Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 113
Unter Bezugnahme auf den 40. Jahrestag des faschistischen Judenprogrom vom 9. 11. 1938 (verharmlosend auch als "Kristallnacht") bezeichnet, zitiert diese CV-Ausgabe:
"Am Vorabend der faschistischen November-Verbrechen von 1938, der 'Kristallnacht', veröffentlichte die WTG am 15. Juni 1938 in ihrer Zeitschrift "Trost" (heute Erwachet) eine öffentliche Erklärung 'Die Juden', die international verbreitet wurde. Darin wurden die Juden als "Bundesgenossen in des Teufels Organisation" diffamiert, die selber Schuld hätten, wenn sie nun in der faschistischen Verfolgung 'Sturm ernten', hätten sie doch selbst 'den Wind gesät'".
Die Tendenz dieses Zitates ist klar. Die Zeugen Jehovas sollen damit in eine bestimmte Ecke gestellt werden. Ist dieses Zitat indes sachgemäß? Aus heutiger Sicht hat man zu sagen; es ist mit eines der anfechtbarsten Zitate, die seitens der WTG je in Sachen Judentum abgegeben wurden. Die verwendeten Vokabeln können und müssen kritisch bewertet werden. Die Floskel "von dem Sturm ernten" ist eine Wertung, die keinerlei Distanz zu den diesen Sturm verursachenden erkennen lässt. Alles akzeptiert. Dennoch ist es meines Erachtens zu weitgehend, dieses Zitat in direkter Beziehung zur "Kristallnacht" zu setzen.
Im Juni 38 war jenes Ereignis überhaupt noch nicht k o n k r e t voraussehbar. Das etwas "in der Luft lag"; das war für jeden Sehenden klar. Nicht aber wie die konkrete "Entladung" stattfinden und was die Initialzündung war. Bekanntlich nutzten die Nazis einen Mordanschlag auf einen ihrer Diplomaten dazu rücksichtslos aus. Gäbe es dieses Attentat nicht, wäre der Vorwand auch so nicht frei Haus geliefert worden. Das es zu dem auslösenden Attentat kommen würde, konnte aus der Sicht des Juni 38 noch nicht gesehen und vorausgesagt werden. Dieses Zitat ist daher in der Form, direkt eine Verbindungslinie zum 9. 11. 38 herzustellen, eine Konstruktion. Vielleicht muss man sogar einräumen: Eine bösartige Konstruktion. Auch dies gilt es beim Namen zu benennen.


CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

Die Mission von CV
Ist Wegbereitung und Auferbauung im Glauben in christlicher und sozialer Mitverantwortung und tätiger Nächstenliebe hier und heute. Dies erfolgt in besonderem Hinblick auf die von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), USA, geleiteten Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und ihrer haltlosen Weltendeverkündigung. Diese Mission geht aus von Tradition und Bedeutung der internationalen Bibelforscherbewegung und dient der Hinführung in die Nachfolge Jesu, der Bildung und Tätigkeit freier christlicher Gemeinden sowie christlicher und mitmenschlicher Verständigung und aktueller Information. Wir rufen zur Mitarbeit.

Nr. 113 Gera Dezember 1978

WIE EINE BRÜDERLICH AUSGESTRECKTE HAND
Denn die Zeit ist herbeigekommen
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
Wenn diese unsere geistige Hilfe wieder in aller Hände liegt, hat das neue Jahr, das Jahr 1979, inzwischen begonnen, das letzte Jahr des Jahrzehnts der siebziger Jahre. Wir schreiben dann alsbald das Jahr 1980. Von unseren Brüdern und Schwestern, von allen, denen seit 1914 die "Botschaft" gepredigt wurde, daß sie "auf keinen Fall vergehen werden", bis sich alles erfüllt habe, ist dann wohl niemand mehr am Leben. Schauen wir uns doch nach den Alten von 1914 um. Wie wurde doch damals in gutem Glauben die WT-Predigt weltweit verbreitet, "Millionen jetzt lebender Menschen werden niemals sterben!" Eine Voraussage, eine Prophezeiung, "unanfechtbar", die in der ganzen christlichen Geschichte noch niemand auf sein Konto genommen hatte. Allen "auf lebenden Menschen" gewidmet, die sich "nach Leben, Freiheit und Glück sehnen". Liebe Brüder und Schwestern, so doch hat das WT-Werk begonnen, mit diesem Ausspruch, nicht wahr?

Was ist von dieser weltweiten Verkündigung geblieben? Vielleicht hier und da noch eine jener Millionen-Broschüren, abgegriffen und vergilbt. Wir aber sind Zeugen dessen, wie die Letzten jener Millionen von damals ins Grab sinken und vergehen, obwohl sie nicht vergehen sollten.

Viele von uns haben Heim und Familie, ja Freiheit und Leben für diese Verkündigung hingegeben. Sie haben alles dies nicht geschont. Viele von uns haben Väter und Mütter und andere liebe Verwandte und müssen nun zusehen, wie sie als jene Letzten desillusioniert und enttäuscht, ja getäuscht und in ihrem Glauben betrogen, ins Grab sinken, vergehen. Das ist doch für ein Werk, das "von Gott" sein soll, unmöglich, nicht wahr? 5. Mose 18:20-22. Darum ist nun die Zeit herbeigekommen! Die "Stunde der Wahrheit" dieser ganzen Verkündigung. Dessen sind wir nun ebenfalls Zeugen. Man kann nicht Millionen von Menschen, die sich nach Glück und Leben sehnen, etwas im Namen Gottes verkündigen, was sich dann als völlig falsch erweist, und dann einfach so tun, als sei das doch gar nicht so schlimm gewesen, oder gar, als sei das nicht geschehen. Wirkliche Verantwortung vor Gott und den Menschen kann das nicht mitmachen, oder wie empfindest du?

Es ist nicht von ungefähr, daß diese christliche Verantwortung im Bereich des deutschen Zweiges des Werkes aufgebrochen ist, so, wie sie zum Ausdruck kommt. Der deutsche Zweig ist nicht nur das traditionelle und internationale "Hauptbollwerk" außerhalb der USA in der Welt, was die Verkündigung seit 1914 betrifft. Br. Amman vom Zweigbüro in Wiesbaden erklärte am 26. Juli 1960 der westlichen Presse, daß das. Werk auch ein "Bollwerk gegen Kommunismus" sei, ja, daß man "eine deutliche Sprache gegen den Kommunismus führe", was die neue "die Menschen betreffende Ordnung" im Osten betrifft. 1. Petr. 2:13. Weder das eine noch Das andere ist doch christlich zu verantworten, wenn wir nicht hnausgehen über das, was geschrieben steht. 1. Kor 4:6.

Mit den 60er Jahren wurde dies nun alles überschaubar und erkennbar, und zwar endgültig, was seit 1914 getan wird. Und was die "deutliche Sprache" betrifft, so mußte genau das als Neutralitätsverletzung offenbar werden, was sonst meinst du? Noch dazu, wenn Freiheit und Leben dafür geopfert werden sollen, nicht wahr? So mußte mit Beginn der 60er Jahre die Zeit für diese Verkündigung endgültig herbeikommen, hier und jetzt. Bestimmt wurde das alles und wird das alles durch diese Verkündigung selbst. Das weiß man ja auch, wenn es auch nicht zugegeben wird. Die schrittweisen Änderungen, die vollzogen werden, beweisen es dem aufmerksamen Bobachter.

Natürlich müssen die Dinge beim Namen genannt werden. Wie soll man denn sonst wissen, worauf es ankommt. Für alle Aufrichtigen jedoch ist es wie eine brüderlich ausgestreckte Hand, vom einfachen Verkündiger bis hinauf in die Leitende Körperschaft, auch das, was wir in dieser CV-Ausgabe wieder lesen können. Wir sind ganz sicher, daß alle Aufrichtigen uns verstehen und verstehen werden, wenn sie alles überblicken, um nur festzuhalten, was recht ist, was zu verantworten ist, wie geschrieben steht:
"Vergewissert euch über alle Dinge, haltet fest an dem, was recht ist" - 1. Thess. 5:21 NW
Eure Mitbrüder
CV-Redaktion
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Was wir diesmal lesen und prüfen können:
Aus Brooklyn
Es kommt, wie es kommen muß
WTG verändert die Bedeutung des Begriffes "Diese Generation"
Und die Millionen, die nicht sterben sollten?
An WTG-Präsident F. W. Franz
Die faschistischen Judenverfolgungen und die Mitschuld der Wachtturm-Gesellschaft
Es war vor 40 Jahren
Bad Doberan im Juni 1978
WTG: Pionierhalstuch ist Götzendienst. Das Kind raus aus der Pionierorganisation
Politische Neutralität? Da werden einige Grundfragen aus christlicher Sicht unvermeidlich.
Aus Jarmen in Mecklenburg
"Warum habt Ihr der Gesellschaft den Rücken gekehrt?
Unser Denkanstoß
Aus Potsdam
Die CV-Beratung vom September 1978 - ein Beispiel an christlicher Nächstenliebe
Persönliche Eindrücke
Eine Dokumentierung
Christus starb nach den historischen Quellen doch an einem Kreuz
Was bedeutet das?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Es kommt, wie es kommen muß
WTG VERÄNDERT DIE BEDEUTUNG DES BEGRIFFS "DIESE GENERATION"
Und die Millionen, die nicht sterben sollten?
Vorsichtig, als "Leserfrage" nur, eingeschoben
Ist es nicht das Hauptthema überhaupt, das Thema "diese Generation"? Natürlich! Nur unter diesem Gesichtspunkt ist WTG ja vor hundert Jahren angetreten und "jagt und fischt sie ewiges Leben versprechend! "Millionen jetzt lebender werden niemals sterben!", lautete der elektrisierende Ruf in die Welt seit 1920, der schon 1925 in Erfüllung gehen sollte! Nun haben wir auch die 1975-Falschprophezeiung hinter uns. Und es zeigt sich immer deutlicher, wie es der WTG noch drei Jahre danach zunehmend zu schaffen macht. Ohne Zweifel ist diese Generationsfrage angesichts der noch sehr erinnerlichen Millionenverkündigung seit 1920 gefährlicher Sprengstoff. Eine Diskussion deshalb nur vorsichtig und ganz am Rande begonnen werden. Bezeichnenderweise läßt die WTG in der engl. Ausgabe des WT vom 1. Oktober 1978, zum Beginn des Dienstjahres 1979 also, diese Frage erstmals konkret als Randthema, als bloße Lesefrage nur, zu! In deutscher Sprache wird das erst einige Monate später erscheinen.

