Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
- 1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR
DIE MISSION VON CV
ist Wegbereitung und Auferbauung im Glauben in christlicher und sozialer
Mitverantwortung und tätiger Nächstenliebe hier und heute. Dies erfolgt in besonderem
Hinblick auf die von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), USA, geleiteten Gemeinschaft der
Zeugen Jehovas und ihrer haltlosen Weltendeverkündigung. Diese Mission geht aus von
Tradition und Bedeutung der internationalen Bibelforscherbewegung und dient der
Hinführung in die Nachfolge Jesu, der Bildung und Tätigkeit freier christlicher
Gemeinden sowie christlicher und mitmenschlicher Verständigung und aktueller Information.
Wir rufen zur Mitarbeit
Nr. 112 Gera November 1978
VERMEHRTES CHRISTLICHES UNTERSCHEIDUNGSVERMÖGEN
ANWENDEN
Unser Bruder in Bad Doberan hatte genau dieses Problem
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern
"Goldene Apfel in silbernen Schalen ist ein Wort, gesprochen zu
rechter Zeit", Spr. 25:11. Es ist so, daß die Zeit herbeigekommen ist, Jehovas
Zeugen wegen ihrer Tätigkeit unter ihren Mitmenschen kritisch anzusprechen. Eigentlich
dürfte ein Christ gar nichts dagegen haben, sich infrage stellen zu lassen, "ob sich
die Sache so verhalte", Apg. 17:11. Sondern er sollte bereit sein, sich "gegen
jedermann zu verantworten", der Rechenschaft fordert in dem, was er als Christ tut.
1. Petr. 3:15. Ja, so sollte es sein. Aber ist es so? Wenn man wirklich "in der
Wahrheit" ist, könnte einem doch eigentlich gar nichts passieren, nicht wahr? Und
schließlich fordert es die Schrift ja, und nicht bloß mit Bezug auf die anderen. Sicher
sind wir uns bis hierhin einig.
Es geschieht auf dieser schriftgemäßen Grundlage, was in CV dargelegt wird, die kritische Beleuchtung der WTG vor Jehovas Zeugen. Doch da sind wir schon mitten in der Problematik. Für die WTG ist es selbstverständlich, die Zeugen anzuspornen, zu ermahnen, zu warnen, zu kritisieren, zurechtzuweisen und sie anzuweisen, was sie zu tun und zu lassen haben. Mit Bezug auf sich selbst duldet sie das jedoch von niemandem. "Der Wille des Sklaven ist der Wille Gottes", verlangt sie anzuerkennen (WT 1. Aug. 1956, S. 474). An diesem Grundsatz läßt sie bis heute nicht rütteln. Ist das nicht der Anspruch von Gottgleichheit? Darum wird in CV davon ausgegangen, daß die WTG die Schrift in ihre Verfügungsgewalt genommen hat und sie es ist, die bestimmt, was wie, wann und wo daraus zu entnehmen und zu predigen oder anzuwenden ist. Diese Position von CV richtet sich weder gegen Gott, Christus, die Bibel und den Glauben und somit noch primär gegen Jehovas Zeugen. Dies zu unterscheiden, ist offensichtlich das Schwierigste zunächst. So reagierte unser Bruder in Bad Doberan, von dem wir in dieser CV-Ausgabe berichten auf die Kritik an der WTG ohne Zweifel aufrichtig mit dem Ausbruch: "Ich lasse mir meinen Glauben nicht nehmen." Mit dem Glauben an die WTG schien ihm der Glaube an Gott zu fallen.
Dabei muß doch aber jedermann zugeben, daß es auch
außerhalb des WTG-Bereichs Glauben an Gott gibt.
So wird aus guten Gründen zwischen der WTG bzw. dem WT und Gott
unterschieden. Nie war der Wille der WTG gleich dem Willen Gottes. Da hätte sich Gott mit
der hundertjährigen WTG-Geschichte ja ein furchtbares Kapitel an Umdeutungen und ihren
Opfern aufgeladen. Wenn in CV gesagt wird, WTG, WT oder JZ, dann sollte das niemanden
stören. Solche praktischen Abkürzungen stammen von der WTG selbst, wie doch jeder weiß.
Nicht Jehovas Zeugen sind letztlich verantwortlich oder hauptverantwortlich für das, was
sie unter den Menschen predigen. Die WTG ist für diese "Speise"
hauptverantwortlich. Das ist unser Hauptgesichtspunkt. Kein Zeuge Jehovas braucht sich
getroffen zu fühlen, es ist am "Sklaven", an der WTG, zu antworten. Jehovas
Zeugen sollten sich allein fragen, wie und ob sie es angesichts der über die WTG offenbar
werdenden Tatsachen weiter verantworten wollen, der WTG bedenkenlos zu folgen. Alles in CV
möchte und muß mit Hauptbezug auf die WTG verstanden werden.
Der Apostel Paulus fürchtete die schriftgemäße
Kritik nicht, er stellte sich ihr offen und forderte sie. Apg. 17:11. Wer wollte heute
mehr sein, als die Apostel? So kann jeder wirklich guten Gewissens zustimmen, wenn wir
immer und immer wieder die Forderung der Schrift auch gegen die WTG erheben.
"Vergewissert euch über alle Dinge,
haltet fest an dem, was recht ist"
1. Thess. 5:21 NW
Eure Mitbrüder
CV-Redaktion
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Wir lesen heute
WTG-Kongresse 1978
"Schau nicht hinter dich und steh nicht still"
Wohin sollen sie jetzt führen?
Gruppendiener Gotthold Härdi, Wildegg:
"Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen" der WTG -
Andere Schriften ungelesen vernichten, für Kritik taube Ohren, vermehrte
Tätigkeit, vermehrtes WT-Studium
Bad Doberan im Juni 1978
CV untersucht WTG-Ausschlußverfahren wegen "Götzendienst" und
"Neutralitätsverletzung" Verantwortlicher Aufseher steht Rede und Antwort
Ein Mensch, den man nicht vergißt
Kreisdiener Heinrich Ditschi - ein aufrechter Verteidiger christlichen
Glaubens (3)
VIII. Pädagogischer Kongreß der DDR
Für Jehovas Zeugen im Referat des Ministers für Volksbildung gelesen
Für alle, die Verantwortung für Kinder haben
Schlüsselfrage der Kongresse 1978
Wie lange noch? Vertrauen zur WTG schwer erschüttert
Fragen über Fragen!
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"SCHAU NICHT HINTER DICH UND STEH NICHT STILL"
WTG-Kongresse 1978
Wohin sollen sie jetzt führen?
Schon äußerlich fällt eine Menge ins Auge
"Siegreicher Glaube", hieß das Kongreß-Motto im 3. Jahr noch
dem falschen WT-Weltende von 1975. Dieses Motto war wohl der genialste Einfall, die schon
über 100 Jahre währende Nichterfüllung einer Endzeit nach der anderen in lauter Siege
umzukehren. Bunte Plastikbeutel mit dem Kongreßmotto, bunte Kongreß-Programme, ein
neuartiges WTG-Kinderbuch mit vielen bunten Bildern und auch Kongreß-Lesezeichen mit dem
kommunalpolitischen Zeichen z. B. der Stadt Düsseldorf, dem Wappen, veranschaulichen das
Ausnutzen modernster Propaganda- und Werbemethoden. Das Kongreßmotto schwebte an einem
riesigen aufgehängten Ballon über den Köpfen im Stadion, alle zwingend, unter diesem
umwerfenden Motto nach "oben" zu schauen. Auch sehr gut berechnet, muß man
schon sagen.
Das neue Buch: Über das Familienleben
Ein bekannter Gegenstand, nur in neuem Gewande. Eine Zusammentragung
dessen, was seit Jahr und Tag dazu gesagt wird. Insofern nichts Neues, was die Thematik
betrifft. Und doch etwas Neues! Die WTG weiß, daß ihre erneute endzeitliche
Unglaubwürdigkeit mit 1975 keineswegs überwunden ist, und daß diese Unglaubwürdigkeit
für sie tödliche Folgen haben kann, wo sie zum Bewußtsein kommt. Um das zu verdrängen,
kommt sie nun mit einem Angebot, das man zunächst schwerlich zurückweisen kann, das
zunächst jeden interessiert: Wie man das Familienleben glücklich gestalten kann. Bis ins
Intimleben hinein reicht das so dargebotene Glücksrezept. Jede Endzeitorientierung ist
dabei weit weggeschoben, wieder bis an den Horizont. Mit diesem Familienthema will sich
die WTG jetzt tief in die persönlichen und familiären Bedürfnisse und Angelegenheiten
eines jeden einschalten und durch praktischen Rat unbemerkt unentbehrlich machen, völlig
ungetrübt von ihrer endzeitlichen Unglaubwürdigkeit. Gerade diese gilt es jetzt mit
allen Mitteln zu verdrängen und aus der Erinnerung zu schaffen! So packt sie jeden hei
seinen ureigensten Familieninteressen.
