurden unter den Leichen gezählt.

Auf der Bühne in der "Tempel"-Halle, in der das Gift ausgeteilt wurde, stand noch der "Thron" von Jones, dahinter in roten Buchstaben der Spruch "Liebet einander". Jones, der sein Hauptquartier in San Francisco, USA, hatte, war von hervorgetreten unter dem "innigen Wunsch, eine Gesellschaft formen zu helfen, in der es statt Haß und Gewalt einen Geist von Harmonie und Brüderlichkeit hatte er ein System faschistoiden Geistes und physischen und psychischen Terrors errichtet, indem er das Hingabegelübde erzwang, im Falle äußerster Gefahr für den "Tempel des Volkes" in den Tod zu gehen. Nach letzten Meldungen war das Lager von 923 Leichen

Wie konnte das geschehen?
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe Untersuchungen. Was war der Nährboden für diesen "falschen Propheten"? Was für Menschen konnte er verführen? Wie ist eine solche religiöse Irreführung zu erklären? Wie ist solch ein blutiger Kult möglich geworden?

Wir wollen einige Hauptgesichtspunkte betrachten. Für Jehovas Zeugen ist das psychologisch besonders von Bedeutung, wie wir noch sehen werden.
Prof. Dr. Robert Lifton von der Yale-Universität in den USA wies generell auf die zunehmende Entfremdung und Wurzellosigkeit der Menschen in der amerikanischen Gesellschaft hin. "Wenn Menschen sich den Erschütterungen rapider sozialer Veränderungen gegenübersehen und ihnen die Gegenwart nur noch furchterregend erscheint", komme es zu solchen pseudoreligiösen Kultentwicklungen, sagte er. Die hierdurch Unzufriedenen und Verzweifelten böten eine Voraussetzung für totale Manipulierung und absoluten Gehorsam, so daß ihnen letztlich auch berufliche Bildung und familiäre Bindung nur zweitrangig erscheinen, desgleichen die Schule für die Kinder. Dadurch werden sie zu allem fähig, was von ihnen verlangt wird.

Der wissenschaftliche Leiter einer Sonderabteilung eines Stockholmer Krankenhauses, Jan Ramström, sagte im Hinblick auf die Jugendlichen, daß es von enormer Bedeutung ist, in der Gesellschaft seine Rolle als arbeitender Mensch zu finden. "Die Arbeitslosigkeit wird zu einer Bedrohung des Selbstbewußtseins und des Identitätserlebnisses und führt damit zu einer äußerst ernsten psychologischen Krisensituation." Dazu würden der Jugend "destruktive Wertungen, Scheinideologien und Verlogenheit geboten."

Die Angehörigen des "Tempels des Volkes" setzten sich u. a. aus ehemals Drogenabhängigen, Prostituierten und anderen zwielichtigen Personen zusammen, dazu alte Leute und sozial Schlechtgestellte, vor allem Afroamerikaner. Gutgläubige, aufrichtige Menschen schlossen sich an, weil man ihnen ein Paradies versprach. Das System produziert laufend Unsicherheit, Ungewißheit und Ratlosigkeit, so daß viele auf der Suche nach einem Ausweg sind. Nach Alkohol und Drogen flüchten die Angehörigen dieser "verlorenen Generation" dann schließlich in solche vorgegaukelten "geistigen Paradiese" der Eintracht und Besinnung. Im "Tempel des Volkes" gipfelte das in einer Hingabe, daß die Frauen den Kindern mit Spritzen die vergiftete Limonade in die Speiseröhre träufelten.

Dr. Margaret Singer, Psychologin an der Universität von Kalifornien, faßte die Ursachen für solche extremen religiösen und pseudoreligiösen Erscheinungen mit den Worten zusammen, die Auflösung bestehender Sozialstrukturen sei der Nährboden für das Entstehen derartiger Vereinigungen, die selbst vor blutigen Kulten nicht haltmachen.

Politische Hintergründe
Nach bisher veröffentlichten Angaben ergibt sich folgendes Bild. Das US-Bundeskriminalamt FBI und das US-Außenministerium waren seit längerem schon informiert. Es lagen Berichte vor über Bewußtseinsmanipulationen, physische Zwänge, sexuelle Perversionen und Gehorsamkeitsübungen einschließlich Training von Massenselbstmord. Aber mit der Anhängerschar des "Tempels des Volkes" wuchs auch politische Einfluß, die politische Bedeutung. Zu den politischen Gönnern gehörten der USA-Vizepräsident Mondale, die Senatoren Jackson, Grovel und Humphrey, der Minister für Gesundheit, Erziehung und Sozialwesen Califano, auch mehrere Kongreßabgeordnete. Empfehlungsschreiben aus diesen politischen Kreisen haben die Regierung Guayanas schließlich bewogen, dem "Tempel des Volkes" für eine Missionsstation in ihrem Land 11 000 Hektar Land zu schenken. Auch die Frau von USA-Präsident Carter bekundete dem "Volkstempel"-Führer Jim Jones ihr Wohlwollen.

Was hatten diese alle für ein Hintergrundinteresse an der Vereinigung des Jones? Es wird berichtet, daß Jones in der Lage war, unter seiner "Disziplin" seine Anhänger zu den verschiedensten politischen Aktionen, Einsätzen und Verhaltensweisen zu veranlassen, wie es für die jeweiligen politischen Interessen nützlich war.

In der BRD auch auf die Zeugen Jehovas hingewiesen
Kann Ähnliches wie der blutige Kult im Urwald von Guayana auch in Europa geschehen? Dies war die Frage, die auch in der BRD öffentlich gestellt wurde. Nach BRD-amtlichen Angaben seien etwa 150 000 BRD-Jugendliche "sektenabhängig", In der BRD werden die verschiedenen Vereinigungen u. a. auch vom Familienministerium in Bonn überwacht. Staatssekretär Wolter sagte, daß es nicht auszuschließen sei, daß so etwas wie in Guayana "auch bei uns" passieren könne. Wie beobachtet wird, treiben auch in der BRD "Existenzangst in einer krisengeschüttelten Umwelt und dumpfes Unbehagen an der kapitalistischen Ordnung junge Bundesbürger auf einen gefährlichen Irrweg, den Scharlatane Fanatiker als Ausweg aus der miesen Realität offerieren." Längst hätten sich "einige der berüchtigten Sekten zu multinationalen Unternehmen gemausert, deren Schwindelgeschäfte mit dem Glauben diesseits und jenseits des Atlantiks florieren". Tausende junger Bundesbürger fliehen, "von der Profit- und Konsumgesellschaft abgestoßen" in die "scheinbare Geborgenheit der Sekten", wo sie von "falschen Propheten" zu "Marionetten degradiert" würden.

Vor dem Hintergrund des Massenmorddramas in Guayana forderte der Münchener SPD-Bundestagsabgeordnete Manfred Schmidt die Bundesregierung auf, "in regelmäßigen Abständen einen Sektenbericht" vorzulegen. Der Bundestagsabgeordnete erklärte dazu am 23. November 1978: "Es ist ungeheuerlich, was sich unter dem Deckmantel freier Religionsausübung in der Bundesrepublik für Sekten gebildet haben, die zum Teil als kriminelle Vereinigungen anzusehen sind." Das sich "immer mehr ausbreitende Sektenunwesen" müsse eingedämmt werden, man könne nicht zusehen, "daß vor allem junge Leute mit teilweise kriminellen Praktiken ihrem bisherigen Lebensbereich entfremdet werden", forderte Schmidt.

