Kommentar zu den eingescannten CV-Ausgaben

CV 11

Ein neuralgischer Punkt wird in der CV 11 angesprochen. Zitat: "Manche Brüder beschäftigt die Frage, wie wir die Kosten bestreiten, die uns aus dem Druck und Versand von CV erwachsen, da wir diese kostenlos zur Verfügung stellen. Die WTG hat ihre eigene Art, diese Frage zu beantworten. Um die weite Verbreitung von CV zu verunglimpfen, ließ die WTG-Leitung unter Zeugen Jehovas das Gerücht aufkommen, daß CV aus staatlichen Mitteln finanziert wird, und ähnliches mehr.

Müller unternimmt nun den misslungenen Versuch darzulegen, dass dies angeblich so nicht sei. Indes gilt es die Relationen hierbei zu beachten. Die technischen Kosten wurden ganz eindeutig staatlicherseits getragen. Daran gibt es nichts zu deuteln. Allerdings "reich" ist keiner bei der CV geworden. Müller beispielsweise, betrieb den ja nicht unbeträchtlichen Aufwand der mit der Zeitschriftenherausgabe verbunden war, als Altersrentner. Ist also für seine Auftraggeber eine verhältnismäßig billige Kraft gewesen. Einzuräumen ist allerdings, dass  unter der Ägide der Nachfolger des Müller, diese Sachlage sich noch veränderte, sich "institutionalisierte". Und im übrigen: Auch die Kirchen pflegen ihre Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten aus ihrem jeweiligen Haushalt zu finanzieren. Vielfach allerdings auch auf Mischfinanzierungsbasis. Das heißt, wo man mittels psychologischer Einwirkungsmechanismen Geldbeträge rekrutieren kann, hat man keine Bedenken zuzulangen, und auch sonstige Gebühren zu erheben, sofern sie sich am Markt durchsetzen lassen. Das ein Unternehmen wie die CV nicht ohne Geldmittel existieren kann, dürfte evident sein. Und die Auftraggeber in der DDR haben sich das auch etwas kosten lassen. Nicht übermäßig viel, wenn man die einfache Druckgestaltung (in der 0 8 15 Art) gegenüber den technischen Druckmöglichkeiten vergleicht, wie sie etwa in anderen Zeitschriftenprojekten üblich sind.

Noch ein Vergleich. Da gibt es höhere WTG-Funktionäre, die in Selters stationiert sind. Sie agieren aber zugleich auch als Vortragsredner, bei den Kongressen der Zeugen Jehovas, beispielsweise in Berlin. Anreisen tun sie mit PKW der Marke Mercedes. Nun ist einzuräumen, dass vergleichbare Funktionäre in anderen Kirchenorganisationen, sich ebenfalls dieser oder ähnlicher Auto-Nobelmarken bedienen. Der Unterschied dürfte aber darin bestehen, dass letztere ein reguläres Gehalt beziehen, dass zudem versteuert wird. Die WTG-Funktionäre hingegen behaupten kein Gehalt zu erhalten. Nur ein Taschengeld, nebst Kost und Loggie. Wie man das Kunststück fertigkriegt, mit einem Taschengeld, dass unter der 610,-- DM-Grenze liegt, einen Mercedes fahren zu können, dies wäre eine Frage die die breitere Öffentlichkeit auch mal interessieren würde. Viele jener einfachen Zeugen Jehovas, von deren Spendengelder letztendlich auch ein Herr Pohl lebt, müssen sich aber mit preiswerteren Marken begnügen. Die Krokodilstränen der Schreiberlinge im Solde der WTG erweisen sich diesbezüglich als ziemlich durchsichtig. Man vergleiche in diesem Zusammenhang auch den CV-Bericht über die "WTG-Dienstwagen" in der DDR.

Man beachte auch den an anderer Stelle veröffentlichten Bericht: Die Geldgier der Zeugen Jehovas

Noch ein Vergleich. Der "Spiegel" interviewte mal den Amerikaner Stevan Hassan (Autor des Buches "Ausbruch aus den Sekten"). Hassan erhält in den USA verständlicherweise für sein Wirken keinerlei staatliche Gelder. Er ist finanziell ganz auf sich gestellt. Und man nehme mal zur Kenntnis, was dieser "Ausstiegsberater" so als Honorar zu kassieren pflegt. Da ist mit einer schwindelerregenden Leichtigkeit von 10 000,- Dollar und mehr pro Fall die Rede. Dagegen sind die Kosten der CV im Vergleich ein "Klacks".
Man vergleiche den entsprechenden SPIEGELtext

"Das ist irre anstrengend"

Interview mit dem amerikanischen Ausstiegsberater Steven Hassan

Spiegel: Herr Hassan, Sie leben davon, Menschen zum Ausstieg aus Sekten zu bewegen. Was kostet es, Sie anzuheuern?
Hassan: Mein Tagessatz sind 1.500 Dollar, plus Flüge, Hotels und Verpflegung. Ich bringe auch ein ehemaliges Mitglied der Gemeinschaft mit, in der sich das Sektenmitglied aufhält. Das macht noch mal 200 bis 500 Dollar am Tag. Am Ende kommen sie auf gut 10.000 Dollar für einen Fall in Deutschland.
Spiegel: Kein schlechtes Geschäft.
Hassan: Ich kann Ihnen versichern: Reich wird dabei keiner. Wenn die Leute kein Geld haben, arbeite ich in dringenden Fällen auch ohne Bezahlung. Und ich übernehme nur einen, höchstens zwei Fälle im Monat, danach brauche ich mehrere Tage Erholung. Das ist irre anstrengend.
Spiegel: Wer engagiert Sie ?
Hassan: Angehörige oder Freunde von Kultmitgliedern. Wenn sich die Sprachprobleme bewältigen lassen, arbeite ich überall auf der Welt. Die meisten Klienten kommen aus den USA, Deutschland, England, Luxemburg und Frankreich..
Spiegel: Können Sie Erfolg garantieren ?
Hassan: In den letzten fünf Jahren gab es nur zwei Fälle, bei denen es trotz tagelanger Gespräche nicht geklappt hat.
Spiegel: Wie vielen Sektenmitgliedern haben Sie geholfen ?
Hassan: In 18 Jahren habe ich vielleicht 400 Fälle bearbeitet, weniger als ein Dutzend sind in der Sekte geblieben.
Spiegel: Wie arbeiten Sie ?
Hassan: Ich bin kein Deprogrammierer. Das sind Leute, die Sektenmitglieder gewaltsam entführen und sie in einem demütigenden Psycho-Marathon so lange bearbeiten, bis sie dem Kult abschwören. Ich lehne das strikt ab. Ich bereite die Intervention lange vor, ich schule die Eltern, wie sie überhaupt wieder mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter kommunizieren können. Wenn es dann zu einem Treffen kommt, stelle ich mich als Ausstiegsberater vor. Ist es eine verdeckte Intervention, bin ich ein Nachbar oder Freund, der sich viel mit Religion beschäftigt hat. Der Rest ist Erfahrung und psychologisches Geschick.
Spiegel: Wie weit reicht die Abhängigkeit von Menschen, die einer Psycho-Sekte verfallen sind ?
Hassan: Überzeugte Mitglieder totalitärer Gemeinschaften tun alles für ihre Gruppe - sie töten sogar. Ein Giftgasanschlag, wie ihn die Aum-Sekte in Japan verübte, kann überall passieren, wenn die Organisationsspitze es befiehlt. Ich war als Munie zu Dingen bereit, die mir heute vollkommen absurd erscheinen. Mun sagte zum Beispiel, nach unserer Machtübernahme würden wir alle Menschen umbringen, die Sex mit Personen haben, die ihnen nicht zugewiesen wurden. Und ich sagte: "Selbstverständlich, Vater."
Spiegel: Wie bringen Sie derart umgepolte Menschen dazu, Ihnen überhaupt zuzuhören ?
Hassan: Das Sektenmitglied ist zwar ein Gefangener der Indoktrination - aber die ist nie ganz perfekt. Ein kleines Stück der ursprünglichen Persönlichkeit ist immer übrig, und dieses wahre ich will frei und selbstbestimmt sein. Die eigentliche Identität anzusprechen und zu unterstützen, das ist die Kunst. Der oder die Betroffene muß wieder Kontakt zu seinem eigentlichen Denken und Fühlen bekommen. Dabei helfen Begegnungen mit Schlüsselfiguren aus der Vergangenheit, zum Beispiel mit alten Freunden und Vorbildern, sowie Erinnerungen an die Kindheit.
Spiegel: Und dann schaltet das Kultmitglied irgendwann wieder um ?
Hassan: Das ist natürlich ein Prozeß. Man muß dem Menschen vor allem die Angst nehmen, daß etwas Schreckliches passiert, wenn er seine Gruppe verläßt. Diese Phobien impfen alle Sekten ihren Mitgliedern ein, um sie an sich zu ketten. Sie sagen, daß sie einen Unfall haben oder Krebs kriegen werden, daß Satan sie unglücklich machen wird und sie ohne die Gruppe gar nicht existieren können. Da hilft dann ein ehemaliges Mitglied, das ihm gesund gegenübersteht und sagt: "Ich bin seit fünf Jahren raus, es geht mir gut."
Spiegel: Gibt es aussichtslose Fälle ?
Hassan: Nein, nur schwierige. Zu denen zählen etwa die Scientologen, eine der gefährlichsten Sekten überhaupt. Die trainieren systematisch Verhaltensformen, um Kritiker einzuschüchtern.
Spiegel: Sie machen den Sekten Mitglieder abspenstig. Lassen die sich das einfach so gefallen ?
Hassan: Sie tun alles mögliche, um es zu verhindern. Sie verleumden mich, etwa im Fernsehen. Sie gehen zu meinen Nachbarn und sagen: "Wissen Sie, daß Sie mit einem Kriminellen in einem Haus wohnen?" Und sie schreiben mir Briefe, daß ich bald sterben werde.
Spiegel: Wer ist besonders anfällig, Opfer totalitärer Sekten zu werden ?
Hassan: Leute, die viel Streß haben, zum Beispiel viel reisen, sich scheiden lassen, den Job wechseln. Die Anwerber sind psychologisch so geschult, daß jeder, der sich in so einer Lage befindet und nichts über Bewußtseinskontrolle weiß, in den Bann einer solchen Gruppe geraten kann. Am leichtesten zu manipulieren sind jene, die denken, ihnen könne sowas nie passieren, und glauben, das ist nur was für Labile und Doofe.
Spiegel: Woran läßt sich erkennen, daß eine Gruppe totalitär ist ? Hassan: Testen Sie die Grenzen: Können die Mitglieder kommen und gehen, wann sie wollen ? Dürfen alle alles wissen oder nur ein paar Auserwählte ? Liegen die Bilanzen wirklich offen ?
Spiegel: Was können Eltern tun, die sich keinen teuren Ausstiegsberater leisten können ?
Hassan: Sie sollten eine neugierige, aber kritische Haltung zeigen und sagen: "Wir sind Deine Eltern, wir lieben Dich, laß uns uns gemeinsam mit Deinem Glauben beschäftigen." Sie müssen eine Beziehung aufbauen. Dann haben sie eine Chance.
Auszug aus: DER SPIEGEL-28/95-10-07.95

