Anti Bibelforscher"koryphären" in Aktion

Der Fall Jonak

Der Verbotsweg der Zeugen Jehovas in Hitlerdeutschland nahm seinen Lauf. Da geschah im Jahre 1936 etwas relativ ungewöhnliches. Im Berliner katholischen Germaniaverlag erschien eine Veröffentlichung mit dem Titel: „Die Zeugen Jehovas. Pioniere für ein jüdisches Weltreich. Die politischen Ziele der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher." Als Verfasser wurde genannt: Dr. Hans Jonak von Freyenwald. [1] Mit seiner Anfang 1936 veröffentlichten Schrift über die Zeugen Jehovas, der eine ausdrückliche Druckerlaubnis des Erzbischöflichen Ordinariates Wien beigefügt wurde, hatte Jonak die Zeugenführung in der Tat empfindlich getroffen.

Er schreibt darin: „Mit meinen Ausführungen versuche ich die maßgebenden Stellen über diese neueste scheinreligiöse, in Wirklichkeit Christentums- und staatsfeindliche internationale Zersetzungsorganisation aufzuklären."

Er resümiert, dass nach seiner Meinung „jede Regierung, der die Erhaltung christlicher Anschauungen und staatsbürgerlichen Empfindens am Herzen liegt, zu keinem anderen Urteil kommen darf, als die Weiterentwicklung der Bewegung durch ein Verbot zu verhindern."

Im Angesicht des Verbotes in Hitlerdeutschland geht er, soweit zu erklären „Wer von einer Überschreitung des Höhepunktes spricht verkennt die Tatsachen und die Zähigkeit, mit der Rutherford und seine Hintermänner ihr Ziel verfolgen." Und er fügt dozierend hinzu, dass er die Gefährlichkeit der Bibelforscher auch darin sehe, dass „zahllose Menschen in allen Ländern, wenn sie auch nicht zu Bekennern der Bibelforscherreligion gemacht werden, doch in Ihrem Glauben zur christlichen Religion und in ihrem Vertrauen zur staatlichen Ordnung vergiftet werden." [2]

Das waren Aussagen, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig ließen und die im Kontext der damaligen zeitgeschichtlichen Situation, nicht anders als der Ausdruck einer Todfeindschaft gedeutet werden können. [3]

Aufhänger für seine überzogenen Thesen war ihm die Endzeitverkündigung der Zeugen Jehovas, die er mit den Worten kolportierte: „Vernichtung der Regierungen aller Länder ist somit das Programm der Ernsten Bibelforscher, und ein solches Programm nennt man ein politisches. Daran wird auch nichts geändert, dass Rutherford das von ihm aufgestellte Programm … auf Jehova zu überwälzen versucht. Leute mit solchen Plänen gehören, je nachdem man ihren Geisteszustand beurteilt, entweder wegen religiösen Wahnsinn in eine Irrenanstalt oder als Hetzer gegen den Staat und Kirche in eine Strafanstalt." [4]

In einer Denkschrift der Gestapo München vom 24. 2. 1936 wird gerade diese Passage von Jonak als rechtens zitiert und er als „ausgezeichneter Kenner der Bibelforscherfrage" bezeichnet. Als Schlussfolgerung wird daran die Feststellung angehängt: „Im eigensten Interesse muß der Staat mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Internationale Bibelforschervereinigung vorgehen um sie wenigstens in Deutschland für immer zu vernichten." [5]

Hinzugefügt wird: „Es hat sich gezeigt, dass die bisherigen Strafen ihren Zweck verfehlten, wenn die Bibelforscher nach Verbüßung ihrer meist nur wenige Monate dauernden Gefängnisstrafen entlassen wurden, so waren sie nicht etwa bekehrt, sondern fühlten sich vielmehr als Märtyrer und hielten nur noch stärker fest am 'Werk des Herrn'. Es ist daher eine zwingende Notwendigkeit, dass der Staat jeglicher Betätigung für die verbrecherischen Ziele der internationalen Bibelforschervereinigung so ahndet, dass der Betreffende für lange Zeit von der menschlichen Gesellschaft ferngehalten wird und keine Gelegenheit hat, sein Treiben fortzusetzen, dass aber andererseits die Strafe auch eine empfindliche Abschreckung für alle mit der Irrlehre Sympathisierenden darstellt." [6]

Jonak konnte sich also das zweifelhafte Verdienst zuschreiben, als Sprachrohr für die Öffentlichkeit dieses Gestapo-Programm verkündet zu haben.

Im „Korrespondenzblatt für den katholischen Klerus Österreich" bekam er die Möglichkeit zu einer umfänglichen Selbstdarstellung. Der Artikel endete mit der redaktionellen Anmerkung: „Hochwürdige Mitbrüder, die sich ausführlich über die Ernsten Bibelforscher orientieren wollen … seien auf die ausgezeichnete Broschüre, die zudem die Druckerlaubnis des erzbischöflichen Ordinariats Wien trägt: Die Zeugen Jehovas, aufmerksam gemacht." [7]

In der Sache redete er dem dortigen Leserkreis nach dem Munde: „Ihre Lehre ist nur scheinbar eine christlich-religiöse, in Wirklichkeit eine politische mit religiöser Verbrämung. Aus ihrer Lehre erwähne ich bloß kurz, dass sie die Dogmen der heiligen Dreieinigkeit und der Unsterblichkeit der Seele verwerfen. Das heilige Sakrament des Altares ist ihnen eine gotteslästerliche Einrichtung, die Lehren vom Fegefeuer und der Hölle werden als satanische Erfindungen hingestellt und das Papsttum sowohl als auch die gesamte Geistlichkeit in unflätigster Weise angegriffen. Vom ganzen Christentum bleibt nichts übrig, alles wird in den Kot gezerrt." [8]

Eine solche Darstellung, die keineswegs mit den Ausführungen in seinem Buch konform ging, gleicht eher dem werfen von Nebelkerzen. Nicht irgendwelche theologische Differenzen sind sein Hauptanliegen - wohl aber das Nachreichen der Begründungen für das Verbot in Hitlerdeutschland und der Zielstellung es auch in anderen Staaten, insbesondere in der Schweiz, gleichfalls durchzusetzen. Seine Argumentation ist nicht immer besonders schlüssig.

Beispielsweise behauptete er: „Plan der Bibelforscher ist, die Völker mit den Mitteln der Glaubensberaubung und wirtschaftlichen Revolutionierung zu entsittlichen und zu zermürben, um aus dem Chaos die jüdische Weltherrschaft entstehen zu lassen. Indem die Ernsten Bibelforscher ein solches Programm verfolgen, ergibt sich die bisher leider noch nicht voll gewürdigte Tatsache, dass ihre Religionslehre nur Mittel zum Zweck ist und dass sie keine religiöse, sondern eine politische Gesellschaft mit umstürzlerischen Programm sind."

Auch diese äußerst gewagte Jonak'sche These hat das „Korrespondenzblatt für den katholischen Klerus Österreichs" abgedruckt. Aber es kommt noch „besser".

Aus zeitlichen Gründen konnte Jonak ein bestimmtes „Highlights" in seinem Buch nicht mit unterbringen. Er holt es jetzt im „Korrespondenzblatt …" nach. Im Anschluss an seine vorhergenannte These äußert er: „Selbstverständlich leugnen dies die Ernsten Bibelforscher, sobald sie vor einem Gericht stehen und sich gegen den Vorwurf kommunistischer Ziele verteidigen müssen. Ein solcher Prozess fand erst vor kurzem vor einem Sondergericht statt, woselbst ein sogenannter Zeuge Jehovas wegen verbotener Betätigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Dem Gericht lag unter anderem ein beschlagnahmter Brief eines amerikanischen Zeugen Jehovas vor, in dem dieser schrieb: Die gegenwärtigen üblen Regierungen sind nun zu Ende und bald wird eine ehrliche, rechtmäßige Regierung errichtet werden, zugunsten der Menschheit unter der Oberaufsicht des großen Messias, unseres Heiligen Vaters Joseph Stalin von Neurussland."

Was Jonak nicht sagt, was für Sachkenner jedoch durchaus ermittelbar war und ist, betrifft das Faktum, dass zur gleichen Zeit das SS-Organ „Das Schwarze Korps" einen ähnlichen Artikel publizierte. [9] „Das Schwarze Korps" machte seinen Artikel mit der reißerischen Überschrift auf: „Unser Heiliger Vater Joseph Stalin" um weiter zu verkünden: „Wo der Jude sitzt, ist auch der Bolschewismus nicht weit. Das beweist nicht nur die Verherrlichung Stalins und des Kommunismus in den Auslassungen der Bibelforscher."

„Das Schwarze Korps" zitiert in diesem Zusammenhang weiter: „Die 'Schriftstudien', Band 4 verkünden auf Seite 379: 'Wäre das tausendjährige Reich schon aufgerichtet … dann könnte der Kommunismus gedeihen. Er könnte dann wohl die beste Gesellschaftsform sein, die sicher der König der Könige zu seiner Methode macht. Aber auf das warten wir.'

An die Wachtturm Bibel und Traktatgesellschaft in Magdeburg schrieb der Zeuge Jehovas Hope aus Winnipeg in Kanada am 5. September 1936:

'Die gegenwärtigen üblen Regierungen sind nun zu Ende und bald wird eine ehrliche, rechtmäßige Regierung errichtet werden zugunsten der Menschheit unter der Oberaufsicht des großen Messias, unseres Heiligen Vaters Joseph Stalin von Neu-Rußland Union der Sowjetrepubliken.'"

Ein solches Zitat war naturgemäß das gefundene Fressen für das „Schwarze Korps". [10]

Es ist bezeichnend, dass Jonak es für angebracht hielt der klerikalen Leserschaft gleichfalls diesen Fall zu präsentieren. [11] Die Kontroverse um diesen Brief kommt markant auch in dem antisemitischen „Weltdienst", der Jonaks Brötchengeber war, zum Ausdruck:

„Es ist eine dem Welt-Dienst durchaus vertraute Handlungsweise der 'Ernsten Bibelforscher', dass sie alles ihnen unangenehme sofort ableugnen. Auch von diesem Brief hat man in allen Zeitungen der 'ernsten Bibelforscher' behauptet, dass er in allen seinen Teilen gefälscht sei, ja, dass es einen Absender dieses Namens überhaupt nicht gäbe. Die 'L Illustration Nouvelle' aus Montreal in Kanada vom 3. Mai 1937 bringt jetzt auf Seite 5 die Erklärung des kanadischen Postministeriums, dass es tatsächlich einen Slipachuk mit der angegebenen Adresse gibt." [12]

Und in einer weiteren „Weltdienst-Ausgabe konnte man dazu noch lesen: „Der 'Volksbund' Zürich vom 15. 6. 1937 hatte unter Berufung auf die Nachricht im Welt-Dienst vom 1. Mai 1937 erklärt, dass der von Hope-Slipachuk geschriebene Brief beweise, dass die Internationale Vereinigung der Ernsten Bibelforscher eine getarnte kommunistische Bewegung sei. Daraufhin klagte die Berner Direktion der Ernsten Bibelforscher den Redakteur des 'Volksbund' beim Bezirks-Gericht in Zürich wegen Ehrenbeleidigung an. Die Verhandlung fand am 24. 8. 37 statt. Die Kläger führten insbesondere an, dass der Brief zwar tatsächlich geschrieben worden sei, dass die Briefschreiberin aber keine Zeugin Jehovas, sondern eine Kommunistin sei.

Demgegenüber erklärte der Richter: Die Tatsache, dass die Hope-Slipachuk den Brief wirklich geschrieben habe und dass dieser vor dem Sondergerichte in Düsseldorf Verwendung fand, berechtigte den Angeklagten es für wahr zu halten, dass die Ernsten Bibelforscher kommunistische Ziele verfolgen. Der Angeklagte wurde vom Richter freigesprochen und die Ernsten Bibelforscher zur Bezahlung der Gerichtskosten verurteilt." [13]

Mit Jonak begegnete der Zeugenführung in den 30-er Jahren ein ebenbürtiger Gegner, der ihr einiges zu schaffen machte. Dies wird auch dadurch manifestiert, dass sie sich sogar veranlasst sah in ihrer Zeitschrift „Das Goldene Zeitalter" einen Offenen Brief an Jonak zu veröffentlichen. [14]

Sie schrieb darin: „Es ist Krieg zwischen Gottes Organisation und der des Teufels und keine Zeit, um wegen eines angeblichen 'Freimaurerbriefes' lange Verhandlungen zu führen. Wir haben Wichtigeres zu tun. Unser König sagt: 'Stellet euch ringsum auf wider Babel … schießet ihm nach, schonet die Pfeile nicht! Denn gegen Jehova hat es gesündigt. Erhebet ein Schlachtgeschrei gegen dasselbe ringsum!' … Das ist ein deutlicher Befehl von Gott, den Tag der Rache auszurufen über die Organisation des Teufels, einschließlich der römisch-katholischen Hierarchie. Die Vernichtung der Ruchlosen wird er auf seine eigene Weise und zu seiner bestimmten Zeit vollziehen."

Als Gesamteinschätzung der Jonak'schen Schrift verkündet die Zeugenleitung: „Kurz gesagt ist Ihre Schrift eine gewöhnliche Bettelei um staatlichen Schutz für die römisch-katholische Hierarchie, die Sie gerne christlicher machen, als sie es ist. Sie … sehnen sich nach der guten alten Zeit im finsteren Mittelalter, wo Scheiterhaufen, Inquisition und Folterkammern den Mund treuer Zeugen für immer geschlossen haben. … Das man mit Verordnungen ähnlich denjenigen in Hitler-Deutschland den höchsten Interessen des Volkes schadet, ist Ihnen gleichgültig.

Hauptsache: Die Hierarchie Roms blüht und gedeiht gleich einem großen, schattigen Baum, in dessen Ästen Vögel wie Sie und ihre Bundesgenossen Zuflucht finden." Beigefügt war dem noch eine Karikatur mit der Textüberschrift: „Gedeckt durch den Panzer der rohen Gewalt (Faschismus), sendet Rom seinen Pfeil aus dem Hinterhalt."

Diese Zitate offenbaren, dass hier auf beiden Seiten mit „scharfer Munition" geschossen wurde. Der Zeugenführung stieß es besonders übel auf, was sich hier im Falle Jonak offenbarte. Nämlich, dass die katholische Kirche auf den fahrenden Verbotszug aufsprang, wenn nicht gar zu dessen Motor wurde. Um diese Vorgänge richtig zu würdigen, dazu noch eine geschichtliche Reminiszenz.

In einem geschichtlichen Rückblick hatte Riemeck einmal festgestellt, dass „Revolutionäre und religiöse Sekten" für den Österreichischen Staatskanzler und Repräsentanten der europäischen Reaktion, Metternich (1773-1859) „nur zwei Varianten des gleichen Phänomens" seien.

„Beide sind 'destruktive Elemente', die heutzutage die Gesellschaft in Konvulsion versetzen. Sie wollen die 'Befreiung der Seelen' und die 'Befreiung der Personen' und beides läuft auf den 'Umsturz der Autorität' hinaus. In diesem Punkte trafen sich Metternich und der Vatikan." [15]

Eine ähnliche Einstellung hatte die katholische Kirche bis in die Neuzeit hinein, zu allen ihre Autorität untergrabenden „Sekten" offenbart. Bekannt ist z. B. Ihre wüste Polemik gegen die Freimaurer, die ein Papst meinte sogar als „Synagoge des Satans" diffamieren zu dürfen. Das die katholische Kirche, langfristig gesehen, über opportunistische Wendigkeit verfügt, hatte sie in ihrem „Gang durch die Geschichte" zur Genüge bewiesen.

Adamow kommentierte einmal, „dass die Vereinigung von Gottesfurcht und Kriegslust eine unveränderliche Eigentümlichkeit der obersten Leitung der katholischen Kirche sei. Sie ist nicht nur immer bereit, die ganze 'moralische Kraft' (um mit Leo XIII. zu sprechen) dieser Kirche dem wahrscheinlichen Siegern in dem geplanten Streit zur Verfügung zu stellen, sondern, mehr als das, sie hält diese ihre Kraft für totes Kapital, wenn sich keine Gelegenheit bietet, es in 'soliden' Kriegsunternehmen anzulegen, die ihr einen genügenden Zuwachs versprechen." [16]

Indem die Wachtturmgesellschaft, auf Grund ihrer weniger flexiblen Haltung in Konflikte mit dem Faschismus geriet, war die vermeintliche Anpassung des Katholizismus an den Faschismus, für die Zeugen-Leitung ein starkes Reizmittel.

Deschner fasst die relevanten Gesichtspunkte mit der Bemerkung zusammen, dass „das am 11. Februar 1929 unterzeichnete Abkommen zwischen dem Vatikan und dem faschistischen Italien, dass Ansehen der Faschisten außerordentlich gesteigert hat, wie bald darauf das Konkordat mit Hitlerdeutschland das Prestige der Nazis, andererseits der römischen Kurie große Vorteile gebracht habe." [17]

Weiter führt er aus: „Mussolini hat die 'Römische Frage' gelöst, indem er der Kirche auf der ganzen Linie entgegenkam. Was der Protest von vier Päpsten beim liberalen italienischen Staat nicht erreichte, machte der faschistische möglich, weil er auch weiterhin den Beistand der Kurie brauchte." [18]

Weiter kommentiert Deschner: „Wie der Vatikan in Italien durch Beseitigung der katholischen Partei Mussolinis den Weg zur Diktatur ebnete, so verschaffte er in Deutschland durch Papen, Kaas und die Auflösung des Zentrums, der ältesten katholischen Partei Europas, Hitler die unumschränkte Macht. Dafür erwartete man von ihm dasselbe Entgegenkommen wie von Mussolini." [19]

Die Zeugenführung betrachtete diese Vorgänge aus globaler Sicht. Und in diesem Zusammenhang kam ihr auch die Konfrontation zum Bewusstsein, wie sie z. B. auch in den USA zwischen ihr und der katholischen Kirche bestand. Beleg dafür ist ihre Zeitschrift „Der Wachtturm" vom 1. 1. 1935 wo man lesen konnte:

„Öffentliche Beamte, die unter dem ungerechten Einfluss der katholischen Hierarchie und anderer Geistlicher vorgegangen sind, haben es verhindert, dass die Wahrheit durch Rundspruch (Radiosendungen) in Kanada und gewissen anderen Ländern ausgesandt werden kann. Man sucht, in den Vereinigten Staaten eben dasselbe zu tun."

Die Zeugen-Führung erweiterte diese öffentlichen Beschuldigungen der katholischen Kirche um die Nuance: „In Deutschland wirken die römisch-katholische Hierarchie und die Nazis Hand in Hand. Die Nazis gehen darauf aus Jehovas Zeugen zu töten und die römisch-katholische Hierarchie verfolgt dasselbe verruchte Ziel." [20]

Wie aber kam nun gerade ein Österreichischer Ministerialrat dazu sich mit den Zeugen Jehovas in dieser Form und zu dieser Zeit so auseinanderzusetzen? Eine Affinität für den Faschismus ist in diesen klerikalen Kreisen nicht zu übersehen. [21] Hinzu kam, dass dem Verwaltungsjuristen Jonak, dass „Staat im Staate sein wollen" der Zeugen Jehovas, motiviert aus ihrer akuten Endzeiterwartung, als nicht akzeptabel aufstieß.

Als Vertreter der Adelskreise hatte er ohnehin keine „Sympathien" für die Arbeiterbewegung in deren weitläufigen Kontext auch die Zeugen Jehovas soziologisch mit anzusiedeln sind. In undifferenzierter Gleichsetzung der Bibelforscher mit den Kommunisten, gerieten letztere ins Visier der „nationalen" Kräfte in Deutschland und eben auch analoger Kreise in Österreich, die schon vor 1938 der „Heim ins Reich" These zugetan waren.

Die Zeugenleitung hat dem Jonak später noch vorgeworfen, er habe eine „typische jesuitische" Haltung an den Tag gelegt. Es ging dabei um folgenden Vorgang. Jonak war in deren Wiener Zweigbüro aufgetaucht und hatte dort die zur Zeit lieferbare Literatur der Zeugen erworben. Allerdings war es ihm bei diesem Besuch nicht möglich, die bis dato erschienene Zeugenliteratur „vollständig" zu bekommen. [22]

Daraufhin schrieb er am 12. 12. 1934 an eine ihm bekannte Zeugin Jehovas in der Schweiz und bat um die fehlende Literatur. Wörtlich fügte er in diesem Schreiben noch die Floskel an: „Ich glaube, dass Sie mir die Schriften ohne weiteres per Post senden können, da sie ja in Österreich Gott sei Dank erlaubt sind."

Im gleichen Schreiben äußert er noch: „Das Studium der Schriften Pastor Russells und Richter Rutherfords haben in mir die Überzeugung gefestigt, dass es sich um eine Lehre handelt, die das Christentum zur lang vergessenen Wahrheit zurückführen soll. Ich habe mich auch mit dem Vorwurf, dass Beziehungen zum heutigen Judentum bestehen beschäftigt und konnte feststellen, dass dieser Vorwurf, von dem ich von dritter Seite hörte und von dem ich auch zu Ihnen sprach, ganz haltlos ist. Seither begeistere ich mich um so mehr für die Schriften und möchte sie womöglich alle besitzen." [23]

In Kenntnis des späteren Jonak wirken solche Zeilen deplatziert. Es ist aber auch heute noch so, dass die Zeugenleitung sich gegenüber Außenstehenden, erst recht gegenüber Kritikern in keiner Weise „kooperativ" verhält. Fakt ist desweiteren, dass auch öffentliche Bibliotheken die Zeugenliteratur, wenn überhaupt, so nur in äußerst eingeschränktem Maße haben. Wobei es Politik der Zeugen-Leitung ist, öffentliche Bibliotheken nur dann zu beliefern, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt (wie im Falle der Deutschen Bibliothek).

Letzterer verweigert sie aber auch das als „intern" eingestuftes Schrifttum wie zum Beispiel ihr Mitteilungsblatt „Unser Königreichsdienst" und analoges. [24]

Zum Fall Jonak ist noch anzumerken, dass sich von ihm auch eine zeitweilige NSDAP-Mitgliedschaft nachweisen lässt. In einem Gutachten der Wiener NSDAP Gauleitung vom 11. März 1942 wird dies mit den Worten beschrieben:

„Dr. Hans Jonak von Freyenwald hat von 1932 bis 1934 der NSDAP angehört, dann die Mitgliedschaft unterbrochen und ist am 1. 7. 1937 wieder in die Partei eingetreten. Im Zuge der Erfassungsaktion in der Ostmark wurde ihm die alte Nummer 1 209 846 zuerkannt." [25]

Zudem Zeitpunkt als er sein Zeugenbuch veröffentlichte, gehörte er demnach nicht der NSDAP an. Aber er ist ihr noch vor der Annexion Österreichs wieder beigetreten. Seine zeitweilige Mitgliedsunterbrechung kann man daher wohl als bloß taktisch motiviert einschätzen, z. B. um die erfolgte kirchliche Imprimatur für seine Schrift zu bekommen. [26]

In der Zeitschrift „Materialdienst" vom 16. 4. 1937 wurden einige der bis dahin bekannt gewordenen zeitgenössischen Stellungnahmen der Nazis zu den Zeugen Jehovas zitiert. Unter anderem die SS-Zeitschrift „Das Schwarze Korps" sowie das Buch von Jonak. Zur seinerzeitigen Konzeption des „Materialdienstes" gehörte es, Stellungnahmen ohne eigenen Kommentar zu zitieren. Lediglich durch dass, was erwähnt und was weggelassen wurde, lässt sich die eigene redaktionelle Meinung ergründen. Immerhin hatte der Herausgeber Kurt Hutten, auch etlicher Beiträge für das „Calwer Kirchenlexikon" von 1937 geliefert. Seine dortigen Beiträge machen deutlich, dass er ein Kind seiner Zeit war; inklusive der nazistischen Antisemitismusrezeption. [27]

Auch die Stellungnahme von Hutten im „Materialdienst" über das Buch von Jonak, enthält nur solche Passagen, mit der sowohl Jonak als auch die Nazis leben konnten ohne sich brüskiert zu fühlen.

Etwa, wenn er äußert: „Über die politischen Ziele der E(rnsten) B(ibelforscher) schreibt Dr. v. Freyenwald in 'Die Zeugen Jehovas', dass eine Verbindung zu Judentum, Marxismus und Freimaurerei besteht. Das Judentum spielt denn auch eine entsprechende Rolle in dem Weltherrschaftsplan der Sekte. 'Wie auf den Gebieten der Religion und der Staatspolitik eine vollendete Harmonie der Bibelforscher mit dem Judentum besteht, so herrscht dieses stille Einvernehmen auch mit dem klassenkämpferischen Marxismus. Russell und Rutherford predigen den Klassenkampf ganz ebenso wie der Jude Karl Marx.'" [28]

Abgesehen davon, dass dieses Zitat etliche Überzeichnungen enthält, so hat es doch einen substantiellen Kern. Der Marxismus wollte Veränderungen hervorrufen und ist damit gescheitert. Auch die Bibelforscher (respektive Zeugen Jehovas) lehrten bzw. lehren, dass die bestehende Weltordnung von Ungerechtigkeiten geprägt ist. Während der Marxismus den Klassenkampf bemühte, orientieren die Zeugen Jehovas auf das „göttliche Eingreifen."

Beide stellen also direkt bzw. indirekt den Status quo in Frage und ziehen sich damit die vehemente Feindschaft jener zu, die Veränderungen der bestehenden Verhältnisse ablehnen, bzw. darüber hinausgehend den Blick zurückwerfen und vergangene Verhältnisse neu wieder herstellen möchten.

Auch die Kirchen hatten sich in ihrer großen Mehrheit auf die Seite der etablierten Mächte gestellt. Ein reelles Verständnis für die in der Bibelforscherkritik enthaltenen gesellschaftskritischen Akzente, war bei ihnen auf der institutionellen Ebene nicht zu verzeichnen. Dies schlägt sich auch in den kirchlichen Reaktionen auf primär von politischer Seite initiierter Bibelforscherkritik nieder. Partielle Zustimmung, zurückhaltende Kommentierung oder bestenfalls Schweigen - das war die Antwort der Kirchen darauf.

„Protokolle der Weisen von Zion"

Um den Fall Jonak und seine Aktivitäten überhaupt verstehen zu können, ist es angebracht etwas grundsätzlicher zu werden und auf die „Protokolle der Weisen von Zion" näher einzugehen. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Antisemiten aller Couleur, auch in Deutschland eine neue „Bibel" entdeckt, auf die sie sich in der Folge zu berufen pflegten. Dieses Machwerk nannte sich „Protokolle der Weisen von Zion" und gab vor, dass Juden in „Geheimsitzungen" einen „Plan zur Welteroberung" aufgestellt hätten. Dieses Machwerk wurde in Deutschland 1919 von dem Baron Müller von Hausen, unter dem Pseudonym „Gottfried zur Beek", zuerst auf den Markt geworfen. [29]

Seinen Ursprung hatte dieses Pamphlet in Russland, wo die ersten Ausgaben davon schon vor dem Ersten Weltkrieg kursierten, aber nicht sonderlich beachtet wurden. Nachdem weißgardistische Kreise im russischen Bürgerkrieg zunehmend verloren und ins Exil gingen, waren sie es, die nunmehr diese „Protokolle" als Erklärung für ihr Schicksal der Weltöffentlichkeit anboten. Großzügig sah man darüber hinweg, dass einer der russischen Herausgeber, der im Zusammenhang mit diesen Protokollen am bekanntesten wurde. Das dieser Sergej Nilus sie als Anhang zu einem dubiosen theologisch akzentuierten Buch verwandt hatte. Sozusagen als Zusatzbestätigung für seine Thesen. [30]

Wenn auch die „Protokolle" in Deutsch in mehreren Ausgaben verbreitet wurden, so hatte es jedoch keiner der unterschiedlichen Herausgeber es gewagt, gleichzeitig auch das Hauptbuch von Nilus: „Das Große im Kleinen" in einer deutschen Übersetzung mit anzubieten. Bis heute nicht, obwohl die „Protokolle" von gewissen Kreisen auch heute noch (!) zitiert und kommentiert werden. [31]

Den Grund für diese auffallende Zurückhaltung kann man beispielsweise bei Schwartz-Bostunitsch nachlesen, der selbst weißgardistischer Herkunft, auch die russischen Ausgaben der „Protokolle" aus eigener Anschauung kannte. In einer Nebenbemerkung äußert er:

„Wer war nun Sergej Alexandrowitsch Nilus (25. 8. 1862-1. 1. 1930)? Nilus war weder Professor, wie man ihn in Deutschland irrtümlich nennt, noch gelernter Theologe, noch Berufsschriftsteller. Er war Gutsbesitzer und Lebemann, der erst später sein Damaskus erlebte und der klerikalen Verblödung verfiel. Denn wie hoch man auch seine Veröffentlichung einschätzen mag, wie groß und unsterblich seine Verdienste auch sind, weltanschaulich trennen uns astronomische Entfernungen von diesem Manne, der den leibhaftigen Antichristus erwartete und den mittelalterlichen Teufel für eine Realität ersten Ranges hielt." [32]

Valentin referiert über das Buch des Nilus: „dass es Traumbilder, Wahrsagungen, Prophezeiungen mystisch-apokalyptischen Charakters enthalte, die der heilige Wundertäter Seraphim von Sarow erlebt haben soll. Mystische Symbole, die von den Heerscharen des Antichrist stammen sollen, werden hier gedeutet. Das orthodoxe Russland und der uneingeschränkte Absolutismus werden als das letzte Bollwerk gegen den Antichrist dargestellt. In einem Kapitel … wird behauptet, dass der Weltuntergang bevorstehe, dass der Antichrist bald kommen werde, um die Herrschaft des Teufels auf der ganzen Erde zu errichten. … Unmittelbar nach dem neunten Kapitel, in welchem Nilus erzählt, wie er in Kiew einen Kometen sah, der ihm offenbarte, dass Zar Alexander III. bald sterben werde, beginnt das 10. Kapitel mit den 'Protokollen.'" [33]

Über Nilus wurde schon viel publiziert und spekuliert. Strack etwa behauptete: „Sergej A. Nilus war Beamter des mit der russischen Geheimpolizei eng zusammenhängenden kirchlichen Überwachungsdienstes zur Überwachung besonders der fremden Religionen." [34]

Einen Detailnachweis liefert Strack nicht. Seine Interpretation ist mit gewichtigen Gründen in den Bereich der Spekulationen einzuordnen. Als aufschlussreicher und schlüssiger sind die von Cohn, auf breiter Quellenbasis erarbeiteten Erkenntnisse zu bewerten.