Bisher hat man sich bei diesem Vorgehen zumeist auf die sog. "Jugendreligionen" und ihre Vereinigungen in der BRD konzentriert. Allerdings ist ihnen bisher kein blutiger Kult nachzuweisen, weder ein einzelner noch ein Massenmordfall. Höhepunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit kurz nach dem Massaker in Guayana war eine BRD-Fernsehdiskussion von Experten dazu aus Uganda/Afrika, USA, Indien und der BRD. Als sozialer Nährboden für die aus den USA kommenden "Sekten" wurden vor allem "Minderbemittelte", arme Weiße, untere Schichten, Arbeitslosigkeit und die wirtschaftlichen Zwänge der westlichen Welt" genannt, auch in der BRD wirke das. Der Experte aus der BRD, Rüdiger Hauth, nannte in diesem Zusammenhang erstmals auch die Zeugen Jehovas, in Verbindung mit einer "ganz gewissen Schicht derer, die im Leben und in der Gesellschaft zu kurz gekommen sind, die nach einem Heil greifen, wo mehr für sie herauskommt". Als eine der notwendigen Maßnahmen forderte Hauth, daß diese Gruppen "so dargestellt werden sollten, wie sie wirklich sind, und nicht, wie sie sich u. a. In der Fußgängerzone selbst darstellen".

Ist der Hinweis auf Jehovas Zeugen gerechtfertigt?
Es ist eigenartig niemand wagt sich in der BRD so recht an die WTG und ihre organisierten Zeugen Jehovas heran. Auch in der öffentlichen Diskussionsrunde fand Hauth für seinen Zeugen Jehovas kein Echo. Als ob man es überhört hätte. Man fragt sich unwillkürlich, warum das so ist, was für Interessen da bestehen.

Sicherlich muß man Hauth darin zustimmen, daß solche Exzesse religiösen Massenmordes, wie im Guayana-Urwald in der "durchforsteten" BRD schwerlich möglich sind. Dennoch war sein Hinweis auf die Zeugen Jehovas unter der WTG gar nicht so abwegig. In der Tat sind die Zeugen Jehovas die einzige religiöse Gruppe unter den Religionsgemeinschaften, in der auf Weisung ihrer WTG-Führung religiös motiviert Selbstmord, fahrlässige Tötung von Kindern und gegebenenfalls ritueller Kindesmord betrieben wird. Staatsanwaltschaften, Mordkommissionen und Gerichte haben sich auch in der BRD damit schon beschäftigen müssen. Gemeint ist der von der WTG den Zeugen Jehovas verordnete Blutkult der Unterlassung von Bluttransfusionen in Lebensgefahr, und wenn die Betroffenen dabei in den Tod gehen müssen, Es sei an den zehnjährigen Markus Krüger aus Hamburg erinnert, den seine Eltern nach einem lebensgefährlichen Unfall in Österreich 1976 in bedenkenloser religiöser WTG-Hörigkeit auf diesem Altar des WTG-Blutkultes geopfert haben. In fanatischer WTG-Hörigkeit stieß Vater Krüger seinen Jungen von sich und in den Tod mit den Worten: "Wenn mein Kind fremdes Blut bekommt, ist es mein Kind nicht mehr. Dann können Sie es gleich behalten." Der zuständige österreichische Staatsanwalt Dr. Manfred Auer leitete nach dem Strafgesetzbuch gegen die Eltern ein Verfahren ein. Sie hatten den Jungen WTG-hörig in den Tod geschickt.

Ende 1977 hat, die WTG in der BRD nichts Geringeres unternommen, als mit einer entsprechenden Blut-Broschüre 115 000 Ärzte, 40 000 Richter und 240 000 Krankenschwestern und Krankenpfleger für die "Respektierung" ihres Blutkultes zu gewinnen. Die Zeugen Jehovas hat sie in Ausnutzung ihrer Hörigkeit auf sie als "Gotteswerk" dazu veranlaßt, sich aktenkundig bei ihren Ärzten schon im voraus für einen möglichen Ernstfall als potentielles Blutkultopfer festzulegen, eine Weisung, die viele - geplagt von religiösen Gewissensbissen - allerdings zu umgehen versuchen. Wer diesem Blutkult jedoch zu entfliehen versucht, gerät in den Rufmord, "Gesetze Gottes" zu mißachten, was seinen Tod bedeuten könne. Das betrifft nicht nur 923 Personen, sondern (in der BRD) 97 760 Wachtturm-Verkündiger (1977). Wenn die Ernstfälle auch nur Einzelfälle bleiben, welcher Wesensunterschied besteht, ob eine Mutter ihrem Kind vergiftete Limonade in die Speiseröhre träufelt oder wenn sie dabeisteht und zuschaut, wie ihr Kind durch ihre Bluttransfusionsverweigerung stirbt, und auf dem Altar des WTG-Blutkultes geopfert wird?

Ist es nicht auch der gleiche Nährboden?
Was läßt Menschen nach den bereits mehrmals - 1914, 1925, 1945 und 1975 - als falsche Prophezeiung erwiesenen Weltende- und Paradiesversprechungen der WTG greifen? Es sind letztlich die gleichen sittlichen und sozialen Elends- und Verfallszustände, die zuvor unter der Frage, wie konnte das geschehen?, dargestellt wurden. Und die Menschen, die der WTG hörig werden, sogar soweit, daß sie deren Lehreinfälle ihre Kinder opfern, und sich selbst? Ja, sie gehören zu denen, die im Leben und in der Gesellschaft, schuldig oder unschuldig, zu kurz gekommen sind (R. Hauth), die Gescheiterten, Diskriminierten, die Opfer der Verhältnisse. Nun erhalten sie von der WTG in destruktiven Wertungen, Scheinideologien und Paradiesillusionen eine scheinbare Geborgenheit, um deretwillen sie bessere Bildung, berufliche Entwicklung, Familienbeziehungen und soziale Mitverantwortung verächtlich an die zweite oder letzte Stelle setzen, oder ganz abbrechen, Leichtgläubig unterwerfen sie sich religiös-politischen Scharlatanen, bereit zu jeder ihnen "im Namen Jehova Gottes" abverlangten Verhaltensweise und Tätigkeit. Für das nicht vorhandene "geistige Paradies" und die immer wieder verschobenen "Endzeit"-Illusionen "begeisterte" der vormalige WTG-Zweigdiener Konrad Franke auf dem internationalen WTG-Kongreß 1978 in München die Menge mit dem Aufruf: "Wer Fortschritte im Glauben machen will, kann ich nur raten, schnellstens den Vollzeitdienst aufzunehmen und gleichzeitig die Brücken hinter sich so vollständig abzubrechen, daß er den Weg zurück überhaupt nicht mehr finden kann!" Das ist doch pures Abenteurertum! Doch die Menge toste im Beifallgeklatsche. - Gar mancher, der dann den Weg zurück nicht mehr finden konnte, nachdem er das "geistige Paradies" und das stets "ganz nahe Ende" durchschaut hatte, endete im Selbstmord, Etliche befinden sich in Irrenanstalten.