Es ist offensichtlich, dass der Verbotssituation in der DDR nicht all und jeder gewachsen war. Dies soll kein Vorwurf sein, nur eine Feststellung. Ein in dieser CV-Ausgabe abgedruckter Erlebnisbericht bestätigt auch diese Sachlage. Daraus nur ein Zitat:
"Es war im Dezember 1962, als verschiedene Diener verhaftet wurden.  Unter den Verhafteten war auch ich.  Ich sollte der V(ersammlungs)D(iener) sein, was aber nicht stimmte.  Es stellte sich aber bei der Vernehmung bald heraus, daß nicht ich es sei, sondern die Brüder selbst, die mich angegeben hatten.  Es war ein 'schönes' Zeugnis für die Behörden, welche Liebe unter den Brüdern herrscht.  Man sagte mir, sie haben ja wirklich feine und liebe Brüder.  Sie belasten sie, um sich einer Strafe zu entziehen, das ist wirklich brüderlich gehandelt.  Haben sie davon noch mehr in ihren Reihen?  Sie dagegen haben ihre Brüder noch in Schutz genommen.  Wir fanden aber bald die Wahrheit und wußten genau, wer VD und wer HVD war sowie auch alle anderen Diener ihrer Gruppe."
Aus dem gleichen Erlebnisbericht sei auch noch ei  Passus zitiert, der auf die fünfziger Jahre (vor dem DDR-Mauerbau) bezug nimmt. Nun mag man den Berichtsschreiber vielleicht als "Querulant" einstufen. So sicher wäre ich mir mit diesem "flotten Urteil" allerdings nicht. Aber sicher mag er einer gewesen sein, der aneckte. Wie auch immer. Er bringt auch eine Episode mit zum Vortrag, die von der CV in der Sache auch anderweitig schon genannt wurde und die nach meiner Einschätzung durchaus Glaubwürdigkeitscharakter besitzt. Sie macht zugleich das Zusammenspiel mit gewissen, antikommunistisch orientierten staatlichen Behörden (auf westlicher Seite) mit der WTG in den fünfziger Jahren deutlich. Der fragliche Passus lautet:
 
"Erst bei näheren Angaben erinnerte ich mich.  Die beiden Brüder besuchten mich im Jahre 1962.  Ungefähr ein halbes Jahr vorher hatte ich einen Brief an liebe Geschwister im Westen geschrieben.  In dem Brief stand unter anderem, ob das Ausstellen von gefälschten Ausweisen an Kreisdiener in der DDR auch noch etwas mit Glauben zu tun hat usw.  Ein Kreisdiener bei uns hatte mir dies mitgeteilt, sonst hätte ich es gar nicht gewusst.  Auf diesen Brief an die Westgeschwister habe ich nie eine Antwort bekommen.  Auch schrieben sie nie wieder.  Bei dem Besuch der beiden Brüder W. und N. wurde nun klar, daß die Geschwister diesen Brief ihrem VD in der Gruppe V. gegeben haben, und dieser hat ihn nach Wiesbaden geschickt.  Von Wiesbaden kam nun die Anweisung an meine Gruppe, mich auf Grund des Briefes auszuschließen, denn ich könnte ihnen gefährlich werden."

In dieser CV-Ausgabe wird auch der Fall Werner Liebig angesprochen. Dazu habe ich mich auf Seite 465 + 647 meines Buches schon geäußert.


CV Christliche Verantwortung

Informationen der Studiengruppe Christliche Verantwortung

Nr. 11 Gera Juli 1967

CV - ihr Zweck

Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verantwortungsbewußtem Verhalten als Christ und Bürger. Übereinstimmend damit befaßt sich CV mit Verkündigung und Organisation der Wachtturmgesellschaft. CV ist hier die erste Schrift verantwortungsvoller Diskussion für alle Versammlungen der WTG und ihrer einzelnen Glieder. Ehemalige möchten ihre Erfahrungen in CV kundtun, um zu helfen.

Steht die WTG-Führung zu ihren eigenen Worten?

Liebe Brüder und Schwestern

Jedermann erwartet von seinen Mitmenschen, daß sie ihr Wort halten. Mit diesen Worten beginnt der Wachtturm vom 1. Oktober 1965 seinen Einleitungsartikel. Nach der Erörterung, zu welchen Verärgerungen und Enttäuschungen ein nicht eingehaltenes Versprechen führt, fährt der WT fort: Vor Menschen, die ihr Wort nicht halten, hat man keine große Achtung mehr. Weiter argumentiert der WT sehr treffend: "Selbst in kleinen Dingen sollte man sein Wort halten. Gerade durch unser Verhalten in anscheinend unbedeutenden Fällen können wir dazu beitragen, daß wir als zuverlässige Menschen oder als solche bekannt werden, deren Wort nicht viel gilt. Wer sein Wort nicht hält, macht sich bei anderen unbeliebt."

Angesichts solcher, den Tatsachen entsprechenden Darlegungen werden wir immer an unsere eigenen Erfahrungen mit der WTG-Führung erinnert. Wieviel Jahre, oft Jahrzehnte, haben wir vertrauensvoll auf die "Neue Welt-Gesellschaft" geblickt und deren Verheißungen und Belehrungen als zuverlässig anerkannt. Hatte uns nicht die WTG das Wort gegeben, eine göttliche Organisation und der Mitteilungskanal Jehovas zu sein? In unseren Augen war eine von Gott autorisierte Organisation stets das Abbild göttlicher Gerechtigkeit und Lauterkeit. So zeigt es uns die Bibel, und so bestätigte es auch der Wachtturm. Mit liebreichen, zu Herzen gehenden Worten hatte sie bei uns, und vielen anderen aufrichtigen, wahrheitsuchenden Menschen den Grund gelegt, sie als die wahrhaft göttliche Organisation anzuerkennen, deren Wort mehr gilt, als das anderer religiöser Einrichtungn. So und nicht anders haben wir die "theokratische Organisation der Zeugen Jehovas" eingeschätzt und waren jederzeit bereit, ihr gutes Ansehen vor anderen zu verteidigen.

Nach und nach, besonders nach dem Einsetzen in verantwortungsvolle Dienstämter, mußten wir immer wieder beim Zusammentreffen mit führenden Dienern die betrübliche Feststellung machen, daß die meisten von ihnen in keiner Weise dem biblischen Musterbild rechter Hirten entsprachen, die sie zu sein beanspruchten. In ihrem Verhalten waren sie alles andere als gute Hirten, die sich für die Herde opferten. Sie hatten nur ihre eigenen Interessen und nur ihren Vorteil im Sinn. Keine Ähnlichkeit mit den zahlreichen Beispielen der Bibel, die der WT stets mit großartigen Worten herauszustellen wußte. So war und ist es um die göttliche Organisation bestellt!

Wie groß war da doch die Enttäuschung für uns und viele andere Brüder, nachdem wir uns Jahre und Jahrzehnte lang für das Wachtturmwerk aufgeopfert hatten. Immer mehr und von allen Seiten erhielten wir die Bestätigung, daß das Wort und das Versprechen der WTG, Jehovas Organisation zu sein, nichts, aber auch gar nichts gilt. Wie beurteilte doch gleich der WT selbst unzuverlässige Personen, die ihr Versprechen nicht ernst nehmen? "Vor Menschen, die ihr Wort nicht halten, hat man keine große Achtung mehr"! Ja, das sind die unausbleiblichen Folgen.

Suchen wir nichts zu entschuldigen oder zuzudecken, wo ein offenes, aufklärendes Wort zum Nutzen aller angebracht ist. (Epheser 5:11-13). Jesus sagte trefflich: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen und ergänzte: Ein fauler Baum kann keine edlen Früchte bringen. Anstelle der verheißenen geistigen Freiheit sind Gewissenszwang und Unterjochung die unedlen Früchte des Königreichswerkes. Erschütternd sind die Tatsachenberichte vieler ehemaliger Zeugen Jehovas und auch solcher Brüder, die sich noch in der Organisation befinden. Diese alle geben eine umfassende Bestätigung, daß wir nicht übertreiben. In welchem krassen Gegensatz stehen doch die Belehrungen des WT und noch mehr die Worte der Bibel zur tatsächlichen Handlungsweise der WT-Führung. Das ist es, was viele nicht fassen können, nachdem sie ihre Gesundheit, ihre Freiheit, ihre Zeit und ihren Besitz, ja ihre ganze Persönlichkeit für die Interessen der Wachtturm-Organisation hingegeben haben, im guten Glauben, es für Gott getan zu haben. Auf solche schändliche Weise ihren Glauben und guten Willen mißbraucht zu sehen, konnten sie nicht überwinden. Diese Brüder sind so bitter enttäuscht worden, das sie ein für allemal genug haben. Aus ihrer Erbitterung heraus erwuchs bei vielen eine tiefe Abneigung, nicht allein gegen die WTG, sondern gegenüber allen religiösen Vereinigungen.

Verständlicherweise haben viele Brüder auch unserer Aufklärungsarbeit gegenüber Zurückhaltung bewahrt, oft in der irrigen Auffassung, daß sie es hier wieder mit einer neuen Organisation zu tun haben.