Cohn zitiert insbesondere den Franzosen Alexandre du Chayla als kompetenten Zeugen. Chayla hatte einige Jahre in Russland gelebt und war besonders im Jahre 1909 im direkten Kontakt mit Nilus. Seine Eindrücke veröffentlichte Chayla dann im Mai 1921 in einer französischen Periodika, auf die Cohn sich seinerseits beruft. Danach ergibt sich der folgende Sachverhalt:

„Nilus war Großgrundbesitzer, verlor während er sich in Frankreich aufhielt, sein ganzes Vermögen, kehrte nach Russland zurück und zog fortan als Pilger von Kloster zu Kloster. Um 1900 schrieb er ein Buch, in dem er seine Bekehrung vom atheistischen Intellektuellen zum gläubigen orthodoxen Christen und Mystiker schilderte. Das Buch - die erste Fassung von 'Das Große im Kleinen', ohne die Protokolle, wurde in religiösen und konservativen Blättern günstig besprochen." [35]

Unter Bezugnahme auf Chayla referiert Cohn dann weiter, dass der frühere Gutsbesitzer Nilus, der auch Jura studiert hatte, eine besonders negative Eigenschaft hatte:

„Er war launenhaft, unbeherrscht und despotisch, und zwar in solchem Maße, dass er eine amtliche Stellung in Transkaukasien hatte aufgeben müssen. Er hatte auch versucht, sein Gut zu bewirtschaften, doch das war gleichfalls nicht gut gegangen. Schließlich war er mit seiner Geliebten ins Ausland gefahren … bis er eines Tages von seinem Verwalter erfuhr, dass er ruiniert war."

Die Folgen werden mit den Worten beschrieben: „Diese Nachricht rief bei Nilus eine schwere innere Krise hervor und veränderte seine Lebensauffassung vollkommen. Bis dahin war er theoretischer Anarchist gewesen und hatte Nietzsche verehrt. Jetzt bekehrte er sich zum orthodoxen Christentum und wurde ein glühender Anhänger der zaristischen Autokratie. Er fühlte sich als Mystiker und vom Himmel gesandter Verteidiger des Heiligen Russland." [36]

Nilus betrachtete sich nunmehr als Prophet, „dem der Heilige Geist die Zukunft offenbart hat und der sich … verpflichtet fühlt, seine christlichen Mitbrüder zu warnen, dass das Weltende bevorsteht, das jüngste Gericht nahe ist." [37]

Cohn merkt noch an: „Chayla berichtet weiter, dass Nilus 1911, nachdem die Neuauflage seines Buches erschienen war, Briefe an die östlichen Patriarchen, den Heiligen Synod und den Papst sandte und die Einberufung eines ökumenischen Konzils forderte, dass angesichts der bevorstehenden Ankunft des Antichrist über gemeinsame Maßnahmen zur Verteidigung des Christentums beraten solle." [38]

Die Schrift von Nilus fand auch in Kreisen der russischen Geheimpolizei (Ochrana) Beachtung, die im weiteren Verlauf sich seiner bediente. Der Auslandschef der Ochrana, ein General Ratschkowsky, hatte, inspiriert von der antisemitischen Dreyfus-Affäre in Frankreich, die Vorstellung entwickelt, dass man solche antisemitischen Emotionen auch in Russland gebrauchen und instrumentalisieren könnte. Dazu lies er in den Jahren 1897-99 ein Pamphlet schreiben, dass dieser seiner Vorstellung entsprach und später noch als „Protokolle der Weisen von Zion", traurige Berühmtheit erlangen sollte. [39]

Segel definiert den Zweck dieses Unternehmens mit den Worten: „Dem Zaren einen handgreiflichen Beweis darzubieten, dass das ganze Geschrei nach verfassungsgemäßen Zuständen nichts als ein Werk der Weltfreimaurerei war. Diese habe sich in ganz Europa gegen Thron und Altar verschworen, die Verfassungen in allen europäischen Staaten gemacht und die verfassungsmäßigen Herrscher in Europa würden auch bald beseitigt sein. Dann würde der Weg frei werden für den von den Freimaurern in allen Staaten langsam vorbereiteten allgemeinen Umsturz.

Konstitution und Parlamentarismus seien ja, wie aus den Protokollen deutlich hervorgeht, nur der einleitende Schritt zum Anarchismus, der im Kommunismus mündet. Die allgemeine Verschwörung habe bereits alle europäischen Staaten erledigt, jetzt sei die Reihe an Russland gekommen." [40]

Rusch referiert zum politischen Hintergrund: „1905 - das war das Jahr der ersten russischen Revolution, durch die Zar Nikolaus II. gezwungen wurde, seinem despotisch regierten Volke die Anfänge einer Verfassung zu geben. Das versetzte die Anhänger und Nutznießer der alten Despotie, die Großgrundbesitzer, Generale, Polizeiagenten etc. in Schrecken und sie wandten alle Mittel an, um den schwankenden Zaren an der Einführung eines Parlaments und einer Verfassung zu hindern. Vor allem suchten sie mit Hilfe der berüchtigten Geheimpolizei die Empörung des Volkes von der Regierung abzulenken und alle Schuld auf die Juden zu wälzen." [41]

Nachdem im Jahre 1903 die revolutionäre Bewegung in Russland durch die Gründung der Sozialdemokratischen Partei Russlands, die im Ausland ihren Sitz hatte, aufs neue erwachte, nachdem im Jahre 1905 eine erste russische Revolution im Blut erstickt wurde, hielt es die Ochrana für angebracht, mit ihrem aus antisemitischer und antifreimaurerischer Literatur zusammengebastelten Machwerk an die Öffentlichkeit zu treten.

Offenbar war die Ochrana sich durchaus im klaren darüber, dass ihr Pamphlet, für sich betrachtet, als selbständige und unkommentierte Schrift, auf den unvoreingenommenen Betrachter, einen unseriösen Eindruck macht. Die Schrift lebt von Behauptungen über Behauptungen, aber nicht der geringste Ansatz wird gemacht, auch nur eine der äußerst gewagten Behauptungen im Detail zu beweisen. Man suchte offenbar also einen Rahmen, indem man diese Thesen mit hineinlegen konnte. Bei dieser Suche ist man wohl auf den Apokalyptiker Nilus gestoßen, der ja auch in seinem Buch ein Schreckenszenario aufmalt. So schlug denn die Stunde des Nilus, der nunmehr instrumentalisiert von der Geheimpolizei, in einer 1905 erschienenen Neuauflage seines Buches, erstmals im Anhang die „Protokolle der Weisen von Zion" mit abdruckt. [42]

Der erste deutsche Herausgeber nannte sich Gottfried zur Beek. [43] Er fügte seiner Herausgabe einen umfänglichen Kommentar bei. In ihm stehen auch die Sätze: „Solange die Völker noch zu ihren Fürsten wie zu einer Offenbarung des göttlichen Willens aufschauten - war die Welt noch in Ordnung."

Er meinte weiter das Alte Testament der Bibel verwerfen zu müssen und verband damit gleichzeitig eine Spitze gegen die Bibelforscher: „… wiesen wir bereits auf die Schädigungen hin, welche das Alte Testament durch Erzählung der ekelhaften Familiengeschichten jüdischer Geschlechter angerichtet hat. Russell zeigt uns, welche Verwirrung der Inhalt dieser Bücher auch auf anderen Gebieten bringen kann." [44]

An anderer Stelle meint er dann noch: „Den Grundstock lieferte das Alte Testament. In welchem den Juden die Herrschaft der Welt in den verschiedensten Lesarten versprochen wird. In der Apokalypse des Baruch … heißt es z. B.: 'Die Männer aller Nationen sollen Israel untertan sein, jedoch diejenigen, die über Euch geherrscht haben, sollen durch das Schwert vertilgt werden.' Die unheilvolle Tätigkeit der ernsten Bibelforscher, die von Juden in Amerika mit großem Geldmitteln ausgestattet werden, beweist, dass die Unmündigen heute noch durch solche Bibelsprüche betört werden." [45]

In diesen „Protokollen" konnte man auch Sätze lesen wie: „Als wir ihnen aber den Gedanken von ihren eigenen Rechten einflüsterten, begannen sie, in den Königen nur noch gewöhnliche Sterbliche zu sehen. Das Gottesgnadentum verlor in den Augen des Volkes jede Bedeutung. Als wir ihnen den Glauben an Gott geraubt hatten, sank die Macht der Krone auf die Straße." [46]

Ein weiterer Kernsatz dieser „Protokolle" lautet: „In unserem Dienste stehen Leute aller Anschauungen und Richtungen: Männer, welche eine königliche Regierung wieder einführen wollen; Volksverführer (Demagogen), Sozialisten, Kommunisten und allerlei Wolkenkuckucksheimer (Utopisten). Wir haben sie alle für uns in das Joch gespannt. Jeder von ihnen untergräbt an seiner Stelle die letzten Stützen der Staatsgewalt und sucht die bestehende Rechtsordnung umzustoßen." [47]

Auch für die Nazis waren die „Protokolle" eine wahre Inspirationsquelle. Auch Hitler gehörte zu ihren Gläubigen. Bezeichnend dafür ist sein Satz: „Es ist ganz gleich, aus welchem Judenkopf diese Enthüllungen stammen. Maßgebend ist, dass sie mit geradezu grauenerregender Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie den letzten Schlußzielen darlegen." [48]

Zu Recht hat Alexander Stein Hitler selbst als „Schüler der Weisen von Zion" bezeichnet. „Der zur Macht drängende Nationalsozialismus vermochte auf der Suche nach einem Lehrbuch des Staatsstreiches und der Diktatur keinen besseren Leitfaden zu finden, als die 'Protokolle'". [49]

Rosenberg etwa, meinte im Jahre 1924 euphorisch: „Als die Protokolle Ende 1919 in deutscher Sprache erschienen, erregten sie sofort ungeheures Aufsehen. Millionen Menschen fanden in ihnen plötzlich die Deutung vieler sonst unerklärlicher Erscheinungen der Gegenwart, die in ihren wichtigsten Anzeichen plötzlich nicht mehr als Zufälligkeiten wirkten, sondern als Folgen einer früher geheimen nunmehr aufgedeckten Zusammenarbeit der Führer scheinbar sich erbittert bekämpfenden Klassen, Parteien, Völker." [50]

Langer kommentierte zutreffend: „Die Antisemiten aller Welt haben sich die Protokolle als Richtschnur genommen und versuchen, gegen die Juden zu verwirklichen, was in den Protokollen gegen die Christen geplant scheint." [51]

„Kulturbolschewismus"

Ein weiteres markantes zeitgenössisches Schlagwort war das vom „Kulturbolschewismus". Dabei handelte es sich um eine schillernde Facette, ohne festbestimmte Kriterien, ausdehnbar wie ein Gummiband. In dieses Klischee vom „Kulturbolschewismus" wurden letztendlich auch gewisse neu aufgekommene, religiöse Sekten einbezogen, deren Kriterium es war, dass sie in gewissen Punkten in Opposition zu den herkömmlichen, konservativen Kirchen standen.

In Sonderheit waren es die Bibelforscher, die dieses Schlagwort auch auf sich angewandt fanden. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass sie sich in ihrem eigenen Selbstverständnis auch so betrachteten. Das war nicht der Fall. Wie im übrigen der Kommunismus sich auch in seinem Selbstverständnis, gleichfalls nicht als „jüdische Mache" bewertet. Aber den Erfindern solcher Schlagworte ging es auch nicht um wissenschaftliche Exaktheit, sondern lediglich um vermeintliche zugkräftige Parolen. Das Klischee, die Bibelforscher als „Kulturbolschewisten" zu verdächtigen, offenbart sich verschiedentlich in der Argumentation einschlägiger Autoren, die immer wieder eine Parallele zu den „Protokollen der Weisen von Zion" herstellten.

Bei den Bibelforschern kam erschwerend noch hinzu, dass sie neben „kulturbolschewistischen" Tendenzen, in hohem Maße auch Elemente des Philosemitismus vertraten. Die Bibelforscherbewegung wollte ja im besonderen Maße - in ihrem eigenen Selbstverständnis - zum Urchristentum zurückkehren. Es lag in der Konsequenz dieser Linie, dass man sich irgendwie auch mit dem als Alten Testament bekannten Teil der Bibel zu arrangieren bemühte.

Der Gedanke, wie er besonders in „deutschgläubigen" Kreisen prononciert wurde, dass Alte Testament rundweg abzulehnen, war in der Bibelforscher-Sicht eine Unmöglichkeit. In ihrer Lesart war die „ganze Schrift von Gott inspiriert". Folglich musste man zu dem Alten Testament, dass von den Juden als einem auserwählten Volke redete, ein positives Verhältnis gewinnen. Und man fand es dergestalt, dass man den Juden eine „glorreiche Zukunft" prophezeite, dergestalt, dass Gottes Gunst sich ihnen wieder zuwenden würde.

In Sonderheit beobachtete man die Entwicklungen, die sich mit dem Stichwort „Zionismus" charakterisiert wurden, mit größter Aufmerksamkeit. Meinte man doch darin die wiederkehrende Gunst Gottes zu den Juden wahrnehmen zu können. Die gesamte Bibelforschertheologie war auf dieser Linie ausgerichtet.

Insbesondere antisemitische Kreise waren es, denen diese Tendenz nicht entging. Sie waren es, die als erste Alarm schlugen und mit warnendem Finger auf die Bibelforscher hinwiesen, als einer Gefahr für ihre eigenen, gegen die Juden gerichteten Bestrebungen. Es ist bezeichnend, dass „Gottfried zur Beek" in der ersten Auflage von 1919 seiner Protokolleausgabe, bereits lang und breit einschlägiges aus der Bibelforscherliteratur zitierte. In inkriminierenden Sinne.

Ein Beispiel dafür ist auch das folgende von Beek kommentierte Zitat aus der Bibelforscherliteratur: „Wenn wir den erhabenen Plan unseres Vaters betrachten, wie er beschlossen hat, die Kirche zu erhöhen und durch sie zuerst Israel und durch dieses hinwiederum alle Geschlechter der Erde mit einer Wiederherstellung aller Dinge zu segnen, so ruft uns das den Lobgesang der Engel ins Gedächtnis: 'Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.'"

Er kommentiert: „Wenn solche Lehren … verbreitet werden …, so wird es verständlich, auf welche Schwierigkeiten die Lösung der Judenfrage stoßen muß." [52]

Als weiteres inkriminierendes Zitat aus der Bibelforscherliteratur zitiert er auch die Passage: „So gewinnt nach und nach das geographische Zentrum der Erde, die Gegend von Jerusalem Bedeutung in den Augen der Welt. Diejenigen, welche die Sache durch das prophetische Teleskop anschauen, sehen die Zeit voraus, da 'das Gesetz ausgehen wird vom Berge Zion', dem geistigen Israel auf himmlischer Stufe, und das Wort des Herrn von Jerusalem, der künftigen Hauptstadt der Welt unter den Einrichtungen des messianischen Königreiches. Dorthin werden alle Völker der Erde ihre Gesandten senden und dort ihre Gesetze empfangen." [53]

Berner „Protokolle"prozess

Auch in Österreich erschien 1925 eine spezielle Ausgabe der „Protokolle" unter dem Titel: „Die Weisen von Zion. Das Welteroberungsprogramm der Juden. Textlich richtiggestellt mit einer Einführung versehen von einem Kreis Wissender." In deren Einleitung heißt es unter anderem:

„Wenn gleichwohl die Protokolle der Weisen von Zion in den Ländern deutscher Zunge noch nicht im Entferntesten jene allgemeine Beachtung und Verbreitung gefunden haben, die ihrer außerordentlichen Bedeutung entsprechen, so dürfte dies … auch darauf (zurückzuführen sein), dass den deutschen Ausgaben der Protokolle die wir bisher besaßen, sehr erhebliche Mängel anhaften. Schon ein oberflächlicher Vergleich mit den in anderen Weltsprachen erschienenen Protokollausgaben zeigt, dass die Wiedergabe des Textes der Protokolle in den deutschen Ausgaben eine höchst unglückliche ist."

Offenbar war einer der Hauptverfasser dieser Österreichischen Ausgabe der 1905 zum Dr. jur. promovierte, spätere österreichische Ministerialrat Hans Jonak von Freyenwald. Zum Zeitpunkt der Herausgabe der Protokolleausgabe befand er sich bereits im Ruhestand. [54]

Jonak war mit 44 Jahren in den zwangsweisen Ruhestand versetzt worden. [55] Dieses persönliche Ungemach, dass er mit anderen vormaligen „Stützen" des österreichischen Staates teilen musste, hat ihn offenbar aufgeschlossen gemacht, für die in jenen Jahren sich verbreitende Verschwörungstheorie. Er fühlte sich berufen, hier Entscheidendes zur Klärung beitragen zu können.

Er gehörte desweiteren wohl auch an leitender Stelle mit zu dem engeren Mitarbeiterkreis des antisemitischen Lexikons „Sigilla veri" von dem zwischen 1929 bis 1931 vier Bände erschienen, dass aber letztendlich unvollendet blieb. Als dann in der Nazizeit ein Prozess um die „Protokolle der Weisen von Zion" Furore machte, war es diesem Jonak vorbehalten unter dem Pseudonym „Dr. Hans Richter", in einschlägigen Nazipostillen eine umfangreiche sich wissenschaftlich gebende Berichterstattung darüber durchzuführen. [56]

Neben der ältesten deutschen „Protokolle"ausgabe des Gottfried zur Beek, gab es eine weitere, die im antisemitischen Hammerverlag des Theodor Fritsch erschien. Sie erschien bis 1933 in 15 Auflagen. Ab der 16. Auflage (1935), nunmehr unter dem veränderten Titel „Die Protokolle Zions". Zugleich enthält sie ein völlig neu gestaltetes Vorwort. Wer es aufmerksam durchliest und mit dem Protokolleprozess näher vertraut ist, für den steht es fest, dass es aus der Feder Jonaks stammt, obwohl der diesbezügliche Verfasser nicht namentlich genannt wird.

Bekannt ist jedoch, dass Jonak vor der Annexion Österreichs noch unter einer Reihe anderer Pseudonyme publiziert hat. Es gibt jedoch auch einen positiven Beweis dafür. In dem seinerzeit von den USA verwalteten Archiv „Berlin Document Center" ist in den Beständen der „Reichsschrifttumskammer" auch eine Akte über Jonak überliefert. Darin führt er in einer Auflistung seiner Werke, selbst auch ausdrücklich die ab 1935/36 erschienene Neubearbeitung der „Zionistischen Protokolle" des Hammerverlages mit auf.

Jonak konnte es sich nicht verkneifen, darin auch einschlägige Reklame für sein Zeugenbuch zu machen: „Man lese die Broschüre 'Die Zeugen Jehovas. Pioniere für ein jüdisches Weltreich' von Dr. H. Jonak v. Freyenwald, Berlin 1936, die ein erdrückendes Beweismaterial dafür liefert, dass die Ernsten Bibelforscher jüdische Weltmachtpläne vertreten, und dass die 'Zeugen Jehovas' die besten Zeugen für die Echtheit der Protokolle sind." [57]

Es ist bekannt, dass der spätere Jonak sich dann noch in Prozessverfahren ausführlich mit den Zeugen Jehovas befasste. Die Frage wie der Dr. jur. Jonak zu diesem Thema gelangt ist, bedarf allerdings noch einer näheren Untersuchung.

Mit dem Machtantritt des Hitlerfaschismus witterten antisemitische Kreise (auch in der Schweiz) „Morgenluft". Sie begannen auch dort ihre Aktivitäten zu intensivieren. Eines der Mittel dabei war, dass sie auch das Pamphlet „Protokolle der Weisen von Zion" massenhaft zu verbreiten begannen. [58]

Diese Aktivitäten riefen eine Gegenreaktion des Israelitischen Gemeindebundes in der Schweiz hervor. Man klagte gegen einige exponierte Verbreiter dieses Pamphletes. In der Frage wie man juristisch die Sache am wirkungsvollsten bekämpfen könnte, gab es einige interne Auseinandersetzungen. Schließlich setzte sich die Linie durch, einen Paragraphen zu bemühen, der die Verbreitung von Schundliteratur unter Strafandrohung stellte. [59]

Damit begann sich ein „Karussell" immer schneller zu drehen, dass von Gutachten und Gegengutachten ausging. Sowohl Kläger als auch Beklagte, wollten durch Gutachten ihre Position als die rechte darstellen.

Eine erste Gerichtsverhandlung fand im Oktober 1934 statt. In ihr sahen die Schweizer Nazis „alt" aus. Es zeichnete sich für sie eine spektakuläre Niederlage ab. Im Bewusstsein dessen konnten sie allerdings, bevor das endgültige Urteil gesprochen wurde, eine Vertagung des Prozesses erreichen, der dann im Mai 1935 fortgesetzt wurde. Sinn dessen war es, dass ihnen die Chance eingeräumt wurde, Experten zu benennen, die vor Gericht in Gerichtsverwertbarer Weise als Verteidiger ihrer Positionen auftreten konnten.

Wer aber kann für die antisemitische Seite als Gutachter fungieren, ohne dass die Gegenseite dessen Reputation von vornherein in Frage stellen kann? An dieser Frage zerbrachen sich die Köpfe. Ein angeschriebener nazistischer Publizist namens Pfarrer Ludwig Münchmeyer erwies sich von der Schweiz aus, als „postalisch nicht ermittelbar".

In dieser Situation sahen sich die pronazistischen Kreise in der Schweiz nach weiterer Hilfe um. Man schaltete das Braune Haus in München, die NSDAP-Zentrale, mit ein. Zwar bedauerten nachher einige Schweizer Antisemiten, dass sie die Geister die sie gerufen, nicht mehr los wurden. Allein es scheint so, dass von dort der entscheidende Tip ausging, wen man als Gutachter benennen könnte, ohne das er vom Gericht oder der Gegenseite von vornherein abgelehnt werden könnte.

Der Text des Schreibens vom 19. 11. 1934 an die Nazizentrale lautete: „Wäre es vielleicht gar möglich, von Ihnen einen Sachverständigen zu erhalten, der uns zunächst bloß an die Hand gehen würde, später aber auch vielleicht als eigentlicher Zeuge uns zur Verfügung stehen würde? … Glauben Sie nicht, dass Ihre Mitwirkung auch für Sie selbst, respektive für die von der NSDAP vertretenen Ideen von Interesse oder gar Wichtigkeit sein wird?" [60]

Man erinnerte sich, dass der Gutachter in spe schon in der Weimarer Republikzeit ein sich wissenschaftlich gebendes antisemitisches Lexikonprojekt namens „Sigilla veri" gestartet hatte. Das er ab 1933 begann eine neue Zeitschrift namens „Weltdienst", gleichfalls antisemitischer Ausrichtung, aufzuziehen. Während andere antisemitische Zeitschriften in der Regel kommentierende Verfasserbeiträge enthielten, unterschied sich der „Weltdienst" von ihnen. Er war mehr in der Richtung einer Nachrichtenagentur aufgebaut. Das heißt, seine aus aller Welt gesammelten Informationen zum Judentum, sollten die Grundlage bilden für die Verwertung in anderen Publikationen.

In dem im Bundesarchiv verwahrten Bestand des Reichssicherheitshauptamtes, sind auch Belege vorhanden, die auf eine partielle Kumpanei zwischen dem Erfurter Gestapo-Residenten Fincke und dem künftigen Gutachter Fleischhauer schließen lassen.

Fincke informierte seine Berliner Gestapo-Vorgesetzten mehrmals über den Fleischhauer'schen Weltdienst im positiven Sinne und verwandte sich auch für ihn bei der Durchsetzung seiner Interessen. Als Gegenleistung versorgte Fleischhauer Fincke (respektive die Gestapo) mit weiteren Detailmeldungen, die ihm seine antisemitischen Agenten aus aller Welt zukommen ließen.

Fleischhauer hatte nach 1933, wie auch etliche andere „Morgenluft" gerochen. Schon im Mai 1933 versorgte er etliche staatliche Behörden mit einem von ihm verfassten Memorandum mit dem Titel: „Einige Gedanken über die Notwendigkeit der Schaffung einer Auslandspropagandastelle." [61]

Quintessenz seiner Denkschrift war das Buhlen um staatliche Gelder für die Ausweitung seiner Tätigkeit. Bereits Ende 1933 war es ihm möglich, weitere hauptamtliche Mitarbeiter anzustellen.

Seine Berliner Gestapo-Vorgesetzten informierte Fincke auf Anfrage mit den Worten:

„Die Leitung des Informationsbüros 'Arischer Weltdienst' und des 'U Bodung-Verlages' liegt in den Händen des Oberstleutnants a. D. Ulrich Fleischhauer geb. am 18. 7. 1876. … Fleischhauer gehörte früher der D(eutsch) N(ationalen) V(olks) P(artei) an. … Weiter war der noch Vorsitzender des NDO (Nationalverband Deutscher Offiziere). Seine rechte Hand ist der Konsul Georg de Pottere, geb. am 1. 6. 1875 in Banat in Ungarn. Pottere ist am 13. 10. 33 von Paris kommend nach hier … zugezogen. Pottere war ungarischer Konsul in Moskau (in der Zarenzeit) und er musste seinerzeit aus Russland fliehen. Der … Name 'Farmer' ist der Deckname von Pottere. Unter diesem Namen schreibt er Artikel gegen Juden und Freimaurer."[62]

Nicht ausgeführt, aber als faktisch gegeben ist auch anzusehen, dass zu diesem illustren Kreis, den Fleischhauer nun nach 1933 in Lohn und Brot zu setzen vermochte, auch noch der Österreichische Ministerialrat Dr. Hans Jonak von Freyenwald hinzugestoßen ist. Dessen Stunde schlug, als Fleischhauer nach dem Oktober 1934 als gerichtlicher Gutachter berufen wurde und er vor der Notwendigkeit stand, in relativ kurzer Zeit sein Gutachten zu erstellen.

Es ist offensichtlich, dass Fleischhauer dabei seine alten, bereits aus dem Lexikonprojekt bestehenden Verbindungen aktivierte. Diese Mitarbeiter waren durch ihre intensive Befassung mit der Materie bereits ausgewiesen und trugen den Löwenanteil am Fleischhauer'schen Gutachten, für dass er in der Endredaktion, lediglich die formale Verantwortung trug.

Dieses Gutachten bringt denn auch tatsächlich einen Querschnitt alles dessen, was Antisemiten meinten „wissenschaftlich" gegen die Juden vorbringen zu können. Bemerkenswert, dass darin auch die Bibelforscher, ob ihrer philosemitischen Vergangenheit und bürgerlichen Unangepasstheit, darin vorkamen.

Ein Zitat daraus: „Loosli (ein Gutachter für die Juden) hat offenbar von diesen philosemitischen, auf Zerstörung der christlichen Staaten ausgehenden Organisation keine Ahnung."

Das war die Fleischhauer'sche Grundprämisse gegenüber den Bibelforschern. Zitiert wurden dann im Einzelnen aus der Bibelforscherliteratur ausgewählte kirchenkritische Passagen um dann abschließend zu dem Resümee zu gelangen: „Es ist ein tragischer Widerspruch, ein Beweis für die Ahnungslosigkeit der christlichen Völker, ihrer Regierungen und Behörden, dass die zersetzenden, vom Christenhass überquellenden Schriften dieser judenfreundlichen Organisation verbreitet werden dürfen, während eben dieses Judentum die Protokolle der Weisen von Zion, als eine staatsgefährliche Schrift hinzustellen sich erlauben darf.

Auch anhand der Bibelforscherschriften ergibt sich der Nachweis, dass die Protokolle keine Fälschung, dass sie keine den Juden untergeschobene Kampfschrift sind, sondern, dass sie aus der gleichen Gedankenwelt geboren wurden, die die Bibelforschersekte beseelt." [63]

Damit hatte der Verfasser vorstehender Ausführungen sein „Thema" gefunden. (Fleischhauer war zwar der Herausgeber und Sprecher nicht jedoch der Verfasser aller Details). Schon 12 Monate später legte der Verfasser, der österreichische Ministerialrat a. D. Dr. Hans Jonak von Freyenwald im faschistischen Deutschland seine Thesen in erweiterter Form erneut vor.

Nachdem die „Gutachtenschlacht" abgelaufen war, stellte sich der „Katzenjammer" beim Israelitischen Gemeindebund ein. Man musste bedrückt zur Kenntnis nehmen, dass die Antisemiten faktisch aufgewertet wurden, indem sie den Gerichtssaal zur Propagandashow umfunktioniert hatten, mit dem deutschen Behördenapparat im Rücken, während der Israelitische Gemeindebund auf sich selbst gestellt war.

Zwar waren die Kommentare der Schweizer Presse in der Regel für die Nazis nicht günstig. Aber die Furcht durch „mangelnde Objektivität" vielleicht selbst zum faschistischen Angriffsziel zu werden, hat so manchen Journalisten doch die Feder etwas zurückhaltend benutzen gelehrt. [64] Ein Trost war es immerhin, dass vom Gericht die „Protokolle" als Schundliteratur gekennzeichnet wurden. Damit waren die Nazis nun wieder überhaupt nicht zufrieden. [65] Und so trat die Tragikomödie in ihr zweites Stadium ein. [66]

Der Fleischhauer'sche Verlag nutzte die Gunst der Stunde um sogleich neue Propagandaschriften auf den Markt zu werfen. Eine davon trug den Titel „Das Berner Fehlurteil über die Protokolle der Weisen von Zion". [67] Als Verfasser wurde genannt: „Dr. jur. Stephan Vasz, Budapest". Jahre später klärt der uns schon bekannte Dr. Jonak darüber auf, dass er der Verfasser sei und „Vasz" nur ein Pseudonym. [68]

In dieser Schrift über das angebliche „Fehlurteil" finden wir wieder eine Bezugnahme auf die Bibelforscher. So wird dort (wie auch schon in dem Jonak'schen Buch über die Zeugen) gegen das „Jüdische Lexikon" polemisiert, dass die Bibelforscher als einen „Bund zur Verinnerlichung des Christentums durch Zurückziehen auf den Inhalt der Bibel" bezeichnete.[69]

„Würde das Judentum die Weltherrschaftsidee wie es immer behauptet, ablehnen, so hätte das Jüdische Lexikon die Bücher der Bibelforscher, deren Hauptprogrammpunkt das jüdisch-messianische Weltreich ist, als Schundschriften erklären müssen."