"Höchstens einige Wochen oder Monate, keinesfalls aber Jahre", sagte der WT vom 15. 11. 68, S. 691, über die höchstmögliche Differenz zwischen dem Ende der 6000 Jahre und dem Ausbruch der Tausendjahrherrschaft im Jahre 1975! "Im Höchstfall dauert es nur noch wenige Jahre, bis Gott das verderbte System der Dinge vernichten wird", verkündete die WTG weltweit in Erwachet vom 8. April 1969, S. 13. "Um die Mitte des jetzigen Jahrzehnts der 1970er Jahre" wurde noch 1972 weltweit proklamiert und auf 1975 orientiert, Erwachet 22. 4. 1972, S. 26-28.

WTG 1967: "Es fehlen noch acht Jahre"!
"Gottes siebenter Tag und die Zeit, in der der Mensch auf der Erde ist, laufen demnach parallel. Demnach fehlen noch acht Jahre, bis die 6000 Jahre des siebenten Tages voll sind. Zählen wir vom Herbst 1967 acht Jahre vorwärts, so kommen wir zum Herbst 1975, zum Ende der 6000 Jahre des siebenten Tages oder des Ruhetages Gottes. Wenn daher Christen anhand der göttlichen Zeittafel feststellen, daß das Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte bevorsteht, erfüllt sie das mit freudiger Erwartung. Einige Angehörige der Genen , die den Anfang der Zeit des Endes im Jahre 1914 bewußt miterlebte, werden noch leben und Zeugen des Endes dieses gegenwärtigen bösen Systems der Dinge in der Schlacht von Harmagedon sein. Es dauert höchstens noch ein paar Jahre …" (WT 1. 8. 68, S. 463f)
Das hat der "Sklave" 1968 aller Welt für 1975 prophezeit! Aufrichtige vergessen das nicht, haben sie es doch selbst verbreitet, ja anderen z. T. förmlich "eingehämmert"!

Was der WT vom 1. Oktober 1978 englisch jetzt sagt!
Es heißt unter "Questions from Readers" (Fragen von Lesern) auf Seite 31:
Jesus sagte, "diese Generation wird auf keinen Fall vergehen bis alle diese Dinge geschehen". Welche Generation ist dies und wie lange dauert sie?

Gegründet auf die Bibel und ihre Erfüllung in der Geschichte haben Jehovas Zeugen oft aufgezeigt, daß Christi Prophezeiung zwei Anwendungen haben sollte: Erstens zwischen 33 u. Z. und der Zerstörung Jerusalems 70 u. Z., zweitens, eine größere Erfüllung in dieser "Zeit des Endes" seit 1914 u. Z.

Jedoch haben einige Bibelkommentatoren verfehlt zu würdigen, daß diese Prophezeiung einen zweifachen Aspekt hat. So hielten sie dafür, daß Jesus mit dem Terminus "Generation" eine Rasse oder ein Volk meinte, wie das jüdische Volk oder die Klasse böser Menschen, durch die Jahrhunderte existierend. Sie mochten sogar 1. Petrus 2:9 zitieren, wo die Authorized Version von der gesalbten Christenversammlung als von "einer erwählten Generation" spricht. Jedoch anerkennen Bibelgelehrte jetzt, daß das griechische Wort in 1. Petrus 2:9 mit "Rasse" wiedergegeben werden sollte und verschieden ist von dem Wort, das in Matthäus 24:34 "Generation" wiedergegeben ist.

Dies hilft uns, "Generation" in Matthäus 24:34 zu verstehen. Im allgemeinen englischen Sprachgebrauch heute mag "Generation" gebraucht werden für (1) alle Personen, die zur gleichen Zeit geboren wurden und zur gleichen Zeit leben, und (2) die Durchschnittzeitspanne zwischen der Geburt von Eltern und der ihrer Kinder, gewöhnlich 20-30 Jahre. Was meinte Jesus? Augenscheinlich nicht das letztere.

Somit, wenn es zur Anwendung in unserer Zeit kommt, würde sich das Wort "Generation" logischerweise nicht auf Babies beziehen, die während des 1. Weltkrieges geboren wurden. Es bezieht sich auf Christi Nachfolger und andere, die in der Lage waren, jenen Krieg zu beobachten und die anderen Dinge, die in Erfüllung des kombinierten "Zeichens" Jesu in Erscheinung traten. Einige solcher Personen "werden auf keinen Fall vergehen" bis alles, was Christus prophezeite, erscheint, einschließlich des Endes des gegenwärtigen bösen Systems.

Jesus ermutigte seine Nachfolger nicht, die exakte Länge dieser "Generation" zu berechnen (Ps. 90:10). Anstatt zu versuchen zu berechnen, wieviele weitere Jahre es maximal bis zum Ende sein mögen, sollten sich Christen an Jesu Warnung erinnern: "Wachet . . . denn zu einer Stunde, wo ihr es nicht denkt, kommt der Sohn des Menschen."

Ehe wir in Spekulationen über ein Datum gezogen werden, das wir nicht wissen können, laßt wahre Christen aktiv teilnehmen an jenem wichtigen Predigen …
(The Watchtower - October 1, 1978, 31)

Keineswegs leicht verständlich - doch was bedeutet das alles?
Ja, man muß es mehrmals lesen, um zu begreifen, was hier gesagt wird. Die WTG hat begonnen, den bisherigen Generationsbegriff mit einem anderen Sinn zu erfüllen, ohne die Karten schon jetzt vollends auf den Tisch zu legen. Prüfen wir also, was das alles bedeutet.

Eine "größere Erfüllung" heute, wird eingangs betont. Auch was die Länge der Zeit betrifft? Die spätere Erwähnung von Psalm 90:10, wo in anderem Zusammenhang von 80 Jahren gesprochen wird, ist diesbezüglich verdächtig.

Warum werden irgendwelche anonymen Bibelkommentatoren genannt, die unter "Generation" eine Periode von Jahrhunderten verstehen? Das war und ist doch gar kein Gegenstand für die Zeugen. Um sie zwar nicht an Jahrhunderte, so doch aber an eine weitere lange, unbestimmte Zeit, über die man "vergehen" kann, zu gewöhnen?

Wozu wird 1. Petrus 2:9 ins Spiel gebracht, wenn das doch gar nichts damit zu tun hat? Hat je ein Zeuge die über 2000 Jahre ausgedehnte gesalbte Christenversammlung als "Generation" verstanden? Wird das nicht ebenfalls lediglich ins Spiel gebracht, um die bisher vom WT vermittelten Vorstellungen von der Dauer einer Generation zu relativieren und zu verdrängen? Ohne Zweifel!

Und was soll die Unterscheidung nach dem dem allgemeinen englischen Sprachgebrauch jetzt? Keiner machte bisher einen Unterschied dieser Art! Alle Personen, die zur gleichen Zeit geboren wurden und zur gleichen Zeit leben, leben in der Durchschnittszeitspanne zwischen der Geburt von Eltern und der ihrer Kinder! Also innerhalb einer Zeit von 30 Jahren, dem bisherigen Generationsverständnis! Das bleibt auch so. Das war zu allen Zeiten so. Wieso teilt die WTG das jetzt in zwei unterschiedliche Dinge, verwirft Punkt zwei und ordnet Jesu Worte einfach Punkt 1 zu? Ganz einfach! Um von den 30 Jahren-Dauer einer Generation wegzukommen! Die nach den falschen Harmagedonprophezeiungen von 1914, 1925 und 1975 nun wirklich die WTG nur noch als falschen Propheten entlarven würden.

