Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Kampf den "Röteln"

Wer die umstrittene DDR-Publizistik über die Zeugen Jehovas im Detail kennt, der weiß, dass sie ein Lieblingsthema bis zum "erbrechen" hochkochte. Das war dann der vermeintliche Nachweis, dass Jehovas Zeugen militante Antikommunisten seien. Antikommunisten, politisch gesehen, waren sie sicher. Bei "militant" setze ich aber schon Fragezeichen, dieweil mir tatsächliche militante Antikommunisten bekannt sind. Und im Vergleich zu denen, sind die Zeugen Jehovas nur "Waisenknaben". Es war schon bezeichnend. Die Zeugen Jehovas-Berichterstattung über den 17. Juni 1953, haben die "Antikommunistenriecher" der DDR in keiner Weise kommentiert. Dieser Fakt wurde schlichtweg ausgeblendet. Da gab es aber zur gleichen Zeit in der WTG-Literatur auch noch einen Bericht über Brasilien. Auf ihn hingegen stürzten sie die DDR-"Antikommunistenriecher" förmlich wie die Aasgeier. Nachstehend einiges dazu:

Ab 1953 erschien seitens der Zeugen Jehovas auch in Deutschland, wie schon davor in der Schweiz, auch ihre zweite Zeitschrift "Erwachet!" In deren Ausgabe vom 8. 4. 1953 gab es auch mal einen Artikel, denn die ostdeutsche Publizistik mit zum "Kronargument" für ihre vorstehende These hochjubelte.

Er sei nachstehend einmal etwas ausführlicher zitiert. So kann sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden. Meine dazu, habe ich schon vorstehend genannt.

"Hammer und Sichel über Brasilien

Vom "Erwachet!"-Korrespondenten in Brasilien

Lange hat die Regierung tatenlos zugeschaut, obschon sie darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die kommunistische Partei Brasiliens die größte und einflußreichste der westlichen Hemisphäre sei. Ihre Stärke wurde ersichtlich bei den freien Wahlen des Jahres 1945, nach der Amtsenthebung von Vargas, als der kommunistische Kandidat, Yeddo Fiuza, über 500 000 Stimmen auf sich vereinigte, und auch wieder als sie für ihren 'Friedens'-Appell nicht weniger als 2 500 000 Unterschriften zusammenbrachten.

Obschon die Partei seit dem Jahre 1947 verboten ist, beherrschen die Kommunisten immer noch über 100 Vereinigungen mit ganz verschiedenen Bestrebungen, wie zum Beispiel die Ächtung der Atomwaffen, auch Quartierkomitees zur Bekämpfung hoher Lebenskosten usw. Sie haben nun 400 Gewerkschaften für die Bauern, für je drei Plantagen ungefähr eine. Sie wird auch als die reichste Partei Brasiliens betrachtet.

Aber kürzlich wurden doch auf Grund scharfer Zeitungsartikel und politischer Meinungsverschiedenheiten in der Armee energische Schritte unternommen. Im Mai des vergangenen Jahres setzte Präsident Vargas den Kriegsminister General Estilac Leal, der die kommunistischen Führer begünstigt und gestützt hatte, ab und ernannte an seiner Statt General Cardoso, der unverzüglich begann, die Armee von kommunistischen Offizieren zu säubern. Über dreißig 'rote' Offiziere wurden aus der Armee ausgestoßen.

Rote Führer werden ausgehoben

Einige von diesen bekleideten hohe Ämter, wie zum Beispiel Major Julio Sergio, der von anderen Kommunisten als einer der roten Führer identifiziert wurde. Er soll der zweite nach Luiz Carlos Prestes, gewesener Senator und aktiver Leiter der P. C. B. (Partido Communista do Brasil), sein, der außer Landes geflüchtet sein soll. Major Julio hätte versuchen sollen, die Leitung der Armee in die Hand zu bekommen. An geheimen Versammlungen begrüßten sich die Vertrauensleute der Partei mit falschen Namen - der Deckname Major Julius war 'Johann'. Andere Verhaftete führten Decknamen wie 'Abel', 'Walter', 'Josua' und einer wurde sogar in gotteslästerlicher Weise 'Jehova' genannt. Alle gaben ohne weiteres zu, daß sie für die kommunistische Partei arbeiteten, aber aus Furcht vor der 'Partei' unterzeichnete keiner von ihnen sein Geständnis. Gefälschtes Geld wurde gefunden, das die brasilianischen Roten gedruckt und verwendet hatten, um ihre Propagandafeldzüge zu finanzieren.

Ein anderer Führer, Joao Vito Raymondo, der den größten Teil seines Lebens damit zugebracht hatte, die Faschistenjugend Italiens zu drillen, wurde von der brasilianischen Polizei auf der Straße verhaftet. Er versuchte das Volk gegen die Wachen aufzuhetzen, indem er rief: 'Ich bin ein Soldat des Friedens! Ich bin gegen die Amerikaner, die unser Land versklaven wollen! Deshalb werde ich eingesperrt!'

Aber anstatt die Herumstehenden zu bewegen, sich für ihn einzusetzen, erreichte er das gerade Gegenteil: alle halfen, ihn in das Polizeiauto zu stoßen, das ihn abholen kam.

Es zeigte sich, daß, wo immer man im Staatsapparat einen Stein wegwälzte, die 'roten Käfer' des Kommunismus davonflizten, um Deckung zu suchen. Aber man ist allgemein der Ansicht, daß es noch mehr Steine wegzuwälzen gibt, ehe man all die rotgefärbten 'Genossen' gefunden haben wird, die sich in der ganzen brasilianischen Verwaltung eingenistet haben.