Die Schrift von „Vasz" ist noch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Darin wird auch nach Kräften versucht, den projüdischen Gutachter Loosli zu demontieren. Carl A. Loosli hatte bereits im Jahre 1930 seine Meinung zum Phänomen Antisemitismus kundgetan. Damals hatte er erklärt:

„Ich bekenne mich als Gegner des Antisemitismus weniger um der Juden willen, als im Hinblick auf die Vorteile der allgemein menschlichen Gesittung, folglich der Gesittung und des Ansehens auch unseres Landes und Volkes als Bestandteile der abendländischen Kulturgemeinschaft

Seine Stellungnahme aus dem Jahre 1930 beschloss er mit den Worten:

„Darum wird man mich jetzt wohl um so besser verstehen, wenn ich den Kampf gegen die bürgerverhetzenden Zwist und Hass überall entfachenden, zur Barbarei zurücksteuernden Antisemitismus weniger um der unmittelbar davon Betroffenen, um den Juden, als vielmehr um unserer selbst, um der Schweizer willen, aufgenommen habe. Denn, den Juden schlägt man, aber die Freiheit und Menschlichkeit meint man!" [71]

In seinem Gerichtsgutachten setzt er sich auch eingehend mit der faschistischen Rückzugsverteidigungsthese auseinander, dass die „Protokolle" nach „neuester Erkenntnis" auf einem „Parallelkongreß anlässlich des ersten Zionistenkongresses von 1897 von dem „jüdischen Freimaurerorden B'naí Brith" verfasst sei. Loosli merkt dazu an:

„Der unabhängige B'nai Brith-Orden ist ein im Jahre 1884 in New York gegründeter Ordensverband, der unpolitisch ist, zu den Freimaurern in keiner Beziehung steht, obwohl er gliederungshalber allerlei von ihr übernommen hat. Er lässt nur Juden als Mitglieder zu. … Der B'nai Brith-Orden steht in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Freimaurerei und ist den wenigsten Freimaurern auch nur den Namen nach bekannt, wie ich häufig festzustellen Gelegenheit fand. Auch hier erweisen sich die gegenteiligen Behauptungen als halt- und grundlos, weil unbewiesen und unbeweisbar." [72]

Eine sachliche Auseinandersetzung mit diesen Thesen sucht man bei „Vasz" vergeblich. Was man aber bei ihm findet ist, dass ein Fehler von Loosli nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet wurde.

„Vasz" berichtet, dass Loosli ein nicht beabsichtigter Fehler unterlaufen war. Loosli hatte in Vorbereitung seines Plädoyers, seine Notizen auf Karteikarten angefertigt. Vor der „Endfassung" sind sie ihm offenbar etwas durcheinander geraten. Mit Genuss zitiert „Vasz":

„Wörtlich sagte Loosli laut stenographischem Protokoll: 'So befasst sich das Gutachten (Fleischhauers) auch mit der römisch-katholischen Kirche in einer so herabwürdigenden Weise, die jeden unbefangenen Menschen, auch wenn er ihr nicht angehört, einfach empören muß.'" [73]

Der Fehler wurde noch entdeckt und Loosli entschuldigte sich, indem er erklärte, dass durch seine Verwechslung der Karteikarten dieser Lapsus entstanden sei. Die inkriminierten Stellen seien lediglich Zitate von Fleischhauer aus der Bibelforscherliteratur. Nun aber legt „Vasz" los:

„Ein Irrtum kann jedermann, auch einem Gutachter unterlaufen. Was aber das Böse an dem Fall ist, hat Loosli umgangen. … Wenn nun Loosli, aus Versehen die Zitate aus den Schriften der Bibelforscher verwendete, um Fleischhauer der Religionsschmähung zu zeihen, hat er damit in Wirklichkeit anerkannt, dass die Lehre der Bibelforscher jeden unbefangenen Menschen empören muß." [74]

Diese Episode lehrt, dass Jonak die kirchenkritischen Passagen in der Bibelforscherliteratur kannte und dass sie ihn empörten. Es prallten hier im Prinzip zwei Welten aufeinander. Die Bibelforscher gaben „keinen Pfifferling" auf die bestehenden gesellschaftspolitischen Verhältnisse und kritisierten sie in religiöser Verbrämung. Ähnlich die Kommunisten, die auch kritisierten - allerdings ohne religiöse Verpackung.

Jonak hingegen, als Dr. jur. selbst einmal im Staatsdienst tätig, fühlte sich den staatstragenden Elementen zugetan. Zugleich auch der katholischen Kirche, der solche grundsätzliche staatspolitische Verneinung a la Bibelforscher fremd ist und die partiell in der Politik gegebenenfalls selbst kräftig mitmischt. Den Zeugen Jehovas mit ihrer Vision von der Neuauflage des Urchristentums, war ein solches kirchliches Staatsverständnis fremd.

Der Jonak der Jahre 1935/36 hatte sich offensichtlich schon intensiver mit der Zeugenliteratur beschäftigt. Er gab sein Debüt in Bern des Jahres 1935. Dort las der Oberstleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer fünf Tage lang ein nicht enden wollendes „Gutachten" vor. Wer sich die Mühe macht, es in seine Details „auseinanderzupflücken", gewinnt dabei überraschende Einsichten. Zwar ist viel vom Judentum, von den inkriminierten vorgeblichen „Protokollen der Weisen von Zion" die Rede. Aber auch den Antisemiten ist klar, dass sie nicht in der Lage sind, eindeutige Beweise ohne Wenn und Aber vorzulegen. Hatte ihr Mentor Hitler sich doch schon auf die Linie festgelegt: „Die Frankfurter Zeitung stöhne - die Protokolle seien Fälschung. Das aber beweise nur ihre Echtheit." [75]

So wurde denn auch in Bern nach dem gleichen Schema verfahren. Ein substantieller Beweis sei nicht möglich; nun kommt das berühmte „aber". Aber die Zeitgeschichte liefere den indirekten Beweis für die „Echtheit". Und man ging weiter und wusste zu sagen, wer die Schreckenszenarien der „Protokolle" erfülle - die Bibelforscher! In dem Fleischhauer'schen „Gutachten" liest sich das so:

„Während die Protokolle der Weisen von Zion das staatspolitische Programm aufstellen, verfolgen die Bibelforscher das gleiche Ziel im Wege eines religiös-politischen Programmes." [76]

Die kirchenkritischen Passagen der Bibelforscher sind ihm Beleg. So zitiert er daraus einige pointierte Stellen, z. B.: „Das wahre Christentum, welches in den Tagen der Apostel rein war, wurde durch kirchliche Bräuche und Glaubenslehren verunreinigt, die ein Abscheu und Greuel vor Gott sind, so dass das Christentum jetzt die große Hure genannt wird (die abtrünnige Kirche Roms) und die Hurentöchter (protestantische Kirchen). Das Christentum soll durch Krieg, Revolution, Anarchie, Hungersnöte und Pestillenz zur Einöde gemacht werden von einem Ende bis zum andern.

Alle Staatskirchen sollen zerstört werden, sowohl buchstäblich durch das Schwert, als auch im Sinnbilde durch die Wahrheit, die das Wort Gottes über sie ausspricht." [77]

Die Kirchenkritik der Bibelforscher für sich allein betrachtet, würde auf einer antisemitischen Propagandaveranstaltung noch wenig Sinn ergeben. Wenn es aber gelingen würde, dass ganze noch mit einer Prise Philosemitismus zu würzen, ja dann wäre die Inszenierung perfekt! Und es gelang!

Auch die philosemitischen Passagen waren dem auswertenden Herrn nicht entgangen. So äußert er triumphierend: „Die Ideengemeinschaft zwischen … der Bibelforscherlehre und den Protokollen ist erschütternd und so innig, dass Rutherford, der gegenwärtige Präsident der Bibelforscher in seiner Schrift 'Millionen jetzt lebender werden nie sterben' S. 28 den Judenführer den 'geschätzten Herzl' nennt." [78]

Die Russell'sche Schrift „Die nahe Wiederherstellung des Volkes Israel" wird mit den Worten zitiert: "So gewinnt nach und nach das geographische Zentrum der Erde, die Gegend von Jerusalem, Bedeutung in den Augen der Welt. … Dorthin werden alle Völker der Erde ihre Gesandten senden und dort ihre Gesetze empfangen." [79]

Und Rutherford's Broschüre „Eine wünschenswerte Regierung" kommt mit der Passage zu Wort: „Im Lichte der heiligen Schrift können wir erwarten, dass Jerusalem die Welthauptstadt sein wird, von der aus vollkommene Männer wie Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David, Daniel und andere die Regierungsgeschäfte der Welt besorgen werden, während andere solcher glaubenstreuen Männer als Herrscher in den verschiedenen Teilen der Erde eingesetzt und von denen die in Jerusalem herrschen, Anweisungen betreffs der Regierungsgeschäfte empfangen werden. Wir dürfen erwarten, dass Abraham mit vollkommenen Rundfunkstationen vom Berge Zion die Angelegenheiten der ganzen Erde leiten kann." [80]

Zusammenfassend kann man sagen, dass hier religiöse Naivität von Menschen, die politische Hintergründe zu durchschauen nicht in der Lage waren, gebraucht und missbraucht wurde. Sieht man sich die philosemitischen Passagen der Bibelforscherliteratur an, dann kann man es in gewissem Umfang schon verstehen, dass soviel konzentrierte religiöse Einfalt, geradezu das gefundene Fressen für die Berufsantisemiten war.

Ein weiterer Verbreiter und Kommentator der „Protokolle" in Deutschland war Alfred Rosenberg. In der Nazizeit als deren „Chefideologe" bekannt geworden. Schon in der Weimarer Republikzeit, noch ganz am Anfang seiner Laufbahn kommentierte er dieses Pamphlet. Auch Rosenberg stellt darin eine Beziehung zu den Bibelforschern her.

Etwa, wenn er äußert: „Was die Demokratie und der Marxismus auf politischem, dass besorgen die 'Bibelforscher' auf kirchlich-religiösem Gebiete." [81]

Oder wenn er etwas grundsätzlicher moniert: „Viele Europäer leiden noch heute an der Wahnidee, im Alten Testament Prophezeiungen auf eine Zukunft anzunehmen. … Wie das Mittelalter in jedem großen Unglück aus der Bibel haargenau den Weltuntergang prophezeite, so heute die 'Internationale Vereinigung ernster Bibelforscher.' … Man unterschätzt die Verbreítung der Narrheit und Dummheit auf dieser Welt, wollte man annehmen, sie sei nationalpolitisch nicht in Münze zu prägen. Auf ihr beruht der ganze Marxismus - und noch vieles andere." [82]

Rosenberg zitiert und kommentiert aus diesen „Protokollen". Auch seine Zitate machen deutlich weshalb rückwärtsgerichtete Kreise diese Protokolle so gerne als „Wahrheit" verkaufen möchten. Etwa, wenn er diese „Protokolle" mit den Worten zitiert:

„Wir erscheinen gewissermaßen als die Retter der Arbeiter aus der Knechtschaft, indem wir ihnen vorschlagen, in die Reihen unseres Heeres von Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten einzutreten. Diese Richtungen unterstützen wir grundsätzlich." [83]

Jonak entwickelte sich im Naziregime zum Experten in Sachen „Protokolle der Weisen von Zion". So äußerte er z. B. in einem Rückblick: „Ebenso fühle ich mich Herrn Oberstleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer zu Dank verpflichtet, der als Leiter des 'Welt-Dienst' … mir die Möglichkeit bot, Erhebungen über die Entstehung und Geschichte der Protokolle in verschiedenen Ländern durchzuführen. … Bemerke ich, dass ich sämtliche Gerichtsakten und Belege in Abschriften und Fotokopien besitze und … sämtlichen Gerichtsverhandlungen beiwohnte und Personen persönlich einvernommen habe." [84]

Jonak war seit Herbst 1934 wissenschaftlicher Mitarbeiter des (de facto) vom faschistischen Propagandaministerium finanzierten „Weltdienstes". Einschlägige Veröffentlichungen zum Thema „Protokolle" stammten aus seiner Feder. [85] Nachdem, nach „Grabenkämpfen" im Lager der Berufsantisemiten, [86] Fleischhauer von seinem Posten als „Weltdienst"leiter „weggelobt" wurde und seitdem in der Versenkung verschwand, bahnte sich auch für Jonak eine Ende seiner dortigen Mitarbeit im Herbst 1940 an.

Letzterer vermochte jedoch erneut Fuß zu fassen. Diesmal beim berüchtigten Nürnberger Hetzblatt „Der Stürmer". [87] Seinen Einstand dort lieferte er mit dem 1941 erschienenen Buch „Jüdische Bekenntnisse aus allen Zeiten und Ländern." [88]

In seinem Buch von 1941 wiederholt er (in modifizierter Form) seine schon in seinem 1936-er Zeugenbuch vorgetragenen Thesen: „Ebenfalls im Dienste des Judentums stehen die ernsten Bibelforscher … nur scheinbar arbeiten sie auf religiösem Gebiet. … In Wirklichkeit aber sind sie eine Klassenkampforganisation, die unter dem Scheine christlicher Frömmigkeit ausschließlich politische, und zwar weltrevolutionäre Ziele verfolgt." [89]

Nach dieser tendenziösen Einführung, zitiert er dann in reichem Maße aus der Bibelforscherliteratur. Im nachfolgendem seien einige Zitate, mit den von Jonak genannten Quellengaben genannt:

„Das Christentum soll durch Krieg, Revolution, Anarchie, Hungersnot und Pestilenz zur Einöde gemacht werden von einem Ende bis zum anderen."

„Alle Staatskirchen sollen zerstört werden, sowohl buchstäblich durch das Schwert als auch im Sinnbilde durch die Wahrheit, die das Wort Gottes, dass Schwert des Geistes, über sie ausspricht."

„Die böse und verderbliche Zivilisation, die als 'Christentum' bekannt ist, soll noch öder und wüster gemacht werden als die Wildnis, welche Palästina umgibt. Sie soll ganz vom Erdboden hinweggefegt werden."

„Der römische Katholizismus ist in Wirklichkeit eine heidnische Religion. Der Protestantismus betet ebenso den Moloch an."

„Der Protestantismus soll voll und tief das Maß des Trübsalsbechers der römischen Kirche trinken. … Er wird zum Hohn und Spott der ganzen Welt werden." [90]

„Die 'große Hure' (Offenbarung 17) stellt die Teufelsreligion dar, die fälschlicherweise 'organisiertes Christentum' oder 'Christenheit' genannt wird und einen Teil der satanischen Organisation ausmacht."

„Die sogenannte 'christliche Religion' ist der größte Humbug und die abscheulichste Heuchelei, die je die Menschheit getäuscht." [91]

„Die Christenheit ist die heuchlerischste aller Organisationen. … Sie ist hochgezüchtete Heuchelei und die sträflichste aller Völkergruppen." [92]

Damit kein Zweifel darüber entsteht, in welcher Richtung Jonak seine ausgewählten Zitate verstanden wissen will, zitiert er im Anschluss daran - sozusagen als „Bestätigung" - einige Passagen aus den sogenannten „Protokollen":

„Wir müssen unbedingt den Glauben zerstören, die grundlegenden Anschauungen von Gott und dem heiligen Geist aus der Seele der Christen herausreißen und den Glauben durch materielle Erwägungen und Bedürfnisse ersetzen."

„Sobald wir die Weltherrschaft erlangt haben, werden wir keinen anderen Glauben dulden, als den an unseren Gott, mit dem unser Schicksal verbunden ist, weil wir das auserwählte Volk sind und weil durch unseren Gott unser Schicksal mit der ganzen Welt zusammenhängt. Aus diesem Grunde müssen wir alle anderen Religionen vernichten. Wenn sich auch die Zahl der Gottlosen vermehren sollte, so wird dieser Übergangszustand unsere Pläne nicht stören, vielmehr den künftigen Geschlechtern zur Mahnung dienen. Sie werden die Lehren der Mosaischen Religion hören, deren feste und wohldurchdachte Weisungen mit der Unterwerfung aller Völker in Erfüllung gehen werden. Dadurch werden wir die geheimnisvolle Wahrheit dartun, auf der die ganze Kraft unserer Religion beruht."

„Wir haben bereits große Sorgfalt darauf verwendet, die christliche Geistlichkeit in den Augen des Volkes herabzusetzen und ihr Wirken, das uns sonst ernste Hindernisse in den Weg legen könnte, zu untergraben. Ihr Einfluss auf das Volk vermindert sich von Tag zu Tag." [93]

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass Jonak mit diesen Zitaten suggerieren wollte, die Bibelforscher seien die „Erfüller" des angeblichen Programms der dubiosen „Weisen von Zion".

Eine besonders beliebte Stelle der Bibelforschergegner fehlt denn in Jonak's Zitatenauswahl auch nicht: „Wäre das tausendjährige Reich auf Erden aufgerichtet und hätten die für diese Zeit verheißenen göttlichen Regenten (der Juden) ihre Herrschaft angetreten … dann könnte der Kommunismus gedeihen. Er wird dann wohl die beste Gesellschaftsform sein, die sich der König der Könige zu seiner Methode macht. Aber auf das warten wir." [94]

Damit hatte Jonak die Bibelforscher in die Ecke gestellt, in der er - und andere - sie haben wollten. Als weiteren Beleg bemüht er dann noch weitere Passagen aus den „Schriftstudien" Band 7:

„Die weltlichen Regierungen werden zerstört und die soziale Ordnung der Dinge in Anarchie verwüstet werden."

„Gott wird gegen sie (die katholische und protestantische Kirche) einen großen Pöbelhaufen zusammenbringen, Leute mit einem scharfen Gefühl für vergewaltigte Gerechtigkeit - Sozialisten, organisierte Gewerkschaften, radikale Arbeiterelemente, Sozialdemokraten, Nihilisten und Anarchisten."

„Gott wird die weltliche Ordnung der Dinge der Gewalt der bösen Anarchisten preisgeben, und er wird das 'Christentum' und die Ordnung der Dinge wüste und öde machen, und zwar buchstäblich durch die Gewalt der Anarchisten, die der bestehenden Ordnung fremd und feindselig gegenüberstehen und geistlicherweise durch die Söhne Gottes" (das sind die Zeugen Jehovas) (nach Jonak).

„Gott wird es so überwallten, dass die Nationen von riesenhaften Revolutionen erschüttert werden."

„Dann schließlich wird das Volk, das übriggeblieben ist, zur Erkenntnis kommen, dass Krieg, Revolution und Anarchie die gerechten Gerichte des Allmächtigen gegen die geistlichen, politischen und volkswirtschaftlichen Greuel des 'Christentums' waren."

„Alle prophetischen Äußerungen lassen darauf schließen, dass dieser Kampf (der letzte Weltkrieg für Israel) (nach Jonak), ehe er sein Ende erreicht hat, ein fürchterliches Blutvergießen, ein höchst blutiger Konflikt sein wird, ein schrecklich wütender Sturm."

„Gott wird alle kriegslustigen Regierungen, die an der Spitze großer Nationen stehen, vernichten, auch sollen weltlich gesinnte große Leute das Volk nicht mehr bedrücken, und alle Völker sollen nicht mehr von grausamen Regierungen geknechtet werden." [95]

Auch entsprechende Passagen aus Schriften, die direkt unter dem Namen von Rutherford erschienen sind, zitiert er noch: „Gottes Wort der Wahrheit weist deutlich daraufhin, dass der schrecklichste aller Kriege und ein Menschensterben ohne gleichen in sehr naher Zukunft bevorstehe." [96]

„Satan, sehend, dass seine Zeit zur Vorbereitung für die Schlacht von Harmagedon kurz ist, fuhr seither damit fort, die Nationen der Erde zur Rüstung für einen weiteren großen Krieg anzustacheln." [97]

„Es muß noch einen Krieg geben, um die ruchlose Organisation Satans (die bestehenden Staaten und christlichen Religionen) auszufegen, und das ist der Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen, oder Krieg von Harmagedon." [98]

Jonak's tendenzielle Zitatenauswahl sei hier mit der Wiedergabe eines Pressezitates beendet: „In zehn Jahren wird die Schlacht von Harmagedon die Welt so wie sie jetzt aufgebaut ist, ein Ende bereiten." (laut Rutherford) [99]

Aktion "Ritualmord"

Im Jahre 1943 bekam der Naziführer Reichsführer der SS, Himmler, ein Buch in die Hand das den Titel trug: „Die jüdischen Ritualmorde". Himmler mit der Massenvernichtung der Juden betraut, glaubte es als Propagandamittel verwerten zu können. Im Mai 1943 sandte er dazu einen entsprechenden Auftrag an Kaltenbrunner:

„Von dem Buch 'Die jüdischen Ritualmorde' habe ich eine größere Anzahl bestellt und lasse es bis zum Standartenführer verteilen. Ich übersende Ihnen mehrere 100 Stück, damit Sie diese an Ihre Einsatz-Kommandos, vor allem aber an die Männer, die mit der Judenfrage zu tun haben, verteilen können." [100]

Im weiteren Verlauf seines Schreibens stellte er Überlegungen an, wie die antisemitische Propaganda mittels des „Ritualmord" Themas weiter gesteigert werden könne. Er macht auch den Vorschlag, dass man dazu sich auch der „Fachkräfte" des „Stürmers" bedienen könnte. Offensichtlich profitierte auch Jonak von dieser Entwicklung.

In der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, wurde eine von Jonak angefertigte spezielle Bibliographie „Die Literatur betreffend Ritualmorde von 1800 angefangen" im Jahre 1943 in den Bestand eingestellt. [101]

Als dermaßen mit dieser Thematik vertraut ausgewiesen, war es dem Dr. Jonak dann auch noch vorbehalten, in den „Nationalsozialistischen Monatsheften" eine umfangreiche Besprechung des Ritualmord-Buches zu veröffentlichen. [102]

In der Sache kam diese Besprechung einem totalen Zerriss gleich: „Seine Arbeit beansprucht, als wissenschaftliche Untersuchung aufgefasst zu werden. … Wer sich jedoch mit dem Inhalte näher befasst, muß entdecken, dass der Verfasser offenbar keinerlei Quellenstudium betrieb, sondern vielfach oberflächliche Literatur und Zeitungsnachrichten benutzte. … Das Buch ist vielmehr eine Fundgrube von Unrichtigkeiten, unbewiesenen Behauptungen. Es bietet nichts Neues, neu ist höchstens, dass es noch mehr Fehler enthält als andere Schriften dieses Schlags. Dem Verfasser fehlen die für eine solche Arbeit erforderlichen Kenntnisse und Beurteilungskraft. Die Art und Weise, wie er das Thema behandelt, muß als Hohn auf jede ernste Geschichtsbetrachtung bezeichnet werden."

Indem die „Nationalsozialistischen Monatshefte" eine solche Stellungnahme abdruckten wird deutlich, dass man dort den Dr. Jonak als „Kapazität" in Antisemitsmusfragen einschätzte. [103]

Boris Toedtli

Anlässlich seines Auftretens in Bern hatte Fleischhauer auch einen sich ihm anbietenden Pressephotographen namens Boris Toedtli arrangiert. [104] Toedtli dessen Eltern in der Sowjetunion eine Enteignung ihres Besitzes erlebten, war aufgrund seiner Schweizer Staatsbürgerschaft dorthin zurückgekehrt. Er betätigte sich in etlichen Exilrussischen Zirkeln und fühlte sich allen antikommunistischen Bestrebungen zugetan. Dennoch hatte er Schwierigkeiten wirtschaftlich wieder in der Schweiz Fuß zu fassen. [105]

Er hatte die Hoffnung, seine finanzielle Lage durch die Verbindung zu Fleischhauer und Co. entscheidend verbessern zu können. Er musste erkennen, dass dies im erwarteten Umfang nicht eintraf. Dennoch war er dem Fleischhauer'schen Clan in den Jahren 1935-1937 in vielen Punkten eine Hilfestellung und Unterstützung. Er kannte auch Jonak und stand mit ihm in Korrespondenz. Auch erklärte er sich bereit für die nazistischen Interessen in der Schweiz vor Gericht als Kläger aufzutreten.

Norman Cohn hatte mal die biographischen Aspekte des Toedtli dahingehend zusammengefasst, dass seine Eltern Schweizer waren, die aber viele Jahre ihres Lebens in Russland verbrachten. Toedtli wurde dort 1896 in Kiew geboren. Im Weltkrieg und im anschließenden Bürgerkrieg kämpfte er auf Weißgardistischer Seite und brachte es dort bis zum Offizier. Er wurde von den Bolschewiken gefangengenommen und wäre in der Gefangenschaft beinahe an Typhus gestorben. Unterdessen wurde die Fabrik seines Vaters konfisziert. Der Familie wurde schließlich doch noch die Ausreise in die Schweiz gestattet. Finanziell konnten sie sich aber nicht mehr erholen. Namentlich traf dies für Boris Toedtli zu, der seinen Eltern und Schwiegereltern finanziell auf der Tasche lag, da seine eigenen beruflichen Versuche sich allesamt als nicht tragfähig erwiesen.

Norman Cohn kommentiert: „Das Bild ist vertraut. Wie so viele Nazis war Toedtli ein Deklassierter mit unerfüllten Ambitionen nach einer bürgerlichen Karriere, und wie so viele 'weiße' Russen sehnte er den Tag herbei, an dem Russland die 'jüdisch-freimaurerische Tyrannei' abschütteln würde. 'Ich bin Antisemit aus persönlicher Erfahrung', sagte er. 'Dies ist die Erklärung für mein ganzes Verhalten. … Meine Familie und ich haben in Russland alles und jedes verloren. Schuld daran war vor allem der Jude, nicht etwa das russische Volk.' Mit seinen Frustrationen, seinen Ressentiments, seiner politischen Unbildung war Toedtli in der Tat ein idealer Vorkämpfer für die 'Protokolle'". [106]

Zur Biographie des Toedtli bemerkt Glaus noch: „Das er 1933 Mitglied der 'Nationalsozialistischen Eidgenossen' gewesen, im April 1934 dann der 'Nationalen Front' beigetreten und Kassenwart des Gaues Bern geworden ist. Noch vor Ablauf des Jahres habe er der Partei den Rücken gekehrt, da sie seinen Erwartungen nicht entsprochen hätte. Vor dem Prozess um die 'Protokolle der Weisen von Zion' wäre Tödtli mit Fleischhauers 'Weltdienst', dessen Berner Vertretung er anfangs 1935 übernommen habe, bekannt geworden. Fleischhauer habe Tödtli um Auskunft über alle möglichen Personen, speziell Prozessgegner, Juden und Freimaurer ersucht; die Übermittlung derartiger Nachrichten ins Ausland konnte seit dem Bundesbeschluss zum Schutze der Sicherheit der Eidgenossenschaft vom Juni 1935 strafrechtlich verfolgt werden." [107]

In den wenigen Tagen in denen sich Fleischhauer in der Schweiz aufhielt, hatte er die dortige Justiz mit Klagen und Gegenklagen beschäftigt. [108] Die „Anschlußarbeiten" übernahm dann Toedtli. So hatte Fleischhauer auch Klageanträge gegen führende Bibelforscher erhoben. [109] Wenn auch Fleischhauer aus diesem Klagerennen faktisch ausschied, so sollten die Nazis doch noch einen Triumph bekommen, indem ihr Agent Boris Toedtli für sie die Geschäfte weiterführte. In den Worten Jonaks:

„1936, 28. Mai: Strafanzeige des Boris Toedtli gegen die ernsten Bibelforscher M. C. Harbeck und Franz Zürcher in Bern wegen Zuwiderhandlung gegen das Berner Gesetz über Schundliteratur und Herabwürdigung der Religion. Mit Urteil vom 26. August 1936 wurden die Bibelforscher freigesprochen. Dem dagegen eingebrachten Rekurse gab das Obergericht am 28. Mai 1937 Folge und verurteilte die Angeklagten wegen Herabwürdigung der Religion zu Geldstrafen und Ersatz der Gerichtskosten im Betrage von zusammen 1139 Franken." [110]

In der Ausgabe vom 15. August 1936 der in der Schweiz weiterhin erscheinenden Zeitschrift „Das Goldene Zeitalter" konnte man die Meldung zur Kenntnis nehmen, dass „die Nazis in der Schweiz" einen Prozess gegen Vertreter der Wachtturmgesellschaft anstrengen würden. Weiter wurde diese Notiz mit der Anmerkung präzisiert: „Am 26. August d(ieses) J(ahres) findet in Bern eine Gerichtsverhandlung statt die zum Gegenstand hat, zu prüfen, ob die Literatur der Watch Tower Bible and Tract Society 'Schundliteratur' sei oder nicht." [111]

In der Ausgabe vom 15. September und in Fortsetzung auch in der Ausgabe vom 1. Oktober 1936 des „Goldenen Zeitalters" - also bereits nach dem Prozess - veröffentlichte die Schweizer Zeugenführung umfangreiches Material dazu. [112] Der Leser erfährt darin, dass der Kläger ein gewisser Boris Toedtli sei, in Personalunion zugleich auch Leiter der Schweizer Vertriebsstelle des deutschen antisemitischen Verlages „Weltdienst". Leiter des „Weltdienstes" sei bekanntermaßen der Oberstleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer, berüchtigt bekannt durch seine Gutachtertätigkeit während des Berner Prozesses um die „Protokolle der Weisen von Zion."