Wie mit wohlschmeckenden Süßigkeiten und vitaminreichen Stärkungsmitteln werden alle weiter auf den Weg geschickt, in eine neue, wieder als endzeitlich ausgegebene Zeit und Generation hinein. Dies weil die alte Generation systematisch damit vertraut gemacht wird, daß sie zu "vergehen" habe. Die ersten Christen wären ja auch alle dahingestorben. Den Neuen und Jungen dagegen, die die WTG für ihr Weitermachen braucht, wird eifrig mit allerbestem Familienrat zur Seite gestanden, bis zum Erwachsenwerden ihrer heutigen kleinen Kinder!
Wenn man dieses In-den-Vordergrund-Stellen von Familienfreundlichkeit vor dem Hintergrund der erst gerade wieder mit 1975 als völlig haltlos erwiesenen Endzeitverkündigung sieht, muß die Sache beim Namen genannt werden. Es ist der übelste und infamste Bibelmißbrauch und Betrug im Namen Gottes und Christi an denen, die im Dienst der WTG jetzt alt und grau geworden sind unter dem WTG-Versprechen, sie würden "nicht vergehen"! Oder ist das etwa nicht unter Berufung auf Gott und Christus versprochen worden? Wer da meint, man sollte mit dem Hinweisen auf die haltlose Endzeitverkündigung der WTG Schluß machen, man solle der WTG das gleichsam verzeihen, - und die WTG drängt mit aller Macht darauf, daß niemand mehr von ihrer falschen Endzeitprophetie spricht - verhilft einem falschen Propheten dazu, die nächste Generation Argloser mit süßer Rede einzufangen, jetzt mit "allerbestem Rat für das ganze Familienleben".
Zugegeben, dieser Rat ist an sich nicht schlecht, ja er ist an sich sogar ausgezeichnet! Die Millionen Argloser aber, denen die WTG seit 1914 gepredigt hat, sie würden "niemals sterben", und die man nun betrogen "vergehen" läßt, einsam und innerlich verzweifelt, weil sie in ihrem hohen Alter und in ihrer Gebrechlichkeit nicht mehr in der Lage sind, der WTG diesen Betrug vorzuhalten, diese Millionen Betrogener verlangen, daß man das jetzige Vorgehen der WTG als das charakterisiert, was es ist! Eine weitere endzeitliche Irreführung hinter Verschiebung scheinbar edelster familienfreundlicher Absichten! Die Millionen, die sie dafür endzeitlich betrogen "vergehen" ließ und immer wieder "vergehen" läßt, haben keinen Fürsprecher mehr. Könnten sie sich noch einmal erheben, sie würden mit ihrer Anklage gegen die WTG deren 1978 reuelos aufgepflanztes Panier "Siegreicher Glaube" entlarven als die verlogenste Übertünchung eines endzeitlichen Betrugs an Generationen arglos und aufrichtig Glaubender! Sie würden diese WTG-Taktik jetzt noch 1975 entlarven als die täuschendste psychologische Kriegführung zur Entwaffnung und Niederschlagung jeder sich erhebenden Kritik.
In der Tat, nichts gegen guten Familienrat, der übrigens nicht das alleinige Vorrecht der WTG ist. Auch woanders fördert man das gute Familienleben. Deswegen muß man nicht unter die WTG. Es geht allein darum: Bis zum heutigen Tag war die gesamte von der WTG gebotene christliche Auferbauung nur das Mittel, Generation um Generation unter einer falschen Endzeitfahne zusammenzuhalten, wie sich 1975 wieder erwiesen hat. Oder ist die WTG vor 100 Jahren etwa nur angetreten, um christliche Erbauung für Heim und Familie zu bieten? Nein! Sie ist angetreten mit dem Anspruch, eine Endzeit zu verkündigen, die binnen einer Generation eintritt, von der Millionen niemals mehr sterben sollten! Und die nun fast alle betrogen ins Grab gesunken sind.
So dient das neue Familienbuch der WTG von 1978 nur
vordergründig christlicher Auferbauung in Heim und Familie. Hintergründig verfolgt es
den Zweck, dazu beizutragen, von der die WTG in ihren eigenen Reihen schwer zu schaffen
machenden endzeitlichen Unglaubwürdigkeit gänzlich wieder abzulenken, für weitere Jahre
und Jahrzehnte.
In Düsseldorf war es WTG-Aufseher H. Geister
Ein in sich abgestimmtes Kongreßprogramm sorgte für die allseitige
Unterstützung der WTG-Absicht, von ihrer eigenen Unglaubwürdigkeit abzulenken und alle
zum erneuten Weitermachen zusammenzuhalten. Unter Verantwortung von WTG-Aufseher H.
Geisler (Kongreß Düsseldorf) wurde dazu das Drama "Schau nicht hinter dich und steh
nicht still" aufgeführt. Diese Brüder müssen sich ernstlich fragen lassen, ob sie
nicht wissen, was sie tun, wenn sie vor dem Hintergrund der falschen
WTG-Weltendeverkündigung die Verkündiger unter dem Motto vorwärtstreiben, "schau
nicht hinter dich"? Wahrlich, wahrlich, es ist alles wohldurchdacht, zu verhindern,
daß sich jemand eine Übersicht über die wirkliche Vergangenheit der WTG verschafft,
woraus allein erkannt werden kann, was in Gegenwart und Zukunft von ihr zu halten ist. So
schließt sich der Kreis, um alle weiter in ihrer Arglosigkeit unter der WTG festzuhalten
und zu führen wie, wohin und wielange die WTG will.
F. F.
"Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen" der WTG:
ANDERE SCHRIFTEN UNGELESEN VERNICHTEN, FÜR KRITIK TAUBE OHREN, VERMEHRTE
TÄTIGKEIT VERMEHRTES WT-STUDIUM
Gruppendiener Gotthold Härdi
Kurz vor der Vollendung der "theokratischen" Ordnung in der
Organisation und dem Abschluß der Liquidierung des Ältestenamtes im Jahre 1938 nahm die
Kritik und Opposition verständlicherweise noch einmal große Ausmaße an. Die WTG war
nicht mehr imstande, sie einfach zu ignorieren. Es gärte in allen Gruppen. In dieser Zeit
inspirierte sie in den Gruppen folgende "Resolutionen" zur Niederschlagung
jeglicher Kritik:
"Entschiedene Stellungnahme!
R e s o l u t i o n
Da wir, die Gruppe Wildegg, den verabscheuungswürdigen Angriffen des
Feindes durch den von uns als Bruder Emil K u s t e r bekannten zu trotzen haben,
beherzigen wir folgende Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, so wie sie von einer Gruppe der
Zeugen Jehovas in Kanada empfohlen werden:
1.) Vermehrte Tätigkeit und vermehrtes Interesse am Werke des Herrn,
besonders am nun beginnenden "befremdenden Werke" im Felddienst und auch an den
Studien des "Wachtturms" und anderer Schriften der Watch Tower Bible and Tract
Society.
2.) Vernichtung irgendwelcher uns durch die Post oder sonstwie zukommenden
Schriften, ohne sie vorher gelesen zu haben.
3.) Wer unter uns den Wunsch offenbart, über diese Handlungsweise hin und
her zu streiten, soll taube Ohren finden. Dieser Beschluß wurde von unserer Gruppe heute
abend einstimmig angenommen.
Der Gruppendiener: Gotthold Härdi
Wildegg, den 12. September 1937."
(Der Wachtturm, 15. Oktober 1937, S. 320, Bern)
Ist es heute anders? Die WTG verlangte allen Ernstes, sich selbst das Rückgrat zu brechen und sich selbst zu entmündigen, sich selbst die Ohren zuzustopfen. Mit unglaublichen Diffamierungen, Verleumdungen und Schmähungen wurden damals die Ältesten verjagt: "Stößige, rücksichtslose, hochnäsige und riechende Böcke" (Rechtfertigung ll, S. 239-41, WTG 1932). Und alle machten mit! Millionenfach schmähten sie ihre einstigen Brüder mit diesen Büchern sogar in der Öffentlichkeit.
Wenn du der WTG nicht glaubst, aber darüber schweigst,
wird man dir nichts tun. Doch wehe dir, wenn du gegen sie den Mund aufmachst! Dann
schlägt dir als "verabscheuungswürdigen Feind" ein Haß entgegen, der dich
rücksichtslos in den Kot tritt. Nur zu oft hat das Erfolg.
Der dänische Theologe Johannes Aagaard, Professor für Missiologie an der
Universität in Aarhus, sagte mit Bezug auf einige religiöse Bewegungen, daß sie
"allergisch und sehr scharf auf Kritik reagieren", das habe zur Folge, daß ihre
Kritiker dann "rasch und ohne Gegenwehr zusammenbrechen" (LWB-Pressedienst
2/78). Andere würden die Methode anwenden, "das Vorleben der Kritiker auszuforschen,
denn überall finden sich Blut, Sex und Verbrechen". Damit die Presse füttern und
Schlagzeilen machen würde sie unverzüglich zum Schweigen bringen. (Nach Wirtschaftswoche
Nr. 26, 23. 6. 78, Frankfurt/M.) - Nun ganz so stimmt es nicht. Aber die WTG-Methode, wie
die Altesten in den dreißiger Jahren verjagt wurden, die Schmähungen, die sie weltweit
verbreiten ließ, liegen ziemlich auf dieser Linie.