Kein Zeuge hat jemals auch mit den 1914 geborenen Babis operiert. Was soll das also!
Vielsagend ist die Bemerkung, "Generation" beziehe sich "auf Christi Nachfolger und andere", die usw. wie ausgeführt! Sind nicht selbst wir, die wir heute im Jahre 1978 leben, alt und jung, in der Lage jenen Krieg von 1914/18 "zu beobachten"? Auch wenn wir ihn nicht erlebt haben? Was heißt beobachten nicht alles?

So weit will die WTG jedoch nicht vorpreschen, obwohl durchaus später dieser Sinn hineingelegt werden kann. Darum sogleich der Hinweis auf "einige solcher Personen", die 1914 keine Babis waren.
Damit wird jedoch das Maß voll! Denn es wurde nach 1914 weltweit im Namen Gottes proklamiert, "Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben"! Wenn es jetzt nur noch heißt, "einige werden", dann ist dies die größte WT-Selbstentlarvung als falscher Prophet, der Millionen Menschen betrogen hat! Oh, ihr Wachtturm-gläubigen Ältesten!
F. F.

Vor 40 Jahren
DIE FASCHISTISCHEN JUDENVERFOLGUNGEN UND DIE MITSCHULD DER WACHTTURM-GESELLSCHAFT
Offene Aufforderung an WTG-Präsident F. W. Franz
"Vergeßt es nie!" und "Gedenke" - Was am 9. November 1938 in Deutschland geschah
Nach jahrelanger geistiger Vorbereitung wurde am 9. November 1938 in Deutschland durch Plünderung und Brandschatzung jüdischer Geschäfte und Synagogen und Verhaftung Zehntausender Juden - "Kristallnacht" genannt - das Massenverbrechen der Neuzeit durch die faschistischen SA- und SS-Horden in Szene gesetzt, dem schließlich etwa 6 000 000 Juden aus ganz Europa zum fielen. Die faschistischen Konzentrationslager Auschwitz, Majdanek und Treblinka sind einige der Massenmordstätten. Es ist völlig verständlich und höchst aktuell, diesem furchtbaren Geschehen von damals nach dieser Zeit mit notwendiger Angemessenheit aber auch Aussage erneut zu gedenken. Hoffentlich haben Jehovas Zeugen wenigstens die Presseveröffentlichungen hierzu gelesen, vielleicht auch aufgehoben?

Unser Blick richtet sich besonders auf die geistige Vorbereitung dieser antisemitischen Kapitalverbrechen. In dem Schreiben des Staatsratsvorsitzenden E. Honecker an den Verband der Jüdischen Gemeinden in der DDR wurde der Antisemitismus und Rassismus als Bestandteil der Vorbereitung des damaligen faschistischen Raubkrieges charakterisiert. Prof. Dr. Kurt Pätzold wies in einem Beitrag darauf hin, daß das antijüdische Hetzmaterial von damals der rassistischen Verhetzung der Menschen diente, die daran gewöhnt werden sollten, sich zu dem Schicksal derer, die ihnen u.. a. als "Volks-" oder "Rassefeinde", als "Kommunisten" oder "Juden bezeichnet wurden, nicht nur gleichgültig und teilnahmslos zu verhalten, sondern auch die faschistischen Greuel gutzuheißen, eine faschistische Erziehung zu Sittenlosigkeit, Roheit und Barbarentum (ND 9. 11. 78). Dr. Klaus Drobisch führte dazu aus, daß es dem faschistischen Regime mit diesem Antisemitismus darauf ankam, seine innenpolitischen Gegner zu verteufeln und auch auf diese Weise außer Gefecht zu setzen (BZ 9. 11. 78). Andere Ausführungen gedachten der Solidarität seitens der anderen antifaschistischen Widerstandskämpfer mit den verfolgten Juden in den Konzentrationslagern.

Welche Haltung nahm damals die Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas ein mit J. F. Rutherford, N. H. Knarr und F. W. Franz an der Spitze?
Sogleich am 25. Juni 1933 veranstalteten sie in Berlin-Wilmersdorf-eine ca. 5000 Personen umfassende und mehrere Millionen Deutscher repräsentierende Vertreterkonferenz der Bibelforscher Deutschlands (Zeugen Jehovas)", die nichts Geringeres tat, als in einem Schreiben an Hitler sich mit dem "Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse" und dem Kampf der Hitler-Partei gegen den "jüdisch-materialistischen Geist" in Übereinstimmung zu erklären! Am Vorabend der faschistischen November-Verbrechen von 1938, der "Kristallnacht", veröffentlichte die WTG am 15. Juni 1938 in ihrer Zeitschrift "Trost" (heute Erwachet) eine öffentliche Erklärung "Die Juden", die international verbreitet wurde. Darin wurden die Juden als "Bundesgenossen in des Teufels Organisation" diffamiert, die selber Schuld hätten, wenn sie nun in der faschistischen Verfolgung "Sturm ernten", hätten sie doch selbst "den Wind gesät" (Die Zeugen Jehovas - Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft, Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin 1970).

Wir halten also fest: Die Wachtturmgesellschaft hat in der Nazizeit millionenfach unter den Christen dazu beigetragen, daß durch Antisemitismus und antijüdisches Hetzmaterial die Menschen rassistisch verhetzt wurden, daß sie sich dem Schicksal der verfolgten Juden gegenüber gleichgültig und teilnahmslos verhielten, ja, daß sie den faschistischen Greuel-Sturm gegen die Juden für rechtens hielten und den Juden selbst in die Schuhe schoben, ja, daß die Juden gründlich verteufelt wurden! Im Namen Jehovas! Er sei es, der "die Räder des Wagens" der Juden "schwer macht", so daß sie in den "Sturm" geraten, überall! - Die Dokumente hierüber liegen vor.

Wo bleibt das Schuldbekenntnis der Wachtturm-Gesellschaft?
Die vorliegenden Dokumente erheben eine furchtbare Anklage gegen die WTG. Sie hat sogleich 1933 ihre Fahne nach dem Wind gehängt und allein um ihre Haut in Deutschland zu retten die gesamten "Bibelforscher Deutschlands" (Zeugen Jehovas) zum schändlichsten politischen Verhalten verführt, das es gab, zur profaschistischen Verteufelung der Juden, zum profaschistischen "Kampf gegen den jüdisch-materialistischen Geist", gegen "Juden" und "Kommunisten", zur Beihilfe zur antisemitischen Vergiftung der Menschen, unter den Christen insonderheit. So hat die Wachtturm-Gesellschaft ein gerütteltes Maß furchtbarer Mitschuld daran, daß ein antifaschistischer Protest und Widerstand gegen die antisemitischen Naziverbrechen unter Millionen von Deutschen gar nicht erst aufkommen konnte. Sie hat genau gewußt, welche politische Bedeutung das Angebot des Schreibens vom 25. Juni 1933 an Hitler hatte.

Bis heute kennt die WTG jedoch keine Reue, kein Schuldbekenntnis. Selbst reuelos, ja ihre Schuld verschweigend und vertuschend, verlangt sie allen Ernstes Respekt und Anerkennung von Staaten, Regierungen und Menschen, die einst die Opfer jenes verbrecherischen Nazikampfes gegen den "jüdisch-materialistischen" bzw. "jüdisch-bolschewistischen Geist" waren, an dem sie sich 1933 beteiligte. Skrupelloser geht es nimmer! Ihre antibolschewistische Rassenhetze läßt sich sogar zurückdatieren bis 1925! Und mit schreienden Plakaten belegen! Sollte sie nicht erst einmal vor ihrer eigenen Tür kehren und ehrlich ihre furchtbare politische Vergangenheit bewältigen, bevor sie sich unter die Menschen wagt? Ihre politische Schuld in Deutschland - bis heute - ist maßlos. Das Register? Sie können es in den Archiven in Brooklyn am besten zusammenstellen. Doch auch das bisher Veröffentlichte genügt. "Vergeßt es nie", ist das Thema einer Ausstellung, die in der im November 1978 neu eingeweihten Synagoge der Berliner Jüdischen Gemeinde (Berlin - Prenzlauer Berg, Rykestraße) eröffnet wurde. Etwa 50 000 Juden Berlins wurden Opfer des Antisemitismus der Nazizeit. Wie aktuell ist das alles doch auch für Jehovas Zeugen. Was ziehst Du aus der WTG-Mitschuld für Schlußfolgerungen?
- P -

Bad Doberan im Juni 1978
WTG: PIONIERHALSTUCH IST GÖTZENDIENST, DAS KIND RAUS AUS DER PIONIERORGANISATION
Politische Neutralität? Da werden einige Grundfragen aus christlicher Sicht unvermeidlich
Sollte dieses Thema besser vermieden werden?
Sollte dieses ohne Zweifel heiße Thema besser nicht behandelt werden? Sollte den vielen jungen Zeugen-Ehepaaren, die im Hinblick auf ihre Kinder hier unter dem Druck der WTG stehen, nicht geholfen werden? Sollte man vor dieser hochaktuellen Thematik zurückweichen? Wird da in CV nicht wieder "Politik getrieben"?

