Der vorangegangene Jahrgang   1947

Vor (mehr als) 50 Jahren

Was 1948 Wahrheit war

„Eitle Anstrengung"

Schon in der ersten Wachtturmausgabe des Jahres 1948 konnte man den programmatischen Satz lesen (S. 4): „Sie haben die zuverlässige Verheißung aus Gottes Wort der Prophezeiung, dass sein mächtiger König den furchtbaren Wirrwarr der menschlichen Angelegenheiten in Ordnung bringen wird, und dies mit mehr als nur menschlicher Macht und Weisheit. Diesem Glauben entsprechend, beteiligen sie sich nicht an den eitlen Anstrengungen der politischen, kommerziellen und religiösen Bewegungen der Weltmenschen, die darauf abzielen, diese Welt vor ihrer Vernichtung zu erretten. Sie beteiligen sich an keinem revolutionären Gewaltakten gegen die politischen Parteien, Religionsorganisationen oder bestehenden Regierungen dieser Welt."

Schweizer Visite

Der seinerzeitige deutsche WTG-Repräsentant Paul Balzereit, klagte in einem Rückblick einmal, dass er bei den einmal jährlich stattfindenden Visitationen des US-amerikanischen WTG-Präsidenten, er sich hässliche Vorhaltungen anhören musste. Diese Erfahrung sollten nun auch die Schweizer Zeugen Jehovas machen. Der neue WTG-Präsident N. H. Knorr lies bei seiner ersten Visite laut „Wachtturm" (1948 S. 31 ) bemängeln:

„Die Tatsache, dass die Schweizer Geschwister im Jahre durchschnittlich nur etwa sechs gebundene Bücher pro Verkündiger absetzten, hatte schwerlich dazu beigetragen bei den Leuten viele solcher Heimbibelstudien einzuführen. Jahrelang ist nun die Zahl der Verkündiger in der Schweiz - im Gegensatz zu der großen Zunahme der Verkündigerzahlen in andern Ländern - ziemlich gleich geblieben. Nicht fest und unzweideutig genug haben sie in der breiten Öffentlichkeit Stellung bezogen, um sich als wahre Bibelchristen auszuweisen. Das ist offenbar der Fall gewesen in der Frage der Neutralität hinsichtlich der Angelegenheiten und Streitigkeiten dieser Welt; im Gegensatz zum Standpunkt eines pazifistischen Dienstverweigerers aus Gewissensgründen, und auch in der Frage, ob sie die wirklichen von Gott verordneten Diener oder Prediger seines Evangeliums seien oder nicht.

Zum Beispiel nahm es das Schweizer Büro auf sich, in der Ausgabe des Trost vom 1. Oktober 1943 (Schweizer Ausgabe von Consolation), also während der zunehmenden Bedrängnis des letzten Weltkrieges, als die politische Neutralität der Schweiz bedroht zu sein schien, eine Erklärung zu veröffentlichen, in welcher ein Satz wie folgt lautet:

'Hunderte unserer Mitglieder und Glaubensfreunde haben ihre militärischen Pflichten erfüllt und erfüllen sie weiterhin.'

Diese einlullende Erklärung hatte sowohl in der Schweiz als auch in gewissen Teilen Frankreichs Beunruhigung hervorgerufen. Unter herzlichem Beifall legte nun Bruder Knorr als Präsident mutig dar, dass diese Worte der Erklärung abgelehnt werden, weil sie nicht die Stellung der Gesellschaft dartun und nicht in Harmonie sind mit den christlichen Grundsätzen, wie sie in der Bibel deutlich enthalten sind. Jetzt war die Zeit für die Schweizer Geschwister gekommen, vor Gott und seinem Christus ein Bekenntnis abzulegen, und als Antwort auf Bruder Knorrs Einladung, sich zu äußern, erhoben viele Geschwister die Hand, um alle Zuschauenden wissen zu lassen, dass sie ihre stillschweigende Zustimmung zu dieser Erklärung von 1943 zurückzuziehen und diese in keiner Weise mehr zu unterstützen wünschen."

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen gab Knorr dann noch die Anweisung, denn Literaturverkauf von WTG-Schriften an den Haustüren zu intensivieren und sich auch nicht durch Vorschriften über die Regelung des Hausiergewerbes beeindrucken zu lassen.

Der Wachtturm vermerkt dazu: „Wenn nötig, soll der Kampf bis zum Gericht höchster Instanz geführt werden. ... Ein langer Kampf vor den Schweizer Gerichten mag sich ohne Zweifel entwickeln; aber wir werden die Sache durchführen, so wie dies schon in den Vereinigten Staaten mutig getan wurde." (S. 32)

Diese Ausführungen offenbaren etwas von der damaligen Stimmungslage. Nicht so sehr die Schweiz sollte sich in der Perspektive zum „Kriegsschauplatz" entwickeln. Aber die gleichen Grundsätze wurden auch auf andere Verhältnisse schematisch übertragen. Und siehe da, in Ostdeutschland kam es diesbezüglich zum wirklichen, faktischen Krieg!

Die weltpolitische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg

aus der Sicht der Zeugen Jehovas

Unter der Überschrift: „Was hat Russland vor?" veröffentlichte die Zeugen Jehovas-Zeitschrift „Erwachet!" (8. 5. 1949) einen programmatischen Artikel, der in besonders signifikanter weise die weltpolitische Lage aus der Sicht der Zeugen Jehovas referiert:

„Angst vor Bürgerkriegen und Anarchie macht sich breit. Auch von einem dritten Weltkrieg wird in hohen Regierungskreisen ganz offen gesprochen, schon jetzt, wo überall noch die Trümmer der letzten Kriegsverheerungen umherliegen und die in diesem Ringen umgekommenen noch nicht einmal ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Politische Führer von internationalem Ruf dringen darauf, Deutschland als Puffer gegen Russland im Westen wieder stark zu machen, und ebenso Japan als Puffer gegen Russland im Osten. Manche bezeichnen es sogar als tragischen Fehler, von den Naziverbrechern, ihren faschistischen Trabanten und den japanischen Kriegsheeren die bedingungslose Kapitulation gefordert zu haben, weil durch die völlige Niederlage Deutschlands und Japans in weite Gebiete Europas und Asiens die rote Flut hereingelassen worden sei. In den Demokratien scheinen also manche Staatsmänner der Ansicht zuzuneigen, die demokratische Welt hätte lieber mit Hitler gegen den Kommunismus, statt mit den Kommunisten gegen Hitler kämpfen sollen. Welch unglaublichen Meinungsumschwung bringen diese gefährlichen Zeiten doch mit sich!