Was sind die politischen Hintergründe der WTG?
Diese Frage drängt sich nun natürlich auch auf. Nicht alles ist schon bekannt, und meist ist das Bekannte nur die "Spitze des Eisberges". Es sei einiges aufgezählt. WTG-Präsident C. T. Russell hatte als Gönner und Förderer u. a. einen Brigadegeneral der US-Army namens W. P. Hall. Im 1. Weltkrieg ließ Russell im Bethel Brooklyn ein Empfangsgerät installieren, wodurch die WTG in eine Spionageaffäre verwickelt wurde. WTG-Präsident J. F. Rutherford stand in Beziehung mit US-General J. F. Bell, und wurde von US-Senatoren und US-Kongreßmitgliedern protegiert. Anfang der 30er Jahre wurden staatliche Beziehungen der WTG mit dem US-Außenministerium bekannt. Es gab ein geheimes Zusammenspiel mit der US-Diplomatie in Berlin und in Bern. J. F. Rutherford war bis zu seinem Tode 1941 aktives Mitglied der US-Staatsanwaltschaft. Nach 1945 wurde das Werk in Westdeutschland mit Unterstützung der US-Militärregierung wiedererrichtet. Die Berichterstattung lief über die amerikanische "Militärpost". Erich Frost, deutscher Zweigdiener ab 1945, erhielt seine Vollmacht vom Außenministerium in Washington. In den zwanziger Jahren wurde die WTG-Unterstützung durch Vertreter des amerikanischen Großgeschäftes bekannt, - Für die BRD ist generell folgende Meldung interessant. Auf Anfrage der Progress Presse Agentur (ND 6./ 7. 1. 79) bestätigte ein Sprecher des BRD-Innenministeriums, daß vom Verfassungsschutz in den letzten 25 Jahren auch religiöse Gruppen für politische Zwecke finanziert wurden. Was auch immer die ausgelegten und wieder liquidierten "göttlichen Wahrheiten" der WTG gewesen sind, eine ganz bestimmte destruktive politische Tendenz ist darin seit C. T. Russell konstant. Ein ständig der Situation angepaßter Kampf gegen sozial fortschrittliches oder revolutionäres und kommunistisches Denken und Handeln. Auch von den WTG-Kongressen 1978 aus wurde nicht versäumt, gegen "revolutionäre Umtriebe" auszuschlagen. So erfüllte die WTG in jeder Situation eine Funktion, demokratisches, soziales oder revolutionäres Aufbegehren in den "wirtschaftlichen Zwängen der westlichen Welt" zu verhindern. Offensichtlich ist dies das politische Interesse an ihrer Organisation.

Was im Raum stehen bleibt
In der BRD nimmt man nach dem religiösen Massenmord in Guayana nun mehr denn je die "Jugendreligionen" unter die Lupe. Bei allen ihren - besonders christlich gesehen - höchst anstößigen Praktiken wie Kapitalschlagen, Bettelei, Antikommunismus, Prostitution, Aberglauben, unchristliche Heilsversprechen, Irreführung Jugendlicher, können ihnen lehr- oder dogmatisch bedingte Menschenopfer, Kult- oder Ritualmorde weder einzeln noch massenhaft angelastet oder prognostiziert werden.

Wer in diesem Zusammenhang jedoch auch die WTG angreift, deren Opferung von Kindern für einen religiösen Blutkult einem Ritualmord gleichkommt und eine Verletzung verfassungsmäßiger elterlicher Pflichten auch in der BRD darstellt, der steht da wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Frage dich, warum. -
K. O.

Unser Denkanstoß
EINE ENTHÜLLUNG ÜBER DEN ÜBERREST
Aus Jarmen in Mecklenburg
Wieder einmal ein Beweis mehr, daß die Leitende Körperschaft vor nichts zurückschreckt. Hiermit wird erneut bewiesen, daß die Leitende Körperschaft ein falscher Prophet ist. Eigentlich müßte man sagen, der Überrest hat sich selbst belogen. Da es aber allgemein bekannt ist, daß der überwiegende Teil des Überrests keine eigene Meinung haben darf, bleiben wir bei der Tatsache, daß die Leitende Körperschaft den Überrest wieder einmal betrogen hat.

Inwiefern? - wird der Leser nun fragen. Die Antwort darauf gibt das Buch "Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes".
Auf Seite 354 kann man folgendes lesen, Absatz 28
"Das Versiegeln dieser Sklaven unseres Gottes begann schon im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Diese Sklaven unseres Gottes sind der Zahl nach 144 000 (Offb. 7:4-8). Das Versiegeln der letzten von ihnen, die schließlich nur noch einen Überrest ausmachen, soll vor Beginn der Tausendjahrherrschaft des Lammes Gottes, Jesu Christi, beendet sein. Das würde bedeuten, daß die Glieder des Überrestes dieser Sklaven unseres Gottes gegen Ende der sechstausend Jahre der Existenz der Menschheit an ihren Stirnen als Gottes besonderes Eigentum versiegelt sein müßten. Wir sind jetzt jenem Zeitpunkt nahe gekommen! Ein Weltsturm muß daher kurz bevorstehen."

So lautete damals, 1966, die Wunschvorstellung der Leitenden Körperschaft. Nach dieser Wunschvorstellung sollten gegen Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte, die ja bekanntlich 1975 im Herbst abgelaufen war, die letzten Überrestglieder versiegelt sein. Das würde zur Folge haben, daß danach das eintreffen müßte, was in Offb. 7:3 geschrieben steht: "Beschädigt nicht die Erde noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Sklaven unseres Gottes an ihrer Stirn versiegelt haben" (NW). Wie wir später sehen werden, hoffte der Überrest sehr stark damit, daß 1975 Harmagedon, bzw. die große Drangsal hereinbrechen würde. Auch der jetzige Präsident Franz, der sich vor 1975 ja immer so gewählt auszureden wußte, sagte 1972 bei Tagestextbetrachtungen' "Es würde mich nicht überraschen, wenn die große Drangsal schon vor 1975 beginnen würde."

Mit diesen Gedanken beschäftigte sich bereits 1966 der gesamte Überrest. Die Jahre vergingen. Der Wachtturm heizte die Atmosphäre ständig mehr an. Der Verkündigereifer kannte keine Grenzen. Alles lief auf Hochtouren. Leitsätze wie: "Was können wir noch tun, wenn 1975 die große Drangsal hereinbricht? Überlegen wir, wenn wir alle 6 Monate durch unser Gebiet kommen, daß wir nur noch sechsmal bei den Menschen vorsprechen können, ehe die große Drangsal kommt", usw. waren an der Tagesordnung.

Das Jahr 1975 kam und verging. Der Überrest mußte erneut die bittere Erfahrung machen, daß er der Betrogene war. Selbst das voreilige Versiegeln durch die Leitende Körperschaft hatte nichts genützt. Nun sind bereits drei Jahre nach 1975 vergangen. In wenigen Jahren sterben die letzten Überrestglieder völlig aus. Dann wird sich Präsident Franz etwas Neues einfallen lassen müssen. Ja, so kann man Christen, die sich zu Christus hingezogen fühlen, einen schweren Schlag versetzen.

Wir fragen nun die Leitende Körperschaft
Wie lange wollt ihr dieses betrügerische Spiel noch weiter betreiben?
Habt ihr aus den Fehlern der Vergangenheit keine Lehren gezogen? Wurde in all den vergangenen Jahren dem Überrest nicht schon genug Kummer durch euch bereitet? Könnt ihr gar nicht mehr anders, als die Menschen ständig an der Nase herumzuführen? Macht es euch Spaß, aufrichtigen Menschen das Vertrauen zu Gott, und seinen Verheißungen zu zerstören? Glaubt ihr, daß Gott so etwas ungestraft läßt?

Wir fragen nun den betroffenen Überrest
Warum habt ihr solange geschwiegen, konntet ihr nichts dagegen tun? Ja, ihr hättet dagegen etwas tun können. Aber ihr habt gewußt, was die Gesellschaft dann mit euch gemacht hätte. Deshalb habt ihr geschwiegen. Nun ist es mittlerweile durchgesickert, was all den Überrestgliedern in den Bethelheimen geschehen wäre, wenn sie sich gegen die Falschauslegungen aufgelehnt hätten. Ein Protest hätte zur Folge gehabt, daß man diesen alten Brüdern die Gemeinschaft entzogen hätte. Das wiederum hätte diese 70-80jährigen vor ein Problem gestellt, nämlich: "Wovon sollen wir leben?" Diese Brüder hatten ja keine Rentenversicherung abgeschlossen. Die Gesellschaft hatte sie ja, solange sie in den Bethelheimen treu dienten, mit allem Notwendigen versorgt. Was aber dann? Also blieb ihnen nichts weiter übrig, als zu schweigen. Deshalb, weil die wichtigsten Funktionen noch von einem schweigenden Überrest bekleidet sind, wird sich vorerst in der Organisation nichts ändern.