Bereits unmittelbar nach dem Protokolleprozeß, in der Ausgabe vom 15. Juni 1935 des „Weltdienstes" findet sich unter der Überschrift „Der Kampf geht weiter!" ein Spendenaufruf „an unsere Freunde in aller Welt." Weiter wird schon zu diesem Zeitpunkt hinzugefügt: „Zugedachte Spenden sind zu richten an 'World Service' für Boris Toedtli, Bern ..."

Toedtli trat seit Ende 1936 auch als Herausgeber einer speziell gegen die Zeugen Jehovas gerichteten Periodika namens „SPK - Schweizerische Presse-Korrespondenz" in Erscheinung. Zu ihr bemerkte das „Goldene Zeitalter":

„In Erfurt (Deutschland) wird im U. Bodung-Verlag durch den nationalsozialistischen Experten Ulrich Fleischhauer ein sogenannter 'Weltdienst' herausgegeben. Diese Pressekorrespondenz bezweckt unter allen Nationen eine systematische Hetze gegen Juden, Freimaurern und Zeugen Jehovas (Bibelforscher) … zu entfachen und so auch gegenseitig sogenannte 'Gutachten' zu konstruieren, die dann gelegentlich als Beweismittel bei Behörden und Gerichtsinstanzen dienen sollen. … In der Schweiz wird der Naziexperte Fleischhauer bzw. sein 'Weltdienst' durch Boris Toedtli 'World Service' Bern … vertreten. Toedtli zeichnet mit H. Metzler, St. Gallen, als verantwortlicher Redakteur der 'Schweiz. Presse-Korrespondenz' (SPK) in Ergänzung des 'Welt-Dienstes', mit reichlich viel Fehlern, in Maschinenschrift monatlich zweimal herausgegeben, welche von der 1931 in St. Gallen gegründeten 'Gesellschaft für Kirche und Papst' als Eigentum beansprucht wird.

Diesem 'Welt-Dienst' alias SPK dienen als Quellen neben den bestellten nationalsozialistischen … Parteiberichten aus aller Welt auch die Schriften ihrer Gesinnungsgenossen wie: Fritz Schlegel, Bomsdorff-Bergen alias Christian Kreuz, Fetz, Dr. Pfaffrath, Pfarrer Gerecke, Dr. Hans Jonak und andere." [113]

Bereits in einem Schreiben vom 15. 6. 1936 direkt an Fleischhauer in Erfurt schrieb Toedtli: „(Rechtsanwalt) Ruef und ich sind der gleichen Ansicht, dass wir nur dann in unserem Kampfe sicher sein werden, wenn wir eine Zeitung hinter uns haben werden … eine schlaue Wochenschrift. Ich habe mit Ihnen bereits über diesen Plan gesprochen ohne eine definitive Antwort zu bekommen, aber ich bin überzeugt, dass wir um jeden Preis ein Blatt haben müssen, sonst können wir nichts erreichen." [114]

In seinem Schreiben vom 1. 11. 1937 an Fleischhauer, zu dem er sich zwischenzeitlich in immer größere (finanziell motivierte) Differenzen befand, erwähnt Toedtli nochmals das SPK-Projekt:

„Ich wurde auch vom Papstnuntius empfangen und besprach mit ihm die ganze Angelegenheit. Er gab mir zwei Empfehlungsbriefe. … Es wäre ratsam, bereits heute ein Mitteilungsblatt für die Presse erscheinen zu lassen und als Herausgabeort Bern zu nennen. Deutschland sollte besser nicht genannt werden, da dies der Unparteilichkeit schaden könnte. Die katholischen Kreise z. B. stehen dem Deutschen Reich ziemlich feindlich gegenüber." [115]

Jonak hatte sein Zeugenbuch als wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Weltdienstes" erstellen können. Für ihn kam begünstigend hinzu, dass seitens des Naziregimes ein Interesse daran bestand, den sich seit Herbst 1934 anbahnenden Protokolleprozeß propagandistisch zu gewinnen. In dieser Situation wurde die Aufblähung des Mitarbeiterstabes des „Weltdienstes" durch das nazistische Propagandaministerium subventioniert.

Nachdem dieser aktuelle tagespolitische Bezug sich verflüchtigt hatte, wurden einige „Blütenträume" wieder gestutzt. So musste Jonak registrieren, dass trotz seines Aufrufes in den „Nationalsozialistischen Monatsheften", das Lexikonprojekt „Sigilla veri" in der Nazizeit, aus finanziellen Gründen nicht weiter geführt werden konnte.

Toedtli war zum „Weltdienst" in der Hochphase des Protokolleprozeßes hinzugestoßen. Auch er musste schon bald erkennen, dass seine finanziellen Erwartungen nicht die gewünschte Erfüllung fanden. Tatsächlich erhielt er von Fleischhauer Geldbeträge und auch Vertriebsrechte des Weltdienstverlages für die Schweiz. Unterm Strich gesehen war das, was dabei finanziell für ihn herauskam, ihm finanziell zu wenig.

In seiner Korrespondenz beklagt er sich darüber verschiedentlich. So schrieb er beispielsweise am 5. 7. 1936 an Fleischhauer: „Herr (Rechtsanwalt) Ruef riet mir, ich solle Ihnen schreiben und Sie um Entlohnung meiner Arbeit bitten. Er denkt, dass die deutsche Devisenstelle doch verstehen wird, dass wir in erster Linie für Deutschland kämpfen und daher auch einen Gegendienst beanspruchen dürfen." [116]

Offensichtlich war Toedtlis Enttäuschung, die finanzielle Seite betreffend, so groß, dass er zeitweilig auch an einen Bruch mit Fleischhauer dachte. Die Schreiben des Weltdienst-Mitarbeiters Jonak an Toedtli legen davon Zeugnis ab. So mahnte Jonak am 29. 9. 36 den Toedtli:

„Ich kann Ihren Standpunkt vollauf verstehen, da es sich bei Ihnen um eine Existenzfrage handelt. Sollten Sie aber eine Erklärung veröffentlichen, so möchte ich Ihnen zumindest raten, jede Gehässigkeit zu vermeiden. … Sehr anerkennen muss ich es, dass Sie von den laufenden Prozessen nicht zurücktreten." [117]

Es ist bezeichnend das in diese Lücke nun die katholische Kirche eintrat. Ohne die Empfehlungsbriefe des päpstlichen Nuntius, wäre das Toedtli'sche SPK-Projekt höchstwahrscheinlich einen frühzeitigen Tod gestorben. So aber konnte es noch etliche Jahre weiter existieren.

Nachdem der „deutsche Stern" endgültig gesunken war, stellte auch die SPK im Jahre 1944 ihr Erscheinen ein, obwohl man als Herausgeber eine „Gesellschaft für Kirche und Papst" fungieren ließ. Immerhin, aufmerksame Beobachter wussten, was sie von dieser Konstellation zu halten hatten. In die Nachkriegszeit passte dieses Naziobjekt nicht mehr hinein. Toedtli war schon - als die Nazis sich noch im Zenit ihrer Macht befanden - in der Schweiz aus politischen Gründen zur persona non grata geworden. [118]

Die SPK überlebte den schon Ende der dreißiger Jahre erfolgten Sturz ihres Gründers, indem nahtlos ein gewisser Heinrich Metzler aus St. Gallen die Arbeit fortsetzte. In diesem Zusammenhang ist es aufschlussreich aus dem Brief vom 17. 6. 1936 zu zitieren, den Jonak damals an Toedtli richtete:

„Auch der Brief des Herrn Metzler freut mich sehr. Der Herr Oberstleutnant steht mit ihm übrigens schon seit einiger Zeit im Schriftenwechsel und hat ihn schon am 30. Mai auf meine 'Zeugen Jehovas' aufmerksam gemacht. Ich werde ihn nun auch noch persönlich schreiben." [119]

Diese Zeilen belegen also, dass Metzler für das faschistische Deutschland kein „Unbekannter" war, als er definitiv die Redaktion der SPK übernahm. Hinzuzufügen wäre noch der vieldeutige Kommentar, den die Zeugenzeitschrift „Trost" diesem Metzler einmal angedeihen ließ:

„Der Schweizerische 'Nationalist' Metzler schreibt in einem Briefe an Toedtli am 25. September 1936: 'Sie verstehen, dass ich erst ab November 'eingetragener' Schweizer bin und vor allem nicht gerne an die Öffentlichkeit treten kann, was ich überhaupt vermeide, weil sonst die 'Forscherarbeit' etwas gehemmt ist." [120]

Wenn Metzler also erst seit November 36 das Schweizer Bürgerrecht besaß, dann fragt man sich was war er vorher? Angesichts der faschistischen Aktivitäten lässt das Raum für einige Spekulationen. Und von der katholischen Kirche ist auch in anderen Zusammenhängen genügend bekannt, dass sie in solchen diffizilen Situationen nach dem Grundsatz zu handeln pflegt: „Die Feinde meiner Feinde - sind auch meine Freunde." Mit anderen Worten, sie hat keine Skrupel, selbst die anrüchigsten Koalitionen einzugehen!

Für ihre Leserschaft zitierte das „Goldene Zeitalter" einmal aus der vorbenannten „Schweizerischen Presse-Korrespondenz" vom 5. November 1936 die folgenden Sätze:

„Der Fall zeigt wieder einmal am Beispiel, dass die Redaktion der Zeitschrift 'Das Goldene Zeitalter' keine Mittel scheut, in ihrem gemeinen Feldzuge gegen Kirche und Religion und das diese Wühlarbeit der genannten Organisation die Aufmerksamkeit der Behörden verdient. Die Aufklärung über die letzten politischen Ziele dieser religiös getarnten Gesellschaft muß fortgesetzt werden und wir möchten bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, auf die äußerst wertvolle Arbeit des Ministerialrates Dr. Hans Jonak von Freyenwald, Wien 'Zeugen Jehovas' aufmerksam zu machen." [121]

Über die Auswirkungen dieser Anti-Zeugen Jehovas-Propaganda musste das „Goldene Zeitalter" konstatieren:

„Es ist ein offenes Geheimnis, dass die katholische Hierarchie den Faschismus und Nationalsozialismus als Bundesgenossen hat und dass die Vertreter der hierachischen Weltanschauung lieber heute als morgen die gewaltsame Unterdrückung jeder freien geistigen Bewegung auch in der Schweiz durchsetzen möchten, und zwar unter dem Deckmantel der Religion, der Ordnung und der Sicherheit vor dem Bolschewismus.

Das ist der wahre Zweck des Protestes und des Verleumdungsfeldzuges der katholischen Aktion gegen die Zeugen Jehovas. Diese Saat des Hasses auf Schweizerboden durch den berüchtigten Judenhasser Fleischhauer, seinen Bundesgenossen Dr. Jonak und die Herren Metzler und Toedtli in etlichen katholischen und frontistischen Presseerzeugnissen hat bereits Früchte getragen, indem … (z. B.) in Arbon ein Plakat prangte mit der Aufschrift: 'Schweizervolk, erhebe dich gegen das Lumpenpack Jehovas Zeugen, geborene Bibelforscher.'" [122]

Diesen vorbenannten Boris Toedtli charakterisierte das „Goldene Zeitalter" mit den Worten: „Wer ist nun dieser Toedtli, der sich in seinen heiligsten Gefühlen verletzt glaubt durch die Schriften und Bilder der Zeugen Jehovas? Dem Eingeweihten gibt schon sein Briefkasten genügend Aufschluss:

U. Bodung Verlag. Schweizerische Presse Korrespondenz. B. Toedtli World Service Welt Dienst.

Wir haben schon erwähnt, dass dem U-Bodung-Verlag der Nationalsozialist Fleischhauer vorsteht; er ist aber auch Chefredakteur des 'Weltdienstes'. Und nun staune der Leser noch: Eigentümer der Schweizerischen Presse-Korrespondenz ist die im Jahre 1931 in St. Gallen gegründete Aktion 'Für Kirche und Papst!'

Hie Nationalsozialismus - hie Katholizismus! Wie ist das möglich, wird der erstaunte Leser fragen. Wir können ihm die Antwort darauf geben. Die Beschuldigung, dass die Bibelforscher getarnte Kommunisten seien, dass sie mit den Freimauern und Juden den gewaltsamen Umsturz der christlichen Regierungen erstrebten und auf den Trümmern der Christenheit ein jüdisches Reich errichten wollten wurde zuerst im katholischen Bayern von deutschvölkischen Pfarrern und katholischen Priestern erhoben." [123]

An anderer Stelle zitiert das „Goldene Zeitalter" über Toedtli aus einem Gerichtsurteil:

„Was einmal die Legitimation des Klägers betrifft, so ist zuzugeben, dass Toedtli, ehemals Mitglied der griechisch-katholischen Kirche, allerdings nicht Mitglied der römisch-katholischen Kirche geworden ist, aber er ist, wie er uns versichert hat, Anhänger dieses Glaubens, eines Glaubens der durch das Bernische Strafgesetz geschützt wird. Toedtli ist also als 'Verletzter' zu betrachten. So die Ansicht des Gerichts betreff Aktivlegitimation des Klägers (in der Berufungsverhandlung). Wir überlassen es dem vorurteilsfreien Leser, sich über diesen 'juristischen Scharfsinn' einen Reim zu machen." [124]

Ein von Toedtli gegen die Bibelforscher arrangiertes Gerichtsverfahren nahm konkrete Formen an. Vom Gericht wurde dafür als Verhandlungstermin der 28. August 1936 angesetzt. Es erwies sich, dass die Hilfe die dabei Jonak seinem Schützling Toedtli gewährte einen organisatorischen Hintergrund hatte. Die Fäden dazu wurden nicht in Bern, auch nicht in Wien, sondern in Erfurt (Deutschland) gezogen. Dies machte auch das Schreiben deutlich, dass Jonak am 31. 7. 1936 an Toedtli richtete:

„Lieber Herr Toedtli!

Ich kenne mich nicht mehr aus. Am 20. Juli schreiben Sie mir, dass Sie, Oberstleutnant und Herr Ruef am 19. 7. in Freiburg entschieden haben, dass wegen des Bibelforscherprozesses meine Anwesenheit in Bern dringend notwendig sei und dass der Oberstleutnant zugestimmt hat, dass ich für drei Monate kommen soll. Darüber erfuhr ich von keiner Seite bisher etwas und der Oberstleutnant schrieb mir nicht ein Wort darüber, bloß: 'am 26. 8. werden noch keine Zeugen vorgeladen. Das wird erst am 26. 8. von unserer Seite beantragt. Trotzdem aber halte ich es für gut, wenn Du anwesend bist.'

Das widerspricht ganz dem, was Sie mir schrieben: keine Dringlichkeit, nichts von einem längeren Aufenthalt, früheste Anwesenheit am 26.!! Bitte fragen Sie doch Herrn Ruef, was man über mich in Freiburg festgelegt und teilen Sie es mir mit. Ich komme sonst in eine peinliche Situation. Ich bin durchaus schon verstimmt. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. Jonak." [125]

Bereits in dem Prozess um die vorgeblichen „Protokolle der Weisen von Zion" hatte der nazistische Gutachter Fleischhauer die Bibelforscher „aufgeschreckt", indem er darin bezogen auf sie, einige (aus ihrer Sicht) massive Verleumdungen zum Ausdruck brachte. Die Zeugenführung zitiert dann auch ausführlich noch aus ihrer dem Gericht zugestellten schriftlichen Stellungnahme zu der Anklage des Toedtli; sowie auch einige Pressestimmen dazu. Dabei gelingen ihr durchaus einige beachtenswerte Beobachtungen:

„Der Ankläger, Herr Toedtli, beruft sich fast ausschließlich auf die zahlreichen und beleidigenden Äußerungen des Oberstleutnants a.D. Fleischhauer, die zuerst anlässlich der Gerichtsverhandlung über die Zionistischen Protokolle niedergelegt und welche gewöhnlich sofort veröffentlicht und als Propagandamittel gegen die Bibelforscher, resp. Zeugen Jehovas benutzt werden." [126]

An anderer Stelle zitiert sie einen Pressebericht, der über Toedtli berichtet, dass sein Anwalt Ruef, der Gegenseite die Anklage auf „Herabwürdigung der Religion", über das Gericht habe schriftlich zustellen lassen. Als Begründung für dieses Verfahren wird zitiert:

„Da er (Toedtli) in der russischen Revolution sein Gehör verloren habe, was ihn sonderbarerweise aber nicht hinderte, bei den Ausführungen des Gegenverteidigers aufmerksam hinzuhorchen und sich von Zeit zu Zeit Notizen zumachen, während er sich in der übrigen Zeit, wo er nichts hören konnte, mit Abzeichnungen vom Gerichtssekretär und verschiedenen Phantasie-Symbolen die Zeit vertrieb." [127]

Abgesehen von dem polemischen Unterton dieser Reminiszenz, ist es doch bemerkenswert, dass der Kläger, ein Exilrusse und strammer Antikommunist, lediglich über seinen Anwalt agieren ließ. Auch gilt es nochmals festzuhalten, dass die Kläger sich in der Sache fast ausschließlich auf die formal von Fleischhauer zuerst vorgetragenen Argumente stützten.

Eine weitere beachtliche Feststellung gelingt der Zeugenführung mit der Anmerkung:

„Man vergleiche Fleischhauers veröffentlichtes Gutachten mit seiner Vernehmlassung vom 10. Mai 1936 und mit Dr. Jonak von Freyenwalds Buch 'Die Zeugen Jehovas' und beachte die vielen ganz gleichlautenden Paralellstellen, ohne dass der eine den anderen als Verfasser anführt. … Dr. Jonak, der von Fleischhauer als Experte gegen die Bibelforscher im Verleumdungsprozeß resp. wegen falscher Expertise vorgeschlagen wurde, kam vor etwa zwei Jahren in unser Zweigbüro in Wien, heuchelte Interesse an der Literatur, erwarb sich die Bücher und schrieb dann mit ausdrücklicher Genehmigung des kath. erzbischöflichen Ordinariates von Wien in Verbindung mit Herrn Fleischhauer, die … Hetzschrift … in welcher … immer dieselben, niemals bewiesenen Behauptungen erhoben werden, nämlich, dass die Bibelforscher mit den Juden, Freimaurern und Kommunisten die Zerstörung der christlichen Religion, der christlichen Staaten und überhaupt der ganzen menschlichen Zivilisation durch Krieg, Revolution und andere Gewaltmittel herbeizuführen bezwecken, um dann auf den Trümmern der Christenheit ein jüdisches Nationalreich zu gründen.

Dr. Jonak, der in Wien wohnt, lässt sein Buch vorsichtshalber in Deutschland im Germania-Verlag in Berlin verlegen, während Fleischhauer seine Verleumdungen wohlweislich durch einen Strohmann in Bern vorbringen lässt, während er selber sich hinter der Front versteckt." [128]

Diese seinerzeitige Analyse der personalen Zusammenhänge, hat sich auch im Lichte neuerer Forschungsergebnisse als zutreffend erwiesen.

Aufhänger jenes von Toedtli angestrengten Prozesses war die These der „Herabwürdigung der Religion" durch die Zeugen Jehovas. Das erwies sich in der Tat als ein für die Zeugenführung kritischer Punkt. Denn ihr seinerzeitiges Haupt J. F. Rutherford pflegte in seinen zahlreichen Schriften eine „undiplomatische" Sprache zu sprechen.

Er zögerte nicht „Anklagen" zu formulieren und in vielerlei Gestalt zu variieren. „Freunde" außerhalb seiner Gefolgschaft hat er sich dabei ganz sicher nicht erworben. Die Frage ist aber dabei. Hat er die Grenzen dessen überschritten, was Vertreter anderer Richtungen und Organisationen an Kritik gegebenenfalls klaglos oder auch nicht klaglos, einstecken müssen?

Rutherford lebte in den USA. Im Kontext des dortigen Pluralismus wird man feststellen müssen, dass er für dortige Verhältnisse, vielleicht in dem einen oder anderen Fall die Grenze des zu Tolerierenden hart streifte, dass er sie aber in der Regel nicht überschritt.

In Hitlerdeutschland herrschte bekanntlich eine ganz andere politische Situation. Dort war man nicht im Entferntesten bereit in diesen Fragen Konzessionen zu machen.

Das fragliche Gerichtsverfahren spielte sich jedoch in der Schweiz ab. Und deren politische Grundsätze standen denen der USA doch näher als denen Hitlerdeutschlands. Die Frage war also letztendlich. Würde die Schweiz diesem faktisch faschistisch initiierten Versuch der Einflussnahme auf ihre politischen Grundsätze abwehren oder ihr Erliegen?

Bekannt ist das im weiteren Verlauf die mit den Nazis sympathisierenden Schweizer Kreise noch andere „Versuchsballons" dieser Art gestartet haben. Einer davon war ein sogenanntes „Volksbegehren" mit dem Ziele, die Freimaurerei in der Schweiz zu verbieten, was letztendlich auch scheiterte.

Über das Endergebnis dieses Toedtli'schen Prozesses berichtet die „Berner Tagwacht" vom 28. August 1936.[129]

„Nach den Schlussreden der Beklagten, die unter anderem aufschlussreiche Einzelheiten über die Verfolgung von Bibelforschern im Dritten Reich gaben - Herr Harbeck hat selbst die Gestapo-Keller kennengelernt - was den Klagevertreter sichtlich nervös macht" wurde die Klage abgewiesen.

Es wurde ausgeführt, dass eine scharfe „oft drastische Kritik am 'sogenannten Christentum' feststellbar sei die sich aber in jedem einzelnen Fall direkt auf Bibelworte selbst bezieht und deshalb nicht strafrechtlich verfolgt werden könne, sonst müsste man die Bibel selbst als 'Schundliteratur' verurteilen … Da der Beweis, dass die Zitate und Bilder öffentliches Ärgernis erregt und den Religionsfrieden gestört hätten, nicht erbracht ist, kann von einer Verurteilung nicht die Rede sein, da in einem demokratischen Staat mit Glaubens- , Gewissen- und Pressefreiheit eine starke Kritik zulässig ist. Die Klage von Herrn Toedtli wird deshalb abgewiesen, die Herren Harbeck und Zürcher von der Anklage wegen Vertrieb von Schundliteratur freigesprochen. Die Prozesskosten werden dem Staat überbunden, und der Kläger hat den Beklagten je 150 Fr(anken) an die Verteidigerkosten zu bezahlen."

Bemerkenswert ist auch noch die Gegenargumentation, wie sie in der schriftlichen Stellungnahme der Zeugen-Leitung zum Ausdruck kommt: „Weder das religiöse Volk des Kantons Bern, noch die kirchlichen Behörden fühlten sich durch das Lesen der eingeklagten Literatur in ihren religiösen Empfindungen verletzt, sondern fragwürdige, politische Agitatoren sind unsere Kläger, bei denen es sich gar nicht um eine, ihnen persönlich heilige Sache, nämlich um die Religion und das Christentum handelt, sondern um gewöhnliche politische Propaganda und um vorsätzliche Verleumdung des verhassten Gegners; denn nur so lassen sich die gemeinen und hasstriefenden Ausdrücke erklären, wie z. B.

'Finsterlinge, unverschämt, blödsinnig, aufdringlich, unanständige Bibelschändung, teuflisch, schamloser und frecher Lügengeist, religiöser Idiotismus, freche Judasseelen, Teufelsboten, Verbrecher am Volkswohl, skandalöses Treiben, schamloses Verdrehen, Falschmünzerei, Lügengewebe, raffinierteste Nichtswürdigkeit, arbeitet und jubelt in einem Grade der Weltrevolution entgegen, dass man nicht selten an die Ergüsse eines durch Alkoholgenuss blödsinnig gewordenen bolschewistischen Zeitungsredakteurs vor sich zu haben glaubt, Gotteslästerer, Pestboten der asiatischen Mammonsreligion' etc."

Dies seien alles Ausdrücke „womit die Klägerschaft uns direkt persönlich durch die Zitate teilweise völkisch-orientierter erfolgsneidischer Pfarrer betitelt. Diese Ausdrücke beweisen, dass weder Fleischhauer noch Toedtli berechtigt oder befugt sind, uns wegen verschiedener Ausdrücke, die bei weitem nicht so scharf sind, auf Grund der Gesetze über Schundliteratur und der Störung des religiösen Friedens zu verklagen."

Ihre schriftliche Antwort in diesem Gerichtsverfahren schließt die Zeugen-Leitung mit der Anmerkung: „Hätten Herr Fleischhauer und Herr Toedtli nicht eine glänzende Gelegenheit, Dr. Jam, Rosenberg, Julius Streicher oder den Ludendorff-Verlag in Deutschland anzuklagen, da jene doch vor allem nach ihrer Auffassung die Religion und insbesondere die 'Heilige katholische Kirche' herabwürdigen? Wir verweisen ferner auf die vielen in Deutschland erscheinenden Zeitungen, wie 'Flammenzeichen', 'Der Blitz', 'Das Schwarze Korps', 'Durchbruch' sowie auf den geistigen Inhalt der Hitler-Jugend und SA-Lieder.

Wir richten an die Herren Fleischhauer und Toedtli die Frage: 'Sind ihnen diese Bücher und Schriften unbekannt, oder empfinden sie bei der Lektüre dieser gotteslästerlichen Schriften der Bewegung der Deutschen Christen keine Verletzung Ihrer religiösen Empfindungen?' Eine solche Behauptung Ihrerseits wäre Heuchelei." [130]

In der Gerichtsverhandlung vom 26. August 1936 hatte die Zeugenführung einen faktischen Sieg errungen. Allerdings sollte er sich als Pyrrhussieg erweisen, denn der Rechtsanwalt des formal klagenden Toedtli legte umgehend Berufung ein. [131]

Was „die Glocke geschlagen hat", auch in der Schweiz, wurde schon wenige Tage später deutlich. Für den 4.-7. September hatte die Zeugenführung einen „Mitteleuropäischen Kongress nach Luzern (Schweiz) einberufen. Am Sonntag den 6. September 1936 ließ, dass Bibelforscherhaupt Rutherford eine von ihm vorbereitete „Resolution" vorlesen und annehmen. Deren Text macht deutlich, dass von „Zurückhaltung" seitens der Zeugen Jehovas, da nicht geredet werden kann.

In deutlicher Tonlage hieß es darin unter anderem: „Wir heben die Tatsache hervor, dass Satan der große Feind all derer ist, die Jehova Gott dienen, und dass er, Satan, sich zu allen Zeiten der Religionsvertreter bedient hat, um die, die Gott in Geist und in der Wahrheit anbeten, zu bekämpfen und zu verfolgen. … So erklären auch wir, dass wir Gott mehr gehorchen wollen als den Menschen. Wir rufen alle gutgesinnten Menschen auf, davon Kenntnis zu nehmen, dass Jehovas Zeugen in Deutschland, Österreich und anderswo grausam verfolgt, mit Gefängnis bestraft, und auf teuflische Weise misshandelt und manche von ihnen getötet wurden. Alle diese verruchten Taten werden gegen sie von einer grausamen, heimtückischen und bösen Macht verübt, wozu sie durch jene religiöse Organisation, nämlich die römisch-katholische Hierarchie, welche viele Jahre lang das Volk getäuscht und den heiligen Namen Gottes gelästert hat, veranlasst wird.

Die Hitlerregierung, die von den Jesuiten der römisch-katholischen Hierarchie unterstützt und beeinflusst wird, hat wahren Christen jede Art grausamer Bestrafung auferlegt und fährt fort dies zu tun. … Es wird beschlossen, je eine Abschrift dieser Resolution an Herrn Hitler und an den Papst in der Vatikanstadt, dem Haupt der römisch-katholischen Hierarchie, zu senden." [132]

Nach dem verkünden dieser Resolution begannen auch bei den politischen Behörden der Stadt Luzern die Alarmglocken anzuschlagen. In einem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Luzern heißt es dazu:

„Anlässlich ihres in Luzern stattfindenden Kongresses hat die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher für Montag, den 7. September 1936 eine öffentliche Versammlung mit einem Referat von Richter Rutherford angekündigt. Mit Rücksicht auf die bekannte Art heftigster Propaganda war die Leitung des Kongresses seitens der zuständigen Polizeibehörde aufgefordert worden, sich bei der Propaganda jeder Aktion enthalten zu wollen, welche zur Störung des interkonfessionellen Friedens und der öffentlichen Ordnung führen konnte. … Dagegen war vom Versammlungsreferenten Richter Rutherford eine solche Erklärung nicht erhältlich." [133]

Daraufhin wurde beschlossen, unter Polizeieinsatz, den für Montag den 7. 9. 1936 geplanten öffentlichen Vortrag von Rutherford zu verbieten und zu unterbinden. Damit war auch in der Schweiz nunmehr ein Präzedenzfall geschaffen, für das auch dort sichtbar werdende Umschlagen der Stimmung gegen die Zeugen Jehovas.

Genüsslich zitieren sogar deutsche Rundfunksender diesen Eklat, wie dies z.B. eine den Zeugen Jehovas zugegangene Hörerzuschrift deutlich macht: „Heute, Dienstag morgen 7. 00 Uhr funkte der deutsche Stuttgarter Sender im Nachrichten-Dienst folgendes: 'In Luzern hielt der Präsident der Internationalen Bibelforscher einen Vortrag. Er wurde verboten, da er unter den Geistern der religiösen Führer Verwirrung stiften würde.'" [134]

Jener verbotene Vortrag konnte aber doch im geschlossenen Kreis, unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Die Zeugenleitung hat ihn dann auch in ihrer Literatur wörtlich dokumentiert. Nachstehend einige Sätze daraus, die zeigen, was der Öffentlichkeit da an „Erkenntnissen" vorenthalten wurde:

„Drüben in Deutschland, werden die Zeugen Jehovas aufs grausamste Art misshandelt und verfolgt, nur weil sie darauf bestehen, Gottes Königreich anzukündigen und es sind die Religionisten, die sie verfolgen. Haben Sie schon gehört, dass die Hitler-Regierung die Katholiken verfolgt? Im Gegenteil. Es ist bekannt, dass ein Konkordat abgeschlossen wurde zwischen dem Vatikan und der Hitler-Regierung.