Ja, soll denn niemand zu dem politischen Vorgehen der WTG etwas sagen dürfen? So herum ist die Fragestellung richtig!
Die WTG möchte allzu gern, daß alle Angst haben vor ihren politischen Entscheidungen! Daß die Opfer ihrer sog. Politischen Neutralität keinen Anwalt finden! Daß jeder vor ihren politischen Schmähungen kuscht und in die Knie geht! Daß vor dem WTG-Rufmord: "Du bist ein politischer Handlanger!", wenn er die WT-Politik kritisiert und aufdeckt. Sie aber, die WTG, kann schriftwidrig politisch und um sich schlagen, wie, "unheilkündender Schatten des Kreml, rote Extremisten der Ostzone, rote Totalitäre, kommunistische Antreiber, menschliche Knirpse, falsche rote Religion, rote Faschisten, kommunistische Gehirnwäsche, wilde Tiere hinter dem Eisernen Vorhang, völlige Sklaverei in Ostdeutschland, kommunistenverseuchte Gegend, keine Koexistenz mit roten Regimen, mit Gotteshassern ins Bett gegangen, revolutionäre Umtriebe" usw. (1948-1978)! Und Jehovas Zeugen können das alles fein in religiös "gedruckte Predigten" verpackt unter die Menschen bringen! Und wenn man ihnen das dann vor Augen führt, treibt man Politik? Und sie stopfen sich dann die Ohren und halten ihre Augen zu? Ja, das möchte die WTG! Ihre "politische Neutralität" ist angesichts der hier nur angedeuteten politischen Schmähungen von 1948 bis 1978 Täuschung, Lug und Trug! Ihre Weisung, "Pionierhalstuch ist Götzendienst" kann aus gleichem Grund deshalb nicht unbesprochen bleiben.

WTG-Beauftragter S. Erdmann: ,,Einen tiefen Hass entwickeln", auch in politischer Hinsicht
WTG erzieht zu politischem Haß, könnte man auch über die WTG-Kongresse des Jahres 1978 schreiben. Auf dem Kongreß in Düsseldorf, BRD, war es der WTG-Beauftragte S. Erdmann unter dem Thema "Als Träger der Gefäße Jehovas rein sein". Er hatte mit diesem Thema auch folgende Grundsätze einzuschärfen:
- "Satans sichtbare Organisation, dieses System der Dinge, ist unrein."
- "Die Äußerungen auf politischem Gebiet sind dreifach unrein."
- "Vollständiges Abwenden von den Einrichtungen, die dem Widersacher unterstehen, notwendig, gottgefälligen Haß dagegen".
- "Durch Haß eine Schranke dagegen aufbauen."
- "Ihren unreinen Ausdünstungen, mit Naserümpfen, Abscheu und Ekel begegnen."
- "Einen tiefen Haß" gegen dieses "Böse entwickeln."

Ist Haß Neutralität? Haß ist der schärfste Ausdruck von Feindschaft! Bruder S. Erdmann hatte da nichts Neues einzuschärfen. Der Rückblick auf 30 Jahre WTG-Politik von 1948 bis 1978 veranschaulichte das hinreichend. Wir haben hier nur die neueste Formulierung haßerfüllten Verhaltens gegenüber politischen Einrichtungen vor Augen. So erklärt sich letztlich auch das WTG-Vorgehen gegen Mitgliedschaft in der Einrichtung der Kinder-Pionierorganisation. Zur generellen Erläuterung hier nur soviel: Die WTG hat die von den Zeugen Jehovas bisher nicht erkannte und durchschaute Aufgabe, mittels ihrer immer wieder angepaßten Endzeitorientierung Generation um Generation in den "unteren sozialen Schichten" unter Mißbrauch des christlichen Glaubens dazu beizutragen, jedes soziale oder gar revolutionäre Aufbegehren zu verhindern bzw. zu neutralisieren, woraus sich zwangsläufig jene Haß-Entwicklung in politischer Hinsicht ergibt, als "politische Neutralität" ausgegeben. Richtet sich das in anderen Ländern gegen jede aktive soziale oder revolutionäre Bewegung speziell in christlichen Kreisen, ja, gegen jede demokratische Aktivität, so gegen sozialistische Länder prinzipiell und insgesamt gegen ihre politischen Einrichtungen.'

Dennoch: Den Zeugen Jehovas eine ausgestreckte Hand, auch in diesem Fall
Auch diese Darlegungen sind eine ausgestreckte Hand für alle betroffenen Brüder und Schwestern im Hinblick auf ihre kleinen Kinder und ihre Zukunft. Mögen sie endlich auf dem WT-Wege innehalten und sich besinnen. Es ist auch eine ausgestreckte Hand für unseren Bruder in Bad Doberan. Seine Bereitschaft, vor CV alles darzulegen, sollte sein erster Schritt, gewesen sein, sich nunmehr mit der WTG mutig als Christ auseinanderzusetzen. Die Verantwortung für andere ist groß. Es ist selbst 1978 oder 1979 für niemanden zu spät. Die Verantwortung ist angesichts dessen zu groß, es nicht zu tun.

Konkret heißt das, und das möchte deutlich gesagt und verstanden sein: Wer sich in einem WT-"Rechtskomitee" gleichsam als "Richter" für die WTG-Grundsätze hergibt, sich in andere Familien einmischt, um sie unter der WTG zu halten oder sie "dem Satan zu überliefern" und "vom Leben abzuschneiden", kann sich doch wohl nicht hinter "Brandmauern" und listigen Decknummern und Tarnbezeichnungen verstecken. Der Apostel Paulus gebietet in 2. Kor. 4:2 NW, solches Treiben aufzudecken. Denn ein Evangelium, das mit solchen Methoden arbeitet, ist "ein anderes Evangelium", ist anderen Zwecken dienstbar gemacht worden, die nicht durchschaut werden sollen. Gemäß 2. Kor. 4:2 NW muß sich ein Christ aus der WTG-Kriegslist freimachen. Je höher die Position darin jedoch war, desto tiefer ist jemand darin eingebunden, desto schmerzlicher ist der Prozeß des Freiwerdens, und desto gründlicher wird er darum alles überprüfen wollen. Auch das ist wahr. Auch das wird verstanden. Doch die Zeit der Arglosigkeit ist für Aufrichtige vorbei. Mögen sie die ausgestreckte Hand genauer Erkenntnis auf die WTG selbst angewandt ergreifen. Sonst werden die eigenen Kinder eines Tages aufstehen, wenn sie zu selbständigem Denken und Urteilen herangewachsen sind.

Alle in höherem WTG-Auftrag schauen sicherlich der Tatsache klar genug ins Auge, daß die WTG Rebellion gegen sie, anmaßend als Rebellion gegen Gott bezeichnet, niemals verzeiht, sondern in gnadenloser Feindschaft von inquisitorischen Dimensionen verfolgt. Was sie heute anderen entgegensetzen sollen, "Naserümpfen, Abscheu, Ekel und tiefer Haß", wird dann seitens der WTG und aller, die ihr weiter folgen, ihr Teil. Fürchtet dies nicht, liebe Brüder. Was sollten wir von einer Organisation-anders erwarten, die von sich als sündiger und fehlerhafter Sklaven-Klasse proklamiert. "Der Wille des Sklaven ist der Wille Gottes!" (WT 1. 8. 56 S. 474) und seit dieser Zeit Hunderttausende durch ihre "Rechtskomitees" hat richten lassen, weil sie sich dieser Anmaßung von Gottgleichsein nicht beugten? Die euch brüderlich mittels CV ansprechen, sind hier eingeschlossen, liebe Brüder!

Kommt - nun das Kind mit dem Pionierhalstuch heim
Stapft also der Junge von Bruder V. eines Tages mit dem Pionierhalstuch heimwärts. Es ist unwesentlich, wer ihn beobachtete und die "Anzeige" erstattete. Nun nahm das "Verhängnis" auch politisch seinen Lauf (Die Weihnachts-"Götzendienst"-Anklage war im vorigen Bad-Doberan-Bericht behandelt). Die WTG ließ nicht lange auf sich warten. Das Kind eines Zeugen Jehovas mit einem "Götzendienst"-Tuch um den Hals! Wenn Bruder V das als Vater nicht rückgängig macht, kriegt er ein "Rechtsverfahren" politischer Art wegen "Neutralitätsverletzung"! Er muß in die Schule zur Lehrerin gehen und dagegen Front machen. Eine Frist wurde eingeräumt. Eine Zwischenbemerkung für den Leser vielleicht: Niemand muß sich mehr aktuell sorgen, das Problem ist längst erledigt. Doch versetzen wir uns wieder zurück.

In der eingeräumten Frist reifte zwangsläufig die Entscheidung heran. Sie mußte heranreifen. Als die Frist abgelaufen war, fielen die Entscheidungen. Bruder V. machte nicht Front gegen die Pionierorganisation, um, den Jungen herauszunehmen, und er zog ihm nicht das Tuch vom Halse. Auf die WTG-Forderung "Hast du als Vater?" antwortet er kurz, "nein". Auf die weitere WTG-Forderung, "wirst du als Vater?", antwortete er gleichfalls "nein". Das WTG-Urteil ließ nicht lange auf sich warten: "Neutralitätsverletzung", Ausschluß, Gemeinschaftsentzug, "dem Satan überliefert". Keine Gespräche mehr, keine Freundschaft, völlig Mißachtung, nicht einmal einen Gruß. Er ist "ein Freund dieser Welt" geworden, somit ein "Feind". Ein "Feind Gottes" nach WTG-Wille. Aber nicht alle mißachteten ihn!