Nirgends haben wir behauptet oder je die Absicht gehegt, eine neue Organisation aufzubauen, noch die Informationsschrift Christliche Verantwortung (CV) als Ersatz für den Wachtturm anzubieten. Niemals werden wir eine religiöse Zeitschrift im Sinne des Wachtturms aufziehen. der nur eine Meinung, nämlich, die der Wachtturmgesellschaft-Führerschaft, gelten läßt und alles andere verurteilt. Wir möchten aber jeden Bruder und jede Schwester, die aus Erfahrungen gelernt haben, die WTG richtig einzuschätzen, ermuntern, die Notwendigkeit der Aufklärung im Interesse aller Zeugen Jehovas zu erkennen, und sich frei und ungezwungen nach Belieben an unserer Aufklärungsarbeit zu beteiligen, sei es innerhalb der WT-Organisation oder außerhalb derselben.

Manche Brüder beschäftigt auch die Frage, wie wir die Kosten bestreiten, die uns aus dem Druck und Versand von CV erwachsen, da wir diese kostenlos den Brüdern zur Verfügung stellen. Die WTG hat ihre eigene Art, diese Frage zu beantworten. Um die weite Verbreitung von CV zu verunglimpfen, ließ die WTG-Leitung unter Zeugen Jehovas das Gerücht aufkommen, - daß CV aus staatlichen Mitteln finanziert wird, und ähnliches mehr. Wie verächtlich macht sich doch die WTG-Führung in den Augen anderer, wenn sie bewußt die Unwahrheit sagt, um ihre Brüder zu täuschen, nur damit sie nicht aufmerken und ihre wahren Absichten durchschauen können.

Wir aber haben allen Grund, Jehova zu danken, denn bis jetzt konnten wir den Kostenaufwand für CV stets aus den freiwilligen Spenden derjenigen Brüder decken, die mit uns an der Aufklärung über das WT-Werk interessiert sind. Ohne Aufforderung, etwas zu spenden, geben uns oft Brüder und Schwestern von ihrem Wenigen um mitzuhelfen an der Aufklärungsarbeit. Andere geben ihre G.H.Beiträge jetzt CV. Wir nehmen davon Abstand, die Methoden in Anwendung zu bringen, mit denen die WTG ihren materiellen Reichtum fortwährend vergrößert, dabei den Armen und Bedürftigen von jeher jede Hilfe versagend.

Allen, die bisher in geistiger oder materieller Weise dazu beigetragen haben, vielen Brüdern und Schwestern die Augen für die wahren Absichten der WTG zu öffnen, möchten wir hiermit unseren Dank übermitteln. Laßt uns vereint im Gebet zu Jehova die Bitte mit einschließen, daß unsere Mühen, den Geschwistern in ihrer Gewissensnot zu helfen, auch weiterhin Frucht trage, und daß noch viele Brüder durch ihre Ratschläge und Beiträge unsere Arbeit fördern helfen.

Helft einander in der Liebe, die Christus Euch vorgelebt hat. Ahmt nicht das Beispiel der Wachtturmleitung nach, welche nur denen Freundlichkeit erweist, die sich ihren Anweisungen bedingungslos unterwerfen. Sie liebt weder ihre Feinde, noch jene, die sie in Brüderlichkeit auf ihre Verfehlungen aufmerksam machen.

Mögen auch dich fortwährende Verleumdungen und Falschdarstellungen Dich bewogen haben, uns bisher als Deine Feinde zu betrachten - für uns bist Du dennoch Freund und Bruder. Es wird stets unser aufrichtiger Wunsch sein, nach dem weisen Bibelwort zu handeln:

"Der Freund liebt zu aller Zeit, als Bruder für die Drangsal wird er geboren." Spr. 17:17.

In diesem Sinne grüßen wir alle unsere Mitbrüder und Schwestern im Glauben und in der Liebe Christi

Euer Bruder Willy Müller 65 Gera, Lutherstraße 16, und Mitverbundene

Wo Zwei oder Drei versammelt sind in meinem Namen

Es mehren sich die freien und selbständigen Studiengruppen an verschiedenen Orten, wo man zurückkehrt zur unchristlichen Gemeinschaft des Bibelstudiums und der Verwaltung der gemeinsamen Anliegen. Mit großer Freude stellen wir das fest. In diesen Studiengruppen ist CV dabei ein gern gelesener Ratgeber, und viele Fragen werden uns vorgelegt. Immer mehr vollzieht sich so ein Aufbruch in die christliche Freiheit der Versammlungen. Verständlicherweise gibt es, da vorerst einmal sehr viel zu klären.

Gemeinschaftsentzug

Natürlich drängt die WTG, jeden durch Gemeinschaftsentzug aus der Versammlung zu entfernen, der die haltlosen WT-Positionen erkennt und beim Namen nennt. Das schafft teilweise sehr bittere Verhältnisse, da die WTG niemanden schlimmer haßt als ihre Kritiker. Aber niemand braucht sich deswegen verbittern zu lassen oder gar Gewissensbisse zu haben. Die Schuld liegt bei den biblisch haltlosen Lehren und Praktiken der WTG. Keiner ist ein Judas, der dagegen rebelliert. Denn Judas verriet den Herrn, und Christus lehrte keine haltlosen Theorien, die er korrigieren und widerrufen mußte, aber die WTG! Wir sollten darum wohl unversöhnlich gegen die WT-Irrtümer sein, aber uns nie von dem Geist des Verdammens anstecken lassen, den die WTG gegen ihre Kritiker verbreitet. Lasse sich niemand auf das WTG-Niveau, der Intoleranz, Engstirnigkeit und des blinden Fanatismus herabziehen! Wir sollten unablässig bemüht sein, unseren Brüdern und Schwestern, die uns nicht verstehen, geduldig durch notwendige Erklärungen zur Einsicht in die Wahrheit über die WTG zu verhelfen. Dabei behaltet immer das Schriftwort im Sinn: "Eine gelinde Zunge zerbricht Knochen!" Spr. 25:15.

Der WTG-Gemeinschaftsentzug selbst wegen "Rebellion" oder ähnlich hat vor Gott nicht die geringste Gültigkeit. Er kann uns niemals aus der christlichen Versammlung ausschließen, denn die Schrift fordert von uns konsequenten Widerstand gegen jede Abweichung vom Worte Gottes! 1. Kor. 4:6. Niemand betrachte sich deshalb wegen Rebellion gegen die schriftwidrigen WTG-Lehren als ausgestoßen aus der christlichen Versammlung. Es liegt an der WTG, ihre falschen Lehren zu ändern, ihre geistige und organisatorische Diktatur zu beenden und, die Selbständigkeit, und Rechte der Versammlungen nach Apg. 17:11 so wiederherzustellen, wie es die Beröer-Versammlung zeigt. Habt stets vor Augen, Brüder: Seit 1929 hat die WTG Tausende treuer Brüder und Schwestern als sog. Rebellen skrupellos davongejagt, jawohl, davongejagt, weil sie sich gegen die Einführung der Obrigkeitslehre auflehnten, die Stelle in Römer 13 beziehe sich nicht auf die Regierungen, was der WT erst 1962 (!) änderte. Waren diese Rebellen nicht im Recht? Wir bringen demnächst einen erschütternden Bericht über diese Vorgänge!

Sich zurückziehen

Es gibt eine Reihe Brüder und Schwestern, denen der Haß und die Verachtung seitens der WT-Hörigen unerträglich wird, und es so unmöglich wird, irgendeinen weiteren Kontakt zu pflegen. Dann ist nichts zu machen. Habt Verständnis für diese Brüder. Da sollte uns Christus Vorbild sein, der seinen Hassern sagte: "Herr vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun."

Andere möchten sich ganz zurückziehen, nachdem sie erkannt haben, wie sie von der WTG religiös und politisch irregeführt und mißbraucht wurden. Möge jeder nach dem Maße seiner Kraft handeln. Es ist verständlich, daß viele nach der Zeit der Spannung unter dem WT-Gehorsam sich endlich nach Ruhe sehnen, hat doch die WTG die Nerven vieler auf das Äußerste angespannt und erschöpft. Wir sollten in allen Dingen tolerant und liebevoll sein, denn die Schrift zeigt uns, wie gar zerbrechlich unser menschliches Gefäß oft ist.

Wer jedoch die Kraft dazu empfindet, sollte mutig aufstehen, der Feindschaft der WTG ins Auge blicken und als wahrer Hirte die Versammlungen vor der WTG-Willkür bewahren.

CV-Mission

Es sollte jedoch niemand erwarten, daß CV die haltlosen WTG-Anschauungen und Bibelauslegungen durch ein neues System von Bibeldeutungen ersetzen wird. Wir machen keine neue Sekte auf. Wir wollen keine neue "theokratische" Autorität sein. Wir maßen uns keine Gottgleichheit an wie die WTG, indem wir erklären, unser Wille sei der Wille Gottes (WT 1. 8. 1956 S. 474). Die höchste Autorität ist für uns die Schrift. Das sagt die WTG zwar auch, aber es ist nicht so, denn du darfst die Schrift nur so erklären, wie die WTG es will! Die wiederholte Bibelfalschdeutung des WT (z. B. Obrigkeit) beweist die Erhebung des WT über die Bibel. CV dagegen ist dem Worte Gottes untergeordnet, CV wäre jetzt sogar vollkommen überflüssig, wenn in den Versammlungen die Schrift so gelten würde, wie sie vorliegt, indem niemand über die Schrift hinausgeht. 1. Kor. 4:6. CV führt daher lediglich einen Kampf für die Rückkehr zu biblischem Verhalten als Christ und Bürger.

Das Ideale wäre, die WTG würde ihre falschen religiösen und politischen Positionen verlassen und ihre Anmaßung, Gottes Willen zu vollstrecken, aufgeben. Dann wäre es ein Leichtes, alle Verkehrtheiten gemeinsam abzuschaffen.

Mündige Christen

Mancher meint, die Erörterungen in CV reichen noch nicht hin. Man könne mit ihnen nicht allein fertig werden, die wirkliche geistige Speise fehle darin. Lieber Bruder in Dr., der Du diese Frage besonders aufwarfst. Natürlich reicht CV noch lange nicht hin. Wir müssen noch sehr viel erörtern. Aber das geht eben nur von Ausgabe zu Ausgabe. Da muß man Geduld haben. Was die fehlende geistige Speise betrifft: Wir sind kein neuer "treuer und kluger Knecht", niemand kann sich solche Position heute anmaßen. Wir haben darüber in CV 7 einen ausführlichen Beitrag gebracht. Die geistige Speise ist heute das geschriebene Wort Gottes, wie es in der Bibel vorliegt.