Einige wenige Katholiken sind wohl verhaftet worden, weil sie Devisen geschoben haben und darüber haben die Zeitungen viel Aufhebens gemacht, aber es gibt nicht ein einziges Beispiel dafür, dass angeben könnte, dass jemals ein Katholik aus treue Gott und seinem Worte gegenüber verfolgt wurde. … Der Teufel geht manchmal über seine Grenzen hinaus. So möchte ich Ihnen, meine lieben Zuhörer, sagen: Das, was sich hier heute in diesem Kanton zugetragen hat, geschah auf Veranlassung der römisch-katholischen Hierarchie - Rom diktierte und dadurch kam der Beschluss zustande, dass Volk daran zu hindern, diese Versammlung zu besuchen." [135]

Das war also das Klima das sich in der Schweiz zwischenzeitlich festgesetzt hatte. Als es am 28. Mai 1937 zur Berufungsverhandlung des Boris Toedtli kam, konnten die Richter sich auch dieser Stimmung nicht mehr entziehen. So wurden denn in dieser Berufungsverhandlung die Bibelforscher als schuldig befunden. Zürcher und Harbeck, als verantwortliche Vertreter der Zeugen Jehovas wurden zu einer Buße von je 100 Franken verurteilt, sowie zum tragen der Anwalts-und Gerichtskosten. Sowie zu einer Entschädigung des Toedtli in Höhe von 500 Franken. Ihre Gesamtkosten, betrugen somit insgesamt 1139 Franken.

Die Zeugen-Führung war über dieses Prozessergebnis nicht sonderlich erfreut. Ihre Zitierung und Kommentierung macht das deutlich. Um das mal zu veranschaulichen. Sie zitiert wie folgt:

„Hierauf geht der Präsident zur Bewertung einzelner Schriften und Bilder über, für deren Verbreitung die beiden Angeschuldigten strafrechtlich verantwortlich seien als Verbreiter und Drucker. Es war erstaunlich, was man zu hören bekam: Es sei allerdings zuzugeben, dass die Schriften biblische Ausdrücke wie das Wort 'Hure' im biblischen Sinne gebrauchten. Dieser Ausdruck werde aber immer und immer wieder verwendet, so dass ein damit verbundener Zweck leicht zu erkennen sei. Es gehe im übrigen nicht an (der Leser staune), dass biblische Wendungen, die vor 2 000 Jahren ein Prophet Hesekiel zur Geißelung der damaligen verdammungswürdigen jüdischen Zustände gebraucht habe, einfach zur Kritik der Missstände der katholischen Kirchen und des Klerus heute benützt werden! Äußerungen, wie 'das Christentum sei hochgezüchtete Heuchelei!' seien dazu angetan, sowohl bei den Katholiken wie bei den Protestanten schweres Ärgernis zu erregen. Diese Kostproben aus der Urteilsbegründung mögen dem Leser zur Genüge zeigen, von welch 'hoher geistiger' Warte aus dieser Prozess beurteilt wurde." [136]

Nach diesem Prozess kam es zu einem publizistischen Schlagabtausch zwischen dem nunmehr als Herausgeber der „Schweizerischen Pressekorrespondenz" fungierenden Heinrich Metzler und dem „Goldenen Zeitalter". [137] Wie kaum anders zu erwarten, führte man Schaugefechte und redete in der Sache kräftig aneinander vorbei.

Beispielsweise hatte das „Goldene Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 1. November 1937 seinen Widerpart Toedtli versucht nach Kräften zu demaskieren. Unter der Überschrift: „Die Achse Rom - Berlin" konnte man darin lesen:

„Der Berner päpstliche Nuntius gibt einem Nazi-Agenten Empfehlungsbriefe. Unter Anschrift 'Lieber, sehr geehrter Herr Oberstleutnant' schrieb am 5. Juli 1936 Boris Toedtli, Vertreter des Weltdienst in Bern, Mitglied der Nationalen Front, früher Mitglied des Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen, ferner stellvertretender Führer des 'Verbandes der allrussischen Faschisten', Hauptsitz Charbin in der Mandschurei und Ankläger der Zeugen Jehovas wegen 'Herabwürdigung der Religion', an den Vorgesetzten Fleischhauer in Erfurt u. a. folgendes."

Zitiert werden dann jene Stellen aus der Korrespondenz des Toedtli, in denen er um finanzielle Hilfe nachsucht. Weiter heißt es in dem fraglichen Schreiben:

„Herr (Rechtsanwalt) Ruef bat mich, den Kampf nicht aufzugeben, da wie hier keine zuverlässigen Leute haben, die die Sache übernehmen können. Ich überlasse Ihnen, diese Frage zu entscheiden. Ich habe mir bis jetzt gute Beziehungen bei Katholiken verschafft für die Bibelforschersache. Ich wurde auch vom Papstnuntius empfangen und besprach mit ihm die ganze Angelegenheit. Er gab mir zwei Empfehlungsbriefe nach Zürich und St. Gallen. Mit dem Einverständnis von Ruef werde ich diese Woche hinfahren.

Es wäre ratsam, bereits heute ein Mitteilungsblatt für die Presse erscheinen zu lassen, indem wir verschiedenes über die Bibelforscher veröffentlichen. Das Blatt sollte zweiwöchentlich erscheinen und als Herausgabeort Bern nennen. Deutschland sollte besser nicht genannt werden, da dies der Unparteilichkeit schaden könnte." [138]

Als Toedtli diesen Brief schrieb befand er sich noch im Zenit seiner Aktivitäten. Seine Verhältnis zu Fleischhauer erwies sich in der weiteren Zukunft als zunehmend „angeknackst", da Fleischhauer den finanziellen Erwartungen des Toedtli nicht im geforderten Umfang entsprechen konnte. Noch hatte Toedtli seinen Triumph bei der Berufungsverhandlung gegen die Zeugen Jehovas vor sich, aber danach sollte es für ihn steil abwärts gehen.

Nach dem Sturz des Toedtli schrieb die Zeugenführung seinem Nachfolger, dem schon benannten Heinrich Metzler: „Im Besitze Ihres Schreibens vom 20. Oktober 1937, wiedergegeben als 'öffentliche Anfrage' in Ihrer politisch-katholischen 'S. P. K.' zweifelhafter Herkunft, vom 5. November, möchte ich Ihnen … als Vorstandsmitglied der Vereinigung Jehovas Zeugen nachstehend einiges mitteilen, und zwar nicht zu Ihrem Nutzen, sondern um den Lesern des 'Goldenen Zeitalters' die Augen zu öffnen über ihre jesuitischen Umtriebe. … Ihr früherer Spießgeselle, der Russlandschweizer Boris Toedtli ist bereits als Naziagent entlarvt worden und er soll ins Ausland geflüchtet sein. Fahren Sie, Herr Metzler, nur fort, anständige Menschen zu beschimpfen und durch aufreizende Anfragen wenn möglich in verderblichen Machenschaften zu verwickeln.

Wir kennen Ihr jesuitisches Spiel. … Ihr ehemaliger, von den Schweizer Behörden wegen Spionage verurteilte Kampfgenosse Boris Toedtli besprach den Kampf gegen die Bibelforscher mit dem päpstlichen Nuntius, wie er selber in einem Briefe geschrieben hat und erhielt Empfehlungen für die Vertreter der katholischen Hierarchie.

Oberstleutnant Fleischhauer und sein Agent Toedtli versuchten nach beiden Seiten hin, zum Katholizismus und zum Nationalsozialismus, Wasser zu tragen, und das ist nicht leicht.

Toedtli prahlt mit seinen guten Beziehungen zu den Katholiken, aber nur für den Kampf gegen den Bolschewismus, gegen die Juden und gegen die Bibelforscher. Später soll wohl nach Goebbels und Mussolinis Androhung auch mit den Katholiken abgerechnet werden.

Der nicht getaufte Katholik Toedtli spielte jedenfalls die Rolle des in seinen Gefühlen Verletzten Katholiken, nachdem Dr. Jonak aus Wien ihm die Stellen aus unseren Büchern herausgeschrieben hatte, über die Toedtli als Mittel zum heiligen Zweck verletzt sein wollte. Toedtli gefiel sich in der Rolle des Schweizerischen Kirchengewissens und unterhielt nebenbei ungehörige Beziehungen zum Ausland. Sie Herr Metzler, gefallen sich auch in der Rolle als Hüter der Religion und belieben Ihre Glossen zu machen darüber, dass aufrichtige Christen von unvollkommenen Richtern wegen 'Herabwürdigung der Religion' verurteilt wurden." [139]

In dem Schlagabtausch zwischen SPK und dem „Goldenen Zeitalter" sollte man vielleicht auch noch auf einen ganz speziellem Höhepunkt zu sprechen kommen. Die SPK war keine „Publikumszeitschrift" im landläufigem Sinne. Ihre vorrangige Zielstellung war es, die verantwortlichen Redaktionen anderer Presseorgane zu erreichen, um auf diesem Wege einen „Multiplikatoreffekt" zu erzielen.

So sind denn auch tatsächlich einige Fälle bekannt geworden, wo andere Presseorgane die SPK nachdruckten. Ein solcher Fall ist auch unter dem Datum vom 13. 2. 1940 überliefert, wo die in Baden (Schweiz) erscheinende Publikation „Aargauer Volksblatt" unter Berufung auf die SPK, eine tendenziöse Meldung verbreitete.

In der Sache handelte es sich um die Referierung und Kommentierung des Falles Hope Slipachuk (über den weiter vorstehend in dieser Studie schon die Grundlinien ausgeführt wurden). Jetzt meinte aber die SPK, via „Aargauer Volksblatt" noch einen weiteren Trumpf in der Hand zu haben. Und zwar kam ihr zugute, dass ein „Renegat" der Zeugen Jehovas, ein gewisser John Correvon, der im Berner Zweigbüro der Zeugen gearbeitet hatte, über gewisse Interna-Kenntnisse verfügte, die er nun der SPK zugänglich machte.

Es zeigte sich im folgenden, dass der sachliche Kern der Correvon'schen Information zutreffend war. Es zeigte sich aber auch, dass deren nunmehrige Veröffentlichung, der Zeugen-Leitung alles andere als „nützlich" war und sie entsprechend gereizt reagierte.

Man muß dabei auch das politische Umfeld in Betracht ziehen. Auch in der Schweiz, war für viele, höchstwahrscheinlich für den allergrößten Teil der Bevölkerung, die Sowjetunion die Inkarnation des Totalitarismus, den man ablehnte und der sich nicht zuletzt in der Behandlung der Religion in der Sowjetunion widerspiegelte.

Gerade in den dreißiger Jahren erreichte der Terror der Sowjetunion gegen die Religion, erschreckende Höhepunkte. In der relativ freien Berichterstattung der Schweizer Presse wurden diese Vorgänge nicht „verschwiegen", sondern beim Namen benannt. Die Bevölkerung war also in der Regel informiert und es bestand ein großer Konsens in der Ablehnung der sowjetischen Politik.

In dieser Konstellation musste die Correvon'sche Information geradezu wie eine „Bombe" einschlagen. Laut „Aargauer Volksblatt" stellte sich die Sachlage wie folgt dar:

„Nun ist eine neue Tatsache bekannt geworden. Wir sind in den Besitz von Berichten gelangt und geben nun vorläufig aus dem Munde einer Persönlichkeit, die in den Kreisen der Zeugen Jehovas einen guten Namen hat Folgendes bekannt:

Letzten Sommer (1936) ist Herr Direktor Harbeck (Schweizer Zweigbüro der Zeugen Jehovas) nach Moskau gereist, aber dass darf niemand erfahren. Er ist drei Wochen geblieben und hat mit hohen Persönlichkeiten der Regierung und der Gottlosenbewegung Unterhaltungen gehabt. Im Laufe der Verhandlungen hat er versucht klarzustellen, dass die Ziele gemeinschaftlich dieselben wären. Es wurde ihm gesagt, es sei noch zuviel 'religiöses Zeug' in den Wachtturm-Schriften, sie seien aber ausgezeichnet für die Länder, die noch sehr religiös fühlen und denken. Wenn Harbeck seine Mission nicht geglückt war, er wollte in Russland eine Filiale einrichten, so kam er mit einer großen moralischen Hilfe zurück. Die Sowjets hatten seine Bewegung für die religiös denkenden und fühlenden Nationen gutgeheißen." [140]

Das „Aargauer Volksblatt" vermerkt weiter:

„Was sagt nun aber die Redaktion des 'Trost' dazu? Wie es scheint, ist die Sache sowieso etwas ruchbar geworden. Die Redaktion schreibt am 1. Oktober 1939 auf Seite 7: 'Seine einmalige Reise nach Moskau, die er in Begleitung eines amerikanischen Landsmannes ausführte, hatte den Zweck, die bibelfeindliche Einstellung der Sowjetbehörden dokumentieren zu können.'"

Dieser nicht näher verifizierte begleitende amerikanische Landsmann, dürfte dann doch wohl höchstwahrscheinlich aus dem amerikanischen Hauptbüro der Zeugen Jehovas gestammt haben. Diesen „Sondierungsversuch" kommentierte das „Aargauer Volksblatt" dass seinen Bericht mit „Also doch!" betitelt hatte mit den Worten:

„Wir meinen nun aber, die Einstellung der bolschewistischen Machthaber sei durch die blutigen Verfolgungen und all das, was sie auf dem Gewissen haben, schon genügend dokumentiert. Wir wissen jetzt nun ganz genau, wer die Anführer der Bibelforscher (Jehovas Zeugen) sind. Sie sind die Handlanger Moskaus und der Komintern, die Wegbereiter des Bolschewismus in den 'noch religiös denkenden und fühlenden Ländern.'" [141]

Eine abschließende „Abrechnung" mit der „Schweizerischen Pressekorrespondenz" und ihrem Redakteur Metzler veröffentlichte die Zeugen Jehovas-Zeitschrift „Trost" [142] in ihrer Ausgabe vom 15. Juli 1944.[143] Unter der Überschrift „Heinrich Metzler und seine Presseagentur" kann man dort entnehmen, dass bis zum 20. April 1944 insgesamt 68 Folgen erschienen sind. In der Nr. 68 kündigt Metzler an, dass er ein kontinuierliches Weitererscheinen nicht mehr garantieren könne, dass sie in der Zukunft „in zwangsloser Folge und entsprechend den sich ergebenden Notwendigkeiten" erscheinen sollen.

Faktisch war dies sein „Schwanengesang". Die politisch-militärische Niederlage des Hitlerregimes zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt schon überdeutlich ab. Die katholischen Kreise, die dieses Projekt getragen hatten, machten ihre Vorbereitungen für die Nachkriegszeit. Personen mit starken Nazisympathien konnte man nicht mehr im ersten Glied gebrauchen. Damit war klar, dass auch das Metzler'sche Projekt fallen gelassen wird.

Die Zeugenführung hat, dass auch aufmerksam registriert. Beleg dafür ist auch ihr Kommentar: „Das Metzler und seine Genossen von ihrer Presse-Agentur doch einen größeren Aufschwung und einen glänzenderen Erfolg erwarteten, geht aus einem Schreiben hervor, dass sie kurz nach der Gründung der 'Schweizerischen Pressekorrespondenz' oder 'SPK' an ihre Leser sandten. Es hieß dort u. a.: 'Wir haben in der letzten Zeit zahlreiche Ermunterungen auch von hohen kirchlichen Stellen erhalten und werden deshalb bestrebt sein, diesen Pressedienst immer besser und gediegener auszugestalten.' '… Immer besser und gediegener' wünschte Metzler also seine Presse-Agentur auszubauen. Es scheint aber, dass dies jetzt nicht mehr so notwendig ist, denn offenbar haben Metzlers Pressemeldungen wenig Interesse und Beachtung gefunden. … Über Metzler haben wir in … 'Trost' schon zu verschiedenen Malen berichtet. … Wir möchten hier lediglich … wiederholen:

Dazu kommt noch, dass Herr Metzler einen merkwürdig regen Verkehr mit Nazis und Faschisten aller Sorten pflegt. So trifft er sich mit dem Faschistenführer Fonjallaz. Er führt eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem kürzlich vom Schweizerischen Bundesstrafgericht wegen unerlaubter Handlungen zum Nachteil der Schweiz zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilten Dr. Zander. Er hat aber auch seine Beziehungen über die Grenze gesponnen, verkehrt mit den deutschen Agenten Jonak und Fleischhauer und trifft sich mit diesen. … In seinem Kampfe, den er mit Unterstützung gewisser kirchlicher Kreise gegen Jehovas Zeugen führte, glaubte Metzler oft triumphieren zu können. So stellte er in der Nr. 55 vom 1. Juli 1940 der SPK voreilig die Behauptung auf, dass 'Jehovas Zeugen jetzt aus dem letzten Loch pfeifen.'

In der Ausgabe vom 1. August 1940 rühmte er seine SPK mit den Worten: 'Es war durch die SPK möglich mit einem verhältnismäßig geringem Aufwand, einem starken und mächtigen Gegner empfindliche Niederlagen beizubringen.' Metzler träumte von seinem großen Erfolg, den er unverfroren und siegesgewiss mit den Worten umschrieb: 'Der Kampf aber geht weiter bis zum Endziel: Verbot und Aufhebung der europäischen Zentrale der Zeugen Jehovas (Bibelforscher) in Bern.' So prahlte Metzler vor 4 Jahren. Und heute? - Seine Agentur-Blätter erscheinen nur noch in zwangloser Folge. Wie lange werden sie überhaupt noch erscheinen?" [144]

Auch andere Gruppen und Personen sahen sich durch Schweizer faschistische Kreise gerichtlich genötigt. Unter ihnen auch C. A. Loosli, der bereits im Berner Protokolleprozess für die jüdische Seite als Gutachter agierte. Loosli hatte dabei auch den Ausspruch getan, dass die Schweizer Nazis, die auch als „Nationale Front" firmeren, sowohl in ideeller als auch materieller Hinsicht von Deutschland ausgehalten würden. Daraufhin wurde Loosli von einer dieser Schweizer Naziorganisationen gerichtlich belangt.

Es war das Glück von Loosli, dass zwischenzeitlich im Sommer 1937, die Schweizer Staatsanwaltschaft ihr Augenmerk näher auf den Toedtli richtete und bei ihm eine Hausdurchsuchung durchführte. Dabei wurde eine umfangreiche Korrespondenz beschlagnahmt, mittels derer der Anwurf von Loosli auch dokumentarisch belegt werden konnte. [145]

Nun mag man fragen: Warum wurde diese Hausdurchsuchung bei Toedtli veranlasst? Die Antwort ist: Das er sich zwischenzeitlich als die Symbolfigur der Schweizer Nazis profiliert hatte. Die „Berner Tagwacht" schrieb über ihn:

„In der Zwischenzeit ist Boris Toedtli, der in seiner Person ungefähr alles Vereinigte, was eine frontistische Koryphäe ausmachen konnte - er war Vertreter der Fleischhauerschen Antisemitenzentrale 'Weltdienst' und Bodung-Verlag in Erfurt für die Schweiz; Mitglied der Nationalen Front und eine Zeitlang auch Gaukassier der Gauleitung Bern, früheres Mitglied des Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen und besaß nicht nur enge Beziehungen zu den übrigen Fronten, sondern war - last not least - auch noch stellvertretender 'Führer' des 'Verbandes allrussischer Faschisten', deren Hauptsitz sich in Charbin befindet. - Dieser Boris Toedtli, (war) hier in Bern bis dahin Akteur oder Zuschauer jedes Fröntler-Prozesses." [146]

Toedtli wurde von der Schweizer Justiz in Abwesenheit zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich dem Gerichtstermin durch die Flucht nach Deutschland entzogen. [147]

Zwischenzeitlich hatte Deutschland mit der Sowjetunion den sogenannten „Nichtangriffspakt" abgeschlossen. In dieser politischen Konstellation sah er sich genötigt, im Dezember 1939 in die Schweiz zurückzukehren. Dort musste er seine verhängte Strafe dann doch absitzen. Nach Angabe von Cohn soll er dann innerhalb der Zeitspanne des Zweiten Weltkrieges verstorben sein. [148]

Karl Gerecke

Außer ihren Veröffentlichungen in der SPK sind von Toedtli und Metzler keine weiteren Schriften bekannt. Anders die Lage bei Karl Gerecke, von dem auch einige Bücher bekannt sind. Wenn man sich mit der Literatur auseinandersetzt, die vor 1945 gegen die Bibelforscher veröffentlicht wurde, dann beschleicht einem oft über weite Partien ein ungutes Gefühl. [149] Garbe prägte mal den Begriff, dass etliche der in den 20-er Jahren erschienenen Anti-Bibelforscherschriften „eine kirchliche Variante völkisch-antisemitischer Schmähschriften darstellen." [150] Dieser Feststellung ist beizupflichten.

Eine Nachprüfung der von der „katholisch-faschistischen Koalition" vorgenommenen Aktionen gegen die Zeugen Jehovas in den dreißiger Jahren ergibt, dass der österreichische Antisemit, Katholik und NSDAP-Mitglied Jonak von Freyenwald einer ihrer treibenden Motoren war. Als es seinem Schweizer Agenten Boris Toedtli gelang, die dortige Zeugenführung vor Gericht zu ziehen, erwies er sich wiederum als treibende Kraft im Hintergrund. Nachdem der Gerichtstermin für den von Toedtli angestrengten Prozess verbindlich feststand, konnte ihm Jonak am 22. 6. 1936 dazu schreiben:

„Mit besonderer Freude kann ich Ihnen mitteilen, dass sich die protestantischen Theologen Pfarrer Karl Gerecke, Pfarrer Julius Kuptsch und Dekan Scheurlen bereits schriftlich bereit erklärt haben, in Bern zu erscheinen." [151]

Gerecke ist bereits bekannt, weil er unmittelbar nach dem 1933-er Verbot der Zeugen Jehovas in einem Memorandum für Hitler vom August 1933 seine Genugtuung über das Verbot aussprach. [152] Was von diesem Gerecke zu erwarten wäre, sollte er vom Gericht als Zeuge akzeptiert werden, kann man unschwer diesem Memorandum entnehmen. Darin findet sich auch die ohne Belege vorgetragene Behauptung:

„Die Mordlisten, die Namensregister der Opfer des blutigen Harmagedon, die dem Tode geweiht waren, waren bei Ausbruch der nationalsozialistischen Revolution schon aufgestellt." [153] Gerecke behauptet dann weiter, dass sie als konsequente Fromme „noch immer auf das bolschewistische Harmagedon hinsteuern."

Unter Hinweis auf die Berlin-Wilmersdorfer Erklärung der Zeugen Jehovas vom Juni 1933, mit dem an die Nazis anbiedernden Satz, dass die rein religiösen, unpolitischen Ziele und Bestrebungen der Bibelforscher in Übereinstimmung mit den gleichlaufenden Zielen der nationalen Regierung des Deutschen Reiches wären, kommentiert er:

„Also im Ernste; unsere nationalsozialistische Regierung hat 'gleichlaufende Ziele mit den ernsten Bibelforschern' und strebt, genau wie die Halunken, die 'Ernsten Bibelforscher' auf ein blutiges, bolschewistisches Morden hin. … Sie sind gefährlicher und niederträchtiger als alle Marxisten und Kommunisten, die sie voriges Jahr 1932 noch an sich lockten und dressierten auf das große, blutige Harmagedon." [154]

Die Hitlerregierung bekam somit unmittelbar nach ihrem Zeugen Jehovas-Verbot, von einem „geeichten Vertreter des Christentums" mit der Berufsbezeichnung „Pastor" bestätigt, dass sie mit ihrem Verbot auf der richtigen Linie lege. Folgerichtig bekam der Abgeordnete des Preußischen Landtages, der dieses Memorandum vermittelte denn auch postwendend vom Staatssekretär in der Reichskanzlei mitgeteilt:

„Im Auftrag des Herrn Reichskanzlers beehre ich mich, den Empfang des gefälligen Schreibens vom 21. August und den beigefügten Anlagen betreffend die Internationale Bibelforschervereinigung usw. ergebenst zu bestätigen." [155]

Diese Ausführungen machen deutlich, dass Gerecke für den Jonak offenbar ein „würdiger Gerichtszeuge" gewesen wäre! [156] Mag Gerecke auch pointierter als andere seine Positionen vertreten haben, so gilt es auch festzuhalten, dass sein Geistesgut nach 1933 durchaus noch bei Deutschchristlichen Kreisen weiterlebte. Bekanntlich mussten die „Deutschen Christen" auch erfahren, dass sie nicht unumstritten waren. Die sich gegen sie stellende „Bekennende Kirche" war ein Beispiel dafür.

Aber Gerecke hatte schon vor 1933 das ausgesprochen, was auch den Staatsymbiose-Christen, die sich da „Deutsche Christen" nannten, am Herzen lag. So formulierte er bereits 1931: „Wir Deutsche empfinden das Alte Testament geradezu als den Fluch der gesamten Menschheit, unter der sie ächzt und stöhnt." [157]

Von dieser These ausgehend richtet er seinen Angriff auch gegen die Bibelforscher und beklagt, dass die „meisten Theologen in ganz Deutschland und in aller Welt" auf einem ähnlichen Geistesboden stehen würden. „Nur wenige mit ihrem Blick in die Tiefe dringende deutsch-völkische Theologen finden den Betrug heraus."

Als kommentierende Krönung verwendet er dann dazu noch die These, dass die giftigsten Konkurrenten der deutschen Pfarrerwelt, womit er ohne Zweifel die Bibelforscher meint, auf demselben Geistesboden stünden. Mit diesen zusammen würde die deutsche Pfarrerwelt die Kirche als ein Leichenhaus benutzen „in der Christus als Leiche aufgebahrt ist."

Weiter meint Gerecke: „Auf diesem gemeinsamen Geistesboden der Kirche und ihrer Todfeinde lässt sich, ohne die Möglichkeit einer durchschlagenden Widerlegung, der prachtvollste Bolschewismus der 'Ernsten Bibelforscher' entfalten, die wundervollste Hetze gegen 'die Geistlichen', die wegen ihres nationalen Patriotismus, ihrer Vaterlandsliebe, nach der 'ernsten' Darstellung der jüdischen Bolschewisten mit dem Mammonismus versippt waren und noch heute sind und die Menschheit 'in die Schützengräben hineingepredigt haben."' [158]

In der Lesart von Gerecke sind also die ernsten Bibelforscher die „religiösen Bolschewisten" par excellence und er - Gerecke - meint den eigentlichen „Krebsschaden" entdeckt zu haben, der da heißt: jüdisches Altes Testament, für das er keine Verwendung hat. Er deckt sich also in seiner grundsätzlichen Auffassung durchaus mit dem Nazi„philosophen" Rosenberg. Letzterer hatte auch Furore gemacht mit der Forderung, „jüdische Viehhändlergeschichten" und ähnliches zum alten Eisen zu werfen - eine Forderung die einen Proteststurm aus kirchlichen Kreisen provozierte.

Gerecke hingegen meinte noch das Amt eines evangelischen Pfarrers ausüben zu können, im Gegensatz zu Rosenberg, der keinerlei kirchliche Ämter bekleidete. Gerecke meinte, mit seinen Forderungen der Kirche letztendlich noch einen Dienst zu erweisen, was man bei Rosenberg nicht mehr unterstellen kann.

Nach Gerecke empfinden „wir Deutschen das Alte Testament geradezu als den Fluch der gesamten Menschheit, unter dem sie ächzt und stöhnt, um sich loszuwinden aus den Sklavenketten eines geistlichen Todesfluches: sei es dass sie, ratlos, sich einfach wie der 'Freidenker' dem an Gottes Walten ehrlich verzweifelnden deutschen Atheismus (Gottesleugnung), der Preisgabe jedes Glaubens an göttliches Walten zuwendet, sei es, dass sie, wie der religiöse Sozialist und Kommunist, Jesu und seiner Kirche unter inneren Martern noch die Treue hält." [159]

Er spart, ausgehend von dieser Position auch nicht an scharfen Worten gegen die Bibelforscher: „Die Ernsten 'Bibel-Forscher', die Pest-Boten der asiatischen Mammonsreligion, sind die heimlichen verkappten Bolschewisten des internationalen Judentums. Ihre Schriften, dass satanischste unter der Sonne."