"Neutralitätsverletzung" christlich geprüft
Die Rechenschaftslegung unseres Bruders vor CV ermöglicht nun eine Überprüfung des WTG-Urteils "Neutralitätsverletzung" an einem ganz konkreten Fall. Es ist hierbei unvermeidlich, einige grundsätzliche Gesichtspunkte zu betrachten, über die sich insbesondere alle diejenigen endlich Gedanken machen sollten, die sich nach wie vor als "Rechtskomitee" im WTG-Sinne über ihre Brüder und Schwestern setzen, um ihre "Richter" zu sein. Es sei dazu kurz wiederholt, was im vorigen Bericht dazu vor Augen geführt wurde. Schließlich geht es um die Verurteilung von, Menschen!

Ehe jemand als Richter über seine Mitmenschen gesetzt wird, muß er normalerweise ein ausgebildeter Jurist sein.. Viele Jahre darf er nur als Beisitzer oder Schöffe beratend mitwirken. Menschen verurteilen ist eine der verantwortungsvollsten Funktionen. Und Todesurteile fällen nur oberste Gerichte nach vielen Berufungsverfahren vielleicht. Hier aber sitzen juristische Dilettanten und "andere Schafe" nur, die nicht einmal Fußstapfen-Nachfolger Christi sind (Eph. 4:1-6, Gal. 1:6-9, Phil. 3:17-21) und fällen in religiösen und politischen Fragen geistige Todesurteile! Nicht ein einziges "anderes Schaf" kann ein schriftgemäßer Ältester sein! Ja, die "irdische" WT-Ausrichtung, die sie seit 1935 erhalten haben, lassen sie - genau genommen - nicht einmal mehr neutestamentliche Christen sein! Denn Christsein heißt Gesalbter sein! Die WTG kann sich hier nur krampfhaft winden. Die WTG hat den "anderen Schafen" seit 1935 sowohl eine andere Taufe wie auch eine andere Hoffnung verpaßt, die streng genommen die getreue Nachfolge Christi verneint! Die WTG ernennt sie nicht nur zu Ältesten, sondern sogar zu "Richtern" ihrer Brüder und Schwestern! Was ist ein "Rechtskomitee-Mitglied" sonst? Die ganze Sache ist angesichts des Maßstabs in Glaube, Hoffnung und Liebe, den Christus und die Apostel gesetzt haben, ein Skandal! Das ganze neue Testament wird hier mit Bezug auf die "anderen Schafe" von der WTG vergewaltigt! Denn Christsein heißt Gesalbtersein! Oder etwa nicht? Angesichts der geistigen Todesurteile, die hier durch "christliche" WTG-Rechtskomitees gefällt werden, können nur strengste christliche Maßstäbe angelegt werden!

Was die angebliche politische Neutralität betrifft, die Jehovas Zeugen unter der WTG einnehmen, so ist das ein nicht geringerer Skandal vor Gott und den Menschen! Die WTG hält die Zeugen nicht in politischer Neutralität, sondern in Feindschaft, zur "Welt", wie sie sie deutet, in schärfster Feindschaft, in Haß! "Schranken des Hasses" sollen gegen politische Einrichtungen als Einrichtungen des Teufels aufgebaut werden, wie die WTG-Kongresse 1978 fordern! Das als politisch neutrale Position zu bezeichnen heißt doch, den Arglosen und Einfältigen die Köpfe vollends zu verdrehen! Was soll man denn sonst hierzu noch sagen! Nun, die eingangs aufgezeigten "politischen Schmähungen veranschaulichen die WTG-Positionen der Feindschaft und des Hasses in politischer Hinsicht hinreichend und unwiderlegbar. Ein ganzer Berg WT-"Predigten" käme mit solchen Schmähungen zusammen.

Die Kinder-Pionierorganisationn nun als Götzendiensteinrichtung zu betrachten und zu behandeln ist demgemäß auch alles andere als politische Neutralität, denn Götzen gelten ja schließlich als teuflische Feinde, nicht wahr? Das Verlangen der WTG in unserem Fall, die Pionierorganisation als Götzendienst zu behandeln, als Feindorganisation weil Satansorganisation, mußte also unserem Bruder V. die WTG-Position nicht als neutral, sondern als feindlich offenbaren. Damit war die WTG-Neutralität als politische Heuchelei, als Deckmantel für politische Feindschaft, offenkundig. Wie sich nun entscheiden? Für die WTG-Heuchelei f keinen Fall. Also für die Pionierorganisation?

Ist die Kinder-Pionierorganisation nun antireligiös und antichristlich? Das war die zwangsläufige Frage. Nein, sie verbietet weder christliche Lehre noch Kindergottesdienst christliche Erziehung noch Glauben an Gott. Selbst in Leitung der älteren Jugendorganisation, der FDJ, sind christliche Jugendliche! Natürlich sind diese Jugendorganisationen keine religiösen Organisationen und darum nichtreligiös. Sie sind ja für alle Kinder und Jugendlichen. Feindschaft und Haß sind also nicht nur fehl am Platze, sondern einfach verantwortungslos. Und nichts anderes verbirgt sich hinter der vorgegebenen WTG-Neutralität.

Ist die Kinder-Pionierorganisation nun ein antichristlicher Götze? Sie ist wie dargelegt weder antichristlich, noch ist sie ein Götze. Ein Götze ist ein Gegenstand religiöser Anbetung, etwa abergläubischer Art. Die Pionierorganisation ist weder religiös noch wird in ihr religiöse oder abergläubische Anbetung betrieben. Wer das behauptet, lügt, oder ist in Unkenntnis oder ist einfach nicht ernstzunehmen. Diese eindeutig nichtreligiöse Organisation als antichristlich oder a Götze hinzustellen, ist also mindestens unrichtig, ansonsten jedoch Verleumdung, Diffamierung und boshafte Schmähung und Lüge.

Und die Bibel verbietet keinen Beitritt zu Kinderorganisationen. Warum also über das "hinausgehen, was geschrieben steht?" Wer kann; das rechtmäßig verlangen? Keiner! 1. Kor. "4:6. Die Bibel verbot nicht einmal erwachsenen Christen die Zugehörigkeit zu staatlichen politischen und militärischen Einrichtungen, wie, das Beispiel des römischen Hauptmanns Cornelius und andere Christen als Regierungsangehörige in urchristlicher Zeit veranschaulichen. So beließ unser Bruder V. seinen kleinen Sohn in der Kinder-Pionierorganisation. Die WTG indessen hatte sich in dieser Sache als politischer Neutralitätsheuchler selbst entlarvt.

Die Geschichte ist indes noch nicht zuende
Unser lieber Bruder in Bad Doberan und alle, die es ebenfalls betrifft, müssen noch eine weitere Frage beantwortet bekommen. Denn die WTG hat in dieser Sache noch etwas in die Köpfe gesetzt, das die Feindschaft und den Haß bestimmt, der unter dem Neutralitätsmantel steckt und bei den WTG-Urteilen angeblicher "Neutralitätsverletzung" zum Vorschein kommt. Was da in die Köpfe gesteckt wurde, besagt in unserem Fall: Ist die Pionier-Organisation nicht eine kommunistische Organisation? Muß nachdem Grundsatz, "Christentum oder atheistischer Kommunismus" ein christlicher Vater nicht demnach dieser Organisation gegenüber feindlich eingestellt sein? Auch diese Hintergrundposition für die politische WTG-"Rechtsprechung" kann nicht unbesprochen bleiben. Denn es betrifft viele, viele Eltern und ihre Kinder. -
CVN

"WARUM HABT IHR DER GESELLSCHAFT DEN RUCKEN GEKEHRT?"
Beweise sprechen für sich. Unser Denkanstoß. Aus Jarmen in Mecklenburg
Immer häufiger tritt an uns als freie Christen ein guter Bekannter aus der Nachbarschaft oder auch ein aufrichtig Glaubender aus unserem Städtchen an uns heran und stellt die Frage: "Stimmt das, daß ihr nicht mehr bei den Zeugenorganisation der Zeugen Jehovas seit?" Nun - was bleibt uns weiter übrig, wir sind ihnen Christ eine Antwort schuldig. Oftmals ist man ein wenig erstaunt darüber, daß wir uns davon getrennt haben. Andere wiederum haben Verständnis dafür. Wie auch immer die Fragen lauten, wir werden die Wahrheit sagen. Der "leitenden Körperschaft" der Zeugen Jehovas ist das natürlich nicht so einerlei. Sie würde es lieber sehen, wenn nicht darüber gesprochen wird. Es ist aber zu einer bitteren Notwendigkeit geworden, daß man zu den Vorgängen in der Organisation der Zeugen Jehovas Stellung nimmt. Man kann als Christ einfach nicht immer dazu schweigen, weil die Vorgänge und die leichtfertige Bibelauslegung in dieser Organisation bereits ein bedrohliches Ausmaß angenommen haben.