Eine Warnung an die anderen Schafe
Es ist jetzt an der Zeit, daß die anderen Schafe, die später notgedrungen die Arbeit in den Bethelheimen übernehmen müssen, sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen sollen, eine Rentenversicherung abzuschließen. Das jetzige Los des Überrests sollte euch eine Warnung sein. Höchstens noch 5-10 Jahre, dann lebt aber auch nicht mehr einer vom Überrest. Dann kommt ihr an die Reihe. Hoffentlich denkt und handelt ihr dann so, daß ihr jedem aufrichtigen Menschen zu jeder Zeit offen und ehrlich ins Gesicht schauen könnt.
-W-

Themen des Monats
"WORAN MAN DIE WAHRE RELIGION ERKENNT`` UND
"DAS CHRISTENTUM UND DIE MERKMALE DER WAHREN RELIGION"
Auseinandersetzung mit den WT-Studienartikeln 14/1978, 1. u. 2.
Wir geben hier wieder Argumente und Anregungen zum Nachdenken und Handeln für jeden verantwortungsbewußten Zeugen Jehovas. Wie man sieht, geht es wieder um die Studienartikel, die die Wachtturmgesellschaft verbindlich vorgibt, die monatlichen Hauptlehrstücke. Was ist "wahre Religion" und was sind "Merkmale der wahren Religion"? Schicken wir dies voraus.

Wachtturmgesellschaft und wahre Religion
Die Leitung der Wachtturmgesellschaft setzt "wahre Religion" in der Bedeutung als "wahrer Gottesdienst" mit der für alle Zeugen verbindlich vorgeschriebenen Lehre als "Dienst für die Organisation" gleich. An erster Stelle steht die Verpflichtung, nur das zu tun, was die Organisation vorschreibt. Was "wahre Religion" ist, bestimmt also die Organisation. Immer deutlicher und unverhohlener offenbart sich, daß vor dem Glauben an Jehova Gott und vor dem Wunsch, ihm zu dienen, der Glaube an die Organisation steht. Die Kongresse 1978 brachten das ganz offen zum Ausdruck. Es geht in erster Linie um den "Dienst für die Organisation". Was dort verkündigt wurde, darf nicht unbeachtet bleiben. Es ist an der Zeit, sich von falscher Religion freizumachen. Die Leitung der Wachtturmgesellschaft verkündet, daß der Bibeltext aus Offenbarung 18:4, "Gehet aus ihr heraus mein Volk, auf daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden", sich vor allem auf die katholische Kirche als "Babylon die Große" zu beziehen ist. Überprüfe selbst, ob du dich nicht mit der Wachtturmgesellschaft von der wahren Religion abgewandt hast, und worauf diese Bibelstelle wirklich zb beziehen ist. Ja, die Wachtturmgesellschaft versucht, ihrer eigenen Interessen wegen, ihre Macht auszudehnen und benutzt dich dabei als ihr Werkzeug. Gehen wir daher auf die Inhalte der Lehrstücke näher ein.

Werk beachtet göttliche Grundsätze?
Auf Seite 16, Abschnitt 24, werden in der Zusammenfassung folgende Lehren als wesentliche Bestandteile der "wahren Religion" genannt: Daß der Mensch geschaffen wurde, um auf der Erde zu leben, daß Menschen keine unsterbliche Seele haben, daß die Toten auferstehen werden, daß wir uns standhaft vor der Unmoral hüten sollen, daß es wichtig ist, Gottes Gesetz über den Genuß von Blut zu beachten, daß wir unsere Mitmenschen lieben sollen, wodurch das Leben viel angenehmer wird, daß Christen Gottes Königreich verkünden sollen. Ja, das sind ohne Zweifel biblische Grundsätze, deren Beachtung uns Gott näher bringen kann.

Interessant ist jedoch, daß die Wachtturmgesellschaft hier an keiner Stelle behauptet, wie sonst immer, daß nur sie die wahre Religion habe. Es werden aber Anweisungen gegeben an andere, die keine Zeugen Jehovas sind. Sie sollen überprüfen, was "deine Kirche" oder "deine Religion" lehrt. Damit wird bewußt unausgesprochen in den Raum gestellt, daß alle, die nicht der Wachtturmgesellschaft zugehören, keinen wahren Gottesdienst ausüben. Es ergeht keineswegs die Aufforderung zu überprüfen, was die Wachtturmgesellschaft als "wahre Religion" lehrt.

Frage dich: stehen denn wirklich die genannten biblischen Grundsätze an erster Stelle? Nun wirst du, bist du noch ein Neuling in der Prüfung der Richtigkeit der Wachtturmlehren, unter dem Einfluß des Geistes des Wachtturm nur bestätigen können, daß das alles Grundsätze sind, die du beachten sollst, und daß alle anderen Menschen im Hinblick auf die wahre Religion falsch handeln.

Denk doch aber über diese Grundsätze einmal richtig nach! Wenn du nämlich nur an Hand dieser Grundsätze anderen verkündigst, dann könnte keiner einen Zeugen Jehovas erkennen. Was fehlt denn noch? Was verkündet der Wachtturmdiener denn noch?

Nun, in erster Linie verkündest du doch, daß nur der überleben wird, der sich von der "falschen Religion" von den anderen Kirchen und Gemeinschaften also, freimacht, und dann auch nur, wenn er sich als Zeuge Jehovas taufen läßt und sich der Wachtturmgesellschaft anschließt. Weiter ist doch das Eigentliche, daß Gott die "Erde" in Kürze in Harmagedon vernichten werde, wobei die "Erde" das "böse Menschengeschlecht" darstellt. Auch daß die sechstausendjährige Menschheitsgeschichte nach Wachtturmzeitrechnung 1975 zu Ende gegangen ist. Daß wir in der "Zeit des Endes dieses Systems der Dinge" leben. Daß "diese Generation nicht vergehen wird", bis alles geschehen sei. Daß du dich der Organisation und ihren Lehren völlig unterordnen mußt. Daß die Leitung der Organisation "durch den Geist Gottes" in der Lage sei, immer helleres Licht der Erkenntnis zu erblicken und so die Prophezeiungen über den Zeitpunkt des "Endes" kundtun kann. Daß du und jeder andere sich fernhalten muß von allen gesellschaftlichen Belangen. Daß es keinen Sinn hat, sein Leben weiter auszugestalten. Daß die Beachtung anderer Gedenktage von der Organisation nicht gewünscht wird. Es ließe sich die Aufzählung der eigentlichen Wachtturmlehren noch wesentlich erweitern. Ja, zeichnet doch einen Zeugen aus! Es ist eigentlich erschreckend, wie weit du dich schon diesen Dingen hingegeben hast, so daß du nicht erkennst, daß die allgemeinen biblischen Grundsätze, die zuerst genannt wurden, gar nicht das Wachtturmentscheidende sind. Erkennst du das schon selber?

Gibt es auch bei euch solche Erscheinungen ?
Noch eine weitere Betrachtung. Wo bleibt denn die Beachtung des Grundsatzes "Liebe deinen Nächsten" Gibt es auch bei euch solche Erscheinungen, daß sich zwar einige Geschwister untereinander helfen und besuchen, was ist aber mit den Älteren und Alleinstehenden? Sind es nicht dieselben, die helfen? Werden die älteren Geschwister nur mal als "Almosen" eingeladen? Hält man sich nicht lieber zu den materiell besser gestellten Geschwistern?

Oder was ist, wenn einer einen Fehler gemacht hat? Mischt sich die Wachtturmgesellschaft nicht in Belange ein, die nach der Bibel nur dich und dein Verhältnis zu Gott angehen? Wieviele Menschen sind von der Wachtturmgesellschaft kritisiert und ausgeschlossen worden, weil sie die Richtigkeit der aufgestellten Wachtturmlehren an Hand der Bibel prüfen wollten! Wer und was gibt dir die Gewißheit daß nicht gerade die von der Wachtturmleitung gebrauchten Bibeltexte, die auf falsche Propheten hinweisen, auf die Wachtturmgesellschaft selbst zutreffen?

