Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Elternrecht

Über einen Schlussendlich vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz gelandeten Fall, berichtete die Zeitschrift „Ehe und Familie im privaten und öffentlichen Recht" in ihrer Ausgabe vom März 1957. Ein Handwerksmeister, mit der Berechtigung Lehrlinge auszubilden (offenbar den Zeugen Jehovas zugehörig), sah sich mit dem Umstand konfrontiert, dass ein höherer Verwaltungsbeamter, dessen Tochter bei dem Handwerksmeister in einem Lehrverhältnis stand. Dass der Verwaltungsbeamte erreichen wollte, dass dem Handwerksmeister das Recht aberkannt werde, weiter Lehrlinge ausbilden zu können. Da der Fall durchaus auch existenzielle Implikationen beinhaltet, zog er sich durch einige Gerichtsinstanzen hin.

In der abgedruckten Urteilsbegründung des Oberverwaltungsgerichtes in dem Fall liest man dann:

„Jede nicht mit dem Willen der Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten in Einklang zu bringende religiöse Beeinflussung der Lehrlinge durch den Lehrherrn oder mit seiner Duldung durch dritte Personen, stellt einen sehr schwerwiegenden Eingriff sowohl in die grundrechtlich geschützte Persönlickeitssphäre des Lehrlings als auch in das natürliche Recht der Eltern auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder dar. …

Aufgrund des Ergebnisses der Beweisaufnahme ist der erkennende Senat der Überzeugung, daß die Lehrmädchen durch die Angehörigen (des Handwerksmeisters) fortlaufend und systematisch gegen den Willen ihrer Erziehungsberechtigten im Sinne der 'Zeugen Jehovas' beeinflusst sind. Es handelte sich dabei wie die Beweisaufnahme vor dem Senat mit aller Deutlichkeit gezeigt hat, nicht um gelegentlich unverfängliche Unterhaltungen über religiöse Probleme, sondern um Zweck- und zielbewußte Bekehrungsversuche unter Mißbrauch des nach Lage der Dinge im Betrieb vorherrschenden Autoritätsverhältnisses zwischen den Lehrlingen und dem (Handwerksmeister) bzw. seinen Angehörigen.

Zwar ist der … bei den Beeinflußungsversuchen selbst weniger in Erscheinung getreten; die treibende Kraft waren seine Angehörigen. Dieser Umstand kann ihn) jedoch nicht entlasten."

1957er Rückblick zur Zeugen Jehovas Geschichte

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