Kampf den 'Röteln'

Der Kreuzzug gegen den Kommunismus fand natürlich am meisten Unterstützung bei der Römisch-katholischen Kirche, die die rote Plage am stärksten fürchtet. Auch protestantische Organisationen warnten ihre Gläubigen davor, dem röteln kranken Säugling nahe zu kommen. Aber in Orten wie Rio Grande do Sol, mit einer großen slawischen Bevölkerung, gibt es Gemeinden, die politisch geteilt sind. Die Antikommunisten zeigen sich besonders besorgt, weil einige der von den Bolschewisten inspirierten Propagandafeldzüge tatsächlich vom Erfolg gekrönt waren. So vermochte das Schlagwort 'Das Erdöl gehört uns', das man in ganz Brasilien hörte, die öffentliche Meinung Brasiliens so zu beeinflussen, daß ausländische Firmen von der Ausbeutung brasilianischer Ölvorkommen ausgeschlossen wurden. Obschon Brasilien den gemachten Schätzungen ein Sechstel aller Erdölvorkommen der Erde besitzt, produziert es täglich nur 85 000 Faß. Es verbraucht jedoch über 100 000 Faß täglich, was bedeutet, daß es jährlich Erdöl im Werte von 270 Millionen Dollar einführen muß.

Seitdem die 'Partido Communista' verboten wurde, haben die Roten in Brasilien eine Schmierkampagne großen Stils durchgeführt, indem sie im ganzen Lande auf Wände, Bürgersteige und Zäune Schlagwörter und Zeichnungen mit Pech und weißer Farbe schmierten. Einige dieser Schlagworte lauteten zum Beispiel: 'Schickt eure Söhne nicht nach Korea!', 'Herunter mit den hohen Lebenskosten!', 'Hinaus mit den Yankee-Imperialisten!', 'Es lebe Stalin, der Kämpfer für den Frieden!' usw. An vielen Orten waren neben den Worten auch die Parteisymbole, Hammer und Sichel, hingemalt worden. Der 'Hammer-und-Sichel'-Gefolgschaft ist schwer beizukommen gewesen, weil sie sich hinter freiheitsliebende demokratische Führer stellte und die unterstütze, die willens waren, mit ihnen zusammen zu gehen, um die Volksmassen für sich zu gewinnen. Viele sogenannte Christen halten das Parteiprogramm für gut, nachdem sie von den Kommunisten hörten, daß 'Christus der erste Kommunist' gewesen sei und daß 'die Apostel mithalfen den Kommunismus zu organisieren.' Daher erhalten die Kommunisten, obschon sie verboten sind und obschon sie im Verborgenen arbeiten, immer neue Anhänger, drucken Zeitungen, unterstützen Gewerkschaften, verteilen Propagandaschriften und bauen ihre Stellung aus, besonders in den drei Staaten Sao Paulo, Dernambuco und Rio Grande do Sol, wo sich vier Fünftel des brasilianischen Wirtschaftslebens abspielen. Dies hat die Regierung angespornt, dieses politische Krebsübel energischer zu bekämpfen.

Vertreter der Regierung machen Jagd auf russische Spione, die fortwährend und mit großer Gewandtheit ihr Handwerk betreiben. Dabei benützen sie keine Radiosender oder Morsezeichen wie die Nazis in Brasilien während des vergangenen Krieges, weil damals viele erwischt wurden, nachdem ihre Schlupfwinkel mittels starker Radiostationen aufgestöbert worden waren. Dafür kommen sie vorübergehend als Matrosen, Wissenschaftler, Flüchtlinge usw. Ins Land, bringen Weisungen vom Kreml und nehmen Berichte und Dokumente mit, die ihnen von brasilianischen Spionen ausgehändigt werden.

Manche Angehörige der Armee, der Marine und der Luftwaffe müssen sich vor Gericht verantworten. Die Tageszeitung von Rio, 'Correio da Monha' (vom 4. Oktober 1952), meldete, daß fünfzehn Militärpersonen vor Gericht zu erscheinen hätten und daß ihre Anwälte vergeblich zu erwirken suchten, sie von einem Zivilgericht und nicht von einem Militärgericht aburteilen zu lassen. 'Diario de Noite' (vom 7. Oktober 1952) meldete, daß ein angeblich antikommunistischer Spion namens Eugen Moskovin, genannt Eugen Lorier, der im Dienste des brasilianischen Geheimdienstes stand, als Sowjetagent entlarvt worden sei. Und die Zeitung 'O Globe' (7. Oktober 1952) schrieb, daß die Roten auf Calixto einen verborgenen Flughafen besitzen. Calixto ist eine 162 ha große Insel mitten im Rio Grande, der zwischen Minos und Sao Paulo durch die kommunistenverseuchte Gegend von Triangulo Mineiro fließt. Man glaubt, dies sei das Hauptquartier der Partei, und die Bundesbehörden haben bereits eine Untersuchung jenes Ortes durch die Armee angeordnet. Weitere Enthüllungen werden im laufe des antikommunistischen Feldzuges bestimmt noch folgen.

Aber kein Kreuzzug, den Menschen durchführen, kann politische Intrigen und ehrgeizige Parteiherrschaft ausrotten noch die Ursachen der Unzufriedenheit des brasilianischen Volkes oder der anderen Völker der Erde beheben. Törichte, hochmütige Männer wählen sich ihre Kampffarben: der Nazismus braun, der Faschismus schwarz, der 'Hammer-und-Sichel'-Ismus rot und der brasilianische 'Integralismus' grün. Sie können alle Regenbogenfarben wählen, die sie wollen; sie werden doch besiegt und untergehen! … Nur Jehovas theokratisches System unter der Leitung Christi wird der Welt helfen können, und er allein wird siegreich aus Harmagedon hervorgehen zur Ehre Jehovas!"

1953er Rückblick zur Zeugen Jehovas-Geschichte

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