Kommentare zu den eingescannten CV-Ausgaben
CV 107
Über die Präambel-Veränderung der CV wurde bereits im Kommentar zur vorigen CV-Ausgabe berichtet. Zielstellung der CV war es auch "organisatorische Strukturen" zu schaffen, so denn möglich. Im Verfolg dieser Politik wurden zu "Tagungen" auch Vertreter der historischen Splittergruppen der WTG eingeladen, die seitens der CV auch ansonsten einigermaßen hofiert wurden. Diesen Kreisen geht es eigentlich mehr um "Erbauung". Die CV-Konzeption der "Abrechnung" mit der WTG ist nicht unbedingt das was ihnen so vorschwebte. Ergo kam letztendlich ein "ungenießbarer Kompromiss" heraus.
Von der Grundkonzeption politischer Kritik an der WTG wurde auch weiterhin nicht abgewichen. Aber man suchte schon, diesen Splittergruppen etwas entgegenzukommen.

Deutlich wird dies auch in dieser CV-Ausgabe. Da meint man doch allen Ernstes, beim kommentieren eines Wachtturmartikels wahrgenommen zu haben. Zitat:
"In dieser 'biblischen Antwort' auf die Ursachen des Bösen ist nicht der geringste Hinweis mehr auf den Teufel vorhanden Es wird alles rein rational, im Menschen selbst liegend, in seiner natürlichen Lust und Begierde liegend erklärt. Man traut seinen Augen nicht, wenn man das liest. Aber, der Teufel ist weg! Nicht einmal einen indirekten Hinweis auf ihn gibt es."
Vorstehendes ist ja nun wahrhaftig eine Sicht die von extremer oder gar gewollter Kurzsichtigkeit zeugt. Letztendlich ist es eine "Morgengabe" an die historischen Splittergruppen, für die der Teufel selbstredend eine unverzichtbare Konstante ihres Weltbildes ist. Aber letztendlich nicht "nur" für sie. Die hier genannte Zweckerklärung seitens der CV ist in der Tat nicht ernst zu nehmen.

Wieder einmal (wen wunderts?) wird auch in dieser Ausgabe das Thema Antikommunismus hochgekocht. Als inkriminierend werden aus der WTG-Literatur nach 1945 Sätze wie diese zitiert:
"
Zwar existieren die Konzentrationslager der Gestapo nicht mehr, doch fühlt sich die breite Volksmasse in der östlichen Zone im allgemeinen nicht viel freier als zur Nazi-Zeit." Die angewandten Methoden „ähneln oft den nazistischen". Die Meinung sei „vorherrschend, daß die Russen unbedingt verschwinden müssen".... „Was den Sowjetkoloß für seine Gegner so furchterregend macht, ist das Ansteigen des Kommunismus in Europa und anderen Erdteilen. Mindestens 11 Millionen organisierte Kommunisten in Frankreich und Italien! Machtübernahme durch die Kommunisten in Rumänien, Ungarn der Tschechoslowakei! Kommunistische Regierungen auch in Polen, Jugoslawien, Bulgarien und Albanien! Werden diese für den Bestand der anderen lebensgefährlichen Manöver nicht alle von der Moskauer Sowjetzentrale aus gelenkt? Welche Mittel könnten die anderen gefräßigen Reiche dieser Welt anwenden, um dem knurrenden russischen Bären kräftig auf die ausgestreckten Tatzen zu klopfen?"