Es ist heute nicht anders, als damals: Jede kritische Schrift über die WTG ungelesen vernichten, vor jedem Protest die Ohren zustopfen und die Kritiker mit allen greifbaren "Argumenten" religiös und politisch diffamieren, verleumden und in den stinkenden Schmutz treten. Wie die Praxis zeigt, schrecken viele vor keiner schmähenden Verteufelung zurück. Nur: CV ist keineswegs "rasch und ohne Gegenwehr zusammengebrochen". In christlicher Verantwortung werden Jehovas Zeugen als Brüder und Schwestern betrachtet, denen vielmehr geholfen werden muß. Auch ist inzwischen das Gegenteil von dem eingetreten, was die WTG möchte: CV wird zunehmend gelesen und weiterverbreitet. Die falsche WTG-Weltendeprophetie von 1975 hat eine tiefe Beunruhigung über die weitere Glaubwürdigkeit der WTG hervorgerufen, die durch die Vernichtungspolitik der WTG gegen CV nur noch verstärkt wird. -
Für die WTG gibt es nur eine Möglichkeit
Wie die Vernichtungsanweisungen aus den 30er Jahren beweisen, hat die WTG
sich nie auf ein ehrliches und offenes Austragen anstehender Fragen an sie eingelassen. Es
ist eine Zumutung an erwachsene Menschen, noch dazu mündige Christen, ernstlich an sie
gerichtete Mahnungen und Hinweise einfach ungelesen vernichten zu sollen. Wer so etwas
verlangt, um den muß es schlimmer als schlimm stehen. Doch das ist die einzige der WTG
verbleibende Waffe. Es sei offen gesagt: Es gehörten damals Nerven dazu, nicht vor den
WT-Verleumdungen wie "hochnäsige, riechende Böcke", die sie rücksichtslos in
der Öffentlichkeit verbreiten ließ, zurückzuweichen. Hochachtung vor dem Glaubensmut
jener, die davor nicht "rasch und ohne Gegenwehr zusammenbrachen". Und es ist
heute auch darin nicht anders: Die WTG kann und wird sich auf keine Diskussion ihrer
erwiesenen falschen Prophezeiungen einlassen. Sie wird all dies unterdrücken. Sie wird
davon ablenken. Sie wird gegebenenfalls vielmehr dazu übergehen, anstatt auf die
anstehenden Fragen ehrlich zu antworten, ihre Kritiker auch heute mit den schärfsten
Verleumdungen "fertigzumachen". Wozu die WTG fähig ist, zeigen ihre
Schmähungen aus den 30er Jahren mit erschreckender Deutlichkeit.
Wenn sie in den 30 Jahren die "Argumente" aus der Gosse holte, um ihre Kritiker als "stinkende Böcke" zu isolieren, daß jeder einen weiten Bogen um sie macht und so gar nicht erst in ein Gespräch mit ihnen kommen kann, so greift sie heute ins feindseligste politische Arsenal, die Maske der Neutralität fallen lassend: "Judas- und Verräterklasse im Dienste des Staates" und "Werkzeuge des kommunistischen Feindes". Aber auch die Gosse wird wieder zitiert: "Unmoralische Beziehungen", und auch sexuell wird aufgepeitscht: "Sie gehen mit Gotteshassern ins Bett" (WT 1. 3. 74). Es gibt gar keinen Grund, diese Dinge, diese Methoden der WTG nicht beim Namen zu nennen! Nach wie vor hat die WTG nichts anderes im Sinn. Sie zieht ihrem bankrotten Antikommunismus nur einen Schafpelz über, um andere einzulullen. So spricht sie auch 1978 verächtlich und feindselig nur von "revolutionären Umtrieben", an denen sich keine beteiligen dürfe (Kongreßbroschüre JZ im zwanzigsten Jahrhundert). Halunken, Verbrecher, Raudies und Vagabunden begehen Umtriebe. So setzt sie ihre Politik unchristlicher Schmähungen fort. Siehe Titus 3:2.
Wer wagt es irgendwo in der Welt - ja, so kann man
fragen - diese Dinge beim Namen zu nennen? Nur in CV wird das gewagt! Nur in CV wird die
WTG auch auf ihre psychologische, soziale bzw. soziologische und politische Bedeutung hin
überprüft, untersucht und kritisch befragt. Nur in CV wurde und wird ihre Rolle, den
christlichen Glauben politisch einzusetzen und Revolution und Kommunismus mit zu
bekämpfen, aufgedeckt. Du magst dies erkennen. Aber wehe dir, wenn du dies aussprichst,
um deine Glaubensgeschwister darauf aufmerksam zu machen, weil sie sich doch ebenfalls
ursprünglich keinem politischen Kampf hingegeben haben! Dann wird die WTG alles
versuchen, um dich "rasch und ohne Gegenwehr zusammenbrechen" zu lassen! Dann
ist ihr keine Verleumdung, Diffamierung und Schmähung scharf genug, wodurch aber nur
offenbar wird, von welch politischem Haß, von welch antikommunistischer Staatsfeindschaft
sie in politischer Hinsicht bis heute geprägt ist.
Jehovas Zeugen aber soll geholfen werden. Die WTG jedoch müßte sich in
ihrem Wesen ändern, in ihrer politischen Zielsetzung, die sie ihrem Predigtwerk gegeben
hat.
K. O.
Bad Doberan im Juni 1978
CV UNTERSUCHT WTG-AUSSCHLUSSVERFAHREN WEGEN "GÖTZENDIENST" UND
"NEUTRALITATSVERLETZUNG
Verantwortlicher Aufseher steht Rede und Antwort
Eine ausgestreckte Hand geboten
Christus lehrt das Bild des guten Hirten. Sollte dies nicht unser Maßstab
sein? "Wer immer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, straucheln macht,
für den ist es nützlicher, daß ihm ein Mühlstein, wie er von einem Esel gedreht, um
den Hals gehängt und er ins weite, offene Meer versenkt werde". Matth. 18:6. So
steht für Christus selbst der Geringste absolut im Vordergrund. Nicht eine anonyme Menge,
sondern der Einzelne, und wenn er der Kleinste ist, das ist sein Maßstab.
Die WT-Organisation hat dies alles nur auf den Lippen. Ihre Diener oder Aufseher haben in Wirklichkeit ganz andere Grundsätze durchzusetzen, für die der einzelne, der Mensch selbst, letztlich überhaupt nichts gilt, über den man erbarmungslos hinweggeht: "Es mögen Dinge in der Organisation geschehen, die wir nicht verstehen. Die Diener mögen einer Handlungsweise folgen, die wir als unrichtig erachten. Deswegen Kritik zu üben, würde eine unvernünftige Haltung verraten" (WT 1. Juli 1957, 5. 412). 1974 kleidete man diesen Organisationsgrundsatz in folgende Worte: "Vergessen wir auch nicht, daß sich Jehovas Organisation nicht ändert, um sich einzelnen Personen anzupassen" (WT 1. Okt. 1974, S. 605). Und nachdem nun nach der falschen Weltendeprophetie von 1975 das ganze Glaubensgebäude wieder in die nächste Generation verschoben werden und "dieser Generation" ebenfalls ihr "Vergehen" beigebracht werden muß, kündigt die WTG mit der Bemerkung: "Wir werden durch neue und fortschreitende Offenbarungen der Wahrheit bereichert" (VI/78), ein erbarmungsloser Straucheln aller an, die ihre alten "Offenbarungen" für bare Münze genommen haben.
Es kann nicht verschwiegen werden: Ob Versammlungs-, Kreis-, Bezirks- oder Landesaufseher usw., wer diesen WT-Grundsätzen dient, dient in Wirklichkeit nicht Christus, sondern erbarmungslosen Organisationsinteressen, denen jeder geopfert wird, der sich ihnen nicht beugt. Der Verschleiß geht in die Hunderttausende! Unter Zurechtbiegung der Bibel, wie man es brauchte.
Auch dies sollte beim Namen genannt werden: Die "Hirten" ließen das einzelne "Schaf" gegebenenfalls erbarmungslos für die Organisationsinteressen ins Feuer gehen, während sie von der WTG hinter "Brandmauern", Tarnbezeichnungen und Nummern versteckt wurden, damit sie es nicht verantworten müßten. Ja, bedenkenlos opfern sie jede Einzelperson, wenn es die Organisation fordert. "Du hast Götzendienst getrieben, den die Organisation nicht dulden kann", hieß es in Bad Doberon, obwohl Christus solchen "Götzendienst" überhaupt nicht verurteilte, ja nicht einmal erwähnte, wie wir sehen werden. Erfindet die Organisation morgen das Gegenteil von dem, was heute gilt, dann wird mit einer wieder anders herumgedrehten Bibel niedergeschlagen, wen die Organisation gekennzeichnet hat. Sie dienen Gott und Christus nur so, wie die Organisation es jeweils fordert. So sind sie in erster Linie Werkzeuge der Organisation und ihrer jeweiligen Bibelauslegung im Namen Gottes, den sie für alles herhalten lassen.