Prüfe selber folgende Bibelstellen: Jeremia 5:30,31: "Die Propheten weissagen falsch und die Priester herrsch ihrem Amt und mein Volk h a t e s g e r n e." Wie wird es euch zuletzt ergehen? Ja, die Leitung der Wachtturmgesellschaft hat mehrmals entgegen der Anweisung Jehovas Weltende prophezeit! Oder 2. Korinther 3:17: "Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit". Nun, wo ist die geistige Freiheit unter der Wachtturmleitung? Wo kann sich jemand mit anderen ohne ängstliche Bedenken in Glaubensfragen austauschen und seine Zweifel frei sagen? Es hat nur die Wachtturmlehre Gültigkeit. Bei ihr gibt es keine Freiheit. Nicht Gottesdienst, sondern Dienst für die Wachtturmorganisation steht an erster Stelle. Prüfe doch selber diese Argumente.

Am Mittwoch, dem 2. August 1978, wurde beim Bezirkskongreß der Wachtturmgesellschaft im Rheinstadion in Düsseldorf ein Vortrag gehalten, "Der Glaube an Jehovas siegreiche O r g a n i s a t i o n ", Hier erfolgte eine klare Aussage, w a s für die Wachtturmgesellschaft der wichtigste Glaube ist. Schreibe uns, was das Ergebnis deiner Überprüfungen und Nachprüfungen ist, bleiben wir doch miteinander christlich verbunden.
U. B.

CHRISTEN DÜRFEN DIE GEBURT CHRISTI NICHT FEIERN?
Das ist heidnisch?
Sogar die himmlischen Heerscharen feierten die Geburt Christi!
Wir lesen in Lukas 1 :8-14 darüber:
"Und es waren Hirten in selbiger Gegend, die auf freiem Felde blieben und des Nachts Wache hielten über ihre Herde. Und siehe, ein Engel des Herrn stand bei ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie und sie fürchteten sich mit großer Furcht. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird, denn euch ist heute, in Davids Stadt, ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, welche Gott lobten und sprachen: Herrlichkeit Gott in der Höhe und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!"

Was für ein Zusammenkommen aus Anlaß der Geburt Christi! Was für ein Lobpreis Gottes, was für ein Bekenntnis zu Frieden auf Erden zum Wohle der Menschen! Sie waren alle dem Heidentum verfallen? Einem heidnischen Taumel? Das ist denn aber doch zu viel!

So können auch Jehovas Zeugen wie alle anderen Christen und alle anderen Menschen aus Anlaß der Geburt Christi zusammenkommen und dies festlich begehen, sowohl im Gedenken an die Bedeutung der Geburt Christi wie auch, um "Frieden auf Erden" zu stiften, nicht nur in großen Worten, sondern auch im eigenen Verwandten-, Bekannten- und Familienkreis. Auch Geschenke gehören dazu. "Das Geschenk des Menschen macht ihm Raum (Eines Menschen Gabe wird ihm den Weg weit öffnen, NW)" Spr. 18:16. Ein freundlich dargereichtes Geschenk kann sogar Feindschaft durchbrechen, Verfeindete wieder versöhnen. Wenn aus Anlaß der Geburt von Christus auch nur zwischen zwei Menschen auf diese Weise wieder Frieden gestiftet wird, ist das wunderbar.

Wie das Fest dieser Heiligen- oder Weihnacht der Geburt Jesu Christi begangen wird, ist von Land zu Land verschieden. Vielfach werden damit Volksbräuche verbunden, der immergrüne Baum oder Zweig (Mistel), weil das Leben des Menschen immer auch vom Grün der Natur und vom Licht abhängig ist und der Mensch sich auch immer wieder danach sehnt. Er ist so geschaffen. Selbst wenn an diesem Tage einige nur Allotria treiben, besagt das nichts gegen das Zusammenkommen in jenem Geiste des Lobpreisens, des Friedens auf Erden und der Versöhnung unter Menschen, der ursprünglich dabei zum Ausdruck gebracht wurde. Dies ist in der Schrift nicht verboten worden. Eine Untersagung der Feier der Geburt Christi ist deshalb menschliche Willkür. Kamen doch selbst die himmlischen Heerscharen aus diesem Anlaß frohlockend zusammen, wie wir lesen konnten. -

Ein Mensch, den man nicht vergißt
KREISDIENER HEINRICH DITSCHI - EIN AUFRICHTIGER VERTEIDIGER CHRISTLICHEN GLAUBENS (4)
Stolpersteine
Damals hätte ich selbstverständlich jeden Verdacht, ja auch nur den geringsten Ansatz eines Verdachts, die Gesellschaft selbst könnte einem treuen Diener Stolpersteine in den Weg legen mit dem Ziel, ihn zu Fall zu bringen, entrüstet als „Ausgeburt einer teuflischen Phantasie" zurückgewiesen. Heute jedoch, nach einer fast 30jährigen WTG-Erfahrung, wobei ich vielseitig Gelegenheit hatte, verschiedene Dinge und Praktiken zu beobachten und zu studieren, die nicht nur nicht biblisch, sondern gelinde gesagt, nicht ganz "astrein" waren, muß ich jeden Verdacht einer "Stolperstein-Taktik" seitens der WTG gegenüber Dienern als mindestens prüfungsberechtigt ansehen.

In der umstrittenen Zeit an 1951 bis 1953 hat die Brooklyner Führerschaft tatsächlich Machenschaften übelster Art gegen verschiedene hervorragende Diener in allen Zweigen ihrer Weltorganisation praktiziert. Auf Grund durchgeführter Analysen des internationalen Werkes habe ich dafür eindeutiges Beweismaterial gefunden.

Es hat zweifelsohne schon einige Zeit vorher versteckte Angriffe und Angriffe unverhüllter Art auf Diener gegeben. Z. B. erwähnte ich in Bezug auf Heinrich Ditschi, daß er zu jener Zeit, als ich ihn kennenlernte, der am meisten g e r ü g t e Kreisdiener war. 1951 war das also schon allgemein b e k a n n t ! Dennoch lasse ich die Zeit vorher unberücksichtigt und beschränke mich nur auf den Zeitabschnitt von 1951 bis 1953, da ich als Glied der ZJ erst ab 1951 sozusagen "Mitspracherecht" habe. Ich laufe sonst Gefahr, mir von einigen den Vorwurf anhören zu müssen: "Was hast du in Bezug auf diese Zeit als Außenstehender schon zu sagen?" Oder, "Was sollte die Gesellschaft für ein Interesse daran haben, in verschiedenen Zweigen wertvolle Brüder zu Fall zu bringen, und speziell im deutschen Zweig den Kreisdiener Heinrich Ditschi?" Was die Gesellschaft für ein Interesse daran hatte? Nun, heute kann darauf eine ganz logische Antwort gegeben werden.

Warum Stolpersteine?
Wenn wir Rückschau halten und gehen vom Datum des 23. Juli 1953 aus, als im Yankee-Stadion von New York die Neue-Welt-Gesellschaft proklamiert wurde, dann ist für jeden Bibelkenner der Fall klar. Wieso? Warum? Ganz einfach: An jenem denkwürdigen Nachmittag des 23. Juli 1953 ließ die WTG den christlichen Mantel einmal brüsk fallen und gab damit vor der ganzen Weltöffentlichkeit zu erkennen, daß sie ihn nur als Tarnung trägt. Ab diesem Datum leitete sie eine "neue Ära" ein, eine Ära, in der Christus als Mittelpunkt noch weiter weggerückt wurde.