So dringt von allen Seiten die Frage auf uns ein: Warum haben sich die Wege der drei Großmächte, Amerika, Großbritannien und Russland so schnell getrennt? Haben sie nicht vor kurzem noch gemeinsame Sache gemacht gegen den Faschismus? Kämpften sie nicht auf Zehntausenden von Kilometern Frontlinie gegen einen gemeinsamen rücksichtslosen Feind, den sie auf Kosten eines Riesenaufwandes an Material, finanziellen Mitteln und Menschenleben niederrangen? Ist nur Russland schuld an der jetzigen Zweiteilung der Welt, die den Frieden erneut bedroht?

Aus den Ratssälen geht zuweilen an Hysterie grenzende Propaganda hinaus in alle Welt. Ihre geschickten Schlagwörter und kriegerischen Lösungen sind darauf berechnet, die schläfrigen Massen zu neuen Ausbrüchen rasenden Hasses gegen andere Völker und Gruppen aufzupeitschen. In der westlichen Welt steigern sich im Chor die Haßgesänge gegen die kommunistische Gefahr, bis alle Vernunft und jedes gesunde Wort im Getöse der von Panik ergriffenen Masse untergeht. Dem Verfolgungswahn verfallen, sieht man rot auch dort, wo in Wirklichkeit alle anderen Farben vorhanden sind. Freiheitsfeindliche Elemente beuten den Kommunistenschreck dafür aus, alle als kommunistisch zu verschreien, die dem Mann aus dem Volke sein anständiges Auskommen wünschen, oder die gegen irgendeine imperialistische Regung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens Stellung nehmen, oder die auch nur sagen, dass der Faschismus immer noch sehr lebendig ist und sich wieder zu einer größeren Gefahr für den Weltfrieden entwickeln könnte als der Kommunismus.

Aber auch der sphinxhafte Kreml lässt seine Propagandamaschine auf höchsten Touren laufen und überschüttet seine einstigen Verbündeten mit Schimpfkanonaden und bösartigen Verdächtigungen. Nimmt es einen da wunder, dass Menschen in allen fünf Erdteilen von den Propagandathesen entweder der einen oder der anderen Seite dieser entzweiten Welt hypnotisiert sind?

Wer die Weltgeschichte vorurteilsfrei beurteilen möchte und dementsprechend seine eigene Meinung zum Ausdruck bringt, riskiert heutzutage in manchen Ländern, so auch in den Vereinigten Staaten, seine Anstellung. Hinweise darauf, dass die USA in ihrer Außenpolitik faschistische Mächte begünstigen, nur um Russland Einhalt zu gebieten, und dass die katholische Hierarchie einer freiheitsfeindlichen Einstellung huldigt und die Demokratien in dieser Richtung zu beeinflussen sucht - solche Hinweise sind keineswegs kommunistisch, bringen aber den, der in den Vereinigten Staaten derartige Äußerungen wagt, in den Ruf, ein Kommunist zu sein und setzen ihn einer politischen Inquisition aus, bei der der Angeklagte von vornherein als schuldig gilt und sich hernach weder angemessen verteidigen darf, noch eine unparteiische Untersuchung in aller Öffentlichkeit zugestanden bekommt. Das wäre der Charakter der 'Loyalitätsprüfungen', die Präsident Truman nicht nur für zwei Millionen Bundesangestellte gefordert hat, sondern die auch auf Privatbetriebe übergreifen. Oft fürchten sich die Richter, in solchen Fällen einen Angeschuldigten freizusprechen, um sich nicht selbst verdächtig zu machen.

In der Vorhut der antikommunistischen Kreuzfahrer marschiert die allgegenwärtige römisch-katholische Hierarchie. Sie entfacht in ihrer leichtgläubigen Gefolgschaft Fiebergluten der Kriegshysterie. Durch ihre früheren Taten ist sie bekannt als Züchterin des Hasses und als Kriegsschürerin. All die vielen bewährten, listigen und schlauen Mittel werden angewandt, um die niedrigsten Leidenschaften unwissender Menschen in Wallung zu bringen und ihre Vorurteile wachzurufen; denn es gilt, die Weltmeinung gegen Russland zu mobilisieren. Die Hochfinanz, die politischen Lakaien, die eine eingeschüchterte und willfährige öffentliche Presse und das ganze gesinnungslose Heer derer, die ihren Mantel nach dem Winde hängen und stets zu Kupplerdiensten für die geistig prostituierten Religionisten bereit sind - all diese Knechtsseelen, die nur an ihre persönlichen und politischen Interessen denken, beugen ihre Knie vor jener alten 'Mutter der Huren und dem Greuel der Erde.'

Sie alle scheinen bereit, sich mit ihr ins Bett des Faschismus zu legen. Doch dafür verlangt sie ihren Preis; man muss sich ihr im internationalen Katzengejammer gegen Russland anschließen. Es ist klar, dass die katholische Hierarchie in der Sowjetunion ihren stärksten Konkurrenten bei der Hetzjagd um die Weltherrschaft erblickt. Das totalitäre freiheitsfeindliche kommunistische Russland könnte ja vielleicht wie ein Vandale in die grünen Weideplätze der Hierarchie eindringen und die Reichtümer, welche die Hierarchie von Millionen Menschen auf unrechtmäßige Weise erworben hat, in seinen Besitz bringen. Die römisch-katholische Hierarchie ist entschlossen, unter den Nationen ans Ruder zu kommen, und will sich auf dieser Bahn von niemand aufhalten lassen.

Russland ist ihr im Wege, und sein Einfluss auf das Weltgeschehen muss darum auf ein Minimum reduziert oder aber mit den Zielen der katholischen Aktion in Einklang gebracht werden. Andernfalls bleibt nur das weitere Mittel, den Kommunismus weltweit zu verfemen.

Aus einleuchtenden Gründen wird ein kommunistischer Umsturz von der Hochfinanz ebenso gefürchtet wie von der kapitalistischen katholischen Hierarchie. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass der Kommunismus und der Katholizismus auf dieselbe Sache erpicht sind. Sie sind beide totalitär und greifen beide zu Inquisitionsmethoden, um sich die Völker zu unterjochen. Nur darin besteht ein Unterschied, dass Russland mit eigenen Streitkräften viele seiner Ziele durchsetzen konnte, während sich die Hierarchie für ihr unsauberes Werk ein 'Schwert der Kirche' beschaffen muss.

In der Meinung, dass der unnachgiebige Kommunismus die Welt zu verschlingen droht, lassen sich die Demokratien beeinflussen, täuschen, verlocken und vergiften von den schlauen Sendlingen der katholischen Aktion, die sich mit ihren Lippen zur Demokratie bekennen, deren Herzen aber weit davon entfernt sind. Die internationalen Führer der Demokratie lassen sich dazu überreden, den Faschismus stillschweigend als das kleinere von zwei Übeln anzusehen. Unter katholischem Druck liebäugeln demokratische Länder mit dem despotischen Franco in Spanien, schmiegen sich an den faschistisch gesinnten Peron in Argentinien, stärken den freiheitsfeindlichen Regimes in China und Griechenland den Rücken, und was das schlimmste ist: sie flirten offen mit der römisch-katholischen Hierarchie, derselben Macht, die der unrühmlichen Achse Rom-Berlin eines Mussolini und Hitler zu Gevatter stand.