Wie es Schwester Josy Doyon "unten" in der Organisation erlebte und in einem mutigen Buch über die WTG 1966 in der Schweiz und in der BRD zum Ausdruck brachte: "Hirten ohne Erbarmen". Dennoch, auch diese Darlegungen sind eine solchen hinter "Brandmauern" zwecklos versteckten "Hirten" entgegengestreckte Hand. Es ist für niemanden zu spät.
Die CV-Vertreter wurden höflich empfangen
Die Frau unseres Bruders Martin F. öffnete. Dann kam er auch selbst. Der
Empfang war höflich. Die Besucher konnten im Wohnzimmer Platz nehmen. Man kannte sich zum
Teil. Was mag unser Bruder gedacht haben, als er vor sich sah, den er ausgeschlossen
hatte? Es erfolgte dann eine pers5nliche Vorstellung. Hin und wieder schaute die Frau
durch die leicht geöffnete Nebenzimmertür. Schwestern sind bekanntlich in den
entscheidenden Organisationsfragen völlig entrechtet und entmündigt, nur "die
Brüder" handhaben das. Was wollten sie von ihrem Mann? Was war damals geschehen? Es
begann alles höflich und voller Gesprächsbereitschaft. Nun stand Bruder Martin selbst
vor einem Komitee. Und es begann.
Wissen sie überhaupt, was sie tun?
Bruder V. fragte zunächst, ob er den vollzogenen Ausschluß weiter für
richtig und die Gründe dafür aufrechterhalte. Unser Bruder: Es gebe für ihn keinen
Anlaß oder Grund, etwas zurückzunehmen. So wurde er nun aufgefordert, hier vor den
anderen Brüdern von CV die Gründe im einzelnen zu wiederholen, damit sie sich zunächst
ein Bild machen können. "Du hast Götzendienst getrieben, den die Organisation nicht
dulden kann!", sagte er, sich aufrichtend. Ja, das sind die Richter der Organisation!
Sein politisches Urteil wegen "Neutralitätsverletzung" und sein Rebellenurteil
wegen Auflehnung gegen die 1975-Irrlehre verschwieg er zunächst.
Während er so seine WTG-Richterfunktion demonstrierte
und man ihn dabei betrachtete, kommen die Gedanken. Sie seien hier letztlich zu seiner
Hilfe ausgesprochen. Der WTG-Ausschluß kommt schließlich dem "Abschneiden vom
Leben" gleich, eine Art Todesurteil für den Betroffenen schon vor
"Harmagedon". Ehe jemand als Richter über seine Mitmenschen gesetzt wird, muß
er normalerweise ein ausgebildeter Jurist sein. Viele Jahre darf er nur als Beisitzer oder
Schöffe beratend wirken. Menschen verurteilen ist eine der verantwortungsvollsten
Funktionen überhaupt! Und Todesurteile fällen nur oberste Gerichte nach vielen
Berufungsverfahren vielleicht! Hier aber sitzen juristische Dilletanten und "andere
Schafe" nur, die nicht einmal Fußstapfen-Nachfolger Christi sind (Eph. 4:1-6, Gal.
1:6-9, Phil. 3.17-21), und fällen in religiösen und politischen Fragen in bedenkenloser
WT-Hörigkeit geistige Todesurteile! Wie er das in richterlichem Ton hervorstieß:
"Du hast Götzendienst getrieben!". Wenn die WTG ihnen ein Schwert in die Hand
drücken würde - mancher würde eilfertig selbst zum Scharfrichter werden! Sich wie ein
"Richter Israels" aufspielen! In der Tat, zum buchstäblichen Schwertgebrauch in
heutiger Zeit hat die WTG die Zeugen angewiesen: "Sie kämpfen nur, wenn Gott ihnen
dies zu tun gebietet, weil es dann theokratische Kriegführung ist" (WT 15. 3. 1951,
S. 86, Abs. 12).
Wir wollen annehmen, daß unsererh Bruder eine solche Richterfunktion für
die WTG doch zuviel wäre. Dennoch, was die WTG-Organisation anweist, wie fragwürdig das
biblisch auch ist, wird bedenkenlos vollzogen! Laßt uns das nun sehen.
Der Weihnachtsbaum für die Kinder
Auf die Frage, welche Form des "Götzendienstes" Bruder V.
betrieben habe, antwortete unser Bruder, er habe geduldet, daß in der Familie für die
Kinder ein Weihnachtsbaum gemacht wurde. Bekanntlich bekämpft die WTG das Weihnachtsfest
überhaupt als "Götzendienst", und nun hatten sie einen bei Bruder V. für
dessen zwei kleine Jungen entdeckt! Er solle diesen Baum entfernen. Da keiner in der
Familie den Weihnachtsbaum als einen "Götzen" anbetete, entfernte er ihn nicht.
Der Weihnachtsbaum störe den christlichen Glauben nicht, er erinnere vielmehr alle
Menschen an Christus. Das ist nicht schlecht. Doch für die WTG ein todeswürdiges
Verbrechen, in "Harmagedon" zu vollziehen.
Weiß unser "richtender" Bruder nicht, daß die WTG selbst bis in die 30er Jahre hinein Weihnachten feiern ließ. In ihrer Zeitschrift "Das Goldene Zeitalter" Nr. 24 vom 15. Dez. 1925 z. B. ließ sie ein Weihnachtsgedicht drucken, veröffentlichte ein Weihnachtsgemälde "Stille Nacht, heilige Nacht" und Wünschte allen Versammlungen "Gesegnete Weihnachten"! Es war der sich als "Richter Rutherford" titulierende 2. WTG-Präsident J. F, Rutherford, der das alles abschaffte. Da hätte ja die ganze WTG-Organisation der ersten zwei Generationen nur aus lauter Götzendienern bestanden, anstatt aus Christen! Was für Purzelbäume!
Wenn die WTG sagt, "Götzendienst", dann kann die Bibel sagen, was sie will. Denn die WTG hat sich über die Bibel gesetzt und bestimmt, wo, wann und wie sie gilt. So ist es auch mit ihrer Verdammung des Weihnachtsfestes. In der Bibel gibt es kein Verbot des Weihnachtsfestes. Das hat die WTG selbst konstruiert, als sie sich unter J. F. Rutherford damals verstieg zu verkündigen, alle Religion sei Teufelswerk und Dämonismus, sie habe mit Religion nichts zu tun, ihre Tätigkeit sei keine Religion (Buch: "Religion" 1940, Buch: "Theokratische Hilfe für Königreichsverkündiger" 1945/50, S. 303ff). Dieser inzwischen als Irrlehre offenbaren Bibelverdrehung war auch das Weihnachtsfest zum Opfer gefallen. Doch was weiß unser Bruder schon davon! Ihr Wissen über die WTG-Vergangenheit ist ihr erster Dilettantismus. Seinem "Urteil" lag aber nicht nur solches zugrunde. Christus hat zu seiner Zeit an vielen von ihm nicht gestifteten Festen teilgenommen. Da waren zahlreiche jüdische Feste. Auch "weltliche" Feste wie Hochzeiten, er versorgte sie sogar mit alkoholischen Getränken. Das Weihnachtsfest wird nun in Erinnerung an Christus begangen und darüber hinaus auch als Fest des Friedens auf Erden. Wie urteilte Christus selbst über etwas, was in guter Absicht in seinem Namen getan wird? War er in solchen Fällen voll eifernder Intoleranz? Nein. Da kamen einmal seine Jünger und sagten: "Meister, wir haben einen, der nicht mit uns dir nachfolgt, unter Anwendung deines Namens böse Geister austreiben sehen und haben es ihm untersagt." Wie hat Christus sie wegen ihrer Unduldsamkeit zurechtgewiesen! Mark. 9:38-41. Und der Apostel Paulus sagt zu diesem Thema: "Darum soll niemand um Speisen und Getränke willen und in bezug auf Fest- oder Neumondsfeier oder Sabbate absprechende Urteile über euch abgeben". Kol. 2:16. Unser Bruder kennt bestimmt diesen grundsätzlichen Bibelvers. Die WTG verlangt eindeutig das Gegenteil. Dennoch, das WTG-Urteil wird bedenkenlos gefällt. Die Bibel gilt dann einfach nicht!
Unser Bruder kennt auch die Stelle: "Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!" 1. Kor. 4:6. Doch bedenkenlos werden die über das Geschriebene hinausgehenden WTG-Lehren und WTG-Verbote durchgesetzt. Keinem ist etwas von der Schrift zu tun verboten, was an Christus erinnert, ihn ins Gedächtnis ruft, die Menschen mit ihm vertraut macht, seine Verkündigung von Liebe und Frieden unter den Menschen aus der Vergangenheit holt. Die WTG-Verbote gegen die weihnachtliche Erinnerung an Christus und seine Friedensverkündigung sind daher eine die Schrift überschreitende Intoleranz.