Was ist dazu zu sagen. Zum einem. Genannte Zitate lassen sich in der Tat in der WTG-Literatur nachweisen. Desweiteren. Erklärte USA-Politik in den fraglichen Jahren war die der Zurückdrängung des Kommunismus (Roll back). Die offiziellen Zeugen Jehovas befanden sich, mit den genannten Zitaten, in inhaltlicher Übereinstimmung mit dieser USA-Politik. Genauer. Sie waren sogar eines ihrer Werkzeuge zur Umsetzung dieser Zielstellung. Dies alles ist einzuräumen. Der Farce, der Propagandabehauptung der WTG man sei doch "neutral" ist daher mit Entschiedenheit zu widersprechen. Ihre vorgebliche "Neutralität" erweist sich in der Praxis als Versagung der Erfüllung staatsbürgerlicher Ansprüche, die auch die kommunistischen Regime, nicht zu knapp, stellten.
Dies ist das Eine. Das andere ist. Wie ist der Wahrheitsgehalt jener hier inkriminiert zitierten Aussagen zu bewerten. Und da sage ich ebenso klar. Es ist die tatsächliche Stimmung breiter Volksschichten, sachgerecht reflektiert. Genau diese Feststellung passt natürlich den kommunistisch Gläubigen nicht. Sie werden damit leben müssen, zumindest heutzutage, dass es trotzdem so gewesen ist. Die WTG hat da nichts sachlich Falsches gesagt. Das einzigste was man ihr berechtigt vorhalten kann, vorhalten muss ist dies, dass es bei ihr keine "Neutralität" gibt, sondern nur die handfeste Mitdurchsetzung der jeweiligen USA-Politik. Dies allerdings auch, ziemlich oft auf der "verdeckten Ebene". Eine maßgebende Behörde in den USA für die "verdeckte Ebene" hört auf den Namen CIA. Hier begegnet einem ein indirekter Ableger derselben!

Noch so ein bezeichnender Satz in dieser CV-Ausgabe
Da liest man, und traut seinen Augen nicht, auch als Zwischenüberschrift den Satz: "Das von der WTG nie veröffentlichte Eingeständniss des Leiters des Bibelhauses Paul Großmann". Vollmundig meint die CV verkünden zu können, Großmann hätte schon zeitgenössisch die ostzonalen Vorhalte gegen die Zeugen Jehovas als "relativ wahr" bezeichnet. Dazu mag man nur eines sagen. Jeder andere möge, wenn denn möglich, als "Kronzeuge" genannt werden. Nur einer nicht. Eben besagter Paul Großmann. Warum? Weil er bereits vor dem DDR-Verbot in einer heimtückischen Aktion von den Sowjets verhaftet und danach nie wieder die Freiheit erlangt hat. Im Gegenteil. Er ist dann in den ostdeutschen Zuchthäusern buchstäblich noch umgekommen. Die CV nennt keine Quellen. Sollte sie aber auf irgendwelche erzwungene Verhörprotokolle abstellen, bedarf dies der ausdrücklichen Hinzufügung. Erpresste Voten, müssen auch als solche bezeichnet werden. Egal ob die Gestapo einen Erich Frost oder Konrad Franke erpresste Protokolle unterschreiben ließ, oder ob ihr institutioneller Nachfolger, landläufig als Stasi bezeichnet, sich kaum anderer Methoden bediente.


CV Christliche Verantwortung
Informationen zu christlichem Wandel und vermehrtem Verständnisvermögen
1. Thess. 4:12, 1. Kor. 14:20 -
Begründet 1959 von Willy Müller, GD, Gera/Thür., DDR

DIE MISSION VON CV
ist Wegbereitung und Auferbauung im Glauben in christlicher und sozialer Mitverantwortung und tätiger Nächstenliebe hier .und heute. Dies erfolgt in besonderem Hinblick auf die von der Wachtturm-Gesellschaft: (WTG), USA, geleiteten Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und ihrer haltlosen Weltendeverkündigung. Diese Mission geht aus von Tradition und Bedeutung, der internationalen Bibelforscherbewegung und dient der Hinführung in die Nachfolge Jesu, der Bildung und Tätigkeit freier christlicher Gemeinden sowie, christlicher und mitmenschlicher Verständigung und aktueller Information. Wir rufen zur Mitarbeit.

Nr. 107 Gera Juni 1978

Christliche Verantwortung 1978 Teil I

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