Dass den besiegten Achsenmächten die bedingungslose Kapitulation auferlegt wurde, machte das unheimliche Streben des katholisch-nazistisch-faschistischen Verschwörerbundes zur Unterjochung der Erde zunichte. Nach dem Fehlschlag dieses ungeheuerlichen Versuchs zur Erringung der Weltherrschaft führte die katholische Hierarchie in echt machiavellischer Missachtung ihres unheiligen Bündnisses mit Nazi und Faschisten, eine zweckbedingte, glatte Schwenkung aus und machte der Demokratie nun überschwengliche Liebeserklärungen. Die römisch-katholische Kirche setzt ihre machtvollen Propagandawerkzeuge jetzt innerhalb der Demokratien ein, verschafft ihren Anhängern staatliche und industrielle Schlüsselstellungen und schaltet durch einen Zermürbungsprozess allmählich den verfassungsmäßigen Widerstand der katholischen Aktion aus. So wird die Demokratie gefährdet. Zu diesem Zweck darf aber das Kriegsgespenst und die kommunistische Gefahr niemals dem Welthorizont entschwinden. ...

Weil alle Welt damit beschäftigt ist, über Russland und den internationalen Kommunismus Krach zu schlagen, können die Faschisten der öffentlichen Aufmerksamkeit unterdes völlig entgehen. Genau so ging es zum Schaden der Völker schon früher. ... Dieselbe Sache wiederholt sich jetzt. Die westliche Welt ist gegenüber den Gefahren des Kommunismus wachgerüttelt, scheint aber die wendigen Faschisten aus dem Augen verloren zu haben. Die verschlagenen Befürworter des Faschismus schreien 'Haltet den Dieb!', damit jedermann hinter den Kommunisten herjagt und der Faschismus ungestört die Beute einsacken kann. Darum tritt es immer klarer zutage, dass, wenn die außenpolitischen Wortführer der Demokratien gegen die bolschewistische Bedrohung geifern und gleichzeitig die Gefahr eines Wiederauflebens des Faschismus geringschätzig abtun, ja, wenn sie sogar das Vorrücken des Kommunismus durch merkwürdige, mit ein paar faschistischen Schnörkeln versehene Verträge abstoppen wollen, dies unweigerlich zu internationalen Reaktionen führt, die die Welt weiter erschüttern werden. Man inszeniert damit eine Drangsal, wie sie die Welt noch nie erlebt hat. ..."

„Besondere Fügung"

„Eine besondere Fügung des Herrn wird erkannt in der Evakuierung unserer Geschwister, welche die Ostprovinzen verlassen mussten, als die Polen diese besetzten. Viele Hunderte aus Schlesien und Ost- und Westpreußen verließen ihre Heimat und kamen nach den Westzonen. Telegramme um Ratschläge wurden von solchen Bedauernswerten, welche um ihr ganzes Hab und Gut gebracht worden waren, an die Büros der Gesellschaft gesandt. Einige äußerten Wünsche, möglichst geschlossen angesiedelt zu werden. Vom Büro wurde ihnen mitgeteilt, sie möchten dem Herrn vertrauen und ihre Ansiedlung völlig den Behörden überlassen. Sicher werde nichts ohne die Führung des Herrn geschehen, welcher ihr Los in der gleichen Weise zu gestalten vermag, wie in den Tagen der Urkirche, als die Zerstreuten umhergingen und das Wort verkündigten. So geschah es denn auch, dass die meisten dieser Geschwister in der englischen Zone, und zwar dort in den Schwärzesten katholischen Gegenden angesiedelt wurden.

Mehr als 1500 solcher treuen Zeugen des Herrn wurden allein aus Schlesien in diese stark katholischen Landstriche gebracht. Dort scheuchen sie nun als die Lichtträger des Königreiches die von der Hierarchie in den vergangenen Zeiten geschaffenen Nester auf und stören damit auch die Mönchlein und Pfäfflein in ihrem Schlummer. Deren Wehgeschrei kommt selbst den eifrigsten Kirchenanhängern schon verdächtig vor." („Jahrbuch der Zeugen Jehovas" 1948 S. 124)

Jugoslawien macht den „Vorreiter"

Das die nach 1945 an der Macht befindlichen Kommunisten auf die Zeugen Jehovas nicht „gut" zu sprechen waren, ist bekannt. Nüchtern betrachtet muss man sagen, dass DDR-Verbot war letztendlich ein Art „Schlusslicht". Andere Ostblockstaaten schlugen schon viel früher rabiat zu. Zu nennen wäre auch Jugoslawien, dass schon 1947 handelte. Ein Bericht darüber besagt:

„Während der Besetzung Jugoslawiens durch die Hitlerleute war das Werk verboten und die Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten. Auch jetzt stehen Jehovas Zeugen in Jugoslawien unter Verbot und sind für illegal erklärt. ... Die Regierung sucht das Werk endgültig zum Stillstand zu bringen, indem sie den Zweigdiener, Rudolf Kalle, zum Tode verurteilte und 17 andere Brüder festnahm und ins Gefängnis steckte. ... Gegen die Brüder wurden folgende Anklagen erhoben.

1) auf gewaltsamen Umsturz der Volksregierung und auf die Errichtung einer eigenen faschistischen Herrschaft hingearbeitet zu haben;

2) Theorien zu vertreten, die die Wehrkraft des Landes schwächen;

3) mit den Büros in Bern und Brooklyn in Verbindung zu stehen, von denen behauptet wurde, sie seien Faschistenzentralen, die auf einen dritten Weltkrieg hinarbeiten und Kriegsverbrechern aus dem Zweiten Weltkrieg Unterschlupf gewähren;

4) Landesverrat;

5) trotz Verbot ... Wachttürme gedruckt zu haben;

6) gesagt zu haben, Freiheit bestehe hier nur auf dem Papier, nicht in der Wirklichkeit.