Seit 1976 freie Christen oder Zeugen Jesu Christi
Seit 1976 haben wir uns in Jarmen zu einer freien Bibelgemeinde zusammengetan. Im kleinen Rahmen besuchen wir uns und ermuntern uns im Glauben. Außerdem suchen und festigen wir jede aufrichtige Verbindung zu anderen freien Christengemeinden. Unser Wunsch ist es, nicht mehr Sklave des Wachtturms zu sein.

Wir haben seit 1972 bereits mit Besorgnis dem Jahr 1975 entgegengeblickt und wiederholt unsere Bedenken laut werden lassen. Aber vergeblich. Es war damals noch zu früh. Als das Jahr 1975 da war, konnten wir als damalige Noch-Zeugen feststellen, wie man einige von uns kaltzustellen versuchte. Aber es war schon zu spät. Zuviele Widersprüche und Zweideutigkeiten im Wachtturm, bezugnehmend auf die Ereignisse, die sich 1975 erfüllen sollten, zwangen uns immer mehr zu einer offenen Stellungnahme.

Die Ältesten der Versammlung Jarmen versuchten mit allen Mitteln, diese offene Stellungnahme zu verhindern. Aber das Jahr 1975/76 nahm ihnen die Kraft dazu. Die Beweise erstickten oftmals die Argumente der Ältesten. Somit blieb ihnen keine andere Wahl, als zur altbewährten Methode zu und nach die Gemeinschaft zu entziehen. Wir haben diesen Gemeinschaftsentzug natürlich nicht ernst genommen, weil wir davon überzeugt waren, daß wir nichts Unrechtes getan hatten.

Wenn wir heute an diesen Ältesten und denen, die ihnen weiter anhängen, vorübergehen, dann versuchen sie, uns zu meiden. Kein Gruß, kein Wort, keine Einsicht zeigen sie. Für sie sind wir immer noch Abgefallene, Gegner, Christusleugner und Feinde der Wahrheit. So und nicht anders haben sie uns anzusehen und zu behandeln. Für sie ist sogar jeder, der gegen die Organisation etwas auszusetzen hat, ein Rebell! So wird es ihnen gelehrt, so haben sie es zu glauben. Wie lange sie diese "Treue" noch beibehalten, bleibt abzuwarten. Die jüngsten Vorgänge in Mecklenburg deuten an, daß in absehbarer Zeit weitere Zeugen Jehovas der Organisation, der "Gesellschaft", d. h. der Wachtturm-Gesellschaft, den Rücken kehren werden. Sie haben es ebenfalls satt, wie wollen einfach nicht mehr gegen ihren Willen etwas glauben und verkündigen, was mit der Bibel nicht im Einklang ist. Ja, alles braucht eben seine Zeit.

Warum den Rücken gekehrt?
Seit 1972 ließen uns die Vorgänge in der Organisation keine Ruhe mehr. Die verstärkte Aufklärungsarbeit von CV und die Meinungen der kritisch denkenden Brüder stimmten uns oftmals, nachdenklich. Besonders die CV-Artikel seit 1972 bewegten viele von uns zum ernsthaften Nachdenken. Es ist für manch einen Leser nicht zum Schaden, wenn ihm noch einmal einige CV-Überschriften von damals in Erinnerung gerufen werden.

CV 44/1972: "Bald ist 1975 - Was tun?". CV 45'1972: "Machtkämpfe in der hiesigen Organisation". CV 48/1973: "Große Spaltung in Brooklyn wegen 1975". CV 50/1973: "Zur Spaltung in Brooklyn". Ca. 312 Bethelmitarbeiter in Opposition.
CV 64/1974: "Wie die Ältestenschaft früher beseitigt wurde". Das war ein erschütternder Bericht. Den sollte die CV-Redaktion zur Ernüchterung der heutigen Ältesten ruhig noch einmal abdrucken. CV 66/1975 "Das entscheidende Jahr 1975 liegt vor uns." Eine Rückschau. CV 75/1975: "Frühherbst 1975 ist vorbei - die Zeit zum Handeln ist herbeigekommen".
Wer sich die Mühe macht und diese Artikel in CV noch einmal in Ruhe nachliest, der wird uns in Jarmen und viele andere freie Christen verstehen lernen, warum sie der Organisation den Rücken kehrten.

Nicht nur in Jarmen ziehen es freie Christen vor, im Kreise ihrer Gleichgesinnten ohne den Wachtturm die Bibel weiter zu studieren. Dasselbe tut man u. a. in Rostock, Bad Doberan, Schwerin, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, im Erzgebirge, in Torgelow, Eggesin, Ückermünde und ebenfalls in Westdeutschland, der Schweiz, England, Polen, Amerika usw. usw. Überall, wo man sich in der heutigen Zeit im Klaren darüber ist, daß die Wachtturm-Gesellschaft ein falscher Endzeitprophet ist, zieht man es vor, diesen Propheten zu meiden.

Es war einfach zu viel was Gesellschaft zumutete
Es war einfach zu viel, was die Wachtturm-Gesellschaft den Verkündigern vor und auch noch kurz nach 1975 zumutete. Vor 1975 schrieb der WT: "Es dauert höchstens noch ein paar Jahre, bis sich der letzte Teil der biblischen Prophezeiung über die 'letzten Tage' erfüllen wird und die Menschen, die dann noch am Leben sind, durch die herrliche Tausendjahrherrschaft Christi befreit werden". WT 15/1968, S. 463'64.

Und in Erwachet konnte, man lesen:. "Wen du ein junger Mensch bist, so mußt du dir auch übe die Tatsache im Klaren sein, daß du in diesem gegenwärtigen System nie alt werden wirst. Wieso nicht? Weil alle Beweise in Erfüllung biblischer Prophezeiungen anzeigen, daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden soll". Erwachet 16/1969, S. 15, 16.

Nach 1975 war das alles nicht mehr wahr. Noch 1975 kannte man im WT folgendes lesen: "Wir werden noch weiter ausharren müssen. Können wir noch eine ganz kleine Weile ausharren? Wenn ja, dann werden wir es erleben, daß Gott, der Kommende, zur rechten Zeit eintreffen wird und die Verheißung, die er uns gegeben hat, erfüllen wird". WT 6/1977, S. 175.

Weiter heißt es im WT: "Es gibt noch ein Werk zu tun! Ist dieses Predigtwerk jetzt schon abgeschlossen? Nein! Denn das Ende ist noch nicht gekommen. Das Ende kommt nicht, nur weil wir denken mögen, daß es-jetzt kommen müßte. Das Ende kommt erst, wenn das großartige Königreichspredigtwerk in dem Maße durchgeführt worden ist, wie Jehova es wünscht". WT 4/1977, S. 113.

Alle diese Beweise zeigen eindeutig, wie die Gesellschaft sich in jeder Situation aus der Affäre zu ziehen versucht. Wer mit Hilfe dieser Beweise das Doppelspiel der Gesellschaft immer noch nicht durchschaut, den wird es später noch härter treffen. Für uns als freie Christen ist es völlig klar: Die Wachtturm-Gesellschaft ist ein falscher Prophet! .
-W-

DIE CV-BERATUNG VOM SEPTEMBER 1978 - EIN BEISPIEL AN CHRISTLICHER NÄCHSTENLIEBE
Ein ehemaliger Zeuge schildert seine persönlichen Eindrücke
Mit den Worten von LK-Mitglied M. Pötzinger
Um es vorweg zu nehmen: Ich hatte immer noch Vorbehalte. Schuld daran war zweifelsohne die WTG-Brille, die ich, trotz meiner kritischen Haltung zur Endzeitverkündigung, unbewußt immer noch trug. Die Einladung an mich, an der Beratung in Berlin teilzunehmen, kam meinen Wünschen und Vorstellungen geradezu entgegen. Die Gelegenheit war günstig, die einzelnen "Judasse", "Satansdiener" oder gar die gesamte "Rotte Korah" bei ihrem "wüsten Treiben" in der Rebellion gegen Jehova in ihrer eigenen Hochburg zu beobachten. Um mit den Worten eines Martin Pötzinger zu sprechen (ich stand persönlich mit ihm im Dienst, und er wurde, wie bekannt, vor noch nicht langer Zeit von der WTG in die 18köpfige Leitende Körperschaft (LK) nach Brooklyn, New York, USA, berufen): "Man muß wissen, was im Lager des Feindes vor sich geht!"

So fuhr ich denn am 23. September mit meinem Sohn von Potsdam nach Berlin und war kurz nach 9 Uhr am Ort. Die Begrüßung durch die CV-Vertreter war herzlich und freimütig. Überhaupt fand ich im Verlaufe des Tages heraus, daß sie den Namen Brüder durchaus verdienten. Und was den Begriff von Gastfreundschaft angeht, so entsprach es in vorbildlicher Weise dem biblischen Muster. Jedenfalls war die ganze Atmosphäre von einer wohltuenden Wärme. Selbst die Räumlichkeiten schienen damit harmonisch übereinzustimmen. Jeder einzelne Raum war geschmackvoll eingerichtet, entsprechend seiner Bestimmung. Das war sehr bequem und kam dem Wunsch entgegen, sich in Pausen mit diesem oder jenem zurückzuziehen und spezielle biblische Fragen oder persönliche Dinge zu erörtern.