Das muß und soll genügen. Denn es heißt: "Forschet in der Schriften" Joh. 5:39 und "Nicht über das hinaus, was geschrieben steht. 1. Kor. 4:6. Leider hat uns die WTG verleidet und abgewöhnt, unsere geistige Speise selbst in der Schrift zu suchen. Sie hat uns daran gewöhnt, nur noch fertige geistige Speise zu verzehren, die faktisch nur noch wiedergekaut zu werden braucht, um sie zu verschlingen. Sie hat uns das selbständige Bibelforschen abgewöhnt. Das ist die Schwierigkeit. Die WTG hat den allgemein verbindenden christlichen Geist durch ihre intolerante Wortklauberei getötet.

Um das zu veranschaulichen: Warum können z. B. Katholiken und Protestanten und orthodoxe trotz unterschiedlicher Dinge miteinander einen Dialog führen? Weil sie nicht an derart sektiererischen Bibelauslegungen kleben, die zu Intoleranz und unüberbrückbarem Glaubenshaß führen. Weil sie einsehen müssen, daß der Geist Christi über jeder Wortbedeutung stehen muß, ist die Wortbedeutung doch nur in Übersetzungen von Abschriften vorhanden, was uns sehr duldsam machen sollte. Und man bemüht sich, im anderen Christen auch den Bruder zu sehen, sagte doch Christus auch: "Wer nicht wider uns ist, ist für uns!" Mark. 9:40. Wer am Buchstaben klebt, wird den Geist töten, 2. Kor. 3:6, was sich darin ausdrückt, unbedingt Recht haben zu wollen, und wenn es den Geist der Nächstenliebe kostet.

Wenn wir über die Worte Jesu nachdenken "Wer nicht mit mir ist, ist wider mich", Matth. 12:30 und "Wer nicht wider uns ist, ist für uns", Mark. 9:40, können wir das weite Maß von Toleranz erkennen, das Christus wollte, wovon die WTG himmelweit entfernt ist in ihrer Anmaßung, Rebellion gegen sie als sog. Sklaven sei Rebellion gegen, Gott. (WT 1. 8. 1956). Mit der WTG ist darum bei dieser Anmaßung kein Dialog möglich. Sie hat jede Toleranz des Geistes getötet.

Genau besehen braucht der WT-Hörige eigentlich überhaupt keine Bibel mehr. Gibt der WT doch vor, die Bibel allein richtig zu erklären. Wenn dabei eingeräumt wird, den WT anhand der Schrift zu überprüfen, so ist das in Wirklichkeit eine Illusion. Denn du kannst nichts weiter machen, als die Schriftstelle nachlesen, die der WT zitiert. Ob du die Schriftstelle liest oder nicht, ist völlig einerlei, denn du kannst am WT doch nichts ändern, wenn du meinst, sie ist falsch zitiert. Was nützt dir also das Recht zu überprüfen? Nichts. Was hat es den Brüdern genutzt, die 1929 meinten, der WT geht einen Irrweg, wenn er Römer 13 nicht mehr gelten läßt, so wie es geschrieben steht? Nichts hat diese WT-Kontrolle durch die Schrift genützt. Zu Tausenden wurden die Brüder davongejagt! Und genauso ist es heute noch! Beharre nur auf einem biblischen Nachweis gegen den WT, z. B. daß es falsch ist, mit "theokratischer" Kriegslist zu arbeiten, weil die Schrift verbietet, mit List zu wandeln, 2. Kor. 4:2. Man wird dich bald davonjagen!

Und doch müssen wir zurückkehren zum selbständigen Forschen in der Schrift. Wir müssen da jede Unselbständigkeit überwinden. Es muß wieder so werden, daß alle Versammlungen nach dem Vorbild der Urchristen frei und selbständig von Ältesten, Hirten und Evangelisten geleitet werden, unabhängig von jeder Bevormundung irgendeiner Hierarchie von sog. Dienern, die in Wirklichkeit Herrscher sind. Die Diener der Versammlungen müssen wieder fähig werden, das Wort Gottes in den Versammlungen selbständig richtig darzubieten. 2. Tim. 2:15.

Brooklyn und Wiesbaden sind für die Versammlungen unkontrollierbar. Nicht mal alle Mitarbeiter werden bekanntgegeben. Wir erinnern daran, daß Brooklyn selbst die Sonderdienerliste aus den Jahrbüchern seit 1965 entfernt hat. "Gottes Haushalter müssen unbescholten sein" verlangt die Schrift in Titus 1:7. Doch allein 20 Jahre redigierte der Gestapohandlanger Erich Frost den deutschen WT! Und schon 10 Jahre ist der Gestapohandlanger Konrad Franke deutscher Zweigdiener! Unter der WTG sind die Versammlungen ohnmächtig.

Wir stehen erst am Anfang

Wir wollen nicht ungeduldig sein. Nicht nur, daß CV selbst auch Erfahrung sammeln muß in der Auseinandersetzung mit der WTG. Viele Brüder sagen uns, daß CV wirklich das erste Organ ist, daß die komplizierten Fragen der Enthüllung der religiösen und politischen Irreführung durch die WTG in Angriff nimmt. Etliche Brüder und Schwestern warnen uns sogar eindringlich vor den Fallen und Intrigen der WTG, die vor nichts zurückschreckt, wenn es gegen ihre "Rebellen" geht. Wir müßten mit Dingen rechnen, an die wir nicht entfernt denken. Nun, wir sind auf alles gefaßt, scheut sich doch die WTG nicht, die Brüder für ihre kriminellen Verbrechen des Gelclschmuggels z. B. in die Zuchthäuser zu treiben, indem sie zu diesen Verbrechen verleitet. Sie kennt also keine Skrupel, wenn es um ihre Interessen geht.

Aber auch unsere Wegweisung steht erst am Anfang. Es ist ein längerer Prozeß. Nur allmählich und in einem von der WTG aufgezwungenen harten Glaubenskampf kann die Rückkehr zum Urchristentum in den Versammlungen erfolgen. Und wenn erst zwei oder drei in irgendeiner Studiengruppe zusammenkommen. Haben sie das Wort Gottes als Grundlage und den Geist Christi im Herzen, der ein Geist der Duldsamkeit ist, so ist auch dies ein guter Anfang. Denn "wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen", sagte Christus in Matth. 18:20. Wir können also zuversichtlich sein.

Und was die geistige Speise betrifft, so möchten wir zum Schluß sagen, wir können die Schrift nicht ersetzen. Was wir tun, ist aber, die religiösen und politischen Irreführungen und Machenschaften der WTG aufzudecken, damit wieder ein schriftgemäßes und verantwortungsbewußtes Leben in den Versammlungen als Christ und Bürger geführt werden kann. "Suche dir den Sinn meiner Worte klar zu machen, der Herr wird dir schon Verständnis für alles geben', sagte Paulus zu Timotheus (2. Tim. 2.7 Me.). Wenn wir in diesem Suchen geduldig sind, so werden wir, jeder für sich und im brüderlichen Austausch miteinander, dieses Verständnis finden.

Privatwagen aus Gute-Hoffnung-Geldern und Polizeibetrug

Es geht um das Geld der Verkündiger

In vier vorangegangenen CV-Beiträgen wurde erörtert, wie von 1950 bis 1961, "gerechtfertigt" durch die WT-Obrigkeitsfalschlehre, Millionen Mark unter Verletzung der Schrift, und der staatlichen Finanzgesetze nach dem Westen geschmuggelt wurden.

Es wurde sodann gezeigt, wie die WTG seit 1961 ein System für Bereicherung aus der Gute-Hoffnung-Kasse für die geschaffen hat, die wohlhabende Verwandte in Westdeutschland haben. Wenn diese in Wiesbaden etwas überweisen, können die Angehörigen hier in der Versammlung aus der Guten Hoffnung die 3-5fache Summe ausgezahlt erhalten, je nach der Höhe des Westberliner Schwindelkurses. Eine Bereicherung einiger auf Kosten der Brüder und Schwestern, die nichts erhalten können, weil sie keine Verwandten im Westen haben, die der Gesellschaft etwas überweisen. Das System wurde sogar schon auf Weltmenschen ausgedehnt! Nun gibt es eine neue kriminelle Sache. Eine ganze Reihe Brüder fahren "Privatwagen", die auch aus der Guten Hoffnung bezahlt sind! Nicht nur das, sogar die Polizei wird dabei betrogen. Alles auf Weisung der Gesellschaft in Wiesbaden.

Wir wollen das etwas näher schildern gemäß einer Information aus der Versammlung Flöha/Sa.

Ein Bruder wollte gern ein Auto haben. Anfangs sah die Sache scheinbar sehr korrekt aus. Es wurde in Wiesbaden angefragt, ob man aus der Guten Hoffnung ein Darlehen oder eine Anleihe erhalten kann, um sich einen Wagen zu kaufen. Das Geld sollte nach und nach wieder zurückgezahlt werden. Wißt Ihr, liebe Brüder und Schwestern, über wieviel Geld die höheren Untergrunddiener unkontrollierbar durch die Versammlungen verfügen? Für nur ein Berichtsjahr waren es in einigen Kreisdienerbereichen in Sachsen über 300 700,- DM, die nach dem Westen geschmuggelt wurden, Gelder, die sich nun hier stapeln.

Es liegt also sehr nahe, das die höheren Diener auf alle möglichen Ideen kommen, das Geld zu verwenden. Wiesbaden antwortete, ein Darlehen oder eine Anleihe gibt es nicht, verliehen wird kein Geld. Aber die Brüder könnten trotzdem - vertraulich natürlich - Geld aus der Gute-Hoffnung-Kasse erhalten, um einen Wagen zu kaufen. Das Geld erhalten sie aber weder als Darlehen, noch als Geschenk, sondern als Eigentum der Gesellschaft, so daß das Auto das sie kaufen, der WTG gehört. Es ist sozusagen ein geheimer WTG-Dienstwagen, der dem Bruder zur Verfügung steht.