Auf Grund dieser Anklagen wurden drei der Zeugen Jehovas zum Tode verurteilt, und zwölf weitere erhielten Gefängnisstrafen bis zu fünfzehn Jahren. Drei wurden freigesprochen. Die Verhandlung fand vor einem überfüllten Gerichtssaal statt. Einen Teil des Saals hatte man mit einer organisierten Jungmannschaft besetzt, Kindern im Alter von 8 bis 15 Jahren, die den Gerichtsentscheid Beifall spendeten. Die anderen vernahmen ihn voll Kummer, wagten aber nicht zu protestieren." („Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1948" S. 164)

Rechtlos

In der Zeitschrift „Für Arbeit und Besinnung", zitierte im Jahre 1948 (S. 48) der später durch sein Standardwerk „Seher, Grübler, Enthusiasten" bekannt gewordene Kurt Hutten, auch ein Flugblatt der Bibelforscherbewegung aus deren Anfangstagen. Darin wurde zur Organisationsstruktur ausgeführt:

„Wenn in irgend einer Stadt durch einen von der Wachtturm Bibel und Traktatgesellschaft arrangierten öffentlichen Vortrag eine Anzahl interessierter Personen den Wunsch haben, weiteres über Gottes Absichten und Liebesplan mit der Menschheit zu wissen, veranlasst die oben genannte Gesellschaft bzw. der von ihr Beauftragte Belehrungsabende, in welchen jedermann, der es wünschst, über Gottes Absichten unterrichtet wird. Die Folge dieses Unterrichts ist dann bald, dass in dem Herzen mancher der Unterrichteten der Wunsch nach beständiger Fortsetzung dieses Unterrichts lebendig wird, sodass diese zusammengekommenen Personen, aus allen Klassen sich zusammenfinden: Arbeiter, Handwerker, Dienstmädchen, Kaufleute, Beamte, Künstler, Akademiker, Gewerbetreibende, die auch den verschiedensten Denominationen und Bekenntnissen angehören, beschließen sich zu einer in Form eines Freundschaftsbündnisses gehaltenen Ortsgruppe von Bibelforschern zwanglos zu vereinigen. Sie gründen eine gemeinsame Kasse, in die sie ihre freiwilligen Beiträge tun, und wählen sich, sobald der Fortschritt dieser Kasse dies möglich werden lässt, einen nach der Schrift Befähigten Vorsitzenden bzw. Ältesten, und beteiligen sich nun ... an dem zwiefachen Werke der Bibelforscher der ganzen Welt: erstens der eigenen Auferbauung, zweitens der Belehrung anderer.

Damit ist eine Ortsgruppe Ernster Bibelforscher entstanden. Sie wird nirgendwo angemeldet oder in ein größeres bestehendes Hauptsystem oder einen Bund. Auch die zu dieser Gruppe Gehörenden werden weder nach Namen, Stand oder Wohnung eingereiht irgendwo eingetragen oder aufgezeichnet, sondern, so völlig freigestellt wie es jedermann ist, in diese Ortsgruppe zu kommen und sich in ihr zu betätigen, so völlig freigestellt bleibt es ihm auch, ohne jegliche Zeremonie seine Betätigung einzustellen und sich wieder zu entfernen."

Hutten kommentiert dazu: „Aus dieser Freizügigkeit folgert das Flugblatt, dass die Ernsten Bibelforscher keine 'Sekte' seien. Aber tatsächlich ist ihre Organisation doch wesentlich fester, ja geradezu nach dem 'Führerprinzip' aufgebaut."

Zu dem Zeitpunkt, wo Hutten jenes Flugblatt zitierte, war das in der Tat schon „Schnee von gestern" - wenn nicht sogar Schnee von „vorvorgestern". Die tatsächliche Praxis sah im Jahre 1948 ganz anders aus.

Die Zitrone wird ausgepresst und wenn sie keinen Saft mehr gibt, weggeworfen. An diesen Vergleich wird man unwillkürlich erinnert, wenn man in dem 1948 (in Deutsch) veröffentlichten Buch „Gott bleibt wahrhaftig" lesen konnte (S. 238):

„Jehovas Zeugen führen keine sogenannten Kirchenregister, so wie dies Religions-Organisationen tun. Doch führen sie Buch über die Predigttätigkeit aller Zeugen. Ein jeder erstattet regelmäßig Bericht über seine Predigttätigkeit, und die Organisation führt Buch über die Arbeit eines jeden Dieners des Evangeliums. Indes schließt man sich dadurch, dass man ein Zeuge Jehovas wird, keiner menschlichen Organisation an. ... Wenn irgend jemand, der so von Gott gezogen worden ist, mit Gottes Dienern auf Erden in Verbindung kommt, so anerkennt die Gesellschaft einen solch neuen Diener. Sie ermächtigt ihn, in dem Gebiet zu predigen, dass ihm ordnungsgemäß zugeteilt wird. Dass jemand bei Jehovas Zeugen ist, zeigt sich aus seinem Wirken als Gottes Diener oder Prediger. Wer nicht tatsächlich als ein Zeuge Jehovas predigt, ist nicht bei dieser Organisation. Solange sich jemand mit der Organisation zusammen am Predigen beteiligt, wird er als dazu gehörend anerkannt."

Namentlich in dem Zusammenhang mit dem Bemühen, "Körperschaft des öffentlichen Rechtes" werden zu wollen, wurde vorstehende Position formal aufgegeben. Jetzt läßt man verlauten, alle, die nicht eine ausdrückliche schriftliche Willenserklärung abgeben und eine örtliche Versammlung der Zeugen Jehovas besuchen, seien damit automatisch, "Mitglied" der "Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland e. V.". Dies ist aber nach wie vor eine Formalie zum Nutzen ihrer Führungsschicht. Denn etwa ein passives oder aktives Wahlrecht für innerorganisatorische Posten, wird ihnen nach wie vor nicht zugebilligt. Die vermeintlichen "Mitglieder" sind nach wie vor rechtlose Manöveriermasse ihrer Führungsoligarchie. Sollte es mit der KdöR denn mal klappen, wird man sich ihrer dergestalt zu erinnern wissen, dass sie nunmehr eine "Rechtspflicht" zur Abführung Kirchensteuerähnlicher Abgaben hätten. Das war es dann aber auch schon.

Früher hatte man das noch unverblümter ausgedrückt. Twisselmann hat zum Beispiel in seinem Buch "Jehovas Zeugen - die Wahrheit, die frei macht" (S. 123) in Faksimile ein WTG-Schreiben vom 27. 10. 1973 abgedruckt, in der ein vermeintliches "Mitglied" belehrt wurde:

"Liebe Schwester ... Wir können unseren Unterlagen nicht entnehmen, daß Du bei uns als Mitglied geführt wirst. Es trifft zwar zu, daß die Versammlung ... einen Verein gegründet hat, um den gesetzlichen Bestimmungen Rechnung zu tragen, doch bist Du kein Mitglied dieses Vereins. Dies sind in der Regel nur Brüder.