Auch die Symbole der jüdischen Tempelfeste, an denen Christus teilnahm, waren z. T. "Heidnischen" Ursprungs, z. B. aus dem Tierkult (1. Kö. 7:29). War das nicht in 2. Mose 20:4 ursprünglich sogar verboten? Selbst was tatsächlich von anderen irgendwelchen Götzen geweiht war, konnten Christen, ohne ihr Gewissen zu belasten, tun! 1. Kor. 10:23-33. Doch es sind WTG-Richter! Für sie gibt es nicht ein sorgfältiges Prüfen der Schrift und ihrer Aussagen, das A und O ist für sie: "Die Organisation sagt!" Der einzelne mag sich auf die Schrift berufen wie er will.
Lieber Bruder Martin!
Ihr beiden Lieben habt selbst 5 kleine Kinder. Ist denn das Beschenken an
den Weihnachtstagen etwas Böses? Stiftet das nicht viel mehr im Kleinen wie auch im
Großen vielen Frieden in vielen Familien? Und wenn das in Christi Namen geschieht. Ist
das dann nicht noch viel besser? Für eure Kinder soll es Weihnachtsfeste nicht geben. Sie
drücken sich vielleicht die Nase platt an manchem Schaufenster und blicken traurig zu den
anderen Kindern, wenn sie strahlend ihre Geschenke zeigen oder von ihnen begeistert
erzählen. Ihr aber habt eine theokratische harte Stirn. Was viele Zeugen-Muttis wirklich
machen, wenn ihre Kinder dahocken sollen wie an jedem anderen Tag und es einem
Mutterherzen wehtut - nur zu viele unterlaufen auch das von der WTG verbotene
Geburtstagsfest auf mannigfaltige Weise. Die WTG hat jahrzehntelang keine über die
Schrift hinausgehenden Verdammungsurteile über das Weihnachtsfest konstruiert. Erst dem
Produzenten größter WTG-Irrlehren, J. F. Rutherford, von dem man jetzt nach und nach
wieder abrückt, hat Gott das angeblich offenbart! Hört doch auf, bedenkenlose Verfechter
der sich windenden WTG zu sein! Eure Kinder werden heranwachsen, selbst urteilen lernen
und mündig werden und euch eines Tages verurteilen, u. a. auch deswegen, weil ihr ihnen
in eurer bedenkenlosen WTG-Hörigkeit selbst harmlose Kinderfreuden verteufelt habt, die
letztlich eher der Erhaltung des Christentums und des christlichen Glaubens dienlich sind.
Und schließlich ist es etwas Ungeheuerliches, sich
gestützt auf die fragwürdigen WTG-Bibeldeutungen als "Richter" über andere
Familien herzumachen, ihnen die WTG-Ketzerhüte aufzusetzen und ihren geistigen
Scheiterhaufen zu errichten. Christlich alles völlig unhaltbar. Eine groteske Paarung von
WTG-Hörigkeit, Dilettantismus, Naivität, Oberflächlichkeit, Irrtum - eine riesengroße
Tragik, weil sie meinen, Gottesurteile über andere zu fällen. In Wirklichkeit dienen sie
nur einem sich christlich gebärdeten Moloch, der den einzelnen bedenkenlos seinen
Organisationsinteressen opfert. Sollen die Hunderttausende dieser Opfer erst
aufmarschieren?
In der Weihnachtsfrage war die Rechtfertigung des Ausschusses noch recht
WTG-bewußt. Bereitwillig beantwortete unser Bruder auch die nächste CV-Fragestellung.
Das Kind raus aus der Pionier-Organisation!
Ist das Pionierhalstuch für die WTG ein Gegenstand des
"Götzendienstes", so ist die Zugehörigkeit des Kindes eines WT-Zeugen zur
Pionier-Organisation in der Schule Grund genug zu einem politischem Verdammungsurteil
über die Familie nach dem WTG-Slogan der "Neutralitätsverletzung". Eine der
feindseligsten und haßerfüllten antikomrnunistischen Sanktionen der WTG. Es ist dies ein
Bereich, der unabänderlich die Grundsatzentscheidung herbeiführt: WTG ja oder nein. Es
ist zugleich der Bereich, in dem aber auch die antikommunistische
Gesellschaftsfeindlichkeit der WTG bis in ihre Wurzeln sichtbar wird, eine
Gesellschaftsfeindlichkeit, die schon tief mit aller väterlichen und mütterlichen
Autorität in die Herzen der Kinder gepflanzt wird, so daß auch die ganzen Jahre der
Schule oftmals daran nichts mehr ändern.
Wie schon gesagt, hat Bruder V. zwei Jungen. Eines
Tages kam der eine aus der Schule mit einem Pioniertuch um den Hals heim und wurde
ausgerechnet von WT-Zeugen damit gesehen! Das war Alarmstufe Eins! Nun braute sich auch
das politische Gewitter zusammen!
Die WT-Zeugen halten sich für politisch neutral. So wird es ihnen
jedenfalls von der WTG seit Jahr und Tag eingeredet. Dazu sei zuvor ein Wort des
verstorbenen Präsidenten der Christlichen Friedens-Konferenz (CFK) Prof. Dr. Josef
Hromadka, Prag, zitiert: "Am stärksten politisiert sind gerade jene Personen oder
Gruppen, die nicht aufhören zu erklären, daß sie mit Politik nichts gemein haben und
daß der Christ unpolitisch sein soll. Ich war gerade als gläubiger Christ verblüfft,
als ich bei Menschen, die sich in ihre Gemeinden und in ihr persönliches Glaubensleben
zurückzogen, festgestellt habe, wie viele politische Vorurteile sie hatten" (III.
CFK-Tagung).
Das Kind raus aus der Pionier-Organisation! Bruder V. muß in die Schule
zur Lehrerin gehen und das durchsetzen, war die Forderung der WTG. Nun brach es auch
politisch auf!
Fortsetzung folgt
EIN MANN DEN MAN NICHT VERGISST
Kreisdiener Heinrich Ditschi - ein aufrechter Verteidiger christlichen
Glaubens (3)
Wie ein Interessierter inmitten der Zuhörer
Mit Heinrich Ditschi zusammen in den Dienst! Ein erregender, ein
elektronischer Gedanke! Ja, ich fieberte der Ankunft des Kreisdieners entgegen.
Und dann war es soweit: Im gemieteten Saal der Gaststätte Kaiser,
Velbert, Ecke Neustraße-Schloßstraße (einen eigenen Königreichssaal konnte die
Versammlung sich noch nicht leisten, sie zählte damals nur 30 Verkündiger) war derjenige
Mensch unter uns, dem fast alle eine beinahe fanatische Verehrung entgegenbrachten. Wie
beliebt der Kreisdiener war, zeigte sich daran, daß großer Anhang von Mettmann
erschienen war, um auf diese Weise einen der hervorragenden Diener der WTG ein zweites Mal
in einer Kreisdienerwoche zu erleben. Heinrich Ditschi war früher erschienen als alle
Versammlungsangehörigen, hatte sich ausdrücklich vom Gruppendiener (heute
Versammlungsdiener bzw. -Aufseher) nicht vorstellen lassen und saß während des Ablaufs
des Programms wie ein eingeladener Neuinteressierter inmitten der Anwesenden. Das war auch
so ein Einfall von ihm und typisch für diesen Diener. Er ließ sich nichts einreden, oder
schon "vorher" Negatives berichten. Er wollte unbeeinflußt bleiben und
unbemerkt persönliche Eindrücke sammeln. Bis auf wenige, Die ihn schon vorher kannten,
gelang ihm auch sein Kniff. Die Mehrheit der Versammlung nahm vielmehr an, der Kreisdiener
wäre nicht erschienen, zumal der Gruppendiener das Programm vorgezogene
Predigtdienstschule und Dienstversammlung aus Anlaß des Kreisdienerbesuchs) abrollen
ließ wie immer.
Wahrscheinlich handelte Br. Willi Wittkowski (der Gruppendiener) nach einer Instruktion des Kreisdieners. Ja, auch dieser Einfall, eben seine Art", fiel völlig aus dem Rahmen. Die Handlung befand sich im Widerspruch zu den Weisungen der WTG. Gemäß RTO" (Rat über theokratische Organisation für Jehovas Zeugen) und "Informator" hatte sich der Kreisdiener der Versammlung mit Namen usw. vorzustellen. Er hatte seine Antrittsrede zu halten, die vorher studierte" Verkündigerkartei zu erwähnen und festgestellte Mängel anzusprechen, sodann den Versammlungsablauf zu beachten, um dann nochmals Rat zu erteilen und mit abschließenden Worten das Dienstprogramm zu beenden. Br. Heinrich Ditschi machte das einfach "nachher". An diesem Beispiel zeigt sich ganz deutlich eine seiner vielen "Eigenwilligkeiten" die der WTG so sehr mißfielen.