Mittelpunkt war von nun an der Überrest, sprich WTG. Er war jetzt zum "Augapfel" Jehovas geworden, der "Nabel der Welt", um den sich alles dreht. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als eine noch deutlichere Leugnung des Lösegeldes, eine noch krassere Absage an das Loskaufopfer Jesu Christi. Man vergleiche jene "neuen Lehren" mit 1. Joh. 2:18-27, 1. Joh. 4:1-3 und 2. Joh. 7-11. Vom Überrest, sprich WTG, gehen nun alle "Segnungen" und "Heiligungen", ja die "Rettung" selbst aus. Ihm, also nicht zuerst Jesus Christus, haben die "Menschen guten Willens" zu gehorchen. Dem Überrest haben sie nach alttestamentlichen Bildern als "Holzhauer" und "Wasserträger" zu dienen! Das beweist, daß die Zeugen Jehovas unter dem Namen "Neue-Welt-Gesellschaft" als eine Sklavengesellschaft zum Dienst für die WTG degradiert wurden.

Aber nicht genug damit. Selbst Jesus Christus, der doch gemäß WT seit 1914 als amtierender König regiert, ist in dieser Funktion auf Grund der "neuen Lehren" entmachtet. Da a I I e Rechte auf den Überrest übertragen sind, k a n n er demnach nur noch passiv sein, untätig, ein König zu Repräsentationszwecken in der Gewalt seiner Günstlinge, damit diese in seinem Namen die Ziele i h r e r Politik verwirklichen können.

Leere Behauptungen? Hirngespinste? Bitte: Man lese themenbezogene Publikationen der WTG seit jenem Kongreß im Yankee-Stadion, angefangen vom Buch "Neue Himmel und eine. neue Erde" bis "Auch du kannst Harmagedon überleben" und anderes. Die Beweise sind unwiderlegbar, wenn mann sich der Mühe unterzieht und exakt analysiert, welche Rolle die WTG in diesen Lehraussagen dem Sohne Gottes, und welche sie sich selbst zuschreibt. Ein aufrichtiger Christ kann dazu nur sagen: Das ist der Gipfel der Vermessenheit! Ich hielt diese Einblende für notwendig, um einmal klar zu machen, wo die Keimzelle für Rebellion zu suchen ist. Die schrittweisen Lehrveränderungen in der über hundertjährigen Geschichte der WTG, deren Publikationen lückenlos vorliegen und eingesehen werden können, belegen eindeutig den langsamen und systematischen Abbau der einen christlichen Hoffnung, des einen Glaubens bis hin zum Gebrauch des Namens Jehovas und Jesu Christi für die unmöglichen Lehren.

Das ist Rebellion!
Da die WTG (nur eine Handvoll Männer!) aber an den Schalthebeln des „Werkes" sitzt, hat sie die Möglichkeit, die Veruntreuung der „Habe des Herrn" zu vertuschen und ihre eigene Rebellion durch Bibelverdrehungen bei der Verabreichung der „Speise zur rechten Zeit" zu tarnen. Folglich wird sie darauf bedacht sein, von dieser Veruntreuung abzulenken und „Sündenböcke" zu suchen. Als „Sündenböcke" können wiederum nur bewährte und Jehova treu ergebene Diener in Betracht kommen. Es kann beobachtet werden, daß die WTG nur zu gern mit dem Schlagwort operiert: „Du hast dich Jehova hingegeben, n i c h t der Gesellschaft"! Kommt es aber darauf an (und das ist in Krisenzeiten der Fall), dann ist „Rebellion gegen den Sklaven" gleichbedeutend mit Rebellion gegen Jehova. Dabei ist für die WTG völlig uninteressant, ob der Einspruch des Betreffenden (die Gesellschaft b e z ei c h n e t das als Rebellion) gerade w e g e n seines Hingabebelübdes, das er Jehova gegeben hat, erfolgt ist.

Es ist daher völlig logisch, daß bei geplanten Lehrveränderungen die WTG vorsorglich v o r h e r bewährte Diener, die den Beweis erbracht haben, daß sie Jehova Gott (nicht unbedingt der WTG) treu ergeben sind, aufs Korn nimmt, um sie rechtzeitig zu „entschärfen". D a r u m Stolpersteine.

Hinweise, Anzeichen und Beweise für Stolpersteine
Wie wir gesehen hoben, sind Lehrveränderungen im Jahre 1953 erfolgt. Niemand wußte v o r h e r davon. Die WTG kam damit völlig überraschend. Ich hatte darauf hingewiesen, daß in den Jahren 1951-53 in den verschiedenen Zweigen maßgeblichen Dienern von der WTG Stolpersteine in den Weg gelegt wurden. Es sind genügend Hinweise und Anzeichen dafür in dieser umstrittenen Zeit vorhanden. Die Dinge wären offensichtlicher. Aber es ist so, daß die "entschärften" Leidtragenden selbst nicht reden, oder sich mangels praktischer Mittel nicht richtig zu Gehör bringen können. In der Hauptsache liegt es aber daran, daß andere maßgebliche Diener, die mit diesen "Gemaßregelten" jahrelang Schulter an Schulter kämpften, aus Bequemlichkeit oder Menschenfurcht schweigen, vielleicht aber auch, weil sie es vorziehen, die Treue zur WTG höher zu bewerten als die Treue zu Jehova. Ich möchte hier zwei Hinweise geben, die weit bekannt geworden sind, wo die WTG ihre Stolperstein-Taktik praktizierte: Sie tat es im Fall von Br. Schnell, Zonendiener in den USA, und ebenfalls bei Br. J. Hemery, Zweigdiener von England und Mitglied des WT-Herausgeberkomitees.

Es wäre wünschenswert, zu den Anzeichen im Fall von Br. Heinrich Ditschi, wenn auch andere Brüder dazu beitrügen, ihr Wissen zu veröffentlichen, damit alle sehen können, wie dieser ausgezeichnete Diener von der WTG mutwillig (im Hinblick auf 1953) zu Fall gebracht wurde. Ich werde versuchen, aus meiner Erinnerung alle Dinge und Begebenheiten wach zu rufen. Die Treue und Zuverlässigkeit von Br. Heinrich Ditschi ist über jeden Zweifel erhaben. Selbst die WTG wagte nicht, ihn offiziell anzugreifen und zu beschimpfen, was ich später noch zeigen werde. Es ist allgemein bekannt, daß Br. Ditschi während der Nazizeit sogar vorübergehend den gesamten Zweig. Deutschland in der Illegalität leitete, bis er durch Verrat (von Reichsdiener Erich Frost, dessen Nachfolger er werden sollte) in die Hände der Gestapo fiel.

Ein „bedauerlicher" Zwischenfall
Auf die Frage: „Hatte die WTG ein Interesse daran, Kreisdiener Heinrich Ditschi damals zu Fall zu bringen?", muß aus heutiger Sicht geantwortet werden: Ja, sie hatte ein Interesse daran! Ich will versuchen, das aufzuzeigen. Br. Ditschi war der am meisten gerügte Kreisdiener Ende 1951. Das ist der Zeitpunkt, wo ich ihn kennenlernte und sogar "hautnah" mit ihm im Haus-zu-Haus-Dienst stand. Als ich ihn aus den Augen verlor, er diente später im Sauerland, erfuhr ich durch Brüder aus den Versammlungen anderer Kreise, daß Br. Ditschi mehrfach vom Bezirksdiener auf Anweisung der WTG getadelt wurde, weil seine ausgefallene Methodik d e n Rubikon zu überschreiten beginne!