Natürlich muß der Bruder den Wagen bei der Polizei unter seinem Namen und als sein Privateigentum ordentlich anmelden, um die Zulassung zu erhalten. In Wirklichkeit ist es aber kein Privatwagen, sondern ein Dienstwagen; der WTG! Woher das Geld kommt, kann die Polizei ja nicht wissen, sie muß also die falsche Eigentumserklärung vorerst annehmen. Auch in den Versammlungen darf über solche "Autokäufe" nichts bekannt werden! Sehr verständlich, möchten wir sagen, denn die Sache ist ein famoser Polizeibetrug und ein Mibrauch der "Scherflein" der Versammlungen. In Wiesbaden scheint man in List und Tücken unerschöpflich zu sein.

Und nun die Kehrseite. Ist sie es, die die in Frage kommenden Brüder betört? Denn "Privatwagen" muß man das Auto ja auch privat benutzen. Wo bleibt sonst die "theokratische Kriegslist". Also macht man sich schöne Wochenenden und Urlaubsreisen, fährt ins Grüne und Blaue. Auch das Benzingeld wird dabei aus der Gute-Hoffnung-Kasse genommen. Werden, doch alle illegalen WTG-Dienstfahrten als "Privatfahrten" getarnt, und dafür braucht man das Benzingeld nicht selbst zu bezahlen. Aber sehen wir die': Sache von der anderen Seite. Wer in der Versammlung will noch kontrollieren, was eine Privatfahrt und was eine getarnte Dienstfahrt oder umgekehrt war?! Das kann niemand. Also kann man da auf Kosten der Guten Hoffnung fröhlich "Dienstfahrten" machen, die in Wirklichkeit gar keine sind, sondern Privatvergnügen.

Wir sehen wieder die Gefährlichkeit des unkontrollierbaren Untergrundapparates. Von 1950 bis 1961 hat Wiesbaden bedenkenlos die Brüder und Schwestern für den Ost-West-Schmuggel bis ins Zuchthaus wandern lassen, betört von der Fälschung, Brooklyn sei gemäß Römer 13 die höchste irdische Obrigkeit. Dann die Bereicherung aus der Guten Hoffnung auf Kosten der armen Brüder und Schwestern, und nun "Autokauf" für die Diener mit Polizeibetrug durch listige Eigentumserklärungen! Platzt dann ein solcher Schwindel, wie kann man da von Christenverfolgung sprechen?

Lasse sich niemand durch das Privatvergnügen mit WT-Dienstwagen betören! Jehova fordert, daß wir uns von "hinterhältigen Dingen lossagen", das "Wort Gottes nicht verfälschen" und "nicht mit List wandeln", so daß wir uns "jedem menschlichen Gewissen vor Gott empfehlen" können! 2. Kor. 4:2 NW

"Der Kluge sieht das Unglück voraus, die Einfältigen gehen weiter und erleiden Schaden." Spr. 22:3 Me. Denn "die Worte des Ohrenbläsers sind wie Leckerbissen!" Spr. 26:22 Me.

Hirten ohne Erbarmen

Aufsehen über das Buch der Pionierschwester Josy Doyon in Westeuropa

Der Zwingli-Verlag Zürich/Stuttgart kommentiert:

Eine schlichte, tapfere Frau - eine Christin voller Hingabebereitschaft - schildert ihren zehn Jahre dauernden Irrweg mit einer der großen Sekten der Gegenwart: den Zeugen Jehovas. In schonungsloser Wahrhaftigkeit gegen andere und sich selbst berichtet die Verfasserin von ihrer naiven Begeisterung, ihrem unerhörten Einsatz, ihrem allmählichen Gewahrwerden niederschmetternder Tatbestände und ihrer unter schweren Gewissenskonflikten selbständig errungenen Befreiung.

Josy Doyon gibt einen Bericht von gedrängter Lebensfülle, überraschender Vielfalt der Aspekte und einer oft ergreifenden Menschlichkeit. Zugleich befleißigt sie sich aber einer Sachlichkeit, die die Wertung der mitgeteilten Tatsachen weitgehend dem Leser überläßt.

Zwingend wird hierbei deutlich, welche Besonderheit die Gesellschaft der Zeugen Jehovas vor ähnlichen religiösen Bewegungen auszeichnet. Es ist ein geistlicher Totalitarismus von letzter Konsequenz, in welchen Menschen einfacher Denkart durch raffinierte Katastrophendrohung, einen geradezu taschenspielerischen Umgang mit den Urkunden des Christenglaubens und ein mit der Gerissenheit von Managern präsentiertes Sendungsbewusstsein beinahe unwiderstehlich hineingezogen werden.

Gegen die Verführungskraft eines solchen Systems gibt es nur eines: die rückhaltlose Aufdeckung der sonst geschickt verborgenen Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit aufzudecken vermag aber nur der, welcher sie am eigenen Leibe erlebte und schließlich durchschaute. Dies leistet die Verfasserin beispielhaft und zeigt zudem, wie aus einer scheinbar unentrinnbaren geistigen Gefangenschaft doch wieder die Freiheit gewonnen werden kann.

Deshalb ist dieses Buch ohne Zweifel ein notwendiges Buch. Heilsam könnte es für denjenigen sein, der den Fesseln der Wachtturmgesellschaft verfallen ist oder im Begriffe ist, ihnen zu verfallen. Instruktiv wie wohl kein zweites ist es in seiner Materialfülle für jeden verantwortlichen Seelsorger und Gemeindeleiter. Und erhellend schließlich ist es für jeden Menschen, dem die Freiheit des Glaubens etwas bedeutet. Denn hier wird bedrängend klar wie leicht der "moderne" Mensch zur Preisgabe seiner inneren Unabhängigkeit gebracht - und wie verhängnisvoll diese Verführbarkeit ausgenutzt werden kann.

CV wird in den Versammlungen weiter über dieses aufsehenerregende Buch HIRTEN OHNE ERBARMEN von Josy Doyon informieren. Es wurde von der WTG wie die Bücher DREISSIG JAHRE EIN SKLAVE DES WACHTTURM von J. W. Schnell, ICH WAR ZEUGE JEHOVAS von G. Pape und VOM ZEUGEN JEHOVAS ZUM ZEUGEN JESU CHRISTI von H. J. Twisselmann auf die Liste der für die Versammlungen verbotenen Bücher gesetzt.

Alle diese Bücher beweisen, wie die WTG in zahllosen Fällen vom urchristlichen Evangelium abgewichen ist, von dem, was die Apostel damals tatsächlich verkündigt haben.

Wenn wir da die Worte des Apostels Paulus lesen: "Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigten außer dem, was wir euch verkündigt haben: der sei verflucht! Suche ich mit solcher Sprache jetzt Menschen für mich zu gewinnen oder nicht vielmehr Gott? Nein, wenn ich noch Menschen zu gefallen suchte, so wäre ich nicht Christi Knecht", Galater 1:8-10, sollten da nicht alle Brüder und Schwestern ernsthaft bereit sein, die Ansprüche der WTG endlich einmal zu überprüfen?

Die Mutterliebe siegte

Skandalöser WTG-Blutkult in Westberlin

Markus Teschner war vier Tage alt und hatte zwei Feinde: eine gefährliche Krankheit und einen fanatischen Vater. Die Krankheit - vermehrter Gallefarbstoff im Blut - war tödlich, wenn nicht sein Blut ausgetauscht wurde. Doch dazu verweigerte sein Vater die Einwilligung.

Wilhelm Teschner, Erzeuger des Babys, glaubte als Oberprediger der Zeugen Jehovas göttliche Gesetze zu brechen, wenn er bei seinem Sohn Markus in der Berlin-Charlottenburger Kinderklinik eine Bluttransfusion zuließ.

Er zitierte die Statuten der Wachtturm- Bibel und Traktatgesellschaft:

"Blut ist die Seele ... Die Blutübertragung kann zwar zu einer sofortigen und zeitlich beschränkten Lebensverlängerung führen, doch geschieht es auf Kosten des ewigen Lebens ... Es ist verboten, das Blut eines anderen Geschöpfes in sein Körpersystem aufzunehmen ... Enthaltet euch des Blutes."

Kinderklinik-Oberarzt Dr. Geiger bat telefonisch den Berliner Oberamtsrichtcr Dr. Kurt Dietrich um Hilfe, Richter Dietrich wählte einen Notweg. Er entzog den Eltern vorübergehend das Sorgerecht. Per Telefon und Amtsboten holte er binnen zwei Stunden die Zustimmung des Jugendamtes und eines Amtsarztes ein. Dann erteilte er die Genehmigung zur Transfusion. Markus wurde gerettet.

Am nächsten Tag protestierte Prediger Teschner vor Gericht: "Durch den Blutaustausch ist meinem Kind die Seele genommen worden". Seine Beschwerde wurde zurückgewiesen. Daraufhin weigerte sich der Vater, sein eigenes Kind wieder aufzunehmen.

Vier Wochen später siegte die Mutterliebe. Frau Teschner holte den kleinen Markus aus der Klinik nach Hause. Vater Teschner: "Ich spreche nicht mehr über die Sache." Die westdeutsche Öffentlichkeit las diesen Bericht in der Illustrierten STERN 12/1967.

In CV 8 hatten wir über einen WTG-Blutkultfall in Wittgensdorf/Sa. berichtet, wo die Geschwister B. gegen den Protest ihrer Eltern ihr zweijähriges Kind in blinder WT-Hörigkeit auf dem Altar des WTG-Blutkultes opferten.

Wir hatten nachgewiesen, daß die WTG diesen Blutkult erst seit 1945 eingeführt hat, obwohl sie zugeben mußte, daß die Schrift Bluttransfusion nicht verbietet (Erwachet 8. Okt. 1950, S. 12), und die Schrift sagt: "Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!" 1. Kor. 4:6.

Ein aufschlußreicher Erlebnisbericht von einem ehemaligen Versammlungsdiener aus dem Bezirk Dresden.