Christliche Menschenwürde oder bedingungslose
Unterwerfung
Bereits im 1. CV-Artikel über Heinrich Ditschi hatte ich hervorgehoben,
daß er der von der WTG am meisten gerügte Kreisdiener war. Bestanden diese Rügen zu
Recht? Was fand die an diesem hervorragenden Diener so tadelnswert? Dieses: Er entwickelte
"eigene" christliche Gedankengänge. Eine solche Haltung ist in den Augen der
WTG natürlich grundsätzlich verwerflich. Niemand, weder ein Verkündiger, noch ein
Kreis-, Bezirks- oder Zweigdiener hat eine "eigene christliche Persönlichkeit"
zu entwickeln. Die Glieder der Organisation haben eine Nummer zu sein, keine christliche
Person. Das Recht jeglicher Entwicklung hat die WTG für sich allein gepachtet. Und was zu
entwickeln ist, bestimmt nur sie, selbst bis in den letzten persönlichen Bereich jedes
Gliedes der Organisation. Dieses "Recht" der WTG macht selbst vor dem
Schlafzimmer der Zeugen Jehovas nicht halt.
Nichts, aber auch gar nichts bleibt von der Würde des Menschen und vom p e r s ö n l i c h e n Verhältnis zu Gott übrig, obwohl man gerade auf Weisung der WTG beim "Gimpelfang-Feldzug" jedem Interessierten und Neuling dieses Recht garantiert. So sehen die Einflüsterungen aus: Mit deiner Hingabe an Jehova Gott und Christus Jesus, symbolisiert durch die Taufe (gänzliche Untertauchung im Wasser), hast du ein persönliches Verhältnis zu Gott und seinem regierenden (bereits amtierenden!) König hergestellt. I h n e n gehorchst du, nicht dem "Sklaven", der n u r beauftragt ist, "ein Werk" durchzuführen. Jehova Gott ist ein eifernder Gott, der von dir ausschließliche Ergebenheit fordert (womit klar ist, daß im "persönlichen Verhältnis zu Jehova" also die WTG ausgeschlossen ist)! Du hast dem Höchsten gegenüber ein Gelübde abgelegt, das du niemals brechen darfst! Dein Verhältnis zu Jehova ist ein anderes als das deines Bruders! N u r in der Durchführung des "gemeinsamen Werkes" arbeitest du mit Jehovas Organisation zusammen. H i e r muß man Schulter an Schulter kämpfen, denn nur g e m e i n s a m kann das Werk (die Weltende-Verkündigung!) zufriedenstellend vor dem "Abschluß der Dinge" durchgeführt werden.
Was von diesen hohlen Versprechungen übrig bleibt, zeigt sich erst später. Viele merken es kaum, wie auf schleichende Weise Zug um Zug jedes persönliche Recht abgebaut, ja sogar die restlose Hingabe an Jehova (der für sich a u s s c h l i e ß l i c h e Ergebenheit fordert!) in Frage gestellt und in bedingungslose Unterwerfung unter die WTG verdreht wird. So muß man die "Maßregelungen" des Kreisdieners Heinrich Ditschi durch die WTG sehen. Und wenn einem solchen hervorragenden Diener jegliches persönliche Recht abgesprochen wird, was will dann der einfache Verkündiger für sich in Anspruch nehmen?
Wie es zu einer "Rebellion" kam
Im 2. CV-Artikel über Heinrich Ditschi hob ich hervor, daß der
Kreisdiener den Begriff "persönliches Recht" und "persönliches
Verhältnis zu Gott" legalisierte. Er akzeptierte diesen biblischen Begriff, nahm ihn
für sich selbst voll in Anspruch und billigte ihn auch jedem Verkündiger zu. Ja, er
ermunterte jeden einzelnen, eine "persönliche Note" zu entwickeln und diese in
die Verkündigung hineinzutragen. Menschen sind Einzelwesen - so war sein Standpunkt - und
darum kann es kein starres Schema z. B. in den Predigtdienst geben. Wenn alle stur das
Gleiche WTG-buchstabengetreu vortragen, geht das Individuelle, das Eigene, unter. Der
Erfolg liegt weitaus höher, wenn der einzelne Verkündiger nach seiner eigenen Art und
Weise, nach seinen nur ihm von Natur aus gegebenen Fähigkeiten (die ja ganz anders
geartet sind als die seiner Brüder) die vorgeschlagenen (und im Informator vorgedruckten)
Predigten an den Türen usw. zu Gehör bringt.
Er selbst, der Kreisdiener, glaubte damals daran, daß die WTG, zumal es von der Bibel ausdrücklich gefordert wird, solche "persönlichen Komponente", die man im Interesse des Werkes in den Dienst hineinträgt, tolerieren würde. Es kann nicht oft genug betont werden, daß diese sogenannten "Eigenwilligkeiten" ein biblisches Recht darstellen, daß sie ja auch nicht im Widerspruch gegen die WTG, in Opposition oder gar in krasser Auflehnung praktiziert wurden, sondern einzig und allein deshalb, die persönlichen Eigenarten und Stärken besser zur Wirkung zu bringen und dem "gemeinsamen Werk" - letztlich also auch der WTG - zu noch besseren Erfolgen zu verhelfen.
Die Erfolge, die Br. Ditschi erzielte, bestätigen seine Auffassung vom "persönlichen Recht". Auch heute noch nicht kann die WTG bestreiten, daß dieser Bruder Ditschi ihr treu und selbstlos gedient hat. Sie kann nicht bestreiten, daß seine Methoden und "Eigenwilligkeiten" äußerst erfolgreich waren und durchaus ein Bestandteil seines "treuen Dienstes für die WTG". Niemals wollte er gegen sie rebellieren. Er wollte nur seine Persönlichkeit, seine ihm von Gott verliehenen Fähigkeiten ausschöpfen zum Nutzen anderer. Und auch diesen Nutzen, den sie selbst daraus zog, kann die WTG nicht bestreiten. Es gab kaum einen Kreisdiener, der eine derart hohe Quote im Gewinnen Neuer aufzuweisen hatte. Keiner hatte einen solchen Anhang. Keiner war so verehrt. Dennoch kritisierte die WTG ihn, obwohl sie doch der Hauptprofiteur seiner Methoden war, dennoch versuchte sie, ihm seine Persönlichkeit und seine Rechte abzusprechen.
Wer näher hinschaut weiß, daß es einfach im Wesen dieser Watch Tower Society liegt, sozusagen als antichristlicher Charakter verankert, daß sie "eigene Methoden" nicht zulassen d a r f. Selbst dann nicht, wenn der "Eigenentwickler" alles in ehrlicher Absicht tut, in treuem Dienst für die WTG, mit großen Erfolgen für die WTG. Nein, die WTG k a n n ihren Mantel des Dogmatismus nicht ablegen. Dieser ist ein eisernes Korsett für alle. Da gibt es keinen Raum für christliche Bewegungsfreiheit des einzelnen. Diese starre, festgeschmiedete Kette - sie a l l e i n ist verbindlich für alle.
Da ist es freilich kein Wunder, daß es schließlich zur "Rebellion" des Br. Ditschi kam. Aber Tatsache bleibt, daß diese "Rebellion" nicht von Br. Ditschi gewollt, sondern einzig und allein von der WTG selbst willkürlich provoziert worden war. Niemals kann ein derart talentierter Mensch sich von einer unqualifizierten Leitenden Körperschaft wie ein Kindlein bevormunden lassen. Die Bibel sagt ausdrücklich, "wer unbewandert ist im Worte Gottes, gleicht einem Kleinkind, das Milch genießt. Für den gereiften Mann aber ist die feste Speise". Wahrscheinlich ist die WTG noch Milchgenießer, sonst hätte sie einen solchen Diener, der ausgezeichnet im Worte Gottes bewandert war, nicht versucht zu erniedrigen in seiner Menschenwürde. Der daraus resultierende Konflikt war unvermeidlich.
Und ich wiederhole noch einmal: Die WTG kann die Verdienste dieses Dieners nicht bestreiten. Sie kann nicht bestreiten, daß er ihr treu gedient hat. Und die WTG bestreitet es auch nicht, oder besser gesagt, sie w a g t dieses Tatsache nicht zu bestreiten. Sie wagt nicht einmal, ihn trotz seines Lossagens von der WTG als "Satansdiener" oder "Rebellen" zu bezeichnen. Bei anderen Dienern und ähnlich gelagerten Fällen hat sie sonst sehr gern mit solchen Ausdrücken operiert.
Warum macht sie bei Kreisdiener Heinrich Ditschi eine
Ausnahme? Nun, sie hat gute Gründe dafür. Wir werden sie in der Fortsetzung dieser
Artikelserie noch kennenlernen.
Seine unbestechlichen und scharfsinnigen Beobachtungsmethoden waren für
die WTG auf lange Sicht gefährlich
Betrachten wir nun ganz objektiv die "Eigenwilligkeit" des Kreisdieners bei der Eröffnung der Dienstwoche in Velbert/ Rhl. Er war, wie viele meinen mußten, nicht da. Er saß vielmehr versteckt als "fremder Gast" inmitten der Versammelten. Stutzig machte nur die Anwesenheit der Mettmanner Brüder, in deren Mitte er den Blicken entzogen war. Man konnte schließlich nicht einfach aufstehen, durch die Reihen gehen und den "Fremden" beäugen. Außerdem waren ja auch noch andere "Fremde" anwesend.