Schon 1931 forderte er, auf diesen Thesen aufbauend: „Wann endlich wird der heilige Zorn der Christenheit entbrennen?! Bislang geschieht behördlich nichts gegenüber dieser vom marxistischen Judentum mit Hochdruck beförderten Volksgefahr." [160] Wie man weiß, sollte seine Forderung einige Jahre später noch Gehör finden. Er konnte sich dabei zugute halten, auch seinen Teil dazu beigetragen zu haben! [161]

Um diesen Gerecke zu verstehen, sollte man auch sein Buch „Der Christ und die Sozialdemokratie" mit heranziehen. [162] Tenor dieser im Ersten Weltkrieg erschienenen Arbeit ist, dass sich durch den Krieg anbahnende verschärfte Auseinanderdriften zwischen Kirche und der Sozialdemokratie. Auch Gerecke registrierte das und versucht mit seinen Ausführungen „gegenzusteuern". An die Adresse der Sozialdemokratie gerichtet hält er ihr vor:

„Mit himmelhohen Buchstaben schreibt Gott jetzt sein Mene tekel upharsim an die Wand der Weltgeschichte, und Sie wollen noch immer Patriotismus und Sozialismus voneinander scheiden? In dem Wahne verharren, der uns die ganze Vergangenheit verdorben hat, in der der Sozialismus den Patriotismus 'Mordspatriotismus' gescholten hat? - Gott hat 'gewogen' den Sozialismus der Vergangenheit 'gewogen' und 'zuleicht befunden.'" [163]

An anderer Stelle tätigt er noch den Ausruf: „'Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben', spricht unser Heiland und Treue bis in den Tod ist in diesem Sinne auch deutsche Heerestreue, die das Mutterland evangelischer Religion und Kultur verteidigt, gegen den rohesten Einfall der Hölle. Wollte Gott, wir dürften bereits sagen: 'Deutschlands Krieg ist Gottes Krieg, und Deutschlands Sieg ist Gottes Sieg' - dann hätten wir zum Ausdruck gebracht, was in Wahrheit der verborgene Gotteswille in diesem Weltkriege ist." [164]

Wenn die Bibelforscher einige Jahre später in ihrer „Anklage gegen die Geistlichkeit" auch den Vorwurf - ohne konkrete Namensnennung - erhoben, im Ersten Weltkrieg sei durch Geistliche das Volk in die Schützengräben hineingepredigt worden. Dann könnte man diesen Vorwurf auch mit Namensnennungen ergänzen. Zum Beispiel auch durch Pastor Karl Gerecke! [165]

Nach dem Ersten Weltkrieg erwies sich Gerecke als wüster Antisemit. Dazu ein Zitat aus seiner Schrift „Biblischer Antisemitismus":

„Werfet Juda durch die Propheten hinaus! Der Nichttheologe kennt die Macht der Propheten, der Todfeinde des nichtswürdigen Judentums nicht. Der alldeutsche Theologe aber ist es Euch alldeutschen Brüdern schuldig, Euch in Eurem alldeutschen Sinne: 'Deutschland über alles!' den Arm zu stärken und das Gewissen zu schärfen. Lasset Eurer Alldeutschland aus den Trümmern sich sammelnden Zornes paaren mit dem Prophetenzorne! Die eiserne Faust unseres Würgers, der nichtswürdigen Revolutionsjuden, spürt keiner so hart wie der bibeltreue alldeutsche Kirchenmann." [166]

Es lag in der Konsequenz einer solchen Geisteshaltung, dass er auch die Bibelforscher als entsprechendes Angriffsziel erkor. In seiner Schrift „Deutschkritischer Gottesgeist" kann man die diesbezüglichen Stellen nachlesen. Z. B.:

„Israel habe es verstanden den Hass des dummen Pöbels gegen die bis zum Märtyrertode treue Christenschar aufzustacheln. Eine ganz vorzügliche Waffe und Kriegskunst (Taktik) hat es da in dem Bolschewismus erfunden, durch den es Russland zugrunde gerichtet hat. Den russischen Bolschewismus wird es nach Deutschland nicht hereinbringen, dafür sind keine Aussichten vorhanden. Aber dafür hat es einen Ersatz, der bei der haltlosen und blinden deutschen Volksseele noch viel aussichtsreicher und wirksamer ist als der jüdisch-moskowitische: Das ist der Bolschewismus der 'ernsten Bibelforscher'". [167]

Im weiteren wirft er den Bibelforschern dann noch vor, „sie entfalten die wundervollste Hetze gegen 'die Geistlichkeit', die wegen ihres nationalen Patriotismus, ihrer Vaterlandsliebe, nach der 'ernsten' Darstellung der jüdischen Bolschewisten mit dem Mammonismus versippt waren und noch heute sind und die Menschheit 'in die Schützengräben hineingepredigt haben.'" [168]

Eine solche „Kanonenpastorkarriere" bewirkte auch, dem Hitlerregime zugetan zu sein. Wobei man desweiteren versucht ist anzumerken, dass die Vorwürfe in seinem Memorandum an Hitler eher auf ihn selbst zutreffen würden! [169]

Julius Kuptsch

Ein markanter Bibelforschergegner schon in der Weimarer Republikzeit war der Deutschchristliche Pfarrer Julius Kuptsch. [170] So behauptete er bereits im Jahre 1928:

„Sie (die Bibelforscher) arbeiten, sei es bewusst oder unbewusst, nur für die jüdische Räte-Weltherrschaft. … Wie den vom Judentum als Werkzeug benutzten Kommunismus. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Führer der E(rnsten) B(ibelforscher) bewusste und bezahlte Judenagenten sind, und das die riesigen Geldmittel, mit denen sie arbeiten, zum größten Teil von Juden kommen. Darum wenden sie sich mit ihren Lehren ja auch nicht an die Juden, die doch an denselben das größte Interesse haben müssten. Darum suchen sie mit ihnen nur die anderen Völker, die Gojim, zu beglücken und für die jüdische Räte-Weltherrschaft zu gewinnen." [171]

1931 wiederholte er in der Nazi-Zeitung „Völkischer Beobachter" diese These und meinte sie wie folgt „präzisieren" zu können: „Das sie ihre regste und größte Tätigkeit immer dann entfalten, wenn auch unsere Kommunisten auf Moskaus Befehl sich stärker zu betätigen anfangen. … Zu welchem Zweck das alles geschieht, wird uns klar, wenn wir ihre Hauptlehre kennengelernt haben. Auch sie versprechen und bezwecken nichts anderes wie die Bolschewisten, Kommunisten und andere Marxisten; nämlich die Herbeiführung paradiesischer Zustände auf dieser alten Erde unter einer internationalen Rätediktatur. Sie haben nur die besondere Aufgabe, diejenigen die noch an Gott glauben und an seine Worte sich halten und durch die Marxisten sich nicht betören und beschwindeln lassen, mit Hilfe der Bibel für die internationale Räte-Weltherrschaft zu gewinnen." [172]

Als im Jahre 1936 Jonak ihm sein Zeugen-Buch zusandte, antwortete er ihm postwendend am 21. 6. 36: [173] „Mein Urteil, von dem Sie jeglichen Gebrauch machen können, ist das folgende: Von allen bisher über die 'ernsten Bibelforscher' oder wie sie sich jetzt nennen 'Zeugen Jehovas' veröffentlichten Schriften ist die Schrift von Dr. Hans Jonak von Freyenwald meiner Kenntnis nach die beste. Jede Zeile in ihr ist zutreffend.

Wer über diese religiös getarnten Werkzeuge des Teufels und erbärmlichen Judenknechte zur Aufrichtung der teuflischen Judenweltherrschaft sich unterrichten will, der greife in erster Linie zu dieser Schrift. Sie bestätigt voll und ganz auch das, was ich schon 1927 über diese Gesellschaft in meiner Broschüre 'Aufklärung über die E. B' schrieb. Daraus sehen Sie, dass wir über die 'Zeugen Jehovas' vollkommen einer Meinung sind.

Nebenbei bemerke ich, dass ich einer der fanatischsten Bekämpfer des Judentums bin. Die 'Zeugen Jehovas' sind für mich eine religiös getarnte Judentruppe, um die noch gläubigen Christen für Judas Weltherrschaft zu gewinnen, wo die anderen Truppen: die Bolschewiken und die Freimaurerei das nicht vermögen." [174]

Im weiteren Verlauf seines Schreibens würzt Kuptsch das noch durch einen Hinweis auf seine Biographie: „Vielleicht ist es für Sie auch von Interesse zu wissen, dass ich im Baltikum eine Zeit lang als Minister den Kampf gegen den Bolschewismus führte und den Befehl zur Befreiung Rigas für den Grafen von der Goltz unterschrieb und das ich hier in Deutschland als überzeugter Nationalsozialist und Versammlungs- und Gauredner seit 1929 für meinen Führer gekämpft habe und weiter kämpfe. Ich bin in meiner tiefsten Seele ein überzeugter Christ und zugleich ein überzeugter Nationalsozialist. Heil Hitler. gez. J. Kuptsch." [175]

Dieses Selbstzeugnis ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Zum einem offenbart es, dass die eigentliche Aversion dieser Kreise in der totalitären Entwicklung der Sowjetunion zu sehen ist. Das von Kuptsch angeführte Beispiel des Baltikums ist symptomatisch dafür.

Dort hatten im und nach dem Ersten Weltkrieg kommunistisch orientierte Bürgerkriegskämpfer Tabula rasa mit ihren politischen Gegnern veranstaltet. Die etablierten Kreise in Lettland riefen in dieser Situation deutsche in Ostpreußen stationierte Truppen zur Hilfe. Und zwar zu einem Zeitpunkt, wo die deutsche Weltkriegsniederlage im Prinzip schon besiegelt war.

Der Befehlshaber dieser Truppen, der Graf von der Goltz, witterte jedoch die Chance, mit der zeitweiligen Besetzung von Lettland, die Situation doch noch zu Gunsten Deutschlands „umkehren" zu können. Das spielte sich im Mai/Juni 1919 ab. Schon einen Monat später mussten sich die Deutschen Okkupanten wieder zurückziehen, da sich ihnen eine militärische Gegenkoalition, unter anderem auch unter dem Einsatz britischer Kriegsschiffe, entgegengestellt hatte. In der zeitweiligen deutschen Marionettenregierung des Grafen von der Goltz, spielte auch Kuptsch, wie er selbst berichtete, seinen Part.

Vor der deutschen Besetzung, hatte schon eine Besetzung durch Truppen der russischen Roten Armee stattgefunden. Letztere waren dann durch die Deutschen wieder verscheucht worden. Aber in den wenigen Tagen der russischen Okkupation (zu diesem Zeitpunkt) hatten sie offenbar ein Schreckensregiment installiert und Rache an ihren politischen Widersachern genommen. Das sich da einiges an politischen Gegensätzen angestaut hatte, wird auch aus einer sowjetischen Stellungnahme dazu, aus dem Jahre 1940 deutlich.

In dieser Stellungnahme wird unterstellt:

„In Lettland waren die Pastoren die Schleppenträger der Gutsbesitzer-Barone. Die Geschichte des Revolutionskampfes von 1905 im Baltikum strotzt von Tatsachen der konterrevolutionären Tätigkeit der lutherischen Geistlichkeit. In ihrer Person hatten die Strafexpeditionen treue Gehilfen und Spione. Im Sommer 1907 befürwortete der baltische Generalgouverneur bei dem Ministerium für Innere Angelegenheiten die Auszeichnung einiger Vertreter der lutherischen Geistlichkeit, die den Truppen und der Polizei gegen das Volk behilflich waren, für ihre konterrevolutionäre Tätigkeit, 'um sie dadurch zu weiteren Diensten anzuspornen.' Diese Befürwortung wurde von dem Minister Stolpin und dem Zaren gebilligt. Auf Befehl von Nikolai Romanow wurde den lutherischen Pastoren am 18. Juni 1907 ein Dank für die aktive Beteiligung an dem Kampf gegen die Revolution ausgesprochen." [176]

Als prosowjetische Bürgerkriegskämpfer im Weltkrieg Lettland erstmals besetzten, haben sie im eingedenk der vorangegangenen Erfahrungen nun Ihrerseits eine „Nacht der langen Messer" veranstaltet. Kuptsch selbst, schildert seine diesbezüglichen Erlebnisse mit den Worten:

„Ich habe den Kampf für die Sache Christi und seine Kirche schon in meiner früheren baltischen Heimat geführt und bin in diesem Kampfe selbst dann nicht gewichen, als die bolschewistischen Mörder in meiner Kirche auf mich die Gewehrläufe richteten und die ganze Gemeinde vor Angst schrie. Ich blieb auf meiner Kanzel ruhig stehen, bekannte meinen Herrn und ging um seiner Ehre willen angesichts des Todes zum Angriff gegen die gottlosen Banditen über. Ich habe ihn bekannt, als ich ins Gefängnis geschleppt und nach Russland als Geisel verschleppt wurde." [177]

Im November 1919 gelangte Kuptsch dann aus russischer Gefangenschaft kommend, nach Deutschland. Norden verwandte für die Baltikumer die Vokabel von der „Drachensaat", die damals aufgegangen sei. Er reflektierte, dass viele von ihnen sich der Hitlerbewegung anschlossen, dass die späteren SA und SS-Formationen in den Baltikumkämpfern ihre Kernformation hatten. Seine Darstellung ist bewusst parteiisch.

Über die offensichtlichen Ursachen der traumatischen Erfahrungen, wie sie auch Kuptsch geschildert hat, verlor er nicht den Bruchteil einer Silbe. [178] Für die davon Betroffenen war dass eine ohne Frage eine Erfahrung, die zu einer starken Polarisierung führte und sie antikommunistischen Rattenfängern vom Schlage eines Hitlers in die Arme trieb.

Nun mussten sie zusätzlich in Deutschland wahrnehmen, dass sie, die sich in besseren Tage als staatstragende Kulturgrundlage sahen, dann einen tiefen Sturz in den Wirren des Weltkrieges erlebten, durch eine neu aufgekommene Sekte, eben die Bibelforscher, gleichfalls in Frage gestellt wurden. Dergestalt, dass diesen „Bibelforschern" dieses Verständnis als „staatstragende Kulturgrundlage" nicht einen Pfifferling wert war, die statt dessen versuchten, dass Urchristentum in die Neuzeit aktualisiert zu übertragen.

Das war sozusagen die eigentliche Wurzel des Konflikts. Im Zuge dieser Entwicklung versuchten dann diese Kreise (ob zu Recht oder nicht - das sei jetzt mal dahingestellt), die Bibelforscher in die kommunistische Ecke zu stellen. Dies lässt sich auch am Fall Kuptsch verdeutlichen.

Kuptsch meint in einer vor 1932 erschienenen Schrift, dass nur der Nationalsozialismus konsequent die Bibelforscher bekämpfen würden: „diese Sorte von heuchlerischen Christentumsfeinden, die das Christentum mit der Bibel in der Hand bekämpfen."

Er meint behaupten zu können, dass sie „sich des Wohlwollens der Juden und Marxisten erfreuen", und ihr Ziel sei „die Aufrichtung der jüdischen Weltherrschaft, ähnlich, wie die jüdisch-marxistische Räteherrschaft schon in Russland aufgerichtet ist." [179]

Im „3. Reich" trat Kuptsch dann noch mit Buchtiteln wie: „im 3. Reich zur 3. Kirche" oder „Mit Hitler zur Volksgemeinschaft und zum 3. Reich, mit Christus zur Glaubensgemeinschaft und zur 3. Kirche" und ähnliches hervor. Im Prinzip waren aber seine einschlägigen Thesen allesamt von ihm schon in der Weimarer Republik-Zeit verkündet worden. So auch in seiner 1927 erschienenen Schrift „Aufklärung über die 'Ernsten Bibelforscher'". Wie es um diese „Aufklärung" bestellt war, dazu eine Kostprobe:

„In ganz besonders schamloser Weise werden die Kaiser, Könige, Fürsten und der Adel aller Zeiten geschmäht. In allen Tonarten wird gegen die Kriege und Grausamkeiten dieser kapitalistischen, satanischen Staaten und ihrer Führer gewettert. Teuflisch wird ihre Kultur, Kunst, Wissenschaft und Zivilisation genannt. Kurz gesagt alles, alles Nichtjüdische auf der Welt ist vom Teufel, muß zugrunde gehen und sieht schon seinem Gericht und Untergang entgegen."

Kuptsch geht mit seiner tendenziösen Interpretation weiter und stellt dann folgende relativ interessante These auf. Er bezieht sich auf die Russellschen Schriftstudien. Insbesondere auf den 4. und den 7. Band. Sein Kommentar dazu:

„Ganz besonders möchte ich diese zwei Bände unseren Kommunisten und Freidenkern empfehlen, denn soweit in der Kunst der Verleumdung und Lüge, in Gehässigkeit und Schamlosigkeit wie die E. B. haben sie es doch nicht gebracht. Sie können von Russell und Genossen noch viel lernen, ganze Partien für ihre Vorträge und Flugblätter wörtlich aus ihren 'Schriftstudien' ausschreiben."

Er behauptet weiter: „In der gesamten Literatur der E. B. finden wir kein tadelndes Wort über die Juden und Kommunisten, ihre Schandtaten, ihre schmutzige Presse und Hetze. … Es ist eine auffallende Ähnlichkeit zwischen der Sprache, dem Gebaren und Benehmen der E. B. und denen der Kommunisten und Juden. … Man bedient sich derselben Schlagworte wie sie, um die Massen zu ködern." [180]

Kuptsch bezieht sich dann desweiteren auf einen von Russell in seinen „Schriftstudien" gewählten Vergleich. Russell hatte darin seine Verkündigung mit der von „Schlupfwespen" verglichen. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass seine Verkündigung zwar nicht immer kurzfristige Resultate erbringen würde, dass dies aber langfristig der Fall sein würde, wenn die Zeit dazu „reif" sein würde. Sein gewählter Vergleich implizierte auch noch, dass andere religiöse Organisationen unfreiwillige Brutstätten zum ausreifen sein würden.

Kuptsch der auch diesen von Russell gewählten Vergleich zur Kenntnis nahm, reagierte darauf besonders allergisch. Er nahm seine eigenen biographischen Erfahrungen und setzte sie in den Kontext der Russellschen „Prophezeiungen" um daran zu kommentieren:

„Hier haben wir - wie ich als einstiges der Drangsal entronnenes und 'unverbesserliches' Mitglied der Evangel.-luth. Kirche Russlands und Augenzeuge der 'Drangsale' bestätigen kann - nicht eine Prophezeiung vor uns, sondern eine im Gewande der Prophezeiung gehüllte, treue, nachträgliche Schilderung der feigsten und gemeinsten Massenmorde an Geistlichen und anderen Angehörigen der christlichen Kirchen Russlands, und diese unbeschreiblichen Bestialitäten an Wehrlosen, zu welchen früher kein Hunne fähig gewesen ist, die unter der Anleitung, persönlichen Beteiligung und auf Befehl der diebischen, feigen und perversen jüdischen Kommissare das internationale Allerwelt-Verbrechergesindel vollbracht hat und noch heute vollbringt, werden von den E. B. als eine Tat Gottes verherrlicht." [181]

Auch dieses Zitat verdeutlicht, dass Kuptsch seine eigenen biographischen Erfahrungen, meint in den „Prophezeiungen" der Bibelforscher wieder zu finden. Geprägt durch diese Erfahrungen überträgt er seine unbändige Wut nunmehr auf diese vermeintlichen Erfüllungsgehilfen. Und so versteigt er sich denn zu der Behauptung:

„Die E. B. sind keine christliche Sekte, sie sind überhaupt nicht Christen, sondern Werkzeuge und Handlanger der Juden und ihrer Politik, verächtliche und jeden ehrlichen Menschen abstoßende, falsche Judasseelen, die unter der Maske erheuchelter Frömmigkeit und im Geiste Satans zusammen mit den übrigen, von Juda für Judasgroschen gekauften Allerwelt-Verbrechergesindel das Christentum, die gegenwärtige Weltordnung, Kultur und Zivilisation vernichten und dem Judentum zur Räte-Weltherrschaft verhelfen wollen." [182]

Paul Scheurlen

Zu den von Jonak offerierten Kronzeugen gehörte auch der Dekan Scheurlen. Er war Verfasser eines damaligen Standardwerkes zur Sektenfrage [183]. Außerdem gab es noch eine kürzere, „volkstümliche" Fassung davon unter dem Titel: „Das kleine Sektenbüchlein" [184]. Er unterstellt, wie auch andere, dass der Philosemitismus der Bibelforscher eine jüdische Finanzierung derselben impliziere.

Symptomatisch auch seine Flugblatt-Serie „Prüfet die Geister", deren Nr. 3 den Bibelforschern / Zeugen Jehovas gewidmet ist. Darin vertrat er z. B. die Meinung: [185] „Mit fanatischem und brutalen Hass verfolgen die … Bibelforscher… die christlichen Bekenntnisse, während sie in der Verherrlichung des Judentums sich nicht genug tun können. … Kein Wort des Befremdens oder gar des Tadels über irgend etwas, was jüdisch ist. Grundsätzlich und planmäßig gehen die 'Bibelforscher' auf die Zerstörung unserer Kirche aus." Es ist offensichtlich, dass solche Thesen Musik in den Ohren von Jonak waren.

Wenn man der Frage nachgeht, weshalb sich auch der Dekan Scheurlen dem Jonak als Gerichtszeugen zur Verfügung zu stellen bereit erklärte, dann wird man den Grund auch darin finden, dass er gleichfalls antisemitischen Thesen zugetan war. Ein Beispiel liefert er in der ersten Auflage seines 1921 erschienenen „Kleinen Sektenbüchleins." Ein Zitat daraus:

„Aber was schließlich am meisten auffallen muß, ist die Tatsache, dass Russells unablässige Predigt vom Weltreich des kommenden jüdischen Messias bis in die einzelnen Züge gewissen jüdischen Plänen zur Erlangung der Weltherrschaft gleicht. Jedenfalls ist es nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei der Sekte der 'Ernsten Bibelforscher' um den frivolsten Missbrauch des Gotteswortes zur Irreführung, wenn nicht gar zur Versklavung unseres deutsches Volkes handelt. Deutsche Christenheit wach auf!" [186]

Paul Bräunlich

In der Galerie der speziellen Antibibelforscher„koryphäen" sollte man einen Namen nicht vergessen. Und dieser Name heißt: Paul Braeunlich, seinerzeit Generalsekretär des Evangelischen Bundes. Letzterer bemühte sich neben der Apologetischen Centrale im besonderem Maße um die apologetische Verteidigung der evangelischen Kirche.

Braeunlich führt eine scharfe Klinge. Er bedauert, dass völkische Kreise „mit Erbitterung auf die fast erznationalen deutschen Freimaurer schauen." Er weiß einen anderen Buhmann zu benennen:

„Pseudoreligiöse Unterminierung stelle sich mit Geschick auf den Geschmack eines buchstabengläubigen Publikums evang. Grundrichtung ein. Ihr ganzes 'Christentum' läuft darauf hinaus, von den Kirchen losgelöste Massen zusammenzutreiben, die - stündlich des Augenblicks harren, wo der 'Erzengel Michael' erscheinen wird. Dieser wird dann als 'neuer Christus' Weltgericht abhalten, dass einer bolschewistischen Revolution zum Verwechseln ähnlich sieht. Das gerade in dem Jahre, für das sie große Dinge voraussagten, der Weltkrieg ausbrach, gibt zu denken.

Waren es die 'Bibelforscher' vielleicht selber gewesen, die mit ihren Hintermännern … die geistige Atmosphäre dermaßen erhitzen halfen, dass das große Blutvergießen unvermeidlich wurde? Das würde eine treffliche Illustration zu der Anklageschrift bilden, mit der sie jetzt die Diener der christlichen Kirchen für den Krieg und seine Schrecken haftbar machen! Das Flugblatt 'Anklage gegen die Geistlichkeit' ergießt über letztere die ganze Schimpfflut der Revolutions- und Desertationshetze von 1918." [187]

An anderer Stelle kommentiert Braeunlich im gleichem Sinne: „Als der Gründer der 'Ernsten Bibelforscher' … besonders fromm gestimmte christliche Kreise von den christlichen Kirchen losreißen und sie politisch revolutionärer Denkweise zuführen wollte, da bot er ihnen seine scheinbar erzchristlichen 'Schriftstudien' dar. Darin hat er in Augenblicken des Übermutes sich und die Seinen mit 'Schlupfwespen' verglichen. Denn diese Tiere, so sagt er, legen ihre Eier auf den Rücken anderer, feindlich gesinnter Insekten, deren Körperwärme sie ausbrütet. 'Seien sie aber erst einmal ausgekrochen, so machten sie sich alsbald daran, den Leib ihrer Pfleger zu zerfressen.'" [188]

In seiner Kampfschrift: „Die ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Religionsspötter", geißelt er gleichfalls die allegorischen Bibelauslegungen der Bibelforscher als „mit frommer Sauce übergossenes Antichristentum", als „Förderungsmittel gottlosestem Bolschewistentums." [189] Er meint vollmundig verkünden zu können:

„Das ganze Verhalten der Bibelforscher-Gesellschaft entspricht dem geheimen Bunde ihrer 'religiösen' mit den politischen Führern der Weltrevolution. Den Beginn des … 'Tages der Rache', hatte Russell, wie gesagt, auf Oktober 1914 angesetzt. Und - merkwürdig - am 26. Juni dieses Jahres fielen in Sarajewo die Schüsse, die den Völkerkrieg entfesselten, ohne die der Traum einer Weltrevolution sich kaum so bald erfüllen konnte." [190]

Über Rutherfords Endzeitdatum 1925 orakelt er: „Das für das genannte Jahr - spätestens für Oktober 1925 - vom Bolschewismus ein großer Schlag geplant war, verrieten viele Anzeichen. So die Sprengung der Kathedrale von Sophia und zahllose Aufstände von Marroko bis China. Abermals wetteiferten dabei mit den politischen, die religiös vermummten Emissäre von Moskau." [191]

Bräunlichs Apologie liegt letztendlich auf einer parallelen Ebene zu der eines Ludendorffs, der gleichfalls meinte, für die Kriegsniederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg „Freimaurer und überstaatliche Mächte" reklamieren zu können.

Einige wenige andere theologische Kritiker der Bibelforscher erkannten durchaus an, dass Braeunlich mit seinen Thesen übers Ziel hinausgeschossen ist. Namentlich zu nennen wäre hier Rohkohl, der da äußerte: „Das maßvolle Urteil Loofs, dass Bräunlich unverständlich findet, muss für den objektiven Kritiker zunächst maßgebend bleiben, bis … der Gegenbeweis geliefert ist." [192]

Weiter äußert er: „Es kommt hinzu, dass das Gros der Bibelforscher aus Leuten einfältigen Gemütes besteht, die selbst wenn die Behauptungen (Bräunlichs) zu recht bestünden, nicht in der Lage wären, in die Tiefen dieses komplizierten Fragenkomplexes einzudringen."

Trotzdem meint Rohkohl auch Bräunlich zu verstehen, wenn er äußert: „Ein Merkmal der Ausführungen Bräunlichs wird sich trotzdem auch jeder objektive Kritiker zu eigen machen. … Hier ist das Endergebnis der Bibelforscherarbeit herausgestellt worden: Die Massen werden zunächst der Kirche sowie jeder nur religiösen Gemeinschaft entfremdet und mit glühendem Hass gegen sie erfüllt. Bricht dann eines Tages ihr religiöses Gebäude zusammen, so wird ein großer Prozentsatz getrieben durch bittere Enttäuschung, sich vollends dem Atheismus verschreiben, zumal ihre bisherige religiöse Gedankenwelt nichts anderes ist, als religiös übertünchter Materialismus.

Der Unterschied der Auffassung besteht lediglich darin, dass Bräunlich der Ansicht ist, glaubhaft nachweisen zu können, dass diese Entwicklung seitens der Führerschaft gewollt ist, während andere das als eine ungewollte Wirkung ansehen." [193]

August Fetz & Co

Ein weiterer antisemitischer Apologet ist August Fetz, der wie sein Pendant Karl Weinländer alias „Lienhardt" auch im Schulwesen tätig war. Fetz hatte es dabei sogar zum Schulrektor in Bremen gebracht. Was dieser „Volkserzieher" da „so auf dem Kasten hatte", macht schon das Vorwort zu seiner Schrift: „Der große Volks - und Weltbetrug durch die 'Ernsten Bibelforscher' deutlich".

Wenn man sich mit dem Fall Fetz näher beschäftigt, dann fühlt man sich unwillkürlich an jenen Typen erinnert, der in der Verfilmung des Romanes „Der Untertan" auch die Rolle eines Schulrektors spielte. Man ist geneigt auszurufen: In beiden Fällen war es die „Spezialität" jener Schulrektoren, ihre Schüler in die Schützengräben des Ersten Weltkrieges hineinzupredigen! Aber kommen wir zum Vorwort der genannten Fetz-Schrift. Aufschlussreich ist es schon, wenn er darin klagt:

„Diese Katzbalgerei in Kreisen, welche sonst mit gleichem Ernste das gleiche Ziel im Dienste des deutschen Volkes verfolgen, kann nur dem lachenden Dritten in Judas Lager von Nutzen sein. Die Minier- und Wühlarbeit gegen jede sittliche Weltordnung auf der Grundlage einer deutschchristlichen Schule und Kirche erhalten völlige Bewegungsfreiheit. So muß es kommen, dass die völkischen Kreise nicht allein von ihren natürlichen Gegnern, sondern auch von Kreisen verwandter Gesinnung heute zur Staats- und Religionsordnung in dasselbe Verhältnis des Misstrauens und der inneren Kräftelähmung gedrängt werden, wie 1890/1914 die Alldeutschen zu Thron und Volk."

Fetz meint dann die anderen Bibelforschergegner mit den Worten belehren zu müssen: „Es ist für die ganze heutige Auffassung bezeichnend, wenn der großen Gefahr gegenüber, welche die IVEB bildet, selbst Geistliche sagten: 'Die Bewegung muß sich selbst totlaufen!' Es ist richtig, dass eine jede Bewegung sich einmal totläuft, aber es ist nicht gleichgültig, was und wieviel unterdessen totgelaufen wurde, was gerettet werden konnte und musste.

Es ist sicher, dass ohne den Gegensturm der deutschvölkischen Kreise, vielerorts das Land schon von den Bibelforschern wie von einem Heuschreckenschwarm überflutet worden wäre. Und weiter erscheint schon heute sicher, dass die Deutschvölkischen es sein werden und sein müssen, welche trotz allen Anfeindungen oder allen verkannt werden aus nationalen und religiösen Triebkräften heraus die entscheidenden Schlachten schlugen und die sturmfesten Dämme bauen werden gegen den Fanatismus der IVEB, der nichts anderes als ein im religiösen Gewande verkappter Bolschewismus ist." [194]

Fetz nannte auch ein bedeutsames Stichwort, indem er auf die Alldeutschen Bezug nimmt. Damit wird der geistesgeschichtliche Hintergrund schlaglichtartig erhellt. In der Tat, jene „Alldeutschen" waren es, die sich als treibender Keil deutschnationalistischer Expanisionsgelüste betätigten, die dann im Ersten Weltkrieg ihre Entladung erfuhren. Jene „Alldeutschen" waren es, die nach dem missglückten „Weltgenesungsunternehmen am deutschen Wesen", stur an Maximalforderungen festhielten und einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollten, dass Deutschland eben nicht der „Sieger" des Ersten Weltkrieges war.

Jene Alldeutschen sind dann auch voll in das Geschäft der Judenhetze als Buhmann für ihre zerronnenen Illusionen eingestiegen und beteiligten sich zu diesem Zwecke als aktive Gründungsmitglieder des „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes", dessen spätere Auflösung lediglich durch ihre geistige Urheberschaft an politischen Morden (Rathenau-Attentat) in der Weimarer Republik möglich wurde. Erbe und Fortsetzer der alldeutschen Politik und des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, wurde dann faktisch der Nationalsozialismus.

Jene Alldeutschen hatten auch ein gebrochenes Verhältnis zum Christentum. Einerseits wagten sie es nicht zum Sturm dagegen aufzurufen; andererseits ließen sie keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie es gerne abgeschafft bzw. in ihrem Sinne deformiert gesehen hätten.