Wenn Du allerdings annimmst, daß Du durch Deine Hingabe an Jehova, die durch die Wassertaufe symbolisiert wurde, gleichzeitig ein Mitglied bei Jehovas Zeugen geworden bist, so wäre diese Annahme nicht richtig ... "

Beth-Sarim

In dem 1939 erschienenen Buch „Die Rettung" von Rutherford, findet sich auch eine Apologie „Beth-Sarim" betreffend. Dort konnte man lesen (S. 325, 326)

In San Diego, Kalifornien, ist im Jahre 1929 auf einem kleineren Grundstück ein Haus erbaut worden, dass die Bezeichnung Beth-Sarim trägt und unter diesem Namen bekannt ist. Die hebräischen Worte 'Beth-Sarim' bedeuten 'Haus der Fürsten'. Mit der Erwerbung des Grundstückes und dem Bau des Hauses wurde bezweckt, einen greifbaren Beweis zu schaffen, dass es heute Menschen auf Erden gibt, die völlig an Gott, an Christus Jesus und an sein Königreich glauben und auch glauben, dass der Herr die treuen Männer alter Zeiten bald auferwecken wird, sodass sie auf der Erde zurück sein werden und die sichtbaren Angelegenheiten der Erde in die Hand nehmen. Den Titel auf Beth-Sarim verwaltet die Watch Tower Bible and Tract Society, und dieses Besitztum soll gegenwärtig von dem Präsidenten der Gesellschaft und seinen Gehilfen benutzt werden und hernach immerdar den vorhin erwähnten Fürsten auf Erden zur Verfügung stehen.

Aber es wurde als gut und Gott wohlgefällig erachtet, dass das vorhin erwähnte Haus als ein Zeugnis für den Namen Jehovas gebaut wurde sowie als eine Kundgebung des Glaubens an Gottes angekündigte Vorsätze. Vielen Menschen der ganzen Erde hat dieses Haus bereits als ein Zeugnis gedient, und während sich die Ungläubigen darüber in Spott und Hohn ergangen haben, steht es doch da als ein Zeugnis für den Namen Jehovas, und wenn dann die Fürsten tatsächlich zurückkehren und jemand von ihnen das Besitztum benutzt, so wird das eine Bestätigung des Glaubens und der Hoffnung sein, die der Antrieb gewesen waren, das Haus der Fürsten zu bauen."

Im Jahrbuch 1931 der Bibelforscher, findet sich gleichfalls ein auf die Mentalität der eigenen Klientel abgestimmter Bericht über jene Fürstenvilla. Man wird schon sagen können, dass in ihm die neuralgischen Punkte in bewusst verharmlosenden Wendungen wiedergegeben wurden. Man konnte in ihm lesen:

"Während des Jahres haben liebende Hände ein gut eingerichtetes Haus bereitgestellt, schön gelegen in San Diego, Kalifornien, wo der Präsident und seine Büromitarbeiter der Strenge des Winters entgehen können und so in der Lage sind, mit dem Werk fortzufahren. Diese Vorkehrung ist gnädig vom Herrn anerkannt worden. Er weiß, wer die Geber sind, und er wird sie dementsprechend segnen. Das Recht auf dieses Haus besitzt die Gesellschaft, und sie verwaltet es als Treuhänder zum dauernden Gebrauch für Gottes Treue. Es wurde als passend erachtet, dem Hause einen Namen zu geben, und deshalb ist es bekannt unter dem Namen 'Beth-Sarim'. Dies ist ein zusammengesetztes hebräisches Wort, und seine Bedeutung ist 'Haus der Fürsten', und es ist den vom Herrn erwähnten Fürsten zugedacht. Es wird zuversichtlich erwartet, dass zu Gottes bestimmter Zeit einige der in Hebräer 11 erwähnten Männer, die Christus zu 'Fürsten auf der ganzen Erde' machen wird, einen Wohnplatz in diesem Hause finden werden, während sie das Werk ausführen, dass der Herr ihnen übertragen hat.

Der Feind brachte viele Redereien über den Bau dieses Hauses in San Diego auf. Seine Absicht hierbei war natürlich, Schmähung auf das Werk der Gesellschaft zu bringen."

Die Sache mit der Fürstenvilla musste man auch zeitgenössisch den Bibelforschern irgendwie "beibringen". Versteht sich in dem Sinne, das alles "rechtens" sei. Dazu veröffentlichte das "Goldene Zeitalter" (Schweizer Ausgabe 15. 9. 1930) einen Artikel des damaligen Druckerei-Direktors der WTG, Robert J. Martin. Er rührt die Rührseligkeitstrommel dergestalt, dass Rutherford wegen einer schweren Lungenentzündung das Winterklima in Brooklyn nicht mehr vertragen würde, und er während dieser Zeit in das klimatisch günstiger gelegene Kalifornien ausweichen müsste. Im einzelnen schrieb Martin dann noch:

"Da es nun sehr unbequem und kostspielig ist, sich für nur einige Monate ein Haus mieten zu müssen, habe ich und einige andere Glaubensbrüder, die eng mit Richter Rutherford verbunden sind, ihn auf die Notwendigkeit eines Hauses in San Diego aufmerksam gemacht, wo er und seine Mitarbeiter während ihres Aufenthaltes arbeiten könnten. Im vergangenen Jahre, als der Herr für die nötigen Mittel gesorgt hatte, ohne das die Gesellschaft damit belastet zu werden brauchte, redeten wir ihm eindringlich zu. Schließlich gab er seine Zustimmung unter der Bedingung, dass das Haus lediglich dem Werke des Herrn und nicht irgendwelchen Privatzwecken dienen solle. Daraufhin reiste ich im Oktober 1929 nach Kalifornien, kaufte ein Grundstück ließ es auf meinen Namen eintragen, schloss mit dem Baumeister einen Vertrag ab und das Haus wurde auf meinen Namen gebaut. Anfang des Jahres 1930 begab ich mich von neuem nach Kalifornien, um den Bau zu übernehmen. … Als Richter Rutherford von treuen Freunden zu dem Bau eines Hauses gedrängt wurde, weigerte er sich, es für sich selbst zu tun und willigte nur unter der Bedingung ein, dass es dem Werke des Herrn diene. Er setzte selbst eine Urkunde über den Besitz des Hauses auf…"

Als weiteres Detail führt Martin in seinem Bericht aus:

"Urkunde. Robert J. Martin (unverheiratet) in Brooklyn, Adams Street 117 wohnhaft, garantiert hiermit den Gelegenheitskauf und verkauft für die Summe von zehn Dollars (10,-) an Joseph F. Rutherford, Brooklyn, Columbia Heights 124, für die Zeit seines Lebens und hernach zu Gunsten der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. … Besagte Grundstücke sind in den alleinigen Besitz von Joseph F. Rutherford übergegangen und sollen solange er auf Erden lebt zu seiner Benutzung dienen … "

Um der Sache noch einen "theologischen Anstrich" zu geben, wurde in dem fraglichen Dokument weiter ausgeführt.

