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Das Vollendete Geheimnis

die auf die Einigung der ganzen Christenheit und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen mit der anglikanischen Kirche, der englischen Staatskirche, abzielt. Eine veröffentlichte Ankündigung eines solchen Programms wird bald vom römischen Stuhl erwartet. Dr.Palmieri sagte, die neue Bewegung, wie sie in den bei ihm eingetroffenen Briefen beschrieben sei, verfolge besonders den Zweck, eine Wiedervereinigung der griechisch = katholischen Kirche und des Papsttums herbeizuführen und eine gründliche Neuprüfung betreffs der Gültigkeit der anglikanischen oder Episkopalordination vorzunehmen, die in abschlägigem Sinne in einer päpstlichen Bulle von Papst Leo X. entschieden war. Das Interesse des Papstes an dem Problem christlicher Einheit soll, wie es heißt, ein stärkeres und regeres geworden sein, seitdem ein kürzlich von der amerikanischen Episkopalkirche ins Werk gesetzter Weltkongreß sich lebhaft und in befürwortender Weise mit dieser Frage beschäftigt hat.

"Indem Dr.Palmeri die ihm von Rom zugegangenen Nachrichten gedrängt zusammenfaßte, gab er, unter Hinzufügung eigenen Kommentars, folgende Darstellung der Sachlage: "Der neue Papst hat sich ganz erheblich an den Bemühungen neutraler Nationen, Frieden unter den Völkern herbeizuführen, beteiligt. Der Vatikan ließ sich hierzu nicht nur von den Beweggründen reiner Menschlichkeit leiten, sondern auch von dem Wunsch und Streben nach christlicher Einheit, und von dem Verlangen, einem Konflikte ein Ende zu machen, der seit langem christliche Kirchen voneinander getrennt hielt. Die Bemühungen des Papstes Leo XIII., die ganze Christenheit wieder durch ein gemeinsames Band zu vereinigen, wurden kurzer Hand von seinem Nachfolger, Pius X., zum Stillstand gebracht, der es auf innere Reform der katholischen Geistlichkeit abgesehen hatte und seine ganze Energie darauf verwandte, der immer mehr um sich greifenden modernen Philosophie [höhere Kritik und Evolution] den Garaus zu machen. Sein Nachfolger, Benedikt XV., hält die Zeit für gekommen, die von Leo XIII. eingeleitete Politik wieder aufzunehmen, und ebenso hält er dafür, daß die Begründung eines politischen Friedens der erste Schritt in der Richtung sein würde, eine weitere Zersplitterung der Christenheit in eine größere Zahl von Sekten zu verhindern. Der Vatikan steht unter dem Eindruck, daß die orthodoxen Slawen sehr bald dazu berufen sein werden, einen Anteil an dem Leben westlicher Nationen zu nehmen, seien es Protestanten oder Katholiken, und daß es notwendig ist, zu einem Einvernehmen mit ihnen zu kommen, um Übeln vorzubeugen, die eine Folge religiöser Unduldsamkeit sind. Die neu geplante Kommission von Kardinälen wird dem Sehnen

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