Symptomatisch dafür ist die Schrift von Grimpen mit dem Titel: „Antisemitismus und Christentum", wenn er darin den programmatischen Satz zitiert: „Uns will scheinen, dass die Ablehnung der Religion Jesu vom alldeutschen Standpunkt aus die rechte Konsequenz sei, weil in der Tat eine unüberbrückbare Kluft zwischen alldeutscher und christlich deutscher Denkart gähnt." [195]

Grimpen versteigt sich dann weiter zu dem Ausruf: „Solange die evangelische Kirche sich von dem Wahne nicht zu befreien vermag, dass die 'Wüsten-Chronik' des auserwählten Volkes das wahre Wort Gottes sei, wird sie unfähig sein, an dem umfassenden Regenerationswerke des deutschen Volkes mitzuarbeiten." [196]

Die Alldeutschen waren sich durchaus im klaren darüber, dass die Kirchen einen Machtfaktor darstellten und sie sich zum damaligen Zeitpunkt nicht auf einen offenen Kampf einlassen konnten. [197] Die neu aufgekommene Bibelforscherbewegung bildete für sie daher eine Art „Ersatzschlachtfeld". Hier konnten sie ohne mit den großen Kirchen zu kollidieren, nach Herzenslust den „Sack schlagen um den Esel zu treffen."

Boten die Bibelforscher doch in besonderem Maße all jene Angriffspunkte dar, die den Alldeutschen die Kirchen so suspekt gemacht hatten. Wenn Grimpen beispielsweise das Alte Testament der Bibel als „Wüsten-Chronik" zu bezeichnen beliebte, dann waren gerade die Bibelforscher, ob ihres Philosemitismus, dieser Tendenz besonders verhaftet.

Letztendlich prallten hier Welten aufeinander. In Deutschland hatte das Christentum nach dem Aufkommen der einschlägigen Bibelkritik, wofür der Name David Friedrich Strauß als Synonym dienen mag (und nach ihm noch andere. Etwa Feuerbach und auch Marx). In Deutschland hatte das Christentum, durch das Aufkommen der als Reaktion darauf entstandenen „Liberalen Theologie" (um so der unerwünschten Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen) eine Schwächung erfahren. Nicht unbedingt in organisatorischer Hinsicht. Das Staatskirchentum verhinderte das, aber eben doch - und das ist entscheidend - in geistiger Hinsicht.

In den USA hingegen war die Situation eine andere. Für die USA stellte der Ausgang des Ersten Weltkrieges keine „Existenzbedrohung" dar. Im Gegenteil, sie gingen aus ihm gestärkt hervor. Damit entfiel auch in den USA jener „Gärungsprozess", der in Europa zum Sturze etlicher Monarchien und zum Aufkommen und Erstarken neuer politischer Kräfte führte. Das aus den USA exportierte Christentum (und das Bibelforschertum war solch ein „Exportschlager" nach dem Ersten Weltkrieg), repräsentierte in vielerlei Hinsicht eine Variante des Christentums, die von der europäischen Religionskritik noch relativ unberührt war.

Entscheidend dabei war insbesondere, dass das Bibelforschertum sich in seinem Selbstverständnis als „Rückkehr zum Urchristentum" und Kritik am verweltlichten Christentum der Großkirchen verstand.

Die Alldeutschen hingegen, repräsentierten in besonders pointierter Weise säkulare Kräfte, für die Religion keinerlei existentielle Bedeutung mehr hatte (es sei denn, bestenfalls als mystisch ideologischer Kitt). Für die Alldeutschen stellte sich nicht die Frage nach dem „Urchristentum". Für die Alldeutschen stellte sich lediglich die Frage nach ihrem Machtanspruch (auf Kosten anderer). Der Konflikt war unvermeidlich. Das Bibelforschertum war einer seiner Katalysatoren!

Um auf Fetz zurückzukommen. Er charakterisiert sich weiter mit der diffamierenden Behauptung: „Wie Bibelforscher, Talmudjude und internationale Freimaurerei den Sturz alles Bestehenden als erstes Ziel kennen, so auch die Sozialdemokratie, wie der Inhalt des Erfurter Programmes, ihres politischen Glaubensbekenntnisses es zeigt. Es dürfte heute allen bekannt sein, dass die Sozialdemokratie nichts anderes als ein politisches jüdisches Warenhaus ist. Inhaber, Geschäftsführer und Abteilungschefs sind die Juden, Verkäufer und Verkäuferinnen die Sozialdemokraten." [198]

Damit sind aus dem Munde von Fetz zugleich die wichtigsten zeitgeschichtlichen Ressentiments gegen das Bibelforschertum zusammengefasst. Die unterschiedlichen Autoren haben individuelle „Musikstücke" dazu geschrieben. Letztendlich jedoch basieren sie alle auf der gleichen „Grundmelodie"!

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[1] Eine Besprechung in der antisemitischen Zeitschrift „Hammer" erfolgte durch Ottokar Stauf von der March, der gleichfalls in Wien wohnhaft war. Vgl. dazu „Hammer" 1936 S. 432. Stauf lässt seine Besprechung mit den Worten ausklingen: „Wir besitzen zwar schon eine Reihe kritischer Schriften über die 'Zeugen Jehovas' aber keine befriedigt. Die von Jonak hingegen tut das vollkommen, wie man mit gutem Gewissen behaupten kann. Hoffentlich findet die Schrift große Verbreitung. Denn die Bibelforscher dulden, heißt den Wolf im Schafspelze unter uns dulden. Es gilt reinen Tisch zu machen."

Stauf, der 1933 beispielsweise ein Buch mit dem Titel „Verfremdung, Überfremdung" veröffentlicht hatte, erwies sich als ein Scharfmacher par excellence. Bezugnehmend auf den Ersten Weltkrieg äußert er darin:

„Aber da erwies es sich, dass im deutschen Volke doch noch tüchtige sittliche Kräfte rege waren und das es in der Stunde der Gefahr gleich einem Manne bereit war, für sein Deutschtum begeistert und begeisternd in Not und Tod zu gehen. (Die Jornaille erfand dafür das alberne Wort 'Kriegspsychose'. Wenn es eine war, so doch noch immer besser als die Wucher- und Schachermeier-Psychose der Juden." (S. 62)

Seine Kernthese kann man vielleicht am besten mit den Worten festmachen:

„An allen Ecken und Enden zerren und zausen die Schrittmacher des Internationalismus an uns." (S. 66).

Zu ihnen zählt er ausdrücklich Pazifisten, Ernste Bibelforscher und andere.

[2] Jonak v. Freyenwald, HansDie Zeugen Jehovas", Berlin 1936 S. 97, 98.

[3] Auch in seiner „Hauspostille" wurde seine Schrift emphatisch angepriesen: „Wir empfehlen dieses hochinteressante Buch vor allem deshalb, weil es wie kaum ein anderes aufdeckt, wie Bolschewismus, Freimaurerei und Ernste Bibelforscher streng nach den Richtlinien der 'Protokolle der Weisen von Zion' auf die jüdische Weltherrschaft zusteuern." „Weltdienst" 15. 5. 1936 S. 6.

[4] Jonak, S. 96.

[5] Freienwalderstr. Film J 211 FN 2935283.

[6] Ebenda.

[7] „Korrespondenzblatt für den katholischen Klerus Österreichs" 1937 Nr. 5 S. 69f.

[8] Ebenda.

[9] „Das Schwarze Korps" 10. 2. 1937.

Auch Jonak wird darin wohlwollend zitiert: „Auch der katholische Schriftsteller Jonak von Freyenwald kommt in seinem Buch 'Die Zeugen Jehovas' zu der Feststellung, dass die Sekte der Bibelforscher nur im Interesse des Judentums arbeitet."

[10] Selbstredend nahm der antisemitische „Weltdienst" (1. 5. 1937 S. 3) auch auf den Fall Bezug. Auch eine Reihe den Nazis nahestehenden Zeitungen in der Schweiz nahm dieses Thema auf

[11] Vgl. zur Sicht der Zeugen Jehovas auf diesen Fall: „Trost" Nr. 367, 1. 1. 1938. Der inkriminierte Brief wird darin als existent bestätigt. Jedoch wird bestritten, dass die Briefschreiber Zeugen Jehovas sind.

[12] „Weltdienst" 1. 6. 1937.

[13] Ebenda 1. 10. 1937.

Die Behauptung in dieser Kontroverse seitens der Zeugen Jehovas, die fragliche kanadische Familie habe nichts mit den Zeugen Jehovas zu tun, muß angezweifelt werden. Offenbar sind seitens dieser Familie schon früher Briefe an die deutsche Wachtturmgesellschaft gesandt worden. So kann man beispielsweise im „Wachtturm" Nr. 2/1916 (S. 31) in der Rubrik „Leserbriefe" einen solchen lesen, der mit der Absenderangabe endet: „Deine Schwester in dem Gesalbten. Hope Tate-Kanada."

[14] „Das Goldene Zeitalter" 1. 11. 1936 S. 14f.

Ein Novum. Es gehört zur Praxis der Zeugenführung auf Kritik möglichst nicht öffentlich einzugehen. Im Falle Jonak wurde dieses „eherne Gesetz" außer Kraft gesetzt. Ein Symptom dafür, wie empfindlich er sie getroffen hatte!

[15] Vgl. Riemeck, Renate „Moskau und der Vatikan" Band 2, Frankfurt/M. 1965 S. 61.

[16] Adamow, E. „Die Diplomatie des Vatikans zur Zeit des Imperialismus", Berlin o. J. (1932) S. 74.

[17] Deschner, Karlheinz „Mit Gott und den Faschisten", Stuttgart 1965 S. 31.

[18] Ebenda.

[19] Ebenda S. 108.

[20] „Der Wachtturm" 1. 1. 1935 S. 9. Dieses Statement stammt aus der Zeit bevor das Jonaksche Buch erschien. Um so mehr musste sich die Zeugenführung in der Auffassung bestätigt sehen, nachdem sie Jonaks Ausführungen „schwarz auf weiß lesen konnte

Vgl. auch: Hesse, Hans (Hrsg.) „Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas", Bremen 1998 S. 157.

[21] Braunthal etwa vertritt die Meinung: „Während also in England, den Vereinigten Staaten von Amerika und bis zu einem gewissen Grade auch in Deutschland die katholische Kirche vornehmlich eine religiöse Institution war, war sie in Österreich eine streitbare, herrschsüchtige und intolerante politische Macht; sie verkörperte Reaktion, Unterdrückung und Opportunismus, und der Staat war ihr williges Werkzeug. Die feudale Kirche und der feudale Staat waren nicht allein durch Tradition, sondern mehr noch durch gemeinsame Interessen eng miteinander verbunden. Denn die Kirche erachtete es als ihre vornehmste Aufgabe, das Volk den herrschenden Klassen gegenüber willfährig zu halten." Braunthal, Julius „Auf der Suche nach dem Millenium", Band 1, Nürnberg 1948 S. 50

Vgl. auch die in religiöser Verbrämung verpackte Einschätzung der Österreichischen Zeitgeschichte und des Konkordates zwischen der katholischen Kirche und dem faschistischen Italien von Lohmann. Entkleidet man sie ihrer Phraseologie, so enthält sie in der Sache eine ähnliche Aussage.

Siehe Lohmann, Johannes „Der 11. Februar 1929 im Lichte des prophetischen Wortes", Bad Blankenburg o. J. (1930) S. 15, 20.

Siehe auch: Fried, Jakob „Nationalsozialismus und katholische Kirche in Österreich", Wien 1947 S. 163-175.

[22] Auch in der Gegenwart ist dieses Problem noch akut. Um staatlichen Steuerforderungen auszuweichen, verkauft der Verlag der Zeugen Jehovas grundsätzlich keine Literatur mehr. Sie wird faktisch nur noch gegen „Spenden" über die örtlichen Zeugenversammlungen abgeben. Hierbei wird noch differenziert zwischen „Standardliteratur" und „Artikeln auf besonderem Wunsch". Letztere werden faktisch Außenstehenden nach Möglichkeit vorenthalten.

[23] „Trost" 1. 8. 1937 S. 8.

[24] Bemerkenswerterweise ist der „Königreichsdienst" auf einer von der Zeugen-Leitung veranstalteten Literatursammlung auf CD-ROM enthalten. Prompt wurde damit die Anweisung an die Anhängerschaft verbunden, diese keinem Außenstehenden, auch keiner Bibliothek zugänglich zu machen!

[25] Berlin Document Center, Reichsschrifttumskammer, Akte Jonak.

[26] Beachten sollte man auch den nazistischen Putschversuch der 1934 in Österreich stattfand. Er hatte ein Umschlagen der öffentlichen Meinung gegen die Nazis zur Folge. Um die Wogen wieder zu glätten sandte Hitler den Katholiken Franz von Papen als Botschafter nach Wien.

Auch in der Schweiz hatten sich die Nazis unbeliebt gemacht. Nachdem die Gestapo einen deutschen Emigranten in die Schweiz lockte und von dort aus nach Deutschland verschleppte (was die dortige Öffentlichkeit stark bewegte) mussten auch dort die Naziagenten kürzer treten.

[27] So war es Hutten vorbehalten, darin über das Stichwort „Judenfrage" zu referieren. Man konnte von ihm darin auch die Sätze lesen: „Eine weitere Verschärfung der J(udenfrage) auf politischem Gebiet brachte die Tatsache, dass sich das Weltjudentum in zahlreichen Querverbindungen über die Länder, Völker und Kontinente hinweg organisierte. Es entstanden mächtige jüdische Weltbünde, deren Zielsetzung letztlich politischer Art ist, und die denn auch in der internationalen Politik vielfach eine ebenso dunkle wie verhängnisvolle Rolle spielten. … Angesichts der weitverzweigten Tätigkeit innerhalb dieser Organisationen lässt sich der Eindruck des politischen Antisemitismus verstehen, dass das Weltjudentum einer Riesenspinne gleich über allen Staaten sitzt, nach einheitlichen, unheimlichen Plan aus verborgenen Hintergründen seine Netze und Fallen stellt und die Geschicke der Völker in die Hand zu bekommen sucht, um sie im Sinn des jüdischen Weltherrschaftsplans zu lenken." „Calwer Kirchenlexikon" Band 1, Stuttgart 1937 S. 982.

In diesem Zusammenhang wäre auch noch auf den instruktiven Aufsatz „Das andere Gesicht der Evangelischen Kirche" von Klaus Morfeldt hinzuweisen. In: „Wege ohne Dogma" Nr. 12/1993. Morfeldts Kernsatz lautet:

„Hutten und seine Mitstreiter kämpften also genau für das, wogegen der Theologe Karl Barth mobil machte, wodurch er dann zum Führer der Bekennenden Kirche wurde." (S. 264). Nach Meier gehörte Kurt Hutten bis September 1933 den „Deutschen Christen" an - hat sich dann aber mit ihnen überworfen. Um so bezeichnender sind jene zitierten Äußerungen, weil Hutten ja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu den „Deutschen Christen" gehörte. Vgl. Meier, Kurt „Die deutschen Christen", Halle/S. 1965 S. 45; sowie; Meier, Kurt „Der evangelische Kirchenkampf" Band 1, Halle/S. 1976 S. 446.

[28] „Materialdienst" 16. 4, 1937 Sp. 62. Dieses Statement ist in der Sache mit dem des Nazi„philosophen" Rosenberg identisch, der in seinen „Mitteilungen zur weltanschaulichen Lage" gleichfalls verkünden lies, dass die Bibelforscher „vermittelst der Bibel die Völker für die jüdische Weltherrschaft (d. h. Bolschewismus) sturmreif machen." Er meint weiter, unter offensichtlicher Anspielung auf Jonak behaupten zu können: „Man mache sich weiterhin die Tatsache klar, dass es heute gelungen ist, die direkte Verbindungslinie zwischen Ernsten Bibelforschern einerseits, Marxismus und Freimaurertum andererseits einwandfrei nachzuweisen." Vgl. Zipfel, Friedrich „Kirchenkampf in Deutschland", Berlin 1965 S. 368, 371.

[29] Müller v. Hausen gehörte im Ersten Weltkrieg zum Beraterstab des ebenfalls als Antisemiten berüchtigt-bekannten Erich Ludendorff.

Vgl. Mohrmann, Walter „Antisemitismus", Berlin 1972 S. 120.

[30] Eine 1918 von weißgardistischer Seite in Nowotscherkask veranstaltete Neuauflage dieser Schrift, vermeldet einleitend: „Diese Protokolle sind in der Tat nicht nur der Schlüssel zum Verständnis unserer ersten erfolglosen Revolution (1905), sondern auch zum Verständnis unserer zweiten Revolution (1917), in welcher die Juden eine für Russland so verhängnisvolle Rolle gespielt haben. … Für uns, die wir Zeugen der Selbstzerfleischung Russlands sind, für uns, die wir hoffen, Russlands Wiedergeburt zu erleben, ist dieses Dokument um so bedeutsamer, als es uns die Mittel enthüllt, deren sich die Feinde des Christentums bedienen, um uns zu unterjochen. Nachdem wir die Kenntnis dieser Mittel erlangt haben, dürfte es möglich werden, die Feinde Christi und der christlichen Kultur mit Erfolg zu bekämpfen."

Vgl. Segel, Binjamin „Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet", Berlin 1924 S. 32.

[31] Vgl. dazu: „Ostkirchliche Studien" 1991 S. 49f. Hagemeister, „Wer war Sergej Nilus?"

sowie: „Jahrbuch für Antisemitismusforschung" Band 5 (1996) S. 127f. Hagemeister, Michael „Sergej Nilus und die 'Protokolle der Weisen von Zion."

Eine von der Londoner Wiener Library in ihren Publikationen für 1938 als in Leipzig erschienen, von Hans Jonak von Freyenwald besorgte Übersetzung des Nilusbuches, ist tatsächlich jedoch nicht erschienen, wie dies die Recherchen in den einschlägigen deutschen Bibliographien und Bibliothekskatalogen ergaben. Auch die Deutsche Bücherei besitzt diese offenbar beabsichtigte Ausgabe nicht. Die Londoner Wiener Library stützt sich offenbar auf die nach 1945 in ihren Besitz gelangten Manuskriptunterlagen von Jonak.

[32] Schwartz-Bostunitsch, GregorJüdischer Imperialismus", Berlin 1939 S. 359.

[33] Valentin, Hugo „Antisemitenspiegel", Wien 1937 S. 115, 116.

[34] Strack, Hermann L. „Jüdische Geheimgesetze?", Berlin 1921 S. 35.

[35] Cohn, Norman „Die Protokolle der Weisen von Zion. Der Mythos von der jüdischen Weltverschwörung", Köln 1969 S. 107.

[36] Vgl. Ebenda S.111-118.

[37] Segel, S. 192.

[38] Cohn S.117,118.

[39] Vgl. dazu: Raas, Emil; Brunschvig, Georges „Vernichtung einer Fälschung. Der Prozess um die erfundenen 'Weisen von Zion'", Zürich 1938 S. 29.

Vgl. dazu auch: Ben-Itto, Hadassa „Die Protokolle der Weisen von Zion. Anatomie einer Fälschung", Berlin 1998. Die Urheberschaft der Ochrana wird auch durch die Aussage einer Prinzessin K. Radziwill belegt: „Sie habe damals … in Paris gelebt, als eines Tages der ihr bekannte Geheimpolizist Golowinsky sie besuchte und ihr die vertrauliche Mitteilung machte, dass er von dem Chef der russischen Auslandspolizei in Paris, Ratschkowsky, beauftragt worden sei, einen fingierten Verschwörungsplan des Judentums zu verfassen. Er habe ihr bei dieser Gelegenheit sogar das eben fertiggestellte Manuskript gezeigt. „Die Protokolle Zions" (17. Aufl.) (Hrsg. und eingeleitet von Hans Jonak v. Freyenwald) Leipzig 1936. Von faschistischer Seite wurde gegen diese Aussage Sturm gelaufen. Man unternahm es, die Person dieser „Prinzessin" als unglaubwürdig hinzustellen und ihr allerlei kriminelle Delikte anzuhängen. Ein sachlicher Gegenbeweis indes wurde nicht erbracht. Man mag über die Radziwill denken wie man will. Indes das die Ochrana kein „Engel" war, darüber dürfte wohl kein Zweifel berechtigt sein.

Zu den Aktivitäten der Ochrana vgl. auch: Raas/ Brunschvig S. 29.

[40] Segel, S. 77.

[41] Rusch, J. B. „Die Protokolle der Weisen von Zion. Die größte Fälschung des Jahrhunderts", Glarus 1933 S. 11.

[42] Vgl. dazu: Segel, Binjamin „Weltkrieg, Weltrevolution, Weltverschwörung, Weltoberregierung", Berlin 1926 S. 71. Einige tiefschürfende Details wie die „Protokolle" nach Deutschland gelangten und anderes mehr, vermittelt auch Michael Hagemeister in einem Beitrag im „Jahrbuch für Antisemitismusforschung" (1996) der zugleich auch im Internet nachlesbar war.

[43] Pseudonym für Müller von Hausen, der zugleich Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift „Auf Vorposten" war.

[44] Beek, Gottfried zurDie Geheimnisse der Weisen von Zion", (Berlin-) Charlottenburg 1919, S. 148.

Die naive Gläubigkeit an diese Antisemitenbibel kommt auch markant im Vorwort des Hammerverlages vom Juli 1922 zu Henry FordDer internationale Jude" zum Ausdruck. Auch dort kann man lesen:

„Die Pläne der 'Protokolle' und der gegenwärtige Zustand der Welt bedingen sich wie Ursache und Wirkung. Was wir erlebt haben, konnte nur kommen, weil die geheimen Oberen des Judentums, der ganzen Welt genauso gehandelt haben müssen, wie die 'Protokolle' es vorschreiben. Die ganze Weltlage erklärt sich aus ihnen lückenlos und zwingend." Ford, Henry „Der internationale Jude", Band 1, Leipzig 1922 S. 6.

Die zeitgenössische tagespolitische Bedeutung jenes Pamphletes wird von Coudenhove mit den Worten umrissen: „So sollte der Eindruck entstehen, dass die jüdische und die bolschewistische Weltverschwörung und Weltrevolution identisch seien. Und dass der Bolschewismus ebenso wie der Weltkrieg von den Weisen von Zion inszeniert worden sei, um die jüdische Weltherrschaft aufzurichten." Coudenhove-Kalergi, R. N. „Judenhass von heute", Wien 1935 S. 58.

[45] Ebenda S. 18.

[46] Beek, S. 32.

[47] Ebenda S. 38.

Ein kleines Beispiel für das „Niveau" dieses Märchenbuches, dass sich da „Protokolle der Weisen von Zion" nannte, kann man auch aus folgender Passage entnehmen: „Es besteht nun die Gefahr, dass die Gojim mit bewaffneter Hand gegen uns aufstehen, wenn sie vor der Zeit erraten, was vor sich geht. Aber in den westlichen Staaten haben wir dagegen ein Mittel so furchtbarer Art in der Hand, dass auch die tapfersten Herzen davor erbeben werden; die Untergrundbahnen in den Großstädten. Diese unterirdischen Gänge werden, bevor die Zeit gekommen ist, unter allen Hauptstädten gegraben sein. Und so besteht die Möglichkeit, von hier aus diese Hauptstädte mit all ihren Organisationen und Archiven in die Luft zu sprengen." Zitiert nach: Fritsch, Theodor (Hrsg.) „Die Zionistischen Protokolle", Leipzig 1924 S. 28.

[48] Zitiert in: Harand, Irene „Sein Kampf. Antwort an Hitler", Wien 1935 S. 194. Vgl. auch: Hitler, Adolf „Mein Kampf", München 1940 S. 337.

[49] Stein, Alexander „Adolf Hitler. Schüler der 'Weisen von Zion'", Karlsbad 1936 S. 94.

[50] Rosenberg, Alfred „Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik", München 1924 S. 5. [51] Langer, Felix „Die Protokolle der Weisen von Zion" Wien 1934 S. 34,35.

[52] Beek, S. 149.

[53] Ebenda.

[54] Hans Jonak v. Freyenwald (7. 12. 1878-10. 11. 1953). Nach seiner Promotion bekleidete er einen Verwaltungsbeamtenposten in der Postdirektion Wien. Dann übernahm er einen analogen Posten im Handelsministerium. Seit 1917 war er Präsidialvorstand des Amtes für Volksernährung. 1919 wird ihm der Titel eines „Ministerialrates" verliehen. Ab 1. 12. 1922 wird er in den Ruhestand versetzt. Im Rahmen der Versailler Verträge war der Staat Österreich verpflichtet worden, seine Verwaltung zu reduzieren. Jonak ist davon mitbetroffen.

[55] Nach Mikoletzky wurden bis 1926 circa 96 000 Beamte in den „freiwilligen" Ruhestand hineingenötigt, vielfach versüßt mit einer Rangerhöhung. Vgl. Mikoletzky, Hans Leo „Österreichische Zeitgeschichte", Wien 1962 S. 104.

[56] Vgl. die mit vielen Detailinformationen bestückte Berichterstattung über den Berner Protokolleprozeß, die unter dem Namen „Dr. Richter" in „Hammer" Nr. 793/794 (1935) sowie in „Deutschlands Erneuerung" Nr. 5/1935 erschien.

[57] „Die Protokolle Zions" 17. Aufl. Leipzig 1936 S. 10.

[58] Vgl. dazu: Cohn, NormanDie Protokolle der Weisen von Zion", Köln 1969.

Pfahl-Traughber, ArminDer Antisemitisch-Antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der Weimarer Republik und im NS-Staat", Wien 1993.

[59] Vgl. dazu: Lüthi, UrsDer Mythos von der Weltverschwörung", Basel 1992.

Als zeitgenössische Quelle, besonders: Raas/Brunschvig S. 36, 37.

[60] Cohn S. 283.

[61] Bundesarchiv (Koblenz) BAK R58/988 Bl. 10.

[62] Ebenda Bl. 18.

[63] Fleischhauer, UlrichDie echten Protokolle der Weisen von Zion", Erfurt 1935, S. 56, 95, 113,119, 248, 249.

[64] Als Beispiele, die das geistige Klima schlaglichtartig beleuchten, wäre zu nennen. Das im Jahre 1936 durch die Universität Lausanne dem Faschistenhäuptling Mussolini die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Das von der Schweiz mit als erster Staat die faschistische Besetzung Äthiopiens bereits im Jahre 1936 völkerrechtlich anerkannt wurde. Das die Schweiz im Jahre 1939 das faschistische Franco-Spanien gleichfalls völkerrechtlich anerkannte und zwar zu einem Zeitpunkt, wo das republikanische Spanien noch nicht völlig besiegt war. Das in Schweizer Bibliotheken zu jener Zeit die Schriften von Lenin indexiert waren, während Hitlers „Mein Kampf" für jeden gleichzeitig frei zugänglich war. Vgl. „Sowjetfeindlich" Zürich 1945.

Dass, als im Jahre 1944 die Schweizer Presse über die Mordaktionen in faschistischen KZs berichtete, dies ebenfalls in einer äußerst vorsichtigen Form geschah um dem faschistischen Regime ja nicht zu nahe zu treten. „So ist es bezeichnend, dass in dem erwähnten Artikel das nationalsozialistische Deutsche Reich in keiner Weise angeklagt wird. Es ist aus dem Text nicht ersichtlich, wer die Lager gegründet hat, wer Polen besetzt und wer die ungarischen Juden deportiert und ermordet" usw. Vgl. Czech, Danuta „Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945" Reinbek 1989 S. 819.

[65] In einer polemischen Replik zitierten die deutschen Faschisten dazu den, wie sie meinten betonen zu sollen „sozialdemokratischen Polizeirichter Meyer" mit der Zitierung: „Mit Fleischhauers Namen machte Meyer vom Richtertisch aus ein … Wortspiel, indem er am 3. 5. 35 sagte: 'Die Juden sind erledigt. Die Bibelforscher liegen zappelnd am Boden. Wann gedenken Sie, die Bolschewiken und Freimaurer zu zerfleischhauern?'"

Vgl. „Berner Bilderbuch vom Zionisten-Prozeß um die 'Protokolle der Weisen von Zion'", Erfurt 1936 S. 8.

[66] Im November 1937 kam es zu einer Revisionsverhandlung, in der lediglich formaljuristisch geurteilt wurde. Man sagte, dass das Bernische Gesetz über Schundliteratur, sich lediglich auf Pornographie bezöge. Einen argumentativen Eintritt in Geschichte und Folgewirkungen der „Protokolle" lehnte das Gericht ab. Vgl. zur Revisionsverhandlung auch den Kommentar von C. A. Loosli in „Die Nation" (Bern) 18. 11. 1937:

„Wir haben uns mit diesem Urteil abzufinden, obwohl es nicht nur der überwiegend großen Mehrzahl der Laien, sondern auch einer erklecklichen Zahl nicht eben unbedeutender Rechtsgelehrter und Rechtskundiger einfach unverständlich bleibt. Die einzige einigermaßen plausible Erklärung dazu dürfte jedoch darin zu finden sein, das weder die … Herren Oberrichter die 'Protokolle der Weisen von Zion' überhaupt gelesen haben; dass ihnen unbekannt geblieben ist, in welch hervorragendem Masse die besagten 'Protokolle' seit dem Tage ihrer Erstveröffentlichung an, zur Rechtfertigung der Judenmetzeleien und Pogrome in Russland, Polen und Deutschland verwendet wurden und immer noch verwendet werden…

[67] Vasz, StephanDas Berner Fehlurteil über die Protokolle der Weisen von Zion", Erfurt 1935.

[68] Vgl. dazu: Jonak v. Freyenwald, HansDer Berner Prozess um die Protokolle der Weisen von Zion" Band 1 „Anklagen und Zeugenaussagen", Erfurt 1939 S. 214. (Ein beabsichtigter 2. Band ist nicht mehr erschienen).

[69] Vasz, S. 100, 101.

[70] Loosli, C. A. „Die Juden und wir", Zürich 1930 S. 4.

[71] Ebenda S. 23.