Durch Zufall kam mir eine Christliche Verantwortung in die Hände. Ich freute mich, wieder einmal etwas über die unbiblische Tätigkeit der WTG zu hören. Du weißt ja, daß alle Brüder und Schwestern nicht mehr mit denen reden dürfen, welche nicht mehr zu den ZJ gehören. Warum? Weil sie ja die Wahrheit erfahren könnten, besonders, was sich hinter den Kulissen tut. Man redet den Brüdern und Schwestern ein in den Versammlungen auf Anordnung der Leitung, daß jeder, welcher mit Ehemaligen spricht, das Licht weggenommen bekommt von Jehova, weil diese mit Dämonen in Verbindung ständen. Anfangs fürchtete ich mich auch davor und sprach nicht mit Brüdern, welche abgefallen und ausgeschlossen waren. Deshalb konnte ich auch lange nicht die Wahrheit erfahren über viele Dinge, hätte es bestimmt sonst gar nicht mitgemacht, wenn ich dies und jenes gewußt hätte. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Auftrag von seiten der Leitung: Adressen sammeln von Funktionären der Partei, führenden Personen im Staatswesen, Stimmung in den VE Betrieben usw. Ich weigerte mich, diesen Auftrag durchzuführen, weil es mir unverständlich war, daß dies noch etwas mit Glauben zu tun habe. Hier fingen meine Zweifel an der göttlichen Organisation an. Auch die Resolutionen, welche die Gesellschaft verfaßte, waren unbiblisch. Jesus hat bei seinem Erdenwandel nie eine Resolution gegen einen Staat abgesandt.

Ich begrüße das Erscheinen von CV, da es voll und ganz meine Meinung vertritt. Da mich Deine oder besser Eure "Christliche Verantwortung" sehr interessiert und auch der Wahrheit entspricht, wie ich es selbst empfand und nachprüfen konnte, würde ich mich freuen, wenn ich sie laufend bekommen könnte.

Möchte mein nun folgender Bericht aus meiner Zeugentätigkeit für viele Brüder eine Anregung sein, die Lehren und Anordnungen der Leitung immer genauestens zu prüfen, damit ihr Glauben später nicht einmal erschüttert werde.

Ich wurde 1946 getauft und war voller Eifer tätig, im Glauben, für den Herrn. Neben meiner beruflichen Tätigkeit schaffte ich monatlich 30-40 Stunden im Felddienst. Außerdem 9 Heimbibelstudien mit gutem Erfolg, denn 14 ließen sich taufen. Auf Grund meines Eifers, wurde ich 1947 WT-Studienleiter. 1948 Vers.-Diener, WT und Buchstudienleiter und Schuldiener. Damit war meine Zeit voll und ganz ausgelastet. 1950 wurde ich verhaftet und verurteilt. 1951 wurde ich aus der Haft entlassen und arbeitete illegal weiter. "Wurde nach kurzer Zeit wieder WT-Studienleiter.

Als WT-Studiendiener hielt ich mich nicht streng an die Anweisungen der WTG beim Studium. Ich las es nicht stur ab aus dem WT wie angeordnet, sondern führte es in Frage und Antwort durch. Dies gefiel aber manchen nicht. Eines Tages kam der VD oder HVD, denn in der Untergrundbewegung kannte man sie ja nie genau, man vermutete es. Diese kamen, um mich zu kontrollieren, ob ich das Studium richtig abhalten würde, was es laut dem Worte Gottes gar nicht gibt. Das Bibelwort sagt. "In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander." Rö. 12:10. Die beiden Brüder bemängelten mein Studium und berichteten es nach Berlin. Einer von ihnen, ich nehme an, es war der damalige VD, kam zu mir und sagte. Im Auftrage der Gesellschaft sollst Du Deine, Art des Studiums hier in Deinem Wohnort niederschreiben, selbst bei Dir tragen und mit einem der verantwortlichen Brüder unserer Versammlung nach Berlin fahren. Du sollst Deinen Bericht persönlich hinbringen und nicht etwa einem Kurier übergeben. Dies gab mir zu denken. Kein reifer Bruder hätte solchen Auftrag einem Bruder übergeben, aber diese beiden Brüder, der VD und der HVD, waren noch sehr jung, kannten die Bibel kaum und waren Hörige der WTG-Leitung. Ihre Charaktereigenschaften waren keineswegs brüderlich, sondern hinterhältig. Als ich ihnen einige Bibeltexte auf Grund ihres Handelns entgegenhielt, gaben sie mir zur Antwort: Die Bibel ist nicht so wichtig. Wichtig ist daß wir das tun, was die WTG-Leitung von uns fordert, in diesem Falle Berlin-Charlottenburg. Ich durchschaute ihre gemeine Handlungsweise. Sie wollten mich aus dem Wege haben. Ich sagte deshalb: Nein, ich mache das Schreiben nicht hier, sondern in Berlin. Die mir bekannte Anweisung lautet von Berlin, keiner darf auf der Fahrt etwas Schriftliches bei sich tragen. Ja, das stimme schon, erwiderten sie, aber diesmal wäre es extra so von Berlin angeordnet worden. Meine Antwort: Ihr glaubt doch nicht etwa, mich auf diese plumpe Weise ins Zuchthaus zu bringen? Später erhielt ich meine Vermutung bestätigt. Es war im Dezember 1962, als verschiedene Diener verhaftet wurden. Unter den Verhafteten war auch ich. Ich sollte der VD sein, was aber nicht stimmte. Es stellte sich aber bei der Vernehmung bald heraus, daß nicht ich es sei, sondern die Brüder selbst, die mich angegeben hatten. Es war ein 'schönes' Zeugnis für die Behörden, welche Liebe unter den Brüdern herrscht. Man sagte mir, sie haben ja wirklich feine und liebe Brüder. Sie belasten sie, um sich einer Strafe zu entziehen, das ist wirklich brüderlich gehandelt. Haben sie davon noch mehr in ihren Reihen? Sie dagegen haben ihre Brüder noch in Schutz genommen. Wir fanden aber bald die Wahrheit und wußten genau, wer VD und wer HVD war sowie auch alle anderen Diener ihrer Gruppe. Ja, ich war bereit, alle Last auf mich zu nehmen, trotz allem. 1. Joh. 3:16, Joh. 15:13.

Ein Erlebnisbericht vom Nürnberger Kongreß 1955

Als einziger Bruder aus der DDR war ich 7 Wochen lang beim Aufbau und der Vorbereitung am Weltkongreß beteiligt Dort ging mir mit der Zeit so manches Nachdenkliche durch den Kopf. Da ich als gelernter Facharbeiter dringend benötigt wurde, hatte ich auch überall Zutritt.

Nach außen wird verkündet, bei den ZJ sind alle Brüder gleich, ob Präsident oder geringster Bruder, Unterschiede gibt es nicht. Hier lernte ich aber Unterschiede kennen. in ganz grober Form. Da schliefen und wohnten die Bezirks und Kreisdiener in der Villa am Dutzendteich, welche von der Gesellschaft gemietet war, mit ihren Frauen in schönen Einzelzimmern mit Betten. Wir als schwer körperlich arbeitende Brüder schliefen auf dem Boden in Massenlagern. Hätte das unser Herr und Meister auch getan? Denken wir an die Fußwaschung.

Zum Mittagessen gingen wir freudig und hungrig in die Massenspeisung. Bei der Massenabfertigung ließ sich ein längeres Warten nicht vermeiden. Wie war es aber bei den Bezirksdienern, Kreisdienern usw? Diese saßen im Dienerzeit an weißgedeckten Tafeln. Sie wurden von sehr nett angezogenen Schwestern bedient.

Während der Zeit des Aufbaues gab es zum Mittagessen in der Villa am Dutzendteich als Getränk Wald- und Wiesentee, welchen ein Bruder täglich frisch aus dem Walde sammelte. Er wurde in großen Kaffeekannen dargereicht. Aber auch Bohnenkaffee gab es. Ich fragte eine junge, nett angezogene Schwester mit einem weißen Kränzchen auf dem Kopf, hier muß es doch Bohnenkaffee geben. Sie bejahte es, ja, bei den leitenden Brüdern steht welcher. Sooo, sagte ich, ist das biblisch? Sie antwortete, ja, die Diener müßten ja auch geistig arbeiten. ich sagte, sooo, meinst Du, liebe Schwester, daß wir, wenn wir am Tage schwer arbeiten müssen, daß uns da ein Kaffee nicht auch gut täte? Die Schwester sagte darauf, sie bezahlen den Kaffee selbst. Eigenartig, sage ich, es wird doch immer gesagt, sie bekämen gar kein Geld, wie ist das da? Die Unterhaltung war damit beendet, und ich ging nun straks zu der Kaffeekanne, machte die Tasse voll und ging. Kein Diener sagte ein Wort aber man sah mich schief an. Sie haben es sich aber gemerkt, wie ich später erfuhr

Bürokratismus auch unter Brüdern in der theokratischen Organisation

Zur Herstellung einer Sicherungstafel für die Leitung benötigte ich ein Brett. Selbiges wollte ich mir in der Tischlerei, welche im Keller eingerichtet war, zuschneiden. Die Sägen hingen in der Tischlerei an der Wand. Ich durfte mir aber keine von der Wand nehmen, dazu sollte ich nur erst einen Schein zur Entnahme bei dem leitenden zuständigen Bruder besorgen. Ich traf diesen aber nicht an, er war außerhalb und sollte am nächsten Tag wiederkommen und mir den Schein holen. Da bei einem so großen Aufbau jede Minute kostbar ist, ging ich zurück in die Tischlerei und nahm mir einfach die Säge von der Wand. Da gab es eine große Auseinandersetzung, und man wollte mir die Säge nicht geben. Die Begründung von seiten der dort Anwesenden war: Ohne Schein kein Werkzeug, weil man niemandem trauen kann. Ich war empört über solchen Bürokratismus und sagte: Ihr wollt Brüder sein in einer theokratischen Organisation? Schämen solltet Ihr Euch, so bürokratische zu handeln, da ist es ja unter Arbeitskollegen im Betrieb besser als bei Brüdern. Da hat man eher Vertrauen und hilft gern, wenn es einer gemeinsamen Sache dient, daran solltet Ihr Euch ein Beispiel nehmen. Solches Gebaren in der Theokratie kann niemals die Arbeitslust fördern, sondern nur hemmen.