So soll er z. B. den Straßendienst in Hattingen an der Ruhr in einen regelrechten Triumphzug umgewandelt haben. Bekanntlich stehen die Verkündiger in der westlichen Welt sonnabends still an den Straßenecken und bieten den Wachtturm an. Br. Ditschi aber organisierte alle zu einem "Heerhaufen" und ließ sie in aufsehenerregender Weise mit den Wachttürmen singend kreuz und quer durch die Stadt marschieren, wobei er selbst führend vorranging und nur manchmal "ausscherte", um Passanten anzusprechen zwecks Abgabe von WTs. Der Umsatz soll groß gewesen sein und der Feldzug lange Zeit noch Tagesgespräch der Bürger von Hattingen. Wie man sieht, war der Nutzen für das "Werk" respektabel, denn die Brüder, die sowohl von den "Maßregelungen" (die sie bedauerten), als auch von dieser Begebenheit berichteten, waren geradezu begeistert von dieser "H.-D.-Methode".

Aber eben diese "Methoden", mochten sie noch so viel einbringen, sie allein waren es, die der WTG mißfielen. Ein verkörpert immerhin eine autoritative Stellung.
Heißt dieser Kreisdiener Heinrich Ditschi, dem überall als Bruder die Herzen nur so zuflogen, so rückt man dann seine autoritative Stellung konzentriert ins Blickfeld, man die Brooklyner "Maßregelungen" natürlich verstehen. Als nicht mißzuverstehender Stolperstein kann daher gewertet werden, daß man dem Kreisdiener anläßlich einer Bezirksversammlung einfach das Mikrofon "wegdrehte". Ich erfuhr dies durch Brüder aus anderen Kreisen, Was war passiert?

Folgendes: Es standen halbstündige Vorträge verschiedener Redner auf dem Programm, alles äußerst interessante Themen. Als Br. Ditschi ungefähr fünf Minuten gesprochen hatte, war plötzlich der Strom weg. Auf Grund der "Störung" stand Unruhe im Saal, Das veranlaßte den Bezirksdiener (war es Br. Reuter oder Mössner?) auf der Bühne zu erscheinen. Er bat vielmals um Entschuldigung wegen dieses "Zwischenfalls", sprach von einem "Defekt am Stromkabel", der schnell behoben sein würde. Der "Defekt" war genau zu dem Zeitpunkt behoben, als der Folgeredner sein Thema vorzutragen hatte. Nicht etwa fünf oder gar zehn Minuten früher. Denn Br. Ditschi war zuzutrauen, seinen Vortrag zusammenzufassen und in der verkürzten Zeit dennoch interessant zu gestalten.

Die Brüder, die mir das erzählten, bedauerten, daß dieser "Zwischenfall" a u s g e r e c h n e t bei Br. Ditschi eintreten mußte, wo doch alle Anwesenden gerade s e i n e Ausführungen mit Spannung erwartet hatten. Tatsächlich! A u s g e r e c h n e t bei Br. Ditschi passierte dieser Zwischenfall! So werden die Treuen hinters Licht geführt und für dumm verkauft. Dem Eingeweihten ist völlig klar, daß dem Kreisdiener wohlbedacht das Mikrofon "weggedreht" wurde.
Erzählt von Hermann Bach, Potsdam

WIE DIE KATHOLISCHE KIRCHE IHR VERHÄLTNIS ZU ANDEREN CHRISTEN UND NICHTCHRISTEN SIEHT
Jehovas Zeugen sollten es vor dem Hintergrund der 1975 erneut als haltlos erwiesenen WTG-Weltverkündigung sehen. Freie Christen denken hierüber nach.
Am Pfingstfest 1964 kündigte Papst Paul VI. die Errichtung eines Sekretariates für die Nichtchristen an. Damit wollte er die Idee eines weltweiten Dialogs mit den getrennten Christen, den Nichtchristen und den Nichtglaubenden verwirklichen. Dieser weltweite Dialog ist ein Hauptanliegen des gegenwärtigen Papstes und zugleich ein Erfordernis, das aus der ganzen Eigenart der modernen Zivilisation erwächst. Waren zum Beispiel nichtchristliche Völker früher von den christlichen durch Kontinente getrennt, zu denen man erst nach langen und gefährlichen Reisen gelangen konnte, so erreichen wir heute in wenigen Flugstunden die Gebiete der Hinduisten, Buddhisten, Taoisten und Muslim. Radio, Film und Fernsehen bringen uns aus diesen einst so fremden Welten Reportagen. Regierungsdelegationen, Studenten, auch ausländische Arbeiter, beginnen in denselben Straßen zu leben wie wir.

Das alles bringt mit sich, daß eine starke religiös-weltanschauliche Überheblichkeit, die übrigens einer typischen Binnenmentalität entspringt, nicht nur falsch, sondern auch überholt ist. Wir begegnen nicht mehr als von Gott auserwählten Christen den "bösen Heiden", sondern wir begegnen als Bruder zu Bruder: den Nichtkatholiken, den Nichtchristen und den nicht an Gott Glaubenden. Die gemeinsame Basis ist unser Menschsein, sind unsere Sehnsüchte und unser Gewissen. Wir werden uns fortan mehr bemühen, den anderen zu verstehen und die Werte seiner Religion bzw. Weltanschauung anzuerkennen.

Aus all diesen Einsichten erwachsen dem Dialog mit den Nichtchristen neue Impulse und neue Zielsetzungen, die dem Sekretariat für die Nichtchristen zukommen. Zunächst soll durch viele Dialoge mit den Vertretern der verschiedenen Weltreligionen ein neues Klima geschaffen werden, das von Verständnis und Sympathie getragen ist. Dazu braucht es aber einen bewußten Meinungsbildungsprozeß, welcher den einfachen Christen bis hin zu den Missionaren erfassen soll. Zugleich aber muß die Überzeugung erhalten bleiben, daß der Christ in der Ausübung seines Missionsauftrages anderen Völkern und anderen Religionen etwas zu geben vermag, was sie menschlich bereichert, der Wahrheit näher führt und ihnen das von Gott kommende Heil vermittelt.

"Es ist eine sehr ernste Pflicht der Kirche", sagte Kardinal Bea, "auf jede mögliche Weise mit den nichtchristlichen Religionen in einen Dialog einzutreten. Die Kirche kann dies auf der Grundlage der Anerkennung geistlicher und sittlicher Werte tun, die sich in den verschiedenen Religionen finden."

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß diese neue Haltung den nichtchristlichen Religionen gegenüber manche herkömmlichen Missionsmotive erschütterte. Daher heißt es in dem genannten Dekret: "Diese positive Haltung gegenüber den nichtchristlichen Religionen beeinträchtigt in keiner Weise die einzigartige Stellung unseres Herrn Jesus Christus im Heilsplan Gottes: Nur in ihm finden alle Religionen ihre Erfüllung."

Die Erklärung sagt, daß die Kirche unablässig Christus verkündigt und verkündigen muß, der - nach dem Johannesevangelium - "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist, in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden und mit dem Gott "alles mit sich versöhnt hat". - (St. Hedwigsblatt, Katholisches Kirchenblatt im Bistum Berlin, Nr. 19, 7. Mai 1978, Auszug)

DER LETZTE TROPFEN, DER DAS GEFÄSS ZUM ÜBERLAUFEN BRACHTE
Ein Erfahrungsbericht
Von Kindheit an wurde ich von meinen Eltern auf der Grundlage der WTG-Anschauungen erzogen. Die logische Konsequenz daraus war meine Taufe mit vierzehn Jahren. Wie konnte ich denn meine Eltern enttäuschen? Meine Schwierigkeiten und Probleme in der Schule und im gesellschaftlichen Leben wurden ja von ihnen in die Hand genommen. Mein Lebensweg als Zeuge Jehovas schien besiegelt zu sein.