"Sie (Martin und Rutherford) erkennen auch die Beweise für die jetzt stattfindende Aufrichtung des Königreiches Gottes zur Segnung der Menschen auf Erden und sind überzeugt, dass die herrschende Macht und Autorität dieses Königreiches den Menschen unsichtbar ist, dass aber dieses Königreich sichtbare Vertreter auf Erden haben wird, die unter der Oberleitung des unsichtbaren Herrschers Christus die Angelegenheiten der Nationen der Erde leiten werden, dass unter diesen treuen Repräsentanten und sichtbaren Regenten der Welt folgende sein werden: David (der einstige König Israels), Gideon, Barak, Simson, Jephta, Joseph (früherer Herrscher in Ägypten), Samuel (der Prophet) und andere treue Männer, deren Namen die Bibel in Hebräer 11 lobend hervorhebt. Die Sachlage ist nun die, dass die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft besagte Besitzung verwalten soll, bis einige oder alle dieser Männer (wie oben erwähnt) die die sichtbaren Vertreter des Königreiches Gottes auf Erden sein werden, davon Besitz ergreifen und derart gebrauchen, wie es ihnen zum Nutzen des Werkes, dass sie zu tun haben, am zweckmäßigsten erscheint.

Das Grundstück wurde erworben und das Gebäude darauf errichtet unter der Leitung des besagten Joseph F. Rutherford. Es wurde Jehova Gott und seinem König Christus, dem rechtmäßigen Herrscher der Erde, zu dem ausdrücklichen Zweck gewidmet, dass es nur von solchen benutzt werde, die Diener Jehovas sind. … Ferner ist vorgesehen, dass es besagtem Joseph F. Rutherford zusteht, während er noch auf Erden lebt, kontraktlich oder urkundlich zu bestimmen, dass irgendwelche anderen Personen, die mit der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft in Verbindung stehen, das Recht haben auf besagtem Grundstück zu wohnen, bis David oder andere der Männer, wie sie im 11. Kapitel des Hebräerbriefes erwähnt sind, dass Eigentum in Besitz nehmen werden. Eigentum, welches Jehova Gott geweiht ist, und das für immer seinem Königreich dienen soll. Jede Person, die Anspruch auf diese Anlagen erhebt, soll sich den Beamten besagter Gesellschaft gegenüber zuerst als eine der im Hebräerbrief erwähnte Person, wie in diesem Kontrakt beschrieben, ausweisen.

Als Zeuge unterzeichne ich, Robert J. Martin und besagter Joseph F. Rutherford, am 24. Dezember 1929."

Zum Fall Beth Sarim vermittelt Günther Pape in seinem Buch: "Die Zeugen Jehovas. Ich klage an. Bilanz einer Tyrannei", auch einige interessante Aspekte. Danach habe Robert J. Martin, Direktor der Wachtower Society und Leiter der Wachtturmdruckerei in Brooklyn die technischen Angelegenheiten dieses Hausbaues besorgt. Zum Ambiente des Hauses gehörte auch, dass im Bad schwarzglänzende Fliesen mit weißer Verfugung Verwendung fanden. Jeder Fliesenleger, wird jedem Laien plausibel erklären können, dass dies die luxuriöseste Variante der Wandfliesenauswahl darstellt, die im Angebot ist. Auch wenn sie nicht unbedingt dem heutigen Zeitgeschmack entspricht und in Bezug auf sich niederschlagende Wassertropfen auf der Fliesenglasur relativ pflegeintensiv ist. Aber ein "Fürst" macht sich zu letzterem keine großen Gedanken. Schließlich hat man für die Hauspflege entsprechendes Personal!

Unter Verweis auf die englischsprachige Studie von Edmond C. Gruss, wird als Hintergrund dieser Villenbauaktion noch ausgeführt: "Macmillan, ein WTG-Direktor, berichtet, 'das Beth Sarim erbaut wurde, weil man entschlossen war, den trunksüchtigen und sich verschlechternden Rutherford aus Brooklyn herauszubekommen.' "

Makaber auch die Passage: "Da Rutherfords Ableben abzusehen war, gründeten Knorr, Franz und Rutherfords Sekretär Heath eine Friedhofs-Gesellschaft und versuchten im Talhang hinter der Villa Beth-Sarim eine Begräbnisstätte genehmigt zu bekommen. Sie begannen mit dem Bau einer Krypta, in der Rutherford bestattet werden sollte und zu der dann seine Anhänger pilgern sollten. Allerdings erhielten sie keine Genehmigung für den Friedhof und die Krypta, so dass Rutherford erst fast vier Monate nach seinem Tod nach New York überführt und dort beerdigt wurde."

Zu den Hypotheken, die der neue WTG-Präsident Knorr mit übernehmen musste, gehörte auch jene kalifornische Fürstenvilla „Beth Sarim" in dereinst, nach Rutherford, die wieder auferstehenden „alttestamentlichen Überwinder" eine Wohnstätte vorfinden sollten. Letztendlich wurde jenes Projekt im Nachgang der 1925-Verkündigung, mit Alibifunktion gestartet. Da die vorgesehenen "Fürsten" es permanent vorzogen, doch nicht wieder zu erscheinen, nutzte Rutherford das fürstliche Ambiente dann für sich. Wie nun, nach dem Tode von Rutherford mit dieser Immobilie verfahren? Es war offensichtlich, dass die Kritiker es nicht versäumen würden, ihren „Salzstreuer" auf diese Wunde zu richten. Noch im Jahre 1997 hatte Edmond C. Gruss (in Englisch) unter dem Titel: „Jehovah's Witnesses -- their Monuments to false Prophecy" eine umfängliche Schrift veröffentlicht, die dem Beth-Sarim Thema gewidmet ist.

Knorr meinte die Sache „elegant" über die Bühne bringen zu können in der Form einer beiläufigen Bemerkung. „Der Wachtturm" (1948 S. 127) zitiert:

„Kongress, Los Angeles, Kalifornien, August 1947.

Bruder Knorr sprach darauf von den Farmen und Zufluchtsstätten, die im Ausdehnungswerk keinem guten Zwecke dienten und die demgemäß veräußert würden. Dies führte ihn folgerichtigerweise auch auf die Erwähnung des Besitztums der Gesellschaft in San Diego, Kalifornien, von Beth-Sarim, was „Haus der Fürsten" bedeutet. Die Zuhörerschaft ... zollte Beifall, als sie unterrichtet wurde, dass der Direktionsausschuß der Gesellschaft einstimmig beschlossen habe, über Beth-Sarim zu verfügen, sei es nun durch direkten Verkauf oder durch vermieten, weil es seinem Zweck völlig gedient habe und jetzt nur noch als ein Denkmal diene, dass zu behalten ziemlich kostspielig sei. Unser Glaube an die Wiederkehr der Männer aus alter Zeit, die der König Christus Jesus auf der ganzen Erde (und nicht nur in Kalifornien), zu Fürsten einsetzen wird, stützt sich nicht auf das Haus Beth-Sarim, sondern auf Gottes Verheißungswerk."