Wie man mit mittellosen Brüdern in brüderlicher Liebe umgeht

Mittellos ging ich als einziger Bruder aus der DDR als Handwerker zum Aufbau nach Nürnberg. Die Gesellschaft warnte uns, Geld aus der DDR mitzunehmen, um keine Schwierigkeiten zu haben wegen Devisenvergehen, und ich handelte danach. Da ich aber doch etwas Geld in der Aufbauzeit benötigte, um mir einmal was kaufen zu können, bat ich die 2 leitenden Kongreßdiener, welche nach Wiesbaden ins Bethel fuhren, doch dort mal anzufragen, ob ich nicht 50 Mark erhalten könne, welche ich dann nach dem jeweiligen Kurs wieder zurückzahlen wollte. Sie fragten in Wiesbaden angeblich Bruder Frost, der es aber ablehnte, Als sie ein zweites Mal hinfuhren, bat ich sie abermals, meinen Fall dort vorzutragen, was sie auch versprochen. Der Bescheid den sie mitbrachten, war wieder eine Ablehnung. Das alles gab mir zu denken, und ich frug mich, wo ist da die vielgerühmte Liebe und gegenseitige Hilfe? Als Bruder Frost selbst nach Nürnberg kam, frug ich ihn persönlich, warum er meine Bitte abgeschlagen habe. Er tat verwundert und sagte, da weiß ich ja gar nichts davon. Hole mir mal die beiden Brüder her, die mich gefragt haben wollen. Als sie vor Frost standen, gaben sie zu, daß sie gar nicht gefragt hätten. Sie hatten mich zweimal wissentlich belogen, und Frost sagte ihnen ordentlich Bescheid. Geld bekam ich aber trotzdem nicht mit der Begründung: Wir haben da schon sehr trübe Erfahrungen gemacht, denn das zurückückzahlen fällt immer sehr schwer, und deshalb geben wir nichts. Sonderbare Bruderliebe, erst belügen sie den Bruder, und dann gehts aber trotzdem nicht. Ich empfehle ihnen Kol. 3:9, Spr. 14:5, 25, Spr. 12:17 und Rö. 12:9, 10 zu beherzigen, nicht nur zu lesen.

Nach dieser Ablehnung fragte ich die leitenden Brüder vom Kongreß, weil ich ja mittellos war, ob sie nicht früh bei der Betrachtung des Tagestextes oder beim Mittagessen meine Lage den hier anwesenden Brüdern mitteilen können, daß ich um ihre Hilfe bitte. Es möchte ungefähr so gesagt werden, damit sie es recht verstehen:

Wir haben hier beim Aufbau einen Bruder aus dem Osten bei uns. Er hat die Anweisung der Leitung beachtet und hat kein Ostgeld mitgebracht. Er ist nicht in der Lage, sich etwas zusätzlich zu kaufen und bittet die Brüder und Schwestern hier, ihm behilflich zu sein.

Auch diese Bitte wurde abgelehnt von den Dienern ohne Erbarmen. Sie selbst verfügten ja über Geld und kannten keine Not. Ich bin sicher, wenn es bekanntgemacht wäre, hätte jeder von den kleinen Brüdern und Schwestern 20 Pfennig gegeben, das wären bei 160 Anwesenden 32 Mark gewesen, für mich eine große Hilfe, aber die Brüder der Leitung wollten es nicht und begründeten es: Wir sind doch kein Wohltätigkeitsverein, und außerdem ist dies auch unbiblisch. Die Bibel sagt aber doch: 1. Tim. 5:8, Hebr. 13:16, Luk. 6:33-38. Möchten dies die Brüder beherzigen, nicht nur lesen. Als Trost empfahl man mir dann, wende dich an die Gruppe Virnheim, welche Dich ja angefordert hat. Ich tat dies aber nicht, denn nach so vielen "Liebesbeweisen" durch die Brüder, welche sich zum Teil sogar zum Überrest zählten, war ich voll und ganz bedient. So sieht es innerhalb einer "göttlich" bezeichneten Organisation aus.

Diener als Aufseher ohne Liebe und ohne Erbarmen

Beim Aufbau der Zelte hatten wir mal eine kleine Pause. Wir waren alle froh, daß der Lastzug mit den Masten mal etwas Verspätung hatte, es waren 15 Minuten. Ein Bruder als Aufseher, welcher nur auf- und ablief, verlangte, wir sollten die Zeit auskaufen und einstweilen etwas anderes nebenan arbeiten. Ich sagte ihm, höre mal, wir müssen auch mal ruhen, sonst können wir am Ende gar nichts mehr schaffen. Jedoch er blieb ohne Verständnis und versuchte uns anzutreiben mit unschönen Worten, welche mit Bruderliebe nichts gemein hatten. Ich trat vor ihn hin, und frug ihn, ob unser Meister Jesus Christus auch mit den Händen auf dem Rücken herumgelaufen wäre und seine Jünger angetrieben hätte? Ja, sogar angeschrien hätte? Er meinte, als Aufseher habe er zu beachten, daß alles zügig vonstatten gehe, denn, es müsse bis zum bestimmten Tage alles fertig, sein. Belehrung nahm er nicht an, dazu war er zu erhaben.

Der Arbeiter ist seines Lohnes wert

An einem Tage hatte ich 10 Stunden gearbeitet und 2 Stunden Wache gestanden auf der Zeppelinwiese. Ich kam schmutzig und hungrig in die Unterkunft zurück. Da ich aus diesen Gründen später kam, hatten die Brüder in der Unterkunft vor "Hunger" meine Ration mit aufgegessen (ist auch unbiblisch). Ich bat nun den Küchenchef, welcher auch ein höherer Diener war, er möchte mir etwas zu essen geben Er sagte, die Küche ist geschlossen. Er stand aber neben der Speisekammer. Soll ich denn hungrig zu Bett gehen? Ja, da sind deine Brüder daran schuld, welche deine Ration gegessen haben. Ja, sie waren aber so hungrig und glaubten, ich würde noch etwas bekommen bei der langen Arbeitszeit. Man kann diesen Brüdern keinen Vorwurf machen, für die Arbeit sind die Rationen zu klein, und ich hoffe, daß Du mir nun etwas holst aus der Speisekammer. Nach langem Hin- und Hergerede, wobei auch wieder Worte fielen die nicht christlich sind, holte er mir Brot, Käse und Butter 40 g, aber die Wurst, Banane und Apfelsine bekam ich nicht. Auch auf Vorhalt bekam ich nichts mehr. Die Schrift gebietet: 1. Tim. 5:18, Luk. 10:7, Jak. 5:4. Bitte die Diener, nicht nur lesen, sondern auch beherzigen. In einer "göttlichen Organisation" muß dies Grundsatz sein.

Hochmütige Diener

Laut Anordnung war von 17-19 1/2 Uhr Duschen für Brüder und von 19 1/2 -22 Uhr für Schwestern. Ich kam aber erst um 21 Uhr von der Wache und Arbeit, Arbeitsbeginn war 7 Uhr früh. Da unsere Badezeit vorbei war, ging ich in das Schwesterzimmer (großer Saal) und frug sie, ob ich baden könne. Sie gaben mir die Erlaubnis, weil nur noch 2 Schwestern baden wollten, aber erst kurz vor 22 Uhr, und ich hatte somit 3/4 Stunde Zeit zum Baden. Als ich den Baderaum verlassen wollte, hielt mich der wachhabende Bruder, ein VD oder KD, an und sagte, ich hätte gegen die theokratische Ordnung verstoßen, denn es sei Badezeit für Schwestern. Ich erklärte ihm die Lage und sagte, daß die Schwestern es mir erlaubt hätten zu baden. Die Schwestern haben keinerlei Recht, dir das Baden zu erlauben, das gibt es nicht. Ich sagte ihm nochmals in Ruhe den Sachverhalt, aber er erkannte nichts an, der hochmütige Diener. Ich frug ihn, wie bist du bloß zu deinem Dienstamt gekommen, du hast ja keinerlei Erfahrung, weder biblisch noch arbeitsmäßig. Spr. 8:13.

Eine arme theokratische Organisation

Bruder Frost sagte bei einer Unterredung zu mir: Bruder schreibe in deinen Heimatort an die Versammlung, es möchte niemand von dort zum Kongreß nach Nürnberg kommen, es wird der Gesellschaft zuviel Geld kosten. Ich war erstaunt, denn es wurde doch gesagt, es dürfe für uns kein Hindernis geben, den Kongreß zu besuchen. Da es ein Weltkongreß sein sollte, wären die Geschwister aus Amerika und Afrika auch eingeladen, und für diese dürfe es doch kein Hindernis geben. Wenn es der Gesellschaft nun zu teuer würde, hätte sie ja nicht so viele einladen dürfen, meinte ich. Und die Wenigen, die aus dem Osten kommen werden, das dürfte doch nicht ausschlaggebend sein. Ist die Organisation wirklich so arm? Ich bezweifle das, wenn ich hier den Aufbau sehe, müssen Kapitalien da sein. Was die Handarbeit anbelangt, so arbeiten die Brüder und Schwestern ja alle umsonst und wird eine Menge Geld eingespart und mit der Verpflegung wird auch gespart, nur nicht nach außen hin, da ist Geld da. Da ich überall offen meine Auffassung aussprach, wurde ich bald als schwarzes Schaf bekannt bei den höheren Dienern, und man ging mir möglichst aus dem Wege.

Wie die "arme" Organisation mit Material umgeht

Als wir die großen Zelte aufgebaut hatten, sagte ich zu dem jungen Bruder Reuter, Leiter des Kongresses, wir müssen nun gleich ehe wir weitere Zelte für ca. 100 Betten bauen, einen Wassergraben, um die Zelte ziehen und in den Bach leiten. Er gab mir zur Antwort, das geht dich gar nichts an. In derselben Nacht kam ein Unwetter, und die Hunderte von Strohsäcken im Zelte, welche die Schwestern mit großer Mühe gestopft hatten, alle ersoffen und verdorben. Am Morgen sagte ich zu dem Leiter, da hast du die Bescherung. Er gab aber immer noch keine Anweisung, Gräben zu ziehen. Ich habe ihm dann, Meinung gesagt und auf die Armut der Gesellschaft hingewiesen und wie man mit dem Geld umspringt und es vergeudet. Nach heftigem Wortwechsel ging er. Ich handelte dann mit anderen, Brüdern. Wir zogen die Gräben. Er getraute sich dann nichts mehr zu sagen. Damit hatte ich abermals einen Stein des Anstoßes geschaffen für mich. Mir taten die Schwestern leid, welche wegen der Unterlassung des Bruders von der Leitung nun die Arbeit nochmals machen mußten. Durch ihre Autoritätsanmaßung richten sie nur Schaden an, das habe ich in Nürnberg zur Genüge kennengelernt.