Man konnte sich in jeder Hinsicht vergewissern
In den dem Wohnzimmermobiliar angepaßten Schränken befand sich gesammelte WT-Literatur, sozusagen archivarisch erfaßt, angefangen von den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zu den Publikationen der Neuzeit bzw. der Gegenwart, z. B. mit großer Mühe von allen Geschwistern besorgt. So konnte man sich "vergewissern", die über den gleichen Gegenstand verschiedenartig interpretierten Auslegungen Der WTG überprüfen und sie mit der eigenen Erfahrung und der eigenen Bibelkenntnis zu vergleichen.

Keine Spur von Aufdringlichkeit! Kein Bewegungszwang! Wer wollte, konnte sich auch ganz für sich allein zurückziehen und sich unbeeinflußt anhand der WT- und CV-Schriften eine eigene Meinung bilden. Die Pausen zwischen der Beratung, die am Vormittag begann und am Nachmittag fortgesetzt wurde, boten dazu reichlich Gelegenheit.

Für geistiges und auch leibliches Wohl
Zeugen Jehovas sind es von Kongressen her gewohnt, einen reibungslosen und gut durchorganisierten Ablauf auch in der Versorgung der Versammlungsteilnehmer zu erleben. Nach meiner Ankunft inspizierte ich aus Neugierde sofort die Küche. Hier arbeitete eine Schwester, die Frau eines leitenden Dieners. Die Schwester hatte ein chronisches Leiden und verrichtete trotzdem diese Arbeit als ein "ständiges Dienstamt". Sie machte gerade belegte Brötchen zum Frühstück für die Teilnehmer zurecht. Ein jüngerer Bruder schälte Kartoffeln, um die Schwester im Hinblick auf das Mittagessen zu entlasten. Er muß sehr früh gekommen sein, denn ein großer Eimer war schon zu dreiviertel mit geschälten Kartoffeln gefüllt.

Wie sich herausstellte, war dieser junge Bruder ein CV-Mitarbeiter, der unbedingt an der Beratung zugegen sein mußte, und es erhob sich die Frage, wer zeitweilig entbehrlich war. Denn im Gegensatz zu früheren kleineren Anlässen war es diesmal offensichtlich, daß bei der jetzigen Anzahl von Anwesenden der Anfall an Abwasch und sonstigen Arbeiten in der Küche die Schwester unmöglich allein bewältigen konnte. Den geladenen Gästen aber, unter ihnen auch Frauen, wollte man nichts aufbürden. Sie waren teilweise von weither gekommen, hatten Probleme und Fragen, sie sollten diese auch zufriedenstellend beantwortet bekommen.

In dieser Situation bot sich mein 14jähriger Sohn als "Aushilfe" in der Küche und als flinker "Kellner für die Bedienung der Gäste" an. Er war ja nicht als Versammlungsteilnehmer angereist, sondern hatte mich mehr aus kindlicher Neugierde begleitet. Nach anfänglichem Zögern gaben die verantwortlichen Diener dem Drängen des Jungen nach, um ihm die Freude an der Ausübung eines "Dienstamtes" nicht zu nehmen. Im Verlaufe des Tages war-es helle Freude zu beobachten, wie der Junge unter Anleitung der Schwester den Abwasch erledigte, die Speisen auftrug und sogar während der Beratung flink und dennoch ohne Störung den Gästen Früchte und Getränke darreichte. Selbst der Diener, der den Vorsitz führte, konnte sich manchmal eines Schmunzelns nicht erwehren.

Aber hier handelt es sich ja nur um CV
Der gesamte Ablauf der Tagung - und selbst dieses Erlebnis, keineswegs "klein", gehörte dazu - muß einen nachhaltigen Eindruck auf alle hinterlassen haben. Ungefähr 14 Tage später erhielt ich einen Anruf von der Schwester. Sie erkundigte sich, was ihr "kleiner Liebling" macht und richtete Grüße aus. Mein Sohn, dem ich alles erzählte, freute sich ehrlichen Herzens, daß seine Arbeit in so liebevoller Weise gewürdigt wurde. Daß ihm die Schwester beim Abschied schon heimlich ein paar Geschenke in die Tasche gesteckt hatte, müßte ich eigentlich diskret verschweigen.

Solche "kleinen Episoden" weiß der Wachtturm bei besonderen Anlässen immer besonders hervorzuheben. Da ist dann vom "Segen Jehovas" die Rede, "der auf seinem Volke ruht" und sich in bemerkenswerter Weise selbst in den kleinsten Dingen zeigt. Um des emotionalen Effektes wegen pointiert man solche "niedlichen Begebenheiten" gewöhnlich so: Wie geschrieben steht: "Aus dem Munde von Säuglingen und Kindern hast du dir Lob bereitet!" Aber hier handelt es sich ja nur um CV. Was ist schon CV, daß man solche "Begebenheiten" als berichtenswert findet?

Was die Beratung deutlich machte
Der Tagesablauf wurde eingeleitet mit dem Frühstück. Kurz nach 10 Uhr begann die Beratung und dauerte bis nach 11 Uhr. Dann war Pause, die zu zwanglosen Gesprächen genutzt werden konnte. Es folgte das Mittagessen. Gegen 14 Uhr war die Fortsetzung der Beratung mit Ende gegen 16 Uhr. Zu dieser Zeit war auch Nachmittagskaffee. Wer wegen seines Zuganschlusses nicht unbedingt abreisen mußte, konnte die Zeit weiter nutzen zu wertvollen Gesprächen bis zum Abendessen. Dies erfolgte nach 18 Uhr. Wer auch jetzt noch bleiben wollte, konnte dies tun. Die Standhaftesten brachen tatsächlich erst nach 22 Uhr auf. Im Verlauf der Beratung wurden Materialien unterbreitet, konkrete Beschlüsse gefaßt und erste beachtenswerte Resultate erzielt. Es ist nicht meine Aufgabe, als ein von CV eingeladener Beobachter und Gast hier im einzelnen zu schildern, welche wirksamen Maßnahmen beschlossen wurden. Aber eines darf, ich mit Gewißheit sagen: Diese Beratung machte deutlich, mit welchem Ernst, mit welcher Anteilnahme und mit welch tiefer Sorge man sich hier Gedanken macht um alle, die noch unter WTG-Bevormundung stehen und mit denen man sich immer noch verbunden fühlt. Es war Widerlegung der Brooklyner Führerschaft in ihrer Behauptung, CV betreibe nur ein "niederreissendes Werk".

Und noch etwas drang mir erschreckend deutlich ins Bewußtsein: Dort, wo der Diener während der Beratung Vorsitz führte, war auf kleinen Tischen im Hintergrund ein Ausstellung arrangiert. In großer grafischer Ausführung waren die Irrlehren der WTG aufgeführt mit ihren verfehlten Weltenden von 1914, 1925 und 1975, und mit entsprechendem Material dokumentiert. Konkrete Hinweise auf riesige Aderlässe und Verluste aufrechter Brüder mahnten zur Besinnung! Seit Bestehen der Organisation geht der Schwund an WTG-Anhängern, die das Gaukelspiel der Führerschaft durchschauten, in die Millionen! Der Verlust an echten Brüdern und Schwestern, die, nachdem sie den Betrug erkannten und daraufhin seelisch gebrochen den ganzen christlichen Glauben über Bord warfen, geht in die Hunderttausende! Wohlgemerkt: Diese Brüder und Schwestern waren von CV nicht beeinflußt! Ebenfalls wohlgemerkt: Viele von CV rechtzeitig "Beeinflußten", also bevor sie selbst die nackte, erbarmungslose Wahrheit erkannten, sind für den christlichen Glauben "gerettet" worden! Für jeden Zeugen ein wichtiger Denkanstoß.

Die Pausengespräche drehten sich, wie ich beobachten und hören konnte, um viele Komplexe, Fragen und Probleme, u. a. auch um solche, ob CV mit dem Staat zusammenarbeitet, ob CV eine Spaltertätigkeit betreibt, viele Anfangsfragen, die so gestellt werden, aus zunächst verständlichen Vorurteilen. Es könnten da sehr viele Punkte aufgezählt werden.