Welches Motiv hatte der Kreisdiener für seine eigentümliche Methode? Er erläuterte das später selbst, wobei er hervorhob, daß diese Methode nur ein einziges Mal bei einer Versammlung angewendet werden kann, eben beim ersten Besuch. Beim zweiten Besuch im nächsten Halbjahr würde die Wirkung verpuffen. Der Sinn dieser Methode bestand darin, die Versammlungsglieder zu bewegen, sich wie i m m e r zu benehmen. Erfahrungsgemäß strengt sich jeder einzelne besonders an, sei es im guten Betragen oder im Eifer, in der Teilnahme am Dienstgeschehen, wenn der Kreisdiener anwesend ist. Echte tadelnswerte Verhaltensweisen, also im Widerspruch zu christlichen Tugenden stehende Dinge, bleiben somit dem Auge des Kreisdieners verborgen. Über solche Verhaltensweisen kann die "Verkündigerkartei" naturgemäß keine Auskunft geben. Er ist also auf Mitteilungen des Aufsehers oder des Komitees angewiesen.
Br. Ditschi wollte sich aber einen persönlichen Eindruck von jedem Einzelnen verschaffen. Er wollte nicht seine späteren Ratschläge abgeben evtl. durch Beeinflussungen oder durch das "Spiegelbild" der "Verkündigerkartei". Nur zu oft verfielen Kreisdiener darein, Brüder hauptsächlich nach den Stundenquoten zu beurteilen und sie dementsprechend zu loben. Das "persönliche Verhalten" gegenüber den Brüdern ging dabei unter. Durch Krankheit oder andere Umstände betroffene Brüder, die nicht so "hohe Leistungen" aufwiesen, schnitten im Urteil schlechter ab, oder wurden gar wegen "mangelnder Liebe zu Jehova" (zu wenig Stunden!) getadelt. Dabei - so die Meinung von Br. Ditschi - waren gerade oft diese "Tadelnswerten" die besten Brüder, wenn es um christliche Nächstenliebe ging. Z. B. wenn eine Schwester den Haushalt versorgt, bei einem Bruder, der viele Kinder hat und dessen Frau schwer erkrankt ist. Diese Arbeit geht eben manchmal zu Lasten der Diensttuenden. Aber da gibt es Brüder, die hohe Quoten an Dienststunden aufzuweisen haben - aber in der Ausübung christlicher Nächstenliebe speziell gegenüber den Hausgenossen des Glaubens" (sprich Zeugen Jehovas) jegliche Anteilnahme, jegliches Gefühl von Barmherzigkeit vermissen lassen.
Wie man sieht, hatte dieser Einfall", diese seltsame Methode des Br. Ditschi gerechtfertigten christlichen Charakter. Unter den Gegebenheiten, wie sie von der WTG doktrinär festgelegt sind, war es die sicherste Methode, persönlich Beobachtungen und Feststellungen zu sammeln. Er als Kreisdiener mußte auftragsgemäß Rat erteilen, loben, notfalls tadeln. Er wollte dies aber ohne Gewissensbelastung tun können. Er wollte sich also vorher selbst vergewissern über alle Dinge".
Bei dieser Methode entdeckte er auch tatsächlich manches, was ihm sonst, hätte er stur die WTG-Schablone befolgt, verborgen geblieben wäre. Sein Rat, sein Tadel und sein Lob fielen dementsprechend aus. Da mag sich mancher gewundert haben - aber im innersten mußte jeder die Richtigkeit der scharfsinnigen Beobachtungen des Kreisdieners anerkennen. Man mag diese H.-D.-Methoden" betrachten wie man will. Aber unbestreitbar dienten sie nur diesem Zweck: Sie sollten eine echte Hilfe sein für jeden. Ihre Motive waren immer brüderliche Liebe eines ausgezeichneten Dieners.
Sein Verhängnis wurde, daß die WTG fürchten mußte,
daß er eines Tages seine Beobachtungsmethoden auch auf die WTG selbst anwendet. So mußte
sie ihn schon vorher stolpern lassen, um ihn schon vorher entfernen zu können. -
- erzählt von Hermann Bach, Potsdam
VIII. Pädagogischer Kongreß der DDR
FÜR DIE ZEUGEN JEHOVAS IM REFERAT VON MARGOT HONECKER, MINISTER FÜR
VOLKSBILDUNG, GELESEN
Für alle, die Verantwortung für Kinder haben
Viele interessiert das überhaupt nicht
Im Oktober 1978 fand in Berlin der VIII. Pädagogische Kongreß der DDR
statt. Das maßgebliche Hauptreferat, "Der gesellschaftliche Auftrag unserer
Schule", hielt als zuständige "obrigkeitliche Person" der Minister für
Volksbildung, Margot Honecker. Es ist schriftgemäß unbedingt erforderlich, daß
christliche Eltern und Erzieher solche Ausführungen gründlich zur Kenntnis nehmen und
für sich in Betracht ziehen. Wie die Dinge unter der WTG jedoch liegen, wird in den
Zeugen-Kreisen kaum von solchen Ausführungen Notiz genommen. Sie wurden im ND vom 19.
Okt. 1978 vollständig veröffentlicht. Verächtlich aber wird von vielen Zeugen
überhaupt keine Zeitung daraufhin gelesen, geschweige denn gehalten. Aufrichtige
christliche Eltern und Erzieher, noch dazu wenn sie schulpflichtige Kinder haben,
interessiert natürlich, wenn die Volksbildung im Lande zur Diskussion gestellt wird.
Wir möchten hier nur einige interessante und wichtige Hinweise geben. Das große Referat muß man im Interesse seiner Kinder schon selbst nachlesen. Welchen Weg geht die Volks- und Schulbildung in unserem Lande? Es gibt einige Ausführungen, die speziell im Hinblick auf die WTG und ihre Zeugen einiges aussagen. Möge es ein Denkanstoß sein.
Hier war auch die WTG beteiligt
Im Referat wird einleitend gesagt: "Wir tun alles, um die Vorzüge
des Sozialismus immer mehr zur Geltung zu bringen. Wir üben offen und sachlich Kritik,
üben Selbstkritik, wo es gilt etwas zu verändern, weil es uns vorwärts hilft und nicht,
wie es die westliche Journaille seit 30 Jahren orakelt, weil wir kurz vor dem
Zusammenbruch stehen - woran sie übrigens selbst nicht glauben". Zu diesen Oraklern
gehört auch die WTG Bezirksdiener-Ost Fritz Adler höhnte 1950 vor dem Obersten Gericht
der DDR, sie würde allenfalls noch ein Jahr existieren. Noch 1965 leitete die WTG alle
an, auf das "Ende" in "Ostdeutschland" zu warten.
Geistige Prozesse sind kompliziert und langwierig
"Die Veränderung des Menschen, seiner Auffassungen und Haltungen,
seines Bewußtseins und seiner Moral ist die größte historische Leistung, die der
Sozialismus hervorbringt. (Es) vollzieht sich täglich, verläuft beim einzelnen oft
kompliziert, widerspruchsvoll. Wir wissen wohl, daß die Herausbildung einer Moral, die
auf dem sozialistischen Bewußtsein beruht, ein langer historischer Prozeß ist." Das
Freiwerden von der WTG ist ebenfalls eine Veränderung von Auffassungen und Haltungen,
Bewußtsein und Moral.
Schule und Religion
"Es ist erstmalig in der Geschichte unseres Volkes, daß die Schule
allen Kindern, unabhängig von der sozialen Stellung der Eltern, von Weltanschauung und
Religion, eine gleich hohe Bildung vermittelt, eine fundierte wissenschaftliche
Allgemeinbildung, die die Bildung in den Gesellschaftswissenschaften und Künsten, den
Sprachen und Naturwissenschaften, die polytechnische Bildung und Körpererziehung umfaßt,
und dies in einer zehnjährigen Schule für alle Kinder des Volkes gleichermaßen".
Sollte die Schule eine andere als allseitig wissenschaftliche Bildung vermitteln? Über
100 Jahre lang erweist sich die WTG schon als falscher Weltendeprophet. Im Interesse ihrer
Kinder ist es an der Zeit, daß alle Zeugen ihr Verhältnis zu den Wissenschaften
ebenfalls überprüfen.
Die soziale Frage
"Wir vermitteln in unserer Schule die Ideologie der Arbeiterklasse,
eine Ideologie, die den Lebensinteressen des Volkes dient, die den Weg der sozialen
Befreiung weist." Mit ihrer Bekämpfung jedes sozialen Engagements, verächtlich als
"Weltverbesserung" diffamiert, stellt die WTG ihre Zeugen gegen die sozialen
Interessen eines jeden Volkes. Schon die Zeugen-Kinder werden auf diese Weise seitens der
WTG in der Schule in die ersten politischen Konflikte gestürzt, wofür die Eltern die
Verantwortung tragen. Auch das ist eine brennende Frage an alle Zeugen-Eltern.