"Vorbildliche" Harmonie in der Leitung

Auch meine Frau hatte sich zum Aufbau gemeldet, jedoch konnte sie erst 14 Tage nach Aufbaubeginn kommen. Der Kongreßleiter Bruder Reuter, sagte mir, ich solle meiner Frau abschreiben, sie möchte nicht nach Nürnberg zum Aufbau kommen, da sie nicht mehr benötigt werde. Nach ein paar Tagen fragte mich der Leiter des Aufbaues, wo meine Frau bliebe, Es ist untheokratisch, sich nicht pünktlich einzustellen. Bei einem solchen Aufbau würde mit jeder Person gerechnet, und es ist unverantwortlich, sein Versprechen nicht einzulösen. Ich sagte ihm, daß ich vom Kongreßleiter Reuter aus nach Hause schreiben mußte, meine Frau solle nicht kommen, würde nicht mehr benötigt. Nach Feststellung, daß ich auf Anweisung des Kongreßleiters so gehandelt hatte, gab es eine heftige Auseinandersetzung zwischen den beiden Brüdern, aber so, daß ich glaubte, an einem anderen Ort zu sein und nicht dort, wo sich Brüder in einer "theokratischen Organisation" begegneten. Einer beschuldigte den anderen irgendeiner verkehrten Handlung, und einer wollte mehr zu sagen haben als der andere. Hier kann man wirklich nicht mehr von Harmonie sprechen, denn ein einträchtig Beieinanderwohnen gab es nicht. Solche Fälle gab es noch mehr, man kann das nicht alles schildern. Die Worte aus Psalm 133:1 sollten beherzigt werden. Ebenfalls 1. Joh. 2:9-11, 3:16. Wie kann unter solchen Zuständen die Bruderliebe bleiben, oder sich festigen? Bei mir kam durch diese Erlebnisse vieles ins Wanken.

Ausschluß nicht nach theokratischen Grundsätzen, sondern durch Verleumdung und übler Nachrede

Nach allen Erlebnissen und Auseinandersetzungen mit den höheren Brüdern war ich ein schwarzes Schaf unter den weißen und konnte in der Herde nicht mehr geduldet werden, es würden sonst noch andere sich gegen Ungerechtigkeit auflehnen, und das ist nicht tragbar. Man suchte nach Gründen und glaubte nun einen gefunden zu haben. Ein Bruder W., welcher mir sehr gut bekannt war, erschien bei mir mit einem mir unbekannten Brd. N. Ich bat, mir den Brd. doch vorzustellen, da gab mir Brd. W. zur Antwort, vorstellen ist nicht mehr notwendig, so lauten die Anweisungen der Org.-Ltg. So blieb es bei einer Nichtvorstellung, trotzdem ich sagte, dies gebiete doch der Anstand. Kamen aber gleich zur Sache und sagten, du weißt doch von dem Brief, welchen Du nach dem Westen geschrieben hast. Ich besann mich nicht gleich darauf. Erst bei näheren Angaben erinnerte ich mich. Die beiden Brüder besuchten mich im Jahre 1962. Ungefähr ein halbes Jahr vorher hatte ich einen Brief an liebe Geschwister im Westen geschrieben. In dem Brief stand unter anderem, ob das Ausstellen von gefälschten Ausweisen an Kreisdiener in der DDR auch noch etwas mit Glauben zu tun hat usw. Ein Kreisdiener bei uns hatte mir dies mitgeteilt, sonst hätte ich es gar nicht gewusst. Auf diesen Brief an die Westgeschwister habe ich nie eine Antwort bekommen. Auch schrieben sie nie wieder. Bei dem Besuch der beiden Brüder W. und N. wurde nun klar, daß die Geschwister diesen Brief ihrem VD in der Gruppe V. gegeben haben, und dieser hat ihn nach Wiesbaden geschickt. Von Wiesbaden kam nun die Anweisung an meine Gruppe, mich auf Grund des Briefes auszuschließen, denn ich könnte ihnen gefährlich werden. Daraufhin kam es zu Auseinandersetzungen, da ich die Wahrheit geschrieben hatte, konnte man mich ja nicht übler Nachrede oder Verleumdung bezichtigen, was ich mir energisch verbat. Der Brd. N. kam in Extase und wollte tätlich werden, indem er mir die Faust vor das Gesicht hielt. Meine Frau und Tochter sind dazu Zeugen, Er schrie, wir werden es Dir verkümmeln, daß Du nochmals einen WT bekommst. Ab sofort gehörst du nicht mehr zu uns, du bist ein Verräter. Ich antwortete, ihr nennt euch Brüder und handelt ohne Liebe und Verstehen, Wo habe ich Verrat geübt? Nur die Wahrheit habe ich geschrieben. Nun aber raus aus meiner Wohnung, sonst könnte das eintreten, was der Bruder N. gern wollte, in Tätlichkeiten übergehen. Ihr wollt Diener Gottes sein, schämen solltet ihr Euch.

Die Versammlung meines Ortes hat nie die Wahrheit erfahren, warum sie mich rausgetan haben. Man sagte ihnen die Unwahrheit. Ich hätte sie die Treppe runtergeworfen, wäre ein Hurer, Verräter, Spitzel usw. Erst wollte ich sie gerichtlich belangen wegen Verleumdung, aber dann sagte ich mir, der Herr ist Richter jeder Ungerechtigkeit und wird auch hier alles offenbar machen So viel mir bekannt ist, werden die meisten Ausschlüsse nicht nach den Richtlinien durchgeführt, welche die Gesellschaft vorschreibt. Es ist alles Willkür und geht auch viel nach Gunst. In allen Versammlungen werden da Erfahrungen vorliegen, und ich wünsche, daß man aus meinen Erlebnissen Lehren zieht zum Nutzen für alle Brüder.

Zum Schluß möchte ich sagen, daß mich Eure "Christliche Verantwortung" sehr interessiert, und freue mich mit noch anderen Ehemaligen hier, diese weiterhin zu empfangen. Wir lesen und verfolgen alles sehr aufmerksam und freuen uns auf die nächste Ausgabe. Für alle, bisher erhaltenen herzlichen Dank.

Auch wir sagen dein lieben Bruder für seinen ausführlichen Bericht herzlichen Dank und bitten um weitere Mithilfe. Allen Ehemaligen dort herzliche Grüße alles Gute und des Herrn Segen.

Interessante Mitteilungen

CV in die Flammen!

Bruder Pr. aus der Nähe von Leipzig erhielt CV und schreibt: "So spricht der Herr Jehova. Jes. 57:20. Schicken Sie dieses Zeug ruhig weiter, damit es hier wie bisher den Flammen ungelesen übergeben werde, denn der Herr Jehova verbietet uns, als seinen Zeugen, Unreines anzurühren. Jes. 52:11." Es ist bedauerlich, so fanatisch zu sein. Er scheint CV aber doch zu lesen. Wie sollte er sonst wissen, daß CV "Unreines" sei? In Wiesbaden wird CV sogar als Nachschlagewerk gesammelt. Wir hoffen, daß auch aus diesem Saulus ein Paulus wird.

Gestapodiener Konrad Franke in USA publik

Zehntausende Offene Briefe und Flugschriften der CHRISTLICHEN MISSION FÜR JEHOVAS ZEUGEN von Br. W. Schnell, Florida, USA, berichten in den Versammlungen der USA, Kanada und Westeuropa über die Gestapodienste der deutschen Zweigdiener E. Frost und K. Franke. Gestapoprotokolle von 1937, deren Veröffentlichung 1961 im Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL Nr. 30/61 die "Säule" Frost fallen ließ, werden zitiert, laut 2. Offenen Brief. In der Flugschrift "Operation Befreiung" wird vermerkt, daß laut WTG-Gründungsprotokol1 vom 9. September 1945, Magdeburg, alle Nazidiener ausgeschlossen werden müssen. Trotzdem sind solche Personen noch heute im Dienstamt. Das bezieht sich auf Zweigdiener K. Franke, dessen Nazidienste u. a. in CV 2 und 3 nachgewiesen wurden.

Haben sie recht?

Die christliche Zeitschrift DIE BOTSCHAFT, Hannover, vom 6. November 1966 urteilt über die WTG-Anhänger:

Sie sind im Grunde genommen fest in ihre religiöse Welt eingeschlossen und vermögen es nicht, ihre Überzeugungen im freien Gespräch aufs Spiel zu setzen, sie der Kritik auszuliefern und über diese Kritik nachzudenken.

Zweierlei Maß!

Hat jemand gewußt, daß der oberste Diener in der DDR, Werner Liebig, Dresden, welcher seit 13. 8. 1961 als Bezirksdiener der Untergrundorganisation in der DDR fungierte und zur Zeit in Haft ist, während seiner Tätigkeit immer von seinem Wahlrecht Gebrauch machte? Er beteiligte sich auch am nationalen Aufbau.

Liebig kannte die durch den WT-Antikommunismus als heuchlerisch erwiesenen VdO-Richtlinien der WTG ganz genau, welche an alle Diener, der Versammlungen gingen und lauten: "NV", das heißt Neutralitätsverletzung, ist eine Sache, bei der sich jemand durch seine Handlungsweise von der Familie trennt. Es wird gegen ihn kein Verfahren eingeleitet. Wir haben mit einem Neutralitätsverletzer ebensowenig zu tun, wie mit einem, der "GE" hat, das heißt, der Gemeinschaftsentzug hat."

Das bedeutet, wer wählt, ist ein "NV" und wird einfach isoliert und beiseitegeschoben. Ihn trifft die gleicht Verachtung, wie einen, der dem "GE"-Bannstrahl unterliegt. Mit der Familie ist die illegale Organisation gemeint. Gegen diese Neutralitätsverordnung der WTG handelte Liebig ohne ausgeschlossen zu werden. Warum? Den höheren Dienern ist es erlaubt, dieses als "theokratische Kriegslist" anzuwenden, damit sie nicht auffallen. Mithin gilt diese heuchlerische NV-Verordnung, der WTG aus politischen Gründen nur für die kleinen Brüder und Schwestern, wo sie erbarmungslos angewandt wird. Dies sollte allen zu denken geben und zum Erkennen der "Hirten ohne Liebe" beitragen.

A 3180/67 V 18 6

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