Jahre später bekam ich durch Zufall das Buch "Die Zeugen" Jehovas - Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft" vom Urania-Verlag zu lesen. Daraufhin befragte Brüder erklärten mir, ich solle mich mit dem Buch nicht weiter befassen, da es Werk Satans sei. Konnte ich mich damit zufrieden geben? Ich verglich die im Buch angegebenen Zitate mit den Originalen der WTG-Literatur. Da ich nur wenige Bücher und Zeitschriften (WT, Erwachet) besaß, konnte ich nicht jede Textstelle vergleichen. Trotzdem konnte ich eine haargenaue Übereinstimmung feststellen. Zum ersten Mal fragte ich mich: Warum verschweigt die WTG ihren Anhängern so viel? Mit welchen Mitteln arbeitet sie denn überhaupt?

Kurze Zeit später bekam ich darauf eine Antwort, die mich sehr erschütterte. Mit anderen Brüdern zusammen tauschten wir unsere Erfahrungen im Predigtdienst aus. Stolz erklärte ein Bruder eine Methode, der sich besonders die Frauen in einer Versammlung angenommen hätten. Aus Zeitungen werden Todesannoncen herausgeschrieben. Nun werden Briefe an die Angehörigen der Verstorbenen geschickt, um sie zu "trösten". Unter diesem Deckmantel soll früher oder später ein persönliches Zusammenkommen mit den Zeugen Jehovas erreicht werden. Die weitere Linie ist dann klar: Gespräche, Heimbibelstudium gemäß WTG-Richtlinien, Taufe, Einfügung in die Organisation, eigene Tätigkeit gemäß diesen Richtlinien, um selbst Neulinge zu suchen.

Was mich erschütterte: Mit welchen hinterhältigen Mitteln wird die Trauer der Menschen um einen Verstorbenen ausgenutzt! Wie schlecht muß es um die Gesellschaft stehen, wenn die Zeugen solche verachtungswürdigen Methoden einsetzen müssen, um Menschen zu ihrer Organisation zu bringen! Hierfür gibt es nur eine Schlußfolgerung: Diese "theokratische Kriegslist" ist ein "theokratischer" Betrug. Anständigerweise unterläßt man in einer Trauersituation vieles, was sonst völlig normal ist, aus Pietät, aus Respekt vor der besonderen Situation, bis sie wieder abgeklungen ist und man zum normalen Alltag zurückkehren kann, um die Dinge wieder ohne Trauerschleier zu sehen. Nicht die Gesellschaft. Für sie ist eine solche Situation d e r Ansatzpunkt für "theokratische Kriegslist"!

Dieses Ereignis war der letzte Tropfen, der das Gefäß zum Überlaufen brachte. Seitdem bin ich kein Zeuge Jehovas mehr.
Wie passend sich doch hier die Worte einfügen, die in dem von mir erwähnten Buch auf Seite 13 und 14 stehen: "Auch in den sozialistischen Ländern findet man Gruppen von WTG-Anhängern, wobei es sich vielfach um Menschen handelt, die durch Tod, Leid, Krankheit oder andere seelische Depressionen für trost- und endzeitverheißende Lehren und Anschauungen besonders leicht ansprechbar sind, die durch das eigene und zuweilen auch durch das gesellschaftliche Fehlverhalten anderer zu Randsiedlern des gesellschaftlichen Lebens geworden sind und sich deshalb in ihrer Umgebung unverstanden, mißverstanden und benachteiligt fühlen, wobei nicht zuletzt auch eine mangelnde und einseitige Bildung als Erbe des kapitalistischen Systems wesentlichen Anteil hat."
- eingesandt -

Ins Blickfeld gerückt
VORGEHEN DER GESELLSCHAFT ZUR WEITEREN TÄUSCHUNG DER HERZEN DER ARGLOSEN NACH DER FALSCHPROPHETIE VON 1975
Jetzige Schwerpunkte
Was ist zu erkennen und festzustellen? Worauf sollten alle ihre kritische Aufmerksamkeit richten? Die Begriffe Endzeit und Vernichtung wurden aus der neuen WT-Zweckerklärung entfernt. Das Ende wird wieder an den Horizont verschoben. Nur für die Alten wird die Naherwartung hin und wieder erwähnt.
- Der Begriff Generation wird umgedeutet. Das Wort Geschlecht rückt in den Vordergrund, worunter Jahrhunderte verstanden werden können, z. B. Menschengeschlecht u. a.
- Durch Einsetzung von "Sekretären" soll die Zerrüttung der Organisation durch den "theokratischen" Turnus gestoppt werden, wodurch alles als Menschenwerk offenbar würde.
- Nach dem Kongreßthema 1978. "Von der Welt keinen vollen Gebrauch machen" werden die Zügel etwas lockerer gehalten, um die beunruhigende Abkehr abzufangen.
- Im Zickzack-Kurs werden alle daran gewöhnt, daß es noch sehr lange dauern werde. Die wiederholte "Mahnung" , daß sich doch keiner nur bis zu einem bestimmten Datum "hingegeben" habe, zeigt, daß die falsche Prophezeiung von 1975 noch lange nicht ausgestanden ist.
- Hauptsorge ist der Zusammenhalt der Organisation, die gefährlich angeschlagen ist. "Der Glaube an Jehovas siegreiche Organisation" (!) war ein Hauptthema der Kongresse 1978.
- In der Öffentlichkeit wird die Endzeitverkündigung zurückgenommen. In den Vordergrund wird die Verkündigung von Moral, Sittlichkeit, Menschlichkeit, Tugenden, Familienfreundlichkeit u. a. m. gestellt, um die Endzeitlächerlichkeit und Unglaubwürdigkeit zu verdrängen.
- Für die nahe Zukunft wird neues, umfangreiches "helleres Licht" angekündigt, ohne es schon zu bringen.
Offenbart das nicht alles ein wohlberechnetes Vorgehen der Gesellschaft, ein geschickt taktierendes Menschenwerk?

Unsere heutige Schlußfrage
124 459 TAUFEN IM JAHRE 1977 UND DENNOCH KEINE MEHRUNG AN VERKÜNDIGERN - WARUM IST DAS SO?
Josef Barth, Saarbrücken
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Für viele war es auf dem Kongreß in München 1978 hinterher recht peinlich und betreten. Mit anhebender Stimme hatte der Redner, WTG-Ältester Josef Barth aus der Versammlung Saarbrücken-Gütingen, WTG-Vollzeitdiener, in seiner Ansprache "Seid bereit" das Ergebnis des Dienstjahres 1977 bekanntgegeben: 124 459 Taufen! Ein begeistertes Klatschen durchrauschte das Kongreßstadion. Wieder über Hunderttausend mehr! Wunderbar! Was für eine gesegnete Tätigkeit!

Doch schon in der nächsten Minute kippte dieser euphorische Jubel um, als der Redner nach seiner Kunstpause für das Klatschen hinzufügte: "Dennoch keine Mehrung an Verkündigern. Warum ist das so?" Er schaffte es danach nicht mehr, sie an irgendeiner Stelle noch einmal zum Klatschen zu bewegen.

Mit anderen Worten: Über Hunderttausend haben der WTG allein 1977 wieder den Rücken gekehrt, mehr als die Verkündiger hinbringen konnten. Es war also eine Arbeit nur für den Verschleiß. Nicht einmal dafür hat es gereicht. Was würdet Ihr sagen, warum das jetzt so ist? Müßte die WTG bei solchem Verschleiß nicht zuerst vor der eigenen Tür kehren? CV wird diese Frage natürlich ausführlich behandeln. Besprecht dieses 1977-"Ergebnis" auch mit anderen! Es ist für die WTG einer der Buchstaben "der Handschrift an der Wand".

Wir freuen uns, wenn wir auch mit dieser CV-Ausgabe helfen konnten, den Weg weiter zu ebnen in die Freiheit, zu der Christen berufen sind.
Herzliche Grüße in christlicher Verbundenheit von allen Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen und Mitverbundenen
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0,20. Jahresabonnement M 2,- Versand auch kostenlos.
Konto-Nr. 4564-30-1952 Bank für Handel und Gewerbe

A 6040/79 V 7 1 363
 

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