"Die Aussicht" Jahrgang 1914

"Die Aussicht" Januar 1914

"Die Aussicht" Februar 1914

"Die Aussicht" März 1914

"Die Aussicht" April 1914

"Die Aussicht" Mai 1914

"Die Aussicht" Juni 1914

"Die Aussicht" Juli 1914

"Die Aussicht" August 1914

"Die Aussucht" September 1914

"Die Aussicht" Oktober 1914

"Die Aussicht" November 1914

"Die Aussicht" Dezember 1914

Notiert aus dem Jahrgang 1914 der "Die Aussicht"

Ein mit G(ustav) B(aumann), also der verantwortliche Redakteur der „Die Aussicht" gezeichneter Artikel, in der Januar-Ausgabe selbiger, betitelt „1914!?" lässt schon mal einige Ernüchterungen erkennen.

Einleitend wird schon mal notiert:

ja viel ruhiger war die Jahreswende als vor einem Jahr, da die ganze zivilisierte Welt voll Spannung nach dem Balkan blickte und den Augenblick gekommen glaubte, da aus dem entzündeten „Pulverfaß" der große Völkerbrand entstehe."

Und wieder hat sich das drohende Gewitter verzogen", wird weiter festgestellt. Indes hätten die Leser der „Aussicht" doch eigentlich den „großen Knatsch" erwartet.

Jahrelang hätte man diesem Datum zugefiebert.

Verwiesen wird desweiteren, dass Russell „vor Tisch" eigentlich das Datum 1910 favorisiert habe. In der Zeitspanne von 1910 bis 1914 hätten all die wundersamen Dinge zu geschehen, dann aber noch selbst „rechtzeitig" „kalte Füsse" bekommen und das Datum 1910 wieder außer Kurs gesetzt habe.

Mit viel Nachdruck wurde darauf hingewiesen, daß die „Brautklasse", die auf ihren Herrn wartende Gemeinde der Heiligen, bis zum Jahre 1910 vollständig von Ihrem irdischen Schauplatz verschwunden und durch den „Vorgang des Todes" (eines nach dem Andern) zum Herrn hingerückt worden sei, nachdem die früher entschlafenen Heiligen bereits im Jahre 1878 die „Erste Auferstehung" an sich erfahren haben und im Jahre 1881 die „hohe himmlische Berufung" aufgehört habe."

Baumann kommt nicht umhin (eher widerwillig) feststellen zu müssen:

Umso auffälliger mußte nun aber das gänzliche Ausbleiben aller auf 1910 geweissagten Ereignisse werden. Dieselben hätten ja von aller Welt wahrgenommen werden müssen."

Siehe dazu auch 1910 zu den Akten gelegt

Ein weiterer Baumann’scher Satz zu dem er sich gleichfalls widerwillig zu äußern genötigt sieht:

Und wenn Br. Russells heutiges Zeugnis hinsichtlich dieses Punktes biblisch ist, war dann das frühere, gegenteilige auch „Speise von Gott?" Wir müssen das heute bezweifeln."

Die Widerwilligkeit dieser Feststellungen seitens der „Aussicht" offenbart in diesem Rückblick auch der Satz:

Übrigens haben wir selbst Ursache genug, uns zu demütigen, weil wir die genannten Prophezeiungen eine zeitlang auch glaubten und verbreiten halfen."

Aber tröstet man sich, man habe ja selbst schon mal ein anderes Ententeichdatum, und zwar 1933, ins Gespräch gebracht. Dafür könne man dann sogar ein Copyright beanspruchen, denn die WTG-Hörigen hätten dieses Datum nicht mit übernommen.

Bezüglich der 1933-Spekulationen heißt es weiter:

Dies Zeugnis hat uns damals wenig Schmeichelei eingebracht, viele „1914-Treue" wiesen die Aussicht zurück und von leitenden Brüdern wurde uns ernstlich verwiesen, daß wir damit die Geschwister „unsicher" gemacht und Br. Russells, des „Haushälters", Autorität untergraben hätten."

In Fortsetzung dieser Gedankenlinie verlautbart man dann in der Februar-Ausgabe 1914

Nun möge der l. Leser ja nicht glauben, daß wir nicht heute noch davon überzeugt sind, daß die Dinge diesen in der hl. Schrift deutlich vorgezeichneten Verlauf nehmen werden. Nur hinsichtlich der ausgerechneten Zeitpunkte hatten wir so unsere eigenen Gedanken."

Ergo die grundsätzliche Narreneinstellung hält man unverändert bei.

Noch so ein markiger Narrensatz der „Aussicht";

„Selig ist, wer am Fehlschlag seiner Spekulationen keinen Anstoß nimmt und zu glauben fortfährt: Die Zeit ist nahe!"

In der März-Ausgabe 1914 verlautbart man dann:

Unsere Erwartung, daß der Balkankrieg 1912/13 den Zusammenbruch der Reiche dieser Welt herbeiführen würde, hat sich bis jetzt nicht erfüllt.

Aber er hat einen „Frieden" hinterlassen, der kein Friede ist."

Ergo das Gummiband der vermeintlichen Anzeichenbeweise wird weiter strapaziert, sowohl in WTG-Kreisen als auch in der „Aussicht".

Indes in der August-Ausgabe 1914, wähnt man wieder Morgenluft zu wittern. Unter indirektem Hinweis auf den Mordanschlag von Sarajevo kommentiert man zeitnah;

Ausblicke Brüder, Schwestern, eure Erlösung naht!

Mit Riesenschritten. Diesmal dürftet ihr wohl kaum mehr vergebens Ausschau halten nach der Offenbarung des Königs der Könige. Der erste Schlag der eisernen Rute ist erfolgt."

Unter Hinweis auf Militäreinberufungen wird das dann gleich ausgeweitet zu der These;

Sollte sich „diesseits" eine Zusammenkunft nicht mehr verwirklichen, so wolle der Herr seinen Zuruf „Sei getreu bis in den Tod" in unser aller Herzen um so lebendiger wiederhallen lassen. Und nun, ihr lieben Geschwister, alle: „Gott sei mit uns, bis wir uns wiedersehn!"

 

"Die Aussicht" Jahrgang 1913

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