Liebe zum Frieden
"Jede Mutter und jeder Vater, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen
liegt, kann sagen: Was in unserer Schule gelehrt und anerzogen wird, ist gut, denn es ist
eine Erziehung in der Achtung vor den Menschen, ihrer Arbeit, der Achtung anderer Völker,
es ist eine Erziehung, die die Kinder lehrt,für den Frieden, für das Glück der Menschen
mit Wort und Tat einzutreten." Die WTG lehrt das Gegenteil: Alle andersdenkenden und
andersgläubigen Menschen werden als vernichtungswürdig verteufelt, alle Nationen und
Völker desgleichen. Das Eintreten aller anderen für den Frieden wird als nutzlos und
vergeblich verhöhnt und verspottet. Höhnte kürzlich ein junger Zeugen im WT-Geist
spöttisch und verächtlich über einen Friedensappell des sowjetischen Staats-Chefs
Breshnew: "Der muß ja so reden." Auch so werden die Zeugen-Kinder zur Erziehung
in der Schule politisch in Widerspruch, Gegensatz und Feindschaft gebracht.
Vor dem Hintergrund der haltlosen Weltendepredigten
"Die Jugend muß wissen, daß allein der Sozialismus in der Lage ist,
die sozialen, ökonomischen, politischen und geistigen Probleme, die heute vor der
Menschheit stehen, zu lösen. Die Jugend soll lernen, warum das so ist, warum die
Anziehungskraft und die historische Überlegenheit des Sozialismus ständig wachsen."
Oder sollte man besser auf die falschen WTG-Weltenden im Namen Gottes von 1914, 1925, 1945
und 1975 vertraut haben? Dann lägen alle Völker heute noch auf dem Niveau und im Elend
des vorigen Jahrhunderts, ständen seit 1914 unter einer internationalen politischen
WTG-Diktatur oder wälzten sich in sozialem Chaos dahin.
Kenntnis der Vergangenheit entscheidend
"Die Jugend kann nur aus der Kenntnis der Vergangenheit heraus das
Verständnis für Gegenwart und Zukunft gewinnen, für den gesetzmäßigen Verlauf der
Geschichte." Dieser schulische Lehrgrundsatz ist universell. Auf die WTG-Geschichte
angewandt, enthüllt er einen hundertjährigen WTG-Lauf von Widersprüchen und falschen
Prophezeiungen, die jedem Aufrichtigen die Augen öffnen für ein bloßes Menschenwerk,
bar jeder Glaubwürdigkeit, jeder Seriosität.
Achtung vor dem Leben
"Die Erziehung der Kinder zu einer tieferen Beziehung zu ihrer
Umwelt, zur Liebe zu den Schönheiten der Heimat und der Natur, zur Achtung vor dem Leben,
denn ohne die Weckung solcher humanistischen Gefühle ist kommunistische Erziehung nicht
denkbar." Auch diese schulischen Erziehungsgrundsätze sind für christliche Eltern
und Erzieher besonders nachdenkenswert. Die WTG-Weltendeverkündigung erzieht
demgegenüber zur Verteufelung der Umwelt und aller Menschen, die sie sozial und politisch
gestalten und entwickeln. Schon den Zeugen-Kindern wird alle Umwelt als "böse"
und "verderbt" schwarzgemalt. Tief wird dies in die noch kindlichen Seelen
gepflanzt. Die Achtung vor dem Leben aller anderen Menschen wird ersetzt durch
systematische Einübung der WT-Denkweise, daß das Leben aller anderen am Ende nur wert
ist, gnadenlos vernichtet zu werden, nur weil sie anders denken und glauben und die
WTG-Endzeitirrlehre zurückweisen. Schon die Zeugen-Kinder werden zum grußlosen
Mißachten eigener Verwandter erzogen, die es nur wagen, an den WTG-Irrlehren Kritik zu
üben.
Die Verantwortung der Arbeitskollektive
"Es ist bei uns zur Praxis geworden, daß in vielen
Arbeitskollektiven vertrauensvoll über die Fragen und Probleme gesprochen wird, die die
Werktätigen bei der Erziehung der eigenen Kinder bewegen. Die Arbeitskollektive sind auch
der rechte Ort, um auf jene Eltern einzuwirken, die ihre Erziehungspflichten noch
vernachlässigen, sich gleichgültig oder gar verantwortungslos gegenüber ihren Kindern
verhalten." Gibt es eine größere geistige Verantwortungslosigkeit gegenüber den
Kindern, als sie in den antihumanistischen und haltlosen Weltendelehren der WTG und ihrem
sozialen Irreführen zu erziehen? Kann ein Arbeitskollektiv zuschauen, wenn in seinem
Kreis Kinder im sozialfeindlichen und antikommunistischen Sinne der WTG erzogen werden?
Die WTG weiß schon, warum
Die Zeugen Jehovas würden eine Fülle von Denkanstößen erhalten, wenn
sie sich mehr um das gesellschaftliche Leben kümmern würden, in dem sie selbst stehen
und in das hinein sie predigen sollen. Die WTG weiß schon, warum sie Rundfunk, Presse und
Fernsehen verteufelt, damit sich keiner mehr als ihr lieb ist damit beschäftigt. Jeder
Aufrichtige muß auf solche Vergleiche kommen mit der WTG, wie sie hier beim Lesen der
Ausführungen über den gesellschaftlichen Auftrag der Schule in unserem Lande in den Sinn
kommen. Das fürchtet die WTG.
Doch die Zeit ist herbeigekommen. Wer die Hand an den
Pflug der WTG gelegt hat, gerät in die Auseinandersetzung, ob er will oder nicht. Denn er
hat sich auf eine Öffentlichkeitsarbeit unter seinen Mitmenschen eingelassen, die
unverantwortlich ist. Die Schule ist einer der Bereiche dieser Auseinandersetzungen in
allen Zeugen-Elternhäusern, weil sich hier die Kindererziehung offenbart. Die Referate
und Diskussionsbeiträge auf dem VIII. Pädagogischen Kongreß der DDR enthalten noch viel
mehr Denkanstöße für aufrichtige Zeugen-Eltern. Sie sollten sich diese Materialien
beschaffen und sie im Interesse ihrer Kinder gründlich mit dem Blick auf die WTG lesen.
Sie sind es sich und ihren Kindern schuldig. -
Ko.
SCHLÜSSELFRAGE DER WTG KONGRESSE 1978: WIE LANGE NOCH?
VERTRAUEN ZUR WTG SCHWER ERSCHÜTTERT
Liebe Leser
Liebe Brüder und Schwestern!
Ganz gewiß werden uns alle zustimmen, wenn wir feststellen, daß die
Ergebnisse der WTG-Kongresse 1978 jetzt Thema Nummer Eins sind, fast überall. Wir
möchten hiermit allen unseren Lesern vorankündigen, daß in CV eine ausführliche
kritische Berichterstattung über die 1978-Kongresse erfolgen wird. Schwerpunkt auf
Schwerpunkt. Du kannst zu den Bestinformiertesten gehören, wenn du das verfolgst!
Zum Abschluß dieser sicher wieder sehr lebendigen CV-Ausgabe - kann man das sagen? - möchten wir als weiteren Anstoß zum Nachdenken die Kerngedanken jenes Schlüsselvortrages unterbreiten, der gehalten wurde, um die Erschütterung aufzufangen, die jetzt drei Jahre nach 1975 die Organisation erschüttert: Ein tiefes Mißtrauen, ob die WTG endzeitlich noch die Wahrheit sagt! Die WTG war gezwungen, einen "packenden Schlüsselvortrag" halten zu lassen, um ihre umsichgreifende Unglaubwürdigkeit in "Siegreich auf dem ganzen Erdenrund" umzumünzen.
In dem "packenden Schlüsselvortrag" zur
Verscheuchung aller Erinnerung an die 1975-Falschprophetie hieß es unter dem Thema
"Was sollte der Glaube an Gottes Wort bei dir bewirken?:
"Der wahre Glaube ist in Gottes Wort verankert und in seinem
Versprechen, daß er nicht lügen kann.
Wir haben einen unerschütterlichen Glauben an Jehovas Vorsätze. Er ist
hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam. Wenn auch die "große Drangsal"
nicht so schnell gekommen ist, wie viele von uns erwartet hatten, ist dies kein Grund zur
Entmutigung.
Die Zeit für Gottes Gerichtsvollstreckung hat sich nicht verschoben. Sie
rückt mit jedem Tag näher.
Was wäre also, wenn bis zum Tage Jehovas noch ein paar Pendelschläge
vergehen?
Während Jehovas Uhr weiterschlägt, strömen Zehntausende ehemaliger
Katholiken in den Ländern Südeuropas zum Königreich.
Jehovas diesbezüglicher Tag ist noch nicht gekommen, weil Jehova noch
Arbeit im Erntewerk für uns hat.
Jehova ist nicht langsam. Mögen wir nicht langsam darin sein, jede
Gelegenheit wahrzunehmen, um uns völlig am Werk zu beteiligen."
Zur Situation wurde gesagt: "Einige Schafe sind zurückgefallen,
einige gingen verloren und andere wurden gestohlen.
Jeder unter den Ältesten sollte sich einer ehrlichen Selbstprüfung
unterziehen, einer sorgfältigen Untersuchung seiner selbst
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"Christliche Verantwortung": Monatsschrift der Studiengruppe
Christliche Verantwortung. Herausgeber: Wolfgang Daum, DDR 65, Gera, Otto-Dix-Straße 6.
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