Was ich über CV sagen muß
Wesentlich erscheint mir folgende Feststellung: Die Zeitschrift "Christliche Verantwortung" wurde mir schon seit 197Q zugestellt. Ich las sie auch entsprechend der Meinung eines Martin Pötzinger: "Man muß wissen, was im Lager des Feindes vor sich geht". Aber hier war kein Lager des Feindes und es gab auch nichts zu widerlegen, denn CV berief sich auf die Bibel und die Eigenaussagen der WTG. Trotz der Eindeutigkeit der Beweise und der Mahnung der eigenen Vernunft und des Gewissens bedurfte es 7 Jahre, bis ich die Kraft fand, endlich "aufzubrechen". So eng war meine sklavische Verbundenheit zu einer fernen Führerschaft in Amerika und so schwach war meine Verbundenheit zu Gott, Christus und meinen allernächsten Brüdern und Schwestern! Was wäre geschehen, wenn diese angeblichen "CV-Rebellen" die ganzen 7 Jahre über nicht so beharrlich gewesen wären? Ich muß an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben, daß mir auch ohne "CV-Beeinflussung" erhebliche Bedenken gekommen waren. Die angeheizte Welle der Euphorie seitens der WTG vor 1975 hätte nach diesem Datum, woran man ja zu glauben hatte, als die allgemeine Ernüchterung eintrat, den Zusammenbruch. meines Glaubens herbeiführen können, Der Verlust des Glaubens aber, (herbeigeführt durch die WTG-Irrlehren, wohlgemerkt!), das wäre in Wahrheit Verrat gewesen und Brechen des Taufgelübdes gegenüber Gott und Christus! Ja, was wäre geschehen, wenn es CV nicht gegeben hätte? Mit dieser Fragestellung beende ich meinen Bericht und überlasse es jedem einzelnen der Brüder und Schwestern, ob innerhalb oder außerhalb der WTG-Organisation, vor Gott und seinem Sohn eine seinem Gewissen entsprechende vernünftige Antwort zu finden.
Hermann Bach, Potsdam

CHRISTUS STARB NACH DEN HISTORISCHEN QUELLEN DOCH AM KREUZ
Es ist bekannt, daß die Wachtturmgesellschaft unter ihrem 3. Präsidenten N. H. Knorr mit der in allen christlichen Kreisen auf Ablehnung stoßenden "Verkündigung" hervortrat, Christus sei nicht an einem Kreuz gestorben, sondern lediglich an einem Pfahl. In der WTG-eigenen Bibelübersetzung, der sogenannten Neuen-Welt-Übersetzung wurden alle Texte, die vom Kreuz sprechen, entsprechend umgemodelt. So heißt Matth. 27:23 z. B. nicht mehr "Kreuzige ihn" sondern "An den Pfahl mit ihm". Diese Änderung hat auch in vieler Beziehung die Beziehung zu anderen Christen negativ und feindlich belastet, bis hin zu Diffamierungen, sie huldigten mit dem Kreuz heidnischen Symbolen. Den Zeugen Jehovas selbst ist dies letztlich nicht anzulasten, da sie kein Recht haben, die Bibel auch nur in der geringsten Weise zu deuten. Sie haben ausschließlich der Bibeldeutung der Wachtturmgesellschaft zu folgen. Sie sind im Umgang mit der heiligen Schrift in dieser Hinsicht gänzlich entmündigt.

Was ist es nun mit der Kreuzigung Christi? Nach der Wachtturmgesellschaft hat es überhaupt keine Kreuzigung Christi gegeben. Für einen Außenstehenden ist es nicht recht ersichtlich, warum die Wachtturmgesellschaft das Kreuz für Jehovas Zeugen abgeschafft hat. Um sie um so fester unter ihrer Führung zu halten, alle Brücken hinter ihnen abzubrechen, damit sie vor allem nicht wieder zu den anderen Christen zurückfinden?

Wenden wir uns den historischen Quellen zu, die die Wachtturmgesellschaft nur zu oft bemüht, hier aber einfach mißachtet. Wir haben vor uns das
Kritisch exegetische Handbuch über das Evangelium des Matthäus von Dr. Heinrich August Wilhelm Meyer, Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht's Verlag 1876.
Im Kommentar auf Seite 579/580 zu Matthäus 27:32 heißt es zum Kreuz:
"Die Verurtheilten mußten ihr Kreuz selbst tragen, so auch Jesus."
Daher sagen zwar die Griechen (weil stauros ursprünglich) Pfahl ist) stauros . . . aber die Römer scheiden im Ausdruck genauer zwischen dem Kreuzespfahl, welchen der Verbrecher zu tragen hat, und der wirklichen förmlichen Crux, welche am Richtplatz mit dem Querholz versehen errichtet wird. Jener Stamm des Kreuzes, welchen der Crusiarius schleppen muß, heißt patibulum, daher sagt man niemals crucem ferse, sondern immer patibulum (den Richtpfahl) ferre, welches so bewerkstelligt wird, daß man den Pfahl dem Unglücklichen aufhalste und seine ausgestreckten Hände daran band, er ihn also mit beiden Händen halten mußte (im Gleichgewicht) auf Nacken und Schultern.

Aus diesem Unterschied von crux und patibulum erklären sich völlig die bekannten Stellen des Plautus: "Patibulum ferat per urbem, deinde affigatur cruci",
desgleichen die Ausdrücke vom (aufgerichteten vollständigen) Kreuze: In crucem tollere, in crucem agere und- das komische Crucisalus."
Soweit diese historische Quelle.
Wir haben weiter vor uns das
Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament von Gerhard Friedrich Siebenter Band W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1964
Wir lesen unter "A. Kreuz und Kreuzigung in der des Neuen Testaments":
"2. Der stauros ist ein Marterwerkzeug . . . Es lassen sich drei Grundformen in der Gestalt des Kreuzes erkennen. Das Kreuz war entweder ein senkrechter, oben zugespitzter Pfahl, oder es bestand aus einem senkrechten Balken und einem oben aufliegenden Querbalken (Form des T, crux commissa) oder auch aus zwei sich schneidenden Balken von gleicher Länge, crux immissa".
Darüber, wie die Römer die Kreuzigung durchführten, lesen wir:
"2. Die Kreuzigung vollzog sich so, daß der Verurteilte, der das patibulum (Querholz) zur Hinrichtungsstätte getragen hatte - der Kreuzespfahl war gewiß bereits fest eingerammt - am Boden mit ausgestreckten Armen an das Querholz mit Stricken festgebunden oder mit Nägeln angenagelt wurde. Darauf wurde das Querholz mit dem Körper hochgezogen und an dem senkrecht in der Erde stehenden Pfahl befestigt. Etwa in der Mitte des Pfahles war ein Holzklotz angebracht, der den hängenden Körper stützte, von einer Fußstütze ist in den alten Berichten nicht die Rede. Die Höhe des Kreuzes war verschieden, es war entweder etwas mehr als mannshoch oder bildete, wenn es den Delinquenten weithin sichtbar zur Schau stellen sollte, ein Hochkreuz .. . Die Kreuzigung als Todesstrafe ist erst von Konstantin dem Großen beseitigt worden,"
(Seiten 572, 573)

So mußte Christus sehr wohl einen Pfahl tragen, er wurde auch an einen Pfahl oder das Querholz, an dem er dann an dem anderen Stamm oder Pfahl hochgezogen und aufgehängt wurde, so daß er schließlich an einem Kreuz hing.
Will die Wachtturmgesellschaft mit ihrer Leugnung von Kreuz und Kreuzigung Christi diese historischen Quellen als Lügen bezeichnen?
F. F.

"OH, MÖGE DAS DOCH ZU UNSEREN LEBZEITEN GESCHEHEN!"
LK-Mitglied Martin Pötzinger WT-Kongreß Düsseldorf 1978
Ein kleiner Vorausblick
Liebe Leser
liebe Brüder und Schwestern
Nicht nur wir selbst sind an den Kongressen 1978 sehr interessiert. Es gibt wohl kaum jemanden unter allen, für die wir berichten, der nicht auch fragt, wie es 3 Jahre nach 1975 weitergehen soll. Ist es nicht so? Wir jedenfalls finden das überall bestätigt.

Es war im Kongreß-Hauptvortrag "Jesus Christus - der siegreiche König, mit dem die Nationen rechnen müssen." In Düsseldorf sprach Martin Pötzinger, Mitglied der Leitenden Körperschaft der WTG. Gleich einleitend rief er den Ausruf über alle Zuhörer dahin: "Oh, möge das doch zu unseren Lebzeiten geschehen!" Erstaunt spitzten einige schon da die Ohren: Zu Lebzeiten derer, die hier zusammengekommen sind? Und nur "oh möge"? Ist das nicht nur noch reines Wunschdenken, in das wir versetzt werden? Die meisten Versammelten leben doch bis ins nächste Jahrtausend hinein! Was soll uns mit diesem Ausruf beigebracht werden? Wir werden ausführlich auf diesen Hauptvortrag an die Adresse aller Nationen eingehen. Es wird ein Stück dessen erkennbar, was für eine Rolle die WTG überall wirklich spielt, wenn sie nun schon für 200 Jahre über 1799, 1874, 1914, 1925, 1945 und 1975 hinweg einen falschen Weltendetermin nach dem anderen einer Generation nach der anderen verkündigen läßt. Aufrichtige, und erwachsene Menschen allemal, können sich nicht länger so hinhalten lassen, gar nicht zu reden davon, es auf sich zu nehmen, da auch noch andere Menschen hineinzuführen, auf welche Weise auch immer. Nicht wahr?

Sicherlich wird, was wir in der vorliegenden Ausgabe wieder lesen und prüfen können, viele Anregungen geben, endlich innezuhalten und gemäß Apg. 17:11 zu überprüfen, um am Ende einen Weg als freie Christen zu beschreiten. Eine andere Glaubensalternative gibt es kaum. Denn die Zeit ist herbeigekommen.
Herzliche Grüße in christlicher Verbundenheit von allen Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen und Mitverbundenen
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65 Gera, Otto-Dix-Straße 6. Preis: M 0, 20. Jahresabonnement M 2.-. Versand auch kostenlos.
Konto-Nr.: 4564-30-1952 Bank für Handel und Gewerbe

A6018/79 V 7 1 152

  ZurIndexseite