[72] Lossli, C. A. „Die 'Geheimen Gesellschaften' und die Schweizerische Demokratie", Bern 1935 S. 16.

[73] Ebenda S. 116.

[74] Ebenda.

[75] Hitler, Adolf „Mein Kampf", München 1940 S. 337.

[76] Fleischhauer, S. 113.

[77] Ebenda. Fleischhauer zitiert Russell, „Schriftstudien" Band 7 (Ausgabe 1922) S. 534-536.

[78] Fleischhauer, S. 56.

[79] Ebenda S. 115.

[80] Ebenda.

[81] Rosenberg, AlfredDie Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik", München 1924 S. 130.

[82] Ebenda S. 120.

Über die „Protokolle der Weisen von Zion" bemerkte ein jüdischer Zeuge (zitiert nach Jonak, Berner Prozess S. 150):

„Die Protokolle sind aus den gleichen Gedankengängen entstanden, wie sie in Deutschland gelten. In Deutschland wollte man die Sozialdemokratie treffen; um sie zu verleumden, hat man zuerst die Juden verleumdet, indem man sagte Marx sei ein Jude, die Juden sind gemeine Kerle die Sozialdemokraten sind auch gemein. Die gleiche Tendenz verfolgte schon die russische Geheimpolizei. diese verleumdete die Juden, wollte aber auch die Demokratie treffen, daher behauptete sie, dass die Demokratie eine jüdische Mache sei."

[83] Rosenberg, Protokolle S. 54.

[84] Jonak, Berner Prozess, Vorwort.

[85] Nach eigenen Angaben veröffentlichte er in der antisemitischen Zeitschrift „Hammer" in den Jahren 1935 -37 drei Beiträge. In der Zeitschrift „Weltkampf" in den Jahren 1937-40 ebenfalls weitere drei Beiträge. Die im Hammer-Verlag erschienene Ausgabe der „Protokolle" wurde von ihm in einer Neubearbeitung hrsg. unter dem Titel „Die Zionistischen Protokolle". Seine Mitarbeit endete im Herbst 1940.

Aus seiner im Berlin-Document-Center aufbewahrten Akte der Reichsschrifttumskammer geht hervor, dass er einige Dispute mit Verlegern hatte. So hatte er ein Manuskript eingereicht mit dem Titel „Die Protokolle der Weisen von Zion, das Programm der Weltfreimaurerei." Inhaltliche Kompetenzschwierigkeiten zwischen verschiedenen nazistischen Behörden verhinderten seine Realisierung. Das Manuskript landete nach einer Odyssee schließlich beim Berliner „Propagandaverlag Paul Hochmuth". Jonak fühlte sich von diesem Verleger brüskiert, auch in finanzieller Hinsicht. Hochmuth antwortete darauf sinngemäß (unter Anspielung auf die Kriegszeit), dass die Herren Autoren meinten, sie seien die wichtigsten. Er Hochmuth hingegen meine, dass der Verlag die Priorität habe. Aus der affektgeladenen Korrespondenz geht hervor, dass es zu keiner Realisierung des vorgenannten Manuskriptes, als Buch gekommen ist.

[86] Vgl. dazu: Heiber, HelmutWalter Frank und sein Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands", Stuttgart 1966.

[87] Im Stadtarchiv Nürnberg wird noch heute die Redaktionskartei verwahrt, anhand der nachweisbar ist, welche Artikel dort von Jonak stammten. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass es eine durchaus umfängliche Artikelsammlung ist (Quantitätsmäßig betrachtet).

[88] Eine Neuauflage davon erschien 1992 in Bremen innerhalb der Serie „Faksimile-Dokumentation zur Morphologie und Geschichte des Nationalsozialismus."

[89] Jonak v. Freyenwald, HansJüdische Bekenntnisse aus allen Zeiten und Ländern", Nürnberg 1941 S. 5, 6.

[90] „Schriftstudien" Band 7 (Ausgabe 1922) S. 535, 536 ,538 ,553, 633.

[91] Rutherford, J. F. „Licht", Band 2, Magdeburg 1930 S. 79, 107.

[92] Rutherford, J. F. „Rechtfertigung" Band 1, Magdeburg 1931 S. 205.

[93] Jonak, Bekenntnisse S. 89.

[94] Russell, Schriftstudien, Band 4 (Ausgabe 1926) S. 379. Vgl. Jonak, Bekenntnisse S. 148.

[95] „Schriftstudien" Band 7 (Ausgabe 1922) S. 573, 635, 671, 676, 700, 305, 680.

[96] Rutherford, J. F. „Zuflucht zum Königreich", Magdeburg 1933 S. 7.

[97] Rutherford, J. F. „Regierung", Magdeburg 1928 S. 181.

[98] Rutherford, Zuflucht S. 49.

[99] So soll laut einem Artikel der „New York Tribune" vom 29. 2. 1937 Rutherford sich geäußert haben. Vgl. Jonak, Bekenntnisse S. 222. Es ist davon auszugehen, dass Jonak über das Korrespondentennetz des faschistischen „Weltdienstes" in den Besitz dieser Unterlage gelangte.

[100] Poliakov, Leon; Wulf, JosefDas Dritte Reich und seine Diener", Berlin 1975 S. 359.

[101] Signatur der Österreichischen Nationalbibliothek Wien: 728750-D.

[102] „Nationalsozialistische Monatshefte" Nr. 162 (1944) S. 93f.

Jonak v. Freyenwald, Hans über Schramm, Hellmut „Der jüdische Ritualmord".

[103] Auch in einem Heft vorher („Nationalsozialistische Monatshefte" Nr. 161 (1944)) wurde eine weitere Besprechung Jonaks zu einem anderen antisemitischen Buch veröffentlicht. Jonak über Schickert, KlausDie Judenfrage in Ungarn", Essen 1943.

Der Redaktion der „Nationalsozialistischen Monatshefte" war Jonak schon früher bekannt. So hatte sie bereits im April 1936 von ihm, unter seinem damaligen Pseudonym „Dr. Richter" einen Aufsatz veröffentlicht unter dem Titel „Wo finde ich den Juden?" Kernthematik dieser Ausführung war der für Jonak missliche Umstand, dass in der Nazizeit keine weiteren Bände des unvollendeten antisemitischen Lexikons „Sigilla veri" erschienen. (Die Nazifunktionäre beliebten praktische Antisemitsmuspolitik zu betreiben und legten daher nicht so großen Wert auf die von Jonak forcierte theoretische „Aufarbeitung"). So findet sich denn in diesem Artikel der Klagegesang: „Leider ist mit dem Erscheinen der Schlussbände und eventuellen Nachträgen für die nächste Zeit nicht zu rechnen, da der Verlag mit geldlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Es wäre sehr verdienstvoll, wenn heute Privatleute und amtliche Stellen die baldige Fortführung dieses einzigartigen Quellenwerkes sicherstellten." „Nationalsozialistische Monatshefte" 1936 S. 350.

[104] Vgl. „Berner Bilderbuch.

[105] Vgl. Cohn S. 287, 288.

[106] Ebenda.

[107] Glaus, Beat „Die Nationale Front. Eine Schweizer Faschistische Bewegung 1930-1940", Zürich 1969 S. 312.

[108] Vgl. dazu auch: „Hammer" 35. Jg. 1936 S. 460.

[109] Vgl. Jonak, Berner Prozess S. 10.

Klageanträge wurden gestellt am 25. am 29. und am 31. 7. 1935.

[110] „Weltdienst" 1. 8. 1936.

[111] Vgl. „Das Goldene Zeitalter" 15. August 1936 S. 11.

[112] Auch in den nachfolgenden Ausgaben wurde wiederholt auf diese Vorgänge eingegangen.

[113] „Das Goldene Zeitalter" 1. 11. 1937 S. 12.

Auch im „Weltdienst" wurde die SPK lobend erwähnt: „Laufend ein gutes Material über die Ernsten Bibelforscher bringt die „Schweizer Pressekorrespondenz" in St. Gallen, Grenzstr. 2. Außerdem empfehlen wir Ihnen ganz besonders das Buch von Dr. Hans Jonak von Freyenwald „Die Zeugen Jehovas", Buchverlag Germania Berlin. … Zu beziehen durch den „Welt-Dienst"-Buchvertrieb, Erfurt."

Weltdienst" 15. 2. 1938 S. 4.

[114] „Trost" 15. 7. 1944 S. 12.

[115] „Das Goldene Zeitalter" 1. 11. 1937 S. 15.

[116] Ebenda.

[117] Wiener Library (Tel Aviv) Freyenwald-Collection.

[118] Vgl. dazu: „Berner Tagwacht" 23. + 24. + 25. 9. 1937: „Die Landesverräter'Front'"

Und zur politischen Biographie von Toedtli: „Die Front" (Zürich) 20. 11. 1937 + 7. 4. 1938.

[119] Wiener Library (Tel Aviv) „Freyenwald-Collection".

[120] „Trost" 1. 8. 1941 S. 16.

[121] „Das Goldene Zeitalter" 15. 1. 1937 S. 12.

[122] Ebenda 1. 6. 1937 S. 7.

[123] Ebenda 15. 6. 1937 S. 15.

[124] Ebenda.

[125] Wiener Library (Tel Aviv) „Freyenwald-Collection".

[126] „Das Goldene Zeitalter" 15. 9. 1936 S.6.

[127] Ebenda 1. 10. 1936 S. 11.

[128] Ebenda 15. 9. 1936 S. 6.

[129] In der Zitierung des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 10. 1936 S. 11.

[130] Vgl. Ebenda S. 15.

Zur Veranschaulichung: In dem 1936 in Deutschland erschienenen Buch von Dr. JamDie katholische Kirche als Gefahr für den Staat" (S. 313) findet sich z. B. der Kernsatz: „Marxismus-Kommunismus und Judentum sind in Deutschland so gut wie tot. … Noch aber lebt die gefährlichste von den drei internationalen Mächten, der Katholizismus." Vgl. dazu auch: „Das Goldene Zeitalter" 1. 10. 1936 S. 11, wo Jam ebenfalls mit einer anderen Passage zitiert wird.

[131] Vgl. dazu auch den beachtlichen Kommentar von Enrico Tung in der Berner Tageszeitung „Die Nation" vom 18. 11. 1937. Die pronazistischen Berufungsgerichtsentscheidungen wurden dort mit dem Satz kommentiert:

„Es ist - man kann es nicht anders sagen - für das Berner Obergericht eine geradezu grauenhafte Sache, wenn man zu diesen vor seinen Schranken abgespielten beiden Prozessen eine Parallele zieht." Der Kommentator verweist dann auf den Hetzartikel eines anderen Schweizer Nazis, der gerichtlich nicht inkriminiert worden sei um zu dem Ausruf zu gelangen, dass alle anstößigen Stellen in der Bibelforscherliteratur keinesfalls mit jenem Hetzartikel gleichzusetzen sei, der dem Gericht auch vorgelegen habe ohne jedoch eine gerichtliche Verurteilung zu erfahren.

[132] „Das Goldene Zeitalter" 15. 10. 1936 S. 3.

[133] Ebenda S. 6.

[134] Ebenda S. 10.

[135] Ebenda S. 14-16.

[136] Ebenda 15. 6. 1937 S.15.

[137] Vgl. dazu die Ausgaben des „Goldenen Zeitalters" zwischen dem 1. Oktober bis 15. Dezember 1937.

[138] „Das Goldene Zeitalter" 1. 11. 1937 S. 15.

[139] Ebenda 15. 12. 1937 S. 6.

[140] „Aargauer Volksblatt" 13. 2. 1940

[141] Ebenda.Im Jahre 1944 ging das "Trost" nochmal auf die Correvon'sche Information ein. Willkommen war der WTG, dass sie diesmal die Chance hatte, mit Dreck zu werfen. So notiert das Trost: "Als Eigentümlichkeit sei hier noch beigefügt, dass jener unbewährte, lügnerische 'Mitarbeiter' im Verlaufe des letzten Sommers den Tod fand, nachdem er aus dem fahrenden Schnellzug (Zürich-Schaffhausen, auf jener Strecke, da die Bahn deutsches Reichsgebiet durchfährt) gesprungen war." Über die Detailhintergründe dieser Tragödie erfährt man im "Trost"nichts. Aber sicher machte sich diese Meldung im Diskreditierungssinne für die Zeugen Jehovas gut. Vgl. "Trost" 15. 1. 1944 (Nr. 512) S.12. Bemerkenswert ist, dass die eigentliche Sachlage der Moskauer Sondierung wiederum nicht widerlegt wird. Lediglich emotionale Aufputscher werden geboten, dergestalt, dass man betont, dass die Sowjets nun wirklich nichts mit der Religion am Hut hätten und diese auch nicht materiell unterstützen würden. Zu dieser Erkenntnis bedarf man nun wirklich nicht des "Trost". Nicht erreichte Ziel der Moskauer Harbeck-Visite war jedoch gerade der Versuch, diese Sachlage, sofern möglich, zu verändern!

[142] Nachfolgezeitschrift von „Das Goldene Zeitalter".

[143] „Trost" 15. 7. 1944 S. 12.

[144] Es mutet gelinde gesagt, schon etwas eigenartig an, wie katholische Kreise diesen Prozess des Toedtli wegen „Herabwürdigung der Religion" kommentieren - sofern sie ihn überhaupt kommentieren. Ein Beispiel liefert Pape. Ohne Toedtli oder die SPK beim Namen zu nennen schreibt er: „Ein Katholik im Kanton Bern konnte die Schmähung der Kirche in Wort und Bild durch Rutherfords Bücher … nicht mehr ertragen. Er fühlte sich in seinem Empfinden verletzt und rief darum das Gericht an." Vgl. Pape, Günther „Die Wahrheit über Jehovas Zeugen", Rottweil 1971 S. 55f.

Pape wusste sehr wohl, wer dieser „Katholik" war. Beleg ist dafür, dass er zum Beispiel aus der Urteilsbegründung 2ter Instanz des Todtli'schen Verfahrens zitiert. Er fügt jedoch keinerlei Erläuterungen gesellschaftspolitischer Art zum Umfeld des Toedtli mit hinzu. Auch Jonak zitiert er an anderer Stelle, womit deutlich wird, dass ihm diese Hintergründe so „unbekannt" nicht gewesen sein können.

Dagegen zitiert er aus der Urteilsbegründung jene Passagen, wo Karikaturen der Zeugen Jehovas in ihrer Literatur als Herabwürdigung gewertet werden.

In der Tat - es liegt in der Natur von Karikaturen, Kritik durch das Medium Bild noch zu überspitzen. Nach dem gleichen Maßstab gemessen, müssten etliche Politiker in demokratischen Ländern die Gerichte ständig mit „Herabwürdigungsklagen" übersäen.

[145] Diese Haussuchung erwies sich als erfolgreich. Mehr als 150 Dokumente (Briefe et.) wurden dabei beschlagnahmt. Einige Zeit später war es der Tageszeitung „Berner Tagwacht" möglich, etliche von ihnen im Wortlaut zu veröffentlichen. Vgl. „Berner Tagwacht" 23.-25. September 1937.

In unzähligen Variationen taucht in der beschlagnahmten Korrespondenz die Frage nach Geld auf. Symptomatisch dafür ist jenes Schreiben von Fleischhauer vom 8. 7. 1936 an Silvio Schnell (Schnell war im Protokolleprozess formal der Hauptangeklagte):

„Sie wissen allein, dass zur Zeit fast alles an der Devisenfrage scheitert. Ich würde gern an mancher Stelle aus eigenen Mitteln helfen, wenn ich das Geld herausbringen könnte. Es geht doch nun einmal nicht. Sie wissen, dass die Überweisungen an Toedtli während des vorigen Prozesses Monate dauerten, weil der dortige Devisenkommissar uns feindlich gesonnen war. Was das Honorar des Rechtsanwaltes anbelangt, so müsste es doch eigentlich die 'Nationale Front' übernehmen, die doch auf der Anklagebank sitzt. Es sieht ja beinahe so aus, als ob wir vom 'Weltdienst' auf der Anklagebank säßen und alles zu machen hätten. … Ich will Ihnen offen sagen, dass ich allerdings damit gerechnet hatte, dass die 'Nationale Front' sich anders benehmen würde, dass sie das Aufbringen der Mittel als Ehrensache betrachten würde. Da dies nicht geschah, habe ich persönlich eingegriffen und bestimmt, dass der Rechtsanwalt (Dr. Ruef), wenn ich meine Auslagen vom Gericht zurückerstattet bekäme, sofort einen großen Teil seiner Auslagen erhalten solle."

[146] „Berner Tagwacht" Nr. 222; 23. September 1937 S.1.

[147] Im Juni 1935 hatte die Bundesversammlung nach dem Fall Jakob (Entführung eines deutschen Emigranten durch die Gestapo aus der Schweiz) einen Bundesbeschluss erlassen, durch den die Auskunftserteilung über die politische Tätigkeit von Einwohnern der Schweiz; an politische Organisationen des Auslandes unter Strafe gestellt wird. Dieser Erlass wurde im Falle Toedtli zur Anwendung gebracht.

[148]Vgl. Cohn, S. 289.

Cohn meint zur Vorgeschichte jener verhängnisvollen Hausdurchsuchung bei Toedtli noch, auf seine gleichzeitige Funktion als Stellvertreter für Europa der „Allrussischen Faschistischen Partei" mit Hauptsitz in Charbin (China) verweisen zu können. Dazu Cohn: „Er (der Chef der „Allrussischen Faschistischen Partei") machte ihn weisungsberechtigt gegenüber den regionalen Führern in Frankreich, Belgien, England, Italien, Algerien, Marokko und dem Kongo und erteilte ihm spezielle Vollmachten, mit den deutschen Behörden zu verhandeln. Diese Ernennung verschaffte Toedtli einige Wirkungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Spionage und des Terrorismus, war aber zugleich sein Verderben, denn sie führte zu seiner Verhaftung durch die Schweizer Polizei." Vgl. Cohn S. 288,289.

Vgl. dazu auch die davon etwas abweichende zeitgenössische Interpretation von Raas/Brunschvig, die die Verhaftung eines anderen Schweizer Nazis als Grund nannten, der in Briefen an Göbbels um finanzielle Unterstützung für die „Germanisierung der Schweiz" nachgesucht hatte und sich dabei auf Empfehlungsbriefe von Fleischhauer berief. In der Folge der dazu eingeleiteten Untersuchungen sei man dann auch auf den Toedtli gestoßen. Vgl. Raas/Brunschvig S. 59-63. Höchstwahrscheinlich spielten beide genannten Vorgänge mit eine Rolle bei der Entscheidung, diesen Toedtli auch einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

[149] Zum Vergleich. Protestantische Kreise wollten einmal den Exjesuiten Hoensbroech für ihre Interessen instrumentalisieren. Er kommentierte diesen Versuch: „Was mich … besonders abstieß, war … Hass geschürt durch Unwissenheit, aus einem geeichten Vertreter des 'Christentums' nur so ausströmen zu sehen.

Hoensbroech, Paul Graf von „14 Jahre Jesuit" Band 2, Leipzig 1912 S. 189, 190.

Offenbar haben sich analoge Erfahrungen auch im Falle der Bibelforscher wiederholt.

[150] Vgl. Garbe, Detlef „Zwischen Widerstand und Martyrium", München 1994 S. 70.

Als Hintergrundinformation vgl. auch: Hammer, Karl „Deutsche Kriegstheologie (1870-1918), München 1971.

[151] Wiener Library (Tel Aviv) „Freyenwald-Collection".

Auch Garbe hat sich in seinem Standardwerk beiläufig mit der Publizistik befasst, die aus den 20-er Jahren über die Bibelforscher vorliegt. Konzentrierter findet man diese Aussagen in seinem Aufsatz „Sendboten des jüdischen Bolschewismus" in „Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte", Band 23 (1994) S. 145f.

Er konstatiert: „Das etliche dieser Schriften eine kirchliche Variante völkisch-antisemitischer Schmähschriften darstellen". Weiter „das sich unter den publizistischen Gegnern der Bibelforscher weltanschauliche Außenseiter der obskursten Richtungen - vor allem in der Grauzone zwischen 'deutsch-christlicher und 'deutsch-gläubiger Bewegung fanden." „Das zwischen den Positionen der Rechten außerhalb und innerhalb der Kirchen kaum Unterschiede zu erkennen seien." Ebenda S. S. 152, 153.

[152] Vgl. BAK R 43 II/179 Bl. 147-201.

[153] Ebenda Bl. 159.

[154] Ebenda Bl. 160, 161.

[155] Ebenda Bl. 201.

[156] Auch Garbe hat sich mit diesem Gerecke beschäftigt. Allerdings nur in einer Fußnote. Wobei anzuerkennen ist, dass auch er über Gerecke nicht „glücklich" ist. Der Tendenz von Garbe, Gerecke zum extremen Außenseiter zu erklären, der demzufolge nicht ernst genommen werden muß, allerdings widersprochen werden. Vgl. Garbe, Widerstand S. 72. Bereits im Ersten Weltkrieg, war Gerecke (unter anderem mit seinem Buch „Der Christ und die Sozialdemokratie", in Erscheinung getreten. Schon dort stellt er sich dar als „moralischer Aufrüster" fürs Militär. Gerecke ist sich auch danach im Prinzip selbst treu geblieben. Lediglich die Umweltverhältnisse hatten sich danach geändert.

[157] Gerecke, Karl „Deutschkritischer Gottesgeist", Leipzig 1931 S. 24.

[158] Ebenda S. 8, 9.

[159] Ebenda S. 24.

[160] Ebenda S. 161. Die Seiten 161-199 des Gereck'schen Pamphletes „Deutschkritischer Gottesgeist" erschienen auch separat unter dem Titel „Die Gotteslästerungen der 'Ernsten' 'Bibel' Forscher" (Leipzig 1931). Sie schlossen sich jedoch in ihrer Seitenzählung dem „Deutschkritischen Gottesgeist" an.

[161] Er erfuhr denn auch entsprechende „Würdigungen". Ein Beispiel ist aus Dänemark überliefert. Als Dänemark 1940 unter deutsche Besatzung geriet, erschien ein Jahr später in Charlottenlund (Stadtteil von Kopenhagen) eine Schrift mit dem Titel „Jehovas Vidner." Sie wurde auch in Deutschland durch den W. Kohlhammer Verlag vertrieben. Als Herausgeber zeichnete das profaschistische „Den ny Tids Informationsbureau" verantwortlich. In ihr begegnet man allen einschlägigen, aus faschistisch orientierten Kreisen bekannten Argumenten. Das berüchtigte Gutachten des Oberstleutnant Fleischhauer im Berner Prozess 1935 wird darin ebenso zitiert, wie die Passagen über die Bibelforscher aus dem „Handbuch zur Judenfrage" von Fritsch, oder Kuptsch sogenannte „Aufklärung" und was dergleichen einschlägiges noch mehr ist. Nach „Jehovas Vidner" haben die Zeugen Jehovas Propagandafilialen in allen „demokratischen" Ländern (Anführungsstrich im Original). Und die „Zionistischen Protokolle" seien deren staatspolitisches Programm („Jehovas Vidner" S. 7). Gerecke wird die Ehre zuteil, mit seinem Satz zitiert zu werden, dass die Zeugen Teil der asiatischen Mammonsreligion, ein Pestherd des internationalen Judentums, und heimliche und scheinheilige Bolschewisten seien. Ebenda S. 11.

[162] Gerecke, Karl „Der Christ und die Sozialdemokratie", Braunschweig 1916.

[163] Ebenda S. 103.

[164] Ebenda S. 194.

[165] Auf der gleichen Linie liegt auch seine gleichfalls 1916 erschienene Schrift „Wir Deutsche im Kampfe um die Ideale. Vortrag gehalten in den Kammersälen in Berlin". Braunschweig 1916. Auf Seite 7 kann man lesen:

„Mit welchem Bewusstsein und welchem Gewissen aber sollen unsere Krieger ins Feld ziehen, mit welchem Frieden im Herzen fürs Vaterland fallen und sterben, wenn eine innere Stimme ihnen sagt: 'Ich habe Jesum verleugnet?' Auf der Seite 8 antwortet er auf seine selbstgestellte Frage: 'Dies ist das Thema, von dem wir zu reden haben: Das Unrecht, dass durch eine eingebildete Wissenschaft nicht nur an Jesus, sondern zugleich an den Seelen und Gewissen der Völker und insbesondere des Krieges begangen wird.'"

[166] Gerecke, Karl „Biblischer Antisemitismus", München 1920 S. 8.

[167] Gerecke, Karl „Deutschkritischer Gottesgeist", Leipzig 1931, S.8.

[168] Ebenda S. 9,

[169] Vgl. auch seine maßlosen Formulierungen:

„Die 'Ernsten' 'Bibel' 'Forscher', die Pest-Boten der asiatischen Mammonsreligion, sind die heimlichen verkappten Bolschewisten des internationalen Judentums. Ihre Schriften, das Satanischste unter der Sonne … Diese 'Ernsten' 'Bibel' 'Forscher' machen sich die Blindheit der „fundamentalistischen Geistlichkeit" gründlich zunutze, indem sie ganz auf deren 'fundamentalistischen' Geistesboden treten und in deren judenchristlicher Art ewig von den 'harmonischen Wahrheiten der Bibel' reden, aber nur um auf diesem Schleichwege das ganze Neue Testament mit dem Sauerteig ihres allein maßgeblichen alttestamentlichen Sadduzäismus 'harmonisch' zu durchsäuern, so das der neutestamentliche Gottes Heiland Christus als 'Satan' am Pranger steht." Gerecke, Karl „Die Gotteslästerungen der 'Ernsten' 'Bibel' Forscher'", Leipzig 1931 S. 163; sowie „Zum Geleit" (ohne Seitenangabe).

[170] Vgl. zu Kuptsch: „Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes" Band 26, Göttingen 1971 S. 201f.

Zu seinem „Balanceakt", den von vielen kirchlichen Kritikern des Nationalsozialismus besonders angegriffenen Alfred Rosenberg betreffend; vergleiche dazu die Ausführungen von Kuptsch im „Deutschen Pfarrerblatt" 1932 S. 631, 632. Kuptsch, war zugleich NSDAP-Mitglied.

Vgl. auch seine 1931 veröffentlichte Polemik: „In die gleiche jüdisch-marxistische Kerbe schlagen auch die selbstgerechten und 'frommen' Konventikelchristen und Sektierer, die sich allein für die Auserwählten' halten und von der Welt, vom Volk und Vaterland absondern, um deren Schicksal sich nicht kümmern und nur für ihr eigenes Seelenheil sorgen zu müssen glauben. Mit diesem Vorurteil räumen wir Nationalsozialisten nun gänzlich auf. Christus und sein Wort gehören und müssen in das gesamte öffentliche Leben hinein."

Kuptsch, Julius „Revolution der Religion", Riesenburg 1931 S. 4.

[171] Kuptsch, Julius „Die törichsten Irrlehren im Lichte des Evangeliums", Königsberg 1928 S. 24.

[172] „Völkischer Beobachter" 11. 3. 1931.

[173] Als Reaktion auf die Zusendung des Jonak'schen Zeugenbuches.

[174] Wiener Library (Tel Aviv) Freyenwald-Collection.

[175] Ebenda.

Vgl. zu diesen biographischen Aspekt auch: Gerecke, Karl „Deutschkritischer Gottesgeist", Leipzig 1931 S. 151. der anmerkt, dass Kuptsch „6 Jahre Pharmazeut, dann Theologe, im Weltkriege baltischer Kultusminister in Riga" gewesen sei, „der als stellvertretender Ministerpräsident den Befehl unterschrieb, der den Grafen von der Goltz ermächtigte, mit den deutschen Truppen Riga dem Henkerregiment der Bolschewisten zu entreißen, was am 22. Mai 1919 auch geschah."

[176] Scheinmann, M. M. (Hrsg.) „Antireligiöses Lehrbuch", Engels (UdSSR) 1940 S. 337.

[177] Kuptsch, Julius „Mit Hitler zur Volksgemeinschaft und zum Dritten Reich. Mit Christus zur Glaubensgemeinschaft und zur Dritten Kirche", Heiligenbeil 1934 S. 84.

[178] Vgl. Norden, Albert „Zwischen Berlin und Moskau. Zur Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen" Berlin 1954 S. 249.

[179] Kuptsch, Julius „Christentum im Nationalsozialismus", München 1932 S. 34.

[180] Kuptsch, Julius „Aufklärung über die 'Ernsten Bibelforscher', Tilsit 1927 S. 24, 25.

[181] Ebenda S. 38, 39.

[182] Ebenda.

[183] Scheurlen, Paul „Die Sekten der Gegenwart". Von 1912 bis 1930 in vier Auflagen erschienen.

[184] Von 1922 bis 1933 in 3 Auflagen erschienen.

[185] Ausgabe von 1930 (191.-210 Tausend).

[186] Scheurlen, Paul „Kleines Sektenbüchlein", Stuttgart 1921 S. 27.

[187] Braeunlich, Paul „Leo Taxils weltgeschichtlich denkwürdige Schelmenstreiche" Bd. 3, Camburg 1925 S. 182.

[188] Braeunlich, Paul „Sundar Singh in seiner wahren Gestalt", Dresden 1927 S. 157.

[189] Braeunlich, Paul „Die ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Religionsspötter", Leipzig 1926 S. 4.

[190] Ebenda S. 21.

[191] Ebenda S. 22.

[192] Rohkohl „Erfolglose Bibelforscherbekämpfung" in: „Der Geisteskampf der Gegenwart" 1928 Nr. 5 S. 190.

[193] Ebenda S. 191.

[194] Fetz, August „Der große Volks- und Weltbetrug durch die 'Ernsten Bibelforscher'", Hamburg 1921 S. 4.

[195] Grimpen, Albert „Antisemitismus und Christentum - lassen sie sich miteinander vereinen?", Hamburg 1919 S. 1.

[196] Ebenda S. 80.

[197] Auch ihr Erbe Hitler vermied diesen offenen Kampf - jedenfalls nach seiner Lesart. Faktisch war der Hitlersche Kirchenkampf, denn schon alles andere als nur ein „indirekter".

[198] Fetz, Weltbetrug S. 25.

Bearbeitungsstand: 01. 06. 1999.

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