Im Jahre 1942, hatte derselbe Knorr allerdings noch anders getönt. In seiner Broschüre „Hoffnung für die Verstorbenen für die Überlebenden in einer gerechten Welt", die 1948 auch in deutscher Übersetzung erschien hatte er verkündet:

„Die Bibel und die 'Zeichen der Zeiten' zeigen an, dass nun binnen kurzem - Sie mögen es miterleben - jene treuen und heiligen Männer der alten Zeit, welche die Bibel geschrieben haben, aus dem Grab zurückkehren werden - Männer wie Daniel und Jesaja, auch Abraham, Isaak und Jakob. (Überrascht Sie das? Es steht so in Matthäus 8:11 und Lukas 13: 28-30 zu lesen!) (S. 6)"

und Lukas 13: 28-30 zu lesen!) (S. 6)"

 

So zeigt die WTG besagten Robert Martin, als Vasall seines Herrn (Hut ab).

Martin war es der für Rutherford den Beth Sarim-Deal einfädelte

Ist er es? Oder ist er es nicht? Letzteres Foto wurde aus dem Internet "herausgefischt". Da das offizielle WTG-Foto des Robert J. Martin sehr klein ist, bleiben Zweifel offen. Dennoch scheint mir die Ähnlichkeit frappierend.

Ein im Zusammengang mit Beth Sarim zu nennendes Dokument ist auch die WTG-Publikation „The Messenger" aus dem Jahre 1931 (nur in Englisch erschienen).

http://www.archive.org/details/1931MessengerBethSarim

Anlässlich ihres Kongresses in Columbus, Ohio (USA), der auch durch die Einführung des Namens „Jehovas Zeugen" berühmt wurde, veröffentlichte die WTG zwischen dem 25 - 30 Juli 1931 (im Zeitungsformat) fünf spezielle „Kongress-Reporte". Besonders die erste Ausgabe davon (25. 7. 31) ragt besonders hervor, dergestalt, dass dort das Beth-Sarim Thema offensiv angegangen wurde, während die sonstige WTG-Literatur es in der Regel vorzieht, zu dem Thema zu schweigen, oder sich auf nichtssagende Wendungen zu beschränken.

Rutherford belehrt darin seine Leser, dass er seine Verhaftung im ersten Weltkrieg gesundheitlich nicht gut überstanden habe. Weiter, dass in San Diego (Kalifornien) ähnliche klimatische Bedingungen herrschen würden wie in Palästina.

Weiter belehrt er:

Sein Arzt, Dr. A. G. Eckols, von San Diego, habe ihn gedrängt, die Stadt als seinen dauerhaften Wintersitz zu nehmen nachdem er schon fünf Jahre lang dort zur Winterszeit logierte; und im letzten Teil des Jahres 1929 hätten sich „einige Brüder" gefunden, die von ihren eigenen persönlichen Kapital heraus, Geld für die Aufrichtung von Beth-Sarim, gaben, „das Haus der Fürsten" von, welchen einige Abbildungen in dieser Ausgabe erscheinen.

Seine weitere Belehrung besagt, dass dadurch ja auch der Glaube an die baldige Wiederauferstehung der alttestamentlichen Patriarchen, durch die Publicity, die Beth Sarim verursachte, weit verbreitet wurde. Seine Milchmädchenlogik schlussfolgert messerscharf weiter, wenn dieselbe Publicity auf üblichen Wege hätte erzielt werden sollen, wären da wohl hunderttausende Dollars für bezahlte Zeitungsannoncen nötig gewesen. So sei aber der gleiche Effekt quasi „kostenlos" eingetreten.

Und was die Miesepeter betrifft, denen diese „Suppe" immer noch nicht so recht schmecken will, da fährt er dann ganz scharfes Geschütz auf. Er vergleicht sie mit Judas, der auch daran Anstoß genommen hätte, dass Jesus mit einer kostbaren Salbe gesalbt worden sei.

Wenn das Jesus recht war, dann könne die Nutzung von Beth Sarim, ihm Rutherford nur „billig" sein. Und damit dürften dann wohl die eventuellen Kritiker in den eigenen Reihen endgültig verstummt sein.

Wie schon gesagt, ragt die zitierte „Messenger"-Ausgabe auch besonders dadurch hervor, dass in ihr eine ganze Reihe von Fotos über Beth Sarim veröffentlicht wurden, die so in der gesamten übrigen WTG-Literatur nicht auch an anderer Stelle nachweisbar wären. Diese Bilder besitzen in der Tat Rara-Charakter.

Natürlich gibt es von Beth Sarim heutzutage auch Farbfotos. Hier in der Messenger-Ausgabe indes nur Schwarz-weiss-Fotos. Durch Kopien von Kopien sind sie in der „Qualität" zwischenzeitlich auch als äußerst unbefriedigend zu werten. Dennoch seien sie auch an dieser Stelle einmal offeriert, damit man sich zumindest einen groben Überblick verschaffen kann.

Einen makabren Pressebericht (Sun Diego Sun vom 9.Januar 1931) gibt es in Sachen Beth Sarim auch noch zu registrieren

Man vergleiche: http://www.jehovahs-witness.com/12/69810/1.ashx

Ein abgezehrter, unrasierter Landstreicher war der alleinige Antragsteller für die US-$ 75.000 teure südkalifornische Villa von David, König von Israel, seit sie vor einem Jahr auf diese biblische Figur übertragen wurde.
Dies wurde heute von Richter Joseph Rutherford offenbart, dem zeitweisen Besitzer der luxuriös möblierten Villa im spanischen Stil in der 440 Braeburn Road im exklusiven Bezirk Kensington Heights.

Bei einer der seltsamsten je verzeichneten Besitzübertragungen hat Rutherford, Präsident der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung und der Watch Tower Bible and Tract Society, den prächtigen Besitz treuhänderisch für die alten Könige und Propheten Israels übernommen.
Der Totschläger Goliaths und seine Mitgenossen dürfen das 10-räumige, moderne Haus mit seinen Landschaftsgärten und einer Terrasse so bald übernehmen, wie ihre Legitimationen von Rutherford und den Beamten seiner Gesellschaft, die dazu von Gott autorisiert wurden, anerkannt wurden.

„Eines morgens, als ich vom Haus zur Garage ging, kam ein merkwürdig dreinschauendes Geschöpf auf mich zu, tippte an seinen schmutzigen Hut und rief: 'Wie geht's, Richter? Ich bin David'. 'Verschwinde und sag das jemand anderem', sagte ich ihm, und er ging ohne jede weitere Diskussion. Ich konnte auf einen Blick erkennen, daß es nicht David war. Er sah nicht so aus, wie ich mir David vorstellte." Gefragt, wie er denn wohl meinte, daß David und seine erlauchten Brüder im Herrn aussehen würden, öffnete Rutherford ohne Zögern seine riesige Bibel und wies auf einen Vers hin, in dem es hieß, daß die Fürsten des Universums als „vollkommene Menschen" von den Toten auferstehen würden.

„Ich lege das so aus", erklärte der würdevolle Richter, „daß David, Gideon, Barak, Samson, Jephtha, Joseph und Samuel hierher geschickt werden, um die Welt Satans Klauen zu entreißen, modern angezogen wie wir und mühelos in der Lage, unsere Sprache zu sprechen." Rutherford zeichnete ein Bild von der Ankunft der biblischen Delegation vielleicht in Gehröcken, mit hohen Hüten, Spazierstöcken und Gamaschen. In Beth Sarim (Haus der Fürsten), wie Rutherford seine Villa genannt hat, wird David die modernsten Hilfsmittel finden, die die Wissenschaft ersonnen hat.

Wenn die erlauchten Gäste die Wendeltreppe zur ersten Etage hochgehen, werden sie ein großes Büro vorfinden, mit roten Ledersesseln und einem glänzenden Schreibtisch mit indirekter Beleuchtung. Selbst Tastentelefone warten auf die Berührung durch die Fürsten. Wenn sie eine weite Tür öffnen, werden die Söhne Palästinas ein großes Badezimmer erblicken, leuchtend mit glänzenden schwarzen Fliesen mit Dusche und einem reichlich gefüllten Medikamentenschrank.


Was für ein spannendes Erlebnis der breitschultrige Samson, der mit seinen bloßen Fäusten einen Palast zerstörte, haben mag, wenn er ein goldenes Sicherheitsrasiermesser und einen Streichriemen vorfindet! Rutherford baute das Schlafzimmer im ersten Stock, das er zeitweise selbst belegt, groß, um mehreren der erwarteten Eigentümer Platz zu bieten. Mit großen verglasten Fenstern, die auf die purpurfarbenen Cuyamacas im Osten und Kaliforniens erste Mission im Norden blicken, ist das Schlafzimmer fast schmucklos in seiner Möblierung.
Die Herrscher des Universums werden einen einfachen Geschmack haben, so glaubt der Richter offenbar, obwohl die nüchternen Beistelltische mit FictionZeitschriften in munterer Aufmachung protzen.

Rutherford hat Kölnisch Wasser importiert, damit die Fürsten nach der Rasur ihr Gesicht erfrischen können. Ein schwarzes Scheitelkäppchen hängt über einem der Bettpfosten.
Die Ankunft von David und seinen Gefährten wird die größte Neuigkeit aller Zeiten werden, sagte Rutherford voraus. „Ich suche keine Publicity", sagte Rutherford mit einem Zwinkern seiner freundlichen braunen [?] Augen, „aber ich denke, die Welt sollte es wissen, wenn sie kommen. Das wird eine große Neuigkeit." Die Nachricht von seinem „Haus von König David" habe jeden Winkel der Erde erreicht, meinte der Richter. „Überall, wo ich war, fragten mich die Leute nach diesem Ort", sagte Rutherford. „In Chicago bot mir ein millionenschwerer Fabrikant an, noch ein Haus für David zu bauen, aber ich habe das Angebot abgelehnt.

Buchstäblich Tausende sind hierhergefahren, um den Ort zu sehen", sagte Rutherford weiter. „Viele sind an die Tür gekommen, und mein Sekretär hat sie herumgeführt." Die Terrasse mit ihrem silbernen Pool und Olivenbäumen und Palmen leuchtet von Blumen. Weiter unten in Richtung Canyon wurden Wege angelegt, damit David und seine Freunde dort meditierend entlanggehen könnten. Viele Obstbäume, die aus Palästina stammen, werden die Herrscher begrüßen, wenn sie ankommen.

In der Doppelgarage eine Tür weiter steht eine neues 16-Zylinder-Coupé, das den Herrschern zusammen mit allem persönlichen Besitz dort übergeben werden wird.
„Alles wird ihnen gehören, das Haus, das Land, die Möbel und selbst die Kleidung, wenn sie sie benötigen", sagte Richter Rutherford. „Was ich tun werde? Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Ich werde schon irgendwie klarkommen", lächelte der Richter. Er hatte eine weitere Wachtturm-Wohnung auf Staten Island und praktisch eine gesamte Etage im Bethel [siehe den Fall Moyle gegen Franz et al., 10.-27.5. 1943, N.Y Supreme Court].

Die sieben berühmten Männer werden sich nicht lange Zeit in ihrem Haus in San Diego auszuruhen brauchen, weil sie schon bald die Heere des Herrn führen werden, um Satans Günstlinge in der Schlacht von Harmagedon zu bezwingen, glaubte Rutherford. „Aber sie werden siegen. Der Herr wird den Teufel bestrafen und zeigen, daß die Prediger und Politiker dem Volk falschen Rat erteilt haben", sagte Rutherford zuversichtlich. Rutherford wird am 9. Mai nach Europa fahren, wo er auf Kongressen in Berlin, Paris und London sprechen wird..

Will man ein Schlussresümee ziehen, dann könnte es wohl dieses sein. In seiner 1928 erschienenen Broschüre „Wohlfahrt sicher", hatte er schon auf dem Titelbild ausmalen lassen, wie es denn demjenigen ergehen „würde", der seine Stange halte.

Eines wird man wohl sagen können. Nicht für die breite Masse seiner Anhänger, sehr wohl aber für ihn, Rutherford persönlich, hatte sich das tatsächlich erfüllt!

-----------------------------------

Weitere externe Links

http://www.freeminds.org/women/barb_bethsarim.htm

http://i27.tinypic.com/2cejjmf.jpg

http://bbcinternational.org/believers/english/images/sDSC02972.jpg

http://bbcinternational.org/believers/english/images/sDSC02979.jpg

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/77/BethSarim_2008.JPG/220px-BethSarim_2008.JPG#

http://www.dailymotion.com/video/xqw0s2_beth-sarim_news

(Für die Beständigkeit externer Links kann keine Gewähr übernommen werden).

-------------------------------------

"Goldene Zeitalter" (Schweizer Ausgabe) vom 15. 9. 1930 mit einem Beth-Sarim bezüglichen Artikel.

Die Ära Rutherford

Kommentarserie 1948 zusammengefasst

Der nächste Jahrgang   1949

Notizen aus "Informator" 1948

ZurIndexseite